Wie würde eine maskulistische Erziehung von Kindern aussehen?

Peter Müller warf in den Kommentaren eine Frage auf:

Wie sollte, könnte, würde eine „maskulistische Erziehung“ von Töchtern aussehen?

Das finde ich auch nicht uninteressant.

Um mal den offensichtlichen Witz zu machen:

Dem Zerrbild entsprechend würde sie natürlich allenfalls die Haushaltsschule besuchen dürfen, damit sie kochen, backen und aufräumen kann. Die übrigen bei einer Frau wichtigen Fähigkeiten kann sie ja eh nur in der (kirchlich geschlossenen!) Ehe lernen.

Aber ernsthaft:

Natürlich wollte ich wollen, dass eine Tochter von mir die Freiheiten hat, sich in die von ihr gewünschte Richtung zu entwickeln, eine selbstbewußte, selbständige Frau wird, die eine positive Einstellung Männern und Frauen gegenüber hat. Mir wäre es schon wichtig, dass sie auch „untypischeres“ kann, etwa mit Werkzeugen arbeitet und nicht da aus Prinzip nach einem Mann ruft. Natürlich würde es mich freuen, wenn sie später mal Dawkins und Co liest, lernt, sich selbst eine Meinung zu bilden und Argumente gegeneinander abzuwägen und sich dann für die logischere Ansicht zu entscheiden. Ich würde sie, wenn sie älter ist, sicherlich auf meine Theorien dazu hinweisen, dass Männer und Frauen schlicht im Schnitt (!) unterschiedlich sind und das anders sein, auch anders als das eigene Geschlecht, nicht schlimm ist. Sie könnte dann natürlich sein, wie sie will und wenn sie die Ansichten ihres Vaters doof findet, dann ist das auch ihre Sache. Auch bei Spielzeug finde ich es nicht schlecht, ihr Auswahl zu bieten und sie mit dem spielen zu lassen, was sie will. Nach meinen Erfahrungen hier würde ich es schon als (auch) meine Aufgabe ansehen, dass man sie auch mal fordert, sie Sachen machen lassen lässt, vor denen sie zunächst Angst hat, damit sie merkt, dass alles nicht so schlimm ist und man auch mal hinfallen kann.

Würde ich ihr Lektionen geben, dass sie Männer nicht ausnehmen darf oder etwas in der Art? Ich denke eher nicht. Allenfalls, wenn dazu Anlass bestehen würde und sie älter ist. Sicherlich würde ich ihr raten, sich nicht einfach auf ihren Partner zu verlassen und auf eine gute Ausbildung bestehen, die ihr erlaubt, ihr Leben selbst zu leben.

Als Nichtvater ist das alles natürlich schwer zu sagen. Ich wäre erst einmal froh, wenn ich es überhaupt einigermaßen hinbekomme, dass sie ein gut erzogenes, aufgewecktes Kind ist, welches ein gutes Selbstvertrauen entwickelt hat und sich sozial gut mit anderen versteht. Spannend wird sicherlich einiges ab 14+. Aber ob sie dann groß von ihrem Vater Vorträge über das andere Geschlecht hören will wäre eine andere Sache. Interessant würde ich es finden, ihr wenn sie das interessiert, etwas Pickupliteratur zukommen zu lassen, weil die glaube ich auch eine interessante Perspektive auf Flirten und weibliches Begehren geben und es nicht schaden kann sich da auch selbst zu verstehen. Ob man das dann aber als Vater tatsächlich tut wäre eine andere  Frage.

Was würdet ihr denn machen  oder habt ihr gemacht?

Und natürlich wäre auch die Folgefrage interessant:

Was würdet ihr bei einem Jungen machen?

 

Verhältnis zum neuen Partner des anderen Elternteils

Kürzlich las ich in einem Forum so ungefähr das Folgende:

Der Neue meiner Ex hat mein bei ihr wohnendes Kind neulich, wie ich im nachhinein erfahren habe, zum Arzt gebracht für eine normale Untersuchung, dem Kind wurde dabei auch Blut abgenommen. Ich habe das gemeinsame Sorgerecht. Darf der das? Kann ich den anzeigen?

Viele Antworten waren recht empört, allerdings eben weil er so etwas überhaupt erwägt. Und führten sinngemäß aus, dass er mal von der Beziehungsebene weg kommen sollte und sich lieber freuen sollte, dass sein Kind in einer Familie lebt, in der es ihm gut geht und in der man sich um ihn kümmert. Das sei schließlich das Beste für das Kind und alles andere emotionale Empfindlichkeiten aus verletzten Stolz.

Ich denke was da insbesondere mit hineinspielt ist der Umstand, dass der neue Partner einen zu einem gewissen Teil ersetzt und eine Rolle und Position einnimmt, die man gerne selbst ausüben würde. Und natürlich spielt da auch eine gewisse Eifersucht mit hinein, evtl auf die neue Beziehung, aber auch auf die Vaterrolle, die der neue einnimmt.

Rechtlich wird er es, wenn es eine Routineuntersuchung ohne besondere Gefährdung oder Bedeutung ist, durchaus dürfen, dann eben als der Vertreter der Mutter. Ob der Arzt diese nachgewiesen haben möchte oder das Verhältnis kennt wäre für die Wirksamkeit dann erst einmal egal. Aber dieses rechtliche ist denke ich in der Tat das kleinste Problem.

Am gesündesten ist wohl die Perspektive, dass er einen nicht ersetzt, sondern nur einen Platz neben einem einnimmt. Und das derjenige auch nichts dafür kann, ihm bleibt ja nichts anderes übrig als sich mit dem Kind seiner Partnerin zu verstehen. Am besten wäre es wohl, wenn man mit demjenigen gut auskommt und sich gut versteht, aber das kann natürlich einfacher gesagt als getan sein.

Gleichberechtigte Elternschaft

Gleichberechtigte Elternschaft – Die Podiumsdiskussion

Gemeinsame Elternverantwortung auf Augenhöhe im Lebensverlauf – was brauchen Mütter und Väter dafür, wie findet man die besten Lösungen für die Kinder, woran mangelt es noch in Deutschland? Diesen und weiteren Fragen widmeten sich der Verein Väteraufbruch für Kinder e.V. (VAfK) und der Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM) im Rahmen ihres bereits zweiten parlamentarischen Abends am 22. September 2016 in Berlin.

Leben mit der Energiewende TV dokumentiert die Podiumsdiskussion nach den Vorträgen.

Teilnehmer/innen der Diskussion:
Francoise Hetto-Gaasch (Parl. Versammlung des Europarates), Sabine Menkens (Moderatorin), Doro Engel (VBM), Cornelia Spachtholz (VBM), Dr. Ursula Matschke (Gleichstellungsbeauftragte, Stuttgart), Markus Witt (VAfK), Oliver Hunziker (VeV, Schweiz), Martina Krahl (VAMV), Martin Rosowski (Bundesforum Männer)

Die einzelnen Vorträge sind auf dem Kanal von „Leben mit der Energiewende“ dokumentiert.

Moderation: Frank Farenski

Fachkongress Bewegte Zeiten für Väter

Der Text dazu

Viele Väter möchten mehr Zeit für ihre Familie haben und sich aktiv an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Männer für eine aktive Vaterschaft zu gewinnen und sie darin zu unterstützen, sich die Familien- und Sorgearbeit partnerschaftlich zu teilen, gehören deshalb zu den wichtigsten familienpolitischen Zielen der Landesregierung. Beim Fachkongress „Bewegte Zeiten für Väter“ werden gemeinsam die unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und diskutiert.

Der Kongress bietet neben Keynotes zu Zukunftstrends in Familie und Arbeitswelt sowie zu Perspektiven aus Kinder- und Vatersicht auch Workshops zu gelingender Partnerschaft, Arbeit der Zukunft, Vätern und Vereinbarkeitswünschen und Netzwerken für Väter. Darüber hinaus geben Themeninseln wichtige inhaltliche Impulse für die Arbeit und ermöglichen viel Raum für Diskussionen, Austausch und Vernetzung.

Dazu auch:

Das Publikum war angenehm gemischt, es waren viele Verantwortliche öffentlicher und kirchlicher Träger und Sozialverbände gekommen. Ich hatte vor, die Zuhörer_innen durch die Schilderung verschiedener Missstände zum Nachdenken zu bewegen. Doch das musste ich gar nicht tun. Von Anfang an entspann sich eine lebhafte Debatte zu den Aspekten Frauenförderung, leaky pipelines, vermeintlichen Meritokratien oder Lohngleichheit.

Doch an einer bestimmten Stelle kippte die Diskussion. Insbesondere zwei Herren im Publikum schienen gar nicht einverstanden mit meiner Darstellung flächendeckender Diskriminierung von Frauen. Ein Zuhörer fand mangels klarer Definition der von mir verwendeten Systembegriffe gar die Debatte an sich quasi unführbar. Im Laufe meines Vortrags unterbrach er, zunehmend aggressiv, mehrfach meine Ausführungen. Am Ende warf er mir „Männer-Bashing“ und eine unterirdische non-verbale Kommunikation vor.

Ein anderer Herr führte ins Feld, dass es nach seiner Erfahrung die Jungen und jungen Männer seien, die Diskriminierung erfahren würden. U.a. seien diese drei Mal häufiger einer Therapie mit Ritalin ausgesetzt als Mädchen und junge Frauen. Ich ging auf seinen individuellen Einwand ein, wollte diesen jedoch nicht als Argument gelten lassen, dass man nicht generell über die flächendeckende Diskriminierung von Frauen sprechen dürfe.

Nach diesen Wortmeldungen war die Atmosphäre im Raum durchaus angespannt. Insbesondere der Zuhörer. der die Frage nach der Trennschärfe der Begriffe aufgebracht hatte, war kaum mehr bereit meinen Ausführungen zu folgen. Zwar verlief der Vortrag in der Folge einigermaßen geordnet, die Vehemenz der männlichen Wortmeldungen gab mir dennoch sehr zu denken.

Denn es ist kein Einzelfall, dass in Debatten um Gender, Diskriminierung oder Gleichstellung Männer zum Teil recht heftig agitieren. Hier scheint der Diskurs an Glaubenssätzen und tief sitzenden Überzeugungen zu rütteln. Und nicht wenige Männer reagieren mit Aggression und Zurückweisung.

Mir ist es wichtig, dass ich verstehe, was genau sie so irritiert. Denn dass etwa Jungen in einigen Bereichen inzwischen von den Mädchen und jungen Frauen abgehängt wurden, oder gar als Verlierer gelten, ist ja nicht von der Hand zu weisen.

Dennoch gibt es da die Unwilligkeit oder Unfähigkeit zur Wahrnehmung eines diskriminierenden Systems. Statt dessen drehen viele Männer den Spieß um und begeben sich selbst in die vermeintliche Opferolle. Mir ist noch nicht ganz klar, woher genau eine solche Reaktanz stammt. Ich will sie aber auch nicht einfach abtun oder übergehen, denn dahinter steckt unter Umständen eine Menge Angst und Unbehagen.

Gleichzeitig wehre ich mich gegen die Aggression, die da beinahe stets mitschwingt. Für viele Männer scheint Angriff die beste Verteidigung. Und wenn gar nichts mehr hilft, sprechen einige vom „Genderwahn“

Ich habe noch nicht den ganzen Beitrag gehört, dazu ist er sehr lang, aber eine Stelle, etwa um die 59 Minute, fand ich beim reinhören interessant: Da wurde über „maternal Gatekeeping“ gesprochen und Frauen, die Männer daran hindern würden, dass sie Verantwortung übernehmen würden. Sofort wurde Widerstand laut: Das seien ganz vereinzelte Fälle und es wäre überhaupt schlecht davon zu reden, weil so etwas die Männer von der Verantwortung frei sprechen würde und als Entschuldigung missbraucht werden würde.

Aber ob nicht doch auch Frauen vielleicht an diesen klassischen Rollen festhalten würden?

Nein!! Das wären dann ja nur Entschuldigungen und darüber sollte man lieber ganz schweigen.

Das macht aus meiner Sicht mal wieder deutlich, warum diese Ideologien so schädlich sind: Sie sind so unglaublich einseitig. Feste Geschlechterrollen dürften nur bestehen, um Frauen zu entlasten, aber niemals um ihnen selbst eine Verantwortung zuzuweisen. Allenfalls dürfte wohl angemerkt werden, dass das einige Frauen machen, ganz vereinzelt, ansonsten sind eben einfach nur die faulen Männer schuld.

Das verbindende Element von konservativen und linken Kräften bei der Verhinderung von Väterrechten

Der gestrige Beitrag führte zu einigen interessanten Kommentaren, gerade auch zur Geschichte des Familienrechts:

Schoppe schrieb:

Als das menschenrechts- und grundrechtswidrige Modell der Kindessorge nach Trennungen geändert werden musste, hatte Leutheusser-Schnarrenberger ursprünglich ein Widerspruchsmodell vorgelegt. Das heißt: Grundsätzlich gemeinsame Sorge bei allen Eltern, es sei denn, jemand erhebt Widerspruch.
Das ging einigen viel zu weit. Leute aus der Union wollten nicht, dass nicht-eheliche mit ehelicher Elternschaft gleichzieht, und Mütterlobbyistinnen, insbesondere des SPD, sahen die Mutterschaft bedroht, wenn plötzlich der Vater dieselben Rechte hat wie die Mutter.

Resultat: Ein Gesetz, nach dem Väter nur dann das Recht auf Kindessorge erhalten, wenn sie es eigens beantragen, die Mutter nicht widerspricht oder ein Gericht dafür entscheidet. Klarer kann man Vätern gar nicht deutlich machen, dass ihre Verantwortung erlässlich ist und bestenfalls gestattet, wenn der Vater das unbedingt will und die Mutter nichts dagegen hat.

Und welche Partei ging wohl selbst dieses bescheuerte Gesetz, diese winzige Verbesserung der rechtlichen Situation von Vätern noch viel zu weit? Klar: der SPD.

„Die Mischung aus Realitätsverleugnung, Verdrängung eigener politischer Verantwortlichkeit für diese Zustände und die Schuldumkehr – so langsam wird die Politik pathologisch.“ (Crumar) Genau das ist der Punkt, um den es geht. Statt eine halbwegs durchdachte, verantwortungsvolle Politik zu machen, sind Gabriel und Schwesig damit beschäftigt, mit großartigem moralisierenden Gestus Schuldige für die Folgen ihrer Entscheidungen auszumachen. Ein Führerscheinentzug ist zwar entweder sinnlos oder schädlich – aber er beschämt.

Es ist insbesondere die SPD, die für eine Familienpolitik verantwortlich ist, bei der verantwortungslos agierende Eltern belohnt und kooperativ agierende Eltern potenziell bestraft werden. Das haben gerade Väter auch schon an vielfachen Beispielen gezeigt. Wer aber Verantwortungslosigkeit systematisch produziert und dann mit großem Gestus beklagt, agiert unlauter.

Das betrifft insbesondere eine Politik, die de facto die mütterliche „Alleinerziehung“ gegenüber der gemeinsamen elterlichen Sorge bevorzugt. Denn dass eine Familie ökonomisch auf einer besseren Grundlage steht, wenn zwei Erwachsene zusammen arbeiten, als wenn sie gegeneinander ausgespielt werden: Das liegt nicht am Patriarchat, auch nicht an der mangelnden Zahlungsmoral unterhaltspflichtiger Väter, sondern das ist nun einmal einfach so.

Schon Matussek hat sich in „Die vaterlose Gesellschaft“ mit dem Thema auseinandergesetzt und Bundestagsanfragen aus den Siebziger Jahren (!) dazu zitiert – schon damals war klar, dass fehlender Unterhalt in der Regel eher auf Zahlungsunfähigkeit denn auf Verantwortungslosigkeit beruht. Gabriel und Schwesig ignorieren also Sachverhalte, die seit VIERZIG JAHREN bekannt sind. Warum wohl? Weil sie diese Ignoranz brauchen, um Stimmung gegen Einzelne und Gruppen machen zu können.

Carnofis führte dazu aus:

„Es ist insbesondere die SPD, die für eine Familienpolitik verantwortlich ist, bei der verantwortungslos agierende Eltern belohnt und kooperativ agierende Eltern potenziell bestraft werden.“

Ideologisch mag das sein, faktisch aber hält die CDU seit 1983 die Fäden in den Händen. Im Familienrecht geben sich also alle Parteien im Bundestag nichts.
So hat z.B. das BVerfG schon 1982 die Regelung für verfassungswidrig erklärt, wonach der Vater nach der Scheidung automatisch das gemSR verliert (theoretisch auch die Mutter, aber faktisch eben der Vater).
Weder Verfassungsrichter, noch CDU-Regierung sahen einen Eilbedarf, diesen Zustand abzustellen, weshalb es bis 1997 dauerte, bis zumindest die ehelichen Väter ihr Sorgerecht auch nach der Scheidung behielten.

Männer/Väter-Bashing ist also keineswegs auf die SPD beschränkt. Dort sind die Argumente nur besonders plump.

Und noch einmal Schoppe dazu in einem späteren Kommentar:

Ja, das ist sogar ein besonderer Aspekt des Familienrechts: Angebliche politische Todfeinde, nämlich konservative Familienpolitiker bei der Union und feministisch inspirierte Mütterlobbyistinnen bei Rot-Grün, arbeiten de facto seit Jahrzehnten Hand in Hand. Sie treffen sich ideologisch in der Abwertung von Vätern, die sich selbst um ihre Kinder kümmern möchten. Ohne die einen ODER ohne die anderen hätten die Zustände, die im Familienrecht herrschen, nicht so lange aufrecht erhalten werden können.

Es ist auch kein Zufall, dass die deutsche Politik trotz offensichtlicher Menschenrechtsverletzungen zu einer Änderung aus eigener Kraft nicht in der Lage war – das liegt m.E. gerade an dieser Blockade von zwei Seiten. Die entscheidenden Veränderungsimpulse gab es einerseits von der europäischen Ebene nach Deutschland hinein (Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte) und andererseits von der juristischen in die politische Sphäre (Entscheidungen des EuGH und des Bundesverfassungsgerichts). Ohne diese Impulse, die in doppelter Hinsicht von außen kamen, hätte sich überhaupt nichts geändert.

Wichtig ist aber: Von einer konservativen Politik erwarte ich ja gar nichts anderes, als dass sie versucht, Zustände so lange wie möglich zu konservieren. Auch wenn sie sich überlebt haben. Unter anderem dafür braucht es ja eine Linke: um Beharrungskräften, die es immer gibt und die durchaus oft auch eine Funktion haben, etwas entgegen zu setzen.

Eben da macht die SPD seit Jahrzehnten das Gegenteil. Zypries hat als Justizministerin jahrelang eine wichtige Untersuchung verschleppt, die vom Verfassungsgericht 2003 eingefordert worden war. Es war wohl allen klar, dass die vom Verfassungsgericht genannten Bedingungen für die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes nicht erfüllt sind – aber die SPD-Justizministerin hat Änderungen so lange wie möglich aufgehalten.

Auch das neue, immerhin etwas verbesserte Recht zur elterlichen Sorge ist im Bundestag gegen das Votum der SPD beschlossen worden, deren Fraktion als einzige dagegen stimmte – die Veränderungen gingen ihr zu weit.

Wer Vätern so demonstriert, dass er von ihrer Verantwortung für Kinder nichts hält – und wer sich dann mit der Hoffnung auf Publikumswirksamkeit als Kämpfer gegen väterliche Verantwortungslosigkeit inszeniert: Der agiert einfach schäbig.

Ich selbst habe jahrelang übrigens nicht nur den Kindesunterhalt bezahlt, den ich auch weiterhin zahle, sondern auch Betreuungsunterhalt für die Mutter. Dafür, dass ich unser Kind nicht selbst betreuen konnte, obwohl ich es gern gewollt hätte, musste ich der Mutter den Lebensunterhalt finanzieren, weil sie in den ersten Lebensjahren unseres Kindes nicht zur Arbeit gezwungen sein sollte.

Ganz ehrlich: Wer so bekloppte Bedingungen schafft, soll sich über Unterhaltsverweigerer nicht beschweren. Ich bin mir sicher, das Frauen so etwas nicht mit sich machen lassen würden: Wären Frauen zahlungspflichtig, und die Kinder wären grundsätzlich bei den Männern, dann wären diese Zustände schon längst mangels Finanzierung zusammengebrochen.

Die Umgangskosten, die beträchtlich waren und sind, weil ich hunderte von Kilometern fahren und mir eine Zweitwohnung besorgen musste, trage ich natürlich ebenfalls selbst. Mit einem Facharbeitergehalt hätte ich unseren Sohn schon seit Jahren nicht mehr regelmäßig sehen können, und er auch mich nicht. Das aber sind Probleme, die Gabriel und Schwesig aus der ehemaligen Arbeiterpartei SPD komplett am Arsch vorbei gehen.

Während ich ihr Betreuungsunterhalt zahlen musste, damit sie nicht arbeiten muss und unseren Sohn selbst betreuen kann, hat die Mutter ihn übrigens so früh wie nur möglich in Kinderbetreuungseinrichtungen gegeben. Was ich übrigens furchtbar fand. Dass ich ihn als Vater betreuen kann, hat sie wirkungsvoll verhindert – aber sie selbst hatte auch nicht so recht Lust dazu. Arbeiten musste sie trotzdem nicht, ich hab’s ja so oder so finanzieren müssen.

Eine Partei, die solche Zustände schafft, kommt nun daher und hetzt gegen Leute, die nach den Kindern die wesentlichen Leidtragenden sind.
http://images.ttcdn.co/media/i/product/85063-183bed117380457ba29a352f395010a0.jpeg

Trotzdem hab ich eine Information aus meinem Kommentar oben noch einmal nachgeschaut, da hatte ich aus dem Kopf zitiert. Matussek verweist auf eine parlamentarische Anfrage der SPD (!) aus dem Jahr 1993, nicht aus den Siebziger Jahren. Demnach seien knapp drei Viertel der Väter, die zu wenig oder keinen Unterhalt zahlen, dazu auch gar nicht in der Lage. (Die vaterlose Gesellschaft, FaM 2006, S. 134f.)

Das ist also nicht seit vierzig Jahren, sondern erst seit gut zwanzig Jahren bekannt. Vielleicht braucht’s also halt noch ein bisschen, damit das auch in der SPD ankommt.

In einem anderen Kommentar schreibt Carnofis:

Beide Eltern sind verpflichtet, ihre gesamte Kraft in die Pflege und Erziehung der Kinder zu stecken. Das „gewachsene“ Unterhaltsrecht ist eine Perversion der Frauenhelferindustrie. Es hat seinen Ursprung in der Vorstellung, dass ein Mann die Mutter seiner (es sind, wenn es um Unterhalt geht, nämlich immer SEINE) Kinder wegen einer Jüngeren verlassen hat und dafür bestraft gehört. Weiter geht es von einer lebenslangen Vollbeschäftigung des Mannes mit gleichmäßig steigenden Einkünften aus, die auch eine lebenslange Unterhaltsfron rechtfertigen.
Erst seit wenigen Jahren zollt die Rechtsprechung der Tatsache Tribut, dass ungebrochene Erwerbstätigenvitae nur noch bei Beamtenverhältnissen vorkommen, bei den anderen die alleinige Unterhaltslast auf einem Buckel Erwerbslosigkeit regelmäßig die gesamte Familie in einer prekäre Situation bringt, ja, nicht nur die unterhaltsziehende, sondern auch die 2. Familie, die oft mit Kleinkindern in noch schwierigere Verhältnisse gerät.

Wenn sich das Unterhaltsrecht für Väter etwas entspannt hat in den letzten Jahren, dann nicht aufgrund höherer Einsicht in der Justiz, sondern wegen wachsender Proteste der „Zweit“frauen.

Kurz: ich bin der Meinung, dass ein erwachsener Mensch für sein Auskommen selbst aufzukommen hat und beide Eltern gemeinsam die Kinder aufzuziehen haben.
Unterhalt erzieht zu Faulheit – und bei Frauen zur Altersarmut.

 

„Väter sind nicht Mütter zweiter Klasse“

In der Welt macht Frau Schwesig einige Ausführungen zu Vätern:

„Besonders Mütter werden oft ungerecht beurteilt – wechselweise gibt es den Vorwurf, dass sie zu wenig im Job leisten oder sich zu wenig um ihre Kinder kümmern. Das kenne ich auch.

Abstellen ließe sich das eigentlich nur, so Schwesigs Credo, wenn auch die Männer im Job mehr Zeit für die Familie einfordern. „Väter sind nicht Mütter zweiter Klasse. Sie machen vielleicht einiges anders, aber nicht schlechter. An unseren Kindern merke ich, dass sie ihren Vater genauso wie ihre Mutter brauchen – nicht nur zum Herumtoben.“ Deshalb sei es auch selbstverständlich, dass diesmal ihr Mann Elternzeit nehme: „Der Rhythmus eines Babys und der politische Takt passen nun wirklich nicht zusammen.“

Wird es vorteilhaft für Männer sein, wenn die Familienministerin einen „Hausmann“ hat?