Gründe für schlechtere Noten für Jungs

Ein Artikel in der Süddeutschen zu schlechteren Noten für Schüler im Gegensatz zu Schülerinnen:

Etwas überrascht waren die Forscher jedoch, als sie diese Ergebnisse mit den realen Schulnoten verglichen: Die Jungen erzielten im Durchschnitt durchweg schlechtere Noten als die Tests erwarten ließen. Das galt selbst für diejenigen, die bei den unabhängigen Tests im Lesen genauso gut abgeschlossen hatten wie die Mädchen. Zeigt sich hier etwa eine Benachteiligung der Jungen? (…)

„Am wichtigsten für die Notenvergabe durch die Lehrer ist die Einstellung der Schüler zum Lernen“, sagt auch Studienautor Cornwell. Es gehe um Fertigkeiten wie „die Konzentration des Kindes, das Durchhaltevermögen, die Lernbereitschaft, Selbständigkeit, Flexibilität und das Organisationsvermögen“. Aber genau an diesen Fähigkeiten mangelt es den Jungen, wie eine weitere Befragung der Lehrer der getesteten Schüler ergab. Das Missverhältnis zwischen Testergebnissen und Schulnoten beruhe auf derartigen „nicht-kognitiven Fertigkeiten“, schreiben die Autoren.

„Das bestätigt frühere Ergebnisse“, kommentiert Marcel Helbig. „Viele Studien zeigen, dass Jungen eine geringere Leistungsbereitschaft aufweisen als Mädchen.“ Die eigentlich interessanten Forschungsfragen seien, wieso das so ist und was man dagegen tun könne.

Als „weitgehend widerlegt“ bewertet Helbig die These, wonach eine Feminisierung der Schulen durch die wachsende Anzahl von weiblichen Lehrkräften den Jungen schadete. 2010 etwa veröffentlichte Helbig gemeinsam mit Kollegen eine Studie, die anhand von IGLU-Daten zeigte, dass „weder Jungen noch Mädchen bei Kompetenzentwicklung oder Noten in Mathematik, Deutsch oder Sachkunde von einem Lehrer gleichen Geschlechts profitierten“. Gegen diese Annahme spreche außerdem, dass Jungen bereits seit mehr als hundert Jahren schlechtere Noten als Mädchen bekommen, also auch zu Zeiten, in denen die Pädagogik noch von Männern dominiert war.

Ein anderer Artikel in der Süddeutschen geht genau in die andere Richtung:

Sie würden lieber toben, statt Mandalas zu malen, lieber mit dem Experimentierkasten hantieren, als Weihnachtsschmuck zu basteln. In der Praxis erlebt der Pädagoge, was auch Gespräche mit Teilnehmern seiner Forschungsgruppen bestätigen: Mit einem hohen Bubenanteil tun sich Lehrerinnen schwerer als Lehrer. Klassen, die als schwierig gelten, empfindet er selbst oft gar nicht so: „Es sind halt einfach Jungs“, sagt er. Ihnen falle es eben nicht so leicht, immer funktionieren zu müssen, in der Schule würden sie oft zu schnell diszipliniert.

Mayers Mittel sind andere: häufigere Pausen, auch mal die Klassenzimmertüren öffnen, Rennen auf dem Flur erlauben, Fußballspielen im Pausenhof, gemeinsam Musik machen, „das leitet Energien ab und hilft, persönliche Beziehungen aufzubauen. Da kann man leichter mal einen beiseite nehmen und mit ihm reden“.

Männer, so hört Mayer aus seinen vielen Gespräch mit den Teilnehmern seiner wissenschaftlichen Studie heraus, seien eher in der Lage, die Ausbrüche von Jungs mit Humor zu nehmen. Wenn die Buben ausnahmsweise einmal von einem Mann unterrichtet würden, dann seien sie meist begeistert. „Wenn einer unserer Studenten in die Schule geht, ist er in der Regel der Star und wird umlagert.“

Im Ganzen scheint das Problem zu sein, dass in diesen jungen Jahren die Jungs nicht so leicht in den Schulalltag zu integrieren sind, lieber toben wollen und insofern weniger Leistungsbereitschaft im Schulbereich zeigen.

Verständlich, wenn man bedenkt, dass stillsitzen und Wissen aufnehmen etwas ganz anderes ist als Rough and tumble Play und die Vorbereitung auf intrasexuelle Konkurrenz unter Männern, die wohl in früheren Zeiten eher wichtig war.

War Rosa früher eine Jungenfarbe und Blau eine Mädchenfarbe?

Eine gerade in Genderkreisen gerne gehörte Aussage ist, dass die Farbe-Geschlecht-Zuordnung früher eine andere gewesen sein soll. Die Wikipedia dazu:

Rosa wirkt sanft und weich, weshalb es seit den 1920er Jahren allgemein mit Weiblichkeit assoziiert wird. Vorher galt Rosa als männlicher Babyfarbton. Rot hat die Assoziationen Leidenschaft, Blut, aktiver Eros und Kampf.[2] Somit galt es lange Zeit als „männliche“ Farbe und Rosa, das „kleine Rot“, wurde Jungen zugeordnet. Blau dagegen ist in der christlichen Tradition die Farbe von Maria. Somit war Hellblau, das „kleine Blau“, den Mädchen vorbehalten. Dies hatte eher in der Oberschicht eine Bedeutung. „Ausgeblichene“ Pastelltöne waren für öfters gewaschene Kinderkleidung geeignet. Gewaschen wurde damals mit der Hand, die Textilfarben waren nicht kochfest. Oft gewaschene Babykleidung war meist neutral weiß und man verwendete höchstens farbige Bändchen.[3] Nach dem Ersten Weltkrieg fand ein Umbruch der Auffassungen statt, die Farbe Blau wurde zum Symbol für die Arbeits- und Männerwelt. Die Blautöne der Marineuniform, blaue Arbeitsanzüge, der Blaumann förderte die Symbolik von Hellblau der Jungen. Jungen trugen die zu Anfang des 20. Jahrhunderts modischen (marineblauen) Matrosenanzüge. Für die weiblichen Babys blieb als traditioneller Kontrast das Rosa. Kinderkleidung wird heutzutage immer farbenfreudiger, die Echtheiten und die Vielfalt der Textilfarbstoffe nimmt zu, die Klassifikation für Babybekleidung verliert an Bedeutung. Das Farbadjektiv rosa (wie auch hellblau) besitzt noch eine eindeutige Funktion, zum Beispiel bei Spielzeug[2][4] und sogar in der Nahrungsmittelindustrie.[5] Abgeschwächt wird diese Einteilung nach Rosa und Hellblau in der Erwachsenenwelt ebenfalls eingesetzt.[1][6] Für erwachsene Frauen ist Rosa die viertschönste und siebtunbeliebteste Farbe, für Männer die achtschönste und die drittunbeliebteste. Für Männer bedeutet diese Farbe meist Hilflosigkeit, Naivität und Schwäche.[7]

Marco Del Giudice, Mitautor der Studie zur Größe der Geschlechtsunterschiede in der Persönlichkeit, hat sich die „Farbumkehr“ (bei ihm „Pink blue reversal“ (PBR)) mal angeschaut:

The searchresults are shown in Fig.1.Gender-coded references to pink and blue begin to appear around 1890 and intensify after WorldWarII. However, all the gender-color associations found in the database conform to the familiar convention of pink for girls and bluefor boys.An equivalent search of the British English corpus (googlebooks-eng-gb-all-20090715) revealed exactly the same pattern.In other words,this massive book data base contains no trace of the alleged pink-blue reversal;on the contrary,the results show remarkable consistency in gender coding over time in both the U.S. and the UK, starting from the late nineteenth century and continuing throughout the twentieth century. If one considers the totality of evidence,the most parsimonious conclusion is that the PBR as usually described never happened, and that the magazine excerpts cited in support of the PBR are anomalous or unrepresentative of the broader cultural context. Not only do the present findings run counter to the standard PBR account;they also fail to support Paoletti’s claim that pink and blue were inconsistently associated with gender until the 1950s.They are, however, consistent with the notion that gender color associations became progressively more salient across the twentieth century

In conclusion, there are strong reasons to doubt the validity of the standard PBR account; if anything, gender-color associations seem to be much more stable than currently believed. Intriguingly, the pink-blue convention may ultimately depend on innate perceptual biases toward different regions of the color spectrum in the two sexes (see Hurlbert & Ling, 2007). Starting from age 2 and continuing throughout preschool, girls display increasing preference for pink while boys show increasing avoidance of the same color (LoBue & DeLoache, 2011). In addition to social learning, these developmental trajectories may reflect the activation of evolved sex differences in color processing.Ofcourse,the PBR is a big stumbling block for biological explanations of gender-color associations; but far from being an established fact,the PBR shows many warning signs of a scientific urban legend.Uncritical acceptance of the PBR may have hindered theoretical and empirical progress in this fascinating area of research

Er fand also nach seiner Recherche keine Farbumkehr statt. Und in der Tat könnte man davon ausgehen, dass eine solche Farbumkehr seine Spuren hinterlassen hätte und in irgendeiner Form bei der Büchersuche hätte ausfallen müssen.

Vielleicht muss man sich insoweit einmal die tatsächlichen Argumente der Gegenseite anhören und nachprüfen worauf sie beruhen.

Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie keine Basis hat und einfach als Geschichte weitergegeben wurde, weil sie so gut ins Konzept passt.

Messungen weltweiter Geschlechtsunterschiede in der Persönlichkeit

Roslin hat bei Danisch auf einen interessanten Artikel hingewiesen.

Sex differences in personality are believed to be comparatively small. However, research in this area has suffered from significant methodological limitations. We advance a set of guidelines for overcoming those limitations: (a) measure personality with a higher resolution than that afforded by the Big Five; (b) estimate sex differences on latent factors; and (c) assess global sex differences with multivariate effect sizes. We then apply these guidelines to a large, representative adult sample, and obtain what is presently the best estimate of global sex differences in personality.

Sie verweisen zunächst auf die „Gender Similarities Hypothesis“  , die von eher kleinen Geschlechtsunterschieden ausgeht, obwohl auch dort bei den aufgeführten Unterschieden einige durchaus nicht so kleine vorhanden sind. Dieser werden evolutionäre Theorien gegenüber gestellt.

Danach wird darauf abgestellt, dass die Geschlechtsunterschiede in der Persönlichkeit insbesondere im Zusammenspiel deutlich größere Unterschiede erzeugen:

When two groups differ on more than one variable, many comparatively small differences may add up to a large overall effect; in addition, the pattern of correlations between variables can substantially affect the end result. As a simple illustrative example, consider two fictional towns, Lowtown and Hightown. The distance between the two towns can be measured on three (orthogonal) dimensions: longitude, latitude, and altitude. Hightown is 3,000 feet higher than Lowtown, and they are located 3 miles apart in the north-south direction and 3 miles apart in the east-west direction. What is the overall distance between Hightown and Lowtown? The average of the three measures is 2.2 miles, but it is easy to see that this is the wrong answer. The actual distance is the Euclidean distance, i.e., 4.3 miles – almost twice the “average” value.

Aus meiner Sicht ein gutes Beispiel. Die Geschlechtsunterschiede können sich eben durchaus addieren. Wenn jemand in mehreren Eigenschaften in eine bestimmte Richtung abweicht, dann kann sich daraus eben auch ein anderes Verhalten ergeben, weil sich die Faktoren verstärken. Dabei ist zu bedenken, dass die Unterschiede, wenn man die evolutionären Theorien zugrunde legt, eben auch gut alle in eine bestimmte Richtung verlaufen, weil sie Anpassungen an einen bestimmten evolutionären Druck sind. Es sind keine zufälligen Unterschiede, die sich gegenseitig ausgleichen, auch wenn sie durch zufällige Mutationen entstanden sind, die aber eben einem Selektionsprozess durchlaufen haben.

Zu den Ergebnissen:

The uncorrected multivariate effect size for observed scores was D = 1.49 (with 95% CI from 1.45 to 1.53), corresponding to an overlap of 29%. Correcting for score unreliability yielded D = 1.72, corresponding to an overlap of 24%. The multivariate effect for latent variables was D = 2.71 (with 95% CI from 2.66 to 2.76); this is an extremely large effect, corresponding to an overlap of only 10% between the male and female distributions (assuming normality). On the basis of univariate d’s (Table 2), it might be hypothesized that global sex differences are overwhelmingly determined by the large effect size on factor I, or Sensitivity (d = −2.29). Thus, we recomputed the multivariate effect size for latent variables excluding Sensitivity; the remaining d’s ranged from −.89 to +.54. The resulting effect was D = 1.71 (with 95% CI from 1.66 to 1.75), still an extremely large difference implying an overlap of 24% between the male and female distributions (the corresponding effect size for observed scores, corrected for unreliability, was D = 1.07, implying a 42% overlap). In other words, the large value of D could not be explained away by the difference in Sensitivity, as removing the latter caused the overlap between males and females to increase by only 14%. While Sensitivity certainly contributed to the overall effect size, the large magnitude of global sex differences was primarily driven by the other personality factors and the pattern of correlations among them. It should be noted that Sensitivity is not a marginal aspect of personality; in the 16PF questionnaire, Sensitivity differentiates people who are sensitive, aesthetic, sentimental, intuitive, and tender-minded from those who are utilitarian, objective, unsentimental, and tough-minded. This factor overlaps considerably with “feminine openness/closedness”, identified by Costa and colleagues [49] as a cross-culturally stable dimension of sex differences in personality.

Klingt etwas nach der Unterscheidung zwischen dem empathischen und dem systematischen Gehirn.

Hormone und sexuelle Orientierung

Eine gute Zusammenfassung zu dem Thema „Hormone und sexuelle Orientierung bietet der folgende Minireview:

Many people believe that sexual orientation (homosexuality vs. heterosexuality) is determined by education and social constraints. There are, however, a large number of studies indicating that prenatal factors have an important influence on this critical feature of human sexuality. Sexual orientation is a sexually differentiated trait (over 90% of men are attracted to women and vice versa). In animals and men, many sexually differentiated characteristics are organized during early life by sex steroids, and one can wonder whether the same mechanism also affects human sexual orientation. Two types of evidence support this notion. First, multiple sexually differentiated behavioral, physiological, or even morphological traits are significantly different in homosexual and heterosexual populations. Because some of these traits are known to be organized by prenatal steroids, including testosterone, these differences suggest that homosexual subjects were, on average, exposed to atypical endocrine conditions during development. Second, clinical conditions associated with significant endocrine changes during embryonic life often result in an increased incidence of homosexuality. It seems therefore that the prenatal endocrine environment has a significant influence on human sexual orientation but a large fraction of the variance in this behavioral characteristic remains unexplained to date. Genetic differences affecting behavior either in a direct manner or by changing embryonic hormone secretion or action may also be involved. How these biological prenatal factors interact with postnatal social factors to determine life-long sexual orientation remains to be determined.

Quelle: Minireview: Hormones and Human Sexual Orientation (PDF)

Er stellt zunächst verschiedene Modelle von Tieren und deren Erforschung dar, insbesondere Veränderungen in bestimmten Gehirnzentren unter dem Einfluss pränataler Hormone und deren Auswirkungen auf das Verhalten.

Zu der Übertragung auf den Menschen dann das Folgende:

Do these endocrine mechanisms demonstrated in animals have any significance in humans? The answer to this question should be considered in two steps. 1) Do we have any evidence that sex steroids are, in humans like in animals, implicated in the sexual differentiation of morphology (e.g. genital structures) but also of brain (e.g. SDN-POA) and sexual behavior? And 2) are there any data indicating that embryonic sex steroids have, like in animals, organizational effects on sexual orientation in humans? The answer to the first of these questions is clearly yes, and there is probably no need to elaborate on the arguments supporting this conclusion especially in an endocrine journal. To just briefly restate the obvious:

1) Sex steroids (testosterone, estradiol, progesterone) are present in the human plasma in concentrations similar to those observed in other mammals.

2) Receptors for these steroids are present in humans, and their brain distribution is similar and even nearly identical to the general pattern observed in vertebrates.

3) Testosterone action during embryonic life clearly controls the differentiation of male-typical external and internal genital structures.

4) Sex differences in brain structures have been identified, although their control by embryonic steroids is usually not established at this time.

5) Physiological or behavioral differences between men and women are too numerous to be summarized here (22). These differences are complex in nature, and their origin is more difficult to determine than for differences in genital morphology. Learning, education, and expectations of society clearly play an important role in the genesis of behavioral and even sometimes physiological differences. Nevertheless, quite often, these environmental factors build on and amplify smaller, sometimes minor, differences caused by biological factors that were already present at birth. Many physiological and behavioral differences are thus rooted in biology. This is quite obviously the case for many sexually differentiated diseases related to brain function (e.g. anorexia nervosa affects 93 women for every seven men; Gilles de la Tourette syndrome affects 90 men for every 10 women) (see Refs. 22–24 for an extensive list of such differences). How would education or society induce such differences? But many behavioral differences also probably depend to some extent on biological mechanisms often already acting during prenatal life (e.g. increased aggressivity and greater interest in male-typical activities in girls prenatally exposed to high androgen concentration due to congenital adrenal hyperplasia (CAH)

Es gibt also in der Tat viele Hinweise darauf, dass die gleichen Mechanismen, die auch bei den Tieren wirken, auch bei uns noch vorhanden sind. Ein Gedanke, der jedem Evolutionsbiologen auch recht nachvollziehbar erscheint. Gerade so grundlegende Funktionen wie etwa die Geschlechterdifferenzierung ist, gerade wenn auch ansonsten erkennbar viele körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen, nicht einfach durch Evolution zu wandeln.

Und schließlich zur sexuellen Orientierung:

Sexual orientation is a sexually differentiated function that might depend, like many other behavioral characteristics, on variations in the early (fetal) exposure to sex steroids (androgens and also possibly their estrogenic metabolites). Exposure to a high concentration of testosterone during a critical phase of development would lead to a male-typical orientation (attraction to women), whereas a lower embryonic exposure to steroids would lead to a female-typical orientation (attraction to men). There would be a critical concentration of testosterone required to masculinize this feature like other aspects of behavior in animals and humans (see Fig. 2). On average, male embryos are exposed to higher concentrations of testosterone than female embryos, but these concentrations vary around a mean value for various reasons (environmental, genetic, etc.). Male subjects at the lower end of this sex-specific distribution could thus acquire a female-typical orientation (and be gay), whereas females at the high end of the concentration curve would acquire a male-typical sexual attraction and be lesbian. Even if they are not attracted by the same specific individuals, females and gay men share an attraction for men, whereas males and lesbians share an attraction for women.

Auch interessant ist ein Hinweis auf eine weitere Möglichkeit zu prüfen, welchem Testosteronstand die jeweilige Person pränatal ausgesetzt war:

Oto-acoustic emissions One set of studies also investigated the physiology of the inner ear and more specifically the small noises produced in the cochlea (presumably) by movements of the tympanic membrane, the so-called oto-acoustic emissions (OAE). OAE are produced either spontaneously or in response to short noises in the environment (e.g. clicks). These OAE are more frequent in women than in men as well as in females compared with males in a variety of animal species. In animals, OAE are masculinized (decrease in frequency) after embryonic treatment of females with androgens. OAE were shown to be significantly less frequent in lesbians compared with heterosexual women, again suggesting that these lesbians were exposed to higher concentrations of androgens than usual during early life. Similar studies assessing other aspects of acoustic physiology (e.g. auditory evoked potentials) that are also sexually differentiated confirmed a masculinization of these traits in lesbians (41). Interestingly, feminization of these features was never observed in gay men, and some studies even reported hypermasculinization of these traits

Klingt auf alle Fälle interessant und sollte man mal näher untersuchen. Das männliche Homosexuelle die Feminisierung nicht zeigen könnte drauf zurückzuführen sein, dass sie über dem „Schwellenwert“ liegen, während der Testosteronspiegel, der für Homosexualität bei Frauen ausreichend ist, eher unter dem liegt, der die Maskulinisierung in diesem Bereich bewirkt

Es werden dann noch unterschiedliche Gehirnstrukturen besprochen, desweiteren:

  • 5-reductase deficiency: Ein Wechsel der Geschlechterrollen erfolgt mit der Pubertät unter dem Einfluss der Hormoen
  • Congenital adrenal hyperplasia (CAH) : Wesentlich häufiger eine homosexuelle Orientierung, sind pränatal mehr Testosteron ausgesetzt
  • Diethylstilbestrol (DES): Personen, deren Mütter während bestimmter Zeiten der Schwangerschaft mit DES behandelt wurden, wurden häufiger homosexuell
  • Cloacal exstrophy:  Die Personen haben normale Hoden, so dass sie pränatalen Testosteron ausgesetzt sind, aber keinen Penis. Wurde bei der notwendigen Operation eine Geschlechtsumwandlung zu einer Frau durchgeführt, dann haben viele trotzdem später männliches Verhalten und ein sexuelles Interesse an Frauen gezeigt.

Zu den genetischen Komponenten:

Multiple epidemiological studies have demonstrated a correlation between concordance of sexual orientation and genetic relatedness. For example, if a boy is gay, between 20 and 25% of his brothers will share this sexual orientation, compared with 4 – 6% in a control population. Similarly, lesbian women have a greater probability than heterosexual women of having a homosexual sister. Twins studies indicate that this correspondence in sexual orientation probably does not reflect a communality of postnatal experiences (psychosocial factors) but rather genetic similarity. Several studies indeed demonstrated that there is a better agreement of sexual orientation in monozygotic (identical) twins than in dizygotic twins (fraternal twins conceived from different ova and sperm) (65). If a dizygotic gay twin has a brother, there is on average a 15% probability that the brother will also be homosexual, but this probability rises to 65% in monozygotic twins (66). Overall, these studies suggest that in social conditions typical ofWestern societies, 50 – 60% of the variance in sexual orientation in humans has a genetic origin.

Und auch interessant: Die Vererbung scheint eher über die mütterliche Linie zu erfolgen:

Sexual orientation in men tends to be transmitted through the matriarchal lineage: a gay man has a higher probability of having gay men among his ancestors on the maternal side (uncles, cousins), than on the paternal side. This was originally interpreted as a sign of inheritance through gene(s) located on the X chromosome, and one study identified a linkage with markers located in the subtelomeric region of the long arm of the X chromosome, a region called Xq28 (67). This association with Xq28 was replicated in one subsequent study (68) and in another set of data that were not published in a peer-reviewed journal (see Ref. 69) but not in a fourth one (70). A meta-analysis of all these data strongly supports (P  0.0001) the existence of this linkage (71). More recent studies have suggested that the differential heritage through the matriarchal lineage could also be the result of epigenetic modifications of the expression of genes located on several other chromosomes

Für die Gene der Mutter kann es auch vorteilhaft sein (im Sinne des egoistischen Gens) sehr fruchtbare Töchter zu erzeugen, auch wenn dies eine geringere Nachkommenzahl bei den Söhnen bedeutet. Mitochondriale DNA wird nur von der Mutter weitergeben, werden in dieser Veränderungen bewirkt, die im Zusammenspiel mit dem oben genannten Gen besonders fruchtbare Töchter produzieren, dann wird die mitochondriale DNA über diese schneller verbreitet und reichert sich damit im Genpool an. Der mitochondrialen DNA kann der Nachteil der homosexuellen Söhne egal sein, da diese sie eh nicht weiter verbreiten. Deren negative Auswirkungen führen nicht zu einer Selektion der mitochondrialen DNA.

Desweiteren geht er noch auf den Fraternal Birth Order effect ein, also den Umstand, dass Männer mit vielen älteren Brüdern eher homosexuell sind.

Ich finde es gibt eine gute Übersicht und empfehle den Beitrag zu lesen.

Weiteres zur Homosexualität auf diesem Blog:

Versorgung durch einen Partner vs. Versorgung durch die Gruppe

Gegen evolutionsbiologische Modelle der Paarbildung wird als Gegenargument eingewandt, dass eine Versorgung nicht innerhalb der Paarbindung, sondern auch außerhalb dieser durch die Gruppe erfolgen könne.

Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme würde ich wie folgt sehen.

  • Gruppenversorgung stößt gerade in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit an ihre Grenzen. Sobald Nahrung knapp wird, ist es günstiger, sie nicht mit der Gruppe zu teilen, sondern zunächst mit Verwandten, Partnern, Verbündeten etc.
  • die Unselbständigkeit menschlichen Nachwuchs und die Behinderungen durch die lange Schwangerschaft machen Nahrungsbeschaffung für eine schwangere Frau mit Kind schwierig, gerade wenn Nahrung knapp ist.
  • die Paarbindung erhöht die Vaterwahrscheinlichkeit und macht die Strategie, das Kind zu versorgen damit attraktiver (bei Gewinnen innerhalb der Spieletheorie, die von einer Ungewissheit abhängen, ist der potentielle Gewinn mit der Wahrscheinlichkeit des Eintretens zu modifizieren).
  • Paarbindung senkt die Kosten intrasexueller Konkurrenz (wenn der Partner verliebt ist, dann sind die Kosten dafür, ihn aus der Partnerschaft zu lösen sehr hoch, so dass dieser Weg unattraktiver wird).
  • Ohne Versorgung in der Paarbindung ist nicht verständlich, warum sich überhaupt eine Vaterschaft und Liebe entwickeln konnte. Wir sollten bei einer reinen Versorgung über die Gruppe nicht in der Lage sein romantische Liebe zu fühlen. Beim Sex Bindungshormone und Hormone, die eine Fixierung auf eine Person bewirken, auszuschütten, wäre dann unverständlich.
  • Gruppenversorgung erhöht die Wahrscheinlichkeit überhaupt etwas zu bekommen, weil einer aus der Gruppe wahrscheinlich Glück hat, sie kann aber auch dazu führen, dass alle nicht genug bekommen
  • Nahrung kann unter steinzeitlichen Bedingungen kaum gelagert werden, insbesondere Fleisch.
  • Gruppenversorgung kann Spannungen aufgrund Neid abbauen, allerdings Spannungen aufgrund von (angeblichen) Freeridern aufbauen.
  • eine standardmäßige Teilung aller Lebensmittel auf die Gruppe raubt den Beschaffer die Möglichkeit sich darüber Gefälligkeiten zu erkaufen
  • eine Standardmäßige Verteilung aller Lebensmittel verringert den Anreiz einen besonderen Fang zu machen.

Kerstin Palm zu biologischen Geschlechtertheorien und Evolutionärer Psychologie

Kommentator Chomsky verwies in dem Beitrag „Kritik an evolutionärer Psychologie“ in einem Kommentar auf einen Vortrag von Kerstin Palm (PDF), (Homepage) der feministische Kritik an evolutionsbiologischen Betrachtungen enthält. Mal sehen, was sie zu bieten hat:

„Das ästhetische Beurteilungsvermögen ist aus evolutionsbiologischer Sicht also eine angeborene Befähigung zur zeichengestützten Bewertung potentieller Sexualpartnerinnen und -partner, ein funktionales Instrumentarium zur Sicherung der maximalen Selbstfortsetzung.“

Das finde ich gar nicht so schlecht und passend formuliert. Ich hätte es allerdings eher auf die Weitergabe der Gene bezogen, was präziser wäre.

„Einige Studien berichten davon, dass Männer große Augen, eine kleine Nase und ein kleines Kinn und/ oder volle Lippen bei Frauen besonders attraktiv fanden, andere sahen bestätigt, dass kindlich aussehende Frauen von Männern bevorzugt wurden. Dem standen aber Studien, auch von Grammer selbst, entgegen, die eher erwachsen und reif aussehende Frauen mit leicht hervorstehenden Backenknochen und leicht eingefallenen Wangen als besonders attraktiv bewertet fanden“

Es ist eben mal wieder so, dass die Biologie in diesem Bereich flexibler ist als sie dargestellt wird. Bei all diesen Merkmalen handelt es sich um Attraktivitätsmerkmale, die im Schnitt sehr häufig als attraktiv empfunden werden, aber verschiedene Funktionen erfüllen.

Die kleine Nase und die großen Augen sind  Anzeichen für Jugendlichkeit, die gerade Männer bei Frauen attraktiv finden. Die Backenknochen und die leicht eingefallenen Wangen entstehen jedoch in der Pubertät und sind ein Zeichen für Östrogene, und damit Fruchtbarkeit.

Natürlich kann der eine Mann dies und der andere Mann das bevorzugen.

Ebenso ist es bei Männern, die sie nachfolgend beschreibt. Hier kommt es insbesondere sehr auf die Frage an, weil es einmal um sexy und zum anderen um langfristige Beziehung gehen kann. Die Antwort von Frauen auf die Frage „mit wem willst du einen One Night Stand“ oder „mit wem würdest du dir eine Beziehung vorstellen können“ unterscheidet sich üblicherweise und teilweise sogar mit dem Zyklus.

Und wenn das Durchschnittsgesicht bewertet wird, dann geht es um Symmetrie ein klassisches Zeichen guter Gene. Wenn ein deutliches Kinn bewertet wird, dann geht es um Testosteron, ein klassisches Zeichen für verschiedene andere Sachen.

Natürlich kann es auch hier Unterschiede zwischen den Frauen geben.

Ich sehe da erst einmal keine Widerspruchlichkeit.

Auch bei dem Hüft-Taile-Verhältnis von 0,7 zeigen sich in der Tat verteilt über die Welt unterschiede. Aber das spricht nicht dagegen, dass dieses Verhältnis nicht biologisch festgelegt ist. Schließlich haben wir auch verschiedene Hautfarben und diese sind ebenfalls biologisch festgelegt. Die Abweichungen zeigen sich aber üblicherweise auch mit einiger Entfernung voneinander (Zuwanderung ausser acht gelassen), was mit evolutonären Vorgaben durchaus zu vereinen ist.

„Zum zweiten fällt auf, dass die von Grammer dargestellte Attraktivitätstheorie der Geschlechterdifferenz auf zwei divergierenden Begründungen fußt, die es ermöglichen, einen scheinbar widersprüchlichen Befund als plausibel darzustellen. Attraktivität bei Frauen weist auf Gesundheit hin, die der Fortpflanzung zuträglich ist, bei Männern hingegen auf Gesundheitsgefährdung, die aber zugleich durch widerständige innere Stärke nicht bedrohlich, sondern sogar ebenfalls zuträglich für die Fortpflanzung ist“

Hier zeigt sich sehr schön, dass sie sich mit den Theorien nicht auseinandergesetzt hat.

Es ist auch für sie schwer zu verstehen, denn sie kommt ja aus einem Dogma der Gleichheit.

Männer und Frauen sind aber nicht gleich. Männer und Frauen tragen insbesondere vollkommen andere Kosten der Fortpflanzung und stehen damit unter gänzlich anderen Evolutionsdrücken.

Weil Frauen vorsichtiger mit Sex sein müssen als Männer, weil sie schneller auf den Kosten sitzen bleiben, liegt auf Männern ein stärkerer Wettbewerb um die Frauen, der sich einmal in einer intersexuellen Selektion, also einer Auswahl der Männer durch die Frauen niederschlägt, und zum anderen einer intrasexuellen Konkurrenz, die sich in einem Kampf/wettbewerb der Männer um die Frauen niederschlägt.

Hierbei ist Testosteron ein Costly Signal. Es macht stark, aber es belastet das Immunsystem. Wir finden solche Signale zuhauf im Tierreich, etwa bei allen Vögeln mit langen Schmuckfedern: Hier würde Palm vermutlich auch anmerken, dass mit ungleichen Maß gemessen wird, denn das weibchen unterliegt ganz anderen Regeln als das Männchen, bei dem Männchen soll plötzlich etwas, was das Weibchen aus gutem Grund nicht hat, schön sein. Das ist aber evolutionsbiologisches Einmaleins, wer sich auch nur etwas mit evolutionären Betrachtungen der Geschlechter beschäftigt, der kommt am Pfauenschwanz nicht vorbei.

Hier ein paar Artikel dazu:

Und ihre Probleme damit:

„Diese Logik ließe sich durchaus umkehren und beispielsweise postulieren, dass Frauen mit auffälligen Extremmerkmalen wie einem sehr breiten Kinn oder Bartwuchs ebenfalls im Sinne der Evolutionstheorie attraktiv sein müssten, da sie signalisieren, dass sie trotz ihres immunschwächenden Testosteronüberschusses in der Lage ist, gesund zu sein.“

Das könnte man. Aber bei Frauen schlägt Testosteron natürlich auch voll auf die Fruchtbarkeit durch und sie unterliegen nicht dem gleichen Selektiondruck wie Männer. Vielmehr zeigen entsprechende genetische Betrachtungen, dass sich Frauen in weitaus größerer Zahl fortgepflanzt haben als Männer. Ebenso wie die Pfauenhenne nicht auf den Pfauenschwanz angewiesen ist ist die menschliche Frau auf ein kräftigeres Kinn und Bartwuchs angewiesen. Das Argument ist um so schlechter, wenn man bedenkt, dass Selektion – leider für den Genderfeminismus – nicht darauf ausgerichtet ist Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden zu lassen. Vielmehr besteht eher ein gewisser Druck, die Geschlechter leichter erkennbar zu machen. Ein die Fruchtbarkeit vermindernder Testosteronschub als Merkmal für einen besonders guten weiblichen Partner hat daher bereits erhebliche Anfangshürden zu überwinden. Im Rahmen der – im Tierreich durchaus seltenen – doppelten Partnerwahl hat aber auch die Frau Kennzeichen entwickelt, die das für sie relevante Hormon anzeigen – Brüste. Eine wesentlich bessere Methode als die Verwendung von Testosteron.

Auch dies ist letztendlich evolutionsbiologisches Ein-mal-Eins und sollte jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, bewußt sein. Der „feministschen Biologiekritik“ ist es aber wohl nicht bekannt.

„Und ebenso müsste auch ein eher durchschnittliches, also wenig extrem geschnittenes Männergesicht als attraktiv gelten, da es in dieser Logik gute Gesundheit und damit hohe Reproduktionsfähigkeit anzeigte. „

Richtig. Symmetrische Gesichter sind auch interessant. Aber Anzeichen für Testosteron sind in vielen Fällen eben noch interessanter. Weil bei Männern, die in harter intrasexueler Konkurrenz stehen, die Durchsetzungsfähigkeit in dieser, die in einem Zusammenhang mit dem Testosteronspiegel stehen kann, ein intressanteres Merkmal ist.

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Erklärung für eine postulierte Geschlechterdifferenz willkürlich gewählt ist und eigentlich keinen Erklärungscharakter hat, sondern eher alte seit dem 18. Jh. kursierende Geschlechterklischees von dem sich selbst behauptenden Individualsubjekt Mann und dem in der Masse versinkenden Gattungssubjekt Frau bedient“

Nur dann, Frau Palm, wenn man die Theorien nicht versteht. Ansonsten muss man sich schon damit auseinandersetzen, warum eine Frau biologisch andere Attraktivitätsmerkmale aufweist, die sie evtl eher in der Masse versinken lassen als den Mann. Im übrigen ist diese These auch nur bezüglich der Gesichter wahr. Schöne Frauen versinken eben gerade nicht in der Masse. Symmetrie ist eben auf der einen Seite Gleichheit, auf der anderen Seite Perfektion, die aus der Masse heraushebt. Frau Palm vergißt auch, dass die Frau neben dem Gesicht weitere Attraktivitätsmerkmale hat – Haar, Busen, Hintern, Beine, Bauch, die ebenfalls aus er Masse hervorheben. Und sie hat das Glück des stärkeren Geschlechtstriebs des Mannes (LINK!) der sein übriges tut.

„Abgesehen von der unbegründeten Aufteilung der Menschheit in zwei Geschlechter und ihrer heterosexuellen Orientierung,“

Natürlich kann sie auch das nicht in ihrer Ideologie unterbringen. Was eigentlich noch deutlicher zeigt, wie tief sie sich in das Thema eingearbeitet hat, nämlich gar nicht. Aber sie will dazu später noch was sagen, also schauen wir mal, was noch kommt.

„Mit anderen Worten: die Feststellung, dass es bestimmte geschlechtergruppenspezifische Kriterien für die Partnerwahl gibt, sagt noch nichts darüber aus, ob diese Kriterien im Rahmen kultureller und sozialer Aushandlungsprozesse bzw. Positionszuweisungen oder durch eine in der Evolution ausgebildete biologische Anlage entstanden sind, also warum diese vorhanden sind“

Das ist erst einmal richtig. Es ist stets ein Nachweis erforderlich, dass diese Merkmale auf biologischen Anlagen beruhen. Es gibt auch hierzu interessante Studien, sei es eben durch vergleich von Homosexuellen, Transsexuellen, CAH und CAIS etc und ihrer Partnerwahl oder auch dem Wandel von Partnerwahlkriterien mit dem Zyklus, mit Gerüchen, mit Pheromonen oder dem Vergleich mit anderen Völkern. Aus meiner Sicht zeigen gerade Homosexuelle und die Unveränderbarkeit ihrer Präferenzen, dass diese biologisch bedingt sind. Auch das diese bei CAIS-Frauen quasi nicht vorkommt, ist interessant und passt in das biologische Erklärungsmodell.

Nun aber zur Homosexualität:

„Wie erklärt sich nun die Evolutionspsychologie vor diesem Hintergrund das Phänomen der von der Heterosexualität abweichenden sexuellen Orientierungen und Begehrensmuster in Bezug auf Schönheitsempfinden?“

Ich verlinke einfach mal auf Artikel, die ich bereits habe:

Die Studien und Theorien dazu sind eigentlich mit wenig suchen zu finden.

“ Auffällig ist hier, dass Sexualitäten jenseits der Heterosexualität meistens gar nicht in den Möglichkeitshorizont der evolutionsbiologischen Attraktivitätsforschung rücken“

Natürlich rücken sie. Und zwar wie oben bereits beschrieben. Aber was genau kann bei homosexuellen Sex nicht passieren? Und worum genau geht es aus Sicht der Evolution beim Sex?“

Wer jetzt „Die Schaffung neuen Lebens“ und „Die Weitergabe von Genen“ geantwortet hat, der hat schon mehr von dem Thema verstanden als Kerstin Palm.

„Jedenfalls kann festgehalten werden, dass homosexuelle Menschen eine aus evolutionstheoretischer Sicht unerklärliche Existenz haben und daher auch für eine Forschung, die evolutionstheoretische Verhaltens- und Präferenzerklärungen anstrebt, nicht integrierbar erscheinen. „

Das schreibt sie erst einmal. Und führt dann später selbst Erklärungen an, nämlich Verwandtenselektion und Vorteile bei der Gruppenbildung, die sie dann ablehnt.

Es gibt aber natürlich noch weitere, ich habe sie in dem Artikel schon angeführt:

  • Schlichte Fehler in einem der hormonellen Vorgängen
  • Optimierung für ein Geschlecht: Ausgleich über andersgeschlechtliche Geschwister
  • Zusammenspiel von Genen ergibt eine ungünstige Kombination
  • Interessen der Mutter vs. Interessen der Kinder (Fraternal Birth Order)
Kerstin Palm sieht andere Gründe:

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Tendenz neodarwinistischer Biologie, alle Merkmale direkt an einen Fortpflanzungszweck gebunden zu sehen, eine bestimmte Forschungslogik vorgibt, die dann die weiteren Untersuchungen bestimmen und ganz andere außerhalb dieser Logik liegenden Deutungsmuster von vornherein unterbindet.“

Es ist schade, dass sie noch nicht einmal die Argumente nennt, aus denen heraus die Fortpflanzung als so wichtig angesehen wird. Das hat ja seinen guten Grund: Wenn keine Gene weitergegeben werden, dann kann die Mutation oder Selektion so gut sein, wie sie möchte, es hat keinerlei Auswirkungen. Ich hatte hier auch schon einmal mehrere Artikel dazu.

Und das wirkt sich auch gleich aus:

„Es könnte ja beispielsweise auch eine biologische Theorie entworfen werden, die besagt, dass Sexualität bei vielen Lebewesen gar nicht mehr primär auf Fortpflanzung ausgerichtet ist, sondern ein erfülltes Sexualleben einfach das Wohlbefinden und die sozialen Bindungen steigert. Diese Theorie würde sogar dem zentralen Paradigma der modernen Biologie, der Evolutionstheorie, nicht widersprechen, da sie im Sinne dieser Theorie postulieren würde, dass sich sexuell und sozial glückliche Lebewesen einfach einer erhöhten Lebensqualität erfreuen, die sich positiv auf ihre Gesamtkonstitution auswirken würde“

Was aber bringt eine erhöhte Lebensqualität und eine positive Gesamtkonstitution? Wie wirkt sie sich aus? Nehmen wir an, wir haben einen Homosexuellen, der sein Leben aufgrund des nicht auf Fortpflanzung ausgerichteten Sexes mit anderen Männern genießt und dem es deswegen bestens geht. Er hat aber keine Kinder. Wie also sollen sich seine Gene in der nächsten Generation auswirken?

Sie können es nicht, weswegen sich der Mensch auf diese Weise nicht entwickelt haben kann.

Natürlich kann Sex Spannungen abbauen und entsprechende Lebensformen existieren ja auch, zB bei den Bonobos. Aber das hat Konsequenzen: Bonobos sind nämlich leider auch nich in einer der feministischen Biologiekritik entsprechenden Welt: Sie konnten eine entsprechden Sexualität nur entwickeln, indem sie auf Spermienkonkurrenz setzten. Bonobomännchen haben deswegen, weil es für sie bei Sex eben biologisch immer um Fortpflanzung geht und nicht nur um Spass, riesige (enorme! gewaltige!) Hoden. Und die Weibchen eine biologische Möglichkeit die Spermien gegeneinander antreten zu lassen. Bei Bonobos findet die intrasexuelle Konkurrenz beim Sex statt, bei uns aber wesentlich deutlicher auch davor.

„die biologische Forschung liest erneut bzw. immer noch die alten Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit, daran geknüpftem heterosexuellem Begehren und biologisch fundierten dichotomen Geschlechterrollen in ihre Prämissen und Theoriebildungen ein und reproduziert damit unreflektiert weiterhin die heterosexuelle Matrix in einer ausgeprägt unveränderten Weise.“

Man darf raten, ob sich Frau Palm jemals mit den Gründen dafür, dass es zwei Geschlechter gibt beschäftigt hat. Die Red Queen Theorie, inszwischen mit einem guten Forschungsunterbau versehen, könnte es ihr erklären, aber das wird sie gar nicht wollen.

Es darf angemerkt werden, dass der Vortrag als feministische Forschung in einem Buch gelandet ist, Herausgeberin unter anderem Frau Sigurd Schmitz, die Frau, bei der auch Heinz Voss promoviert hat. Was eigentlich schon vieles sagt.

Natürlich unterliegt auch der (moderne) Mensch der Evolution

Der Spiegel titelt „Die Evolution gilt auch für den modernen Menschen“ und schreibt sodann:

Der Starke frisst den Schwachen, der langlebige Gesunde kann seine Gene besser verbreiten als der kurzlebige Kranke: Diese Regeln, so glauben Menschen gern, gelten in der Tierwelt – nicht aber für die Menschheit, zumindest nicht jenen Teil, der in den Genuss moderner Medizin kommt. Die Evolution des Homo sapiens wäre in diesem Fall gewissermaßen zum Stillstand gekommen.

Doch das ist ein Trugschluss, wie ein internationales Forscherteam um Alexandre Courtiol vom Wissenschaftskolleg zu Berlin glaubt. „Menschen entwickeln sich auch in der Neuzeit weiter, genauso wie andere Lebewesen“, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Es sei ein Fehler zu denken, dass man die menschliche Evolution nur verstehen könnte, wenn man Steinzeitmenschen analysiere.

Im Folgenden geht es dann im wesentlichen um zwei Studien:

Die erste:

Sexual selection, or competition among members of one sex for reproductive access to the other, is one of the strongest and fastest evolutionary processes. Comparative studies support the prediction that sexual selection is stronger in polygamous than in monogamous species. We report the first study of the effect on sexual selection of a change in mating system, from polygyny to monogamy, within a historical human population. Here we show that over the reproductive lifetimes of Utahns born between 1830 and 1894, socially induced reductions in the rate and degree of polygamy correspond to a 58% reduction in the strength of sexual selection. Polygyny conferred a strong advantage to male fitness as well as a weak disadvantage to female fitness. In contrast, mating with multiple males provided little benefit to females in this population. Polygamy benefitted males by increasing reproductive rates and by lengthening reproductive tenure. Each advantage contributed to roughly half of the increased total lifetime reproductive success. This study illustrates both the potency of sexual selection in polygynous human populations and the dramatic influence that short-term societal changes can have on evolutionary processes.

Quelle: Mating system change reduces the strength of sexual selection in an American frontier population of the 19th century

Polygyny müßte, da es eine Verknappung der Frauen bedeutet, dazu führen, dass die intrasexuelle Konkurrenz um diese Frauen ansteigt. Das wird in einer Population insbesondere dazu führen, dass die Gene derer, die der intrasexuellen Konkurrenz nicht gewachsen sind, am schnellsten aus dem Genpool verschwinden und die, die dieser Konkurrenz besonders gut gewachsen sind, sich besonders schnell anreichern. Es müssen also nicht unbedingt Mutationen auftreten, vielmehr reicht eine Betonung bisheriger Komponenten im Genpool.

Und die zweite:

Whether and how human populations exposed to the agricultural revolution are still affected by Darwinian selection remains controversial among social scientists, biologists, and the general public. Although methods of studying selection in natural populations are well established, our understanding of selection in humans has been limited by the availability of suitable datasets. Here, we present a study comparing the maximum strengths of natural and sexual selection in humans that includes the effects of sex and wealth on different episodes of selection. Our dataset was compiled from church records of preindustrial Finnish populations characterized by socially imposed monogamy, and it contains a complete distribution of survival, mating, and reproductive success for 5,923 individuals born 1760–1849. Individual differences in early survival and fertility (natural selection) were responsible for most variation in fitness, even among wealthier individuals. Variance in mating success explained most of the higher variance in reproductive success in males compared with females, but mating success also influenced reproductive success in females, allowing for sexual selection to operate in both sexes. The detected opportunity for selection is in line with measurements for other species but higher than most previous reports for human samples. This disparity results from biological, demographic, economic, and social differences across populations as well as from failures by most previous studies to account for variation in fitness introduced by nonreproductive individuals. Our results emphasize that the demographic, cultural, and technological changes of the last 10,000 y did not preclude the potential for natural and sexual selection in our species.

Quelle: Natural and sexual selection in a monogamous historical human population

Der Spiegel zitiert die Forscher der letzten Studie wie folgt:

Vier Faktoren sind für Erfolg bei der Selektion entscheidend: Die Überlebensfähigkeit bis zum 15. Lebensjahr, der Zugang zu potentiellen Partnern, die Zahl der Partner und die Zahl der Kinder. Geld spielte dabei offenbar keine Rolle. „Wir haben die Versuchsgruppe in reichere Landeigentümer und ärmere Pächter aufgeteilt. Der soziale Status wirkte sich auf die Ergebnisse kaum aus“, schreiben die Forscher. „Das war überraschend.“ Sie vermuten, dass Menschen ein sehr großes Vermögen aufbauen müssten, um die natürliche Auslese wirklich beeinflussen zu können – und auch das würde nur in einer strengen Klassengesellschaft funktionieren.

Der Vergleich zwischen Männern und Frauen brachte eindeutigere Ergebnisse: „Eigenschaften, die Menschen zu mehr Partnern verhelfen, entwickeln sich bei Männern vermutlich schneller weiter als bei Frauen“, berichtet Courtiol. Der Grund: Sie zeugten mehr Kinder als Frauen. „Verwitwete Männer heirateten häufig noch einmal eine jüngere Frau und bekamen noch mehr Kinder.“ Verwitwete Frauen hätten wegen des Einsetzens der Menopause seltener Kinder von ihrem zweiten Ehemann bekommen. Wer mehr Kinder zeugte, hatte auch längerfristig mehr Nachkommen. „Genau das verstehen wir unter Selektion“, erklärt Studienleiter Courtiol.

Dass der soziale Status, wenn man ihn auf Geld reduziert, eine geringere Rolle spielt, verwundert bei dieser Betrachtung weniger. Denn in einer Monogamie war eben auch nur eine Frau erlaubt und die Kinder aus Seitensprüngen können durch die Kirchenbücher gerade nicht erfasst werden. Gerade wenn die Frauen von reicheren Männern länger lebten (wegen besserer Betreuung und Ernährung) und daher eher in die Menopause kamen, hätten die Reichen offiziell weniger Kinder bekommen als Ärmere (mit Game) die sich eine neue Frau nahmen, nachdem die erste starb.

Aber es ist interessant, dass sich hier eine Bestätigung für sexuelle Selektion findet. Man bedenke den kurzen Zeitraum, der hier nachverfolgt wurde. Dann muss man sich vorstellen, wie alt der Mensch, auch in seiner noch nicht menschlichen Form ist, und wie lange die Lage schon besteht, dass die Frau die höheren Kosten der Aufzucht extrem unselbständiger Kinder trägt. Wie wird sich eine solche sexuelle Selektion wohl über eine so lange Zeit auswirken?

Auswirkungen von Pestiziden auf geschlechtsspezifische Merkmale

Der Spiegel berichtet über die Auswirkungen des Pestizids „Chlorpyrifos“ auf geschlechtsspezifisches Verhalten

Zusätzlich veränderte das Insektizid auch geschlechtstypische Merkmale des Gehirns bei den Kindern, wie Rauh und ihre Kollegen berichten. Normalerweise sind bestimmte Bereiche im männlichen Gehirn stärker ausgeprägt, andere dagegen kleiner als beim weiblichen. „Diese Geschlechtsunterschiede waren bei den stärker belasteten Kindern genau umgekehrt ausgebildet“, so die Forscher. Das stimme mit Tierstudien überein, in denen das Chlorpyrifos bei Nagern die normalen Geschlechtsdifferenzen im Verhalten, Lernen und Gedächtnis aufhob.

Die zugrunde liegende Studie findet sich hier:

Prenatal exposure to chlorpyrifos (CPF), an organophosphate insecticide, is associated with neurobehavioral deficits in humans and animal models. We investigated associations between CPF exposure and brain morphology using magnetic resonance imaging in 40 children, 5.9–11.2 y, selected from a nonclinical, representative community-based cohort. Twenty high-exposure children (upper tertile of CPF concentrations in umbilical cord blood) were compared with 20 low-exposure children on cortical surface features; all participants had minimal prenatal exposure to environmental tobacco smoke and polycyclic aromatic hydrocarbons. High CPF exposure was associated with enlargement of superior temporal, posterior middle temporal, and inferior postcentral gyri bilaterally, and enlarged superior frontal gyrus, gyrus rectus, cuneus, and precuneus along the mesial wall of the right hemisphere. Group differences were derived from exposure effects on underlying white matter. A significant exposure × IQ interaction was derived from CPF disruption of normal IQ associations with surface measures in low-exposure children. In preliminary analyses, high-exposure children did not show expected sex differences in the right inferior parietal lobule and superior marginal gyrus, and displayed reversal of sex differences in the right mesial superior frontal gyrus, consistent with disruption by CPF of normal behavioral sexual dimorphisms reported in animal models. High-exposure children also showed frontal and parietal cortical thinning, and an inverse dose–response relationship between CPF and cortical thickness. This study reports significant associations of prenatal exposure to a widely used environmental neurotoxicant, at standard use levels, with structural changes in the developing human brain.

Und wie könnte dieser angleichende Effekt zustande kommen? Wenig überraschend beeinflussen die Pestizide anscheinend den Testosteronspiegel:

A recent issue of Epidemiology found a correlation between exposure to the pesticide chlorpyrifos and a decline in testosterone. [1] The researchers examined males undergoing fertility treatment and found „multiple linear regression models showed an inverse association between TCPY [a metabolite of chlorpyrifos] and testosterone concentration“. Simply put, that means the more the chlorpyrifos, the less the testosterone. (…) But the study found that men with the most pesticide byproducts in their systems typically had10% less testosterone than men with the least pesticide by products. That’s quite a hit for just one pesticide, especially for those on the low testosterone side in the first place.

Es verwundert also nicht, dass sich dies auch gerade pränatal auswirkt, da dort gerade die wesentlichen Veränderungen im Gehirn im Zusammenhang mit Testosteron stattfinden.

vgl. zB:

Auch dieser Fund reiht sich damit in die lange Reihe der Belege für biologische Ursachen für Geschlechterunterschiede, insbesondere durch pränatales Testosteron, ein

Lust und Testosteron

Hier ein Video zu dem Zusammenhang von Libido, Lust, Testosteron und Dopamin


Das Video scheint mir dabei die herrschende Meinung wiederzugeben.

vgl. dazu auch:

Kooperation und Wettbewerb

Eine interessante Studie zu Kooperation und Wettbewerb und den dabei vorhandenen Geschlechterunterschieden:

Men’s but not women’s investment in a public goods game varied dynamically with the presence or absence of a perceived out-group. Three hundred fifty-four (167 male) young adults participated in multiple iterations of a public goods game under intergroup and individual competition conditions. Participants received feedback about whether their investments in the group were sufficient to earn a bonus to be shared among all in-group members. Results for the first trial confirm previous research in which men’s but not women’s investments were higher when there was a competing out-group. We extended these findings by showing that men’s investment in the in-group varied dynamically by condition depending on the outcome of the previous trial: In the group condition, men, but not women, decreased spending following a win (i.e., earning an in-group bonus). In the individual condition, men, but not women, increased spending following a win. We hypothesize that these patterns reflect a male bias to calibrate their level of in-group investment such that they sacrifice only what is necessary for their group to successfully compete against a rival group

Quelle: Sex Differences in In-Group Cooperation Vary Dynamically with Competitive Conditions and Outcomes (PDF)

Männer investieren also mehr in eine Gruppe, wenn Konkurrenz in Form einer anderen Gruppe vorhanden ist. Das Kooperation und Wettbewerb Hand in Hand gehen können wird gerne übersehen. Es ist richtig, dass wir eine kooperative Spezies sind, aber daraus folgt nicht, dass wir nicht auch eine am Wettbewerb interessierte Spezies sind. Wir kooperieren, um uns im Wettbewerb besser behaupten zu können. Kooperation kann gerade dazu dienen, sich leichter im Wettbewerb zu behaupten.

Die Studie spricht dafür, dass Männer eher bereit sind diesbezüglich Investitionen durchzuführen. Wenn man davon ausgeht, dass die evolutionäre Vergangenheit von Männern eher von Konkurrenz geprägt war und Gruppenbildung für sie für die Jagd und für intrasexuelle Konflikte besonders wichtig war, dann wäre das Ergebnis  der Studie gut zu erklären.