Übersicht: Biologische Begründungen zu Geschlechterunterschieden

Ich hatte hier schon einmal die Liste von Steven Pinker aus „The Blank Slate“ für verschiedene Belege für Geschlechterunterschiede zitiert.

Inzwischen hat sich aber auch hier einiges angesammelt, was ich mal kurz etwas geordneter zusammenstellen möchte:

1. Grundlegendes

2. Bestimmte biologische Fallgruppen:

3. Gründe, die gegen rein soziale Begründungen von Geschlechterunterschieden sprechen:

4. Bestimmte Eigenschaften:

5. Homosexualität:

Das waren gerade die, die mir bei einigem Suchen aufgefallen sind. Wer was zu ergänzen hat, ich würde mich über einen Hinweis in den Kommentaren freuen.

Jäger und Sammler: Frauen als Jägerinnen?

In der FAZ ist ein Artikel, der sich mit „anti-emanzipatorischen Argumente für Steinzeit für immer“ beschäftigt. Dort heißt es zur Jagd:

Was nämlich spricht dagegen, dass auch Frauen jagten? Nichts. Das ist schon die ganze Antwort. Niemand weiß, wer die Speere oder Lanzen benutzt hat, die gefunden worden sind, möglich ist alles. Zu schwach? Zu viel Arbeit mit den Kindern? „Jagende Frauen“, sagt Miriam Haidle, Paläoanthropologin und Koordinatorin eines Forschungsprojekts über kulturelle Evolution an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, „sind weltweit ethnographisch belegt, von der Polarregion, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien, Australien.“ Der Grad der Beteiligung an der Jagd sei veränderlich, „von einzelnen bis zur Mehrheit der Frauen, die Beute reicht in der Regel von Kleinwild bis Mittelwild“.

Zunächst kommt es natürlich darauf an, was man unter Jagen versteht. Kleinwild jagen ist etwas anderes als größeres Wild jagen. 

Bei größeren Wild spricht in der Tat zunächst die Körperkraft dagegen:  Eine lange Zeit erfolgte die Jagd mit einem Stoßspeer, Fernkampfwaffen sind relativ jung. Mit einer Waffe nahe an ein größeres Tier heranzugehen und eine Waffe direkt einzusetzen erfordert einiges an Kraft und hat ein hohes Verletzungsrisiko.

Hier ein paar körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau:

  • Männer wiegen etwa 15% mehr als Frauen
  • Männer sind im Schnitt 15 cm größer als Frauen
  • Der Oberkörper von Männern ist im Schnitt 40-50% stärker
  • der Unterkörper von Männern ist im Schnitt 30% stärker
  • Männer haben relativ zu ihrer Körpergröße mehr Lungenvolumen (ca. 30%)
  • Ellenbogen und Knie sind beim Mann c42-60% stärker
  • die Haut von Männern ist dicker und fettiger
  • Männer haben mehr Körperbehaarung als Frauen
  • Männer haben im Schnitt 5,2 Millionen rote Blutkörperchen pro Kubikmililiter, Frauen 4,6 Millionen
  • Männer haben mehr Hämoglobin als Frauen und können daher mehr Sauerstoff speichern
  • Männer haben im Verhältnis zu ihrem Körper ein um 10% größeres Herz
  • Männer haben stärkere Knochen
  • Frauen wandeln mehr ihrer Nahrung in Fett um, Männern mehr in Muskeln
  • Männer können mehr Hitze abgeben, weil sie mehr Schweißdrüsen haben
  • Frauen haben mehr weiße Blutkörperchen (bessere Imunabwehr)
  • Männer haben mehr Gerinnungsfaktoren und Inhibitoren im Blut (schnellere Wundheilung)

Man sieht also, dass Männer im Verhältnis zu Frauen wesentlich besser auf körperliche Auseinandersetzungen, sowohl mit Tieren als auch mit anderen Menschen, abgestimmt sind. Sie haben im schnitt deutlich mehr Kraft, sind stabiler gebaut, können mehr Sauerstoff ins Blut bringen, heilen schneller. All das kann sich nur entwickeln, wenn es einen Selektionsvorteil bringt, und all diese Umstände bringen Vorteile bei der Jagd.

Auch mit Wurfwaffen und Schußwaffen wird das Bild nicht besser:

Bei Wurfwaffen wie Speeren ist erhebliche Körperkraft erforderlich, um das Tier damit zu verletzen. Auch hier spricht gerade die im Schnitt erheblich größere Kraft im Oberkörper für eine Selektion durch Jagd. Hinzu kommen Vorteile der Männer durch die im Schnitt besseren Fähigkeiten beim räumlichen Denken, was die Zielgenauigkeit erhöht. Alle Sportarten, die die genaue Platzierung eines Geschosses oder die Berechnung einer Flugbahn erfordern sind üblicherweise deutlich männlich besetzt, beispielsweise Dart ist recht fest in männlicher Hand, obwohl die Körperkraft hier letztendlich keine Rolle spielen wird. (Natürlich wird es immer wieder ein großartige Dartspielerin geben, aber eben seltener als einen männlichen Dartspieler). Ein Bogen mag danach weniger Kraft erfordern, Frauen werden ihre Stärken dennoch eher in anderen Bereichen gesehen haben.

Hinzu kommt, dass bei nahezu allen Naturvölkern die wir heute kennen Jagd eine männliche Angelegenheit ist, lediglich Kleintierjagd wird auch von Frauen betrieben.

Hier eine Tabelle dazu:

Tätigkeiten Männer Frauen

Tätigkeiten Männer Frauen

Wie man sieht ist in den meisten Völkern die Jagd auf große Tiere Männersache, die Jagd auf kleine Tiere wird auch von Frauen vorgenommen.

Dazu allerdings im Artikel:

Eines der prominentesten Beispiele sind die Agta, ein Volk, das auf den Philippinen lebt. Die Frauen tragen Macheten, sie jagen mit Pfeil und Bogen, auch dann noch, wenn sie schwanger sind. Die Beute sind Wildschweine und Hirsche, die Mädchen fangen kurz nach der Pubertät mit dem Jagen an. Kinder werden auch mitgenommen, huckepack auf dem Rücken.

Dazu ist zunächst anzumerken, dass es natürlich immer wieder Kulturen geben kann, in denen Frau Jagd betreiben. Gerade wenn das Sammeln in dieser Gegend wenig ergiebig ist, die Jagd aber schon, dann kann dies dazu führen, dass entsprechende Regeln geändert werden, damit man genug Nahrung hat. Es wird aber den meisten einleuchten, dass eine Jagd mit einem Kleinkind auf dem Rücken oder schwanger nicht gerade ideal ist. Man kann sich nicht anschleichen, weil das Kind vielleicht schreit. Das Kind kann verletzt werden. Es hindert beim Jagen und beim Benutzen der Waffe. Die Verletzungsgefahr für Mutter und Kind ist damit sehr hoch bei einer solchen Jagd. Es spricht damit einiges dafür, dass diese Tätigkeit häufiger und regelmäßiger von Männer ausgeübt wurde.

Insbesondere ist zu bedenken, dass in der Steinzeit zum einen wesentlich mehr Großwild vorhanden war. Wo auch immer der Mensch hin kam folgte ein Aussterben dieser großen Landtiere, so dass man vermuten darf, dass diese der Großwildjagd zum Opfer fielen.

Und zum anderen waren auch wesentlich gefährlichere sonstige Tiere unterwegs, die Menschen ebenfalls als Beute angesehen haben und die Jagd zusätzlich gefährlich machten.

Allerdings scheinen auch die Berichte über die Agta überholt zu sein:

The Agta of the Philippines are often cited as evidence that women can hunt as proficiently as men, despite encumbrances of childcare. In fact, many forager women, including Ache and Hiwi, participate in hunting activities. However, women rarely make kills of medium-sized or large game; instead, they engage in activities that help men hunt successfully. In contrast, Agta women hunt with bows and arrows and kill the same prey as do men. The Agta data are important because they indicate conditions under which women may actively hunt. However, fewer than 100 Agta women claimed to have ever hunted from a population of about 9,000 on Luzon Island (P. B. Griffin and T. Headland, personal communication). Most women who reported having hunted were no longer hunting during the ethnographic observation period, and most late-twentieth-century Agta had never heard of women hunters (P. B. Griffin and T. Headland, personal communication). Hunting production data exist for a sample of only six women hunters (Goodman et al. 1985), and available data suggest several patterns relevant to women’s hunting:

(1) carbohydrate resources provided low returns and were rarely encountered;

(2) meat was traded for carbohydrates at a favorable rate;

(3) fertility and ratios of dependent children to adults were low, with high availability of alloparents;

(4) women who hunted were often sterile or postreproductive;

(5) all women’s kills resulted from hunting with dogs; and

(6) women’s hunting always took place less than 5 km from camp, allowing rapid return to dependent offspring (Estioko-Griffin 1985, 1986; Goodman et al. 1985).

The first three points may explain why African Pygmy women participate in communal net and bow hunting activities. Dogs immobilize Agta prey, perhaps explaining why they regularly dispatch prey without men whereas Hiwi and Ache women rarely do. No study of Agta women hunters has examined whether active hunting is related to women’s reproductive status at the time of hunting, but anecdotes suggest that women hunted infrequently or not at all when pregnant or lactating (Estioko-Griffin 1986, 42).14

Das bestätigt also im wesentlichen das oben gesagte.

Dann weiter in dem Ursprungstext.

Umgekehrt gibt es natürlich auch in vielen Kulturen sammelnde Männer. Sammler, Frauen wie Männer, brauchen Gefäße, Taschen, Mörser, Messer, sie müssen wie Jäger ausschwärmen und beobachten, es spricht also auch nichts dafür, dass Sammeln kein Motor für Erfindungen sein kann.

Richtig ist, dass auch Männer gesammelt haben. Das dürfte schon damit zusammen hängen, dass Jagdbeute unsicherer ist als das Sammeln von essbaren Pflanzen. Aber das bedeutet nicht, dass bei Männern nicht dennoch eine Selektion auf bessere Jagdeigenschaften eingetreten sein kann.

Der oben für die Grafik bereits zitierte Artikel beleuchtet Gründe für die Jagd:

The role of men in hunter-gatherer societies has been subject to vigorous debate over the past 15 years. The proposal that men hunt wild game as a form of status signaling or “showing off” to provide reproductive benefits to the hunter challenges the traditional view that men hunt to provision their families. Two broad assumptions underlie the signaling view: (1) hunting is a poor means of obtaining food, and (2) hunted game is a public good shared widely with others and without expectation of future reciprocation. If hunters lack the ability to direct food shares and obtain subsequent benefits contingent on redistribution, then the ubiquitous observations of male hunting and universal pair-bonding cannot be explained from a perspective that emphasizes kin provisioning and a division of labor. Here we show that there is little empirical support for the view that men hunt for signaling benefits alone. The ethnographic record depicts a more complex relationship between food sharing patterns, subsistence strategies, mating, and the sexual division of labor. We present a framework incorporating trade-offs between mating and subsistence strategies in an economic bargaining context that contributes to understanding men’s and women’s roles in huntergatherer societies.

Quelle: Why Do Men Hunt? A Reevaluation of “Man the Hunter” and the Sexual Division of Labor

Aus der Studie:

On average, men contribute about 65% of the calories and 85% of the protein to the forager diet (Kaplan et al. 2000; Marlowe 2001).

Das zeigt auch, dass Fleisch gerade als Proteinquelle wichtig war und Jagd einiges an Kalorien lieferte.

Zu der Frage, inwieweit es bei der Jagd um „Brautwerbung“ oder schlicht Nahrung geht heißt es dort:

The provisioning pathways may favor hunting in most societies, but commitment to hunting is reinforced by the signaling payoffs that aid in mating success and coalition building. Hunting may be ubiquitous among men cross-culturally precisely because of the multiple pathways by which it affects fitness via both private and household gains. Both early historical focus on family provisioning and recent emphasis on mating payoffs provide only partial explanations for why men hunt. We have described a model of the sexual division of labor in which men hunt and women gather because of maternal constraints, long learning periods for many foraging activities, and male comparative advantage combined with the goal of providing a diverse multinutrient diet. Furthermore, men’s hunting production is not lost through sharing but is biased toward family members and channeled to others strategically via contingent reciprocity, social insurance, “cooperative breeding,” and costly display. Other models that emphasize political goals, enhanced group size, and well-being in the context of intergroup competition deserve careful consideration. Long-term pair-bonds cannot be explained by the signaling model alone because it implies that women should be indifferent to marrying good hunters and men should abandon their wives as their fecundity declines. Men in foraging societies voice concern for spousal and offspring welfare; they engage in daily activities that indicate such concern, especially when spouses are pregnant. Among the Ache, Hiwi and Tsimane, men often take custody of children after maternal death or divorce and provide extensive support. Several scenariobased experiments conducted with Ache and Hadza men witdependents show that they prefer to reside in groups with good hunters who will help provision their families rather than in groups of poor hunters where status signaling opportunities are high (Wood 2006; Wood and Hill 2000). New physiological data on male-female and male-offspring bonding mechanisms and hormones that promote such bonding (e.g., oxytocin, vasopressin, dopamine, decreased testosterone) may demonstrate that human males were designed by natural selection to increase cooperative sentiment with female partners and to help raise highly dependent offspring (Gray et al. 2004). These mechanisms may set humans apart from other apes and may provide a window into the social structure of our hominin ancestors. Undoubtedly, spousal conflicts arise because of male mating goals, and these conflicts may modify men’s behavioral patterns. Rather than continue to argue over monocausal explanations of men’s hunting, new studies should examine how costs and benefits of male mating and parenting investment vary with ecological circumstance, partner status, condition and need of offspring, and availability of substitutable aid. In addition, they should examine how hunting rather than gathering might best meet male goals given the constraints of human social living.

Die Jagd erlaubte den Männern also besser als das Suchen nach Nahrung sowohl ihre „guten Gene“ darstellen zu können und somit Qualitäten zu zeigen als auch genügend Nahrung herbeizuschaffen. Diese Lage machte Jagd für Männer zusätzlich attraktiv.

Geschlechterunterschiede beim Sehen

Zwei interessante Unterschiede zu Unterschiede beim Sehen zwischen Männern und Frauen.

1. Das räumlich-zeitliche Denken

Die erste Studie behandelt das räumlich-zeitliches Denken:

Background

Cerebral cortex has a very large number of testosterone receptors, which could be a basis for sex differences in sensory functions. For example, audition has clear sex differences, which are related to serum testosterone levels. Of all major sensory systems only vision has not been examined for sex differences, which is surprising because occipital lobe (primary visual projection area) may have the highest density of testosterone receptors in the cortex. We have examined a basic visual function: spatial and temporal pattern resolution and acuity.

Methods

We tested large groups of young adults with normal vision. They were screened with a battery of standard tests that examined acuity, color vision, and stereopsis. We sampled the visual system’s contrast-sensitivity function (CSF) across the entire spatio-temporal space: 6 spatial frequencies at each of 5 temporal rates. Stimuli were gratings with sinusoidal luminance profiles generated on a special-purpose computer screen; their contrast was also sinusoidally modulated in time. We measured threshold contrasts using a criterion-free (forced-choice), adaptive psychophysical method (QUEST algorithm). Also, each individual’s acuity limit was estimated by fitting his or her data with a model and extrapolating to find the spatial frequency corresponding to 100% contrast.

Results

At a very low temporal rate, the spatial CSF was the canonical inverted-U; but for higher temporal rates, the maxima of the spatial CSFs shifted: Observers lost sensitivity at high spatial frequencies and gained sensitivity at low frequencies; also, all the maxima of the CSFs shifted by about the same amount in spatial frequency. Main effect: there was a significant (ANOVA) sex difference. Across the entire spatio-temporal domain, males were more sensitive, especially at higher spatial frequencies; similarly males had significantly better acuity at all temporal rates.

Conclusion

As with other sensory systems, there are marked sex differences in vision. The CSFs we measure are largely determined by inputs from specific sets of thalamic neurons to individual neurons in primary visual cortex. This convergence from thalamus to cortex is guided by cortex during embryogenesis. We suggest that testosterone plays a major role, leading to different connectivities in males and in females. But, for whatever reasons, we find that males have significantly greater sensitivity for fine detail and for rapidly moving stimuli. One interpretation is that this is consistent with sex roles in hunter-gatherer societies.

Quelle: Sex & vision I: Spatio-temporal resolution

Viele Testosteronunterschiede sind ein Zeichen dafür, dass in einem bestimmten Bereich Geschlechtsunterschiede auftreten. Hier wurde also gerade Bewegung deutlicher von Männern wahrgenommen. Aus der Studie:

Figure2 shows that females and males have similar sensitivities at low spatial frequencies; but with increasing spatial frequency, males’ higher sensitivity becomes more and more apparent. (An earlier study that used a much more restricted range of spatial and temporal frequencies, found a similar pattern of male–female differences [44]) The higher sensitivity of males at middle and high spatial frequencies may be common to mammals: the same pattern of sensitivities has been found, using behavioral techniques, in hooded rats

Auch hier bestehen also keine Unterschiede in allen Bereichen, sondern diese zeigen sich mit ansteigenden Anforderungen.

Und die evolutionäre Herleitung:

A plausible reason for sex-differences in spatio-temporal resolution stems from the period when hominids “descended from the trees” and ventured onto the savannas of Africa. Dwellers in forested regions have limited distances over which they must detect and identify objects, be they predators, enemies, or food. On open plains, however, the views are much longer. This places a premium on acuity, for early detection; we reiterate that we find the largest effect sizes at the high spatial frequencies and that our extrapolated acuity data show that males have a 10% advantage in acuity.

The sex-differences in vision might relate to different roles of males and females of early hunter-gatherers; males, being generally larger and more powerful, would have to detect possible predators or prey from afar and also identify and categorize these objects more easily. It is noteworthy that sensitivities to low spatial frequencies is enhanced by temporal modulation; in the real world, retinal images are rarely stationary – objects move and the observer moves.

Evidence for the “hunter-gatherer hypothesis” can be found in studies of visuo-spatial abilities of existing hunter-gatherers: a large meta-analysis of such studies showed that in general males performed better than females [79]. Furthermore, there are significant sex differences in “near-vision” and “far-vision”: males are generally better for accurately perceiving and estimating sizes of targets in far-space [80]. In monkeys there are different populations of cortical neurons dealing with eye-hand coordination and perception of objects in near- or far-space [81]. And this perceptual dichotomy may be related to different neuronal populations associated with the “ventral and dorsal pathways” from primary visual cortex to the higher cortical areas that process visual information. The ventral pathway is from primary visual cortex to infero-temporal cortex and deals with vision-for-identification; the dorsal pathway to the parietal lobe deals more with spatial localization, or vision-for-action [82,83]. Parenthetically, however, we should note that this dorsal/ventral dichotomy is not quite as clear as originally posited (e.g. [84,85]).

Much of the research on sex-effects among hunter-gatherers implicitly assumes that the differences are congenital. However, it has been reported that there is a significant sex-by-age interaction in infants, indicating important maturational factors [86]: females have higher sensitivity at the peak of the CSF at six months, but not at four and eight months – it seems that the sex-related differences we find (overall male superiority) may not be true from birth.

The hunter-gatherer hypothesis correctly predicts that adult males will perform better for targets in far-space – the hunter must perceive and correctly aim at more distant targets – while females will be better for near-space – arguing that they are the gatherers and foragers for nearby foods [87]. Our findings seem to fit this model: males indeed are much more sensitive to high spatial frequencies. However, the sensitivity difference at low spatial frequencies is relatively small and indeed females may do better for static or slowly moving targets (see Figure2), which would accord with attending to nearby, stationary objects.

Das könnte auch erklären, warum Männer gerade Ballsportarten so gerne mögen.

2. Farben

Eine weitere Studie behandelt Farbunterschiede:

Background:

Because cerebral cortex has a very large number of testosterone receptors, we examined the possible sex differences in color appearance of monochromatic lights across the visible spectrum. There is a history of men and women perceiving color differently. However, all of these studies deal with higher cognitive functions which may be culture-biased. We study basic visual functions, such as color appearance, without reference to any objects. We present here a detailed analysis of sex differences in primary chromatic sensations.

Methods:

We tested large groups of young adults with normal vision, including spatial and temporal resolution, and stereopsis. Based on standard color-screening and anomaloscope data, we excluded all color-deficient observers. Stimuli were equi-luminant monochromatic lights across the spectrum. They were foveally-viewed flashes presented against a dark background. The elicited sensations were measured using magnitude estimation of hue and saturation. When the only permitted hue terms are red (R) yellow (Y), green (G), blue (B), alone or in combination, such hue descriptions are language-independent and the hue and saturation values can be used to derive a wide range of color-discrimination functions.

Results:

There were relatively small but clear and significant, differences between males and females in the hue sensations elicited by almost the entire spectrum. Generally, males required a slightly longer wavelength to experience the same hue as did females. The spectral loci of the unique hues are not correlated with anomaloscope matches; these matches are directly determined by the spectral sensitivities of L- and M-cones (genes for these cones are on the X-chromosomes). Nor are there correlations between loci of pairs of unique hues (R, Y, G, B). Wavelength-discrimination functions derived from the scaling data show that males have a broader range of poorer discrimination in the middle of the spectrum. The precise values for all the data depend on whether Newtonian or Maxwellian optics were used, but the sex differences were the same for both optical systems.

Conclusion:

As with our associated paper on spatio-temporal vision, there are marked sex differences in color vision. The color-appearances we measured are determined by inputs from thalamic neurons (LGN) to individual neurons in primary visual cortex. This convergence from LGN to cortex is guided by the cortex during embryogenesis. We hypothesize that testosterone plays a major role, somehow leading to different connectivities for males and females: color appearance requires a re-combination and re-weighting of neuronal inputs from the LGN to the cortex, which, as we show, depends on the sex of the participant.

Aus einer Besprechung der Studie:

But when the researchers tested color vision in one of two ways—by projecting colors onto frosted glass or beaming them into their subjects’ eyes— women proved slightly better at discriminating among subtle gradations in the middle of the color spectrum, where yellow and green reside. They detected tiny differences between yellows that looked the same to men. The researchers also found that men require a slightly longer wavelength to see the same hue as women; an object that women experience as orange will look slightly more yellowish to men, while green will look more blue-green to men. This last part doesn’t confer an advantage on either sex, but it does demonstrate, Abramov says, that “the nervous system that deals with color cannot be wired in the exact same way in males as in females.” He believes the answer lies in testosterone and other androgens. Evidence from animal studies suggests that male sex hormones can alter development in the visual cortex.

While Abramov has an explanation for how the sexes see differently, he’s less certain about why. One possibility—which he cautions is highly speculative—is that it’s an evolutionary adaptation that benefited hunter-gatherer societies: Males needed to see distant, moving objects, like bison, while females had to be better judges of color when scouring for edible plants.

 

Gründe für schlechtere Noten für Jungs

Ein Artikel in der Süddeutschen zu schlechteren Noten für Schüler im Gegensatz zu Schülerinnen:

Etwas überrascht waren die Forscher jedoch, als sie diese Ergebnisse mit den realen Schulnoten verglichen: Die Jungen erzielten im Durchschnitt durchweg schlechtere Noten als die Tests erwarten ließen. Das galt selbst für diejenigen, die bei den unabhängigen Tests im Lesen genauso gut abgeschlossen hatten wie die Mädchen. Zeigt sich hier etwa eine Benachteiligung der Jungen? (…)

„Am wichtigsten für die Notenvergabe durch die Lehrer ist die Einstellung der Schüler zum Lernen“, sagt auch Studienautor Cornwell. Es gehe um Fertigkeiten wie „die Konzentration des Kindes, das Durchhaltevermögen, die Lernbereitschaft, Selbständigkeit, Flexibilität und das Organisationsvermögen“. Aber genau an diesen Fähigkeiten mangelt es den Jungen, wie eine weitere Befragung der Lehrer der getesteten Schüler ergab. Das Missverhältnis zwischen Testergebnissen und Schulnoten beruhe auf derartigen „nicht-kognitiven Fertigkeiten“, schreiben die Autoren.

„Das bestätigt frühere Ergebnisse“, kommentiert Marcel Helbig. „Viele Studien zeigen, dass Jungen eine geringere Leistungsbereitschaft aufweisen als Mädchen.“ Die eigentlich interessanten Forschungsfragen seien, wieso das so ist und was man dagegen tun könne.

Als „weitgehend widerlegt“ bewertet Helbig die These, wonach eine Feminisierung der Schulen durch die wachsende Anzahl von weiblichen Lehrkräften den Jungen schadete. 2010 etwa veröffentlichte Helbig gemeinsam mit Kollegen eine Studie, die anhand von IGLU-Daten zeigte, dass „weder Jungen noch Mädchen bei Kompetenzentwicklung oder Noten in Mathematik, Deutsch oder Sachkunde von einem Lehrer gleichen Geschlechts profitierten“. Gegen diese Annahme spreche außerdem, dass Jungen bereits seit mehr als hundert Jahren schlechtere Noten als Mädchen bekommen, also auch zu Zeiten, in denen die Pädagogik noch von Männern dominiert war.

Ein anderer Artikel in der Süddeutschen geht genau in die andere Richtung:

Sie würden lieber toben, statt Mandalas zu malen, lieber mit dem Experimentierkasten hantieren, als Weihnachtsschmuck zu basteln. In der Praxis erlebt der Pädagoge, was auch Gespräche mit Teilnehmern seiner Forschungsgruppen bestätigen: Mit einem hohen Bubenanteil tun sich Lehrerinnen schwerer als Lehrer. Klassen, die als schwierig gelten, empfindet er selbst oft gar nicht so: „Es sind halt einfach Jungs“, sagt er. Ihnen falle es eben nicht so leicht, immer funktionieren zu müssen, in der Schule würden sie oft zu schnell diszipliniert.

Mayers Mittel sind andere: häufigere Pausen, auch mal die Klassenzimmertüren öffnen, Rennen auf dem Flur erlauben, Fußballspielen im Pausenhof, gemeinsam Musik machen, „das leitet Energien ab und hilft, persönliche Beziehungen aufzubauen. Da kann man leichter mal einen beiseite nehmen und mit ihm reden“.

Männer, so hört Mayer aus seinen vielen Gespräch mit den Teilnehmern seiner wissenschaftlichen Studie heraus, seien eher in der Lage, die Ausbrüche von Jungs mit Humor zu nehmen. Wenn die Buben ausnahmsweise einmal von einem Mann unterrichtet würden, dann seien sie meist begeistert. „Wenn einer unserer Studenten in die Schule geht, ist er in der Regel der Star und wird umlagert.“

Im Ganzen scheint das Problem zu sein, dass in diesen jungen Jahren die Jungs nicht so leicht in den Schulalltag zu integrieren sind, lieber toben wollen und insofern weniger Leistungsbereitschaft im Schulbereich zeigen.

Verständlich, wenn man bedenkt, dass stillsitzen und Wissen aufnehmen etwas ganz anderes ist als Rough and tumble Play und die Vorbereitung auf intrasexuelle Konkurrenz unter Männern, die wohl in früheren Zeiten eher wichtig war.

War Rosa früher eine Jungenfarbe und Blau eine Mädchenfarbe?

Eine gerade in Genderkreisen gerne gehörte Aussage ist, dass die Farbe-Geschlecht-Zuordnung früher eine andere gewesen sein soll. Die Wikipedia dazu:

Rosa wirkt sanft und weich, weshalb es seit den 1920er Jahren allgemein mit Weiblichkeit assoziiert wird. Vorher galt Rosa als männlicher Babyfarbton. Rot hat die Assoziationen Leidenschaft, Blut, aktiver Eros und Kampf.[2] Somit galt es lange Zeit als „männliche“ Farbe und Rosa, das „kleine Rot“, wurde Jungen zugeordnet. Blau dagegen ist in der christlichen Tradition die Farbe von Maria. Somit war Hellblau, das „kleine Blau“, den Mädchen vorbehalten. Dies hatte eher in der Oberschicht eine Bedeutung. „Ausgeblichene“ Pastelltöne waren für öfters gewaschene Kinderkleidung geeignet. Gewaschen wurde damals mit der Hand, die Textilfarben waren nicht kochfest. Oft gewaschene Babykleidung war meist neutral weiß und man verwendete höchstens farbige Bändchen.[3] Nach dem Ersten Weltkrieg fand ein Umbruch der Auffassungen statt, die Farbe Blau wurde zum Symbol für die Arbeits- und Männerwelt. Die Blautöne der Marineuniform, blaue Arbeitsanzüge, der Blaumann förderte die Symbolik von Hellblau der Jungen. Jungen trugen die zu Anfang des 20. Jahrhunderts modischen (marineblauen) Matrosenanzüge. Für die weiblichen Babys blieb als traditioneller Kontrast das Rosa. Kinderkleidung wird heutzutage immer farbenfreudiger, die Echtheiten und die Vielfalt der Textilfarbstoffe nimmt zu, die Klassifikation für Babybekleidung verliert an Bedeutung. Das Farbadjektiv rosa (wie auch hellblau) besitzt noch eine eindeutige Funktion, zum Beispiel bei Spielzeug[2][4] und sogar in der Nahrungsmittelindustrie.[5] Abgeschwächt wird diese Einteilung nach Rosa und Hellblau in der Erwachsenenwelt ebenfalls eingesetzt.[1][6] Für erwachsene Frauen ist Rosa die viertschönste und siebtunbeliebteste Farbe, für Männer die achtschönste und die drittunbeliebteste. Für Männer bedeutet diese Farbe meist Hilflosigkeit, Naivität und Schwäche.[7]

Marco Del Giudice, Mitautor der Studie zur Größe der Geschlechtsunterschiede in der Persönlichkeit, hat sich die „Farbumkehr“ (bei ihm „Pink blue reversal“ (PBR)) mal angeschaut:

The searchresults are shown in Fig.1.Gender-coded references to pink and blue begin to appear around 1890 and intensify after WorldWarII. However, all the gender-color associations found in the database conform to the familiar convention of pink for girls and bluefor boys.An equivalent search of the British English corpus (googlebooks-eng-gb-all-20090715) revealed exactly the same pattern.In other words,this massive book data base contains no trace of the alleged pink-blue reversal;on the contrary,the results show remarkable consistency in gender coding over time in both the U.S. and the UK, starting from the late nineteenth century and continuing throughout the twentieth century. If one considers the totality of evidence,the most parsimonious conclusion is that the PBR as usually described never happened, and that the magazine excerpts cited in support of the PBR are anomalous or unrepresentative of the broader cultural context. Not only do the present findings run counter to the standard PBR account;they also fail to support Paoletti’s claim that pink and blue were inconsistently associated with gender until the 1950s.They are, however, consistent with the notion that gender color associations became progressively more salient across the twentieth century

In conclusion, there are strong reasons to doubt the validity of the standard PBR account; if anything, gender-color associations seem to be much more stable than currently believed. Intriguingly, the pink-blue convention may ultimately depend on innate perceptual biases toward different regions of the color spectrum in the two sexes (see Hurlbert & Ling, 2007). Starting from age 2 and continuing throughout preschool, girls display increasing preference for pink while boys show increasing avoidance of the same color (LoBue & DeLoache, 2011). In addition to social learning, these developmental trajectories may reflect the activation of evolved sex differences in color processing.Ofcourse,the PBR is a big stumbling block for biological explanations of gender-color associations; but far from being an established fact,the PBR shows many warning signs of a scientific urban legend.Uncritical acceptance of the PBR may have hindered theoretical and empirical progress in this fascinating area of research

Er fand also nach seiner Recherche keine Farbumkehr statt. Und in der Tat könnte man davon ausgehen, dass eine solche Farbumkehr seine Spuren hinterlassen hätte und in irgendeiner Form bei der Büchersuche hätte ausfallen müssen.

Vielleicht muss man sich insoweit einmal die tatsächlichen Argumente der Gegenseite anhören und nachprüfen worauf sie beruhen.

Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie keine Basis hat und einfach als Geschichte weitergegeben wurde, weil sie so gut ins Konzept passt.

Messungen weltweiter Geschlechtsunterschiede in der Persönlichkeit

Roslin hat bei Danisch auf einen interessanten Artikel hingewiesen.

Sex differences in personality are believed to be comparatively small. However, research in this area has suffered from significant methodological limitations. We advance a set of guidelines for overcoming those limitations: (a) measure personality with a higher resolution than that afforded by the Big Five; (b) estimate sex differences on latent factors; and (c) assess global sex differences with multivariate effect sizes. We then apply these guidelines to a large, representative adult sample, and obtain what is presently the best estimate of global sex differences in personality.

Sie verweisen zunächst auf die „Gender Similarities Hypothesis“  , die von eher kleinen Geschlechtsunterschieden ausgeht, obwohl auch dort bei den aufgeführten Unterschieden einige durchaus nicht so kleine vorhanden sind. Dieser werden evolutionäre Theorien gegenüber gestellt.

Danach wird darauf abgestellt, dass die Geschlechtsunterschiede in der Persönlichkeit insbesondere im Zusammenspiel deutlich größere Unterschiede erzeugen:

When two groups differ on more than one variable, many comparatively small differences may add up to a large overall effect; in addition, the pattern of correlations between variables can substantially affect the end result. As a simple illustrative example, consider two fictional towns, Lowtown and Hightown. The distance between the two towns can be measured on three (orthogonal) dimensions: longitude, latitude, and altitude. Hightown is 3,000 feet higher than Lowtown, and they are located 3 miles apart in the north-south direction and 3 miles apart in the east-west direction. What is the overall distance between Hightown and Lowtown? The average of the three measures is 2.2 miles, but it is easy to see that this is the wrong answer. The actual distance is the Euclidean distance, i.e., 4.3 miles – almost twice the “average” value.

Aus meiner Sicht ein gutes Beispiel. Die Geschlechtsunterschiede können sich eben durchaus addieren. Wenn jemand in mehreren Eigenschaften in eine bestimmte Richtung abweicht, dann kann sich daraus eben auch ein anderes Verhalten ergeben, weil sich die Faktoren verstärken. Dabei ist zu bedenken, dass die Unterschiede, wenn man die evolutionären Theorien zugrunde legt, eben auch gut alle in eine bestimmte Richtung verlaufen, weil sie Anpassungen an einen bestimmten evolutionären Druck sind. Es sind keine zufälligen Unterschiede, die sich gegenseitig ausgleichen, auch wenn sie durch zufällige Mutationen entstanden sind, die aber eben einem Selektionsprozess durchlaufen haben.

Zu den Ergebnissen:

The uncorrected multivariate effect size for observed scores was D = 1.49 (with 95% CI from 1.45 to 1.53), corresponding to an overlap of 29%. Correcting for score unreliability yielded D = 1.72, corresponding to an overlap of 24%. The multivariate effect for latent variables was D = 2.71 (with 95% CI from 2.66 to 2.76); this is an extremely large effect, corresponding to an overlap of only 10% between the male and female distributions (assuming normality). On the basis of univariate d’s (Table 2), it might be hypothesized that global sex differences are overwhelmingly determined by the large effect size on factor I, or Sensitivity (d = −2.29). Thus, we recomputed the multivariate effect size for latent variables excluding Sensitivity; the remaining d’s ranged from −.89 to +.54. The resulting effect was D = 1.71 (with 95% CI from 1.66 to 1.75), still an extremely large difference implying an overlap of 24% between the male and female distributions (the corresponding effect size for observed scores, corrected for unreliability, was D = 1.07, implying a 42% overlap). In other words, the large value of D could not be explained away by the difference in Sensitivity, as removing the latter caused the overlap between males and females to increase by only 14%. While Sensitivity certainly contributed to the overall effect size, the large magnitude of global sex differences was primarily driven by the other personality factors and the pattern of correlations among them. It should be noted that Sensitivity is not a marginal aspect of personality; in the 16PF questionnaire, Sensitivity differentiates people who are sensitive, aesthetic, sentimental, intuitive, and tender-minded from those who are utilitarian, objective, unsentimental, and tough-minded. This factor overlaps considerably with “feminine openness/closedness”, identified by Costa and colleagues [49] as a cross-culturally stable dimension of sex differences in personality.

Klingt etwas nach der Unterscheidung zwischen dem empathischen und dem systematischen Gehirn.

Hormone und sexuelle Orientierung

Eine gute Zusammenfassung zu dem Thema „Hormone und sexuelle Orientierung bietet der folgende Minireview:

Many people believe that sexual orientation (homosexuality vs. heterosexuality) is determined by education and social constraints. There are, however, a large number of studies indicating that prenatal factors have an important influence on this critical feature of human sexuality. Sexual orientation is a sexually differentiated trait (over 90% of men are attracted to women and vice versa). In animals and men, many sexually differentiated characteristics are organized during early life by sex steroids, and one can wonder whether the same mechanism also affects human sexual orientation. Two types of evidence support this notion. First, multiple sexually differentiated behavioral, physiological, or even morphological traits are significantly different in homosexual and heterosexual populations. Because some of these traits are known to be organized by prenatal steroids, including testosterone, these differences suggest that homosexual subjects were, on average, exposed to atypical endocrine conditions during development. Second, clinical conditions associated with significant endocrine changes during embryonic life often result in an increased incidence of homosexuality. It seems therefore that the prenatal endocrine environment has a significant influence on human sexual orientation but a large fraction of the variance in this behavioral characteristic remains unexplained to date. Genetic differences affecting behavior either in a direct manner or by changing embryonic hormone secretion or action may also be involved. How these biological prenatal factors interact with postnatal social factors to determine life-long sexual orientation remains to be determined.

Quelle: Minireview: Hormones and Human Sexual Orientation (PDF)

Er stellt zunächst verschiedene Modelle von Tieren und deren Erforschung dar, insbesondere Veränderungen in bestimmten Gehirnzentren unter dem Einfluss pränataler Hormone und deren Auswirkungen auf das Verhalten.

Zu der Übertragung auf den Menschen dann das Folgende:

Do these endocrine mechanisms demonstrated in animals have any significance in humans? The answer to this question should be considered in two steps. 1) Do we have any evidence that sex steroids are, in humans like in animals, implicated in the sexual differentiation of morphology (e.g. genital structures) but also of brain (e.g. SDN-POA) and sexual behavior? And 2) are there any data indicating that embryonic sex steroids have, like in animals, organizational effects on sexual orientation in humans? The answer to the first of these questions is clearly yes, and there is probably no need to elaborate on the arguments supporting this conclusion especially in an endocrine journal. To just briefly restate the obvious:

1) Sex steroids (testosterone, estradiol, progesterone) are present in the human plasma in concentrations similar to those observed in other mammals.

2) Receptors for these steroids are present in humans, and their brain distribution is similar and even nearly identical to the general pattern observed in vertebrates.

3) Testosterone action during embryonic life clearly controls the differentiation of male-typical external and internal genital structures.

4) Sex differences in brain structures have been identified, although their control by embryonic steroids is usually not established at this time.

5) Physiological or behavioral differences between men and women are too numerous to be summarized here (22). These differences are complex in nature, and their origin is more difficult to determine than for differences in genital morphology. Learning, education, and expectations of society clearly play an important role in the genesis of behavioral and even sometimes physiological differences. Nevertheless, quite often, these environmental factors build on and amplify smaller, sometimes minor, differences caused by biological factors that were already present at birth. Many physiological and behavioral differences are thus rooted in biology. This is quite obviously the case for many sexually differentiated diseases related to brain function (e.g. anorexia nervosa affects 93 women for every seven men; Gilles de la Tourette syndrome affects 90 men for every 10 women) (see Refs. 22–24 for an extensive list of such differences). How would education or society induce such differences? But many behavioral differences also probably depend to some extent on biological mechanisms often already acting during prenatal life (e.g. increased aggressivity and greater interest in male-typical activities in girls prenatally exposed to high androgen concentration due to congenital adrenal hyperplasia (CAH)

Es gibt also in der Tat viele Hinweise darauf, dass die gleichen Mechanismen, die auch bei den Tieren wirken, auch bei uns noch vorhanden sind. Ein Gedanke, der jedem Evolutionsbiologen auch recht nachvollziehbar erscheint. Gerade so grundlegende Funktionen wie etwa die Geschlechterdifferenzierung ist, gerade wenn auch ansonsten erkennbar viele körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen, nicht einfach durch Evolution zu wandeln.

Und schließlich zur sexuellen Orientierung:

Sexual orientation is a sexually differentiated function that might depend, like many other behavioral characteristics, on variations in the early (fetal) exposure to sex steroids (androgens and also possibly their estrogenic metabolites). Exposure to a high concentration of testosterone during a critical phase of development would lead to a male-typical orientation (attraction to women), whereas a lower embryonic exposure to steroids would lead to a female-typical orientation (attraction to men). There would be a critical concentration of testosterone required to masculinize this feature like other aspects of behavior in animals and humans (see Fig. 2). On average, male embryos are exposed to higher concentrations of testosterone than female embryos, but these concentrations vary around a mean value for various reasons (environmental, genetic, etc.). Male subjects at the lower end of this sex-specific distribution could thus acquire a female-typical orientation (and be gay), whereas females at the high end of the concentration curve would acquire a male-typical sexual attraction and be lesbian. Even if they are not attracted by the same specific individuals, females and gay men share an attraction for men, whereas males and lesbians share an attraction for women.

Auch interessant ist ein Hinweis auf eine weitere Möglichkeit zu prüfen, welchem Testosteronstand die jeweilige Person pränatal ausgesetzt war:

Oto-acoustic emissions One set of studies also investigated the physiology of the inner ear and more specifically the small noises produced in the cochlea (presumably) by movements of the tympanic membrane, the so-called oto-acoustic emissions (OAE). OAE are produced either spontaneously or in response to short noises in the environment (e.g. clicks). These OAE are more frequent in women than in men as well as in females compared with males in a variety of animal species. In animals, OAE are masculinized (decrease in frequency) after embryonic treatment of females with androgens. OAE were shown to be significantly less frequent in lesbians compared with heterosexual women, again suggesting that these lesbians were exposed to higher concentrations of androgens than usual during early life. Similar studies assessing other aspects of acoustic physiology (e.g. auditory evoked potentials) that are also sexually differentiated confirmed a masculinization of these traits in lesbians (41). Interestingly, feminization of these features was never observed in gay men, and some studies even reported hypermasculinization of these traits

Klingt auf alle Fälle interessant und sollte man mal näher untersuchen. Das männliche Homosexuelle die Feminisierung nicht zeigen könnte drauf zurückzuführen sein, dass sie über dem „Schwellenwert“ liegen, während der Testosteronspiegel, der für Homosexualität bei Frauen ausreichend ist, eher unter dem liegt, der die Maskulinisierung in diesem Bereich bewirkt

Es werden dann noch unterschiedliche Gehirnstrukturen besprochen, desweiteren:

  • 5-reductase deficiency: Ein Wechsel der Geschlechterrollen erfolgt mit der Pubertät unter dem Einfluss der Hormoen
  • Congenital adrenal hyperplasia (CAH) : Wesentlich häufiger eine homosexuelle Orientierung, sind pränatal mehr Testosteron ausgesetzt
  • Diethylstilbestrol (DES): Personen, deren Mütter während bestimmter Zeiten der Schwangerschaft mit DES behandelt wurden, wurden häufiger homosexuell
  • Cloacal exstrophy:  Die Personen haben normale Hoden, so dass sie pränatalen Testosteron ausgesetzt sind, aber keinen Penis. Wurde bei der notwendigen Operation eine Geschlechtsumwandlung zu einer Frau durchgeführt, dann haben viele trotzdem später männliches Verhalten und ein sexuelles Interesse an Frauen gezeigt.

Zu den genetischen Komponenten:

Multiple epidemiological studies have demonstrated a correlation between concordance of sexual orientation and genetic relatedness. For example, if a boy is gay, between 20 and 25% of his brothers will share this sexual orientation, compared with 4 – 6% in a control population. Similarly, lesbian women have a greater probability than heterosexual women of having a homosexual sister. Twins studies indicate that this correspondence in sexual orientation probably does not reflect a communality of postnatal experiences (psychosocial factors) but rather genetic similarity. Several studies indeed demonstrated that there is a better agreement of sexual orientation in monozygotic (identical) twins than in dizygotic twins (fraternal twins conceived from different ova and sperm) (65). If a dizygotic gay twin has a brother, there is on average a 15% probability that the brother will also be homosexual, but this probability rises to 65% in monozygotic twins (66). Overall, these studies suggest that in social conditions typical ofWestern societies, 50 – 60% of the variance in sexual orientation in humans has a genetic origin.

Und auch interessant: Die Vererbung scheint eher über die mütterliche Linie zu erfolgen:

Sexual orientation in men tends to be transmitted through the matriarchal lineage: a gay man has a higher probability of having gay men among his ancestors on the maternal side (uncles, cousins), than on the paternal side. This was originally interpreted as a sign of inheritance through gene(s) located on the X chromosome, and one study identified a linkage with markers located in the subtelomeric region of the long arm of the X chromosome, a region called Xq28 (67). This association with Xq28 was replicated in one subsequent study (68) and in another set of data that were not published in a peer-reviewed journal (see Ref. 69) but not in a fourth one (70). A meta-analysis of all these data strongly supports (P  0.0001) the existence of this linkage (71). More recent studies have suggested that the differential heritage through the matriarchal lineage could also be the result of epigenetic modifications of the expression of genes located on several other chromosomes

Für die Gene der Mutter kann es auch vorteilhaft sein (im Sinne des egoistischen Gens) sehr fruchtbare Töchter zu erzeugen, auch wenn dies eine geringere Nachkommenzahl bei den Söhnen bedeutet. Mitochondriale DNA wird nur von der Mutter weitergeben, werden in dieser Veränderungen bewirkt, die im Zusammenspiel mit dem oben genannten Gen besonders fruchtbare Töchter produzieren, dann wird die mitochondriale DNA über diese schneller verbreitet und reichert sich damit im Genpool an. Der mitochondrialen DNA kann der Nachteil der homosexuellen Söhne egal sein, da diese sie eh nicht weiter verbreiten. Deren negative Auswirkungen führen nicht zu einer Selektion der mitochondrialen DNA.

Desweiteren geht er noch auf den Fraternal Birth Order effect ein, also den Umstand, dass Männer mit vielen älteren Brüdern eher homosexuell sind.

Ich finde es gibt eine gute Übersicht und empfehle den Beitrag zu lesen.

Weiteres zur Homosexualität auf diesem Blog: