Frauen, sexualisierte Bilder und „Frauen zum Objekt machen“

Bei der Mädchenmannschaft berichtet Helga über eine Studie, nach der „sexualisierte Bilder den Sexismus verstärken“ Zudem würden sexualisierte Frauen eher als Objekte wahrgenommen. Helga warnt:

Eine Erkenntnis mit Folgen. Denn wer Frauen nicht mehr als selbstständig handelnde Menschen wahrnimmt, sondern als Objekte, spricht ihnen auch ihre Wünsche und Gedanken ab und ignoriert diese schneller. Im schlimmsten Fall kann dies zu sexuellen Übergriffen führen, wie Sociological Images warnt. Schließlich bedeutet es vor allem eins: Die Darstellungen sexualisierter Frauenkörper, ob in Werbung, Fernsehen oder sonstwo, sind nicht „einfach nur da“, sie verstärken Sexismus und das ist ein Problem.

Die Studie selbst scheint mir eine typische Studie aus den Gender Studies zu sein, die gut zu dieser hier passt.

Hier ist der Abstract:

Agency attribution is a hallmark of mind perception; thus, diminished attributions of agency may disrupt social–cognition processes typically elicited by human targets. The current studies examine the effect of perceiversʼ sexist attitudes on associations of agency with, and neural responses to, images of sexualized and clothed men and women.

In Study 1, male ( but not female) participants with higher hostile sexism scores more quickly associated sexualized women with first-person action verbs (“handle”) and clothed women with third-person action verbs (“handles”) than the inverse, as compared to their less sexist peers.

In Study 2, hostile sexism correlated negatively with activation of regions associated with mental state attribution—medial prefrontal cortex, posterior cingulate, temporal poles—but onlywhen viewing sexualized women. Heterosexual men best recognized images of sexualized female bodies (but not faces), as compared with other targetsʼ bodies; however, neither face nor body recognition was related to hostile sexism, suggesting that the fMRI findings are not explained by more or less attention to sexualized female targets.

Diminished mental state attribution is not unique to targets that people prefer to avoid, as in dehumanization of stigmatized people. The current studies demonstrate that appetitive social targets may elicit a similar response depending on perceiversʼ attitudes toward them.

Quelle From Agents to Objects: Sexist Attitudes and Neural Responses to Sexualized Targets

Zur ersten Studie:

To examine the proposition that hostile sexists would more easily regard sexualized women as the objects of action as opposed to agents enacting actions, the first study assessed associations between images of sexualized women and first-person action verbs, in comparison with associations between images of clothed women and third-person action verbs, as a function of HS. Our hypothesis was that participants higher on HS would be faster than less sexist participants at associating first-person verbs with the sexualized women—because instruments are the objects of oneʼs own actions—and the control women with thirdperson verbs—because only agents, not objects, can be the authors of their actions—as compared with the inverse pairing.

Das Ergebnis:

In contrast, male participantsʼ HS scores were negatively correlated with RT differences [r(25) = −.38, p = .05]: Male participants with higher HS scores were faster to pair images of sexualized female targets with first-person action verbs and clothed female targets with third-person action verbs than the inverse, whereas male participants with lower HS scores demonstrated no RT difference between the two conditions or faster RTs for the inverse pairing

Der verwendete Test ASI zur Feststellung des Sexismus findet sich hier

Mit Fragen wie:

(15) Once a woman gets a man to commit to her, she usually tries to put him on a tight leash.

(21) Feminists are making entirely reasonable demands of men.

kann man sich für HS (Hostile Sexism) qualifizieren.

Mit Fragen wie:

(20) Men should be willing to sacrifice their own well being in order to provide financially for the women in their lives.

(22) Women, as compared to men, tend to have a more refined sense of culture and good taste.

ist man eher „wohlwollend sexistisch„.

Ich hatte zu diesem Test schon einmal hier etwas geschrieben.

In dem Test haben die Männer mit dem feindlichen Sexismus also den sexualisierten Frauen eher das Wort „Use“ und den bekleideten Frauen „uses“ zugeordnet.

Das Ergebnis wäre demnach, dass Männer, die Frauen weniger aufs Podest stellen (Benevolent Sexism) bei sexualisierten Frauen eher Handeln wollen. Und Männer, die davon ausgehen, dass Feministinnen unberechtigte Forderungen stellen, ebenfalls eher mit sexualisierten Frauen Handlungen vornehmen wollen und nichtsexualisierte Frauen handeln lassen.

Dass ein sexueller Reiz den Wunsch auslöst, etwas mit den Frauen zu tun, erscheint mir jetzt noch nicht per se sexistisch. Aber ich habe bei dem Test ja auch bei hostile Sexism mit einem hohen Wert abgeschnitten.

Das nun gerade die Bilder das hervorrufen scheint mir mit dem Test allerdings nicht belegt zu sein.

Zur zweiten Studie:

Den Testpersonen wurden Bilder von sexualisierten oder bekleideten Personen gezeigt und dabei eine funktionelle Magnetresonanztomographie vorgenommen.

The correlation between HS and activity in response to looking at sexualized female targets was significantly stronger than the correlation between HS and activity in response to looking at sexualized male targets in the following predicted regions [t(17) = 3.2, p < .005]: prefrontal cortex (1 cluster in left BA 8, 1 cluster in medial BA 10), posterior cingulate cortex (BA 23/31), and bilateral temporal poles (BA 38/21) (Table 3; Figure 3).

Und aus der Besprechung:

This article is also the first to examine howsexist attitudes modulate neural responses to sexualized and clothed male and female targets. Higher HS scores for men predicted decreased activation of mPFC (BA 8 and BA 10), posterior cingulate, and bilateral temporal poles in response to looking at sexualized women, indicating that more hostile attitudes predict less spontaneous activation of the network reliably associated with mentalizing. No such correlation emerged with BS.

Was ja nicht per se etwas schlechtes sein muss. Es zeigt lediglich, dass man dann auf sexuelle Reize stärker reagiert und dann eher darüber nachdenkt, wie sie zu einem stehen.

Was damit bewiesen sein soll erschließt sich mir nicht.

Die Studie sagt nicht, dass Frauen zu Objekten gemacht werden, sondern, dass man lieber etwas mit ihnen tun möchte. Mit jemanden etwas tun zu wollen (und wie kann man nur auf die Idee kommen, mit einer sexualisierten Frau etwas tun zu wollen) bedeutet nicht, ihn zu einem Objekt zu machen. Es bedeutet Handeln zu wollen.

Interessant aber auch einer der Schlußsätze:

Furthermore, we do not believe these findings are unique to men; women may just as easily perceive men as useful (e.g., as function of a manʼs status; Kenrick, Sadalla, Groth, & Trost, 1990), a hypothesis we intend to test in future experiments.

Sexismus Test

Nick hat mich auf einen Test aufmerksam gemacht, der abfragt, wie sexistisch man ist und zwar sowohl bei „feindlichen Sexismus“ als auch bei „Wohlwollenden Sexismus„, natürlich jeweils nur auf Sexismus gegen Frauen bezogen. Ich habe die dortigen Fragen mal kopiert.

  1. No matter how accomplished he is, a man is not truly complete as a person unless he has the love of a woman.

    Ich würde dem (jedenfalls wie auch im folgenden immer für den heterosexuellen Bereich) durchaus etwas zustimmen. Vielleicht mit der Einschränkung, dass er zumindest gewisse Erfolge bei dem anderen Geschlecht haben muss. Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, dass jemand, der sein Leben ansonsten tatsächlich in allen Punkten zusammen hat, nicht irgendwie die Aufmerksamkeit von Frauen auf sich zieht und dies ablehnt. Vielleicht geht es, die MGTOW-Bewegung kann dazu vielleicht mehr sagen. Aber die Liebe einer Frau ist ein sehr schönes Gefühl.

  2. Many women are actually seeking special favors, such as hiring policies that favor them over men, under the guise of asking for „equality.“

    Klar. Machen sie. Viele Frauen arbeiten auch hart für ihren Erfolg, aber sie nehmen ebenso wie Männer mit, was sie bekommen können.

  3. In a disaster, women ought not necessarily to be rescued before men.

    Da stimme ich zu. Kinder zuerst ist etwas anderes. Aber erwachsene Frauen sind nicht schützenswerter in einem Unglück als Männer

  4. Most women interpret innocent remarks or acts as being sexist.

    Ich würde eingeschränkt zustimmen.  Fragt man nach, was daran genau sexistisch war, also eine Benachteiligung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, dann ist dies häufig nicht einfach zu bestimmen. Oft genug gefällt es Frauen einfach nicht. Oder sie meinen, dass Männer sich zurückhalten müssten, bei Sachen, die ihnen gefallen, weil sie Frauen nicht gefallen. Aber „most women“ ist natürlich auch ein weites Feld. und „innocent remarks“ ist auch nicht gerade objektiv zu bestimmen.

  5. Women are too easily offended.„Frauen sind gefühlsbetonter und nehmen Sachen eher persönlich“.

    Da würde ich zustimmen. Viele Männer haben eine dickere Haut als Frauen.

  6. People are often truly happy in life without being romantically involved with a member of the other sex.

    Hatten wir das nicht schon unter „1.“? Ich verweise auf meine diesbezügliche  Antwort.

  7. Feminists are not seeking for women to have more power than men.

    Einige natürlich. Sah man ja zB beim Sorgerecht. Ist aber immer die Frage, was man als „more Power“ ansieht. Gleiche Vertretung in Politik und Wirtschaft obwohl die Anzahl der Frauen, die sich für aktive Politik interessiert wesentlich geringer ist und wesentlich weniger Frauen die Ochsentour, die zur Erreichung einer hohen Position oft erforderlich ist, machen wollen? Beibehaltung der Vorteile (hier: benevolent Sexism) unter Ablehnung der Nachteile? Die Vereinbarung von Familie und Karriere, im Gegensatz zu Männern aber dann bitte so, dass man nicht nur in der Theorie eine Familie hat, sondern tatsächlich Zeit mit ihr verbringt? Die einzelnen Felder sind schwer abzugrenzen.

  8. Many women have a quality of purity that few men possess.

    Das hängt natürlich davon ab, wie man „purity“ definiert. Wenn man es mit „Unverdorbenheit“  übersetzt und damit meint, dass sie nicht ständig an Sex denken, wie viele Männer, dann könnte ich dem zustimmen, wobei damit aber eine Abwertung der männlichen Sexualität verbunden ist, die ich nicht teile. Wenn man meint, dass Frauen weniger Mist machen, dann würde ich sagen, dass sie teilweise einfach anderen Mist machen, teilweise den Mist von Männern machen lassen und teilweise der Mist anders bewertet wird, weil er gefühlsbetonter erscheint als bei Männern.

  9. Women should be cherished and protected by men.

    Frauen an sich nein. Eine Frau etwas zu verehren und zu beschützen, weil man ein persönliches Verhältnis zu ihr hat, ohne sie dabei auf ein Podest zu stellen, muss hingegen  nichts schlechtes sein.

  10. Most women fail to appreciate fully all that men do for them.

    Über die Anerkennung männlicher Arbeiten kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Das Einkommen des Mannes als Hauternährer wird meiner Meinung nach häufig nicht mehr als Verdienst oder Gabe angesehen, weil es anonym auf ein Konto überwiesen wird und der persönliche Bezug fehlt. Die Hausarbeit und die Betreuungsleistung der Frau sicherlich auch. Auf einer gesellschaftlichen Ebene könnte man sicherlich auch die verschiedensten Jobs benennen, die ganz überwiegend von Männern ausgeführt werden.

  11. Women seek to gain power by getting control over men.

    Einige bestimmt. Einige erlangen auch Kontrolle und wollen eigentlich einen Mann, der sich die Kontrolle nicht nehmen lässt. Den Einfluss einer Frau auf ihren Mann sollte man jedenfalls nicht unterschätzen.

  12. Every man ought to have a woman whom he adores.

    Ich bin etwas gespalten bei dieser Aussage. Eine Frau, die er „verehrt bzw. anbetet.“ Anbeten wäre sicherlich zu viel. Verehren, wenn auch sie ihn verehrt hingegen muss nichts schlechtes sein. Verehrt man eine Person, wenn man sie liebt? Andererseits klingt es etwas nach „Oneitis“. Es ist andererseits auch gut „Projekte“ zu haben, also Frauen, die man näher kennen lernen und  mit denen man etwas anfangen möchte, wenn man Single ist. Wobei dabei wiederum eine „Verehrung“ etwas viel ist.

  13. Men are complete without women.

    Hatten wir das nicht auch schon zweimal? Ich verweise erneut auf Aussage 1.

  14. Women exaggerate problems they have at work.

    Frauen sind gefühlsbetonter, insoweit würde ich zustimmen. Ich glaueb auch, dass viele Frauen gerne über ihre Probleme reden und sie dabei möglichst groß aufbauen. „Alle sind gegen mich“ habe ich schon häufiger von Frauen gehört. Frauen neigen auch eher dazu, Probleme oder Widerstände persönlich zu nehmen, als gegen sie gerichtet, was sie mitunter nicht sein müssen. Natürlich nicht alle Frauen, aber mehr Frauen als Männer nach meiner Erfahrung.

  15. Once a woman gets a man to commit to her, she usually tries to put him on a tight leash.

    Kommt durchaus vor. Shittests sind die eine Sache. Aber für einige Frauen scheint ein Mann ein Projekt zu sein, eine Rohmasse, die sie in der Beziehung umgestalten wollen.

  16. When women lose to men in a fair competition, they typically complain about being discriminated against.

    Die „Sex Card“ wird natürlich ab und zu gezogen. Ich hatte dazu auch mal etwas unter „Patriarchat, Feminismus und Framing“ geschrieben. So ist es natürlich eine sehr verallgemeinernde Aussage. Aber irgendwo im Hinterkopf schwirrt sicherlich häufig der Gedanke herum, dass es auch am Geschlecht liegen könnte. Jetzt geht die Aussage natürlich von einem fairen Wettbewerb aus. Da müsste man natürlich auch zunächst nachfragen, was sie darunter verstehen. Ist jeder Wettbewerb unfaier, weil Männer „male privileges“ haben oder gehen wir von einem tatsächlichen fairen Wettbewerb aus?

  17. A good woman should be set on a pedestal by her man.

    Natürlich nicht. Tut weder ihr noch ihm gut.

  18. There are actually very few women who get a kick out of teasing men by seeming sexually available and then refusing male advances.

    Das denke ich nicht. Aber es ist auch die Frage, was man unter „seeming sexually available“ versteht. Frauen lieben es, wenn alle Männer mit ihnen schlafen wollen, aber sich nach Möglichkeit zurückhalten und dies nicht bzw. kaum zeigen (bis auf den einen Alphamann, den sie wollen).

  19. Women, compared to men, tend to have a superior moral sensibility.

    Teilweise sind sie auch einfach nur weniger risikofreudig.

  20. Men should be willing to sacrifice their own well being in order to provide financially for the women in their lives.

    Strongly disagree

  21. Feminists are making entirely reasonable demands of men.

    Da könnte man sagen, dass der frühere Feminismus sicherlich sehr berechtigte Forderungen gestellt hat und diese ja auch weiterhin aufrechterhalten werden. Wenn man aber Quotenregelungen, Sex, Sorgerecht, die Abschaffung der Geschlechter, insbesondere des Mannes oder die vollkommende Mißachtung biologischer Forschung sieht, dann tendiere ich insbesondere wegen dem „entirely“ zu „strongly disagree“.

  22. Women, as compared to men, tend to have a more refined sense of culture and good taste.

    Frauen haben mitunter tatsächlich ein feineres Gespür dafür. Sie nehmen gewisse Nuancen im sozialen Verhalten häufig schneller auf und haben ein anderes Gefühl dafür, was zB modisch zusammenpasst.

Abschließend noch: Ich schnitt bei „feindlichen Sexismus“ über dem Schnitt ab, bei „benevolent sexism“ unter dem Schnitt. Macht im ganzen ja wohl einen nicht sexistischen Menschen aus mir 😉