Wie entstehen die Geschlechter?

Ich würde es interessant finden, einmal eine Übersicht über Theorien in einer Grobeinteilung zu erstellen, wie eigentlich die Geschlechter entstehen. Mir würden folgende Möglichkeiten für Theorien einfallen:

1. Gesellschaftliche Begründungen

Die Errichtung der Geschlechter ist eine rein soziale Konstruktion, die entweder einfach einer Tradition entspringt oder aber als Machtmittel der einen Gruppe gegen die andere Gruppe zu sehen ist, also beispielsweise die Unterdrückung der Frauen durch die Männer / die herrschenden Männer.

2. Persönliche Erfahrungen nach Gruppeneigenschaft

Es wird davon ausgegangen, dass es die Geschlechter bestimmte verschiedene Erfahrungen machen, die beispielsweise an körperlichen Eigenschaften festgemacht werden. Dass kann der Umstand sein, dass Frauen Kinder bekommen oder Männer einen Penis haben und deswegen „eindringen“ wollen, was dann zu einer Gewaltmetapher ausgebaut wird.

Hierzu könnte man auch die Freudschen Theorien zählen, die über die Erfahrung seine Mutter zu begehren etc ansetzen, wobei diese bereits gewisse Rollen vorauszusetzen scheinen.

3. göttliche Schöpfung bzw. ein göttlicher Aufrtrag

Eine weitere Möglichkeit ist, auf eine göttliche Ordnung abzustellen: Gott / die Götter schuf die Geschlechter und verteilte die Rollen.  Eine einfache Begründung durch ein Autoritätsargument.

4. Spirituelle Begründungen

Spirituelle Begründungen für die Geschlechterollen sind eine Mischung aus „persönliche Erfahrungen nach Gruppeneigenschaft“ und „göttlicher Schöpfung“. Es wird häufig aus bestimmten Eigenschaften etwas hergeleitet und dann spirituell überhöht. Die Frau hat dann nicht nur die Erfahrung der Geburt, sondern sie ist per se „Leben schaffend“ und deswegen auch in allen anderen Bereichen heilend, gutmütig, nichtzerstörrerisch.

5. biologische Begründungen

Hier liefern biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern (essentialistisch oder (richtigerweise) im Schnitt die Begründung für die Geschlechterrollen und sozusagen den Anker, an dem sich dann die typischen Verhalten der Geschlechter festmachen.

Wie stark die jeweiligen Erklärungen dabei die Rollen vorgeben ist Sache der jeweiligen Theorie, ebenso wie sehr Abweichungsmöglichkeiten vorgesehen werden.

6. gemischt biologische-soziale Begründungen

Es gibt verschiedene Wege die Biologie und die Soziologie zu verbinden: Bereits bestehende Unterschiede können kulturell ausgeformt, hervorgehoben oder heruntergespielt werden. Bestimmte Kulturen können bedeuten, dass andere biologische Wege attraktiver sind als andere. Einige Bereiche können sehr anfällig für Biologie sein, andere stark der Sozialisation unterworfen.  Beide Punkte können sich gegenwärtig beeinflussen.

 

 

Das wären die möglichen Theorien zur Herausbildung von Geschlechtern, die mir einfallen. Ich bitte um Ergänzung

 

Theorieüberlegungen zur Geschlechterdebatte

Hier ein paar grundlegende Überlegungen zu Beginn des Jahres:

1. Was eine Theorie grundsätzlich berücksichtigen muss

  • Eine Theorie, die die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht behandelt, kann die Verhältnisse der Geschlechter nicht erklären
  • Eine Theorie, die die Ausgestaltung der biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen  durch Kultur und Soziales nicht behandelt, kann die Verhältnisse der Geschlechter nicht erklären
  • Ein Theorie, die die Unterschiede innerhalb der Geschlechter und die Überschneidungen in den Ausprägungen von Eigenschaften mit dem anderen Geschlecht nicht erklären kann,  kann die Verhältnisse der Geschlechter nicht erklären
  • Eine Theorie, die nur auf Motive von Gruppen und nicht auf die Motive von Einzelwesen in dieser Gruppe („DIE Frauen wollen DIE Männer unterdrücken“ vs. „für eine einzelne Frau kann es vorteilhaft sein, sich so oder so gegenüber Männern zu verhalten“) abstellt, kann die Verhältnisse der Geschlechter nicht erklären
  • Eine Theorie, die jeden Unterschied auf Diskriminierung zurückführt, kann die Verhältnisse der Geschlechter nicht erklären

2. weitere Überlegungen

  • Es ist für ein Bild der Geschlechter notwendig, sich die möglichen Handlungen Motive der Handelnden und deren wirtschaftliche und soziale Folgen sichtbar zu machen Deswegen finde ich die Grundzüge der Spieltheorie am geeignetsten für eine Theorienbildung. Wenn ein Mann eher befördert wird als eine Frau, dann muss man vergleichen, wie viel jeweils in den jeweiligen Job investiert wurde, welche Gefahren beim Einstellen einer Frau bestehen, wie deren wirtschaftliche Folgen sind, wie viele Bewerber vorhanden waren, welche Qualifikation diese hatten etc. Häufig wird man bereits deswegen einen Teil der Differenzen erklären können. Das gilt ebenso beim Aufenthaltsbestimmungsrecht etc
  • Diskriminierung rein aufgrund des Geschlechts kann dann ein Faktor sein, der in die Bewertung mit einzustellen ist, er sollte aber nicht vorschnell angenommen werden
  • Die Abgrenzung zwischen Diskriminierung wegen des Geschlechts und dem Versuch, eine unzureichende Faktenbasis über Häufungen, die bei dem Geschlecht des jeweiligen auftreten ist eine interessante Frage: Ist es zulässig, den Umstand, dass eine Frau eher wegen Kinderbetreuung aussetzt auch dann einzubeziehen, wenn diese Frau das vielleicht gar nicht will? Ist es zulässig, den Umstand, dass Frauen sich im Schnitt eher für Kinderbetreuung interessieren bei der Entscheidung zwischen einem weiblichen und einem männlichen Babysitter/Au pair zugrundezulegen?
  • Geschlechterollen haben üblicherweise Vor.-und Nachteile. Auf nur eine der beiden Seiten abzustellen, ist insofern unsinnig. Es ist aus meiner Sicht vernünftig, erst einmal davon auszugehen, dass bestimmte Rollen bewusst gewählt werden und einen Versuch zu unternehmen, die Vor- und Nachteile, die dafür sprechen zu sichten.
  • Wer Theorien nur einseitig auf ein Geschlecht als Handelnden anwendet, der verkennt, dass üblicherweise beide Geschlechter zu den Rollen beigetragen haben: Sei es über Erwartungen an das andere Geschlecht oder Bevorzugung eines bestimmten Handelns. Theorien, die Nachteile für ein Geschlecht als Diskriminierung und Vorteile als „wohlwollenden Sexismus“ ansehen, verkennen dies.

Das war erst einmal ein Brainstorming, wer will kann gerne ergänzen oder eigene Gedanken dazu schreiben