Doppelte Belastung für Frauen durch Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Die Süddeutsche bespricht eine Studie, nach der sich die Belastung von Männern und Frauen in der Familie nicht stark untersheidet:

Vor allem für Frauen sind Kind und Karriere eine doppelte Belastung, heißt es. Doch Psychologinnen kommen jetzt zu einem anderen Schluss.

Zu den vielen Gewissheiten in der endlosen Diskussion über die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zählt, dass vor allem Frauen unter der Doppelbelastung leiden. Das populäre Bild besteht aus gestressten Müttern, die sich zwischen den Ansprüchen von Kindern und Arbeitgebern zerreiben, während Väter rücksichtslos Karriere machen und sich dabei nicht von den Bedürfnissen ihrer Familien irritieren lassen. Doch dabei scheint es sich um eine Legende zu handeln, denn Männer leiden ebenso, wenn sie versuchen, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Das zeigt eine Studie, die Forscher um Kristen Shockley von der University of Georgia im Journal of Applied Psychology veröffentlicht haben.

Für die Arbeit wertete das Team um die Psychologin mehr als 350 Einzelstudien mit insgesamt etwa 250 000 Teilnehmern aus – ein sehr großer Datensatz, der für die Qualität der Veröffentlichung spricht. Etwa die Hälfte der analysierten Studien stammt aus den USA, die anderen aus Europa und Asien. „Im Wesentlichen haben wir kaum belastbare Beweise dafür gefunden, dass Frauen und Männer in unterschiedlichem Ausmaß durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familiebelastet werden“, sagt Shockley.
Geringe Unterschiede identifizierten die Forscher nur bei Doppelverdienerpaaren: In dieser Konstellation klagten Mütter geringfügig häufiger darüber, dass Familienangelegenheiten ihre Arbeit beeinträchtigten; und Väter, dass die Arbeit ihr Familienleben störe. Doch diese Differenzen seien so gering, dass sie kaum praktisch relevant seien, so die Forscher.

Die Ergebnisse stehen in starken Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung der Problematik. Das Thema werde in den Medien fast ausschließlich als Frauenthema diskutiert, so Shockley. Dadurch drehe sich die Diskussion im Kreis: „Frauen hören von anderen Frauen, dass sie mit dem Problem kämpfen und alleine dadurch entsteht die Erwartung, dass sie größere Schwierigkeiten haben werden als Männer, Beruf und Familie zu vereinbaren“, sagt die Psychologin.

Also eine gleich große Belastung durch die Vereinbarkeit, aber eine einseitige Debatte, die nur auf die Frau abstellt.

Männer thematisierten ihre Probleme hingegen zu wenig – offenbar, dafür sprechen einige Studien, weil sie fürchten, dadurch Nachteile im Beruf zu erfahren. „Ich glaube, dieses Schweigen schadet Männern“, sagt Shockley, „sie müssen sich auch durchbeißen und erleben den gleichen Arbeits-Familien-Stress wie Frauen, aber niemand erkennt das an.“

Hauptmotiv für die Studie war es, empirische Belege zu sammeln, ob und wie sich das Geschlecht auf das Stressniveau auswirkt, der durch den Spagat zwischen Büro und Kinderzimmer entsteht. Ein lobenswerter Ansatz, denn die Debatte rund um Geschlechtergerechtigkeit wird vor allem durch Emotionen und weniger durch nüchterne Daten angetrieben.

In der Tat. Und auch diese Studie wird wenig daran ändern.

Dass Frauen und Männer gleichermaßen darunter leiden, an zwei Fronten an ihren eigenen Ansprüchen zu scheitern, sei auch nicht davon abhängig, wie gerecht das Zusammenleben der Geschlechter in einer Gesellschaft organisiert sei. Der einzige Unterschied, für den sich in Studien Indizien finden lassen: Wo Gleichberechtigung in besonderem Ausmaß erreicht ist, wird offenbar Verhalten erst recht durch die Geschlechterbrille betrachtet und interpretiert. Das könnte erklären, dass der Konflikt zwischen Beruf und Karriere in den westlichen Ländern als fast reines Frauenthema diskutiert wird.

Mehr Gleichberechtigung bewirkt stärkere Geschlechterrollen. Das hier zumindest bekannte Gender Equality Paradox.

Vgl. auch:

Das skandinavische Gender Paradox

Ich bin über einen Link über sociale Medien auf eine Buchvorstellung eines Autors gestoßen, welches zumindest der Beschreibung auf dieser Seite nach, einige interessante Fakten enthält. Aber erst einmal ein Video, in dem der Autor sein Buch vorstellt.

Er stellt anscheinend dar, dass der Nordische Wohlfahrtsstaat in gewisser Weise dazu beiträgt, dass weniger Frauen in Vorstände kommen, weil dies die zeitaufwändigere Tätigkeit als der Aufsichtsrat ist:

That is the new and quite interesting book by Nima SanandajiThe main point is that there are plenty of Nordic women in politics, or on company boards, but few CEOs or senior managers.  In fact the OECD country with the highest share of women as senior managers is the United States, coming in at 43 percent compared to 31 percent in the Nordics.  More generally, countries with more equal gender norms do not have a higher share of women in senior management positions.  Within Europe, Bulgaria does best and other than Cyprus, Denmark and Sweden do the worst in this regard.

Dies wird dort als das „Nordic Gender Paradox“, also das „Skandinavische Gender Paradox bezeichnet: Obwohl das Land stark auf Frauenförderung setzt sind dort weniger Frauen Unternehmensleiter als in Staaten mit weniger Gleichberechtigung und weniger Förderung.

One reason for the poor Nordic performance at higher corporate levels is high taxes, which limits the amount of household services supplied through markets.  If it is harder to hire someone to do the chores, that makes it harder for women to invest the time to climb the career ladder.  Generous maternity leave policies may encourage women to take off “too much” time, or at least this is suggested by the author.  A history of communism is also strongly correlated with women rising to the top in business and management; this may stem from a mix of relatively egalitarian customs and a more general mixing up of status relations in recent times and a turnover of elites.

Demnach wäre es in Ländern mit hohem Lohnniveau schwieriger für Frauen, die Familienarbeiten auf Dritte zu verlagern um sich so die Zeit freizuschaufeln, die man für die Karriere braucht. Zudem würden die großzügigen Regelungen für Erziehungszeiten und Mutterschaftszeiten dafür sorgen, dass Frauen zu lange aussetzen.

I don’t find this book to be the final word, and I would have liked a more formal econometric treatment.  It is nonetheless a consistently interesting take which revises a lot of the stereotypes many people have about the Nordic countries as being so absolutely wonderful for gender egalitarianism in every regard.

Das passt zum allgemeinen Gender Equality Paradox.

Vgl. auch:

 

Gender Equality Paradox: Das Patriarchat oder die Sozialisation bewirken nicht die Geschlechterunterschiede

Ein einem interessant klingenden Kapitel aus einem Buch zur Evolution der Sexualität wird auch das Gender Equality Paradox besprochen, also der Umstand, dass in Gesellschaften mit mehr Gleichberechtigung die Geschlechterunterschiede deutlicher werden. Der Abstrakt klingt interessant:

Psychologists have uncovered dozens of ways men and women differ in affect, behavior, and cognition. Social role theorists assume that men’s and women’s psychological differences solely result from sex role socialization processes and sociopolitical power differentials, and, as a consequence, social role theorists further assume psychological sex differences will be smaller in cultures with more egalitarian sex role socialization and greater sociopolitical gender equity. In this chapter, evidence is marshaled across 21 data sources that directly challenge this foundational assumption of social role theory. Empirically, sex differences in most psychological traits—in personality, sexuality, attitudes, emotions, behaviors, and cognitive abilities—are conspicuously larger in cultures with more egalitarian sex role socialization and greater sociopolitical gender equity. Even sex differences in many physical traits such as height, obesity, and blood pressure are larger in cultures with more egalitarian sex role socialization and greater sociopolitical gender equity. Three alternative evolutionary perspectives on psychological sex differences—obligate sex differences, facultatively mediated sex differences, and emergently-moderated sex differences—appear to better explain the universal and culturally-variable sex differences reliably observed across human cultures.

Quelle: The Evolution of Culturally-Variable Sex Differences: Men and Women Are Not Always Different, but When They Are…It Appears Not to Result from Patriarchy or Sex Role Socialization

Dies war schon häufiger Thema im Blog:

Einen weiteren Einblick gibt es bei Google Books, ich habe mal ein paar der Ergebnisse herausgezogen.

Geschlechterunterschiede Mann Frau

Geschlechterunterschiede Mann Frau

Geschlechterunterschiede Mann Frau

Geschlechterunterschiede Mann Frau

Geschlechterunterschiede Mann Frau

Geschlechterunterschiede Mann Frau

Leider liegt mir der gesamte Text nicht vor. Wenn jemand an ihn rankommt, dann wäre ich interessiert.

Gleichberechtigung vs. Gleichstellung

Ein häufig auftauchende Diskussion in der Geschlechterdebatte betrifft die Frage, ob man bezüglich der Geschlechter eine Gleichstellung oder Gleichberechtigung erreichen will.

  • Gleichberechtigung wäre das Schaffen gleicher Rechte bezogen auf jede  Einzelperson, es zielt insofern auf eine Erweiterung der Optionen ab
    • diese Ausrichtung geht davon aus, dass mit hinreichend gleichen Rechten jedem selbst überlassen ist, ob er sie nutzt oder nicht. Wenn Personen aus einer Gruppe diese Option seltener nutzt als Personen anderer Gruppen, dann müssen eben nur gleiche Startbefindungen geschaffen werden, eine andere Beteiligung einr Gruppe an bestimmten Bereichen muss jedoch nicht au Diskriminierung zurückgehen, sondern kann auch eine Folge zB biologisch begründeter Unterschiede in den Motivationen, Vorlieben und Fähigkeiten sein.
    • Schwierig wird es hier, wenn Unterschiede tatsächlich außerhalb der Gesetze begründet werden, die sonst nicht auftreten, etwa aufgrund von Vorurteilen etc. Dann bleibt in dieser Richtung nur die gleiche Förderung.
  • Gleichstellung zielt hingegen auf eine zahlenmäßig gleiche Beteiligung des jeweiligen Geschlechts ab in bestimmten Positionen bzw. allgemein an der Gesellschaft ab.
    • Diese Ausrichtung geht davon aus, dass gleiche Rechte nicht ausreichend sind, wenn soziale Regeln oder Vorurteile dazu führen oder andere Hindernisse dazu führen, dass Mitglieder einer Gruppe diese Rechte gleich effektiv wahrnehmen können.
    • Sofern von Unterschieden ausgegangen wird angeführt, dass eine gleiche Beteiligung dennoch hergestellt werden sollte, weil diese Unterschiede sich – jedenfalls in den als positiv bewerteten Bereichen – nicht auswirken dürfen bzw. die Beteiligung im ungefähren Verhältnis zur Beteiligung an der Gesellschaft als Recht angesehen wird bzw. als etwas Gutes, was auch Benachteiligungen anderer rechtfertigt
    • Mittel der Gleichstellung sind insbesondere eine Quote aber auch Maßnahmen wie etwa umfangreiche Förderprogramme oder Werbekampagnen die eine Gleichstellung durch Verbesserung der Möglichkeiten oder Abbau von Vorurteilen erreichen sollen

Die Abgrenzung wird etwas unschärfer, wenn man in den Bereich der Gleichberechtigung auch soziale Regeln einbezieht und diese ändern möchte. Hier muss zunächst eine Einigung über die sozialen Regeln und auch die Möglichkeiten, die Umstände durch Regeländerungen zu ändern geprüft werden, wobei dann, wenn man bezüglich des Mittels davon ausgeht, dass eine Änderung der Mittel nur erreicht werden kann, wenn man eine gewisse Gleichstellung praktiziert

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und „Work-Life-Balance“

Bei Heise wird eine Studie wie folgt zitiert:

So fragen nur 26 Prozent der berufstätigen Frauen den Chef regelmäßig nach einer Beförderung, bei den Männern tun das 74 Prozent. Wegen mehr Geld klopfen immerhin 48 Prozent der Frauen in der Führungsetage an, doch auch hier sprechen die Männer mit 72 Prozent deutlich häufiger vor. Entsprechend ist das Resultat: Während die Hälfte der berufstätigen Männer schon mal eine gewünschte Position bekommen hat, trifft das nur auf 38 Prozent der Frauen zu.

Allerdings ist der Damenwelt die Work-Life-Balance ohnehin wichtiger, so jedenfalls ein weiteres Ergebnis der Studie. Danach gefragt, woran genau sie ihren Erfolg im Beruf messen, nannte nur etwas mehr als ein Drittel „Geld“. Für 46 Prozent ist ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit wichtiger, für männliche Arbeitnehmer spielt das hingegen nur eine untergeordnete Rolle. International gesehen liegen die deutschen Arbeitnehmer (männlich wie weiblich) damit übrigens deutlich unter dem Durchschnitt: Weltweit sehen 56 Prozent der Arbeitnehmer die Work-Life-Balance als wesentlich an. Allerdings scheint es mit der Umsetzung nicht so gut zu klappen: 36 Prozent der insgesamt 4.100 befragten Berufstätigen halten die Vereinbarkeit von Karriere und Privatleben für einen Mythos, in Deutschland sogar 47 Prozent.

Also mal wieder eine Studie, die das bisherige Bild, dass Frauen im Schnitt gar nicht so unbedingt in die Führungspositionen kommen wollen, sondern lieber eine gewisse Balance zwischen Beruf und Privatleben  halten wollen, bestätigt:

Und Nochmal: Gender Pay Gap

Da gerade der Gender Pay Gap wieder in aller Munde ist hier noch eine interessante Rechnung dazu:

Der Bruttomonatsverdienst von Frauen hierzulande liegt laut WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung „bei gleicher Arbeitszeit rund 21 Prozent unter dem der Männer“. Das von den Arbeitgebern getragene Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hält dagegen: Die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen betrage nur 11 Prozent, würden Struktur-Faktoren berücksichtigt wie Bildung, Alter, Berufserfahrung, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Firmengröße. Beziehe man auch noch Babypausen mit ein, schrumpfe die Differenz gar auf 2 Prozent. Damit wäre der verbliebene kleine Unterschied fast weggerechnet.

Ähnliche Berechnungen hatte ich hier schon mal:

Und noch ein paar interessante Zahlen

In a 2013 national poll on modern parenthood, the Pew Research Center asked mothers and fathers to identify their „ideal“ working arrangement.

Fifty percent of mothers said they would prefer to work part-time and 11 percent said they would prefer not to work at all. Fathers answered differently: 75 percent preferred full-time work. And the higher the socio-economic status of women, the more likely they were to reject full-time employment. Among women with annual family incomes of $50,000 or higher, only 25 percent identified full-time work as their ideal. Sandberg regards such attitudes as evidence of women’s fear of success, double standards, gender bias, sexual harassment, and glass ceilings. But what if they are the triumph of prosperity and opportunity?

Sandberg seems to believe that the choices of contemporary American women are not truly free. Women who opt out or „lean back“ (that is, towards home) are victims of sexism and social conditioning. „True equality will be achieved only when we all fight the stereotypes that hold us back.“ But aren’t American women as self-determining as any in the history of humanity? In place of bland assertion, Sandberg needs to explain why the life choices of educated, intelligent women in liberal, opportunity-rich societies are unfree. And she needs to explain why the choices she promotes will make women happier and more fulfilled.

An up-to-date manifesto on women and work should steer clear of encounter groups and boys-must-play-with dolls rhetoric. It should make room for human reality: that in the pursuit of happiness, men and women often take different paths. Gender differences can sometimes be symptoms of oppression and subordination. But in a modern society they can also be the felicitous consequences of liberated choice—of the „free to be you and me“ that women have been working towards for generations.

Auch dazu hatte ich hier schon einmal etwas:

Es scheint vielen Feministinnen unvorstellbar, dass Frauen nicht im gleichen Maße wie Männer Karriere machen wollen und andere Vorstellungen von dem haben, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen.

Zum Gender Equality Paradox: Mehr Gendergleichheit verstärkt Geschlechterklischees in den Köpfen

Harald Eia hatte in Seiner TV-Reihe Brainwash auch auf das ROSE-Projekt und das sich daraus ergebende Gender Equality Paradox hingewiesen. Auf „Genderpopender“ nimmt mit Doro numehr eine Feministin dazu Stellung:

Wer sich ins Bewußtsein ruft, wie stark Geschlechterstereotype z.B. in den Medien oder in der Konsumwelt und Spielzeugindustrie vermittelt werden, der kann sich leicht vorstellen, dass Menschen gerade in Ländern, wo Kinder und auch heranwachsende/erwachsene Menschen diese Medien und Konsumgüter hochfrequenter konsumieren (können), auch entsprechend stärker in ihrem Denken und Verhalten davon beeinflusst werden.

Ich füge dazu noch mal eine der Grafiken aus dem ROSE-Projekt ein:

Unterschiede Männer Frauen Interessen 91

Wenn man sich die Grafik anschaut, dann sieht man bereits, dass es ein Scheinargument ist. Denn es werden in dieser Studie eben nicht nur Länder ohne besondere Medienbeeinflussung und solche mit besonderer Medienbeeinflussung verglichen, sondern auch eine Vielzahl europäischer Länder mit einander verglichen werden.

Will man wirklich behaupten, dass in Skandinavien die Medienbeeinflussung größer ist als in der Türkei und Griechenland? In beiden Ländern sitzen Kinder vor den Fernsehen und schauen die gleichen amerikanischen Serien und Filme. Und ein Mädchen, dass in der Türkei und Griechenland kein Fernsehen schauen kann wird sicherlich in dem ländlichen Bereich kein geschlechterneutraleres Bild bekommen, weil in beiden Ländern dort die Geschlechterrollen wesentlich stärker gelebt werden als in amerikanischen Serien. Aber selbst wenn man Länder wie Deutschland und Skandinavien oder Irland und Skandinavien vergleicht wird das Bild nicht besser. Es wäre dann wohl dringend anzuraten, dass polnische Fernsehen und die polnischen Medien eins zu eins zu übernehmen, sie scheinen ihren Job ganz hervorragend zu machen.

Stellen wie diese über Polen:

In Polen wird scheinbar konservativer erzogen. Hier sagen immerhin 44 Prozent der Frauen, dass man ihnen als Kind beigebracht hätte, dass Mädchen und Jungen andere Rollen und Aufgaben hätten.

sind da sicherlich ein Fehler.

Tatsächliche Forschung oder irgendwelche Daten, die ihre Spekulation stützen führt sie nicht an. Im Blog ist das Ganze dennoch erst einmal unter Wissenschaft aufgeführt.

Da gerade assoziativ angelegte, implizite Botschaften – solche, die beispielsweise in der Werbung mitschwingen – zum allergrößten Teil über Emotionsaktivierung unterbewußt verarbeitet werden, ist es auch schwer, sich gegen diese Manipulation zu wehren. Das Wirken von Geschlechterstereotypen in unserer Gesellschaft und die daraus folgenden schädlichen Auswirkungen auf die Biographien von Frauen und Männern ist in zahlreichen Studien deutlich nachgewiesen und auch in Ländern mit hohem Gender-Equality-Index klar präsent.

Das Wirken und die Auswirkungen sind eben meist nicht nachgewiesen, sondern werden behauptet. Und es geht ja auch nicht darum, dass diese Geschlechtersterotype an sich bestehen, sondern das sie im stark feministischen Ländern mit hoher Gleichheit wie eben Skandinavien nicht schwächer ausfallen. Sondern stärker. Was eben gerade eine Vorhersage ist, die der Genderfeminismus auf der Grundlage seiner Theorien aufstellen müßte, wenn er sie ernst nimmt.

So wird man z.B. auch unter den Frauen, die sich als emanzipiert bezeichnen, wenige finden, die sich dem von unserer Kultur gezeichneten frauenspezifischen Normen-und Wertesystem entziehen können, da ansonsten soziale Sanktionen drohen. Genauso wenig wandeln sich von heute auf morgen Strukturen, deren Reproduktion nachgewiesenermaßen nach dem Ähnlichkeitsprinzip erfolgt, oder verändern sich psychologische Gruppendynamiken, die über verschiedene Mechanismen aus Minderheiten keine Gleichverteilung werden lassen, sondern nach Konformität streben

Auch hier schreibt sie am Thema vorbei: Es geht eben nicht darum, dass die Mechanismen Zeit brauchen, sondern, dass in den besonders feministischen Ländern die Unterschiede größer sind. Man darf wohl nach allen Theorien erwarten, dass Frauen sich in einem auf Gleichberechtigung ausgerichteten Land wie Schweden wesentlich leichter einem solchen Normen- und Wertesystem entziehen können als in Griechenland oder der Türkei, beides wesentlich patriarchischere Länder. Und in einem katholischen Polen wird es eher schwieriger sein, dies zu machen.

Doro sieht es anders:

All dies trägt dazu bei, dass vielleicht eine gesetzliche Gendergleichheit herrschen mag, die Geschlechterklischees in den Köpfen der Menschen aber so stark aktiviert sind wie zuvor, mit all den entsprechenden Konsequenzen

Also scheint ein mehr an Gendergleichheit nach dieser Vorstellung die Geschlechterklischees stärker zu aktivieren. Also wäre weniger Gendergleichheit besser? Warum aktiviert Gendergleichheit denn die Geschlechterklischees stärker und warum kann die Gleichheit nicht genutzt werden? Es erscheint mir eher ein eigens Paradox aufzumachen, statt das Gender Equality Paradox zu beseitigen

Warum genau es in Schweden, Dänemark und Co schwieriger sein soll, sich dem Wertesystem zu entziehen, während es den Polen gelingt darüber wird nichts gesagt, kein Argument, keine Studie, nichts.

Aber dies soll wohl noch kommen: Der Artikel scheint eine Art Teaser zu sein:

Die daraus folgenden Unterschiede in Verhalten und Interaktion dann (evolutions-)biologisch zu legitimieren, ist übrigens nicht nur kontraproduktiv, sondern auch wissenschaftlich nicht haltbar – in Kürze wird hierzu eine ausführliche und mit aktuellen Forschungsquellen belegte Gegendarstellung zu der gerade im Internet kursierenden norwegischen Dokumentation “Brainwash – The Gender Equality Paradox” erscheinen.

Schon erstaunlich: Im Artikel kein einziger Beleg und eine unstimmige These, aber die das Paradox wesentlich besser erklärende Theorie ist wissenschaftlich unhaltbar. Ich  bin gespannt auf die „ausführlich belegte Gegendarstellung“. Sie soll wohl Ende März kommen.