Testo-kain oder Koka-steron? Zur Wirkung von Testosteron

Dies ist ein Gastartikel von Nina Radtke

Vor nicht all zu langer Zeit habe ich Testosteron mit Kokain verglichen. Zu diesem Schluss bin ich gekommen, da ich, im Gegensatz zu den meisten Menschen, in meinem Leben bereits verschiedenste Mengen an Testosteron im Blut hatte.

Dazu muss ich nun erst einmal kurz meine Vorgeschichte erklären: Bis ich 21 wurde, war ich der männlichen Adoleszenz unterworfen. Je mehr die Männlichkeit mein Ich bestimmte, umso schlechter fühlte ich mich. Das lag allerdings an meinem inneren Konflikt, dem Umstand, das ich trotz bereits lange vorher bestehendem andersartigem Bedürfnis, ein Mann werden sollte statt eine Frau.

Nun, ich habe dann, zuerst in Eigenregie und später mit ärztlicher Unterstützung eine Hormontherapie begonnen (und viele Operationen mitgemacht), dabei war mein Androgenspiegel oft signifikanten Änderungen unterworfen und ich habe inzwischen Alles erlebt von Testosteron quasi auf 0 bis hin zu den furchtbar hohen Testosteronspiegeln die ich angesichts meiner damals sehr ausgeprägten Muskulatur und Maskulinität gehabt haben muss.

Natürlich ist Testosteron nur ein Faktor, auch die Östrogenspiegel sowie mein weiterer Lebensweg hatten und haben sicher einen Einfluss auf mein Verhalten.

Dennoch ist es meine persönliche Empfindung, das Testosteron / Dihydrotestosteron (Wird mit Hilfe einer Aromatase zB in Prostata und Haarfolikeln aus Testosteron hergestellt und wirkt deutlich stärker) folgendermaßen wirkt:

  • Testosteron gibt Selbstvertrauen
    Wenn mein Testosteronspiegel sehr sehr niedrig ist, dann geht mir zunehmend das Selbstvertrauen flöten. Als mein Testosteronspiegel deutlich höher war, hatte ich im Umgang mit Menschen keine Selbstzweifel. Und auch keine Selbstzweifel (nur Verbitterung) beim Blick in den Spiegel. Bei sehr niedrigem Testosteron fühle ich mich einfach nicht sicher, aber es ist mehr. Mit viel Testosteron hat mein Selbstvertrauen oft dazu geführt, das Leute ohne Wiederworte Dinge mitgemacht haben, um die ich sie jetzt wirklich bitten müsste. Ich stand auch sehr viel mehr im Mittelpunkt.
  • Testosteron macht aktiv
    Kaum Testo – Lange Schlafen | „Normales Testo“ (Wert den ich die meiste Zeit hatte, etwas über weibl. Norm) – Halbwegs Aktiv | Hohes Testo – Aufgedreht (zB hin und her laufen beim Warten) ——- Hab aber glaub ich auch ADHS was sich überwiegend in sprunghaften Gedanken aber auch in physischer Unruhe äußert
  • Testosteron macht Unangreifbar
    Keine Angriff hätte mein Ego treffen können. Sowieso ist Ego glaube ich ein Produkt des zirkulierenden Testosterons, jedenfalls hat der Wettbewerbsgeist und der Geltungswahn mit der Hormontherapie schrittweise abgenommen und hat nun (T < weibliche Norm) Nichts mehr zu sagen. Ich bin jetzt auf mein Potential fokussiert und nicht auf den Vergleich mit Anderen. Ich ordne mich ohne Hierachiebewusstsein in eine Gruppe ein, früher undenkbar, aber vielleicht war mein Fokus auf Hierachie auch teilweise durch die Tipps in den Flirtratgebern statt nur durchs Testosteron bestimmt.
  • Testosteron macht Triebhaft
    Drogen, Party, Alkohol, Fressen – früher konnte ich mir den Driss jeden Tag geben und habs auch getan weil ich immer Bock drauf hatte. Eine neurobiologische Erklärung könnte sein, das Testosteron die Dopaminausschüttung stimuliert: Der gleiche Belohnungsreiz wirkt mit viel Testosteron deutlich stärker als mit wenig Testosteron. Vermutlich ein Grund, warum exzessives Verhalten bei Männern verbreiteter ist: Mehr Dopamin = Mehr Risikobereitschaft.
  • Testosteron macht gefühllos
    Schlimmer als unter Antidepressiva hat das Testosteron damals wie eine unsichtbare Mauer meine Gefühle eingesperrt. Ich konnte Gefühle ansatzweise fühlen, aber es gab immer einen Punkt, wo die Gefühle geblockt waren. Nur besonders starke „Einschläge“ konnten mich emotional aus der Ruhe bringen. Emotionen sind unter Östrogen ohne Testosteron weit fließender und natürlicher.

Mehr kann ich dazu nicht sagen, es ist noch heftig wie stark anabol Testosteron wirkt, ich merke es innerhalb weniger Wochen wenn mein Testosteron mal wieder sinkt oder steigt, das die Einkaufstasche mal schwerer und mal leichter ist. Aber das weiß glaub ich Jeder über das Hormon Testosteron^^

Zur Ergänzung des Gastartikels noch einige Links:

„Es ist nicht möglich festzustellen, was biologischer und was sozialer Anteil ist“

Ein Argument, welches in Diskussionen gerne kommt, ist, dass es quasi unmöglich ist zu sagen, was der biologische Anteil eines Verhaltens ist und was der soziale Anteil:

Hier kommt das Argument beispielsweise von Maren:

Die einzelnen Einflüsse sind schwer zu untersuchen/unterscheiden, weil auf Kinder/Erwachsene täglich so eine Masse an Informationen einströmt, und weil Menschenversuche unethisch sind. Von daher ist es relativ unklar, welche Aspekte biologisch und welche sozial bedingt sind.

Ich meine auch Joachim verwendet es des häufigeren, finde aber gerade keine passende Stelle.

Meiner Meinung nach ist das so nicht richtig. Oder würde jedenfalls dazu führen, dass man auch in der gesamten Soziologie keinerlei Theorien dazu aufstellen könnte, wodurch ein bestimmtes Geschlechterverhalten hervorgerufen wird. Denn wenn man dort eine gewisse Korrelation zu einem Erziehungsstil feststellt, dann muss man ja auch in irgendeiner Form diesen Erziehungsstil gewichten und und einordnen und dann die Auswirkungen zuordnen. Wenn man also zB feststellt, dass Erziehungsstil Y ein Verhalten auf einer Skala von 1 (weiblich) zu 5 (männlich) von 5 hervorruft, dann kann man eben auch biologische Faktoren hierzu in Bezug setzen. Wie reagieren dann Mädchen mit einem pränatalen Testosteronlevel von 10 statt den zB für Mädchen üblichen 1 auf den genau gleichen Erziehungsstil Y, den man vorher noch genau einordnen konnte? Zeigen sich hier deutliche Abweichungen untereinander, die in einer Übereinstimmung mit der Höhe des Testosteronspiegels sind, dann kann man zumindest eine entsprechende Korrellation feststellen. Überprüft man dann noch, ob Mädchen mit eine, pränatalen Testosteronlevel von 10 sich äußerlich stark von solchen mit einem pränatalen Testosteronlevel von 1 optisch abweichen und kommt man zu dem Ergebnis, dass das nicht der Fall ist, dann spricht alles dafür, dass der Testosteronlevel sich entsprechend auswirkt.

Wer nun anfängt, dass hier aber weitere ungeklärte Umstände vorliegen können, die das Ergebnis bewirken, der muss dies eben auch bezüglich der Erziehungsstile gelten lassen.

Sprich: Um so mehr Genauigkeit man der Forschung zum sozialen Anteil zubilligt um so mehr Genauigkeit muss man auch der Abgrenzbarkeit von sozialen und biologischen Faktoren zusprechen.

Androgenzeptoren und Verhalten

John Mannings Buch „The Finger Book“ enthält neben vielem zur Digit Ratio auch einen interessanten Beitrag zur Arbeitsweise der Androgenrezeptoren:

Testosterone influences the expression of many genes which in turn influence other genes, and so it has an immensely influential „cascade“ effect on the body. However, before this cascade can be activated testosterone must first bind to a receptor molecule, the androgen receptor; the hormone receptor complex then exerts its effect on the genes. The androgen receptor is therefore very important, as its structure determines our sensitivity to testosterone. Hte andorgen receptor is a protein which, in common with all other proteins, is made up of building blocks known as amino acids. One such amino acid, glutamine, is found in large numbers i an particular part of the receptor molecule. it is the length of this glutamine chain that is important in determining our sensitivity to testosterone. In general the average number of glutamines per receptor molecule is around twenty to twenty-two, altough the normal range is from eleven to thirty. If you have eleven glutamines ypur testosterone-receptor complex is very effective in switching on the testosterone cascade, but as the number of glutamines increases the sensitivity to testosterone reduces, so that an individual with thirty glutamines will have mild testosterone insensitivity.

Eine schwerer Form wäre es, wenn der Körper aufgrund sehr zahlreicher Wiederholungen überhaupt kein Testosteron mehr erkennt (CAIS). Eine andere Beschreibung habe ich auch noch hier gefunden:

The trait of interest in this article affects the transcription, or message-relaying effect of the androgen receptor. The androgen receptor binds testosterone normally, and travels to the cell nucleus (where the DNA is compartmentalized), but is unable to turn on and off the appropriate cell functions to the same degree as men who are more androgenized.

This trait, called the CAG repeat polymorphism (CAG), refers to a glutamine-tag attached to the androgen receptor. CAG refers to the DNA sequence of the gene that produces the androgen receptor.7 It takes three nucleotides (the building-block units of DNA) to code for one amino acid in protein chain; CAG is the sequence of cytosine-adenine-guanine, which codes for the amino acid glutamine.

Ironically, the androgen receptor gene is located on the X chromosome, which necessarily comes from the mother (assuming you are a male). Called the ‘sex chromosomes,’ females have 2 X (or XX), while men have an X and a Y (XY). One might think men who carry an extra X chromosome (XXY), a syndrome called Klinefelter’s, might be at an advantage— but in reality, these men have low serum (blood) testosterone concentration, small testicles, suffer from infertility, and are prone to gynecomastia.

The CAG would not appear to have a function, coding for a redundant stretch of glutamine inserted in a receptor that is otherwise identical to the androgen receptor of all normal men. However, as has been readily demonstrated, the longer the glutamine chain, the less efficient the androgen receptor is at turning on or off the genes that create the healthy male physiology. (…)

When testosterone enters a cell (for the biology geeks, this is restricted to the genomic effects of testosterone), it binds with an androgen receptor. There are different co-factors in the various cell types (skeletal muscle, fat, liver, etc.) that either enhance or impair the ability of the receptor to connect with and stimulate the cell to respond.9 These co-factors attach onto the testosterone-androgen receptor complex and travel as a unit to the nucleus, and bind to the chromosomes (DNA) at specific androgen response elements— think of it as assigned parking spaces. The complex then dimerizes (pairs up with another complex) to actually turn on the testosterone-sensitive genes.

Genes are information; they do not function as anything other than data storage. In order for the information they contain to become new cell structures or change function, the information has to re-enter the cell in a form that the machinery of the cell can understand. This occurs through transcription. Transcription creates a ‘chemical memo,’ or instructions from the head office. The longer the CAG repeat, the higher the degree of separation, and the less likely the message is to be affected.

Eine interessante Studie zu Hormonrezeptoren und Transsexualität ist die Folgende:

Studies of genetic males with single gene mutations that impair testosterone formation or action and consequently prevent development of the normal male phenotype provide unique insight into the control of gender role behavior. 46,XY individuals with either of two autosomal recessive mutations [17β-hydroxysteroid dehydrogenase 3 (17β-HSD3) deficiency or steroid 5α-reductase 2 (5α-R2) deficiency] have a female phenotype at birth and are raised as females but frequently change gender role behavior to male after the expected time of puberty. In contrast, genetic males with mutations that impair profoundly the function of the androgen receptor are also raised as females and have consistent female behavior as adults. Furthermore, the rare men with mutations that impair estrogen synthesis or the estrogen receptor have male gender role behavior. These findings indicate that androgens are important determinants of gender role behavior (and probably of gender identity) and that this action is mediated by the androgen receptor and not the result of conversion of androgen to estrogen. The fact that all genetic males with 17β-HSD3 or 5α-R2 deficiency do not change gender role behavior indicates that other factors are also important determinants of this process.

Quelle: Androgens, Androgen Receptors, and Male Gender Role Behavior

Zur Transsexualität hatte ich auch in dem Artikel „Transsexualität, Androgenrezeptoren und Gene“ etwas geschrieben.

Die Wirkung der Androgenrezeptoren wirkt sich auch auf die Digit Ratio aus:

The second to fourth digit ratio (2D:4D) is sexually dimorphic, with lower mean values in males compared to females. It has been suggested that the sex difference in 2D:4D is determined prenatally, 2D:4D is negatively related to prenatal testosterone and positively to prenatal oestrogen, and that 2D:4D is a marker for levels of sex steroids during brain organisation. There is growing evidence that many sex-dependent behaviours are correlated with 2D:4D. However, there is no direct evidence for an effect of prenatal sex steroids on the digit ratio. The response to prenatal testosterone is dependent on the amount produced and the foetal sensitivity to the hormone. Variation in the X-linked androgen receptor gene (AR) determines sensitivity to testosterone. Alleles of AR with low numbers of CAG triplets respond to testosterone with high transactivational activity, while high numbers of CAG’s are associated with increased insensitivity to testosterone. We show in a sample of 50 men (49 Caucasian subjects, 1 Caucasian/Chinese subject) that 2D:4D is a phenotypic correlate of AR structure. Right-hand 2D:4D was positively correlated with CAG number and individuals with low 2D:4D in their right hand compared to left hand had AR alleles with low CAG numbers. We discuss the implications of our findings for our understanding of the aetiology of 2D:4D, its relationships with sex-dependent behaviours, and the evolutionary implications of variation in 2D:4D and AR.

Quelle: The second to fourth digit ratio and variation in the androgen receptor gene (Manning)

Wenn man dann bedenkt, dass die Digit Ratio mit für das Geschlecht typischen Verhalten in Verbindung steht, dann wird deutlich, dass diese Faktoren Auswirkungen haben.

Auch in Tieren läßt sich ein Zusammenhang von Testosteron, den Rezeptoren und Verhalten nachweisen:

The purpose of this study was 2-fold: 1) to use gonadal steroid hormone exposures in the physiological range to assess the relative roles of testosterone (T), estradiol (E2), and dihydrotestosterone (DHT) in the expression of male sexual behavior, and 2) to determine whether androgen receptor (AR) or estrogen receptor (E2R) occupation is increased after exposure to these various gonadal steroid hormones. Sexually experienced, castrated male rats implanted sc with Silastic capsules containing T, 10% E2, DHT, 10% E2 plus DHT, or blanks provided hormone levels in the physiological range. Copulatory behavior was measured on days 2–4, 5–7, 10–12, and 14–16 of steroid treatment. Although T, E2, and E2 plus DHT treatments all activated mounting, only T was effective in restoring ejaculation in 100% of the males. DHT alone had no effect on any aspect of male sexual behavior. Brains of males given these various hormone treatments were assayed for both cell nuclear AR and cell nuclear E2R binding in the hypothalamus, preoptic area, amygdala, and septum. Results indicate that when hormone levels in the physiological range were employed, T and DHT bind primarily to AR, whereas E2 binds to E2R. In a second experiment, 0.5% E2 plus DHT was found to yield AR and E2R levels comparable to those in rats receiving T capsules. Male rats bearing these capsules showed virtually no sexual behavior, demonstrating that elevation of AR and E2R levels comparable to those generated by T is not sufficient to induce male sexual behavior. We then measured intact AR and E2R levels and determined that in intact males E2R levels were higher than in T-treated males. These E2R levels could be replicated using 1.0% E2. Males exposed to 1.0% E2 plus DHT failed to display male sexual behavior. These data suggest that 1) relatively high and prolonged levels of E2R occupation are required for estrogen activation of male sexual behavior, 2) high levels of AR occupation induced by DHT are not sufficient to activate male sexual behavior, and 3) in intact male rats T, acting via androgen receptors, plays a primary role in mediating the expression of masculine sexual behavior. (Endocrinology 124: 618–626,1989)

Quelle: Evidence for a Role of Testosterone-Androgen Receptor Interactions in Mediating Masculine Sexual Behavior in Male Rats

Und zu den körperlichen Effekten der verschiedenen Stärken der Rezeptoren:

The androgen testosterone and its metabolite dihydrotestosterone exert their effects on gene expression and thus effect maleness via the androgen receptor (AR). A diverse range of clinical conditions starting with complete androgen insensitivity has been correlated with mutations in the AR. Subtle modulations of the transcriptional activity induced by the AR have also been observed and frequently assigned to a polyglutamine stretch of variable length within the N-terminal domain of the receptor. This stretch is encoded by a variable number of CAG triplets in exon 1 of the AR gene located on the X chromosome. First observations of pathologically elongated AR CAG repeats in patients with X-linked spino-bulbar muscular atrophy showing marked hypoandrogenic traits were supplemented by partially conflicting findings of statistical significance also within the normal range of CAG repeat length: an involvement of prostate tissue, spermatogenesis, bone density, hair growth, cardiovascular risk factors and psychological factors has been demonstrated. The highly polymorphic nature of glutamine residues within the AR protein implies a subtle gradation of androgenicity among individuals within an environment of normal testosterone levels providing relevant ligand binding to ARs. This modulation of androgen effects may be small but continuously present during a man’s lifetime and, hence, exerts effects that are measurable in many tissues as various degrees of androgenicity and represents a relevant effector of maleness. It remains to be elucidated whether these insights are important enough to become part of individually useful laboratory assessments.

Quelle: The CAG repeat polymorphism within the androgen receptor gene and maleness

Die Unterschiedlichen Wirkungsgrade zeigen auch, dass auch innerhalb der Biologie alle Typen, von sehr geschlechtertypisch bis zu sehr untypisch vorhanden sein können.

Eine andere Studie stellt eine Verbindung zu Verbrechen her:

Androgens mediate their functions through androgen receptors (AR). The two triplet repeats in the AR gene (CAG and GGN) are highly polymorphic among various populations and have been extensively studied in diverse clinical conditions and antisocial personality disorders. Several studies have reported either higher levels of testosterone among rapists or the correlation of shorter CAG repeats with criminal activities. However, to date, no study has analyzed AR gene in rapists worldwide, and no study has been conducted on criminals from Indian subcontinent. Therefore, we have analyzed the AR-CAG repeat length in 645 men, of which 241 were convicted for rape, 107 for murder, 26 for both murder and rape, and 271 were control males. The aim was to explore if there was any correlation between CAG repeat length and criminal behavior. The study revealed significantly shorter CAG repeats in the rapists (mean 18.44 repeats) and murderers (mean 17.59 repeats) compared to the control men (mean 21.19 repeats). The criminals who committed murder after rape had a far shorter mean repeat length (mean 17.31 repeats) in comparison to the controls or those convicted of rape or murder alone. In short, our study suggests that the reduced CAG repeats in the AR gene are associated with criminal behavior. This, along with other studies, would help in understanding the biological factors associated with the antisocial or criminal activities.

Quelle: Reduced CAG repeats length in androgen receptor gene is associated with violent criminal behavior

Das passt zu den Ergebnissen, dass ein hoher Testosteronwert sich auf die Empathie auswirken kann. Bei einigen schlägt dann vielleicht diese niedrigere soziale Angepaßtheit, die daraus resultiert, in Gewalt um.

Zu den Auswirkungen pränataler Hormone vergleiche auch: Pränatales Testosteron und „genderbezogenes Verhalten“

Testosteron und Kooperation

Eine interessante Studie zur Wirkung von Testosteron auf Frauen:

Collaboration can provide benefits to the individual and the group across a variety of contexts. Even in simple perceptual tasks, the aggregation of individuals‘ personal information can enable enhanced group decision-making. However, in certain circumstances such collaboration can worsen performance, or even expose an individual to exploitation in economic tasks, and therefore a balance needs to be struck between a collaborative and a more egocentric disposition. Neurohumoral agents such as oxytocin are known to promote collaborative behaviours in economic tasks, but whether there are opponent agents, and whether these might even affect information aggregation without an economic component, is unknown. Here, we show that an androgen hormone, testosterone, acts as such an agent. Testosterone causally disrupted collaborative decision-making in a perceptual decision task, markedly reducing performance benefit individuals accrued from collaboration while leaving individual decision-making ability unaffected. This effect emerged because testosterone engendered more egocentric choices, manifest in an overweighting of one’s own relative to others‘ judgements during joint decision-making. Our findings show that the biological control of social behaviour is dynamically regulated not only by modulators promoting, but also by those diminishing a propensity to collaborate.

Quelle: Testosterone disrupts human collaboration by increasing egocentric choices (Full Text, PDF)

Aus der Diskussion in der Studie:

Our finding that testosterone increased egocentric choices accords with a broader literature concerning testosterone’s role in social choice, and in particular with an interpretation of that literature which proposes that testosterone’s role is to increase dominance or status-related behaviours [18,19]. High social status is associated with elevated testosterone in humans [13,19], chimpanzees [34] and other mammals [35]. A greater drive for social status leading to greater assertiveness during social interactions might reasonably be expected to impair an individuals’ ability to appropriately weight the opinion of another, consistent with our findings. Indeed, the increased egocentricity in an individual’s choices that we observe could be interpreted as a form of signalling, whereby the individual is signalling their dominance in the context of a collective decision. Increased dominance can be detrimental to collaborative decision-making, as shown previously during reasoning tasks where high variance in the verbal contributions of group members (i.e. groups with highly dominant individuals) led to a significantly attenuated performance benefit from collaboration [6]. Other possible effects of testosterone previously related to its role in status-related behaviour [18] may also contribute to less effective information aggregation in our dyads, for example in reducing trustworthiness ratings of faces [17] and decreasing the ability to infer emotional states through photographs of eyes [16]. In addition to potential status-related effects of testosterone, our finding of increased egocentricity has interesting parallels with testosterone’s role in sexual and reproductive behaviours, where testosterone relates to more self-orientated behaviour as evident in reduced parenting and increased courtship in birds [31,32], rodents [36] and rural Senegalese men [37]. Importantly, our task involves no conflict over resources as accurate integration of information is in the best interest of the dyad members, which suggests that the effects of testosterone we observed are not caused by it rendering individuals more selfish.

Und etwas später:

Social animals reap benefits from collaboration across a wide variety of tasks, ranging from those involving information aggregation (as seen here), reasoning [6] or the division of resources such as food or money [1–3]. Indeed, the potential benefits frominformation aggregation, for example, are used to support the use of juries (i.e. groups of observers) in the criminal justice system [5]. However, collaborating too freely is not always beneficial, and therefore the biological mechanisms controlling the balance between more collaborative and self-oriented behaviours must dynamically tune behaviour to the social environment. While a previous focus has been on factors promoting collaboration [9–11], here we highlight an opposing biological influence that increases self-orientated or status-related behaviours at the expense of collaboration. Our data show that the humoral agent testosterone modulates the delicate trade-off between collaboration and a more egocentric disposition.

Es scheint also, als würde Testosteron eine gewisse Wirkung haben, die sich in der Zusammenarbeit, zumindest bei Frauen auswirkt. Interessant ist, dass die Forscher hier selbst betonen, dass es in der Sache um nichts ging und das dies vielleicht Auswirkungen gehabt haben könnte. Eine andere Studie in der es um Verhandlungen ging, hat im Gegensatz dazu feststellt, dass Frauen, die Testosteron erhielten, fairer waren und daher besser miteinander verhandeln konnten.

Aus einer Besprechung der Studie in der Süddeutschen:

Bei dieser Abwägung sorgt Testosteron dafür, dass die eigenen Interessen nicht zu kurz kommen, wie die Forscher zeigten. In Zweierteams sollten sich die Probandinnen einigen, welches von zwei Bildschirm-Mustern die stärkeren Kontraste aufwies. Die Muster wurden kurz hintereinander präsentiert, und die Unterschiede waren sehr gering.

Dabei waren die Probandinnen ohne Testosteron deutlich im Vorteil. Sie diskutierten unvoreingenommener darüber, was jede von ihnen wahrgenommen hatte, und waren eher bereit, sich die Meinung der Partnerin anzuhören. In der Testosteron-Gruppe hingegen war eine solche Abstimmung die Ausnahme. Frauen, zuvor eine Hormonpille geschluckt hatten, ließen sich kaum von ihrer Meinung abbringen. Das egozentrische Verhalten führte zu deutlich schlechteren Trefferquoten als in der Placebo-Gruppe.

Wie eine frühere Studie gezeigt hat, kann Testosteron jedoch auch die Bereitschaft zur Kooperation erhöhen – aber nur, wenn sich die Beteiligten dadurch materielle Gewinne oder gesellschaftliches Ansehen erhoffen. Testosteron führt nämlich auch dazu, dass Menschen solche Verdienste stärker schätzen. In den Londoner Versuchen hingegen gab es keinerlei Belohnung für die richtige Antwort.

Es scheint also, also würde Testosteron insbesondere das Festhalten an der eigenen Meinung fördern, was eine Kooperation ohne besonderes Ziel erschweren kann. Ohne Testosteron schien die Bestätigung der eigenen Meinung egaler zu sein, was dann die Zusammenarbeit förderte. Es wäre interessant inwiefern das Ergebnis inbesondere bei Frauen auftritt oder aber auch auf Männer übertragbar ist.

Empathie, Testosteron und Digit Ratio

In einer Studie geht es darum, wie Testosteron bei Frauen die Empathie beeinflusst. Sowohl freies als auch pränatales Testosteron (gemessen über die Digit Ratio) führte zu einer Verminderung der Empathiefähigkeit.

During social interactions we automatically infer motives, intentions, and feelings from bodily cues of others, especially from the eye region of their faces. This cognitive empathic ability is one of the most important components of social intelligence, and is essential for effective social interaction. Females on average outperform males in this cognitive empathy, and the male sex hormone testosterone is thought to be involved. Testosterone may not only down-regulate social intelligence organizationally, by affecting fetal brain development, but also activationally, by its current effects on the brain. Here, we show that administration of testosterone in 16 young women led to a significant impairment in their cognitive empathy, and that this effect is powerfully predicted by a proxy of fetal testosterone: the right-hand second digit-to-fourth digit ratio. Our data thus not only demonstrate down-regulatory effects of current testosterone on cognitive empathy, but also suggest these are preprogrammed by the very same hormone prenatally. These findings have importance for our understanding of the psychobiology of human social intelligence.

Quelle: Testosterone administration impairs cognitive empathy in women depending on second-to-fourth digit ratio

Testosteron wirkt sich also nach dieser Forschung sowohl bei der ersten „Gehirnformatierung“ durch Testosteron aus als auch später bei dem Testosteronspiegel. Zumindest die im Gesicht erkennbare Empathie scheint davon betroffen zu sein.

Testosteron, Soziales Verhalten und Fairness

Eine interessante Studie zur Wirkung von Testosteron:

Both biosociological and psychological models, as well as animal research, suggest that testosterone has a key role in social interactions. Evidence from animal studies in rodents shows that testosterone causes aggressive behaviour towards conspecifics. Folk wisdom generalizes and adapts these findingsto humans, suggesting that testosterone induces antisocial, egoistic, or even aggressive human behaviours. However, many researchers have questioned this folk hypothesis, arguing that testosterone is primarily involved in status-related behaviours in challenging social interactions, but causal evidence that discriminates between these views is sparse. Here we show that the sublingual administration of a single dose of testosterone in women causes a substantial increase in fair bargaining behaviour, thereby reducing bargaining conflicts and increasing the efficiency of social interactions. However, subjects who believed that they received testosterone—regardless of whether they actually received it or not—behaved much more unfairly than those who believed that they were treated with placebo. Thus, the folk hypothesis seems to generate a strong negative association between subjects’ beliefs and the fairness of their offers, even though testosterone administration actually causes a substantial increase in the frequency of fair bargaining offers in our experiment.

Testosteron führt also im menschlichen Bereich dazu, dass insbesondere auf einen gerechten Austausch geachtet wird und bestimmte Regeln der Fairness eingehalten werden.

Ich vermute, dass der Effekt insbesondere aufgetreten ist, um intrasexuelle Aggression, also Aggression unter Männern, zurückzuschrauben. Männliche Aggression wurde häufig durch solche Regeln im Saum gehalten. Beispiele sind Ehrenkodexe bei Duellen, fairer Kampf etc. Testosteron mag zwar mit mehr Neigung zum Wettbewerb in Verbindung stehen, aber es schärft auch das Statusbewußtsein und das Hierarchiebewußtsein, was ebenfalls der Konfliktkontrolle gilt.