Work-Life-Balance und Risikobereitschaft

Ein interessanter Artikel stellt einen Zusammenhang dar zwischen der Risikobereitschaft und der „Work-Life-Balance“:

Zwei andere Forscherinnen haben jetzt nachgewiesen: Hochqualifizierte Frauen tun sich mit der Work-Life-Balance schwerer als hochqualifizierte Männer – und das liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen Risiken scheuen.

Risiken sind alltäglicher Teil der Kindererziehung. Riskieren die Eltern, dass ein Kind beim Laufen lernen hinfällt, oder fangen sie es auf? Riskieren sie, dass sie das Kind zehn Minuten zu spät aus dem Kindergarten abholen, oder kommen sie lieber eine Viertelstunde zu früh? Ständig haben Eltern solche Entscheidungen zu treffen. Risiken sind aber auch alltäglicher Teil vieler hochqualifizierter Tätigkeiten: Ärzte müssen entscheiden, ob sie noch eine zusätzliche Untersuchung anordnen. Angestellte müssen entscheiden, ob sie das Risiko eingehen, eine Aufgabe ihres Chefs noch liegen zu lassen – schließlich schließt der Kindergarten bald.

Eine Studie der Ökonominnen Anne Busch-Heizmann und Elke Holst zeigt: Wer Risiken scheut, hat mehr Probleme mit der Work-Life-Balance. Das ermitteln sie aus dem sozio-ökonomischen Panel, einer jährlichen Umfrage unter mehr als 20.000 Deutschen. Die Umfrage zeigt: Frauen fühlen sich auch häufiger unterbezahlt als Männer und bei der Arbeit oft nicht angemessen gewürdigt. Aber: Entscheidend für die Work-Life-Balance ist, wie man mit Risiken umgeht. Risikoscheue Männer fühlen sich ebenso zwischen Arbeit und Familie zerrissen wie risikoscheue Frauen. Allerdings sind es die Frauen, die Risiken häufiger aus dem Weg gehen – und in der Folge größere Probleme mit der Work-Life-Balance haben.

Der Gedanke scheint auch zu sein, dass einen eine höhere Risikobereitschaft besser damit zurechtkommen lässt, dass man zwischen zwei Fronten steht, einmal Karriere und einmal Mutterschaft.

Das könnte auch den Stress erklären, den viele Mütter empfinden, weil sie in jedem Bereich eher als Männer Risiken sehen, wie sie etwas nicht schaffen und Leute unzufrieden mit ihnen sind oder sie dadurch Nachteile haben.

Dieses Risiko lässt sich dann besser ausschalten, indem man sich für eine der beiden Seiten entscheidet und entweder keine Kinder bekommt oder eben zB über Halbtagsarbeit deutlich macht, dass man den Schwerpunkt bei der Familie gesetzt hat.

Es könnte auch den Drang zur „klassischen Arbeitsteilung“ verschärfen, wenn die Frau immer wieder das Gefühl hat, dass der Mann die Arbeit priorisiert, wenn er eigentlich nur ein höheres Risiko eingeht und deswegen weniger Sicherheiten einplant. Wenn die Mutter dies dann als Stress empfindet, dann kommt sie zu dem Ergebnis, dass sie es dann auch gleich selbst machen kann, weil er es ja eh nicht ernst nimmt.

In dem Artikel geht es dann noch darum, dass Mädchen von vorneherein vorsichtiger behandelt werden und man ihnen weniger erlaubt Risiken einzugehen und die wird als mögliche Ursache angesprochen.
Gleichzeitig scheint es mir eine umfangreiche Literatur dazu zu geben, dass Testosteron Selbstbewußtstein und Risikobereitschaft erhöht, so dass es auch schlicht der umgekehrte Effekt sein kann: Weil wir wissen, dass Mädchen weniger Risiko bereit sind, schützen wir sie auch eher vor solchen Risiken (der Effekt könnte sich gegenseitig verstärken)

Testo-kain oder Koka-steron? Zur Wirkung von Testosteron

Dies ist ein Gastartikel von Nina Radtke

Vor nicht all zu langer Zeit habe ich Testosteron mit Kokain verglichen. Zu diesem Schluss bin ich gekommen, da ich, im Gegensatz zu den meisten Menschen, in meinem Leben bereits verschiedenste Mengen an Testosteron im Blut hatte.

Dazu muss ich nun erst einmal kurz meine Vorgeschichte erklären: Bis ich 21 wurde, war ich der männlichen Adoleszenz unterworfen. Je mehr die Männlichkeit mein Ich bestimmte, umso schlechter fühlte ich mich. Das lag allerdings an meinem inneren Konflikt, dem Umstand, das ich trotz bereits lange vorher bestehendem andersartigem Bedürfnis, ein Mann werden sollte statt eine Frau.

Nun, ich habe dann, zuerst in Eigenregie und später mit ärztlicher Unterstützung eine Hormontherapie begonnen (und viele Operationen mitgemacht), dabei war mein Androgenspiegel oft signifikanten Änderungen unterworfen und ich habe inzwischen Alles erlebt von Testosteron quasi auf 0 bis hin zu den furchtbar hohen Testosteronspiegeln die ich angesichts meiner damals sehr ausgeprägten Muskulatur und Maskulinität gehabt haben muss.

Natürlich ist Testosteron nur ein Faktor, auch die Östrogenspiegel sowie mein weiterer Lebensweg hatten und haben sicher einen Einfluss auf mein Verhalten.

Dennoch ist es meine persönliche Empfindung, das Testosteron / Dihydrotestosteron (Wird mit Hilfe einer Aromatase zB in Prostata und Haarfolikeln aus Testosteron hergestellt und wirkt deutlich stärker) folgendermaßen wirkt:

  • Testosteron gibt Selbstvertrauen
    Wenn mein Testosteronspiegel sehr sehr niedrig ist, dann geht mir zunehmend das Selbstvertrauen flöten. Als mein Testosteronspiegel deutlich höher war, hatte ich im Umgang mit Menschen keine Selbstzweifel. Und auch keine Selbstzweifel (nur Verbitterung) beim Blick in den Spiegel. Bei sehr niedrigem Testosteron fühle ich mich einfach nicht sicher, aber es ist mehr. Mit viel Testosteron hat mein Selbstvertrauen oft dazu geführt, das Leute ohne Wiederworte Dinge mitgemacht haben, um die ich sie jetzt wirklich bitten müsste. Ich stand auch sehr viel mehr im Mittelpunkt.
  • Testosteron macht aktiv
    Kaum Testo – Lange Schlafen | „Normales Testo“ (Wert den ich die meiste Zeit hatte, etwas über weibl. Norm) – Halbwegs Aktiv | Hohes Testo – Aufgedreht (zB hin und her laufen beim Warten) ——- Hab aber glaub ich auch ADHS was sich überwiegend in sprunghaften Gedanken aber auch in physischer Unruhe äußert
  • Testosteron macht Unangreifbar
    Keine Angriff hätte mein Ego treffen können. Sowieso ist Ego glaube ich ein Produkt des zirkulierenden Testosterons, jedenfalls hat der Wettbewerbsgeist und der Geltungswahn mit der Hormontherapie schrittweise abgenommen und hat nun (T < weibliche Norm) Nichts mehr zu sagen. Ich bin jetzt auf mein Potential fokussiert und nicht auf den Vergleich mit Anderen. Ich ordne mich ohne Hierachiebewusstsein in eine Gruppe ein, früher undenkbar, aber vielleicht war mein Fokus auf Hierachie auch teilweise durch die Tipps in den Flirtratgebern statt nur durchs Testosteron bestimmt.
  • Testosteron macht Triebhaft
    Drogen, Party, Alkohol, Fressen – früher konnte ich mir den Driss jeden Tag geben und habs auch getan weil ich immer Bock drauf hatte. Eine neurobiologische Erklärung könnte sein, das Testosteron die Dopaminausschüttung stimuliert: Der gleiche Belohnungsreiz wirkt mit viel Testosteron deutlich stärker als mit wenig Testosteron. Vermutlich ein Grund, warum exzessives Verhalten bei Männern verbreiteter ist: Mehr Dopamin = Mehr Risikobereitschaft.
  • Testosteron macht gefühllos
    Schlimmer als unter Antidepressiva hat das Testosteron damals wie eine unsichtbare Mauer meine Gefühle eingesperrt. Ich konnte Gefühle ansatzweise fühlen, aber es gab immer einen Punkt, wo die Gefühle geblockt waren. Nur besonders starke „Einschläge“ konnten mich emotional aus der Ruhe bringen. Emotionen sind unter Östrogen ohne Testosteron weit fließender und natürlicher.

Mehr kann ich dazu nicht sagen, es ist noch heftig wie stark anabol Testosteron wirkt, ich merke es innerhalb weniger Wochen wenn mein Testosteron mal wieder sinkt oder steigt, das die Einkaufstasche mal schwerer und mal leichter ist. Aber das weiß glaub ich Jeder über das Hormon Testosteron^^

Zur Ergänzung des Gastartikels noch einige Links:

Frauen, Risikobereitschaft und der Gender Pay Gap

Die Süddeutsche berichtet über eine interessantes Experiment. Männer und Frauen sollten bestimmte Labyrinthaufgaben lösen und erhielten dafür Geld. Wie viel sie erhielten hing auch davon ab, was sie dort leisteten und welches Modell sie wählten.

Aus dem Text:

Fast 900 Teilnehmer haben sie über ein Marktforschungsinstitut rekrutiert, alle saßen bei sich daheim am Rechner, alle bekamen denselben Job: das Lösen von Labyrinth-Aufgaben. Für jedes richtige Ergebnis wird ein kleiner Betrag ausgezahlt. Wie viel Geld die Probanden am Ende verdienten, konnten diese nicht nur über ihre Leistung, sondern auch über Vertragsverhandlungen mitbestimmen. „Wir haben sozusagen Arbeitgeber gespielt – allerdings hatten alle die gleichen Wahlmöglichkeiten.“

Zum Beispiel sollten sich die Teilnehmer für eine Schwierigkeits-Stufe entscheiden und zwischen einem simplen Stücklohn, einem Bonus oder einem Risikoaufschlag entscheiden. Wer auf Nummer sicher setzte, bekam 50 Cent pro Labyrinth, wer sich für das Bonus-Modell entschied, einen Euro. Allerdings nur, wenn eine bestimmte Anzahl erreicht wurde oder der Teilnehmer es unter die besten 30 Prozent schaffte. Andernfalls sank die Bezahlung auf 20 Cent pro Aufgabe. „Das lässt sich mit den Leistungsboni oder Prämien für die besten Mitarbeiter vergleichen, die in einer Reihe Unternehmen gängig sind“, sagt die VWL-Professorin.

Das Ergebnis beschreibt die Süddeutsche wie folgt:

Das deutliche Ergebnis hat auch die Forscherinnen überrascht: Mit 23 Prozent liegt der Bezahlungsunterschied sogar noch über der Lohnlücke, die sich im realen Leben zwischen den Geschlechtern auftut.

„Schuld ist der Risikoaufschlag“, sagt Beblo. Die Frauen hätten viel seltener auf den Leistungsbonus gesetzt, was sich finanziell negativ auswirkte. „Zudem haben die Männer auch tatsächlich mehr geleistet – nämlich immer, wenn es wirklich um etwas ging.“

Das der Bezahlungsunterschied hier bei 23% lag sagt nicht so viel aus, da die Modelle und die angesetzten Unterschiede ja nicht per se dem Markt entsprechen. Aber das sie in einer deutlichen Höhe ausfallen sagt dennoch einiges aus. Die Männer setzten häufiger auf den Leistungsbonus und haben auch noch tatsächlich mehr geleistet. Das ist verständlich, weil die Risikostrategie ja auch genau dies erfordert. Wenn man sie wählt, dann muss man auch bereit sein, etwas zu leisten.

Ich habe leider die konkrete Studie nicht gefunden, finde aber zumindest diesen Auszug durchaus interessant. Dass Männer in vielen Bereichen risikoaffiner sind als Frauen war hier schon häufiger Thema, zB:

Es kommen eine Vielzahl weiterer Faktoren dazu, beispielsweise Statusaufbau, die Bedeutung für andere Bereich des Lebens, etwa Partnerwahl etc. Auch hatten die Teilnehmer keine Auswahl, was sonstige Faktoren angeht, etwa Spiele mit einem sozialeren Bezug oder besseren Arbeitszeiten.

Wie nun die von der Süddeutschen wiedergegebene Wertung:

Verdienen Frauen also zu Recht weniger? Sind Männer einfach härter am Verhandlungstisch, bessere Arbeiter? „Das kann man so nicht sagen“, sagt die Ökonomin. Zwar gebe es in der Studie keine Diskriminierung von außen: „Männer und Frauen bringen aber ihr Leben mit ins Experiment, Verhaltensweisen, ihre Erfahrungen – und die sind natürlich nicht diskriminierungsfrei.“

Das ist erst einmal eine interessante Wertung. Man könnte zumindest festhalten: In dieser Studie ja. Natürlich stellt sich die Frage, inwieweit sie übertragbar ist. Aber wenn es an bestimmten Faktoren aus dem Leben der Männer und Frauen liegt, dann können Männer natürlich dennoch die besseren Arbeiter sein und Frauen zu Recht weniger verdienen. Denn dem Arbeitgeber kann es recht egal sein, warum sie weniger arbeiten, er betrachtet erst einmal nur, was der jeweilige Arbeiter leistet und externe Faktoren kann er dabei nicht beeinflussen. Wenn Frauen wegen ihrer Erziehung oder der Geschlechterrollen weniger leisten, dann verdienen sie bei wirtschaftlicher Kalkulation erst einmal auch nur ein geringeres Gehalt.

Tatsächlich würde ich vermuten, dass die geringe Bereitschaft Risiken einzugehen, eher mit biologischen Faktoren zusammenhängt, wie auch der oben verlinkte Artikel nahelegt.

Fefe, der den Artikel auch besprochen hat, sagt dazu:

Selbst wenn man Diskriminierung objektiv ausschließt, ist das Patriarchat trotzdem Schuld und die Frauen weiterhin unterdrückt.

Wie wohl das Ergebnis gewesen wäre, wenn das Experiment von männlichen Forschern durchgeführt worden wäre?

Dann hätte man es vermutlich schlicht deswegen abgetan.

Das „Junge Männer Syndrom“

Ein Artikel ordnet ein bei jungen Männern häufig anzutreffendes Verhalten unter der Bezeichnung „Young male Syndrom“ evolutionär ein:

Sexual selection theory suggests that willingness to participate in risky or violent competitive interactions should be observed primarily in those age-sex classes that have experienced the most intense reproductive competition (fitness variance) during the species‘ evolutionary history, and in those individuals whose present circumstances are predictive of reproductive failure.

Homicidal conflicts in the city of Detroit in 1972 are reviewed in the light of the above perspective. Homicide in Detroit, as elsewhere, is overwhelming a male affair. Victim and offender populations are almost identical, with unemployed, unmarried, young men greatly overrepresented. The most common conflict typologies are described, and it is suggested that many, perhaps most, homicides concern status competition.

Other manifestations of “taste for risk,” such as daredevilry and gambling are briefly reviewed. The evidence suggests that such a taste is primarily a masculine attribute, and is socially facilitated by the presence of peers in pursuit of the same goals.

Such dangerous, competitive acts as the classic “trivial altercation” homicide often appear foolhardy to observers. However, it remains unknown whether the typical consequences of such acts are ultimately beneficial or detrimental to the perpetrators‘ interests.

Quelle: Competitiveness, risk taking, and violence: the young male syndrome

Eine kurze Zusamenfassung des Syndroms findet sich hier:

Young men take higher levels of risks than other people, as insurance companies and law officers are well aware. This can be dangerous, but has developed with clear evolutionary purpose.

Risk-taking
Young men tend to take far more significant risks than others. The drive faster, indulge in extreme sports and otherwise seem to seek thrills in ways that endangers life and limb.

In fact whilst risk-taking can indeed be thrilling, there are other benefits that have distinct evolutionary value.

Aggression
Young people tend to be more susceptible to strong emotions where there is the thrills of risk and power in aggression. Young men are more prone to anger and are more likely to get into fights and violent arguments in which there is a risk of them being harmed. In fact American men in their mid-twenties are 20 times as likely as women of a similar age to be murdered.

Male bonding
Whilst young men compete with one another for women, they also take risks together, egging each other on. Men are more likely to join groups and gangs n which risks are taken on a regular basis. These are often ritualized, such as in gang entry rites and otherwise follow a common process of dares, encouragement and celebration.

Collaborative risk-taking allows the young men to sort out status issues. Those who take greater risks are also sending a message to others about how hard they would fight if they fell into conflict with one another.

This shared danger and resolution of status issues has an effect of bonding the young men together. They hence become friends and learn to collaborate, for example when competing against other groups or in hunting for food and gaining other resources. This has significant evolutionary benefit for the survival of a tribe.

Mating display
The fundamental underlying driver of young male syndrome is the search for a mate. A key criterion for women in choosing a mate is the ability of the male to feed and protect her and their offspring. Males who are bold hence get extra consideration. High status is also a significant benefit.

Developing a reputation in the male boding and shared risk-taking activities helps this as the women hear about the stories of derring-do.

So what?
When working with young men, accept that they may well be relatively extreme risk-takers. This means they are susceptible to dares and other risk-based provocation. They may also be prone to anger and other emotions.

Das sind aus meiner Sicht alles sehr klassische Elemente, die evolutionär zusammenspielen:

Risikos einzugehen dient sowohl der Darstellung des Wertes als Partner, in dem es costly Signals sendet, dass man solche Risiken übersteht. Es zeigt auch innerhalb der Gruppe der Männer, dass man zum einen ein ernst zunehmender Konkurrent ist, auf dessen schlechte Seite man sich besser nicht stellt und zum anderen auch, dass man auch für die Gruppe Risiken eingehen würde und Fähigkeiten hat, die einen das überstehen lassen, also auch ein wertvoller Verbündeter ist. Das gerade in dieser Zeit „das Revier abgesteckt wird“ dürfte auch daran liegen, dass hier eben eine frühe Hierarchie etabliert wird, die unter steinzeitlichen Bedingungen dann lange anhielt und das Leben in der Gruppe bestimmt hat. Das Männer mehr Risiken eingehen führt dazu, dass sie weit aus häufiger sich verletzen, sterben, gefährliche Sachen machen,scheitern,  aber es führt eben auch dazu, dass sie größer herauskommen, Wagnisse eingehen, die sich dann auszahlen. Es trägt insofern auch dazu bei, dass Männer eher selbständig sind, sich eher trauen ein Unternehmen zu gründen, eher bereit sind geschäftliche Risiken einzugehen und sich dem Wettbewerb zu stellen. Es wird auch häufig schief gehen, aber im Gegenzug kommt es dadurch eben auch dazu, dass die die oben sind eher Männer sind als Frauen. (Exkurs: Weiter gefördert wird dies durch kapitalistische Instrumente wie die haftungsbeschränkte Gesellschaft, etwa die GmbH oder die AG in Deutschland, die es einem erlauben, mit einem Geschäft zu scheitern und danach ein neues Risiko einzugehen (was wieder dadurch eingeschränkt wird, dass zumindest die Banken eine persönliche Haftung des Gesellschafters wollen, aber andererseits erfordert eine GmbH heute nicht unbedingt einen hohen Kapitaleinsatz für die Gründung, zur Not eben in der Form der Unternehmergesellschaft))

Auswirkungen von Risikobereitschaft, sozialen Präferenzen und Wettbewerb auf die weibliche Berufswahl

Eine Studie zu der Frage wie sich bestimmte Präferenzen auf die Berufswahl auswirken:

In the current survey we study preference differences between men and women, focusing on three factors that are relevant in the labor market: Risk taking, social preferences and reaction to competition.  If women prefer jobs that are less risky, more socially virtuous and less competitive, then this could explain part of the gender differences in the labor market.

Das ist ja eine bereits häufiger besprochene These, die eben nicht auf reine für den Beruf erforderliche Eigenschaften, sondern eher auf die Präferenzen abstellt.

Der erste Bereich ist die Bereitschaft ein Risiko einzugehen:

The findings in this section show clear evidence that men are more risk-taking than women in most tasks and most populations. Some important caveats are, however, needed. Perhaps the most important one for labor markets is that women who chose (or who were trained) in jobs such as financial advisors, are not less risk-taking than their men colleagues. But why do we see so many more men in these positions than women? One answer might be the riskiness of the compensation in these positions. But there are 18 other possibilities as well

Der zweite Bereich sind soziale Komponenten:

First, we identify experiments that have demonstrated gender differences and look for evidence that women 37 are more responsive than men to the conditions of the experiment. We find such evidence in a wide variety of settings.

In dictator games, we find that women’s decisions vary with the size of the pie more than do men’s (Andreoni and Vesterlund), and that women’s decisions are sensitive to the gender (and home state) of their counterpart while men’s are not (Ben-Ner, Kong and Putterman).

In trust decisions we find that the amounts women send varies more than the amounts men send with the identification (and gender) of their counterpart (Buchan, Croson and Solnick), and with the existence of a picture of their counterpart (Eckel and Wilson). Similarly, female trust is sensitive to the size of the pie, the social distance in the experiment and the ability of the second player to respond, while male trust is not sensitive to any of these factors (Cox and Deck). In reciprocal decisions, we again find that women are more sensitive to conditions of the experiment. Men are less likely to punish (reward) a partner who had previously been unfair (fair) than women are (Eckel and Grossman). Women are influenced more strongly than men by the first-mover’s decision in sequential dictator games as well (Ben-Ner, Putterman, Kong and Magan). And women were more reciprocal in trust games than men (Croson and Buchan; Buchan, Croson and Solnick; Chaudhuri and Gangadharan; Snijders and Keren; Schwieren and Sutter)

In social dilemma settings women’s decisions are more sensitive to the ability to communicate than are men’s (Stockard, van de Kragt and Dodge). In the prisoner’s dilemma setting, female behavior varied more than males as the gender composition of their group changed (Ortmann and Tichy).

Second, we look between studies and compare the differences in male and female behavior. Between-study comparisons of levels is always tricky, thus we are more careful in our interpretations here. If our explanation is correct, we will see more variability in female behavior across related studies than in male behavior. We find between-study evidence for our explanation in three different settings. In responder behavior in ultimatum games, we compare the Eckel-Grossman and Solnick papers and find that rejection rates by women differ by 18.6% while rejection rates by men differ by only 8.7%. In dictator giving we compare the Eckel-Grossman and Bolton-Katok papers and find that male giving differed by only $0.62 while female giving differed by $1.46 between the two studies. Finally, in VCM games, we find that gender differences are caused by female contributions changing by 9.9 percentage-points on average, while male contributions change by only 4.6 percentage-points on average.

We believe, as suggested by Gilligan (1982), that men’s decisions are less context-specific than women’s. Participants of both genders are likely maximizing an underlying utility function, but the function that men use is less sensitive to the conditions of the experiment, information about the other party, and (even) the other party’s actions, than the function that women use. This causes what appear to be inconsistent results in our experimental studies; sometimes men appear more altruistic than women and other times, women appear more altruistic than men. But primarily what we see is women’s behavior is more context-dependent than that of men.

These results (and our organizing explanation of them) have important implications for the labor market. If, as the evidence suggests, women are more other-regarding than men they may be more likely to choose jobs that create benefits for others (e.g. in “helping” 39 professions) which are traditionally lower-paid. This may contribute to the wage gap. Similarly our organizing explanation suggests that women’s social preferences are more sensitive to subtle cues than are men’s. This can lead women to choose professions which they think are socially appropriate for women, based on the cues they observe about the workforce (for example, what proportion of women are in this given profession). In contrast, men’s choice of profession would be less sensitive to these cues.

Also stärkere Auswirkungen von sozialen Gegebenheiten bei Frauen. Diese würden sich eher Jobs suchen, in denen sie anderen helfen und dabei anscheinend auch eher darauf achten, was andere Frauen machen.

Zuletzt geht es dann um den Wettbewerb:

First, a higher fraction of men choose competitive environments than women. Second, men and women were more likely to choose competitive environments when they have an advantage in performing the task than when they do not. Women who choose competitive environments perform just as well as men in those settings. Under this more sophisticated view, the source of the observed gender differences in reaction to competition is driven by the fraction of competitive types, which is higher among men than among women.

Meiner Meinung nach passt das sehr gut zu den biologischen Theorien: Testosteron steht in einer gewissen Verbindung mit der Wettbewerbsbereitschaft. Da mehr Männer als Frauen die entsprechende Schwelle in dem Bereich überschreiten sind Männer auch häufiger in Wettbewerbssituationen zu finden. Die Frauen, die aufgrund ihrer biologischen Grundlagen allerdings ebenfalls damit gut zurechtkommen, schlagen sich genau so gut.

Dann geht es innerhalb des Wettbewerbs um die Präferenzen beim Verhandeln:

In a direct measure of attitudes rather than behavior, Babcock, Gelfand, Small, and Stayn (2003) asked several hundred people about their negotiating experience. They found that men place themselves in negotiation situation more often than women, and regard more of their interactions as potential negotiations. This difference is robust to age. Why do we see this difference in attitudes and behavior? We believe that it reflects differences in men and women’s attitudes toward competitive situations. As in the research above, when people can choose men are more likely to choose competitive interactions (like negotiation) than women are. This type of sorting can have strong implications for labor market outcomes (e.g., Lazear, 2000). Differences between career choices and promotion speeds can be caused by the desire to avoid competitive situations. High status positions are usually highly competitive. If men are more eager to participate in competitive environments than are women, this could explain a large part of the gender gap.

Dass würde dann dazu führen, dass die Frauenquote nur den Frauen hilft, die eh Freude an diesem Wettbewerb haben.

Aus der abschließenden Besprechung:

In general, this literature has documented fundamental preference differences between the two genders (with exceptions noted in the text). These differences are consistent with preferencebased explanations for the gender gap in wages.

For example, most lab and field studies indicate that women are more risk-averse than men (section 2). This risk-aversion can lead to the attraction of women to jobs with lower mean, lower-variance salaries. This preference-based explanation is consistent with some gender-gap evidence without resorting to discrimination arguments.

A number of studies also indicate that women’s social preferences are more sensitive to subtle cues than are men’s (section 3). This can lead women to choose professions which they think are socially appropriate for women, based on the cues they observe about the workforce (for example, what proportion of women are in this given profession).

Finally, a third stream of literature suggests that women’s preferences for competitive situations are lower than men’s. This can lead women to choose professions with less competition (and again to end up receiving lower wages on average). It can also lead to women earning less or advancing more slowly within a given profession.

Of course, the fact that the gender gap can be explained by preference differences does not mean that discrimination does not occur, nor can we conclude that social policy affecting this domain would not be welcome or value-creating

Hier müsste man also, damit Frauen bereit sind in entsprechenden Jobs zu arbeiten und für diese zu arbeiten, gerade diese Eigenschaften fördern. Und natürlich auch prüfen, inwieweit sie auf Biologie beruhen.

Dazu ist auch noch etwas in der Studie:

One important and interesting question about these differences is whether they are ingrained or taught. By taking a step back and asking what causes the gender difference we can also connect some of the different elements discussed in this paper. For example, a large body of literature in evolutionary biology and socio-biology documents differences in competitiveness between males and females, in many species. 10 This literature argues that the differences in competitiveness arise because, due to differences in the cost of reproduction, competitive males will attempt to mate at every opportunity. Females, on the other hand, are inherently choosy, reserving their favors for the strongest suitor. Connecting competitive behavior with risk taking, Dekel and Scotchmer (1999) developed an evolutionary model of preference-formation, to investigate to what extent evolution leads to risk-taking in winner-take-all environments (like reproduction). They show that winner-take-all games are related to the survival of risk-takers and the extinction of risk-averters. Since in many species a winner-take-all game determines the males’ right to reproduce, the argument suggests that males will evolve to be risktakers. Similar evolutionary explanations are consistent with women being more sensitive to social cues than men. In exercising choosiness about mate selection, women who were sensitive to these cues could, on average, produce more fit offspring than those who were not. In contrast this increased sensitivity did not affect a male’s chance of reproduction, and was thus not selected for. Indirect evidence on the nature/nurture question comes from the studies with children (before nurture has full impact) and cross-culturally (when nature remains constant but nurture changes). The evidence we have here suggests that gender differences in preferences remain among children and in different cultures, providing support for the nature over nurture explanation. Of course, some cultural differences have been identified, suggesting that nurture has an effect as well.

Also eine klassische evolutionspsychologische Erklärung. Wem diese zu vage ist, der kann auch eine rein medizinisch-hormonelle Erklärung suchen. Die Präferenzen, die hier geprüft worden sind, stehen meines Wissen nach jeweils mit Testosteron (Risikobereitschaft und Spass am Wettbewerb) bzw. Östrogen (Empathy und soziale Punkte) in Verbindung.

Beckmann, Basha Mika und „Scheitern Frauen an sich selbst?“

Bsha Mikas Buch wirbelt bereits einiges auf. Jetzt war sie zu Gast bei Beckmann. ich habe bisher weder das Buch gelesen noch habe ich den Auftritt bei Beckmann gesehen.

Aber immerhin den Bericht in der Süddeutschen gelesen:

„In dem Bereich, wo sie ganz viel selbst entscheiden können, nämlich im privaten Bereich, sind Frauen feige“, so Bascha Mika, weil sie „in einer Liebesbeziehung ganz schnell zurückstecken, die Bedürfnisse der Männer zu ihren eigenen machen, sich von ihnen die Hausarbeit aufdrücken lassen und ganz viel ihrer Zeit in eine unproduktive Arbeit stecken, die auch gesellschaftlich keine Anerkennung hat.“ Dass viele Frauen, die sich Hausarbeit eigentlich mit den Männern teilen wollten, sie am Ende selber übernähmen, habe „etwas mit Konfliktscheu zu tun“, so Mika.

Meiner Meinung nach etwas viel Feindbild in Richtung Mann. Und auch etwas viel Opferdenken, wenn auch immerhin mit einer Aufforderung zu handeln. Frauen machen nicht nur die Bedürfnisse der Männer zu ihren eigenen und handeln hier selbstlos zugunsten des Mannes. Um es mal mit Beauvoir zu sagen „Die Frau mit Altruismus identifizieren heißt dem Mann absoluten Anspruch auf ihre Ergebenheit garantieren, heißt der Frau ein kategorisches Seinsollen aufzuzwingen“ (Beauvoir, Das andere Geschlecht S. 3220/321). Sie verfolgt damit genauso ihre Interessen, ermöglicht es ihr doch auch ein von ihr angestrebte Tätigkeit durchzuführen, während der Mann sie teilweise/umfassend von der Berufstätigkeit freistellt. Interessant für den Punkt der Selbstbestimmung wäre hier, inwieweit die Frauen möglichst kurzfristig wieder anfangen zu arbeiten und die Kinderbetreuung auf Dritte verlagern. Hier zeigt sich, dass Männer, die allein erziehend sind, dies wesentlich früher machen als Frauen und wesentlich schneller an den Arbeitsplatz zurückkehren. Der Staatsdienst ist bei Frauen unter anderem genau deswegen so beliebt als Arbeitsplatz, weil er sich hiermit gut vereinbaren lässt.

Doris Schröder-Köpf zum Thema:

Natürlich erkenne sie sich in dieser Beschreibung wieder, so Doris Schröder-Köpf, denn das angestrebte selbstbestimmte Leben einer Frau ändere sich in Deutschland mit der Geburt des ersten Kindes. Sie selbst habe außerdem „zweimal attraktive Jobs und schöne Wohnungen aufgegeben, um Männern ins Unbekannte zu folgen“, zum Beispiel ihre Anstellung beim Münchner Nachrichten-Magazin Focus, weil sie einen gewissen Herrn Schröder kennengelernt hatte, der sich damals anschickte, Bundeskanzler zu werden.

„Ich bereue nichts“, sagt die 47-jährige Gattin des Ex-Kanzlers, „aber wenn meine 20-jährige Tochter das heute machte, würde ich sie schon fragen: Mensch, Mädchen, hast du dir das gut überlegt?“ Sie würde weiblichem Nachwuchs raten: „Überlege dir, ob du mit 40 oder 50 alleine da sein willst. Nicht jeder hat das Glück, Unterhalt zu bekommen, oder dass Vermögen da ist. Man muss sich heute anders verhalten als vor 20, 30 Jahren.“

Das Frau Schröder-Köpf hier einem Alphamann hinterher ist (das Schröder ein solcher ist hat seine Karriere denke ich bewiesen) und insoweit auch einen weiteren Aspekt aufzeigt, der zu den klassischen Geschlechterunterschieden beiträgt, kommt nicht zur Sprache, ist aber durchaus interessant. Recht hat sie aber natürlich damit, dass das Baby nach wie vor kein Feminist ist.

Und eine Unternehmensberaterin:

„Frauen sind sensibel, zweifeln an sich selbst und reden darüber. Lauter gute Eigenschaften – mit denen Frauen im Beruf schlechte Karten haben“, so Höhler. „Die Frau weiß nicht, dass sie Männer ermutigen muss, sie zu fördern.“ Im Übrigen hätten Frauen zu Recht die Idee, dass Karriere knechtet. „Sie drängen sich nicht so nach diesen Jobs, was ich ehrenhaft finde – und dann beschweren sie sich.“

Sie spricht einen nach meiner Meinung sehr wichtigen Punkt an: Frauen haben ein anderes Verhältnis zur Karriere und sehen die belastende Seite daran wesentlich deutlicher, was eben auch an dem höheren Wert von Status für Männer liegen dürfte und sich auch in Wochenarbeitsstunden von Männern und Frauen niederschlägt. Susan Pinker hat ein ganzes Buch dazu geschrieben. Sexuelle Selektion hat hier eben andere Prämissen verankert.

Schöne Frauen erhöhen die Risikobereitschaft bei Männern

Eine Studie zur Risikobereitschaft von Männern in der Anwesenheit von schönen Frauen:

The authors report a field experiment with skateboarders that demonstrates that physical risk taking by young men increases in the presence of an attractive female. This increased risk taking leads to more successes but also more crash landings in front of a female observer. Mediational analyses suggest that this increase in risk taking is caused in part by elevated testosterone levels of men who performed in front of the attractive female. In addition, skateboarders‘ risk taking was predicted by their performance on a reversal-learning task, reversal-learning performance was disrupted by the presence of the attractive female, and the female’s presence moderated the observed relationship between risk taking and reversal learning. These results suggest that men use physical risk taking as a sexual display strategy, and they provide suggestive evidence regarding possible hormonal and neural mechanisms.

Quelle: The Presence of an Attractive Woman Elevates Testosterone and Physical Risk Taking in Young Men

Die Studie hat ein zu erwartendes Ergebnis, das letztendlich nur zwei andere Studien bestätigt:

Die Studie bringt zusätzlich noch die Signalling Theorie mit ins Spiel, nach der eben risikoreiches Verhalten ein Costly Signal ist. Letztendlich folgt die Studie auch der Sexual Strategies Theory, nach der Männer eher ihre Fähigkeiten demonstrieren, weil die Frauen aufgrund der höheren Kosten der Fortpflanzung durch Schwangerschaft etc. wählerischer sein sollten.

Interessant ist die Testosteronerhöhung vielleicht auch bei dem Thema „Frauen in der Bundeswehr“. Eine Erhöhung der Risikobereitschaft könnte dort ernste Auswirkungen für die Soldaten haben. Andererseits ist man in der passenden Situation vielleicht eh schon so aufgepusht, dass es darauf nicht mehr ankommt.