Lust, Anziehung und Verbundenheit oder auch Liebe

In einem Artikel über die Biologie und Chemie der Liebe fand ich folgende Unterteilung nach Helen Fisher:

Dr Fisher divides love into three categories involving different brain systems: 1) Lust (the craving for sexual gratification), driven by androgens and estrogens; 2) Attraction (or romantic or passionate love, characterized by euphoria when things are going well, terrible mood swings when they’re not, focused attention, obsessive thinking, and intense craving for the individual), driven by high dopamine and norepinephrine levels and low serotonin; and 3) Attachment (the sense of calm, peace, and stability one feels with a long-term partner) driven by the hormones oxytocin and vasopressin.

Das die Lust mit Testosteron verbunden ist habe ich hier ja schon häufiger angeführt. Östrogene wiederum spielen hier auch eine Rolle, insbesondere bei Frauen, da sie unter anderem für das „Feucht werden“ wichtig sind, haben aber insoweit eine untergeordnetere, technischere Rolle.

Dopamine wirken auf das Belohnungssystem des Gehirns und bewirken das Hochgefühl der Verliebtheit, aber auch die schlechte Stimmung bei „Entzug“. Ein niedriger Serotoninspiegel führt wohl zu einer starken Bessenheit und Fixiertheit auf ein Thema, das dann in Verbindung mit den suchtähnlichen Glücksgefühlen des Dopaminspiegels der Partner ist. Oxytocin wiederum bildet Vertrauen und Zuneigung, indem Ängste abgebaut werden, es beruhigend wirkt und entspannt. Vasopressin wirkt auf das Gedächtnis, so dass die durch Oxytocin und Dopamin erzeugten Gefühle dann auch als solche abgespeichert werden.

Weiter heißt es:

These systems are also connected. „Don’t copulate with people you don’t want to fall in love with,“ she half-jokingly tells her students, „because indeed you may do just that.“ Testosterone can kickstart the two love neurotransmitters while an orgasm can elevate the attachment hormones. But the brain systems remained separate units, probably to allow each partner to cheat on the other.

Menschen sind eben keine von sich aus streng monogame Spezies, aber auch nicht nur Sex ohne Bindung ausgerichtet.

Interessant sind auch die Unterschiede in den Geschlechtern: Testosteron scheint das Level von Oxytocin und Vasopressin zu senken und umgekehrt.

Meanwhile, elevated testosterone can suppress oxytocin and vasopressin. There is good evidence, Dr Fisher said, that men with higher testosterone levels tend to marry less often, be more abusive in their marriage, and divorce more regularly. The reverse can also be true. If a man holds a baby, levels of testosterone go down, perhaps in part because of oxytocin and vasopressin going up.

Nimmt man hinzu, dass Östrogene wiederum die Wirkung von Oxytocin verstärken, erklärt sich auch die stärkere Beziehungsbezogenheit von Frauen gegenüber Männern im Schnitt.

Geruch fruchtbarer Frauen erhöht den Testosteronspiegel

Hier eine interessante Studie zur Beeinflussung durch die Körperchemie:

Adaptationist models of human mating provide a useful framework for identifying subtle, biologically based mechanisms influencing cross-gender social interaction. In line with this framework, the current studies examined the extent to which

olfactory cues to female ovulation—scents of women at the peak of their reproductive fertility—influence endocrinological responses in men. Men in the current studies smelled T-shirts worn by women near ovulation or far from ovulation (Studies 1 and 2) or control T-shirts not worn by anyone (Study 2). Men exposed to the scent of an ovulating woman subsequently displayed higher levels of testosterone than men exposed to the scent of a nonovulating woman or a control scent. Hence, olfactory cues signaling women’s levels of reproductive fertility were associated with specific endocrinological responses in men—responses that have been linked to sexual behavior and the initiation of romantic courtship.

Der Testosteronspiegel steigt also alleine durch den Geruch der Frau. Was dann im Gegenzug dazu führt, dass die Lust des Mannes steigt, denn der Testosteronspiegel hängt mit der Libido zusammen.

Der evolutionäre Vorteil ist klar: Wenn eine fruchtbare Frau in der Nähe ist hat der Mann mehr Interesse am Sex, befruchtet daher die Frau eher, hat damit mehr Nachkommen und die Gene, die dies bewirken vermehren sich im Genpool. Es werden insoweit mehr Chancen genutzt.

Der Vorteil für die Frauen besteht darin, dass sich an ihren fruchtbaren Tagen die Männer, die sie riechen, eher für sie interessieren. Auch sie kann damit ihre Chancen besser nutzen.

Es erklärt vielleicht auch, warum Stripperinnen bzw. Lapdancerinnen an ihren fruchtbaren Tagen mehr Geld verdienen, wie Geoffrey Miller herausfand. Der Testosteronspiegel der Männer steigt, sie sind mehr erregt, sie haben mehr Lust auf Sex und sie finden damit die Tänzerin erotischer.

Doppelstandards bei Nacktfotos?

Helga von der Mädchenmannschaft sieht einen Doppelstandard beim Umgang mit Nacktfotos.

Wie oft haben wir das schon gehört? „ So eine Schlampe, dass sie nackte Bilder von sich machen liess“, wenn irgendein Teenager Nacktfotos seiner Ex veröffentlicht hat (…) Immer wieder kam der Hinweis an junge Mädchen, solche Fotos erst gar nicht zu machen. Dass das Veröffentlichen von Bildern gegen den Willen der abgebildeten Person das Problem ist? Keine Erwähnung. (…) Der nackt Abgebildete, der Kapitän des Clubs, sagte, er wisse nicht, was er getan habe, dass ihn jemand so demütigen wolle. (…) Hinweise an Footballstars, keine Nacktbilder machen zu lassen? Fehlanzeige. Staatliche Kampagnen gegen das Ausziehen junger Männer? Bisher nicht geplant.

Hier kommt meiner Meinung nach wieder die feministische These durch, dass jede Maßnahme, mit dem man einem Opfer zur Vorsicht rät, eine Schuldzuweisung an dieses ist, eigentlich müssten alle Maßnahmen auf den Täter ausgerichtet sein.

Zudem wird hier etwas als Doppelstandard empfunden, was meiner Meinung nach auf Unterschieden zwischen den Geschlechtern beruht.

Die männliche Sexualität ist wesentlich stärker auf optische Elemente ausgerichtet. Bilder einer nackten Frau droht damit eine wesentlich größere Verbreitung im Internet und wesentlich mehr Männer werden diese sehen wollen. Und das wahrscheinlich wiederholt und mit wesentlich sexuelleren Gedanken und in einem recht unbekleideten Zustand. Das Bilder von nackten Frauen weitergegeben werden und irgendwo im Internet auftauchen ist damit wesentlich wahrscheinlicher als der umgekehrte Fall. Frauen zu raten hier besonders vorsichtig zu sein ist damit durchaus vernünftig, weil die Frau nun einmal die beste Kontrolle darüber hat, ob Nacktbilder von ihr in Umlauf geraten.

Natürlich kann man den Frauen auch sagen, dass sie darauf vertrauen sollen, dass die Jungs oder andere Personen die Fotos nicht weitergeben und sie darauf verweisen, dass sie ansonsten diese Personen verklagen können. Aber dann ist der Schaden eben schon eingetreten und die Bilder vielleicht auf ewig im Internet.

Man vergleiche alleine die unterschiedliche Wahrnehmung der Nacktheit innerhalb Hollywoods. Bei schönen Frauen gibt es diverse Portale, die die passenden Nacktbilder vorhalten und die Fotografen versuchen jede freiwerdende Brust oder jeden Strandbesuch ausgiebig zu dokumentieren. Für Männer ist der Markt weitaus kleiner.

Es kommt sicherlich auch dazu, dass Sex bei den Geschlechtern anders wahrgenommen wird, aber das liegt auch daran, dass Männer ein anderes Verhältnis zu Sex haben als Frauen und Verfügbarkeit von Frauen und Männern anders wahrgenommen wird. Das eine Mal wird sie als Zeichen eines geringen Status gesehen, weil angenommen wird, dass die Frau gerade nicht einfach so Sex mit Männern haben will, sondern eher eine Beziehung mit einem „guten“ Mann, das andere Mal wird sie als gewünscht unterstellt.

Ich verweise insoweit auf zwei andere Artikel:

Die Hinweise an Fottballstars, keine Nacktbilder zu machen, fehlen nicht aufgrund Sexismus, sondern weil die Zielgruppe viel zu klein wäre eine solche Kampagne zu starten. Das sich die Kampagnen an Frauen wenden liegt daran, dass diese ein höheres Risiko und einen höheren Schaden haben.

Im Übrigen steht es natürlich auch einer Frau frei Unterlassung zu verlangen. Die meisten Frauen werden auch diesen Weg wählen. Aber dann ist – ebenso wie bei den Männern – das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Empowerment, Sex und Feminismus

Im sexpositiven Feminismus wird freier Sex gerne als etwas gesehen, was die Geschlechterrollen durchbricht und für weibliche Freiheit steht:

Sex-positive feminism centers on the idea that sexual freedom is an essential component of women’s freedom. As such, sex-positive feminists oppose legal or social efforts to control sexual activities between consenting adults, whether these efforts are initiated by the government, other feminists, opponents of feminism, or any other institution.

Eine Frau, die viel Sex hat, wird daher als eine Frau wahrgenommen, die sich diese Freiheiten nimmt und dadurch stärker wird, eben „Empowered“ (gibt es da eigentlich eine Entsprechung im Deutschen?).

Frauen sollen natürlich auch schlafen mit wem und mit wie vielen Männern (oder Frauen)  sie wollen.

Allerdings sind die Effekte bei Frauen meiner Meinung nach andere als bei Männern, weil Sex bei Frauen anders funktioniert als bei Männern und mangels der gleichen Menge an Testosteron weniger auf Triebbefriedigung ausgelegt ist.

Das wird auch an drei Besprechungen der Duke Fuck List deutlich aus denen ich kurz zitieren will:

Mala Fide:

See, what you gals don’t get is that you can’t play the game like a man, unless you like losing. A woman proud of getting laid is like an alcoholic proud of getting drunk. Where you win is in securing the commitment of a man, something Karen Owen could not do.

 

Tucker Max:

She tried to make it sound like she was using these guys for her experiment, but that was only the explanation she tacked onto her actions afterwards. That’s not what was happening in the moment; no, at the time, it was the guys who were using her (…)

The only two guys she gave a 12/10 to are the two that treated her the least like a whore. Pretty much all the rest used her like a dishrag and tossed her out, and she subconsciously graded them lower because of it. The guy she graded the lowest is that one who didn’t kiss her, fucked her quickly and then left the bedroom, treating her like a prostitute.

What do you think that means when the lowest score goes to the guy who treats her like a hooker, and the highest goes to the one who treats her like a human? It means she wants affection and connection from her sex, except she doesn’t even realize it. She thinks she’s a participant in this game, but she’s not–she’s the one getting exploited, but she doesn’t understand her own emotions enough to see it and change her behavior. That the the opposite of being empowered. Here’s the deal: A woman can be sexually active and explore lots of men, and can do it in a way that is empowering–but the key to that is SELF-AWARENESS.

Roissy:

Failing to get laid is not how women are rejected; they are rejected when they don’t receive romance, love, and long term commitment from the men who fuck them. Most women under 25 with a slim and healthy 17-23 BMI profile have no trouble getting laid from the men they find attractive. Given that most young women can get sex fairly easily, falling into bed with a man, even high status men such as the Duke athletes targeted by Owen, is not much of an accomplishment. It’s like giving a trophy to a dog for being able to lick its own balls.

Now convincing these fly-by-nighter men to date, romance, introduce to their friends, spend money on, and marry the women they screw… that’s the real trick. And it is the measuring stick we should be applying to skank hos like Karen Owen. For by that metric, she and many others like her fail miserably

Sex ist bei Männern und Frauen eben etwas anderes. Das ist – wie in den Artikel auch schon dargestellt – keine Doppelstandard, sondern folgt einfach aus der unterschiedlichen Verfügbarkeit von Sex (siehe auch: Slut shaming – Männer, die viel Sex haben sind Helden, Frauen die viel Sex haben sind Schlampen?).

Kraft oder Befreiung einfach so mit Sex zu verbinden, ist aber etwas einfach gedacht. Ich meine, dass eine Frau gut daran tut, nicht einfach nur den Sex als befreiend anzusehen, sondern auch darauf zu achten, was sie damit wirklich erreichen will. Dazu muss man allerdings wohl auch einsehen, dass Mann und Frau zumindest im Schnitt nicht gleich sind, ein Punkt der gerade im sexpositiven Feminismus gerne vergessen wird.

Will sie in Wahrheit nicht einfach nur Sex, dann sollte sie auch überlegen, ob sie einfach so Sex anbietet. Die Einsicht, dass man eigentlich etwas anderes will, kann allerdings auch durch Ideologie erschwert werden (Beispiel: Jaclyn Friedman die als sexpositive Feministin meinte, dass sie sich durch Sex befreien kann, während ihr Text deutlich macht, dass sie eigentlich Bindung suchte.)

Pornokonsum, Testosteron und Wahlerfolg

Wie Biologie zu einem bestimmten Verhalten bei Menschen im Schnitt führt, sieht man schön an diesem „Test“ (via Nerdcore)

According to a new study in this month’s Evolution and Human Behavior, researchers expect a significant increase in Google search terms like “xvideo,” “tits,” and “boobs” in states in that voted Republican in yesterday’s midterm elections—and a significant decrease in those that voted Democrat.* This phenomenon is likely because victory increases testosterone levels, creating a biological impulse to go out and spread one’s seed

Erfolg lässt Testosteron ansteigen, Testosteron macht geil. Die Leute merken diesen Anstieg ihrer Lust und suchen nach Pornos.

Niederlagen lassen das Testosteron absinken. Die Leute sind weniger geil. Sie suchen daher nach anderen Sachen als Pornos.

Jetzt wird sich keiner der Personen von seiner Biologie gesteuert gefühlt haben oder die Auffassung vertreten, dass es nicht sein freier Wille war, sich befriedigen zu wollen. Man hatte eben Lust (oder in den Staaten, die verloren haben keine Lust) und hat danach gehandelt.

 

Stephen Fry, Feministen und Sex

Stephen Fry, homosexueller Schauspieler und Schriftsteller, soll die folgenden Aussagen gemacht haben:

– Heterosexuelle Männer „glauben nicht wirklich, dass Frauen an Sex ebensoviel Interesse haben wie sie selbst.“ – „Wenn Frauen tatsächlich im gleichen Maße auf Sex stünden wie Männer, gäbe es für sie nicht Cruising-Areas, genauso, wie es die für schwule Männern gibt? Warum gibt es das nicht für Frauen? Sex kriegt mit Frauen kriegt man auf diese Weise nur, wenn man dafür bezahlt.“ – „Heterosexuelle Männer tun mir leid. Frauen haben Sex, weil das der Preis für eine Beziehung ist, das ist der einzige Grund. – Viele Frauen werden das verneinen und sagen, ‚Oh nein ich liebe Sex‘. Aber ziehen sie etwa los und besorgen sich den Sex so, wie es schwule Männer tun? „

Proteste lassen nicht lange auf sich warten:

  • Psychotherapeutin,Schriftstellerin  und Feministin Susie Orbach: „Ich bin sehr erstaunt über seine Ansicht, dass Männer Sex als etwas betrachten, was bei Frauen Ekel hervorruft.“
  • Rosie Boycott, eine bekennende Feministin: „Frauen könnten im selben Maße Lust am Sex empfinden wie Männer.“
  • Germaine Greer, eine Ikone der Frauenbewegung: „Fry unterliegt der Illusion, dass er eine Autorität in Sachen weiblicher Sexualität ist“

Greers Thesen zur weiblichen Sexualität gehen in der Tat in eine andere Richtung: „Women have somehow been separated from their libido, from their faculty of desire, from their sexuality. They’ve become suspicious about it. Like beasts, for example, who are castrated in farming in order to serve their master’s ulterior motives — to be fattened or made docile — women have been cut off from their capacity for action. It’s a process that sacrifices vigour for delicacy and succulence, and one that’s got to be changed“

Klassisch feministisch hat sie damit die Gesellschaft für den Unterschied verantwortlich gemacht.

Susie Orbach hat sich auch gegen biologische Erklärungen für Unterschiede ausgesprochen und macht ebenfalls, soweit ich dies dem Internet entnehmen konnte, die Gesellschaft verantwortlich.

Ich finde, dass Fry in einigen Punkten recht hat.

Der wesentliche Unterschied ist eben, wie dort bereits dargestellt, dass die Lust der Menschen in ihrem animalischen, rein auf Sex bezogenen Sinne durch Testosteron gesteuert wird: Mehr Testosteron, mehr Geilheit. Diesen Mechanismus findet man überall in Tierreich, bei allen Säugetieren und auch bei uns Menschen. Der Prozess der Geilheit ist sowohl in der Theorie als auch der Praxis gut dargelegt.

Männer haben bis zu 20 mal mehr Testosteron, also haben sie auch ein ganz anderes Verhältnis dazu. Sie wollen eher Sex einfach so und das ist unabhängig davon, ob sie auf Männer oder Frauen stehen, denn auch bei Homosexuellen produzieren die Hoden ja mehr Testosteron als bei Frauen die Eierstöcke und die Nebennierenrinde. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass Homosexuelle, obwohl Homosexueller Sex sicherlich stärker geächtet wird als weiblicher Sex, eine sehr starke Sexkultur entwickelt haben, in denen es Darkrooms und Badehäuser gibt, während Frauen dies nicht gemacht haben. Nach einer Statistik sollen 12-15% der Homosexuellen mit zwischen 500 und 1000 Männern Sex gehabt haben, eine Quote, von der heterosexuelle Männer träumen (Disclaimer: natürlich gibt es auch den treuen, monogam lebenden Schwulen).

Frauen haben mangels der gleichen Menge an Testosteron im Schnitt ein anderes Verhältnis zu Sex: Ich hatte in dem oben in dem an dritter Stelle verlinkten Artikel wie folgt dargestellt:

Es heißt auch nicht, dass Frauen nicht auch genauso viel Sex wollen, aber für sie sind dabei vielleicht nicht so stark die Befriedigungen der animalischen Lust im Vordergrund sondern sie genießen eher die Ausschüttung von Hormonen wie dem „Kuschelhormon“ Oxytocin, sowie einer Reihe von Endorphinen wie Serotonin und Dopamin. Daraus entstehen dann ganz andere Erwartungen an Sex, die sich in den jeweiligen Wünschen niederschlagen. Die meisten Frauen davon zu überzeugen, Sex nach den Vorstellungen der Männer zu haben, macht wenig Sinn, weil für sie der biologische Reiz am puren Sex dabei, nämlich die Stillung animalischer Lust, wesentlich geringer ist. Natürlich könnten sich Frauen frei dafür entscheiden, die Chance ist aber höher dass die meisten Frauen diesen Lebensweg nicht wählen sondern sich für einen anderen, zB Sex in einer Partnerschaft entscheiden, weil dieser ihnen aufgrund ihres körperlichen Unterschiede „logischer“ erscheint.

Fry sagt nicht, dass Frauen keinen Sex wollen. Er sagt, dass sie nicht die Art von Sex wollen, die Männer wollen. Sex ohne das man sich kennt in einem Darkroom, wenn mir jemand sagen kann wo es da bei Frauen im nennenswerten Umfang ohne Bezahlung gibt, dann mal los, ich bin gespannt.

Natürlich mögen Frauen auch Sex. Aber eben nicht so pur wie Männer. Sie wollen ihn meist in irgendeiner Form der Beziehung und des Vertrauens und nicht vollkommen anonym. Deswegen ist selbst bei einem One-Night-Stand die Komfort und Rapport Phase so wichtig. Männer könnten denke ich wesentlich besser mit einer „Ich find dich geil, du findest mich geil, lass uns Sex haben und uns danach nie wieder sehen“-Vereinbarung zurechtkommen (die ja im wesentlichen auch die Grundlage der Prostitution ist, nur das dort eben die weibliche Geilheit durch Geld ersetzt wird). Natürlich gibt es Männer, bei denen dies anders ist, und natürlich wollen auch Männer gute Beziehungen, zu denen Vertrauen und Sex gehört, aber es ist eben für die meisten keine Voraussetzung für Sex.

Ich hoffe, dass Fry noch anderweitige Unterstützung bekommt. Mal sehen, ob man noch was davon hört.

Frauen können Muskeln an der Stimme abschätzen

Ein Bericht im Tagesspiegel handelt von Forschung, bei der Frauen anhand der Stimme eines Mannes abschätzen sollten, wie stark dieser ist. Dies gelang den Frauen wohl sehr gut.

Ein Verhältnis zwischen Muskeln und Stimme ist bei Männern gegeben, weil Testosteron sowohl die Stimme tiefer macht als auch Muskeln aufbaut. Sicherlich werden auch andere Faktoren hinzukommen, bei denen der Umfang des Brustkorbes durch viel Sport die Stimme verändert etc.

Die Forscher haben die folgende Erklärung:

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es ein wichtiger Überlebensvorteil war, allein an Hand der Stimme einschätzen zu können, wie kampfgefährlich ein Mann ist. Das könne etwa bei Dunkelheit oder auf Entfernung entscheidend gewesen sein.

Weil in der Entwicklungsgeschichte des Menschen vor allem Männer aggressives Verhalten zeigten, sei es auch nicht überraschend, dass die Fähigkeit nur für Männerstimmen ausgeprägt sei.

Heutzutage haben Frauen keine Veranlassung mehr diese Fähigkeit durch die Gesellschaft zu erlernen. Ein unmuskulöser Mann ist mit einer Pistole genauso gefährlich wie ein muskulöser Mann. Die Fähigkeit ist dennoch vorhanden, wird also wohl biologischer Natur sein.

Ich vermute, dass weniger die Erkennung einer Bedrohung im Vordergrund stand, da Frauen sich auch mit einem nur durchschnittlich starken Mann in der Regel aufgrund der höheren Körperkraft nicht auf einen Kampf einlassen konnten, sondern eher ein Partnerwahlaspekt.

Ein Mann mit hohem Testosteronspiegel wird eher einen hohen Status haben in der steinzeitlichen Gruppe haben. Er gibt aufgrund der voraussichtlich höheren Muskelmasse auch einen besseren Beschützer ab. Die Einschätzung als Beschützer scheint mir wichtiger, weil hier die Körperkraft tatsächlich einen Vorteil für die Frau bietet.

Slut shaming – Männer, die viel Sex haben sind Helden, Frauen die viel Sex haben sind Schlampen?

Slut shaming – also der Vorwurf an Frauen, dass sie viel Sex mit verschiedenen Partnern haben, während Männer dafür gefeiert werden, wird gerne als gesellschaftliches Phänomen gesehen, dass es abzuschaffen gilt. Der soziale Druck hindert Frauen sich sexuell frei zu entfalten.

1. Gesellschaftlicher Druck

Ein gesellschaftlicher Druck auf Frauen nicht einfach so Sex zu haben ist meiner Meinung nach durchaus vorhanden. In unserer Gesellschaft in wesentlich geringerer Stärke als in anderen konservativeren Gesellschaften oder anderen Zeiten, aber vorhanden ist er sicherlich. Heute erwartet man von einer Frau eine gewisse Anzahl Sexualpartner gehabt zu haben und reagiert eher misstrauisch, wenn sie mit 25 noch Jungfrau ist.

Ich denke, dass dieser Druck aber nicht ganz abzubauen sein wird. Wir haben eingebaute Attraktivitätsmerkmale und biologisch machte es Sinn für eine Frau Sex mit einem Mann zu haben, mit dem viele andere Frauen Sex haben, da die Frau die Versorgung des Kindes immer noch auf einen anderen Mann übertragen kann. Für einen Mann machte es wenig Sinn eine Frau zu versorgen, die Sex mit vielen anderen Männern hat, weil dies die Chance verringert, dass sie mit seinem Kind schwanger wird und die Chance erhöht, dass er ein fremdes Kind versorgt und so Ressourcen verschwendet (natürlich macht es Sinn mit einer Frau, mit der alle Sex haben auch Sex zu haben, wenn damit keine Beziehung (=Versorgung) verbunden ist, weil für wenig Aufwand die Möglichkeit besteht seine Gene weiterzugeben, vielleicht ein Grund, warum in der Pornographie Szenen mit mehreren Männern und einer Frau nicht unverbreitet sind). Zudem ist es auch eine Form von weiblicher „Neediness“, wenn sie Sex „verschenkt“, weil damit in der Steinzeit immer das Risiko einer Schwangerschaft verbunden war und Frauen mit hohem Status diese Gefahr nicht eingehen mussten, sondern einen Mann erlangen konnten, der einen hohen Status (=gute Gene, gute Aufwuchschancen für den Nachwuchs) hatte. Gleichzeitig kann es auch für Frauen biologisch Sinn gehabt haben, ihre Geschlechtsgenossinnen zu überwachen, weil  freier Zugang zu Sex die Gefahr beinhaltet, dass die Versorgung wegbricht. Es machte also durchaus für beide Geschlechter biologisch Sinn Frauen in ihrer sozialen Status abzuwerten, wenn sie Sex mit einer Vielzahl von Männern haben.

2. Frauen zum Sex zu bekommen ist eine Leistung, Männer ins Bett zu bekommen nicht

Wie Testosteron und Libido zusammenhängen hatte ich bereits dargelegt. Auf weitere Unterschiede im Gehirn, etwa im Hypothalamus könnte man auch noch eingehen.

Aus all diesen Gründen heraus sind Männer wesentlich eher bereit einfach so Sex ohne weitere Bindung zu haben, Frauen hingegen haben wesentlich mehr Vorbehalte. Deswegen gibt es eine Sex-Industrie für Männer, aber nicht für Frauen, obwohl auch Männer erhebliche Nachteile hinnehmen müssten, wenn sie, etwa in einer Beziehung oder einer Ehe, bei einer Prostituierten erwischt werden.

Erstaunlicherweise vertreten Frauen häufig die Einschätzung, dass es für Männer ebenfalls einfach ist mit einer Frau zu schlafen. Es kommt gerne etwas wie „Eine in der Disko will doch immer“. Das stimmt wahrscheinlich sogar. Aber erstens muss man diese erkennen und dann kommen auf diese eine Frau zumindest 50 Männer, die sie finden und mit ihr schlafen wollen. Ein „Same Night lay“ ist aus diesen Gründen für Männer wesentlich schwieriger als für Frauen, es erfordert wesentlich mehr und wird demnach auch als etwas besonderes angesehen.

Der klassische Vergleich darf nicht fehlen: Ein Schloss, dass mit jedem Schlüssel geöffnet werden kann ist nichts besonderes. Ein Schlüssel mit dem man jedes Schloss öffnen kann schon

Auch für Männer ist Sex nicht per se eine Leistung. Der Typ, der jeden Samstag in der Disko 100 Frauen anspricht bis eine sehr betrunkende und nichts sehr Attraktive mit ihm rummacht wird nicht als Held wahrgenommen, sondern ihm wird ebenso ein geringer Status zugewiesen.

Bei der Bewertung, ob etwas „Slut Shaming“ ist, sollte berücksichtigt werden, dass einige Frauen das Äquivalent des oben beschriebenen Ansprechens von 100 Frauen betreiben, indem sie sexuellen Reize darstellen („schlampige Kleidung“) und dann den mitnehmen, der am Schluss des Abends gerade mit ihnen flirtet (also ähnlich wahllos sind, wie der „100fache Ansprecher“). Diese Wahllosigkeit wird also bei beiden Geschlechtern als Verhalten mit geringen Status empfunden.

Eine Frau, die mit sehr attraktiven Männern mit Status schläft, ohne das der Eindruck entsteht, dass diese in ihr nur ein Objekt der sexuellen Befriedigung ohne darüber hinausgehendes Interesse an ihr sehen, wird auch nicht als „billig“ wahrgenommen.

3. Auswirkungen

Wie die Vergangenheit zeigt ist die Einstellung gegenüber Sex wesentlich lockerer geworden, seit es moderne Verhütungsmittel gibt. Das ändert aber nichts daran, dass unsere Programmierung diese noch nicht mitbekommen hat und seine Wertungen über den Status einer Person auf der Basis eines Lebens ohne Verhütungsmittel abgibt. Ich denke, dass man die Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Wahrnehmung nicht vollständig abbauen kann. Allerdings ist denke ich in dem System genug Flexibilität vorhanden, um ein erfreuliches Sexualleben für beide Geschlechter zu ermöglichen.