Angst rechtfertigt die Angst

Auf Twitter schreibt Kopfpampe:

Ich wurde zum Glück noch nie belästigt auf der Straße. Aber mulmig ist mir trotzdem, wenn ich Männern alleine begegne.

Die klassische Gegenprobe:

Ich wurde zum Glück noch nie belästigt auf der Straße. Aber mulmig ist mir trotzdem, wenn ich Ausländern alleine begegne.

Die meisten wären sich einig, dass es Rassismus wäre.

Sie wurde noch nie belästigt, aber sie fordert trotzdem, dass man die Straßen zurück erobert. Als Grund wird nur eine diffuse Angst genannt, die anscheinend keine wirkliche Grundlage hat.

Die Angst selbst rechtfertigt hier anscheinend die Angst.

Ob diese Angst eine reale Grundlage hat ist dabei relativ egal.

Ein anderer Umstand, der ein großes Gefühl der Unsicherheit erzeugen kann, ohne das eine tatsächliche Gefahr besteht, ist die Vornahme von Absicherungsmaßnahmen. Wer beispielsweise meint, immer nur in Begleitung nach Hause gehen zu können, der weißt häufig dem Umstand, dass er dieser Regel folgt, Bedeutung dahingehend zu, dass dadurch die Tat verhindert worden ist.

Dabei ist diese Kausalität gar nicht gegeben: Die Tat könnte auch ohne diese Absicherung nicht geschehen sein und die Frau vollkommen sicher nach Hause gekommen sein.

Das ist auch eine der Gefahren davon, wenn man überall Gefahren sieht und davor warnt und daraufhin die Leute besonders vorsichtig sind. Denn man kann sich auch vor einer imaginären Gefahr schützen und dann meinen, dass der Schutz erforderlich war.

Ob dieser Schutz in dem konkreten Fall erforderlich war, wäre eine andere Frage. Aber das sollte man, wenn nie etwas passiert, auch nicht ohne weiteres unterstellen