Metastudie zu Geschlechterunterschieden in der Gehirnstruktur

Eine interessante Metastudie hat verschiedene Studien zu Geschlechterunterschieden in der Gehirnstruktur ausgewertet:

Highlights

• This is the first meta-analysis of sex differences in the typical human brain.
• Regional sex differences overlap with areas implicated in psychiatric conditions.
• The amygdala, hippocampus, planum temporale and insula display sex differences.
• On average, males have larger brain volumes than females.
• Most articles providing sex differences in volume are in the ‘mature’ category.

Abstract
The prevalence, age of onset, and symptomatology of many neuropsychiatric conditions differ between males and females. To understand the causes and consequences of sex differences it is important to establish where they occur in the human brain. We report the first meta-analysis of typical sex differences on global brain volume, a descriptive account of the breakdown of studies of each compartmental volume by six age categories, and whole-brain voxel-wise meta-analyses on brain volume and density. Gaussian-process regression coordinate-based meta-analysis was used to examine sex differences in voxel-based regional volume and density. On average, males have larger total brain volumes than females. Examination of the breakdown of studies providing total volumes by age categories indicated a bias towards the 18–59 year-old category. Regional sex differences in volume and tissue density include the amygdala, hippocampus and insula, areas known to be implicated in sex-biased neuropsychiatric conditions. Together, these results suggest candidate regions for investigating the asymmetric effect that sex has on the developing brain, and for understanding sex-biased neurological and psychiatric conditions.

Quelle:  A meta-analysis of sex differences in human brain structure

Wie man an den Werten sieht, gibt es durchaus deutliche Unterschiede:

Unterschiede Gehirn Mann Frau

Unterschiede Gehirn Mann Frau

Aus der Besprechung:

3.3.1. Regional volume meta-analysis
All 16 studies included in the volume voxel-based meta-analysis included a between-group comparison of GM volume, leading to a total of 264 reported GM foci. Only 4 studies performed a WM volume comparison, with a total of 30 WM foci. Since 30 data points are insufficiently spatially dense to perform a meta-analysis, only a coordinate-based meta-analysis on GM volume is currently possible. The 16 studies provided a total of 2186 brains (49% female) aged between 7 and 80 years old. Because an FDR-correction at voxel-level q = 0.05 gave diffuse spatial results, we opted for a more stringent correction to capture the most reliable group differences. The (FDR q = 0.01) thresholded Z-value was 3.428 for the male > female contrast and 3.616 for the female > male contrast, and results are reported in Table 4 using an extent threshold of 60 continuous voxels.

On average, males have larger grey matter volume in bilateral amygdalae, hippocampi, anterior parahippocampal gyri, posterior cingulate gyri, precuneus, putamen and temporal poles, areas in the left posterior and anterior cingulate gyri, and areas in the cerebellum bilateral VIIb, VIIIa and Crus I lobes, left VI and right Crus II lobes. Females on average have larger volume at the right frontal pole, inferior and middle frontal gyri, pars triangularis, planum temporale/parietal operculum, anterior cingulate gyrus, insular cortex, and Heschl’s gyrus; bilateral thalami and precuneus; the left parahippocampal gyrus and lateral occipital cortex (superior division).

3.3.2. Regional tissue density meta-analysis
Eight of the nine studies (eight of the ten age-matched groups) investigating voxel-based sex differences in brain tissue density performed a GM analysis, with a total of 86 reported foci. Only three performed a WM density analysis with a total of 13 foci again discouraging a meta-analysis. The eight studies provided a total number of 741 brains (53% female), aged between 10 and 81 years. Results are reported (with FDR q = 0.05). Z-values were 3.247 for the male > female contrast and 3.445 for the female > male contrast, reported in Table 4 with an extent threshold of 60 continuous voxels. Areas of higher GM density in males compared to females included the left amygdala, hippocampus, insular cortex, pallidum, putamen, claustrum, and an area in the right VI lobe of the cerebellum. The left frontal pole has significantly higher GM tissue density in females compared to males.

Also eine Vielzahl von Regionen, bei denen Unterschiede erkennbar sind.

vgl. auch:

„Was hat mansplaining mit Frauen zu tun? Gar nichts“

In einer Diskussion bei Onyx fand ich zwei Kommentare zum Thema „Mansplaining“

Zunächst schreibt Leszek bei Onyx:

Hier wird eine bestimmte negativ beurteilte Verhaltensweise in geschlechter-essentialistischer Weise einem bestimmten Geschlecht zugeordnet anstatt auf Menschen als Individuen zu fokussieren.
Findest du sowas nicht einseitig, sexistisch und kritikwürdig?

Und selbst wenn es stimmen würde, dass Männer solches Verhalten IM SCHNITT häufiger an den Tag legen als Frauen, was erstmal durch ernsthaft wissenschaftliche Untersuchungen – also solche jenseits des Mainstream-Feminismus – zu belegen wäre, dann würde das 1. nichts daran ändern, dass es sich trotzdem um eine Minderheit handelt und 2. wären in dieser Hinsicht auch die Ursachen aus einer um Objektivität bemühten Haltung heraus zu analysieren.

Wäre es nicht möglich, dass in solchen Situationen manche Männer einfach nicht wissen, dass sich eine Frau mit einem bestimmten Thema auch gut auskennt?

Und wäre es nicht möglich, dass die – leider sozialwissenschaftlich und sozialpsychologisch gut belegte – durchschnittliche Partnerwahlpräferenz von Frauen für Selbstbewusstsein und Status bei Männern bei manchen Männern dazu führen könnte, zu versuchen ihren Partnerwert zu betonen, indem sie gegenüber Frauen Wissen und Kompetenz signalisieren?

Und wäre es nicht möglich, dass es Frauen gibt, die auf die Signalisierung von Wissen und Kompetenz positiv reagieren?

Dann wäre hier nämlich zu berücksichtigen, dass spezifische Partnerwahlpräferenzen und Verhaltensweisen von Frauen ihren Beitrag zu diesem Phänomen leisten.

Und selbst wenn ein Mann genau wüsste, dass sich die Frau mit dem entsprechenden Thema auch gut auskennt, wäre es nicht möglich, dass ein Mann sich so verhält einfach um zum Ausdruck zu bringen, dass er ihre Interessen teilt und auf diesem Gebiet kompetent ist?

Führt der geschlechter-essentialistische Vorwurf des „Mansplaining“ nicht dazu die gleichen Verhaltensweisen, wenn sie von Frauen ausgehen, großzügig zu übersehen oder gar als positives Zeichen weiblicher Emanzipation zu interpretieren, während bei Männern umstandslos eine negative Motivation unterstellt wird, obwohl auch eine ganz andere Motivation dahinter stehen kann?

Berechtigte Hinweise, dass da viel Hass drin ist und der Vorwurf gern schlicht zur Abwertung von Männern genutzt wird.

Auch interessant fand ich den folgenden Kommentar von Jochen Schmidt bei Onyx:

Als Ergänzung würde ich vielleicht den Akzent ein wenig verschieben. Ausgehend von Deiner Kritik „… eine bestimmte negativ beurteilte Verhaltensweise in geschlechter-essentialistischer Weise einem bestimmten Geschlecht zugeordnet anstatt auf Menschen als Individuen zu fokussieren“, würde ich mal vom Geschlecht des jeweiligen Zuhörers abstrahieren.

Das im Video-Clip beschriebene Verhalten erlebe ich als Berater täglich: wenn die Ingenieure mit den Monteuren streiten, wenn der Kunde mit dem Lieferanten streitet, wenn die Laborleiter mit den Abteilungsleitern streiten, wenn die Projektleiter mit den Leuten vom Controlling streiten, ich erlebe es in jedem Meeting, ich erlebe es sogar auf der Weihnachtsfeier.

Was hat mansplaining mit Frauen zu tun? Gar nichts. Männer erklären anderen Männern ständig irgendwelche Sachen, und zwar ungefragt (ähnlich „Mittelwert“ unten). Genauer: sie versuchen, es dem jeweils anderen Mann zu erklären – wobei der andere Mann sich seinerseits bemüht, dem ersteren Mann etwas zu ganz anderes zu erklären, was diesen anderen Mann jedoch zu weiteren hartnäckigen Erklärungs-Versuchen anstachelt …

Auf diesen Weise halten sich die Männer und ihre Erklärungsversuche gegenseitig in Schach. Wenn jeder dem anderen etwas erklären will, dann muß jeder mal ab und zu die Luft anhalten, sofern das Gespräch überhaupt noch aufrecht erhalten werden soll. (Nebenbei: in einem früheren Projekt hatte ich mal einen griechischen Kollegen, den habe ich aus gegebenem Anlaß gefragt: Warum sind die Griechen so unverschämt? Seine trockene Antwort: „Das kommt Dir nur so vor; die Griechen sind *alle* unverschämt, da hebt die Unverschämtheit des Einen die Unverschämtheit des Anderen auf; wenn alle unverschämt zueinander sind, dann müssen sie sich letztlich zusammenraufen, um doch noch was gebacken zu kriegen … Du bist *nicht* unverschämt – *das* ist das Problem.“)

So, was passiert nun, wenn Männern Frauen gegenüber das tun, was sie anderen Männern gegenüber ständig tun? Wenn sie also wieder irgendwelche weit hergeholten Erklärungen vom Stapel lassen? Nun, offenbar tun viele Frauen dann nicht das, was Männer in so einer Situation reflexartig tun: dagegen halten mit noch weiter hergeholten Erklärungen. Viele Frauen hören stattdessen brav zu und denken sich ihren Teil. Hinterher gehen sie dann zur Gleichstellungsbeauftragten und präsentieren ihr Opfer-Abo.

Natürlich kann man kritisieren, daß Männer offenbar ein unbezähmbares Verlangen danach haben, anderen Leuten – ungefragt – irgendwelche Sachen zu erklären. (Bei dieser Kritik sollte man allerdings jene Faktoren berücksichtigen, die Du oben genannt hast: z. B. daß es für Männer wichtig ist, in der Kommunikation ihren Status abzusichern, oder gar einen höheren Status zu erwerben). Aber eines darf man nicht: den Erklärungs-Drang von Männern gendern, d.h. darstellen als ein Verhalten, das Männer typischerweise *nur* Frauen gegenüber an den Tag legen. Wenn ich *allen* Leuten auf die Füße trete, dann soll man gefälligst nicht so tun, als würde ich immer nur den Frauen auf die Füße treten. In einem solchen Gendern offenbart sich ein doppelter Standard, der nicht zulässig ist („Mansplaining von Mann zu Mann ist OK – mansplaining von Mann zu Frau ist übel.“)

Soweit also mein kleiner Versuch, einen „geschlechter-essentialistischen“ Ansatz zu vermeiden …

Wie Du vielleicht bemerkt hast, habe ich Dir die ganze Zeit über etwas erklärt – obwohl Du mich gar nicht danach gefragt hast. Wenn Du jetzt nicht schleunigst reagierst wie ein richtiger Mann, dann würde ich einfach noch ein Dutzend weiterer Erklärungen aus dem Ärmel schütteln, die ich Dir allesamt ins Trommelfell puste😉

Die Theorie, dass kein Gesprächsstil ist, der der Herabwürdigung von Frauen dient, sondern einer, bei dem es darum geht, dass Männer gerne Fakten austauschen und erklären, würde ich auch teilen. Ich habe schon häufig Männern etwas erkärt, was ich faszinierend fand oder sie haben mir etwas erklärt, bis sie oder ich mit dem Hinweis unterbrochen worden sind, dass wir die gleiche Doku gesehen haben.

Einen weitern interessanten Beitrag gab es bei Voice for Men:

Feminists are upset—they are angry and bitter. When are they not? They say that students give higher teaching evaluations to male professors. Reviews of male professors, they say, are more likely to include the words “brilliant,” “intelligent” or “smart,” and far more likely to contain the word “genius.” Meanwhile, women are more likely to be described as “mean,” “harsh,” “unfair,” or “strict,” and a lot more likely to be called “annoying.”

Is it possible that men like to repeat what they have learned, but reconstructed in their mind to ensure clarity?

Is it possible that our ability to recapitulate—to teach—is sharpened by our constant desire to explain and re-explain?

Yes, men refuse to ask for directions. We want to figure it out ourselves; and when we do, we explain it. Approach a group of men on the street and ask for directions. Brace yourself: they will all explain at once and gesticulate in all directions, offering all sorts of improvements and considerations: rejoice in that masculine moment.(…)

It is important to ask questions, to try to answer, to try to explain to oneself, to try to state the answer in newer ways, to try to question and re-explain; and to do it aloud. If someone objects, incorporate their objection—make it your own. If they are angry and accuse you of patronizing, smile; and try to incorporate some humor next time to soften your explanation.(…)

As I go about my day-to-day business, I explain things. I explain things to myself and to imagined listeners. Even if I don’t know the final answer, I like talking about the question. Sometimes I cannot distinguish if I am talking aloud or to myself. (Yeah, alright: I talk to myself.) Sometimes, I make a fool out of myself when I talk. I mean, who wants to hear this endless splatter of questions and possible answers? So when someone tells me to stop, I learn where the line is.(…)

Why do men get such good evaluations?

When men explain things repetitively (even to people who already understand), we are organizing our thoughts, shifting them around, reformulating causality, searching for flaws in our comprehension, fixing our understanding, fleshing out connections, trying to dominate the subject matter (that’s a good thing—we’re not doing it to women; we’re doing it to the subject matter), looking for ways to rise above it.

Yes, men are mansplainers. Yes, men do get better teaching evaluations. Do you think feminists will ever show enough modesty to get off the pedestal and realize that sexism does not explain this link? Do you think feminists might ever see a connection here? (…)

Der Nutzen von „Mansplaining“ liegt aus meiner Sicht in der Tat auf der Hand. Man teilt Wissen, man kann in einer Diskussion neue Wissen erlangen, man kann darstellen, dass man Ahnung hat. Zudem kann es auch schlicht aufs einer Begeisterung für ein bestimmtes Thema aus einem heraussprudeln und auch dieses starke Interesse, Wissen zu einem Thema zu sammeln kann sehr hilfreich sein.

Wenn man dann bedenkt, dass bei den Unterschieden von Männern und Frauen gerade auch der Unterschied zwischen „systematischen und emotionalen Gehirn“ immer wieder vorgefunden wird wäre zu vermuten, dass der Ansatz zu diesem Verhalten durchaus biologisch sein könnte. Das passt auch dazu, dass Männer sich eher für Sachthemen interessieren und auch besser in Tests zum Allgemeinwissen abschneiden.

 

Rangordnungen, auch Dominanzhierarchie und Geltungshierarchie

Im gestrigen Beitrag ging es auch um die Unterschiede von Dominanz, dazu findet sich hier ein Artikel, der das aus meiner Sicht noch einmal ganz gut darstellt:

Zur grundsätzlichen Defintion:

Rangordnung, soziale Hierarchie, Dominanzhierarchie:
die Ausbildung von sozialen Unterschieden zwischen den Individuen einer Gruppe von Tieren oder Menschen, die durch Dominanz- (Dominanz) und Unterlegenheits-Verhältnisse (Subordination; Demutsgebärde, Hemmlaut) gekennzeichnet sind (biologische Rangordnung).

Zu verschiedenen Ausgestaltungen:

Die Rangordnungsstruktur kann sehr unterschiedlich sein. Im einfachsten Fall kann ein einzelnes Individuum (oder ein Paar) alle übrigen Gruppenmitglieder dominieren. Häufiger als eine solche Zweiteilung in „Herrscher“ und „Beherrschte“ sind abgestufte Rangordnungen, bei denen die jeweilige Rangposition jedes Individuums mit den Buchstaben des griechischen Alphabets bezeichnet wird: Dem ranghöchsten Alphatier folgt das Betatier usw., das rangtiefste Mitglied der Gruppe wird Omegatier genannt. Sind sämtliche Rangbeziehungen in der Gruppetransitiv (wenn A dominant über B ist und B über C, dann ist A auch über C dominant), entsteht eine lineare Hierarchie. Vor allem in größeren Gruppen treten häufig aber auch nicht transitive Rangbeziehungen auf (C ist dominant über A); in solchen Fällen ist die Hierarchie nicht linear. Das Phänomen einer abgestuften Rangordnung in Tiergesellschaften wurde erstmals 1922 von T. Schjelderup-Ebbe als Hackordnung bei Haushühnern beschrieben.

Zu Arten, wie sie aufrechterhalten werden:

Eine Hackordnung (bei Wölfen [vgl. Abb. ] und anderen Säugetieren spricht man auch von einer Beißordnung) ist eine Form aggressiver Dominanz (Aggression, Dominanzverhalten, Drohverhalten,Imponierverhalten, Konfliktverhalten).

Genügen subtile Signale (Status-Signal), um Statusunterschiede deutlich zu machen (oft nur submissive Signale des Unterlegenen), spricht man von formaler oder formalisierter Dominanz.

Operational werden Dominanzbeziehungen über die Häufigkeit und Richtung agonistischer Interaktionen (aggressives und submissives Verhalten; agonistisches Verhalten) definiert und nicht über den privilegierten Zugang zu bestimmten Ressourcen oder über andere Verhaltensweisen, die oft, aber keineswegs zwingend mit Dominanz korrelieren (Dominanz-Konzept). Zugang zu Ressourcen ist vielfach kontextabhängig und kann mit dem Funktionskreis des Verhaltens wechseln (z.B. kann ein Individuum bevorzugten Zugang zum Futter haben, vom Zugang zu anderen Ressourcen jedoch ausgeschlossen werden). Ob und gegebenenfalls wie gut Variablen wie der Zugang zu Ressourcen (und damit unter Umständen derFortpflanzungserfolg von Individuen) oder Verhaltensmuster wie Aggressivität oder die Aufmerksamkeitsstruktur einer Gruppe mit Dominanz korrelieren, ist eine jeweils empirisch zu klärende Frage (vielfach besitzen ranghohe Individuen sowohl im übertragenen wie im wörtlichen Sinn ein „hohes Ansehen“.

Eine weitere Unterteilung nach der Art der Interaktion und der unterschiedlichen Teilnehmer:

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen gerade bei Primaten jedoch vielfach auch Individuen, die keinen hohen (Dominanz-)Rang haben, wie z.B. Jungtiere oder sexuell attraktive Weibchen. Sind agonistische Interaktionen strikt asymmetrisch, spricht man von einer „despotischen“ Beziehung (Despotismus), sind sie – mehr oder weniger – symmetrisch, von einer eher „egalitären“ Beziehung. Der Eindruck einer symmetrischen und damit weitgehend egalitären Beziehung kann aber auch durch Rangwechsel vorgetäuscht werden. Despotische Hierarchien bei Primaten (Affen,Menschenaffen, Mensch) sind meist streng formalisiert und darüber hinausnepotistisch: Der Rang der Nachkommen (oft der Töchter, bei manchen Arten aber auch der der Söhne) hängt von ihrer sozialen Herkunft (dem Rang eines oder beider Elternteile) ab.

Der Arztsohn gilt als besser als der Sohn vom Müllmann sozusagen.

Auch interessant: Paarung und Aufstieg in der Hierarchie

Vermutungen, daß sexuell attraktive Weibchen, die sich mit ranghohen Männchen paaren, oder Weibchen, die Junge haben, in der Hierarchie aufsteigen, haben sich bei nichtmenschlichen Primaten dagegen nicht bestätigt (bedingter Rang, Grundrang). Das Gegenstück zu nepotistischen Hierarchien (die man außer von Primaten auch von den afrikanischen Tüpfel-Hyänen kennt) sind meist weniger formalisierte und oft instabilere „individualistische“ Hierarchien, bei denen der Rang des Individuums allein von „intrinsischen“ Faktoren (Stärke, gegebenenfalls Intelligenz) abhängt. –

Ein „Aufsteigen“ der Weibchen macht wahrscheinlich auch nur in einer Paarbindung Sinn, da ansonsten der gegenseitige Einfluss nicht sehr hoch ist.

Der Grund für Rangordnungen wird dort wie folgt angegeben:

Der adaptive Hintergrund für die Evolution von Rangordnungen ( vgl. Infobox ) sind Konflikte um Ressourcen wie Nahrung, sichere Schlaf- und Brutplätze, Geschlechtspartner (genauer: befruchtungsfähige Eizellen), aber auch Hilfe bei der Aufzucht der Jungen (kooperative Brutpflege).

Also insbesondere Konkurrenzszenarien, wie Konflikte um Nahrung und Ressourcen und Geschlechtspartner die durch eine Hierarchie weniger blutig gestaltet werden, aber auch sexuelle Konkurrenz, insbesondere um Frauen, die dann durch Status als Signal für gute Gene und damit Partnerwahlkriterium noch verschärft wird.

Interessant auch die Frage, wie die Rangverhältnisse zwischen den Geschlechtern ausgestaltet sind

Da sich Männchen und Weibchen hinsichtlich der ihren Fortpflanzungserfolglimitierenden Ressourcen unterscheiden (Weibchen: Nahrung; Männchen: befruchtungsfähige Eizellen), wird zumeist zwischen männlichen und weiblichen Rangordnungen getrennt. Rangbeziehungen existieren jedoch vielfach auch zwischen den Geschlechtern. Bei zahlreichen Säugetieren mit einem ausgeprägten Sexualdimorphismus wie Pavianen oder Schimpansen sind (erwachsene) Männchen grundsätzlich dominant über Weibchen, während bei vielen Arten mit einem geringeren Sexualdimorphismus (z.B. Rhesusaffen) zumindest ranghohe Weibchen auch Männchen dominieren können. Weibliche Dominanz ist bei Säugetieren die Ausnahme und bisher nur für Tüpfelhyänen, zahlreiche Lemuren und – in Grenzen – Bonobos belegt. –

In der menschlichen Spezies können auch ranghohe Frauen über Männern stehen, etwa als Königin und in evolutionär relevanten Zeiten vielleicht dann eher in Rollen wie Shamanin oder Stammesführerin. Vermutlich wird auch die „Frau vom Chef“ damals durchaus einen höheren Rang gehabt haben und das Frauen teilweise im Rang über IHREM Mann stehen konnten, wenn sie ihn „unter dem Partoffel hatten“ ist auch anzunehmen.

Humanethologische Untersuchungen zur Ausbildung von Rangordnungsstrukturen wurden vielfach an Kindergruppen durchgeführt (Humanethologie).

Dabei zeigte sich, daß ranghohe Kinder in Spielgruppen (Peer) zwar über ein gewisses Maß an Bereitschaft zu aggressiven Auseinandersetzungen verfügen, sich aber auch durch Kreativität auszeichnen, häufig Initiatoren vonSpielen sind, Aktivitäten organisieren und bestimmen, schlichtend eingreifen, Kinder, die im Rang unter ihnen stehen, unterstützen und verteidigen usw.

Es haben sich auch geschlechtstypische Unterschiede herauskristallisiert (geschlechtstypische Verhaltensweisen):

Jungen tragen ihre Rangordnung durch Imponieren, Drohen, gegebenenfalls auch durch Handgreiflichkeiten aus (Bully-Verhalten), wodurch sich nach kurzer Zeit eine auf aggressiver Dominanz beruhende Rangordnung innerhalb der Gruppe einstellt, die – einmal etabliert – recht stabil bleibt.

Die Festlegung der Rangordnung innerhalb von Mädchengruppen ist weniger körperlich. Vielmehr wird die Hierarchie durch Kritisieren, Verweigern der Gefolgschaft, Geben von Ratschlägen, Hinwegsetzen über Anordnungen, Rückzug aus Aktivitäten, Herabsetzen anderer usw. erreicht, also mittels indirekter Strategien. Die Rangfestlegung dieser Geltungshierarchie ist bedeutend komplizierter als bei Jungen, schwerer durchschaubar und weniger klar geregelt. Sie erweist sich als instabiler und konfliktanfälliger als die Dominanzhierarchie innerhalb von Jungengruppen.

Treffen Dominanz- und Geltungshierarchie in gemischtgeschlechtlichen Spielgruppen aufeinander, setzen sich Strategien der Dominanzhierarchie durch. Aggressive soziale Exploration,Dominanzsexualität, Rangmimikry.

Eine dazu passende Schilderung hatte ich auch in einem anderen Artikel zu Rangordnungen bei Jungen und Mädchen. Interessant finde ich die Aussage, dass sich die Dominanzhierarchie bei einem Aufeinandertreffen eher durchsetzt. Allerdings kann man ja zB im Büro beim Kampf um die Beförderung schlecht die oben dargelegten Mittel wie Drohungen und aggressives Verhalten verwenden. Es bleibt dann vielleicht eher noch Imponieren, also letztendlich Leistung, übrig, während die Mittel der weiblichen Statuskämpfe wie Ignorieren und Rückzug aus Aktivitäten deutlich schwieriger anzuwenden sind.

Geschlechterunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht

Ein interssanter Artikel behandelt Unterschiede zwischen Männern und Frauen aus neurowissenschaftlicher Sicht:

Unterschiede im Verhalten zwischen männlichen und weiblichen Tieren, die in der ethologischen Forschung (Ethologie) festgestellt wurden (geschlechtsspezifisches Verhalten), ließen schon früh nach deren Ursachen forschen. Die dabei gestellten Fragen lauteten vor allem, ob ihnen morphologische Unterschiede im Gehirnzugrunde liegen, ob diese Differenzen Einfluß auf die kognitiven Fähigkeiten haben könnten und – vor allem – inwieweit der Mensch davon betroffen ist.

Unterschiede in der Gehirngröße

Wenn man ein menschliches Gehirn vor sich hat, kann man nicht nur von der Betrachtung her sagen, ob es männlichen oder weiblichen Ursprungs ist. Rein statistisch beträgt die durchschnittliche Hirnmasse (Gehirngewicht) bei der Frau 1245 g und beim Mann 1375 g. Da es eine Korrelation zwischen Hirnmasse und Körpermasse gibt und Frauen im Durchschnitt kleiner sind als Männer, leitet sich daraus zunächst auch ein kleineres weibliches Gehirn ab. Das Verhältnis von Hirnmasse zu Körpermasse verschiebt sich nach einigen Untersuchungen sogar zu Gunsten des weiblichen Geschlechts: Die Hirn-Körpermasse-Relation beträgt danach bei der Frau 1:46 (22g Hirnmasse pro kg Körpermasse) und beim Mann 1:50 (20g pro kg). Allerdings gibt es inzwischen auch neuere Befunde, die wiederum zum gegenteiligen Schluß kommen. In jedem Fall sagen solche Durchschnittswerte jedoch nichts über die geistige Leistungsfähigkeit eines bestimmten Individuums aus – Ausnahmen bestätigen dabei wie immer die Regel. Ein besonders kleines Gehirn muß daher nicht zwangsläufig einer Frau gehören; es kann ebenso einem kleinen Mann zugeordnet werden. Systematische Untersuchungen zu Geschlechtsunterschieden im menschlichen Gehirn aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, daß solche Unterschiede bereits bei Neugeborenen vorhanden, also vermutlich genetisch bedingt sind. Diese Differenzen sind zwar gering, aber signifikant, und bleiben beim Erwachsenen bestehen.

Die reinen Größenunterschiede sind wenig aussagekräftig, sonst wären die meist kleineren Asisaten oder andere kleinere Völker per se kleiner.

Die Ausreifung kognitiver Leistungen (Kognition) des Gehirns hängt von der Interaktion mit der Umwelt ab und beruht letztendlich auf Lernprozessen während der Individualentwicklung. Hier zeigt sich ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung männlicher und weiblicher Gehirne, der zu der zugespitzten Frage „Natur oder Erziehung“ führt (Anlage-Umwelt-Kontroverse). Weil kulturelle Aspekte (Kultur) bei der Erziehung Heranwachsender nicht zu vermeiden sind, eignet sich der Mensch schlecht zur Klärung dieses Problems. Man untersucht daher Nagetiere, die man ohne Gonaden (Geschlechtsorgane) aufzieht, und kann dann während der Entwicklung männliche oder weibliche Hormone (Sexualhormone) kontrolliert hinzugeben.

In der Tat könnte man mit unmoralischen Menschenversuchen hier theoretisch relativ schnell gute Ergebnisse bekommen. Da das natürlich nicht geht muss man sich auf den „Natürlichen Experimentepool“, der durch genetische und biologische Besonderheiten oder ärztliche Vorfälle herbeigeführt wird nutzen. Oder eben die  Forschung bei Tieren.

Hormonale Grundlagen des menschlichen kognitiven Verhaltens

Das Hauptresultat diesbezüglicher Forschungsergebnisse lautet, daß Männer und Frauen sich in der Art ihrer Intelligenz unterscheiden, und zwar vor allem in ihrer Art, abstrakte Aufgaben zu bewältigen. Die hormonabhängige Differenzierung beginnt beim Menschen in einer frühen Embryonalphase der vorgeburtlichen Entwicklung. Der ursprüngliche Bauplan ist weiblich. Gegen Ende des zweiten Embryonalmonats bilden sich bei Vorhandensein von X- und Y-Chromosom die männlichen Keimdrüsen aus. Diese Keimdrüsen, die Hoden, beginnen im Normalfall mit der Produktion von Androgenen (den männlichen Hormonen). Störungen in der Hormonbildung haben eine unvollständige Maskulinisierung (Vermännlichung) zur Folge. Die männlichen Hormone bewirken nicht nur die Maskulinisierung von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, sondern leiten auch spezifische Differenzierungen im sich entwickelnden Gehirn ein ( siehe Zusatzinfo 1 ). Eine Besonderheit dabei ist, daß das eigentlich aktive Hormon das weibliche HormonÖstradiol ist, in welches das Testosteron durch Enzyme im Gehirn umgewandelt wird. Das weibliche Gehirn muß demzufolge vor einem maskulinisierenden Einfluß des an sich weiblichen Hormons (Östrogene) durch ein spezielles Alpha-Fetoprotein geschützt werden. Das Androgen Testosteron kann sowohl in Östrogen als auch in Dihydrotestosteron umgewandelt werden. Es wird aber umgekehrt auch im weiblichen Organismus aus Progesteron gebildet. Dies erklärt die Tatsache, daß im Speichel der Frau Testosteron quantitativ bestimmt werden kann, also ein Leben lang vorhanden ist. Der Testosteronspiegel liegt jedoch beim weiblichen Geschlecht viel niedriger als beim Mann. Dennoch bestimmt Testosteron das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten beider Geschlechter in signifikanter Weise; das trifft nicht nur für den Menschen, sondern auch für z.B. Ratten zu (siehe unten).

Hier werden die Theorien, nach denen insbesondere pränatale Hormone die Unterschiede bewirken noch einmal gut dargestellt. Erst bestimmen die Geschlechtschromosomen welche Hormone mehr produziert werden und die Hormone führen dann zu einer bestimmten Ausrichtung des Gehirns

Geschlechtsabhängige Problemlösestrategien

Probleme, bei deren Lösung Frauen Männern überlegen sind, lassen sich wie folgt aufzählen: 1) Frauen sind besser bei optischen Wahrnehmungen, bei denen es auf die Geschwindigkeit, das detailgetreue Erinnerungsvermögen und die Entscheidungsschnelligkeit ankommt. 2) Frauen haben eine flüssigere Sprache, sprachlich den größeren Einfallsreichtum und können besser exakt rechnen. 3) Frauen verfügen über eine feinere Motorik der Hand. 4) Frauen besitzen eine höhere Wahrnehmungsgeschwindigkeit.

Männer sind dagegen bei den folgenden Leistungen im Vorteil: 1) Männer haben ein besseres Abstraktionsvermögen und sind bei mathemathischen Schlußfolgerungen Frauen überlegen. 2) Männer können besser zielgerichtet werfen und auffangen. 3) Männer haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen. 4) Männer zeigen bessere optische Leistungen bei Suchbildern, d.h. beim Auffinden versteckter geometrischer Figuren.

Das finde ich eine recht kurze, aber wichtige Auflistung. Es zeigt auch, dass es nicht um ein „Männer sind in allem besser“ geht, beide Geschlechter haben eben eine bestimmte Ausrichtung auf andere Bereiche.

Drei dieser Eigenschaften – räumliches Vorstellungsvermögen, mathematisches Schlußfolgern und Wahrnehmungsgeschwindigkeit – wurden bei männlichen und weiblichen Probanden in ihrer Abhängigkeit vom Testosterongehalt untersucht. Die Ergebnisse sind überraschend. Frauen mit hohem Testosteronspiegel lösen Fragen zum räumlichen Vorstellungsvermögen (männliche Domäne) besser als Frauen mit niedriger Testosteronkonzentration. Bei Männern ist es umgekehrt: ein niedriger Testosteronspiegel korreliert mit besseren Leistungen.

Das verwirrt immer einige: es sei daher noch einmal darauf verwiesen, dass Männer mit niedrigen Testosteronspiegel immer noch mehr Testosteron haben als Frauen mit hohen Testosteron.

Evolutionär ist die“Konfiguration“ durchaus interessant: es sind dann nicht unbedingt die „Kämpfer“ oder „Anführer“ aber die logischen Erfinder und mechanisch begabten.

Es erklärt vielleicht auch, warum der typische Physiker eher der Nerd als der Jock ist.

Bei dem Test zur Wahrnehmungsgeschwindigkeit (weibliche Domäne) gibt es dagegen keine Korrelation zwischen Hormongehalt und kognitiver Leistung. Der Test zum mathematischen Schlußfolgern wiederum, bei dem Männer besser abschneiden als Frauen, ergibt die besten Leistungen bei Männern mit niedrigem Testosteronspiegel ( siehe Zusatzinfo 2 ). Diese und ähnliche Tests zeigen übrigens auch Unterschiede zwischen homo- und heterosexuellen Männern. Daraus ergibt sich, daß die optimale Testosteronkonzentration für die genannten kognitiven Aspekte offensichtlich ein Prozentsatz ist, der höher als der normale weibliche und niedriger als der normale männliche Spiegel ist.

Es gibt eben nicht eine bestimmte Konstellation, bei der alles ganz besonders gut ist, sondern eben eher verschiedene Ausprägungen die ihre jeweiligen Vorteile haben.

Auch bei Ratten gibt es geschlechtsabhängige Problemlösestrategien; beispielsweise orientieren sich weibliche Ratten genauso wie Frauen mehr an markanten Punkten als an Winkeln und Formen der Gänge im Labyrinth.

Was eben auch bei Menschen in Studien festgestellt worden ist.

Morphologie

Eine andere Möglichkeit zur Feststellung von geschlechtsspezifischen Unterschieden besteht darin, gezielt nur bestimmte Hirngebiete, denen sich eindeutig Funktionen mit geschlechtsspezischen Unterschieden zuordnen lassen, zu untersuchen und zu vergleichen. Dabei fanden sich z.B. Unterschiede in der Gestalt oder Größe bestimmter Nervenzellen. Ein besonders spektakulärer Versuch ist die Transplantation von „Männlichkeit“ auf eine junge weibliche Ratte. Hierbei wird Gewebe desjenigen Hirnareals, welches das Sexualverhalten steuert, von neugeborenen Männchen entnommen und weiblichen Geschwistertieren an Stelle des entsprechenden weiblichen Hirngebietes eingepflanzt. Diese weiblichen Ratten entwickeln dann als Erwachsene ein männliches Kopulationsverhalten. Die ausgetauschten Zentren liegen bei Säugern in relativ kleinen, unscheinbaren Arealen des Diencephalons (im Hypothalamus) und weisen bei Ratten und anderen Nagern geschlechtsspezifische Größenunterschiede auf. Ähnliche Zentren findet man auch bei Vögeln im Vorderhirn (Prosencephalon). Hier sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch ausgeprägter, z.B. für das Hyperstriatum ventrale pars caudale, das im Jahresrhythmus den Balzgesang steuert. Ebenfalls eindeutige Befunde wurden von Gorski (1984) am Nucleus praeopticus medialis (mediales präoptisches Areal) der Ratte erhoben. Dieser Nervenkern des Hypothalamus ist in männlichen Rattengehirnen viermal größer als in weiblichen.

Hier zeigen sich die Mechanismen, die man auch bei Menschen vermutet.

Beim menschlichen Gehirn sind die Beweise für morphologische Unterschiede nicht so eindeutig. Das liegt nicht zuletzt an der komplexen Interaktion von neuronalen und hormonellen Komponenten, die über das limbische System Verhalten und kognitive Fähigkeiten beeinflussen.

Neuropsychologie und Lateralisierung

Die Großhirnrinde als Station des bewußten Erlebens von Sinneseindrücken erweist sich von der Gestalt her als relativ geschlechtsneutral und bilateral symmetrisch. Dieser morphologischen Uniformität stehen funktionelle Asymmetrien der Hirnhälften gegenüber. Viele Forscher meinen, daß besonders die Sprache und das räumliche Vorstellungsvermögen bei Männern stärker als bei Frauen lateralisiert seien (Asymmetrie des Gehirns). Die Pubertät markiert dabei einen wichtigen Punkt der Entwicklung. Bis zu diesem Stadium kann man sich Sprachen allein dadurch aneignen, daß man ihnen ausgesetzt ist, danach muß man sie aktiv erlernen. Untersuchungen über den zeitlichen Verlauf der Lateralisierung, d.h. der Spezialisierung der Hirnhälften (u.a. Links- und Rechtshändigkeit), an hirngeschädigten Kindern zeigten, daß die Fähigkeit zum Spracherwerb und die Lateralisierung gekoppelt sind. Hatten die untersuchten Kinder die Schädigung vor dem Ende des zweiten Lebensjahres erlitten, begannen sie normal zu sprechen, unabhängig davon, welche Hirnhälfte geschädigt war. Diese plastische Fähigkeit ist während der frühkindlichen Entwicklung geschlechtsunabhängig. Bei Erwachsenen treten ausgeprägte Geschlechtsunterschiede nach Hirnverletzungen auf. Sprachstörungen, die die Wortwahl betreffen (Aphasien), finden wir bei Frauen am häufigsten, wenn vordere Teile des Gehirns verletzt sind, bei Männern, wenn hintere Teile beschädigt wurden. Schwierigkeiten, angemessene Handbewegungen auszuführen (Apraxien) zeigen sich bei Frauen nach Läsionen der vorderen linken Hirnhälfte und bei Männern nach Läsion in hinteren Regionen. Dabei scheint der Mann stärker zu einer Spezialisierung seiner Hirnhälften zu neigen als die Frau. Gegensätzliche Ergebnisse erbrachte jedoch wiederum die Untersuchung von Linkshändern. Linkshändigkeit wird auf die geringere Dominanz der linken Hemisphäre zurückgeführt. Es gibt jedoch eindeutig mehr linkshändige Männer als Frauen. Selbst bei Rechtshändern benutzten Frauen die rechte Hand öfter als rechtshändige Männer. Die Geschlechtsunterschiede bei funktionellen Asymmetrien variieren also von Funktion zu Funktion: in einigen Fällen kann man bei der Frau eine stärkere Asymmetrie beobachten, in anderen beim Mann.

Welche Bedeutung hat die unterschiedliche Lateralisierung von Mann und Frau nun für deren Intelligenzquotienten (IQ)? Zur geschlechtsneutralen Bewertung kann der Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene herangezogen werden. Er besteht aus nonverbalen und verbalen Untertests. Als Maß für den IQ berücksichtigt man sowohl die im nichtsprachlichen Teil ermittelten als auch die im sprachlichen Teil bestimmten IQ-Werte. Bei Männern beeinträchtigt z.B. eine Schädigung der linken Hirnhälfte den sprachlichen IQ mehr als den nichtsprachlichen.

Abschließend und zusammenfassend kann festgestellt werden, daß Frau und Mann in den einzelnen kognitiven Fähigkeiten mitunter wesentlich differieren, aber nicht in der Gesamtintelligenz, für die der IQ im übrigen nur ein Bewertungsaspekt unter vielen sein kann.

Lit.: Gorski, R.A.: Sex differences in the rodent brain: Their nature and origin. In: Sex differences in the brain. Eds.: De Vries, DeBruin, Uylings and Corner. Elsevier, Amsterdam-New York-Oxford 1984, pp.37-67. Kimura, D., Harshman, R.A.: Sex differences in brain organization for verbal and nonverbal function. In: Sex differeneces in the brain. Eds.: De Vries, DeBruin, Uylings and Corner. Elsevier, Amsterdam-New York-Oxford 1984, pp.423-439. Springer, S.P., Deutsch, G.: Linkes-rechtes Gehirn: funktionelle Asymmetrien. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1987.

Die Lateralisierung wäre evolutionär ein guter Weg, wie sich auch graduell Unterschiede herausbilden können.

Geschlechtstypische Unterschiede beim Menschen sind im Bereich der Sinneswahrnehmungen gut untersucht: Frauen sind empfindlicher für Berührungen und Gerüche, bemerken schneller Veränderungen in der Anordnung von Objekten; Männer sehen im mittleren Gesichtsfeld besser, unterscheiden mehr Einzelheiten bei bewegten Objekten usw. Auch in komplexeren Verhaltensweisen zeichnen sich Unterschiede ab, auch wenn manche Allgemeingültigkeiten inzwischen angezweifelt werden. Jungen scheinen nicht unbedingt häufiger als Mädchen aggressiv zu sein, vielmehr soll nur die Art variieren, wie die Aggressivität ausgedrückt wird. Jungen bevorzugen die augenfälligeren, körperbetonten Varianten, doch ein wütender Blick, Spott oder verbale Kommentare zeugen ebenso von Aggressivität. Auch die Festlegung der Rangordnung innerhalb gleichgeschlechtlicher Gruppen unterscheidet sich entsprechend. Bereits im frühen Kindergartenalter, sobald also Kinder in Gruppen miteinander zu spielen beginnen, ist bei Jungen die sog. Dominanz-Hierarchie zu finden, bei Mädchen die Geltungs-Hierarchie.

Auch eine schöne Darstellung der Unterschiede. Dominanz-Hierarchie und Geltungshierachie finde ich als Begriffe interessant. Ich denke es geht in Richtung dessen, dass die Frage ist, wer wen inwieweit gelten lässt, ihn also innerhalb der Gemeinschaft anerkennt oder versucht ihm etwas vorzuschreiben oder ihn ausgrenzt.

Diese und andere geschlechtstypischen Verhaltensdispositionen dürften auf der in der menschlichen Stammesgeschichte früh angenommenen arbeitsteiligen Familien- und Gruppenstruktur beruhen. Man geht von der grundlegenden Sicherstellung der Versorgung durch die Sammeltätigkeit der Frauen aus, während die tierische Nahrung vorwiegend durch die Jagd männlicher Gruppenmitglieder herbeigeschafft wurde. An dieser Vorstellung wird in den letzten Jahren jedoch vermehrt Kritik geübt: man nimmt zunehmend an, daß Frauen gleichfalls an der Erbeutung tierischer Nahrung beteiligt waren. Auch die geschlechtsabhängig divergierenden Orientierungsmethoden im Raum – werden Orientierungsmarken entfernt, haben Frauen größere Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, Männer dagegen, wenn die räumlichen Dimensionen verändert werden – werden mit den arbeitsteiligen Aufgaben im Ernährungsbereich zu erklären versucht. Überleben und Fortpflanzung, die unterschiedliche Beteiligung an der Versorgung und den Betreuungsaufgaben des Nachwuchses erforderten demnach im Verlauf der Menschheitsgeschichte im jeweiligen Geschlecht andere soziale Strategien, Eigenschaften und Fertigkeiten, die sich in diesen unterschiedlichen Verhaltensdispositionen niederschlugen.

Die arbeitsteilige Lebensweise ist aus meiner Sicht kaum wegzudiskutieren. Wenn Männer und Frauen nicht verschiedene Arbeiten erledigt hätten, dann gäbe es auch keine körperlichen Unterschiede in diesem Umfang.

In den letzten Jahren belegen auch technisch aufwendige Untersuchungen zur Arbeitsweise des Gehirns geschlechtsabhängige Unterschiede. Männer nutzen z.B. für die Entschlüsselung gelesener Worte oder gesprochener Sprache bevorzugt Teile der linken Hirnhemisphäre, Frauen Areale beider Gehirnseiten. Auch bei mathematischen Aufgaben (die Differenz zwischen den durchschnittlichen mathematischen Leistungen von Mädchen und Jungen vermindert sich in den letzten Jahren immer mehr) und auf Emotionen (wobei ebenfalls morphologische Variationen festgestellt wurden) ausgerichteten Anforderungen weichen die aktiven Gehirnareale voneinander ab. Bei einigen Untersuchungen zeigte sich jedoch auch, daß bei manchen Frauen das Gehirn wie bei den Männern „funktioniert“. Unterschiede bei den gestellten Aufgaben treten meist dann deutlicher hervor, wenn man sehr spezielle Fertigkeiten abfragt. Bei komplexeren Aufgaben, zu deren Bewältigung viele Fähigkeiten erforderlich sind, verringern sich die Unterschiede, falls sie überhaupt nachweisbar sind.

Auch das ist etwas, was häufig zu Studien führt, die geringe Unterschiede aufweisen: Es werden keine konkreten Eigenschaften abgefragt, sondern eine Mischung. Fragt man dabei Eigenschaften ab, bei denen einmal Frauen und einmal Männer besser sind, dann gleicht sich dies in der Statistik aus. Auch bei einer geringen Schwierigkeit kann die Aufgabe weniger durch die Spezialfertigkeit und eher durch allgemeine Intelligenz gelöst werden.

Die Aufschlüsselung geschlechtsabhängiger Eigenschaften mit Hilfe neuer Technologien der Hirnforschung steht noch immer weit am Anfang, zudem ist die untersuchte Probandenzahl aufgrund der aufwendigen Methoden vergleichsweise gering. Endgültige Aussagen über die Ursachen sind nach wie vor nicht möglich. Die Vermutung liegt aber nahe, daß Gründe im variierenden Hormonhaushalt (Hormone) der Geschlechter im Verlauf der Entwicklung zu suchen sind. Hormonveränderungen beeinflussen die Leistungen, das Denken und Fühlen beständig. Tests an Frauen zu verschiedenen Zeiten ihres Menstruationszyklus belegten, daß sie während der Phase hohen Östrogenspiegels in Sprachtests am besten abschnitten, die räumlichen Fähigkeiten jedoch nachließen.

Der Zyklus der Frau ist in der Tat auch für die Forschung interessant, weil man hier bestimmte Wirkungen von Hormonen bei ansonsten gleicher Sozialisation untersuchen kann. Gerade weil bestimmte Eigenschaften steigen und andere fallen ist es auch nicht anzunehmen, dass dies etwa auf Unwohlsein oder besser fühlen zurückzuführen ist.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beruhen sicherlich auch auf der geschlechtsrollenabhängigen Sozialisation. DiePlastizität des Gehirns sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Bereits durch kurzfristige Übungen wird die Art verändert, in der sich das Gehirn organisiert. Entsprechendes ist auch für langfristige Sozialisationserfahrungen zu erwarten. Man geht aber auch davon aus, daß aufgrund der frühen und spontanen Bevorzugung von gleichgeschlechtlichen Interaktions- und Spielpartnern für ein Individuum die Mitglieder des eigenen Geschlechts über attraktivere Verhaltensmuster verfügen, da sie dessen individuellen Neigungen besser entsprechen. Die Orientierung eines Kindes zum eigenen Geschlecht hin verstärkt folglich geschlechtstypische Verhaltensweisen zusätzlich.

Interessanterweise spielen eben CAH-Mädchen dann aufgrund des anderen Hormonspiegels doch lieber mit Jungs. Sie sind eben eher wie diese.

Unterschiede in den Interessen der Geschlechter

Eine Studie bespricht Unterschiede zwischen Männern und Frauen

The magnitude and variability of sex differences in vocational interests were examined in the present meta-analysis for Holland’s (1959, 1997) categories (Realistic, Investigative, Artistic, Social, Enterpris- ing, and Conventional), Prediger’s (1982) Things–People and Data–Ideas dimensions, and the STEM (science, technology, engineering, and mathematics) interest areas. Technical manuals for 47 interest inventories were used, yielding 503,188 respondents. Results showed that men prefer working with things and women prefer working with people, producing a large effect size (d=0.93) on the Things–People dimension. Men showed stronger Realistic (d=0.84) and Investigative (d=0.26) interests, and women showed stronger Artistic (d=0.35), Social (d=0.68), and Conventional (d=0.33) interests. Sex differences favoring men were also found for more specific measures of engineering (d=1.11), science (d=0.36), and mathematics (d=0.34) interests. Average effect sizes varied across interest inventories, ranging from 0.08 to 0.79. The quality of interest inventories, based on professional reputation, was not differentially related to the magnitude of sex differences. Moderators of the effect sizes included interest inventory item development strategy, scoring method, theoretical framework, and sample variables of age and cohort. Application of some item development strategies can substantially reduce sex differences. The present study suggests that interests may play a critical role in gendered occupational choices and gender disparity in the STEM fields.

Das sind teilweise sehr deutliche Unterschiede, gerade im Bereich Sachen-Menschen. hier die Zahlen:

Männer Frauen interessen Dinge Personen

Männer Frauen interessen Dinge Personen

 

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Und hier die weiteren Auswertungen:

Zusammenfassung Interessen Männer Frauen

Zusammenfassung Interessen Männer Frauen

 

Hier sieht man, dass die Unterschiede in den oberen Bereichen immer größer werden und sich im Bereich Things-People nur eine Überlappung von 46,9% ergibt. Es ist insofern wie so meist kein binärer Unterschied, aber dennoch ein sehr deutlicher. In den Top 25% ist die Rate Frauen zu Männer daher relativ gering.

Natürlich ergibt sich hieraus nicht, ob diese Unterschiede Kultur oder Biologie sind oder eine Mischung aus beidem. Es passt aber gut zu der „Extrem male Brain“Theorie oder dem allgemeinen Unterschied zwischen systematischen und empathischen Gehirn

„Das menschliche Gehirnmosaik“: Unterschiede im Gehirn von Mann und Frau

Ich wurde auf eine interessante Studie hingewiesen, welche anscheinend ein sehr gemischtes Bild bezüglich der Frage „männliche und weibliche Gehirne“ wiedergibt:

Whereas a categorical difference in the genitals has always been acknowledged, the question of how far these categories extend into human biology is still not resolved. Documented sex/gender differences in the brain are often taken as support of a sexually dimorphic view of human brains (“female brain” or “male brain”). However, such a distinction would be possible only if sex/gender differences in brain features were highly dimorphic (i.e., little overlap between the forms of these features in males and females) and internally consistent (i.e., a brain has only “male” or only “female” features). Here, analysis of MRIs of more than 1,400 human brains from four datasets reveals extensive overlap between the distributions of females and males for all gray matter, white matter, and connections assessed. Moreover, analyses of internal consistency reveal that brains with features that are consistently at one end of the “maleness-femaleness” continuum are rare. Rather, most brains are comprised of unique “mosaics” of features, some more common in females compared with males, some more common in males compared with females, and some common in both females and males. Our findings are robust across sample, age, type of MRI, and method of analysis. These findings are corroborated by a similar analysis of personality traits, attitudes, interests, and behaviors of more than 5,500 individuals, which reveals that internal consistency is extremely rare. Our study demonstrates that, although there are sex/gender differences in the brain, human brains do not belong to one of two distinct categories: male brain/female brain.

Quelle: Sex beyond the genitalia: The human brain mosaic

Die Studie wird als Rückschlag für die These gesehen, dass es bestimmte Ausrichtungen des Gehirns gibt. Das scheint sie mir aber gar nicht unbedingt geprüft zu haben und insofern teilweise gegen einen Strohmann anzugehen.

Sie scheint geprüft zu haben, wie es an den Extremen aussieht („end of the maleness-femaleness“ continuum“). Insoweit scheint sie der These nach („highly dimorphic“) getestet zu haben, ob eine Binarität vorliegt, die aber so in der gegenwärtigen biologischen Theorie aus meiner Sicht gar nicht vertreten wird.

Die Theorie geht davon aus, dass Normalverteilungen mit sich überlappenden Trägern aber abweichenden Mittelwerten vorliegen. Dazu ein Bild, welches das erläutert:

Effektstärke Männer Frauen

Effektstärke Männer Frauen

Wie man auf der Grafik gut sieht gibt es eine sehr deutliche Überlappung, die bei Unterschieden mit kleineren Effektstärken noch deutlicher ausfällt. Demnach wäre bereits die überprüfte Ausgangsthese nicht die, die gegenwärtig in der Biologie favorisiert wird. Wie man ebenso sieht sind auch hier die Subjekte, die am extremen Ende der Verteilung sind, in der Tat sehr selten. Dennoch bestehen aber deutlich voneinander abweichende Mittelwerte.

Leider bin ich allerdings nicht an den Volltext der Studie gekommen, wenn ihn jemand im Netz findet, dann wäre ich sehr interessiert. Ich habe lediglich dieses Bild, welches wohl der Studie entnommen ist, gefunden:

männliche und weibliche Gehirne

männliche und weibliche Gehirne

„The volumes (green = large, yellow = small) of brain regions in 42 adults, showing the overlap between the forms that brains of females and brains of males can take. Photograph: Image courtesy of Zohar Berman and Daphna Joel“

Leider ist dabei eben nicht zu sehen, wie „Geschlechterrelevant“ die dort überprüften Regionen sind. In dem Artikel heißt es dann:

The researchers drew on MRI scans to look at a host of brain characteristics, from the amount of grey and white matter to the strengths of connections in the brain. Much of the analysis focused on the sizes of different brain parts. While many regions showed a huge overlap between the sexes, the researchers focused on the parts showing the greatest differences, with the least overlap between women and men.

Joel and her team next looked to see how often the form of each of these regions within a single brain was consistently on the end of the distribution where females were more prevalent than males (the “female-end”) or consistently at the other “male-end”. Across the four different sources of brain scans they studied, the scientists found the percentage of “internally consistent brains”, in which all regions were at the male end or all at the female end, varied from zero to 8%, while those with both male-end and female-end features ranged from 23% to 53%.

“We show there are differences, but brains do not come in male and female forms. The differences you see are differences between averages. Each one of us is a unique mosaic,” Joel said.

Sie haben also zunächst festgestellt, dass einige Regionen große Unterschiede und einen kleinen Overlap zwischen den Geschlechtern zeigten.  Sie haben also erst einmal festgestellt, dass es solche Regionen gibt, insoweit also Unterschiede im Schnitt bestehen. Dann haben sie geschaut, ob diese Gehirne sich im „oberen Bereich“ der Geschlechterunterschiede befanden. Wenn man das zuerst verlinkte Bild betrachtet, dann sieht man, dass das Recht wenig aussagt. Denn es kann sich trotzdem ein recht deutlicher Unterschied ergeben.

Wie kann es aber nun sein, dass sich Gehirne sowohl im „männlichen“ als auch im „weiblichen“ Bereich bewegen? Das kann durchaus der Fall sein, wenn zB Frauen etwa bestimmten pränatalen männlichen Hormone in einer hohen Dosis ausgesetzt sind, ansonsten aber zB nach der Geburt und in der Pubertät über ihre Eierstöcke ebenso eine hohe Dosis an Österogenen ausgesetzt sind. ZB haben sehr mathematisch begabte Frauen oft auch gute Sprachfähigkeiten (ich finde gerade den Artikel nicht, ich versuche ihn nachzureichen).

Interessant wäre auch, wie es sich sonst verhält: Wenn es zwar nicht alle Regionen waren, aber zB 90%, die in einer Richtung verliefen, dann wäre das ja auch ein deutlicher Unterschied.

Man müsste sehen, was sie da eigentlich genau überprüft haben und ob die Unterschiede in dem Bereich sich ebenfalls in deutlichen anatomischen Unterschieden niederschlagen.

Auf der Suche nach weiteren Details zur Studie habe ich hier einen Kommentar gefunden:

Larry Cahill, a neuroscientist at the University of California, Irvine, who didn’t participate in the new study, said he agreed that brains contain varying mixtures of male and female anatomical traits. But that doesn’t rule out differences in how the brains of the two sexes work, he said.

There’s „a mountain of evidence proving the importance of sex influences at all levels of mammalian brainfunction,“ he said.

That work shows how much sex must matter, „even when we are not clear exactly how,“ he said in an email.

Das würde ich durchaus auch so sehen.

Ein anderer Kommentar:

So let me get this straight, you are somehow scanning these brains and colouring regions depending on features or lack of features or sizes or something and you expect that to prove that the male and the female brains aren’t different in any ways? All you’ve done is shown that there is overlap in the features or lack of features or sizes of those aspects of the brain that you are measuring, you have not shown this for all possible features or lack of features or some other things none of us have thought up yet. Good grief.

Das Problem ist eben: Aus dem Nachweis, dass es bestimmte Unterschiede nicht gibt folgt nicht, dass es keine Unterschiede gibt.

Ich finde einen Vergleich der Regionen die Extrem sind hier gar nicht so relevant. Das kann durchaus an individuellen Unterschieden liegen. Interessant ist eher, ob sich dennoch deutliche Unterschiede im Schnitt zeigen.

Studien, die nicht auf das Ende des Spektrum, sondern eher auf generelle Unterschiede geprüft haben, haben da durchaus deutliche Unterschiede gefunden:

Rangausbildung und Dominanz bei Mädchen / Frauen und prosoziale Dominanz

Im Rahmen der gestrigen Diskusssion bin ich noch einmal auf dieses Passage aus einem Vortrag von Doris Bischof Köhler gestoßen:

Mädchen gehen eher indirekt vor. Sie suchen bei anderen Mädchen Anerkennung, die sie entweder erhalten oder die ihnen verweigert wird. Aggression äußert sich kaum brachial, sondern vor allem als sogenannte Beziehungsaggression, die im Wesentlichen auf soziale Ausgrenzung abzielt. Zwei reden beispielsweise abfällig über eine dritte oder ein Mädchen droht einem anderen Mädchen an, es nicht mehr mitspielen zu lassen oder es nicht zum Geburtstag einzuladen, um so seinen Willen durchzusetzen. Typisch für Mädchen mit Ranganspruch ist ferner, daß sie sich um das seelische Wohlbefinden der anderen kümmern, sie also im Fall von Kummer zu trösten suchen. Dieses Sich-kümmern kann schnell einmal die Form ungefragter Ratschläge annehmen. Die Psychologie spricht hier von “prosozialer Dominanz”, wobei es sich um eine Mischung aus Besorgtheit einerseits und Bevormundung andererseits handelt. Schon kleine Mädchen im Kindergarten erklären anderen gern, was gut für sie ist und was sie machen dürfen und was nicht.

Da hätten wir im Vordergrund die Suche nach Anerkennung und dann die Mittel, wie man diese im Hierachiekampf einsetzt. Dabei steht soziale Ausgrenzung relativ weit oben. Diese erfolgt entweder, indem man diejenige von Aktivitäten ausschließt oder sie bei anderen hinabsetzt.

Eine hohe Stufe des Rangs ergibt sich dann daraus, dass man diejenige nicht mehr von Aktivitäten ausschließen kann, sondern sie bestimmt, wie bestimmte Sachen durchgeführt werden, man sich also nach ihr richten soll.

Irgendwie erinnert mich das etwas an die Grundlagen von IDPOL und dem Genderfeminismus. Jede versucht nach Möglichkeit in der Gruppe anerkannt zu werden und hat Nagst vor Ausgrenzung. Zudem versucht man sich in eine Position zu bewegen, wo der Ausschluss von einem selbst negativ auf den Ausschließenden zurückfällt, eben indem man eh schon Opfer ist.

Eine tiefergreifende Kritik ist in dem Fall eine „Nichtanerkennung“ und wird daher vermieden, sofern man nicht meint, die nötige „prosoziale Dominanz“ zu haben, um den anderen mit einer Mischung aus Besorgtheit und Bevormundung behandeln zu können. Ich zitiere dazu mal aus dem Text, der der Mädchenmannschaft Förderung der Rape Culture vorwarf:

Wir sind es von Maskulisten, Antifeministen und anderen Frauenfeinden gewöhnt, dass sie die Grenze zwischen gewolltem und erzwungenem Sex aufzuheben oder zu verwischen versuchen. Und leider ist das auch im Alltagsdenken noch ziemlich stark verankert. Dagegen versuchen Feministinnen üblicherweise anzugehen. Wir als Initiative machen das zum Beispiel mit unserem Medienradar. Jetzt ist allerdings die Mädchenmannschaft in diesen Radar geraten und wir müssen leider innerfeministische Aufklärungsarbeit leisten (…)

Gewalttaten als akzeptable Handlung darzustellen gehört zum Alltagsinstrumentarium des Patriarchats, um männliche Herrschaft und Machtmißbrauch zu kaschieren und zu normalisieren. Aus patriarchaler Perspektive ja auch völlig verständlich. Nur wie kommt ein bekannter feministischer Blog, der normalerweise ambitioniert und tiefgreifend gegen jegliche Diskriminierung und Machtmißbrauch anschreibt, dazu, solcherart zu argumentieren? Das bleibt eine offene und ziemlich verwirrende Frage. Wir sind allerdings weniger an einer Antwort darauf interessiert, sondern vielmehr daran, dass diese unsägliche Verharmlosung aus der Linksammlung der Mädchenmannschaft verschwindet.

Da wird bevormundend die richtige Vorgehensweise erklärt und Besorgnis in den Raum geworfen, dass die Mädchenmannschaft vom rechten Weg abgekommen ist, auf den die Störenfriedas sie zurückführen wollen.
Die Mädchenmannschaft reagiert mit ignorieren und ausblenden der Kritik einschließlich schließen der Kommentare. Keine Anerkennung für die Störenfriedas.

Neuer Peter schrieb hier einmal in einem Kommentar zu verschiedenen Gesprächsstilen:

  • Die Feministen reden über Alltagserfahrungen und sind frustriert, wenn die Maskulisten auf dieser Grundlage stets eine Grundsatzdiskussion führen wollen und eine Positionierung zur feministischen Theorie verlangen. Aus ihrer Sicht muss das wie eine Verharmlosung dieser Erfahrungen, wie ein eristrisches Derailing wirken.
  • Die Maskulisten reden über theoretische Grundlagen, über politische Strukturen und über biologische Dispositionen. Und sind frustriert, weil sie es mit einem Gegenüber zu tun haben, der sich schlicht weigert, sich zu irgendeinem wie auch immer gearteten Standpunkt zu bekennen. Aus ihrer Sicht kommt ihnen das Gespräch vor wie ein unredliches Katz-und-Maus-Spiel, ein immerwährendes Spiel des moving target.

Wenn man davon ausgeht, dass in Diskussionen unter Frauen die Anerkennung eine wichtigere Rolle spielt als der Spaß an der Auseinandersetzung, der Wettstreit der Ideen, dann wäre es verständlicher, wenn es häufig kracht. Mit der Nichtanerkennung der feministischen Positionen lehnt man dann aus dieser Sicht gleich die Person ab und grenzt aus bzw. würde diejenige zwingen sich selbst aus der „feministischen Gemeinschaft“ auszugrenzen.

Abgesehen davon finde ich den Gedanken interessant, dass über das „Sich um jemanden kümmern“ ein Machtanspruch bzw. ein Rangplatz erkämpft wird.

Das rückt das Mädchen, welches eine Teeparty mit ihren Puppen macht, in der sie all diese Rollen spielt und sich um sie kümmert, in ein anderes Licht. Sie fantasiert sich insofern einen Freundeskreis, indem sie sich um alle kümmern und ihnen etwas vorschreiben kann, also eine Position mit hohem Rang.

Und auch eine Prinzessin ist damit als Wunschfigur gut verständlich, denn auch hier hat man eine hohe Position aus der heraus man „prosoziale Dominanz“ entwickeln kann.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum „Mansplaining“ so kritisch gesehen wird. Es ist ja eine Form der „prosozialen Dominanz“ bei der man bevormundend auftritt um dem anderen zu helfen, also in gewisser Weise Rangspiele betreibt.

Möglicherweise sehe ich gerade etwas viel prosoziale Dominanz in allen Bereichen, weil ich es als Konzept interessant finde und es neue Betrachtungen intrasexueller Konkurrenz unter Frauen bietet.

Prosoziale Dominanz kann natürlich auch positiv eingesetzt werden, wenn man die richtige Balance zwischen dem Wohl der anderen und der eigenen Kompetenz erkennt und daraus ein gewisses Selbstvertrauen ableitet. Allerdings klingt „prosoziale Dominanz“ auch gleich wieder ganz anders als etwa „Fürsorglichkeit“, als die sie gerne in Erscheinung treten will.

Ich werde es jedenfalls mal im Auge behalten.