Meine Retraditionalisierung in der Corona-Krise

Momentan tritt bei uns eine starke „Retraditionalisierung“ ein. Südländerin ist schon im Mutterschutz und betreut Fräulein Schmidt an den Tagen, in denen diese nicht in die Kita kann (sie haben einen etwas eingeschränkten Betrieb). Sie kocht auch üblicherweise dann und ich komme in der Mittagspause für eine Stunde oder 45 Minuten nach Hause. Wenn es passt hole ich vorher Fräulein Schmidt aus der Kita ab. Ich esse schnell etwas, spiele etwas mit dem gegenwärtig noch süßesten Kind der Welt und verschwinde dann wieder zur Arbeit.

Das ist insbesondere schön, weil ich die Kleine sonst quasi nur morgens sehe, abens schläft sie üblicherweise schon, wenn ich komme. Sie freut sich dann immer riesig und fragt Mama schon, wann ich endlich komme bzw ist enttäuscht, wenn die Mama sie von der Kita abholt.

Es macht Spaß, auch wenn sie mich dann meist etwas belagert und es eigentlich gar nicht mag, wenn ich zu lange esse. Sie weiß ja, dass ich dann bald wieder los muss.

Erst einmal wird Südländerin nach der Geburt des Kindes (wir brauchen dringend einen Blognamen, Junger Schmidt, was ja das Gegenstück zu Fräulein wäre, klingt bescheuert. Jüngling Schmidt wie hier vorgeschlagen klingt auch etwas merkwürdig. Hat jemand eine gute Idee?) ein Jahr aussetzen, insofern könnte mir der Mittagsstisch noch etwas erhalten bleiben. Aber wenn sie wieder arbeitet, dann wird es natürlich schwierig. Vielleicht schaffe ich es dann noch schnell etwas zu kochen und wir „enttraditionalisieren“ in der Hinsicht etwas.

Aber die Mittagspause zuhause zu verbringen und die Kinder dann auch etwas mehr zu sehen ist schon ein toller Luxus.

 

Zweisprachige Erziehung

Wir versuchen Fräulein Schmidt zweisprachig zu erziehen. Ich rede mit ihr Deutsch und Südländerin südländisch. Gemeinsam reden wir in Ermangelung von Südländischkenntnissen bei mir deutsch. Wir hoffen, dass sie südländisch nachher wenigstens versteht und einigermaßen sprechen kann, es wäre auch für ihre Verwandten schön, die kein Deutsch und nicht alle englisch sprechen, aber auch ansonsten schadet eine weitere Sprache ja nichts.

Jetzt plappert sie schon ziemlich und man merkt wie gerade in den letzten Wochen ihre Sprachfähigkeiten noch mal einen Sprung gemacht haben und sie viel mehr nachspricht als vorher und vielmehr neue Worte aufschnappt. Das meiste ist natürlich deutsch, einfach weil das die Sprache um sie herum ist und sonst ja keiner südländisch mit ihr spricht. Ein paar Worte sagt sie auch auf südländisch.

Ich glaube auch, dass das für ein Kind eine wunderbare Sache ist, schließlich lernt man gerade in diesem Alter Sprachen wie von selbst und Forschung besagt auch, dass Kinder in dem Alter noch eigene Sprachzentren für jede Sprache anlegen während sie das später nicht mehr machen. Der einfache Spracherwerb ist eben eine vorübergehendes biologisches Zeitfenster, dass man nutzen sollte.

Insofern kann ich auch jede Familie verstehen, die es ebenso macht und das Zeitfenster nutzt.
Gerade war allerdings auch eine Debatte auf Twitter, die sich mit Zweisprachigkeit beschäftigte und von der ich mal einen Tweet stellvertretend herausgreifen möchte:

Nun ist Englisch sicherlich praktischer als türkisch, aber das ist ja letztendlich nicht der Grund.
Ich vermute, dass die Frage, wie man es bewertet, in gewisser Weise eine „Klassenfrage“ ist und auch ganz wesentlich davon abhängt, inwieweit in dem Elternhaus zusätzlich noch Deutsch gesprochen werden kann.

Bei Engländern oder Amerikanern wird man eher davon ausgehen, dass sie sich nicht in eine englischsprachige Gesellschaft zurückziehen können, vielleicht abgesehen von bestimmten Städten, sondern eher noch deutsch lernen müssen und die Sprache dann beherrschen. Das um so eher, wenn auch das Bildungsniveau höher ist.
Bei türkisch hingegen kennt man eben genug Türken, bei denen zB die Mutter nie deutsch lernt und sich im wesentlichen unter Türken bewegt oder auch der Vater eher ein rudimentäres Deutsch spricht. Und das hat natürlich für das Kind erhebliche Nachteile, schon weil man es dann nicht bei Hausarbeiten unterstützen kann, es eher keine deutschen Bücher vorfindet etc. Man befürchtet also in diesem Fall geringere Fördermöglichkeiten als dies bei englischsprachigen Eltern der Fall ist. Das kann natürlich ein Vorurteil sein, aber das ist ja bei den wenigen Informationen, die hier bereit gestellt werden, auch kaum anders möglich.

Sind diese Vorurteile dann rassistisch? Aus meiner Sicht nur, wenn man davon ausgeht, dass es für Türken immer schlecht ist  und man nicht differenzieren kann. Ich vermute, dass bereits der Zusatz „Beide Eltern sprechen gutes deutsch, wollen aber, dass ihr Kind auch die weitere Sprache lernt“ die Situation bei jeder Sprache stark entspannt.

Beziehungen

Ich fühle mich wohl in meiner Beziehung. Wir stützen und ergänzen uns gegenseitig, sie setzt sich für mich ein und ich mich für sie. Ich kenne sie inzwischen so gut, dass ich vieles über sie voraussagen kann und sie natürlich auch über mich. Es ist schön zu ihr nach Hause zu kommen und mit ihr ist es nicht langweilig. Sie hat ihre Eigenarten und ich die meinen und sicherlich ist bei uns beiden nicht alles perfekt, aber es klappt. Wir müssen nicht alles zusammen machen, wir können auch gut mal etwas ohne den anderen machen, aber das allermeiste machen wir zusammen.

Natürlich streiten wir uns auch mal oder haben andere Vorstellungen von bestimmten Punkten, aber das ist nicht von langer Dauer.

Ich habe nicht das Gefühl, dass einer den anderen ausnutzt, in vielen Bereichen sind Aufgaben klar verteilt, teilweise sehr klischeehaft: Sie würde nie etwas reparieren. Dafür putzt sie mehr als ich. Ich repariere dafür gerne, putze aber weniger gerne.

Es sind viele Kleinigkeiten, die das Leben zusammen schön machen.

Natürlich weiß ich auch, dass viele schon so sehr schöne Beziehungen gehabt haben, die dann gescheitert sind. Aber was wäre das Leben, wenn man sich davon von einer Beziehung abhalten lässt?

Es ist kein großer Text über die perfekte Beziehung, es ist einfach etwas, was für mich passt und hoffentlich auch weiterhin passen wird. Die perfekte Beziehung wird es auch nicht geben, jeder muss das für sich passende finde.

Heute haben wir einen Beziehungsjahrestag. Ich freue mich auf viele weitere

Siehe auch:

 

 

 

Beziehungen und eine Bar voller Flirtender und Feiernder

Südländerin und Ich sind im Urlaub mit ein paar Freunden aus. Eine Bar mit DJ, es wird getrunken, getanzt und geflirtet. Wir haben uns mit einigen Freundinnen von Südländerin verabredet, die teilweise Single sind und sich da etwas umschauen wollen.

Das Barpublikum ist schick, Studenten vielleicht. Um mich herum wogt die Menge, es flirt geflirtet und getanzt, es werden Freunde getroffen und auch unsere Mädels werden immer wieder mal von Jungs angesprochen, die sie kennen oder nicht kennen.

Ich beobachte das Geschehen etwas. Ich verstehe nichts, es ist auch zu laut in der Bar. Aber man sieht trotzdem die einzelnen Muster, der coole Kerl, der der Mittelpunkt der Gruppe ist, bestimmte Mädchen, die etwas lauter über seine Witze lachen als andere, wie sein Interesse auch auf bestimmte Personen gerichtet ist, wie andere in der Gruppe dennoch die Aufmerksamkeit wieder auf sich lenken wollen. Man sieht, wie neue hübsche Mädels, die die Bar betreten, kritisch geprüft werden und Interesse auf sich ziehen. Kontaktversuche werden unternommen und scheitern, man fängt sich wieder und geht erst einmal mit den Freunden einen trinken. Eine Gruppe von Mädels schirmt sich gegen den Rest ab und tanzt für sich, anscheinend feiern sie etwas. Die Masse wandert um einen herum, in verschiedensten Konstellationen und mit verschiedensten Beschäftigungen.

Vermisse ich das? Dieses in einer Bar sein und mit Frauen flirten? Natürlich finde ich die bezaubernde sportliche 22jährige mit ihrem kurzen Partykleid ansprechend und hätte nichts dagegen mit einer wie ihr zu schlafen. So viel Ehrlichkeit muss sein. Aber ich bin viel zu satt dafür, ich müsste an diesem Ort meine Stimmung, mein Energielevel um 100% nach oben drehen, damit es bei einer für mich interessanten Aussicht auf Erfolg hat und ich bräuchte immer noch erhebliches Glück. Mich in diese Partymenge zu mischen und etwas erreichen zu wollen, es wäre schlicht Arbeit, auf die ich keine Lust hätte. Es wäre mir den Aufwand nicht wert.

Ich möchte lieber hier noch etwas bleiben, ein paar Gespräche mit Freunden in einer ruhigeren Ecke führen, den Leuten zuschauen. Und mich dann nicht zu spät mit Südländerin auf den Weg zurück machen und das Feld den Singles überlassen. Vielleicht schauen wir noch vor dem Schlafengehen etwas in die Wiederholung von irgendeiner Show rein und werden morgens wie immer zusammen aufwachen.

Eine wunderschöne Frau nehme ich in jedem Fall mit nach Hause und auch noch eine, mit der ich mich wohlfühle und für die ich keine Show machen muss. Und in dieser Beständigkeit fühle ich mich wohl.

Ich lege den Arm um Südländerin und ziehe sie zu mir ran. Wir küssen uns. Und ich bin glücklich.

 

Kurze Haare bei Frauen

Ich bin mit Südländerin und einer Freundin von ihr sowie deren Freund in einer Kneipe. Südländerin war gerade beim Friseur gewesen und nachdem man sich darüber ausgetauscht hat, dass alles gut aussieht, kommt das Thema auf Frisuren.

Durch meine Unterhaltung mit dem Freund über dies und das filtere ich aus deren Gespräch ein „Ich würde mir meine Haare gern kurz schneiden!“ ihrer Freundin heraus. Südländerin lacht als sie meinen folgenden kritischen Blick sieht. „Keine schlechte Idee!“ sagt sie, weil sie weiß, dass ich es eine fürchterliche Idee finde „sollte ich mir auch überlegen“ und grinst fröhlich. Ich werfe ihr einen gespielt bösen Blick zurück, dann frage ich die Freundin „Was meinst du denn mit kurz? So schulterlang?“ Sie hat recht schönes Haar, es geht bis zwei Hand breit unter ihre Schultern. „Nein, schon so bis zum Kinn“ teilt sie mit „wobei ich ganz früher auch so richtig kurze Haare hatte, ein paar Millimeter“. Ich schaudere und blicke spielerisch besorgt zu ihrem Freund.

„Ich mag kurze Haare“ sagt er „habe ich gar nichts gegen!“ Ich verkneife mir ein „Verräter“. Wobei „bis zum Kinn“ ja auch noch gehen kann. Die Freundin fragt „Meinst du Frauen mit kurzen Haaren können nicht gut aussehen?“ „Doch, sehr schönen Frauen kann es stehen, aber auch die würden mit langen Haaren besser aussehen“. Irgendwo, ich meine bei Heartiste, hatte ich gerade gelesen, dass kurze Haare bei schönen Frauen evtl nach dem Handicap-Prinzip funktionieren könnten: ich bin so schön, ich kann mir sogar kurze Haare erlauben.

„Es ist aber auch echt viel Arbeit“ sagt die Freundin. „Man muss sie immer waschen und dann auch morgens föhnen, sonst stehen sie wild ab, da geht so viel Zeit für drauf, und jetzt mit der Arbeit muss ich immer früh raus. Es war so praktisch mit kurzen Haaren!“.

Das kann ich als Argument immerhin verstehen. Südländerin findet es auch sehr logisch. Ich stimme zu, dass sie ihre Haare am besten ganz abrasiert. Agree and amplify ist immer ein gutes Mittel. Wir scherzen noch etwas über diverse Frisuren, die Gefahr scheint gebannt, so dass meine Gedanken zum evolutionären Wert von Haaren als Langzeitinformationsspeicher über Ernährung etc abdriften können. Von dort komme ich gedanklich zu einem neulich  bei „Return of Kings“ erschienen und dann viral durchgestarteten Artikel zu Frauen mit kurzen Haaren. „Damaged“ ist da aus meiner Sicht etwas viel gesagt, auch wenn sicherlich Frauen mit 9 Millimeter Frisuren aus meiner Sicht wahrscheinlichere Kandidaten für einige seelische Probleme sind.

Haare können einfach ein zu offensichtlicher Schönheitsfaktor sein, um sie als Frau nicht zu nutzen.

Verstehen, was sie meint

Südländerin meint, ich habe etwas falsch gemacht. Zuwenig Aufmerksamkeit gegeben (der Blog kostet eben zu viel Zeit). Sie schmollt etwas, dreht sich auf dem Bett weg.

„Komm her“, sage ich, und lade sie zum Kuscheln ein.

„Nein“ Klingt es trotzig herüber.

Ich ziehe sie zu mir rüber, sie grummelt noch kurz etwas, dann kuschelt sie sich an mich.

„Ich hatte aber Nein gesagt“ schmollt sie dennoch noch etwas.

„So seid ihr Frauen, sagt Nein und meint Ja“ ziehe ich sie etwas auf.

Sie erwidert: „Das ist doch gar nicht kompliziert. Wir wollen einen Freund der versteht, was wir meinen, auch wenn wir es nicht sagen“

Frauen aufs Podest stellen und nette Männer

Südländerin wird von einem ehemaligen Freund, mit dem sie gegen Ende der Schulzeit zusammen war, über Facebook angeschrieben.

Er versichert ihr, dass sie die Nachricht auch einfach löschen könne, aber es müsse einfach aus ihm raus:

Sie sei die Liebe seines Lebens, das sei ihm jetzt bewußt geworden, alle anderen Frauen seien nichts gegen sie . Dass es damals nicht mit ihnen geklappt habe sei eine Tragödie, er stelle sich heute noch vor, wie es wäre, er mit ihr zusammen wäre, er würde davon träumen, dass sie zurück nach Südland zieht, er wolle sie versorgen, sie könnten eine Familie sein und Kinder bekommen und er würde sie verehren bis an sein Lebensende.

Ich bin etwas überrascht, ich habe ihn sogar einmal bei einem Besuch in Südland kurz gesehen, er sieht aus wie ein klassischer Südlandmacho. Mit diesem Südländer-Drei-Tages-Bart, sportlich, stilvoll gekleidet. Ich ziehe Südländerin etwas auf, dass er doch eine gute Partie wäre. _Verehren_ bis an sein Lebensende. Vollversorgung. Das ist doch mal ein Angebot.

Sie lacht. Schreibt ihm eine Mail, dass es nichts wird. Selbst wenn sie nicht vergeben wäre. Aber sie wünscht ihm alles Gute und eine Frau, die ihn glücklich macht.

Ich frage sie, wie es kommt, dass er gerade ihr so nachtrauert. Er würde doch bestimmt bei Frauen ganz gut ankommen, so wie ich ihn in Erinnerung habe. ich verstehe schon, dass man gerade Freundinnen, die einen verlassen haben und gerade auch die ersten Freundinnen gerne idealisiert, weil es noch die am leichtesten zu verklärenden Beziehungen sind, in ihrer Unschuld und Unerfahrenheit. Aber das sind ja immerhin starke Worte aus dem Nichts und nach langer Zeit.

„Er hat Pech mit Frauen, seine Beziehungen halten alle nicht, nach einem halben Jahr sind die Frauen weg“. „Hast du ihn für andere Frauen verdorben?“

„Nein,  es liegt an ihm, deswegen habe ich auch irgendwann Schluss gemacht. Er war einfach zu nett. Er macht immer alles, was man ihm sagt. Es ist zu langweilig mit ihm“