„Strukturelle und institutionalisierte Diskriminierung von Männer gibt es nicht“ vs „Die Strukturen des Patriarchats benachteiligen auch Männer“

Die Definition von Diskriminierung weicht im intersektionalen Feminismus bekanntlich von den ansonsten üblichen Theorien ab.

Wo ansonsten eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes ausreichen würde, etwa in Art. 3 GG,  will der Feminismus üblicherweise eine „institutionelle bzw strukturelle Benachteiligung“.

Denn nur dann könne eine Gruppe benachteiligt werden, weil eben diese institutionellen und strukturellen Benachteiligungen die Beeinträchtigungen darstellen, die die Diskriminierung ausmachen.

Solche könnten aber beim Mann nicht bestehen, da die Gruppe Mann ja die Macht habe und damit keine institutionellen und strukturellen Nachteile für diese per Definition bestehen können.

Gleichzeitig führt man im Feminismus auch gerne aus, dass das Patriarchat auch Männern schadet. Seine Strukturen würden letztendlich nur bestimmten Männern zugute kommen und alle anderen Männern in für sie schädlichen Geschlechterrollen gefangen halten. Deswegen sei es auch im Interesse der Männer, dass Patriarchat zu stürzen.

Theoretisch belegen sie damit selbst die für Männer nachteiligten institutionellen und strukturellen Beeinträchtigungen. Diese werden dann eben – wenn man der Theorie folgt – von den „mächtigen Männern“ oder den „hauptsächlichen Nutznießern des Patriarchats“ errichtet und die allermeisten Männer wären diesen Strukturen ebenso ausgesetzt wie die allermeisten Frauen auch. Damit wären sie eben Opfer einer institutionellen und strukturellen Benachteiligung und damit diskrimiert.

Folge wäre, dass man ihnen alle „Opferrechte“ zugestehen müsste, ihnen zuhören müsste, aktiv daran arbeiten müsste, dass die Benachteiligungen verschwinden und seine eigenen Privilegien auf dem Gebiet hinterfragen müsste.
Was man im Feminismus niemals zugestehen würde, weil es die Regel durchbricht, dass bei jeder Kategorie, in der eine Diskriminierung stattfinden kann, eine Seite der Unterdrücker sein muss, weil er Macht hat und zwar in allen Bereichen, die diese Kategorie betreffen, und die andere Seite das Opfer sein muss, weil sie keine Macht haben, und zwar in keinem.

Mich würde dennoch interessieren, wie sie auf den Vorhalt, dass ja Männer und Frauen das Patriarchat stützen können und das die Strukturen bereitstellt, unter denen Männer diskriminiert sein können, reagieren werden.

Eine Möglichkeit wäre natürlich strikt darauf zu verweisen, dass es dabei bleibt, dass Frauen als Gruppe keine Macht haben und Männer erst ihre Macht abgeben müssen, damit sie Opfer sein können.

Worauf man dann erwidern könnte, dass dann ja ein perfekter feministischer Ally theoretisch als Mann diskriminiert sein könnte.

Die andere wäre etwas vager darauf abzustellen, dass es eben selbstverschuldete Probleme sind und die Männer darauf nicht abstellen können. Was den Gegeneinwand erlaubt, dass ja dann alle Männer tatsächlich nach ihrer Auffassung schuldig sein müssten, was schön noch mal deutlich macht, dass der Feminismus einseitig eine Gruppenschuld frei von jeder Individualität vertritt.

vgl auch:

Formen der Diskriminierung

Dummerjan schreibt in einem Kommentar:

Es erscheint mir daher vernünftig einmal einige Diskriminierungsbegriffe zu sammeln und zu formulieren.

Ich fange mal mit dem einfachsten an:

Ökonomische Diskriminierung (nach Gary Becker):

Eine Gruppe von Menschen diskriminiert eine andere, wenn sie direkt oder indirekt Einkommens- oder Nutzenverluste in Kauf nimmt, um den Kontakt mit dieser Menschengruppe zu vermeiden oder zu minimieren. Entsprechende Zahlungen/Nutzenverluste um mit dieser Menschengruppe in Kontakt zu treten nennt man Paternalisierung.

Die Gruppe mit denen der Kontakt vermieden werden soll, nennt man “ökonomisch diskriminiert”, die Kontakt vermeidende Gruppe “diskriminierend”.

Statistische Diskriminierung:

Eine Menschengruppe wird “statistisch diskriminiert”, wenn bei dieser unabhängig von deren Anstrengungsniveau immer das Entlohnungsschema gewählt wird, dass das minimale Anstrengungsniveau entlohnt.

Rechtliche Dskriminierung:

Rechtliche Diskriminierung liegt vor, wenn eine Menschengruppe rechtlich anders behandelt wird als eine andere, und diese Ungleichbehandlung unabhängig vom rechtlichen Inhalt erfolgt, bzw. nicht rechtlich oder inhaltlich kausal begründet ist.

Institutionelle Diskriminierung:
?

Strukturelle Diskriminierung:
?

Ich ergänze mal die unteren beiden nach der Wikipedia:

Institutionelle Diskriminierung:

Als Institutionelle Diskriminierung werden in der politischen Theorie gesellschaftliche Phänomene bezeichnet, denen zugleich diskriminierender und institutioneller Charakter zugeschrieben wird. Sie wird verstanden als Ergebnis von organisatorischem Handeln in einem Netzwerk gesellschaftlicher Institutionen. Der potentielle Ort institutioneller Diskriminierung wird in den formalen Rechten, den organisatorischen Strukturen, Programmen und Routinen von Institutionen ausgemacht.

Im Macpherson-Report wird institutioneller Rassismus definiert als das „kollektive Versagen einer Organisation, angemessene und professionelle Dienstleistungen für Personen wegen ihrer Hautfarbe, Kultur oder ethnischen Herkunft anzubieten. Dies kann in Entwicklungen gesehen oder festgestellt werden. Abwertende Einstellungen und Handlungsweisen tragen zur Diskriminierung und der Benachteiligung Angehöriger ethnischer Minderheiten bei. Dies erfolgt unwissentlich durch Vorurteile, Ignoranz, Gedankenlosigkeit und rassistische Stereotypisierungen.“ [Macpherson-Report 1999] Beachtenswert an dieser Definition ist, dass nicht nur offen diskriminierende/rassistische Handlungen als solche benannt werden, sondern das gemeinschaftliche Handeln von Institutionsmitarbeitenden gegenüber ethnischen Minderheiten in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wird. Gibt es generell benachteiligende und unprofessionelle Handlungspraxen gegenüber Minderheitenangehörigen, handelt es sich nach dieser Definition um institutionellen Rassismus. In einigen Punkten ist Macphersons Definition ergänzungsbedürftig: Diskriminierungen können nicht nur unbeabsichtigt und unbewusst, sondern auch durch bewusste, wissentliche Ausgrenzungen, Vorurteile und Ignoranz erfolgen. Das kollektive Versagen erfolgt nicht WEGEN der ‚Hautfarbe‘, ‚Kultur‘ oder ‚ethnischen Herkunft‘, sondern aufgrund der Konstruktion und Abwertung von Gruppen und den damit verbundenen Handlungen.

Nicht das Nicht-Beachten der ‚Hautfarbe‘ kann das Ziel von Antidiskriminierung sein, sondern eine Veränderung der Einteilungsmuster, Zuschreibungen und Wertungen, die auf bestimmte Hautfarben und Physiognomien zielen sowie die damit verbundenen Ausgrenzungshandlungen und -mechanismen. Außerdem können Diskriminierungen nicht nur durch das unprofessionelle Handeln von Mitarbeitenden erfolgen, sondern auch durch die professionelle Umsetzung von diskriminierenden Gesetzen, Erlassen, Verordnungen und (Zugangs-)Regeln. Unklar bleibt auch, unter welchen Kriterien von Institutionenmitarbeitenden mehrfach ausgeübte ausgrenzende Handlungen gegenüber ethnisierten oder rassialisierten Personen als kollektiv zu bezeichnen sind.

Unter diesen Gesichtspunkten schlägt Claus Melter eine neue Definition von institutionellem Rassismus vor: „Institutioneller Rassismus in Deutschland ist von Institutionen/Organisationen (durch Gesetze, Erlasse, Verordnungen und Zugangsregeln sowie Arbeitsweisen, Verfahrensregelungen und Prozessabläufe) oder durch systematisch von Mitarbeitern der Institutionen/Organisationen ausgeübtes oder zugelassenes ausgrenzendes, benachteiligendes oder unangemessenes und somit unprofessionelles Handeln gegenbüer ethnisierten, rassialisierten, kulturalisierten Personen oder Angehörigen religiöser Gruppen sowie gegenüber so definierten ‚Nicht-Deutschen‘ oder Nicht-Christen.

Strukturelle Diskriminierung:

Als Strukturelle Diskriminierung werden die Formen von Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft immanent begründet liegen, bezeichnet. Das Gegenstück zu Struktureller Diskriminierung stellt die Interaktionelle Diskriminierung dar.

Ausgangspunkt sind Normen und Regeln, die für alle Gesellschaftsteile gleichermaßen gelten. Sie ziehen strukturelle Diskriminierung nach sich, wenn durch ihre Anwendung in Form von Haltungen oder Handlungen gesellschaftliche Teilgruppen gravierender Ungleichbehandlung ausgesetzt sind. Die Psychologin Ute Osterkamp stellt beispielsweise für den Rassismus fest, „dass rassistische Denk- und Handlungsweisen nicht Sache der persönlichen Einstellungen von Individuen, sondern in der Organisation des gesellschaftlichen Miteinanders verortet sind, welche die Angehörigen der eigenen Gruppe systematisch gegenüber den Nicht-Dazugehörigen privilegieren“. Strukturelle Diskriminierung beruht auf eingespielten und dauerhaften, oft formalisierten und explizit geregelten institutionellen Praktiken.

Was ist Unterdrückung, speziell in Bezug auf Mann und Frau?

Auf Geschlechterallerlei wurde in zwei Artikeln, nämlich „Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten“ und „Was ist eigentlich Unterdrückung?“ verschiedene Fragen rund um das Thema „wann kann man von Unterdrückung sprechen?“ diskutiert.

Im ersten Artikel ging es darum, dass häufig bestimmten Vorteilen eines Geschlechts auch bestimmte Nachteile gegenüberstanden, beispielsweise eben dem Wahlrecht die Pflicht zur Not für das Land zu kämpfen etc. Eine klare Unterdrückungslage, bei der man davon ausgehen konnte, dass einer alle Vorteile und der andere alle Nachteile hatte, läge demnach nicht vor.

Im zweiten Artikel ging es um eine Definiton der Unterdrückung. Dort heißt es:

 Für mich bedeutet Unterdrückung:

  1. eine rechtliche Schlechterstellung
  2. ohne einen rechtfertigenden Grund

NICHT zwingend erforderlich ist dagegen:

  1. dass der Unterdrückte persönlich unter der Unterdrückung leidet
  2. dass die Unterdrückung nicht durch andere Vorteile wieder ausgeglichen wird

Das ist aus meiner Sicht eine sehr weite Definition, die dem Charakter einer Unterdrückung nicht unbedingt gerecht wird.

Ich habe mich daher mal nach anderen Definitonen umgeschaut.

In der Wikipedia heißt es dazu:

Unterdrückung ist die einem Individuum, einer Gesellschaft oder Menschengruppe leidvoll zugefügte Erfahrung gezielter Willkür, Gewalt und des Machtmissbrauchs.

Der Ausdruck Unterdrückung bezeichnet vor allem das Niederhalten einer bestimmten sozialen Gruppe durch missbräuchlichen Einsatz gesellschaftlicher Organe, ihrer Autorität oder sozialer Maßnahmen. Mehr oder weniger offiziell in einer Gesellschaft institutionalisiert, vermag dies zur „systematischen Unterdrückung“ anzuwachsen. Unterdrückung entsteht durch die allgemeine, auch unbewusste, Annahme, eine bestimmte Menschengruppe sei minderwertig. Unterdrückung beschränkt sich selten allein auf regierungsamtliche Aktivitäten. Auch bestimmte Einzelpersonen können Opfer einer Unterdrückung werden und können in solchem Fall nicht auf die Solidarität einer Gruppe bauen.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und der Begriff der Menschenrechte wurden als Kritik der Unterdrückung geschaffen, indem die Macht klar beschränkt und ein Machtmissbrauch gegen Einzelpersonen oder eine Menschengruppe verhindert würde

Eine leidvoll zugefügte Erfahrung gezielter Willkür, Gewalt und des Machtmißbrauchs würde nicht mit der Definition im zweiten Artikel übereinstimmen, wonach der Unterdrückte darunter leiden muss. Zudem käme es auch nicht auf eine rechtliche Schlechterstellung an, diese kann auch schlicht tatsächlich gegeben sein. Sie muss aber auf gezielter Willkür und Zwang beruhen.

Beim Wahlrecht für Frauen scheint es aus heutiger Sicht recht einfach zu sein, dass  man eben von einer gewissen Minderwertigkeit der Frau ausging, die insofern von der politischen Entscheidungsfindung zu Unrecht ausgeschlossen waren. Einzelne oder auch je nach Zeit sehr viele Frauen mögen das nicht so erlebt haben, sie waren dann vielleicht auch nicht unterdrückt.

Beim Militärdienst würde ich eine ähnliche Betrachtung vornehmen: Jemand, der der Auffassung ist, dass er als Mann zB aufgrund körperlicher Gegebenheiten in den Krieg ziehen muss, Frauen aber nicht, der wird nicht als Mann unterdrückt.

Auf die Gruppe ist das natürlich etwas schwieriger umzulegen, da diese sich ja aus Einzelpersonen zusammensetzt. Hier muss man aus meiner Sicht auch darauf abstellen, inwieweit sich aus der Gruppe Widerstand gegen die Maßnahmen gebildet hat. Um so stärker der Widerstand bzw. das Erlebnis der Gruppe, dass sie zu Unrecht von bestimmten Positionen ausgeschlossen ist, um so eher ist es Unterdrückung.

Bei Sklaven wäre es in Abgrenzung so, dass ein Sklave, der quasi keiner mehr ist und sich auch nicht  mehr als solcher sieht nicht unterdrückt wird. Ebenso wenig jemand, der zB selbst Sklaven hatte, selbst grundsätzlich Sklaverei akzeptiert und dann aufgrund zB Schulden in die Sklaverei geht und dies in anderer Konstellation so ebenso mit anderen machen würde.

Aus meiner Sicht hat damit „Unterdrückung“ einen deutlichen subjektiven Anteil. Es erfordert ein gewisses Leiden an dem gegenwärtigen Zustand und den Wunsch, diesen zu ändern. Es ist eine gewisse Hierarchie erforderlich, die unberechtigt besteht und die der unten Stehende so nicht will.

Das bedeutet nicht, dass Umstände, die nicht unter den Begriff der Unterdrückung fallen, dann nicht zu kritisieren sind. Es sind dann aber aus meiner Sicht weniger Unterdrückungsverhältnisse als vielleicht – auch strukturell bzw. künstlich geschaffene – Abhängigkeitsverhältnisse oder anderweitige Machtverhältnisse, die auf fehlender Aufklärung beruhen, oder schlicht eine Benachteiligung der Begriff der Unterdrückung ist aber nicht der richtige.

Demnach kann aber auch eine Unterdrückung vorliegen, wenn einer Benachteiligung andere Rechte gegenüberstehen. Wenn beispielsweise das Wahlrecht vorenthalten wird, weil Frauen nicht im Militär kämpfen, dann liegt dann eine Unterdrückung vor, wenn Frauen das Wahlrecht wollen, es ihnen durch Machtstrukturen vorenthalten wird, und sie entweder bereit sind, einen Militärdienst zu leisten, Männer diesen auch nicht leisten (es also ein leerer Vorteil ist) oder die Verknüpfung von Wahlrecht mit dem Militärrecht unsachgemäß und seinerseits willkürlich erscheint.

Wichtig scheint mir auch die Klärung, wer Unterdrücker ist. Aus einer Unterdrückung ist nämlich nicht herzuleiten, dass die bevorzugte Gruppe per se unterdrückt. Ein Beispiel wäre es, dass es den meisten Frauen wohl schlicht nicht darauf ankam, dass Männer Wehrdienst machten, viele vielleicht ihrerseits durchaus für eine Abschaffung waren, sie hier also als Gruppe Männern kein gezieltes Leid zufügen wollten. In einer Demokratie ist es insoweit schwer bei einer Benachteiligung eine gezielte Unterdrückung einer Gruppe durch eine andere aufgrund gesetzlicher Regeln auszumachen. Denn es sind eben nicht mehr „die Römer, die ein Barbarenvolk versklaven“ oder „die Amerikaner, die Sklaven in Afrika einkaufen“. Es ist eine parlamentarische Demokratie in der Politiker um den Wählerwillen buhlen, aber für einzelne Entscheidungen keine explizite Zustimmung mehr einholen, sondern für einen gesamte Linie bzw. gewisse ideologische Ansichten. „Die Frauen“ machen nicht die Gesetze über den Unterhalt. Sie machen insoweit lediglich die sich daraus ergebenden Unterhaltsansprüche gegen bestimmte Männer geltend. Ebenso wenig treffen „die Männer“ die Personalentscheidungen für den Vorstand großer Daxunternehmen oder bezüglich der Studienwahl von „den Frauen“.

Dagegen könnte man natürlich einwenden, dass DER Römer auch nichts dafür konnte, dass gallische Sklaven auf den Markt kamen, aber da ist immerhin der abstrakte Staat, der nach außen handelt in die Verantwortung zu nehmen.

Insofern könnte auch bezüglich der Geschlechter der Staat eine Unterdrückung bewirken, aber ein Niederhalten würde ich hier auch nicht unbedingt sehen.

Vielleicht könnte man argumentieren, dass Männer häufig bezüglich der Betreuung von Kindern für minderwertig gehalten werden und Frauen bezüglich beruflicher Positionen. Aus dieser gefühlten Minderwertigkeit würde dann über die Macht des Staates ein Druck ausgeübt werden, der – sofern ein Leid vorhanden ist – einer Unterdrückung entspricht.

Häufig wird auch dort Unterdrückung gesehen, wo keine Willkür und keine Macht vorhanden den Zustand bedingt. Sondern die Unterschiede einfach aus den unterschiedlichen Dispositionen der Geschlechter folgen. Wenn Männer sich eher auf Karriere fokussieren, dann ist es verständlich, dass sie mehr verdienen. Wenn Frauen sich mehr auf Familie konzentrieren, dann ist es verständlich, dass sie häufiger die Kinder nach einer Trennung zu sich nehmen können. Dennoch kann in beiden Fällen eine Unterdrückung von Teilen der Gruppe vorliegen, wenn über diese Gegebenheiten hinaus eine absolute Zuweisung erfolgt, weil der anderen Seite generell mangelnde Fähigkeit unterstellt wird. Dies betrifft dann aber auch nur eingeschränkt die Gruppe, wer auch so zB damit einverstanden ist, dass seine Exfrau nach der Trennung die Kinder übernimmt und lieber ein Umgangsrecht in Anspruch nimmt, der ist in diesem Gebiet nicht unterdrückt.

Vielleicht kann man insofern die Höhe der Unterdrückung durch die Höhe des Leides bestimmen. Vieles aber, was bei den Geschlechtern geschieht, scheint beiden Seiten relativ egal zu sein: Es gehen eben recht wenige Männer gegen die Unterhaltsregelungen auf die Straße. Es scheint insofern für viele Leute schlicht der höhere Leidensdruck noch nicht vorhanden zu sein, der das Feststellen einer Unterdrückung rechtfertigt.

 

 

Strukturelle Diskriminierung

Ein Argument, welches immer wieder im Feminismus auftaucht, ist das Argument der „strukturellen Diskriminierung“. Frauen werden nach dieser Ansicht nicht als Einzelpersonen diskriminiert, sondern aufgrund struktureller Gründe. Es ist denke ich an der Zeit, diese Begriffe einmal näher zu behandeln: Dabei nehme ich als Startpunkt zunächst den Wikipediaeintrag zu dem Thema Diskriminierung, der folgende Einteilung bietet:

Kategorisierung Nach der Bewertung als Teil einer Kategorie werden die „Personen unter Absehung von ihren je besonderen Eigenschaften, Interessen und Verdiensten auf bloße Vertreter einer Kategorie reduziert“

Benachteiligung Benachteiligungen können auf allen Ebenen des Lebens stattfinden, insbesondere in Einschränkungen an der Teilnahme am öffentlichen Leben, in der Freizügigkeit, Gesundheit, Ausbildung, Berufsausübung oder beim Entgelt. Eine soziale Diskriminierung kann in vielen Erscheinungsformen auftreten. So unterscheidet man in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion vor allem die bewusste von der unbewussten Diskriminierung. Weitere mögliche Unterscheidungskriterien sind:[14]

  • unmittelbare und mittelbare Diskriminierung
  • alltägliche und strukturelle Diskriminierung
  • individuelle und institutionelle Diskriminierung

Individuelle Diskriminierung Individuelle Diskriminierungen (z. B. nach „schön“ und „hässlich“, oder „nahe-“ und „fernstehend“) werden in verschiedenen Theorieansätzen bei jedem sozialen Akteur als nie gänzlich zu vermeidende Verhaltensmuster vorausgesetzt.[16] Individuelle Diskriminierung kann im Zusammenhang mit struktureller oder institutioneller Diskriminierung erfolgen und bewusst oder unbewusst ausgeübt werden. Hier wird allgemein zwischen Vorurteil, Stereotyp und konkreter Diskriminierung unterschieden. Gegenüber Personen, die zu bestimmten Gruppen gezählt werden, bezeichnen Stereotype: hauptsächlich generalisierte Überzeugungen und Meinungen Vorurteile: darüber hinaus auch allgemeine Bewertungen, gefühlsmäßige Reaktionen und Verhaltensdispositionen individuelle Diskriminierungen: konkrete Handlungen und Verhaltensweisen[17] Die Ermittlung diskriminierender Einstellungen findet mittels der Vorurteilsforschung statt. Strukturelle Diskriminierung Strukturelle Diskriminierung ist die Diskriminierung gesellschaftlicher Teilgruppen, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft begründet liegen. So sind in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft Frauen strukturell diskriminiert, Männer hingegen nur durch individuelle Stereotypen oder einzelne Institutionen. Strukturelle Diskriminierung ist zu unterscheiden von der institutionellen Diskriminierung. Thematisch verwandte Fragen zu Struktureller Diskriminierung behandeln Forschungen zur gesellschaftlichen Hegemonie (Antonio Gramsci) oder zur Dominanzgesellschaft (Birgit Rommelspacher). Abgrenzung Struktureller Diskriminierung von Unterdrückung Abzugrenzen von der Strukturellen Diskriminierung ist die Soziale Unterdrückung. Eine gängige Definition von Unterdrückung findet sich bei Iris Marion Young, die fünf Aspekte von Unterdrückung auflistet:

  • Ausbeutung
  • Kulturimperialismus
  • Marginalisierung
  • Machtlosigkeit
  • Gewalt

Unterdrückung beinhaltet nach Young ein gewaltsames „Niederhalten“ der benachteiligten Gruppe und geht oftmals mit Ausbeutung einher. Ein Aufbegehren gegen Unterdrückung wird mit gewaltsamen Repressionen rechnen müssen. Während das, was Young als Kulturimperialismus bezeichnet, sowie die Marginalisierung und Machtlosigkeit durchaus auch zur Diskriminierung zählen, muss Diskriminierung nicht mit Ausbeutung und Gewalt verknüpft sein. Institutionelle Diskriminierung Institutionelle Diskriminierung bezeichnet Diskriminierungen, die von organisatorischem Handeln von Institutionen ausgehen. Dieses findet häufig in einem Netzwerk gesellschaftlicher Institutionen, beispielsweise im Bildungs- und Ausbildungssektor, dem Arbeitsmarkt, der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, dem Gesundheitswesen und der Polizei statt. Historisch geht der Begriff der institutionellen Diskriminierung auf die Diskussion zum Institutionellen Rassismus in den USA und Großbritannien zurück. Im Gegensatz zur strukturellen ist die institutionelle Diskriminierung nicht gesamtgesellschaftlich präsent. Ein wesentlicher Bestandteil der institutionellen Diskriminierung ist die ökonomische Diskriminierung. Individuen gelten dann als ökonomisch diskriminiert, „wenn sie bei wirtschaftlichen Transaktionen mit Gegenleistungen konfrontiert werden, welche sich an persönlichen Merkmalen bemessen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Leistung stehen“. Eine ökonomische Diskriminierung findet insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, dem Kreditmarkt, dem Versicherungsmarkt und dem Wohnungsmarkt statt und äußert sich häufig in einer Lohn- und Einkommensdiskriminierung.[20] Symbolische Diskriminierung Birgit Rommelspacher betont den Aspekt der Symbolischen Diskriminierung. Zwar werde oftmals betont, dass die diskriminierte Gruppe im Vergleich zur privilegierten Gruppe „weniger Lebenschancen, das heißt weniger Zugang zu Ressourcen und weniger Chancen zur Teilhabe an der Gesellschaft habe.“[21] Aber Diskriminierung findet auch auf der symbolischen Ebene statt. Hierher gehört beispielsweise als eine der von Berit Ås festgestellten fünf Herrschaftstechniken das Unsichtbarmachen diskriminierter Gruppen. Auch Axel Honneth betont den Aspekt der Unsichtbarkeit[22] Allgemein sieht er auf der Anerkennungsebene die Persönlichkeitskomponenten

  • der persönlichen Integrität durch Vergewaltigung und Misshandlung
  • der sozialen Integrität durch Entrechtung und Ausschließung und
  • der Würde durch Entwürdigung und Beleidigung

bedroht. Pierre Bourdieu betrachtet Phänomene symbolischer Diskriminierung unter dem Blickwinkel symbolischer Gewalt.

Individuelle Diskriminierung wäre demnach gegeben, wenn man relativ subjektive Kriterien anwendet, struktureller Diskriminierung, wenn die Gesellschaft auf eine bestimmte Weise ausgerichtet ist, die dazu führt, dass bestimmte Gruppen abgewertet werden. Ein Beispiel soll hier „das Patriarchat“ sein. In dem Spezialartikel zur strukturellen Diskriminierung findet sich folgende Definition der strukturellen Diskriminierung:

Als Strukturelle Diskriminierung werden die Formen von Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft immanent begründet liegen, bezeichnet. Das Gegenstück zu Struktureller Diskriminierung stellt die Interaktionelle Diskriminierung dar (…) Ausgangspunkt sind Normen und Regeln, die für alle Gesellschaftsteile gleichermaßen gelten. Sie ziehen strukturelle Diskriminierung nach sich, wenn durch ihre Anwendung in Form von Haltungen oder Handlungen gesellschaftliche Teilgruppen gravierender Ungleichbehandlung ausgesetzt sind. Die Psychologin Ute Osterkamp stellt beispielsweise für den Rassismus fest, „dass rassistische Denk- und Handlungsweisen nicht Sache der persönlichen Einstellungen von Individuen, sondern in der Organisation des gesellschaftlichen Miteinanders verortet sind, welche die Angehörigen der eigenen Gruppe systematisch gegenüber den Nicht-Dazugehörigen privilegieren.“ Strukturelle Diskriminierung beruht auf eingespielten und dauerhaften, oft formalisierten und explizit geregelten institutionellen Praktiken.

In einem Vortrag der Uni Zürich findet sich auch noch etwas zur strukturellen Diskriminierung, was ich ganz anschaulich finde:

Unterrepräsentation: Zeichen struktureller Diskriminierung? Definition struktureller Diskriminierung: • Formale Chancengleichheit ist verwirklicht • Dennoch: auffällige Korrelation zwischen – Der Quote von Inhabern gut und besser dotierter Stellen, Ämter und Funktionen und – einer für diese Stellen, Ämter und Funktionen irrelevanten Eigenschaft: zB Geschlecht, Hautfarbe • Dann muss man annehmen, dass die Strukturen  dieser Gesellschaft die Diskriminierung von  gesellschaftlichen Gruppen fördern und  unterstützen. (Rössler)

Ein gern genommenes Beispiel ist dann wohl die Frage von Frauen in hohen Positionen, dass auch in weiteren Folien aus dem gleichen Vortrag ausgebreitet wird:

Problem: Anwendung auf den Fall eines Unternehmens • Kessler‐Harris: Sears muss diskriminiert haben – Geschlechtlich segregierter Arbeitsmarkt – Männliche Konnotation und entsprechende Vorurteile • Rosenberg: Sears muss nicht diskriminiert haben – Frauen sind traditionell daran interessiert, Familie und  Erwerbsarbeit miteinander zu verknüpfen – Frauen haben „feminine“ Werte internalisiert, solche  Präferenzen entwickelt und handeln entsprechend

Hier werden also zwei verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, einmal gilt der geschlechtlich aufgeteilte Arbeitsmarkt als Beleg und es wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Jobs männlich gedacht werden und Männer in diesen bessere Fähigkeiten zugesprochen werden, zum anderen wird darauf verwiesen, dass Frauen andere Vorstellungen haben und sich frei entschieden haben. Das wird dann im Folgenden so entkräftet:

Differenzkeule und Autonomiekeule Aushebelung des Konzepts der „strukturellen Diskriminierung“ unter Verweis auf

  • das Anderssein („Differenzkeule“) und
  • die daraus resultierenden anderen Entscheidungen („freie Wahl“!)  von Frauen („Autonomiekeule“)

Das Anderessein ist natürlich bereits selbst im Genderfeminismus kein zulässiges Argument, da es dort eben kein tatsächliches Anderssein gibt, sondern nur künstlich herbeigeführtes „Anderssein“, das dann selbst Folge einer strukturellen Diskriminierung sein muss, denn den Frauen wird ja hier über das Anderssein der Platz an der Spitze bzw der bessere Job abspenstig gemacht. Freilich gegen ein anderes Verhältnis von Freizeit zu Arbeit und unter Berücksichtigung von mehr Zeit mit Kindern sowie meist unter Berücksichtigung eines Ehemannes, der die finanzielle Seite ausgleicht etc, aber das darf darf darf anscheinend keine Andersheit begründen und damit auch keine freie Entscheidung. Es gibt keine freie Entscheidung in einer strukturellen Diskriminierung, man darf die Vorteile nicht betrachten, man darf nicht überlegen, ob es für die jeweilige Frau vielleicht ein durchaus günstiger Tausch ist, oder ob sie tatsächlich anders ist, es ist schlicht Diskriminierung, basta. Das man dabei diverse Sachen nicht berücksichtigt und tatsächlich einiges für die Differenzkeule und die Autonomiekeule spricht, dass ist innerhalb dieses Systems nicht denkbar. Tatsächlich spricht aber einiges Dafür: Sowohl bei der Berufswahl:

Als auch bei den Faktoren, die für den Gender Gap sprechen:

Hinzu kommen die vielfältigen Argumente für ein Anderssein aus der Biologie.

Sprich: Aus meiner Sicht greifen die beiden Argumente, die hier abwertend als „Keule“ dargestellt werden, also wohl im Sinne eines Totschlagarguments, durchaus durch. Der Feminismus prüft sie nur ungenügend und entdeckt daher strukturelle Diskriminierungen, wo eigentlich keine sind.