Stereotype sind sehr häufig zutreffend

Argumente aus der Geschlechterrolle nicht aus Überzeugung, sondern um die eigene Position zu stärken

Pluvia schrieb in einem Kommentar zu  Vorhalten des Mannes, dass die Frau als Frau beruflich zureckstecken müsste, wenn es um die Frage geht, wer die Kinder betreut:

Wenn Sprüche wie oben in der Situation von einem Mann kommen, dann wohl primär, um in den Verhandlungen die eigene Position zu stärken. Ein behaupteter Default, dass die Frau zurücksteckt, weil das schließlich traditionell so sei, ist vielleicht kein gutes Argument, aber es ist eben eines, das man auch mal ausprobieren kann um den (Verhandlungs-)Partner zu der Rollen- und Aufgabenaufteilung zu bringen, die man selbst am liebsten hätte.

Gilt übrigens prinzipiell geschlechtsunabhängig auch andersrum. Hat zufällig mal ein Mann bei funktionierender Beziehung erlebt, dass die Frau unbedingt mit den Kindern zu Hause bleiben wollte und seine Elternzeit oder sonstiges Familienengagement damit abgewehrt hat, weil ein richtiger Mann schließlich das Geld nach Hause bringt und so für seine Familie sorgt?

Das ist ein Gedanke, der denke ich häufiger zutrifft.  Man muss in einer Diskussion nicht nur die Argumente bringen, die man teilt, es kann effektiver sein, Positionen zu vertreten, bei denen man davon ausgeht, dass sie die Gegenseite dazu bewegen, die eigene Position anzuerkennen. Wenn man da an Geschlechterrollen appelliert, dann kann das sehr effektiv sein.

Ein Beispiel wäre, dass eine Frau meint, dass auch ihre weiblichen Kollegen durchaus einen Schrank in den Keller tragen könnten. Sie verwendet aber lieber ein „Wir brauchen hier mal ein paar starke Männer“, weil sie weiß, dass es eine gewisse Falle für Männer aufstellt, den Schrank zu tragen, die effektiv ist, weil sie eben sowohl nicht als schwach gelten wollen, noch als jemand, der arme Frauen sich abmühen lässt.

Das gleiche gilt auch für sexistische Sprüche: Wenn man weiß, dass die Kontrahentin an die Decke geht und dann wütend aus dem Raum stürmt, wenn man anführt, dass sie als Frau zu doof ist, irgendwas technisches zu machen, dann kann das der gewünschte Erfolg sein. Aus dem gleichen Grund dürften häufig Vergewaltigungsdrohungen das Mittel des Trolls sein.

Man nutzt, was effektiv ist. Und das ist gerade dann, wenn man nur das Geschlecht des anderen kennt häufig in den Stereotypen zu erkennen, die man gegen den anderen nutzt.

 

 

Beleidigungen oder sexuell werden

Spielen mit Geschlechterklisches

Bei einem befreundeten Paar zu Besuch. Er erzählt von einer gemeinsamen späten Autofahrt:

Er: „…und sie sollte mir eigentlich helfen wach zu bleiben, aber kaum saßen wir im Auto ist sie eingeschlafen und ich konnte sehen wo ich bleibe!“

Sie: (rutscht etwas näher an ihm ran, kuschelt sich mit ihrem Kopf an ihn, legt ihre Hand verführerisch auf seine Oberschenkelinnenseite, guckt von unten mit extra großen Augen auf und sagt mit unschuldigster Klein-Mädchen-Stimme)

„Ich fühle mich bei dir eben so sicher und behütet!! Da bin ich sofort müde geworden“

Ihr Kopf streichelt wie der einer Katze an ihm entlang

Er (Grinst zufrieden, leicht ironisch): „Ja, natürlich, wie könntest du auch nicht? Ich Autofahrerheld!“

Sie: „MEIN Autofahrerheld!“ Sie drückt ihm mit leuchtenden Augen eine Kuss auf den Mund.

Beide lachen.

Geschlechterstereotyp, Vorurteile und der Umgang damit

In dem Artikel „Biologische Faktoren vs. Erziehung: Auswirkungen bei den Geschlechterrollen“ kam es auch zu einer Debatte bezüglich des Umgangs mit Vorurteilen, Stereotypen und „Betrachtungen über den Schnitt“

Nick schrieb dort

Vorurteile verschwinden nur mit der Erkenntnis ihrer Nutzlosigkeit für die Informationsökonomie. Es macht also wenig Sinn zu versuchen, “Vorurteilsfrei” zu sein, entscheidend ist die grundsätzlich Bereitschaft, die eigenen Vorurteile zu überprüfen.

Stereotypen wie “Frauen verhalten sich meistens soundso” wird man also nicht ihres einschänkenden Potentiales berauben können, indem man sie in irgend einer Form tabuisiert. Man kann eben nur immer wieder den Blick dafür schärfen, dass die Bandbreite sehr groß ist, sie also zur Beurteilung eines Individuums nichts taugen. Das geht aber nicht, wenn die Stereotypen ins unbewußte verdrängt werden.

Davon zu unterscheiden ist das – ich nenne es so – Ressentiment, dass dazu dient andere abzwerten. Hier ist das Motiv ein anderes als das der Informationsökonomie.

Der vorherrschende Feminismus (ich packe dich jetzt nicht in diese Schublade) behauptet ein solches vorherrschendes Ressentiment gegen Frauen, um “Privilegien aufrecht zu erhalten”.

Wenn es sich aber um Stereotypen i.S. von einer Informationsökonomie handelt, dann erreicht man nur das Gegenteil dessen, was eigentlich erwünscht ist: Die Stereotypen werden ins unbewußte abgedrängt, anstatt reflektiert, weil ihnen etwas sozialschädliches anhaftet. Wer will schon Frauen unterdrücken?

Ich persönlich habe selten größere Geschlechterdichotomisten getroffen als viele Feministen. Die eigenen Vorurteile werden eben rationalisiert, indem sie auf “die Gesellschaft” projeziert werden: “Männer haben Privilegien, die sie verteidigen wollen” ist eben auch eine krasse Form von Essentialismus.

Das ist denke ich richtig. Wer Stereotypen verbietet, der verlagert sie ins unterbewußte und verhindert damit eine effektive Besprechung dieser.

Ich halte gerade aus diesen Gründen auch einen Ansatz, der die Gleichheit der Geschlechter betont, für wenig geeignet, die Lage in dieser Hinsicht zu verbessern.

Meiner Meinung nach wäre es am effektivsten darauf hinzuweisen, dass Männer und Frauen nicht vollkommen verschieden sind, sondern lediglich verschiedene Ausprägung bestimmter Fähigkeiten haben, es handelt sich um zwei Normalverteilungen mit unterschiedlichen Mittelwert, deren Träger überlappen

Dann sollte man betonen, dass einige Fähigkeiten stark abweichen und andere schwach und darauf hinweisen, dass es demnach Frauen gibt, die besser sind als die meisten Männer in einer Fähigkeit, die üblicherweise bei Männern besser ausgeprägt ist und anders herum.

Mich würde interessieren, wie sich so eine Betrachtung auswirkt.Würden die „abweichend talentierten“ Jungs und Mädchen Mut fassen und sagen, dass sie eben in diesen Bereichen anders sind oder würden sie eher mutloser werden, weil die Wahrscheinlichkeit so gering ist? Ich denke bei den meisten kann man bereits anhand der Schulnoten eine gute Zuordnung der Eigenschaften vornehmen, so dass sie eher verstehen würden, dass ihr Phänotyp kein Grund ist, in einer bestimmten Fähigkeit schlecht zu sein. Es gibt ihnen die Möglichkeit zu verstehen und erleichtert damit genderunkonformes Verhalten bei denen, auf die der Schnitt nicht zutrifft.