Männer und Aggression

Eine interessante Studie behandelt die Gründe für aggressives Verhalten (via):

Past research indicates that men are more physically aggressive than women, but very little research has examined mediators of this gender difference. Indeed, the only established finding to date is that one plausible mediator – namely trait anger – shows no reliable gender difference whatsoever. Drawing on sexual selection theory and social-learning theories, we predicted that revenge may mediate this gender difference even though anger does not. Three studies using both personality questionnaires (Studies 1 and 2) and objective laboratory measures of aggression (Study 3) provided support for this contention. The results provide some of the first evidence for a reliable mediator of gender difference in physical aggression.

Quelle: Men don’t just get mad; they get even: Revenge but not anger mediates gender differences in physical aggression

Einen Überblick zu den einzelnen Studien findet man auch hier.

Die Studie führt zu den evolutionären Betrachtungen aus:

Sexual selection theory is the most prominent evolutionary explanation of gender differences in physical aggression. According to this theory, men are typically under greater evolutionary pressures to behave aggressively than women. Because women are sometimes unavailable for reproduction due to pregnancy, women are argued to be a more valuable reproductive resource for which men must compete. Men can do so by aggressively excluding other men from mating opportunities or by seeking to attract women. Evolutionary theorists have traditionally argued that men mainly seek to attract women by establishing a more dominant position in the social hierarchy.
According to Daly and Wilson, these factors have converged and made men more prone to aggressive retaliation in the face of minor provocations. In order to deter male rivals from aggression and to achieve a dominant status, men need to establish a reputation for “toughness” (i.e., that they are not vulnerable to mistreatment by others). Thus, even minor insults demand swift and forceful retaliation.
Consistent with this, crime statistics and laboratory experiments have both shown that men are more likely to respond to trivial provocations with extreme retaliation. A large proportion of murders can be attributed to men responding to minor provocations, but similar incidences are exceedingly rare among womenand. Moreover, laboratory experiments show that priming status goals leads men (but not women) to be more physically aggressive in the face of minor provocations.

Gewalt oder Aggressivität hätte damit etwas mit Rufwahrung zu tun: Wer auf kleine Provokationen nicht reagiert, der könnte größere Provokationen einladen. Wer bereits auf kleine Provokationen sehr heftig reagiert, der schreckt weitere Provokationen ab.

So zumindest die Theorie.

Ich würde vermuten, dass dieser Mechanismus der biologische Teil ist, dieser aber durch Kultur ausgestaltet wird, insbesondere in dem dort die angemessenen Reaktionen auf eine Provokation, also die Reaktion, bei der man kein Gesicht verliert, vorgegeben wird.

Das mag zu gewissen Zeiten das Duell auf Leben und Tod gewesen sein, in anderen eine Schlägerei,  bei anderen auch nur ein Spruch zurück.

Steven Pinker führt in The Blank Slate aus, dass die Reaktion bzw. der Ehrbegriff üblicherweise heftiger ausfällt, wenn wenig staatliche Gewalt und kein effektives Recht vorhanden ist. Denn gerade dann muss um so mehr Abschreckung betrieben werden. Also gerade in Grenzbereichen der Zivilisation oder aber in unwegsamen Gegenden. Eine solche Kultur kann sich dann auch halten, wenn die Zivilisation nachrückt, etwa in den amerikanischen Südstaaten, in denen nach Forschungen die Leute heftiger auf Provokationen reagieren.

Es ist insoweit auch gut erklärbar, dass Statusziele eher dazu führen, dass man bestimmte Provokationen anders aufnimmt, denn diese gefährden dann evtl. die Erreichung der Statusziele.

Ein Betrieb mit nur weiblichen Angestellten

Der Spiegel berichtet über einen Betrieb, in dem außer dem Chef nur Frauen angestellt sind.

Zu seinen Gründen für diese Einstellungspolitik:

Mägli zählt ihre Qualitäten an beiden Händen auf: Eine Frau sei kommunikativer, zielstrebiger, kostenbewusster, besser in Fremdsprachen und besser im Team, zudem setze sie schneller Prioritäten als ein Mann. Vor allem aber tue sie eines, sagt Mägli: „Eine Frau dient der Sache.“ Dies sei das entscheidende Merkmal. „Männer kämpfen um die eigene Position, um Geld und den Status. Frauen tun dies bei uns – meines Erachtens – nicht.“ (…)

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen von Mann und Frau seien ihr da erst richtig bewusst geworden. „Wenn Männer im Team arbeiten, schaut jeder nur für sich. Sie kommunizieren weniger und lassen sich kaum helfen.“ Im reinen Frauenteam sei dies anders: „Dann geht es weniger um Hierarchien, sondern darum, gemeinsam die vorhandene Arbeit zu bewältigen.“

Nur Frauen unter sich, kommt es da nicht zum Zickenkrieg? „Nein“, sagt Vogt. „Aggressives Verhalten wird bei uns nicht belohnt. Wer manipuliert und intrigiert, kriegt hier keinen besseren Job – im Gegenteil.“ Das eigentliche Geheimnis dieses Erfolgsmodells sei es nämlich, die richtigen Frauen für die richtigen Aufgaben zu finden. Und darin sei Mägli nun einmal unschlagbar.

Interessant wäre, was passieren würde, wenn er Männer ebenfalls entsprechend selektieren würde.

Eine Studie, die in die gleiche Richtung geht:

Although theory suggests that testosterone should facilitate competitive performance, empirical evidence has been mixed. The present study tested the hypothesis that testosterone’s effect on competitive performance depends on whether competition is among individuals (individual competition) or among teams (intergroup competition). Sixty participants (50% women) provided saliva samples and were randomly assigned to complete an analytical reasoning test in individual or intergroup competition. Testosterone was positively related to performance in individual competition, but testosterone was negatively related to performance in intergroup competition. There were no sex differences in performance or in the magnitude of testosterone-performance relationships. These results are consistent with the hypothesis that high testosterone individuals are motivated to gain status (good performance in individual competition), whereas low testosterone individuals are motivated to cooperate with others (good performance in intergroup competition). Theoretical and practical implications are discussed.

Quelle:  When are low testosterone levels advantageous? The moderating role of individual versus intergroup competition

Demnach kommt es also sehr darauf an, was für ein Geschäft man führt. Sind in dem Geschäftsbereich Einzelwettbewerbe häufiger, dann lohnt es sich Personen mit viel Testosteron anzustellen, kommt es auf den Gruppenerfolg an, dann lohnt es sich Personen mit einem geringen Testosteronlevel anzustellen.

Es scheint aber als würde der Testosteronspiegel relativ zum Normalstand des Geschlechts eine Rolle spielen, da sich in der Studie keine Vorhersage nach dem Geschlecht ergab:

The sex of the participant did not predict performance (t(53) =.25, p N .80), nor did it interact with competition condition (F(1, 51) =.43, p N .50) or T level ((F(1, 51) =.14, p N .70) to predict performance. In addition, the sex ×T ×competition condition three-way interaction was also non-significant (F(1, 47) =.33, p N .50). Thus, participant sex was excluded from the following analysis.

Sozialer Status und Evolution

Hier soll es um die Frage gehen, welche Vorteile sozialer Status hat wie er sich auswirkt.

1. Grundlegendes zu Vorteilen und sexueller Selektion

Sozialer Status ist bedeutend für Menschen. Wir sind – ähnlich wie unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen – Rudeltiere mit einem hierarischen Gruppenaufbau.

Eine Hierarchie bietet verschiedene Vorteile. Sie bedeutet für das Alphamännchen eine bessere Versorgung, für die Gruppe evtl. einen Anführer, sie verhindert übertriebene Statuskämpfe und reduziert damit das Verletzungsrisiko.

Gleichzeitig macht dies sozialen Status in einer Gruppe zu einem verlässlichen Zeichen für gute Gene und Versorgereigenschaften. Die Position an der Spitze halten zu können zeigt bereits, dass man die notwendigen Eigenschaften und Ressourcen hierfür hat. Die hohe Position erfüllt damit alle Funktionen der Signalling Theorie. Dies macht sie ideal für eine sexuelle Selektion: Frauen, die Männer mit viel sozialen Status attraktiv finden lassen sich eher mit solchen Männern ein, haben eher deren Kinder und damit eher Kinder, die selbst eine hohe Position erlangen können. Studien belegen auch, dass sozialer Status auf Frauen anziehend wirkt. Wenn man sich bewusst macht, dass „jemanden anziehend finden“ eigentlich nur vor dem Hintergrund erklärbar ist, dass dem jeweiligen Menschen unterbewusst mitgeteilt wird, dass es sich lohnen könnte, mit dieser Person Sex und damit potentiell Nachwuchs zu bekommen, wird deutlich, dass sexuelle Anziehung ein höchst biologischer Vorgang ist. „Macht ist das stärkste Aphrodisiakum“ meinte Henry Kissinger. Diese These stimmt insoweit nur bezüglich der Wirkung auf Frauen. Sexuelle Selektion funktioniert allerdings nur, wenn das jeweilige Merkmal, auf dem die sexuelle Selektion vererbbar ist.

2. Die soziale Komponente

Was viele dabei verwirrt und von einer biologischen Erklärung abbringt, ist der Umstand, dass sozialer Status – wie ja schon das Wort nahelegt – eine deutliche soziale Komponente hat.

Das ist aber nur vordergründig ein Widerspruch. Den sozialer Status hat unabhängig von seiner Ausprägung widerkehrende Elemente. Um so höher der soziale Status um so mehr wird man der jeweiligen Person an Besonderheiten durchgehen lassen, um so mehr positive Aufmerksamkeit wird sie bekommen, um so eher bestimmt die jeweilige Person das Verhalten und die Handlungen der Gruppe.

Dabei ist es dann egal, ob innerhalb einer Gruppe von Anarchisten jemand am lautesten gegen das Kapital ist oder in einer Gruppe von Kapitalisten jemand die letztendliche Anlagestrategie festlegt.

Dabei ist Status meiner Meinung nach stark auf Personen bezogen, was dazu führt, dass eine Person, deren Status eigentlich nach modernen Maßstäben geringer ist, subjektiv mehr Status haben kann, als eine Person, die an den Machtschaltern der Welt sitzt.

Unsere Bewertungen von sozialen Status sind nicht auf die heutige Mediengesellschaft ausgerichtet. Sie sind in vergleichsweise kleinen Gruppen von schätzungsweise um die 200 Leuten entstanden, in der sozialer Status wesentlich persönlicher ist.

Ein Beispiel wäre der Sänger einer Hinterhofrockband bei einem Konzert mit 500 Leuten in einem kleinen Saal. Bringt er die Menge zum kochen, dann steigt sein sozialer Status, weil alle Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist, er zu den Leuten spricht (singt), sie evtl. begeistert wiederholen was er sagt (mitsingen) und er Handlungen der Gruppe vorgeben kann und den Ablauf bestimmt. Die Leute versammeln sich, um ihn zu sehen, was seinen Status wachsen lässt.

Ein Politiker hingegen mag wesentlich mehr Macht haben, gleichzeitig aber ist er häufig auch erheblicher Kritik ausgesetzt, die Macht erscheint weit weniger auf den konkreten Menschen bezogen, weil deren Reaktionen wesentlich neutraler sind, er befindet sich im ständigen Konflikt mit anderen Anführern, was wiederum seinen subjektiven Status anders erscheinen lässt. Der gleiche Politiker würde wieder anders wahrgenommen werden, wenn die jeweilige Person ihn bei der konkreten Machtausübung innerhalb der Partei wahrnimmt, insbesondere wenn er dort auf Gleichgesinnte trifft, die ihn feiern.

Natürlich kommen noch viele weitere Punkte dazu. Gerade im direkten Kontakt muss das Gesamtbild stimmig sein. Wer nach außen Macht hat, aber beim Kennenlernen unsicher wirkt oder nicht die dazu passende Körpersprache hat, der wird seinen sozialen Status weniger nutzen können, weil er unehrlich wirkt.

Dies alles führt dazu, dass sozialer Status heute gut vorgetäuscht werden kann. Wer sich damals wie ein Alphamann verhalten hat, hat damit indirekt den Alphamann der Gruppe herausgefordert und es wurde schnell deutlich, ob er die Position halten kann.

Wer sich heute so verhält, der fordert nicht unbedingt jemanden heraus, weil unsere Gesellschaft anonymer geworden ist und wir verschiedene soziale Zirkel haben. Ein einfacher Angestellter kann innerhalb seiner Gruppe der Alphamann sein ohne damit seinem Boss auf die Füße zu treten. Auf diesem Umstand und den Arten, wie wir Status wahrnehmen, bauen verschiedene Pickup-Techniken auf, beispielsweise Cocky Comedy, der neg, das allgemeine Alphamann-Konzept. Deswegen kann jemand, der kein großes Einkommen hat, wie beispielsweise Roosh, einen hohen sozialen Status in einem Gespräch transportieren.

Diese Fälschungsmöglichkeit entwertet aber nicht das Konzept, ebenso wenig wie Push-Up-BHs das Konzept entwerten, dass Brüste für Männer interessant sind, weil sie ebenfalls ein Costly Signal sind.

3. Kritik an sozialem Status als übergeordnetes Attraktivitätsmerkmal

Die soziale Komponente wird gerne übersehen, wenn es darum geht, ob Status überhaupt anziehend ist.

Frauen werden einwenden, dass sie nicht auf „mächtige Männer“ stehen, sondern auf vollkommen andere Typen, dass sie links sind und damit Status für sie egal ist, es einen Mann sogar uninteressanter macht, dass sie Geld langweilig finden. Es wäre interessant sich die Männer in deren Umfeld zu zeigen, die sie attraktiv finden, und dies dann kritisch zu analysieren. Ich würde darauf wetten, dass auch hier deutliche Anzeichen von sozialem Status innerhalb der sozialen Gruppe vorhanden sind. Dies hatte ich oben schon an den Beispielen erläutert.

Zudem ist eine weitere Komponente, dass diejenige erkennt, dass eine Langzeitstrategie bezüglich dieser Person mit hohem sozialen Status nicht erfolgreich wäre. Wenn die Frau sich selbst einen gewissen Wert auf dem Partnermarkt zuweist und davon ausgeht, dass dieser deutlich unterhalb des Wertes auf dem Partnermarkt des Mannes mit dem meisten sozialen Status liegt, oder sie erkennt, dass dieser gegenwärtig nur Kurzzeitstrategien verfolgt, die für sie nicht interessant sind, dann kann dies den Mann mit hohem sozialen Status uninteressant als Partner werden. Gleichzeitig bedeutet dies aber nicht, dass sozialer Status uninteressant wird. Denn auch der Mann, den sie dann wählt, wird Komponenten von sozialen Status haben, der eher zum jeweiligen eigenen Marktwert passt. Er ist dann vielleicht kein Rockstar, aber er ist auch nicht der sozial unangepasste Nerd, der sich irgendwie an die Gruppe hängt und den diese eigentlich immer abschütteln will und über den alle Witze machen (vielleicht auch nur um ihren eigenen Status zu erhöhen).