gegenderte Sprache

Als Beleg dafür, dass gegenderte Sprache wichtig ist wurde mir bereits wiederholt diese Studie vorgehalten:

Zusammenfassung: Die vorliegende Untersuchung prüft, ob sogenannte “generisch” (d.h. in geschlechtsneutralem Sinne verwendete) maskuline Sprachformen dazu führen, dass Personen geschlechtsausgewogen mental repräsentiert werden. Unter dem Vorwand einer Untersuchung zur Kreativität wurden 150 studentischen Versuchspersonen schriftlich Sätze vorgegeben, die eine Personenbezeichnung im Plural in verschiedenen Sprachformen (generisches Maskulinum, Binnen-I, Schrägstrich-Schreibweise) als Satzsubjekt enthielten. Die Versuchspersonen sollten kurze Geschichten über die bezeichneten Personen schreiben und diese Personen dabei auch namentlich benennen. Die Ergebnisse zeigen, dass generisch maskuline Formen zu mehr Repräsentationen männlicher Personen führten als die sprachlichen Alternativen. Eine Gleichverteilung männlicher und weiblicher Repräsentationen trat ausschließlich bei der Verwendung der Schrägstrich-Schreibweise auf, wohingegen das generische Maskulinum zu einem höheren Anteil repräsentierter Männer, die Binnen-I-Form dagegen zu einem höheren Anteil repräsentierter Frauen führte.

Quelle: Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen

in dem ersten Test werden die Personen zu ihren beliebtesten Romanhelden, Lieblingsmalern, -musikern und Sportlern befragt und die Frage einmal im „generischen Maskulinum“ in neutraler Sprache „ihre liebste heldenhafte Romanfigur“ oder mit Doppelnennung „Ihre liebste Romanheldin, ihr liebster Romanheld“.

Zu den Ergebnissen:

Wenn ich das richtig verstehe, dann war der Unterschied zwischen dem generischen Maskulinum und den beiden anderen Formen „signifikant (p<.05) was erst einmal auch nur einen minimalen Effekt ohne wirklichen Aussagegehalt zulässt.

Eine Unterschied zwischen Neutral und Beidnennungen gab es auch nicht.

Frauen nannten mehr Frauen als Männer, was auch wenig verwunderlich ist, weil Männer und Frauen eben auch andere Interessen haben und andere Bücher lesen etc.

Im zweiten Experiment forderten sie die Befragten auf Mitzuteilen, wen sie der CDU oder SPD als Kanzlerkandidaten empfehlen würden bezüglich der Wahl im Jahr 1994.

Das finde ich eine reichlich ungeeignete Frage, denn zu diesem Zeitpunkt kandidierte Rudolf Sharping für die SPD, der sich in einem harten Kampf gegen Oscar Lafontaine und Schröder durchgesetzt hatte, man zog als Troika in den Wahlkampf (die aber nicht wirklich an einem Strang zog). Vorher war Björn Engholm im Gespräch gewesen, der über die Barschel-Affäre zurücktrat.

Bei der CDU war Helmut Kohl seit 1982 Bundeskanzler und sollte es auch noch bis 1998 bleiben.

Frauen als ernsthafte Kandidaten für den Posten waren demnach von vorneherein nicht im Gespräch. Rita Süßmuth wurde zwar Bundestagspräsidentin, war aber meines Wissens nach nie als Kandidatin gehandelt worden, wie auch gegen den amtierenden Bundeskanzler? Hatte Merkel da schon nähere Ambitionen mitgeteilt? ich muss zugeben, dass mir die genaue Lage nicht mehr so präsent ist.

zu der genauen Fragestellung:

Zum Ergebnis:

Interessanterweise gab es also Kandidatinnen bei der SPD.  Heide Simonis? Herta Däubler-Gmelin? Christine Bergmann ? Ulla Schmidt? ich habe keine Ahnung.

Ein Aspekt, den ich allerdings ganz wesentlich finde, ist, dass sich dadurch die Qualität der Antworten verschlechtert hat. Denn Frauen waren zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Rennen, hatten sich dafür auch nichts ins Gespräch gebracht und waren insoweit keine geeigneten Kandidaten mit dem passenden Rückhalt.
Es darf vermutet werden, dass die Doppelnennung schlicht dazu führte, dass die Leute weitere bekannte Politiker genannt haben, die aber letztendlich nicht ernsthaft für eine Kandidatur in Betracht kamen. Sie haben insofern keine bessere Antwort geliefert, sondern lediglich einen zusätzlichen Impuls für eine erweiterte Antwort erhalten. Ein wirklicher Einfluss der Sprache ist aus meiner Sicht damit nicht zu ermitteln.

 

Auch hier scheint mir die reale Situation weit eher die Lage zu gestalten. Bei der SPD war ein weiterer Kandidat dann wahrscheinlich eher aus der Troika und diese bestimmte die Wahrnehmung unabhängig von der Sprache. Neben Kohl gab es keinen Kandidaten, also konnte man beliebige höhere Politiker nennen.

Der Text führt aus, dass bei der SPD ggfs noch Heide Simonis angeführt worden ist, ansonsten aber Männer, bei der CDU war es noch Rita Süßmuth.

In dem dritten Test wurden dann berühmte Persönlichkeiten erfragt, ebenfalls wieder mit den drei Varianten:

Auch hier scheinen mir die Werte wieder sehr klein zu sein, wenn ich das richtig verstehe. Es wurden im Schnitt 11 Personen genannt, davon im generischen Maskulinum 2,37 Frauen, bei Beidnennung 2,67 Frauen und beim „BinnenI“ 4,72 Frauen, wenn ich das richtig verstehe?  Wobei einige das Binnen-I anscheinend als Aufforderung gesehen hatten, nur Frauen zu nennen, was bereits ja die Ergebnisse schwierig einzuordnen macht, weil ja auch nicht klar ist, ob anderen nur nach einiger Zeit die Frauen ausgegangen sind und sie deswegen Männer genommen haben oder ob sie ihren Irrtum erst in der Mitte bemerkt haben.

Männliche Befragte haben zudem weniger Frauen genannt als die Frauen, es war aber auch nicht die gleiche Anzahl von Männern und Frauen vorhanden, was die Gruppeneinteilung auch interessant macht. Mir ist insofern etwas unklar, wie der Test vorgenommen worden ist: Man kann ja nicht die verschiedenen Fragebögen den gleichen Gruppen vorlegen. Die Rede ist zB in Studie eins von 46 Männern und 50 Frauen denen verschiedene Fragebögen vorgelegt worden sind. Wie waren Männer und Frauen verteilt auf die verschiedenen Fragebögen? Wenn ein Fragebogen einer Art von mehr Frauen beantwortet worden ist (was auch bei gleichen Frauen und Männern schnell passieren kann), dann wäre der Test, da diese mehr Frauen nennen, von vorneherein wertlos. Findet sich da was zu?

In dem vierten Text sollte eine Person auf einem Bildschirm einer Gruppe zugeordnet werden. Es stand beispielsweise „Sportler“ auf dem Bildschirm und dann wurde ein Bild abgebildet, welches entweder eine zu dieser Kategorie passte oder nicht. Es ging darum ob mit passenden/unpassenden Sprachformen die Zuordnung leichter fällt und schneller erfolgt. Dazu musste eine Ja/Nein Taste gedrückt werden

Das ist als Test ganz interessant: Personen mit einer negativen Einstellung zu geschlechtergerechten Sprache war die Sprache egal. Sie reagierten jeweils gleich schnell.

Leute, die die Geschlechtergerechte Sprache gut fanden reagierten langsamer bei Frauen im generischen Maskulismus, beim Binnen-I reagierten sie langsamer auf Männer.

Könnte eine interessante Reaktion sein, weil es zeigt wie Ideologie wirkt.

Bei Beidnennung ergaben sich keine Unterschiede. Die geschlechtergerechte Sprache hatte also nur dann einen Effekt, aber einen sehr gemischten, wenn jemand eine positive Einstellung dazu hatte. Ob die Studenten mit der positiven Einstellung genau das als Ergebnis erzielen wollten wäre auch interessant.

Die Studie scheint mir insofern wenig geeignet einen großen Effekt der geschlechtergerechten Sprache zu zeigen.

 

 

 

Sparkassen-Kundin klagt auf Anrede in weiblicher Form („Kundin“ statt „Kunde“)

Eine Frau verklagt die Sparkasse, weil sie auf Vordrucken nicht als „Kunde“, also im generischen Maskulinum, angesprochen werden möchte:

Beklagt war dort allerdings nicht FAZ.NET, sondern die Sparkasse Saarbrücken, die in ihren Formularvordrucken vom „Kunden“ oder „Darlehensnehmer“ spricht, nicht aber von der „Kundin“ oder der „Darlehensnehmerin“. Die Vorinstanzen sahen darin kein Problem: Schließlich seien Frauen von diesen Begriffen nach allgemeinem Sprachgebrauch ebenso umfasst wie Männer. Sogar der Gesetzgeber verwende das generische Maskulinum, und was der nicht für nötig halte, das könne von einer einfachen Sparkasse kaum verlangt werden.

Die Klägerin empfindet das freilich anders. „Ich bin heute hier, weil ich eine selbständige Frau bin. Kein Mann zahlt für mich, ich habe allein vier Kinder großgezogen und zahle für mich selbst, aber ich werde von meiner Bank praktisch totgeschwiegen“, sagte Marlies Krämer nach der Verhandlung. Sprache sei Ausdruck von Denken und Fühlen, und beides könne sich nicht ändern, solange sich die Sprache nicht ändere. Dafür kämpft die Achtzigjährige schon lange: In den neunziger Jahren lebte sie mehrere Jahre ohne Personalausweis und sammelte Unterschriften, bis der Bundesrat 1996 beschloss, der Wendung „Unterschrift des Inhabers“ ein „der Inhaberin“ hinzuzufügen.

Marlies Krämer Sparkasse Kundin

Marlies Krämer Sparkasse Kundin

Auf direkt an sie gerichteten Schreiben wird sie entsprechend angesprochen, auf den Formularen aber nicht. Die FAZ dazu:

Nur ihre Formulare will die Bank nicht anpassen. Diese würden vom Sparkassenverlag zentral unter Beachtung bankenrechtlicher Vorgaben erstellt, der insoweit auch das Haftungsrisiko trage. Bei mehr als 800 Vordrucken für verschiedene Verträge, auf deren beiden Seiten sich jeweils ein oder mehrere Männer oder Frauen oder Personen beiderlei Geschlechts befinden könnten, ergäbe sich eine kaum überschaubare Vielzahl denkbarer Konstellationen. Diese würden durch die unlängst erfolgte Anerkennung eines dritten Geschlechts durch das Bundesverfassungsgericht noch einmal zusätzlich verkompliziert.

Ich hoffe, dass der BGH da vernünftig bleibt. Das daraus entstehende Chaos wäre enorm.
Ich habe mal die Urteile der Vorinstanzen rausgesucht, einfach damit man sich die dortige Argumentation mal anschauen kann (nach dem Umbruch):
Ich finde beide Urteile sehr interessant, gerade die zweite Instanz hat eine sehr umfassende Begründung.

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Sprache gendern

Das Gendern der Sprache ist im Feminismus ein großes Thema, geht aber den meisten Menschen denke ich eher auf die Nerven.

Anderseits nervt mich auch die Fraktion, die in jeder Nennung von Frau und Mann gleich ein Verbrechen sieht, eine Verbrüderung mit dem Feind.

Vielleicht mal zur Abgrenzung:

1. Sehr formelle Sprache von Politikern

Sprache ist etwas lebendiges und bestimmte Formen werden damit durchaus üblich. Wenn ein Politiker „Bürgerinnen und Bürger“ sagt, dann entspricht das aus meiner Sicht durchaus einer inzwischen üblichen formellen Sprache und ich kann es verstehen. Es würde eben heute eher auffallen, wenn in solchen Reden nur von Bürgern gesprochen werden würde. Ich kann also gut verstehen, dass Politiker da keine Angriffspunkte bieten wollen

2. Verwendung in der Alltagssprache

Ich habe noch niemanden erlebt, der das tatsächlich geschafft hat,weder über „Studierende“ noch über Bürgerinnen und Bürger oder andere Formen entsprechender gegenderter Sprache. Es wird sicherlich einige geben,aber anscheinend habe ich nicht mit ihnen zu tun. Ich würde es daher fast lustig, aber auch nervig finden.

Allerdings finde ich es mitunter in bestimmten Situationen durchaus angemessen zu betonen, dass es Männer und Frauen sind, etwa wenn man diesen Umstand besonders hervorheben will, weil es um Verhalten geht, dass eher bei einem Geschlecht anzutreffen ist. Wenn es also um gegebenenfalls auch nicht unbedingt notwendige Klarheit geht, um ein besonderes hervorheben, dann verwende ich auch mitunter doppelte Formen.

3. Gendern in der Schriftsprache, insbesondere Binnen-I, diverse Unterstriche oder Sternchen etc

Diese Formen sind in der Regel überaus einschränkend für die Lesbarkeit. Das scheint bis zu einem gewissen Grad gewollt zu sein, es soll ja Verwirrung stiften etc.

Wenn ich einen Text lese, dann aber weil mich der Inhalt interessiert. Hier stört es mich enorm.

Ein gutes Beispiel ist in dem Zusammenhang beispielsweise die Niedersächsische Kommunalverfassung:

§ 86 Repräsentative Vertretung, Rechts- und Verwaltungsgeschäfte

(1) 1Die repräsentative Vertretung der Kommune obliegt der Hauptverwaltungsbeamtin oder dem Hauptverwaltungsbeamten, bei ihrer oder seiner Abwesenheit den ehrenamtlichen Stellvertreterinnen oder Stellvertretern (§ 81 Abs. 2). 2Sie oder er vertritt die Kommune nach außen in allen Rechts- und Verwaltungsgeschäften sowie in gerichtlichen Verfahren. 3Die Vertretung der Kommune in Organen und sonstigen Gremien von juristischen Personen und Personenvereinigungen gilt nicht als Vertretung der Kommune im Sinne des Satzes 2.

Meiner Meinung nach überaus fürchterlich zu lesen. Man braucht mindestens doppelt so lange, um es zu verstehen.

Leitfaden zum feministischen Sprachhandeln – Professx, Studierix und Co.

Der Leitfaden für feministisches Sprechhandeln ist ja schon durch diverse Blogs gegangen. Hier noch einmal die wesentliche Überblicksgrafik:

Feminismus Sprache Anreden

Feminismus Sprache Anreden

Weitere Ausführungen dazu gibt es hier (oder als PDF).

In einem Interview mit dem Spiegel führt Lann Hornscheidt, einer der Ersteller des Leitfadens, dazu aus:

SPIEGEL ONLINE: Sie haben zusammen mit Ihrer AG einen Leitfaden verfasst, in dem es um geschlechtergerechte Sprache geht (hier als PDF). Als ich studiert habe, kam gerade der Gender-Unterstrich in Mode wie in Student_in, dann gab es den dynamischen Unterstrich, der irgendwo im Wort auftaucht wie in Stu_dentin. Sie schlagen jetzt unter anderem die X-Form vor – Studierx. Warum?

Hornscheidt: Alle anderen Sprachformen wie das Binnen-I in StudentInnen oder der Unterstrich in Student_innen sagen Folgendes: Es gibt Frauen und Männer und dazwischen vielleicht noch ein paar andere Leute. Die X-Form sagt erst mal nur: Da ist eine Person. Das könnte sprachlich viel grundlegender das Geschlecht als wichtige Kategorie in Frage stellen. Das X durchkreuzt herkömmliche Personenvorstellungen.

SPIEGEL ONLINE: Aber es gibt doch Frauen und Männer.

Hornscheidt: Natürlich, in vielen Zusammenhängen ist es wichtig, sich darauf zu beziehen, dass es Frauen und Männer gibt. Das sind wirkungsmächtige soziale Kategorien. Es brächte überhaupt nichts, alle Texte in X-Form zu schreiben. Dann würden wir Machtverhältnisse wieder unsichtbar machen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn wir also über die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen berichten, ist es okay, über Männer und Frauen zu schreiben?

Hornscheidt: Richtig.

Das ist insoweit für jeden, der sich mit Genderfeminismus beschäftigt nichts besonderes. Gerade im Poststrukturalismus, auf dem der Genderfeminismus aufbaut findet man entsprechende Modelle:

Gesellschaftliche Strukturen, Wissensordnungen und kulturelle Formationen (Diskurse), so eine Voraussetzung der meisten Poststrukturalisten, sind grundsätzlich mit Machtformen verknüpft, welche deren Geltung und hierarchische Ordnung etablieren und dazu Herrschaftsverhältnisse produzieren und stabilisieren. Ein zentrales Motiv ist daher für viele Poststrukturalisten, wie derartige Herrschaftsordnungen durch subversive (unterlaufende) und interventionistische (eingreifende) Praktiken verändert oder zumindest für kreative Neupositionierungen genutzt werden können.

Alles ist sozial konstruiert und alles ist eine Frage von Macht. Durch die Sprache schafft man diese Konstruktion und damit auch die Machtverhältnisse und Herrschaftsverhältnisse. Der Leitfaden stellt insofern eine subversive und interventionistische Praxis dar, mit der eine Veränderung dieser Strukturen erreicht werden soll. Dabei baut das ganze auf diesen wesentlichen Gerüsten auf:

  • Mögliche Verschleierung jeden Geschlechts, sofern damit nicht eine Benachteiligung einer nichtpriviligierten Gruppe unsichtbar gemacht wird.
  • Konkrete Nennung des Geschlechts, wenn ansonsten ein Machtverhältnis zu Lasten der Gruppe ohne Macht unsichtbar gemacht wird.
  • Hervorhebung der Gruppen ohne Macht zum Ausgleich und Verminderung des Machtverhältnisses
  • Hinzufügung weiterer Unsicherheitselemente wie dem Unterstrich

Die konkreten Fälle werden dort wie folgt dargestellt:

x-Form und *-Form (Sternchen-Form) I

Dix Studierx hat in xs Vortrag darauf aufmerksam gemacht, dass es unglaublich ist, wie die Universität strukturiert ist, dass es nur so wenige Schwarze Professxs gibt.

Das ‚x‘ signalisiert ein Durchkreuzen herkömmlicher → gegenderter Personenvorstellungen. Diese Form wird angewendet, wenn die Frage, ob die gemeinten Personen weiblich, männlich oder → trans* sind, in einem Kontext keine Rolle spielt oder keine Rolle spielen soll.

Dynamischer Unterstrich

We_lche Mita_rbeiterin will denn i_hre nächste Fortbildung zu antidiskriminierender Lehre machen? Sie_r soll sich melden. Der Kurs ist bald voll.

Diese Form wird benutzt, um insbesondere in der schriftsprachlichen Verwendung kritisch auf → zweigegenderte Formen, also die Vorstellung, es gäbe nur Frauen und Männer, zu verweisen und diese Vorstellung in Bewegung zu bringen.

Das Wandern des Unterstrichs durch ein Wort macht deutlich, dass es nicht einen festen Ort gibt, an dem ein Bruch in ZweiGenderung – also zwischen der konventionalisiert männlichen und der konventionalisiert weiblichen Form – stattfindet

Wortstamm- oder Silbenunterstrich

Di_e Sprech_erin der queer_feministischen Hochschulgruppe konnte ihr_e Kommilito_ninnen, Freun_dinnen und die Mitarbeit_erinnen der Uni für i_hr Anliegen begeistern. Kei_ne verwendete ih_r Stimmrecht dagegen.

Diese Form kann in Kontexten genutzt werden, wo → ZweiGenderung als sprachlicher Bezugsrahmen gebraucht wird und gleichzeitig in einer möglichst einheitlichen Variante herausgefordert werden soll.

Der Variante des Wortstamm- oder Silbenunterstrichs gelingt es, mit einer Brechung auf die Annahme, es gäbe ausschließlich Frauen und Männer, auf gesellschaftliche ZweiGenderungsprozesse also, Bezug zu nehmen

*-Form (Sternchen-Form) II und statischer Unterstrich

Die erste Amtshandlung der neugewählten Präsidentin war es, alle Mitarbeiter_innen aufzufordern, die Kolleg_innen über die zentrale Arbeit der Antidiskriminierungsstelle der Universität zu informieren.

Diese Form bietet die Möglichkeit einer ersten kritischen Bezugnahme auf sprachliche → ZweiGenderung (ohne diese grundsätzlich infrage zu stellen) und kann in der *-Variante gleichzeitig eine Vielfalt von → Positionierungen symbolisieren.

Generisches Femininum bzw. umfassende Frauisierung

Alle Professorinnen der Universität Leipzig freuen sich, dass sie endlich in ihren Texten ausschließlich weibliche Formen benutzen können.

Diese Form kann in Kontexten genutzt werden, in denen eine implizit männliche Norm besteht, die nun sprachlich irritiert werden soll.

Diese Sprachhandlung wirkt insbesondere in Kontexten aufrüttelnd, in denen männliche Normalvorstellungen wenig hinterfragt sind.

a-Form

Unsa Lautsprecha ist permanent auf Demos unterwegs. Ea erfreut sich hoher Beliebtheit.

Diese Form greift ebenfalls die Idee von einer herausfordernden, stärkeren → Frauisierung von Sprache auf, um mit männlich geprägten Assoziationen zu brechen.

Binnen-I und ZweiGenderung

Seit heute streichen mehr als zwei Drittel der Studierxs die Angabe zur StaatsbürgerInnenschaft auf allen Formularen durch.

Diese Formen werden in Kontexten benutzt, in denen die Annahme, es gäbe ausschließlich Frauen und Männer, also → ZweiGenderung, als unhintergehbare, feststehende Norm, gilt bzw. in Situationen, in denen sich Personen ausschließlich als → CisFrauen und → CisMänner definieren. Dazu gehören v.a. rechtliche und medizinische Kontexte (vgl. Kapitel 3, Punkt b).

Man sieht hier also schön, dass die Sprache immer mehr ihre Funktion als Werkzeug einer einfachen Kommunikation verliert und statt dessen ganz im Sinne des Umbildung der Gesellschaft eingesetzt wird. In diesem Bereich ist das generische Femininum kein Sexismus, weil Männer die Macht haben und so eben „Gender Trouble“ gestiftet werden kann und „Machtverhältnisse“ hinterfragt werden können.

Größtes Handicap eines solchen Versuches ist damit auch die Praktikabilität und das die meisten Leute den Sinn einer solchen Umstellung schlicht nicht einsehen werden. Die geringe Rate von Intersexuellen von etwa 0,018% und der Umstand, dass die allermeisten Leute kein Problem damit haben, als Mann oder Frau gesehen zu werden, gibt diesem Modell in den Augen vieler einen äußerst geringen Nutzen im Vergleich zu den Kosten durch eine Umstellung.

Lann Hornscheidt dazu:

SPIEGEL ONLINE: Sind das nicht nur Einzelfälle?

Hornscheidt: Nein, allein im letzten Semester haben sich zwölf Personen bei mir gemeldet, die sich diskriminiert fühlten. Es würde schon viel helfen, wenn zu Semesterbeginn gefragt würde, wie Personen angesprochen werden wollen – und dies dann respektiert und nicht hinterfragt würde.

12 (!) Menschen. Bei einer Professorin für Gender Studies, die genau auf diesen Bereich spezialisiert ist. Das ist natürlich ein starker Beleg. Man könnte zwar daran denken, dass diese Auswahl nicht gerade eine Zufallsauswahl ist, sondern daran liegt, das sie in ihr einen gesonderten Ansprechpartner für genau diesen Bereich haben, aber gut.

Eine geschlechterneutrale Anrede scheint es mir im übrigen in Universitäten schon für den Professor zu geben: Das Sie. Man könnte das sogar selbst als Frauisierung auslegen, dass auch Männer wenn man Respekt vor ihnen hat mit Sie angesprochen werden, aber das wäre natürlich nicht geeignet Chaos zu stiften.

Zur Aussprache noch das Folgende:

SPIEGEL ONLINE: Ich finde die X-Form kompliziert und in Texten schwer lesbar.

Hornscheidt: Ich würde es immer wie -ix lesen, also „Professix“ sprechen. Natürlich irritieren solche Formen, darum geht es ja. Überlieferte Normen in Frage zu stellen, das eigene Sprachhandeln zu hinterfragen und Sprache kreativer zu benutzen. Es ist der Versuch, etwas auszudrücken, das vorher nicht ausdrückbar war. Für Communitys, die sich nicht in der Zweier-Genderung wiederfinden, bedeuten solche Sprachformen eine große Erleichterung.

Hier wird noch einmal betont, dass es nicht um das praktische geht, sondern Irritation gerade ein wichtiges Konzept ist. Vielleicht auch der Grund, warum solche feministischen Leitfäden fast immer allgemeines Kopfschütteln hervorrufen werden: Sie sind gar nicht auf eine einfache und praktikable Umsetzbarkeit hin ausgerichtet, sondern sollen unbequem sein.

Sie sind insoweit die High-Fashion des Feminismus, nicht tragbar, aber zumindest aus Sicht der Schöpfer dieser Werke schön anzuschauen und Zeugnis ihrer ideologischen Hingabe.

Es verwundert mich allerdings etwas, dass der Einwurf, dass solche Sprachungetüme Ableismus sind nicht häufiger kommt. Immerhin werden Sehbehinderte und deren Vorleseprogramme etc damit erhebliche Probleme haben. Wobei man das dann vielleicht darauf abwälzen kann, dass die (sicherlich von WHMs geleiteten) Firmen, die diese Programme herstellen, eben die Bedürfnisse von Sehbehinderten nicht hinreichend unterstützen und insoweit klassisch patriarchal sind.

Hornscheidt dann weiter:

SPIEGEL ONLINE: Ich muss mich jetzt aber nicht Journalx nennen, der über Politikx für seine Lesx schreibt?

Hornscheidt: Nein, wir wollen niemandem etwas vorschreiben, keine neuen Regeln aufstellen. Wir sagen nicht: So soll es sein. Wir sagen: So kann es sein. Ich habe nichts dagegen, wenn Personen sich Frau oder Mann nennen bzw. Professorin oder Professor. Wer sich aber in der Zweigeschlechtlichkeit nicht wiederfindet, soll ein anderes Angebot bekommen.

Das finde ich immerhin einen legitimen Ansatz: Wenn sich Leute, die darauf wert legen, eine Kunstsprache schaffen wollen, dann steht ihnen das natürlich frei. Wobei sie sich eben bewusst machen sollten, dass die wenigsten sie dann noch verstehen werden oder wollen und sie insofern in einem überzeugten inneren Zirkel von Leuten, bei denen „Gender Trouble stiften“ nichts bringt diese Sprache verwenden, die meisten Wirkungen, die eigentlich erzielt werden sollen, damit also ins Leere laufen.

Es hat aus meiner Sicht eine gewisse Ironie, dass die poststrukturalistischen Theorien dazu führen, dass ihre Ansätze die Sprache zu verändern, fast per se unpraktisch sein müssen. Denn das Schockelement und das bewusste Erreichen von Irritation ist in diesem Bereich zu stark ausgeprägt und hat für sich eine zu hohe Bedeutung. Sie können auch keine politisch neutrale Sprache entwerfen, bei der man nicht gleich ein komplettes Gedankengebäude der Unterdrückung der Frau durch den Mann übernehmen muss, wenn man deren Grundlagen verwendet.  Deswegen sind wir denke ich vor Umstellungen in diese Richtung einigermaßen sicher.

Ein schöner Beitrag dazu findet sich in der Welt:

Ich halte Gender Studies für einen großen pseudowissenschaftlichen Humbug. Die Existenz von nach BAT-Tarifen bezahlten Professorinnen in jenem Voodoo-Fach ist ein unschlagbares Argument für Kürzungen im offensichtlich überalimentierten deutschen Bildungsbereich. (…) Sollten sich also ausreichend Menschen finden, die gerne Professx oder Studierx genannt werden möchten, dann würde man diesen Wunsch mit rein wissenschaftlichen Argumenten wenig entgegensetzen können. Lann Hornscheidt ist optimistisch: „Ganz viele Menschen identifizieren sich nicht damit, Frau oder Mann zu sein. Viele wollen auch nicht das eine oder das andere sein.“ Möglicherweise übertreibt sie da ein wenig. Es bleiben berechtigte Zweifel, ob es außerhalb Berlins und des Spinner-Auffangbeckens Humboldt-Uni wirklich ein so dringendes Bedürfnis nach sprachlicher Gender-Optimierung gibt.

Zurecht weist der Autor darauf hin, dass es schon einige Sprachumformulierungen in die aktive Sprache geschafft haben. Man wird sehen wohin die Reise geht. Ich würde wie bereits oben dargelegt mit ihm vermuten, dass der Bedarf gering ist. Sprache ist aber in jede Richtung lebendig und vielleicht entsteht ein politisches Bedürfnis, sich noch korrekter auszudrücken. Ich bewundere jetzt schon Politiker, die fehlerfrei ein „Bürgerinnen und Bürger“ in jeden Satz einbauen können, vielleicht sind diese ganz glücklich, wenn sie es auf „Bürgx“ („Liebe Bürgix, ich möchte die Steuern senken“) reduzieren kann. Allerdings ist dies im Gegensatz zur Nennung beider Formen (die gerade die Zweigeschlechtlichkeit hervorhebt) eben für viele Wähler unverständlich und wirkt insoweit nicht volksnah. Das dürfte die Chancen mildern.

Zum Verhältnis von Sprache und Realität bei Judith Butler

Leser El Mocho hat eine interessante Kritik an Judith Butler geschrieben, die ich gleich mal etwas prominenter herausstellen möchte:

Judith Butler ist bekannt für ihre Theorie, die sich „gegen die Annahme eines faktischen, materiellen körperlichen Geschlechts (wendet), das mit einem sozialen Konstrukt (gender) überschrieben wird. Sie geht davon aus, dass der Begriff des biologischen Geschlechts und der damit zusammenhängende Rekurs auf Naturalität selbst „eine kulturelle Norm, die die Materialisierung von Körpern regiert“ ist. (http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rper_von_Gewicht#Materialit.C3.A4t_des_Geschlechts)

Das da die Frage naheliegt, wer denn der Konstrukteur dieses Konstruktes sei, bzw. woher denn diese kulturelle Norm stammt, wenn sie schon bei der Identitätsbildung von Menschen ansetzt, also praktisch bevor diese überhaupt handelnd aktiv werden können, weiß Butler selber. Sie schreibt:

„If gender is a construction, must there be an “I” or a “we” who enacts or performs that construction? How can there be an activity, a constructing, without presupposing an agent who precedes and performs that activity? How would we account for the motivation and direction of construction without such a subject?“ (Bodies that matter, p. 7)

Und antwortet auf die Frage:

„I would suggest that it takes a certain suspicion toward grammar to reconceive the matter in a different light. For if gender is constructed, it is not necessarily constructed by an “I” or a “we” who stands before that construction in any spatial or temporal sense of “before.” Indeed,- it is unclear that there can be an “I” or a “we” who has not been submitted, subjected to gender, where gendering is among other things, the differentiating relations by which speaking subjects come into being. Subjected to gender, but subjectivated by gender, the “I” neither precedes nor follows the process of this gendering, but emerges only within and as the matrix of gender relations themselves.” (a.a.O.)

“Suspicion toward grammar” verstehe ich so, dass sie meint, die Grammatik würde uns zwingen, zu einem Verb (einer Tätigkeit) immer ein Subjekt (das die Tätigkeit ausführt) hinzu zu denken, obwohl dies in der Realität keineswegs notwendig wäre. Etwas später im Text heißt es entsprechend:

„Construction is neither a subject nor its act, but a process of reiteration by which both “subjects” and “acts” come to appear at all. There is no power that acts, but only a reiterated acting that is power in its persistence and instability.” (p. 9) und weiter:

“Construction is neither a single act nor a causal process initiated by a subject and culminating in a set of fixed effects. Construction not only takes place in time, but is itself a temporal process which operates through the reiteration of norms; sex is both produced and destabilized in the course of this reiteration.” (p. 10)

Für mich ergeben sich da ein paar fundamentale Fragen: Wie ist das Verhältnis von Sprache und Realität? Muss nicht die Realität der Sprache notwendig voraus gehen? Muss es nicht erst Menschen (und vor allem erst eine Welt, die zumindest so stabil ist, dass in ihr evolutionäre Prozesse ablaufen können) geben, bevor es Sprache geben kann? Ist nicht der Übergang von Nicht-Sprache zu Sprache höchst fließend, von den einfachen Signallauten niedriger Tiere bis zu den schon relativ komplexen Signalsystemen nichtmenschlicher Primaten? Und wenn dem so ist, ist dann nicht Sprache notwendig von der Welt konstruiert durch Evolution (indem sie einer bestimmten Spezies einen erheblichen Selektionsvorteil verschafft) und nicht umgekehrt?

Vielleicht kenn ich Butlers Werk nicht genug, aber in diesem Buch geht sie auf diese Fragen nirgendwo ein. Und andere Sozialkonstruktivisten tun dies auch nicht; ist dies nicht ein Schwachpunkt, an dem jeder Sozialkonstruktivismus scheitern muss?

Dies gilt aus meiner Sicht zumindest für radikale Formen des Sozialkonstruktivismus, die nicht nur davon ausgehen, dass es keinen nicht durch die Gesellschaft bestimmten Zugang zur Realität gibt, sondern dass die Realität überhaupt nur das Ergebnis sozialer Prozesse ist.

Der Prozess der Konstruktion wird genauer so beschrieben:

„To “refer” naively or directly to such an extra-discursive object will always require the prior delimitation of the extra- discursive. And insofar as the extra-discursive is delimited, it is formed by the very discourse from which it seeks to free itself.” (p. 11)

Und an anderer Stelle: „The body posited as prior to the sign, is always posited or signified as prior.” oder : “To posit by way of language a materiality outside of language is still to posit that materiality and the materiality so posited will retain that positing as its constitutive condition.” (p 30)

Demnach konstruiert der Diskurs also, indem er zwischen sich selbst und den außerdiskursiven Objekten unterscheidet? Damit wird der Relativismus auf die Spitze getrieben, als würde die Existenz der Welt davon abhängen, ob sich irgendwelche menschlichen Diskurse auf sie beziehen. Hier wird ganz deutlich, dass Butler offenbar unfähig ist, sich eine unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existierende Welt vorzustellen, sie existiert immer nur in Beziehung auf den sie erkennenden Menschen.

Natürlich ist die Welt für uns nur zugängig, indem wir uns erkennend auf sie beziehen, aber daraus folgt ja nicht, dass die ohne dieses Erkennen nicht existieren würde.

Butler fragt nirgendwo nach der Sprache, sie wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Das ist aus meiner Sicht eine große Ignoranz, aber sie ist üblich bei geisteswissenschaftlich orientierten Philosophen. Letzten Endes läuft dies auf eine solipsistische Position heraus, die das eigene Subjekt für absolut setzt, indem es die Existenz der Welt von sich abhängig macht.

Aber Butler geht ja wesentlich um Sex und Gender und nicht um allgemeine Erkenntnistheoretische Fragen. Sie schreibt:

„To “concede” the undeniability of “sex” or its “materiality” is always to concede some version of “sex,” some formation of “materiality.” Is the discourse in and through which that concession occurs not itself formative of the very phenomenon that it concedes? … there is no reference to a pure body

which is not at the same time a further formation of that body.“ (p. 10) und:

“What will and will not be included within the boundaries of “sex” will be set by a more or less tacit operation of exclusion. … there is no reference to a pure body which is not at the same time a further formation of that body.” (p. 11)

Hier passiert wieder das gleiche wie oben. Das Sexualität eine besondere Strategie im Rahmen der natürlichen Auslese sein könnte und nicht davon abhängt, wie Menschen dieses Phänomen verstehen und beurteilen, bleibt außerhalb von Butlers Horizont.

Warum kommen Menschen fast ausschließlich mit bestimmten physischen Geschlechtsmerkmalen zur Welt? Warum gibt es zwei Geschlechter?

Judith Butler hat auf diese Fragen keine Antwort und übergeht sie stillschweigend.

Die Einleitung zu Butlers Buch kann übrigens hier: http://schwarzemilch.files.wordpress.com/2009/02/butlerintroduction.pdf

Herunter geladen werden.

Feministisch korrekte Sprache: sexuelle Positionierung und männlich und weiblich gelesene Personen

Elitemedium berichtet „Neues aus dem Neusprechland„. Es geht um folgende Begriffe:

Sexuelle Positionierung: ist eigentlich das gleiche wie sexuelle Orientierung. Aber – um Lantzschi zu zitieren –  eigentlich geht’s im Zusammenhang mit Privilegiertheiten in dem Feld ja nicht um Identitäten, sondern um Positioniertheiten in einem Gefüge, dass sich die Individuen nicht selbst wählen können. (ergo auch keine Orientierung/Identität). Es ist also nicht eine Orientierung, die der Mensch nun einmal hat, sondern etwas, in dem er durch die Gesellschaft oder andere Umstände positioniert wird. Vermutlich gäbe es ohne die gesellschaftlichen Zwänge und Regeln keine Orientierung und jeder wäre entweder bisexuell oder was er auch immer sein will. Ich vermute viele Homosexuelle werden dem ebenso wie die aktuelle Forschung widersprechen und sagen, dass sie schwul/lesbisch sind und nicht dazu gemacht wurden. Aber so ist es eben korrekter

Männlich/weiblich gelesene Personen: Nur weil ein Mensch einen bestimmten Phänotyp zu haben scheint bedeutet es natürlich im Feminismus nicht, dass er weiblich oder männlich ist. Denn weiblich und männlich sind einfach nur Zuschreibungen, die am Körper ansetzen können oder eben auch an anderen. Das muss man in zwei Richtungen beachten: Wer beispielsweise als männlich gelesen wird, der nimmt eben auch an den diesbezüglichen Privilegien teil. Zudem muss sich ein guter Feminist auch immer selbst prüfen und Menschen nicht einfach ein Geschlecht unterstellen. Er kann also bei ihm unbekannten Personen schreiben „ein Mensch, den ich als männlich gelesen habe“, wenn da dem Phänotyp nach ein Mann vor ihm steht.

Beides erscheint mir viel zu theorieüberladen um sich außerhalb extremer Radikalität durchzusetzen.