Evolutionäre Spieltheorie

Ich habe hier einige interessante Videos zu evolutionärer Spieltheorie gefunden

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Zugabe:

Klatsch und Tratsch aus evolutionärer Sicht

Menschen allgemein haben ein Interesse für Klatsch und Tratsch, sowohl was den Bekanntenkreis angeht als auch und gerade, was die höheren Kreise angeht. Das ist aus meiner Sicht wenig verwunderlich: Information ist Macht bzw. in einer Spezies, die auf Kooperation und Gruppengefüge ausgelegt ist, ein wichtiger Faktor.

1. Der Mensch als Gruppentier

Der Mensch ist von seiner biologischen Ausrichtung auf das Leben als soziales Gruppentier ausgerichtet. Das Gruppenleben ist dabei einer der wesentlichsten Punkte und die Position innerhalb der Gruppe, die Frage, welche Verbündeten man hat und wer einem beisteht und wer gegen einen arbeitet einer der entscheidendsten Punkte um als Mensch voranzukommen.

Dies war bereits häufiger Thema hier:

2. Wichtigkeit der Information für soziale Gruppentiere

Wenn soziale Interaktion wichtig ist und Bündnisse oder Beziehungen eine wichtige Rolle spielen, dann wird es verständlich, dass Menschen immer an Gerüchten aus ihrer Umgebung interessiert sind. Weil man, wenn man mit einer Person interagiert für eine genaue Berechnung auch immer ihre Beziehungen mit einberechnen muss. Das ist eine relativ einfach Sache, ich will es aber noch einmal anhand von ein paar Beispielen darstellen (die Namen sind nicht kontinuierlich). 

  • Wenn A den B nicht mag, dann unterstützt er vielleicht mich, weil ich B auch nicht mag, A und B haben sich neulich über etwas gestritten.
  • Wenn A und B sich versöhnen, dann kann das Auswirkungen auf meine Position haben
  • M1 hat F1 neulich einen langen Blick zugeworfen und sie hat kurz zurückgelächelt. Dabei ist er mit F2 zusammen. Bedeutet das, dass sich zwischen den beiden etwas entwickelt? Wird dann F2 demnächst ungebunden sein und ich sollte jetzt schon etwas in diese Richtung tun? Sollte ich M2, den bisherigen Parter/Vater/Bruder darauf hinweisen? Sollte ich M1 oder F1 unterstützen und damit Punkte bei ihnen sammeln?
  • M1 hat kontinuierlich gute Beute nach Hause gebracht und M2, der früher immer ein guter Jäger war, wirkt immer müde und erschöpft, er scheint kaum noch gute Beute zu machen. Immer mehr gute Jäger schließen sich M1 an, M2s Jagdgruppe wird immer schlechter.
  • F1 und F2s Kinder spielen viel miteinander, sie unterstützen sich gegenseitig, F2 ist eine wichtige Frau. F1 macht ebenso wie ich viel mit F3. F3 scheint diese neue Freundschaft nicht zu mögen. Sollte ich mich F3 oder F1 anschließen? Wie steht F2 zu mir/meinen Verwandten/meinem Partner?
  • M1 glaubt, dass M2 seine Frau F1 mag. Dabei mag er seine Tochter F2 und versucht nur über die F1 an F2 zu gelangen. Ich will auch F2. Kann ich das fehlerhafte Wissen von M1 nutzen, um ihn als Konkurrenten auszuschalten?
  • F1 hat immer die neusten Gerüchte über alle. Wenn man sich gut mit ihr stellt, dann erfährt man viel. 
  • F1 erzählt jedem, dass ich Unglück bringe. Warum macht sie das?
  • M1 hat M2 neulich vor einem Säbelzahntiger gerettet. M2 schuldet M1 daher etwas/schuldet ihm aber nichts, weil M2 ihn ebenso einmal gerettet hat und M1 angeblich mit dessen Partnerin F1 geschlafen haben soll. M2 hasst M1 daher trotzdem.

Und gerade in Bezug auf Promis kann dies natürlich auch nützlich sein:

  • Der mächtige und bekannte M1 interessiert sich für F1. Wer immer sich auch für F1 interessiert ist sein Konkurrenz
  • F1 als statushöchste Frau mag M1 und F2 nicht. Vielleicht sollte ich beide auch meiden. Oder : Sie mag mich auch nicht, und F5 ist auf dem aufsteigenden Ast, Ich sollte mich mit M1 und F2 verbünden und F5 diskret fördern.
  • Im Nachbarstamm ist M1, der Häuptling stark verletzt. M2 ist sehr populär. Er könnte neuer Häuptling werden. M2 wurde aber von F1, einer Frau aus unserem Stamm abgelehnt. Er will sie immer noch. Was bedeutet das für unseren Stamm?

3. Spieltheorie

Etwas einfacher kann man sagen, dass alle Gerüchte und Informationen letztendlich dazu dienen, aus einem Spiel mit unvollständiger Information ein Spiel mit etwas weniger unvollständiger Information zu machen, um so seine Strategien diesem neuen Informationsstand anpassen. Gerüchte in die Welt zu setzen und zu verbreiten, ebenso wie die über einen verbreiteten Informationen zu kontrollieren, kann bereits ein Teil einer Strategie sein, seine Macht zu festigen.

4. Steinzeit und Evolution

Ich habe versucht oben Beispiele zu nehmen, die auch in einer steinzeitlichen Gruppe von Interesse sein können. Es ist bei Gruppentieren zu erwarten, dass sie ein Interesse für Klatsch und Tratsch entwickeln und an zusätzlichen Informationen aus dem Bekanntenkreis aber auch über höherstehende Statuspersonen stark interessiert sind. 

Informationen sind – wie hier auch bereits für Costly Signalling und Kultur angeführt – mit das wichtigst Gut, welches es in einer auf Interaktion ausgerichteten Gesellschaft gibt.

Soweit ersichtlich ist das Interesse an Tratsch und Klatsch auch ein weltweit zu beobachtender Trend. 

Es wäre insoweit sehr wahrscheinlich, dass wir uns aus biologischen Gründen dafür interessieren

5. Heutige Zeit

Dazu passt auch, dass uns eine Vielzahl von Informationen interessieren, die heutzutage ohne Relevanz für uns sind. Die Hochzeit statushoher Menschen ohne tatsächliche Funktion, wie etwa die von Adeligen oder diversen Promis oder das Wer-mit-Wem der Klatschpresse interessiert viele Leute brennend. Gerade solche Beziehungsgeschichten sind daher, vielleicht gerade, weil sie in der kleineren Gruppe in der Steinzeit von essentieller Bedeutung waren, ganz besonders, ebenso wie Nachrichten über den Partnerwert von Promis, wie etwa der Umstand, dass Promi X zugenommen hat oder Angelina Jolie ihre Brüste wegen Krebsgefahr hat amputieren lassen und nunmehr Implantate hat. Wir interessieren uns für Statusveränderungen aller Art („X hat ein Drogenproblem“) oder auch den Fall der einstmals Mächtigen, auch wenn ihre Geschichten für uns heute uninteressant sind. 

 

Spielen die Geschlechter ein Nullsummenspiel oder ein Kooperatives Spiel im Sinne der Spieltheorie?

Ich finde die Frage interessant, welche Art von Spiel die Geschlechter spielen: Ein nichtkooperatives Nullsummenspiel oder ein kooperatives Spiel:

Nullsummenspiele beschreiben in der Spieltheorie Situationen, also Spiele im verallgemeinerten Sinne, bei denen die Summe der Gewinne und Verluste aller Spieler zusammengenommen gleich null ist.

Nullsummenspiele sind spieltheoretisch äquivalent zu den Spielen mit konstanter Summe (Konstantsummenspielen). Bei diesen Spielen ist die gemeinsame Auszahlungssumme nicht gleich null, sondern gleich einer Konstanten, betrachtet man jedoch die Auszahlung als im Voraus an die Spieler verteilt, so spielen diese um eine Umverteilung mit Summe null. Beispiele für Nullsummenspiele sind alle Gesellschaftsspiele und Sportarten, bei denen gegeneinander um den Sieg gespielt wird, beispielsweise Poker oder Schach. Es ist dabei zu beachten, dass die betrachteten Gewinne und Verluste außerhalb des Spieles verstanden werden – in einer Schachpartie verlieren beide Spieler gegenüber dem Partiebeginn in der Regel an Spielmaterial, es geht aber nur um die Auszahlung des Spieles „nach außen“, hier zum Beispiel als „ein Punkt in einem Turnier“.

Ein Nullsummenspiel im ökonomischen Sinne ist eine Konkurrenzsituation, bei der der wirtschaftliche Erfolg oder Gewinn eines Beteiligten einem Misserfolg oder Verlust eines anderen in gleicher Höhe gegenübersteht.

Der allgemeine Fall des Nicht-Nullsummenspiels wird oft als Coopetition bezeichnet. Man kann dabei noch unterscheiden, ob die Summe zu jedem Zeitpunkt null ist oder ob es bestimmte Zeiten während der Spielzüge gibt, in denen sie ungleich null oder unbestimmt ist. Ein besonderer Fall des Nicht-Nullsummenspiels ist das sogenannte Win-Win-Spiel, bei der alle Beteiligten gleichzeitig gewinnen können, dieser Spielausgang aber dennoch nicht automatisch erreicht werden kann.

Der allgemeine Fall des Nicht-Nullsummenspiels wird oft als Coopetition bezeichnet. Man kann dabei noch unterscheiden, ob die Summe zu jedem Zeitpunkt null ist oder ob es bestimmte Zeiten während der Spielzüge gibt, in denen sie ungleich null oder unbestimmt ist. Ein besonderer Fall des Nicht-Nullsummenspiels ist das sogenannte Win-Win-Spiel, bei der alle Beteiligten gleichzeitig gewinnen können, dieser Spielausgang aber dennoch nicht automatisch erreicht werden kann.

Mir scheint, dass die radikaleren Richtungen bei beiden Geschlechtern eher ein Nullsummenspiel sehen. Ich schrieb beispielsweise zum radikalen Maskulismus einmal als Definition:

Radikaler Maskulismus: Der radikale Maskulismus stellt die Geschlechter in einem Kampf gegenüber. Die Frau ist dabei an der Unterdrückung des Mannes interessiert und es gilt dies zu verhindern. Der Mann wird dabei gerne als der bessere Mensch angesehen, die Frau als der schlechtere, entweder aufgrund der Rolle oder aber aufgrund von Differenzen zwischen Männern und Frauen. Ziel des radikalen Maskulismus ist eine Befreiung des Mannes von der Unterdrückung durch die Frauen / einen Teil der Frauen. Im radikalen Maskulismus dürfte auch vieles zu finden sein, was sich als Antifeminismus bezeichnet.

Sich in einem Kampf gegenüber stehen bei denen jeder Gewinn des einen Geschlechts ein Verlust des anderen Geschlechts ist, ist eben ein Nullsummenspiel.

Gemäßigtere Teile in beiden Richtungen wollen hingegen das Geschlechterverhältnis so ausrichten, dass man es nicht auf Konflikt, sondern auf Kooperation auslegt, die eine gewisse Konkurrenz beeinhaltet, aber den Mehrgewinn der Kooperation verwirklichen will. Hier gibt es den interessanten Begriff der Coopetiton:

Coopetition bezeichnet Marktphänomene, bei denen eine Dualität aus Kooperation und Wettbewerb besteht und das Handeln der Marktteilnehmer beeinflusst, ohne dass diese explizit kooperieren.

Derartige Systeme werden in der Spieltheorie mathematisch als Nicht-Nullsummenspiele beschrieben. Diese ist erstmals 1928 von John von Neumann beschrieben und 1944 zusammen mit Oskar Morgenstern in dem Buch „Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten“ (Theory of Games and Economic Behavior) ausgeführt worden.

1950 hat der US-Mathematiker John Forbes Nash Jr. das Lösungskonzept des Nash-Gleichgewichts aufgestellt, das auch für die Nicht-Nullsummensituation geeignet ist, die durch das Konzept der Coopetition beschrieben wird. Unter bestimmten Bedingungen lässt es sich als Nashgleichgewicht darstellen, dass Konkurrenten gemeinsam einen Vorteil erzielen können, auch ohne eine explizite Absprache im Sinne eines Kartells getroffen zu haben.

Ein Sonderfall dieser Situationen ist die gezielte, organisierte Kooperation auf der gleichen Wertschöpfungsstufe (horizontale Kooperation), während die Kooperationspartner auf dem Markt für das Endprodukt in Wettbewerb zueinanderstehen. Kooperiert wird dabei meist in den Bereichen „Forschung und Entwicklung“ oder „Produktion“, während in den anderen Bereichen die Unternehmen in ihrer Rolle als eigenständige Wettbewerber verbleiben und am Markt auftreten.

Die beiden US-amerikanischen Professoren Adam Brandenburger (Stern Business School) und Barry Nalebuff (Yale School of Business) haben die Grundidee der Coopetition in ihrer gleichnamigen Monographie auf die Praxis des Geschäftslebens angewandt und zu einem vollständigen System ausgebaut. Die von ihnen entwickelte Methode beschreibt fünf Ansatzpunkte, an denen man in der Geschäftspraxis ansetzen kann, um mit seinen Geschäftspartnern (einschließlich der Konkurrenten) Lösungen zu erzielen, durch die alle Beteiligten besser gestellt werden als bei naiver Konkurrenz. Im Idealfall sind dies Win-Win-Situationen, aber Coopetition gilt auch für Fälle, die „zwischen“ Nullsummenspielen und Win-Win-Situationen liegen.

Innerhalb dieser Betrachtung streitet man sich dann darüber, welches aufgrund der Interessen der Geschlechter aber eben auch der Einzelpersonen, die andere Lebensentwürfe haben bestehende Nash-Equlibrium man anpeilen sollte und wie man dabei abweichenden Lebensentwürfen gleichzeitig den passenden Raum einräumt.

Zwischen den Geschlechtern besteht, gerade wenn man davon ausgeht, dass sie im Schnitt verschiedene Interessen und Fähigkeiten haben, ein erhebliches Potential für Kooperation. Man muss diesen gemeinsamen Weg nicht ausblenden und sich zwanghaft auf ein Nullsummenspiel festlegen.

Die Frage, auf welche Art man welchen Mehrgewinn erzielen kann und wie dabei die Interessen und Motivationen (Payoffs) der Geschlechter sind scheint mir dabei die wesentliche in der Geschlechterfrage zu sein.

Sind die Payoffs von Männern und Frauen vergleichbar?

In der Spieltheorie gibt es den Begriff der Payoffs, der wie folgt definiert ist:

In any game, payoffs are numbers which represent the motivations of players. Payoffs may represent profit, quantity, „utility,“ or other continuous measures (cardinal payoffs), or may simply rank the desirability of outcomes (ordinal payoffs). In all cases, the payoffs must reflect the motivations of the particular player

Ein Problem dabei ist, dass die Motivationen der Spieler vollkommen unterschiedlich sein können. Wenn sich zwei Personen über den Preis eines Gegenstandes, sagen wir eines Schranks einigen wollen, dann kann die Motivation des Käufers sein, dass er eine Aufbewahrungsmöglichkeit erwerben möchte oder das er ihn der Schrank an den Schrank seiner geliebten Oma erinnert, den er aus sentimentalen Gründen um jeden Preis haben möchte. Wenn beide ein Spiel vollständiger Information spielen, dann kann der Verkäufer dies nutzen, um einen höheren Preis herauszuschlagen, etwa statt 100 € das Doppelte, also 200 €. Hier kann man überlegen, ob dies gerecht ist, weil er einen im Verhältnis zu sonstigen Geschäften unnötig hohen Preis herausschlägt, obwohl dies der Marktpreis nicht hergibt und er ansonsten ohne dieses Interesse einen Preis von maximal 110 € erzielt hätte. Allerdings kann es dennoch für den Käufer ein Schnäppchen gewesen sein, wenn ihm der Schrank auch 300 € Wert gewesen wäre.

Etwas anderes ist es, wenn auch der Verkäufer ein Eigeninteresse hat, der Schrank beispielsweise perfekt in eine bestimmte Ecke seiner Wohnung passt und er für ihn deswegen einen besonderen Wert hat, weil er sich einen neuen Schrank für diese Ecke extra anfertigen müsste, was ihn mehr kostet als der Schrank auf den Markt wert ist.

Wenn der extra angefertigte Schrank 250 € kostet und dem Käufer aufgrund seiner Erinnerungen der Schrank 250 € wert ist, dann kann es sein, dass der Verkäufer einen neuen, stabileren Schrank anfertigen lassen kann und der Käufer seine Erinnerungen aufleben lassen kann und beide bereit sind, den Schrank zu einem sonst nicht am Markt logisch erzielbaren Preis zu verkaufen. Der überhöhte Preis ist in diesem Fall durchaus gerecht, auch wenn die Payoffs bei den Spielern nicht die selben sind. Betrachtet man das Geschäft nüchtern von außen,  ohne die inneren Beweggründe zu kennen, dann wird man hier annehmen, dass der Käufer ein schlechtes Geschäft gemacht hat und übers Ohr gehauen wurde und der Verkäufer ein schlechter Mensch ist.

Teilweise vermute ich, dass die verschiedenen Betrachtungen der Payoffs ein Grund vieler Streitigkeiten in der Geschlechterdebatte sind.

Auf der Ebene des einzelnen Menschen, der eine Entscheidung treffen will, ob er eine Beziehung eingehen will und wie er sie ausgestaltet, werden die verschiedenen Payoffs, die ihn dazu veranlassen deutlicher als bei einer Betrachtung aus der Ferne (alle Betrachtungen natürlich exemplarisch für Männer und Frauen, die eher im Zentrum der jeweiligen Normalverteilungen liegen)

Wenn ein Mann beispielsweise für die Wahl seiner Rolle als Motivation hat, dass ihm das Beibehalten seines Jobs mehr Status gibt und ihn unabhängiger macht, sowohl in Bezug auf intrasexuelle Konkurrenz als auch intersexuelle Selektion, also im Verhältnis zu anderen Männern und auch als Partner für Frauen, er hingegen mit einer Kindererziehung erhebliche Risiken eingeht, wenn er eine Partnerin gefunden hat, die ihm seelischen Beistand gibt, die er sexuell anregend findet und die seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt und er auch Kinder haben möchte, aber eben verbunden mit der Sicherheit, nach wie vor seinen Status im übrigen zu erhalten, wenn er sich bewusst macht, dass er all dies nur in einer Beziehung umsetzen kann und eine dauerhafte Beziehung mit Arbeitsteilung ihm viele weitere Kooperationsgewinne (er kann Kinderbetreuung, Haushalt etc teilweise aus sie verlagern, sie verlagert andere Tätigkeiten teilweie auf ihn) bringen kann, dann klingt es sehr verständlich, dass dies eine von Männern häufig gewählter Bereich ist.

Wenn man hingegen auf eine abstrakte Ebene a la „Männer verdienen das Geld, Frauen geben es aus“ geht, dann blendet man viele seiner Motivationen aus, die ihn zu dieser Entscheidung veranlassen.

Genauso kann man ihre Payoffs analysieren und sie erscheinen bei einer Betrachtung der konkreten Entscheidung oft rationaler als bei einer abstrakten Betrachtung. Hier kann man anführen, dass ihr ein hoher Status durch beruflichen Erfolg und viel Geld wesentlich weniger bringt als ihm, sie also andere Payoffs dadurch hat, gleichzeitig allerdings mehr Zeit mit Kindern und Familie aus dieser Sicht häufig einen wesentlich höheren Payoff bietet als bei ihm. Von vielen Mütter wird es (sei es aus gesellschaftlichen Gründen oder aus biologischen) als belastender angesehen, wenn sie hier nicht direkteren Einfluss nehmen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird denmach bei einem Job ein wichtigeres Kriterium sein als die Aussicht auf Status und Gewinn. Ebenso kann eine Frau andere Partnerwahlkriterien heranziehen. Sie wird einen guten  Körper vielleicht ebenso schätzen, aber gleichzeitig keinen Mann wollen, der sich zuviel über seine körperliche Wirkung auf Frauen definiert und zusehr darauf bedacht ist schön zu sein, während für Männer die Payoffs eines guten Körpers vielleicht höher ausfallen etc.

Auch hier kann man ihr geringeres Interesse an Status und Geld im Verhältnis zu anderen Payoffs negativ werten und als Ausbeutung ansehen. Es kann aber auch insgesamt ein fairer Deal sein, bei dem sich die beiden Geschlechter schlicht in der Bewertung unterscheiden.

Die Evolution der Fairness: Primaten und Fairness

Ein Spiegelartikel berichtet über Fairness bei Schimpansen:

Im Experiment saßen jeweils zwei Schimpansen oder Bonobos in benachbarten Käfigen. Zwischen ihnen lag in einer speziellen Apparatur ein Tablett mit Weintrauben, aufgeteilt in zwei faire Portionen. „Ein Affe konnte dem anderen einige Trauben klauen, indem er das Papier, auf dem die Trauben lagen, zu sich zog“, erklärt Ingrid Kaiser, Mitautorin der Studie. Anschließend musste der bestohlene Affe an einem Stab ziehen, damit beide Tiere mit den Fingern an die Trauben heran kamen. „Der stehlende Affe war also auf die Mithilfe seines Artgenossen angewiesen, um sein Diebesgut fressen zu können.“

Ergebnis: Die Affen ließen keine Chance aus, ihre Traubenration aufzubessern – und die benachteiligte Mitspieler gaben die ungerecht verteilten Rationen in der Regel frei. Weder Schimpansen noch Bonobos kümmert es offenbar, ob Futter in einer Gruppe fair aufgeteilt wird, solange sie denn überhaupt etwas bekamen.

Eigentlich durchaus logisch. Gibt der Affe das Essen nicht frei, dann erhält er gar nichts. Bestrafen erfordert dagegen ein etwas höheres Denkvermögen, das darauf abstellt, dass nur Strafe den anderen von einem solchen unfairen Verhalten abschreckt.

Menschen, so der Spiegelartikel, neigen eher dazu zu strafen.

Der Originalartikel fasst das ganze so:

Humans, but not chimpanzees, punish unfair offers in ultimatum games, suggesting that fairness concerns evolved sometime after the split between the lineages that gave rise to Homo and Pan. However, nothing is known about fairness concerns in the other Pan species, bonobos. Furthermore, apes do not typically offer food to others, but they do react against theft. We presented a novel game, the ultimatum theft game, to both of our closest living relatives. Bonobos and chimpanzee ‘proposers’ consistently stole food from the responders‘ portions, but the responders did not reject any non-zero offer. These results support the interpretation that the human sense of fairness is a derived trait.

Quelle: Theft in an ultimatum game: chimpanzees and bonobos are insensitive to unfairness

Es gibt jedoch auch andere Forschung, die anderen Affen einen gewissen Sinn für so etwas zubilligt:

In the game, each of a pair of monkeys would hand a small granite rock to a human in exchange for a reward, either a cucumber slice or the more preferable grape.

When both monkeys received cucumber rewards, all was fine in primate land. But when one monkey handed over the granite stone and landed a grape, while monkey No. 2 got a cucumber, madness ensued.

„They would literally take the cucumber from me and then drop it on the ground or throw it on the ground, or when I offered it to them they would simply turn around and refuse to accept it,“ Brosnan told LiveScience.

Further experiments ruled out greed or frustration as forces driving the capuchin monkeys to react negatively to a cucumber reward.

De Waal hat auch ein interessantes Video zu dem Experiment:

Und noch etwas ausführlicher zu der Evolution der Moral:

Nepotismus in China und Verwandtenselektion

In China zeigt sich, das auch im Kommunismus Blut dicker als Wasser ist. Die Führungsstäbe lassen ihren Kindern keineswegs kommunistisch gerecht die normale Zuwendung des Staates zukommen, sondern fördern sie, so gut sie können, schicken sie ins Ausland, damit sie eine bessere Ausbildung erfahren, versorgen sie mit Posten und Staatsaufträgen

Die Karriere von Kindern hoher chinesischer Parteikader verläuft häufig äußerst erfolgreich: Zum einen können es sich ihre Eltern leisten, sie ordentlich ausbilden zu lassen: Deshalb studierten die meisten an Elite-Universitäten in den USA oder Europa. Aufgewachsen in komfortablen Funktionärswohnungen, ausgebildet in den besten Schulen, ausgestattet mit Dienstwagen und gepflegt in Sonderkrankenhäusern des Militärs haben die Prinzlinge bessere Startchancen als ihre Altersgenossen. Nicht selten besitzen sie zudem einen ausländischen Pass oder zumindest eine amerikanische Green Card.

Die Prinzlinge werden von Firmen aus dem In- und Ausland gerne angeheuert: Die Unternehmen erhoffen sich von ihnen nicht nur Insider-Wissen über Vorgänge in den oberen Etagen der Pekinger Macht, über Ausschreibungen und bevorstehende Börsengänge, sondern sie versprechen sich auch Verbindungen und Kontakte, die den Geschäften dienen.

Aus evolutionsbiologischer Sicht ein zu erwartendes Verhalten, weil der Mensch eben ein Produkt egoistischer Gene ist und die Verwandtenselektion ein guter Weg ist, diese Gene zu fördern. Ein paar Millionen Jahre später hat dieser Effekt wenig überraschend ein Lebewesen hervorgebracht, dem die Förderung seiner Kinder am Herzen liegt und das es als richtig ansieht, seine Kinder gegenüber anderen Kindern zu unterstützen.
Es ist auch wenig verwunderlich aus dieser Sicht, dass sich in einem kommunistischen System Korruption zeigt. Wenn der Staat alles in der Hand hält, dann kann man sich Eigenes nur über die Ausnutzung des Staates aufbauen. Das wird um so verlockender, um so mehr Umverteilungsmacht man hat und um so weniger man einer Kontrolle unterworfen ist. Kontrolle sinkt gleichzeitig, wenn die, die kontrollieren ebenfalls Macht haben und auch für sie Umverteilung interessant ist. Kommunismus ist in diesem Sinne sehr anfällig für klassisches Top Down Management, bei dem dann Einzelinteressen unter dem Vorwand von Gruppeninteressen einfliessen.
Und natürlich wissen das alle, wie der steigende Aktienkurs der Firma zeigt. Auch für sie ist es günstiger einfach in diesem Spiel mitzuspielen. Sind die Machtpostionen erst einmal in dieser Weise etabliert ist es schwer aus ihnen auszubrechen. Denn der Vorteil, der sich aus einem Widerstand ergibt, würde sich für die Gemeinschaft ergeben und sich auf den einzelnen damit in sehr abgeschwächter Form niederschlagen. Strafen der Mächtigen, die nicht durch einen Rechtsstaat oder entsprechende Kontrollen verhindert werden, treffen aber ungefiltert denjenigen, der sich gegen dieses System stellt (es ist eine Tragik des Allgemeingutes)

Die Tragik des Allgemeinguts

Durch Mark Ridleys Buch „The Origin of Virtue“ bin ich auf drei interessante Konzepte gekommen, die meiner Meinung nach für das Verständnis moderner Gesellschaften interessant sind.

Die „Tragik des Allgemeinguts“ wird klassischerweise an Vieh, dass auf einer öffentlichen Wiese grast, dargestellt. Grundlage ist eine Wiese, an der keine Eigentums oder Nutzungsrechte einzelner Personen bestehen. Alle Viehhalter können ohne Einschränkungen ihr Vieh auf dieser Wiese grasen lassen. Die Wiese kann aber nachhaltig nur von einer bestimmten Anzahl von Tieren genutzt werden. Eigentlich haben alle den besten, lang anhaltensten Vorteil, wenn die Wiese von sagen wir 100 Tieren genutzt wird. Das Problem ist aber, dass es sich für jeden einzelnen Nutzer der Wiese lohnt ein weiteres Tier auf die Wiese zu stellen. Er hat dann den Vorteil des weiteren Tiers, der Nachteil der Überweidung verteilt sich aber auf alle Nutzer, trifft ihn also geringer als der Zusatznutzen durch das weitere Tier. Zudem muss er befürchten, dass alle anderen Nutzer ebenso verfahren werden (weil es ihnen am meisten bringt) und er daher die Nachteile eh haben würde. Dieses Problem löst sich, wenn entweder das Eigentum oder das ausschließliche Nutzungsrecht an der Wiese einer bestimmten, überschaubaren Anzahl von Personen gehört. Denn diese Personen können miteinander verhandeln und Nutzungen ausschließen oder beschränken. Sie können sich unter Hinweis auf kontrollierbare Absprachen auf eine Weidenutzung beschränken, die die Wiese optimal langfristig ausnutzt, weil sie sich darauf verlassen können, dass auch die anderen sich entsprechend verhalten und daher für sie ein greifbarer langfristiger Vorteil entsteht. Dieser Vorteil besteht aber nur, wenn ein Regulationssystem greift und durchgesetzt werden kann. Greifen zu viele Personen auf eine Ressource zurück, dann ist eine Regelung, die alle berücksichtigt nicht mehr vorteilhaft, da dann zu kleine Stücke übrig bleiben. Dabei soll die Zahl, die noch eine vernünftige Aushandlung erlaubt bei ca. 150 Personen liegen (Dunbars Zahl).

Dieses Prinzip findet auf viele Bereiche Anwendung:

Bei dem Schutz wilder Tiere lohnt es sich für einen Jäger, dem das Gebiet nicht gehört und der an diesem auch keine ausschließlichen, durchsetzbaren langfristigen Nutzungsrechte hat, nicht, sich zu beschränken. Wer ein Tier ziehen läßt, damit es sich fortpflanzt und die Art erhält, muss damit rechnen, dass es der nächste Jäger erlegt und damit sein Verzicht keine Auswirkungen hat. Ähnliche Gedanken dürften in der Steinzeit zur Ausrottung nahezu allen Großwilds jeweils nach Eintreffen der Menschen in dem jeweiligen Gebiet geführt haben.

Weitere Beispiele Ridleys sind:

  • Lobsterfang an der Amerikanischen Küste: Bestimmte Streifen sind in einem inoffiziellen System bestimmten Fischergruppen zugewiesen, die eine Fremdnutzung unterbinden (zB durch Abschneiden fremder Fangkörbe) und deswegen ein langfristiges Interesse an einem nachhaltigen Fang haben. Es werden daher nur soviele Lobster entnommen, dass die Bestände stabil bleiben
  • Bewässerungsabsprachen: Ein Fluss wird von den Bauern zur Bewässerung anliegender Felder benötigt. Die Bauer weiter oben am Fluss könnten soviel Wasser entnehmen, dass für die Bauern unten nicht genug verbleibt. Sie benötigten allerdings die Hilfe der Bauern stromarbwärts bei der Errichtung bestimmter Dämme und Schleusen. Es wurden daher Absprachen über die Entnahme getroffen. Als dann staatlicherseits moderne, dauerhafte Dämme gebaut wurden, war die Mithilfe der Bauern stromabwärts nicht mehr erforderlich. Die Bauern stromaufwärts entnahmen daher mehr Wasser, dass jetzt ein öffentliches Gut war, und die Absprachen wurden zu Lasten der Bauern unten nicht mehr eingehalten.

Das Problem der „Commons“ sind insofern die „Freerider“ bzw. „Trittbrettfahrer“. Also die, die die Beschränkungen, die Einzelne sich bei der Nutzung öffentlicher Ressourcen aus Gründen der Nachhaltigkeit auferlegen, nicht für sich akzeptieren, aber die Vorteile der Beschränkungen nutzen. Mit zu vielen Freeridern oder „Ausnutzern“ bricht das System zusammen. Gleichzeitig ist es günstig Freerider bzw. Ausnutzer zu sein, da man so am meisten Vorteile erhält, sofern der vorteil in einem gewissen Verhältnis zu zum einen der Wahrscheinlichkeit steht, dass man als Ausnutzer erkannt wird und zum andern zur Höhe der Strafe der Gemeinschaft. Damit stehen sich zwei Gesichtspunkte mit jeweils Selektiven Vorteilen gegenüber:

  1. Erkenne Freerider möglichst umfassend und sorge dafür, dass sie Nachteile haben
  2. Versuche so viel wie möglich für dich rauszuholen, wenn es keiner mitbekommt.

Das wirkt sich so aus, dass wir eine Abneigung gegen jeden haben, der sich nach unserer Meinung ein zu großes Teil vom Kuchen abschneidet, wenn er in unserer Gruppe ist und es zu unseren Lasten geht, aber nicht dagegen haben, wenn wir uns selbst oder (aufgrund der Verwandtenselektion) unseren Verwandten unbemerkt ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden können.

Ich kann mir vorstellen, dass dies zum einen den Kommunismus so interessant und zum anderen so unerfolgreich macht.

Interessant weil uns der Gedanke gefällt, dass jeder in der Gruppe „Nation“ ein gleiches Stück vom Kuchen bekommt und niemand mehr als der andere, sofern er nicht aus nachvollziehbaren Gründen mehr braucht („Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“). Unerfolgreich, weil staatliche Leistungen und Steuereinnahmen öffentliche Güter sind und daher sehr anfälig für die Tragik des Allgemeinguts sind. Da das Volk zu groß ist für ein Interesse an echte Nachhaltigkeit ist jeder geneigt Ausnutzer des Systems zu sein und sich einen möglichst großen Teil der öffentlichen Mittel abzuzweigen. Wir sehen keinen Grund außer der Entdeckung, der uns hindert, Mittel abzuzweigen. Und wir sehen auch keinen Grund warum andere das nicht machen. Um so mehr verteilt wird, um so eher kann man sich etwas abzweigen. Wer nicht etwas für seine Familie oder Freunde von diesem öffentlichen Gut abzweigt wird bei geringen Entdeckungsrisiko nicht als gewissenhaft, sondern als geizig gelten. Wer seinen Verwandten keine Posten zuschachert oder andere Vorteile verschafft, der gilt bei einem reinen Verteilungssystem als dumm, weil er sein Freeriderpotenzial nicht ausnutzt. Den der auf den einzelnen entfallende Vorteil eines solchen Verhaltens ist zu gering. Und das Entdeckungsrisiko schwindet, wenn auch alle anderen, die verteilen, wenig Interesse an einer Entdeckung des eigenen Abzweigens haben.

Dieser Vorteil besteht natürlich auch im Kapitalismus. Allerdings haben hier mehr Personen einen Nachteil durch hohe Staatseinnahmen und zudem die Möglichkeit, sich über eigene Leistungen Vorteile zu verschaffen. Das verbessert das Interesse an einer Überwachung und effektiven Verwaltung und erhöht damit das Risiko einer Entdeckung.