Wie kam es dazu, dass in die Skeptikerbewegung so viel Feminismus einfließt?

Es hat etwas tragikkomisches. Gerade die Skeptikerbewegung, also eine Bewegung, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, nicht zu glauben, was nicht bewiesen ist, fällt häufiger damit auf, dass Feministinnen dort zumindest einen gewissen Einfluss zu haben scheinen.

Das kommt immer wieder hoch, ich hatte mit diesem Artikel hier schon einmal etwas ähnliches angeführt.

Die Skeptikerbewegung wird in der Wikipedia wie folgt beschrieben:

Die Skeptikerbewegung ist ein internationales Netzwerk[1] von Vereinigungen und Einzelpersonen mit dem Anspruch einer kritischen Auseinandersetzung mit Pseudo- und Parawissenschaftlichen Themen, die unter anderem in den Bereich des Aberglaubens oder der Alternativmedizin fallen. Im Sinne einer sozialen Bewegung wird der Begriff auch als Eigenbezeichnung verwendet.[2] Die Bewegung beruft sich auf wissenschaftliche Methodik und naturalistische Erklärungen. Anders als im klassischen Skeptizismus halten Mitglieder der Bewegung den Gewinn von zuverlässigen Erkenntnissen prinzipiell für möglich.

Nun ist Gender Studies als akademischer Unterbau des Feminismus aber so ziemlich das unwissenschaftlichste und wissenschaftsfeindlichste was man sich in einer Universität so vorstellen kann, wenn man Theologie selbst mal abrechnet.

Eigentlich sollte die Skeptikerbewegung also der natürliche Feind des intersektionalen Genderfeminismus sein.

Interessant in der Hinsicht ist der Abschnitt in der Wikipedia über Kontroversen:

Nach Ansicht von Carl Sagan übt die Skeptikerorganisation CSICOP, der er von Anfang an angehörte, eine wichtige soziale Funktion aus. Sie sei eine Art Gegengewicht zur „pseudowissenschaftlichen Leichtgläubigkeit“ vieler Medien. Gleichwohl sah er die Hauptschwäche der Skeptikerbewegung in ihrer Polarisierung. Die Vorstellung, ein Monopol auf die Wahrheit zu besitzen und die anderen Menschen als unvernünftige Schwachköpfe zu betrachten, sei nicht konstruktiv. Dieses Verhalten verurteile die Skeptiker zu einem permanenten Minderheitenstatus. Auf größere Akzeptanz stoßen könne demnach „ein einfühlsamer Umgang miteinander, der von Anfang an das Menschliche an der Pseudowissenschaft und am Aberglauben akzeptiert“.[12]

Das CSICOP-Gründungsmitglied Marcello Truzzi, das die Organisation aufgrund inhaltlicher Differenzen verließ, definiert einen „wirklichen Skeptiker“ als jemanden, der eine agnostische Position einnimmt und selbst keine Behauptungen aufstellt. Eine These könne nicht „widerlegt“, sondern nur „nicht bewiesen“ sein. „Skeptiker“, die die Ansicht vertreten, es gebe Belege gegen eine Behauptung, bezeichnet Truzzi als „Pseudo-Skeptiker“, die dann ihrerseits die Beleglast zu tragen hätten. Solche Negativ-Behauptungen seien jedoch zuweilen ziemlich außergewöhnlich und oft eher auf Plausibilitätserklärungen gestützt, statt auf empirische Belege. Als Beispiel führt Truzzi einen PSI-Test an, bei dem der Proband die Möglichkeit hat, zu betrügen. Dies reduziere den Belegwert des Experiments zwar erheblich, reiche jedoch nicht aus, die untersuchte Behauptung zu widerlegen. Wissenschaft könne zwar statuieren, was empirisch unwahrscheinlich, nicht jedoch, was empirisch unmöglich ist.[13]

Im Zuge einer vereinsinternen Auseinandersetzung innerhalb der GWUP verließ 1999 der Mitbegründer und damalige Redaktionsleiter von deren Publikationsorgan Skeptiker Edgar Wunder die Skeptiker-Organisation. Nach Wunder ist ein strukturelles Merkmal der Skeptikerbewegung eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. So würden etwa viele GWUP-Mitglieder einen Weltanschauungskampf ohne hinreichende fachliche Kenntnis führen und selektiv und unsachlich argumentieren. An wissenschaftlichen Untersuchungen von Parawissenschaften seien sie höchstens insofern interessiert, „als deren Ergebnisse „Kanonenfutter“ für öffentliche Kampagnen liefern könnten.“[14] Die GWUP hat 2008 zu der Kritik Stellung bezogen [15]

Das würde ja durchaus passen.

Gerade jedenfalls hat sich wieder anhand von Dawkins etwas ereignet. Dieser sollte auf einer Skeptikerversammlung eine Rede halten, was ja auf dem Gebiet Religionskritik auch durchaus zusammen passt.

Allerdings tweetete er im Vorfeld etwas, was nicht so gut angekommen ist. Der eigentliche Tweet ist inzwischen gelöscht, aber es gibt einen Screenshot:

Dawkins Feminists

Dawkins Feminists

Es handelt sich also um dieses Video:

Dawkins hat den Tweet gelöscht mit der Begründung, dass er nicht wusste, dass die Feministin nach einer realen Person gezeichnet war. 

Über das Video kann man meine ich durchaus streiten, es ist eben recht einfach gestrickt und wertet insofern zwei Gruppen ab. Dawkins als Equality Feminist ordnet es sogar einer „Minderheit“ zu.

Das war den Veranstalterin dennoch zuviel, sie haben ihm ausgeladen:

“We believe strongly in freedom of speech and freedom to express unpopular, and even offensive, views. However, unnecessarily divisive, counterproductive, and even hateful speech runs contrary to our mission and the environment we wish to foster at NECSS. The sentiments expressed in the video do not represent the values of NECSS or its sponsoring organisations.”

Dawkins dazu:

Dawkins later responded to his “de-platforming” of the NECSS conference: “De-platformed for tweeting an irrelevant joke song? Ah well, ‘Always look on the bright side of life.’ Incidentally, would Monty Python have been de-platformed for that? No, don’t be silly, Life of Brian was only satirising Christianity.”

In der Tat.

Die Skeptikerbewegung und der (Gender-) Feminismus

Was ich nie wirklich verstanden habe ist, wie der Genderfeminimus in der Skeptikerbewegung einen gewissen Rückhalt finden konnte. Vordergründig mag es Zusammenhänge geben, etwa das der Feminismus nach dem eigenen Verständnis ja herrschende Regeln hinterfragt, aber Skeptiker sind aus meiner Sicht aktiv um wissenschaftlich zu denken und aus dieser Sicht zu hinterfragen, was damit einer Zusammenarbeit mit dem Genderfeminismus eigentlich jeder Basis entziehen sollte.

Ersten Ärger gab es schon bei dem Elevatorgate bzw. dessen Fortsetzung mit Dawkins.

Jetzt ist wohl weiterer Ärger entstanden, weil einer der Skeptiker eben genau darauf hingewiesen hat, dass der Genderfeminismus in dieser Hinsicht problematische Theorien hat

Ronald Lindsay hat wohl bei der Veranstaltung „Women in Secularism“ eine Rede gehalten, die nicht gefiel:

This brings me to the concept of privilege, a concept much in use these days. (…)

That said, I am concerned the concept of privilege may be misapplied in some instances. First, some people think it has dispositive explanatory power in all situations, so, if for example, in a particular situation there are fewer women than men in a given managerial position, and intentional discrimination is ruled out, well, then privilege must be at work. But that’s not true; there may be other explanations. The concept of privilege can do some explanatory work at a general level, but in particular, individualized situations, other factors may be more significant. To bring this point home let’s consider an example of another broad generalization which is unquestionably true, namely that people with college degrees earn more over their lifetime than those who have only high school diplomas. As I said, as a general matter, this is unquestionably true as statistics have shown this to be the case. Nonetheless in any particular case, when comparing two individuals, one with a high school degree and one with a college degree, the generalization may not hold

But it’s the second misapplication of the concept of privilege that troubles me most. I’m talking about the situation where the concept of privilege is used to try to silence others, as a justification for saying, “shut up and listen.” Shut up, because you’re a man and you cannot possibly know what it’s like to experience x, y, and z, and anything you say is bound to be mistaken in some way, but, of course, you’re too blinded by your privilege even to realize that.

This approach doesn’t work. It certainly doesn’t work for me. It’s the approach that the dogmatist who wants to silence critics has always taken because it beats having to engage someone in a reasoned argument. It’s the approach that’s been taken by many religions. It’s the approach taken by ideologies such as Marxism. You pull your dogma off the shelf, take out the relevant category or classification, fit it snugly over the person you want to categorize, dismiss, and silence and … poof, you’re done. End of discussion. You’re a heretic spreading the lies of Satan, and anything you say is wrong. You’re a member of the bourgeoisie, defending your ownership of the means of production, and everything you say is just a lie to justify your power. You’re a man; you have nothing to contribute to a discussion of how to achieve equality for women.

Das ist aus meiner Sicht legitime Kritik, denn in der Tat wird die Privilegientheorie genutzt um Meinungen absolut zu setzen und anderen ihre Meinung abzusprechen. Dazu zB:

Bei Skepchick sieht man das ganze ganz anders: Er als weißer, mächtiger Mann solle sich nicht so anstellen, eher würden Feministinnen zum Schweigen gebracht werden, nicht Leute wie er. 

Damit verkennt sie aber, dass das Argument ja in der Tat auf diese Weise genutzt wird.

Die Feministin Ashley Miller sieht es ähnlich:

. People always take things personally. When someone says, “You’ve got privilege,” most of us want to yell, “I worked really hard to get what I’ve got.” And most of us have worked really hard, but it doesn’t mean we aren’t privileged — learning to see the privilege is difficult, and to see it we’ve got to be willing to shut up for a little while and recognize the possibility that there are things that we didn’t know before. In other words, if you’re not prepared to just listen for a little while, you’re going to spend the entire time trying to prove someone wrong instead of considering the possibility that they may have a point.

Ron Lindsay presents this as a war where either you “believe reason and evidence should ultimately guide our discussions, or you think they should be held hostage to identity politics.” This negates the possibility that this is a fight between factions who think that reason and evidence point to the necessity of identity politics and those who refuse to listen.

Damit geht sie allerdings aus meiner Sicht eher in die Richtung, vor der er genau gewarnt hat: Eben eine Identitätspolitik, bei der es nicht mehr auf Vernunft und beleg ankommt, sondern diese durch die Identität ersetzt wird.

Lindsay hatte zuvor treffend geschrieben:

This is exactly what I said:

“By the way, with respect to the ‘Shut up and listen’ meme, I hope it’s clear that it’s the ‘shut up’ part that troubles me, not the ‘listen’ part. Listening is good. People do have different life experiences, and many women have had experiences and perspectives from which men can and should learn. But having had certain experiences does not automatically turn one into an authority to whom others must defer. Listen, listen carefully, but where appropriate, question and engage.”

By contrast, the position against which I was arguing, as articulated by PZ Myers, is as follows:

“When a member of a marginalized group tells a member of a privileged group that their efforts, no matter how well-meaning, are wrong, there is one reasonable response: Shut up and listen. You might learn something.

There is also a terrible response: arguing back. It always makes it worse.

It’s not that they are infallible and we are totally stupid. It’s that THEY are the experts and the subject of the discussion.”

Myers-Watson assume you should never question, you should never argue back, because the person from the marginalized group must have the expertise.

I do not share that assumption, and I doubt its wisdom. Indeed, I think it is a horribly misguided, logically infirm understanding of communication. This model of communication asks us to put our critical thinking on hold merely because the person speaking comes from a marginalized group.

No extended argument or analysis of this issue is needed, and I do not think the choice could be starker. Either you believe reason and evidence should ultimately guide our discussions, or you think they should be held hostage to identity politics.

Wie man es in einer Skeptikerbewegung, die sich Vernunft und Wissenschaft auf die Fahnen geschrieben hat, anders sehen kann, leuchtet mir nicht ein. Es bleibt zu hoffen, dass aus dieser Richtung weiterer Kritik kommt.