Mächtige Männer, Sex und Harvey Weinstein

Gerade führen immer mehr Frauen an, dass Harvey Weinstein, einer der großen Filmproduzenten von Hollywood, sie belästigt haben soll bzw. die Vergabe von Rollen in einem Film von sexuellen Gefälligkeiten abhängig gemacht haben soll bzw angedroht haben soll, dass man in Hollywood nie wieder einen Fuß auf den Boden bekommt, wenn man sich nicht darauf einlässt.

Ob es stimmt oder nicht sollen andere klären. Der Fall, dass ein mächtiger Mann gegen sexuelle Gefälligkeiten Förderungen verspricht oder Förderungen davon abhängig macht, ist denke ich für jeden gut vorstellbar und erscheint auch nicht unrealistisch

Die Gründe scheinen mir auch nicht so schwer zu entschlüsseln zu sein:

  • Wie immer: Eggs are expensive, Sperm is cheap: Männer haben ein hohes Interesse an casual Sex mit jungen schönen Frauen
  • Schauspielerinnen die Jung und schön sind gibt es wie Sand am Meer und eine Rolle in einem großen Hollywoodfilm ist insofern häufig leicht zu besetzen., kann aber ein unglaublicher Karrierestarter sein
  • Demnach entsteht ein höheres Interesse an der Besetzung einer Rolle für viele aufstrebende Schauspielerinnen während der Produzent nur eine von ihnen braucht und die Auswahl groß ist: Damit entsteht ein Markt, eine Option für ein Zusatzgeschäft.
  • Eine umfassende Marktmacht des jeweiligen kann es noch attraktiver machen, eine solches Geschäft vorzuschlagen: Wenn die Macht desjenigen so groß ist, dass man ihm keine Probleme machen möchte, dann kann man mit geringeren Risiko solche „Zusatzgeschäfte“ vorschlagen. Sie wird dann im Zweifelsfall nur ablehnen, aber nichts erzählen, weil sie es sich nicht verderben will
  • Weinstein soll gerne in einem Bademantel geschlüpft sein und um eine Massage gebeten haben, wenn das nicht zog, dann eine Schultermassage. Oder er ging Duschen um einen Vorwand zu haben, sich auszuziehen.
    All das sind im Endeffekt Überleitungen, die den Bruch abmildern: Statt sich direkt zu überlegen, ob sie sexuelle Handlungen wollen, können sie erst einmal etwas kleineres machen und man kann dann immer einen Schritt weiter gehen. Es verringert auch zusätzlich die Kosten, man kann anführen, dass man ja nur eine Massage wollte, nur kurz geduscht hat, ja immerhin einen Bademantel anhatte.
    Es dient damit der Risikoverminderung und der Schaffung von Gelegenheiten
  • Frauen, die sich darauf einlassen, haben ebenfalls kein Interesse daran, dass es publik wird, schon gar nicht, wenn sie weit nach oben gekommen sind. Frauen, die nicht angesprochen worden sind haben auch kein Interesse daran, sich mit ihm anzulegen, wenn sie in seinen Filmen mitspielen wollen oder er sie zu Persona non grata machen kann. Sie können auch schlicht auf die Personen herabsehen, die sexuelle Gefälligkeiten getauscht haben und davon ausgehen, dass diese selbst schuld sind
  • Beide Geschlechter sind sich vollauf bewußt, dass der Markt existiert und Mitglieder beider Geschlechter nutzen ihn auch. Es gibt Frauen, die sexuelle Gefälligkeiten anbieten um nach oben zu kommen, es gibt Männer, die auf diese Weise Rollen etc vergeben. Beides wird schlicht nicht zu vermeiden sein, solange der Markt besteht.  Denn Sex ist in der Hinsicht eine „Währung“
  • Männer wie (vielleicht) Weinstein sind reich genug um sich auch reiche Escorts leisten zu können. Es geht ihnen nicht schlicht um Sex mit schönen Frauen. Vielleicht geht es um Macht, vielleicht geht es um das Gefühl, dass diese Frauen ihn nicht abweisen und die Bestätigung mit bestimmten Stars etwas gehabt zu haben. Vielleicht macht es schlicht das Spiel für ihn interessanter und er will sehen, bei welchen es klappt und bei welchen nicht. Vielleicht sind ihm Escorts auch zu sehr aufs Geld fixiert und zu langweilig.

 

Sexueller Marktwert

Bei dem Begriff „Sexueller Marktwert“ geht es schlicht um eine Einordnung von Personen nach allen Faktoren, die auf dem Partnermarkt eine Rolle spielen und eine entsprechende Vergleichbarkeit.

Der Gedanke, dass man einen Menschen so einordnen kann, erschreckt viele Menschen, die dann anführen, dass eben jeder Mensch einzigartig ist und auf jeden Topf ein Deckel passt. Schönheit und Attraktivität läge im Auge des Betrachters und deswegen könne man einem Menschen keinen Marktwert zurechnen.

Richtig daran ist, dass die Bewertung zu einem Teil von dem Standpunkt des Betrachters abhängen kann und insofern ein subjektives Element enthalten kann. Und natürlich hängt es auch davon ab, was man genau miteinander machen will.

Es ist eine Sammlung verschiedener Faktoren, die beispielsweise Aussehen, Beruf, Status, Einkommen und Vermögen, Intelligenz, soziale Intelligenz, Beziehungen und Auftreten umfassen, die alle in die Bewertung mit hineinspielen.

Grundsätzlich sind sich aber viele Menschen im Grundsatz einig, wer gut aussieht und attraktiv wirkt und wer nicht. Beispielsweise kommen sportliche, schlanke, große Männer mit gleichmäßigen Gesichtszügen und vollem Haar im allgemeinen besser an als unsportliche, dicke, kleine Männer mit unregelmäßigen Gesichtszügen und Halbglatze. Das kann anders aussehen, wenn ein vergleichsweise hässlicher Mann ein Rockstar ist.

Die Frage des Marktwertes wird gerne ausgeblendet, beispielsweise wenn es heißt, dass man generell keine Chance auf dem Markt hat, weil man eben nicht attraktiv, groß, reich oder sonst etwas ist. Aber selbst wenn man eine 3 ist kann man eben noch für eine andere 3 interessant sein, auch wenn einen eine zehn uninteressant findet.

Einen sexuellen Marktwert zu bestimmen ist schwer, weil man alles anders sehen kann. Man wird je nach Bewertungsverfahren davon ausgehen, dass jemand eine 7 oder eine 8, eine 7 oder eine 9 ist. Der Fall, dass jemand eine 10 für eine 1 hält und umgekehrt dürfte hingegen recht selten sein.

In vielen Betrachtungen wird davon ausgegangen, dass Leute meist einen Partner mit einem etwa gleichen Partnerwert finden. Eine 6 wird eher mit einer 6 zusammen sein, eine 10 eher mit einer 10. Sich selbst hier realistisch einzuordnen kann einem bei der Partnersuche helfen, denn jemand, der zu hoch ran geht wird häufig wenig Erfolg haben.

Es kann einem auch bei allgemeinen Analysen helfen, etwa wenn es darum geht, warum bestimmte Gruppen auf bestimmte Weise handeln und was sie damit erreichen wollen. Ein Mann, der sich einen schicken Wagen zulegt oder mit teuren Geschenken oder teurer Kleidung Eindruck machen möchte, zielt damit eben auch auf die Erhöhung seines Marktwertes, auch wenn er häufig angeben will, dass er einfach nur die tolle Technik oder die gute Qualität der Kleidung mag. Und das eine gerade Single gewordene Frau eine Diät startet und sich im Fitnessstudio anmeldet kann eben auch so gesehen werden, dass die Frau sich fitter für den Markt machen will und ihre Position verbessern will.

Wenn man auf den sexuellen Marktwert zu sprechen kommt, dann taucht häufig diese Grafik auf (zB hier)

 

Sexueller Marktwert

Sexueller Marktwert

Ich halte sie für wenig überzeugend. Sie mag auf bestimme Personen zutreffen, etwa den erfolgreichen Jungmanager oder das rein nach Schönheit bewertete Modell. Aber sie verkennt, dass für viele Leute die Attraktivität eher in der gleichen Altergruppe, wobei Frauen sich eher etwas nach oben im Alter orientieren und Männer eher etwas nach unten. Eine 20jährige wird eher den coolen und gutaussehenden 20jährigen aus  ihrem Unikurs oder aus dem Freundeskreis haben wollen als einen 40jährigen. Und ein 40jähriger Mann hätte sicherlich für reinen Sex nichts gegen eine hübsche, schlanke 20jährige mit netten Gesicht, aber für eine Beziehung wird er wohl eher eine 30jährige+ vorziehen und auch einer 40jährigen einen hohen Wert zusprechen, wenn sie ansonsten vom Martkwert vergleichbar mit ihm ist.

Ganz zu schweigen davon, dass eben viele 40jährige nicht Rockstars geworden sind, mit Geld um sich werfen können und deswegen von allen Frauen angehimmelt werden. Der typische 40jährige ist für eine typische 20jährige wahrscheinlich eher vollkommen uninteressant.