„Die Menschheit ist unendlich schön in ihrer jeweiligen Individualität“

Bei dem Mädchenblog singt Dodo das alte Lied, dass alle Menschen irgendwie schön sind, auch die Dicken und wir uns einfach von Schönheitsidealen lösen sollten:

Denn wenn Gewicht (ganz zu schweigen von den anderen blödsinnigen „Kriterien“) auf einmal kein Maßstab mehr ist, der pro oder contra bestimmt, dann ist die Welt, die wir erfahren, auf einmal von viel, viel mehr Ästhetik, SexAppeal und Faszination erfüllt. DAS ist auch Lebensqualität, ganz fraglos! Die Welt wird „schöner“ – nicht nur, was physisches Erscheinungsbild angeht. Wer sich nicht mehr auf die von der Gesellschaft diktierten „Knackpunkte“ wie Gewicht, reine Haut, Muskeln, blahblah konzentriert, dem fällt nach einer Weile auf, daß die Menschheit eine viel größere Fülle von Sexappeal bietet – Stimmen, Bewegungen, Gerüche, Blicke, Gesten,… die Liste ist unendlich. Man entdeckt auch eher „schräge“ Vorlieben an „Augenzucker“, die man sich zuvor nicht eingestanden hätte, deren Anblick man jetzt aber richtiggehend genießen kann. Und je weniger verklemmt man mit physischen Merkmalen bei sich und anderen umgehen kann, desto mehr Spaß macht der Sex. Hat der ja nicht unwesentlich mit Körpern und dem Genuß derselben zu tun!

Und für diesen Gewinn bin ich dankbar und strebe an, ihn zu vermehren, das ganze auszubauen.

Das täte dem Herrn aus Crunktastics Beispiel (und nicht nur ihm) vielleicht auch ganz gut. Vielleicht hätte er einen Flirt mit dieser Frau ja dann sehr genossen, vielleicht erkannt, daß sie vor Sexappeal nur so strotzt! Und sich nebenbei eine ganz neue Welt erschlossen.

Dieses „Gewichtshindernis“ abzubauen, wäre für ihn wohl ebenso gewinnbringend gewesen wie für sie.

Wenn er eines Tages auf eine dünne Crunktastic trifft und die beiden mordsmäßigen Spaß miteinander haben – prima Sache. Aber vielleicht nicht so prima, wie wenn dies gewichtsunabhängig geschenen wäre.

Nun liegt aber sicher nicht die Verantwortung bei Crunktastic, dick zu bleiben, um ihm (und anderen) zu beweisen, daß Flirt/Beziehung/Sex mit ihr trotzdem großartig wäre und ihn vor seinen beschränkenden Auswahkriterien zu erretten. Vor allem, weil sie dann auch einen ungerechten Preis zu zahlen hätte.

Die Verantwortung liegt viel mehr bei uns allen (ob dick oder dünn oder sonstwas!), weiter um den Abbau dieser Schönheitsvorschriften zu kämpfen. Und zwar nicht, damit die „armen, dicken Opfer auch mal wen abkriegen“. Sondern, damit wir vielleicht eines Tages erkennen, wie unendlich schön die ganze Menschheit in ihrer jeweiligen Individualität ist.

Das ist in meinen Augen alles recht verlogener Mist. Schönheit besteht nun einmal in einer Kultur und ich bezweifele, dass man Schönheitskriterien einfach aufgeben kann. Nicht jeder Mensch  ist schön, einige sind schlicht hässlich. Und sie wären es in jeder Kultur gewesen.

Ich bleibe nach wie vor dabei, dass sportlich-schlank ein durchaus positives Schönheitsideal ist. Frauen werden schlichtweg damit klar kommen müssen. Ebenso wie Männer damit klar kommen müssen, dass auch für sie sportlich-schlank gilt, wenn sie auch wesentlich mehr über Status etc ausgleichen können.

Wenn sich die dicke Frau in der von Dodo erzählten Geschichte ärgert, dass der tolle Typ mit allen ihren Freundinnen flirtet, nur mit ihr nicht, dann ist das sein gutes Recht. Sie hat ja auch beschlossen, dass der coole Typ interessant ist und nicht der dicke Kerl, der hinten alleine in der Bar steht.

Frauen haben genauso harte Kriterien an Männer wie umgekehrt. Diese mögen teilweise weniger körperlich sein, aber das ändert nichts daran, dass sie vorhanden sind. Zumal hässliche Jungs noch nicht einmal den Vorteil haben über Haut zeigen eine gewisse Aufmerksamkeit zu bekommen oder zumindest einen schönen Busen zu haben.

Schönheit hat viel objektives. Das mag dazu führen, dass man in anderen Punkten eingeschränkt ist, vielleicht wäre das Leben leichter, wenn man einfach dick sein könnte. Aber einfach nur wünschen hilft nicht weiter. Schönheit wird niemals einfach sein.

vgl.

Sexuelle Selektion, insbesondere intrasexuelle Selektion beim Menschen

Evolution wirkt über Mutation und Selektion. Mittel der Selektion sind dabei insbesondere die natürliche Selektion (vereinfacht: Mensch A kann aufgrund einer Mutation schneller laufen als Mensch B, der Säbelzahntiger frisst daher B, A gibt die Gene weiter) und sexuelle Selektion (kurz gesagt: Aufgrund bestimmter Mutationen kommt es bei Mensch A zu besseren oder häufigeren Fortpflanzungen als bei B).
Dabei wird sexuelle Selektion noch einmal in zwei Unterarten aufgespalten:
– intersexuelle Konkurrenz
– intrasexuelle Konkurrenz
Bei intersexueller Konkurrenz geht es darum, dass die Geschlechter sich auf eine bestimmte Weise entwickeln, weil das andere Geschlecht bestimmte Auswahlen trifft (kurz gesagt: Wenn Männer Frauen mit gleichmäßigen großen Brüsten bevorzugen, dann findet eine Zucht auf solche Frauen statt und eine weibliche Brust entwickelt sich)
Bei intrasexueller Konkurrenz geht es darum, sich selbst gegenüber anderen besser darzustellen oder anderen Fortpflanzungsmöglichkeiten zu Gunsten eigener Fortpflanzung einzuschränken. Ein klassisches Beispiel ist der Gorilla. Hier sammelt sich eine Gruppe von Frauen in einem bestimmten Gebiet mit guter Nahrung, etwa einem Fruchtbaum, und ein Männchen schirmt diese Frauengruppe dann gegen andere Männchen ab und monopolisiert sie. Intrasexuelle Konkurrenz hat überschneidungen mit intersexueller Konkurrenz, aber zeichnet sich insbesondere dann ab, wenn die Handlung des einen Geschlechts unabhängig von den Handlungen des anderen Geschlechts ist. Dieser Zustand wird in Reinform selten auftreten. Auch bei Gorillas kann es sein, dass die Weibchen einen Konkurrenten gegen den gegenwärtigen Silberrücken unterstützen, wenn ihnen dieser mehr zusagt. Aber dennoch ist das Modell für verschiedene Betrachtungen interessant.
Häufig werden beide Faktoren zusammenkommen: Weibchen bevorzugen ein statushohes Männchen, dies führt zu hoher intrasexueller Konkurrenz um einen hohen Platz in der Hierarchie, den die Männchen gewinnen, die sich aufgrund bestimmter Eigenschaften am besten an die Konkurrenzsituation angepasst haben, etwa durch höhere Körperkraft und Körpergröße oder durch eine schützende Mähne um den Hals. Gleichzeitig kann dann ein Merkmal wie Körpergröße wieder innerhalb der intersexuellen Selektion interessant sein und evtl. eine Bedeutung über die damit verbundene Kampfkraftsteigerung hinaus erfahren.
Ein Merkmal für die Entwicklung eines Merkmals aufgrund intrasexueller Konkurrenz ist, dass Männchen diesen Merkmal eine hohe Bedeutung beimessen, Weibchen aber nicht.
Beispielsweise spricht vieles dafür, dass das Interesse von Männern an sportlichen Wettbewerben darauf zurückzuführen ist, dass es ein Stellvertreter für intrasexuelle Wettkämpfe ist. In solchen Wettkämpfen ist es wichtig, welcher Gruppe man angehört, welche Gruppe besser ist und wie deutlich man mit dieser Gruppe verbunden ist. Denn eine starke Gruppenzusammengehörigkeit signalisiert automatisch eine gewisse Stärke, ein Konkurrent muss nicht nur die Kraft des anderen, sondern die Kraft der Gruppe bei einer Konfrontation einrechnen. Selbst wenn er sehr stark ist, wird er gegen eine eingeschworene Gruppe von drei Freunden in einem Kampf verlieren oder zumindest starke Verletzungen riskieren. Auch ansonsten kann ein Mißfallen einer großen Gruppe erheblich mehr Schwierigkeiten auslösen, etwa über den Verlust von Handelsprivilegien oder Handelsmöglichkeiten, über Hilfeleistungen, die einem Abgeschnitten werden oder über den Zugang zu deren sonstigen Ressourcen.
Dabei ist aber nicht nur das „Gorilla-Modell“ der Frauenabsicherung interessant, sondern eine solche Abschirmung kann auch zivilisierter und in einer gemischten Gruppe erfolgen.
Man stelle sich einen Königshof vor. Der König interessiert sich für eine Hofdame Y, die er als seine Mätresse gewinnen will. Bisher wurde sie von dem Höfling X umworben, was ihr auch durchaus recht wahr. Höfling X hört nun über die entsprechenden Kanäle von dem Interesse des Königs. Weil er seinen Kopf auf den Schultern behalten möchte und nicht vom Hof verbannt werden möchte, bricht er jeden Kontakt zu der Hofdame ab, wendet sich sogleich einer neuen Hofdame Y zu, die ihn nicht interessiert, der er aber nachgiebig den Hof macht, um deutlich zu machen, dass er keinerlei Interesse mehr an der Hofdame X hat. Hofdame Y, die bisher Zeichen der Zuneigung von verschiedenen Höflingen erfahren hat, macht allgemein die Feststellung, dass diese komplett aufhören und man überaus höflich, aber wesentlich distanzierter und formeller zu ihr ist. Sie ist flirttechnisch gesehen eine Aussätzige. Ihre Verwandten hingegen suchen ihre Nähe, weisen auf die Vorzüge des Königs hin und sind überaus nett zu ihr.
Aufgrund intrasexueller Konkurrenz bleibt ihr entweder die Option des Königs Mätresse zu werden oder sich vom Hof zu entfernen bzw. das Risiko einzugehen den König zu verärgern, indem sie ihn abweist bzw. darauf zu hoffen, dass sich sein Interesse auf eine andere verlagert.
Das gleiche Beispiel ist auch in weniger extremer Form in der Steinzeit möglich. A gehört einer Gruppe der besten Jäger/Kämpfer/Händler des Stammes an. Die Gruppe sitzt an den Machtstellen der Sippe und gibt im wesentlichen deren Entscheidungen vor, verteilt die meisten Ressourcen, es ist ihr Erfolg, der die Gruppe durch den Winter bringt und andere Gruppen von Angriffen abhält. Sie haben gute Kontakte zu allen Nachbargruppen, deren Anführer meist mit Töchtern von Personen dieser Gruppe verbunden sind. Jäger B „ehelicht“ nun eine neue Frau, die teile ihrer Familie mitbringt. In dieser auch die Frau X in einem für A passenden Alter. A flirtet mit ihr. Wer immer ebenfalls mit ihr flirtet wird darauf hingewiesen, dass er, wenn er sich gegen A stellt, sich ebenfalls gegen die Gruppe stellt,d er A angehört und davon ausgehen kann, dass diese die Unterstützung für den Flirtenden (und evtl seine Familie) stark zurückfahren können, weil sie es als Angriff gegen eines ihrer Mitglieder ansehen. Wenn es demjenigen gelingen könnte das Herz der X zu erobern, dann müßte er im Gegenzug den Hass des A und damit auch den Hass der Gruppe in Kauf nehmen. Vielleicht müßte er sogar die Gruppe verlassen. Das erhöht den Preis einer Brautwerbung, dazu noch eine mit ungewissen Ausgang, erheblich. Auch X braucht etwas bis sie versteht, warum keiner der Männer ausser A um sie werben (im alten Stamm hatte sie reichlich Verehrer). Ihr bleibt letztendlich auch keine wirkliche Option außer A.
Das Problem ist natürlich heute, mit größeren Bevölkerungsgruppen und wesentlich höherer Freiheit und Anonymität nicht mehr in diesem Maße vorhanden. Aber das ein eigentlich interessierter Mann sich stark zurückhält, weil ein andere Mann, mit dem er es sich nicht verderben will, auf eine bestimmte Frau steht (der Chef etwa oder der Sohn des Chefs oder der beste Freund oder ein anderer aus der Gruppe, der „ranghöher“ ist) dürfte immer noch häufig genug vorkommen.
Unter intrasexueller Konkurrenz könnte man auch Väter fassen, die ihre Töchter nur an ihnen genehme Männer herausgeben und damit ebenfalls mit entsprechender Macht oder Kraft unliebsame Bewerber verschrecken. Auch dies dürfte in der Geschichte häufig genug vorgekommen sein.
Dieses Verhalten mag zunächst kulturell erscheinen. Es führt aber ebenfalls zu einer Zucht in eine bestimmte Richtung. Denn es pflanzen sich jeweils die am wenigsten fort, die am schlechtesten an die Konkurrenzsituation angepasst sind und daher in dieser am häufigsten verlieren. Dies führt dazu, dass eine Selektion auf genau diese Eigenschaften, die innerhalb der Konkurrenz wichtig sind, eintritt. Männchen werden daher innerhalb einer intrasexuellen Konkurrenz meist größer und stärker als Frauen und haben eher das Bedürfnis Machtkämpfe auszufechten um in einer Hierarchie weiter oben zu stehen. Vieles spricht dafür, dass genau dies auch beim Menschen der Fall war. Wäre es nicht der Fall gewesen, dann wären Männer und Frauen eher gleich groß und kräftig. zudem spricht auch die Vorliebe für große Männer und ebenso die für Männer mit Status bei Frauen hierfür. Weitere Indizien sind, dass Männer in allen Bereichen mit erheblicher Konkurrenz um Status weitaus zahlreicher vertreten sind als Frauen. Auch körperliche Reaktionen, etwa die Fight or Flight Reaktion bei Männern im Gegensatz zu tend and befriend bei Frauen ist eher auf ein Konkurrenzmodell zugeschnitten. Spieletheoretische Überlegungen bzw. Überlegungen der Sexual Strategies Theory sagen zudem voraus, dass Frauen ihre Sexualpartner kritisch aussuchen als Männer (im Schnitt) und daher unter Männern eine höhere Konkurrenz um die Frauen und ein höherer Druck zur Profilierung herrschen sollte. Dies wird zudem auch durch Genanalysen bestätigt, die zeigen, dass sich zwar ein Großteil der Frauen, aber nur ein deutlich geringerer Teil der Männer erfolgreich fortgepflanzt hat.

Testosteronspiegel bei Jägern und Sammlern

Der Spiegel berichtet über einen Jäger- und Sammler Stamm, bei dem die Männer im Schnitt einen sehr niedrigen Testosteronspiegel haben.

Hamburg – Manchmal ist weniger mehr. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher am Volk der Tsimane in Bolivien. Die Männer dieses Regenwaldstammes von Jägern und Sammlern arbeiten körperlich hart, dazu müssen sie Krankheiten überstehen und werden von Parasiten geplagt. Doch in ihrem Blut fanden Forscher überraschend kleine Mengen des Männlichkeitshormons Testosteron. Sie haben davon nur ein Drittel so viel im Blut wie Männer in den Industrieländern, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Auf den ersten Blick scheint der niedrigere Testosterongehalt ein Nachteil für die Tsimane-Männer zu sein, sorgt er doch für weniger Muskelmasse und damit Stärke. Doch: „Mehr Muskelmasse zu produzieren, kostet Energie – und hohe Testosteronwerte verringern zudem die Leistung des Immunsystems“, schreiben Benjamin Trumble von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen. Wer in einer Umwelt mit vielen Parasiten und Krankheiten lebe, für den sei es biologisch sinnvoller, den Testosteronwert niedrig zu halten.

Das Testosteron sich auf das Immunsystem auswirkt ist bereits seit längerem bekannt. Ich hatte das schon einmal in „Testosteron und Immunsystem“ dargestellt.

Die Schlußfolgerung:

Die hohen Testosteronwerte der Männer in den Industrieländern seien evolutionär gesehen eine neue Erfindung, meinen die Forscher. Möglich wurden sie erst durch den Nahrungsüberfluss und die gute medizinische Versorgung.

„Unser Lebensstil ist eine Anomalie, eine Abweichung von der Jahrtausende alten Lebensweise unserer Art als Jäger und Sammler“, sagt Michael Gurven, einer der Leiter der Studie von der University of California in Santa Barbara. Das Streben nach möglichst hohen Testosteronwerten, beispielsweise durch Hormonpflaster oder sonstige Präparate, hat demnach mit ursprünglicher Männlichkeit oder gar altem Jägererbe wenig zu tun.

Der Schluß überzeugt mich nicht. Bei Zugrundlegung der Out-Of-Africa-Theorie steigt der Testosteronspiegel der Männer üblicherweise, um so mehr wir uns dem „geographischen Ursprung der Menschheit“ nähren. Was eher annehmen lässt, dass der Testosteronspiegel in Rahmen der Auswanderung gesunken ist und nicht nachträglich gestiegen ist.

Eher scheint mir ein umgekehrter Schluß wahrscheinlicher:

Wenn die meisten Völker auf dieser Erde einen höheren Testosteronspiegel haben als der geschilderte Stamm, dann spricht das eher dafür, dass bei diesem Stamm eine Selektion auf einen niedrigeren Testosteronspiegel stattgefunden hat.

Hierfür bieten sich relativ isolierte Stämme auch an: Der Verwandtschaftsgrad steigt aufgrund der kleinen Gruppe, was intrasexuelle Kämpfe unter Männern genetisch unrentabler macht und Hierarchien verflachen hilft.

Bei Betrachtungen von heutigen Jäger und Sammler Gesellschaften sollte man auch bedenken, dass gerade die, die weniger auf Status und intrasexuelle Konkurrenz aus sind auch eher Jäger und Sammler bleiben, einfach weil der Aufbau von Status und der Ausbau von Macht Entwicklung fördern kann (vgl. dazu Jared Diamond „Guns, Germs and Steel„.)

Hier kann auch das bessere Immunsystem ein weiterer Vorteil gewesen sein, der aber nur genutzt werden kann, wenn die Vorteile einer hohen Wettbewerbsfähigkeit aufgrund engerer Verwandschaftsverhältnisse oder anderer Umstände, die auf Friedfertigkeit selektieren, nicht mehr in dem Maße anfallen.Das Volk in vielleicht in der Steinzeit geblieben, vielleicht gerade weil es wenig Testosteron hat und damit weniger Anlass für Statusdisplay und Hierarchien.

Bestimmte Stämme werden ja auch in Debatten gerne als Beispiel dafür angeführt, was eine andere Kultur alles erreichen kann und wie konstruiert und kulturbestimmt die Geschlechterrollen sind. Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein: In einer gegenseitigen Beeinflussung von Kultur und Biologie entwickelt sich der Mensch, genug Abgrenzung und einen hinreichend langen Zeitraum vorausgesetzt, nach den jeweiligen Gegebenheiten. Die Biologie folgt der Kultur, die Kultur folgt der Biologie.

Interessant dazu auch der Hinweis auf die Testosteronspitzen im Wettbewerb:

„Trotz ihrer krankmachenden Umgebung ist es auch für die Tsimane wichtig, Testosteron für kurzzeitige Wettkämpfe und große Kraftanstrengungen freizusetzen“, sagt Gurven. Ähnliche Hormonausschüttungen gebe es auch bei Männern in den Industrieländern in Wettbewerbssituationen. Das zeige, dass diese Hormonspitzen ein fundamentaler Aspekt der menschlichen Biologie seien. Sie blieben selbst dann erhalten, wenn dies bedeute, kurzzeitig das Immunsystem zu schwächen und eine Infektion zu riskieren.

Die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durch Testosteron ist natürlich auch im Geschlechterverhältnis interessant. Männer haben bereits mehr Testosteron und schütten im Rahmen von Fight oder Flight Strategien auch mehr davon aus. Es spricht damit vieles dafür, dass Männer auch eher auf Wettbewerb ausgelegt sind als Frauen und sich daher  – im Schnitt – in diesem wohler fühlen.

Schlank als Schönheitsideal: Chance auf Sex / Partnerschaft als Attraktivitätskriterium

Das Schönheitsideal geht hin zu sportlichen Frauen mit wenig Fett am Leib. Ich hatte dazu schon ein Paar Artikel geschrieben.

Dabei hatte ich bisher folgende Faktoren gesehen, die schlank, aber sportlich / gesund /symmetrisch interessant für ein biologisches Partnerwahlkriterium sein lassen könnten:
  • Ein schlanker Bauch läßt leichter erkennen, ob die Frau schwanger ist
  • eine Unterscheidung zwischen dünn und dick lohnte sich aufgrund des Umlegens des Jagderfolges auf die Gruppe weniger, bei einer schlanken Frau war es aber wichtiger zu erkennen, ob sie gute Gene hat, deswegen erkennen wir dort entsprechende Merkmale besser
  • Fett deutet auf einen Ernährer hin, weil es wohl eher über Fleisch als über gesammelte Pflanzen zu erzielen ist.
  • Ausdauermuskeln sind ein besseres Zeichen für dauerhafte Fitness als Fett, insbesondere, da diese eher selbst erarbeitet sind

Einer Betrachtung von Schlank als Schönheitsideal steht insbesondere entgegen, dass bei dem Übergang zwischen Untergewicht und Normalgewicht die Fruchtbarkeit zu sinken anfängt. Es wäre vorteilhafter auf normalgewichtigere Frauen zu stehen.

Das berücksichtigt aber einen Punkt nicht, den ich in der Überlegung interessant finde:

Die Frage, wieviele Nachkommen ein Mann mit einer Frau zeugen kann wird von zwei Faktoren bestimmt:

  • von ihrer Fruchtbarkeit („Produktivität“)
  • Aus dem Umstand überhaupt Sex mit ihr haben zu können („Verfügbarkeit“)

Aus Sicht eines optimalen Fortpflanzungserfolges wäre daher eine Frau, bei der die Chancen auf (langfristige) hohe Fruchtbarkeit und genetische Qualität hoch ist, aber auch die Chance, dass sie einen neuen Partner (langfristig oder kurzfristig) akzeptiert.

Diese Kombination könnte gerade bei dem westlichen Schönheitsideal „schlank und sportlich gut zum tragen kommen.

Lange, glänzende Haare stellen zB dar, dass sie in der Vergangenheit eine gute Ernährung hatte, ebenso wie ein sportlicher Körper einen langen Blick zurück zulässt. Symmetrie spricht für ein gleichmäßiges Aufwachsen und gute Gene. Sauberkeit und Gesundheit sprechen für Parasitenfreiheit.

Schlankheit hat ab einem gewissen Grad den Nachteil einer gegenwärtig abgesunkenen Fruchtbarkeit, was aber ein Nachteil ist, der durch bessere Ernährung leicht behoben werden kann. Gleichzeitig spricht ihre Schlankheit dafür, dass sie entweder keinen Mann hat oder einen, der sie nicht umfassend mit Essen versorgt.

Dies wiederum macht es wahrscheinlicher, dass sie ein Partnerwechsel interessiert. Oder wenn schon kein Partnerwechsel, dann wenigstens ein kurzer Tausch, Nahrung gegen Sex oder eine Affaire.

Also:

Zeitlich verringerte Fruchtbarkeit + Möglichkeit diese zu beheben + Viele Anzeichen, dass sie ansonsten gute Gene hat und nicht schwanger ist + geringere Wahrscheinlichkeit, dass sie einen statushohen Partner hat + höhere Wahrscheinlichkeit sie erfolgreich zu umwerben oder durch Ressourcen zu beeindrucken = gute Partnerin

 

Eine magersüchtige Frau mit extremer Unterernährung hingegen würde nicht mehr gesund wirken, hätte weniger Zeichen von sonstiger Fitness, würde länger brauchen um sich zu erholen und wäre demnach auch weniger attraktiv.

Es wäre eine Theorie, die man überprüfen könnte, indem man schaut, ob Männer allgemein Frauen attraktiver bewerten, wenn diese aus ihrer Sicht leichter zu beeindrucken sind (bei ansonsten gleichem Körper).

Interessant könnte in diesem Zusammenhang sein, dass Männer in schlechten Zeiten Frauen mit etwas mehr Fettreserven schön finden, in guten Zeiten aber schlankere Frauen. Meine Vermutung ist dabei, dass hier eine ähnliche unterbewußte Rechnung erfolgt: Sind die Zeiten aus Sicht des Mannes für ihn schlecht, dann kann er eine Frau auch schlechter mit Ressourcen beeindrucken und auch schlechter ihre Fruchtbarkeit erhöhen. Es lohnt sich insofern mehr darauf abzustllen, dass sie eigene Ressourcen mitbringt. Sind die Zeiten hingegen aus Sicht des Mannes gut, dann lohnt es sich eher nach schlanken Frauen Ausschau zu halten, die man mit den Ressourcen der guten Zeiten beeinflussen kann und die noch niemanden haben, der diese mit ihnen teilt.

Nachteil dieses Systems wäre dann allerdings, dass eine Partnerin, die man dann zu „höherer Fruchtbarkeit“ gebracht hat, unattraktiver würde. Das wäre zum einen abzufangen, indem ein gewisser Spielraum vorhanden bleibt, wie es ja auch heute der Fall ist und zum anderen dadurch, dass Partnerschaft und Sex eh eine Bindung hervorrufen, die dies dann wieder ausgleichen würde und das Lösen der Verbindung vermeiden würde.

Die „Gegenseite“ bei der Frau wäre dann nicht, dass diese ein Interesse daran hat, biologisch keine Fettreserven aufzubauen. Ihre Interessen sind zwar darauf gerichtet, einen hohen Partnerwert zu erlangen, aber einem biologischen Druck zum schlechteren Aufbau von Fettreserven steht dann wieder der hohe Wert von Fettreversen bei einer Schwangerschaft und die anzunehmende Knappheit von Nahrung in der Steinzeit gegenüber. Frauen konnten diesen Aspekt weit höher gewichten, weil auf sie ein geringerer Druck in der Auswahl lag (Frauen haben sich mit höherer Wahrscheinlichkeit fortgepflanzt als Männer – Genanalysen sprechen hier von 40% der Männer und 80% der Frauen). Zudem war der Druck in diese Richtung geringer, da es meist nicht schwierig war, dünn zu bleiben, dass passiert fast von alleine bei knappen Nahrungsangebot, sondern eher die übrigen Kriterien der Sportlichkeit bei Vermeidung dauerhafter Unterernährung und ihrer Anzeichen (Vitaminmangel, stumpfes Haar, kein sportlicher Körper etc) zu vermeiden.

Für mich erscheint bei der Partnerwahl der Aspekt der Wahrscheinlichkeit des Flirts neben der Fruchtbarkeit ein Faktor, der durchaus einer biologischen Manifestation zugänglich ist.

Das muss dann natürlich nicht weltweit erfolgt oder auch nur sinnvoll gewesen sein. Es können die dafür erforderlichen Mutationen in bestimmten Bevölkerungsgruppen nicht eingetreten sein oder ein kulturell bedingter anderweitiger Selektionsdruck geherrscht haben. Bei einer Kultur, die die Paarbindung weniger betont und die Versorgung eher über die Sippe darstellt oder bei der Lebensmittelknappheit aufgrund von regionalen Unterschieden weniger verbreitet war, mag ein anderer Selektionsdruck geherrscht haben, bei der andere Faktoren in den Vordergrund gerückt sind. Eine andere Mutation mag eher Fettheit als Kriterium gefördert haben und zuerst selektiert worden sein, was wieder einen Nachteil innerhalb der sexuellen Selektion für andere Mutationen bedeutet.

Es wäre hierfür interessant zu wissen, wie resistent Schönheitsideale für einen Kulturwechsel sind. Hierzu müssten Auswanderer/Zwangsumgesiedelte, die insbesondere innerhalb ihrer Gruppe Nachkommen bekommen haben, Daten liefern können.

Grundregeln der Evolution

Hier mal eine Zusammenfassung einiger Punkte zum Verständnis evolutionärer Vorgänge

  • Evolution erfolgt über Mutation von Genen und deren Selektion
  • Eine Mutation, die nicht über Fortpflanzung weitergegeben wird, kann sich evolutionär nicht auswirken.
  • Jede Veränderung einer Spezies kann nur über die Veränderung von Einzelwesen dieser Spezies erfolgen und nur von Generation zu Generation, eine Spezies an sich kann sich nicht verändern bzw. nur als Summe der Änderungen innerhalb der Einzelwesen von Generation zu Generation
  • eine Gruppenselektion findet nicht statt. Ein Gen kann langfristig nur selektiert werden, wenn es dem Einzelwesen Vorteile bringt („egoistisches Gen“), Vorteile für das einzelne Wesen können allerdings auch Vorteile der Gruppe sein, wenn diese auf das Einzelwesen zurückschlagen und diesem mehr bringen als sie das Einzelwesen kosten. Ansonsten droht eine Freeriderproblematik, da sich deren Gene durchsetzen.
  • Ob ein Gen unter bestimmten Konstellationen Nachteile für die Weitergabe bringt ist unwesentlich, wenn die Vorteile für die Weitergabe in einer anderen Konstellation diese Nachteile aufwiegen. Ein Gen bleibt im Genpool vorhanden, wenn es über alle Genträger die gleiche Anzahl von Nachkommen bringt wie der Schnitt der sonstigen Individuen innerhalb dieser Spezies
  • Die Gene einer Spezies sind (auch innerhalb der Geschlechter) nicht gleich und innerhalb einer Spezies können verschiedene Strategien für die Fortpflanzung praktiziert werden.Häufig gibt es eine Hauptstrategie und verschiedene Nischenstrategien, die entweder für bestimmte Zeiten (Hunger, Krieg, Frieden) oder für bestimmte Risiken optimiert sind (zB Chance auf viele Nachkommen mit hohem Risiko, Chance auf wenig Nachkommen mit geringen Risiko).
  • Gene funktionieren in einem Zusammenspiel. Auch unterschiedlichen Optimierungen für ein Zusammenspiel unterschiedlicher Gene können sich ebenfalls Unterschiede ergeben.
  • Damit eine neue Eigenschaft sich umfassend in einer Spezies durchsetzt müssen alle Genträger, die diese Eigenschaft nicht besitzen sterben ohne die Gene, die diese Eigenschaft nicht haben, weitergegeben zu haben.
  • Neben der „natürlichen Selektion“ gibt es noch die sexuelle Selektion. Dabei ist zu unterscheiden zwischen „intrasexueller Selektion (Konkurrenz innerhalb eines Geschlechts) und intersexueller Selektion (Zucht des einen Geschlechts durch das andere zur Auswahl von Fortpflanzungspartnern).
  • bei der sexuellen Selektion wirken sich die verschiedenen Kosten des Sex aus und die Wahrscheinlichkeit sie zu tragen aus. Als Kosten sind insbesondere zu berücksichtigen: Die evolutionär relevanten Mindestkosten des Sex bzw. die Frage, ob Nachwuchsbetreuung erfolgt und wer sich dieser besser entziehen kann. Bei Menschen trägt die Frau über die Schwangerschaft die höheren evolutionär relevanten Mindestkosten, bei einem Mann betragen diese lediglich die Kosten des Sex an sich. Gleichzeitig kann der Mann, da Menschen Säugetiere sind (im Gegensatz zu bestimmten Fischen, bei denen erst die Eier abgegeben und anschließend befruchtet werden) und damit zwischen Sex und Geburt zumindest 9 Monate liegen, sich unter steinzeitlichen Bedingungen theoretisch leicht den Kosten der Schwangerschaft entziehen, während die Frau dies nicht kann und über die Stillzeit zudem noch weitere Kosten trägt.
  • sexuelle Selektion führt häufig dazu, dass das Geschlecht,welches einer AUswahl unterliegt (dies können auch beide Geschlechter sein) Eigenschaften, die günstige Faktoren für die Weitergabe der Gene sind, darstellen will. Dies kann durch Körperausformungen (Pfauenschwanz, weibliche Brüste beim Menschen) oder Ausformungen im erweiterten Phänotyp (Bieberdamm, Darstellung von Verfügugnsgewalt über Ressourcen) erfolgen oder dadurch, dass man zeigt, dass man trotz bestimmter zusätzlicher Lasten überlebt (Handicap-Prinzip; zB ebenfalls der Pfauenschwanz, Großzügiges Teilen beim Menschen). Dies kann auch zu einer Verselbständigung bestimmter Merkmale führen, die dann allein deswegen weiter entwickelt werden, weil sie attraktiv sind (Sexy Son Theorie)
  • Evolutionäre Strategien bei der sexuellen Selektion beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Frauen aufgrund ihrer höherer Kosten im Gegenzug von Männern für die Gelegenheit zur Fortfplanzung (=Sex) eine langfristige Beteiligung an den Kosten der Aufzucht verlangen und dies über eine emotionale Bindung abgesichert sehen wollen, dann erhöhen sich die Kosten für diese Art der Bindung für Männer, was dann wieder eigene Strategien, insbesondere bei der Partnerwahl für eine langfristige Bindung ändert.
  • bei Intrasexuelle Konkurrenz geht es um den Zugang zu Ressourcen, die der Fortpflanzung dienen. Darunter kann bei abstrakter Betrachtung auch der dazu erforderliche Fortpflanzungspartner gerechnet werden. Wie dieser zu den Beschränkungen des Zugangs zu ihm steht ist dann wieder eine Frage intersexueller Konkurrenz.
  • Intrasexuelle und intersexuelle Selektion beeinflussen sich: Wenn eine Spezies eine starke intrasexuelle Selektion vornimmt, dann erlauben Gene, die in diesem Wettkampf Vorteilhaft sind, die bessere Weitergabe der eigenen Gene (Sexy Son Theorie). Die Verwertung der Faktoren, die eine Durchsetzung innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz ermöglichen in der intersexuellen Konkurrenz durch biologisch abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale kann also die Weitergabe der eigenen Gene erleichtern und entsprechende Gene können sich daher im Genpool anreichern. Gleichzeitig lohnt es sich dann wiederum, diese Merkmale mehr zu zeigen und auch Personen des auswählenden Geschlechts, die diese Merkmale beim anderen Geschlecht mögen zu bevorzugen, weil deren Nachkommen dann ebenfalls erfolgreiche Partner wählen werden (usw.).

David Geary: Male, Female

David Geary ist mit „Male, Female“ ein herausragendes Buch gelungen.

David Geary stellt in seinem Buch „Male, Female“ die evolutionäre Entwicklung von Geschlechterunterschieden dar. Dabei geht er äußerst systematisch vor.

Eine kurze Übersicht über den Inhalt:

  • Erstes Kapitel: Eine kurze Einführung zum Thema und zur Vorgehensweise
  • Zweites Kapitel: Eine Darstellung der Gründe für die verschiedenen Geschlechter und die Mechanismen der natürlichen Selektion. Es werden die Gründe und Vorteile der sexuellen Reproduktion, die evolutionär wirksamen evolutionären Drücke, die Red Queen Theorie etc dargestellt
  • Drittes Kapitel: Es wird die sexuelle Selektion in ihren Gründzügen dargestellt. Dabei wird auf die verschiedenen Kosten des Sexes eingegangen und auf die darauf folgende Konkurrenz um gute Partner, sowohl durch intersexuelle Konkurrenz als auch durch intrasexuelle Konkurrenz. Es geht also um Partnerwahl und Monopolisierung von Partnern. Dabei erfolgt eine Darstellung über die verschiedenen Formen dieser Selektion.
    • üblicherweise werden Männer, gerade bei Säugetieren weniger in den Nachwuchs investieren, für sie lohnt es sich daher weitere Partner nach einer Befruchtung zu besorgen, was eine starke Konkurrenz um die Weibchen auslöst. Er stellt dar, dass die These, dass männliche Säugetiere stärker um Paarungspartner konkurrieren und weibliche Säugetiere üblicherweise wählerischer in ihrer Partnerwahl sind und mehr in die Versorgung des Nachwuchses investieren für die überwiegende Mehrzahl der Säugetiere bestätigt werden kann, geht dann aber auch auf die Tiere ein, bei denen dies nicht so ist, die ein „Sex-Role-Reversal“ durchführen und benennt die evolutionären Gründe und Besonderheiten dafür.
    • Er behandelt die Frage, nach welchen Kriterien die Partnerwahl erfolgt und wie dies mit „guten Genen“ zusammenhängt, gerade unter Berücksichtigung eines guten Immunsystems und allgemeiner Gesundheit. Er geht auf die Vererbbarkeit dieser Eigenschaften ein, auf costly Signaling und die Handicap-Theorie, auf Spermienkonkurrenz und Besonderheiten im weiblichen Reproduktionstrakt, die eine Befruchtung durch einen guten Partner wahrscheinlicher machen.
    • Er stellt zudem dar, dass auch der direkte Zugang zu den Weibchen oder die Kontrolle benötigter Ressourcen als Strategie gewählt wird, um die Fortpflanzung mit einer Bestenauslese im Wege der intrasexuellen Konkurrenz zu ermöglichen. Gleichzeitig stellt er auch dar, dass diese Strategien in einigen Spezien auch von Weibchen verwendet werden und führt die biologischen Gründe dafür an
    • Kurzum: David Geary ordnet die verschiedenen Möglichkeiten, Sexualität und Partnerwahl zu gestalten in Systeme ein, die gewissen Regeln folgen. Dabei erfolgt diese Einordnung ganz allgemein und ist nicht auf Menschen bezogen, sondern auf allerlei andere Lebewesen. Alle Konstellationen kommen vor, machen Sinn, man versteht, warum sie sich entwickeln konnten und warum gerade diese Spezies sich dazu entwickelt hat, diesen Weg zu verfolgen und nicht einen anderen. Und das faszinierende an diesem sich entwickelnden System ist, dass man bereits erahnt, wo sich der Mensch einordnen wird, man sieht die Argumente dafür bereits in dem System, man begreift, warum die Evolution hier bei einem bestimmten Ergebnis gelandet ist.
  • Im Vierten Kapitel baut David Geary sein entwickeltes System weiter aus und stellt nun dar, wie andere Faktoren, wie etwa die Lebenserwartung, in dieses System passen und wie die Lebenszyklen der Lebewesen ganz allgemein zu ihren Lebensumständen passen und sich an diesen ausrichten. Dabei erläutert er verschiedene Strategien, wie etwa auf eine Vielzahl von Nachkommen mit „geringer Qualität“ zu setzen bei kurzer Lebenszeit und bei langer Lebenszeit auf wenige Nachkommen mit „hoher Qualität“ (die durch hohe Betreuungskosten erkauft wird) zu setzen. Es wird dargestellt, welche Funktion die verschiedenen Lebensphasen haben, also etwa die Frage, ab wann ein Lebewesen Erwachsen wird und wie sich sexuelle Strategien darauf auswirken (zB indem bei starker intrasexueller Konkurrenz zwischen Männchen diese später erwachsen werden als die Weibchen, damit sie sich voll entwickeln können, bevor sie als Konkurrenz angesehen werden). Es wird dargestellt, wie und unter welchen Umständen sich Vaterschaft entwickeln kann, wie sich Geschlechterunterschiede auf körperliche Unterschiede, das Spielverhalten und das soziale Verhalten auswirken, alles aber nach wie vor abstrakt und unter Darstellung der verschiedenen Systeme im Tierreich und die Gründe dafür. Es wird auch auf das Wechselspiel zwischen den Genen und der Umgebung beim Aufwachsen eingegangen.
  • Im fünften Kapitel nährt sich David Geary dem eigentlichen Thema „Menschen und geschlechtliche Unterschiede“ langsam, in dem er die sexuelle Selektion bei Primaten und während der menschlichen Evolution darstellt.
    • Ein Hauptaspekt ist dabei „Male-Male-Competition“, also der Wettbewerb unter den Männchen um die Weibchen und die Auswirkungen weiblicher Partnerwahl. Dabei stellt er über die verschiedenen Primatenarten die dortige Vorgehensweise dar und erläutert, warum bei diesen soziale Dominanz so wichtig für die Fortpflanzung ist. Es geht dabei insbesondere darum, dass Männchen versuchen, den Zugang anderer Männer zu den Weibchen durch Drohungen und Gewalt einzuschränken. Dabei ist die Entwicklung einer Dominanzhierachie oft hilfreich. Er verweist darauf, dass DNA-Proben nachgewiesen haben, dass dominante Primatenmännchen mehr Nachkommen haben, wenn auch nicht immer so viele, wie es nach ihrem Platz in der Hierarchie der Fall sein müsste. Er stellt dar, dass Schimpansen auch als Gruppe mit anderen, benachbarten Schimpanzengruppen konkurrieren und in Kämpfen Schimpansen der anderen Gruppe, gerade wenn sie von dieser isoliert sind, töten. Diese Konkurrenz unter den Gruppen erlaubt der siegreichen Gruppe ihre Territorium zu vergrößern und mehr Ressourcen zu erlangen, was dann auch den Frauen der Gruppe zugute kommt. Es werden dann einige Aspekte der weiblichen Partnerwahl bei Schimpansen besprochen, ebenso wie female-female-Kompetition und männliche Partnerwahl, beispielsweise indem dargestellt wird, warum männliche Schimpansen ältere Schimpansinnen sehr jungen vorziehen (weil diese besser in der Kinderbetreuung sind und Schimpansen keine langfristige Bindung eingehen).
    • Von den Betrachtungen der Primaten und nach Darlegung der dort herrschenden Grundlagen, die mit den allgemeinen Strategien aus den vorherigen Kapiteln abgeglichen und in Verbindung gebracht werden, geht es dann zu unseren Vorfahren der Menschen. Es wird dargestellt, was an Fossilien vorhanden ist, was man über Männer und Frauen aus diesen ablesen kann und welche Schlußfolgerungen daraus gezogen werden können. Beispielsweise wird dargestellt, dass bei unseren Vorfahren vor etwa 4 Millionen Jahren die Männer noch deutlich größer waren als die Frauen, was auf polygny und starke Konkurrenz unter Männern (male-male-competition) hindeutet. Die Unterschiede sind aber mit der Zeit, auch wenn sie heute noch existieren, zurückgegangen. Die Fossilien und die dort zu erkennenden Unterschiede werden dann in die bei den Primaten entdeckten Schemata eingeordnet. Dabei kommt David Geary zu der These, dass die Vorfahren, gerade australopithecine Vorfahren, im Verhalten eher den Gorillas ähnelten als unseren näheren Verwandten, den Schimpansen und Bonobos. Es werden dann die Auswirkungen dieser Theorien auf das Verständnis der evolutionären Geschichte der Fortpflanzungsstrategien der Menschen dargestellt.
  • Im sechsten Kapitel stellt David Geary die Evolution der Vaterschaft dar. Er verweist noch einmal darauf, dass die Übernahme der Kindesbetreuung und Versorgung durch das Männchen im Tierreich sehr selten ist und auch bei den Primaten selten. Schimpansen und Bonobos beispielsweise kümmern sich nicht viel um den Nachwuchs. Er vertieft hier seine Theorie, das wir bezüglich dieser Theorien näher am Gorilla sind. Es werden die Kosten und Vorteile der Vaterschaft dargestellt, auch in Bezug auf die Gefahr in fremden Nachwuchs zu investieren. Es wird dann dargestellt, wie die Vaterschaft über die menschlichen Kulturen hinweg ausgeübt wird und das übergreifend und im Schnitt betrachtet Frauen üblicherweise mehr in die Elternschaft investieren als Männer. Es werden die Faktoren betrachtet unter denen sich eine Investition des Vaters lohnt und die Mechanismen, die dabei beim Menschen bestehen, über die Genetik, die Hormone, die Qualität der Beziehung zu dem Partner und zu kulturellen Unterschieden, mit denen mit dieser Interessenlage umgegangen wird.
  • Im siebten Kapitel geht es um die Partnerwahl beim Menschen. Es werden verschiedene Wahlsysteme dargestellt, insbesondere auch die Partnerwahl durch die Eltern des Paares. Es werden die Auswahlkriterien der Männer und Frauen besprochen, zB in Verweis auf D. M. Buss (vgl auch Männer finden körperliche Schönheit attraktiv, Frauen finden sozialen Status attraktiv). Er stellt dar, dass Männer bei Frauen Aussehen höher bewerten, Frauen hingegen Einkommen. Es werden die verschiedenen Vorlieben mit den dahinter stehenden biologischen Strategien abgeglichen und diese mit den Partnerwahlkriterien und Strategien aus den ersten Kapiteln verglichen.
  • Im achten Kapitel geht es um die Konkurrenz um Partner. Hier stellt David Geary dar, dass Darwin insbesondere die Konkurrenz der Männchen um die Weibchen behandelt hat, weil diese im Tierreich häufiger ist, bei Menschen aber eine besondere Lage aufgrund der aktiven Vaterschaft besteht. Um so mehr Männer in den Nachwuchs zu investieren bereit sind um so eher konkurrieren auch die Frauen um die Männer. Es wird dann ein Kulturvergleich bezüglich des Konkurrenzkampfes um Frauen durch die Männer vorgenommen. Dabei wird dargestellt, dass der Konkurrenzkampf insbesondere über kulturellen Erfolg geführt wird. Männer in allen Kulturen sind hoch motiviert einen hohen sozialen Status zu erlangen und sich die in der Kultur als wertvoll angesehenen Ressourcen zu verschaffen. Das sind insbesondere die Ressourcen, die benötigt werden, um ein Überleben zu unterstützen und um interessante Paarungspartner anzuziehen. Dabei ist es kulturell bedingt, ob dies eine Kuhherde oder ein modernes Arbeitseinkommen ist. Frauen bevorzugen im Gegenzug kulturell erfolgreiche Männer als Partner, diese Männer haben daher mehr „reproduktive Optionen“. Dabei verweist David Geary aber auch darauf, dass dieses Streben nach kulturellen Erfolg nicht nur unter Berücksichtung tatsächlicher weiblicher Wahl, sondern auch unabhängig davon. Diese bei den Menschen vorgefundenen Verhaltensweisen werden dann wieder in die vorher im Tierreich erarbeiteten Theorien eingebettet und mit den Theorien zu unser evolutionären Entwicklung sowie mit der Forschung zu Geschlechtshormonen, Risikobereitschaft und genetischen Erwägungen abgeglichen.
    Dann folgt eine Betrachtung der weiblichen Konkurrenz untereinander um gute Männer.  Dabei wird Schönheit und die kulturelle Betonung von Schönheitsmerkmalen sowie die Abwertung der Schönheit anderer Frauen als Strategie angeführt. Ebenso wird dargestellt, dass Frauen soziale Informationen über Konkurrentinnen manipulieren und auch andere Wege nutzen um Konkurrentinnen von potentiellen Partnern fernzuhalten oder deren Freundschaft mit anderen Frauen zu behindern. Es wird auch dargestellt, dass gerade in Gesellschaften die auf Monogamie aufbauen, Frauen ebenfalls um kulturelle Ressourcen konkurrieren, wenn auch nicht so deutlich wie Männer.
  • Im neunten Kapitel wird die Evolution und die Entwicklung des menschlichen Gehirns dargestellt. Dabei wird davon ausgegangen, dass Männer und Frauen aufgrund ihrer verschiedenen evolutionären Interessen und Partnerwahlstrategien auch verschiedene Interessen daran haben, ihre Umgebung zu gestalten um diese effektiv kontrollieren zu können. Die dahinter stehenden Motive werden auf die Geschlechterunterschiede in der elterlichen Investition und bei den Kosten und Vorzügen der sexuellen Konkurrenz zurückgeführt. Aufgrund dieser haben Männer und Frauen im Schnitt andere soziale und politische Vorstellungen. Frauen hätten nach seiner Vorstellung eher eine Vorliebe für die gleiche Verteilung von sozialen Ressourcen und eine größere Investition in Kinder (zB über geförderte Kindergartenpläzte), während Männer eher eine Politik unterstützen würden, die auf eine Dominanz ihrer Gruppe ausgerichtet ist. Es wird dargestellt, dass der Wunsch von Männern, mehr sexuelle Partner zu haben als Frauen dies wollen, sich auch in von ihnen gewählten sozialen Strategien niederschlägt. Ebenso wirkt sich die Konkurrenz darauf aus, inwieweit über emotionale Gesichtsausdrücke Emotionen mitgeteilt werden und inwiefern diese verborgen werden. Männer verbergen dabei ihre Emotionen üblicherweise mehr.
  • Das zehnte Kapitel stellt die Geschlechterunterschiede in der Kindheit und beim Spielen dar. Ausgehend von der in vorherigen Kapitel dargestellten These, dass die Kindheit dazu dient, dass Lebewesen auf sein Erwachsensein und die diesbezüglichen Anforderungen vorzubereiten. Dabei wird dargestellt, dass viele der körperlichen Unterschiede, die sich im Laufe des Erwachsenwerdens zeigen, in einem direkten Zusammenhang mit der Konkurrenz unter Männern (male-male-Competition) stehen. Dabei wird auch ein interessanter Aspekt betrachtet, nämlich die Auswirkung von Fernkampfwaffen (zB Wurfspeer) auf die Evolution des Menschen. Diese erfordert zB kräftige Brustmuskulatur, die bei Frauen gerade nicht entwickelt ist. Damit einher geht dann die Fähigkeit die Flugbahn von Speeren zu berechnen etc. Es wird dargestellt, dass die Geschlechterunterschiede am Anfang oft geringer sind und dann mit fortschreitendem Alter größer werden. Es wird dargestellt, welche Form des Spiels für Mädchen und Jungen typisch ist und wie dies mit der Vorbereitung auf das Erwachsenenalter zusammenhängt. Unterschiede sind dabei beispielsweise das Spielen mit Kampfsituationen, das Betreuen von Kindern, die Erkundung der Umgebung, das Spielen mit Objekten und Werkzeugnutzung. Jungen, die später innerhalb der Male-Male-Competition überleben müssen, sollten dann eben eine Vorliebe für „rough and tumble-Play“, also für Toben und Raufen haben, weil sie Jäger werden auch eher die Gegend erkunden können und Werkzeuge und Waffen erstellen wollen. Mädchen müssten hingegen eine Vorliebe für spielerische Kinderbetreuung und soziale Situationen haben, um so ihr Erwachsenenleben (in der Steinzeit) meistern zu können.
  • Im Kapitel Elf geht es immer noch um das Erwachsenwerden, allerdings steht diesmal die soziale Entwicklung der Mädchen und Jungen im Vordergrund. Dabei stellt David Geray dar, dass Mädchen und Jungen etwa ab 3 Jahren ihre Gruppen nach Geschlechtern trennen. Die sozialen Aktivitäten untereinander werden in einen evolutionären Rahmen eingebettet und es wird aufgezeigt, wie sich die Geschlechterunterschiede zu den reproduktiven Strategien verhalten, die in früheren Kapiteln dargestellt werden. Es werden die verschiedenen Wege beleuchtet, nach denen Männer und Frauen soziale Netzwerke bilden (vgl hier für Männer) und dies in einen Zusammenhang mit intrasexueller Konkurrenz gebracht. Dann wird noch auf die kulturelle Unterschiede und die sozialen Anteile an Unterschieden eingegangen.
  • Im zwölften Kapitel wird auf psychologische Geschlechterunterschiede eingegangen. Dabei werden Geschlechterunterschiede im Gehirn und in den geistigen Fähigkeiten besprochen und die Verbindung zu den Geschlechterunterschieden in der Wahl der Paarungspartner und dem Kampf um Parungspartner dargestellt. Es werden Unterschiede in der Gehirngröße und Gehirnorganisation besprochen, sowie die Auswirkung pränataler und postnataler Hormone. Ebenso wird auf die unterschiedliche Expression bestimmter Gene bei den Geschlechtern eingegangen. Dabei geht es weniger um die evolutionäre Erklärung als um die Darstellung vieler Unterschiede. Allerdings werden auch mögliche Ursachen angesprochen und eine Einordnung in die verschiedenen bereits dargelegten Systeme vorgenommen. Es wird ebenso behandelt, inwieweit Geschlechterunterschiede bei der Verarbeitung sozialer Informationen und dem Verstehen anderer Leute bestehen. Beispielsweise führt er an, dass Mädchen und Frauen, die mit Rivalen des gleichen Geschlechts konkurrieren, dies meist auf einer nicht physischen Ebene tun, sondern auf einer Beziehungseben – über Gerüchte, Tratsch, Abwertung von Konkurrentinnen etc und daher auch die entsprechenden gehirnbezogenen und kognitiven Systeme entwickelt haben um innerhalb diese beziehungsbezogene Aggressivität konkurrieren zu können. Männer hingegen haben, da Auseinandersetzungen eher auf einer körperlichen Eben abliefen, mehr Muskeln entwickelt. Für andere Bereiche werden entsprechende Betrachtungen vorgenommen
  • Im dreizehnten Kapitel geht es dann um Unterschiede in biologischen und physikalischen Fähigkeiten. Dabei geht es bei biologischen Fähigkeiten um das intuitive Verständnis von Pflanzen und Tieren. Die bestehenden Studien über traditionelle Kulturen legen dabei nahe, dass Frauen ein größeres Wissen über Pflanzen und Männer über Tiere haben. Allerdings bleibt die Frage offen, ob es sich hierbei um Gebiete handelt, in denen die Geschlechter aufgrund evolutionärer Vorgänge in dem jeweiligen Gebiet schneller lernen oder ob dies an kulturellen Gegebenheiten liegt. Bezüglich des intuitiven Verständnis physikalischer Vorgänge geht es darum, inwieweit das Gehirn kognitive Fähigkeiten, die Personen gestatten, auf Objekte in der realen Welt zu reagieren, entwickelt hat, sich Gegebenheiten räumlich vorzustellen und Objekte als Werkzeug zu benutzen. Die dabei auftretenden Geschlechterunterschiede werden besprochen und dabei auch auf den Einfluss pränataler und postnataler Hormone eingegangen. Dabei wird beispielsweise dargestellt, dass ein intensiver körperlich geführter Wettkampf unter Männer mit Wurfwaffen und auch die Jagd dazu geführt haben könnte, dass Männer Objekte mit Wurfwaffen besser treffen, aber auch besser einschätzen können, ob Objekte sie treffen und die Objekte besser Abwehren oder ihnen Ausweichen können (der Selektionsvorteil ist recht einsichtig). Diese Fähigkeit verbessert das Drehen von Objekten im Raum und andere Fähigkeiten im räumlichen Denken. Frauen hingegen haben Vorteile dabei, sich die Lage von Objekten zu merken, was auf das Sammeln von Nahrung durch Frauen zurückzuführen sein könnte. Auch insoweit werden Zusammenhänge mit pränatalen und postnatalen Testosteron untersucht.

Die Stärke des Buches liegt insbesondere in der Darstellung der sexuellen Selektion, insbesondere der intrasexuellen Selektion. Deren Bedeutung hatte ich mir vor dem Lesen diese Buches nicht so bewusst gemacht, ich hatte eher auf die intersexuelle Selektion abgestellt. Eine weitere Stärke ist die langsame und gründliche Entwicklung der Standpunkte, angefangen bei allgemeinen Unterschieden im Tierreich und den Gründen dafür, der Einordnung über die Primaten, die Frühmenschen und schließlich der Vergleich mit dem modernen Menschen. Dabei werden alle Betrachtungen mit reichhaltig zitierten Studien belegt und gut aufgearbeitet.

Für den Bereich der intrasexuellen Konkurrenz ist das Buch genial. Andere Aspekte hätte ich gerne in er Kombination noch etwas länger ausgeführt gehabt, aber es ist eher ein geringer Abstrich, dass Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert und ein Muss für jeden, der sich mit dem Thema „Geschlecht“ auseinandersetzen will.

Feminismus und Evolutionäre Psychologie

Roissy behandelt die Angst des Feminismus vor der evolutionären Psychologie in dem Artikel „Feminists Are Afraid Of Evolutionary Psychology, And With Good Reason

Warum die Abneigung besteht wird so dargestellt:

Feminists are scared shitless of the implications of sociobiological theory, and it’s easy to see why. The whole edifice of feminism teeters on the shaky proposition that sex differences feminists find unpalatable are amenable to change (i.e., “improvement”) via government and societal intervention. If it is found that sex differences are instead hard-wired into the brain architecture through the process of millions of years of natural and sexual selection and are resistant to social reengineering schemes, then feminism as a practical ideology is utterly discredited.

Und im besonderen zu biologisch bedingten Schönheitsidealen:

Ultimately, feminists are afraid of what evolutionary psychology has to reveal because feminists are afraid of attractiveness standards, and of unchangeable attractiveness standards in particular. Because, you see, in the arena of sexual marketability, it is men who are the sex with more options to improve their dating market value. Women are, for the most part, stuck with their desirability, or lack thereof, the moment they are conceived. Outside of expensive, radical cosmetic surgery the effectiveness of which is questionable at best and monstrous at worst, the average woman will not be able to make herself more beautiful and, hence, more likely to snag a high value man anytime in her life. She can only lower her mate value by, for example, getting fat, old, burdened with bastard spawn or facially disfigured.

Und er führt auch das klassische Gegenargument an:

Feminists will answer, with all the self-contradiction that only they can expertly dispense absent the slightest hint of irony, that sociobiology is not a hard science because we can’t go back in time to observe our ancient ancestors’ mating habits, thus relegating any theory of human mating behavior to the province of “just-so stories”. Such penetrating insight!

Well, no shit. We can’t go back in time to observe apes evolving into humans, either, so according to feminist logic that must mean the theory of evolution is wrong. Scientists gather evidence for historical biological processes by analyzing what is available to them in the present environment, and then draw inferences from the data. Additional data and experimental testing will either buttress or weaken a particular hypothesis. This isn’t just-so fantasizing; it’s the scientific method.

Gerne wird dabei meiner Meinung nach ausgeblendet, dass der Vorwurf der „Just-So-Stories“ noch weitaus mehr auf die feministischen Theorien zutrifft. Was ist denn letztendlich der Beleg für poststrukturalistische Theorien? Was schafft die Sprache, wenn Sprache alles schafft? Und was den Diskurs? Was ist das Patriarchat? Und warum hält es sich in einer Demokratie mit freien, geheimen Wahlen?

So vieles innerhalb der feministischen Theorie ist ein „Das ist so, dass müsst ihr mir einfach mal glauben“, vieles sind nebelhafte Begriffe, deren Anfänge nicht hinterfragt werden. Hinzu kommt ein essentialistisches Bild von Mann und Frau und ihrer Entstehung und das Ausblenden entgegenstehender Forschung.

In der Tat hat evolutionäre Psychologie einiges an Fakten, auf die sie sich stützen kann

  • Ergebnisse der Archäologie zu unserer Vorgeschichte
  • Ergebnisse der Medizin zu unseren körperlichen Gegebenheiten und Genvergleiche, die besagen, wie alt diese sind
  • Herleitungen aus dem Verhalten anderer Tiere und sich daraus ergebende Regeln, in die man den Mensch einordnen kann
  • Regeln der Evolution
Zudem kommt auch reine Evolutionsbiologie zu dem Schluss, dass feministische Theorien nicht überzeugend sind. Grundsätze wie die sexuelle Selektion zeigen bereits, dass Queertheorie oder absolute biologische Gleichheit der Geschlechter nicht bestehen können. Unsere Körper deuten auf verschiedene Selektionen hin. Unsere Körperchemie deutet auf verschiedene Selektionen hin etc.
Ein paar einfache Beispiele:
  • Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern sind ein Anzeichen, dass in der Vergangenheit ein starker Wettbewerb des größeren Geschlechts untereinander um das kleinere Geschlecht stattfand, der über körperliche Gewalt ausgetragen wurde
  • Eine spätere Entwicklung eines Geschlechts deutet ebenfalls daraufhin.
Wir können also annehmen, dass es einen starken Wettbwerb von Menschenmännern um die Frauen gegeben hat.
Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass wesentlich mehr Frauen als Männer ihre Gene weitergegeben haben (40% der Männer gegenüber 80% der Frauen). Wir finden auch heute noch in besonderes wettbewerbsintensiven Bereichen insbesondere Männer. Daraus lässt sich der Schluß herleiten, dass in der Steinzeit ein starker Wettbewerb zwischen den Männern stattgefunden hat, der sich bis heute auswirkt
Andere Überlegungen hatte ich ja auch schon angeführt:
Und natürlich die aktuellen Anzeichen dafür, dass die Unterschiede einen biologischen Ursprung haben, die ebenfalls nichts mit evolutionärere Biologie zu tun haben, dieser allerdings Hinweise geben:
All dies kann man im Feminismus bisher nicht erklären. Das führt zu Doktorarbeiten wie der von Heinz Voss, in der er zwar selbst anführt, dass pränatales Testosteron als Ursache sexueller Unterschiede den wissenschaftlichen Diskurs bestimmt, dann aber in seinem Buch genau zu diesem Thema auf die in der Wissenschaft vorherrschenden Theorien nicht eingeht. Oder zu feministischen Diplomarbeiten wie diesen, die meinen, dass das Frau-Sein automatisch mit der passiven Position im Begehren der Geschlechter verknüpft ist und Schwule, die eher Bottoms sind, deswegen weiblicher sein wollen. Es führt zu Anfeindungen gegen Transsexuelle und der Auffassung, dass diese nur eine Phase haben, weil die Gesellschaft sie nicht anders sein lässt, dass aber alles in der besseren Feministischen Welt verschwinden wird. Belege dafür: Null. Reine „Just so“ Geschichten.
Dann lieber Ausblenden, sich vor Kritik verschließen. Lieber nur ein Zerrbild der Gegenargumente wahrnehmen, das man leichter widerlegen kann.
Sicher immer weiter darin verstricken, was man noch sagen darf und was nicht. Wissenschaftliche Erkenntnisse ausblenden zugunsten der eigenen Ideologie.
Eigentlich traurig. Und sicherlich auch nicht im Interesse der Frauen.

Wirkungen von Frauen auf die kognitiven Leistungen von Männern

Zwei Studien behandeln die Wirkung von Frauen auf Männer:

Die erste Studie betrifft die cognitive Leistungsfähigkeit

The present research tested the prediction that mixed-sex interactions may temporarily impair cognitive functioning. Two studies, in which participants interacted either with a same-sex or opposite-sex other, demonstrated that men’s (but not women’s) cognitive performance declined following a mixed-sex encounter. In line with our theoretical reasoning, this effect occurred more strongly to the extent that the opposite-sex other was perceived as more attractive (Study 1), and to the extent that participants reported higher levels of impression management motivation (Study 2). Implications for the general role of interpersonal processes in cognitive functioning, and some practical implications, are discussed.

Quelle: „Interacting with women can impair men’s cognitive functioning

 Frauen, insbesondere schöne Frauen oder Frauen, die dem jeweiligen Mann besonders gefallen, führen also dazu, dass er bestimmte Aufgaben schlechter lösen kann. Der Mann fährt eben in diesen Situationen das „impression management“-Programm, was die Erledigung anderer Aufgaben erschwert. Da zeigt sich mal wieder der evolutionäre Stellenwert der Fortpflanzung, natürlich vermittelt über Lust auf Sex.

Etwas weitergehender noch diese Studie zum gleichen Thema: Schon das denken an eine Interaktion mit einer Frau kann die kognitiven Fähigkeiten der Männer einschränken:

Recent research suggests that heterosexual men’s (but not heterosexual women’s) cognitive performance is impaired after an interaction with someone of the opposite sex (Karremans et al., 2009). These findings have been interpreted in terms of the cognitive costs of trying to make a good impression during the interaction. In everyday life, people frequently engage in pseudo-interactions with women (e.g., through the phone or the internet) or anticipate interacting with a woman later on. The goal of the present research was to investigate if men’s cognitive performance decreased in these types of situations, in which men have little to no opportunity to impress her and, moreover, have little to no information about the mate value of their interaction partner. Two studies demonstrated that men’s (but not women’s) cognitive performance declined if they were led to believe that they interacted with a woman via a computer (Study 1) or even if they merely anticipated an interaction with a woman (Study 2). Together, these results suggest that an actual interaction is not a necessary prerequisite for the cognitive impairment effect to occur. Moreover, these effects occur even if men do not get information about the woman’s attractiveness. This latter finding is discussed in terms of error management theory.

Source: „The Mere Anticipation of an Interaction with a Woman Can Impair Men’s Cognitive Performance

Gute Planung zahlt sich eben aus und welche Aufgabe war steinzeitlich wichtiger für den Mann als die Interaktion mit den Frauen? Insofern macht eine solche Beeinträchtigung durchaus Sinn. Da kann man dann schon mal nachdenken, ob alle Statusanzeichen richtig sitzen oder was man noch vorteilhafter darstellen kann, zumindest unterbewusst. Zumal es in der Steinzeit wahrscheinlich weniger komplizierte Arbeitsaufgaben gegeben hat, die man zudem nicht unbedingt innerhalb fester Arbeitszeiten erledigen muss. Das ist heute anders. Aber Evolution kann eben recht langsam sein.

Interessant auch, dass Frauen nicht die gleichen Probleme haben. Das spricht ja für eine recht hohe durch die Frau ausgeübte sexuelle Selektion, die dann das Verhalten des Mannes entsprechend geformt hat.

„Natürliche Schönheit“ vs „kulturelle Schönheit: Warum Platz für die kulturelle Ausgestaltung von Schönheit bleibt

Der Artikel „Das tägliche Prozedere“ auf dem Mädchenblog dreht sich mal wieder ums Schminken und Haare entfernen und das das doch alles eine Menge Arbeit ist, die man sich sparen könnte und einfach „natürlich schön“ sein könnte. Natürlich durfte der Hinweis darauf nicht fehlen, dass man damit nur der männerdominierten, sexistischen Gesellschaft zuarbeitet, die eben niedliche große Frauenaugen bevorzugt, die man sich anschminken will, wenn der Hinweis auch vergleichsweise zurückhaltend  ist.

Warum also kann Schönheit überhaupt betont werden? Müßte nicht die Evolution dafür gesorgt haben, dass wir so wie wir sind bereits schön sind? Sprechen die diversen Kulturpraktiken für eine Erhöhung der Schönheit nicht gleichzeitig dafür, dass auch Schönheit nur Kultur ist?

Dabei werden aber mehrere Faktoren vergessen:

  •  Attraktivitätsmerkmale, die Ausdruck einer sexuellen Selektion sind, konkurrieren mit Körperformen, die durch natürliche Selektion entstehen und für beide kann es ein unterschiedliches Optimum geben
  • Attraktivitätsmerkmale können auf bestimmte Zustände abstellen, die normalerweise nicht dauerhaft sind, diese können durch Kulturtechniken simuliert werden
  • Attraktivitätsmerkmale können auf ein Optimum ausgerichtet sein, ob dies erreicht werden kann oder nicht.

1. sexuelle Selektion

Die natürliche Selektion ist den meisten bekannt. Dabei geht es darum, dass eine Mutation einen gewissen Vorteil bietet und das entsprechende Gen daher häufiger weitergegeben wird als andere Gene, sich also im Genpool anreichert. Das kann ein besser funktionierendes Auge sein, dass dem Träger des Gens ermöglichst mehr Nahrung zu finden und seltener selbst Nahrung zu werden und damit mehr Gelegenheit zur Fortpflanzung zu haben oder besseres Sperma, dass zu einer wahrscheinlicheren Befruchtung führt und damit die Gene besser weitergibt.

 Sexuelle Selektion ist hingegen ein etwas anderer Mechanismus und berücksichtigt mehr die Interaktion zwischen den verschiedenen Mitgliedern einer Spezies in Hinblick auf die Weitergabe der Gene. Ich hatte die Grundzüge in „Queer Theorie, Evolution und Attraktivität“ bereits einmal dargelegt, aber versuche es hier nochmal. Es geht darum, wie Fortpflanzungsmöglichkeiten gegen Konkurrenten durchgesetzt werden (intrasexuelle Selektion) und welche Eigenschaften bei potentiellen Fortpflanzungspartnern die Geschlechter jeweils bevorzugen.

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz ist der Gorilla: Ein Männchen lebt mit einem Harem von Weibchen und dem Nachwuchs, um den er sich durchaus liebevoll kümmert. Er kann sich ziemlich sicher sein, dass es sein Nachwuchs ist, weil er als dominanter Silberrücken des Harems jeden anderen Gorilla vertreibt, der sich seinem Harem nährt. Die Folge sind sehr kräftige und kampfstarke Männchen. Diese Kraft hat sich entwickelt, weil sich jeweils die Gorillamännchen, die die Kämpfe mit anderen Gorillamännchen gewonnen haben, fortgepflanzt haben, gehalten haben.

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz der Weibchen findet sich beispielsweise bei den Odinshühnchen. Bei diesen übernehmen die Männchen die Brutpflege, die etwa 3 Wochen dauert, während das Weibchen etwa 1 Woche braucht um ein neues Gelege produzieren zu können. Dadurch wird es für die Weibchen interessant um die Männchen zu werben, da für jedes Weibchen, dass zwei Gelege mit 2 Männchen produziert ein anderes Weibchen leer ausgeht.

Das klassische Beispiel für intersexuelle Konkurrenz ist hingegen das Pfauenrad. Eine Mutation wird die dort enthaltenden Muster eher zerstören als verbessern und ein Tier, dass schwach ist, wird einen Pfauenschwanz weder hinreichend aufbauen noch sauber halten und unterhalten können. Der Pfauenschwanz ist damit ein Zeichen, dass besagt „Wähle mich, ich habe wie man an meinem Pfauenschwanz sieht, gute Gene“.

Ein solches Merkmal erfordert aber, dass die Weibchen Vorlieben für Männer mit schönem Pfauenschwanz eingespeichert haben und diese vererben, da ansonsten der notwendige Prozess zur Entstehung des Pfauenschwanzes nicht entstehen kann. Der Prozess wird nicht nur die natürliche Selektion gesteuert, sondern allein durch das Auswahlverhalten der Weibchen (bzw. bei einem Merkmal, das Weibchen betrifft, durch das Auswahlverhalten von Männchen).

Dabei kann das Merkmal, dass durch sexuelle Selektion entsteht, sogar nachteilig für andere Fähigkeiten sein, also einer „natürlichen Selektion“ gerade entgegenstehen. Ein Pfauenmännchen ohne langen auffälligen Schwanz würde bessere Chancen in nahezu jedem Bereich haben, abgesehen von den Chancen beim anderen Geschlecht. Da aber Gene über die Fortpflanzung weitergegeben werden, bringen diese Vorteile wenig, wenn die Gene der Tiere ohne auffälligen Schwanz nicht weitergegeben werden. Oft stellt der Nachteil hier gerade den Wert des Merkmals für die Partnerwahl dar, da es eine bessere Aussage über die Angepasstheit ermöglicht (vgl. Handicap-Prinzip und Costly Signaling).

Ein weiterer stabilisierender Faktor entstammt der „Sexy Son Theorie“ (die bei umgekehrter Wahl eine „Sexy Daughter Theorie“, die Namensgebung beruht darauf, dass Weibchen im Tierreich ganz überwiegend wählen und daher Zeichen sexueller Selektion weitaus häufiger bei Männchen zu finden sind). Die Theorie erläutert, warum es so schwer ist, sich von einer einmal in Gang gekommenen sexuellen Selektion wieder zu lösen: Eine Pfauenhenne, die den Trend bricht und lieber ein Männchen aussucht, das keinen hochwertigen Pfauenschwanz hat, dafür aber ein leichteres Leben, mischt dessen Gene mit den eigenen und hat daher eine hohe Chance, Söhne zu bekommen, die keinen schönen Pfauenschwanz haben. Diese werden dann aber von den anderen Hennen als unattraktiv bewertet werden. Mit der Wahl eines unattraktiven Partners produziert man damit weniger Nachkommen (sofern der Trend sich nicht allgemein umkehrt), so dass eine Überhöhung des Merkmals und eine Beibehaltung auch für die Weibchen sinnvoll ist. Die Geschlechter produzieren eben einander, die Gene des einen können sich jederzeit in einem Phänotyp des anderen wiederfinden, was genetische Optimierung für beide Geschlechter notwendig macht. Demnach kann sexuelle Selektion ein Merkmal wie den Pfauenschwanz fördern, obwohl dieser so gesehen für das Überleben nachteilhaft ist. Da sich die Pfauenmännchen untereinander in einem Wettrüsten um die Kunst der Weibchen befinden muss jede Generation bei Beachtung nur der sexuellen Selektion ein prächtigers Rad entwickeln um mit den positiven Mutationen innerhalb der Spezies mitzuhalten (Red Queen Race). Irgendwann würden dann aber das Pfauenrad so schwer und Kosten aufwendig werden, dass die Männchen diese Last nicht mehr tragen können und sie entweder zu schwach sind, um sich hinreichend zu ernähren oder nicht mehr vor Feinden fliehen können. Die natürliche Selektion begrenzt hier also irgendwann die sexuelle Selektion.

Die natürliche Selektion hat aber nicht zwangsläufig feste Grenzen. In Gegenden oder Zeiten mit hohem Nahrungsangebot und geringen Beutegreifern können Gene für größere Pfauenschwänze erfolgreich sein als ine Gegenden oder zu Zeiten, in denen ein niedriges Nahrungsangebot oder viele Beutegreifer bestehen. Dies macht Nischenbildung (Gene für schlechte oder sehr schlechte Zeiten bzw. Gene für gute oder sehr gute Zeiten möglich). Dadurch kommt es gerade bei Merkmalen, die auf sexueller Selektion beruhen zu schwankungen. Das bedeutet aber nicht, dass ein bestimmtes Merkmal nicht aus biologischen Gründen von der Mehrzahl als attraktiv angesehen wird.

Auf den Menschen übertragen bedeutet dies, dass beispielsweise große Augen aufgrund einer Übertragung der Schutzbedürftigkeit aus dem Kindchenschema heraus gewisse Vorteile boten und dies im Wege der sexuellen Selektion zu einem Attrkativitätsmerkmal wurde, dass Gene für große Augen förderte. Gleichzeitig steht dem aber die natürliche Selektion entgegen, die Augen auf klares Sehen hin optimiert, sie vielleicht zur Vermeidung einer zu leichten Verwundbarkeit eigentlich kleiner produzieren würde. Das durch sexuelle Selektion bestimmte Maß an Augengröße kann damit von dem durch natürliche Selektion bestimmten Maß an Augengröße abweichen. Die erzielte Größe wird dann irgendwo in der Mitte liegen. Deswegen haben kulturell geschaffene Mittel, die die Augengröße optisch dem Ideal, welches bei alleiniger sexueller Selektion bestehen würde, angleichen, einen Ansatzpunkt.

Bei Haaren kann sich dies ähnlich verhalten. Haarlosigkeit bietet einen Vorteil bei Parasitenfreiheit und betont zudem Jugendlichkeit (was beides wahrscheinlich zusammenhängt: Jugendliche waren aufgrund schwächerer Gesamtkonstituion anfälliger für Parasitenbefall, was Haarlosigkeit weiter begünstigt). Gleichzeitig haben Haare innerhalb der natürlichen Selektion einen Vorteil geboten. Sie stellen einen gewissen Schutz gegen Kälte dar, erlauben eine schnellere Verdunstung von schweiß, in dem sich wiederum Bakterien entwickeln können oder leiten Schweiß wie bei den Augenbrauen von den empfindlichen Augen weg. Auch hier kann es dann dazu kommen, dass sexuelle Selektion andere Vorgaben macht als die natürliche Selektion, und man sich dem Optimum nach sexueller selektion durch kulturelle Maßnahmen nähren kann.

Beine können eine optimale Länge zum Laufen haben, aber gleichzeitig eine optimale Länge für sexuelle Erregung. Eine Annährung an die sexuelle Selektion kann hier durch eine optische Verlängerung der Beine durch Absätze erfolgen.

Reine, gleichmäßige Haut ist ein gutes Merkmal für Genqualität. Sie kann aber auch erzielt werden, indem man Unregelmäßigkeiten überdeckt.

Symmetrie ist ein gutes Anzeichen für gute Gene und daher geeigent für sexuelle Selektion, weswegen viel dafür spricht, dass zB Brüste durch sexuelle Selektion entstanden sind. Gerade bei den Brüsten dienen BHs daher auch dazu, die Brüste symmetrischer zu machen.

2. Attraktivität als temporärer Zustand

Attraktivitätsmerkmale können sich nicht nur als Zeichen guter Gene entwickeln sondern auch und gerade bei sozialen Gruppentieren als Zeichen einer sexuellen Gelegenheit oder einer besonderen Bindung.

Gerade bei Männchen, die meist die geringeren Kosten eines sexuellen Kontakts haben (etwas Sperma gegen das Risiko einer Schwangerschaft) lohnt es sich solche Anzeichen attraktiv zu finden, um sie nicht zu vergeuden. Ebenso lohnt es sich Anzeichen dafür, dass eine besondere Bindung besteht, attraktiv zu finden, damit diese höher gewichtet wird.

Viele Schminktricks nutzen genau dies aus. Sie erzeugen leicht gerötete Wangen, wie sie etwa nach einem Orgasmus auftreten oder wenn jemand aufgrund einer gewissen Zuneigung leicht nervös ist. Pupillenvergrößerungen wurden im Mittelalter durch Belladonna erzielt und sind ein Zeichen einer gewissen Zuneigung.

All diese Zustände können künstlich erzeugt und dauerhaft gemacht werden. Dadürch wird dann zwar das zeichen seines Sinnes beraubt, aber das ist ein typischer Zustand innerhalb der Evolution, die eben zu langsam verläuft um solche kulturellen Umstände zu berücksichtigen.

3. Abstellen auf ein Optimum

Es ist des weiteren zu bedenken, dass Schönheitsmerkmale nicht gerecht oder moralisch sein müssen, sondern nur effektiv für die Weitergabe von Genen, und dies unter den Umständen der Entstehung der Merkmale.

Die Evolution muss insbesondere nicht einplanen, dass es mühsam ist ein vollständiges Ideal zu erreichen, im Gegenteil, dies kann gerade der Vorteil sein („Costly Signal“) oder aber für die Effektivität schlicht unbeachtlich sein.

Nehmen wir reine, glatte, weiche Haut. Sie spricht für das Fehlen von Mutationen, einen geordneten Hormonhaushalt, ein gut durchlebtes Leben, Jugend (und damit Fruchtbarkeit) etc. All dies bietet sich für eine sexuelle Selektion an. Eine Regel „Nimm die mit der reinsten, glattesten , haarlosesten Haut“ kann diese Umstände effektiv ausnutzen. Das es theoretisch immer eine Frau mit glatterer, schönerer Haut gibt und das jede Frau gewisse Ungereimtheiten hat, steht der Effektivität der Regel nicht entgegen.

Es begünstigt aber natürlich gleichzeitig einen Wettbewerb unter Frauen, bei diesem Merkmal mit kulturellen Mitteln nachzuhelfen. Wenn eine Frau mit Schminke und Puder eine glattere Haut vortäuscht, dann steht die Frau mit natürlicher, aber deswegen schlechter werdender Haut, schlechter dar. Sie muss ebenfalls nachhelfen, hat dann evtl. den Vorteil, dass dies dann bei ihr natürlicher wirkt.

Wenn sich also alle Frauen darauf einigen würden, natürlich zu sein, dann ist dies von Nachteil für die Frauen, die eine unreinere Haut hatten und diese bisher aufwerten konnten. Es ist von Vorteil für die Frauen, die eh eine reinere Haut haben. Es handelt sich damit bei Schminke etc. weniger um ein Mittel der männlichen Unterdrückung, sondern vielmehr um einen intrasexuellen Wettkampf unter Frauen. Sie setzen die Maßstäbe nach oben und wundern sich dann, wenn Männern nach diesen Maßstäben urteilen und diese höheren Maßstäbe normal werden.

Ein weiteres Problem ist, dass die optimalen Zustände bestimmter Eigenschaften sich widersprechen können und dies aber teilweise durch kulturelle Praktiken ausgeglichen werden kann.

Ein klassisches Beispiel wäre „Große, symmetrische Brüste sind ein Zeichen guter Gene“ vs. „ein schlanker Bauch ist ein Anzeichen dafür, dass sie nicht schwanger ist (und sich die Investition in sie damit eher genetisch lohnt)„. Ein flacher Bauch ist besser bei wenig Körperfett zu sehen. Große Brüste aber sind leichter mit mehr Körperfett auszubilden. Die kulturelle Antwort auf dieses Problem sind Silikonbrüste, für diejenigen, die den Spagat zwischen beiden Prinzipien aus genetischen Gründen nicht schaffen. Gut gemachte Silikonbrüste wiederum (gerade in Verbindung mit dem in den Medien erhöhten Wettbewerb) lassen den Gegensatz zu Lasten des intrasexuellen Wettbewerbs kleiner erscheinen.

Aus Sicht der Biologie sind allerdings beide Kriterien sinnvoll, auch nebeneinander. Das sie nur von wenigen Frauen umgesetzt werden können ist dabei egal.

4. Zusammenfassung

Es gibt demnach gute Gründe dafür, warum man auch bei Zugrundelegung biologischer Schönheitsideale noch einen gewissen Spielraum hat, der durch kulturelle Ausgestaltung dieser Merkmale genutzt werden kann.

Testosteron und Immunsystem

Hormone sind für viele Unterscheidungen innerhalb der Geschlechter verantwortlich. Dabei bewirkt ein mehr an Testosteron bei Säugetieren üblicherweise eine Veränderung in Richtung „Männlich“ und ein mehr an Östrogen eine Veränderung in Richtung „weiblich“.

Testosteron kommt allerdings mit einem Preis:

Es bewirkt eine Verschlechterung des Immunsystems

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum gerade Testosteron als „Signalstoff“ für eine Entwicklung zum männlichen hin entstanden ist.

Den Anfang mag der Vorteil von Testosteron beim Muskelaufbau gemacht haben, der bei Spezien mit einem intrasexuellen Wettbewerb unter Männern hilfreich ist. Dann aber könnte die Red Queen Theorie und das Handicapprinzip zugeschlagen haben.

Die Red Queen Theorie besagt, dass wir uns in einem stetigen Wettrennen mit diversen Feinden befinden, die sich ebenfalls weiterentwickeln. Weil sich der eine entwickelt, muss sich auch der andere entwickeln. Beide bleiben auf der gleichen Stelle im Verhältnis zueinander, aber würde einer aus dem Rennen aussteigen, würde der andere die Oberhand gewinnen.

Dabei liefern wir uns dieses Rennen insbesondere mit Parasiten und Bakterien, die den Vorteil haben, sich schneller entwickeln zu können, da sie schnellere Generationsfolgen haben. Diesem Kampf halten wir insbesondere den Genpool entgegen, der es Parasiten schwerer macht, sich auf uns einzustellen, weil wir alle etwas anders sind, aber natürlich auch unser internes Gefahrenabwehrsystem, unser Immunsystem.

Auch die besten körperlichen Anlagen können dabei unbeachtlich sein, wenn dieses Immunsystem nicht funktioniert und die Bakterien und Viren nicht abgehalten werden können.

Es ist daher verständlich, dass Anzeichen körperlicher Gesundheit bei der Attraktivität sehr weit oben stehen. Ein klassisches Beispiel sind verlängerte Schwanzfedern bei Vögeln, die zwar das Fliegen erschweren, aber wenn sie sauber sind, zeigen, dass kein Parasitenbefall vorliegt.

Ein Stoff, der das Immunsystem beeinträchtigt, kann genau ein solches Anzeichen sein. Denn jemand, der gesund ist, sauber ist, kräftig ist wird üblicherweise Parasitenfrei sein. Fallen diese Anzeichen mit Anzeichen von Testosteron zusammen, dann bedeutet dies, dass sein Immunsystem trotz der zusätzlichen Last des Testosterons in der Lage ist, alle Angriffe abzuwehren. Aus den beiden Anzeichen zusammen ergibt sich damit die Wertung, dass sein Immunsystem sehr gut sein muss (zumindest für die lokalen Parasiten). Das Testosteron bzw. seine Ausprägung ist damit ein „Costly Signal

Die Gene für dieses Immunsystem gibt er dann evtl. an seine Kinder weiter, wobei die Mädchen noch nicht einmal die Nachteile des hohen Testosteronspiegels erben, die Jungs aber den Vorteil innerhalb der sexuellen Selektion haben, selbst Anzeichen eines guten Immunsystems zu tragen, wenn sie beide Eigenschaften erben.

Eine sexuelle Selektion der Weibchen auf Anzeichen von Testosteron und Gesundheit (beides zusammen) würde damit genetisch sinnvoll sein.

Gleichzeitig macht dies auch eine Selektion des Mannes auf ein gesundes Immunsystem noch interessanter als es aufgrund des Red Queen Rennen ohnehin schon ist. Denn ein Mann mit viel Testosteron läuft natürlich auch Gefahr, dass ein Sohn seinen Testosteronspiegel, aber ihr Immunsystem erbt. Da aber gleichzeitig Anzeichen von Testosteron bei ihr Anzeichen einer verminderten Fruchtbarkeit sind, zahlt es sich noch mehr aus, auf ihren Körper zu achten.

Das Costly Signal schlägt sich auch in realen Kosten nieder. Männliche Babies sind anfälliger, Krankheiten können schlechter abgewehrt werden. Aber aus Sicht der Gene ist Fortpflanzung eben das allerwichtigste. Solange der Vorteil insgesamt überwiegt lohnen sich daher solche Signale