Kosten des Sex für die Geschlechter und Evolution

Weil es immer wieder auftaucht und gerade bei den Geschlechterunterschieden der ganz wesentliche Selektionsdruck ist, hier einmal ein eigener Artikel zu den Unterschiedlichen Kosten des Sex bzw. der Fortpflanzung der Geschlechter und einigen evolutionären Schlußfolgerungen daraus:

Die potentiellen Kosten des Sex bzw. der Mindestaufwand für Sex sind zwischen den Geschlechtern unterschiedlich verteilt

  • Bei Frauen müssen für jede Fortpflanzung 9 Monate Schwangerschaft, eine riskante Geburt und danach die Stillzeit als Kosten eingeplant werden. Eine „billigere“ Herstellung von Nachwuchs ist für Frauen nicht möglich, allenfalls können sie das Stillen abgeben. Demnach hat Sex, der zu einer Schwangerschaft führen kann potentiell hohe Kosten
  • Männer müssen für jede Fortpflanzung die Kosten einer geringen Menge Sperma als Minimalkosten einplanen, die weiteren Kosten können sie theoretisch komplett an die Frauen abgeben. Sex ohne Verpflichtung ist insoweit kein hohes Risiko, die potentielle Investition kann gering sein, die genetische Entlohnung hingegen genau so hoch wie bei der Frau, da das Kind 50% der Gene des Vaters trägt

Diese grundsätzlichen und für Säugetiere wesentlichen Kosten muss man sich,wenn man evolutionäre Vorgänge zwischen den Geschlechtern nachvollziehen will, bewußt machen. Sie ist wesentlich für das Verständnis der evolutionären Entwicklung.

Des weiteren sollte man sich die sich daraus ergebenden Strategien überlegen, die die Geschlechter dann nutzen können, und das nach den Grundsätzen evolutionärer Spieletheorie.

Frauen können:

  • Frauen können akzeptieren, dass sie die Kosten im wesentlichen alleine tragen müssen und wenigstens bei dem, was der Mann zwangsläufig beisteuert auf Qualität achten. Das wäre dann ein Abstellen auf genetische Qualität. Dazu müssen Kriterien für diese Qualität erkannt und verwertet werden, üblicherweise also Aussehen oder eben Kriterien wie ob sich diese in direkter Konkurrenz der Spermien oder in einer Bestenauslese in Konkurrenz untereinander durchsetzen. Beim letzteren müsste dann die Frau also insbesondere Sieger einer intrasexuellen Konkurrenz aussuchen. (sie kann dann zudem versuchen Aufzugskosten an die Gruppe oder an Verwandte weiterzugeben).
  • Frauen können versuchen die Kosten der Schwangerschaft anteilig an die Männer abzugeben. Dabei haben sie den Nachteil, dass zwischen Sex und Geburt 9 Monate liegen, der Mann also jede Menge Zeit hat sich davon zu machen. Dazu kann die Frau gerade solche Männer aussuchen, die zum einen die Ressourcen haben oder bei denen zu erwarten ist, dass sie diese dauerhaft aufbringen können und diese dazu bringen, diese mit ihnen zu teilen.

Männer können:

  • versuchen den Kostenvorteil zu nutzen und mit möglichst wenig eigenen Kosten möglichst viele Nachkommen zu erzeugen
  • versuchen im Gegenzug gegen eine Übernahme bei den Kosten eine dauerhafte Vereinbarung dahingehend zu treffen, dass man möglichst viele Kinder gemeinsam produziert.

Hinzu kommt:

  • die hohe Unselbständigkeit menschlicher Kinder und deren große Förderungsmöglichkeit aufgrund der hohen Fähigkeit zur Spezialisierung und der langen Kindheitsphase.

Diese macht ein Setzen auf „Qualität“ also eine geringere Anzahl an Nachwuchs in Verbindung mit hohen Investitionen in diesen lukrativer und damit auch eine Kooperation der Geschlechter.

vgl auch:

Sex in Paarbindungen und die Bedeutung des Gesichts

Eine Frage, die ich mir neulich stellte, ist, welche Veränderungen durch die Paarbindung entstehen:

  • Bei der Paarbindung wird die Anonymität des Sex aufgehoben (im Gegensatz zB zu einer Spermienkonkurrenz). Die Identität des Sexualpartners erhält damit eine besondere Bedeutung
  • Vielleicht haben wir deswegen auch eine besondere Vorliebe für ein „hübsches Gesicht“ und auch dort im Wege der sexuellen Selektion viele besondere Attraktivitätsmerkmale angesammelt – bei Frauen etwa besonders volle Lippen (quasi vergleichbar mit den geschwollenen roten Hintern einer Affenarten), was dann eben heute dazu führt, dass sich Frauen die Lippen aufspritzen lassen und mit Lippenstift die Signalfarbe verstärken sowie den Mund optisch vergrößeren

  • Weitere Attraktivitätsmerkmale im Gesicht sind große Augen, weswegen mit Schminke auch hier nachgeholfen wird, zudem hohe Wangenknochen als Zeichen für Erwachsenheit oder Signale wie leicht gerötete Wangen (Signalfarbe für Erregung) die auch mit Schminke nachgeamt wird.
  • Auch beim Mann sind ein deutliches Kinn etc interessant.
  • Das erklärt vielleicht auch, warum Sexualpraktiken wie die Missionar Stellung als besonders vertraut gelten, weil man sich dabei eben in die Augen und in das Gesicht schaut und so die Mimik und die Gefühle des Partners besser lesen kann. Andere Stellungen wie Doggy Style gelten dagegen als „wilder“ und insoweit sexueller und sind damit der Kurzzeitstrategie näher (in dem Sinne, dass sie eben die sexuellere Seite eher ansprechen als die Bindungsseite).
  • Es könnte sich insoweit sexuelles Interesse auf das Gesicht verlagert haben, weil dieses aufgrund der Paarbindung zur Erforschung der Gefühle und genauer Beobachtung eh mehr beobachtet werden muss und daher das Prüfen der dortigen Fruchtbarkeitsmerkmale /Attraktivitätsmerkmale und das Entwickeln besonderer Attraktivitätsmerkmale im Wege der sexuellen Evolution leicht selektiert werden konnte

Das sexuelle Selektion ihre Spuren in unserem Gesicht hinterlassen hat, wird auch in dieser Studie vertreten:

We consider sex differences in human facial morphology in the context of developmental change. We show that at puberty, the height of the upper face, between the lip and the brow, develops differently in males and females, and that these differences are not explicable in terms of sex differences in body size. We find the same dimorphism in the faces of human ancestors. We propose that the relative shortening in men and lengthening in women of the anterior upper face at puberty is the mechanistic consequence of extreme maxillary rotation during ontogeny. A link between this developmental model and sexual dimorphism is made for the first time, and provides a new set of morphological criteria to sex human crania. This finding has important implications for the role of sexual selection in the evolution of anthropoid faces and for theories of human facial attractiveness.

Quelle: Biometric Evidence that Sexual Selection Has Shaped the Hominin Face

Aus der Studie:

Could the vertical modification of the anterior upper face in males and females be simply a by-product of developmental adjustments towards structural and functional balance? Or is there evidence to suggest that sexual selection, operating mainly through mate choice, has shaped the human face? Previously, ‘hormone markers’, singled out as cues that can affect judgements of male facial attractiveness [32], [33], have largely corresponded to regions of the face that grow allometrically, such as the lower jaw and browridges, and not necessarily to regions of the face that exhibit sex-specific size-independent variation, such as anterior upper facial height. A good example of a facial feature that is growth-related is cheekbone prominence: although male cheekbones are larger, female cheekbones appear more conspicuous than those of males, as the female nose, forehead and chin do not protrude to the same extent [5], [17]. Prominent cheekbones are attractive in both sexes but in females it is the relative anterior protrusion of the bone and amply overlying soft tissue [34] that defines them, as opposed to the degree of protrusion of the zygomatic bone laterally. In several studies of facial attractiveness [35]–[37] cheekbone prominence has been defined metrically by the ratio of the width of the face at the cheek-bones divided by the width of the face at the level of the mouth. The findings from these studies were not consistent as ‘cheekbone prominence’ in this context was found to be both greater in females [37]or greater in males [35], [36]. The sex-specific distinction (width-to-height of the upper face) reported here in a sample of modern humans, and potentially corresponding to facial dimorphism in other hominins, is quantifying different information, with width of the face across the cheekbones defined in relation to the height of the upper face and not defined in relation to the breadth of the lower jaw. The findings in this study suggest that, independent of any selection pressure on overall body size, it is upper facial height (and not facial breadth) that is the potential target of selection, as male upper faces are shorter than expected for their size. A divergence in the size of male and female traits usually occurs around male puberty at 12–14 years [4]. Our data confirm that sexual size dimorphism is present in most cranial traits (though to a variable degree) but is absent for FHT in post-pubescent individuals (Figure S3). The relationship between facial breadth across the cheekbones (BZW) and BCL (the usual proxy for skull size) is shown not to differ significantly between males and females, agreeing with predictions based on ontogenetic scaling, whereas the relationship between upper facial height and skull size (BCL) is shown to differ significantly between the sexes (Table 1, 2). This distinction, which separates facial variation hypothetically linked with sexual selective pressures acting on overall body size, from facial variation hypothetically linked with sexual selective pressures targeting a specific part of the face, is important as the latter should be able unambiguously to define adult male and female faces, whereas the former will fluctuate in accordance with variation in body size across human populations.

Der Laubenvogel („Bowerbird“) und sexuelle Selektion

Ein interessantes Beispiel dazu, wie sexuelle Selektion zu einem ganz speziellen Verhalten führen kann, ist der Laubenvogel oder Bowerbird.

Dieser baut kunstvolle Bauten, die nur den Sinn haben, seine Baufähigkeit und damit gute Gene zu demonstrieren. Die Laubenvögel-Weibchen inspektieren die Bauten und paaren sich dann mit denen, die den besten Bau haben und diesen mit besonders viel Farben ausgestaltet haben, weil diese letztendlich Costly Signals sind, mit denen er zeigt, dass er solche seltenen Farben zusammentragen kann.

Der Bau ist insoweit im Sinne von Dawkins ein „extended Phenotyp“, also eine Erweiterung seines Körpers, mit der er seinen Wert darstellen kann.

Zu den einzelnen Bauarten:

Die Bauten der Laubenvögel können in drei Typen eingeteilt werden:

  • Der Hof oder die Tenne besteht aus einem gereinigten Platz, der mit Blättern ausgelegt wird.
  • Der Maibaum ist ein aus Stöcken gefügter Turm, der um einen dünneren Baumstamm oder um einen Baumfarn angelegt wird. Zu den Maibäumen zählen auch die äußerst komplexen überdachten Hütten des Hüttengärtners.
  • Eine Allee besteht aus zwei parallelen, aus Stöcken verflochtenen Wänden (z. B. Laube des Seidenlaubenvogels).

Hier einmal etwas, damit man sich ein Bild von den Bauten machen kann:

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Bowerbird

Bowerbird

Man sieht auf dem Bild schön, dass alles genutzt wird, was eine bestimmte Farbe hat, auch entsprechender Müll.

Hier zudem noch ein Film dazu:

Zu dem Laubenvogel gibt es einige interessante Studien, die das Paarungsverhalten betreffen:

Sexual selection driving display trait divergence has been suggested as a cause of rapid speciation, but there is limited supporting evidence for this from natural populations. Where speciation by sexual selection has occurred in newly diverged populations, we expect that there will be significant differences in female preferences and corresponding male display traits in the absence of substantial genetic and other morphological differentiation. Two allopatric populations of the Vogelkop bowerbird, Amblyornis inornatus, show large, qualitative differences in a suite of display traits including bower structure and decorations. We experimentally demonstrate distinct male decoration color preferences within each population, provide direct evidence of female preferences for divergent decoration and bower traits in the population with more elaborate display, and show that there is minimal genetic differentiation between these populations. These results support the speciation by sexual selection hypothesis and are most consistent with the hypothesis that changes in male display have been driven by divergent female choice.

Quelle: Sexual selection drives rapid divergence in bowerbird display traits

Hier wurde also untersucht, wie sich innerhalb der Art verschiedene Vorlieben durch die weibliche Selektion herausgebildet haben.

Male satin bowerbirds often destroy the bowers of other males. Bowers are a key element in male sexual display and their destruction represents a unique pattern of sexual competition. For two mating seasons bowers of displaying males were continously monitored to produce a complete record of bower destructions. The number of destructions at bowers and the amount of destruction of bowers were invesely correlated with bower quality. The best predictor of male bower destroying behaviour is male aggressiveness at feeding sites. Males directed most destructions at adjacent bower sites. These results show that male interactions are important in determining differences in the quality of display among male satin bower-birds, and are consistent with the view that females use bowers as indicators of male quality in mate choice.

Quelle: Bower destruction and sexual competition in the satin bowerbird (Ptilonorhynchus violaceus)

Hier hat man dann die Gegenseite: Wenn der schönste Bau die Herzen der Damen erobert, dann muss man zum einen einen solchen Bau errichten, aber gleichzeitig darauf achten, dass andere Männchen keinen schöneren haben. Zudem kann es einfacher sein, seinem Nachbarn einfach alle Materialien mit gleicher Farbe zu klauen statt sie selbst zusammenzusuchen. Was wiederum auch bedeutet, dass ein Männchen mit einem schönen Bau sich zudem noch gegen andere durchsetzten kann und seinen Bau verteidigen kann (Was wiederum ein Zeichen guter Gene ist)

Interessant ist auch, wie ausgereift die Bautechnik teilweise ist:

Sexual selection studies normally compare signal strengths, but signal components and sensory processing may interact to create misleading or attention-capturing illusions. Visual illusions can be produced by altering object and scene geometry in ways that trick the viewer when seen from a particular direction. Male great bowerbirds actively maintain size-distance gradients of objects on their bower courts that create forced-perspective illusions for females viewing their displays from within the bower avenue. We show a significant relationship between mating success and the female’s view of the gradient; this view explains substantially more variance in mating success than the strength of the gradients. Illusions may be widespread in other animals because males of most species display to females with characteristic orientation and distance, providing excellent conditions for illusions.

Quelle:  Illusions Promote Mating Success in Great Bowerbirds

Aus der Wikipedia noch dazu:

The most notable characteristic of bowerbirds is their extraordinarily complex courtship and mating behaviour, where males build a bower to attract mates. There are two main types of bowers. One clade of bowerbirds build so-called maypole bowers, which are constructed by placing sticks around a sapling; in some species, these bowers have a hut-like roof. The other major bowerbuilding clade builds an avenue type-bower made of two walls of vertically placed sticks. In and around the bower, the male places a variety of brightly colored objects he has collected. These objects — usually different among each species — may include hundreds of shells, leaves, flowers, feathers, stones, berries, and even discarded plastic items, coins, nails, rifle shells, or pieces of glass. The males spend hours arranging this collection. Bowers within a species share a general form but do show significant variation, and the collection of objects reflects the biases of males of each species and its ability to procure items from the habitat, often stealing them from neighboring bowers. Several studies of different species have shown that colors of decorations males use on their bowers match the preferences of females.

Uy and collaborators[who?] have shown that mate-searching females commonly visit multiple bowers, often returning to the male several times, watching his elaborate courtship displays and inspecting the quality of the bower and tasting the paint the male has placed on the bower walls[dubious – discuss]. Many females end up selecting the same male, and many under-performing males are left without copulations. Females mated with top-mating males tend to return to the male the next year and search less.

Man sieht an diesen Vögeln, dass eine genetisch vorgegebene Verhaltensweise – baue einen möglichst guten Bau bzw Wähle das Männchen mit dem besten Bau – entstehen kann und dann durch Lernen, Kopieren und Übung eine Fertigkeit erworben wird, diese Punkte umzusetzen. Man könnte hier von einer Bauwerk-Kultur sprechen, die aber deutliche biologische Wurzeln hat und insoweit nur Teile der Umsetzung betrifft

Sexuelle Selektion und Feminismus

Sexuelle Selektion sieht vor, dass Verhalten der Geschlechter, welches sich auf das Paarungsverhalten auswirkt, eine Zucht in eine bestimmte Richtung bewirken kann.

  • Das kann intrasexuelle Konkurrenz sein, also Konkurrenz innerhalb  eines Geschlechts um das andere Geschlecht, bei der beispielsweise der Zugang für Konkurrenten zum anderen Geschlecht verhindert wird (beispielsweise bei Gorillas, die ihren Harem bewachen)
  • oder intersexuelle Selektion, bei der zB ein Geschlecht das andere Geschlecht aufgrund bestimmter Merkmale eher als Partner wählt
  • oder eine Mischung aus beiden, etwa wenn ein Geschlecht das andere Geschlecht aufgrund bestimmter Eigenschaften eher wählt und das andere Geschlecht daher in einen Wettbewerb untereinander eintritt , damit der Einzelne die besondere Ausprägung dieser Eigenschaft bei sich  zeigen kann.

Wichtig dabei ist, dass es eine biologische Selektion ist, also die Auswahl anhand von biologisch abgespeicherten Attraktivitätsmerkmalen (gegebenenfalls ausgestaltet durch Kultur) erfolgt. Das es solche Attraktivitätsmerkmale gibt, kann man an den biologischen Grundlagen von Heterosexualität und Homosexualität, an Asexualität aber auch an körperlichen Merkmalen wie etwa den Brüsten der Frau sehen.

Und das führt bereits zu allerlei Problemen, was den Feminismus betrifft.

Bei den queertheoretischen Ansätzen ist die sexuelle Ausrichtung nicht festgelegt. Alles ist rein kulturell ausgestaltet und es gibt keine biologisch geprägten Attraktivitätsmerkmale.  Sexuelle Attraktivität ist eine Art Blank Slate, der frei ausgestaltet werden kann und insoweit keinerlei Biologie unterliegt.

Ich hatte dazu schon etwas in dem Artikel „Queer Theorie, Evolution und Attraktivität“ geschrieben.

Aber auch andere Schwierigkeiten ergeben sich, gerade wenn eine sexuelle Selektion von Frauen durch Männer stattfinden soll:

Am Beispiel einer Mutation im asiatischen Raum:

As Wade summarizes Akey’s point: “thick hair and small breasts are visible sexual signals which, if preferred by men, could quickly become more common as the carriers had more children.” In fact, as Wade paraphrases Akey, “the sexually visible effects of EDAR are likely to have been stronger drivers of natural selection than sweat glands.”*

Basically, the genetic mutation flourished because men wanted to do the no-no-cha-cha with women who carried it. Oops, I’d forgotten that science, the world, etc., revolves around what males find attractive. Never mind that this assumes an alarming passivity on the part of the females. Did they have no say in their mating partner? (That’s a rhetorical question: Studies throughout the animal kingdom show that it’s usually the females who decide who gets action and who doesn’t.) And even supposing that the women had no agency, were prehistoric East Asian men really so very picky? Did they typically refuse intercourse with large-breasted or fine-haired women? I am trying to imagine a caveman turning down a willing sexual partner on account of a triviality like insufficiently luxuriant tresses, and not just one caveman but the entire sperm-producing Pleistocene population.

Unabhängig von der Frage, ob gerade diese Mutation durch sexuelle Selektion verbreitet wurde (sie hat immerhin einige optische Auswirkungen und natürliche Selektion kann zudem durch sexuelle Selektion unterstützt werden)  zeigt der Text die klassischen Argumente:

  • Ein Abstellen auf eine Auswahl durch den Mann ist patriarchisch und damit falsch
  • Eine Auswahl durch den Mann bedeutet Passivität der Frau und das kann auch nur falsch sein
  • Es sind die Frauen, die eigentlich aktiv werden, weil das so im übrigen Tierreich auch ist

Dazu kurz das Folgende:

Eine sexuelle Selektion der Frau kann nur durch den Mann stattfinden. Das bedeutet nicht, dass nicht gleichzeitig eine sexuelle Selektion des Mannes durch die Frau stattfindet. Aber ein Gen, dass sich auf die weibliche Brust auswirkt, hat eben evtl eher einen Zusammenhang mit sexueller Selektion der Frau durch den Mann.

Die Regel in der Biologie ist zudem nicht „die Frau wählt aus“, sondern derjenige, der viel in die Nachkommen investiert. Das alte Batemanprinzip ist insoweit längst erweitert. Bei den Menschen investieren beide Geschlechter bei einer Bindung viel. Die Frau durch die lange Schwangerschaft und die nachfolgende Stillzeit sowie danach die Betreuung und die Männer durch die Versorgung der Frau und des Kindes. Deswegen wählen hier auch beide Geschlechter aus.

Ein anderes Bespiel gibt es auch bei Joan Roughgarden, die insgesamt die sexuelle Selektion ablehnt, in Evolutionsrainbow:

Sie stellt es am Beispiel von Fröschen dar, bei denen es nach ihrer Darstellung zwei verschiedene Lebensstadien gibt: Einmal die jungen männlichen Frösche, die Eier befruchten, die das Weibchen legt und dabei ausnutzen, dass sie schneller und kleiner sind als die eigentlichen Männchen und die älteren Männchen, die in einem starken intrasexuellen Wettbewerb um die Weibchen stehen.

Bullfrogs (Rana catesbeiana) have two male genders: large males who call at night, giving bullfrogs their name, and small males who are silent.1 Both are reproductively competent, and females mate with both. Silent males turn into calling males as they grow older. (…) Silent bullfrogs, antlerless deer, and small, medium, and large male sunfish are happily ignorant of how they’ve been described by biologists. If they knew, they’d be mad. The silent bullfrog has been termed a “sexual parasite” by the biologists who study it. Instead, the bullfrog who croaks all night long is the model bullfrog, what every young male frog should aspire to. Why is the noisy male so privileged? If I were a female frog, I’d certainly prefer a male who didn’t keep me awake all night. I see no reason to admire a large, noisy male bullfrog as the masculine norm for frogdom while disparaging the silent bullfrog as a parasite.

Das macht deutlich, dass sie nicht verstanden hat, warum die Männchen singen und das es sich nicht um Ruhestörung aus Sicht der weiblichen Frösche handelt, sondern diese das sexy finden. Mit dem Gesang stellt das Männchen seine Stärke dar. Hier noch einmal die Schilderung aus der Wikipedia:

Conversely, females have brief periods of sexual receptivity during the season. In one study, female sexual activity typically lasted for a single night and mating did not occur unless the females initiated the physical contact.[18][23] Males only clasp females after they have indicated their willingness to mate.[18] This finding refutes previous claims that a male frog will clasp any proximate female with no regard as to whether the female has consented.[22][24][25][26] These male and female behaviors cause male to male competition to be high within the bullfrog population and sexual selection for the females to be an intense process.[18] Wells postulates that leks, territorial polygyny, and harems are the most likely classifications for the bullfrog mating system. Leks would be a valid description because males congregate in order to attract females, and the females arrive to the site for the purpose of copulation.[18][22] In a 1980 study on bullfrogs in New Jersey, the mating system was classified as resource defense polygyny. The males defended territories within the group and demonstrated typical physical forms of defense.[23]

Choruses Male bullfrogs aggregate into groups called choruses. The male chorus behavior is analogous to the lek formation of birds, mammals, and other vertebrates. Choruses are dynamic, forming and remaining associated for a few days, breaking down temporarily, and then forming again in a new area with a different group of males.[22] Male movement has experimentally be noted to be dynamic.[23] In the Michigan study, the choruses were described as “centers of attraction” in which their larger numbers enhanced the males’ overall acoustical displays. This is more attractive to females and also attractive to other sexually active males. Choruses in this study were dynamic, constantly forming and breaking up. New choruses were formed in other areas of the site. Males moved around and were highly mobile within the choruses.[18] A review of multiple studies on bullfrogs and other anurans notes that male behavior within the groups changes according to the population density of the leks. At higher population densities, leks are favored due to difficulty defending individual territories amongst a large population of males. This variance causes differences in how females choose their mates. When the male population density is low and males maintain clearer, more distinct territories, female choice is mostly determined by territory quality.[22] When male population density is higher, females depend on other cues to select their mates. These cues include the males’ positions within the chorus and differences in male display behaviors among other determinants.[20][22] Social dominance within the choruses is established through challenges, threats, and other physical displays. Older males tend to acquire more central locations while younger males were located on the periphery.[18] Chorus tenure is the number of nights that a male participates in the breeding chorus.[27] One study distinguishes between chorus tenure and dominant tenure. Dominant tenure is the more strictly defined as the amount of time a male maintains a dominant status.[28] Chorus tenure is restricted due to increased risk of predation,[29] lost foraging opportunities,[30] and higher energy consumption.[31] Calling is postulated to be energetically costly to anurans in general.[32] Energy is also expended through locomotion and aggressive interactions of male bullfrogs within choruses.[28] [edit]

Aggressive behavior

Within choruses, in order to establish social dominance bullfrogs demonstrate typical forms of aggression, especially through visual displays. Posture is a key factor in establishing social position and threatening challengers.[22] Territorial males have inflated postures while non-territorial males only have their heads above the water. For dominant, also called territorial, males their elevated posture reveals yellow-colored throats.[20][22] When two dominant males encounter each other they will engage in a wrestling bout. The males have their venters clasped, each individual in an erect position rising to well above water level.[22] The New Jersey study noted that males would approach each other to within a few centimeters and then tilt back their heads, displaying their brilliantly-colored gular sac. The gular is dichromatic in bullfrogs, with dominant and fitter males displaying yellow gulars. The New Jersey study also reported that low posture with only the head exposed above the water surface was typical of subordinate, or non-territorial males, and females. High posture was demonstrated by territorial males, who floated on the surface of the water with their lungs inflated, displaying a yellow sac, the gular, on their throats.[23] Males optimize their reproductive fitness in a number of ways. Early arrival at the breeding site, prolonged breeding with continuous sexual activity throughout the season, ownership of a centrally located territory within the chorus, and successful movement between the dynamically changing choruses are all common ways that males maintain dominant, or territorial, status within the chorus. Older males have greater success in all of these areas than younger males did.[18] Some of the males display a more inferior role, termed by many researchers as the silent male status. These silent males sit near resident males, moving into the dominant males’ territories. The silent males will sit for many hours near the resident males demonstrating low postures. The silent males are not in the practice of intercepting matings. They are actually waiting for territories to be vacated.[20][22] This has also been called the alternate or satellite male strategy.[

Hier sieht man, dass es sich um einen harten Kampf handelt, den die Männer untereinander ausfechten und der aufgrund der Wahlkriterien der Weibchen aufrechterhalten wird. Die lauten Frösche sind keine Ruhestörer, sie zeigen lediglich ihre Stärke. Die lautlosen Frösche versuchen sich insoweit dem Konkurrenzdruck zu entziehen indem sie in diesem nicht auffallen. Ihre Strategie ist eine Folge des enormen Wettbewerbs und seiner Kosten und nur innerhalb dieses Wettkampfes zu erklären. Weil es eine Reaktion darauf ist, halte ich es auch durchaus für gerechtfertigt, es als eine alternative Strategie zum sonstigen Weg darzustellen, ohne das damit gleich deren „Gender“ herabgewürdigt wird. Der „Laute Frosch“ ist deswegen „Privilegiert“, weil die Weibchen ihn sexier finden und er sich eher durchsetzt. Der leise Frosch ist eine Nischenselektion, die ohne die  Hauptstrategie nicht bestehen kann. Die Weibchen finden die lauten Männer sexier, weil sie entsprechende biologische Attraktivitätsmerkmale eingepflanzt haben und daher auf solche Merkmale wie kräftige Lauterzeugung reagieren. Sie treffen keine freie Wahl, sondern eine im Rahmen ihrer Biologie. Das dabei auch eine „Sneaker“ Strategie für die Frauen interessant sein kann, ergibt sich eben daraus, dass auch dort Gene weitergegeben werden. Bei wem die Weibchen besser schlafen hat bereits mangels Paarbindung  keinerlei Bedeutung und ist eine billige Übertragung menschlicher Auswahlkriterien um den Sachverhalt besser in die eigenen Theorien pressen zu können.

Männer und Aggression

Eine interessante Studie behandelt die Gründe für aggressives Verhalten (via):

Past research indicates that men are more physically aggressive than women, but very little research has examined mediators of this gender difference. Indeed, the only established finding to date is that one plausible mediator – namely trait anger – shows no reliable gender difference whatsoever. Drawing on sexual selection theory and social-learning theories, we predicted that revenge may mediate this gender difference even though anger does not. Three studies using both personality questionnaires (Studies 1 and 2) and objective laboratory measures of aggression (Study 3) provided support for this contention. The results provide some of the first evidence for a reliable mediator of gender difference in physical aggression.

Quelle: Men don’t just get mad; they get even: Revenge but not anger mediates gender differences in physical aggression

Einen Überblick zu den einzelnen Studien findet man auch hier.

Die Studie führt zu den evolutionären Betrachtungen aus:

Sexual selection theory is the most prominent evolutionary explanation of gender differences in physical aggression. According to this theory, men are typically under greater evolutionary pressures to behave aggressively than women. Because women are sometimes unavailable for reproduction due to pregnancy, women are argued to be a more valuable reproductive resource for which men must compete. Men can do so by aggressively excluding other men from mating opportunities or by seeking to attract women. Evolutionary theorists have traditionally argued that men mainly seek to attract women by establishing a more dominant position in the social hierarchy.
According to Daly and Wilson, these factors have converged and made men more prone to aggressive retaliation in the face of minor provocations. In order to deter male rivals from aggression and to achieve a dominant status, men need to establish a reputation for “toughness” (i.e., that they are not vulnerable to mistreatment by others). Thus, even minor insults demand swift and forceful retaliation.
Consistent with this, crime statistics and laboratory experiments have both shown that men are more likely to respond to trivial provocations with extreme retaliation. A large proportion of murders can be attributed to men responding to minor provocations, but similar incidences are exceedingly rare among womenand. Moreover, laboratory experiments show that priming status goals leads men (but not women) to be more physically aggressive in the face of minor provocations.

Gewalt oder Aggressivität hätte damit etwas mit Rufwahrung zu tun: Wer auf kleine Provokationen nicht reagiert, der könnte größere Provokationen einladen. Wer bereits auf kleine Provokationen sehr heftig reagiert, der schreckt weitere Provokationen ab.

So zumindest die Theorie.

Ich würde vermuten, dass dieser Mechanismus der biologische Teil ist, dieser aber durch Kultur ausgestaltet wird, insbesondere in dem dort die angemessenen Reaktionen auf eine Provokation, also die Reaktion, bei der man kein Gesicht verliert, vorgegeben wird.

Das mag zu gewissen Zeiten das Duell auf Leben und Tod gewesen sein, in anderen eine Schlägerei,  bei anderen auch nur ein Spruch zurück.

Steven Pinker führt in The Blank Slate aus, dass die Reaktion bzw. der Ehrbegriff üblicherweise heftiger ausfällt, wenn wenig staatliche Gewalt und kein effektives Recht vorhanden ist. Denn gerade dann muss um so mehr Abschreckung betrieben werden. Also gerade in Grenzbereichen der Zivilisation oder aber in unwegsamen Gegenden. Eine solche Kultur kann sich dann auch halten, wenn die Zivilisation nachrückt, etwa in den amerikanischen Südstaaten, in denen nach Forschungen die Leute heftiger auf Provokationen reagieren.

Es ist insoweit auch gut erklärbar, dass Statusziele eher dazu führen, dass man bestimmte Provokationen anders aufnimmt, denn diese gefährden dann evtl. die Erreichung der Statusziele.

Das Bateman-Prinzip, feministische Wissenschaft und das Unwissen der Mädchenmannschaft bezüglich der Biologie

Die Mädchenmannschaft feiert feministische Erfolge:

Das Batemannprinzip sei jetzt endlich, dank der Prinzipien der feministischen Wissenschaft, androzentrische Forschung zu hinterfragen, als falsch erkannt worden. Oder jedenfalls mache das deutlich, dass es feministische Wissenschaft brauchen würde, denn die könne jedenfalls entsprechendes leisten.

Dabei ruft feministische Wissenschaftskritik eigentlich nur in Erinnerung, was jede_r Wissenschaftler_in bedenken sollte: Dass ihre Interpretation von Daten hakt oder es bereits in der These grundlegende Fehl­annahmen gibt.

Ach, wie schön wäre es, wenn der Genderfeminismus diese weisen Worte einfach auf sich selbst anwenden würde. Wenn er einfach mal hinterfragen würde, ob das denn wirklich sein kann mit der Gleichheit der Geschlechter. Dass da die moderne Forschung bereits viele Fallgruppen gefunden hat, die damit nicht kompatibel sind. Aber nein, da sei IDPOL vor.

Aber auf dem Auge ist man eben blind. Dort stellt man lieber auf das Folgende ab:

[…] dass feministische Kritik eine Art notwendiges Tool, ein Hand­werks­zeug darstellt, um bei jedem Forschungsprojekt nochmals eine Qua­li­täts­kon­trolle durchzuführen. Spätestens bei den Ergebnis­inter­pre­tationen sollte also z.B. gefragt werden, ob sich andro­zen­trisch geprägte ge­schlechts­spezifische Einflüsse oder kulturelle Muster eingeschlichen haben könnten. Diese sind dann zu korrigieren.

Ich nehme an die Begründung dafür, dass man nur auf androzentrische Begründungen hin überprüft und nicht auf gynozentrische ist, dass solche in einem patriarchalischen System gar nicht auftreten können, weil Frauen eben keine Macht haben und damit selbst feministische Forschung keine entsprechenden Strukturen produzieren kann.  (vgl. „Warum es keine sexuelle Diskriminierung von Männern geben kann„)

Aber ganz abgesehen davon, hat der Artikel meiner Meinung nach  zwei wesentliche Schwächen:

1. Das Batemannprinzip ist hier nicht durch feministische Forschung hinterfragt worden. Es wurde durch ganz klassische Wissenschaft, die nochmalige Durchführung eines Versuches und die Hinterfragung des ursprünglichen Versuchsaufbaus, hinterfragt.

Es handelt sich um die folgende Studie:

We are unique in reporting a repetition of Bateman [Bateman AJ (1948) Heredity (Edinb) 2:349–368] using his methods of parentage assignment, which linked sex differences in variance of reproductive success and variance in number of mates in small populations of Drosophila melanogaster. Using offspring phenotypes, we inferred who mated with whom and assigned offspring to parents. Like Bateman, we cultured adults expressing dramatic phenotypes, so that each adult was heterozygous-dominant at its unique marker locus but had only wild-type alleles at all other subjects’ marker loci. Assuming no viability effects of parental markers on offspring, the frequencies of parental phenotypes in offspring follow Mendelian expectations: one-quarter will be double-mutants who inherit the dominant gene from each parent, the offspring from which Bateman counted the number of mates per breeder; half of the offspring must be single mutants inheriting the dominant gene of one parent and the wild-type allele of the other parent; and one-quarter would inherit neither of their parent’s marker mutations. Here we show that inviability of double-mutant offspring biased inferences of mate number and number of offspring on which rest inferences of sex differences in fitness variances. Bateman’s method overestimated subjects with zero mates, underestimated subjects with one or more mates, and produced systematically biased estimates of offspring number by sex. Bateman’s methodology mismeasured fitness variances that are the key variables of sexual selection.

Quelle: No evidence of sexual selection in a repetition of Bateman’s classic study of Drosophila melanogaster

Hier fand keine feministische Forschung statt, es wurde nicht gefragt, ob hier ein besonders androzentrischer Blickwinkel überwunden werden muss, es handelt sich um normale „patriarchalische“ Wissenschaft. Allenfalls legt dies dar, dass diese sich ganz hervorragend selbst überprüfen kann

2. Das Batemannprinzip ist bereits seit langer Zeit hinterfragt und in dieser Hinsicht nicht mehr aktuell. Dazu hätte die werte Mädchenmannschaftsautorin, wenn sie schon nicht auf dem Stand der biologischen Forschung ist, wenigstens mal den Wikipediaartikel dazu lesen sollen:

Als Bateman-Prinzip wird in der Fortpflanzungsbiologie die von A. J. Bateman 1948 aufgestellte Theorie bezeichnet, nach der Männchen um die Gunst der Weibchen konkurrieren und versuchen, so viele Weibchen zu befruchten wie möglich. Als Ursache hierfür sieht er vor allem, dass die Gameten des Männchen – die Spermien – im Vergleich zu den weiblichen Gameten kleiner und zahlreicher sind. Damit erklärt er seinen experimentell ermittelten Befund, dass die Varianz des Paarungs- und Fortpflanzungserfolgs bei Männchen größer als bei Weibchen ist, also die Bandbreite des Fortpflanzungserfolgs innerhalb der Männchen größer ist als bei Weibchen. Somit seien Männchen einem stärkeren Selektionsdruck ausgesetzt.

Bei dem Experiment, aus dem Bateman 1948 seine Theorie folgerte, brachte er je vier Weibchen und Männchen einer Taufliegen-Art (Drosophila melanogaster) zusammen. Nach heutigem Stand der Wissenschaft gelten die statistischen Verfahren, die Bateman für seine Schlussfolgerungen anwandte, nicht mehr als hinreichend.[1]

Da es einige Tierarten gibt, bei denen dieses Prinzip in dieser einfachen Form nicht anzuwenden ist, wurde es in der Folgezeit erweitert und verallgemeinert, insbesondere durch Robert Trivers. Im Jahr 1972 machte Trivers deutlich, dass die geschlechtsspezifische Form des elterlichen Investments in die Nachkommen – und nicht das Geschlecht an sich oder die Gametengröße – dafür ausschlaggebend sind, ob sich ein Individuum im klassischen Sinne männlich oder weiblich verhält.

Das hat auch der dem Mädchenmannschaft Bericht zugrundeliegende Wired-Bericht übersehen, aber warum in der ach so kritischen feministischen Wissenschaft auch etwas mehr lesen als den Bericht, der der eigenen Ideologie entspricht? Dabei hat die Autorin Helga sogar Biochemie studiert.

Im Wired-Artikel übrigens wird ein Bild (Quelle) eines Halsbandarassari gezeigt, eine Vogelart, bei der beide Geschlechter bunt sind.

Collared Aracari

Collared Aracari

Der Text dazu:

Among aracaris, a relative of the toucan, males and females possess equally exaggerated, colorful features. Traditional ideas of sexual selection don’t seem to explain why

Schauen wir uns nun einmal das Paarungsverhalten dieser Vögel an:

Als Nistplatz nutzt der Vogel Baumhöhlen, aus denen er gelegentlich bereits dort brütenden König- und Linienspechten abspenstig macht. [6] Häufig handelt es sich aber auch um eine der Übernachtungshöhlen.[7] Sowohl Männchen wie Weibchen beteiligen sich an der Brut, die etwa 16 Tage dauert. Die Küken sind nach ungefähr 6 Wochen flügge, werden allerdings noch einige Wochen nach Verlassen des Nests gefüttert. Neben den Eltern beteiligen sich auch andere Artgenossen an der Fütterung der Küken. Dabei handelt es sich vermutlich um noch nicht geschlechtsreife Jungvögel, die von den Elternvögeln abstammen. Halsbandarasaaris sind bislang die einzige Tukanart, bei der man ein solches kooperatives Brutsystem eindeutig nachweisen konnte. Da aber bei einer Reihe anderer Tukanarten – darunter insbesondere die Schwarzarassaris – die Fortpflanzungsbiologie noch nicht hinreichend untersucht ist, ist nicht auszuschließen, dass dieses Verhalten auch bei weiteren Arten vorkommt.[8] Halsbandarassaris gelten als monogam.

Da beide Geschlechter jeweils gute Versorger für die monogame Beziehung suchen, müssen beide sich einer entsprechenden Selektion stellen und dafür die entsprechenden Zeichen bereit halten.

Wer etwas mehr dazu lesen will, den verweise ich auf Geary, Male Female, der in Kapitel drei ausführlich darstellt, unter welchen Bedingungen Spezien dazu neigen einen Selektionsdruck zu erfahren oder in eine intrasexuelle Konkurrenz um das andere Geschlecht zu treten. Ich zitiere einmal den Passus zu male Choice:

Although male choice has not been found i n all species in which i t has b e e n studied, discriminating males have been found i n dozens of species of insect (Bonduriansky, 2001; LeBas, Hockham, & Ritchie, 2003), many species offish (Amundsen 6k Forsgren, 2001; Berglund 6k Rosenqvist, 2001; Widemo, 2006) and bird (Amundsen 6k Parn, 2006; Pizzari, Cornwallis, 1.0vlie, Jakobsson, 6k Birkhead, 2003; Roulin, Jungi, Pfister, 6k Dijkstra, 2000), and in some mammals ( M . N . Muller, Thompson, 6k Wrangham, 2006; Szykman et al., 2001). Across these species, the traits males use to make i heir mate choices include indicators of female sexual receptivity, the risk of sperm competition, social dominance as determined by female-female compel it ion, female quality, and the quality of parental care the female is likely to provide. A n intriguing possibility is that some of these traits may be honest signals of the quantity or quality of eggs the females carry. The female barn owl (Tyto alba) provides one example. Females display a Varying number of black spots on their breast plumage, and male mate choice indicates the more the better (Roulin, 1999). Although males do not have as many plumage spots as females, they do have some and, again, t h e more the better. Sexy females lend to pair with sexy males and males with sexy mates work harder to provision their offspring. An immune challenge experiment demonstrated that the robustness of the immunsystem is predicted by the number of black breast spots for females but not for males. These spots are indeed an honest indicator of female but not male health and an apparent indicator of the general health and immunocompetence of her offspring (Roulin, Ducrest, Balloux, Dijkstra, 6k Riols, 2003; Roulin, Riols, Dijkstra, 6k Ducrest, 2001). Pizzari et al. (2003) also found evidence for condition-dependent female ornaments in red jungle fowl as well as for direct and cryptic male choice. Female jungle fowl sport red combs, although smaller and less colorful than those described earlier among males; when females have ornaments, they are typically less conspicuous than those of conspecific males (Amundsen 6k Parn, 2006). Females with relatively large combs produce larger eggs with more yolk than their peers, and male mate choices indicate they prefer these females to females w i t h smaller combs. Cryptic male choice was demonstrated by the finding that males transfer more sperm when copulating w i t h females with larger combs; this effect is particularly pronounced for high-status males. Another interesting twist on male choice is found for the paternal pipefish (Syngnathus typhle); in this species males copy the mate choices of other males (Widemo, 2006). Copying presumably reduces the costs of finding a mate, but scientists do not know how often this happens in other species. As I describe i n the Paternal Investment section of chapter 4, the conditions associated with male parenting and male choice differ in important ways from female parenting and female choice. My point for now is that when males shift reproductive effort from mating to parenting, they compete less intensely with one another and become choosier when it comes to mates. This is not to say that male choice is always associated with male parenting. Male choosiness can evolve when females vary greatly in the quantity and quality of eggs they carry or when there are limitations—other than parenting— on males‘ reproductive potential (e.g., as a result of sperm depletion; Saether, Fiske, 6k Kalas, 2001).

Danach folgt ein ebenfalls interessantes Kapitel zu female-female competition, also den Wettbewerb von Frauen um Männer. Ich empfehle insofern das Buch nochmals.

Auch in einen anderen Artikel bin ich darauf schon einmal eingegangen:

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz ist der Gorilla: Ein Männchen lebt mit einem Harem von Weibchen und dem Nachwuchs, um den er sich durchaus liebevoll kümmert. Er kann sich ziemlich sicher sein, dass es sein Nachwuchs ist, weil er als dominanter Silberrücken des Harems jeden anderen Gorilla vertreibt, der sich seinem Harem nährt. Die Folge sind sehr kräftige und kampfstarke Männchen. Diese Kraft hat sich entwickelt, weil sich jeweils die Gorillamännchen, die die Kämpfe mit anderen Gorillamännchen gewonnen haben, fortgepflanzt haben, gehalten haben.

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz der Weibchen findet sich beispielsweise bei den Odinshühnchen. Bei diesen übernehmen die Männchen die Brutpflege, die etwa 3 Wochen dauert, während das Weibchen etwa 1 Woche braucht um ein neues Gelege produzieren zu können. Dadurch wird es für die Weibchen interessant um die Männchen zu werben, da für jedes Weibchen, dass zwei Gelege mit 2 Männchen produziert ein anderes Weibchen leer ausgeht.

Ordnet man in dieses Schema den Menschen ein, dann sieht man, dass wir eine Spezies sind, in der väterliche Unterstützung bei der Aufzucht nicht obligatorisch ist. Damit lohnt sich für Männchen das „Genestreuen“ biologisch mehr als für die Weibchen. Und auch wenn Menschenweibchen in Konkurrenz um „gute Männer“ stehen wird dieser Wettkampf bei ihnen nicht um die Darstellung der Versorgungseigenschaft geführt, sondern eben um körperliche Vorzüge (weswegen Frauen Brüste entwickelt haben als Zeichen guter Gene). Wenn die Mädchenmannschaft diesen Gedanken tatsächlich einmal zu Ende denken würde, statt sich einfach nur zu freuen, dass ein aus ihrer Sicht schlechtes Konzept widerlegt wurde, dann würden sie sehen, dass dieser Auslese eine sexuelle Selektion zugrundeliegt und die erfordert in der Biologie zwingend abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale, weil sie sonst nicht evolutionär wirken kann. Das aber steht im Widerspruch zu allen genderfeministischen Theorien, die mir bekannt sind. Echte kritische Wissenschaft würde demnach auch eher in den feministischen Theorien selbst aktiv werden als in den Naturwissenschaften.

Deren Selbstüberwachungsmechanismen funktionieren, wie man sieht, auch außerhalb feminstischer Wertungen

Anpassung väterlicher Investitionen im Verhältnis zu weiblicher Schönheit

Eine Studie zu dem väterlichen Investment nach Schönheit des Weibchens:

Introduction

The differential allocation hypothesis (DAH) predicts that individuals should adjust their parental investment to their current mate’s quality. Although in principle the DAH holds for both sexes, male adjustment of parental investment has only been tested in a few experimental studies, revealing contradictory results. We conducted a field experiment to test whether male blue tits (Cyanistes caeruleus) allocate their parental effort in relation to female ornamentation (ultraviolet colouration of the crown), as predicted by the DAH.

Results

We reduced the UV reflectance in a sample of females and compared parental care by their mates with that of males paired to sham-manipulated control females. As predicted by the DAH our results demonstrate that males paired with UV-reduced females invested less in feeding effort but did not defend the chicks less than males paired with control females.

Conclusions

To our knowledge, this is one of the first studies providing support for male differential allocation in response to female ornamentation.

Quelle: Female attractiveness affects paternal investment: experimental evidence for male differential allocation in blue tits (PDF)

Hier aus der Studie zu den Ergebnissen:

According to the basic idea that individuals choose mates on the basis of ornaments that reflect quality, males paired with females in poor condition might face the problem of producing offspring with low reproductive success. In other words, because of reduced female quality the reproductive value of the offspring will be reduced, also from the male’s perspective. The difference in male feeding investment in response to the female treatment is therefore consistent with the prediction that DA is strongly related to reproductive lifehistory. Our results on paternal care investment complement other studies, which demonstrated the female’s differential allocation of parental care in blue tits in response to the manipulation of male UV coloration of the crown [28,29]. Both studies indicate that male UV coloration is under selection pressure, created by the female allocation of parental care. Based on our results and other studies [32,33], which likewise showed assortative mating in response to UV reflectance, we suggest that male differential allocation may affect selection on female UV coloration.

 Demnach würden die Spatzen also bei schönen Weibchen mehr investieren als bei nicht so schönen, wobei „schön“ letztendlich anhand bestimmter  Attraktivitätsmerkmale für gepflegtes Federkleid festgemacht wird, ein klassisches Signal, weil es üblicherweise auch für eine gewisse Parasitenfreiheit etc spricht.

Aus einer Darstellung des Artikel:

Die UV-Reflexion des Gefieders der Weibchen wirke sich unmittelbar auf das Verhalten ihrer männlichen Partner aus, hiess es. Bei der Studie handelt es sich um eine seltene Untersuchung männlicher Reaktionen auf weibliche Schönheit in der Tierwelt. Die Ergebnisse zeigen, dass weibliche Blaumeisen viel Zeit damit verbringen müssen, ihr Gefieder zu putzen, um für die Männchen attraktiv zu bleiben.

Das Pflegen des Haares ist ja auch menschlichen Weibchen nicht fremd, eben weil dieses ebenfalls ein gutes Signal sind.

Hier noch einmal eine Darstellung der zugrundeliegenden Theorie, die für Männchen und Weibchen gilt, aber häufiger in Bezug auf die Weibchen als diejenigen, die ihre Investition variieren vorzufinden ist:

Females frequently choose males on the basis of traits [1] that may signal individual quality [2]. As a consequence they gain direct benefits, e.g. through high-quality territories and paternal investment, or indirect benefits, because attractive mates may provide genes for passing viability and attractiveness to the offspring [2]. On the other hand little is known about why females of several species also possess elaborate traits [3,4]. For a long time the presence of female ornaments was interpreted as being the consequence of genetic correlation with male ornamentation [3,5]. However, recent studies have suggested that female ornaments play a role in female – female competition (intrasexual selection) [6-10] or are sexually selected by males (intersexual selection) [11-17]. In species with biparental care males may gain benefits from choosing “high quality females” and adjust their parental investment to female quality. This may happen if there is much variance in female quality, if the latter affects offspring survival and if the males parental provide some parental investment and/or remating opportunities are low [2]. The idea of adjusting parental effort in response to the aesthetic traits of partners, when they represent honest signals of quality, is known as the Differential Allocation Hypothesis (DAH). Differential allocation is expected whenever individuals face a trade-off between current and future reproduction and the reproductive value of the offspring is connected to the attractiveness of the mate [18,19]. Since its original formulation, the DAH has been tested and supported in a number of taxa possessing different attractiveness traits and levels of parental care [20] but such studies have almost exclusively related female breeding investment to male attractiveness [21]. Given that female traits can indicate quality [9,11,14,22,23], males may differentially allocate parental investment in response to female attractiveness [24,25]. Some studies have explored the importance of female ornaments in male mate choice and as possible signals of female quality but very few have considered how they influence male parental investment [9,21,24,25].

Es leuchtet aus meiner Sicht unmittelbar ein, dass man mehr in besonders hochwertigen Nachwuchs investiert und weniger in weniger hochwertigen. Dies gilt aber nur dann, wenn die Nachwuchsfolgen hinreichend hoch sind, dass man eine solche Differenzierung treffen kann. Bei schnell brütenden Vögeln geht das schneller als bei menschlichen Kindern, die lange betreut werden müssen.

Eine männliche Anpassung der Investition kann es zudem nur geben, wenn überhaupt investiert wird. Bei Tierarten, bei denen die Mütter Betreuung und Versorgung übernehmen ist eine solche Anpassung nicht zu erwarten.

Es ist aber interessant, dass solche Berechnungen auf der Tierebene tatsächlich stattfinden. Vielleicht spiegeln sie sich beim Menschen in Anpassungen der väterlichen Investition nach Vaterschaftswahrscheinlichkeit. Um so wahrscheinlicher eine Vaterschaft ist um so eher lohnt sich eine Förderung des Kindes.

Natürlich unterliegt auch der (moderne) Mensch der Evolution

Der Spiegel titelt „Die Evolution gilt auch für den modernen Menschen“ und schreibt sodann:

Der Starke frisst den Schwachen, der langlebige Gesunde kann seine Gene besser verbreiten als der kurzlebige Kranke: Diese Regeln, so glauben Menschen gern, gelten in der Tierwelt – nicht aber für die Menschheit, zumindest nicht jenen Teil, der in den Genuss moderner Medizin kommt. Die Evolution des Homo sapiens wäre in diesem Fall gewissermaßen zum Stillstand gekommen.

Doch das ist ein Trugschluss, wie ein internationales Forscherteam um Alexandre Courtiol vom Wissenschaftskolleg zu Berlin glaubt. „Menschen entwickeln sich auch in der Neuzeit weiter, genauso wie andere Lebewesen“, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Es sei ein Fehler zu denken, dass man die menschliche Evolution nur verstehen könnte, wenn man Steinzeitmenschen analysiere.

Im Folgenden geht es dann im wesentlichen um zwei Studien:

Die erste:

Sexual selection, or competition among members of one sex for reproductive access to the other, is one of the strongest and fastest evolutionary processes. Comparative studies support the prediction that sexual selection is stronger in polygamous than in monogamous species. We report the first study of the effect on sexual selection of a change in mating system, from polygyny to monogamy, within a historical human population. Here we show that over the reproductive lifetimes of Utahns born between 1830 and 1894, socially induced reductions in the rate and degree of polygamy correspond to a 58% reduction in the strength of sexual selection. Polygyny conferred a strong advantage to male fitness as well as a weak disadvantage to female fitness. In contrast, mating with multiple males provided little benefit to females in this population. Polygamy benefitted males by increasing reproductive rates and by lengthening reproductive tenure. Each advantage contributed to roughly half of the increased total lifetime reproductive success. This study illustrates both the potency of sexual selection in polygynous human populations and the dramatic influence that short-term societal changes can have on evolutionary processes.

Quelle: Mating system change reduces the strength of sexual selection in an American frontier population of the 19th century

Polygyny müßte, da es eine Verknappung der Frauen bedeutet, dazu führen, dass die intrasexuelle Konkurrenz um diese Frauen ansteigt. Das wird in einer Population insbesondere dazu führen, dass die Gene derer, die der intrasexuellen Konkurrenz nicht gewachsen sind, am schnellsten aus dem Genpool verschwinden und die, die dieser Konkurrenz besonders gut gewachsen sind, sich besonders schnell anreichern. Es müssen also nicht unbedingt Mutationen auftreten, vielmehr reicht eine Betonung bisheriger Komponenten im Genpool.

Und die zweite:

Whether and how human populations exposed to the agricultural revolution are still affected by Darwinian selection remains controversial among social scientists, biologists, and the general public. Although methods of studying selection in natural populations are well established, our understanding of selection in humans has been limited by the availability of suitable datasets. Here, we present a study comparing the maximum strengths of natural and sexual selection in humans that includes the effects of sex and wealth on different episodes of selection. Our dataset was compiled from church records of preindustrial Finnish populations characterized by socially imposed monogamy, and it contains a complete distribution of survival, mating, and reproductive success for 5,923 individuals born 1760–1849. Individual differences in early survival and fertility (natural selection) were responsible for most variation in fitness, even among wealthier individuals. Variance in mating success explained most of the higher variance in reproductive success in males compared with females, but mating success also influenced reproductive success in females, allowing for sexual selection to operate in both sexes. The detected opportunity for selection is in line with measurements for other species but higher than most previous reports for human samples. This disparity results from biological, demographic, economic, and social differences across populations as well as from failures by most previous studies to account for variation in fitness introduced by nonreproductive individuals. Our results emphasize that the demographic, cultural, and technological changes of the last 10,000 y did not preclude the potential for natural and sexual selection in our species.

Quelle: Natural and sexual selection in a monogamous historical human population

Der Spiegel zitiert die Forscher der letzten Studie wie folgt:

Vier Faktoren sind für Erfolg bei der Selektion entscheidend: Die Überlebensfähigkeit bis zum 15. Lebensjahr, der Zugang zu potentiellen Partnern, die Zahl der Partner und die Zahl der Kinder. Geld spielte dabei offenbar keine Rolle. „Wir haben die Versuchsgruppe in reichere Landeigentümer und ärmere Pächter aufgeteilt. Der soziale Status wirkte sich auf die Ergebnisse kaum aus“, schreiben die Forscher. „Das war überraschend.“ Sie vermuten, dass Menschen ein sehr großes Vermögen aufbauen müssten, um die natürliche Auslese wirklich beeinflussen zu können – und auch das würde nur in einer strengen Klassengesellschaft funktionieren.

Der Vergleich zwischen Männern und Frauen brachte eindeutigere Ergebnisse: „Eigenschaften, die Menschen zu mehr Partnern verhelfen, entwickeln sich bei Männern vermutlich schneller weiter als bei Frauen“, berichtet Courtiol. Der Grund: Sie zeugten mehr Kinder als Frauen. „Verwitwete Männer heirateten häufig noch einmal eine jüngere Frau und bekamen noch mehr Kinder.“ Verwitwete Frauen hätten wegen des Einsetzens der Menopause seltener Kinder von ihrem zweiten Ehemann bekommen. Wer mehr Kinder zeugte, hatte auch längerfristig mehr Nachkommen. „Genau das verstehen wir unter Selektion“, erklärt Studienleiter Courtiol.

Dass der soziale Status, wenn man ihn auf Geld reduziert, eine geringere Rolle spielt, verwundert bei dieser Betrachtung weniger. Denn in einer Monogamie war eben auch nur eine Frau erlaubt und die Kinder aus Seitensprüngen können durch die Kirchenbücher gerade nicht erfasst werden. Gerade wenn die Frauen von reicheren Männern länger lebten (wegen besserer Betreuung und Ernährung) und daher eher in die Menopause kamen, hätten die Reichen offiziell weniger Kinder bekommen als Ärmere (mit Game) die sich eine neue Frau nahmen, nachdem die erste starb.

Aber es ist interessant, dass sich hier eine Bestätigung für sexuelle Selektion findet. Man bedenke den kurzen Zeitraum, der hier nachverfolgt wurde. Dann muss man sich vorstellen, wie alt der Mensch, auch in seiner noch nicht menschlichen Form ist, und wie lange die Lage schon besteht, dass die Frau die höheren Kosten der Aufzucht extrem unselbständiger Kinder trägt. Wie wird sich eine solche sexuelle Selektion wohl über eine so lange Zeit auswirken?