Die Darstellung normaler Gegebenheiten als schädlich und sexistisch

Ein wichtiger Kampf in vielen Teilen des Feminismus ist der Kampf gegen die Darstellung bestimmter medialer Inhalte, die nach deren Auffassung schlecht sind. Also beispielsweise die Darstellung schlanker sportlicher Frauen als besonders sexy oder die Darstellung einer Frau, die kocht oder Haushaltstätigkeiten durchführt als sexistisch der falsch.

Damit traut man den Medien eine erstaunliche Macht zu, die denke ich überschätzt wird.

Das liegt hauptsächlich daran, dass vieles, was dort verdammt ist, eben bestimmte Vorlieben bedient, die auf Geschlechterunterschieden aufbauen.

Es bringt wenig, die Darstellung einer kochenden Mutter für sexistisch zu halten, wenn Frauen überall auf der Welt weitaus eher für das Kochen zuständig sind, weil sie eher die Kinderbetreuung übernehmen und übernehmen wollen und die Männer eher die Erwerbsarbeit übernehmen und übernehmen wollen.

Es bringt wenig, dass man ein Plakat, in dem eine schlanke und sportliche Frau fragt, ob man schon „Beach Body ready“ ist, verbietet, wenn einem in der Realität natürlich bewusst ist, dass die schlanke Mitschülerin, Freundin, Kollegin, Bekannte, die Aufmerksamkeit sowohl der Männer als auch Frauen weitaus stärker auf sich ziehen wird, weil sie gut aussieht.

Es liegt zum anderen daran, dass die heutigen Medien nur noch sehr eingeschränkt zu kontrollieren sind.

Unter „beliebteste Bilder“ vom Strand bei Instagram sind beispielsweise diese drei:

Wie man sieht zwei mal schlanke Frauen, einmal ein schöner Strand.

Das geht auch in vielen anderen Bereichen: Man kann fast eine beliebige Sehenswürdigkeit oder Stadt eintippen und man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in den ersten drei Bildern eine gutaussehende Frau haben:

Hier beispielsweise „Bologna“

View this post on Instagram

Sabato 🖍 #casa #bologna

A post shared by Cecilia Coltelli (@ceciliacoltelli) on

https://www.instagram.com/p/BkGJk-znieu/?tagged=bologna

Oder Paris:

Der Unterschied wird jedem schnell auffallen, der sich in sozialen Medien unterwegs ist: Posts schöner Frauen oder mit schönen Frauen generieren eben schnell Likes und Follower.

Dagegen ist ein Werbeplakat relativ unbedeutend und gibt eben nur die Realität wieder.

Aber man muss eben auch gar nicht in die sozialen Medien gehen, der normale Alltag macht Geschlechterunterschiede üblicherweise sehr deutlich. Denn ein Großteil der Leute fühlt sich ja in ihren Geschlechterrollen wohl, sie sind gerne Frauen oder Männer. Die Frauen interessieren sich gerne für Mode etc, die Männer mehr für Fußball und Mode. Beide Geschlechter wissen recht genau, welche Männer und Frauen als sexy gelten und selbst wenn man ihnen sagt, dass diese Ansichten nicht politisch korrekt sind, dann beherzigen sie das vielleicht auf der Oberfläche, aber sie finden den sportlichen Typen dennoch interessanter.

Die perversen Männer mal wieder, die Frauen zu Objekten reduzieren

Katrin Rönicke, die ich eigentlich immer für eine ganz vernünftige gehalten habe, zieht in einem Artikel in der Taz über männliche Sexualität her:

Pornosüchtig, objektophil, aufdringlich – männliche Sexualität weist eine obskure Originalität auf. Warum wir empathisch darüber sprechen sollten.

Empathisch. So so. Empathie bezeichnet „die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie wird gemeinhin auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen, wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl gezählt.“ Mal sehen, wie sehr sie das umsetzt.

Was geht in den Köpfen von Männern vor, wenn sie an Frauen denken?
Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was in Männern vorgeht, die süchtig nach Internetpornos sind, was Männer antreibt, die sich für Telefon- oder Cybersex verschulden, die Geld an andere Männer zahlen, damit die ihnen beibringen, wie man eine flachlegt.

Was soll darin schon vorgehen? Sexualität über Pornos zu befriedigen ist halt recht einfach und Sex kann natürlich eine Sucht werden. Und besser darin zu werden, dass einen Frauen attraktiv finden hat nicht nur etwas mit „eine flachlegen“ zu tun, es ist eben in integraler Bestandteil unseres Lebens beim anderen Geschlecht gut anzukommen. Es ist ja auch nicht so, dass Frauen dafür wenig ausgeben oder sich darüber nicht informieren: Frauenzeitschriften haben genug Artikel dazu, wie man „Mister Right“ findet oder wie man den Kollegen im Büro erobert oder wie man seine Beziehung aufpeppt. Und mit Mode, Fitnessstudio und Friseur geben Frauen auch gerne Geld für etwas aus, was sie beim anderen Geschlecht interessanter macht.

Wie wenig Empathie muss man eigentlich haben, wenn man nicht verstehen kann, warum Leute gerne besser beim anderen Geschlecht ankommen wollen, und sei es nur für Sex? Ich hätte gedacht, dass das jedem unmittelbar einleuchtet.

Was steckt hinter einer verqueren Sicht auf Sex, in der Frauen bloß Mittel zum Zweck sind, wie in neunzig Prozent aller Onlinepornos, in denen Frauen keine Seele zu haben scheinen?

Da wäre die interessante Frage aus meiner Sicht eher, ab wann sie Frauen eine Seele zuspricht? Warum dürfen Frauen nicht einfach als jemand dargestellt werden, der einfach gerade nur Sex hat? Und warum sollten sie dadurch ihre „Seele“ verlieren? „Mittel zum Zweck“ ist da auch ein sehr merkwürdiger Vorwurf. Wer eine Komödie schaut, der macht das um zu lachen und nicht um die Seele der Schauspieler kennen zu lernen. Und Pornos schaut man eben, damit man eine sexuelle Stimulation statt einer humoristischen Stimulation erfährt.

Da ist auch jemand wie Erika Lust, selbst Porno­regisseurin, ratlos: „Die Sexindustrie akzeptiert Sex mit Hunden und Pferden, Pornos mit Omas, Fäkalsex. Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Doch Frauen wird nur sehr selten Raum gegeben.“

In der Tat gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Aber das extrem Perverse ist eben selten. Der Durchschnittsporno hat damit nichts zu tun. Und welchen Raum soll man Frauen da auch geben? Es ist eben eine bestimme Zielgruppe und man erwartet auch in „Sex and the City 2“ nicht, dass dort „Männern Raum gegeben wird“, indem etwa ein paar Aktionszenen eingebaut werden oder Sexszenen mit nackten jungen Frauen eingebaut werden. Das zu verstehen erfordert aus meiner Sicht auch sehr wenig Empathie.

Bedürfnisse und Fantasien von Frauen sind schwierig und machen die Sache kompliziert. Es ist auch kein Zufall, dass Pornos, wie Erika Lust sie dreht, in denen Frauen ein eigenes Begehren, ein Gefühlsleben, Spaß und auch optische Diversität zugestanden bekommen, Femporn genannt werden – feministischer Porno.

Und es ist auch kein Zufall, dass „Femporn“ niemanden interessiert, auch Frauen nicht.

Dazu aus einem anderen Artikel:

Der ganzen Diskussion um feministische Pornos liegt ein Missverständnis zugrunde. Wir alle wissen, dass Männer stärker über visuelle Reize funktionieren und Frauen eher auf erotische Geschichten reagieren. Das bestätigen psychologische wie neurologische Studien. Aber heisst das, dass nur ein Pornofilm mit einer Handlung ein guter Porno ist? Natürlich wird Pornografie vornehmlich für Männer gemacht, und manches ist für Frauen schwer erträglich. Aber es sei hier etwas verraten: Auch Männer können nicht mit jedem Angebot etwas anfangen. Und es gibt nicht wenige Frauen, die auch herkömmliche Porno­grafie ziemlich scharf finden.

Wenn feministische Pornografinnen betonen, Frauen brauchten vor allem schöne Kleider und eine tolle Geschichte, um in die Gänge zu kommen, dann tönt das so, als müsse man ihnen die expliziten Szenen fast heimlich andrehen. Als ob sie das nötig hätten. Viele Frauen können mit den verquasten feministischen Pornofilmen einfach nichts anfangen und stehen eher auf Herkömmliches. Denn Frauen und Männer mögen unterschiedlich begehren, aber eines haben sie gemeinsam: Der Lust sind die Erfordernisse des politisch Korrekten egal. Frauen, die schon die Kompatibilität von Feminismus und Stöckelschuhen fragwürdig finden, stossen in Tiefen des weiblichen Begehrens auf noch viel grössere Widersprüche. Kann man im normalen Leben Stärke und Unabhängigkeit propagieren und sich im Bett dennoch gern dominieren, vielleicht sogar schlagen lassen? Wie kann eine Frau die Darstellung einer Vergewaltigung erregend finden, wenn die reale Vorstellung zu den tiefsten Ängsten gehört? Darüber sprechen Frauen ungern, weil sie glauben, es könne etwas nicht stimmen mit ihnen. Sie fürchten, missverstanden zu werden – und das wohl zu Recht.

Frau Binswanger hat anscheinend weit weniger Probleme damit Männer zu verstehen und versteht aus meiner Sicht auch die meisten Frauen wesentlich besser.

Und auch die Pornhubauswertung spricht eher für die Sicht von Frau Binswanger:

Porno Männer Frauen Kategorien

Porno Männer Frauen Kategorien

Da suchen Frauen nach Analsex, großen Schwänzen, Fisting und Bondage und Dreiern.

Männer dagegen stehen in großer Zahl darauf, Frauen entlang von Stereotypen nach „Fickbarkeit“ einzusortieren. Schublade auf: Asiatin rein. Schublade auf: Teenporn rein. Wer sich mal durch die Selbstverständlichkeiten der 08/15-Pornoindustrie gewühlt hat, ist hinterher desillusioniert und als Frau auch ein bisschen angewidert vom Gedanken, dass richtig viele Männer so etwas geil finden.

Was nun daran schlimm sein soll, wenn man sich das aussucht, was einen anspricht, würde mich ja schon interessieren. Wer eben gerade den Gedanken anregend findet, einer jungen Asiatin beim Sex zuzuschauen, der ist sicherlich auch nicht schlimmer als eine Frau, welche sehen will, wie es sich zwei Schwule mit großen Schwänzen besorgen. Geschmackliche Vorlieben dürften dabei Frauen genauso haben und die von ihnen am meisten gesuchten männlichen Pornodarsteller sind auch nicht etwa fatpositiv, sondern eher „Normschön“.

Orte zum Abspritzen
Dem setzt ein Bordell, das jetzt in Barcelona eröffnet wird, noch etwas drauf: Es ist das erste, in dem nicht Menschen, sondern Silikonpuppen zum Sex bereitstehen. Wieder sind es nur Männer, die mit einer verhaltensoriginellen Sexualität von sich reden machen.

Zumindest sind sie die Zielgruppe, die angebotenen Frauen entsprechen dem schon bekannten Prinzip des Mainstream-Porn: Asiatin, Schwarze, Teen, vollbusige Blondine. Im Gegensatz zu einer menschlichen Prostituierten bieten sie nicht viel mehr als einen Ort zum Abspritzen. Sie sind eine stille Hülle, die schnell vergisst. Aber es gibt offenbar ausreichend viele Männer, denen es nicht wichtig ist, dass jemand einen sexuellen Akt in schöner Erinnerung behält.

Sexpuppen sind „stille Hüllen, die schnell vergessen“ und es ist schlimm, dass Männer, die mit einer Puppe Sex haben es nicht wichtig finden, dass die PUPPE diesen sexuellen Akt nicht in schöner Erinnerung behält? Bizarr.

Es mag auch bizarr sein, Sex mit einer Silikonpuppe zu haben, aber auch hier handelt es sich um einen ziemlichen Einzelfall und der Markt für männliches Sexspielzeug dürfte nach wie vor kleiner sein als der Markt für weibliches Sexspielzeug. Ich vermute mal mehr Frauen haben einen Vibrator als Männer eine Sexpuppe. Und da reduzieren die Frauen den Mann gar nur auf sein Geschlechtsorgan! Welches auch den Akt nicht in schöner Erinnerung behalten wird und danach in dunkle Schubladen verbannt wird. Schweinerei.

„Männer sind Schweine“, sangen die Ärzte in den Neunzigern; ein Song, der mich deswegen so tief verstörte, weil ich die darin beschriebenen Verhaltensweisen ja direkt vor meinen Augen hatte: Jungs in meinem Alter, die mit vollejakulierten Socken rumprahlten, Männer im Fernsehen, die fremdgingen, betrogen, und Männer in den ersten Pornos, die man so sah, die sich benahmen, als seien sie testosterongesteuerte Affen – wobei ich mich bei diesem Vergleich sogleich fragte, ob ich den Affen unrecht tat.

Dieser Satz erschreckt mich, weil ich Katrin wirklich für relativ normal und nicht für eine Männerhasserin gehalten habe. Aber es hier so darzustellen als wären alle Männer wilde Tiere, dass ist schon recht harter Tobak. Und da geht sie noch ganz empathisch vor. Gut, dass sie sich diese Beschränkung auferlegt hat. Wann prahlen Männer (sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste) den mit „vollejakulierten Socken“ herum? Und seit wann gehen im Fernsehen nur Männer fremd und betrügen? Und was hätte es überhaupt für eine Relevanz, dass Männer im Fernsehen fremd gehen?

Die Männer in den ersten Pornos, die man so sah, benahmen sich, als seien sie testosterongesteuerte Affen
Ich habe im Laufe meines Lebens Männer kennengelernt, die mit ihren über 30 Jahren 14-Jährigen Avancen machten und versuchten, sie ins Bett zu kriegen. Ich lernte, was Hebephilie ist: eine Sexualpräferenz für pubertierende Jungen und Mädchen. Ich las das Blog eines jungen Mannes, der zu seiner Pädophilie stand. Sehr berührend, unter schicksal-und-herausforderung.de kann man es immer noch lesen.

Und so geht es auch weiter: Auch der Anteil der Männer, die als 30jährige Männer 14-jährigen Mädchen Avancen machen dürfte gering sein. Und natürlich gibt es auch Frauen, die 14jährigen Jungs Avancen machen. (zB diese, diese, diese, diese oder diese)  Nur ist es da eben eher so, dass sie auf Bereitschaft zum Sex stoßen, wenn sie passabel aussehen.

Ich traf pornosüchtige Männer und solche, die als eines ihrer Lebensziele hatten, wenigstens ein Mal in einem Porno mitgespielt zu haben – und das auch taten. Ich traf Männer, die Frauen wechselten wie andere ihre Unterwäsche, und solche, die Frauen ihre Wünsche aufdrängten, ohne nach deren Wünschen zu fragen: Rasier dich zwischen den Beinen, hab Sex mit mir, von hinten bitte, ach, komm schon, du bist doch keine frigide Kuh. Ich kenne Männer, die bei Prostituierten waren – ich kenne keine einzige Frau.

Ja, Männer haben ein anderes Verhältnis zu Casual Sex. Was sehr viel mit Testosteron und dessen Wirkung auf den Sexualtrieb zu tun hat:

Was, liebe Katrin geht es dich an, wenn Männer das Spass macht? Und natürlich müssen sich Frauen auch nicht mit Männern einlassen, die nicht auf ihre Wünsche eingehen. Genauso wenig wie Männer sich auf Frauen einlassen müssen, die nicht auf ihre Wünsche eingehen.

Ich habe mich damit abgefunden, dass männliche Sexualität Auswüchse annimmt, wie ich sie von Frauen nicht kenne. Ich habe gelernt, damit zu leben, und vor allem: Ich habe keine Angst mehr davor. Übergriffige Typen kriegen Ansagen. Die anderen ein offenes Ohr. Meistens hoffe ich, dass sie nicht der Pickup-Artist-Bewegung anheimfallen, eine Truppe von Typen, die anderen Typen erklärt, wie man Frauen „klarmacht“, also ins Bett kriegt.

Ja, schlimm, diese Pickupbewegung. Nicht das es noch Männer gibt, die wissen, wie man anziehend auf eine Frau wirkt. Wie sie mit einem schlafen will, und das nicht nur zum „Klarmachen“, sondern für was auch immer, eine Nacht, eine Beziehung, ein Leben. Dabei ist es eigentlich sogar einfacher einen Pickuper loszuwerden.

Wie fürchterlich so etwas sein kann habe ich hier auch mal an meinem eigenen Fall geschildert:

Und wie soll sie als Hetero auch Auswüchse weiblicher Sexualität selbst kennenlernen? Von Shittests bis zur Vorliebe für „Bad Boys“, von Sado Masochismus bis zum Hinhalten als Machtspiel und zum Orbitersammeln? Frauen, die sich an alte reiche Männer binden, damit sie von deren Geld leben können, Frauen, die ihre Sexualität freiwillig verkaufen, Frauen, die nach dem einem Schläger gleich wieder den nächsten haben, weil das auch irgendwie ihr Typ ist und sie einen dominanten Mann wollen etc Es gibt zu so ziemlich alles im Bereich der Sexualität ein Gegenstück, welches man genau so anprangern könnte.

Ziemlich frauenverachtende Scheiße, die da läuft, aber auch hier: Ziemlich viele Männer bieten sich als Zielgruppe bereitwillig an. Sie leiden darunter, dass sie Probleme dabei haben, Mädchen anzusprechen, und sie wollen bitte dringend Sex. Die Silikonpuppen im Bordell sind, so gesehen, nur eine weitere logische Evolutionsstufe der verkorksten männlichen Sexualität.

Wieder eine sehr empathische Wertung. Und wenig Ahnung von Pickup. Im übrigen gilt der alte Satz: Wenn die männliche Sexualität verkorkst ist, dann ist weibliches Selektionsverhalten bzw deren Reaktion auf Männer evolutionär der wesentliche Grund. Eine friedliche Bonobo-Welt scheitert insofern eher an den Frauen.

Ich höre schon alle aufschreien: Ich bin ein Mann und ich bin gar nicht so! Sex ist für mich viel mehr als nur rein, raus, Ejakulation! Da gratuliere ich aber. Nur: Schauen Sie mal in Onlineforen, in denen Männer sich über ihre Silikonpuppen austauschen. Die „Dolls“, wie die Puppen unter den Eingeweihten genannt werden, sind für viele längst Ersatzmenschen geworden. Einer, der sich „Halvar“ nennt, bezeichnet in einem dieser Foren seine Puppe als „Teil meines Lebens, ich freue mich abends nach Hause zu kommen und nicht allein zu sein. Ich genieße die Zweisamkeit vor dem Fernseher auf der Couch oder die Nächte in denen man sich an die Doll ankuschelt. Sie sind einfach ein Teil von mir.“

Auch hier wieder: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Warum muss sich ein Mann überhaupt für seine Sexualität entschuldigen aber auch: Was gehen ihn die Leute an, die sich über Silikonpuppen austauschen? Er kann für sie nichts und hat mit ihnen nichts zu tun. Genauso wenig wie Frauen sich ein „Zofenforum“ vorhalten müssten, in denen Frauen sich darüber austauschen, wie geil es ist, wenn einen der Meister benutzt.

Das Erstaunliche ist, dass diese Männer eine Form von Nähe gefunden haben. Menschenersatznähe. Und sie alle sagen sehr deutlich: Weder haben sie Bock auf die Mitleidstour noch auf Psychoanalyse durch Tantra-Yogis, Klemmschwestern und andere Spielverderber. Viele Puppen-Fans scheinen eher objektophil veranlagt zu sein, also auf Dinge zu stehen statt auf Menschen. Andere haben „jemanden“ gefunden, der mit ihrer Sozialphobie bestens kompatibel ist. Alles harmlos, klar.

Was wäre denn daran nicht harmlos? Sie belästigen keine Frauen, wenn sie ihre Silikonpuppen mögen. Genauso wenig wie Frauen jemanden etwas tun, wenn sie als Menschenersatznähe auf Katzen oder Pferde zurück greifen.

Jahrhunderte im Patriarchat
Aber auffällig ist es eben schon, so wie es auffällig ist, dass mehr männliche Babys Koliken bekommen und häufiger schreien als weibliche. Die männliche Sexualität scheint labiler, anfälliger zu sein und ich glaube, es wird Zeit, darüber zu sprechen. Nicht psychologisierend, nicht verurteilend oder stigmatisierend, sondern so, wie moderne Menschen das tun: offen, empathisch und wissenschaftlich begleitet.

„Nicht psychologisierend, nicht verurteilend oder stigmatisierend, sondern so, wie moderne Menschen das tun: offen, empathisch und wissenschaftlich begleitet“. Ich musste den Satz gerade noch einmal zitieren. Ist das ihre Selbstwahrnehmung? Das sie nicht verurteilt und stigmatisiert, wenn sie im gleichen Test Männer mit Tieren vergleicht? Fühlt sie sich wirklich modern, wenn sie Leuten vorhält, dass sie Sex mit wechselnden Partnern haben? Oder findet sie es „wissenschaftlich“ extreme Einzelfälle repräsentativ für die Gesamtheit der Männer und deren verkorkste Sexualität darzustellen? Von der Empathie möchte ich gar nicht erst wieder anfangen.

Durch die Jahrhunderte im Patriarchat haben wir gelernt, alles „Männliche“ hinzunehmen und nicht zu hinterfragen, die Folgen sind für Männer und für Frauen gleichermaßen kacke: toxische Maskulinität, sexuelle Ausbeutung von Frauen und Gewalt.

„Kacke“. In einem Zeitungsartikel. Wohl eine Anlehnung an die alte „sexistische Kackscheiße“, diesem Kleinkinderjargon des Feminismus? Und toxische Maskulinität und sexuelle Ausbeutung wird auch gleich noch mit rein gemixt.

Feministinnen bringen all das auf den Tisch und natürlich wehren sich viele dagegen und wittern Männerfeindlichkeit.

Weil sie da ist. Also die Männerfeindlichkeit. Nicht das, was Feministinnen meinen an „kackscheiße“ auf den Tisch zu bringen.

Doch genauso, wie es wichtig ist zu fragen: Warum geht ein Großteil der weltweiten Gewalt von Männern aus

Wegen Testosteron.

ist es an der Zeit sich zu trauen, den verhaltensoriginellen „männlichen“ Sexualitäten auf den Grund zu gehen. Und der erste Schritt ist laut zu sagen: Sorry, Jungs, aber das ist mir echt suspekt, was ihr da macht.

Dann schau halt nicht hin. Eigentlich eine sehr einfache Lösung. Das allermeiste betrifft dich schlicht nicht und wenn ein Mann jeden Tag zu Pornos Selbstbefriedigung betreiben will oder eine Silikonpuppe als Freundin hat, was hat es dich dann zu scheren?

Verinnerlichter Sexismus

Auf Feminismus 101 gibt es einen Artikel über verinnerlichten Sexismus:

Dabei geht es ganz nach Foucault darum, dass der Empfänger bestimmter Erwartungen und Regeln, die gesellschaftlich für ihn aufgestellt werden , diese für seine Person akzeptiert und sie zum Teil seines Wesens macht, sie evtl. sogar als definierend für den von ihm angenommenen Typus ansieht.

er Zusammenhang dazwischen, eine Empfängerin von Sexismus von außen zu sein und ihn zu verinnerlichen ist nicht direkt kausal. Wenn einem Mädchen befohlen wird, den Mund nicht aufzumachen, weil es das ist “was Mädchen zu tun haben”, wird sie das nicht auch zwangsläufig verinnerlichen. Sie könnte verschieden darauf reagieren, etwa mit “Ich möchte ein braves Mädchen sein, also werde ich auf das achten was ich sage” (Akzeptanz), “Wenn ‘brave’ Mädchen den Mund halten müssen, dann will ich ein ‘böses’ Mädchen sein” (Mischung aus Akzeptanz und Ablehnung) oder “Ich bin ein gutes Mädchen aber ich will den Mund aufmachen können, also irrst du dich” (Ablehnung). Es ist wichtig zu verstehen, dass wir zwar alle unterschiedlich verinnerlichen, aber ausnahmslos alle von diesen Botschaften beeinflusst werden.

Immerhin kommt hier auch das Konzept der Ablehnung vor. Meiner Meinung nach wäre auch noch die Denkweise „ich weiß, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten sollte, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, aber ich weiß auch, wann ich das lassen kann“ hinzuzunehmen, sofern man ihn nicht unter Ablehnung fasst.

Eine weitere Sache der mensch sich gewahr sein sollte ist, dass es sich nicht nur um eine anlassbezogene Botschaft handelt. Es ist nicht nur das kleine Mädchen, dem gesagt wird, dass “brave Mädchen” ruhig zu sein haben, sondern eher, dass sie dieser Botschaft durch eine Vielzahl von Kanälen ausgesetzt ist: Sowohl durch direkte Aussagen als auch durch die Art, auf die kleine Jungs anders behandelt werden, wie sie sich gegenüber kleinen Mädchen verhalten oder die Darstellung von Mädchen im Fernsehen. Sie wird auch das Gegenteil zu hören bekommen, dass “gute Mädchen keine Angst davor haben, offen zu sagen was sie denken” oder durch eine Schulumgebung, in welcher bewusst versucht wird, die Kinder geschlechtsneutral zu behandeln oder Fernsehserien, in denen Mädchen als aktiv und selbstbestimmt dargestellt werden. Das alles trägt dazu bei, wie Botschaften verinnerlicht werden, und wenn das Mädchen größer wird und Erfahrungen sammelt, wird sich die Art der Verinnerlichung entsprechend verändern.

Das ist letztendlich die Rechtfertigung für viele Versuche die Gesellschaft umzugestalten. Wenn man in dieser Denkweise den schlechten zu erinnerlichenden Sexismen der Gesellschaft etwas entgegen setzen will, dann muss man entweder Geschlechterollen aufbrechen oder aber Gegenbeispiele geben, damit diese verinnerlicht werden. Quoten für mehr Frauen in Führungspositionen verhindern dann, dass der Sexismus „Frauen können nicht in Führungspositionen arbeiten“ verinnerlicht wird. Jeder Junge, der mit einer Puppe spielt, kann verhindern, dass ein Mädchen, welches dies mitbekommt, einen Sexismus verinnerlich, dass Puppen und damit Kinderbetreuung etwas für Mädchen ist.

Die Folgen werden so dargestellt:

Die Folgen, sich diese Rolle zu Eigen zu machen, sind ein enormes Reservoir an Selbsthass. Kein wirklich wahrgenommener oder hingenommener Selbsthass, die meisten Frauen würden das leugnen. Er kann sich dadurch ausdrücken, sich in seiner eigenen Rolle unwohl zu fühlen, als Gefühl der Leere, als Taubheit, Unruhe oder lähmende Ängstlichkeit. Es kann sich auch in einer Verteidigung der eigenen Rolle äußern. Aber er existiert, oft unterbewusst, vergiftet ihr Dasein, entfremdet sie von sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen, lässt sie auf andere Frauen wie eine Fremde wirken. Es folgt der Fluchtversuch: Identifikation mit dem Unterdrücker,, durch ihn leben, Status durch seine Macht und seine Errungenschaften erlangen. Und dadurch, sich nicht mit anderen “leeren Hüllen” zu identifizieren, wie sie selbst es sind. Frauen identifizieren sich nicht mit anderen Frauen, die ihre eigene Unterdrückung, ihren zweitrangigen Status, ihre eigenen Selbstzweifel widerspiegeln. Eine andere Frau damit zu konfrontieren ist letztendlich die Konfrontation mit dem eigenen Selbst, das man vermeiden wollte. Und in diesem Spiegel wissen wir, dass wir das, zu dem wir gemacht wurden, nicht wirklich lieben und respektieren können.

Das hat den hübschen Zusatzeffekt, dass man damit auch gut Kritik abfangen kann, wenn feministische Positionen nicht anerkannt werden. Sie hat dann eben ihren eigenen Sexismus schon zu tief verinnerlicht, ist in diesem gefangen. Es ist auch eine gewisse Form der Unmündigkeitserklärung. Frauen, die bestimmte Geschlechterrollen machen das eben nicht, weil es ihnen gefällt, sondern weil sie Sexismus verinnerlicht haben.

Die Bekämpfung soll wie folgt erfolgen:

Uns selbst von der verinnerlichten Unterdrückung zu befreien heißt zunächst, ein Bewusstsein für die Einschränkungen zu schaffen, die wir uns selbst auferlegen. Lebe ich mein Leben in dem Bewusstsein, was ich wirklich will und wer ich wirklich bin, oder versuche ich mich anzupassen? Schätze ich andere Frauen für ihre Größe und schätze den Raum, den sie für mich und alle Frauen auf der Welt schaffen, oder antworte ich mit verinnerlichter Unterdrückung, in dem ich denke und sage “Wer glaubt sie denn wer sie ist …?”? […] Lasst uns den Mut haben, die Stimmen des verinnerlichten Sexismus zu hören und die Entschiedenheit, ihn als den angstgetriebene Unsinn, der er ist, abzulehnen. Lasst uns Frauen unterstützen und feiern, jedes mal wenn sie sich wie ein verspieltes, entschiedenes, aus tiefem Herzen lachendes, völlig lebendiges, menschliches Wesen benimmt. Lasst uns “JA!” sagen und es uns ausdrücken, fühlen und leben. Go, Girl! Wer hat gesagt wir können uns nicht unser Stück vom Kuchen nehmen, es essen? Wovor haben wir Angst ? Keine Grenzen!

Hier sieht man auch schön, dass man daraus eine Befreiungsideologie aufbauen kann. Wer nicht jedes um Raum kämpfen unterstützt, der ist eben noch nicht so weit und hat noch zuviel verinnerlicht. Diese Haltung passt gut zu IDPOL, um so mehr man um Raum kämpft, Männer zurückdrängt, Frauen schätzt und den Kampf gegen die verinnerlichten Sexisten führt, um so mehr Gruppensolidarität zeigt man auch. Um so mehr man sich zurückhält um so mehr distanziert man sich von der Sache.

Was leider zu kurz kommt ist die Frage, ob es wirklich nur verinnerlichte Sexismen und nicht bewußte Entscheidungen oder biologische Dispositionen sind.

„Vergewaltiger und Männermagazine verwenden die gleiche Sprache“

Eine Studie soll ermittelt haben, dass sich die Aussagen aus einem Männermagazin und solche, mit denen Vergewaltiger ihre Tat rechtfertigen, sehr stark ähneln:

Research has suggested that some magazines targeted at young men –lads’ mags– are normalizing extreme sexist views by presenting those views in a mainstream context. Consistent with this view, young men in Study 1 (n = 90) identified more with derogatory quotes about women drawn from recent lads’ mags, and from interviews with convicted rapists, when those quotes were attributed to lads’ mags, than when they were attributed to convicted rapists. In Study 2, 40 young women and men could not reliably judge the source of those same quotes. While these participants sometimes voiced the belief that the content of lads’ mags was ‘normal’ while rapists’ talk was ‘extreme’, they categorized quotes from both sources as derogatory with equal frequency. Jointly, the two studies show an overlap in the content of convicted rapists’ talk and the contents of contemporary lads’ mags, and suggest that the framing of such content within lads’ mags may normalize it for young men.

Quelle: „Lights on at the end of the party”: Are lads’ mags mainstreaming dangerous sexism?

Viele feministische Blogs haben die Studie besprochen und eine neue Bestätigung der Rape Culture darin gesehen (zB Jezebel/Fatal Feminist/TAZ)

In einer Besprechung der Studie habe ich die konkreten Aussagen gefunden um die es da geht: Ich kommentiere sie auch gleich

Quotes sourced from convicted rapists

1 There’s a certain way you can tell that a girl wants to have sex . . . The way they dress, they flaunt themselves.

Da haben sie sich ja eine hübsch harmlose Aussage rausgesucht. Das Problem des Vergewaltigers ist ja, dass er nicht nur aus ihre Kleidung Rückschlüsse auf ihre Bereitschaft zu Sex schließt, sondern daraus schließt, dass er sich über ihren Willen hinwegsetzen kann. Das man bei einer sehr sexuell gekleideten Frau vermutet, dass sie ihre Reize nutzen will, kann natürlich falsch sein, sie kann auch einfach besonders gut in der intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen ankommen wollen, es muss aber nicht falsch sein. Wenn ein Date relativ sexuell gekleidet ist, wenn wir uns treffen, dann ist das bisher meist in der Tat ein gutes Zeichen gewesen.

2 Some girls walk around in short-shorts . . . showing their body off . . . It just starts a man thinking that if he gets something like that, what can he do with it? . . .

Kann auch eine harmlose Aussage sein. „If he gets something like that“ muss ja nicht ein negativer Aspekt sein, es kann auch einfach gemeint sein, dass man mit ihr zusammen kommt. Und dann kann man eben einvernehmlichen Sex haben.

3 What burns me up sometimes about girls is dick-teasers. They lead a man on and then shut him off right there.

Auch hier kann die Aussage harmlos sein: Natürlich kann es jemanden ärgern, wenn Frauen sexuell reizen und ihre Reize einsetzen um Vorteile herauszuholen. Wenn man merkt, dass mit einem gespielt wird. Eine normale Reaktion wäre solche Frauen zu meiden oder ihrerseits mit ihnen zu spielen („Die großen Augen sind schon gut, aber der Kopf muss noch etwas schiefer“). Das ist alles kein Problem und harmlos. Ein Vergewaltiger würde eben aus den sexuellen Reizen Rechte herleiten, die ihm nicht zustehen

4 You know girls in general are all right. But some of them are bitches . . . The bitches are the type that . . . need to have it stuffed to them hard and heavy.

Schon eine härtere Aussage. Aber auch hier wäre eine Auffassung, dass man sie verführen sollte und sie gerade sehr zickige Frauen eher härteren, aber einvernehmlichen Sex mögen und dann weniger zickig sind vielleicht machohaft, aber weit weg von einer Vergewaltigung. Der Vergewaltiger würde eben denken, dass ihr Verhalten eine Korrektur notwendig macht, die durch Sex erfolgt und gegen ihren Willen erzwungen werden sollte.

5 You’ll find most girls will be reluctant about going to bed with somebody or crawling in the back seat of a car . . . But you can usually seduce them, and they’ll do it willingly.

Unproblematische Aussagen meiner Meinung nach. Wenn eine Frau verführt wird und sie dann Sex will, dann sollte das ihr gutes Recht sein.

6 Girls ask for it by wearing these mini-skirts and hotpants . . . they’re just displaying their body . . . Whether they realise it or not they’re saying, ‘Hey, I’ve got a beautiful body, and it’s yours if you want it.

Problematische Aussage. Wobei eben ein Freiraum durch „It“ verbleibt. Wer mit „It“ Verführung verbindet, der ist kein Vergewaltiger, sondern hat nur ein (zu) großes Ego.

7 Some women are domineering, but I think it’s more or less the man who should put his foot down. The man is supposed to be the man. If he acts the man, the woman won’t be domineering

Die Aussage „The Man is supposed to be the man“ werden wahrscheinlich durchaus viele Frauen teilen. Problematisch hier ist zum einen der Essentialismus gegenüber Frauen und Männern und zum anderen natürlich das Ausmaß, in dem man dominieren möchte. Wer mit Negs oder ein paar Sprüchen dominieren möchte oder entsprechendes auf ein dominantes Verhalten zurückgibt ist kein Vergewaltiger. Auch hier geht es eben darum, dass man bestimmte Grenzen beachtet.

8 I think if a law is passed, there should be a dress code . . . When girls dress in those short skirts and things like that, they’re just asking for it.

Eine bescheuerte Aussage keine Frage. Schon wegen des totalitären Ansatzes.

Quotes sourced from lads’ mags.

1 A girl may like anal sex because it makes her feel incredibly naughty and she likes feeling like a dirty slut. If this is the case, you can try all sorts of humiliating acts to help live out her filthy fantasy.

Würde ich durchaus für eine Möglichkeit halten. Die Betonung liegt hier meiner Meinung nach auf „may“ „if this is the case“ und auf „Try“. Es spricht nichts dagegen jemanden dabei zu helfen seine dreckigen Fantasien auszuleben und auch nichts dagegen, dass Frauen dreckige Fantasien haben.

2 Mascara running down the cheeks means they’ve just been crying, and it was probably your fault . . . but you can cheer up the miserable beauty with a bit of the old in and out.

Die meisten Frauen werden wohl, wenn sie heulen, nicht unbedingt in der Stimmung für Sex sein. Insofern wird es nicht unbedingt erfolgreich sein. Aber das macht einen nicht zu einem Vergewaltiger. Der Versuch, sie zu Sex zu überreden oder sie durch Sex aufzumuntern ist vielleicht nicht erfolgreich, aber muss nicht negativ sein. Umgekehrt würde es aber wahrscheinlich besser klappen.

3 Filthy talk can be such a turn on for a girl . . . no one wants to be shagged by a mouse . . . A few compliments won’t do any harm either . . . ‘I bet you want it from behind you dirty whore’ . . .

Ja, in der Tat kann es etwas sein, was Frauen mögen. Auch hier spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, dass man so etwas in seinem Sexualleben nutzt, wenn es beide wollen. Dass in die Richtung einer Vergewaltigung zu drehen spricht für eine gewisse Sexfeindlichkeit.

4 Escorts . . . they know exactly how to turn a man on. I’ve given up on girlfriends. They don’t know how to satisfy me, but escorts do.

Hier stellt sich wohl die Frage, wie man zur Prostitution steht. In einer Dworkinschen Auslegung  mag es gleichbedeutend mit einer Vergewaltigung sein. Ich persönlich würde es traurig finden, wenn man durch seine Freundinnen nicht mehr befriedigt werden kann. Dass Escortfrauen sicher einige faszinierende Tricks auf Lager haben kann ich mir durchaus vorstellen: Immerhin ist es ihr Beruf. All dies hat aber nichts mit einer Vergewaltigung zu tun.

5 There’s nothing quite like a woman standing in the dock accused of murder in a sex game gone wrong . . . The possibility of murder does bring a certain frisson to the bedroom.

Den Satz begreife ich zugegebenermaßen nicht so richtig. „Eine Frau, die eines Mordes beschuldigt wird in einem Sexspiele, dass schief gegangen ist. Die Möglichkeit eines Mordes bringt einen gewisse Spannung in das Schlafzimmer“. Hier ist – wenn ich es richtig verstehe –  die Frau die Mörderin. Ich kann mir hier zwar gewisse Würgespiele vorstellen, aber irgendwie scheint es sich ja hier eher um eine dann wohl weibliche Vergewaltigerin zu handeln?

6 You do not want to be caught red-handed . . . go and smash her on a park bench. That used to be my trick.

Würde ich so übersetzen: „Man sollte sich nicht auf frische Tat erwischen lassen. Fick sie auf einer Parkbank. Das war mein Trick“ Könnte ich mir bei einer Anleitung wie man fremdgeht durchaus als Tipp vorstellen. Ob die Doppeldeutigkeit hier aus dem umgangssprachlicheren „Smash her“ für rauhen Sex und „dem wörtlicheren „schlagen“ kommt?

7 Girls love being tied up . . . it gives them the chance to be the helpless victim.

Alle Frauen sicherlich nicht. Einige Frauen und vielleicht noch nicht mal wenige durchaus. Es spricht auch nichts dagegen so etwas einvernehmlich in sein Sexleben einzubauen.

8 I think girls are like plasticine, if you warm them up you can do anything you want with them.

Sicherlich eine Aussage, die man schnell negativ sehen kann. Letztendlich aber auch recht einfach als „wenn man es ihnen schmackhaft macht oder sie richtig geil sind, dann machen sie sehr viel mit“ fassen kann. Was stimmt. Und was auch nicht bedeuten muss, dass man damit ihren Willen übergeht. Es kann sogar enthusiastischer Konsens dabei vorhanden sein, eben weil sie „warm“ ist. Die wenigsten Vergewaltiger werden meiner Einschätzung nach allerdings ihr Opfer „warm“machen. Sicherlich ein dummer Vergleich, aber aus meiner Sicht in einem passenden Kontext akzeptabel.

Im Ganzen wurden hier also Äußerungen ausgesucht, die von vorneherein relativ unbestimmt waren und gerade bei den Vergewaltigern auch neutraler gesehen werden können.

In der oben zitierten Besprechung findet sich auch noch eine gute Stelle:

What exactly is at stake in normalizing a particular set of views is itself a contentious issue, so in our discussion of this research it’s worth acknowledging some logical possibilities: Possibly having a particular set of attitudes towards women — even sexist attitudes towards women — is completely independent from acting on those attitudes, for example by committing rape. Possibly having a particular set of sexist attitudes towards women might not create any harms for the women with whom one shares a society. Possibly expressing a particular set of sexist attitudes towards women might not create any harms for the women with whom one shares a society.

Interessant ist dabei auch, wie der Sexismus bestimmt wurde. Wir treffen einen alten Bekannten:

Das „Ambivalent Sexism Inventory“ (ASI) dient als Test, ich hatte es hier besprochen:

Sexismus Test

Das der Test eigentlich nicht geeignet ist, tatsächlichen Sexismus zu messen, ist bereits an den Fragen erkennbar.

Einen weiteren Fehler der Studie findet man hier:

In the press release, it’s said that the participants were shown quotes from rapists and quotes from lad mags, but there’s no mention of a control group. I am no expert in psychology research, but this strikes me as odd. Without a third class of quotations – descriptions of women from non-rapist men, perhaps – this research can demonstrate that rapists and lad mags use the same language, but not that this is distinctly “the language of sexual offenders”. It might just be the language of men (though I sincerely hope it isn’t).

Eine Kontrollgruppe hätte also zeigen können, ob tatsächlich in den Magazinen eine solch besondere Sprache gesprochen wird.

Letztendlich werden hier bestimmte Aussagen, die aber nur in einem geringen Zusammenhang mit Vergewaltigung stehen als typische Aussagen von Vergewaltigern dargestellt und Aussagen gegenüber gestellt, die auch nicht in einem Zusammenhang mit Vergewaltigung stehen.

Es ist insgesamt eine wenig ergiebige Studie.

Machmittel im Diskurs: Sexistische Kackscheisse

German Psycho hat einen interessanten Beitrag zu dem Begriff der „sexistischen Kackscheiße„:

Er ermittelt deren Sinn wie folgt:

Ich verstehe nicht ganz, was der Ausdruck eigentlich bedeuten soll. Und genau darin liegt auch seine Beliebtheit. Er sagt nämlich eigentlich überhaupt nichts aus. Er vermeidet es, auf das wirkliche Problem hinzuweisen. Wenn es darum geht, daß es Frauen diskriminiert werden, dann kann das eben mit „Diskriminierung“ bezeichnet werden. Das ist keinesfalls weniger, äh, „griffig“. Genau darum geht es aber: Eine Handlung oder Sichtweise irgendwie nebulös als „sexistisch“ zu bezeichnen, ohne widerlegbar zu sein.

Das ist meiner Meinung nach sehr treffend. Es geht dabei um ein Wort, welches hauptsächlich Ablehnung ausdrücken soll, indem es durch die Doppelung ganz besonders betont, dass eben diese Kackscheisse außerhalb jeder Wertung steht.

Er erläutert dies an dem Beispiel einer Werbung, auf der ein Musikinstrument damit verkauft werden soll, dass es in eine Verbindung mit Sex gebracht wird. Würde dies lediglich als sexistische Kackscheisse bezeichnet, dann bliebe die eigentlich Kritik eben unklar, was zu folgenden führt:

Jemand, der sich nicht besonders für dieses ganze Thema Genderdings und Feminismus interessiert (…) hat ein Problem, zu erkennen, was die (gutmeinenden) Aktivisten so negativ an einer solchen Werbung empfinden. Er wird also letztlich: sich von jeglicher Darstellung weiblicher Köprer in sexuellen Anspielungen oder Darstellungen fernhalten. (…) Zurück bleiben Menschen, die verunsichert sind, was sie überhaupt noch schön finden dürfen. Dadurch, daß man ihnen nicht genau sagt, was die klare, eindeutige Definition von „sexistischer Kackscheiße“ sein soll, ist jeder angreifbar. Und das ist keine Grundlage für einen ernsthaften, nicht von Böswilligkeit getriebenen Diskurs, wie er in unserer Gesellschaft notwendig ist

In der Tat: Mit der unbegründeten Bezeichnung als sexistische Kackscheisse spart man sich die Begründung und muss auch nicht weiter hinterfragen, was nun eigentlich sexistisch ist und was nicht. Es drückt dann einfach eine Wertung aus, die dann per Deutungshoheit richtig zu sein hat.

Das ist in der Tat keine Grundlage für einen Diskurs: Aber der ist ja auch gar nicht erwünscht