Was ist Rassismus bzw Sexismus? Definitionen

Im Feminismus wird gerne die Definition von Rassismus oder Sexismus über Macht und Vorurteile vorgenommen (Power and Prejudice). Es bietet sich an, da auf ein paar andere Definitionen verweisen zu können.

1. Rassismus

«Rassismus umfasst Ideologien und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden.» (Johannes Zerger, Was ist Rassismus?, Göttingen 1997, S.81).

Da würde eine solche Einschränkungen nicht vorgenommen werden, es ist eher eine klassische Definition von Rassismus

Eine weitere:

«Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.» (Albert Memmi, Rassismus, Frankfurt a.M. 1987, S.164)

Da wären dann zumindest nicht nur die Privilegien drin, sondern auch die Aggressionen: Die finde ich bei vielem an feministischen Handeln sehr deutlich, denn es wird häufig damit die Meinung aufgrund der Hautfarbe abgesprochen und eine Schuld zugesprochen.

2. Sexismus

Da wäre ersteinmal der Duden:

Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts

Im Feminismus wird man nichts von Natur aus vertreten, aber da ein Mann immer Privilegiert ist und alle Männer von der Unterdrückung der Frau profitieren und daraus quasi eine Bringschuld der Männer hin zu einer Verbesserung der Stellung der Frau eingefodert wird lässt dies die Frauen als die Opfer durchaus besser sein und ihnen wird überlegenes Wissen zugeordnet, quasi wegen ihres Geschlechts.

Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert wie folgt:

• Sexismus ist die persönliche und gesellschaftliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Das kann sich gegen alle Geschlechter richten, es sind davon allerdings überwiegend Frauen betroffen.
• Sexismus heißt, dass für Personen eines bestimmten Geschlechts – meist für Frauen – traditionelle Rollenbilder, Umgangsweisen und ungleiche gesellschaftliche Bedingungen als gegeben angesehen werden.
• Sichtbar wird Sexismus z.B. in Witzen, abwertenden Sprüchen und Begriffen, in körperlichen Übergriffen, in ungerechten Arbeitsbedingungen und traditionellen Normen zur Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern.

Da ist es die persönliche und gesellschaftliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, die sich gegen beide Geschlechter richten kann.

Abwertende Sprüche und Begriffe gegen Männer gibt es dann im Feminismus auch zuhauf. Damit könnte man also durchaus arbeiten.

3. Rechtliches

Dann hätten wir noch Art 3 GG:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Da wäre auch nichts davon erwähnt, dass jemand aus einer Gruppe, die „Die Macht“ in der Gesellschaft hat, diesen Schutz nicht genießt. Denn das Grundgesetz stellt eben gerade nicht auf Gruppen, sondern auf Einzelpersonen ab.

Und auch das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz differenziert da nicht, sondern verbietet generell jede Diskriminierung aufgrund der Herkunft, des Geschlechts, des Alters oder der sexuellen Identität:

Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Rassismus ergibt sich nicht aus Macht und Vorurteilen

Ein Artikel nimmt sich noch einmal dem Argument an, dass eine Diskriminierung wie Sexismus oder Rassismus nur dann vorliegen kann, wenn derjenige, der diskriminiert einer Gruppe angehört, die  Vorurteile und Macht hat  („+ Prejudice + Power „)

The fact that the R=P+P argument leads to such ridiculous terms as “reverse racism” is indicative of a mistake in reasoning. Such a concept would break down as soon as you applied it to other moral transgressions. Let’s take murder as an example and apply the same one-directional culpability based on supposed power. I doubt that people who make the R=P+P argument would be comfortable with altering the language to say that if a white person kills a racial minority it is called murder, but if a racial minority kills a white person it is not murder. If the latter occurred would it make any sense for someone to claim it is “reverse murder”? Likewise if a poor person were to assault a rich and powerful person it would be no less considered assault than if the powerful person assaulted a poor person. The crime is still the same despite the power imbalance in each case. In a court of law if the poor person’s defence was to say “your honour what I did is not assault it is only reverse assault and it’s not wrong because he has more power than me,” such a claim would be laughed out of court and rightly so. Being a racist is not against the law but it is still considered to be immoral.

Eben. Was am Rassismus nicht gefällt ist der Umstand, dass jemand aufgrund seiner Rasse abgewertet wird oder wenn eine Gruppe als ganze wegen einer körperlichen Eigenschaft herabgesetzt wird. Das bleibt vollkommen gleich, wenn derjenige weiße Haut hat. Auch dann wäre die Behauptung, dass er aufgrund seiner Zugehörigkeit zur weißen Rasse minderwertig ist, falsch.

If we consider racism to be morally wrong then it should be regarded as wrong for everyone in society regardless of their race and social status (if you think racism is ok for some people then you might be a racist). The only exceptions usually made to moral or legal rules are for people we would normally consider to lack or have diminished agency such as children, insane people and some mentally disabled people. Therefore if only white people can be racist due to P+P theory, it is giving all other races an exemption to a moral standard which is not only unfair but also insinuates that people of other races are less responsible for their actions than whites. An inconsistent application of moral responsibility based on race is inherently racist since it implies these people have less agency to act morally. This is often referred to as the bigotry of low expectations.

Auch das halte ich durchaus für ein gutes Argument: Wer meint, dass der andere abwerten kann, der legt ihm eine geringere moralische Verpflichtung auf und lässt ihn insofern ein schlechterer Mensch sein.

Er hält ihn in gewisser Weise selbst für minderwertig, weil er ihm mehr Freiraum gibt.

This above video is a good example of how the R=P+P narrative can warp peoples thinking and allow them to excuse themselves or others for racist actions. Notice how the Asian girl recounts an incident of racism committed against her by black men and the black lady immediately tries to silence her whilst another person in the crowd yells out “but R=P+P”. There is also the controversy regarding Bahar Mustafa, a student union leader at Goldsmiths university in the UK, who requested that white people not attend a university event and used the hashtag #killallwhitemen. When responding to accusations of being a racist and incitement to violence her defence was as follows: “I, as an ethnic minority woman, cannot be racist or sexist towards white men, because racism and sexism describe structures of privilege based on race and gender.”

Und damit wird ein Doppelstandard errichtet, der allenfalls dazu führt, dass man diese Gruppierungen als unfair wahrnimmt.

I mentioned earlier that the R=P+P assertion is Anglocentric in origin and application. I have not heard any of its proponents apply the principle to countries in which white people are a minority population and do not have institutional power. If they did so they would have to accept the opposite of the conclusion that only white people can be racist, at least in that context. It would mean that white people living in Asian, African or middle eastern countries cannot be racist since they are a minority in countries where the institutional power is held by the native ethnic populations. This would be the case even if they held racist views. So if some neo Nazis or KKK members decided to emigrate from the USA and move to Zimbabwe they would cease to be considered racist as soon as they are living under Robert Mugabe’s oppressive regime, even though their mindset and hatred of blacks and jews has not changed.

Hier würde ein Vertreter vielleicht argumentieren, dass selbst in einem vollkommen von schwarzen Machthabern regiertes Land der Weiße eben bezogen auf die Welt immer noch der Privilegierte ist. Aber bereits dazu muss er unglaubliche Verrenkungen geistiger Art durchführen, denn die tatsächliche Macht liegt ja nun bei den schwarzen Machthabern, Polizisten oder sonstigen Personen.

Gesteht er das zu, dann müsste er in der Tat zu dem Ergebnis kommen, dass ein weißer Rassist in solchen Ländern dann kein Rassist mehr wäre, schlicht weil er keine Macht hat.

This is a logical consequence of equating racism with the ability to enforce prejudice via institutional power. Similarly when a power shift takes place such as when the ANC took over as the ruling party in South Africa, would the R=P+P proponents have us believe that any white South Africans who were racists during the apartheid era are suddenly unable to be racist towards the majority black population now that the state institutions are run mostly by blacks? If it was eventually the case that the demographics of the USA shifted and a vast majority of institutions were controlled by Hispanics, they would have to conclude that only Hispanics can be racist and that members of white supremacist groups cannot be racist but only prejudiced, since they are not in power and neither are members of their race. Also what happens if the power is equally shared? If there was an exactly equal representation of white and black people holding institutional power and a white person made a racial slur towards a black person, would it only be half as racist as it was in the past when whites had a greater share of the power? Similarly, if white people were in power would an individual who is half white and half black be considered more racist than somebody who is 100% black even if they both had the same racial prejudices against Mexicans or Indians?

Durch die Zuspitzung sieht man ganz gut, dass das Konzept nicht wirklich trägt. Vermutlich würde sich ein Vertreter damit herausreden, dass es einen Zustand, in dem nicht einer die Macht hat, gar nicht geben kann oder dann eben tatsächlich kein Grund mehr für Rassismus bestehen kann und es deswegen dann auch keinen mehr gibt.

Aber das ist eine Illusion, denn natürlich bilden Leute weiterhin Gruppen und werten andere ab.

These are some of the absurdities which arise from collectivist thinking of the type which gives rise to the P+P definition. The collectivist thinking that would have you believe that a homeless white veteran with PTSD has more power and privilege than Barack Obama, or that white people living in poverty in trailer parks have more power and privilege than the children of wealthy black, Asian or Latino parents who are Studying at Yale or Harvard. Those who hold this view require us to believe that it would not be racism if a gang of young men from an ethnic minority decide to go out and beat up a white person for no other motivation than their hatred and resentment of white people. Even if you pointed out that this act is itself an exercise of power and that they were using their overwhelming power in the situation to act on their racial prejudice, the answer would be that this is not the power which matters. All these confusing logical consequences, absurd conclusions, contradictions and ridiculous phrases such as “reverse racism” disappear if we reject the P+P definition and continue to use the actual definition of racism. It is not only more parsimonious and useful, but in it its neutrality it is also less racist.

Das sind Punkte, die dem Konzept immer wieder entgegen gehalten worden sind. Es ist denke ich gut, die Argumente parat zu haben. Man wird zwar nicht zu den Fanatikern durchkommen, dazu hängt zu viel für sie von diesen Theorien ab, aber vielleicht macht man anderen deutlich, zu welchen absurden Ergebnissen diese Theorien führen.

Vgl auch:

Komplimente dienen der Verdinglichung und Abwertung der Frau

Bei der Mädchenmannschaft geht es um den Umgang mit Komplimenten. Die Autorin klingelt in München zwei Männer vom Radweg und fährt an ihnen vorbei:

Fast war ich schon an ihnen vorbei, als ich in unvergleichlichem Münchnerisch hörte: “Und hübsch aa no!” Ich fuhr weiter und lächelte – um mich gleich danach innerlich zu schelten. Warum um Himmels willen lächelte ich? Hatte ich nicht gelernt, dass das eine unerwünschte, sexistische Grenzüberschreitung war? Dass es sich hier einfach nur um dialektal gefärbtes “Catcalling” handelte, das es zu bekämpfen galt?

Der klassische feministische Widerspruch: Man findet etwas okay, darf es aber eigentlich nicht okay finden. Einfach, weil man es als Grenzüberschreitung ansehen und in einen größeren Kontext einbinden soll. Dabei war es hier aus meiner Sicht recht harmlos: Er hat sie noch nicht einmal auf ihre Schönheit reduziert, sondern in gewisser Weise ihre Durchsetzungskraft anerkannt. Es war auch sonst nicht obzön, kein „geile Titten!“ oder etwas in der Art. Eine recht harmlose Bemerkung zumal klar war, dass sie sich entfernt.

Diese Sache und meine Reaktion darauf beschäftigten mich. Ich dachte an eine Freundin, die während ihres Auslandssemesters in Spanien nach eigener Aussage wesentlich häufiger ungefragten Komplimenten ausgesetzt war. Ihr machte das wenig aus, im Gegenteil: Wenn harmlose Kommentare wie “Hallo Hübsche” kamen, genoss sie die Aufmerksamkeit sogar. Und, so fuhr sie fort, sie fände es eher schade, dass man in Deutschland nie einfach so Komplimente bekäme. Die sexuelle Seite, die man als Mensch ja auch hätte, würde immer ignoriert. Das konnte ich nachvollziehen: Ein wenig Bestätigung der eigenen Attraktivität tut gut. Und doch fühlte ich mich bei diesen Überlegungen unwohl.

Die südlicheren Gegenden Europas gelten da denke ich zurecht als entspannter in dieser Hinsicht und sehen das ganze auch mehr als Spiel zwischen den Geschlechtern an, welches dazugehört und noch nicht einmal einen sexuellen Hintergrund haben muss: Man flirtet und macht Komplimente, weil es zum Leben dazugehört. Aus feministischer Sicht vielleicht erstaunlicherweise tut das diesen Ländern als Urlaubsland für Frauen keinen Abbruch: Im Gegenteil, bei einer heißen Urlaubsaffaire wird der typischen Touristin vielleicht eher ein „feuriger Südländer“ vor Augen stehen als ein zurückhaltender Nordländer. Viele Frauen genießen es vielleicht sogar, wenn sie im Urlaub entsprechende Komplimente hören.

Die weiteren Gedanken:

Zum einen ist da die Heteronorm: Komplimente an Frauen* von Männern* sind eine Hetero-Angelegenheit. Da entsteht eine Normalität, die wirklich nur einen Teil des Gesamtbildes zeigt – Bi-, Homo- oder Asexuelle, aber auch Trans-Menschen bleiben ausgeschlossen. Nicht-heterosexuelle Frauen bekommen Beleidigungen und Anzüglichkeiten an den Kopf geworfen. Zum anderen werden derlei Komplimente nach wie vor nicht wahllos verteilt, sondern zeigen, wer in dieser Gesellschaft “sexuell wertvoll” ist: Dicken Menschen oder Menschen mit Behinderung wird generell eine Sexualität abgesprochen. Diese Komplimente, und das klingt jetzt wirklich entsetzlich, sind auch ein Privileg.

Das kann ich nicht recht nachvollziehen. Warum bleiben bei Komplimenten Bi-, Homo oder Asexuelle oder Transmenschen ausgeschlossen? Ich kann auch einem/einer Homosexuellen sagen, dass ihm/ihr etwas ganz hervorragend steht oder einer Bi-frau sagen, dass sie klasse aussieht. Ich mache auch Frauen, mit denen ich nicht schlafen will, durchaus Komplimente, etwa wenn eine korpulentere Freundin ein schönes Kleid zu einer Feier anzieht. Komplimente sind ja auch teilweise nur eine Höflichkeit, ein Aufmuntern und man muss nicht mit jedem schlafen wollen, dem man ein Kompliment macht. Natürlich fällt mir weibliche Schönheit noch eher auf und es lässt sich auch leichter in einen Flirt einbauen, aber ich kann ja auch nichts dafür, dass ich heterosexuell bin.

Bei der Darstellung, dass das Kompliment ein Privileg ist, zeigt sich auch an einem harmlosen Beispiel, wie stark diese Denkmuster selbst einfache Vorgänge verkomplizieren. Alles kann ein Privileg sein, ein richtiges Verhalten gibt es dann nicht mehr.

Letztendlich aber geht es bei der Vergabe von Komplimenten um Sexualität. In einem bestimmten Code wird mir mitgeteilt, dass ich sexuell interessant für jemanden bin. Da fangen die Probleme an, denn Sexualität ist vermintes Gebiet für Frauen*: Frauen* verlieren eigentlich immer, ob sie nun sexuell eher offen sind oder eher vorsichtig. Neben der Abwertung weiblicher Sexualität wird auch auf Zustimmung der Frau* im Rahmen der Heteronorm häufig kein gesteigerter Wert gelegt. Das betrifft konkret nicht nur Sex, sondern auch die Abbildung von Frauen*, welche Fragen sie gestellt bekommen und wie sie sich zu verhalten haben. Mit meinem Lächeln auf dieses Kompliment, so hatte ich im Nachhinein das Gefühl, gab ich die Bestätigung, dass es in Ordnung ist, mich auch im profanen Alltag als sexuelles Wesen zu betrachten. Dass ich vielleicht sogar darauf Wert legte. Menschen sind nun mal durch ihre Sexualität mitgeprägt, dagegen ist nichts zu sagen. Also alles in Ordnung?

Da sind ja schon wieder einige Knaller drin, erarbeitet anhand eines harmlosen Kompliments: In der Heteronorm ist Zustimmung der Frauen kein Wert gelegt, man will sie nur abwerten. Man will sie anscheinend selbst wenn man sagt „hübsch ist sie AUCH noch“ nur auf Sex reduzieren. Und deswegen darf einer Frau das auch nicht gefallen: Denn damit transportiert sie dann wieder die Vorstellung, dass man Frauen Abwerten und auf ihre Sexualität reduzieren darf. Das dieses Konzept auf wackeligen Beinen steht und ein Kompliment keine Abwertung und keine Reduzierung sein muss, dass scheint da nicht wirklich vorzukommen.

Mitnichten. Als Frau* auch nur zuzugeben, eine sexuelle Natur zu haben, ist nach wie vor, als ob man einen Schwachpunkt offen legt und sich angreifbar macht. Man wird nicht mehr ernstgenommen (es sei denn, man ist Beyoncé). Mein unangenehmes Gefühl kam genau daher, weil ich wusste: Die Geschlechter bewegen sich eben nicht auf demselben Grund. Ein (heterosexueller) Mann kann seiner Sexualität Ausdruck verleihen, ohne verdinglicht zu werden oder sich zu diskreditieren. Politiker können die 5. Frau heiraten, ohne dass es jemanden juckt. Eine Politikerin, die den 5. Ehemann ehelicht? Da würden die meisten doch eher an ihrer Kompetenz zweifeln.

Auch hier aus meiner Sicht eine Überbewertung: Frauen, die mit solchen Komplimenten mit einem Lachen umgehen und es als Spiel sehen, werden glaube ich viel eher ernst genommen und als selbstbewußt angesehen als solche, die daraufhin energisch die Lippen zusammenkneifen und sich solche Abwertungen verbieten. Denn dann haben sie eben nicht erkannt, dass es nur ein harmloses Kompliment, eine Nettigkeit sein sollte.

Lustig auch ihre Vorstellung, dass ein Mann seiner Sexualität Ausdruck verleihen kann, ohne sich zu diskreditieren: Im Gegenteil, gerade die Zurschaustellung männlicher Sexualität wird sehr schnell abgewertet: Als pervers, als „Alle Männer sind Schweine“, als Ausdruck sonstiger Perversität. Weibliche Sexualität wird eher etwas reineres zugestanden. Ein Mann könnte sich auch nicht so sexuell wie eine Frau kleiden ohne eher lächerlich zu wirken.

Das Politikerinnen seltener fünf Mal verheiratet sind ist aus meiner Sicht weniger dem Umstand geschuldet, dass man dann an ihrer Kompetenz zweifeln würde als vielmehr dem Umstand, dass Status Männer attraktiv macht, Frauen aber nicht. Schröder als Bundeskanzler war eben immer wieder für zB Journalistinnen interessant. Sein dadurch bedingter höherer Marktwert macht uns verständlich, dass er eine jüngere heiratet. Bei Merkel würde es uns hingegen wohl eher überraschen.

Nun ging es in meinem Fall gottlob nur um ein Lächeln auf ein Kompliment von einem Fremden. Das verursacht im Normalfall nicht allzu viele Störungen im Alltag. Aber besser wäre es doch, wenn ich mir keine Gedanken machen müsste. Wenn ein Kompliment unschuldig und unbelastet von Gender-Ungleichgewicht sein könnte. Ich würde gerne in einer Welt leben, in der ich bei einem Kompliment egal von wem lächeln könnte. Einfach so.

Klassischer Feminismus: „Jetzt habe ich ja oben dargelegt, dass ein Kompliment heterosexistisch ist, eine Abwertung der Frau und ein Zum-Objekt-machen dieser. Wie schön wäre es in einer Welt zu sein, in der das nicht so wäre“. Nur stellt ihre Bewertung gar nicht auf konkrete Welt-Parameter ab. In jeder denkbaren Welt könnte ihre Bescheibung gelten, dass das Kompliment ein Privileg ist, dass man damit zum Objekt gemacht wird etc. Sie hat auch nichts bewiesen. Sie hat einfach behauptet, dass die Welt schrecklich ist und nutzt diese Behauptung jetzt um die Schrecklichkeit der Welt zu beweisen, denn in dieser Welt ist das Kompliment eben nicht harmlos. Bewiesen ist nichts. Der Beweis dreht sich um sich selbst.

Strukturelle Diskriminierung

Ein Argument, welches immer wieder im Feminismus auftaucht, ist das Argument der „strukturellen Diskriminierung“. Frauen werden nach dieser Ansicht nicht als Einzelpersonen diskriminiert, sondern aufgrund struktureller Gründe. Es ist denke ich an der Zeit, diese Begriffe einmal näher zu behandeln: Dabei nehme ich als Startpunkt zunächst den Wikipediaeintrag zu dem Thema Diskriminierung, der folgende Einteilung bietet:

Kategorisierung Nach der Bewertung als Teil einer Kategorie werden die „Personen unter Absehung von ihren je besonderen Eigenschaften, Interessen und Verdiensten auf bloße Vertreter einer Kategorie reduziert“

Benachteiligung Benachteiligungen können auf allen Ebenen des Lebens stattfinden, insbesondere in Einschränkungen an der Teilnahme am öffentlichen Leben, in der Freizügigkeit, Gesundheit, Ausbildung, Berufsausübung oder beim Entgelt. Eine soziale Diskriminierung kann in vielen Erscheinungsformen auftreten. So unterscheidet man in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion vor allem die bewusste von der unbewussten Diskriminierung. Weitere mögliche Unterscheidungskriterien sind:[14]

  • unmittelbare und mittelbare Diskriminierung
  • alltägliche und strukturelle Diskriminierung
  • individuelle und institutionelle Diskriminierung

Individuelle Diskriminierung Individuelle Diskriminierungen (z. B. nach „schön“ und „hässlich“, oder „nahe-“ und „fernstehend“) werden in verschiedenen Theorieansätzen bei jedem sozialen Akteur als nie gänzlich zu vermeidende Verhaltensmuster vorausgesetzt.[16] Individuelle Diskriminierung kann im Zusammenhang mit struktureller oder institutioneller Diskriminierung erfolgen und bewusst oder unbewusst ausgeübt werden. Hier wird allgemein zwischen Vorurteil, Stereotyp und konkreter Diskriminierung unterschieden. Gegenüber Personen, die zu bestimmten Gruppen gezählt werden, bezeichnen Stereotype: hauptsächlich generalisierte Überzeugungen und Meinungen Vorurteile: darüber hinaus auch allgemeine Bewertungen, gefühlsmäßige Reaktionen und Verhaltensdispositionen individuelle Diskriminierungen: konkrete Handlungen und Verhaltensweisen[17] Die Ermittlung diskriminierender Einstellungen findet mittels der Vorurteilsforschung statt. Strukturelle Diskriminierung Strukturelle Diskriminierung ist die Diskriminierung gesellschaftlicher Teilgruppen, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft begründet liegen. So sind in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft Frauen strukturell diskriminiert, Männer hingegen nur durch individuelle Stereotypen oder einzelne Institutionen. Strukturelle Diskriminierung ist zu unterscheiden von der institutionellen Diskriminierung. Thematisch verwandte Fragen zu Struktureller Diskriminierung behandeln Forschungen zur gesellschaftlichen Hegemonie (Antonio Gramsci) oder zur Dominanzgesellschaft (Birgit Rommelspacher). Abgrenzung Struktureller Diskriminierung von Unterdrückung Abzugrenzen von der Strukturellen Diskriminierung ist die Soziale Unterdrückung. Eine gängige Definition von Unterdrückung findet sich bei Iris Marion Young, die fünf Aspekte von Unterdrückung auflistet:

  • Ausbeutung
  • Kulturimperialismus
  • Marginalisierung
  • Machtlosigkeit
  • Gewalt

Unterdrückung beinhaltet nach Young ein gewaltsames „Niederhalten“ der benachteiligten Gruppe und geht oftmals mit Ausbeutung einher. Ein Aufbegehren gegen Unterdrückung wird mit gewaltsamen Repressionen rechnen müssen. Während das, was Young als Kulturimperialismus bezeichnet, sowie die Marginalisierung und Machtlosigkeit durchaus auch zur Diskriminierung zählen, muss Diskriminierung nicht mit Ausbeutung und Gewalt verknüpft sein. Institutionelle Diskriminierung Institutionelle Diskriminierung bezeichnet Diskriminierungen, die von organisatorischem Handeln von Institutionen ausgehen. Dieses findet häufig in einem Netzwerk gesellschaftlicher Institutionen, beispielsweise im Bildungs- und Ausbildungssektor, dem Arbeitsmarkt, der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, dem Gesundheitswesen und der Polizei statt. Historisch geht der Begriff der institutionellen Diskriminierung auf die Diskussion zum Institutionellen Rassismus in den USA und Großbritannien zurück. Im Gegensatz zur strukturellen ist die institutionelle Diskriminierung nicht gesamtgesellschaftlich präsent. Ein wesentlicher Bestandteil der institutionellen Diskriminierung ist die ökonomische Diskriminierung. Individuen gelten dann als ökonomisch diskriminiert, „wenn sie bei wirtschaftlichen Transaktionen mit Gegenleistungen konfrontiert werden, welche sich an persönlichen Merkmalen bemessen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Leistung stehen“. Eine ökonomische Diskriminierung findet insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, dem Kreditmarkt, dem Versicherungsmarkt und dem Wohnungsmarkt statt und äußert sich häufig in einer Lohn- und Einkommensdiskriminierung.[20] Symbolische Diskriminierung Birgit Rommelspacher betont den Aspekt der Symbolischen Diskriminierung. Zwar werde oftmals betont, dass die diskriminierte Gruppe im Vergleich zur privilegierten Gruppe „weniger Lebenschancen, das heißt weniger Zugang zu Ressourcen und weniger Chancen zur Teilhabe an der Gesellschaft habe.“[21] Aber Diskriminierung findet auch auf der symbolischen Ebene statt. Hierher gehört beispielsweise als eine der von Berit Ås festgestellten fünf Herrschaftstechniken das Unsichtbarmachen diskriminierter Gruppen. Auch Axel Honneth betont den Aspekt der Unsichtbarkeit[22] Allgemein sieht er auf der Anerkennungsebene die Persönlichkeitskomponenten

  • der persönlichen Integrität durch Vergewaltigung und Misshandlung
  • der sozialen Integrität durch Entrechtung und Ausschließung und
  • der Würde durch Entwürdigung und Beleidigung

bedroht. Pierre Bourdieu betrachtet Phänomene symbolischer Diskriminierung unter dem Blickwinkel symbolischer Gewalt.

Individuelle Diskriminierung wäre demnach gegeben, wenn man relativ subjektive Kriterien anwendet, struktureller Diskriminierung, wenn die Gesellschaft auf eine bestimmte Weise ausgerichtet ist, die dazu führt, dass bestimmte Gruppen abgewertet werden. Ein Beispiel soll hier „das Patriarchat“ sein. In dem Spezialartikel zur strukturellen Diskriminierung findet sich folgende Definition der strukturellen Diskriminierung:

Als Strukturelle Diskriminierung werden die Formen von Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft immanent begründet liegen, bezeichnet. Das Gegenstück zu Struktureller Diskriminierung stellt die Interaktionelle Diskriminierung dar (…) Ausgangspunkt sind Normen und Regeln, die für alle Gesellschaftsteile gleichermaßen gelten. Sie ziehen strukturelle Diskriminierung nach sich, wenn durch ihre Anwendung in Form von Haltungen oder Handlungen gesellschaftliche Teilgruppen gravierender Ungleichbehandlung ausgesetzt sind. Die Psychologin Ute Osterkamp stellt beispielsweise für den Rassismus fest, „dass rassistische Denk- und Handlungsweisen nicht Sache der persönlichen Einstellungen von Individuen, sondern in der Organisation des gesellschaftlichen Miteinanders verortet sind, welche die Angehörigen der eigenen Gruppe systematisch gegenüber den Nicht-Dazugehörigen privilegieren.“ Strukturelle Diskriminierung beruht auf eingespielten und dauerhaften, oft formalisierten und explizit geregelten institutionellen Praktiken.

In einem Vortrag der Uni Zürich findet sich auch noch etwas zur strukturellen Diskriminierung, was ich ganz anschaulich finde:

Unterrepräsentation: Zeichen struktureller Diskriminierung? Definition struktureller Diskriminierung: • Formale Chancengleichheit ist verwirklicht • Dennoch: auffällige Korrelation zwischen – Der Quote von Inhabern gut und besser dotierter Stellen, Ämter und Funktionen und – einer für diese Stellen, Ämter und Funktionen irrelevanten Eigenschaft: zB Geschlecht, Hautfarbe • Dann muss man annehmen, dass die Strukturen  dieser Gesellschaft die Diskriminierung von  gesellschaftlichen Gruppen fördern und  unterstützen. (Rössler)

Ein gern genommenes Beispiel ist dann wohl die Frage von Frauen in hohen Positionen, dass auch in weiteren Folien aus dem gleichen Vortrag ausgebreitet wird:

Problem: Anwendung auf den Fall eines Unternehmens • Kessler‐Harris: Sears muss diskriminiert haben – Geschlechtlich segregierter Arbeitsmarkt – Männliche Konnotation und entsprechende Vorurteile • Rosenberg: Sears muss nicht diskriminiert haben – Frauen sind traditionell daran interessiert, Familie und  Erwerbsarbeit miteinander zu verknüpfen – Frauen haben „feminine“ Werte internalisiert, solche  Präferenzen entwickelt und handeln entsprechend

Hier werden also zwei verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, einmal gilt der geschlechtlich aufgeteilte Arbeitsmarkt als Beleg und es wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Jobs männlich gedacht werden und Männer in diesen bessere Fähigkeiten zugesprochen werden, zum anderen wird darauf verwiesen, dass Frauen andere Vorstellungen haben und sich frei entschieden haben. Das wird dann im Folgenden so entkräftet:

Differenzkeule und Autonomiekeule Aushebelung des Konzepts der „strukturellen Diskriminierung“ unter Verweis auf

  • das Anderssein („Differenzkeule“) und
  • die daraus resultierenden anderen Entscheidungen („freie Wahl“!)  von Frauen („Autonomiekeule“)

Das Anderessein ist natürlich bereits selbst im Genderfeminismus kein zulässiges Argument, da es dort eben kein tatsächliches Anderssein gibt, sondern nur künstlich herbeigeführtes „Anderssein“, das dann selbst Folge einer strukturellen Diskriminierung sein muss, denn den Frauen wird ja hier über das Anderssein der Platz an der Spitze bzw der bessere Job abspenstig gemacht. Freilich gegen ein anderes Verhältnis von Freizeit zu Arbeit und unter Berücksichtigung von mehr Zeit mit Kindern sowie meist unter Berücksichtigung eines Ehemannes, der die finanzielle Seite ausgleicht etc, aber das darf darf darf anscheinend keine Andersheit begründen und damit auch keine freie Entscheidung. Es gibt keine freie Entscheidung in einer strukturellen Diskriminierung, man darf die Vorteile nicht betrachten, man darf nicht überlegen, ob es für die jeweilige Frau vielleicht ein durchaus günstiger Tausch ist, oder ob sie tatsächlich anders ist, es ist schlicht Diskriminierung, basta. Das man dabei diverse Sachen nicht berücksichtigt und tatsächlich einiges für die Differenzkeule und die Autonomiekeule spricht, dass ist innerhalb dieses Systems nicht denkbar. Tatsächlich spricht aber einiges Dafür: Sowohl bei der Berufswahl:

Als auch bei den Faktoren, die für den Gender Gap sprechen:

Hinzu kommen die vielfältigen Argumente für ein Anderssein aus der Biologie.

Sprich: Aus meiner Sicht greifen die beiden Argumente, die hier abwertend als „Keule“ dargestellt werden, also wohl im Sinne eines Totschlagarguments, durchaus durch. Der Feminismus prüft sie nur ungenügend und entdeckt daher strukturelle Diskriminierungen, wo eigentlich keine sind.

Verinnerlichter Sexismus

Auf Feminismus 101 gibt es einen Artikel über verinnerlichten Sexismus:

Dabei geht es ganz nach Foucault darum, dass der Empfänger bestimmter Erwartungen und Regeln, die gesellschaftlich für ihn aufgestellt werden , diese für seine Person akzeptiert und sie zum Teil seines Wesens macht, sie evtl. sogar als definierend für den von ihm angenommenen Typus ansieht.

er Zusammenhang dazwischen, eine Empfängerin von Sexismus von außen zu sein und ihn zu verinnerlichen ist nicht direkt kausal. Wenn einem Mädchen befohlen wird, den Mund nicht aufzumachen, weil es das ist “was Mädchen zu tun haben”, wird sie das nicht auch zwangsläufig verinnerlichen. Sie könnte verschieden darauf reagieren, etwa mit “Ich möchte ein braves Mädchen sein, also werde ich auf das achten was ich sage” (Akzeptanz), “Wenn ‘brave’ Mädchen den Mund halten müssen, dann will ich ein ‘böses’ Mädchen sein” (Mischung aus Akzeptanz und Ablehnung) oder “Ich bin ein gutes Mädchen aber ich will den Mund aufmachen können, also irrst du dich” (Ablehnung). Es ist wichtig zu verstehen, dass wir zwar alle unterschiedlich verinnerlichen, aber ausnahmslos alle von diesen Botschaften beeinflusst werden.

Immerhin kommt hier auch das Konzept der Ablehnung vor. Meiner Meinung nach wäre auch noch die Denkweise „ich weiß, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten sollte, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, aber ich weiß auch, wann ich das lassen kann“ hinzuzunehmen, sofern man ihn nicht unter Ablehnung fasst.

Eine weitere Sache der mensch sich gewahr sein sollte ist, dass es sich nicht nur um eine anlassbezogene Botschaft handelt. Es ist nicht nur das kleine Mädchen, dem gesagt wird, dass “brave Mädchen” ruhig zu sein haben, sondern eher, dass sie dieser Botschaft durch eine Vielzahl von Kanälen ausgesetzt ist: Sowohl durch direkte Aussagen als auch durch die Art, auf die kleine Jungs anders behandelt werden, wie sie sich gegenüber kleinen Mädchen verhalten oder die Darstellung von Mädchen im Fernsehen. Sie wird auch das Gegenteil zu hören bekommen, dass “gute Mädchen keine Angst davor haben, offen zu sagen was sie denken” oder durch eine Schulumgebung, in welcher bewusst versucht wird, die Kinder geschlechtsneutral zu behandeln oder Fernsehserien, in denen Mädchen als aktiv und selbstbestimmt dargestellt werden. Das alles trägt dazu bei, wie Botschaften verinnerlicht werden, und wenn das Mädchen größer wird und Erfahrungen sammelt, wird sich die Art der Verinnerlichung entsprechend verändern.

Das ist letztendlich die Rechtfertigung für viele Versuche die Gesellschaft umzugestalten. Wenn man in dieser Denkweise den schlechten zu erinnerlichenden Sexismen der Gesellschaft etwas entgegen setzen will, dann muss man entweder Geschlechterollen aufbrechen oder aber Gegenbeispiele geben, damit diese verinnerlicht werden. Quoten für mehr Frauen in Führungspositionen verhindern dann, dass der Sexismus „Frauen können nicht in Führungspositionen arbeiten“ verinnerlicht wird. Jeder Junge, der mit einer Puppe spielt, kann verhindern, dass ein Mädchen, welches dies mitbekommt, einen Sexismus verinnerlich, dass Puppen und damit Kinderbetreuung etwas für Mädchen ist.

Die Folgen werden so dargestellt:

Die Folgen, sich diese Rolle zu Eigen zu machen, sind ein enormes Reservoir an Selbsthass. Kein wirklich wahrgenommener oder hingenommener Selbsthass, die meisten Frauen würden das leugnen. Er kann sich dadurch ausdrücken, sich in seiner eigenen Rolle unwohl zu fühlen, als Gefühl der Leere, als Taubheit, Unruhe oder lähmende Ängstlichkeit. Es kann sich auch in einer Verteidigung der eigenen Rolle äußern. Aber er existiert, oft unterbewusst, vergiftet ihr Dasein, entfremdet sie von sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen, lässt sie auf andere Frauen wie eine Fremde wirken. Es folgt der Fluchtversuch: Identifikation mit dem Unterdrücker,, durch ihn leben, Status durch seine Macht und seine Errungenschaften erlangen. Und dadurch, sich nicht mit anderen “leeren Hüllen” zu identifizieren, wie sie selbst es sind. Frauen identifizieren sich nicht mit anderen Frauen, die ihre eigene Unterdrückung, ihren zweitrangigen Status, ihre eigenen Selbstzweifel widerspiegeln. Eine andere Frau damit zu konfrontieren ist letztendlich die Konfrontation mit dem eigenen Selbst, das man vermeiden wollte. Und in diesem Spiegel wissen wir, dass wir das, zu dem wir gemacht wurden, nicht wirklich lieben und respektieren können.

Das hat den hübschen Zusatzeffekt, dass man damit auch gut Kritik abfangen kann, wenn feministische Positionen nicht anerkannt werden. Sie hat dann eben ihren eigenen Sexismus schon zu tief verinnerlicht, ist in diesem gefangen. Es ist auch eine gewisse Form der Unmündigkeitserklärung. Frauen, die bestimmte Geschlechterrollen machen das eben nicht, weil es ihnen gefällt, sondern weil sie Sexismus verinnerlicht haben.

Die Bekämpfung soll wie folgt erfolgen:

Uns selbst von der verinnerlichten Unterdrückung zu befreien heißt zunächst, ein Bewusstsein für die Einschränkungen zu schaffen, die wir uns selbst auferlegen. Lebe ich mein Leben in dem Bewusstsein, was ich wirklich will und wer ich wirklich bin, oder versuche ich mich anzupassen? Schätze ich andere Frauen für ihre Größe und schätze den Raum, den sie für mich und alle Frauen auf der Welt schaffen, oder antworte ich mit verinnerlichter Unterdrückung, in dem ich denke und sage “Wer glaubt sie denn wer sie ist …?”? […] Lasst uns den Mut haben, die Stimmen des verinnerlichten Sexismus zu hören und die Entschiedenheit, ihn als den angstgetriebene Unsinn, der er ist, abzulehnen. Lasst uns Frauen unterstützen und feiern, jedes mal wenn sie sich wie ein verspieltes, entschiedenes, aus tiefem Herzen lachendes, völlig lebendiges, menschliches Wesen benimmt. Lasst uns “JA!” sagen und es uns ausdrücken, fühlen und leben. Go, Girl! Wer hat gesagt wir können uns nicht unser Stück vom Kuchen nehmen, es essen? Wovor haben wir Angst ? Keine Grenzen!

Hier sieht man auch schön, dass man daraus eine Befreiungsideologie aufbauen kann. Wer nicht jedes um Raum kämpfen unterstützt, der ist eben noch nicht so weit und hat noch zuviel verinnerlicht. Diese Haltung passt gut zu IDPOL, um so mehr man um Raum kämpft, Männer zurückdrängt, Frauen schätzt und den Kampf gegen die verinnerlichten Sexisten führt, um so mehr Gruppensolidarität zeigt man auch. Um so mehr man sich zurückhält um so mehr distanziert man sich von der Sache.

Was leider zu kurz kommt ist die Frage, ob es wirklich nur verinnerlichte Sexismen und nicht bewußte Entscheidungen oder biologische Dispositionen sind.

Geschlechterzuweisungen und Abwertung von Verhalten

Geschlechterzuweisungen, also männlich und weiblich, sind für viele Menschen wichtige Elemente der eigenen Identität.

Das zeigt sich auch in der Behandlung von Abweichungen, im Extrem natürlich bei den „größeren Abweichungen“, wenn so etwas in Transphobie oder Feindseligkeiten gegen Homosexuelle umschlägt.

Aber auch in vielen kleinen Bereichen des Alltags:

Neulich auf einer Party hatte beispielsweise ein Partygast eine Flasche Likör dabei, sich von der Gastgeberin entsprechende kleine Plastikbecherchen („Pintchen“) geben lassen und in die Runde gefragt, wer in diesem Raum einen mittrinkt. Einer der Gäste war recht zurückhaltend, wollte erst genau wissen, was es für ein Likör ist, wollte sein Pinchen nicht zu voll, und trank es dann eher vorsichtig nippend. Die Partygästin mit der Flasche, die ihr Pintchen geext hatte, veranlaßte das zu dem Ausspruch: „Du trinkst auch wie eine Frau“. Natürlich mit einem Lächeln, aber dennoch interessant.

Andere Beispiele hat man im täglichen Leben genug und jeder dürfte entsprechende Zuweisungen schon einmal gehört haben. Klassisch wäre zB „Der heult wie ein Mädchen“ oder „Stell dich nicht an wie ein Mädchen“.

Insgesamt scheinen dabei die Zuordnungen des negativen zum weiblichen zu überwiegen. Man kann aus einer anderen Betrachtung heraus aber auch einfach darauf abstellen, dass die Frauenrolle mehr Freiheiten lässt als die Männerrolle und daher Abweichungen von dieser weniger toleriert werden. Danach wird nicht generell weibliches Verhalten abgewertet, sondern weibliches Verhalten von Männern diesen nicht zugestanden. Man könnte sagen, dass sie nicht „privilegiert“ genug sind, um ein solches Verhalten zeigen zu dürfen.

Dafür spricht meiner Meinung nach, dass ein Großteil des Verhaltens, dass als zu weiblich beim Mann kritisiert wird, bei Mädchen erwartet wird. Dies wäre mit einer reinen Abwertung dieses Verhaltens nicht zu erklären.

Das macht es für die Betroffenen natürlich nicht besser. Schuld sind meiner Meinung allerdings eher essentialistische Ansichten über Mann und Frau, die man biologisch sehen kann („Männer und Frauen sind immer so, nicht nur im Schnitt“) oder gesellschaftlich („Männer und Frauen sollten so erzogen werden, dass sie auf eine bestimmte Weise sind“). Nach heutiger Ansicht in der Biologie gibt es natürlich weiblichere Männer und männlichere Frauen und schleichende Übergänge, wie es bei einer Normalverteilung mit unterschiedlichen Mittelwert und sich überlappenden Trägern nicht anders zu erwarten ist.

Beides sollte man akzeptieren.

Ich denke diese Vergleiche sind so beliebt, weil wir Menschen zu schematischen Denken neigen. Wir haben Vorstellungen von Männlich und Weiblich, die eher dem Normalfall entsprechen und natürlich auch darauf ausgerichtete Attraktivitätsmerkmale. Starke Abweichungen gerade beim Geschlecht sind aus evolutionär-biologischer Sicht wichtige Signale zur Bewertung von Attraktivität und Wert auf dem Partnermarkt. Das sind unbewußte Wertungen, die eigentlich moralisch wenig aussagen sollten, von denen wir uns aber nicht ohne weiteres frei machen können. Auch hier gilt natürlich, dass ein bewußter naturalistischer Fehlschluß darauf, dass dann ein bestimmtes Verhalten gut und richtig oder gar verlangbar ist, falsch ist.