„Sowas kannst du nicht machen, mich aufgeilen und dann nicht zum Ende kommen“

Antje Schrupp schreibt in einem Kommentar von einem Erlebnis, dass ihre Sicht auf Männer verändert hat:

Es war beim Rumknutschen mit einem Freund, ich glaube, ich war ungefähr 14 oder so. Wir küssten und streichelten uns, aber an einem gewissen Punkt wollte ich nicht weitermachen. Dieser Freund, ein sehr netter Mensch übrigens, reagierte ärgerlich und sagte mir, dass ich so etwas nicht machen könne: erst aufgeilen und dann doch nicht zum Ende kommen.

Ihr Schluss daraus:

Ich erinnere mich noch daran, dass mich das damals sehr schockierte, weil ich bis dahin ganz selbstverständlich (in einer vom Patriarchat offenbar noch ungestörten Naivität) davon ausgegangen war, dass Sex zu wirklich jedem Zeitpunkt des Verfahrens von allen Beteiligten einseitig beendet werden kann.

Meiner Meinung nach ein ziemlicher Strohmann: Natürlich kann sie jederzeit einseitig beenden, wenn sie Last Minute Resistance hat. Es geht nicht tatsächlich darum, dass sie dann mit ihm Sex haben muss. Aber es geht eben darum, dass es Mist ist aufgegeilt zu werden und dann sitzen gelassen zu werden. Dass sie sich das vielleicht vorher überlegen könnte. Oder das sie zumindest Verständnis dafür haben kann, dass er sich blöd fühlt, wenn er aufgegeilt ist und sie ihn stehen lässt. Weil es eben tatsächlich ein blödes Gefühl sein kann. Wenn der Mann dann das Gefühl hat, dass sie ihn nur als Ego-Bost genutzt hat, nur Aufmerksamkeit wollte, dann ist es etwas anderes als wenn er merkt, dass sie es wollte, aber dann merkte, dass sie noch nicht bereit dafür war. Und der Umgang nach dem Abbruch kann für eine Wertung in die eine oder andere Richtung eben auch wichtig sein. Kurzum: Auch Männer haben Gefühle und auch Penisgefühle können wichtig sein. Es kann auch für eine Frau okay sein, sich das bewusst zu machen ohne das daraus gleich folgt, dass sie deswegen Sex haben muss.

Ich lernte an diesem Tag, dass das ein voreiliger Schluss war. Ich lernte, dass ich damit rechnen muss, dass mein Entgegenkommen, mein Mich Öffnen, meine Freundlichkeit, von Männern (sicher nicht von allen, aber eben doch von welchen, ohne dass ich vorher wissen könnte, ob dieser konkrete Mann, mit dem ich es gerade zu tun habe, dazu gehört) quasi als Versprechen auf “Mehr” interpretiert werden kann. Sogar als Verpflichtung. Dass Männer auf irgend eine mir damals noch unverständliche Weise die Idee entwickeln können, sie hätten irgendwelche “Ansprüche” mir gegenüber.

Wenn jemand sagt „lass uns was zusammen machen“ und er dann direkt davor absagt, dann muss es nicht schlichtes Anspruchdenken oder eine angenommene Verpflichtung sein, wenn man meint, dass sich das blöd anfühlt.

Daraus ergibt sich nicht die Verpflichtung oder gar das Recht, zu Männern unfreundlich zu sein und sie zu meiden, wie Antje Schrupp es anscheinend meint. Daraus ergibt sich einfach der normale soziale Umgang, dass man bei jemanden, mit dem man etwas macht auch darauf abstellt, wie die eigenen Aktionen bei diesem ankommen.

Man stelle sich folgende Situation vor:

Ein Mann schläft mit einer Frau, kommt, steht direkt auf und zieht sich die Hose an und geht, weil es das war, was er wollte. Sie wirft ihm vor, dass sie sich jetzt etwas billig fühlt und er sie nicht wie ein Objekt behandeln solle, er könne auch gerade noch etwas liegen bleiben, schauen wie es ihr geht, etwas Smalltalk machen und dann sagen, dass er früh raus muss, aber es schön war.

Und dann sagt der Mann. „Ich dachte bisher, dass ich solche Aktionen jederzeit einseitig abbrechen konnte, wenn ich nicht mehr wollte. Aber sie hatte ein Anspruchdenken, mein Entgegenkommen mit ihr zu schlafen, führte nun dazu, dass sie es als ein Versprechen auf „Mehr“ interpretierte. Als Verpflichtung nun mehr noch zu bleiben. Als Verpflichtung ihr mehr Gefühle zu geben als ich zu geben Lust hatte. Dass Frauen auf eine mir  damals noch unverständliche Art die Idee entwickeln können, sie hätten irgendwelche „Ansprüche“ mir gegenüber“. Man würde ihn wohl schlicht ein Arschloch nennen, weil er ihre Gefühle und Bedürfnisse  ignoriert. Aber dennoch würde man ihn wohl nicht davon ausgehen, dass sie, wenn er es nicht wil,l verlangen kann noch eine Viertelstunde mit ihr zu löffeln.

Wenn ein Aufreisser sagen würden, das er durch dieses Ansprüche unfreundlicher zu Frauen geworden ist, ihnen nicht mehr traut, sie abwertend behandelt, man würde ihm wohl vorhalten, dass er sich Gründe sucht, seine eigenen Probleme mit Frauen auszublenden.

Mir scheint dieser Schluss dann auch im umgekehrten Fall nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein.

Sex als Belohnung in Beziehungen

Über Genderama bin ich auf einen Text gekommen, der sich damit auseinandersetzt, wie oft Männer bzw. Frauen in einer Beziehung Sex als Belohnung einsetzen:

Das wenig überraschende Ergebnis:

The study, conducted by http://www.ukmedix.com, spoke to 1,994 men and women aged 18 and over, all of whom were in co-habiting relationships.

Asked ‘Have you ever used sex as a reward for your partner, either past or present?’, two thirds of women answered ‘yes’, while just 11 per cent of men said they had done the same.

 

Wenn Frauen einen geringeren Sexualtrieb haben als Männer, dann hätten sie eben auch ein „Plus“ an Sex, das der Mann gerne hätte und das demnach als Belohnung eingesetzt werden könnte. DAs dies dann auch passiert, sei es weil man ihm etwas gutes Tun möchte, weil einen etwas gefreut hat, sei es weil man aufgrund seines Verhaltens eben auch Lust hat mit ihm zu schlafen oder sei es, weil man es tatsächlich relativ strategisch einsetzt.

Das muss hoffentlich nicht so aussehen, wie dieser „nebenbei Handjob“ bei Breaking Bad, der damals wohl eher deutlich machen sollte, dass Walter ein ziemlicher Beta ist, gefangen in einer recht leidenschaftslosen Ehe.

BreakingBadS01E0111100

 

Welche Umstände wurden belohnt?:

Von Frauen:

The most common behaviours rewarded with sex were helping around the home (38 per cent of women had rewarded their partner with sex for this), giving the woman a gift or treat (34 per cent) and looking after family members, including children (28 per cent).

Cooking a meal (21 per cent), playing taxi (19 per cent) and letting the woman take a break from sex for a while were also frequently rewarded with intimacy.

Alles also sehr klischehaft. Lustigerweise wird „mit der Frau eine Weile nicht schlafen“ aufgeführt und als „Belohnung“ angesehen. Was auch schon einiges aussagt.

Auf Männerseite:

Meanwhile, men were most likely to reward their partners with sex for letting them watch sport on TV or in real life, with 35 per cent of men admitting to this. And 17 per cent of men rewarded their other halves for allowing them a night out with friends.

Auch schön klischeehaft. „Lass mich eine Weile meine Männersachen machen, dann bin ich auch extranett zu dir“. Aber eben wie gesagt auch nur bei 11% der Fall gewesen.

Und zu der Wahrnehmung:

In total, 78 per cent of people questioned as part of the study thought there was nothing wrong with rewarding a partner with sex.

So gesehen ist es auch vollkommen egal. Allerdings kann es eben auch sehr schnell eine merkwürdige Dynamik haben, wenn man es zu gezielt einsetzt:

Wenn sie sagt „wenn du das machst, dann haben wir später Sex“ dann kann sehr schnell einiges an sexueller Dynamik verloren gehen, es wirkt irgendwie wie Pflichterfüllung, ein Geschäft und es ist allgemein auch etwas beta, sie sollte ja Sex mit einem wollen. Es kann das Sexleben auch ersticken, wenn man es zu sehr wiederholt. Man bekommt dann zwar Sex, verschlechtert aber die Basis für weiteren Sex.

Meiner Empfehlung wäre daher zumindest etwas höher zu gehen und auf „Wenn X dann Sex“ zumindest mal etwas mehr zu fordern, was man sonst nicht macht, die Umsetzung einer besonderen Phantasie oder was auch immer, so dass es nicht um Sex geht, sondern zumindest um etwas besonderes oder eben deutlich zu machen, dass man sich auf einen solchen Deal nicht einläßt, aber es trotzdem gerne macht, wenn man es machen will.

Natürlich muss das auch nicht heißen, dass der Mann nur unterdrückt wird. Sein „Belohnungssystem“ kann eben – aufgrund der unterschiedlichen Stärke des Sextriebs – etwas anderes als Sex sein, etwa ein schöner Abend, Hilfe im Haushalt oder was auch immer.

Zuletzt noch eine Umfrage:

Erfolgsquoten beim direkten Ansprechen auf Sex

In meinem Artikel zum Sextrieb bei Männern und Frauen hatte ich bereits dargestellt, dass Männer in allen Kategorien, die den Sexualtrieb betreffen, mehr Sex wollen als Frauen. Ein klassisches Experiment dazu ist, dass man tatsächlich einfach Leute losschickt, die Fragen, ob man Sex will.

Ein bekanntes Experiment dazu ist das Folgende:

Abstract

According to cultural stereotypes, men are more eager for sex than are women; women are more likely to set limits on such activity. In this paper, we review the work of theorists who have argued in favor of this proposition and review the interview and correlational data which support this contention. Finally, we report two experimental tests of ihis hypothesis. In these experiments, conducted in 1978 and 1982, male and female confederates of average attractiveness approached potential partners with one of three requests: „Would you go out tonight?“ „Will you come over to my apartment?“ or „Would you go to bed with me?“ The great majority of men were willing to have a sexual liaison with the women who approached them. Women were not. Not one woman agreed to a sexual liaison. Many possible reasons for this marked gender difference were discussed. These studies were run in 1978 and 1982. It has since become important to track how the threat of AIDS is affecting men and women’s willingness to date, come to an apartment, or to engage in casual sexual relations.

Quelle: Gender Differences in Receptivity to Sexual Offers

Die Zahlen für direkten Sex:

1978: 0% der Frauen und 75% der Männer

1982: 0% der Frauen und 69% der Männer

Das ist aber natürlich lange her. Allerdings hat sich daran anscheinend wenig geändert, auch heutige Versuche dieser Art führen nicht zu anderen Ergebnissen:

Frauen nach Sex fragen:

Männer nach Sex fragen:

Klar, es ist in den Videos eher auf Spass ausgerichtet, was man schon daran sieht, dass auch Paare angesprochen worden sind.  Aber dennoch zeigt sich ja ein recht eindeutiges Bild. Gerade bei Frauen in Gruppen wird man so keine Erfolge haben, aber auch Einzelfrauen sagten nein. Hingegen war die Männergruppe ein geringeres Problem (sie wollten sogar darum spielen, wer nun mit ihr mitgeht). Die Männer hatten denke ich eher Angst, dass sie verrückt ist oder es eine Falle ist (was es ja so gesehen auch war). Ich würde dabei den Mann als durchaus attraktiv einordnen, groß, gute Figur, nettes Gesicht. Es wäre interessant, wenn er sich mehr auf Singlefrauen und auch eine breitere Spanne konzentriert hätte.

Auch bemerkenswert: Die meisten Frauen schienen den Vorfall eher lustig zu finden, vielleicht auch gerade, weil sie in einer Gruppe waren und er dabei nicht aggressiv wirkte.

„Was uns motiviert: Sex“

Ein Vortrag zu evolutionärer Psychologie

 

 

 

 

 

Aus dem Text des Videos:

Introduction to Psychology (PSYC 110)

This lecture reviews what evolutionary theories and recent studies in psychology can tell us about sex and gender differences. Students will hear how psychology can help explain many of the differences that exist in whom we find attractive, what we desire in a mate, and sexual orientation.

00:00 – Chapter 1. Addressing Morality and Inevitability on Evolution, Sex and Gender
10:47 – Chapter 2. Basic Sex Ed
19:22 – Chapter 3. Sex Differences Among Humans
32:15 – Chapter 4. Beauty: An Average Face
38:25 – Chapter 5. Social Factors for Sex Differences
45:52 – Chapter 6. Sexual Orientation
51:39 – Chapter 7. Question and Answer on Sex and Gender

Complete course materials are available at the Open Yale Courses website: http://open.yale.edu/courses

Das direkte Springen zu den Kapiteln wird bei dem eingebetteten Videos nicht klappen, aber man erhält so immerhin eine Orientierung und kann ja manuell an die entsprechende Stelle springen

Sexnegativer Feminismus

Auf dem Blog Xojane bekennt sich die Autorin zum sexnegativen Feminismus:

Being sex-negative doesn’t mean that I fancy myself the chief inspector of the sex police, or that I am personally judging what you do in bed, or that I’m conservative, or that I’m engaging in repressive moralizing. It doesn’t mean that I hate sex workers, or that I want to ban sex work or porn (and, in general, I tend to leave those conversations to women who do sex work while I shut up and listen to what they have to say). It doesn’t mean that I hate sex or that I’m embarrassed by it.

What it does, in fact, mean is that the way you fuck is not „private,“ apolitical, or outside the realm of critique. Sex does not happen in a vacuum immune to outside structural influences; in fact, it can (and does) replicate inescapable systems of power and dominance. Being sex-negative means acknowledging that sex, and kink, have nothing intrinsically „good“ or „positive“ about them (in direct contrast to sex-positive feminists, many of whom argue that sex is an inherent good and that less charitable opinions toward sex are the result of a poisonous, prudish society).

It means understanding that many women have neutral to negative experiences with sex, whether due to a lack of desire or sensitivity or past traumatic experiences or myriad other reasons, or may not wish to have sex at all, and that none of this makes them unhealthy, aberrant, or wrong.

Thus, sex-negativity urges feminists to reject compulsory sexuality, which has historically translated to forced sexual compliance with men but has recently been extended to non-hetero sex and sexuality as well.

Sex-negativity also encourages us to question „consent is sexy“ attitudes (since sex is inescapable from patriarchal and other power relations, and thus what is “sexy” caters to men and the male gaze) and understand that even in situations where consent is given, sex is not necessarily enthusiastically consented to or utilized as a means to ends other than pleasure and intimacy.

Im Endeffekt also das bekannte „Das Private ist politisch“ kombiniert mit „Sexy ist das Patriarchat“.

Frauen bewerten „Schlampen“ schlechter und wollen nicht mit ihnen befreundet sein

Eine Studie untersucht, wie Frauen und Männer zu Personen ihres eigenen Geschlechts mit vielen Sexualpartnern stehen:

Prior research finds that sexually permissive individuals are judged more negatively than nonpermissive peers, placing them at risk of social isolation. Based on the positive assortment principle (i.e., preferences for similarity in attributes in close relationships), we examined whether participants’ own permissiveness mitigated negative judgments of permissive others in the same-sex friendship context. College students (N = 751) evaluated a hypothetical same-sex target with either 2 (nonpermissive) or 20 (permissive) past sex partners on 10 friendship-relevant outcomes. Participant permissiveness attenuated some negative evaluations. However, preferences were rarely reversed, and no moderation was found in five outcomes, suggesting the role of permissiveness-based positive assortment is limited, and evolutionary concerns may take precedence. Partial support for the sexual double standard was also found.

Quelle: Birds of a feather? Not when it comes to sexual permissiveness

Aus der Studie:

Sexual permissiveness can be defined as attitudes or behaviors that are more liberal or extensive than what is normative in a social group. It can include actual or desired frequent, premarital, casual, group, or extradyadic sex, sex with many partners, early sexual debut, or even nonverbal cues signalizing availability (e.g., provocative clothing).

There are evolutionary and sociocultural reasons for the undesirability of permissiveness across interpersonal contexts, including same-sex friendships. Permissive people are more likely to be sexually unfaithful to a mate (Bailey, Kirk, Zhu, Dunne, & Martin, 2000) and to poach someone else’s mate (Schmitt, 2004). This is costly for both sexes: It threatens paternity certainty for men, and continued provision of partner resources for women (Buss & Schmitt, 1993)

This renders permissive individuals undesirable as partners as well as close same-sex friends, and distancing oneself from permissive friends could be an effective mate guarding strategy (Bleske & Shackelford, 2001).

Weitere Kosten einer solchen Freundschaft unter Frauen wäre „Einordnung nach Gesellschaft“, also der Gedanke, dass man eben nach seinen Freunden beurteilt wird und „Konkurrenzdenken“. Man kann den Preis für etwas eben höher ansetzen, wenn er daneben nicht von der Konkurrenz billig weggegeben wird

Aus einer Besprechung der Studie:

While men showed little interest in the perceived sexual permissiveness of their peers by only negatively grading more sexually active men on two aspects, a dislike of overt sexuality and “mate guarding,” women instead negatively graded the more promiscuous women on nine out of 10 of friendship variables.

Even more surprising for the researchers was the discovery that even women with highly liberal attitudes towards sex or high numbers of sexual partners still rejected their permissive peers

“Sexually permissive women are ostracized for being ‘easy,’ whereas men with a high number of sexual partners are viewed with a sense of accomplishment,” said Vrangalova. “What surprised us in this study is how unaccepting promiscuous women were of other promiscuous women when it came to friendships – these are the very people one would think they could turn to for support.”

As for why, Vrangalova speculated that the cause may be due to women wishing to distance themselves from peers that could be considered “slutty” in fear of having the label applied to themselves, thus leaving many sexually permissive women with very few female friends at all.

Also selbst Schlampen mögen eigentlich keine Schlampen und wollen lieber „anständigere“ Freundinnen. Die Bereitschaft zu Sex ist eben auch eine Form der intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen.

Und aus einer anderen Besprechung:

Across all female participants, women — regardless of their own promiscuity — viewed sexually permissive women more negatively on nine of ten friendship attributes, judging them more favorably only on their outgoingness. Permissive men only identified two measures, mate guarding and dislike of sexuality, where they favored less sexually active men as friends, showing no preference or favoring the more promiscuous men on the eight other variables; even more sexually modest men preferred the non-permissive potential friend in only half of all variables.

The authors posit that evolutionary concerns may be leading men and women to disapprove of their bed-hopping peers as friends. They may actually be seeking to guard their mates from a threat to their relationship, Vrangalova said.

Also insgesamt eine sehr negative Wertung der Frauen. Das verstärkt natürlich auch die Wirkung bei Männern. Wer immer mit „Schlampen“ rumhängt, der wird sich eben von anderen Frauen anhören müssen, dass sie dazu keine Lust haben.

Reue und Bedauern nach Sex bzw. entgangenen Gelegenheiten

Eine Studie beschäftigt sich damit, was man alles bei Sex bzw. bei nicht genutzten sexuellen Gelegenheiten bedauert:

Regret and anticipated regret enhance decision quality by helping people avoid making and repeating mistakes. Some of people’s most intense regrets concern sexual decisions. We hypothesized evolved sex differences in women’s and men’s experiences of sexual regret. Because of women’s higher obligatory costs of reproducti on throughout evolutionary his- tory, we hypothesized that sexual actions, particularly those involving casual sex, would be regretted more intensely by women than by men. In contrast, because missed sexual opportunities historically carri ed higher reproductive fitness costs for men than for women, we hypothesized that poorly chosen sexual inactions would be regretted more by men than by women. Across three studies ( N s = 200, 395, and 24,230), we tested these hypotheses using free responses, written scenarios, detailed checklists, and Internet sampling to achieve participant diversity, including diversity in sexual orientation. Across all data sources, results supporte d predicted psychological sex differences and these differences were localized in casual sex contexts. These findings are consistent with the notion that the psychology of sexual regret was shaped by recurrent sex dif- ferences in selection pressures operating over deep time

Quelle: Sexual Regret: Evidence for Evolved Sex Differences

Hier etwas zu den Zahlen:

Bedauern nach Sex 1

Bedauern nach Sex 1

Wie man sieht zeigt sich ein durchaus klassisches Bild. Frauen bedauern eher als Männer die Handlungen des anderen und noch mehr ihre eigenen Handlungen und Männer bedauern mehr als Frauen sexuelle Inaktivität sowohl des anderen als auch von ihnen selbst. Frauen bedauern es hingegen weitaus weniger, wenn sie nicht selbst sexuell aktiv geworden sind.

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Auch in dieser Grafik zeigt sich der deutliche Unterschied.

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Bei den verschiedenen Punkten, die Männer und Frauen bedauern, zeigen sich moderate Unterschiede. Kaum ein Junge bedauert beispielsweise seine Jungfräulichkeit zu früh verloren zu haben, aber im Verhältnis doch einige Frauen. Und auch Sex mit einem Fremden bedauern Frauen wesentlich eher als Männer, ebenso Sex, bei dem sie sich schmutzig fühlten oder bei Sex mit einer unattraktiven Person

Männer hingegen bedauern es mehr als Frauen, wenn sie in möglichen Sex investiert haben, aber dabei nichts rausgekommen ist, dass sie früher zu schüchtern waren oder das sie sich nicht getraut haben, zu zeigen, dass sie Interesse hatten.

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Wenn sie „Casual Sex“ hatten, dann fanden diese Entscheidung  im nachhinein 52% der Männer gut, aber nur 27% der Frauen. Wenn sie möglichen Sex nicht hatten, waren 36% der heterosexuellen Männer froh es nicht getan zu haben gegenüber 61% der heterosexuellen Frauen.

 Bedauern beim Sex 2

Bedauern beim Sex 2

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Auch hier nur ein paar Punkte: Frauen bedauern es mehr, wenn es mit dem Sex zu schnell ging, sie bedauern es auch mehr, wenn sie Sex mit einem anderen hatten, um sich an ihrem Exfreund zu rächen. Ein sehr deutlicher Unterschied ist, dass Frauen sich eher schmutzig und schlampig fühlten und den Sex deswegen bedauerten. Auch ein One-Night-Stand wurde eher von Frauen bedauert. Reue entstand auch eher bei Frauen dadurch, dass  ihnen jemand vorspielte, dass eine Aussicht auf eine Beziehung besteht.

Männer zeigten größeres Bedauern darüber, dass sie einen möglichen Seitensprung nicht genutzt haben, insbesondere wenn die Seitensprungmöglichkeit sehr hübsch war. Ebenso bedauern sie es, nicht mit jemanden geschlafen zu haben, der sich sehr darum bemüht hat. Sie bedauern auch allgemein eher nicht mehr versucht zu haben oder eine Gelegenheit ausgeschlagen zu haben mit jemanden, der gut im Bett ist. Ebenso bedauern Männer sich zuviel Selbstbefriedigt zu haben.

Immerhin 12% der Frauen bedauern, kein homosexuelles Erlebnis gehabt zu haben, im Gegensatz zu 5% der Männer.

Die Veränderung der Gefühle nach dem Sex

Ein Artikel behandelt die Veränderungen von Gefühlen nach dem Sex bei Männern und Frauen:

This article develops the Aflective Ship Hypothesis, which suggests that women experience positive affective shifts following first-time intercourse as a means to facilitate a longer-term, more committed relationship. The hypothesis predicts a negative affective shift in men who pursue a short-term mating strategy; this shift is hypothesized to function to curtail commitment by motivating the man to terminate the relationship. Study 1 (N = 177) documented sex differences predicted by the affective shift hypothesis. Study 2 (A‘ = 203), using a somewhat different methodology involving reports of presex and postsex feelings, found that men with high numbers of sex partners, but not men with low numbers of partners, experienced a decrease in their partner’s physical and sexual attractiveness following first-time sexual intercourse. In contrast, women, more than men, experienced increases in feelings of love and commitment following first-time sex.

Quelle: The affective shift hypothesis: The functions of emotional changes following sexual intercourse

Also durchaus die Ergebnisse, die man nach evolutionären Betrachtungen erwarten würde. Gerade bei Männern, die viel Auswahl haben, also eher auf eine Kurzzeitstrategie ausgerichtet sind, wird diese noch bestärkt, bei Männern, die auf eine Langzeitstrategie setzen oder einen Patner den sie haben, lieber sichern sollten, tritt der Effekt nicht ein.

Hingegen tritt bei Frauen, die von einer Strategie, die auf viele Männer setzt, weit weniger haben, weil sie ja nur einmal schwanger werden können, eher eine Erhöhung der Bindungsbereitschaft nach dem Sex ein.

Es würde insoweit auch erklären, warum gerade Männer, die viele Frauen haben, immer wieder neue Frauen brauchen und warum Frauen sich bei Sex, aus dem nicht  mehr wird im Schnitt eher verletzt fühlen als Männer.

„Nichtsexuelle Zärtlichkeiten“ und „unveranlasster Sex“

Einer meiner ersten Kontakte mit Büchern zu Geschlechterunterschieden war bei einem Zwischenstopp auf einem Bahnhof, bei dem ich mit meiner damaligen Freundin die Zeit in einer Buchhandlung totschlug. Sie bekam irgendwie „Männer sind anders, Frauen auch“ von John Gray in die Hände und wies mich nach einigem Blättern auf eine Liste der Sachen hin, die Frauen und Männer jeweils in Beziehungen vermissen (oder so in der Art, es ist eine Weile her).

Einer der Punkte der Frauen war (dem Gedächtnis nach):

Nichtsexuelle Zärtlichkeiten

Also Zärtlichkeiten, die nicht nur eine Überleitung zu Sex sind, sondern einfach Zärtlichkeiten.

Mir schien damals, dass Zärtlichkeiten eine gute Überleitung zu Sex sind und wenn man eh schon Zärtlichkeiten austauscht, warum dann nicht auch noch Sex haben? Sie wollte lieber das Oxytocin durch ihre Adern pulsieren lassen ohne es gleich mit Sex verbinden zu müssen.

Im Gegensatz ging es mir auf die Nerven eher immer derjenige sein zu müssen, der den Sex initiert. Ich hätte es gern häufiger gesehen, dass sie den Sex initiiert, einfach direkt zur Sache kommt, direkter Sex, ohne das man viel darüber reden musste oder raten musste, ob sie nur Zärtlichkeiten wollte oder ob es eine Überleitung zu Sex sein sollte.

Auch dieser Punkt war in der Liste auf der Männerseite enthalten:

unveranlassten Sex

Sex, der von ihr veranlasst wird ohne das man etwas dafür machen muss. Sei es normaler Sex oder ein Blowjob einfach so. Sex als reine Bedürfnisbefriedigung.

Es will eben jedes Geschlecht das, was es aufgrund des unterschiedlichen Sexualtriebs seltener bekommt. Das in Erinnerung zu behalten kann glaube ich in vielen Beziehungen sehr hilfreich sein.

Strip Clubs als Karrierehindernis für Frauen

Jetzt bereits mehrmals, unter anderem auch  bei Cordelia Fine, Delusions of Gender, las ich davon, dass einer der Gründe dafür, dass Frauen weniger Karriere machen, die Sitte ist, dass es im Geschäftsleben üblich ist, Geschäftspartner in einem Stripclub oder in ein Bordell mitzunehmen.

Ein Bericht, der diese Geschäftspraktiken wiedergibt:

At one point my job involved ‚client entertainment‘, meaning you take a client out in the hope of getting business out of him. I was very young and so were my clients. What you would try to do is forge a bond. If you managed to take a married man to a strip club, boom, that meant that from then on you had a relation, it was not only about work any more

Auch hier scheint mir eine Regelung wenig erfolgsversprechend. Der Artikel beschreibt, wie so etwas neben dem Stripclub abläuft:

„There was enormous drinking, helped by the fact that if you do coke, you can have eight pints and you won’t feel a thing. How it works with coke… You call your dealer who is driving around town in his car. He picks you up, you get in, and he tells you to open that box, take out the drugs and put in the cash. Or you pay by bank transfer. I swear that happens, you sit there taking the guy’s banking sort code.

Sie trinken und ziehen sich Coke rein. Wer sich Drogen reinzieht, der befindet sich in einem Bereich, wo Verbote eh überschritten werden. Einen Strip Club Besuch zu verbieten macht das Ganze dann allenfalls noch attraktiver, weil es ein noch größerer gemeinsamer Taboobruch ist.

Wenn Feministinnen hier etwas ändern wollen, dann kann es nicht darum gehen, dieses Verhalten einfach zu verbieten. Sie müssten andere Wege finden, mit denen man eine Beziehung über die Arbeit hinaus errichten kann. Einfach die Ausflüge zu verbieten bedeutet eben, dass der, der sie dennoch durchzieht, einen persönlichen Kontakt herstellen kann und der, der es nicht macht, dies nicht kann.

Der Taboobruch fungiert sozusagen als Costly Signal: „Wir beide können so etwas zusammen machen, auch wenn ich damit meine Frau betrüge oder Drogen nehmen, wir verstehen uns gut genug und ich weiß, dass nichts rauskommt“ Alkohol und besonders hartes Feiern erlaubt einen persönlicheren Zugang und das Gefühl, zusammen etwas durchgemacht zu haben. E geht insofern nicht darum, Frauen auszugrenzen oder zu benachteiligen. Es geht darum, die niedrigen Instinkte zusammen zu befriedigen und Grenzen zu überschreiten.

Sicher sind das alte Männerrituale um eine Freundschaft zu errichten. Vielleicht hören sie auf, wenn entsprechend viele Frauen in diesem Bereich aktiv sind. Vielleicht etablieren sich dann andere Regeln für eine Beziehung über den Job hinaus. Vielleicht trifft man sich und lässt die Kinder miteinander spielen oder findet andere Rituale, die eher Frauen entgegen kommen.

Man sollte sich nur bei allen Maßnahmen zunächst bewusst machen, warum diese Rituale in dieser Form gepflegt werden.