Schönheitsideale, Haare und intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen

Eine Autorin organisiert einen queer-feministischen Event und entdeckt dort Leute, die sich nicht an die gängigen Schönheitsideale halten:

Nachdem ich hallo gesagt und mich hingesetzt hatte, schaute ich mich um: Ich sah Baseballcaps, rasierte Köpfe, Irokesen und Undercuts, Tattoos und Piercings. Einige hatten Skateboards unter dem Arm. Während der Vorstellungsrunde war ich beruhigt, dass sich nur wenige untereinander kannten. Die meisten waren neu, wie ich. Wir kamen schnell ins Reden. Was wir uns von einem solchen Festival erhofften , was wir wichtig fanden, warum wir hier waren. Ich wusste nicht ganz genau, warum ich hier war, aber ich wusste, dass ich mich wohl fühlte. Die Art der Kommunikation gefiel mir, man hörte einander zu und ließ den anderen aussprechen, gegenteilige Meinungen wurden gehört und diskutiert. Es ging um Machtverhältnisse und gewaltfreie Räume, um Vernetzung, Solidarität und Empowerment. Am Ende des Abends war mir klar, dass ich mitmachen wollte.

Für mich tat sich damit eine neue, eine revolutionäre Welt auf. Eine Welt, die mehrheitlich von Frauen bevölkert war. Frauen, die mein Konzept von Weiblichkeit komplett auf den Kopf stellten. Frauen, die sich dem gängigem Schönheitsideal widersetzten, auf unterschiedlichste Weise. Frauen, die extrem androgyn aussahen. Frauen, die weich und rund waren und die ihre vermeintlich unperfekten Körper, ihre Bäuche und Oberschenkel nicht versteckten. Frauen, die Haare hatten – überall.

Das ist eben das Schöne an sexueller Selektion: Sie regelt recht abstrakt, was schön ist. Genauso wie trocken Brot und ein Schluck Wasser einem Hungernden als leckere Mahlzeit erscheinen können, weil sie in seinem Umkreis das leckerste sind, was es gibt. Insofern ist es natürlich möglich eine Welt mit abweichenden Schönheitsidealen zu erstellen. Die Kriterien der Schönheit können dort die gleichen bleiben, etwa wenig Haare an weiblichen Beinen, nur muss sich niemand so stark darum kümmern, weil die Konkurrenz es auch nicht macht. Es ist sozusagen ein Waffenstillstandspakt, der eben auch umgesetzt werden muss: „Tussis“, die sich an die gängigen Schönheitsnormen halten, sich schminken und rasieren, würden eben auch deswegen in einem solchen Kreis wahrscheinlich auf Dauer schlecht ankommen, zumindest bei dem heterosexuellen Teil der Frauen, die um Männer konkurrieren.

Am Anfang starrte ich jeden behaarten Unterschenkel ungläubig an. Ein Frauenbein in kurzen Hosen, das einem Männerbein in nichts nachstand, hatte ich vorher nie gesehen. In der Welt, in der ich aufgewachsen war, rasierten sich alle jungen Frauen Achseln und Beine. Meine Ballettlehrerin hatte uns, sobald wir ein bestimmtes Alter erreicht hatten, beigebracht, dass sie Stoppeln unter den Armen nicht akzeptierte. Tänzerinnen hatten schön zu sein, und das hieß: perfekt enthaarte Achseln. Ich weiß noch, wie ich mit Anfang zwanzig meine frisch rasierten Beine panisch nach einzelnen Haaren absuchte – und das Tag für Tag.

Natürlich kann das wiederum stressig sein, einem höheren Standard genügen zu müssen, dass ist nicht die Frage.

Die Frauen in meinem neuen Freundeskreis waren anders. Sie lösten Grenzen auf, Grenzen, an deren Klarheit ich mich schon lange gestoßen hatte. Und je mehr Zeit ich mit ihnen verbrachte, desto selbstverständlicher wurde für mich diese andere Form von Weiblichkeit. Irgendwann setzte ein Effekt ein, den ich fast nicht in Worte fassen kann: Ich verstand die Norm plötzlich nicht mehr, die mich mein ganzes Leben lang begleitet hatte. Ich verstand nicht mehr, warum ein Frauenbein nicht behaart sein durfte. Ich verstand nicht mehr, warum ein durchtrainierter Körper schöner sein sollte als ein fülliger Körper. Ich fragte mich, warum irgendein Körper schöner sein sollte als ein anderer, und wer oder was dieses „Schönersein“ bestimmte. Ich sah Verschiedenartigkeit. Ich sah Frauen, die sich in ihrer Körperlichkeit genauso zeigten, wie sie waren, und fand darin eine eigene Schönheit, die mutig war und gelassen.

Das eine Frau dies als Befreiung wahrnimmt kann ich mir durchaus vorstellen. Genauso befinden sich viele dicke Leute gerne in der Gesellschaft von anderen dicken Leuten, weil sie sich da weniger verurteilt fühlen etc. Es wäre interessant, ob sie ihr Schönheitsempfinden tatsächlich so ändern konnte oder einfach nur die dortige Atmosphäre mochte, verbunden mit dem Wunsch, einen geringeren Druck ausgesetzt zu sein, was Schönheit anging.

Ich fing an, mich auszuprobieren. Ich schnitt mir die Haare ab und hörte auf, meine Achseln zu rasieren. In meinem neuen Freundeskreis fühlte ich mich damit wohl in meiner Haut. Dort konnte ich eine Art jungenhafte Weiblichkeit verkörpern, die ich mochte, mit der ich mich ansonsten aber oft alleine fühlte. Sobald ich diesen Freundeskreis verließ, spürte ich den Druck nur allzu deutlich. Meine kurzen Haare stießen vor allem bei Männern auf Ablehnung – wobei Ablehnung vielleicht das falsche Wort ist. Sie reagierten größtenteils überhaupt nicht mehr auf mich. Weil ich doch lesbisch sei, hörte ich manchmal. An meinen Achselhaaren nahmen vor allem meine Freundinnen Anstoß. Die meisten von ihnen fanden die Tatsache, dass sie nicht glattrasiert waren, eklig, und verpassten keine Gelegenheit, mich darauf hinzuweisen.

Das verdeutlicht gut, dass es eben um intrasexuelle Konkurrenz geht. Die Männer ordnen sie schlicht in eine uninteressante Kategorie ein, eine, die Männern nicht gefallen will und sich eher für Lesben interessant macht.

Und die Frauen verstehen nicht, warum sie sich so tief in der intrasexuellen Konkurrenz aufstellt und befürchten vielleicht auch, dass sie selbst dadurch abrutschen. Wer Freundinnen hat, die nicht einmal solch einfache Regeln der intrasexuellen Konkurrenz beherrschen, der kann selbst nicht sehr fit auf dem Gebiet sein.

Diese Reaktionen provozierten mich. So sehr, dass ich in den darauf folgenden Jahren immer wieder versuchte, konventionelle Merkmale von Weiblichkeit abzulegen. Ich schor mir den Kopf. Mehrere Jahre lang trug ich ausschließlich Turnschuhe und entsorgte meine High Heels nach und nach. Irgendwann versuchte ich, mir die Beine nicht mehr zu rasieren. Ich wollte das können. Ich wollte mich der Norm, die ich glaubte, durchschaut zu haben, widersetzen. Aber ich konnte es nicht. Irgendwas tief in mir drin weigerte sich. Wenn ich nach draußen ging, schämte ich mich für die dunklen Haare auf meinen Unterschenkeln.

Weil es eben Normen mit Hintergründen sind, gerade bei Haaren. Sie hat erkannt, dass es einen gewissen Prozess dahinter gibt, aber eben nicht den Prozess selbst erkannt: Sie befand sich in zwei Gruppen, die sich auf einen anderen Standard in der intrasexuellen Konkurrenz geeinigt hatten, auch weil sie teilweise andere Schönheitsmerkmale bedient haben (Die Schönheitsideale von Lesben scheinen mir weit eher als die der Schwulen Merkmale des Geschlechts, auf das sie eigentlich nicht stehen, also bei Lesben Männlichkeit zu enhalten).

In der anderen Gruppe traf sie hingegen auf die übliche Konkurrenz unter Frauen, in der es diese anderen Vorstellungen und das Stillhalteabkommen nicht gab.

Ich begriff, dass ich es mir zu leicht gemacht hatte. Dass ich mein eigenes Konzept von Weiblichkeit finden musste. Dass ich nicht einfach ein bereits vorhandenes übernehmen konnte. Dass gelernte Normen tief sitzen und sich nicht einfach so über Bord werfen lassen, nur weil man es sich einmal vorgenommen hat.

Sie sitzen sogar tiefer als sie denkt, nämlich bereits in den Genen. Und da kann man sie weitaus schwerer über Bord werfen.

[…]

Anders zu sein, erfordert Mut – egal in welcher Welt. Heute trage ich Shorts, die die Dellen an meinen Oberschenkeln nicht verdecken, und habe Haare unter den Armen. Ich habe einen Deal mit mir selbst gemacht: Ums Beinerasieren komme ich nicht herum, dann erspare ich mir wenigstens die Achselrasur. Ich fühle mich wohl damit. Ich versuche, meine eigene Weiblichkeit zu finden und fremden Vorstellungen zu misstrauen. Das ist ein anstrengender Prozess, der vielleicht niemals abgeschlossen sein wird. Ich weiß jetzt, dass mir Normen nicht egal sind. Dass die Reaktionen meiner Umwelt einen sehr starken Einfluss darauf haben, wie wohl ich mich mit mir selbst fühle. Aber ich habe am eigenen Körper gespürt, wie brüchig, wie durchlässig und wandelbar diese Normen sind. Ob ich sie erfülle oder nicht, ist eine Entscheidung, die ich treffen kann und sollte. Manchmal jeden Tag aufs Neue.

Und das steht ihr natürlich frei. Diese Wahl hat jeder, keiner muss sich an den innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz entwickelten Regeln halten. Wenn sie das nicht will, dann ist das ihr gutes Recht. Allerdings ist sie damit weitaus weniger Revolutzer als vielmehr schlicht jemand, der sich aus der intrasexuellen Konkurrenz ausgliedert ohne damit viel zu ändern oder zu verbessern.

vlg auch:

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Haare als „fundamentaler“ Bestandteil von Schönheit

Emily Ratajkowski hatte einen neuen Werbedeal mit einem Shampoo-Hersteller abgeschlossen und ein Bild von sich mit Betonung auf dem Haar und dem Spruch:

“Hair is a fundamental part of beauty, femininity, and identity. So excited to announce that I am the new face of @kerastase_official!”

Dies war das Bild, der Spruch wurde inzwischen geändert:

Die Reaktionen waren wohl für sie unerwartet harsch:

“Hair is not a ‘fundamental’ part of beauty. There are people with cancer and other illnesses who are unfortunately undergoing treatment that causes them to lose their hair. Saying that hair is a ‘fundamental’ part of beauty is extremely shallow and it gives off the false idea that hair is a necessity,” commented one Instagrammer.

“Where’s the apology????” asked another.

Ratajkowksi quickly went into damage-control mode, updating her Instagram caption to something more palatable to the masses.

Ich finde das Argument, dass Frauen, die eine Chemo machen, und ihr Haar verlieren, dennoch schön sein MÜSSEN und deswegen Haar kein fundamentaler Bestandteil von Schönheit sein kann, denkbar schlecht.

Es ist aus meiner Sicht ein merkwürdiges Verständnis von Schönheit, denn ein Grundsatz, nachdem Leute, die eine Krankheit haben bzw unter den Folgen einer Behandlung leiden, gleichzeitig schön sein müssen, hat nichts mit dem Konzept von Schönheit zu tun.

Das Haare gerade bei Frauen wesentlich Attraktivitätsmerkmale sind liegt eher daran, dass sie einen relativ weiten Blick zurück in die Vergangenheit erlauben:

Beim Haupthaar, dass beim Menschen eine beachtliche Länge im Vergleich zu anderen Tieren erreichen kann, ist zunächst erst einmal anzumerken, dass es sich durchaus als „Costly Signal“ anbietet. Am Haar kann man über den Wuchs, den Glanz, die Pflege vieles über den Ernährungsstand und den Gesundheitszustand des Trägers innerhalb der letzten Monate oder Jahre erkennen. Schönes, gesundes, glänzendes langes Haar wird daher in den meisten Kulturen gerade bei Frauen als Attraktivitätsmerkmal geschätzt.

Natürlich kann man dennoch auch ohne Haare schön sein (siehe auch), aber das ist eher die Ausnahme von der Regel, sucht man nach schönen Frauen, dann werden der allergrößte Teil der Frauen lange Haare haben. Hier die ersten drei Bilder, die mir bei einer Suche nach „beautiful women“ von Google angezeigt werden:

Gal Gadot

Hier sieht man gut, dass die Haare in den Fotos durchaus betont sind und einen wichtigen Part bilden.

Und auch die meisten Krebs-Patientinnen werden es genauso sehen, weswegen für viele der Verlust des Haares auch nicht unbedeutend ist und sie sich schöner fühlen und sie sich nicht selten Perücken zulegen, damit sie sich besser fühlen.

Insofern ist der Angriff auf Emila Ratajkowski unnötig hart, auch weil es von ihr eigentlich eher ein harmloser Spruch ist: Sie ist nicht wegen ihres Haars so bekannt geworden, sie ist bekannt geworden, weil sie einen schlanken, sportlichen Körper mit großen Brüsten hat, und diese in einem Musikvideo zeigte:

Man könnte hier gut sogar anführen, dass sie sich mit dem Hinweis darauf, dass Haare etwas schönes sind, die einem wesentlichen Bestandteil von Schönheit ausmachen, eher zurückhält. Denn schöne Haare sind in der heutigen Zeit ja noch relativ einfach für eine Frau zu erreichen, im Gegensatz zu den sonstigen Merkmalen von Schönheit, die Emily Ratajkowski  für sich anführen könnte.

Aber natürlich darf man in dem Bereich nichts als „festen Bestandteil von Schönheit“ bezeichnen, denn Schönheit darf nichts objektives sein. Es wäre interessant, ob Emily Ratajkowski einen Instinkt, dass abzusprechen, noch eher in einigen Frauen hervorruft, weil sie eben über Nacktheit und große Brüste eine recht offene Sexualität anspricht, die sie vielleicht noch eher als Konkurrenz erscheinen lässt und einen Abwehrreflex anspricht.

 

 

Warum halten sich teuerere Frauenprodukte am Markt?

Only Me berichtet über teuere Frauenprodukte, beispielsweise Rasierer für Frauen, die mehr pro Stück kosten. Zur Frage, warum diese gekauft werden:

„Die Frage, warum Frauen das tun, wird nicht beantwortet. Immerhin schreibt der Fotoredakteur unter den Aufmacher: “Frauen müssen kapieren, dass sie auch Männer-Rasierer und Deos kaufen können.” Keine Ahnung, wie das durch die Schlussredaktion rutschen konnte, denn im Artikel kommt der Gedanke nicht vor. Lediglich der Gedanke, dass Frauen weiterhin mit Extrawürsten marketingmäßig adressiert werden sollten, ohne extra zu bezahlen.“

Die Frage, warum man teuere Produkte für Frauen erfolgreich am Markt positionieren kann, ist in der Tat interessant. Gerade bei Produkten wie Rasieren, bei denen man ebenso auf das Männerprodukt wechseln könnte.

Mir kam der Gedanke, dass es vielleicht klappt, weil Frauen durchaus gern Produkte kaufen, die etwas besonderes sind, die gefühlsmäßig mit „Teurer, weil speziell für dich und an dich angepasst“ gekauft werden. Selbst in dem Produkt „Billigrasierer“ ist so eine kleine Portion Luxus enthalten.

Dies trägt dazu bei, dass man ein besseres Gefühl hat, wenn man sich zurechtmacht. Den Schönheitspflege ist ja auch eine Wertaufbesserung in der Hinsicht.

Der männliche Rasierer ist da denke ich eher mit „nützlich“ besetzt. Es wird erwartet, dass man sich für den Job rasiert, es ist weit aus weniger in ein Schönheitsritual eingebunden. Insofern könnte der Preis bei den Frauen sich auf einem gefühlsbetonteren Besetzen des Gegenstandes ergeben.

Der spezielle Duft, das spezielle Deo, die besondere Bluse, die man vorher in die Reinigung gibt, dies alles ist mit einem gewissen Luxus besetzt und darf damit auch teurer sein um dies zu betonen. Vielleicht auch der Grund, warum Frauenhaarschnitte teurer sind als Männerhaarschnitte. Sie sind eine wertvollere Angelegenheit für die Frau, weil Schönheit anders zelebriert und geschätzt wird.

Das passt auch gut zu dem alten Werbespruch von „L’Oreal“: „Weil ich es mir wert bin“. Das Produkt dient der eigenen Verschönerung, diese hat einen sehr hohen Wert für die Frau, damit ist sie bereit für ein solches Produkt mehr zu zahlen.

Andere Frauenprodukte scheinen mir auch billiger zu sein. Etwa Schuhe, die man schon recht billig bekommen kann, weil sie ein Modeaccessoire sind, dass nicht unbedingt lange halten muss, es muss eher farblich zu einem bestimmten Kleid passen.

Ich finde es ebenso interessant wie Only Me, dass die einzige Erklärung, die hier angenommen wird, anscheinend Diskriminierung ist. Und nicht die Frage, warum sich Frauen hier diskriminieren lassen und der Markt versagt.

Kurze Haare bei Frauen

Ich bin mit Südländerin und einer Freundin von ihr sowie deren Freund in einer Kneipe. Südländerin war gerade beim Friseur gewesen und nachdem man sich darüber ausgetauscht hat, dass alles gut aussieht, kommt das Thema auf Frisuren.

Durch meine Unterhaltung mit dem Freund über dies und das filtere ich aus deren Gespräch ein „Ich würde mir meine Haare gern kurz schneiden!“ ihrer Freundin heraus. Südländerin lacht als sie meinen folgenden kritischen Blick sieht. „Keine schlechte Idee!“ sagt sie, weil sie weiß, dass ich es eine fürchterliche Idee finde „sollte ich mir auch überlegen“ und grinst fröhlich. Ich werfe ihr einen gespielt bösen Blick zurück, dann frage ich die Freundin „Was meinst du denn mit kurz? So schulterlang?“ Sie hat recht schönes Haar, es geht bis zwei Hand breit unter ihre Schultern. „Nein, schon so bis zum Kinn“ teilt sie mit „wobei ich ganz früher auch so richtig kurze Haare hatte, ein paar Millimeter“. Ich schaudere und blicke spielerisch besorgt zu ihrem Freund.

„Ich mag kurze Haare“ sagt er „habe ich gar nichts gegen!“ Ich verkneife mir ein „Verräter“. Wobei „bis zum Kinn“ ja auch noch gehen kann. Die Freundin fragt „Meinst du Frauen mit kurzen Haaren können nicht gut aussehen?“ „Doch, sehr schönen Frauen kann es stehen, aber auch die würden mit langen Haaren besser aussehen“. Irgendwo, ich meine bei Heartiste, hatte ich gerade gelesen, dass kurze Haare bei schönen Frauen evtl nach dem Handicap-Prinzip funktionieren könnten: ich bin so schön, ich kann mir sogar kurze Haare erlauben.

„Es ist aber auch echt viel Arbeit“ sagt die Freundin. „Man muss sie immer waschen und dann auch morgens föhnen, sonst stehen sie wild ab, da geht so viel Zeit für drauf, und jetzt mit der Arbeit muss ich immer früh raus. Es war so praktisch mit kurzen Haaren!“.

Das kann ich als Argument immerhin verstehen. Südländerin findet es auch sehr logisch. Ich stimme zu, dass sie ihre Haare am besten ganz abrasiert. Agree and amplify ist immer ein gutes Mittel. Wir scherzen noch etwas über diverse Frisuren, die Gefahr scheint gebannt, so dass meine Gedanken zum evolutionären Wert von Haaren als Langzeitinformationsspeicher über Ernährung etc abdriften können. Von dort komme ich gedanklich zu einem neulich  bei „Return of Kings“ erschienen und dann viral durchgestarteten Artikel zu Frauen mit kurzen Haaren. „Damaged“ ist da aus meiner Sicht etwas viel gesagt, auch wenn sicherlich Frauen mit 9 Millimeter Frisuren aus meiner Sicht wahrscheinlichere Kandidaten für einige seelische Probleme sind.

Haare können einfach ein zu offensichtlicher Schönheitsfaktor sein, um sie als Frau nicht zu nutzen.

„Die Menschheit ist unendlich schön in ihrer jeweiligen Individualität“

Bei dem Mädchenblog singt Dodo das alte Lied, dass alle Menschen irgendwie schön sind, auch die Dicken und wir uns einfach von Schönheitsidealen lösen sollten:

Denn wenn Gewicht (ganz zu schweigen von den anderen blödsinnigen „Kriterien“) auf einmal kein Maßstab mehr ist, der pro oder contra bestimmt, dann ist die Welt, die wir erfahren, auf einmal von viel, viel mehr Ästhetik, SexAppeal und Faszination erfüllt. DAS ist auch Lebensqualität, ganz fraglos! Die Welt wird „schöner“ – nicht nur, was physisches Erscheinungsbild angeht. Wer sich nicht mehr auf die von der Gesellschaft diktierten „Knackpunkte“ wie Gewicht, reine Haut, Muskeln, blahblah konzentriert, dem fällt nach einer Weile auf, daß die Menschheit eine viel größere Fülle von Sexappeal bietet – Stimmen, Bewegungen, Gerüche, Blicke, Gesten,… die Liste ist unendlich. Man entdeckt auch eher „schräge“ Vorlieben an „Augenzucker“, die man sich zuvor nicht eingestanden hätte, deren Anblick man jetzt aber richtiggehend genießen kann. Und je weniger verklemmt man mit physischen Merkmalen bei sich und anderen umgehen kann, desto mehr Spaß macht der Sex. Hat der ja nicht unwesentlich mit Körpern und dem Genuß derselben zu tun!

Und für diesen Gewinn bin ich dankbar und strebe an, ihn zu vermehren, das ganze auszubauen.

Das täte dem Herrn aus Crunktastics Beispiel (und nicht nur ihm) vielleicht auch ganz gut. Vielleicht hätte er einen Flirt mit dieser Frau ja dann sehr genossen, vielleicht erkannt, daß sie vor Sexappeal nur so strotzt! Und sich nebenbei eine ganz neue Welt erschlossen.

Dieses „Gewichtshindernis“ abzubauen, wäre für ihn wohl ebenso gewinnbringend gewesen wie für sie.

Wenn er eines Tages auf eine dünne Crunktastic trifft und die beiden mordsmäßigen Spaß miteinander haben – prima Sache. Aber vielleicht nicht so prima, wie wenn dies gewichtsunabhängig geschenen wäre.

Nun liegt aber sicher nicht die Verantwortung bei Crunktastic, dick zu bleiben, um ihm (und anderen) zu beweisen, daß Flirt/Beziehung/Sex mit ihr trotzdem großartig wäre und ihn vor seinen beschränkenden Auswahkriterien zu erretten. Vor allem, weil sie dann auch einen ungerechten Preis zu zahlen hätte.

Die Verantwortung liegt viel mehr bei uns allen (ob dick oder dünn oder sonstwas!), weiter um den Abbau dieser Schönheitsvorschriften zu kämpfen. Und zwar nicht, damit die „armen, dicken Opfer auch mal wen abkriegen“. Sondern, damit wir vielleicht eines Tages erkennen, wie unendlich schön die ganze Menschheit in ihrer jeweiligen Individualität ist.

Das ist in meinen Augen alles recht verlogener Mist. Schönheit besteht nun einmal in einer Kultur und ich bezweifele, dass man Schönheitskriterien einfach aufgeben kann. Nicht jeder Mensch  ist schön, einige sind schlicht hässlich. Und sie wären es in jeder Kultur gewesen.

Ich bleibe nach wie vor dabei, dass sportlich-schlank ein durchaus positives Schönheitsideal ist. Frauen werden schlichtweg damit klar kommen müssen. Ebenso wie Männer damit klar kommen müssen, dass auch für sie sportlich-schlank gilt, wenn sie auch wesentlich mehr über Status etc ausgleichen können.

Wenn sich die dicke Frau in der von Dodo erzählten Geschichte ärgert, dass der tolle Typ mit allen ihren Freundinnen flirtet, nur mit ihr nicht, dann ist das sein gutes Recht. Sie hat ja auch beschlossen, dass der coole Typ interessant ist und nicht der dicke Kerl, der hinten alleine in der Bar steht.

Frauen haben genauso harte Kriterien an Männer wie umgekehrt. Diese mögen teilweise weniger körperlich sein, aber das ändert nichts daran, dass sie vorhanden sind. Zumal hässliche Jungs noch nicht einmal den Vorteil haben über Haut zeigen eine gewisse Aufmerksamkeit zu bekommen oder zumindest einen schönen Busen zu haben.

Schönheit hat viel objektives. Das mag dazu führen, dass man in anderen Punkten eingeschränkt ist, vielleicht wäre das Leben leichter, wenn man einfach dick sein könnte. Aber einfach nur wünschen hilft nicht weiter. Schönheit wird niemals einfach sein.

vgl.

Schlank als Schönheitsideal: Chance auf Sex / Partnerschaft als Attraktivitätskriterium

Das Schönheitsideal geht hin zu sportlichen Frauen mit wenig Fett am Leib. Ich hatte dazu schon ein Paar Artikel geschrieben.

Dabei hatte ich bisher folgende Faktoren gesehen, die schlank, aber sportlich / gesund /symmetrisch interessant für ein biologisches Partnerwahlkriterium sein lassen könnten:
  • Ein schlanker Bauch läßt leichter erkennen, ob die Frau schwanger ist
  • eine Unterscheidung zwischen dünn und dick lohnte sich aufgrund des Umlegens des Jagderfolges auf die Gruppe weniger, bei einer schlanken Frau war es aber wichtiger zu erkennen, ob sie gute Gene hat, deswegen erkennen wir dort entsprechende Merkmale besser
  • Fett deutet auf einen Ernährer hin, weil es wohl eher über Fleisch als über gesammelte Pflanzen zu erzielen ist.
  • Ausdauermuskeln sind ein besseres Zeichen für dauerhafte Fitness als Fett, insbesondere, da diese eher selbst erarbeitet sind

Einer Betrachtung von Schlank als Schönheitsideal steht insbesondere entgegen, dass bei dem Übergang zwischen Untergewicht und Normalgewicht die Fruchtbarkeit zu sinken anfängt. Es wäre vorteilhafter auf normalgewichtigere Frauen zu stehen.

Das berücksichtigt aber einen Punkt nicht, den ich in der Überlegung interessant finde:

Die Frage, wieviele Nachkommen ein Mann mit einer Frau zeugen kann wird von zwei Faktoren bestimmt:

  • von ihrer Fruchtbarkeit („Produktivität“)
  • Aus dem Umstand überhaupt Sex mit ihr haben zu können („Verfügbarkeit“)

Aus Sicht eines optimalen Fortpflanzungserfolges wäre daher eine Frau, bei der die Chancen auf (langfristige) hohe Fruchtbarkeit und genetische Qualität hoch ist, aber auch die Chance, dass sie einen neuen Partner (langfristig oder kurzfristig) akzeptiert.

Diese Kombination könnte gerade bei dem westlichen Schönheitsideal „schlank und sportlich gut zum tragen kommen.

Lange, glänzende Haare stellen zB dar, dass sie in der Vergangenheit eine gute Ernährung hatte, ebenso wie ein sportlicher Körper einen langen Blick zurück zulässt. Symmetrie spricht für ein gleichmäßiges Aufwachsen und gute Gene. Sauberkeit und Gesundheit sprechen für Parasitenfreiheit.

Schlankheit hat ab einem gewissen Grad den Nachteil einer gegenwärtig abgesunkenen Fruchtbarkeit, was aber ein Nachteil ist, der durch bessere Ernährung leicht behoben werden kann. Gleichzeitig spricht ihre Schlankheit dafür, dass sie entweder keinen Mann hat oder einen, der sie nicht umfassend mit Essen versorgt.

Dies wiederum macht es wahrscheinlicher, dass sie ein Partnerwechsel interessiert. Oder wenn schon kein Partnerwechsel, dann wenigstens ein kurzer Tausch, Nahrung gegen Sex oder eine Affaire.

Also:

Zeitlich verringerte Fruchtbarkeit + Möglichkeit diese zu beheben + Viele Anzeichen, dass sie ansonsten gute Gene hat und nicht schwanger ist + geringere Wahrscheinlichkeit, dass sie einen statushohen Partner hat + höhere Wahrscheinlichkeit sie erfolgreich zu umwerben oder durch Ressourcen zu beeindrucken = gute Partnerin

 

Eine magersüchtige Frau mit extremer Unterernährung hingegen würde nicht mehr gesund wirken, hätte weniger Zeichen von sonstiger Fitness, würde länger brauchen um sich zu erholen und wäre demnach auch weniger attraktiv.

Es wäre eine Theorie, die man überprüfen könnte, indem man schaut, ob Männer allgemein Frauen attraktiver bewerten, wenn diese aus ihrer Sicht leichter zu beeindrucken sind (bei ansonsten gleichem Körper).

Interessant könnte in diesem Zusammenhang sein, dass Männer in schlechten Zeiten Frauen mit etwas mehr Fettreserven schön finden, in guten Zeiten aber schlankere Frauen. Meine Vermutung ist dabei, dass hier eine ähnliche unterbewußte Rechnung erfolgt: Sind die Zeiten aus Sicht des Mannes für ihn schlecht, dann kann er eine Frau auch schlechter mit Ressourcen beeindrucken und auch schlechter ihre Fruchtbarkeit erhöhen. Es lohnt sich insofern mehr darauf abzustllen, dass sie eigene Ressourcen mitbringt. Sind die Zeiten hingegen aus Sicht des Mannes gut, dann lohnt es sich eher nach schlanken Frauen Ausschau zu halten, die man mit den Ressourcen der guten Zeiten beeinflussen kann und die noch niemanden haben, der diese mit ihnen teilt.

Nachteil dieses Systems wäre dann allerdings, dass eine Partnerin, die man dann zu „höherer Fruchtbarkeit“ gebracht hat, unattraktiver würde. Das wäre zum einen abzufangen, indem ein gewisser Spielraum vorhanden bleibt, wie es ja auch heute der Fall ist und zum anderen dadurch, dass Partnerschaft und Sex eh eine Bindung hervorrufen, die dies dann wieder ausgleichen würde und das Lösen der Verbindung vermeiden würde.

Die „Gegenseite“ bei der Frau wäre dann nicht, dass diese ein Interesse daran hat, biologisch keine Fettreserven aufzubauen. Ihre Interessen sind zwar darauf gerichtet, einen hohen Partnerwert zu erlangen, aber einem biologischen Druck zum schlechteren Aufbau von Fettreserven steht dann wieder der hohe Wert von Fettreversen bei einer Schwangerschaft und die anzunehmende Knappheit von Nahrung in der Steinzeit gegenüber. Frauen konnten diesen Aspekt weit höher gewichten, weil auf sie ein geringerer Druck in der Auswahl lag (Frauen haben sich mit höherer Wahrscheinlichkeit fortgepflanzt als Männer – Genanalysen sprechen hier von 40% der Männer und 80% der Frauen). Zudem war der Druck in diese Richtung geringer, da es meist nicht schwierig war, dünn zu bleiben, dass passiert fast von alleine bei knappen Nahrungsangebot, sondern eher die übrigen Kriterien der Sportlichkeit bei Vermeidung dauerhafter Unterernährung und ihrer Anzeichen (Vitaminmangel, stumpfes Haar, kein sportlicher Körper etc) zu vermeiden.

Für mich erscheint bei der Partnerwahl der Aspekt der Wahrscheinlichkeit des Flirts neben der Fruchtbarkeit ein Faktor, der durchaus einer biologischen Manifestation zugänglich ist.

Das muss dann natürlich nicht weltweit erfolgt oder auch nur sinnvoll gewesen sein. Es können die dafür erforderlichen Mutationen in bestimmten Bevölkerungsgruppen nicht eingetreten sein oder ein kulturell bedingter anderweitiger Selektionsdruck geherrscht haben. Bei einer Kultur, die die Paarbindung weniger betont und die Versorgung eher über die Sippe darstellt oder bei der Lebensmittelknappheit aufgrund von regionalen Unterschieden weniger verbreitet war, mag ein anderer Selektionsdruck geherrscht haben, bei der andere Faktoren in den Vordergrund gerückt sind. Eine andere Mutation mag eher Fettheit als Kriterium gefördert haben und zuerst selektiert worden sein, was wieder einen Nachteil innerhalb der sexuellen Selektion für andere Mutationen bedeutet.

Es wäre hierfür interessant zu wissen, wie resistent Schönheitsideale für einen Kulturwechsel sind. Hierzu müssten Auswanderer/Zwangsumgesiedelte, die insbesondere innerhalb ihrer Gruppe Nachkommen bekommen haben, Daten liefern können.