Homosexualität und Heirat („Homo-Ehe“)

Die Ehe unter Homosexuellen, also Schwulen oder Lesben, wird kontrovers diskutiert. Meiner Meinung nach spricht wenig dagegen, auch Homosexuellen die Möglichkeit zu einer gegenseitigen juristischen Absicherung zu geben, aber ich möchte als Diskussionsgrundlage vielleicht einmal ein paar Konzepte dazu ansprechen:

I. Das theologische Konzept:

Die theologische Position hat meiner Meinung nach die schwächste Basis, was wohl auf einem atheistischen Evolutionsblog wenig erstaunt.

Das zentrale Argument dort ist „Meine Religion sagt, dass Homosexualität an sich eine Sünde ist, dass folgt daraus, dass es in meinem heiligen Buch (Stand: meist zumindest 2000 Jahre zurück) steht“.

Dagegen das Folgende:

  • Es gibt keinen Gott. Die Gebote sind damit irrelevant
  • Selbst wenn man sie als relevant ansieht: Wäre derjenige bereit, im Gegenzug kein Schweinefleisch zu essen oder Regeln zu akzeptieren, dass Frauen darauf hinweisen müssen, dass sie ihre Tage haben, damit andere ihre Religiösen Regeln umsetzen können? Ach, es sollen nur ausgewählte Regeln der eigenen Religion verbindlich sein? Bei allgemeiner Religionsfreiheit eine schwache Grundlage.
  • wenn man darauf abstellt, dass dies eben eine religiöse Regel ist, die besonders akzeptiert ist: a) das ist nicht der Fall. Die Allgemeinheit akzeptiert Homosexuelle. b) inwiefern beeinträchtigt heteroseuxelle Christen eine homosexuelle Ehe mehr als eine homosexuelle Partnerschaft, die sie eh gesellschaftlich hinnehmen müssen?

II. Die Ehe ist eine Absicherung für Kinder und damit für Homosexuelle nicht das passende Institut

Eine weitere Abgrenzung ist die Frage nach dem Wesen der Ehe. Dabei kann man entweder den Bund zwischen zwei Menschen betonen, die beschließen, gegenseitig für einander einzustehen oder man kann anführen, dass die Ehe die gegenseitige justische Absicherung geben soll, aus der heraus man Kinder bekommen kann.

Nach der ersten Auffassung wäre eine Homosexuellenehe unproblematisch, nach der zweiten Auffassung hingegen wäre sie das falsche Institut, weil Homosexuelle keine Kinder bekommen können.

Argumente bezüglich der Abgrenzung gibt es viele:

  • Paarbindung und gegenseitige Liebe sind eben genau aus der Kinderaufzuchtsproblematik entstanden, die Ehe ist nur deren juristische Absicherung und Umsetzung, so dass sie eben auch nur für heterosexuelle Paar geeignet ist.
  • Dagegen läßt sich zunächst anführen, dass es ein naturalistischer Fehlschluß ist, die Entstehungsgeschichte begründet an sich noch nicht, dass die damaligen Gründe fortdauern. Zudem wirken nach den biologischen Theorien bei der Paarbindung der Homosexuellen die gleichen Mechanismen, die auch bei heterosexuellen wirken. Lediglich ihre eingespeicherten Attraktivitätsmerkmale sind vertauscht.
  •  Heterosexuelle können Kinder bekommen und Kinder erfordern andere Regeln. Es ist erst einmal richtig, dass eine Ehe eine gute Absicherung für das Kinderbekommen sein kann, gerade aus Sicht der Frau. Allerdings verliert diese Argument gerade in Deutschland einiges an Wert, weil
    • Viele Kinder auch außerhalb der Ehe geboren werden und diese über Unterhaltsregelungen ebenfalls abgegolten sind
    • Frauen diese Absicherung aufgrund des Sozialstaates, Unterhaltsrechts und eigener Berufsfähigkeit wesentlich weniger brauche
    • Auch heterosexuelle Partner, die keine Kinder bekommen können, die Ehe schließen können. Hiergegen könnte man anführen, dass das Kriterium des Kinderkriegens lediglich nicht überprüft wird, weil es ein zu großer Eingriff in die Privatssphäre wäre, wir erlauben aber auch 80 jährigen zu heiraten und die diesbezüglichen Vorteile mitzunehmen, sind in dem Bereich also ohnehin großzügig.
    • zudem ist die konkrete Absicherung und die Stabilität der Ehe durch die vereinfachten Scheidungsverfahren eh in ihrem Absicherungscharakter stark eingeschränkt und entwertet, so dass auch dieses Argument eher schwach ist

Aus meiner Sicht hat sich – zumindest in Deutschland – der Charakter der Ehe von einer Vorbereitung auf das Kinderkriegen zu einem Beschluss des gegenseitigen für einander Einstehens als Paar gewandetlt und gilt als Zeichen der Ernsthaftigkeit und Dauerhaftigkeit der Beziehung.

Dieses Zeichen Homosexuellen vorzuenthalten erscheint mir dann, wenn diese es genau so nutzen können, wie Heterosexuelle nicht sinnvoll.

III. viele der rechtlichen Gestaltungen unter Paaren sind gerade durch eine Ehe abgedeckt

Viele der Regelungen, die man gegebenenfalls unter langfristigen Paaren treffen möchte und die gerade ein gegenseitiges Füreinandereinstehen absichern sollen, sind letztendlich nur über eine Ehe (gebenenfalls mit einem entsprechenden Ehevertrag) möglich.

Vertragliche Unterhaltspflichten lassen sich ansonsten nur wesentlich schwieriger umsezten. bei einer Trennung muss auch bei Homosexuellen verschiedenes verteilt und aufgeteilt werden, Zeugnisverweigerungsrechte machen hieran fest und lösen entsprechende Konfliktsituationen.

Mir ist nicht bekannt, inwieweit homosexuelle Lebenspartnerschaften die Hausarbeit aufteilen oder andere Gestaltungen haben, die zu ungleichen Vermögensverteilungen und Einkommensverteilungen führen. Wer hierüber Statistiken hat, der möge sie bitte in den Kommentaren anführen.

Insgesamt scheint mir der Ehevertrag in diesem Bereich eine größere Rolle zu spielen, man wird wohl meist den Zugewinn ausschließen, weil eh beide Vollzeit arbeiten.

Die Regelungen in Deutschland lassen sich im Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) nachlesen, wen es interessiert

Der Glaube an die Wissenschaft: Ist die Evolutionstheorie auch nur eine Religion / Ideologie?

Der Vorwurf, dass die Evolutionstheorie auch nur eine Form der Religon ist und diejenigen, die eine wissenschaftliche Theorie wie eben zB die Evolutionstheorie annehmen nur einer anderen Religion frönen, wird gerne gemacht.

Meiner Meinung nach ist der wesentliche Unterschied zwischen einer Religion und einer Wissenschaft, dass die Wissenschaft sich auf Forschung stützen muss, auf Fakten, auf die Einordnung in Gesamtsyteme, während Glaube dies nicht muss. Eine Wissenschaft muss Bedingungen benennen können, unter denen sie falsch ist, ein Glaube hingegen kann dies meist nicht, weil er sich eben nicht auf Fakten stützen kann.

Dies ist bei der Evolutionstheorie der Fall. Ein Säugetierfossil in der falschen Schicht und sie hätte ein erhebliches Problem.

Allerdings sprechen verdammt viele Belege für die Evolutionstheorie und es würde mich sehr wundern, wenn so ein Fossil auftaucht. Es ist eine sehr, sehr, sehr gut belegte Theorie und die Wahrscheinlichkeit, dass sie falsch ist, ist sehr gering. Sie ist momentan die einzige Theorie, die alle Umstände schlüssig in eine Gesamterklärung einbauen kann.

Allerdings würde man eine entgegenstehende Entdeckung eben genau prüfen müssen und könnte nicht darauf verweisen, dass die Theorie stimmig ist, weil sie ansonsten gut belegt ist.

Für Glaube kenne ich keine Widerlegbarkeit. Vielmehr wird hier mehr und mehr eine Parallelwelt errichtet, in die sich der Glaube zurückziehen kann.

Die Welt ist ein paar Milliarden Jahre alt und unserer religiöses Buch spricht nur von ein paar Tausend Jahren? Naja, es ist eben eher eine Metapher, niemand glaubt tatsächlich an Adam und Eva. Was soll das bitte damit zu tun haben, dass wir weiterhin davon ausgehen, dass es eine Erbsünde gibt, die durch Adam und Eva hervorgerufen wurde und für die der Sohn unseres Gottes, gleichzeitig aber unser Gott selbst, am Kreuz gestorben ist? Und warum sollten wir auf diesen nicht existenten Vorfall nicht weiterhin eine gewisse Sündigkeit der Frau theologisch aufbauen können? Warum sollten wir unser Glaubenssystem der wissenschaftlichen Erkenntnis angleichen? Wir bestätigen die Evolutionstheorie, wir sind ja keine Idioten oder unmodern. Aber Gott hat den Menschen dennoch geschaffen, eben irgendwie durch Evolution, auch wenn da kein Raum mehr ist.

Das bringt mich allerdings auch gleich zu einem weiteren Argument in diesem Zusammenhang:

Dem Argument, dass eine noch nicht abschließende Erforschung bedeutet, dass die Wissenschaft unrecht hat und damit das Gegenteil bewiesen ist.

Wir verstehen beispielsweise gegenwärtig noch nicht in allen Einzelheiten, wie das Gehirn funktioniert. Aber unser Bild von der Funktionsweise wird immer besser. Das ist aber keine Anlass zu sagen „Aha, also könnte es auch die Seele sein, und deswegen gibt es Gott!“Sondern es gilt das Nichtwissen nach Möglichkeit durch weitere Forschung aufzuklären und sich Gedanken zu machen, wie die Lücke zu füllen ist.

Das ist meiner Meinung nach auch ein wesentlicher Unterschied zwischen Wissenschaft und Glaube: Glaube hat die Antwort auf alle Lücken bereits gefunden: Gott! Weitere Forschung ist nicht notwendig, kann sogar schädlich sein, weil sie wahrscheinlich eher zu einem anderen Ergebnis kommt. Wissenschaft hingegen sieht in einer Lücke eher die Möglichkeit, neues Wissen zu erlangen und einen bisher unbekannten Vorgang zu verstehen, auch auf die Gefahr hin, dann die eigenen Theorien ändern zu müssen.

Und natürlich ist eine Umstimmigkeit aufgrund bestimmter Wissenslücken nicht zwangsläufig ein Ersetzen durch Glauben. Dies wird es dann, wenn man nicht mehr versucht, eine schlüssige Erklärung zu suchen, sondern einfach seinen Glauben an die Stelle einer neuen Erkenntnis setzt.

Auch in Bezug auf den Genderfeminismus zeigen sich solche Anzeichen eines Ersetzens der Wissenschaft durch Ideologie. Wenn man vertritt, dass alles Geistige am Menschen nur sozial konstruiert ist, also annimmt, dass das verhalten und die Art zu Denken allein soziale Gründe hat, dann muss man in diese Theorie die biologischen Fälle, die etwas anderes nahelegen, einordnen.

Ansonsten zieht man sich in den Bereich des Glaubens / der Ideologie zurück. Es ist schade, dass gerade diese Artikel meist von Personen mit entgegenstehender Ideologie nicht kommentiert werden und auch in Diskussionen wie etwa diese Diskussion bei Onyx, in der ich sie gestellt habe, nicht eingegangen wird.

Auch in diesem Bereich kann ich zudem durchaus Umstände bennennen, unter denen meine Theorie falsch sein müßte.

Die Ansicht beispielsweise, dass Schönheit eine biologische Grundlage hat, die insbesondere auf abgespeicherten Attraktivitätsmerkmalen beruht, die dazu dienen, die Weitergabe der Gene über Fruchtbarkeit etc abzusichern, läßt sich widerlegen, wenn man Völker zeigt, bei denen bei den Männern Zeichen eines hohen Östrogenstandes und eines niedrigen Testosteronstandes und bei Frauen Zeichen eine hohen Testosteronstandes und eines niedrigen Östrogenstandes attraktiv sind (und zwar nicht bei Einzelpersonen, was mit Bisexualität durchaus zu erklären wäre, sondern bei dem Volk als Schönheitsideal).

Breite Schultern, deutliche Kraftmuskeln, ein kantiges Kinn, Bartwuchs, dies alles gilt bei Frauen aber meines Wissens nach als wenig attraktiv.

Ebenso ist ein Brustansatz bei Schlankheit, eine Stundenglasfigur, schmale Schultern, bei Männern, eine geringe Körpergröße, weltweit für Frauen nicht attraktiv.

Das Gegenargument ist dann häufig: Wir würden ja Bedingungen nennen, aber da ein Mensch nie frei von gesellschaftlicher Beeinflussung aufwachsen kann, wäre jede Bedingung, die wir nennen, nicht zu überprüfen, da ein gesellschaftlicher Einfluss nie ausgeschlossen werden kann.

Dem halte ich vererbbare Transsexualität aufgrund genetischer Vorgänge entgegen. Da der Phänotyp hier dem des anderen Geschlechts entspricht und lediglich die Abweichung innerhalb der Hormonversorgung im Gehirnbereich besteht, sehe ich nicht, wie sich die Gesellschaft hier bei einer Betrachtung der Transsexualität auswirken sollte.

Als Ergänzung: Richard Dawkins, The God Illusion, S. 277, zum Thema Fundamentalismus und Evolution:

Maybe scientists are fundamentalist when it comes to defining in some abstract way what is meant by ‚truth‘. But so is everybody else. I am no more fundamentalist when I say evolution is true than when I say it is true that New Zealand is in the southern hemisphere. We believe in evolution because the evidence supports it, and we would abandon it overnight if new evidence arose to disprove it. No real fundamentalist would ever say anything like that. It is all too easy to confuse fundamentalism with passion. I may well appear passionate when I defend evolution against a fundamentalist creationist, but this is not because of a rival fundamentalism of my own. It is because the evidence for evolution is overwhelmingly strong and I am passionately distressed that my opponent can’t see it – or, more usually, refuses to look at it because it contradicts his holy book. My passion is increased when I think about how much the poor fundamentalists, and those whom they influence, are missing. The truths of evolution, along with many other scientific truths, are so engrossingly fascinating and beautiful; how truly tragic to die having missed out on all that! Of course that makes me passionate. How could it not? But my belief in evolution is not fundamentalism, and it is not faith, because I know what it would take to change my mind, and I would gladly do so if the necessary evidence were forthcoming.