Warum es in biologischer Hinsicht nur zwei Geschlechter gibt

Die biologische Definition von „männlich und weiblich“ ist relativ einfach:

    • eine Klassifizierung von Gameten (Geschlechtszellen)
    • Weibliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Eizellen bereitstellt
    • Männliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Samenzellen bereitstellt

Das wäre eine Definition, die auf die Fortpflanzung abstellt und dort eine recht einfache Zuordnung vornimmt, die sich rein darauf bezieht, wer was bereit stellt. Diese Unterscheidung ist interessant, weil an ihr bereits einiges hängen kann: Üblicherweise sind Eizellen teurer als Samenzellen in der Produktion, was bereits wesentlich andere evolutionäre Strategien bewirkt. Dies gilt um so mehr, wenn wie bei Säugetieren die Eizelle im Körper „ausgebrütet“ und versorgt werden muss.

Der große Vorteil von Sex ist dabei, dass zwei verschiedene Genmaterialien gemischt werden, was verschiedene Vorteile bieten kann:

  • „schlechte Gene“ können aussortiert werden, gute übernommen und angesammelt werden. Bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung gilt „alles oder nichts“. Die Zelle teilt sich, es entsteht ein Klon. Hat dieser eine Mutation, dann gibt er sie an seine Nachkommen weiter, aber diese Mutation muss direkt in einem seiner Vorfahren aufgetreten sein, sie kann nicht von einem anderen Stamm übernommen werden (oder nur im wesentlich geringeren Umfang). Ebenso wenig kann man ungünstige Mutationen „loswerden“, wohingegen diese bei zweigeschlechtlicher Fortpflanzung nur in einem Teil der Nachkommen landen können (und mit diesen aussterben können)
  • Unterschiede erhöhen die Anpassbarkeit an besondere Situationen. Ein Gen gegen „Kälteresistenz“ kann in einem besonders kalten Winter bestimmte Nachfahren überleben lassen, ein Gen für einen etwas kräftigeren Schnabel kann sie andere Kerne fressen lassen etc
  • Die „Red Queen Hypothese“:  Sie geht davon aus, dass Tiere mit einem langsameren Fortpflanzungzyklus in einem Wettrennen mit Parasiten und Viren stecken, welches sie zu verlieren drohen, da beispielsweise eine Generation bei einem Menschen 20 Jahre dauert, eine Generation bei bestimmten Viren aber nur ein paar Minuten. Demnach können sich Viren viel schneller auf eine Abwehrmaßnahme zB des Menschen einstellen und eine Mutation, die diese austrickst kann schneller eintreten. Wir laufen in dieser Hinsicht beständig mit den Viren und Parasiten um die Wette und wir müssen – genau wie die rote Königin aus Alice im Wunderland – laufen, um überhaupt auf der gleichen Stelle zu bleiben. Der Genpool führt dazu, dass es Millionen von verschiedenen Varianten von „Menschen“ gibt. Hat ein Virus durch Mutation einen Weg gefunden zB das Immunsystem zu umgehen kann das Immunsystem des nächsten Menschen ein klein wenig anders sein und daher diese Umgehung erschweren oder nicht so effektiv machen. Demnach erschwert ein Genpool die Anpassung an den Wirt, die bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung wesentlich schneller eintreten kann.

Gleichzeitig hat dieses System aber Kosten:

Wenn sich ein Lebewesen durch Zellteilung fortpflanzt, dann können Nachkommen schneller produziert werden. Wenn sich ein Wesen durch Klonung pro Generation zweimal fortpflanzt, dann bestehen nach 4 Generationen schon 16 Wesen. Bei sexueller Fortpflanzung bestehen hingegen, weil man immer zwei Wesen braucht, um zwei neue zu schaffen, und sich jedes von diesen zweimal fortpflanzt, immer noch nur 2 Wesen.

Die Wikipedia erläutert noch einmal genauer die Kosten des Sex und die diesbezüglichen Besonderheiten

In most multicellular sexual species, the population consists of two sexes, only one of which is capable of bearing young (with the exception of simultaneous hermaphrodites). In an asexual species, each member of the population is capable of bearing young.  This implies that an asexual population has an intrinsic capacity to grow more rapidly with each generation. The cost was first described in mathematical terms by John Maynard Smith.[28] He imagined an asexual mutant arising in a sexual population, half of which comprises males that cannot themselves produce offspring. With female-only offspring, the asexual lineage doubles its representation in the population each generation, all else being equal. Technically this is not a problem of sex but a problem of some multicellular sexually reproducing organisms. There are numerous isogamous species which are sexual and do not have the problem of producing individuals which cannot directly replicate themselves.[29] The principal costs of sex is that males and females must search for each other in order to mate, and sexual selection often favours traits that reduce the survival of individuals.[28][how?]

Evidence that the cost is surmountable comes from George C. Williams, who noted the existence of species which are capable of both asexual and sexual reproduction. These species time their sexual reproduction with periods of environmental uncertainty, and reproduce asexually when conditions are more favourable. The important point is that these species are observed to reproduce sexually when they could choose not to, implying that there is a selective advantage to sexual reproduction.[30]

It is widely believed that a disadvantage of sexual reproduction is that a sexually reproducing organism will only be able to pass on 50% of its genes to each offspring. This is a consequence of the fact that gametes from sexually reproducing species are haploid.[31] This, however, conflates sex and reproduction which are two separate events. The „two-fold cost of sex“ may more accurately be described as the cost of anisogamy. Not all sexual organisms are anisogamous. There are numerous species which are sexual and do not have this problem because they do not produce males or females. Yeast, for example, are isogamous sexual organisms which have two mating types which fuse and recombine their haploid genomes. Both sexes reproduce during the haploid and diploid stages of their life cycle and have a 100% chance of passing their genes into their offspring.[29]

Die Grafik dazu:

Twofold costs of sex

Twofold costs of sex

Da ist auch noch einmal ausgeführt, dass die Kosten des Sex auch dadurch hochgetrieben werden, dass die Sexualpartner sich finden müssen und insbesondere auch den richtigen Partner finden müssen. Das ist jedoch auch gleichzeitig ein Vorteil, da man so „gute Mutationen“ für seine Nachkommen „hinzuerwerben“ kann. Es hat insofern den Vorteil der sexuellen Selektion, die eine „Höherentwicklung“ fördern kann.

Gleichzeitig wird daran deutlich, dass die Kosten einer Fortpflanzung noch deutlich höher sein würden, wenn ein weiteres Geschlecht dazu kommen würde. Echte Vorteile hingegen wären dadurch nicht zu erwarten, im Gegenteil, die „Werbungskosten“ wären erhöht und jedes Mitglied dieser Fortpflanzungsgruppe würde letztendlich noch weniger Gene bei jedem weiteren Nachkommen weitergeben (bereits jetzt ist man mit einem Kind lediglich zu 50% verwandt, bei einem Geschlecht mehr wäre man dann zu 33% verwandt.

Sollten wir daher jemals Aliens treffen, dann ist die Chance hoch, dass diese ebenfalls zwei Geschlechter kennen.

 

Roughgarden: Diversität und der Sinn von Sex

Roughgarden stellt in „Evolutions Rainbow“ dar, warum es aus ihrer Sicht Sex gibt:

Two theories have been offered for why sex benefits a species, one diversity-affirming, the other diversity-repressing. Both theories agree that asexual species are short-lived in evolutionary time relative to sexual species and that sex guarantees the longer species survival. Both theories therefore agree that sex is beneficial to a species. Both theories also agree that the purpose of sex isn’t reproduction as such, because asexual species are perfectly capable of reproducing. But the theories have different perceptions of why sex is good. The diversity-affirming theory views diversity itself as good and sex as maintaining that diversity. The diversity-repressing theory views diversity as bad and sex as keeping the diversity pruned back.

Let’s start with the diversity-affirming theory.

According to the diversity-affirming theory for the benefit of sex, sex continually rebalances the genetic portfolio of a species. Think of a savings account and jewelry—a rainbow with two colors. How much can both colors earn together? When demand for jewelry is low, one can’t sell jewelry, even to a pawnshop, and earning 2 percent from a bank account looks great. When jewelry is hot, interest on a bank account looks cheap and selling jewelry turns a good profit. The overall earnings are the total from both investments. A species earns offspring instead of money from its investments. The long-term survival of a species depends on being sufficiently diversified to always have some offspring-earning colors (…)

Hier sieht man wieder deutlich, dass Roughgarden komplett einer Gruppenselektion anhängt und anscheinend eine Einzelselektion der egoistischen Gene komplett ablehnt. Die Natur kann keinen Plan haben kann. Sie kann nicht für andere Zeiten mehr Diversität vorhalten. Die eigentlich wesentlichen Gründe dafür, dass Diversität entsteht und gewünscht ist, ist nicht, dass es auf das langfristige Überleben der Spezies ankommt, sondern eher, dass auf diese Weise gemäß der Red Queen Theorie eine geringere Anfälligkeit für Parasiten besteht. Ich hatte dazu schon einmal das Folgende geschrieben:

Der Vorteil liegt danach insbesondere darin, dass man im Gegensatz zu der ungeschlechtlichen Fortpflanzung einen sehr unterschiedlichen Genpool schaffen kann, der Parasiten einen wesentlich schwierigeren Angriffspunkt bietet, weil sich diese nicht auf immer gleichen Umstände einstellen können. In dem Wettrüsten mit den Parasiten, die sich aufgrund der kurzen Lebensdauer und der hohen Fortpflanzungsrate wesentlich schneller anpassen können, droht langlebigen Tieren mit einer niedrigen Fortpflanzungsrate ein erheblicher Nachteil in dem Wettrüsten, den sie auf andere Weise nicht aufholen können. Nur dadurch, dass sich die Parasiten nicht vollständig auf eine genau gleiche Menschenart einstellen können, bleibt der Mensch in dem Rennen auf der gleichen Stelle.

Es kommt insofern schon auf eine Diversität an, aber nicht, weil diese der Spezies dient, sie dient ganz konkret dem einzelnen Lebewesen, dessen Nachkommen dadurch Vorteile haben. Ein Interesse an dem Überleben der Spezies zugunsten einzelner Lebewesen aus dieser Spezies im Sinne einer Gruppenselektion ist nicht erforderlich und aufgrund deren methodischer Probleme, eine solche Selektion tatsächlich aufrecht zu erhalten, auch nicht anzunehmen.

Was Roughgarden auch vergisst, wohl weil sie anscheinend die Natur als planende Instanz vor Augen hat, die Diversität verwaltet, ist, dass Veränderungen und „Vielfalt“ über zufällig entstehende Mutationen entsteht und die allermeisten dieser Mutationen zwangsläufig negativ sind: Das System muss, damit Nachkommen entstehen zunächst funktionieren und ist ein Produkt einer Selektion. Ändert man an einem funktionierenden etwas zufällig in eine beliebige Richtung ist die Gefahr, dass das System dadurch schlechter funktioniert höher als die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch eine Verbesserung eintritt. Nicht umsonst ist nahezu alles in unserer Biologie darauf ausgerichtet, die Gene so genau wie möglich zu kopieren. Auch beim Sex wird genau kopiert, nur eben aus zwei funktionierenden Systemen.

THE DIVERSITY-REPRESSING THEORY

According to the diversity-repressing theory for the benefit of sex, sex protects the genetic quality of the species. The diversity-repressing theory envisions that asexual species accumulate harmful mutations over time and gradually become less functional, as though asexual lizards gradually lost the ability to run fast or digest some food. Sex supposedly counteracts this danger by allowing family lines that have picked up harmful mutations to recombine, producing offspring free of bad mutations. According to this theory, some offspring will possess both families’ mutations and will die even more quickly, but other offspring will have none of the mutations, and will prosper on behalf of the species. According to this theory, without sex each and every family line inexorably accumulates mutations, leading eventually to species extinction (…)

Although both the diversity-affirming and diversity-repressing views have a long history, the time has come for closure. The time has come to reject the diversity-repressing view as both theoretically impossible and empirically vacuous. The scenario envisioned by the diversity-repressing theory can’t exist. In an asexual species, when a bad gene arises, the line where the mutation originated is lost to natural selection, whereas the lines without the mutation prosper. The entire stock never deteriorates, because natural selection doesn’t look the other way while a bad gene spreads. Instead, natural selection eliminates a bad gene when it first appears, preserving the overall functionality of the species. No evidence whatsoever shows asexual species becoming extinct because of a progressive accumulation of disabilities and loss of functionality. A bad gene never gets going in an asexual species, and sex’s supposed pruning of the gene pool is unnecessary and mythical.

Auch hier zeigt sich wieder, dass Roughgarden ganz im Sinne der Gruppentheorie denkt und auch noch einige andere Gesichtspunkte außer acht läßt.

Sie stellt darauf ab, dass bei ungeschlechtlicher Vermehrung ja nicht die Art stirbt, sondern nur ein Teil der Art, eben die Linie, die das defekte Gen enthält. Diese Genlinie opfert sich also nach ihrer Ansicht für die Gruppe. Dabei lässt sie aber außer Betracht, dass damit auch alle Gene, die Teil dieser Linie sind, sterben. Was für die Gene dieser Genlinie eben nachteilig ist. Es gibt bei asexueller Reproduktion keine Möglichkeit etwa nur die guten Gene einer Linie weiterzugeben, die schlechten aber nicht, wohingegen dies bei geschlechtlicher Vermehrung durchaus möglich ist. Durch das Kombinieren zweier Linien können eben in einem Nachkommen alle guten Gene zusammenkommen, was dem jeweiligen Nachkommen einen Selektionsvorteil bringt. Ein solches Aussortieren von Genen ist innerhalb einer nicht sexuell reproduzierenden Spezies nicht möglich.

Nochmal: Zweigeschlechtlichkeit und Evolution

Über Sanczny bin ich auf einen Artikel bei „kulturelle Praxis“ gestoßen, der „gute Antworten“ auf „Evolutionsgedöns“ zur Zweigeschlechtlichkeit  vorschlägt.

1. Zweigeschlechtlichkeit und Queertheorie

Zweigeschlechtlichkeit scheint in queeren Kreisen und damit auch in Teilen des Feminismus als problematisch zu gelten. Die Betonung der Geschlechter und die Einordnung in ein starres Zweierschema wird hier wohl als zu heteronormativ angesehen und damit natürlich als schlecht. Es gibt daher zahlreiche Bemühungen die Zweigeschlechtlichkeit zu „dekonstruieren“.

Butler wäre ein entsprechender Vertreter, ich hatte dazu bereits in meinem Artikel „Judith Butler“ über sie das Folgende angeführt:

Butler überträgt diesen Gedanken, wie Foucault bereits vor ihr auf das Geschlechterverhältnis, wo nach ihrer Auffassung ebenfalls bestimmte Geschlechternormen errichtet worden sind, die die Errichtung der Geschlechter und deren Verhalten bewirken. Diese knüpfen an die unterschiedlichen Körper von Mann und Frau an, die aber insoweit lediglich das Unterscheidungsmerkmal bilden, dass dann über verschiedene kulturell geschaffene Regeln zur Errichtung der Geschlechterrollen führt. Körper materialisieren sich nie unabhängig von ihrer kulturellen Form, sind also immer an ihre kulturspezifische Wahrnehmung gebunden.

Diese kulturspezifischen Merkmale der Geschlechterrollen werden dann durch beständige Wiederholung gleichsam eingeübt.

Nach dieser Vorstellung gibt es ersteinmal keine Frau als Subjekt, sondern das was als Frau definiert wird ist beständig einer kulturellen Betrachtung und Veränderung unterworfen. Eine “Frau” mit einem männlicheren Körper ist in dieser Hinsicht teilweise schon wieder den männlichen Regeln unterworfen, ist also nicht per se Frau, sondern irgendwo dazwischen. (…)

Für Butler schafft der Diskurs damit auch gleichzeitig den Körper -durch die Sprache materialisert sich das Geschlecht, Diskurs und Materie sind insofern miteinander verbunden. Die Sprache und der Diskurs stehend damit auf einer Stufe mit der Materie. Das Sprache und Diskurs die Materie nicht verändern und die Materie unterschiedlich bleibt ist nicht relevant, weil das übergeordnete Subjekt aus den drei Elementen, Diskurs, Sprache und Materie, eben durch diese alle drei geschaffen wird. Eine Frau kann nicht Frau sein, wenn die Eigenschaft Frau nicht durch den Diskurs in seiner gerade gültigen Form geschaffen, dies durch Sprache vermittelt wird und die Unterscheidung zu anderen Geschlechtern anhand körperlicher Faktoren, an denen diese Normen ansetzen können, erfolgen kann.

Andere Betrachtungen sind die von Fausto-Sterling, die erst eine 5-Geschlechtertheorie entwickelte (male, female, merm, ferm, and herm, also im wesentlichen zwei Abstufungen von Männlich und weiblich und eine hermaphroditische Kategorie), dafür aber ebenfalls stark kritisiert wurde und ihre Theorie dann aufgegeben hat und nun mehr darauf abstellt, dass es viele Abstufungen gibt.

2. Zweigeschlechtlichkeit und Evolution

Aus Sicht der Biologie gibt es dennoch lediglich zwei Geschlechter, weil hier ein fortpflanzungsbezogener Begriff verwendet wird. Die zwei Geschlechter, Mann und Frau, sind hier die beiden für die Fortpflanzung wichtigen Einteilungen, die damit auch den zentralen Punkt bilden und nicht ausgeblendet werden können. Nach diesem Modell kann nur ein eigenes Geschlecht sein, was an der Fortpflanzung beteiligt ist. Alles andere kann aus meiner Sicht bei dieser Betrachtung kein Geschlecht sein. Es sind dann eher Mischformen der Geschlechter, die aufgrund der Art, wie die Geschlechter entstehen, auftreten.

Natürlich spricht das nicht dagegen, sprachliche Bezeichnungen zu bilden, die einen größeren Umfang haben, etwa in dem man Intersexuelle mit dazunimmt oder eben Sonderformen für bestimmte Mischformen oder Ausprägungen bildet, aber das ändert nichts daran, dass unsere Biologie auf zwei Geschlechter ausgelegt ist.

Die Zweigeschlechtlichkeit ist dabei einige Zeit ein Rätsel für die Biologie gewesen, weil sie gar nicht so einfach zu erklären ist. Bei einer ungeschlechtlichen Fortpflanzung benötigt man lediglich ein Lebewesen, um ein anderes Lebewesen herzustellen, bei der jetzt bestehenden Zweigeschlechtlichkeit kann sogar nur eines dieser beiden eines der neuen Lebewesen produzieren, der andere, also das Männchen ist insofern eine ungenutzte Produktionskapazität, die Nahrungskonkurrenz etc darstellt. Bei dieser Betrachtung müsste man davon ausgehen, dass asexuelle Fortpflanzung wesentlich schneller ist und daher einen Selektionsvorteil hat:

Während ein Mensch, der 2 Nachkommen hat, hierzu einen weiteren Menschen benötigt, der dann auch zwei Nachkommen hat, was also lediglich eine Arterhaltung wäre, würde eine asexuelle Fortpflanzung zu einer Verdoppelung statt einer Arterhaltung führen.

Es gibt jedoch Vorteile einer sexuellen Fortpflanzung, die dies aufwiegen:

  • Geschlechtliche Fortpflanzung erlaubt es einen Genpool zu bilden, in dem verschiedene Gene unterschiedlich miteinander kombiniert werden können. Asexuelle Fortpflanzung lässt nahezu keinen Genaustausch zu, so dass alle Mutationen innerhalb einer Linie erfolgen müssen. Bei sexueller Fortpflanzung kann sich eine günstige Mutation in einer Linie, eine andere günstige Mutation in einer anderen Linie entwickeln und bei einem Treffen dieser beiden Linien beide Mutationen in einem Körper zusammenkommen und entsprechend weitergegeben werden
  • Ein Genpool erzeugt verschiedene Körper, auf die sich Parasiten schwerer einstellen können als bei einer eingeschlechtlichen Fortpflanzung, bei der ein Nachkomme genauso ist wie sein Vorgänger (zuzüglich einer eventuellen Mutation im geringen Umfang). Dies gibt einen Vorteil, gerade für Lebewesen mit einer längeren Reproduktionsdauer, die eine geringere Anpassungsrate gegenüber Wesen mit einer kurzen Reproduktionsdauer (etwa Bakterien und Viren) haben. Da sich Parasiten und Wirte immer in einem Red Queen-Rennen befinden (beide müssen sich immer wieder anpassen um auf der gleichen Stelle zu bleiben), wird dieser Effekt als sehr wichtig angesehen
Weiteres zur Evolution der Zweigeschlechtlichkeit findet sich auch in dem Wikipedia-Artikel zu „Evolution of  sexual Reproduktion
Hieraus sieht man, dass jedes weitere Geschlecht, dass für eine Fortpflanzung erforderlich wäre, weitere Zusatzkosten auslösen würde und alle Vorteile mit 2 Geschlechtern umzusetzen sind.
3. Abgrenzung Zweigeschlechtlichkeit und Essentialismus
Ein großer Verständnisfehler der Queertheorie und ihrer Anhänger ist meiner Meinung nach, dass Zweigeschlechtlichkeit in diesem biologischen Sinne  bedeutet, dass für „queere Lebensentwürfe“ kein Raum bleibt.
Natürlich hindert diese Einteilung nicht, dass es Zwischenformen gibt und die biologischen Mechanismen, die zu Intersexualität oder Homosexualität führen, sind auch innerhalb der Art und Weise, wie wir unsere Geschlechter herausbilden, durchaus nachzuvollziehen.
Sie heben aber die biologischen Gründe, aus denen es zwei Geschlechter gibt, nicht auf.
Ich verlinke hier noch mal auf ein paar bereits geschriebene Artikel:
4. Die Gegenargumente zur Zweigeschlechtlichkeit
In dem oben erwähnten Artikel werden dann einige „gute Konter“ aufgeführt:

a) Was? Hab’ gerade nicht zugehört, mußte an Analverkehr denken

Dass es Analsex gibt ist kein Gegenargument, dafür, dass es zwei Geschlechter gibt. Die Theorien arbeiten nicht damit, dass Sex immer Fortpflanzung ist und es deswegen keinen Analsex geben dürfte. Sex ist natürlich Spass und Erregung, weil das das Mittel ist, mit dem wir zum Sex angehalten und motiviert werden. Dass es dabei viele Formen gibt, die nicht zu einer Fortpflanzung führen und trotzdem Spass machen, steht dem nicht entgegen, genau so wenig wie Süssstoff dem Gedanken entgegensteht, dass uns Süsses schmeckt, weil es ein guter Energielieferant ist. Der selektive Nachteil von Analsex scheint nicht so groß gewesen zu sein, dass dies zu einer Selektion zu Ausscheidungsorganen führte, in die man keinen Penis einführen kann. Viele Menschen, die passiven Analsex ausprobieren, werden allerdings durchaus der Auffassung sein, dass es einem auch nicht zu leicht gemacht wird.

b) Stimmt, nach Rule 34 müßte es auch Bratenspritzen- oder Reagenzglas-Pr0n geben

Weil sie der Fortpflanzung dienen? Auch da ist wieder anzuführen, dass nicht Fortpflanzung sexy ist, sondern Sex, die Natur es aber so eingerichtet hat, dass ein Großteil des Sex die Fortpflanzungschance entsprechend erhöht. Dass man künstliche Befruchtungen vornehmen kann ist dabei nicht weiter störend.

c) Sagt eine Zelle zur anderen nach der Teilung: “Und … wie war ich?”

Das einige Lebewesen sich ohne Sex fortpflanzen können stellt die Zweigeschlechtlichkeit bei sich sexuelle fortpflanzenden Wesen nicht in Frage. Es sind verschiedene Wege zur Fortpflanzung, die auf verschiedenen Vorzügen dieser aufbauen.

(mir ist bewusst, dass die Anmerkungen eher schnippisch/lustig sein sollen, aber ich wollte sie dennoch kurz besprechen, gerade auch, weil ich sie eben nicht für pfiffig, sondern schlicht an der Sache vorbeigehend, halte)

Die Red Queen Hypothese

Eine wichtige Theorie in evolutionären Überlegungen ist die Red Queen Hypothese.

Sie geht davon aus, dass sich konkurrierende Systeme ein Wettrennen liefern, bei dem sie – gleich der Namensgeberin, der Roten Königin aus Alice im Wunderland – doch immer auf der Stelle bleiben, aber laufen müssen, um diesen Gleichstand zu halten.

Es ist ein Wettrüsten um gleich zu bleiben, ein Konkurrenzkampf um Gleichwertigkeit.

Die Wikipedia fasst die Red Queen Hypothese wie folgt:

The Red Queen’s Hypothesis, also referred to as Red Queen, Red Queen’s race or Red Queen Effect, is an evolutionary hypothesis. The term is taken from the Red Queen’s race in Lewis Carroll’s Through the Looking-Glass. The Red Queen said, „It takes all the running you can do, to keep in the same place.“ The Red Queen Principle can be stated thus:

In reference to an evolutionary system, continuing adaptation is needed in order for a species to maintain its relative fitness amongst the systems being co-evolved with.

The hypothesis is intended to explain two different phenomena: the advantage of sexual reproduction at the level of individuals, and the constant evolutionary arms race between competing species. In the first (microevolutionary) version, by making every individual an experiment when mixing mother’s and father’s genes, sexual reproduction may allow a species to evolve quickly just to hold onto the ecological niche that it already occupies in the ecosystem. In the second (macroevolutionary) version, the probability of extinction for groups (usually families) of organisms is hypothesized to be constant within the group and random among groups.

Matt Ridley hat ein ganz hervorragendes Buch darüber geschrieben, dass zeigt, wie dieses Wettrüsten die menschliche Entwicklung geprägt hat: „The Red Queen: Sex and the Evolution of Human Nature

Ein großer Teil dieses Buches legt dar, worin der Vorteil der geschlechtlichen Fortpflanzung liegt, obwohl diese aufgrund der Zusatzkosten eigentlich zunächst nachteilig erscheint (man braucht zwei Personen um eine neue Person herzustellen und nur eine davon kann dies machen, während dies bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung jedes Lebewesen kann). Dieser Abschnitt ist sehr interessant zu lesen und sollte Pflichtlektüre in den Gender Studies sein, denn er macht deutlich, dass es biologisch nur zwei Geschlechter gibt, weil jedes weitere die Kostenbilanz weiter verschlechtert und keinen Vorteil bietet.

Der Vorteil liegt danach insbesondere darin, dass man im Gegensatz zu der ungeschlechtlichen Fortpflanzung einen sehr unterschiedlichen Genpool schaffen kann, der Parasiten einen wesentlich schwierigeren Angriffspunkt bietet, weil sich diese nicht auf immer gleichen Umstände einstellen können.

In dem Wettrüsten mit den Parasiten, die sich aufgrund der kurzen Lebensdauer und der hohen Fortpflanzungsrate wesentlich schneller anpassen können, droht langlebigen Tieren mit einer niedrigen Fortpflanzungsrate ein erheblicher Nachteil in dem Wettrüsten, den sie auf andere Weise nicht aufholen können. Nur dadurch, dass sich die Parasiten nicht vollständig auf eine genau gleiche Menschenart einstellen können, bleibt der Mensch in dem Rennen auf der gleichen Stelle.

Aber auch abseits dieser Theorie stehen alle Lebewesen in einem solchen Wettlauf um die Beibehaltung des gleichen Status. Dies ist bei Raubtieren und ihrer Beute der Fall (wobei die Beute den „Vorteil“ hat, dass sie um ihr Leben läuft, das Raubtier aber nur um seine nächste Mahlzeit).

Ein solches Wettrennen findet auch schnell bei der sexuellen Selektion statt. Wenn Weibchen beispielsweise Geweihe vererblich attraktiv finden, dann beginnt ein Prozess unter den Männchen, immer ein kleines Stück mehr Geweih aufzubauen, bis die Kosten den Nutzen übersteigen.

Es spricht viel dafür, dass ein solches Wettrennen auch die Entwicklung unseres Gehirns vorangetrieben hat. Wenn Frauen intelligente Männer attraktiv fanden, dann führt dies dazu, dass Männer ein Wettrennen starten um mehr Intelligenz aufzubauen. Im Gegenzug müssen auch die Frauen untereinander ein Wettrennen starten, um die gestiegene Intelligenz besser bewerten zu können, was selbst Intelligenz (möglicherweise aber eine andere Form davon) erfordert. Gleichzeitig ermöglicht diese Intelligenz auch Leute um sich zu scharen, bessere Jagd- Kampf und sonstige Strategien zu entwickeln etc. so dass auch ansonsten ein Wettrüsten beginnt, da all dies den Status innerhalb der Gruppe verändert. Diese Theorie hatte Geoffrey Miller entwickelt, für sie spricht insbesondere, dass sich die Lebensumstände trotz der Vergrößerung des Gehirns lange Zeit nicht wesentlich veränderten, wie archäologische Funde zeigen, so dass diese Veränderungen unsere Gehirnentwicklung nicht vorangetrieben haben können