Leute als Rassisten/Sexisten zu bezeichnen hilft nicht gegen Rassismus/Sexismus

Ein interessanter Artikel zu der Reaktion von Leuten auf Vorwürfe, Rassisten (oder Sexisten) zu sein.

Er verweist zunächst auf ein Experiment, indem es um den Abbau von Vorurteilen gegenüber Transsexuellen ging und in dem die Leute gebeten worden sind, sich in deren Lage zu versetzen und dann ein Gespräch mit ihnen aus dieser Perspektive geführt wurde. Durch dieses nichtkonfrontative Einfühlen gewannen die Leute eine andere Perspektive und zeigten auch drei Monate später noch eine positivere Einstellung.

In dem Artikel heißt es dann:

This is the direct opposite of the kind of culture the internet has fostered — typically focused on calling out racists and shaming them in public. This doesn’t work. And as much as it might seem like a lost cause to understand the perspectives of people who may qualify as racist, understanding where they come from is a needed step to being able to speak to them in a way that will help reduce the racial biases they hold.

Das ist bekanntlich ja auch der Ansatz des Feminismus: Die Angehörigen der „Tätergruppe“ (Weiße, Heterosexuelle, Männer etc) mit Vorwürfen überziehen und fordern, dass diese gefälligst alles lassen, was auch nur irgendwie diskriminierend sein könnte, was angesichts der Ausweitung auf „Micro-Aggressionen“ nicht umsetzbar ist. Es geht so weit, dass man noch nicht einmal verlangen darf, dass einem gesagt wird, was man falsch gemacht hat, weil man das gefälligst selbst erkennen muss.

Die Schuld ist universell und nur durch tägliche Buße und tägliches hinterfragen immer wieder erneut abzubauen.

The first thing to understand is how white Americans, especially in rural areas, hear accusations of racism. While terms like “racist,” “white privilege,” and “implicit bias” intend to point out systemic biases in America, for white Americans they’re often seen as coded slurs. These terms don’t signal to them that they’re doing something wrong, but that their supposedly racist attitudes (which they would deny having at all) are a justification for lawmakers and other elites to ignore their problems.

Imagine, for example, a white man who lost a factory job due to globalization and saw his sister die from a drug overdose due to the opioid painkiller and heroin epidemic — situations that aren’t uncommon today. He tries to complain about his circumstances. But his concerns are downplayed by a politician or racial justice activist, who instead points out that at least he’s doing better than black and brown folks if you look at broad socioeconomic measures.

Maybe he does have some level of white privilege. But that doesn’t take away from the serious problems he sees in his world today.

Vor allem besteht eben kein Zusammenhang zwischen dem, was er macht (zB nach besten Wissen und Kräften seine Familie ernähren und seinen Job erledigen) und dem Umstand, dass es anderen schlechter geht. Er hat auch keine tatsächliche Handlungsoption, er macht ja nichts falsch. Er kann auch nicht Nichtweiß, nichtheterosexuell oder nichtmännlich werden. Und natürlich hat er eigene Probleme, dass Gefühl, dass diese für einen Politiker unwichtig sind und das seine Arbeit abgewertet wird oder gar Unterdrückung ist muss geradezu als ungerechter Vorwurf erscheinen. Weil er es auch ist.

This is how many white Americans, particularly in working-class and rural areas, view the world today. So when they hear politicians and journalists call them racist or remind them about their privilege, they feel like elites are trying to distract from the serious problems in their lives and grant advantages to other groups of people. When Hillary Clinton called half of Trump voters “deplorable,” she made this message explicit.

Das ist ein sehr einfacher Effekt. Denn natürlich ist jeder sich erst einmal selbst der nächste und sieht es nicht ein, dass ihm etwas vorgeworfen wird, für das er nichts kann. Er mag durchaus eine gerechte Welt wollen, aber das er für die Ungerechtigkeiten haftet, weil er ein Mann, Weiß und Heterosexuell ist, dass ist verständlicherweise unverständlich. Kündigt man dann noch an, dass man seine Gruppe verachtet, dann verstärkt das ein Gruppengefühl und erzeugt eine „Wir gegen die“-Situation. Unzufriedenen Menschen eine Gruppenidentität zu geben, noch eine die sie abwertet, kann verständlicherweise genau das Gegenteil von dem erreichen, was man bewirken will.

“Telling people they’re racist, sexist, and xenophobic is going to get you exactly nowhere,” said Alana Conner, executive director of Stanford University’s Social Psychological Answers to Real-World Questions Center. “It’s such a threatening message. One of the things we know from social psychology is when people feel threatened, they can’t change, they can’t listen.”

Arlie Hochschild, a sociologist and author of Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right, provided an apt analogy for white rural Americans’ feeling of neglect: As they see it, they are all in this line toward a hill with prosperity at the top. But over the past few years, globalization and income stagnation have caused the line to stop moving. And from their perspective, people — black and brown Americans, women — are now cutting in the line, because they’re getting new (and more equal) opportunities through new anti-discrimination laws and policies like affirmative action.

As a result, Hochschild told me that rural white Americans “feel like a minority group. They feel like a disappearing group. Both minority and invisible.”

Das sich jemand ausgeschlossen und ausgegrenzt fühlt und zudem das Gefühl hat, dass andere, die genau das gleiche machen wie er oder sich sogar schlechter verhalten, gefördert werden, erzeugt natürlich Unmut. Es gibt ein bekanntes Experiment, bei dem man dem einen Affen für eine Tätigkeit Gurkenscheiben gibt und er dann sehen muss, wie ein anderer Affe für die gleiche Tätigkeit ein beliebteres Essen bekommt. Auch wenn ihm vorher die Belohnung fair erscheint, wird er sich spätestens wenn er die höhere Belohnung des anderen sieht, unfair behandelt fühlen.

Ein Teil der Reaktionen auf die Taten von Flüchtlingen speist sich denke ich aus der gleichen Quelle: Wer erklärt, dass weiße Männer der Abschaum sind, der eine Vergewaltigungskultur unterhält und dann gleichzeitig Taten von Flüchtlingen oder aus der islamischen Welt nicht kritisiert, der gibt indirekt auch eine höhere Belohnung für gleiches Verhalten: Der eine wird gescholten für Taten, die man leicht hinterfragen kann (Auf dem Oktoberfest wird pausenlos vergewaltigt) und bei anderen wird es klein geredet. Das weckt das Interesse die Ungerechtigkeit darzustellen und darzustellen, dass der andere eigentlich schlechter ist und schon hat man gerade bei Leuten, die sich allgemein ungerechtfertigt abgewertet fühlen und ein positives Gruppengefühl brauchen eine Pegidabewegung oder AfD-Wähler.

One can pick the facts here — particularly since black and Latino Americans still trail white Americans in terms of wealth, income, and educational attainment. But this is how many white Americans feel, regardless of the facts.

Weil eben der einzelne Mann auch nichts dafür kann. Es kann nicht von ihm erwartet werden, dass er eine schlechtere Ausbildung akzeptiert und er kann auch nichts dafür machen, dass diese Gruppen eine bessere erhalten. Genauso wenig, wie er es bei ärmeren Weißen machen kann, die es auch genug gibt. Warum sollte er sich deswegen vorwerfen lassen ein Rassist zu sein oder warum sollten seine Probleme deswegen nicht auch Bedeutung haben?

So when they hear accusations of racism, they feel like what they see as the “real” issues — those that afflict them — are getting neglected. This, obviously, makes it difficult to raise issues of race at all with big segments of the population, because they’re often suspicious of the motives.

Das dürfe sogar noch mehr im Geschlechterbereich der Fall sein. Denn die meisten Männer versuchen ja natürlich Frauen zu fördern, nämlich ihre Partnerin, ihre Töchter oder Freundinnen oder andere Verwandten. Sie sehen sie als Teil ihrer Gruppe und nicht als gegnerische Gruppe und sehen es dann noch weniger ein, dass man sie gegeneinander ausspielen will.

What’s more, accusations of racism can cause white Americans to become incredibly defensive — to the point that they might reinforce white supremacy. Robin DiAngelo, who studies race at Westfield State University, described this phenomenon as “white fragility” in a groundbreaking 2011 paper:

White people in North America live in a social environment that protects and insulates them from race-based stress. This insulated environment of racial protection builds white expectations for racial comfort while at the same time lowering the ability to tolerate racial stress, leading to what I refer to as White Fragility. White Fragility is a state in which even a minimum amount of racial stress becomes intolerable, triggering a range of defensive moves. These moves include the outward display of emotions such as anger, fear, and guilt, and behaviors such as argumentation, silence, and leaving the stress-inducing situation. These behaviors, in turn, function to reinstate white racial equilibrium.

Most Americans, white people included, want to think that they’re not capable of racism — particularly after the civil rights movement, overt racism is widely viewed as unacceptable in American society. Yet racism, obviously, still exists. And when some white people are confronted with that reality, whether it’s accusations of racism against them personally or more broadly, they immediately become very defensive — even hostile.

Es ist schade, dass man da nicht auf die Idee kommt, mal die eigenen Theorien zu hinterfragen. Vielleicht ist es eben einfach kontraproduktiv Gruppen als rassistisch zu bezeichnen und davon auszugehen, dass „alle Weißen rassistisch sein müssen, wenn es Rassismus gibt“. Und natürlich kann man auch diesen Rassismus stark hinterfragen und andere Umstände für bestehende Unterschiede prüfen, von Biologie bis Klassen-Unterschiede.

DiAngelo offered a telling example, from an anti-racism training session she facilitated:

One of the white participants left the session and went back to her desk, upset at receiving (what appeared to the training team as) sensitive and diplomatic feedback on how some of her statements had impacted several people of color in the room. At break, several other white participants approached us (the trainers) and reported that they had talked to the woman at her desk, and she was very upset that her statements had been challenged. They wanted to alert us to the fact that she literally “might be having a heart-attack.” Upon questioning from us, they clarified that they meant this literally. These co-workers were sincere in their fear that the young woman might actually physically die as a result of the feedback. Of course, when news of the woman’s potentially fatal condition reached the rest of the participant group, all attention was immediately focused back onto her and away from the impact she had had on the people of color.

This illustrates just how defensive people can get in the face of accusations of racism: Not only did the woman who faced the criticisms genuinely feel like she was having a heart attack, but the white people around her believed it was totally possible she was. This is the reality of trying to have a conversation about race in America.

Hier ist es auch interessant, dass die eigentliche Bemerkung nicht genannt wird und auch nicht die Art des Vorwurf. Gerade wenn der Vorwurf angesichts der Bemerkung schlicht unverhältnismäßig war illustriert es weniger, dass Leute ungerechtfertigt auf einen Rassismusvorwurf reagieren, sondern eher, dass eben ungerechtfertigte Anschuldigung Leute aufregen.

There’s an unfortunate lack of understanding that interactions across groups can be positive and enrich rather than divide,” Godsil said. “That’s what people who do live in pretty homogeneous parts of the country just don’t know. They’ve never experienced it.”

So how do you get people to see that diversity isn’t a threat to them? Godsil pointed to the transgender canvassing study as one example. Perhaps nonconfrontational conversations with people of color in which both parties share their lived experiences could go a long way to demonstrating that different racial groups don’t have to be at odds. And white Americans could engage in these types of dialogues with other white people to help open their minds to another perspective.

But there’s other ways too, from creating local spaces in which people can talk about race issues and air out their fears to more formal public education campaigns.

The key to these conversations, though, is empathy. And it will take a lot of empathy — not just for one conversation but many, many conversations in several settings over possibly many years. It won’t be easy, but if we want to address some people’s deeply entrenched racial attitudes, it may be the only way.

Deswegen wird der Intersektionale Ansatz mit seiner Gruppeneinteilung immer mehr Ärger machen als Probleme lösen. Er baut nicht auf Empathie und gegenseitigen Einfühlen, sondern auf Vorwürfen und Einforderungen von Definitionsmacht auf. Er erfordert, dass die eine Seite, auch wenn sie selbst nichts gemacht hat, sich als reuigen Täter sieht und die andere Seite als zu entschädigendes Opfer. Das ist für die wenigsten eine interessante Perspektive und erzeugt Widerstand.

 

 

Sexismus, Rassismus etc = Vorurteil + Macht (prejudice + power)

Die Formel Sexismus/Rassismus/X-ismus = Vorurteile und Macht scheint mir immer mehr eine der problematischsten zu sein, weil es als die „richtige Definition“ für einen „echten“ X-ismus“ angesehen wird.

Der Grundgedanke ist, dass man negative Konsequenzen aus einem Vorurteil nur dann umsetzen kann, wenn man Macht hat und ist damit eng mit Gruppentheorien verbunden, denn der einzelne typische Mann hat eben genauso wenig Macht wie die einzelne Frau.

Ein Bettler kann ein Sexist sein, eine Lehrerin, die ihren männlichen Schülern schlechtere Noten gibt, weil sie meint, dass Jungs nun einmal doof sind und es nicht anders verdient haben, hingegen keine Sexistin. Dabei hat der Bettler keinerlei Macht, die Lehrerin aber eine erhebliche Macht. Aber sie werden eben nur als Teil der Gruppe gesehen, und Macht ist dort anscheinend rein binär zu betrachten: Entweder eine Gruppe hat Macht oder sie hat sie nicht, es gibt keine Grauzonen.

Ich würde hier gern etwas zu der Theorie und ihren Grundlagen zusammentragen:

Aus der Wikipedia:

  • In der Psychologie und Sozialpsychologie wird Sexismus häufig über vorurteilsbesetzte (negative) Einstellungen und diskriminierende Verhaltensweisen gegenüber Personen aufgrund ihres Geschlechts[2][3] oder noch breiter als „stereotype Einschätzung, Bewertung, Benachteiligung oder Bevorzugung einer Person allein auf Grund ihrer Geschlechtszugehörigkeit“[4] definiert. Diese Definitionen umfassen Stereotypisierungen, Abwertungen (vgl. Dysphemismus) und Diskriminierungen, die Frauen und Männern theoretisch gleichermaßen betreffen können.[5] Die amerikanischen Sozialpsychologen Peter Glick und Susan Fiske definieren Sexismus als Feindseligkeit gegenüber Frauen. Sexismus produziere die Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Rollen, wobei diese insbesondere Frauen in eine untergeordnete Position und in eine Stellung mit weniger Macht dränge als Männer.[6][7]
  • In der soziologischen Forschung wird der strukturelle Aspekt des Sexismus betont (siehe auch Strukturfunktionalismus, sozialer Status). Hier heißt es, Sexismus sei kulturell bedingt, institutionell verankert und individuell verinnerlicht. Es sei ein weitergetragenes Denken, Glauben, Meinen und ein Handeln als gesellschaftliche Praxis, welches Männer privilegiere und Frauen unterwerfe. Hierdurch werde das Tun von Frauen abgewertet und Frauen (und Männer) würden auf bestimmte Rollen festgeschrieben. Dieser Ansatz betont die Mechanismen eines diskriminierendenGesellschaftssystems, hier des Patriarchats, und untersucht die Verschränkungen von Sexismus mit anderen kritischen Ausprägungen von Herrschaft bestimmter Gruppen wie dem Rassismus, dem Klassismus oder der Altersdiskriminierung (englisch: „ageism“), Handicapism oder Speziesismus.[8]
  • Im postfeministischen Diskurs wird als Sexismus betrachtet, von anderen zu erwarten oder zu verlangen, dass sie Geschlechternormen verkörpern. Verwandt mit diesem Ansatz sind die Diskussionen um die heterosexistische Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Menschen, die nicht ins gängige Geschlechterkonzept passen.[9]

Da ist es noch relativ offen und man könnte teilweise auch sehr gut Männer unterbringen.

Wenden wir uns also idoelogisch klareren Seiten zu:

Der SJWiki:

Prejudice plus power is an inclusive and academic definition of axes of oppression, e.g., racism, sexism, etc., that stresses the access to institutional and cultural levels of bias that acts, systems, ideologies, and so on must possess in order to be inherently oppressive. This definition was first proposed by Patricia Bidol-Padva[1] in 1970 in her book Developing New Perspectives on Race: An Innovative Multi-media Social Studies Curriculum in Racism Awareness for the Secondary Level.[2]

Prejudice is a „preconceived opinion not based on reason or actual experience; bias, partiality.“[3] Power is „the capacity to exert force on or over something or someone.“[3]Unlike many layperson or dictionary definitions, this description of oppression as prejudiced opinions combined with access to power is not defined by the institutions inpower, e.g., for racism:

Racism is prejudice plus power. On the basis of this definition, while all people can be prejudiced, only those who have power are really racist. African Americans, Latinos, Asians and American Indians the powerless in American society can be and often are most prejudiced toward Whites on an individual basis, but they are not racists at the structural, institutional level. Within this understanding of racism, to be a racist you have to possess two things: 1) socioeconomic power to force others to do what you desire even if they don’t want to, and 2), the justification of this power abuse by an ideology of biological supremacy. Keep in mind that what often is described as racism in society today, is really nothing more than prejudice and discrimination. While a Black or Latino person, through the use of a gun and/or intimidation, can force a White person to do as he as an individual desires, this is an individual act of aggression, not a socially structured power arrangement. At present, however, only Whites have that kind of power, reinforced by a belief in an ideology of supremacy, both of which constitute the basis of racism in America today.[4]

As well as for sexism:

[I]nstitutional power: men as a class have it, women as a class don’t.What this imbalance of power translates to on an individual level is a difference in the impact of a man being prejudiced towards a woman and a woman being prejudiced towards a man. While both parties are human, and therefore have the same capacity to be hurt by the prejudice, whether they like it or not, the men have a whole system of history, traditions, assumptions, and in some caseslegal systems and “scientific” evidence giving their words a weight that the women don’t have access to.[5]

Inhaltsverzeichnis

 [Verbergen] 

  • 1 What is institutional oppression?
  • 2 Misconceptions
  • 3 But are white people really the only ones allowed to be called racist?
  • 4 See also
  • 5 External links
  • 6 References

What is institutional oppression?

The concept of prejudice plus power frames forms of oppression such as racism, sexism, homophobia, transphobia, ableism, ageism, and other positions of societal disfavor as perpetrated by those in power against those that are not in power. Just disliking someone or not favoring someone because of their race, gender, or other trait is not enough to oppress them; some form of power has to back the opinion that reflects it into multiple aspects of an environment rather than just a relational conflict.

The manifestation of prejudice when installed by those in power into social systems or institutions is called institutional oppression. The positions it enforces are widespread and repeatable because to even participate in acts needed to survive in said society, one must be exposed to those ideas: by household socialization, by the dynamics of who lives where and who one sees, the media presence of those with more social privilege versus those with less, the frequency that some people are hired and for what jobs, the access to health care, transportation, and housing that people have, the favor or quality of education and who gets the most of both, what demographics can be found in high-level positions and what ones are not, who is sexualized and who is not, who is considered uglier and who is not, and these are only just to start.

Misconceptions

A common assertion is that this definition of oppression disqualifies those with less social privilege from criticism, eg. only white people can be racist, only men can be sexist, only cisgender people can be transphobic, only able people can be ableist. However, this is a very simplistic understanding and focuses on distasteful concepts i.e. the „right“ of those with more privilege to callreverse racism or misandry or protest being called cis. The words of an oppressed class have very little power to cause any sort of detriment to those with social privilege; calling a white person a „cracker“ doesn’t impact their chances of being hired in the USA, identifying a cisgender person is not linked to the murder rate or medical care denial rate of cisgender people, and a woman proclaiming that men are encouraged to act irresponsibly doesn’t change the amount of boys entering higher science or computer education or bear implications for the rape statistics of men and boys. However, for people of color, trans people, and women these things are provably true[citation needed].

Singling out a person with a major axis of privilege may be rude, but the major impact of it is limited to some hurt feelings. Singling out a person without that axis of privilege for systematically disfavored traits supports and normalizes vast systems that take away their life opportunities and often lead to acts of violence against people of their same demographic. These acts, for less privileged individuals are the bulk of microaggressions, or cumulative, frequent small expressions of oppression that can result ininternalized oppression and damage to mental-health and well-being that those on axis of greater privilege do not experience.

But are white people really the only ones allowed to be called racist?

No. Because oppression is institutional, it is often internalized by people who must use those institutions to survive. However, it’s not the place of people in more privileged positions to police them. So no, (in the USA, at least) even if that black person does seem to be acting in a racist way against other black people, it’s not a white person’s job to call them out.

Additionally, there are plenty of divisions within areas of disprivilege where multiple axis of oppression intersect that can cause people in a socially disprivileged demographic to exercise what axis they have to suppress others. Within LGBTQA+ communities, cis gay males tend to upstage other demographics, biphobia is highly prevalent, and trans individuals face poor representation and violence. Within civil rights and racial justice communities, women of color, gay women, and trans people of color are routinely othered or face poor support. Within trans communities, transmisogyny, discrimination against nonbinary individuals, and medical sexism, thrives.

Furthermore, if oppression is institutional, different countries and different societies have different institutions. Whiteness, maleness, heteronormativity, able-ness, and other axes of privilege are favored by the widespread institutions inflicted globally by white European colonialism, but in different areas of the world favor may manifest differently, and locally powerful demographics may also take positions of dominance over locally suppressed demographics. Not all oppression is at the hands of white colonialists, but white european imperialism oppresses almost everybody in some way (socially, economically, culturally, in the media, in terms of beauty standards, etc.) in contemporary times.

Es handelt sich also um Theorien, die im Kontext der amerikanischen Anti-Rassimusbewegung entstanden sind. Ein wichtiges Kriterium für Macht scheint demnach zu sein, ob der Sexismus in irgendeiner Form Wirkung entfalten kann, die über leichtes Ungemach hinaus geht. Denn wenn das der Fall ist, dann steht eine gewisse institutionelle Macht dahinter.

Aus der Sicht könnte man natürlich leicht zu dem Ergebnis kommen, dass auch ein Sexismus gegen Männer bestehen könnte. Denn die Vorurteile, dass Männer nicht mit Kindern umgehen können, führen dazu, dass sie im Residenzmodell eher bei den Frauen landen, das Vorurteil, dass Männer sexgeile Schweine sind bewirkt, dass eine entsprechende Falschbeschuldigung einen Mann ruinieren kann, das Vorurteil, dass ein echter Mann seine Familie ernähren können muss, lässt Männer weniger Zeit mit der Familie verbringen und so weiter. Natürlich: Wenn man diese Bereiche nicht als Nachteile akzeptiert, dann kann man das ausblenden. Ebenso, wenn man anführt, dass Männer als Gruppe immer noch die meisten Machtpositionen innehaben, aber das ist dann entweder Rosinenpickerei oder eine Apex Fallacy.

Hier habe ich noch eine Kritik an dem Konzept gefunden, dass auch noch etwas dazu darlegt:

Critical Race Theory is a popular pass-time among my comrades on the radical left who ascribe to various positions within the broad political ideology of identity politics. Since I’m a Marxist, or at least a Marxian, it’s largely been something I’ve ignored. This is because for the most part it has appeared, looking in from outside the social circles where this particular family of ideas have currency, to be little more than a self-serving rhetorical tactic of petit-bourgeois academics seeking, out of narcissism, to claim for themselves and certain of their peers some of the political capital owed to the working class and won by them through hard graft during the civil rights movements of the fifties and sixties. The basic tactic as I see it is that Theorist A looks on the problems of some segment of the proletariat to whom he is peripherally related via an essentialized category established by historical capitalist precedent and Theorist A claims that rather than the disadvantages owing to oppressive economic structures, the actual oppressive structure is something else which is specifically in place to target whatever group Theorist A can make a case for his or her own membership of. This move is then co-opted by non-members of the cohort as a further disenfranchisement of the proper class consciousness, and all turned on its head as a condescending way to tell working class folks that they’re really the oppressors in society, rather than the victims of the Capital that has been so kind to the afforementioned theorists in their cozy endowed fellowships and well funded „activist“ groups, funded primarily by the tax breaks given to capital so that it can spend more of itself extracting surplus labor from the workforce. No One Is Innocent. But I digress.

Out of this argument falls various alleged systems, the most commonly referenced being „The Patriarchy“ and „Institutional Racism.“ These systems are then used as watch words whereby the theorist gains attention for his or her segment of the proletariat and by association co-opts a little of their plight for him or herself. It’s bourgeois narcissm, and As I said, I largely ignore such ideas because their influence in the world is largely limited to academia.

The rhetoric of these folks has no real tactical impact on the world because this narcissism more or less limits their grasp of the world to their own slice of it, and their slice being universities and activist circles among the more incoherent left, their opinions don’t shape much policy-wise beyond the rather childish realm of academic micropolitics. In other words, unless someone is interested in playing the academic politics game, this particular political claim doesn’t matter at all because it never comes into play in the larger economic world. There is, however, one bit of leakage from this world into the larger political sphere that does cause me a bit of consternation and it’s that cross contamination that I’m going to address here.

I’m speaking, of cours,e about the bizarre stipulation by Critical Race Theorists and self described „Anti-racists“ that Racism is the confluence of Racial Prejudice and Institutional Power. Or, to put it in the more pithy slogan form that is mostly favored by the people who use this definition „Racism = Prejudice + Power.“ This is an idea that appears to be reaching a sort of critical mass among the non-academic left and is endanger of derailing a good portion of radical activism and being extremely divisive among groups that ought to be united against the common enemy of global capital. I will argue that in fact this definition is counterproductive politically and unsound philosophically and as such ought to be eliminated from discourse by the left.

First, though, a bit of history.

As near as I can tell, the formulation „Racism = Prejudice + Power“ originated in a book by Pat Bidol in 1970. Titled „Developing New Perspectives on Race,“ in it Bidol explicitly makes the formulation as stated and then uses this definition as the basis for an argument that in the United States Blacks cannot be racist against whites, they can only be racially prejudiced against them. This makes an important connection that matters as far as this particular nonsense is concerned, which is that this stipulated definition exists as an excuse to defend members of racial minorities against accusations of racism and it has always existed for this reason. The definition was largely popularized by Judy Katz, who referenced Bidol explicitly, in her 1978 book „White Awareness“ which presented a course of counter-racist training for organizations. The book was highly influential and through it the formulation, for those who were searching for such a tool with which to deflect accusations of racism, gained popularity.

Which brings us to the present day, more or less, where the slogan has achieved a sort of quasi legitimacy by virtue of having been repeated so often. Of course, it’s of absolutely no use to anyone for anything except what the slogan was intended for initially, and even then it’s a very poor tool. Nevertheless, when reading over the tossed out thoughts on race by the left wing of the technocracy in particular, it remains as a sort of gospel despite the fact that as far as I can tell, the arguments for it are either very thin or even non-existent. In the Katz book, for example, it is purely stipulated and the only argument given for it is that without the component of power, any definition of racism looks exactly like prejudice. Why the formulation „racism = racial prejudice,“ which is much more consistent with the general usage of the term, is problematic is left unexplored by Katz and by all the theorists I have found who have adopted the definition.

The Problem

As for why it’s a problem to take this stipulated definition as gospel, well that requires a little unpacking. To begin with, it’s clear that the victims of racism, by and large, are members of racial minorities and those cases where racism has a material negative impact on whites are extremely rare. The case might be made that even if the definition is wrong then who cares? I think there are problems on multiple fronts. In brief, 1.) The sloppiness of the definition and the arguments in their favor give ammunition to the right to attack leftist criticisms of racism; 2.) It excuses racism between racial minorities; 3.) It is divisive between working class whites and working class racial minorities because it creates the false impression that their disadvantages are something other than economic and saying to working class whites that combatting inequality is not something that benefits them and therefore disenfranchises them as a group; 4.) It obfuscates the locus of power attributing to race what can only be attributed to class regardless of race.

I will address each of these problems in turn, but in order to see that these aren’t just problems that we have to live with in order to understand the nature of race in American politics and the global economic system, it’s first necessary to show why the definition is wrong. To begin with we have to ask what it is that gives a word it’s meaning.

Semantics and Semiotics in Brief

A word is a sign. Exactly how a sign acquires meaning is studied in the field of semiotics and in particular in the discipline of semantics by philosophers, linguists and semioticians. There are many different theories about how semiosis, or the process by which a sign becomes meaningful, takes place but on one thing most modern theories of semantics are in agreement and that is that the connection between word and meaning is conventional and arbitrary. There is no ultimate reason why the word „racism“ as it is said or written means what it does. Put another way, its meaning is what it is solely because that’s what the group of people who use the word understand it to mean. Or, as Ludwig Wittgenstein said, „…the meaning of a word is its use in a language-game.“ Descriptive lexicographers have been using this approach to discover and define the particular meaning of English words since Samuel Johnson published his dictionary in the 18th century and supported each definition with quotes culled from the corpus of English literature where the words had been used.

Taken a step further, it’s important to also note that meanings are not fixed, nor are they monolithic. Language occurs as part of what Wittgenstein referred to as the human „form of life.“ The Marxist linguist Valentin Voloshinov argued, as did Antonio Gramsci later, that meaning is as much a part of class and class struggle and the social formations inherent to them as it is to the wider group of language users. Which is to say that while a dictionary definition is certainly a good guide to meaning of a word, it must also be seen within the context of the social, economic, and political class of its user at any given time.

What this means for the slogan that „Racism = Prejudice + Power“ is that it can’t possibly be correct because the very idea that a meaning of a complex topic can be reduced to such a simple formula is completely misguided linguistically, and in particular for words so semantically loaded with complexity and political nuance as racism, prejudice, and power.

The complex of meaning

So what does „racism“ mean? Wittgenstein would counsel that the right thing to do would be to look at how the word is used, to construct cases. Several pertinent ones follow:

1.) „That guy is a racist because he only hires whites.“
2.) „That guy is a racist because he only hires blacks.“
3.) „The killer was a racist who believed that whites are superior to blacks, and that his white superiority justified his killing of a black man.“
4.) „Saying that all white people are racist is racist.“
5.) „The Nation of Yahweh promotes racism.“
6.) „The Ku Klux Klan are a bunch of racists.“

The argument here is that all of the above uses of the word racist are meaningful and that most speakers of English have no trouble understanding what these sentences mean and would agree that they are accurate uses of the word. The reason that „Racism = Prejudice + Power“ is an incorrect definition is that if it were true, only sentences 1, 3, and 6 are correct and that the other sentences are incorrect uses of the term. This argument can then become circular as it falls back on the stipulated definition to make its case. Enter the failure of the liberal arts colleges of the world to force undergrads to learn practical reasoning skills, and voila, you have immediate nonsense taken as gospel by far too many people who have it within their power to know better.

Of course one might argue that this is an educational matter and that in the face of the fact that most people have a broader definition of racism is akin to the widespread incorrect use of many words. The problem with that argument is that it assumes that there is a prescriptive element to language that can be deployed in a non-political way. However, the use of prescriptive language has a long history as a tool of political oppression. In particular it is a weapon of the upper classes to identify and marginalize lower social classes. As such no such argument can be value neutral. It is instead an example of political maneuvering and as such collapses in its attempt to defend the indefensible marginalization of some groups in favor of others because of race. As such, the argument itself is racist. Which is another correct use of the term.

Problems of Race and Power

Which brings me to the point of all this, which is that the formulation „Racism = Prejudice + Power“ is counterproductive and even vaguely racist in and of itself and it is in this that problems listed above arise.

Again, the problems with the Racism Formula are as follows:

1.) It gives ammunition to enemies of racial reform

If you go to Google and search for the Racism formula and criticism, while you will find a few leftist critiques, by and large you’ll find a great deal of mention among critics of things like affirmative action and other anti-racist legislative programs. Given that the argument’s only real use is to defend such programs, that its patent ridiculousness is so obvious is clearly counterproductive. If a conservative like Melvyn Fein can reach for it in defense of an ultimately racist position such as the ones he takes in his book Race and Morality, then clearly the „Racism „Formula is not the help anyone on our side thinks it is, and it should therefore be jettisoned as unhelpful along with the primary problem that it’s just bad thinking.

2.) It excuses or hides racism between racial minorities;

Clearly there are blacks who don’t like latinos, asians who don’t like blacks, latinos who don’t like asians, and all kinds of different folks with a low opinion of indians. The fact that none of those groups have widespread access to institutional power does not make the racist attitudes of any of their members any less racist. Power is of course fluid, but even in the absence of it, it is clear that the problems between blacks and asian immigrants in many american cities are motivated by racist attitudes on both sides. To call them something else simply out of a desire to preserve the Racism Formula is patently ridiculous.

3.) It is divisive between working class whites and working class racial minorities

This is probably the biggest problem with the formula in that it takes groups that are natural political allies and pits them against each other. On the one hand, working class whites are resentful of the suggestion that they have some invisible power that is benefitting them all the time when from their perspective it seems like they’re always struggling to stay ahead of the poverty curve. On the other hand it makes working class blacks suspicious of white folks, and while this suspicion has good reason, it would be much better for all involved if the real enemy (the bourgeoisie who employ both groups at oppressive wages) could be identified and pursued with the combined resources of organized labor.

Indeed, racism historically has been a tool used by capital to oppress the working class by dividing them. One only has to look at the history of the Irish in America to see it in action. Working class Irish immigrants, themselves victims of xenophobia and prejudice were given the tool of racism by the political establishment in the lead up and aftermath of the civil war, and they used it in order to get a leg up in American society. The result was an entrenched racism in working class Irish communities of the 19th and early 20th centuries, and persisting in a real sense up to the present, that further hurt the chances of blacks as slavery ended and still keeps the sons and daughters of many Irish immigrants firmly in the working classes when, had the two groups worked together, their numbers gave them a good chance at upsetting the established economic order. Instead the status quo was preserved, the bourgeoisie got to keep it’s wealth, and the proletariat continued to suffer.

4.) It obfuscates the locus of power by attributing to race what can only be accumulated by class regardless of race.

Most importantly, the problem with the Racism Formula is that it misconstrues the nature of power. All power is ultimately economic. Political power, institutional power, police power, military power, all of these are a function of the underlying economic structure that supports it. Its uses and the extent to which an entity possesses power in a capitalist system is inextricably linked to its ability to manipulate and accumulate capital. The notion of power that the Racism Formula uses is somewhat different. It asserts power as being a sort of social mechanism that the dominant social group, in this case whites, wield exclusively. Put another way, the Racism Formula assumes that if one is not white one has no access to power because power is monolithic. This is a necessary corollary to the definition’s sole purpose for existing, ie, to excuse racist actions and attitudes among racial minorities.

That power is not exclusively social and is not monolithic is demonstrated quite easily. In a fair fight between two equally matched men each man has a fifty fifty chance of victory assuming a stalemate is impossible. Give one man a weapon and he has more power over the other man because all else being equal, the advantage of the weapon assures the victory of the armed man. The unarmend man must do as the armed man says or die. Call this the fundamental principle of power and it is a model of how all power works. In a capitalist economy, all power therefore becomes capital because any one with sufficient capital, meaning the members of the bourgeoisie, can leverage their economic resources to give them the advantage in any such contest, and as a result assure their victory.

It would seem then that this bears out the Racism Formula since whites, as a group, have greater access to capital than all other minority groups combined. The problem is of course that people rarely act as a group, particularly where the accumulation of capital is concerned, and in the vast majority of real world power contests, it is individual pitted against individual not group against group. As such, there are circumstances where an individual member of a minority group does in fact have much more power than a member of another group, or even many such members. Oprah Winfrey, for example, is the wealthiest black woman in America She wields a tremendous amount of power as a result. In most contests, were Oprah Winfrey to be confronted with an overtly racist organization such as the Christian Identity Church, Oprah Winfrey would mop the floor with those scumbags because she’s more powerful than they are. This mismatch of power doesn’t make the Christian Identity Church any less racist than they are, nor does it make Oprah Winfrey racist herself. It simply shows that power is much more fluid and individualized than the racism formula acknowledges.

Another example, assume a white man hates black men and thinks they should be murdered if they have intercourse with a white woman. If he acts on those feelings, hunts and kills a black man because he believes that the man slept with a white woman, that is a racist act. In the exact opposite situation, it is ridiculous to say that a black man doing the same thing for the same reasons is not a racist just because the black man has less access to institutional power.

Power simply is not that static or monolithic. Nor is race. And prejudice is simply a motivating force. Putting them together accomplishes no real goal except the pernicious one of excusing bad behavior, and it does real harm to the cause it supposedly is in service of. For that reason it needs scrapping, and the next time someone uses it in your hearing, point them to this article. It’s not going anywhere any time soon.

Hat finde ich einige schöne Argumente, insbesondere auch der Punkt, dass dann Minoritäten denknotwendig nicht rassistisch gegeneinander sein können, weil sie ja keine Macht haben, ist aus meiner Sicht auch gut in einer Diskussion zu verwenden.

 

 

Zur Entstehung der „Critical Whiteness“-Theorien

El Mocho schrieb einen interessanten Kommentar zu „critical whiteness“

 

Man sollte sich bei Bewertung der ganzen “Critical Whiteness“-Geschichte immer wieder vor Augen halten, dass es sich um ein spezifisch amerikanisches Konzept handelt, das von WEIßEN amerikanischen Theoretikern (die beiden Hauptvertreter, David Roediger und Noel Ignatieff sind jedenfalls weiß) entwickelt wurde, um bestimmte konkrete Fragen zu beantworten. In erster Linie ging es darum, zu erklären, warum es in der Geschichte der amerikanischen Arbeiterbewegung nie zu einer Verbrüderung oder auch nur Kooperation von weißen und schwarzen Proletariern gekommen ist, und in zweiter Linie darum, zu erklären, warum seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts so viele weiße Arbeiter Reagan und Bush gewählt haben.

Diesen Ansatz auf die Situation in Deutschland zu übertragen ist, denke ich, völlig verfehlt, denn:

“In moving beyond a binary treatment of race, it is important to keep in mind that African Americans‘ experience of race differed qualitatively from that of other ethnic groups because of the involuntary nature of their immigration, their enslavement, and the unparalleled virulence of the racism directed against them.”, so der Historiker Peter Kolchin.

https://pantherfile.uwm.edu/gjay/www/Whiteness/kolchinreviewessay.htm

Das ist der entscheidende Punkt. In den USA kommt niemand auf die Idee, einen Schwarzen zu fragen, wo er herkommt oder wo er sein gutes Englisch gelernt hat, weil alle wissen, dass die Schwarzen seit Jahrhunderten im Land sind und nicht freiwillig hergekommen sind. Die ach so kränkende Erfahrung, die deutsche „PoC“ mit diesen Fragen machen, bleibt ihnen also erspart. Andererseits gibt es in den USA inzwischen durchaus eine (wenn auch nicht sehr große) schwarze Mittelschicht, schwarze Unternehmer und konservative bis reaktionäre schwarze Politiker und Richter, usw., die so in Deutschland natürlich fehlen. Und letztere haben durchaus ein Interesse daran, dass die schlechte Situation der schwarzen Mehrheit nicht durch politökonomische Analysen erklärt wird, sondern durch den „Rassismus“ der Weißen
.
Entsprechend werden die „Whitenesss-Studies“ von schwarzen Linken in den USA heftig kritisiert. Zwei Beispiele: Adolph Reed, Politologe von der Universität Pensylvania:

“Insistence on the transhistorical primacy of racism as a source of inequality is a class politics. It’s the politics of a stratum of the professional-managerial class whose material location and interests, and thus whose ideological commitments, are bound up with parsing, interpreting and administering inequality defined in terms of disparities among ascriptively defined populations reified as groups or even cultures. In fact, much of the intellectual life of this stratum is devoted to shoehorning into the rubric of racism all manner of inequalities that may appear statistically as racial disparities.”

http://nonsite.org/editorial/django-unchained-or-the-help-how-cultural-politics-is-worse-than-no-politics-at-all-and-why

Oder Barbara Fields. Historikerin von der Columbia-University:

“By its insistence upon marking and naming and making visible, whiteness scholarship first strews race and races everywhere and then, mirabile dictu, discovers them everywhere. Race then becomes so ubiquitous as to lose determinate shape. …

As an organizing concept, whiteness leads to no conclusions that it does not begin with as assumptions. Whiteness is a racial identity; therefore, white people have a racial identity. Whiteness equals white supremacy; therefore, European immigrants become white by adopting white supremacy. Whiteness entails material benefits; therefore, the material benefits white people receive are a reward for whiteness.“

http://blogs.umass.edu/weinbaum/files/2008/05/barbara-fields-article.pdf

Oder besonders gut hier:

“Probably a majority of American historians think of slavery in the United States as primarily a system of race relations—as though the chief business of slavery were the production of white supremacy rather than the production of cotton, sugar, rice and tobacco.”

“Those who create and re-create race today are not just the mob that killed a young Afro-American man on a street in Brooklyn or the people who join the Klan and the White Order. They are also those academic writers whose invocation of self propelling ‘attitudes’ and tragic flaws assigns Africans and their descendants to a special category, placing them in a world exclusively theirs and outside history—a form of intellectual apartheid no less ugly or oppressive, despite its righteous (not to say self-righteous) trappings, than that practised by the bio- and theo-racists; and for which the victims, like slaves of old, are expected to be grateful. They are the academic ‘liberals’ and ‘progressives’ in whose version of race the neutral shibboleths difference and diversity replace words like slavery, injustice, oppression and exploitation, diverting attention from the anything-but-neutral history these words denote. They are also the Supreme Court and spokesmen for affirmative action, unable to promote or even define justice except by enhancing the authority and prestige of race; which they will continue to do forever so long as the most radical goal of the political opposition remains the reallocation of unemployment, poverty and injustice rather than their abolition.”

http://www.solidarity-us.org/pdfs/cadreschool/fields.pdf

es handelt sich also um ein eindeutig auf amerikanische Verhältnisse bezogenes Konzept, dass nichts mit Rassismus in Europa zu tun hat.

Ich finde Herleitungen aus der Geschichte immer interessant, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass ein ursprüngliches Konzept seine damalige Bedeutung verlieren kann und mit einer neuen Bedeutung versehen werden kann.

Jetzt bilden die „critical Whiteness“ Theorien eben eine Untergruppe im Bereich der intersektionalen Theorien, in denen im Bezug auf den Bereich Rassismus die Gruppe der weißen privilegiert ist, die Gruppe die „PoC“ (People of Color) hingegen diskriminiert sind. Die eigentliche Erklärung ist dabei in den Hintergrund gerückt, sie ist für diese neue Theorie relativ egal. Auch der Umstand, dass etwa Asiaten als Bestandteil der PoC zumindest in Amerika im Schnitt mehr verdienen als alle andere Menschen, wenn man sie nach Hautfarbe in Gruppen einteilt, ist in dieser Theorie ganz egal. Der Einwand, dass sie nicht für die Situation in Deutschland gemacht ist, wird daher in deren Lager wenige überzeugen. Es geht heute nicht mehr um den Aspekt, warum es nicht zu einer Verbrüderung innerhalb der Klasse gekommen ist, sondern um „Machtstrukturen“. Natürlich geht es auch darum, dass man Virtue Signalling betreiben kann und gegen „die Mächtigen“ zugunsten „der Schwachen“ kämpft und das man den Vorwurf des Rassismus abfangen kann.

vgl. auch:

„Lieber männlicher Geflüchteter“

Gerade wird sich über diesen Text aufgeregt:

 

Lieber männlicher Geflüchteter,

vermutlich in meinem Alter. Vermutlich ein paar Jahre jünger. Ein bisschen älter.

Es tut mir so unfassbar Leid!

Vor fast einem Jahr habe ich die Hölle gesehen, aus der du geflohen bist. Ich war nicht direkt am Brandherd, aber ich habe die Menschen in dem Flüchtlingslager in Südkurdistan besucht. Habe alte Großmütter gesehen, die sich um zu viele elternlose Kinder kümmern müssen. Ich habe die Augen dieser Kinder gesehen, einige haben ihr Leuchten nicht verloren. Ich habe aber auch die Kinder gesehen, deren Blick leer und traumatisierend war. Ich habe mir von ca 20 ezidischen Kindern in ihrem Matheunterricht arabische Schriftzeichen zeigen lassen und weiß noch, wie ein kleines Mädchen angefangen hat zu weinen, nur weil ein Stuhl umfiel.

Ich habe einen Hauch der Hölle gesehen, aus der du geflohen bist.

Ich habe nicht gesehen, was davor geschehen ist und auch deine strapaziöse Flucht habe ich nicht miterleben müssen.

Ich bin froh und glücklich, dass du es hierher geschafft hast. Das du den IS und seinen Krieg hinter dir lassen konntest und nicht im Mittelmeer ertrunken bist.

Aber ich fürchte, du bist hier nicht sicher.

Brennende Flüchtlingsunterkünfte, tätliche Angriffe auf Refugees und ein brauner Mob, der durch die Straßen zieht.

Ich habe immer dagegen angekämpft, dass es hier so ist.

Ich wollte ein offenes Europa, ein freundliches. Eins, in dem ich gerne leben kann und eins, in dem wir beide sicher sind. Es tut mir Leid.

Für uns beide tut es mir so unglaublich Leid.

Du, du bist nicht sicher, weil wir in einer rassistischen Gesellschaft leben.

Ich, ich bin nicht sicher, weil wir in einer sexistischen Gesellschaft leben.

Aber was mir wirklich Leid tut ist der Umstand, dass die sexistischen und grenzüberschreitenden Handlungen die mir angetan wurden nur dazu beitragen, dass du zunehmendem und immer aggresiverem Rassismus ausgesetzt bist.

Ich verspreche dir, ich werde schreien. Ich werde nicht zulassen, dass es weiter geschieht. Ich werde nicht tatenlos zusehen und es geschehen lassen, dass Rassisten und besorgte Bürger dich als das Problem benennen.

Du bist nicht das Problem. Du bist überhaupt kein Problem.

Du bist meistens ein wunderbarer Mensch, der es genauso wie jeder andere verdient hat, sicher und frei zu sein.

Danke, dass es dich gibt – und schön, dass du da bist.hier

Man regt sich auf, weil sie kurz davor eine Anzeige erstattet hat, weil sie drei Männer ausländischer Herkunft vergewaltigt haben sollen.

Nun wird dieser Text so interpretiert, dass sie sich damit bei den Tätern entschuldigen will. Aus meiner Sicht eine gänzlich falsche Auslegung.

So wie ich das sehe entschuldigt sie sich nicht bei den Tätern sondern bei anderen Flüchtlingen dafür, das die Tat ihrer Vergewaltiger nun genutzt werden wird einen Generalverdacht gegen alle männlichen Flüchtlinge zu begründen. Sie stellt klar, dass sie wegen der Tat gegen sie nicht andere männliche Flüchtlinge unter einen Generalverdacht stellt.

Was ist daran bezüglich des betonens der Unschuld anderer Männer zu kritisieren? Die männlichen Flüchtlinge haben ganz überwiegend niemanden vergewaltigt.

Ist das nicht grundsätzlich genau die Haltung, die wir gerne von Frauen hätten?

Ein Text einer vergewaltigten Frau

„Liebe Mann an sich, du bist toll, es tut mir leid, dass die Taten einzelner Männer gegen mich nun mehr von Feministinnen genutzt werden um eine Rape Culture zu behaupten.

Ich verspreche dir, ich werde schreien. Ich werde nicht zulassen, dass es weiter geschieht. Ich werde nicht tatenlos zusehen und es geschehen lassen, dass Feministinnen und Sexisten dich als das Problem benennen.

Du bist nicht das Problem. Du bist überhaupt kein Problem.

Du bist meistens ein wunderbarer Mensch, der es genauso wie jeder andere verdient hat, sicher und frei zu sein.

Danke, dass es dich gibt.

wäre ein großartiger Text. Es erscheint mir hilfreich, hier die Argumente, die man gegen ihren Text bringt in übertragener Form gegen meine Umformulierung vorzubringen und zu schauen, wie sie da klingen.

Natürlich ist der obige Text dennoch ein großartiges Beispiel für Doppeldenk. Denn sie schafft es gleichzeitig einen Generalverdacht gegen die deutsche Gesellschaft einzubringen und diese für alles verantwortlich zu machen, das alte Märchen der von weißen errichteten Rape Culture und überhaupt der Schlechtigkeit der weißen Welt.

Ihre Beschränkung auf männliche Flüchtlinge und ihre Verklärung andere Kulturen sowie die Verteufelung der westlichen Welt, das alles ist ihr durchaus vorzuwerfen.

Das sie nicht alle männlichen Flüchtlinge für die Tat Einzelner verantwortlich macht allerdings nicht.

Zu Zerfleischungen im Feminismus: Lann Hornscheidt als Rassist

Der radikale intersektionale Feminismus ist aus meiner Sicht nicht der Lage, jemals eine dauerhaft konstruktive Arbeit im größeren Stil zu ermöglichen. Er verliert sich in seinen vielen hierarchisch aufgebauten Diskriminierungsebenen, in der es keine Rücksicht oder keine minderschwere Tat geben darf, sondern alle Taten zu Distanzierungen und Ausschlüssen führen müssen, die eine solche Szene entweder zerreißen oder eben relativ homogen machen müssen. Konflikt ist insbesondere dann vorprogrammiert, wenn nichtintersektionale Feministinnen die anderen Ebenen ignorieren und einfach Feminismus betreiben wollen oder wenn zwei ungeklärte Diskriminierungsebenen aufeinanderstoßten. Dies scheint gerade mal wieder passiert zu sein, und zwar in der Form der Ebenen „Transsexualität“ und „Rasse“.

Die Fachschaftsinitiative der Humbold-Uni aus dem Bereich Gender Studies berichtet:

Liebe Student*innen der Gender Studies, liebe Interessierte,

Anfang Juli 2015 sah sich die weiß und mehrheitlich cis*-positionierte Fachschaft Gender Studies (FSI) dazu gezwungen, eine weiß und trans*-positionierte Person (R.) auszuschließen.

Das ist ja ersteinmal schon ein Skandal: Anscheinend schafft es die Fachschaftsinitiative nicht hinreichend ihre eigenen Privilegien zu hinterfragen und ist weißpositionierte (nicht: mehrheitlich weiß). Eigentlich schon ein Armutszeugnis und selbst Hinweis auf Rassismus. Aus diesem wurde nunmehr eine weiß und transpositionierte Person ausgeschlossen. Eigentlich ist bereits bei dieser Formulierung und Hervorhebung klar, dass es um Rassismus gehen wird.

Im Rahmen seiner_ihrer Fachschaftsarbeit kam es zu massiven rassistischen Äußerungen und Handlungen durch R. Dass erstmalig so ein drastischer Schritt, ein Ausschluss, nötig ist, möchten wir an dieser Stelle begründen und unsere Entscheidung öffentlich darlegen. Denn Rassismus ist keine Privatangelegenheit!

Im Zuge eines Seminars der Gender Studies bei Lann Hornscheidt im Sommersemester 2015 wurde gegen den, von Lann Hornscheidt ausgeübten, Rassismus interveniert. Eine beteiligte, cis-positionierte, PoC (N.) hat nach der Intervention die FSI davon in Kenntnis gesetzt.

Lann Hornscheidt wird Rassismus vorgeworfen, und das ansscheinend in einem Maße, das ein „intervenieren“ der PoC (ist es eigentlich rassistisch eine PoC mit „N.“ abzukürzen?) erforderlich war und die „Fachschaftsinitative verständigt wurde.

Hier ist eigentlich für einen Kenner dieser Theorien bereits klar: Wenn ein PoC Rassismus vorwirft, dann liegt auch Rassismus vor. Widerspruch ist bereits selbst Rassismus, da sich gerade eine Weiß positionierte Fachschaftsinitiative natürlich nicht anmaßen darf, dass sie sich in dem Bereich besser auskennt als die PoC.

R.s Reaktion darauf war in mehrfacher Hinsicht anmaßend und diskriminierend. Als weißeTrans*-Person verlangte R. von der WoC spezifische Auskünfte über die race- und gender-Positionierungen innerhalb der Interventions-Gruppe. Denn schließlich sei derweiße Raum, in dem interveniert wurde, ein Schutzraum für Trans*-Personen. Somit müsse, als Legitimation, ein_e Trans*Inter*GnC (Gender non Conforming) PoC oder Schwarze_r in die Intervention involviert sein. Wenn ein_e solche_r nicht gefragt werden könne, müsse letztlich eine weißeTrans*Inter*GnC Person die Erlaubnis erteilen, in einem „weißen Trans*Schutzraum“ zu intervenieren, zum Beispiel R. selbst.

Ich übersetze das mal: R war der Meinung, dass N. es etwas übertreibt und Lann Hornscheidt hier nicht etwa rassistisch war, sondern die Interessen von Transpersonen vertreten hat. Da R bewußt war, dass ausschlaggebend für das Ergebnis war, wessen Opferperspektive berücksichtigt wird, fragte er, wie sich die Gruppe zusammensetzt: Wenn da nur Schwarze oder sonstige „Nichtweiße“ vertreten wären, dann wäre zu befürchten, dass eine „Verurteilung“ wegen Rassismus erfolgt. Wären hingegen auch Transsexuelle oder zumindest Personen, die sich weniger deutlich einem Geschlecht zuordnen vorhanden, dann wäre die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Position, die er wahrscheinlich bei Lann Hornscheidt sieht, eher berücksichtigt wird und zumindest dem Rassismusvorwurf entgegengehalten wird.

Vergleichbar wäre dies bei einem Vorwurf der katholischen Kirche zur Zeiten der Hexenprozesse, bei der ein Heiler beschuldigt wird, schwarze Magie auszuüben und jemand darauf bedacht ist, dass in der Inquisitionsgruppe nicht nur Geistliche, sondern eben auch Heiler vorhanden sind und dieser Nachfragt, wie sich die Personen, die in Betracht kommen einordnen: Sieht sich einer vielleicht als Heiler? Dann wäre es günstiger.

Es ist also im Prinzip ein klassisches „die Revolution frisst ihre Kinder“, bei dem eine der revolutionären Gruppen bei einem Prozess über einen der seinen möglichst viele eigene unter den Richtern wissen will.

Anscheinend wird auch angeführt, dass in diesem Moment, in dem Lann Hornscheidt seinen Rassismus gezeigt haben soll, nur Weiße anwesend waren und in dieser Zusammenhang eben der Schutz von Transsexuellen vorgehen würde. Also vielleicht so etwas wie „Unter Weißen darf man doch wohl mal sagen, dass Transsexuelle in vielen Ländern mit schwarzer Bevölkerung sehr stark diskriminiert werden, dass ist dann nicht rassistisch, sondern ein Hinweis auf die Diskriminierung von Transsexuellen“.

N. weigerte sich, Auskünfte über die Positionierungen der Beteiligten zu geben. Die WoC wies R.s uneinsichtiges Beharren auf Antworten und diese Argumentationsweise an sich, als Ausdruck rassistischen Derailings und weißen Dominanzgebärens entschieden zurück.

Klar, das Ansinnen, dass man ein Inqusitionsgericht zur Aufklärung von Hexerei nicht mit Geistlichen besetzen kann,sondern auch einen Heiler einbeziehen müsste, ist Anzweifeln der heiligen Ordnung und damit Abwertung der Geistlichkeit. Als ob nur Heiler entscheiden könnten, was Heilerei und was Hexerei ist und da einen Wissensvorsprung hätten!

Interessant wäre es gewesen, wenn R. ein schwarzer Transsexueller gewesen wäre. Dann hätte man diese Unterscheidung schwerer machen können und hätte auch die Transsexualität eher berücksichtigen dürfen. Aber die Verteilung ist ansonsten eben einfach: In der Kategorie „Rasse“ ist der Weiße der Unterdrücker und der Schwarze der Unterdrückte. Damit kann nur ein Schwarzer bzw. ein PoC entscheiden, ob Rassismus vorliegt, niemals aber ein Weißer. Der Wunsch, wenn er auch eigentlich auf eine andere Kategorie bezogen ist, kann nur „weißes Dominanzgebären“ sein.

Die FSI hält R.s Argumentation für falsch und rassistisch:
Eine PoC oder Schwarze Person braucht weder die Erlaubnis einer weißen Person, um gegen Rassismus zu intervenieren, noch ist sie ihr Rechenschaft oder Auskunft schuldig. Deswegen sind die tatsächlichen gender- und race- Positionierungen an dieser Stelle auch irrelevant.

Ein geistlicher braucht keine Erlaubnis eines Weltlichen um gegen Hexerei zu intervenieren. Er muss auch keine Rechenschaft oder Auskunft geben. Natürlich ist es irrelevant, was er sonst noch vertritt, denn die Opferfrage bestimmt die Richter. Wenn Rassimus vorliegt, dann geht es eben nur um Rassismus. Wenn dann eine andere Kategorie mit hineinspielt dann ist es Sache dieser Kategorie, einen Ausweg zu finden. In meinem Beispiel wäre dieser beispielsweise gewesen, darauf hinzuweisen, dass aufgrund des Kolonialismus leider die Binarität der Geschlechter in vielen afrikanischen Ländern noch eine starke Position hat und dieser daher für Transsexuelle problematisch sein kann, dass aber natürlich dafür nicht etwa PoCs verantwortlich sind, sondern eben der Kolonialismus. Oder man hält über dieses Problem einfach den Mund.

Das Nachfragen an sich, als auch der Glaube, ein Recht auf eine Antwort zu haben, sind in diesem Zusammenhang rassistisch. Als weiße Person die Beteiligung einer Schwarzen oder PoC Trans*Inter*GnC-Person an einer antirassistischen Intervention gegen eine weiße Lehrperson zu fordern, verstehen wir als Tokenizing (Instrumentalisierung).

Den letzten Satz finde ich interessant. Denn sie betonen hier ja gerade beständig die Wichtigkeit der Hautfarbe und das er ein Weißer ist. Wenn er nun will, dass auch eine Trans*Inter*GnC-Person beteiligt ist, um ihre besondere Unterdrückungserfahrung einzubringen, dann soll das wieder eine Instrumentalisierung sein.

Die Darstellung dieses, weiß dominierten, Seminarraums als Schutzraum für Trans*-Personen trifft unserer Ansicht nach nicht zu. Es handelt sich um ein Universitätsseminar und nicht um einen Schutzraum. Selbst wenn der Raum trans*freundlich wäre, so wäre er dies nur für weiße Trans*-Menschen, da er rassistisch strukturiert ist, wie alle Uni-Räume hier. Daher kann er kein „sicherer“ Raum für Schwarze oder PoC sein, gleich welcher Gender-Positionierung oder sexuellen Orientierung. Somit kann ein weißer Raum niemals als Schutzraum fungieren.

Der Hinweis ist innerhalb dieser Theorie in der Tat wenig überzeugend. Es kann keine Schutzräume für Rassismus geben, auch nicht, wenn dieser Rassismus eigentlich nach Sicht des Sprechers nur Interessenvertretung von Transpersonen ist. Ob Schwarze im Raum sind ist da natürlich vollkommen irrelevant.

Und: Rassismuskritik zerstört oder destabilisiert keine Räume, sondern Rassismus und white supremacy (weiße Vorherrschaft)! Wenn weiße Räume als „meine Räume“ bezeichnet werden, wie R. es mehrfach tat, ist das nichts anderes als der traurige Versuch, den rassistischen Status Quo aufrechtzuerhalten.

In der Tat. Das ist ein reichlich bescheuerter Einwand, wenn man mitten in der Theorie steckt. „Meine Räume“ finde ich auch eine sehr komische Bezeichnung.

Über diese rassistischen Äußerungen hinaus wurde N. fremdpositioniert und abgesprochen GnC zu sein. Ihr wurde vorgeworfen, das Konzept der Intersektionalität nicht zu verstehen. Dieser Vorwurf ist nicht nur gegenüber einer mehrfachdiskriminierten queeren WoC, sondern auch inhaltlich fehl am Platz. Neben der Zuschreibung Intersektionalität nicht zu verstehen, auch den Missbrauch der Definitionsmacht vorzuwerfen, ist zynisch. Strukturell besitzen weiße Menschen Definitionsmacht, insbesondere über Rassismus.

„Fremdpositioniert“ ist auch ein geiler Vorwurf. Den kann man eigentlich fast immer bringen. Wenn man „Transrace“ vertritt sogar in Bezug auf die Hautfarbe.

R. hat hier also gesagt, dass N nicht versteht, dass es hier nicht um Rasse, sondern um Transsexualität geht und demnach auch eine Person beteiligt werden muss, die diese Perspektive einbringt. Da hat R ja auch durchaus einen Ansatzpunkt, nur wäre das  bereits ein Zugeständnis, dass Transsexualität zu verteidigen einem erlauben soll rassistisch zu sein. Was eben nicht geht. Dazu hatte ich oben bereits etwas geschrieben. Zwar kann ein Zustand Transsexualität und Rassismus betreffen, er muss dann aber so behandelt werden, dass keiner Opfer ist. Auch wenn man dazu etwas unter den Tisch fallen lassen muss.

R. verübte massive Grenzüberschreitungen, unter anderem vor allem dadurch, dass N.s  ausdrückliche Bitte, keine Mails mehr zu erhalten, nicht respektiert und stattdessen verhöhnt wurde. Vielmehr folgten daraufhin, über mehrere Tage hinweg, über 20 weitere E-Mails. Dabei gab es sexistisch-rassistische Beleidigungen und Drohungen durch R.

Die FSI hat den Anspruch, Trans*feindlichkeit ernst zu nehmen und begrüßt die Auseinandersetzung mit und das Vorgehen gegen diese Diskriminierungsform.
Das Nicht-Eingehen auf rassistisch konnotierte Nachfragen zu einer antirassistischen Intervention ist jedoch keine Trans*feindlichkeit. Wir halten R.s Behauptung, N. hätte sich in diesem Konflikt trans*feindlich verhalten, für victim blaiming (Täter_innen-Opfer-Umkehr). Auf eine Rassismuskritik zu reagieren, indem die eigenen, weißen Befindlichkeiten und Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden, verstehen wir als Derailing (Ablenkung vom eigentlichen Thema/ vom eigenen diskriminierenden Handeln).

Das problematische ist hier denke ich mal wieder, dass die eigenen Privilegien ungern hinterfragt werden und nicht gesehen wird, dass sich die eigene Ideologie jederzeit gegen einen wenden kann. Gerade Personen, die wie Transsexuelle, sonst sehr weit oben in der Opferhierarchie dieser Ideologie stehen, verkennen, dass sie dennoch in den meisten anderen Katgorien Täter sind und sich entsprechend verhalten müssen. Diese Perspektive ist, gerade wenn man eigene Interessen beeinträchtigt wird („Aber gerade schwarze Länger SIND besonders Transfeindlich“) natürlich schwer einzusehen.

Die dargelegten rassistischen Handlungen können wir nicht tolerieren. Sie sind unvereinbar mit unserem Selbstverständnis als Fachschaft. Eine weitere Zusammenarbeit mit R. ist so nicht möglich.
Fachschaftsinitiative Gender Studies

Klar, denn ein dulden wäre ja auch eine Duldung von Rassismus und damit ein Ende des Selbstverständnisses als „Die Guten“.

Ich bin wirklich gespannt, was Lann Hornscheidt gesagt haben soll und ob man dazu, nachdem die „Interventionsgruppe“ tätig war, etwas mehr erfährt. Auch interessant wird, wie Lann Hornscheidt darauf reagiert.

Es ist ja schon interessant, dass eine Person, die Bücher mit dem Titel “ Rassismus auf gut Deutsch. Ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen“ mit herausgegeben hat und als „Expertin für Rassismus“ gehandelt wird, des Rassismus beschuldigt wird.

Der vulgäre Rassismus in seiner linken Variante: Nichtweiße sind gut

Adrian schreibt in einem Kommentar zum Feminismus und zum Intersektionalismus:

Als Faustregel gilt: Alles am Westen darf und muss beständig kritisiert werden, denn der Westen, das sind weiße, heterosexuelle Männer; der Westen ist die Zentrale des Kapitalismus und damit der gewalttätigste, rassistischste, sexistischste Ort auf Erden.

Dazu kommt ein vulgärer Antirassismus (der bei Lichte besehen nichts anderes ist, als eine linke Variante des Rassismus), der jedwedes Phänomen aus „nichtweißen“ Kulturkreisen einen Vertrauensvorschuss gewährt. Daher auch die Liebe der Linken zum Islam, bei gleichzeitiger Verteufelung des Christentums. Ersterer ist halt „schwarz“, letzteres „weiß“; ersterer ist Dritte Welt und damit gut, letzteres ist Westen und damit böse.

Das ist das ideologische Weltbild der hiesigen, postmodernen Linken

Und ich würde zustimmen, dass das in der Tat eine Form des Rassismus ist. Zwar begründen sie diesen hier sozial, das läuft aber auf das Gleiche hinaus: Es werden negative und positive Eigenschaften aufgrund der Hautfarbe zugewiesen.

Es gibt keinen Grund dafür „nichtweißen“ Kulturkreisen einen Vertrauensvorschuss in Sachen Sexismus zu gewähren. Eher im Gegenteil, wenn man sich die jeweiligen Kulturen so anschaut.

Die Theorien sind dort wirklich simpel: Sie scheinen eher der Nützlichkeit für das eigene „Gutsein“ zu folgen: „Ich darf kein Rassist sein, Rassist ist man, wenn man Farbigen seine Meinung aufdrückt, also erkläre ich dort einfach alles für gut, es sei denn, ein Farbiger sagt mir, dass ich das anders sehen darf“.

Das ist unter der Negativspirale, die eine solche Ideologie mit klaren Freund-Feind-Denken hervorbringen muss, auch eine durchaus zu erwartende Folge. Es ist nicht mehr sinnvoll, diese Abgrenzungen zu hinterfragen, wenn das Bewertungskriterium „größtmögliche Solidarität mit den Opfern“ ist und die Opfer per Definition aufgrund eines sehr starren Schemas nur in einer Gruppe vertreten sein dürfen.

Intersektionalismus stellt darauf ab, dass in jedem Merkmal (Rasse, Geschlecht, Stand, sexuelle Orientierung) eine Hierarchie besteht, bei der mit Macht den ohne Macht unterdrückt. Wer sich nicht absolut mit dem ohne Macht solidarisiert, der ist selbst ein Ausbeuter. Da die Weißen in Hinblick auf „Rasse“ nach dieser Ansicht die Macht haben, unterdrücken sie zwangsläufig die anderen, also muss man sie verdammen und die anderen unkritisch von Kritik freistellen, wenn man in diesem System Punkte gewinnen will.

Dabei finde ich es besonders interessant, dass das Kriterium „Rasse“ anscheinend über das Kriterium „Geschlecht“ gewonnen hat und nur bei sehr extremen Fällen die Kritik umschlägt. Vermutlich einfach, weil es als Kriterium in diesem Gedankenschema nicht zu leugnen ist und eben auch hier die absolute Solidarisierung erfolgen musste, sogar noch etwas mehr, weil man ja als weiße Feministin „Täter“ ist.