Die Statistiken amerikanischer Universitäten zeigen überwiegend: Keine Vergewaltigungen

Die Rape Culture in ihrer ganzen Schrecklichkeit offenbart sich an amerikanischen Universitäten:

Hundreds of colleges had zero rape reports in 2014. And that could be worrisome.

Aus dem Artikel:

There were no rapes reported in 2014 at California State University at Long Beach, a public university with about 36,000 students. That could seem like a positive sign. But school officials aren’t boasting about it. They know sexual violence victims are often reluctant to step forward, and they want to hear more often from survivors.

“We always operate under the assumption that zero does not really mean zero,” said Cal State Long Beach spokesman Mike Uhlenkamp. “We realize that under-reporting will happen. It is a fact based on the national data. We’re going to try to do what we can to change that culture on our campus.”

A Washington Post review of federal campus safety data for more than 2,200 colleges that offer bachelor’s or advanced degrees found that more than 1,300 of the schools had no reports of rape on campus in 2014, the most recent year for which data is available.

[See a table, below, of the schools that had zero rape reports]

The numbers underscore what is often a huge gulf between the estimated prevalence of sexual violence on campus and the actual number of reports schools receive. A Post-Kaiser Family Foundation poll last year found that one in five young women who attended college in a four-year span said they had been sexually assaulted during that time — a finding echoed in other surveys. But a far smaller share said they reported such incidents to school authorities.

“It’s a harsh reality that a lot of parents and others in society don’t want to deal with: Sexual violence is on every campus,” said Laura L. Dunn, founder and executive director of the advocacy group SurvJustice. “Any time you have a zero, it is not an indicator of safety. It is an indicator of comfort in reporting.”

Sen. Kirsten Gillibrand (D-N.Y.) said there are two explanations for why schools would have no rape reports: “Either they don’t have an adequate reporting system … or they know about the rapes and are putting them under the rug.”

Oder die Zahlen sind gehörig übertrieben und die Studentinnen relativ sicher. Ich hatte schon mal einen Artikel mit Zahlen von Universitäten, an denen Vergewaltigungen gemeldet worden waren, aber auch dort waren die Zahlen sehr gering

Diese Möglichkeit wird aber nicht ins Auge gefasst. Und das obwohl die Grundlage für die „1 von 5“ äußerst dünn ist und noch nicht einmal von den Befragten geteilt wird, die viele Vorfälle schlicht nicht als schlimm ansahen.

Es beschleicht einen der Verdacht, dass die Welt vielleicht besser sein könnte als die Gruppen gegen sexuelle Gewalt dies brauchen. Immerhin leben sie davon, dass die Leute Angst haben, den so rechtfertigen sie ihre Gelder.

Man könnte dies jetzt zum Anlass nehmen und eine neutrale Begutachtung der Zahlen vornehmen und dabei die Dunkelziffern hinterfragen. Statt dessen wird wohl schlicht darauf abgestellt, dass die Zahlen eine Verschlechterung bedeuten, weil die Vorfälle nicht angezeigt werden.

Auch eine Idee, die dort niemanden kommt: Drastische Verfahren, die als ungerecht empfunden werden, schrecken ebenfalls Opfer ab, Vorfälle geringeren Umfangs anzuzeigen. Wenn man sich fragen muss „War es schlimm genug, dass er der Uni verwiesen werden muss?“, dann wird man sich das eben genauer überlegen, wenn man meint, dass er vielleicht einfach nur etwas falsch verstanden hat oder etwas übermütig war. Gerade wenn derjenige aus einem gemeinsamen sozialen Umfeld kommt.

Statt dessen wird man wohl fordern, die Verfahren noch strikter zu machen und noch rigeroser gegen angeblich bestehende Strukturen vorzugehen. Auch wenn dieser Ansatz eher schadet als nützt. Das ist vor dem Hintergrund, dass davon die eigene Existenz in den Krisenzentren und der Lehrstuhl für Gender Studies abhängt auch verständlich. Hilft aber in keiner Weise und macht Leuten allenfalls Angst.

Wie viele Anzeigen wegen sexueller Gewalt gibt es an den amerikanischen Universitäten?

Neulich wurde auf Twitter dieses Bild gepostet mit dem Hinweis, dass es von Facebook gelöscht worden ist. Es wird gerade beklagt, dass Facebook konservativere Inhalte löschen lässt.

Ich finde das Bild allerdings sehr interessant:

Sexuelle Gewalt an amerikanischen Universitäten

Sexuelle Gewalt an amerikanischen Universitäten

Mir ist dabei durchaus bewußt, dass es weitere Fälle geben wird, die eben nicht angezeigt worden sind, also eine Dunkelziffer, wobei deren Höhe aus meiner Sicht sehr diskutabel ist. Wenn das aber die offiziellen Zahlen sind, dann werden verschiedene Sachen deutlich:

  • Selbst in einem System, in dem dem beschuldigten Mann nahezu keine Möglichkeit bleibt, sich zu verteidigen und eine Unschuldsvermutung quasi nicht greift, scheinen Frauen nicht anzeigen zu wollen. Weitere Erleichterungen werden insoweit schlicht nichts bringen
  • Der Gegenstandpunkt wird sein: Trotz dem einfachen Verfahren und den damit bestehenden Vorteilen für den Beschuldigenden haben Frauen immer noch zuviel Feindseligkeit gegenüber sich selbst internalisiert und mir müssen den Prozess noch mehr fördern.
  • Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass viele der angenommenen Vorfälle eben als harmlosere Belästigungen oder etwas zu forsche Versuche für die meisten Frauen schlicht „kein großes Ding“ waren
  • Ich würde vermuten, dass auch die drastische Ausrichtung dieser Verfahren seinen Teil dazu beitragen könnte: Dem Studenten droht der Verweis und damit der Abbruch seines Studiums. Er droht über den Umstand, dass der Grund des Hinauswurfs bekannt ist, auch an anderen Universitäten erhebliche Nachteile oder wird da vielleicht nicht zugelassen. Ich vermute mal, dass das auch von vielen Frauen für kleinere Vorfälle als unverhältnismäßig angesehen wird und sie die „Null-Toleranz-Politik“ nicht mittragen.
  • Es zeigt auch, dass die Gefahr einer Falschbeschuldigung in der Hinsicht nicht so groß ist. Man stehe nicht bei jedem Sex mit einem Bein im Gefängnis.

Wie findet ihr die Zahlen?

„Überall in der Natur findet sich Sexismus“

Ein interessanter Artikel darüber, dass sich überall in der Natur eine erschreckende Menge an Sexismus findet. Die Forscher fanden schreckliches:

„When we first decided to examine attitudes and behaviors toward gender roles among non-humans, we were wholly unprepared for what we would find,“ said Jennifer Tannen, leader of the UCSD research team, a joint venture between the school’s zoology and women’s studies departments. „Females living in the wild routinely fall victim to everything from stereotyping to exclusion from pack activities to sexual harassment.“

Bedauerlicherweise scheint sich also überall auf der Welt und nicht nur bei den Menschen das Patriarchat seinen Platz erobert zu haben. Und nur zu häufig sind es Frauen, die darunter leiden müssen:

Nowhere is the natural world’s gender inequity more transparent, Tannen said, than in the unfair burden females assume for the rearing of offspring.

„Take the behavior of the ring-neck pheasant,“ Tannen said. „After mating, the male immediately abandons the hen, leaving her responsible for the total care for the chicks. For the single mother-to-be, there is no assistance, either in the form of a partner or child support. Nor is there any legal recourse. It’s despicable.“

Tannen said pheasants are typical of the natural world, where a mere 5 percent of animal species mate for life. Among species that do form lasting pairs, the situation barely improves: Females must remain close to the nest to incubate eggs, nurse, and keep watch over the burrow while males are free to go off hunting and fishing with their friends.

Man beachte den irren Blick und den Umstand, dass er sich, da er die Kosten der Aufzucht auf das Weibchen abwälzt, ein schönes Federkleid leisten kann, während sie mit fleckigen unscheinbaren Federkleid herumlaufen muss.

Fasan

Fasane – sind sie Unterhaltspreller oder lassen sie Frauen immerhin nach dem Sex in Ruhe?

Leider war das nicht die einzige Spezies, bei welcher man solch klassische Rollen vorfand:

„The sexist attitude that child-rearing is ‚women’s work‘ is prevalent throughout nature and has been for generations, probably since reptiles first developed mammalian characteristics in the Triassic period,“ Tannen said. „Sadly, most creatures never pause to challenge these woefully outdated gender roles.

Sicherlich sind auch bei den Tieren die Geschlechterrollen nur sozial konstruiert, wie sollten sie sonst ein solches Verhalten entwickeln? Wir wollen hoffen, dass  Nonhuman Gender Studies sich schnell unter den Unterdrückten verbreitet.

Tannen stressed the need to hold high those rare examples of species that do form caring, mutually supportive relationships.

„Wolves, beavers, gibbons, and a small African antelope known as a dik-dik all live in stable, monogamous pairs,“ Tannen said. „Other animals need to look to them as positive models if we are to have any hope of one day creating an ecosystem of understanding and respect.“

Das ist natürlich etwas kurz gedacht, denn auch eine monogame Beziehung ist nicht frei von sexueller Gewalt und Unterdrückung. Bekanntlich geschehen dort die meisten sexuellen Belästigungen, so dass auch Wölfinnen, Biberinnen und Gibbonnnen nicht sicher sind. Die Anzeigerate ist gerade bei Bibern, bei denen die Frauen in gefängnisartigen Inseln, umgeben von Wasser, leben müssen,  sehr gering.

Aus anderen Spezien allerdings hört man sogar erschreckende Berichte:

More seriously, in addition to an unfair division of labor, nature is rife with sexual abuse and harassment. The UCSD study estimates that in 2001 alone, more than 170 trillion cases of abuse occurred in the world’s forests, grasslands, and oceans—all of them unreported.

„During the act of mating, the female moose is subject to excessive biting, nipping, and herding,“ Tannen said. „The male has no qualms about using sheer, brute force to overpower his sex partner, and the female, accustomed to this sort of rough treatment after millions of years of it, doesn’t even realize there’s something wrong.“

„Then, when it’s time for the bull moose to complete the sexual act,“ Tannen continued, „it’s over in about five seconds, with no regard to female pleasure whatsoever. Typical.“

Adding insult to injury, Tannen said, the bull moose then heads off to mate with dozens more females over a period of two to three weeks, justifying his behavior as „part of the Mardi Gras-like atmosphere of ‚mating season.'“

Eigentlich kaum ein Unterschied zum Menschen: Die Elchkuh als Sex-Objekt, welche man gefügig macht und misshandelt, dann zur nächsten.

Das Schreckensszenario geht weiter:

With other species, darker situations unfold.

„To mate, the male Galapagos tortoise simply immobilizes the female with his weight, which, as far as I’m concerned, qualifies as non-consensual sex,“ Tannen says. „Female southern elephant seals gather in large groups during mating season, and each group has a small handful of males who control them like a harem. It’s sick.“

Glücklicherweise gibt es zumindest bei den Seeelefanten eine „Queerfraktion“: Die Sneaker, Männer, die ihre toxische Männlichkeit hinterfragt haben und sich von den Statuskämpfen verabschiedet haben statt dessen Frauen nachmachen, worauf sich die Frauen als Flucht aus dem Harem natürlich gerne einlassen.

Wo wir gerade bei Statuskämpfen sind: Ein Blick auf den Namensgeber der Hahnenkämpfe darf nicht fehlen:

A cock reinforces the poultry world’s sexist, male-dominated social hierarchy.

Das Huhn schaut unterdrückt zu Boden, der Hahn schlägt (!) mit den Flügeln, das Huhn in seinem Schatten dominierend.

When female animals refuse to play along with prescribed gender roles, Tannen said, they are demonized. For example, female foxes, known throughout the animal kingdom for their aggressiveness, are labeled „vixen.“

„We’ve all heard the lurid tales about the female black-widow spider, who kills and eats her mate,“ Tannen said. „The truth is, male spiders encourage their partners to kill them because it increases the time spent mating and, thus, the number of eggs fertilized by his sperm. But no one condemns the male for his part in this destructive relationship.“

Alle Verantwortung wird mal wieder auf der Frau abgelegt, die auch die ganze Arbeit hat. Dabei wird sie überredet zu töten, was dann wieder nur zu seinem Nutzen ist, da sein Sperma nützlicher wird. Auch hier leider: Victimblaming. Killshaming verdient einen größeren Platz in der Zoologie.

UCSD researchers identified 24 distinct male behaviors designed to perpetuate gender inequity and preserve the prevailing power structure. Among these dominance-asserting behaviors are chest-puffing, plumage-spreading, and antler growth.

In einer gerechten Gesellschaft hätten Hirschkühe übrigens gleichgroße Geweihe, die ihnen leider durch strukturelle Diskriminierung genommen werden.

The UCSD study is not without its detractors. Glen Otis Brown, author of Forced To Strut: Reverse Sexism In The Animal World, countered that male animals are victims of „the beauty myth“ as much as females.

„When given a choice, female green tree frogs gravitate toward males that call the loudest and most often,“ Brown said. „Female Poecilia reticulata [guppies] go straight to the most brightly colored males. But when males evolve exaggerated secondary sexual traits to attract the opposite sex, suddenly they’re the bad guys.“

Buuuuh! Male Tears! Das Patriarchat schadet eben auch Männern. Wenn es endlich beseitigt ist, dann können Froschfrauen sich auch von den Rollen befreien und Wählen, wer wirklich gut für sie ist.

Tannen conceded that both genders have suffered as a result of sexism.

„Other than sexual size dimorphism due to same-sex competition, males benefit little from the gender inequity that so strongly favors them,“ Tannen said. „In a world where interactions are rooted in competition, not cooperation, both females and males are being denied the right to form meaningful relationships.“

Eben! Alles würde besser werden mit Feminismus.

Annie Secunda, a Boston-based females‘-rights advocate, said swift action must be taken to address the problem of sexism within the animal kingdom.

„We need to provide tigresses, hens, and all other females in nature with outreach programs and support networks,“ Secunda said. „We also need to impose standards through intervention. The males of all species need to hear loud and clear the message that this kind of animal behavior is not acceptable.“

Es wird in der Tat Zeit, dass das jemand anspricht. Man darf hoffen, dass möglichst schnell entsprechende Stellen eingerichtet werden.

Secunda conducts numerous workshops aimed at creating female-friendly biomes and promoting the health and positive self-image of females on both land and in the sea. She also strongly advocates the legalization of infanticide, which would enable females to devour their newborn offspring when resources are limited.

Secunda spent much of 2001 in the Amazon rainforest, working to create safe spaces for female animals. These efforts, however, yielded mixed results: Females have avoided the lighted walkways she built in several dangerously dense areas, and leaflets encouraging females to learn how their own bodies work were ultimately used to line dens for the rainy season.

Verinnerlichter Sexismus lässt sich leider nicht von heute auf morgen auflösen. Das es jetzt noch nicht geklappt hat zeigt nur, dass an dieser Stelle mehr gemacht werden muss. Die gegenwärtige Erfolglosigkeit des Projekts zeigt die Stärke des Patriarchats, die Angst beispielsweise der Elchmänner vor starken Elchfrauen, die sich nicht mehr so behandeln lassen, verhindert hier eine Veränderung. Und das macht deutlich, dass man weiter arbeiten muss, bis man einen Erfolg sieht.

Far from discouraged, Secunda said she plans to embark on an intensive study of the sexuality of flora.

„Multicellular plants alternate sexually reproducing and asexually reproducing generations, with each plant producing both male and female gametes,“ Secunda said. „It seems many plants have moved past conventional notions of male-female gender altogether. It’s so liberating, I can’t help but have hope for all those so-called ‚higher‘ species of animals.

Endlich einmal positive Nachrichten. Man darf träumen, dass auch die Menschen bald diese Entwicklungsstufe erreichen. Um so mehr Förderung Gender Studies bekommt, um so näher wird dies rücken.

Training gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und seine Wirkung

Eine interessante Studie behandelt, was ein Training gegen sexuelle Belästigung bringt:

This study evaluated a sexual harassment program for staff and faculty employees at a metropolitan university. One hundred men and 97 women who participated in the program and 141 men and 178 women who did not participate responded to a self-report questionnaire through campus mail. Analysis of variance was used to test for effects of program participation and employee gender on five outcome variables. Results indicated that participants showed more knowledge about sexual harassment than did nonparticipants and had a stronger attitude that sexual behavior at work is inappropriate. Men had more favorable attitudes toward sexual behavior at work than did women. Moreover, program participation and employee gender interacted, indicating an adverse reaction to the program among male participants. Male participants were less likely than other groups to perceive coercive sexual harassment, less willing to report sexual harassment, and more likely to blame the victim. Implications of the findings are discussed.

Demnach hat das Training genau das Gegenteil von dem erreicht, was es eigentlich erreichen sollte: Die männlichen Teilnehmer lehnten sich gegen das Programm auf und waren weniger bereit sexuelle Belästigung zu erkennen, weniger bereit solche zu berichten und eher bereit das Opfer als die Schuldige anzusehen.
Aus einem Bericht über die Studie im Telegraph:

Lauren Edelman, professor of law and sociology at the University of California Berkeley, told the Guardian: “Sexual harassment training may, in fact, make it less likely that males will recognise situations that are harassing. Sexual harassment training may provoke backlash in males.”

Das kann ich mir bei einem klassischen feministisch angehauchten Anti-Belästigungstraining auch durchaus vorstellen. Denn dort dürften diverse Anschuldigungen gegen Männer an sich vorgenommen werden, es dürften kleinere Vorfälle bereits als „Mikroaggressionen“ oder ähnliches gewertet werden und es dürfte allgemein ein Klima geschaffen werden, in denen Männer das Gefühl haben, dass sie nichts richtig machen können und für Kleinigkeiten bestraft werden können. Es wird einem deutlich gemacht, dass die Gruppe der Täter einen selbst umfasst und das führt natürlich zu einer Solidarisierung, wie wohl die meisten Anschuldigungen gegen Mitglieder einer Gruppe. Wer Maßnahmen als ungerecht empfindet, der ist eben weitaus weniger bereit auch deren ggfs noch berechtigte Teile umzusetzen, schon gar nicht, wenn er das Gefühl hat, dass sie gegen ihn als Mitglied einer Gruppe gerichtet sind.

Ein Artikel im Guardian führt dazu an:

The men’s surprising responses may have been an “effort at self-preservation intended to defend and protect against a perceived attack on them”, the authors wrote.

In other words, the training appears to make some men feel threatened and afraid that they will be subject to false accusations, said Shereen Bingham, co-author of the study and professor at the University of Nebraska at Omaha school of communication. As a result, they may respond in a defensive manner.

“We were surprised … it certainly appears to be irrational,” said Bingham. “The only explanation can be psychological or emotional.”

Es ist ja schon interessant, dass sie wahrnehmen, dass Männer sich bedroht fühlen, aber anscheinend nicht hinterfragen, ob da etwas dran sein könnte.

The findings highlight a broader challenge – that men in leadership roles sometimes struggle to relate to the experiences of those who have faced harassment, she said: “People in powerful positions don’t have a good grasp of what it’s like to be in a non-dominant group.”

Other studies have shown that when workplaces actively inform men of sexual harassment policies, it can also have unintended negative effects. A study published in the Social Psychology Quarterly found that after men learned about harassment rules, it triggered implicit gender biases, effectively making it more likely for them to stereotype women.

“The purpose of sexual harassment policy is to make men and women more equal in the workplace,” said Justine Tinkler, assistant professor of sociology at the University of Georgia and co-author of the study. “If the policies are sort of activating gender stereotypes rather than challenging them, they may not be promoting that broader goal.”

Tinkler has also studied how sexual harassment trainings can provoke backlash and how people who say they support harassment laws are resistant to the enforcement of those policies. Trainings can also reinforce men’s feelings that women are “emotional and duplicitous in the way that they both want sexual attention, but don’t want sexual harassment”, she explained.

Das dürfte dann auch daran liegen, dass gerade in Amerika die Regelungen gegen sexuelle Belästigung paradoxe Züge haben. Wenn man eigentlich am Arbeitsplatz nicht flirten darf, es aber natürlich dennoch gemacht wird, gleichzeitig aber auch sofort als sexuelle Belästigung bestraft werden kann, dann ist die Einstellung der Männer dazu ja durchaus verständlich. Wenn dort Beispiele verwendet werden, bei denen eine Frau niemals Täter sein kann, egal, wie sexuell sie sich verhält, jede Reaktion darauf aber als sexuelle Belästigung angesehen werden kann, dann ist es auch verständlich, dass dies als sehr einseitig empfunden wird.

Edelman, the UC Berkeley professor, said she suspects the backlash could stem from the “cartoonish, somewhat unrealistic” harassment examples that trainings often include – lessons that can make participants skeptical and resentful.

Das würde dann in der Tat ein Problem sein.

Edelman’s own research has focused on what’s known as “symbolic compliance”, which refers to the way organizations’ anti-harassment and diversity policies and procedures are primarily focused on demonstrating compliance in a legal context – and likely do little to actually reduce discrimination or harassment.

Zu diesem Problem, gerade im Zusammenhang mit den „punitive damages“ hatte ich bereits hingewiesen. Es ist in der Hinsicht ein Problem, dass die Firmen sich nach Möglichkeit weitgehend entlasten müssen, also durchaus Interesse daran haben, dass sie dort in den Belehrungen die Anforderungen übertreiben, damit sie dann sagen können, dass sie bereits vor Kleinigkeiten gewarnt haben und eine Zero-Tolerance Politik errichtet haben. Ob das  Konzept auch für die Mitarbeiter tatsächlich das Beste ist, ist dann egal, wenn damit jedenfalls eine Haftung zuverlässig ausgeschlossen ist.

In California, employers with 50 or more employees are required by law to provide at least two hours of harassment prevention training, and in the University of California, all faculty and supervisors must complete a training every two years.

Auch ein schönes Beschäftigungsfeld für „Gender Studies Spezialisten“. Wäre interessant, was da so an Geld fließt. Aus Deutschland kenne ich es nicht.

The questionable research makes clear that universities should not only study the effectiveness of training, but should also prioritize other mechanisms to promote prevention, professors said.

“The university should focus more on having a much clearer zero-tolerance policy with very clear sanctions that are very consistently carried out,” said Edelman.

Tinkler said the best way to combat workplace sexual harassment is to reduce gender inequality and promote women in leadership positions.

“It really requires changing workplaces that have gender inequality structured into the way that they are organized,” she said.

Dass Vorgesetze versuchen bei Frauen zu landen wird man nie abstellen können. Nicht, weil es gut ist, sondern weil eine höhere Position eben einen gewissen Status mit sich bringt, den die Leute verwerten wollen. Natürlich können hier Strafen abschrecken, aber solange es zB Studentinnen gibt, die es aufregend finden, mit ihrem Professor zu schlafen, bleibt es interessant. Es könnte interessanter sein, wenn man ihnen beibringt, wie man es macht, ohne Frauen zu belästigen. Aber das wird wohl keine Firma, schon gar keine amerikanische, anbieten.

Nungessers feministische Mutter dazu, was sie aus dem Vorfall gelernt hat

In einem Artikel zu den neusten Ereignissen um die Klage von Paul Nungesser gegen die Universität und die unterstützenden Professoren wird auch die Mutter von Paul interviewt, die deutsche Feministin Karin Nungesser:

One feminist who would cheer for such an outcome is German journalist Karin Nungesser—Paul’s mother—who insists that it’s a matter of principle and not just maternal devotion. “I think it is important that male students are suing their colleges if they believe that they are being discriminated against.It´s the same path that LGBT people, differently-abled people, people of color and women have gone very successfully in the past: to fight for their equality in front of a judge and achieve equal rights there,” Karin told me in an email. “As a feminist, I advocate for gender equality and not to establish privileges for women.

Ich vermute mal, dass sie als etwas ältere Feministin da eher noch auf der zweiten Welle ist und die moderneren feministischen Theorien, die besagen, dass man Männer gar nicht diskriminieren kann und Frauen keine Privilegien haben, sondern allenfalls wohlwollenden Sexismus erleiden, insofern nicht vertritt.

“What happened to Paul didn’t fundamentally change my political convictions: I never shared the view that women are better, more likable or more peaceful than men,” she says, citing research on women’s role in Nazi atrocities. “That women, given the power and the opportunity, can become perpetrators just like men is nothing new for me.”

Das haben auch Schwarzer und Beauvoir so gesehen. Ich vermute mal, dass auch intersektionale Genderfeministinnen im Grundsatz zustimmen würden, nur eben davon ausgehen, dass Frauen eben gegenwärtig keine Macht haben und man dazu eine „toxische Weiblichkeit“, die in etwa der heutigen Männlichkeit entsprechen würde, entwickeln müsste. Es wäre mal eine interessante Frage an Feministinnen.

What has changed, she says, is her perspective on how willing feminists should be to criticize other women and other feminists. She wants to see more debate and dissent with regard to some beliefs—such as “women never lie about rape.”

“Like many other feminists I never believed this and never advocated for it,” says Karin. “I never, however, argued openly against it, when others did. Today, I think I would, and this obviously has to do with what Paul has gone through.”

Tja, wenn es den eigenen Jungen betrifft ist es eben etwas anderes. Der ist dann in etwa dem „feministischen Boyfriend“ vergleichbar und ändert insofern die Bewertung. Die Abkehr von diesem Grundsatz, dass eine Frau niemals über Vergewaltigungen lügt, wäre insofern für den Feminismus schon einmal ein großer Schritt. Er wird allerdings mit diesem über weite Teile nicht kompatibel sein, da man dazu die Deutungshoheit des Opfers, das Abstellen auf dessen Sicht und die bedingungslose Solidarität mit der Person aus der unterprivilegierten Gruppe aufgeben müsste. Es ginge wohl allenfalls, wenn der Beschuldigte ebenfalls einer Opfergruppe angehören würde, also etwa schwarz wäre und sich auf Rassismus berufen würde.

Die Auswirkungen von Erregung auf unser Denken

Eine interessante Studie untersucht, wie sich bestimmte Einstellungen unter der Wirkung sexueller Erregung verändern:

Despite the social importance of decisions taken in the ‘‘heat of the moment,’’ very little research has examined the effect of sexual arousal on judgment and decision making. Here we examine the effect of sexual arousal, induced by selfstimulation, on judgments and hypothetical decisions made by male college students. Students were assigned to be in either a state of sexual arousal or a neutral state and were asked to: (1) indicate how appealing they find a wide range of sexual stimuli and activities, (2) report their willingness to engage in morally questionable behavior in order to obtain sexual gratification, and (3) describe their willingness to engage in unsafe sex when sexually aroused. The results show that sexual arousal had a strong impact on all three areas of judgment and decision making, demonstrating the importance of situational forces on preferences, as well as subjects’ inability to predict these influences on their own behavior.

Quelle:  The heat of the moment: the effect of sexual arousal on sexual decision making (Abstract / Teilweiser Volltext/Volltext)

Viele werden jetzt sagen, dass das ja nun eigentlich ein Effekt ist, für den man nicht wirklich eine Studie braucht: Natürlich Verhalten wir uns anders, wenn wir erregt sind. Aber was ist Erregung eigentlich? Es ist in gewisser Weise die Aktivierung eines gewissen Programms durch zB die Stimulierung bestimmter Körperregionen. Es ist insofern etwas, was uns auf Sex vorbereitet und dessen Durchführung in gewisser Weise attraktiver macht. Es verändert also bestimmte Parameter in Richtung Sex und verleiht diesen eine stärkere Bedeutung. Nur: Wie genau soll man sich dies abseits einer Wirksamkeit innerhalb unserer Biologie, abseits einer Veränderung bestimmter Parameter, die unser Denken beeinflussen, erklären? Wir denken nicht logischer, im Gegenteil, häufig machen wir erhebliche Dummheiten unter der Wirkung sexueller Erregung.

Das zeigt auch die Studie in den Ergebnissen:

Sexuelle Erregung Denken

Sexuelle Erregung Denken

Unter dem Einfluss der „Erregung“ erscheint uns also sexuelles Sexueller und sexuelle Handlungen erscheinen uns attraktiver. Wir können uns in dem Moment beispielsweise wesentlich eher vorstellen, dass wir Sex mit jemanden haben, den wir hassen und Männer würden eher einen „Teufels“-Dreier, also 2 Männer und eine Frau mitmachen. Analsex scheint plötzlich wesentlich attraktiver und diverse andere Praktiken ebenfalls. Es erscheint auch frustrierender einfach nur rumzuknutschen und nicht weiterzukommen. 

Wie sich die Einstellung verändert zeigt auch die Beantwortung weiterer Fragen:

 

Sexuelle Erregung Denken2

Sexuelle Erregung Denken2

Wie man sieht wird es hier wesentlich bösartiger gegenüber der Nichterregung. Was auch ein interessantes Licht auf die Frage wirft „Geht es bei der Vergewaltigung um Macht oder um Sex?“. Wie man an der Steigerung im Zusammenhang mit der Erregung sieht ist diese ein sehr wesentlicher Faktor.

Auch ein anderer interessanter Aspekt der Studie: Wie steht es um Verhütung

Sexuelle Erregung Verhütung

Sexuelle Erregung Verhütung

 

Es zeigt gut, warum das Predigen von Enthaltsamkeit als Vorbeugen gegen jugendliche Schwangerschaften wenig hilft: Solange sie im Klassenraum sitzen mag ihnen der Gedanke ganz logisch erscheinen. Wenn sie aber erregt sind, dann erscheint eben der Sex wesentlich attraktiver als vorher im Klassenraum und es kommt eher dazu, dass man die guten Vorsätze über Bord wirft. Dann wiederum wäre es besser, wenn die Jugendlichen ein Kondom zur Hand hätten, da sonst eher die Gefahr einer Schwangerschaft droht.

Aus der Studie:

This study examined the effect of high levels of sexual arousal on the subjective attractiveness of different activities, on self-reported willingness to take various morally dubious measures to procure sex, and on willingness to engage in risky sexual activities. Our results on attractiveness of activities suggest that sexual arousal acts as an amplifier of sorts. Activities that are not perceived as arousing when young males are not sexually aroused become sexually charged and attractive when they are, and those activities that are attractive even when not aroused, become more attractive under the influence of arousal. By showing that, when aroused, the same individual will find a much wider range of activities sexually appealing than when not aroused, these findings weigh in against the view of sexual preferences as being purely an individual difference variable—i.e., as dispositionally rather than situationally determined. Certainly, there are robust individual differences in sexual preferences and in the likelihood of engaging in various behaviors, but there also seem to be striking intra-individual differences caused, in our study, by externally caused variations in arousal level.
Our results further suggest that the change in attractiveness influences the intensity of motivation to have sex relative to other goals. Specifically, the increase in motivation to have sex produced by sexual arousal seems to decrease the relative importance of other considerations such as behaving ethically toward a potential sexual partner or protecting oneself against unwanted pregnancy or sexually transmitted disease. Like other drive-states (Loewenstein, 1996), and also somewhat analogous to the effects of alcohol (Ditto et al., 2005; Steele & Josephs, 1990), sexual arousal seems to narrow the focus of motivation, creating a kind of tunnel-vision where goals other than sexual fulfilment become eclipsed by the motivation to have sex (c.f., Blanton & Gerrard, 1997).
As noted in the introduction, a secondary implication of our findings is that people seem to have only limited insight into the impact of sexual arousal on their own judgments and behavior. Such an under-appreciation could be important for both individual and societal decision making. At the individual level, there is a considerable research showing that one’s meta-understanding of one’s own preferences can in many situations be almost as important as the preferences themselves. For example, as O’Donoghue and Rabin (2003) show, the impact of hyperbolic time discounting on actual intertemporal choice behavior depends critically on whether one is naı¨ve or sophisticated about the fact that one will face self-control problems in the future. Ariely and Wertenbroch (2002) likewise found, in a study of students taking a class, that those who were aware of their own tendency to procrastinate, and hence voluntarily set deadlines for themselves, got higher course grades than those who did not. Self-insight when it comes to sexual arousal and sexual behavior is similarly likely to be important for decision making. For example, the most effective means of self-control is probably not willpower (which has been shown to be of limited efficacy), but rather avoiding situations in which one will become aroused and lose control. Any failure to appreciate the impact of sexual arousal on one’s own behavior is likely to lead to inadequate measures to avoid such situations. Similarly, if people under-appreciate their own likelihood of having sex, they are likely to fail to take precautions to limit the potential damage from such encounters. A teenager who embraces ‘‘just say no,’’ for example, may feel it unnecessary to bring a condom on a date, thus greatly increasing  the likelihood of pregnancy or transmission of STDs if he/she ends up getting caught up in the heat of the moment.

The same logic applies interpersonally. If people judge others’ likely behavior based on observing them when they are not sexually aroused, and fail to appreciate the impact of sexual arousal, then they are likely to be caught by surprise by the other’s behavior when aroused. Such a pattern could easily contribute to daterape.

Indeed, it can create the perverse situation in which people who are the least attracted to their dates are most likely to experience date-rape because being unaroused themselves they completely fail to understand or predict the other (aroused) person’s behavior.
At a social level the failure to appreciate the influence of sexual arousal when one is unaroused can have diverse consequences. For example, judges and jurors, who are generally unaroused when making decisions of guilt and punishment, may be excessively condemnatory and punitive toward sexual offenders because they make their decisions in a sexually unaroused state and fail to appreciate how intense sexual arousal would alter even their own decision making in potentially compromising circumstances. The result is that decisions will be stigmatized as immoral misbehavior even by people who would themselves make the same choice when in an aroused state. It should be clear that such effects of arousal cannot justify any sexual exploitation, but they can make such behaviors somewhat more understandable. From the perspective of the legal system it is possible that sexual arousal should be given more credit as a partially mitigating factor than it would normally receive. Moreover, understanding these effects can help guide individuals (sex offenders for example) such that they will be less likely to sexually exploit or re-exploit. Finally, as alluded to in the discussion of individual decision making, the failure to appreciate sexual arousal by those who are not
themselves immediately aroused can also help to explain the enactment of misguided and ineffective policies such as ‘‘just say no’’, leaving young adults unprepared to limit the potential damage from their own behavior in the heat of the moment.

Wir können also nur sehr schwer einschätzen, wie wir reagieren, wenn wir nicht in unserem „normalen Modus“ sind, sondern erregt. Deswegen unterschätzen wir unser Verhalten und bewerten das Verhalten anderer härter.

„Lieber männlicher Geflüchteter“

Gerade wird sich über diesen Text aufgeregt:

 

Lieber männlicher Geflüchteter,

vermutlich in meinem Alter. Vermutlich ein paar Jahre jünger. Ein bisschen älter.

Es tut mir so unfassbar Leid!

Vor fast einem Jahr habe ich die Hölle gesehen, aus der du geflohen bist. Ich war nicht direkt am Brandherd, aber ich habe die Menschen in dem Flüchtlingslager in Südkurdistan besucht. Habe alte Großmütter gesehen, die sich um zu viele elternlose Kinder kümmern müssen. Ich habe die Augen dieser Kinder gesehen, einige haben ihr Leuchten nicht verloren. Ich habe aber auch die Kinder gesehen, deren Blick leer und traumatisierend war. Ich habe mir von ca 20 ezidischen Kindern in ihrem Matheunterricht arabische Schriftzeichen zeigen lassen und weiß noch, wie ein kleines Mädchen angefangen hat zu weinen, nur weil ein Stuhl umfiel.

Ich habe einen Hauch der Hölle gesehen, aus der du geflohen bist.

Ich habe nicht gesehen, was davor geschehen ist und auch deine strapaziöse Flucht habe ich nicht miterleben müssen.

Ich bin froh und glücklich, dass du es hierher geschafft hast. Das du den IS und seinen Krieg hinter dir lassen konntest und nicht im Mittelmeer ertrunken bist.

Aber ich fürchte, du bist hier nicht sicher.

Brennende Flüchtlingsunterkünfte, tätliche Angriffe auf Refugees und ein brauner Mob, der durch die Straßen zieht.

Ich habe immer dagegen angekämpft, dass es hier so ist.

Ich wollte ein offenes Europa, ein freundliches. Eins, in dem ich gerne leben kann und eins, in dem wir beide sicher sind. Es tut mir Leid.

Für uns beide tut es mir so unglaublich Leid.

Du, du bist nicht sicher, weil wir in einer rassistischen Gesellschaft leben.

Ich, ich bin nicht sicher, weil wir in einer sexistischen Gesellschaft leben.

Aber was mir wirklich Leid tut ist der Umstand, dass die sexistischen und grenzüberschreitenden Handlungen die mir angetan wurden nur dazu beitragen, dass du zunehmendem und immer aggresiverem Rassismus ausgesetzt bist.

Ich verspreche dir, ich werde schreien. Ich werde nicht zulassen, dass es weiter geschieht. Ich werde nicht tatenlos zusehen und es geschehen lassen, dass Rassisten und besorgte Bürger dich als das Problem benennen.

Du bist nicht das Problem. Du bist überhaupt kein Problem.

Du bist meistens ein wunderbarer Mensch, der es genauso wie jeder andere verdient hat, sicher und frei zu sein.

Danke, dass es dich gibt – und schön, dass du da bist.hier

Man regt sich auf, weil sie kurz davor eine Anzeige erstattet hat, weil sie drei Männer ausländischer Herkunft vergewaltigt haben sollen.

Nun wird dieser Text so interpretiert, dass sie sich damit bei den Tätern entschuldigen will. Aus meiner Sicht eine gänzlich falsche Auslegung.

So wie ich das sehe entschuldigt sie sich nicht bei den Tätern sondern bei anderen Flüchtlingen dafür, das die Tat ihrer Vergewaltiger nun genutzt werden wird einen Generalverdacht gegen alle männlichen Flüchtlinge zu begründen. Sie stellt klar, dass sie wegen der Tat gegen sie nicht andere männliche Flüchtlinge unter einen Generalverdacht stellt.

Was ist daran bezüglich des betonens der Unschuld anderer Männer zu kritisieren? Die männlichen Flüchtlinge haben ganz überwiegend niemanden vergewaltigt.

Ist das nicht grundsätzlich genau die Haltung, die wir gerne von Frauen hätten?

Ein Text einer vergewaltigten Frau

„Liebe Mann an sich, du bist toll, es tut mir leid, dass die Taten einzelner Männer gegen mich nun mehr von Feministinnen genutzt werden um eine Rape Culture zu behaupten.

Ich verspreche dir, ich werde schreien. Ich werde nicht zulassen, dass es weiter geschieht. Ich werde nicht tatenlos zusehen und es geschehen lassen, dass Feministinnen und Sexisten dich als das Problem benennen.

Du bist nicht das Problem. Du bist überhaupt kein Problem.

Du bist meistens ein wunderbarer Mensch, der es genauso wie jeder andere verdient hat, sicher und frei zu sein.

Danke, dass es dich gibt.

wäre ein großartiger Text. Es erscheint mir hilfreich, hier die Argumente, die man gegen ihren Text bringt in übertragener Form gegen meine Umformulierung vorzubringen und zu schauen, wie sie da klingen.

Natürlich ist der obige Text dennoch ein großartiges Beispiel für Doppeldenk. Denn sie schafft es gleichzeitig einen Generalverdacht gegen die deutsche Gesellschaft einzubringen und diese für alles verantwortlich zu machen, das alte Märchen der von weißen errichteten Rape Culture und überhaupt der Schlechtigkeit der weißen Welt.

Ihre Beschränkung auf männliche Flüchtlinge und ihre Verklärung andere Kulturen sowie die Verteufelung der westlichen Welt, das alles ist ihr durchaus vorzuwerfen.

Das sie nicht alle männlichen Flüchtlinge für die Tat Einzelner verantwortlich macht allerdings nicht.

Roosh und „Vergewaltigungen legalisieren“ bzw „make rape legal“

Gerade will Roosh ein weltweites Treffen von seinen Anhängern in verschiedenen Orten organisieren. Überall rasten deswegen Leute aus, wobei sie sich zur Begründung zum einen auf Pickup als Vergewaltigungsseminare a la Julien Blanc beziehen oder behaupten, dass Roosh vertritt, dass man die Vergewaltigung legalisieren sollte. Das wird auf den Artikel von Roosh „wie man Vergewaltigungen stopt“ gestützt.

1. Wer ist überhaupt Roosh

Ich zitiere mal aus seinem Wikipedia-Eintrag:

Daryush Valizadeh (born June 14, 1979), also known as Roosh V and Roosh Vorek, is an American writer and pickup artist known for his controversial writings on seduction and antifeminism.

Roosh writes on his personal blog and also owns the Return of Kings website where he publishes articles by others on related subjects. Roosh has self-published 15 books, most of which offer advice to men on how to have coitus with women in specific countries. His writings have received widespread criticism, including accusations of misogyny and promotion of rape.

Zu seinen Ansichten heißt es dort:

Roosh was born in the United States in 1979. His parents were immigrants from Armenia and Iran. Roosh graduated from the University of Maryland, College Park in 2001 with a degree in microbiology. He began blogging about his attempts at having sex with women but once his internet anonymity was broken, he turned to blogging and writing full-time as a means to supporting himself,first with the publication of Bang: The Pickup Bible That Helps You Get More Lays (2007) and then with sex-themed travel guides on the countries he visited.

His ideas have been described as „red pill“ (a reference to the movie The Matrix), and as based on „politically incorrect realism“. In a Washington Times Communities interview, he states that feminism has left a legacy of weaker men who are more androgynous. He went on to say that women abstain from having sex with them in preference for „bad boys“.

Roosh advocates adherence to traditional heteronormative roles for men and is against female promiscuity. He says that his rhetoric does not call for violence or hate against women, feminists, or any other group. Roosh encourages men to improve themselves, especially in physique and style, and become more masculine in order to be more attractive to women. In addition, he states that men and women are physically and mentally very different and that much of women’s value comes from their fertility and beauty.

Auf Return of Kings wird dabei ein Konzept der „Neomasculinity“ vertreten, in dem es darum geht, dass Männer eben wieder ganze Männer sein sollen und alle anderen eben schlechte Männer sind. Männerrechtler sieht er als Weicheier, die rumheulen, statt sich zu nehmen, was sie bekommen. Männer sollen eben wieder „Alphas“ werden und Frauen eben schön und weiblich sein. In dem ganzen Konzept zeigt sich auch Verachtung gegenüber „weiblicheren Schwulen“, die in den Kommentaren Schreibverbot haben (wobei er sich mit Nero, also Milo Yiannopoulus gut zu verstehen scheint den Tweets nach.

2. Meine Ansicht zu Roosh

Mir ist Rooshs Auffassung zur Neomasculinity entschieden zu weitgehend und ich halte nichts davon Leute in dieser Form abzuwerten. Natürlich kann es durchaus Vorteile haben, sich als Mann männlich zu verhalten, an seinem Körper zu arbeiten etc. Aber mir ist sein Ansatz zu viel und zu konservativ und ich bin eher der Auffassung, dass jeder auf seine Weise glücklich sein muss (wenn auch nicht jede Weise die gleiche Aussicht darauf hat, glücklich zu machen und es dennoch Häufungen geben wird, die um die klassischen Geschlechterrollen verlaufen).

Einiges, was er zu Pickup geschrieben hat, ist durchaus gut und interessant. Seine Art ist mir aber auch im übrigen viel zu radikal und scheint mir auch sehr stark auf Krawall und Provokation ausgerichtet zu sein. Ich würde auch sagen, dass er Frauenfeindlich ist und viel zu verächtlich über Frauen redet.

3. Was ist ein „Modest Proposal“ nach Jonathan Swift

Den Text, der gerne herangezogen wird um zu belegen, dass Roosh Vergewaltigungen legalisieren möchte ist aus meiner Sicht ein „Modest Proposal„, also eine Form eines satirischen Textes.

Das „Modest Proposal“ geht auf Jonathan Swift zurück, der angesichts Überbevölkerung, Armut und Kriminalität in Irland erst anführte, dass es keine Lösung ist, dass man die Kinder ernährt, weil das nur zu mehr Kindern führt, die dann Versorgung bräuchten. Er hätte sich die Sache gründlich überlegt und wäre zu dem Entschluss gekommen, dass Kinder nicht mehr der Grund für die Armut der Leute sein sollten, vielmehr sollte man diese nutzen, damit die Armut selbst bekämpft wird. Zu diesem Zweck sollten die Kinder geschlachtet und als Nahrung nach London verkauft werden. Ein befreundeter Schlachter habe ihm versichert, dass an einem Baby einiges dran sein, insofern würde sich das durchaus lohnen. Auf diesem Wege könnten die Leute Geld verdienen und würden nicht durch Kinder in die Armut getrieben werden. Er versicherte, dass er nichts davon habe, denn seine Kinder seien schon aus dem passenden Alter heraus und seine Frau könne keine weiteren Kinder bekommen.

Swift überzeichnet dabei diverse damals diskutierte Vorschläge, wie etwa die Armen nach dem Vorbild einer Aktiengesellschaft zu organisieren, oder die Praxis, Menschen als Ressource zu betrachten.

Er wollte also nicht, dass die Babies tatsächlich verkauft werden, sondern er wollte eben die bisherigen Theorien und Vorschläge satirisch überspitzen.

4. Was schreibt Roosh in „Wie man Vergewaltigungen stoppt“

Aus meiner Sicht ist Roosh Text eine spiegelbildliche Umkehrung der feministischen Theorien. Diese sagen, dass man Männer erziehen muss und Frauen gar nichts machen müssen, sondern eben sicher sein müssen, wenn sie nackt durch eine Gruppe von Männern gehen. Es ist nie die Schuld der Frau, es ist immer die Schuld der Rape Culture.

Roosh kehrt dies um, aus meiner Sicht um an der damit bewirkten Absurdität deutlich zu machen, was von solchen übersteigerten Ansätzen zu halten ist.

Sein Umkehrung lautet:

  • Was würde geschehen, wenn Frauen tatsächlich jederzeit damit rechnen müssten, dass Männer sie vergewaltigen, wenn sie mit ihnen alleine sind? Wie würden Frauen ihr Verhalten ändern, wenn sie alleine Schuld wären?

Und diesen Gedanken finde ich – als Gedankenspiel und nicht in dem Sinne, dass er umgesetzt werden sollte – tatsächlich interessant.

Der Text im Einzelnen:

I keep reading in the mainstream media that there is a rape culture in the United States. This issue concerns me since I have a sister who I don’t want to be raped, so I carefully examined the articles on Salon, Buzzfeed, and Huffington Post that were written by professional journalists who pursue truth and justice over mass hysteria and delirium.

Wer diesen Absatz liest, der muss eigentlich sofort erkennen, dass er satirisch ist und nicht damit in Einklang zu bringen ist, dass er tatsächlich schlicht einfach straffrei vergewaltigen will. Denn erkennbar macht er sich dort über professionelle Journalisten lustig, die „Nur die Wahrheit und Gerechtigkeit verfolgen und nicht Hysterie und Fieberfantasien. Angesichts der gegen ihn bestehenden Presse in der Tat nicht ernstzunehmen und schon gar nicht zum Thema Vergewaltigung. Ihm dürfte auch bewußt sein, dass man ihm seine Sorge, dass wir tatsächlich in einer Rape Culture leben, nicht abnimmt.

What I’ve gathered from the words of these future Pulitzer Prize winners is that women are not getting raped by violent offenders while taking a jog in the park or walking through a dark street—they are getting raped by men they already know, especially at college. I learned that if a man and a woman both drink at a party and have sex, she was in all likelihood raped since she could not give full legal consent. This made me confused because a woman who drinks and has sex is not responsible for her actions, but if that same woman gets into a car and drives it into someone else, causing a loss of life, she would be prosecuted and sent to jail. I couldn’t find an explanation for this inconsistency.

Hier gibt er auch in einem hoch ironischen Ton wieder, was er „gelernt“ hat, nämlich das Frauen eher von Männer vergewaltigt werden, die sie kennen und das Frauen ein Vergewaltigungsrisko haben, wenn beide trinken, weil sie dann nicht mehr zustimmen kann. Dann spielt er ebenfalls satirisch Verwunderung, weil man Frauen die Verantwortung abspricht, bei allem was mit Sex zu tun hat, aber nicht bei anderen Gelegenheiten. Er zeichnet das Bild des besorgten Bruders und Frauenliebhabers, der sich informieren will, wie man endlich die Gefahr der Vergewaltigung reduziert und greift innerhalb dieser Rolle das Bild der eigentlich erwachsenen und insoweit für ihre Taten verantwortlichen Frau auf, wohlwissend, dass dies im Widerspruch zu den feministischen Thesen steht.

I also read that men must be taught not to rape, which means that they are all born with the capability to rape and have zero instinct to know that taking a woman with violence is improper. Thankfully, a man only has to be told the phrase “rape is bad” at some point after puberty by an overweight feminist to definitively stop his future brutal and bloody rape career. It’s a miracle that more men have not raped their mothers, babysitters, and sisters before being taught in college that rape is actually not a good thing.

Auch wieder ein sehr satirisch verächtlicher Abschnitt. Er zieht „Teach men not to rape“ durch den Kakao, immer noch in der Rolle des naiven Frauenfreundes, der nur Vergewaltigungen verhindern will. Das er diese Theorien nicht ernst nimmt entspricht dabei den Schilderungen Swifts, der zunächst anführt, dass man mit den bisherigen Lösungen nicht weiterkommt, etwa indem man den Kindern etwas Nahrung gibt.

I knew from an early age that rape was bad, as was all forms of violence, not just against women but men as well. I also knew that killing, stealing, and having sexual interest in relatives was bad. I don’t remember if someone specifically taught me these rules, but I also don’t remember being taught that the sun rises and sets once a day, or that I will go splat if I jump off a tall building. I don’t know of a single man entering adulthood who thought that rape was good and had to be manually taught it was bad in order to stop him from raping, so when journalists and cultural commentators suggest that the best way to defeat rape culture is to teach men not to rape, I couldn’t possibly agree. I saw a different set of problems instead.

Hier führt er ebenfalls überspitzt an, warum er die feministischen Theorien für Blödsinn hält und durch diese Vergewaltigungen nicht gestoppt werden können. Er führt an, dass Männer auch so wissen, dass sie nicht vergewaltigen sollen und dies schlecht ist und das man so etwas eben auch einfach so lernt und versteht. Womit er recht hat. Das Vergewaltigung etwas schlechtes und verbotenes ist wissen in der Tat die meisten Männer. Einigen ist es nur egal. Sie handeln trotzdem.

I saw women wholly unconcerned with their own safety and the character of men they developed intimate relationships with. I saw women who voluntarily numbed themselves with alcohol and other drugs in social settings before letting the direction of the night’s wind determine who they would follow into a private room. I saw women who, once feeling awkward, sad, or guilty for a sexual encounter they didn’t fully remember, call upon an authority figure to resolve the problem by locking up her previous night’s lover in prison or ejecting him from school.

Hier erfolgt die Umkehr: Wenn die eine Lösung nicht geht, dann eben die Verlagerung auf die andere Seite: Was können Frauen machen bzw was machen sie falsch. Es geschieht wohl gemerkt noch immer unter der Anfangsprämise, dass wir überhaupt in einer Gesellschaft mit überbordener Tendenz zur Vergewaltigung haben. Denn das ist sein These: er ist besorgt, wegen der vielen Vergewaltigungen und will sie stoppen. Wenn aber Frauen massenhaft vergewaltigt werden und Erziehung nichts bringt, dann bleibt aus dieser Sicht nur die Frage, wie man Frauen beibringen kann in einer Gesellschaft, in der massenhaft vergewaltigt wird vorsichtiger zu sein.

By attempting to teach men not to rape, what we have actually done is teach women not to care about being raped, not to protect themselves from easily preventable acts, and not to take responsibility for their actions. At the same time, we don’t hesitate to blame men for bad things that happen to them (if right now you walked into a dangerous ghetto and got robbed, you would be called an idiot and no one would say “teach ghetto kids not to steal”). It was obvious to me that the advice of our esteemed establishment writers and critics wasn’t stopping the problem, and since rape was already on the law books with severe penalties, additional laws or flyers posted on dormitory doors won’t stop this rape culture either.

Geht man davon aus, dass Umerziehung der Männer sinnlos sind und Vergewaltigungen so fester Bestandteil des weiblichen Lebens sind, wie es Statistiken für amerikanische Universitäten vorgaukeln, dann bliebe nur der Rückschluss, dass das Verhalten der Frauen unverantwortlich ist. Roosh kehrt den Spieß der Schuldverlagerung auf ein Geschlecht um: Was wäre, wenn wir es nur den Frauen anlasten? Wenn wir anführen, dass sie in dieser Vergewaltigungswelle verantwortung übernehmen müssen, um dem ein Ende zu setzen? Welche drastischen Mittel sind erforderlich, damit Frauen endlich lernen, sich gegen Vergewaltigungen zu schützen? Dass Vergewaltigungen im hohen Masse geschehen und dies zum Wohle der Frauen verhindert werden muss, dass ist nach wie vor der Ausgangspunkt.

I thought about this problem and am sure I have the solution: make rape legal if done on private property. I propose that we make the violent taking of a woman not punishable by law when done off public grounds.

Wo im Feminismus gefordert wird, dass Männer ihr gesamtes Wesen ändern und alles tun um die Rape Culture zu verhindern und zu vermindern, wenn sie nicht schuldig sein wollen, stellt Roosh sein Gegenmodell dar: Die Frauen sollen alles tun, damit sie nicht mehr vergewaltigt werden. Wo Männer erzogen werden sollen, zu erkennen, dass Vergewaltigung böse ist, sollen nunmehr die „dummen Frauen“ lernen, dass sie nicht so naiv sein können bei der herrschenden Vergewaltigungsepidmie. Wo der Feminismus die Frauen komplett aus der Verantwortung nimmt, nimmt Roosh die Männer komplett aus der Verantwortung.

Dies entspricht durchaus dem Modell von Swift: Wo vorher die hungernden Kinder das Problem waren, sind sie jetzt die Lösung. Es gehört dazu, dass die Lösung auf eine Weise umgesetzt wird, die barbarisch ist. Und ebenso wie Swift die damaligen Theorien damit überspitzt überspitzt Roosh die Lösung „es kann nur ein Geschlecht schuld sein“, indem er sie umkehrt.

Das er sich an Swift anlehnt wird dadurch betont, indem er ausdrücklich von „Propose“ spricht.

The exception for public rape is aimed at those seedy and deranged men who randomly select their rape victims on alleys and jogging trails, but not as a mechanism to prevent those rapes, since the verdict is still out if punishment stops a committed criminal mind, but to have a way to keep them off the streets. For all other rapes, however, especially if done in a dwelling or on private property, any and all rape that happens should be completely legal.

Das ist in der Tat ein Ansatz, der dem „verkauft die Kinder als Fleisch“-Ansatz. Es ist die Folge der Umkehrung „Frauen sind nie in der Verantwortung und müssen auch zu ihrem eigenen besten nichts tun um eine solche Tat zu verhindern“ in „Männer müssen nichts machen, sollen die Frauen doch aufpassen“

If rape becomes legal under my proposal, a girl will protect her body in the same manner that she protects her purse and smartphone. If rape becomes legal, a girl will not enter an impaired state of mind where she can’t resist being dragged off to a bedroom with a man who she is unsure of—she’ll scream, yell, or kick at his attempt while bystanders are still around. If rape becomes legal, she will never be unchaperoned with a man she doesn’t want to sleep with. After several months of advertising this law throughout the land, rape would be virtually eliminated on the first day it is applied.

Es ist in der Tat erstaunlich, dass Frauen bei der behaupteten Rape Culture so vertrauensvoll sind. Geht man von dem feministischen Bild aus, welches sich Roosh hier zu eigen macht, dann sollte dies bereits jetzt die Reaktion der Frauen sein – wenn jede dritte Frau vergewaltigt wird und das mit quasi Straflosigkeit, weil fast kein Täter bestraft wird, dann ist es unerklärlich, dass Frauen dass Frauen sich überhaupt mit Männern einlassen und sich nicht bis an die Zähne bewaffnen. Sie müssten nach Möglichkeit Beschützer und Hilfe in ihrer Nähe halten, sie müssten bereits jetzt kaum auf Dates alleine gehen. Sie müssten sich kaum zu einem Mann in die Wohnung trauen, weil sie befürchten müssten vergewaltigt zu werden.

Es ist quasi eine Erziehung der Frauen zur Selbsthilfe, die übertrieben wird, weil die Frauen die bisherige ernste Lage anscheinend nicht ernst genug nehmen. Roosh ist ja immer noch in der Rolle dessen, der eine Lösung für die Vergewaltigungsepidemie sucht.

Without daddy government to protect her, a girl would absolutely not enter a private room with a man she doesn’t know or trust unless she is absolutely sure she is ready to sleep with him. Consent is now achieved when she passes underneath the room’s door frame, because she knows that that man can legally do anything he wants to her when it comes to sex. Bad encounters are sure to occur, but these can be learning experiences for the poorly trained woman so she can better identify in the future the type of good man who will treat her like the delicate flower that she believes she is. After only one such sour experience, she will actually want to get fully acquainted with a man for longer than two hours—perhaps even demanding to meet his parents—instead of letting a beer chug prevent her from making the correct decisions to protect her body.

Auch hier sieht man aus meiner Sicht die Umkehr – wo vorher der Mann in feministischen Seminaren lernen sollte, dass er doch endlich mit dem Vergewaltigen aufhören soll, wird hier der Frau „beigebracht“, dass sie sich selbst schützen soll. Sie soll motiviert werden, ihre Wahl der Männer nach der Gefahr auszurichten, ihn vorher gründlich kennenzulernen, seine Eltern kennenlernen, damit er in einer höheren Verantwortung ist, sie gut zu behandeln. Man kann dies als Gegensatz zu Theorien wie „Enthusiastic Consent“ sehen: Sie muss sich beständig versichern, dass er sie nicht vergewaltigen wird und nur dann, wenn sie sicher ist, dass er sie ganz enthusiastisch liebt überhaupt in einem Raum mit ihm sein.

The benefits of eradicating rape laws would extend to honest men who unfortunately now live in fear over imprisonment in the case the girl they had sex with had a blood alcohol level of 0.04 instead of 0.05 or some other arbitrary, untested,  and made-up value that may imply consent was not fully achieved. There is no more having to guess the interpretation of a woman’s mixed signals or to artificially amp up her base emotions withclownish banter. Because women will never enter a man’s apartment without accepting that sex will happen, he can escort her to his bedroom and romantically consummate a relationship after it was certain he proved himself to be a good and decent man the woman fully trusted. My proposal eliminates anxiety and unfair persecution for men while empowering women to make adult decisions about their bodies.

Auch hier sieht man die Umkehr: wo die Umerziehung der Männer weg von der rape culture sonst die Frauen schützt bringt er jetzt Männer in die absolute Rolle des unschuldigen um so eine Umerziehung der Frauen zu rechtfertigen. Genau so wie ja der Feminismus anführt, das auch Männer davon profitieren, wenn ihnen das vergewaltigten aberzogen wird, profitieren hier Frauen davon, dass sie „endlich lernen, sich gegen Vergewaltigungen zu schützen und selbst zu handeln“. Wo nach der Umerziehung der gute Mann steht, vor dem die Frau endlich keine Angst haben muss, steht hier die gute Frau, die in die Lage versetzt wird, darauf zu achten, dass sie den richtigen wählt.

Ergänzt sei, das Roosh tatsächlich von einen anderenWahlschema der Frauen ausgeht, bei dem diese nicht unmündig sind, sondern einfach auf Bad boys, Alphas, Männer, die eine gewisse Gefährlichkeit ausstrahlen stehen. Er dürfte daher auch diese Meinung, dass es sich um “ Empowerment“ handelt, eben wiederum nur satirisch gebraucht haben, unter Nutzung feministischen Vokabular, um deutlich zu machen, dass er Satire schreibt. Dass man dies als seine ernsthafte Meinung sehen kann, das ist für mich wirklich unverständlich.

It turns out that we don’t need more laws, policies, and university propaganda that treat every man like a criminal and every woman like a mild retardate—we need more common sense that can only come from making rape legal. Such a change will provide a mature jolt to American women who have been babied for too long, who are protected and coddled as if they have no agency or intellect of their own. If a woman is indeed a child then maybe we really need to keep promoting “rape culture” as a way to keep them safe, but if they are actual adults, which is often claimed, then we can start treating them like adults by allowing them to take responsibility for the things that happen to them which are easily preventable with barely a strain of cognitive thought, awareness, and self control.

Hier sagt er ganz deutlich, was der eigentliche Inhalt seines Artikels ist: entweder Frauen sind erwachsen, dann können wir nicht so tun als ob sie keinerlei Verantwortung übernehmen können und diese alleine auf den Mann übertragen, der sich beständig versichern, beständig nachfragen, beständig aufpassen muss. Wir müssen akzeptieren, das Menschen betrunken Sex haben und daraus nicht automatisch eine Vergewaltigung der Frau durch den Mann machen. Wir können nicht ein absurdes system mit kangarohcourts an amerikanischen Universitäten errichten, bei dem Frauen wir kleine Kinder behandelt werden. Es ist das Anerkenntnis, das es risikoreichere Situationen gibt und Frauen diese bewerten sollten, selbst wenn im Falle einer tatsächlichen Vergewaltigung damit die tat nicht entschuldigt ist. Es ist insofern ein angriff auf die feministische these, dass das Handeln der Frau immer irrelevant sein muss und jede Frage, was diese selbst tun kann victim blaming und damit eine Bestätigung der rape culture wäre.

Gegen diese absoluten Theorien kann man durchaus sein, siehe zB die hier zitierten:

Camille Paglia schrieb beispielsweise in “Sexual Personae: Art and Decadence from Nefertiti to Emily Dickinson”:

For a decade, feminists have drilled their disciples to say, “Rape is a crime of violence but not sex.” This sugar-coated Shirley Temple {370} nonsense has exposed young women to disaster. Misled by feminism, they do not expect rape from the nice boys from good homes who sit next to them in class…. These girls say, “Well, I should be able to get drunk at a fraternity party and go upstairs to a guy’s room without anything happening.” And I say, “Oh, really? And when you drive your car to New York City, do you leave your keys on the hood?” My point is that if your car is stolen after you do something like that, yes, the police should pursue the thief and he should be punished. But at the same time, the police — and I — have the right to say to you, “You stupid idiot, what the hell were you thinking?”

Oder McElroy:

The fact that women are vulnerable to attack means we cannot have it all. We cannot walk at night across an unlit campus or down a back alley, without incurring real danger. These are things every woman should be able to do, but “shoulds” belong in a Utopian world. They belong in a world where you drop your wallet in a crowd and have it returned, complete with credit cards and cash. A world in which unlocked Porsches are parked in the inner city. And children can be left unattended in the park. This is not the reality that confronts and confines us

Oder hier die Vorschläge von RAINN, der größten amerikanischen Organisation gegen sexuelle Gewalt, die dort mit Links weiter ausgeführt werden:

Safety Planning
For many people who have been impacted by sexual assault, current and long-term safety can be an ongoing concern.

If Someone is Pressuring You
If you find yourself in in a situation where someone is pressuring you, remember that it’s not your fault. These tips may help you exit the situation safely.

What Consent Looks Like
The laws about consent vary by state and situation, but you don’t have to be a legal expert to understand how consent plays out in real life.

Safety Tips for Traveling
The following tips can help travelers plan for a safe and comfortable trip and may reduce the risk of many different types of crimes, including sexual violence.

Alcohol Safety
Alcohol may make it easier for a perpetrator to commit sexual assault and can even prevent someone from remembering that the assault occurred.

Safe Web Browsing
There are two important safety elements to consider when you’re browsing online: privacy and security.

Meeting Offline
Consider these safety tips when you plan to meet someone offline.

Social Media Safety
Take steps to protect your personal safety with the following social media safety tips.

Staying Safe on Campus
College campuses can give you a sense of security—a feeling that everyone knows each other and watches out for one another. There are perpetrators who take advantage of this feeling of safety and security to commit acts of sexual violence.

Natürlich kann man auch diese Seite übertreiben und es kann hier unsinnige Vorschläge wie „immer eine Armlänge Abstand“ geben. Für die radikalfeministische Seite ist es aber vollkommen unvorstellbar, dass man überhaupt Sicherheitsvorschläge macht oder hier entsprechend über Präventionen nachdenkt. Sogar Selbstverteidigungskurse sind bereits als Victim Blaming bezeichnet worden.

Let’s make rape legal. Less women will be raped because they won’t voluntarily drug themselves with booze and follow a strange man into a bedroom, and less men will be unfairly jailed for what was anything but a maniacal alley rape. Until then, this devastating rape culture will continue, and women who we treat as children will continue to act like children.

Ich sehe gerade bei dem Schlusssatz nicht, wie man das nicht als Satire oder Polemik sehen kann. Nimmt man den Text ernst, dann müsste man davon ausgehen, dass Roosh

  • an eine Rape Culture glaubt
  • sich ernsthaft Gedanken dazu macht, wie man diese bekämpft
  • selbst davon ausgeht, dass Vergewaltigung schlecht ist
  • davon ausgeht, dass Frauen extrem vorsichtig sein werden
  • es Vergewaltigungen erschwert

Man muss also weite Teile des Textes selbst wenn man davon ausgeht, dass er eigentlich nur straffrei vergewaltigen will, nicht ernst nehmen und als Satire in die andere Richtung. Also als Vorspielen von Sorge um dann eine Gesetzesänderung zu erreichen, damit er endlich straffrei vergewaltigen kann.

Was bizarr ist, wenn man davon ausgeht, dass er weltweite Treffen organisiert, an denen die Leute anscheinend trotz bestehender Strafbarkeit bereits mit dem vergewaltigen loslegen sollen und sich anscheinend in einem rechtsfreien Raum sehen. Warum sollte er das in dieser Form ankündigen, wenn er eigentlich nur vergewaltigen will?

Ich finde es in der Tat schwer einen logischen Weg zu sehen, bei dem man den Text ernst nimmt.

5. Das Gedankenexperiment

Wie bereits gesagt finde ich die Frage, was – bei einer rein theoretischen Betrachtung, nein, ich möchte Vergewaltigung nicht straflos stellen, meiner Meinung nach ist der Straftatbestand vollkommen gerechtfertigt – eigentlich passieren würde:

  • würden sich Männer wie die Tiere auf ihre Partnerinnen stürzen?
  • würden Frauen ihr Verhalten ändern? Welche Schutzmaßnahmen würde man erwarten?
  • Würden Männer als Beschützer tätig sein?
  • Würde es mehr oder weniger Vergewaltiger geben?
  • Wie würde es die „Dating Ebene“ verändern?

Und natürlich:

6. Sehen andere das auch so

Roosh wurde nicht etwa von seinen Anhängern gefeiert, weil er endlich fordert, dass Vergewaltigung straffrei wird. Sie feierten ihn, wie man den Kommentaren entnehmen kann, gerade weil es aus ihrer Sicht ein gutes „modest Proposal“ war:

You’ve obviously acquainted yourself with Jonathan Swift. Well done.

Agreed; make this longer and call it „An Immodest Proposal“ (see what I did there?)
And brace for epic shitstorm and outcry.

I was gong to comment that it’s like „A Modest Proposal,“ but serious.

It is satirical in the sense that Roosh is satirizing how feminists prioritize rape above anything else. In essence Roosh is saying he doesn’t prioritize preventing rape above very other single value, but if he did, this is what he would do. Of course to falls apart because what he proposes would not decrease rape.

Anscheinend haben noch nicht einmal seine Anhänger die Auffassung vertreten, dass es ernst gemeint war.

7. Sollte es daher ein „Make Rape Legal“-Treffen geben?

Die Zeitungen und Nachrichten überschlugen sich mit der Schlagzeile, dass es eine Treffen von „Make Rape Legal“-Aktivisten geben sollte und es wurde ein Bild gemalt, bei dem diese wikingergleich vergewaltigend und brandschatzend durch die Städte ziehen wollten.

Tatsächlich wurde zu keinem Zeitpunkt von der Seite von Roosh irgendetwas in Richtung „Make Rape Legal“ in Verbindung mit dem Treffen gesagt. Tatsächlich war das ganze eher als eine Art „Kaffekränzchen“ oder ein Stammtisch gedacht.

8. Was hat Roosh selbst dazu gesagt

https://twitter.com/rooshv/status/694769625129717760

I’ll state once again: the „How To Stop Rape“ article was satire. Neither me or my supporters want rape to be legalized. The media is lying.

Bereits 4 Tage nach dem er den Artikel herausgebracht hat, hat er bereits ein Video gemacht, in dem er ausdrücklich klarstellt, dass es ein Gedankenexperiment (3:35) war:

Er führt aus, dass aus seiner Sicht jeder Vorschlag, mit dem man zwar eine Absenkung von Vergewaltigungszahlen erreichen, aber nicht mehr Männer verfolgen würde, aus seiner Sicht sofort zu Hass gegen den Vorschlagenden führen würde. Die eigentlichen Vergewaltigungszahlen seien egal, wichtig sei nur, dass man Männer dafür verantwortlich machen könnte. („Treat men like criminals, treat women as childs“)

In diesem Video führt er auch noch einmal aus, dass er es nicht ernst meinte, sondern es Satire als Gedankenexperiment war.

Inzwischen ist auch der Artikel selbst überschrieben mit:

Note: The following article was published as a satirical thought experiment. It’s conclusion is not to be taken literally. 

Ich vermute er freut sich im übrigen über die Zugriffe:

https://twitter.com/rooshv/status/694997694096498689

https://twitter.com/rooshv/status/694732816861495297

https://twitter.com/rooshv/status/694434229590048768

Was da glaube ich nicht verstanden wird:

Roosh will provozieren. Er wird seine Texte immer so gestalten, dass die mit Feindbild etwas daran aufhängen können. Er hat es geschafft, dass er weltweit bekannt ist und in Zeitungen erwähnt wird. Sein von Werbeeinnahmen lebender Blog hatte bei 40.000 Zugriffen die Stunde knapp eine Million Zugriffe am Tag.

Der Versuch, Roosh mit Dreck zu bewerfen, ist vollkommen sinnlos, weil er es als heroischen Kampf reframed.