„Erobert die Straße zurück“ #takebackthestreets

Ein klassisches Beispiel einer moralischen Panik war der Hashtag „takebackthestreets“ auf Twitter, mit dem dafür geworben wurde, dass Frauen sich die Straßen zurückerobern sollten. Dort wird der Eindruck erweckt, dass Frauen sich nicht mehr auf die Straßen trauen würden, weil dort eben die Gefahr für sie zu hoch ist belästigt zu werden bzw. Opfer sexueller Gewalt zu werden.

Es ist meiner Meinung nach schon deswegen gut als „Moralische Panik“ zu erkennen, weil massig Frauen zu beliebigen Tagen unterwegs sind und anscheinend keine Probleme damit haben. Natürlich gibt es Vorfälle sexueller Gewalt und sicherlich auch blöde Anmachen oder Sprüche und sicherlich wird vielen Frauen im dunklen auch mal mulmig sein oder sie werden Angst haben, aber das alleine ist erst einmal nur ein relatives Gefühl, dass durchaus auch Männer kennen und das eben häufig schlicht unbegründet ist. Meist will der hinter einem hergehende Mann auch schlicht nach Hause oder irgendwo hin.

Hier einfach mal ein paar der Tweets:

https://twitter.com/gnusberflogge/status/640162092331466752

https://twitter.com/Wildfang_vs/status/640152608280342528

https://twitter.com/fill_thevoid/status/640586372030562304

 

Und der „Backlash“:

https://twitter.com/froschmann1968/status/640565672053968896

https://twitter.com/derXilef/status/640582986266734593

Ich hatte mir noch erlaubt hier einmal auf einen Widerspruch zu anderen feministischen Thesen hinzuweisen:

 

„Gute Männer verhindern Vergewaltigungen. Warum machst du das nicht?“

Jessica Valenti führt mal wieder gut vor, wie der Feminismus einzelne Männer in eine Gruppenhaftung nimmt:

Men, you need to do more. Maybe you don’t think you’re supposed to help stop rape – maybe you think that’s up to women. Or maybe you don’t know where to start.

Here’s how: 99% of you are great guys, but too many of you insist on pretending otherwise. I see you on Facebook, saying you were “raped” by a difficult standardized test. I see you on YouTube, posting that Tosh-inspired video of men“lightly touching women’s stomachs” and running away. I hear you, on campus, calling women “sluts”, or remaining silent when your friends do. I watch, at the bar, as you posture as if these behaviors make you more of a man. (Or at the very least, prevent you from being called a pussy, or a bitch, or – worst of all – a girl.)

You are better than this. And I have a sneaking suspicion that you know that already.

Whenever you tell a rape joke, you may think everyone else just assumes that you don’t really think it’s funny. But that’s not necessarily true. Because if there’s a potential rapist around you, which is always a possibility, you’re essentially telling them that what they do is normal. Funny, even. You may not think there’s a survivor of sexual violence around, but that is even more likely, and you just made her – or him! – feel awful. I’m pretty sure these are not outcomes you want to be a party to.

Die Aussage hat eine gewisse Ironie, wenn hier eine Feministin, also die Anhängerin einer Ideologie, in der Rape für so gut wie alles,was Frauen irgendwie zustößt, verwendet wird, den Männern vorhält´, dass sie nicht von einer Vergewaltigung sprechen dürfen, wenn es um das Nichtbestehen eines Tests geht.

Und es ist auch immer wieder erstaunlich, wie bescheuert solche feministischen Aussagen klingen, wenn sie in einem solchen Text aufgeführt werden: Wer würde in unserer Kultur jemals meinen, dass eine Vergewaltigung okay wäre? Angesichts der Strafe, die dafür besteht und der erheblichen negativen Meinung gegenüber solchen Tätern ist das kaum zu erwarten. Witze können als Mittel eingesetzt werden, eine Gruppe zu entmenschlichen und abzuwerten, aber das ist bei einem Vergewaltigungswitz keineswegs zwangsläufig der Fall.

Ich mach mal einen als Beispiel:

Ein Mädchen kommt aus dem Wald gelaufen und sagt zum Foerster, der gerade vorbei  kommt: „Hilfe, hilfe, ich bin vergewaltigt worden!!“.

Der macht seine Hose  auf und sagt: „Na,ist wohl nicht dein Tag heute…“

Geschmacklos? Sicherlich. Aber ich bezweifele, dass einer der Leser jetzt ein anderes Verhältnis zu (Kindes-)Vergewaltigungen hat als vorher.

Die feministische Theorie, dass die toxische Männlichkeit die Vergewaltigungen verursacht, und mit solchen Äußerungen zudem eine Rape Culture errichtet wird, die Vergewaltigungen begünstigt, wurde bereits von der Organisation RAINN als schädlich bewertet. Sie ist zudem ein gutes Machtmittel: Stelle bestimmte Verhaltensweisen ab und erkenne an, dass Frauen das wesentliche sind und du nur gut bist, wenn du dich diesem Grundsatz unterordnest, sonst bist du schuld an allen Übeln, die Frauen treffen.

Lauren Southern: SlutWalk Revisited (Edmonton)

 

Es wäre ja eigentlich schön, wenn man vergleichbares, also mit Schildern wie „Es gibt keine Rape Culture in Deutschland“ oder „Die Rape Culture Theorie behindert die Bekämpfung sexueller Gewalt (RAINN)“ auf einem deutschen Slutwalk auftauchen, veranstalten könnte.

„Wie die Gesellschaft mit Zustimmung zum Sex umgeht“

Das Bild hier macht in feministischen Kreisen die Runde und wird allgemein gefeiert:

Consent Rape Culture

Consent Rape Culture

Der Gedanke dahinter ist, dass diese Situationen vergleichbar sein sollen und man nicht diese schlecht finden kann und gleichzeitig die Sexualpolitik der Feministinnen ebenfalls schlecht finden kann, die sich ja nur gegen solches Verhalten richtet. Der Text dazu lautete: “ „what if we treated all consent like society treats sexual consent

Tatsächlich scheint es mir schlicht ein Strohmann zu sein, denn wir sind durchaus in der Lage, solches Verhalten auch beim Sex blöd zu finden und können dennoch dagegen sein, solche Konstruktionen wie „Yes means Yes“ oder „Enthusiastic Consent“ zu praktizieren.

Irgendwo gab es glaube ich auch einen Comic, der das umgedreht hat und dargestellt hat, wie lächerlich es wäre, wenn wir „Yes means Yes“ oder Enthusiastic Consent auf alltägliche Interaktionen anwenden würden. Wenn es jemand noch hat, dann bitte in den Kommenataren verlinken. Es würde eben albern wirken, wenn jemand jemanden mit dem Auto mitnimmt und anhält, wenn dieser ihm nicht mehr als hinreichend enthusiastischer Beifahrer erscheint oder der tägliche Mitfahrer jedesmal aufs neue gefragt wird, ob er auch wirklich mitfahren will und keine anderen Pläne hat.

Was meint ihr?

Rape Culture, Affirmative Consent und Punitiv Damages

Jan Fleischhauer berichtet im Spiegel über den neusten Wahnsinn aus Amerika, wo nunmehr wohl eine Art „Yes means Yes“-Modell an einigen Unis Einzug halten soll, bei dem sich Studenten vor dem Sex nach Möglichkeit mit einem unterschriebenen Vertrag fotografieren sollen.

Er verweist zurecht darauf, dass die Rape Culture Theorie auf sehr wackeligen Beinen steht und das es eigentlich eine unvorstellbar dämliche Regelung ist, die letztendlich niemand tatsächlich einfordern würde, die aber irgendwie tatsächlich Recht geworden zu sein scheint.

Er fragt dann:

Man darf gespannt sein, was von dem neuen Kulturkampf an deutschen Hochschulen ankommt. Bislang hat sich das amerikanische Unimilieu noch immer als richtungsweisend erwiesen. Wir verdanken ihm die Flower-Power-Bewegung, die Lobpreisung des LSD und die Gendertheorie. Es ist nicht so recht einzusehen, warum es mit dem Aufstand gegen alle sexuell zweideutigen Gesten anders sein sollte.

Wem es zu viel ist, während des Sexualaktes laufend den Alkoholgehalt im Blut zu kontrollieren und in regelmäßigen Abständen den Einverständnisbogen auszufüllen, dem bleibt nur der Verzicht. Bislang wurden junge Menschen, die bewusst auf Sex vor der Ehe verzichten, als verschroben belächelt. Dabei ist das Konzept der Keuschheit so naheliegend: Keine Affären, die schief gehen können. Allenfalls ein tiefer Blick in die Augen und ein gewispertes Wort der Zuneigung.

Ich glaube ja, dass diese Entwicklung in Amerika nur aus einem Gesichtspunkt verstanden werden kann, die wir glücklicherweise in Deutschland nicht haben:

Punitive Damages

Dazu aus der Wikipedia:

Im anglo-amerikanischen Recht versteht man unter punitive damages Schadensersatz, der im Zivilprozess einem Kläger über den erlittenen tatsächlichen Schaden hinaus zuerkannt wird. In Deutschland hat sich dafür der Begriff Strafschadensersatz eingebürgert; im angelsächsischen Rechtsraum spricht man von exemplary damages.

Der Zweck ist

  • den Beklagten für sein Verhalten zu bestrafen;
  • ihn davon abzuhalten, dieses rechtswidrige Verhalten zu wiederholen (Spezialprävention);
    auch andere davon abzuhalten (Generalprävention).
  • Punitive damages werden grundsätzlich nur für außergewöhnlich grob schuldhaftes, vorsätzliches Verhalten zuerkannt, nicht dagegen bei bloßer Fahrlässigkeit.

Während man in Deutschland auf Vorschriften setzt, um bestimmte Verhalten zu regeln und ein Schadensersatz immer nur den tatsächlichen Vermögensschaden und gegebenenfalls noch ein Schmerzensgeld umfasst, ist der „Strafschadensersatz“ ein klassisches amerikanisches Institut, welches Institutionen und Firmen dazu erziehen soll, sich richtig zu verhalten. Der jeweilige Kläger selbst erhält einen Schadensersatz, dessen Höhe geeignet sein soll, den Beklagten davon abzuhalten, in Zukunft sein Verhalten zu ändern.

Dabei wird auch davon ausgegangen, dass diese Institutionen gewisse Schutzpflichten haben, etwa gegen Angestellte oder auch gegenüber den Studenten. Wenn jemand in einen gewissen Kontakt zu einer Institution treten muss, um Geschäfte mit diesen zu erledigen, dann trifft diesen eine Nebenpflicht, dass diesem dabei kein Schaden zustößt. Das haben wir in Deutschland auch, etwa bezüglich des Schneeräumens oder bezüglich der Sauberkeit in einem Supermarkt, wo dann zB die klischeehafte Bananenschale auf dem Boden in angemessener zeit beseitigt werden muss.

Hier müssen die Studenten in Kontakt mit der Universität treten und ihre Betreiber sind damit für ihren Schutz verantwortlich. Wenn sich nun herausstellen würde, dass die Universitäten ein Klima haben entstehen lassen, in dem es besonders häufig zu Vergewaltigungen kommt und nichts dagegen gemacht haben, dann sind sie also angreifbar verklagt zu werden. Und da der Bestrafungsschaden sich nach Schwere des Vergehens und Wiederholungsgefahr geht, kann man sich gut vorstellen, dass da bei „1 von 5“ ein hoher Schadensbetrag im Raum steht.

Die hier beauftragten Programme sind Schadensersatzvermeidungsprogramme. Wer anführen kann, dass er sogar einen schriftlichen Vertrag verlangt, der ist eben nicht angreifbar. Zumindest bis eine andere Uni den vollständigen Videobeweis verlangt.

Das führt schnell zu einem „Race to the bottom„: Keine Universität möchte die sein, die eine zu lasche Verhinderungspolitik hat und dann verklagt wird. Also lieber etwas übertreiben.

Aus dem gleichen Gründen ist auch Belästigung am Arbeitsplatz ein so großes Thema in amerikanischen Firmen: Lieber einen Mitarbeiter auf ein Sensibilisierungstraining mehr schicken als einen Schaden riskieren.

Ob man sich gegen so etwas dann auch noch versichern kann und die Versicherungen die Prämien erhöhen, wenn man das Spiel nicht mitmacht, wäre auch interessant zu wissen.

Die Jungs, die eventuell in diesem Sicherheitsnetz der Universitäten hängen bleiben sind ein relativ geringer Schaden. Zumindest in der bisherigen Kalkulation. Wie die Unis reagieren, wenn zB Paul Nungesser einen Strafschaden geltend machen könnte (ich habe keine Ahnung, ob er das will und kann) wäre interessant. Es wäre aber in der Summe sicherlich eher zu vernachlässigen: So viele Matratzenprojekte gibt es ja nicht.

Ich vermute, dass den Universitäten bewußt ist, dass nur Verrückte auf diese Weise Sex haben werden. Darum geht es aber auch nicht. Sie gehen davon aus, dass die meisten Fälle, in denen sie einfach so Sex haben, nichts passiert und sie die, in denen was passiert, dann abwickeln können, ohne das man sie haftbar machen kann.

Da es in Deutschland weder Punitive Damages gibt noch Universitäten so weitgehende Vorschriften machen dürfen, dass sie Sondergerichte einführen, die nicht dem normalen Verwaltungsrechtsweg unterliegen, ist eine Übertragung auf Deutschland nicht zu erwarten.

Bekleidungsvorschriften in der Schule, Hotpants und Rape Culture

Bei Twitter und in den Medien hat es schon ordentlich die Runde gemacht: Das „Hotpants-Verbot“. Der Spiegel berichtet:

Der Elternbrief war kurz und eindeutig. „In letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind“, schrieb Bianca Brissaud, Schulleiterin in Horb-Altheim. Das Kollegium habe sich entschlossen, „dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen“.

Damit wolle man „zu einem gesunden Schulklima beitragen“, heißt es in dem Schreiben weiter, das der „Schwarzwälder Bote“ am Montag dokumentierte. An der Schule gelte ab sofort die Regel: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants…), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Trotz geschlechtsneutraler Formulierung an einzelnen Stellen werden im Elternbrief dezidiert nur die Schülerinnen der Realschule angesprochen, heißt es in dem Bericht.

Anderen Schulen ist zu lockere Kleidung ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Friedrich-Voith-Schule in Heidenheim hält T-Shirts mit Schullogo für freizügig gekleidete Schüler bereit. Am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium sind bauchfreie Tops, Hotpants und – für Jungen – ärmellose Shirts verboten. Und am Heidehof-Gymnasium, einer evangelischen Privatschule in Stuttgart, müssen sich zu leicht gekleidete Schüler in schwarze XXL-T-Shirts hüllen.

 

Aus meiner Sicht etwas sachlicher hier in den Stuttgarter Nachrichten:

Hautenger Minirock, ultrakurze Hose oder tiefer Ausschnitt – gerade Schülerinnen zeigen im Hochsommer gerne Haut und Bein. Für die einen ist das Provokation, andere sprechen von Mode.

In den Klassenzimmern an Baden-Württembergs öffentlichen Schulen dürfen die Kids in der Regel anziehen, was sie wollen. „Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen“, sagte ein Sprecherin des Kultusministeriums am Donnerstag in Stuttgart. Kleiderregeln oder gar Vorschriften gebe es an öffentlichen Schulen nicht. Gefährdeten Hotpants allerdings den Schulfrieden – sprich schauen die Jungs eher auf die Beine der Mädchen denn an die Tafel – darf die Schule eingreifen. (…)

Am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium, einer evangelischen Privatschule, liegen auch solche T-Shirts bereit, in schwarz und XXL-Größe. „Es gibt grundsätzlich Gespräche mit den Schülern, wie wir das gerne hätten“, sagte Schulleiter Berthold Lannert über die Kleidungsvorstellungen des Hauses an besonders heißen Tagen.

Wer immer mit zu wenig Stoff am Körper im Klassenzimmer sitze und uneinsichtig sei, müsse solch ein übergroßes Shirt tragen: Bisher sei das aber erst zweimal vorgekommen – und zwar nicht wegen einer zu kurzen Hose eines Mädchens: Zwei Jungen trugen Hänge-Hosen mit dem Schritt in den Kniekehlen – freier Blick auf die Unterhose inklusive.

An dieser anderen Schule waren also nur Jungs bisher die „Opfer“ einer solchen Kleidervorschrift.

Meine Meinung dazu ist gemischt:

  • ich würde auch sagen, dass eine gewisse Zurückhaltung geboten ist. Die persönliche Kleidung des einzelnen geht erst einmal die Schule nichts an.
  • Allerdings sehe ich sehr wohl eine Berechtigung zum Eingreifen, wenn sich dies auf den „Schulfrieden“ auswirkt und gleichzeitig die Maßnahme nicht die Grenzen des Zumutbaren überschreitet. Das ist die im Verwaltungsordnungsrecht sehr verbreitete Figur des „Anscheinsstörers“: Wer den Anlass für Störungen setzt, der kann angehalten werden, diese abzustellen, wenn auf diesem Weg die Störung insgesamt beseitigt werden kann und andere Wege zu schwierig sind.
  • Ich kann mir gut vorstellen, dass zuviel Haut bei schönen Mitschülerinnen Signale gerade bei Teenagern aussendet, die interessanter sind als so mancher langweiliger Unterricht. Um mal von der Kleidung wegzukommen: ich vermute mal, dass die meisten Schüler auch weniger lernen, wenn man neben ihnen im Raum anfängt ein leckeres Büffet vorzubereiten oder dort Artisten einen Auftritt üben. Hier wird man kaum anführen, dass die Schüler eben lernen müssen, diesen Versuchungen zu widerstehen und es verstehen, wenn der Lehrer das für seinen Unterricht auch nicht für ideal hält. Sex ist dabei ein durchaus starkes Signal
  • Wenn eine Ablenkung vorhanden ist, die den Unterricht stört, dann halte ich das Überziehen des T-Shirts für eine vollkommen zulässige Maßnahme
  • Gleichzeitig würde ich der Schule auch im Rahmen ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags das Recht geben, dass auf für den Unterricht angemessene Kleidung geachtet wird, auch wenn dies vorsichtiger gehandhabt werden muss. Dabei ist ähnlich wie in anderen Berufen auch, der sexuelle Reiz auf ein angemessenes Maß zu beschränken. Das bedeutet nicht, dass man nun Kleidung verlangen könnte, mit der man in den Vatikan gelassen wird, aber auch hier gibt es einen gesellschaftlichen Grundkonsens.

Die Frage ist natürlich, was mit „Hotpants“ letztendlich gemeint ist. Nach Wikipedia sind dies:

Hot Pants (englisch: „scharfe Hosen“) sind enge, sehr kurz geschnittene, den Po betonende Shorts für Frauen.

Die Bilder, die man da findet, sind aus meiner Sicht doch sehr verschieden:

Hotpants

Hotpants

Hier hätten wir eine sehr kurze Variante, bei der der halbe Hintern zu sehen ist. Aus meiner Sicht wäre es hier vollkommen okay, auf eine angemessene Kleidung zu bestehen

Hotpants

Hotpants

Das sind schon etwas vorsichtigere Hotpants, die zumindest den ganzen Hintern bedecken. Hier kann man dann geteilter Meinung sein.

hotpants Bauchfrei

hotpants Bauchfrei

Hier wäre die Hose zwar auch Hinternbedeckend, aber das Outfit insgesamt doch reichlich sexuell. Ich hätte hier nichts gegen ein Einschreiten, wenn es stört.

Hotpants

Hotpants

Hier hätte ich verständnis für jeden Junger, der sich nicht voll auf die Unterrichtsstunde konzentrieren kann

Es ist schwer ein Bild von Schülerinnen in Hotpants zu finden und ich wollte bei Google und der NAS auch niemanden auf mich aufmerksam machen. Hier also noch ein Bild von Schülerinnen, die nach einem Hochwasser in kurzen Hosen helfen:

Schülerinnen kurze Hosen

Schülerinnen kurze Hosen

Das scheint mir alles jetzt auch noch vollkommen okay zu sein. Es ist nicht auf besonders sexuell getrimmt, es ist soweit alles angemessen, auch wenn die Hosen kurz sind. Es scheint mir bei warmen Wetter auch vollkommen okay, Jungs könnten vergleichsweise genauso viel Haut zeigen.

Im Gegenzug finde ich persönlich die „tiefsitzenden Gangster Hosen“ wesentlich weniger sexuell, sie wären schon eher ein „zieh dich ordentlich an“:

gangster hosen boxerhsorts

Im ganzen hat vieles davon aus meiner Sicht nichts mit Wärme zu tun, aber einiges mit intrasexueller Konkurrenz unter Frauen und Signalling. Jungs zeigen nachhaltig, dass man auch mit etwas längeren Hosen und einem Tshirt überleben kann, es muss keine Frau quasi nackt herumlaufen. Wenn sie es tut, dann ist ihr auch bewusst, dass sie damit sexuelle Signale sendet und will dies sowohl gegenüber den Jungs als auch gegenüber den Mitschülerinnen. Es ist eben ein zeigen wie heiß man ist und das man sich solche Hotpants leisten kann, ohne das alle darüber lästern, dass da alles rausquillt oder denken, dass man scheiße aussieht. Natürlich scheitern daran auch immer wieder verschiedene Mädchen, weil sie die Mode mitmachen wollen, obwohl sie bei ihnen nicht gut aussieht. Die sind aber auch meist nicht der Grund dafür, dass große T-Shirts verteilt werden.

Die TAZ macht aus dem Verbot erst einmal eine Bestätigung, dass wir in einer Rape Culture leben:

Es gehe dabei, so die Schulleiterin Bianca Brissaud, „nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes“. Vielmehr wolle sie „damit ein kleines Stück zu einem gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden“. Sie sei von Lehrerinnen und Lehrern darum gebeten worden, „dringend“ etwas zu tun, sagte die Schulleiterin dem Schwarzwälder Boten.

Ja, aber warum? Und was für Werte sind das, die da so dringend gelebt und gefördert werden sollen?

Die Erklärung liefert die Schulleitung in ihrer Wortwahl: Hotpants und bauchfreie T-Shirts seien „aufreizend“. Wird nicht weiter erläutert, heißt aber: Die knappen Klamotten könnten jemanden reizen, etwas zu tun. Hinzugucken. Hinzugreifen. Die Werte, die hier vertreten werden, heißen: Rape Culture und Victim Blaming. Es geht nicht um den Stoff, es geht um Schuld, um Kontrolle und Autonomie

Bis auf die zwei Stuttgarter Jungsärsche wird in allen genannten Fällen davon ausgegangen, dass Mädchen, die sich zu knapp kleiden, das Problem sind: Wenn Jungs oder Lehrer von Mädchen abgelenkt werden, müssen die Mädchen sich etwas anziehen. Als wenn Frauenkörper etwas sind, was versteckt werden muss, damit nichts Schreckliches passiert. Weil – und das ist ebenso sexistisch – davon ausgegangen wird, dass Jungs und Männer sich dann nicht mehr unter Kontrolle halten können.

Es ist genau dieselbe Rhetorik, die angewandt wird, wenn Frauen belästigt oder vergewaltigt wurden, und dann hören müssen: Du hättest etwas anderen anziehen / dein Getränk nicht stehen lassen / diesen Weg nicht langlaufen sollen. Diese Art von Schuldumkehr nennt sich Victim Blaming: Das Opfer wird beschuldigt, an einer Tat selbst Schuld zu sein.

Victim Blaming wiederum gehört in den größeren Zusammenhang von Rape Culture: Eine Kultur, in der davon ausgegangen wird, dass sexualisierte Gewalt etwas ist, was eben passiert. Übergriffe sind dann etwas, was einzelne Opfer eben hinnehmen müssen, wenn sie sich nicht hinreichend verteidigt haben. Das ist dann dumm gelaufen. Nächstes Mal besser aufpassen. Dass es immer wieder dieselben Muster sind, nach denen Grenzen überschritten und Machtstrukturen ausgenutzt werden, kann man ignorieren, wenn man die Schuld den Opfern gibt

Natürlich ist es komplizierter, Jungs und Männern zu erklären, wie sie sich verhalten sollten, als Frauen einen Sack überzustülpen. Es gibt keine einfache und schnelle Lösung für das Problem. Das „Culture“ in „Rape Culture“ beschreibt eben eine ganze Kultur, und die beruht unter anderem auf sehr tief verwurzelten Ansichten darüber, was Frauen in der Öffentlichkeit alles tun und lassen sollten. Die völlige Selbstverständlichkeit, mit der Männer am Strand oben ohne rumlaufen und Frauen nicht, ist nur ein Beispiel. Eine Gesellschaft, in der nackte Frauen in der Werbung einerseits Aufmerksamkeit auf Produkte ziehen sollen und in der Frauen im Alltag andererseits aufpassen sollen, nicht „aufzureizen“, hat ein sehr grundsätzliches Problem.

Da hat man es mal wieder: Frauen sind für nichts veranwortlich, sie sind Opfer. Egal, ob hier eine Schulleiterin handelt, auch diese will nur wieder Mädchen zu Opfern machen und anscheinend Vergewaltigungen verharmlosen. Ebenso wie die Lehrerinnen. Aber diese sind eben auch nur Opfer des Systems. Auch den letzten Satz finde ich durchaus bemerkenswert: Denn Schule und Werbeplakat sind ja durchaus leicht zu erkennen vollkommen verschiedene Orte, für die dann auch verschiedene Regeln gelten. Man würde eben auch keine entsprechenden Werbeplakate in Schulräumen anhängen.
Natürlich hätte man das hier auch ganz anders framen können: Wenn die Schulleiterin gesagt hätte, dass sie bemerkt hätten, dass die Schülerinnen hier nur einem Trend folgen und verschiedene Mädchen sich bei Lehrerinnen beschwert hätten, dass dies auf sie Druck ausübt und sie gemobbt worden wären und einen Safe Space benötigen, dann wäre es eine interessante Diskussion gewesen: Darf man zu Gunsten anderer Schülerinnen Mädchen weniger sexuelle Kleidung vorschlagen? Darf man dann auch erziehen?

Es würde mich ja auch mal interessieren, wie eine feministische Gruppe auf eine stark geschminkte und sexuell gekleidete Frau mit einem durchtrainierten Körüer reagiert, die bei ihnen mitmachen will und das nicht bei einem Slutwalk.

Den nächsten Satz in der TAZ finde ich dann auch wieder typisch feministisch:

Sicher ist: Wenn Jungs im Unterricht nicht mehr auf die Tafel schauen, sondern auf den Bauchnabel des Mädchens neben ihnen, dann ist jede Lösung, die sich nur um den Bauchnabel kümmert, und nicht um den Jungen, eine schlechte. Im schlimmsten – aber nicht unwahrscheinlichen – Fall führt sie dazu, dass Mädchen sich, wenn ihnen etwas Unangenehmes passiert, nicht trauen, es zu erzählen, weil sie denken, sie seien selber Schuld.

Das ist die klassische feministische Lösung: Wenn Jungs etwas sexuelle anziehend finden, dann müssen sie eben damit klarkommen und sie müssen lernen, den Reiz auszublenden. Alles andere ist eben Victim Blaming.

Bei der Mädchenmannschaft fasst man das noch deutlicher:

An wen sich diese Kleidungsvorschrift richtet ist klar: Mädchen. Dies ist natürlich ein Muster der sommerlichen Schulkleidungsdiskussionen, die ja nicht kontextlos stattfinden, sondern sich einreihen in rape culture, victim blaming und weitere sexistische_rassistische_klassistische_fatshamende Körper- und Kleidungspolitiken. In den Erläuterungen heißt es dann oftmals, dass sich Schüler aufgrund der Kleidung nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten – aber auch Lehrer abgelenkt seien. Und anstatt sich nun zu fragen, was diese Lehrer eigentlich an einer Schule machen, wird die Verantwortung für alles bei den Mädchen abgeladen, sie sollen sich nicht ‚aufreizend‘ (was soll das eigentlich hier genau sein?) kleiden. Lehrer und Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.

(…)

Oftmals wird so getan als wären bestimmte Kleidungsstücke und das Nichtverdecken von Körperstellen noch einmal eine besondere Einladung zu übergriffigem Verhalten: Damit meine ich nicht ausschließlich sexualisierte Übergriffe, sondern auch das allgemeineKommentieren anderer Körper, ungefragte Hinweise dazu wie sich zu kleiden wäre, Bemerkungen/ Blicke/ Geräusche beim Entblößen dicker Oberarme, Zeigen und Starren auf Narben, die sonst unter Stoff bleiben.

Was mir daran nicht gefällt:

Es wird so getan als wäre das Unangenehme, dass die Männer kurz davor wären übergriffig zu werden. Als wäre es so, dass sie sich nicht mehr zurückhalten können. Und als wäre es etwas schlimmes, sexuelle Reize auch sexuell aufzunehmen.

Dabei geht es schlicht darum, dass bestimmte Reize, auch unterhalb einer Übergriffigkeit unpassend sein können. Ich hatte hier schon etwas dazu gesagt, dass es anstrengend ist, wenn man sexuelle Reize, die man nicht wahrnehmen darf, ausblenden muss. Und natürlich kann auch eine 16jährige oder gar eine 19jährige mit tiefen Dekollete oder dem halben hintern unbedeckt ohne Probleme solche Reize aussenden und diese auszublenden kann unangenehm sein, auch wenn man selbstverständlich nicht über sie herfallen wird.

Hier soll letztendlich eine ganz normale Sexualität und den Umstand, dass man solche Reize registriert zur Abwertung verwendet werden. Wer sexuell wahrnimmt, der ist in diesem Denkschema schon ein Vergewaltiger, weil er diesen Drang niederkämpfen muss. Das halte ich für eine extrem sexfeindliche und auch männerfeindliche Sicht.

In dieser Sicht ist alles eine unnötige Sexualisierung von Frauen, die ja eigentlich gar nicht sexuell sind und hier nur durch die Gesellschaft zu „Sexobjekten“ gemacht werden. Es ist eine merkwürdige Zeichnung von Unschuld, die ich für vollkommen naiv halte: Ein Schülerin in Hotpants und mit bauchfreien Top ist sich vollkommen bewußt, dass sie sexuelle Signale sendet, sofern sie nicht in der Grundschule ist. Sie findet sich sicherlich mutig oder eben heiß genug. Die Naivität, dass sie das alles nur trägt, weil ihr einfach warm ist, ist insbesondere, wenn man ansonsten von einer Rape Culture ausgeht, in der jede Frau pausenlos sexuell belästigt wird und in der Nacktheit – so die Botschaft auf die bei jeden Slutwalk herumgeritten wird – als Einladung angesehen wird, von hoher Widersprüchlichkeit. Einerseits gibt es anscheinend eine beständige Botschaft, die Kleidung von Frauen zu regulieren. Andererseits geht diese Botschaft an Frauen vollkommen vorbei, die sich gar nicht bewußt sind, dass sie sexuelle Reize ausstrahlen und daher auch nicht dafür verantwortlich sind.

Der Mann muss eben einfach ausblenden und darf darf darf sich dadurch nicht gestört fühlen.

Die Frau hingegen darf sich durch den Blick aufgrund dieser Reize schon gestört fühlen. Er ist ein Schwein, gleich in die Richtung eines Kindervergewaltigers zu rücken.

Erzählmirnix hat (natürlich ohne Zusammenhang zu den Hotpants, wie sie in den Kommentaren schreibt) einen Comic mit ähnlichen Inhalt:

erzaehlmirnix reiz 12jährige pädophil

erzaehlmirnix reiz 12jährige pädophil

Das geht – so sehr ich Erzählmirnix Comics ansonsten schätze – in eine ähnliche Richtung: Es wird etwas an dem Wort „aufreizend“ aufgehängt, was dann die Wahrnehmung sexueller Signale als pädophil und perserv einordnen lässt.

Aus meiner Sicht sind Hotpants und Miniröcke recht eindeutig etwas, was wir mit sexuellen Reizen assozieren. Den Hintern einer 12jährigen damit zu betonen sendet deswegen auch dann ein sexuelles Signal, wenn es der Hintern aufgrund des Alters des Kindes nicht macht. Und gerade diese Verbindung kann einen natürlich stören. Weil man eben findet, dass ein solches Signal in der Verbindung erst einmal nichts zu suchen hat.  Natürlich kann man es merkwürdig finden, wenn 12jährige Kleidung tragen, die dafür konzipiert ist, sexuelle Signale zu senden, weil das eben eine Sexualisierung von Kindern ist, ohne gleich pädophil zu sein.

Man kann das an einem Beispiel erläutern: Wenn eine 12jährige einen Strip machen würde, in kompletter Kopie der Bewegungen einer erwachsenen Stripperin, dann würde man das auch dann unnötig sexuell aufgeladen finden, wenn sie schlussendlich Sting und BH nicht auszieht. Es passt einfach nicht. und kein Zuschauer würde sagen, dass es altersgerecht ist, sie da so tanzen zu lassen, weil ihr eben die Bewegungen Spass machen.

Es ist erstaunlich, wie gut diese Verurteilungen für die Wahrnehmung sexueller Reize allerdings funktioniert. Sexualität ist eben böse.

 

Ein interessantes Statement in diese Richtung findet sich auch hier:

Das Anliegen der Schule, Standards für die Verhüllung einzelner Körperregionen durchzusetzen, ist berechtigt. Schief liegt die Werkrealschule allerdings mit der Begründung: Dort ist die Rede davon, dass „Mädchen sehr aufreizend gekleidet sind“, und von bauchfreien Oberteilen und Hotpants. Damit stülpt die Schule den Jugendlichen beiderlei Geschlechts eine gefährlich einseitige Weltsicht über: Mädchen, die knappe Kleidung tragen, reizen das andere Geschlecht – und sind im Zweifel selbst schuld, wenn ein derart provozierter Mann nicht an sich halten kann. Den Jungen wiederum wird suggeriert, dass sie in ihrer wehrlosen Lüsternheit für ihren Sexualtrieb nicht mehr Verantwortung tragen als für den Kniesehnen-Reflex.

Eine Schule, die ihre Aufgabe ernst nimmt, sollte Jugendlichen bessere Argumente bieten. Gerade eine Werkrealschule, die ja auf eine Berufsausbildung vorbereitet, könnte erörtern, dass Po und Busen im Arbeitsleben – und in der Schule – bedeckt sein sollen. Und zwar schlicht aus Rücksicht auf unterschiedliche Vorstellungen von Moral und Ästhetik. Das würde dann auch für die tief sitzenden Hosen manch jungen Mannes gelten.

Den zweiten Absatz finde ich okay, der erste behandelt das bereits dargelegte: Das Wahrnehmen eines sexuellen Reizes und dessen Unerwünschtsein in der konkreten Situation ist schon Verharmlosung. Als ob nicht jeden Jungen bewusst ist, dass er eben gerade nichts machen darf, nichts von seinen Gedanken oder seiner Erregung zeigen darf, alles nach Möglichkeit ignorieren muss.

Zumindest bis er einen ungestörten Raum für sich hat.

 

Viele Täter sexualisierter Gewalt sind Männer, aber nur die wenigsten Männer sind Täter sexualisierter Gewalt.

Teardown bringt noch einmal einen wesentlichen Punkt, der im Feminismus bei der „Gruppenschuldzuweisung“ an Männer in Bezug auf Vergewaltigung gerne übersehen wird.

Ich finde das immer wieder erstaunlich, wie einfachste Stochastik nicht verstanden wird, oder es will einfach nicht verstanden werden. Viele Täter sexualisierter Gewalt sind Männer, aber nur die wenigsten Männer sind Täter sexualisierter Gewalt.

Der Trick ist also NICHT die Verteilung “Nichttäter und Täter” der Grundgesamtheit “Mann” als Bezugsgröße zu nehmen, sondern die Merkmalsausprägung (männlicher Täter und weiblicher Täter) innerhalb der Verteilung “Täterschaft”. Das ist aber riesiger Quark:

Ein Täter wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Merkmal “Mann” aufweisen.
Ein Mann wird hingegen mit noch höherer (!!!) Wahrscheinlichkeit das Merkmal “Nicht-Täter” aufweisen.

Das ist in der Tat recht einfach: Die meisten Männer sind weder Gewalttäter noch vergewaltigen sie. Daran scheitern letztendlich die Schuldkonstruktionen im Feminismus. Demnach ist es auch nicht die „hegemoniale Männlichkeit“ die eine „Rape Culture“ unterhält. Im Gegenteil: Die gegenwärtige Gesellschaft hat noch nie so viel Schutz vor Vergewaltigung geboten wie heute. Und auch der beschütztende Aspekt von Männlichkeit geht dabei vollkommen verloren. Für ihn ist – abseits des Aspektes, dass dieser Schutz die Frauen abhängiger von Männern macht – auch in einer Theorie, die lediglich einen Machtkampf zwischen Geschlechtern erkennen kann, die also nur auf ein Nullsummenspiel ausgerichtet ist und nicht auf Kooperation, kein Platz.

Nick führt dazu in einem Kommentar ebenfalls noch einmal interessantes aus:

Was für den Rassisten die genetische Determination zu einer Gewaltneigung ist, ist für die Feministin die “strukturelle Determination” zu einer Vergewaltigungsneigung. AlleMänner profitieren demzufolge unausweichlich von sexueller Gewalt. “Rape is a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear.” (Susan Brownmiller) – also ist so lange, bis das jüngste Gericht das Patriarchat abgeschafft hat, die Neigung zu Vergewaltigungen ein unausweichlicher Wesenszug von Männlichkeit. Nur der Feminismus bzw. das Bekenntnis zu den Privilegien kann diese Neigung – allenfalls – containen. (…)

Männer müssen also erst beweisen, dass sie unschuldig sind. Und weil man das so schön pseudointellektuell verschwurbelt hat, ist dieser unzulässige Induktionsschluß _selbstverständlich_ kein Generalverdacht. Strukturen und so..

Das Problem liegt hier ganz einfach darin, dass die Gesellschaft bei Männern eine solche pseudointellektuelle Legitimation von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit toleriert. Hier versagen die gesellschaftlichen Schutzmechanismen.

Über die Erfassung der Männer als Gruppe kann die Vergewaltigung eben nicht mehr die Tat eines Einzelnen sein, sie muss ein Machtmittel der Gruppe sein.

Feministische Theoriewoche: „Rape Culture“ (Tag 5)

Dieser Beitrag ist Teil der feministischen Theoriewoche.

Das heutige Thema ist

„Rape Culture“ 

als ein zentrales Element der feministischen Theorie.

1. Was besagt die Rape Culture Theorie?

2. Was leitet der Feminismus daraus her/wie setzt er diese Theorie ein?

3. Welche Argumente/Studien sprechen für/gegen diese Theorie?