Die Aktiven und die Bloggenden: „Echte Arbeit“ vs „sinnloses Rumdiskutieren“

Arne hat mit einem Artikel noch einmal das Thema „Die Aktiven und die Bloggenden“ aufgegriffen, welches hier schon mehrfach Thema war. Ich hatte ja schon in der letzten Diskussion einen leichten Rant in mir aufsteigen fühlen, den ich nachdem maddes8cht vorgelegt hatte erst einmal zurückgestellt habe, auch wenn es anderweitig auch noch diskutiert worden ist. (Emannzer / Pelzblog)

Ich möchte aber nunmehr doch noch etwas dazu schreiben, ein kleiner Rant zurück, an die, die es angeht:

1. Was tun wir euch eigentlich? 

Mich stört bei diesen Artikeln oder Kommentaren sehr, dass sie schnell einen aggressiven Unterton haben und das Bloggen abwerten. Der Ton ist so ungefähr „ihr sitzt zuhause und wir müssen die Drecksarbeit machen (und gehen dabei drauf)“. Das ist natürlich Blödsinn, denn wenn hier nicht geblogt und diskutiert werden würde, dann würde das eure Welt immer noch nicht verbessern. Ihr wärt dann nur ein Stücke alleiner, hättet aber die gleiche Arbeit wie bisher auch.

2. Warum dieses Entitlement?

Ich vermute also, dass ihr es so seht, dass diejenigen, die sonst bloggen oder in Blogs kommentieren dann, wenn es die Blogs nicht geben würde, bei euch mitmachen würden. Ist der Vorwurf wirklich, dass wir euch Leute klauen, die euch zustehen? Oder ist es mehr so eine Art „Wenn ich euch ECHTE MÄNNERRECHTLER  nennen wollt, dann macht auch ECHTE ARBEIT und setzt euch nicht einfach nur in einen Stuhl“?

Dazu will ich euch schlicht das folgende verraten:

Keiner hier schuldet euch irgendetwas.

Ihr habt kein Anspruch darauf, dass man auf eure Weise arbeitet. Ihr habt keinen Anspruch darauf, dass Leute eure Art sich für die Sache einzusetzen gut finden oder unterstützen. Weil ich über Geschlechterthemen und Männerrechtler blogge muss ich nicht mehr machen. Wenn ihr wollt, dass Leute bei euch mitmachen, dann ist es eure Aufgabe, sie davon zu überzeugen, dass sich das lohnt. Und wenn ihr meint, dass ihr verächtlich auf Leute herabgucken könnt, die nicht das machen, was ihr macht, dann seid ihr schlicht arrogante Säcke, die sich für etwas besseres halten und es anscheinend brauchen Andere abzuwerten. Und genau eine solche Haltung bewirkt, dass dann noch weniger Leute Lust haben, mit euch „aktive Arbeit“ zu machen.

3. Sich besser fühlen, indem man andere abwertet schadet der Sache

Seid gerne stolz auf was ihr macht. Wenn ihr aber nur dann stolz sein könnt, wenn ihr andere abwertet, was sagt das dann über eure Arbeit aus? Es zeigt dann vielleicht eher, dass ihr eigentlich eher das Gefühl des Status und des leidenden Martyrers braucht, der sich aufopfert. Macht dann diese Minderwertigkeitskomplexe bitte mit euch aus und hört auf, euch so zu überhöhen: Ihr und eure Arbeit seit nicht unersetzbar und da, wo ihr nicht tätig seid, da klappt es auch (gegebenenfalls schlechter oder teurer, aber niemand ist unersetzbar). Dieses „Da LEIDEN Männer und du schreibst nur einen Artikel statt zu helfen“ ist einfach nur eine widerliche Masche, ein Schuldgefühl zu erzeugen. Wenn ich darüber oder zu anderen Themen blogge, dann macht das die Sache nicht schlechter, im Gegenteil, eher erzeugt es Aufmerksamkeit. Statt Blogger anzumeckern solltest du lieber überlegen, wie du andere Menschen an das Thema heranführst, wenn du meinst, dass zu wenig Leute mitmachen.

4. Wenn ihr zu wenige seid, dann solltet ihr, statt zu meckern, eben mal überlegen, warum nicht genug Leute nachkommen

Warum sollte man eigentlich bei euch mitmachen? Habt ihr euch schon mal überlegt, was jemanden dazu bringen könnte, bei euch tätig zu sein, oder verfolgt ihr eher das Motto, dass man um zu so einen elitären Verein mitmachen zu können, eben engagiert genug sein muss?

Ich habe bisher von zwei Vereinen (vier waren angeschrieben) Rückmeldungen auf meine Fragen zu ihrer Arbeit bekommen und diese waren bezüglich der Frage, wie man mithelfen kann:

Von Gleichmass:

8. Wenn jemand ihre Arbeit unterstützen möchte, wie kann er dies am besten?
a) aktiv vor Ort
b) finanziell (und wofür würden die Gelder eingesetzt werden)

Die Gelder würden für die o. g. Aktivitäten verwendet werden. Unter diesem Link findet man neben Spenden weitere Unterstützungsmöglichkeiten.

Von Mandat:

8. Wenn jemand ihre Arbeit unterstützen möchte, wie kann er dies am besten?
a) aktiv vor Ort
b) finanziell (und wofür würden die Gelder eingesetzt werden)

Aktivität im Verein per Internet und/oder finanziell.

Na da zeichnet sich doch ein deutliches Bild, man weiß genau, was einen erwartet, man bekommt gleich Lust, mitzumachen. Ihr führt potentiell Interessierte ja wirklich großartig an eure Arbeit heran. Auf eine direkte Frage, wie man bei euch aktiv werden kann, kommt:

Nichts.

Ich hatte die Frage extra gespalten, damit zu beidem etwas geschrieben werden kann, weil ja auch die Klage kam, dass man auch nicht die passenden finanzielle Unterstützung erhalte.

Nach all dem Jammern, dass da zu wenig Leute aktiv sind, hätte ich ja schon erwartet, dass man da einmal konkreter wird. Dass man mal schildert, wo ihr denn Unterstützung braucht, etwa einen Text wie:

„Wir suchen immer Leute, die uns helfen, Flugblätter zu erstellen, die grafisch versiert sind, die gut Texten können, wir schreiben Politiker an und brauchen Leute, die zu diesem und jenem Thema etwas zusammenstellen, du kannst dir einen Überblick über unsere Arbeit verschaffen, wenn du montags zu unserer Strategierunde dazu kommst, in der letzten ging es um das Thema X. Wir haben auch eine Chatrunde im Internet, an der du erst stiller Teilnehmer sein kannst, wenn du mal schauen willst, ob es was für dich ist. Gerne können wir dich auch zum Berater ausbilden, wenn du dann einen entsprechenden Service bei dir vor Ort anbieten willst. Oder du schreibst uns eine Mail und dann suchen wir gemeinsam ein Projekt welches deine Fähigkeiten am besten einbringt. Wir freuen uns auf jeden, der uns unterstützt

Oder zum finanziellen:

Eine finanzielle Unterstützung ist über eine Mitgliedschaft in unserem Förderverein möglich, der Beitrag beträgt X Euro. Man kann auch dem Verein so beitreten, da ist der Jahresbeitrag Y Euro. Zudem kann man folgende Projekte direkt unterstützen, etwa … und …. Oder man spendet an folgendes Konto… eine Spendenquittung stellen wir gerne aus. Wir brauchen das Geld insbesondere für…. Wenn wir mehr Geld hätten, dann könnten wir zum Beispiel dies und jenes machen.  Wir haben zudem ein Paetronkonto eingerichtet, wer das bequemer findet, man findet es unter…

Statt dessen konnte keiner der beiden Vereine auch nur einen Satz dazu schreiben, was man da nun konkret machen kann um aktiv mitzuarbeiten oder was man mit mehr Geld machen würde und warum man es braucht.

Erfährt man das an anderer Stelle? Aus meiner Sicht nicht. Ihr errichtet hohe Barrieren für einen Einstieg und wundert euch dann, dass keiner kommt. Und die, die sich für das Thema interessieren, die schreckt ihr (teilweise) noch mit Unfreundlichkeit und Beleidigungen ab und mit dem Gefühl, dass euch alles nicht gut genug ist.

5. Die alten Methoden sind alt, es lebe das Internet und die Öffentlichkeitsarbeit

Eine Folge davon, dass ihr euch in eurem Ruhm als die „echten Aktiven“ sonnt und Verachtung gegenüber Leuten, die im Internet aktiv sind, ist, dass ihr auf alte Methoden setzt und euch dann wundert, dass die nicht ziehen.

In einer Diskussion hat sich kürzlich jemand darüber aufgeregt, dass man irgendwann mal eine Demo in Berlin geplant hat und keiner gekommen ist. Anlässlich des Genderkongress hieß es ebenfalls, dass ja von den Bloggern keiner dagewesen wäre (was tatsächlich gar nicht mal stimmte).

Anscheinend bringt euch das aber gar nicht dazu, dass man mal überlegt, wie man dann die Sache publizieren kann, was man da machen kann außer meckern und ob eure Öffentlichkeitsarbeit nicht in der Hinsicht einfach schlecht ist.

Da habt ihr mit Arne einen Aktiven mit einem Blog und da kommt nebenher irgendwie mal ein kleiner Hinweis. Warum nicht in der vorherigen Zeit mal ein Interview mit den Leuten, die dort Reden halten, in denen sie das schon mal anreißen, warum ihnen das Thema wichtig ist, damit Leute interessiert sind? Warum die ganze Sache nicht streamen, damit Leute, die nicht anreisen können oder die sich einfach nicht sicher sind, ob es was für sie ist, da mal reinschauen können und beim nächsten Mal Lust haben zu kommen? Warum nicht mal ein paar positive Berichte in den Blogs positionieren, die die sicherlich gerne veröffentlichen. Und danach die Redemanuskripte online stellen, damit man es nachlesen kann. Und den Stream noch mal ins Internet stellen, damit man es sich zu jeder Zeit anschauen kann. Und es etwas hypen lassen. Und dann mit der guten Stimmung in das nächste Jahr gehen? Statt dessen: Verachtung gegen Blogger und Selbsttbeweihräucherung. Was für ein Kindergarten und wie unprofessionell.

6. Die Macht der sozialen Medien und des Internets

Wisst ihr, was Leute anzieht? Wenn schon viele Leute dabei sind und man immer wieder darauf stößt.

Wisst ihr, wonach Politiker den Einfluss einer Gruppe beurteilen? Danach, wie viel Aufmerksamkeit sie generieren können.

In den beiden Bereichen versagt ihr, wenn ihr das Internet nicht nutzt. Wenn ihr so tolle praktische Arbeit macht, dann müsst ihr eben auch die Zähne auseinander bekommen. Wenn ihr 300 Mitglieder habt, dann wissen die, wenn ihr nichts erzählt, vielleicht von eurer Arbeit. Wenn ihr euch damit beschäftigt, eine Social Media Präsenz aufzubauen, und über Twitter, Facebook und eine Internetseite von euren Taten redet (und zumindest 50 eurer Mitglieder sich ebenfalls einen Twitter- und Facebookaccount und eine Internetseite zulegen, sich darum bemühen, Interessierte auf sich aufmerksam zu machen und dann eure Beiträge verlinken, dann wissen es 10.000.

#Aufschrei wurde unter anderem deswegen ein Phänomen, weil eine kleine Anzahl von Feministinnen sehr viele Tweets geschrieben hat, um die Sache ins Laufen zu bringen und weil sie entsprechend mit Multiplikatoren vernetzt waren. Feministinnen können Forderungen durchsetzen, weil sie mit einem Shitstorm drohen können, der ein höhes Potential an Leuten mobilisiert und von einigen sehr aktiven zusätzlich geschürt werden wird. Auf Shitstormniveau muss man sich dazu gar nicht bewegen, aber wenn deutlich wird, dass man jemand ist, bei dem 10.000 Leute angepisst sind, wenn etwas sexistisches offengelegt wird, dann überlegt man eben als Politiker eher, ob man dieser Gruppe zuarbeitet und spricht ihr Bedeutung zu. Wenn man weiß, dass allenfalls 100 Vereinsmitglieder was davon erfahren und dann eine Email von deren Vorstand kommt, dann kann man das weitaus eher ignorieren.

MANNDat hat beispielsweise angegeben, dass sie im Internet aktiv sind und auf Diskriminierungen hinweisen wollen. Ich sehe aus der Richtung ehrlich gesagt nicht viel.

Wie diese Arbeit voranschreitet sieht man beispielsweise auch auf ihrem Twitteraccount.

Es ist schön, dass ihr einen Kongress ausgerichtet habt und Politiker dazu Grußworte geschickt haben, also immerhin diesen Bereich anerkannt haben. Es ist gut und sinnvoll, dass ihr persönlichen Kontakt zu Politikern aufbaut. All das und die damit zusammenhängende Arbeit will ich gar nicht abwerten. Nur analysieren Politiker eben auch die Stimmungen, schauen, wie viel Prozent der Leute dahinter stehen und dazu sind aktive Internetseiten, Kommentare unter Artikeln in der Zeitung etc alles wichtige Anzeichen.

Ein wichtiges Beispiel ist etwa Milo auf Twitter. Er hat Platz in Talkshows erhalten, nicht weil er aktive Arbeit macht und auf Politiker zugegangen ist, sondern weil er sich auf (soziale) Medien versteht und darauf einen Kult um sich zu generieren. Er hat damit 130.000 Follower aufgebaut, was jeden Auftritt von ihm gleichzeitig schon dadurch erfolgreicher sein lässt, weil er auf seinen Medien dafür wirbt.

Nun kann man von Agens und Co nicht erwarten, dass sie den Milo machen, dass würde nicht passen. Aber wenn sie sich mit passender Arbeit auf 5.000+ Follower bei Twitter hocharbeiten würden, dann würden sie auch in diversen Medienübersichten auftauchen, dann würden sie ggfs ebenso wie Marthadear zu bestimmten Punkten eher um Interviews gebeten werden, weil sie sie bereits kommentiert haben, dann hätte Kritik Gewicht über die Follower, die diese aufnehmen und verstärken. Man merkt dann, dass es einer Vielzahl von Leuten nicht gefällt und diese bereit sind, dass auch kundzutun. Dann wüßten auch mehr Leute, dass es sie gibt und was sie konkret machen.

Kurzum: Die Aktiven haben das Internet und die Öffentlichkeitsarbeit verschlafen. Statt sich zu freuen, dass sie im Internet eine Basis haben, werten sie diejenigen, die ihnen da den Einstieg erleichtern ab. Es ist vielleicht einfach mal Zeit von dem hohen Ross herunterzukommen.

7. Diskussionen sind nicht sinnlos, im Gegenteil, ihr braucht sie dringend

Und genau auf diesem hohen Ross sitzt man eben, wenn man meint, dass da Leute nur „die Kommentarspalten volldiskutieren“. In vielen Bereichen braucht ihr genau das: Einen Bereich, wo eine wahrnehmbare Diskussion stattfindet. Denn vieles, was aus euren Reihen kommt ist auch einfach weit hinter der Diskussion im Internet zurück: Wenn ein Verein, der sich für Männeranliegen mit einer konservativen Ausrichtung wie „die klassische Familie muss zurück “ kommt oder zumindest mit einem Text, den man so verstehen kann, oder Fragen zur Wahl mit einem aggressiven Ton und unterstellenden Fragen verbreitet werden, dann habt IHR eure Hausaufgaben erneut nicht gemacht und hättet eben lieber mal offen diskutieren sollen, damit deutliche Positionen herausgestellt werden, die dann hoffentlich auch etwas moderner sind.

Mir scheint, dass in den Vereinen bisher kaum eine Debatte stattgefunden hat. Das dort bisher weder Theorien entwickelt worden sind noch wirklich eine einheitliche Linie vorhanden ist oder zumindest herausgearbeitet wird. Bei meiner Kritik an den „Wahlprüfsteinen“ beispielsweise sagte man mir:

Christian, deine ausführliche und kritische Auseinandersetzung mit unseren Wahlprüfsteinen kommt bei uns AGENSern grundsätzlich sehr gut an. Wir fragen uns nur, warum du all die Zeit und Energie, die damit verbunden ist, nicht investierst, indem du VORHER bei solchen Projekten mitarbeitest, statt HINTERHER zu bemäkeln, was aus deiner Sicht unglücklich läuft. Das ist zwar noch etwas zeitintensiver (wie “man in th. middle” schon richtig schreibt, ist es viel einfacher, hinterher zu kritisieren, statt sich vorher mit anderen Leuten zusammenzutun und einen gemeinsamen Nenner an Formulierungen zu finden, auf den sich alle einigen können), aber es wäre auch deutlich erfolgversprechender.

Ich antwortete, dass ich das ja durchaus gerne gemacht hätte, wenn man mal darauf hingewiesen hätte, das da was geplant ist. Was natürlich nicht der Fall war. Man bekommt eben nichts mit und es scheint mir auch nicht wirklich über so etwas diskutiert worden zu sein (und wenn doch, dann wird allenfalls deutlich, dass dort sehr unprofessionell vorgegangen worden ist und sich anscheinend keiner traute, da mal was gegen zu sagen oder es keiner bemerkt hat. Beides wäre ein schlechtes Zeichen).

Es ist also nicht ein „weniger“ an Diskussion notwendig, eher ein mehr. Es wird zu wenig kommuniziert, zu wenig diskutiert und zu wenig einbezogen. Ihr braucht ein paar (interne?) Kommentarspalten, die man (ihr) vollschreiben kann.

Welcher Weg für euch da der beste ist oder ob ihr das tatsächlich machen wollt, das ist natürlich euch selbst überlassen, wie wäre es mit einem Forum, welches jeder lesen kann, aber in dem nur Mitglieder schreiben können? Da wäre bei guten Diskussionen oder Planungen von Aktionen ein Leser, der sich einbringen will, eher bereit, sich anzumelden:

Er wüßte zumindest wozu und mit wem er sich einlässt.

Wie wäre es damit, Aktionen weitaus mehr darzustellen und zur Mitarbeit aufzufordern? Welche Gelegenheit haben den Leute bei euch sich einzubringen, die etwa nicht vor Ort wohnen oder die erst einmal reinschauen wollen?

Wer will, dass Leute sich beteiligen, der muss auch sagen, wie man sich beteiligen kann. Der muss den Leuten zeigen, wie sie sich einbringen können und die Hürden niedrig gestalten.

Natürlich ist es einfach, sich selbst aufzuwerten und über die „Kommentarspaltenvolldiskutierer“ zu lästern. Es bringt nur in der Sache nicht. Wohlgemerkt: Ich möchte das auch gar nicht allen „Aktiven“ vorhalten. Das genaue Meinungsbild innerhalb der Szene ist mir ja nicht bekannt. Vielleicht gibt es auch viele, die hier oder in anderen Blogs neben der aktiven Arbeit mitlesen oder mitdiskutieren und das einfach nicht so publik machen.

8. Wie wäre es schöner?

Für die, die mit den „Bloggenden“ ein Problem haben: Wie wäre es mit einer neuen Perspektive? Statt aus einem „Nicht gut genug“-Aktivismus verächtlich auf die Bloggenden herabzuschauen solltet ihr euch bewußt machen, dass sie eben auf eine andere Weise an der gleichen Sache arbeiten. Dass sie Multiplikatoren und Öffentlichkeit für eure Aktionen sind.
Ich freue mich über jeden, der Aktiv etwas macht. Ich freue mich auch über jeden, der interessante Texte oder Kommentare schreibt, der unter Zeitungsberichten kritische Anmerkungen macht, der also daran mitarbeitet, dass die Ideen bekannter werden und man merkt, dass Leute es anders sehen. Auf welche Art sie das konkret machen oder machen können ist aus meiner Sicht da relativ egal. Alles hilft mit und an allen Bereichen kann man vieles erreichen.
Selbst wenn ihr davon ausgeht, dass euer Baustein größer ist, schadet ein weiterer Baustein an einer anderen Stelle auch nichts. Es ist ein (kleiner) Stein weniger, den ihr bauen müsst.

Vergewaltigungen, Feminismus und Männerhass: Was „darf“ ein Vergewaltigungsopfer?

Mitunter habe ich das Gefühl, dass viele Frauen den Weg zum Feminismus nach einer Vergewaltigung finden. Das wäre ja durchaus verständlich, gerade dann sieht man das Thema sexuelle Gewalt besonders kritisch und findet daher schneller Anschluss an einen Bereich, der hier besonders viel  Kritik äußert. Mich würde da der Anteil interessieren.

Ich kann auch verstehen, dass es ein traumatisierendes Ereignis ist, dass man nicht so leicht verkraftet und das einen durchaus zentralen Lebensbereich, nämlich die Sexualität und die Beziehung betrifft und ich könnte mir auch vorstellen, dass eine solche Vergewaltigung Frauen vielleicht noch stärker trifft als einen Mann, weil eine Verhinderung einer Vergewaltigung für eine Frau evolutionär wesentlich schwerer wiegt.

Was mir dennoch nicht in den Kopf will, ist das in diesem Bereich wenig Abstraktionsbereitschaft herrscht. Auch jemand, der Vergewaltigt wurde sollte die Vorzüge eines Rechtsstaates verstehen können und von seiner eigenen Erfahrung trennen können. Auch jemand der vergewaltigt wurde, sollte in der Lage sein zu erkennen, dass es der Vergewaltiger war, der ihn vergewaltigt hat und nicht alle Männer. Auch jemanden, der vergewaltigt wurde, sollte bewusst sein, dass die Rape Culture ein enormer Vorwurf ist, der zudem reichlich verschwörungstheoretisch ist.

Man sollte von einem Verbrechen, das gegen einen begangen wurde nicht auf eine Gruppe von Menschen schließen, die das Verbrechen nicht begangen hat.

Ich schulde einem Vergewaltigungsopfer nichts, was ich nicht auch anderen Menschen schulde, denn ich habe es nicht vergewaltigt. Eine Kollektivhaft für das Handeln andere nur aufgrund einer Geschlechtszugehörigkeit lehne ich ab.

Mir scheint, dass das häufig vergessen wird.

Ich kann verstehen, dass jemanden das Thema belastet. Dennoch sollte man auch hier erwarten können, dass derjenige sich in die Position des anderen begibt, also etwa eines Mannes, der zu Unrecht der Vergewaltigung beschuldigt wird, und dessen Position durchdenkt.

Es muss zumindest möglich sein, dass man kurz darüber reflektiert, wie sich Kachelmann wohl fühlt, wenn seine Version richtig ist und er tatsächlich keine Vergewaltigung begangen hat. Selbst wenn man nur von Falschbeschuldigungsraten von 3% ausgehen würde, dann könnte es ja sein, dass Kachelmann darunter ist.

Es muss möglich sein, einfach mal objektiv zu durchdenken, warum es eine Unschuldsvermutung gibt. Es muss möglich sein, sich einmal vorzustellen, dass andere Menschen anders über Sex denken als man selbst.

Es muss möglich sein, trotz eigener Vergewaltigung frei von einem Männerhass zu sein und diesen auch bei anderen zu verurteilen.