Ausreden, um scheitern zu dürfen

Das menschliche Gehirn ist teilweise darauf bedacht, dass man sich selbst nicht zu schlecht findet und wir Menschen neigen daher dazu, unsere Erfolge unseren Fähigkeiten und unsere Misserfolge externen Umständen oder jedenfalls Umständen außerhalb des eigenen Einflussbereichs zuzurechnen.

Mitunter scheinen mir solche Prozesse auch dazu zu führen, dass bestimmte Theorien, die so etwas einfach machen, populär werden.

Ein Beispiel wäre etwa, dass Schönheit rein sozial konstruiert ist und eigentlich alles schön sein könnte. Und das man sich wegen Poster, die sportlich-schlanke Frauen zeigen, aufregen darf, weil diese ein zu hartes Schönheitsideal kreieren, wie gerade etwas dieses Werbeposter von „Protein-World“, welches für einen Shitstorm sorgte:

Protein World - Beach Body ready

Protein World – Beach Body ready

Die Frau hat ja in der Tat einen klasse Körper und viele Frauen werden auch gerne so aussehen oder viele Männer werden eine solche Frau ansehnlich finden. Hier wird, obwohl dies ja dann eigentlich „Thin-Shaming“ ist, der eigentlich sportliche und attraktive und auch wesentlich gesündere Körper abgewertet und als „krankhaft dünn“ heruntergeredet. Alle Körper seien schön und man müsse Diversität zulassen. Mit solchen Werbungen fördere man nur Magersucht, die armen Mädchen würden unter einem kaum auszuhaltenen Druck stehen, wenn sie solche Bilder sehen würden. Schon hat man eine Ausrede, um eben nicht „Beach ready“ zu werden. Dabei unterschlägt man, dass Magersucht nur etwa 0,6% aller Mädchen betrifft, krankhafte Fettsucht aber weitaus mehr Frauen und das Fettleibigkeit gravierende gesundheitliche Folgen hat, wohingegen einen Körper wie in dem Bild oben zu haben, wohl eher gesund ist

(Renee Sommerfield hat mit einem BMI von 16,6 (Körpergröße 1,77, Gewicht 52 kg) theoretisch Untergewicht, solange sie aber täglich genug ist, ergibt sich daraus meines Wissens nach kein Gesundheitsnachteil:

She admits to working out four to five times per week, including beach running and pilates with weights, and told website Glamour Edition that she has always been on the skinny side: „My physique is naturally very petite and I am quite tall (5’10). Growing up, this felt very awkward but I have grown to love and embrace my body!“

„I work hard to keep my body looking healthy and fit, which means eating 6+ times a day and working out with resistance and weights to make sure I maintain lean muscle… I don’t like looking too skinny!

„Confidence comes from how you feel. I feel my best and my most confident when I am fit and toned…. I love moving, being strong and always full of energy. I think there is definitely a noticeable difference between ’skinny-toned‘ and ’skinny-soft‘ – you know when a girl works for her body!“ she added.

Erzählmirnix hat das gerade auch an einem Beispiel einer Victoria Secret Kampagne und den dann folgenden immer dickeren Protestbildern sehr anschaulich besprochen.

Hier werden den Victoria Secret Modells extrem dicke Frauen gegenübergestellt und dies als positiv verkauft.

Der gesamte Gedanke, dass man sich selbst mit entsprechenden Modellen entlasten kann und dann auch entsprechend scheitern darf, sich also erlaubt, den Vorgaben nicht zu entsprechen und dadurch Druck abbaut, scheint mir ohnehin in den radikaleren Theorien in der Geschlechterdebatte eine große Rolle zu spielen:

Im Feminismus ist eigentlich alles darauf ausgerichtet, schuld von einem Weg hin zu anderen, externen Umständen zu verlagern. Mit dem Geschlecht „weiblich“ hat man bereits verloren, alle anderen sind privilegiert, das Patriarchat hat alle Fäden in der Hand, die Geschlechterrollen sind gegen einen etc. Frauen verdienen nicht weniger, weil sie eigene Entscheidungen treffen, wie etwa niedrigere Wochenarbeitszeiten, Berufe, die eher mit Kindern zu vereinbaren sind und die weniger auf Karriere und Geld ausgerichtet sind, sondern weil das Patriarchat sie unterdrückt und die anderen Privilegien haben. Und diese sollen dann bitte die Privilegien abbauen, auch hier müssen sich also die anderen anstrengen, man selbst muss den Umbau nicht vornehmen, es sind die (externen) Männer, die sich an ihre Privilegien klammern.

Im radikalen Antifeminismus und radikalen Maskulismus findet sich ähnliches. Der Staatsfeminismus macht eh jedes Handeln unmöglich, die Frauen sind so verwöhnt und in einer so hohen Position, dass sie auf Männer herabsehen und sie  nur ausbeuten wollen, alle Frauen sind schlecht und aufgrund dieser Schlechtigkeit lassen sie sich auch nicht auf einen ein. Men Going their own way (MGTOW) kann auch in seiner verbitterten Form in diese Richtung gehen („alle Frauen sind schlecht, also nehme ich sie komplett aus meinem Leben raus – nicht sie lehnen mich ab, ich lehne sie ab).

In der Interview-Reihe von David DeAngelo war auch noch ein interessantes Beispiel aus der Richtung: Er meint, dass Männer mitunter besonders blöde Anmachsprüche machen oder Frauen besonders schlicht anmachen („Ey, ficken?“ oder ein Hinterherpfeifen), weil sie damit in eine Rolle schlüpfen, die sie zum einen ein starker Mann sein lässt und zum anderen bei einer Ablehnung dann eben diese Rolle vorgeschoben werden kann: Sie hat dann nicht ihn abgelehnt, sondern nur die Rolle, die er gerade spielte. Ich hatte am Beispiel des Hinterherpfeifens mal folgendes geschrieben:

Aus diesem Gemisch lässt sich eine Theorie bauen, die ein hinterherpfeifen / hupen erklärt, auch wenn es sinnlos ist.

Es betont, dass man keine Ansprechangst hat und ist ein Umstand, der in der passenden Gruppe sehr schnell sozial bestraft werden kann. Da ein Hinterherpfeifen oder Hupen auch meist rein auf die Schönheit der Frau anspricht und insofern auch häufig sexuelles Gefallen bekundet, stellt es auch eher auf eine Kurzzeitstrategie ab, ein tatsächliches Interesse an der jeweiligen Person wird nicht bekundet. Es ist zudem eine Zeichen “Schau hier her, ich will dich”, was impliziert, dass man sich für gut genug hält, nicht abgelehnt zu werden oder zeigen zu können, dass einen die Ablehnung der Frau oder Sanktionen der Gesellschaft wegen der Überschreitung von Regeln nicht interessieren (“Outcome Indifference“).

Es signalisiert damit in gewisser Weise eine hohe Position und ist insofern gerade innerhalb der Männergesellschaft ein Costly Signal innerhalb der sexuellen Konkurrenz, dass schnell teuer werden kann, wenn die Frau darauf reagiert und man dann doch Ansprechangst bekommt.

Ich würde das ergänzen: Man spielt die Rolle von jemanden, der eine hohe Position hat und sich über die Regeln hinwegsetzen kann. Alle wissen, dass man es übertreibt, aber für den Fall, dass die Frau sich beschwert, regt sie sich quasi nur über den Regelbruch und die Persona auf, sie lehnt einen nicht als Person ab oder man kann eben zumindest sich selbst sagen, dass man es da wohl etwas übertrieben hat ohne es auf sich durchschlagen zu lassen.

Auch Pickuptechniken selbst können zu einer solchen Person sein, die man dem eigenen Ich vorschaltet. Gerade wenn man sie ohne wirkliches verstehen und ohne Kalibrierung auf die Situation anwendet. Wenn man also zB eine 5 ausgiebig neggt und dabei vergisst, dass ein Neg gerade keine Beleidigung ist und viel zu unlustig ist. Erfährt man dann die zu erwartende Ablehnung, dann kann man getrost sagen „Pickup ist Humbug, es ist als solches von der Frau abgelehnt worden, aber nicht ich“ und in seinen alten Trott zurückfallen, davon ausgehen, dass alles einfach irgendwie Glück ist, ohne wirklich an sich zu arbeiten oder eben auch den Gedanken beibehalten, dass Frauen an sich eben schlecht sind und es deswegen auch kein Gegenmittel gibt, außer vielleicht einen plötzlichen Lottogewinn (man flüchtet sich also in eine weitere Ausrede). Dieses Schema war denke ich auch gut bei „PUA-Hate“ zu beobachten, einem Forum bei dem sich nicht umsonst Ablehnung von Pickup mit Frauenhass zusammenfand, weil beides eben gute Ausreden sind, um ohne eigene Schuld scheitern zu können. Es ist eine Verschiebung nach außen, wenn man darauf abstellt, dass man eigentlich eine Frau verdient habe, alles richtig mache, und es nur Schuld der Frauen ist, wenn diese einen trotzdem ablehnen, weil sie eben schlecht sind. Es spart einem, sich den eigenen Fehlern zu stellen und an sich zu arbeiten.

Das zeigt auch schön, wie aus solchen Schuldverlagerungen, die einem erlauben, keinen Erfolg zu haben, Hass entstehen kann. Das Feindbild und die Abwertung ist erforderlich, um sich selbst davon überzeugen zu können, dass der andere das Hindernis ist, nicht man selbst. Der Andere muss einem das Gewollte – sei es „schön sein“, Gleichstellung, eine Partnerschaft oder was auch immer – aus Böswilligkeit vorenthalten bzw. Regeln so gestalten, dass man es nicht erreichen kann. Dann ist die Ausredenfunktion gewährleistet und das eigene Ich entlastet.

Feministische und maskulistische Standpunkttheorie

Die feministische Standpunkttheorie ist ein gutes Mittel, um andere Meinungen abzuwerten und ohne Prüfung des Inhalts abzuweisen. Kurz dargestellt aus der Wikipedia:

Eine Standpunkt-Theorie behauptet eine Abhängigkeit der Erkenntnisgewinnung von der Position innerhalb gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse. Sie sagt aus, dass es bessere und schlechtere Standpunkte gebe, von denen aus die Welt betrachtet und interpretiert werden könne. Tendenziell sei der Blickwinkel einer dominierten Gruppe für eine objektive Wahrnehmung besser geeignet als die Perspektive vom Standpunkt einer herrschenden Gruppe.

Die Abwertung anderer Meinungen erfolgt dann durch einen simplen Rückschluss: Ein Erkenntnisgewinn scheidet aus, wenn er von einem ungünstigen Standpunkt aus bestimmt wird, damit ist die Meinung, wenn man ihr diesen Standpunkt zuweisen kann, falsch.

Verbessert wird diese Methode dann dadurch, dass man bei der Bestimmung des Standorts keine Nachweise mehr verlangt und „cui bono„-Überlegungen ausreichen lässt oder mittels „Ein Teil könnte dem entsprechen, also ist alles so“-Argumentationen arbeitet.

Damit wird die ungewollte Meinung beispielsweise patriarchisch und weil sie patriarchisch ist, ist sie falsch.

Auf dieser Basis kann man sehr einfach alles abwerten.

Beispiele wären:

„Biologische Wissenschaft entspricht nicht der feministischen Theorie, also ist sie patriarchisch, demnach kommt sie vom falschen Standpunkt, also ist sie falsch“. 

Dass der Frauenanteil in der Biologie sehr hoch ist und das bestimmte, mit wissenschaftlichen Methoden ermittelte Fakten dafür sprechen, dass die Ergebnisse stimmen, spielt dann keine Rolle.

Ähnliche Argumentationen kommen auch gern aus dem Maskulismus:

„Im Bundesverfassungsgericht sitzt eine Feministin, also hat das Bundesverfassungsgericht insgesamt einem  feministischen Standpunkt, also sind nur noch feministische Entscheidungen von ihm zu erwarten, also ist auch diese Entscheidung Ausdruck der feministischen Verseuchung, was belegt, dass sie falsch ist“

oder

„Einige Artikel in der Wikipdia werden stark von Feministinnen bearbeitet, also hat die Wikipedia insgesamt einen feministischen Standpunkt, also ist alles, was in der Wikipedia steht als feministisch verseucht abzulehnen“.

Oder auch in der einfacheren Form:

„Es herrscht ein Staatsfeminismus, also gibt es nur noch einen feministischen Standpunkt, also ist alles was der Staat macht feministisch verseucht“

Nachweise für Kausalzusammenhänge oder auch nur das Einnehmen eines feministischen Standpunktes werden meist gar nicht mehr verlangt und ihr einfordern als Verteidigung des Feminismus oder als Überschwenken zum Feind gesehen.

In beiden Fällen wird der vermutete und unterstellte Standpunkt als ausreichend angesehen, um Vorgänge nicht mehr inhaltlich hinterfragen zu müssen, sondern per se ablehnen und Schuldzuweisungen vornehmen zu können.

Kann es einen humanistischen Feminismus geben?

Eine Abgrenzung im Maskulismus scheint es mir bei der Frage zu geben, ob der Feminismus per se schlecht ist und schlecht sein muss oder ob es einen „gemäßigten Feminismus“ oder einen „humanistischen Feminismus“ geben kann.

Ich hatte dazu schon verschiedene Artikel, die dies aufgegriffen haben:

Ich bin der Meinung, dass die Antwort hier eigentlich fast zwingend „Ja, das ist natürlich vorstellbar“ heißen muss. Andere finden bereits diesen Gedanken als geradezu selbst feministisch.

1. „Feminismus ist immer schlecht“ vs. „Feminismus kann auch gut sein“ als semantisches Problem

Die Hauptfrage scheint mir hier zu sein, wie man Feminismus definiert.

Die Fraktion, die darauf abstellt, dass der Feminismus schlecht ist, scheint mir hier eine sehr enge, essentialistische Definition von Feminismus zu verstehen: Der gegenwärtig vorherrschende poststrukturalistische Feminismus und die weiter vertretenen Spielarten würden bereits auf misandrischen Elementen und einer Opferhaltung aufbauen, so dass diese nicht „kurierbar“ sind. Die Umstellung wäre so enorm, dass man das nicht mehr als Feminismus bezeichnen könnte und daher der Begriff an sich tot ist. Es ist damit eine Argumentation vom „Jetzt“ und ein Ausschluss einer Änderung, die nicht zu einem „Aliud“, also etwas anderen, statt etwas verbesserten, führt.

Ich definiere Feminismus offener über das Anliegen und nicht die gegenwärtigen Theorien: Er betrifft die Vertretung von Frauenrechten. Das ist grundsätzlich in einer humanistischen Ausrichtung möglich, genau wie bei einem humanistischen Maskulismus. Momentan mag es nur Ausrichtungen in den Hauptströmungen geben, die unter einer Vertretung von Frauenrechten die Befreiung von einer Unterdrückung durch den Mann/Männlichkeit/hegenomialer Männlichkeit sehen, dass bedeutet aber nicht, dass man Feminismus, wenn man als Minimalanforderung die (vermeintliche) Vertretung von Fraueninteressen sieht, nicht zukünftig auch anders ausgestalten kann.

Ein vernünftiger und sachlicher Feminismus ist natürlich denkbar. Es ist möglich, Regeln für Frauen und Männer als Vertreter der Frauen oder mit einem besonderen Augenmerk auf Frauen auszuhandeln und solche Lobbyarbeit ist auch üblicherweise bei Gruppenkonflikten notwendig, da ein neutrales Vertreten erfahrungsgemäß kaum denkbar ist. Man kann hinterfragen, ob bestimmte Zustände auf Diskriminierung von Frauen beruhen, etwa im Arbeitsbereich, man kann aushandeln, welche Regeln für Schwangere im Arbeitsrecht und in den Rentenversicherungen gelten, man kann Unterhalts- und sonstige familienrechtliche Regelungen aushandeln und dabei insbesondere auf Fraueninteressen abstellen. Dies würde man dann nach allgemeinen Sprachgebrauch auch nicht „Humanismus“ nennen, sondern Feminismus. Der Begriff ist aus meiner Sicht zu eingeführt, um ihn durch einen anderen zu ersetzen und ich würde die Schaffung eines neuen Kunstwortes auch für eher wenig erfolgsversprechend halten (und so gesehen auch witzigerweise für einen Rückgriff auf feministische Theorie, wonach das Wort den Inhalt bestimmt und nicht umgekehrt

2. Reicht Humanismus und macht Feminismus unnötig?

Aus dem oben gesagten wird aus meiner Sicht bereits deutlich, dass ein Interesse an einer Vertretung einer bestimmten Gruppe besteht. Es ist auch das Recht jeder Gruppe, sich für seine Interessen eine Lobby zu schaffen, die die eigenen Interessen wahrt. Wir haben in Zivilprozessen Richter und Rechtsanwälte für jede Seite und würden es unfair finden, wenn der eine sich keinen Rechtsanwalt nehmen dürfte oder aber der Richter gleichzeitig der Rechtsanwalt der anderen Seite wäre. Wir fänden es bereits unfair, wenn Richter und Staatsanwalt in einer Person zusammenfallen würde.

Zwischen den Geschlechtern besteht bedarf für ein Aushandeln von Regeln. Dies kann auch, wenn das das Ergebnis des Aushandlungsprozesses ist, dadurch geschehen, dass man keine gesetzlichen Regeln vorgibt. Aber dennoch erfordert eine Einigung darüber, dass beide Parteien sich in den Prozess einbringen können.

Es ist eher einer der Missstände der gegenwärtigen Geschlechterdebatte, dass es kaum tatsächliche Lobbyisten für die Männerseite gibt bzw. die feministische Lobby wesentlich besser ausgestaltet ist. Wer dies als Problem wahrnimmt, der kann aus meiner Sicht kaum anführen, dass man auf einen „Humanismus“ vertrauen soll: Der Feminismus beruft sich ja gerade immer wieder darauf, dass er auch die Männerinteressen vertritt, indem er die Geschlechterrollen auflöst und damit auch die Männer befreit. Er sieht sich also als humanistisch, auch wenn es die gegenwärtige Ausrichtung gar nicht ist. Das macht deutlich, dass solche abstrakten Forderungen wenig bringen.

Natürlich sollte aus meiner Sicht jeder gleichzeitig die Anforderung an sich stellen, dass er nicht radikale, sondern humanistische Positionen vertritt, sich also auch die Sicht der anderen Seite bewusst macht und versucht nicht unfair zu sein. Aber was genau fair ist, ist ja immer eine schwierige Frage.

3. Unnötige Opposition gegen den praktizierten Wortsinn

Ich hatte schon in den oben verlinkten Artikeln ausgeführt, dass ich der Meinung bin, dass man mit Sprüchen wie „es gibt keinen guten Feminismus“ üblicherweise umfangreich erklären muss, dass man nicht Frauen per se die Möglichkeit abspricht, sich für ihre Rechte einzusetzen. Dies wird nämlich häufig das sein, was man versteht, wenn man Antifeminismus hört.

Ich finde es wesentlich einfacher und auch verständlicher, darauf abzustellen, dass ich nichts gegen einen humanistischen Feminismus hätte, dieser aber gegenwärtig kaum in Erscheinung tritt. Man kann damit auch eine Aufforderung an Frauen verbinden, sich für einen humanistischen Feminismus oder jedenfalls einen gemäßigten Feminismus einzusetzen. Man kann aus meiner Sicht auch betonen, dass man gegen einen solchen Feminismus nichts hätte und ihn in Zielen, die man teilt auch durchaus unterstützt, etwa gegen zu konservative Rollenvorstellungen, die essentialistische Vorstellungen ausleben, wie Männer und Frauen sein müssen, ohne dabei Häufungen oder Betrachtungen im Schnitt vor Augen zu haben und die sich insoweit gegen Abweichungen sperren. Auch ein Recht auf Abtreibung oder gegen Beschneidungen kann natürlich gerade etwas sein, für das sich gerade Frauenvertreter stark machen, wenn es auch ebenso ein Männerrecht ist (in beiden Fällen, ich bin ebenso als Mann interessiert daran, dass Frauen abtreiben können und ihnen dies nicht verboten wird).

Hier kann man deutlich machen, dass man berechtigte Anliegen auf beiden Seiten unterstützen kann und dies gleichzeitig dann auch von der anderen Seite erwartet.

4. Wer die Gegenseite verbietet, setzt sich selbst absolut

Dagegen wird gerne angeführt, dass dies zwangsläufig bedeutet, dass man Zugeständnisse machen muss, also letztendlich dem „Feind“ nachgeben muss. Was aus meiner Sicht nicht der Fall ist. Wenn ich ein Frauenanliegen als gerechtfertigt betrachte, dann muss es einer humanistischen Position entsprechen, sich dafür einzusetzen, ob es nun von einer Feministin vorgebracht wird oder nicht. Sehe ich ein Anliegen nicht als gerechtfertigt an, dann kann ich es dementsprechend auch ablehnen und darauf verweisen, dass wir in diesem Fall nicht zusammen kommen.

Man kann eben auch Bedingungen vorgeben, mit welcher Form des Feminismus man sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann und mit welcher nicht. Dazu muss man sich nicht verbiegen. Von vorneherein zu sagen, dass alles, was das Label Feminismus trägt, per se schlecht ist und damit eine Verhandlung ablehnen ist dagegen ein reines Lagerdenken, welches nicht auf den eigentlichen Inhalt, sondern auf Zugehörigkeiten abstellt.

Es ist insofern in gewisser Weise eher eine Übernahme von Teilen genau der Theorien, die ich im Feminismus kritisiere: Es ist eben ein Fundamentalismus, der auf Gruppenzugehörigkeit setzt und Abweichler bestrafen will. Es ist eine Ablehnung des Arguments zugunsten der Position. Ich möchte nicht ein maskulistisches „IDPOL“ und auch keine maskulistische Filterblase, ich möchte keine Disziplinierung durch Einfordern einer strikten Linie mit der Androhung, dass jede Abweichung als Übertritt zum Feind gesehen wird .

Ein Maskulismus, den ich unterstützenswert finde, sollte nicht die Fehler des radikalen Feminismus wiederholen und sich absolut setzen. Das bedeutet auch, dass er eine „Opposition“ zulassen muss.

„Feminismus und Maskulismus haben dasselbe Ziel“

Via Genderama wurde ich auf diesen Artikel von Yonni Meyer aufmerksam, indem ich einige Passagen durchaus interessant finde:

Feminismus ist eine durchwegs gute Sache. Wenn er denn dem dient, was er soll: Den Frauenrechten und zwar soweit, bis sie mit denen des Mannes überein stimmen. Also keine Bevorzugung der Frau, sondern eine Gleichstellung beider Geschlechter.

Der Kampf für Männerrechte – Maskulinismus – soll genau dasselbe bewirken: Dass Männer da, wo sie heute benachteiligt sind, mit den Frauen gleichgestellt werden. Zum Beispiel bei Sorgerechtsfragen oder bezüglich Militärdienst.

Wenn sie hier „rechtliche Gleichstellung“ oder „Gleichberechtigung“ meint, und Benachteiligung nicht nur nach den reinen Zahlen („Mehr Frauen sind im Vorstand, weniger Männer bekommen Unterhalt“) bemisst, dann wäre das ja durchaus eine vernünftige Position. Ein klassischer Humanismus muss beiden Geschlechtern gleiche Möglichkeiten geben und ungerechtfertigte Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts verhindern. Da werden wohl die meisten zustimmen.

Feminismus und Maskulinismus haben, auch wenn viele Leute sie für grundverschieden, wenn nicht gar gegensätzlich halten, dasselbe Ziel: Gleichstellung.

Dass uns der Ausdruck Feminismus geläufiger ist als Maskulinismus, liegt wohl hauptsächlich daran, dass in der Vergangenheit und zum Teil auch noch heute leider bei den Frauen mehr Nachholbedarf betreffend Gleichstellung bestand und besteht als bei den Männern, das ist geschichtlicher Fakt. Dafür kann aber der moderne Mann (oder die meisten von ihnen) nichts und er verdient es deshalb nicht, heute noch grundsätzlich in die Rolle des Unterdrückenden gesteckt zu werden. Wir Frauen sind nicht mehr dieselben wie früher, die Männer aber auch nicht. Darf man nicht vergessen.

Wer nun mehr benachteiligt ist, dass ist in der Tat Ansichtssache und ich vermute, dass Yonni da recht unbefangen in die Diskussion hereinkommt. Sie wird viele der hier gängigen Studien etwa zum Gender Pay Gap oder zu anderen Punkten wie der unterschiedlichen Berufswahl nach Interessen nicht kennen und andere Sorgen von Männern vielleicht auch anders einordnen. Das macht aus meiner Sicht nichts, solange man gesprächsbereit ist und bereit sich Argumente anzuhören. Das scheint mir bei ihr durchaus der Fall zu sein.

Trotzdem erlebe ich mich und meine Freundinnen immer wieder im Kampf mit Rollenmodellen – und dies hauptsächlich, wenn’s um Liebesbeziehungen geht. Wenn man sich, wie ich zum Beispiel, in eher männerdominierten Domänen bewegt und dort kein Problem hat, mit den Jungs mitzuhalten und auch mal offen seine Meinung sagt, traut man sich manchmal fast nicht mehr, in den Armen eines Mannes auch einmal schwach zu sein, auch wenn man das gerne wäre. Man traut sich kaum noch zu sagen, dass man es schön findet, wenn einem die Tür aufgehalten wird – zu oft kamen Sprüche wie «Du wolltest doch gleichberechtigt sein, halt’ deine Tür selber auf!»

Da spricht sie ein Problem einiger moderner Frauen an: Das Gefühl, dass sie immer emanzipiert sein muss und sich insofern keine Schwäche erlauben kann, während in anderen Bereichen, gerade im Bereich der Beziehung und des Sexuellen, der starke Mann und das Werben um die Frau nach wie vor attraktive Rollen sind. Das alte Beispiel beider Seiten dafür ist das Aufhalten der Tür. Es ist ja in der Tat schön und auch eine Form der Wertschätzung, die man gerne hat und insofern ungern aufgibt. Sie ist auch Symbol dafür, dass man als Frau wahrgenommen und abseits der Arbeitsbeziehung auf ein kleines Podest der Höflichkeit gestellt wird. Es ist insofern Anerkennung der Person als Frau. Im Gegenzug wird ein Mann denken, dass es keinen Grund für eine Vorzugsbehandlung gibt, wenn sie auch ansonsten die Rollen ablehnt und ihm ihrerseits nicht als Gentlemann behandelt, dem man in diesem Spiel auch einen gewissen Status als Mann zugestehen muss, damit das Spiel Spass macht.

Dazu heißt es in dem Artikel:

Doch solche Gesten haben mit der Emanzipation wenig zu tun, sondern mit der Freude am Gegenüber und mit dessen Wertschätzung. Oder haben Sie von einer Frau schon einmal den Spruch gehört: «Wir sind jetzt gleichberechtigt, ich schminke mich nur noch, wenn du dich auch schminkst und High Heels gibt’s übrigens auch in 44, kein Problem»? Also ich nicht.

Mit ihrer ersten Einschätzung hat sie Recht: Es ist eine Freunde am Gegenüber und eine Wertschätzung. Sie beschäftigt sich aber aus meiner Sicht nicht damit, warum es dem Gentlemann gefällt, die Tür aufzuhalten. Das ist eine Frage beiderseitigen Respekts und der Wertschätzung und man darf dabei eine Seite nicht zum Diener degradieren, der die Tür aufhält.

Interessant ist aber der Vergleich mit der Schminke. Der Fehler liegt aus meiner Sicht darin, dass sie ja durchaus verlangt, dass der Mann gut aussieht oder auf andere Weise attraktiv ist. Schminke gehört da aber für einen Mann nicht dazu.

Das (emanzipierte) Grundverständnis von Mann und Frau als gleichwertige Menschen muss nicht bedeuten, dass man in einer Beziehung nicht traditionelle Rollen einnehmen möchte/darf. Im Gegenteil: Ich finde es super, mich für ein Date hübsch zu machen, ich freue mich, wenn ich meine Weiblichkeit bewusst leben kann und sie beim Gegenüber auf Freude stösst. Und es gibt Männer, die finden es toll, einer Frau die Tür aufzuhalten oder sie zum Essen einzuladen. Nur weil er mir die Tür aufhält, entmündigt er mich nicht – und nur, weil ich mich für ihn schön mache, unterwerfe ich mich ihm nicht.

Auch hier ist durchaus vernünftiges drin: Die traditionellen Geschlechterrollen funktionieren, weil sie halt bieten und bestimmte, einfache Botschaften transportieren. Und sie sind in diesem Fall eben teilweise auch einfach angenehmer für sie: Es machen sich ja beide hübsch für das Date (wobei sie meist mehr Arbeit hat). Ich würde aus Pickupsicht nicht empfehlen eine Frau beim ersten Date zum Essen einzuladen. Es ist ein viel zu formelles Setting. Besser ist es etwas trinken zu gehen, es ungezwungen zu halte und zB dabei abwechselnd zu zahlen. Aber auch das ist Geschmackssache. Es ist aus einer „Return of investment“-Sicht eher dann geeignet, wenn man schon ziemlich sicher ist, dass sie interessiert ist. Allerdings kann man alles, was man beim Essen besprechen kann, auch bei einem Bier besprechen und es entsteht dann ein wesentlich geringerer sozialer Druck zur Abwehr des Eindrucks der Geizigkeit die Rechnung zu übernehmen.

Wir sollten aufhören, Zuneigung zwischen Mann und Frau als Kampf anzusehen.

Das finde ich einen wichtigen Punkt. Die meisten Männer und Frauen spielen zumindest mit ihren Partnern und Freunden des anderen Geschlechts ein kooperatives Spiel oder planen das am Anfang, auch wenn es am Ende nicht gelingt. Wichtiger noch ist vielleicht auch der Umstand, dass man erkennt, dass Gleichheit nach Köpfen in vielen Bereichen nicht wegen entgegenstehender Diskriminierung scheitert, sondern weil Männer und Frauen verschiedene Ziele, Vorlieben und Lebensplanungen haben und insofern bewußt ihr Leben in die eine oder andere Richtung gestalten.

Gleichberechtigung dreht sich, wie das Wort schon sagt, um die Rechte von Mann und Frau. Für diese lohnt es sich wirklich, Kämpfe auszutragen! Es ist jedoch nicht das Ziel der Gleichberechtigung, uns in Neutren zu verwandeln, die bloss keinem Geschlechterstereotypen mehr entsprechen dürfen, weil uns das sofort wieder in die Steinzeit zurück katapultieren würde – weder Männer noch Frauen. Stellen Sie sich mal vor, wie seltsam die Welt wäre, wenn Männer und Frauen sich auf einmal geschlechtsneutral verhalten würden.

Das ist in der Tat eine interessante Frage: Wie wäre die Welt, wenn wir uns alle geschlechtsneutral verhalten würden? Vermutlich würden beide Geschlechter das erst einmal sehr merkwürdig finden. Was wäre überhaupt geschlechtsneutrales Verhalten? Hätten Frauen und Männer die gleiche Einstellung zu Sex? Was wäre in dieser Hinsicht dann neutral? Ein mittlerer Weg? Neutrale Menschen sind glaube ich wirklich schwer vorstellbar. Und „männlich“ und „weiblich“ können ja auch durchaus ihre gegenseitige Anziehungskraft haben, auch wenn sich jedes Geschlecht Punkte vorstellen kann, die es an dem anderen nerven. Also die Zusatzfrage: Was wäre geschlechterneutrales Verhalten? Würden Frauen genervt sein, wenn Männer „unmännlicher “ werden? Würde sich die Rollenverteilung ändern, wenn beide ein mittelmäßiges Interesse an beruflichen Status und ein mittelmäßiges Interesse an Zeit mit den Kindern hätten? Würden Männer es vermissen, dass Frauen sie in bestimmten Bereichen für Helden und starke Männer halten? Wobei dieser Wunsch nach Anerkennung ja auch nicht geschlechtsneutral ist.

Mein persönliches Fazit: Emanzipation ist nicht gleich Dominanz der Frau, sie bedeutet nicht, dass wir nun immer und überall «die Hosen anhaben» müssen – Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass alle Männer nun zu Softies werden und uns die Füsse küssen müssen.

Emanzipation und Gleichberechtigung bedeuten Freiheit – die Freiheit, dass wir, Männlein und Weiblein, gemeinsam das Beziehungsmodell leben dürfen, das für uns stimmt.

Freiheit – das ist ja in der Tat ein hübsches Fazit. Natürlich wird man sich darüber streiten, was Freiheit eigentlich ist und was man braucht, um sein Beziehungsmodell frei wählen zu können. Da sind nach wie vor spannende Fragen zu klären.

 

„Frauen sind böse, weil sie sich nicht gegen den Feminismus wehren und dessen Vorteile mitnehmen“

Ein Argument, dass man immer wieder im Bereich des Maskulismus antrifft, geht ungefähr so:

Frauen wollen die Vorteile des Feminismus. Sonst würden sie etwas dagegen tun. Also unterstützen sie den Feminismus und müssen sich diesen als von ihnen gewollt vorhalten lassen. Daran sieht man, dass sie eigentlich nichts für Männer übrig haben, sonst würden sie nicht einfach die Vorteile mitnehmen, sondern etwas dagegen machen. Damit sind Frauen auch der Feind.

Eine sehr einfache Entkräftung dieses Arguments kam gerade in einem Kommentar von Nick:

Wo ist denn der männliche Aufschrei gegen Feminismus – jenseits der Filterbubble der Manosphere?

 Nach der gleichen Logik müßte man in der Tat anführen, dass die meisten Männer viele für sie ungünstige Regeln hinnehmen und keine Proteste dagegen lostreten, sich nicht bei ihren Politikern dagegen beschweren, tatenlos bleiben.

Wenn schon die Betroffenen nichts dagegen machen, warum soll dann das Nichthandeln der Frauen eine Unterstützung oder eine Schädigungsabsicht gegenüber Männern belegen?

Aus fehlenden Widerstand gegen Regelungen deren Unterstützung herzuleiten ist in sofern eine einfache Form von „Cui bono„. Dazu schrieb ich unter dem gerade gesetzten Link:

Bei der falschen Verwendung als Argument handelt es sich um den klassischen Fehlschluss “Cum hoc ergo propter hoc“. Hierbei werden gemeinsam auftretende Ereignisse ohne genauere Prüfung zu Ursache und Wirkung erklärt. Die Zuordnung erfolgt entsprechend willkürlich und ohne fundierte Begründung. Die lateinische Wendung cum hoc ergo propter hoc lässt sich übersetzen als „mit diesem, folglich wegen diesem“ oder „mit diesem, folglich nahe diesem“ oder auch „mit diesem, folglich daneben dieses“.

Etwas länger ausgeführt “Weil der Nutzen mit dem Ereignis zusammenfällt, muss das Ereignis wegen des daraus folgenden Nutzens eingetreten sein, also von dem Nutznießer verursacht worden sein”.

Tatsächlich kann es viele Gründe geben, warum Leute dann, wenn sie Betroffen sind, bestimmte Regelungen, die für sie günstig sind, mitnehmen und ansonsten diese kaum wahrnehmen.

Da ist einmal der Punkt, dass die meisten Leute die gesetzlichen Regelungen zum Umgang, Unterhalt etc gar nicht kennen. Dann der Umstand, dass sie davon ausgehen, dass sie davon nicht betroffen sind und es eben die Betroffenen ändern sollen. Dann der Umstand, dass man keine Handlungsmöglichkeit für sich sieht, weil die Gesetze eben „die dort oben machen“ und man eh nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein ist. Dann der Umstand, dass man diese Regelungen ja selbst nicht ausbeuterisch, sondern aus Notwendigkeit und für seinen Fall passend in Anspruch nimmt: Er hat sich ja während der Ehe schon kaum um das Kind gekümmert/er kann es nicht/er hat sie ja mit dem Kind alleine gelassen und die Familie kaputt gemacht, es schadet dem Kind, wenn …. Und sie muss ja auch an das Kind denken, dass braucht ja nun einmal Betreuung und was zum leben und außerdem hat sie nur das haben wollen, was ihr eben zusteht, sie hat die Gesetze nicht gemacht etc.

Ich hatte in einer ähnlichen Debatte  schon mal eine Bewertung aus der Sicht der Einzelperson versucht

Ich halte so eine Betrachtung schon an sich für schwierig: Interessanter finde ich eine spieltheoretische Betrachtung:

Bei einer für Frauen günstigen Gesetzeslage, die ihnen bei einer Scheidung abstrakte +5 Punkte gibt und Männern bei einer Scheidung abstrakte -5 Punkte sind viele Frauen gar nicht in der Situation, sich entscheiden zu müssen. Sie leben zB mit einem Mann und unterstützen ihn nach Kräften, haben eine Arbeitsteilung vorgenommen, die beide gut finden. Die Männer, die sich nicht scheiden lassen, haben auch nur den Anlass, die Männer in Scheidung zu unterstützen, wenn sie meinen, dass sie sich scheiden lassen werden. Ansonsten ist es viel Aufwand für nichts. Sie profitieren vielleicht eher davon, auch sehr konservative Politiker, die die Unterhaltsregeln hoch halten, zu wählen, wenn diese ihnen sonst Vorteile bringen.

Die Frauen, die sich selbst scheiden lassen, müssten eine “+5 Empathie” aufbringen, um die Rechte nicht wahrzunehmen. Das auch häufig noch unter dem Gesichtspunkt, dass sie gleichzeitig Interessenwahrerinnen der bei ihnen lebenden Kinder sind oder sich das vorhalten können, denen es mit weniger Unterhalt und mehr Fremdbetreuung evt. auch schlechter geht.

Die Männer, die sich scheiden lassen, müssen nur eine -5 Empathie zu ihrer eigenen Gruppe aufbringen, handeln ist evtl aber erschwert dadurch, dass sie ja auch wollen, dass es ihren Kindern gut geht, dass sie sich sagen können, dass sie erst einmal an sich selbst denken müssen, weil sie in einer schwierigen Lage sind, dass sie sich sagen können, dass es für den einzelnen zu groß ist etc.

Politiker müssen inbesondere schauen, dass sie nicht als frauenfeindliche Machos die große Gruppe der weiblichen Wähler (und auch genug der konservativen oder feministischen männlichen Wähler) verschrecken, wobei sie wissen, dass so etwas schnell in ein falsches Licht gerückt wird und als “Zerstörung der Ehe” oder “Ausbeutung der Frau” zu einem shitstorm führen kann.

etc.

So bekommt man denke ich ein besseres Bild der Interessenlage als einfach darauf abzustellen, dass Frauen weniger Empathie haben.

Für ein Nichthandeln braucht man eigentlich nie wirklich viele Gründe. Keinen einen selbst betreffenden Grund oder sonst genug zu tun zu haben oder sich nicht verantwortlich zu fühlen oder eben keine effektive Handlungsmöglichkeit zu sehen, reicht schon aus.

Um so wichtiger ist es, wenn Ausdrucksformen für Protest bereit gestellt werden und deutlich gemacht wird, dass andere auch dagegen sind. Dazu muss man aber nicht per se einer Gruppe schlechte Motive unterstellen.

Biologische Gründe für breitbeiniges Sitzen von Männern („Manspreading“)

Über einen Artikel bei buzzfeed  (via) über Tom Hanks als „Manspreader“ bin ich auf einen interessanten Kommentar gestoßen:

Dear Allison Vigiano,
I consider it polite to make way for other passengers, and have always gone out of my way to make room/stand when an elderly, pregnant or disabled person board the train. But I am a man, so can count myself amongst the man spreaders of the world.

The last person I want to defend is Tom Hanks, but aside from the fact he’s in an empty carriage, here are some facts on manspreading for you:
• Testicles are uncomfortable to squish, but it’s also unhealthy for them to be kept at body temperature, thus the issue is discomfort and health.

• Ischium bones in men, the bones you sit on, are closer together, meaning men have a smaller point of contact.

• The inferior pubic rami, used to balance when you sit, is 20-30 degrees narrower in men, resulting in less stability; additionally, it makes sitting with one’s legs apposed unnatural.

• Men have cylindrical thighs, as opposed to conical thighs, further compounding the issue of sitting with one’s thighs apposed.

• Men have narrower acetabulum, meaning their thighs are closer together, resulting in less space between them, further compounding the above, the issue of external genitalia, and reducing the amount of balancing leverage available when sitting with one’s thighs apposed.

• Men have more lateral facing acetabulum, meaning their legs swing forward, backward, and out; women have more anterior facing acetabulum, meaning their legs not only have a greater ability to swing inward, but do so naturally when moving forward, like when sitting or walking (thus the swaying hips).

• Men have wider, heavier upper bodies, thus require more stability.

So, it appears to me that, for men, sitting with one’s legs apart is not only biologically natural, it’s biologically necessary to attain the same level of stability that women enjoy; plus, the inverse of these things makes sitting with one’s thighs apposed biologically natural for women.

I know all men are asshats out to ruin everything for women, but try, just a little, to consider biology might have some part to play.

Übersetzung der wesentlichen Fakten:

Hoden Druck auszusetzen ist unangenehm , zudem ist auch ungesund sie bei Körpertemperatur zu halten, insofern ist das Problem Unbehagen und Gesundheit.

• Die Sitzbein-Knochen, die Knochen auf denen man sitzt , liegen bei Männern näher zusammen , was bedeutet, dass Männer eine schmalere Auflagefläche haben

• Die unteren Schambeinäste, die für die Balance verwendet werden, wenn man sitzt, ist bei Männern etwa 20 bis 30 Grad schmaler , was zu weniger Stabilität führt; zusätzlich macht es das Sitzen mit den Beinen nebeneinander unnatürlicher.

• Männer haben zylindrische Oberschenkel , im Gegensatz zu konischen Oberschenkel,was das Problem verschärft, die Beine nebeneinander zu stellen.

• Männer haben eine schmalere Hüftpfanne , was bedeutet, dass ihre Schenkel näher zusammen sind, was zu weniger Raum zwischen ihnen führ , dies verschärft das Problem, dass bei außen liegenden Hoden weniger Platz vorhanden ist, wenn man die Beine nebeneinander stellt.

• Männer haben eine seitlichere Hüftpfanne , was bedeutet, dass ihre Beine eher vorwärts, rückwärts, und auswärts schwingen; Frauen haben eine mehr nach vorne ausgerichtete  Hüftpfanne , was bedeutet, dass die Beine nicht nur eine größere Fähigkeit haben, nach innen zu schwenken , sondern dies bei der Vorwärtsbewegung üblicherweise tun , wie beim Sitzen oder Gehen (daher die schwingenden Hüften ) .

• Männer haben größere , schwerere Oberkörper , diese erfordern somit mehr Stabilität.

Ich kann die dortigen Angaben nicht überprüfen, vielleicht findet man hier in dem Artikel was oder jemand kann etwas dazu sagen. Es scheint mir jedoch erst einmal eine gute Zusammenstellung, die auch zu unterschiedlichen Sitzarten beitragen könnte.

„Die Kommentare zu den Artikeln über Feminismus rechtfertigen Feminismus“ (Lewis´s Law)

Auf Quantenwelt wird „Lewis´s Law“ besprochen. Dies lautet wie folgt:

Etwas länger gefasst von Joachim:

“Die Kommentare zu jedem Artikel zum Feminismus rechtfertigt Feminismus.” Wo immer ein kommentierbarer Artikel von einer Feministin erscheint, sei es in der Onlineausgabe einer Zeitung oder in einem Blog, erscheinen in den Kommentarspalten sexistische Kommentare. Manchmal sind es Beleidigungen, manchmal Argumente, die auf sexistische Stereotype aufbauen.“

Das ist eine Argumenation, die man in der Tat auf feministischer Seite recht häufig trifft. Sie enthält aber aus meiner Sicht einen erheblichen Logikfehler.

Nehmen wir zunächst für die Diskussion an, dass es auf feministische Artikel hin tatsächlich erhebliche unsachliche Kritik der Art liest, wie man sie – zwischen durchaus vernünftigen Kommentaren – etwas auf Hatr liest. Also Beschimpfungen, Übergrifflichkeiten etc.

Dann stellt sich die Frage, was man daraus ableiten kann. Aus meiner Sicht erst einmal recht wenig.

1. DEN Feminismus gibt es nicht

Der erste Teil der Kritik wäre, dass man kaum selbst anführen kann, dass es DEN Feminismus nicht gibt, und dann aus den Kommentaren eine Berechtigung DES Feminismus herleiten kann.

Da zeigt sich wieder das weitverbreitete Mittel immer dann, wenn es vorteilhaft ist, den Feminismus als etwas darzustellen, was einfach nur irgendwie auf Gleichberechtigung und Frauenrechte ausgerichtet ist. Aus dieser Sicht würde das Argument noch halbwegs logisch erscheinen: Die Kommentare machen eine Geringschätzung von Frauen deutlich, für die dann DER Feminismus zuständig wäre.

Allerdings hat da die feministische Theorie eben nicht halt gemacht. Sondern einen erheblichen Überbau errichtet, der auf Gleichstellung auf der Grundlage einer nicht bestehenden reinen Konstruktion der Geschlechter ausgerichtet ist und damit alle Nachteile für Frauen als Diskriminierung ansieht, alle Nachteile von Männern aber als deren Problem, weil nur Nebenfolge der Unterdrückung der Frau. Diese Schuldzuweisung, die damit verbunden ist, bleibt so oder so falsch.

Insofern könnte man aus sexistischen Kommentaren allenfalls folgern, dass ein tatsächlich auf Gleichberechtigung und Frauenrechte ausgerichteter Feminismus erforderlich wäre, nicht DER Feminismus an sich.

2. Verallgemeinerungsfähigkeit

Daneben steht das Problem der Verallgemeinerungsfähigkeit. Nur weil es einen bestimmten Prozentsatz von Idioten gibt sagt das wenig über den Zustand der Gesellschaft aus. Insofern sagt auch das Auftreten bestimmter Kommentare wenig darüber aus, ob man daraus etwas herleiten kann.

Im Gender-Feminismus wird man das vielleicht so sehen, dass eine Gesellschaft, die immer noch solche Leute hat, auch immer noch Feminismus braucht, damit sie dekonstruiert werden kann, da es ja die Gesellschaft ist, die so etwas erzeugt. Schließlich gäbe es in einer feministischen Welt auch keinerlei Vergewaltigungen mehr. Aber das erscheint mir eine sehr gewagte Ansicht zu sein.

3. wie trägt der Feminismus selbst zu solchen Kommentaren bei?

Einen anderen interessanten Ansatz habe ich in diesen Artikel gefunden (auf den ich wegen seines anderen Inhalts noch mal zurückkommen werde):

The moral of the story is that if you are maximally mean to innocent people, then eventually bad things will happen to you. First, because you have no room to punish people any more for actually hurting you. Second, because people will figure if they’re doomed anyway, they can at least get the consolation of feeling like they’re doing you some damage on their way down.

This seems to me to be the position that lonely men are in online. People will tell them they’re evil misogynist rapists – as the articles above did – no matter what. In what is apparently shocking news to a lot of people, this makes them hurt and angry. As someone currently working on learning psychotherapy, I can confidently say that receiving a constant stream of hatred and put-downs throughout your most formative years can really screw you up. And so these people try to lash out at the people who are doing it to them, secure in the knowledge that there’s no room left for people to hate them even more.

I know this is true because it happened to me. I never became a manospherian per se, because two wrongs don’t make a right, but – as readers of this essay may be surprised to learn – I did become just a little bit bitter about feminism. If I hadn’t been so sure about that “two wrongs” issue I probably would have ended up a lot more radicalized.

Actually, that word – “radicalized” – conceals what is basically my exact thesis. We talk a lot about the “radicalization” of Muslims – for example, in Palestine. And indeed, nobody likes Hamas and we all agree they are terrible people and commit some terrible atrocities. Humans can certainly be very cruel, but there seems to be an unusual amount of cruelty in this particular region. And many people who like black-and-white thinking try to blame that on some defect in the Palestinian race, or claim the Quran urges Muslims should be hateful and violent. But if you’re willing to tolerate a little bit more complexity, it may occur to you to ask “Hey, I wonder if any of this anger among Palestinians has to do with the actions of Israel?” And then you might notice, for example, the past century of Middle Eastern history.

Yet somehow, when the manosphere is being terrible people and commiting terrible atrocities, the only explanation offered is that “you must hate all women” must appear in some sura of the Male Quran.

Das ist eine Erklärung für bestimmte Aggressionen, aber keine Rechtfertigung.
Ich kann mir schon vorstellen, dass sich hier Leute abreagieren, die gemerkt haben, dass sie ansonsten keinerlei Reaktion vom Feminismus bekommen, dieser nicht gesprächsbereit sind, das ihnen dort nur einseitig schuld zugewiesen wird, und die das Gefühl haben, dass ihnen hier immer mehr Handlungsraum genommen wird. Das gilt gerade dann, wenn die Macht des Feminismus über diverse Theorien noch mehr aufgebauscht wird, etwa starke Formen des Staatsfeminismus oder sonstige Formen der feministischen Verschwörung. Die Leute haben dann das Gefühl, dass genau der Feminismus für alles verantwortlich ist und wollen zum einen etwas kommentieren, was ihnen etwas ausgleich verschafft, was den anderen Angst macht, was sie stört und was sie, selbst wenn sie es nicht veröffentlichen schockt oder ihnen Angst einjagt. Der Gedanke, dass Feministinnen sie nicht mehr hassen können, dass hier eh jeder Raum verloren ist, kann dazu beitragen, dass man den Kommentar dann noch aggressiver gestaltet.

 

Was dem Feminismus das Patriarchat ist, ist dem Maskulismus der Staatsfeminismus

Das Patriarchat (oder seine Abwandlungen wie hegemoniale Männlichkeit oder Phallokratie) hat im Feminismus die Funktion, ein hinter allem stehendes Gebilde zu sein, welches erhebliche Lücken in der eigenen Argumentation schließt. Wenn man nicht begründen kann, wer wie was macht, damit Frauen unterdrückt werden, dann kann man einfach auf das Patriarchat verweisen.

Dazu schrieb ich schon einmal in dem Artikel „Patriarchat: Definition und Funktion„:

Meines Erachtens erfüllt das Patriarchat insbesondere die Rolle eines Feindbildes im Feminismus. Es ist eine alte Regel, dass ein Feind, der nicht greifbar und nicht bekämpfbar ist, am besten geeignet ist um die Reihen zu schließen und eine Gruppenidentität zu schaffen. Den ein imaginärer Feind kann beliebig negativ aufgeladen und schlecht gemacht werden. Er kann auch beliebig bedrohlich sein, weil es ihn ja gar nicht gibt. Das Konzept des Satans oder der bösen Geister hat in der Religion oder Spiritualität eine ähnliche Funktion.

Die gleiche Funktion scheint mir der „Staatsfeminismus“ (auch in seinen Abwandlungen als allmächtiger Feminismus, femizentrische Gesellschaft oder die Schlechtligkeit der Frauen etc) für viele ebenfalls zu übernehmen. Die tatsächliche Ursache einer gesellschaftlichen Regelung muss nicht mehr nachvollzogen werden, es ist schlicht der Staatsfeminismus etc. Damit schafft man sich ein bequemes Feindbild, dessen Macht man an die Wand malt.

Dabei kann dieser Feminismus, der als allmächtiger Geist über allem schwebt, anscheinend beliebige Gruppen (außer dem aufrechten Männerrechtler) steuern, ebenso wie das Patriarchat dies umgekehrt kann. Wer dies nicht einsieht ist eben einfach geblendet oder weigert sich die Realität einzusehen. Das sind klassische Immunisierungsstrategien, die recht einfache Argumentationen zulassen, aber oft tatsächliche Gründe verbergen.

In diese Mittel sollte man nicht verfallen, sondern stets schauen, welche Mechanismen hinter den Vorgängen stehen und wie die Interessen der Einzelpersonen sind. Das Unterstellen einer „feministischen Verseuchung“ die alles steuert, ist nicht sehr seriös. Das bedeutet nicht, dass man in diesem Zusammenhang nie von einem Einfluss des Feminismus ausgehen darf.

Aber sie zu einem allumfassenden Gespenst aufzublasen, welches einer Begründung als ursächlich für einen Vorgang enthoben ist, das ist zu einfach.

Konservativer und linker Maskulismus

Toxicvanguard schreibt in einem Kommentar

Die meisten rechtskonservativen Männerrechtler versuchen weniger mehr als den Status Quo wiederherzustellen; dort wurden sie als Männer zwar fast gleich unfair behandelt wie jetzt, hatten aber jedoch wenigstens eine Familie und eine Frau, über die sie wenigstens das Gefühl hatten, doch noch etwas Einfluss und Wert in dieser Gesellschaft zu haben. Du hattest sozusagen wenigstens einen kleinen Ausgleich dafür zur Klasse der disposable Males zu gehören.

Das scheint tatsächlich der häufige Gedankengang zu sein. Es ist weniger eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Nachteilen der Rolle, etwa der Unterhaltspflicht, als vielmehr der Versuch sie wieder auszufüllen. Insofern ist es häufig eher eine Mehrverpflichtung der Männer.

Allgemein wird aus meiner Sicht der Einfluss konservativer Wertvorstellungen zum Nachteil der Männer unterschätzt. Häufig ist es weniger die „feministische Verschwörung“, sondern eher der konservative Anteil, der dazu führt, dass Männern Pflichten auferlegt werden. Die Verschärfungen des nachehelichen Unterhalts hin zu einer stärkeren Betonung der reinen Ehezeit ist beispielsweise meines Wissens nach auf die CDU zurückzuführen. Gerade dort lebt eben auch der Gedanke, dass der Mann Unterhalt zu zahlen hat, weil die Frau ja die Kinder versorgt bzw der Gedanke, dass man dafür die Voraussetzungen schaffen soll.

Zum Glück lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen, denn der Staat würde ohne die Steuerabgaben der Frauen erst recht sterben und die Frauen wollen auch sicher nicht zurück, ausser ein Kollaps steht kurz bevor, dann fallen wir vielleicht wieder in alte Rollenbilder zurück.

In der Tat: Ich will auch nicht zurück in die alten Zeiten. Denn die Hausfrauenehe ist mit das gefährlichste, was einem Mann im Fall einer Scheidung passieren kann.

Gleichzeitig sieht es aber im linken Maskulismus nicht wirklich besser aus; auch dort glaubt man durch das stumpfe Wiederholen von gescheiterten Taktiken irgendwann ans Ziel zu kommen. Man kopiert dabei die Mechanismen des Feminismus, wundert sich dann, dass statt Mitleid nur Hass als Antwort kommt. Gleichzeitig verschlechtert sich das Bildungsniveau von Jungen und Männern stetig und Quoten werden im “Jahr des Mannes” durchgedrückt, während sich immer mehr Männer aus dieser Gesellschaft zurückziehen.

Ein Kopieren von gescheiterten Taktiken würde ich eher nicht sehen. Vielleicht allenfalls darin, dass auch an einer Opferrolle gearbeitet wird und daran, dass man in verschiedenen Punkten gleichzuziehen versucht, zB  was sexuelle Belästigung etc betrifft.

Andere Richtungen weiten die Opferrolle (und den Hass) denke ich eher aus, in dem sie auf eine Ausbeutung von Männern durch herzlose Frauen, die in den Männern nichts weiter als nützliche Idioten sehen, abstellen, was aber ein sehr radikaler Ansatz ist, der aus meiner Sicht stark im Abnehmen ist.

Irrationale Angst trotz Wohlstand und Sicherheit

Was mich an vielen feministischen Theorien stört ist der Umstand, dass die dort geschilderte Welt geradezu die Hölle auf Erden ist. Frauen werden unterdrückt und sind so verängstigt, dass es für „ganz viele Frauen  extrem schlimm ist einfach schon auf die Straße zu gehen. Überall warten lüsterne Männer darauf, die Frau zu belästigen oder zu vergewaltigen. Ein Spiesrutenlauf für jede Frau, die an dieser Unterdrückung krank wird. Kaum ein Aspekt des täglichen Lebens ist von dieser Unterdrückung nicht durchzogen.

Dabei leben wir gegenwärtig in den Zeiten in denen es die wenigsten Vergewaltigungen jemals gibt. Nie waren Frauen freier, nie konnten sie eigenständiger sein, nie war es leichter, nicht von einem Mann abhängig zu sein und nie konnte man ein Kind so einfach auch alleine aufziehen. Es sind – das ist eigentlich kaum zu bestreiten – die besten Zeiten, die es für Frauen jemals gab, was Freiheit und Gleichberechtigung angeht, zumindest in den Ländern der ersten Welt, aber wahrscheinlich in so ziemlich allen Ländern auf dieser Erde.

Natürlich: Auch verbesserte Zustände können schlecht sein. Einem Sklaven, der nur noch 10 Peitschenhiebe pro Tag erhält, kann man nicht entgegenhalten, dass er sich doch nicht aufregen soll, es wäre doch alles besser. Aber die radikalfeministischen Zustände gehen ja weit darüber hinaus: Mit vollkommen utopischen Vergewaltigungszahlen und Begriffen wie der Rape Culture wird eine postapokalyptische Welt heraufbeschwören, die an Kriegsszenarien Männer gegen Frauen erinnern

Wenn wir uns gegenwärtig in einer Rape Culture befinden, was waren dann frühere Zeiten? Es ist eigentlich schon bezeichnend, dass Feministinnen wohl kein Land oder keine Gesellschaft abseits einiger matriarchalischer Stämme dieser Erde benennen können, das gegenwärtig keine Rape Culture ist oder wahr. 

Kommentator Petpanther verweist dazu auf Karen Straughans „Danger Theory“

“As a society becomes objectively and empirically more safe, women will feign or invent issues of alleged subjective danger and/or oppression of women so as to advance and entrench the cultural, social, and legal powers, goals, and agenda of organized gynocracy.”

Eine Quelle dazu konnte ich nicht finden. Sollte sie jemand kennen, wäre ich für einen Hinweis dankbar.
Ich finde diese Theorie aber als generelle Aussagen über Frauen nicht so geeignet. Mir scheint es eher ein Wesensmerkmal einer Ideologie mit Feindbild zu sein, dass sie zum einen die Gefahren durch die „Outgroup“ übertreibt und sie als das ultimative Böse darstellen möchte, verbunden mit einem möglichst weitgehenden Angriff durch den Feind auf die eigene Gruppe. Dazu mögen gewisse Umstände aus dem Geschlechtersegment beigetragen haben, etwa die Angst von Frauen vor entsprechenden Übergriffen, die eine leichte Dämonisierung erlauben und der Wunsch von Männern gegenüber Frauen als Beschützer aufzutreten und auch viele andere Punkte. Vielleicht kommt noch hinzu, dass bestimmte Frauen es ausreichend finden, wenn sie emotional zustimmen und eine Übertreibung, die in die richtige Richtung geht und auch eine moralische Wertung darstellt, insoweit gerne glauben.
Aber es lassen sich sicherlich auch andere Beispiele männergeführter Ideologien finden, die eine ähnliche übertriebene Opferkultur aufgebaut haben.
Es ist jedenfalls erstaunlich, dass der Feminismus mit dem Schreckensszenario in dieser Form oft so unwidersprochen durchkommt. Wann immer jemand von Rape Culture redet und von dem Schrecken des Patriarchats, sollte man dringend darauf verweisen, dass Frauen nie freier waren und dies die sichersten Zeiten überhaupt sind.