Wohin radikaler intersektionaler Feminismus führt.

(saira rao ist eine radikale Feministin, die auch Satire sein könnte, so überzeichnet wie sie ist, sie meint es aber ernst)

„Sechs Thesen, wie der Feminismus von morgen sein muss.“

Ein Artikel stellt sechs Thesen auf, wie der Feminsmus von morgen sein muss, wobei jede These von einer anderen Feministin geschrieben worden ist:

1. Der Feminismus muss eine wütende Bitch sein

Begründet wird es damit, dass nur so Veränderung erreicht werden kann. Auszug aus der Begründung:

Die Kolumnistin Margarete Stokowski schrieb genau darüber in ihrem Buch Untenrum frei. Sie erklärte, was Wut eigentlich will: Veränderung. Veränderung heißt immer Kampf – und Kämpfe müssen wehtun. Wer Veränderung will, muss sich streiten, Positionen aushandeln, sich reiben. Der Kampf muss laut sein und dreckig, auch ausarten dürfen. Das ist das Wesen von Kämpfen. Keine Revolution ist dabei je ohne Wut ausgekommen. Auch der Feminismus wird es nicht.

Mir scheint, dass die Ware Begründung ist, dass man mit Wut und Emotionen darüber hinweg kommt, dass man eigentlich keine Fakten hat. Wütend und irrational auftreten und den Gegner scharf angehen hat den Vorteil, dass dieser automatisch in der defensive ist, was gerade bei einem Thema,bei dem man im Feminismus stets mit Feld und Festung arbeitet einstellt in den Beruf bringt etwas gegen Frauen zu haben. Wütend sein an sich ist keineswegs notwendig um Veränderung zu erreichen. Diese stellt sich weitaus eher ein,  wenn mantatsächlich etwas macht um eine Änderung herbeizuführen. Interessant aber, dass man eine wütende Bitch sein will. es wäre interessant, wie viele Frauen sich in dieser Beschreibung wiederfinden.

2. der Feminismus muss seinen Bruder im Arm halten

Auszug aus der Begründung:

Sexistische Strukturen lassen sich nicht allein von Frauen abschaffen. Dafür braucht es, surprise: Männer. (…) Ein Feminismus jedoch, der Gleichberechtigung auf allen Ebenen anstrebt, muss den Dialog mit Männern suchen: einen Dialog, der nicht nur in der Anklage von Übergriffen und Gewalt besteht. Sondern einen, der auch einen gemeinsamen Blick auf Geschlechterbeziehungen wirft und ebenso Raum für ein Zuhören schafft. Das bedeutet nicht, dass Frauen sich alles anhören müssen. Aber Männer sind nicht nur strukturelle Täter, sondern auch selbst mit belastenden Rollenerwartungen konfrontiert. Wer will und kann täglich Dominanz, Härte und Potenz unter Beweis stellen müssen?

Wir müssen die eigene Sozialisation als Kern der Geschlechterdifferenz begreifen. Nicht die Natur, sondern eine gesellschaftlich konstruierte Binarität führt zur Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen – für diese Überzeugung muss man keine Butler-Jüngerin sein. Begreifen wir das Patriarchat nicht nur als die Vorherrschaft der alten, weißen Knacker, sondern auch als eine Dynamik, innerhalb derer Männern und Frauen einander komplementäre Eigenschaften zugesprochen werden, wird deutlich: Wir brauchen Männer als Komplizen.

warum lassen sich sexistischen Strukturen eigentlich nicht allein durch Frauen abschaffen? Was ist mit einer Kampagne des Feminismus, bei der Frauen dann tatsächlich andere Fächer studieren, wesentlich mehr Zeit auf Karriere verwenden, , eine feministische Partei gründen, die dann Frau nur noch wählen müssen etc.?

Und warum sollten Männer gerade mit dem Feminismus die Rollenerwartungen loswerden? Dieser ist selbst geprägt von alten Rollenerwartungen, etwa die der schwachen Frau, die unterdrückt wird. Der Feminismus müsste wohl weit er einmal anpacken statt zu reden. Unter müsste aufhören Verantwortung auf die Männer zu verlagern.

3. der Feminismus muss breitbeinig sein

eine Forderung nach Menspreading als Zukunft des Feminismus?

Aus der Begründung:

Feminismus muss breitbeinig sein. Feminismus muss sich Medizinbälle zwischen die Oberschenkel klemmen und sich Räume erobern. Dabei geht es nicht nur um Spreeabende und Periodeneinlagen. Es geht um männliche Attribute, die zu lange als solche hingenommen wurden. Vor allem von uns Frauen. Es geht nicht darum, sich wie Männer zu verhalten. Nein, Feminismus muss Verhaltensweisen und Alltagspraktiken hinterfragen, männliche Patentrechte aufdecken, um Rollenerwartungen zu lösen, Frauen und Männern neue Chancen zu geben und sich Beinfreiheit zu schaffen. Klug, nie feindselig. Großzügig, nie habgierig. Und vor allem: Wir Frauen müssen uns selbst den Weg ebnen, ob Tomaten werfend oder Tennisschläger schmetternd.

da wären wir bei der Raumeinnahme. Aber interessanterweise kommt in den von ihr genannten Beispiel nicht vor, dass man 60 Stunden Wochen im Büro hat und dafür die Familie reduzieren muss. Es kommt vor, dass man selbstbewusster auftreten soll und natürlich auch seine Aggression freien Lauf lassen soll. Viel Glück damit. Dann aber auch nicht jammern, wenn die Antwort entsprechend ist. Umgehen mit Kritik, das wäre etwas, was auch zur Breitbeinigkeit gehören würde.

4. der Feminismus darf kein Lifestyle sein.

Das ist allerdings schon auf eine gewisse Weise. Gerade weil er einem erlaubt, dass man seine eigene Kindheit in einem sehr einfachen System darstellt, dass einem eine einfache Abgrenzung von gut und böse liefert.

Aus der Begründung:

 Man kann Feminismus als Parfüm, als Haute-Couture-Shirt oder knallpinke Ratgeberliteratur kaufen – Hauptsache, es steht FEMINIST drauf.

Solch ein kommodifizierter Feminismus ist aber nur ein funkelndes Accessoire – und als solches „ungefähr so radikal wie ein mit Strass besetztes Handycover und so leicht runterspülbar wie ein probiotischer Trinkjoghurt“, wie die britische Philosophin Nina Power in Die eindimensionale Frauschreibt. (…)

Von kollektiven Zusammenschlüssen ist im Ego-Feminismus keine Spur mehr, für Solidarität mit Frauen, die nicht auch auf einer Karriereleiter stehen, kein Platz.

Der Feminismus von morgen aber ist nicht sexy, kein Vergnügen und kein Accessoire – er muss neben, hinter und vor sich schauen, statt nur nach „weiter“, nur nach „oben“. Sein Erfolg liegt eher im gemeinsamen Scheitern anstatt im einzelnen Vorankommen, eher im gemeinsamen Demonstrieren als im Einzelauftritt. Der Feminismus muss sein inneres Proletariat aktivieren. Sobald er glitzert, sollten wir misstrauisch werden.

Schon erheiternd, wenn ihr der Feminismus zu sehr glitzert. das ist eben der Nachteil einer Bewegung, die man mit Frauen aufbaut. Umso weiter eher ausgeweitet wird umso eher wird es eine Fraktion geben, die es gerne glitzernd hat. Die sich nicht Straßenkämpfe liefern möchte, sondern allenfalls Forderungen erheben möchte, die der andere umsetzen. Die vielleicht ihre eigene Krankheit darstellen möchte, aber dennoch niemals ein klassisches Männerfach studieren würde, weil es ihr nicht liegt und sie einfach besser in Sprachen ist. Die später doch Kinder bekommen möchte und die mit ihrer weiblichen Identität durchaus glücklich ist. die kein Proletariat sein möchte, sondern schlicht im Luxus leben möchte. Der die Karriereleiter erklimmen eben nicht wichtig ist, weil das anstrengt ist. Und für die sich ein großartiges unterstützen anderer Frauen dann auch nicht immer lohnt, weil es ihr dadurch auch nicht besser geht und es der fiktionalen Feminismus viel günstiger ist, wenn man stattdessen fordert, dass eine schwarze Frau oder eine transsexuelle befördert wird und nicht die weiße Frau.

5. Der Feminismus muss nerdig sein

wird auch schwierig. Wenn er wirklich nerdig wäre, dann wäre er viel sachlicher, vielmehr auf Fakten gestützt, weit weniger emotional. Das ist ja gerade das Element einer nerdigen Kultur, dass sie einem in der Regel mehr über den Verlauf des großen Bruderkrieges oder die Vorzüge der MK6 Servorüstung erzählen können als soziale Gegebenheiten auszuwerten. Nerd ist wie folgt definiert:

Nerd [nɜːd] (engl. modern für „Computerfreak“; ursprünglich für „Sonderling“)[1] ist eine Bezeichnung für an Spezialinteressen hängende Menschen mit sozialen Defiziten.[2]

Das Wort weist vom Kontext abhängig anerkennende oder abwertende Anklänge auf. In Computerkreisen gilt es als echtes Kompliment.[3]

Positiv betrachtet ist ein Nerd ein Individualist, der durch Besitz hinreichender Fachkenntnisse einen entsprechenden Grad an gesellschaftlicher Anerkennung innerhalb der jeweiligen Szene aufweist. Negativ gesehen ist Nerd eine stereotype Bezeichnung eines in sozialen Belangen unbeholfenen verschrobenen Einzelgängers, der ständig vor dem Computer sitzt und dadurch jenseits des Computers in soziale Isolation gerät.

Nerds verbinden vor allem drei Eigenschaften mit anderen Nerds: soziale Vernetzung per Mausklick, Ironie und Intelligenz.[3] Als besonders ausgeprägte Form des Computerfreaks gehört zum Nerd das Klischee eines Eigenbrötlers, der das Haus nur mit Bekenner-T-Shirt verlässt,[4] vorwiegend allein oder innerhalb abgeschotteter Gruppen agiert und keinen Wert auf die Meinung von Noobs legt. Das Wort findet über das Computerumfeld hinaus Anwendung als Bezeichnung für meist männliche Technikenthusiasten, die sich besonders für Science-Fiction oder andere Bereiche aus Wissenschaft und Technik interessieren.

Es ist ein in die deutsche Umgangssprache importiertes Wort, das ursprünglich aus dem US-amerikanischen Slang der Schulen, Colleges und Universitäten stammt. Dort wird es als Synonym für „Sonderling“ gebraucht, unter anderem im Sinne von „Fachidiot“[5], „Schwachkopf“[6] oder „Streber“[7] und nicht gerade geliebten „Eigenbrötler“[8] einer Klasse; als Gegenbegriff zum sogenannten Jock.[9] Während der Begriff ursprünglich negativ besetzt war, hat er sich unter Technikenthusiasten zu einer selbstironischen Eigenbezeichnung entwickelt,[9] vor allem wenn sie eine Affinität zur Hackerkultur zeigen.[10] Die Entwicklung geht bis hin zu einem positiveren Bedeutungswandel, der insbesondere durch Medien wie Fernsehserien die Umgangssprache beeinflusst;[9] von der reinen Außenseiterrolle hin zu einem Menschen, der die Gesellschaft voranbringt (etwa durch Vergleiche mit Archimedes[5] und Bill Gates[11]).

in gewisser Weise sind damit mindesten natürlich auch Nerds, wenn man davon ausgeht, dass sie feministische Theorien als Sonderinteressen haben, die sonst eigentlich kein interessieren und die im Wesentlichen fiktiv sind.

Aus der Begründung:

Mann ist zu Computerprogrammierer wie Frau zu Hausfrau“ – das verkündete letztes Jahr ein selbstlernender Algorithmus. Wissenschaftler hatten den Algorithmus untersucht und gefunden: Wenn Maschinen aus Texten lernen, übernehmen sie auch Vorurteile, die in diesen Texten stecken. Das mag erst mal abstrakt klingen – doch solche Verfahren kommen heute in vielen Anwendungen zum Einsatz. Der besagte Algorithmus etwa eignet sich zur Sprachanalyse und lässt sich etwa bei Sprachassistenten wie Siri oder Alexa einsetzen.

Dass es ausgerechnet der Programmierer ist, den der Algorithmus so stark mit Männern verbindet, ist ja auch kein Wunder. Obwohl mittlerweile mehr Frauen als Männer studieren, bleiben die Einschreibezahlen in Technik und Naturwissenschaften weiter niedrig. Egal, ob unter Wissenschaftlern, Ingenieuren, Entdeckern oder Programmierern: Frauen findet man dort kaum. Und selbst auf Wikipedia schreiben fast ausschließlich weiße Männer aus den USA und Europa.

(…)

Deswegen muss der Feminismus von morgen nerdig sein: Damit Frauen sich endlich zutrauen, zu forschen und Technik mitzuentwickeln. Damit die Welt von morgen nicht ausschließlich von weißen Männern gestaltet wird. Damit Technik nach den Bedürfnissen aller Menschen gebaut wird. Damit Daten und Algorithmen genutzt werden, um aufzuzeigen, wo es noch Ungerechtigkeiten gibt, anstatt sie blind zu verstärken. Und damit kleine Mädchen davon träumen, die Wissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Programmiererinnen und Entdeckerinnen von morgen zu werden.

die Autorin hat Informatik und Mathematik studiert und ist dann anscheinend in Journalistin geworden..

Sie sagt an anderer Stelle:

Elena Erdmann: „Tatsächlich war es so, dass ich immer Journalistin werden wollte – das war schon vor Informatik und Mathe mein Ziel. Ich habe auch erst etwas in die Richtung studiert, bin dann aber doch bei der Informatik gelandet. Nach meinem Studium habe ich mich dann damit beschäftigt, was ich eigentlich genau machen will – und die Idee etwas im Bereich des Journalismus zu machen, war immer noch da und hat mir immer noch gefallen. Ich habe erst gedacht: ‚Wie soll das denn zusammenpassen?‘ Doch dann habe ich nach und nach herausgefunden, dass das doch ziemlich gut zueinander passt.“

Und damit legt sie ein selbst ganz gut das Problem dar. Sie ist nicht unterdrückt worden, sie konnte das Fach studieren, sie wollte nun einem gänzlich anderen Bereich arbeiten und ist nunmehr nicht diejenige, die die dortige Entwicklung vorantreibt. Sie ist Journalistin, die Texte schreibt.

Das ist ähnlich, wie bei den Grünen und den Langzeitflügen. jeder will, dass der andere bei den Flügen auffährt, aber selbst möchte er gerne an interessanten und schönen Orten Urlaub machen. So wollen viele Feministinnen eben auch, dass Frauen den oben geäußerten Wunsch umsetzen und diese dann in dem erreichen stärker vertreten sind. Aber in ihrem eigenen Leben wollen sie lieber in Bereichen arbeiten, die mehr mit Leuten zu tun haben und die sprachlich ausgerichtet sind. Tipps dann, wenn sie selbst gute Fähigkeiten in den anderen Bereichen haben. Als richtiger Informatiker zu arbeiten, ist dann doch wieder zu nerdig.

6.. Der Feminismus muss antirassistisch sein

Soweit im modernen intersektionalen en Feminismus keine Überraschung. Allerdings muss man gleich vorweg schieben, dass die 6 Thesen allesamt von weißen Frauen geschrieben worden sind. Eine der Frauen kommt zwar aus Moldawien der Abstammung nach (allerdings nicht die, die jetzt über Rassismus schreibt), aber auch wenn sie damit ein Migrationshintergrund hat wird man kaum anführen, dass sie nicht weiß ist.

mal sehen was sie fordern. Sie schildert zunächst, wie eine Einstellung gegen Ausländer, insbesondere Flüchtlinge, auch damit begründet wird, dass diese vermehrt Sexualstraftaten begehen sollen. Dazu sagt sie dann:

Das Eintreten für die Freiheit der Frau, und zwar in den Grenzen ihrer vorgesehenen Rolle, gebärdet sich hier als Verteidigung und ist dabei nichts anderes als ein Angriff: So wird Feminismus zur Waffe gegen als fremd Verstandene.

Diese Instrumentalisierung ist kein neues Phänomen, aber sie geschieht immer häufiger. Der Feminismus aber, der sich als intersektional versteht, und der aufbegehrt gegen verkrustete Herrschaftsstrukturen, wird aktuell bedroht aus genau der Ecke, die sich einzelne Aspekte aus dem Programm herausnimmt und sie unter falscher Flagge vor sich herträgt. Der sogenannte Rechtsruck bedroht auch emanzipatorische Anliegen. Antifeminismus wird zurzeit, wie viele andere Diskriminierungsformen, immer salonfähiger. Feminismus und Antirassismus eint schlicht die Erkenntnis: Unterdrückung ist nicht okay. Wie sollte Feminismus also sonst sein, wenn nicht antirassistisch?

also nicht unbedingt begründet mit den dazu vorherrschenden Theorien, sondern lediglich damit, dass man gegen jede Form der Unterdrückung vorgehen muss, weil ein feministisches Anliegen sein muss, dass Unterdrückung nicht o. k. ist. Damit könnte man natürlich eine Vielzahl anderer Bürgerbewegungen problemlos in den Feminismus einbeziehen. Selbst den Maskulismus.

42% der Männer und 25% der Frauen in Großbritannien meinen, dass der Feminismus dazu führt, dass Männer dämonisiert werden

Die britische Gruppe „Hope not Fear“ hat in einer Umfrage auch etwas zum Feminismus abgefragt. Herausgekommen ist das Folgende:

 

Ablehnung Feminismus Männer Frauen

Das heißt, dass mehr Männer der Aussage zustimmen als sie ablehnen. Und zwar ganz deutlich.

Ich finde es ja immer schade, dass es bei Umfragen dieser Art immer nur einen Feminismus gibt, DEN Feminismus. Was derjenige sich dann darunter vorstellt, ob etwa schlichte Gleichberechtigung oder eher eine Gleichstellung oder gar intersektionale Theorien, das wird damit nicht abgefragt. Ich bin mir sicher, dass die Ablehnung des modernen intersektionalen Feminismus bei beiden Geschlechtern noch viel deutlicher werden würde, wenn man nach verschiedenen feministischen Richtungen differenzieren würde. Auch ein deutlicheres Bild wäre es aus meiner Sicht, wenn man nicht eine Ja/Nein Abfrage machen würde, sondern einen Grad der Zustimmung abfragen würde, etwa auf einer Skala von +5 bis -5.

Aus dem Text:

Fragility in one’s status is also linked to attitudes and sense of place in the world relating to questions of gender. Staggeringly, a third of people believe that feminism is to blame for making some men feel marginalised and demonised in society (33%), while slightly more disagree. We polled this question to better understand potential support for men’s rights and antifeminism activism, which has increasingly become a slip road to the far right, appealing to young men feeling emasculated in an age of changing social norms. UKIP’s Carl Benjamin, who made jokes about raping a female MP, recently made a similar statement: “This is what feminism has wrought – a generation of men who do not know what to do, who are being demonised for what they are.”

Auch faszinierend: Es kann nicht einfach daran liegen, dass der Feminismus tatsächlich aggressiver und ausgrenzender geworden ist, es ist alles nur ein Weg hin zu den Rechten und die Männer fühlen sich ihrer Männlichkeit beraubt. Das man mit seiner Männlichkeit an sich ganz zufrieden sein kann aber den Feminismus in der heutigen Form ablehnen kann, dass kommt da gedanklich gar nicht vor und kann wohl nicht sein.

Among men, 42% agreed with the statement and 28% disagreed. A quarter of women agreed, while 47% disagreed. Despite the fact that younger age groups hold more socially liberal views over all, 18-24-year-olds were more likely to hold this anti-feminist view (33%) than people of working age (29% among 25-49-year-olds

Hier würde mich eine Aufschlüsselung nach Geschlecht innerhalb der Altergruppen interessieren. Ich könnte mir vorstellen, dass jüngere einfach eher im Internet den gegenwärtigen radikaleren Feminismus kennengelernt haben und ihn daher auch mehr ablehnen.

But those most likely to hold anti-feminist views came from those most likely to hold hostile attitudes overall, who felt detached from the political system and that things were not working for them.

Forty-five percent (45%) of the AntiEstablishment Pessimist tribe agreed with this statement, with just 20% disagreeing; 41% of the Anxious Ambivalent tribe agreed with it. A huge 54% of the Hostile Brexiter tribe said the same, indicative of their resentment towards ‘the liberal elite’.

Dazu ist es natürlich ganz interessant sich die Gruppen an sich mal anzuschauen:

Interessant insoweit, dass die extremeren wie zu erwarten relativ klein sind. Gruppen wie  „Aktive Multikulturisten“, die gerne so dargestellt werden als würden sie den Großteil der Gesellschaften bilden, stellen auch nur 12,3%.
Interessant wäre es die Ablehnung des Feminismus in den anderen Gruppen auch noch zu sehen.
Etwas in diese Richtung geht noch eine weitere in der Auswertung enthalte Grafik:

Hier wird einmal abgefragt, ob man heute noch stolz auf seine nationale Zugehörigkeit sein kann ohne als Rassist bezeichnet zu werden, wobei die ganz linken überraschenderweise sagen, dass man das kann und mit steigender Entfernung dazu das immer anders gesehen wird.

Die zweite Tabelle zeigt auch große Unterschiede über die Lager: Abgefragt wurde die Zustimmung zu einer von zwei extremen Aussagen:

  • Die Besorgnis über die politische Korrektheit wurde von den rechten Medien geschürt, um die Situation derjenigen zu untergraben, die an Toleranz und Anti-Rassismus glauben
  • Politische Korrektheit wird von der liberalen Elite genutzt, um das, was wir sagen können, zu begrenzen.

In beides spielt ein gewisser Grad an Verschwörungstheorie hinein. Deswegen finde ich die Wahl zwischen solch extremen Positionen meist ungeschickt, weil sie keine Nuancen zulässt. Aber auch hier hat man einen recht deutlichen abgestuften Verlauf.

The positions of the tribes when asked if ‘feminism has gone too far’ are split in much the same way, with those who hold the most conservative values and feel resentful towards a ‘liberal elite’ reasserting themselves against the liberal tribes. Those who are frustrated about issues of race, immigration and multiculturalism are also angry about changing social norms, and fear being unseated by those fighting for equality.

The divisions we find in our core identities, in how we see ourselves and interpret the world around us, show significant division. Nonetheless, identity and attitudes are fluid and multi-layered. The overlay we see between issues of identity and political trust, security, and instability,
indicates some of the factors which drive divisive identity politics, but also suggest some of the ways in which progressives can shift the debate.

Es könnte auch Probleme aufzeigen, die Leute sehen und damit Diskussionen, die man führen muss. Eine so deutliche Ablehnung des Feminismus sollte diesem jedenfalls erheblich zu denken geben.

 

Der Anti-Manspreading-Stuhl und der Pro-Breitbeinigsitzen-für-Frauen-Stuhl

Alte, weiße Männer – Eine Phobie der modernen Feministin? (Gastartikel)

Gastbeitrag von Marc

In letzter Zeit ist es en vogue gegen „alte weiße Männer“ auszuteilen. Es wurden viele Artikel in einschlägigen Medien verfasst und Sophie Passmann hat darüber sogar ein Buch geschrieben.

 

Der Begriff ist sexistisch, rassistisch und altersdiskriminierend. Sich über „Nafri“ aufregen, aber gleichzeitig „alte weiße Männer“ als Kampfbegriff verwenden. Genau mein Humor!
Horst Seehofer und Gregor Gysi sind beides „alte weiße Männer“, aber worin unterscheiden sie sich? Exakt! In ihrer Persönlichkeit und ihrer politischen Haltung. Menschen sollten nach ihrem Charakter beurteilt werden und nicht auf ihre Hautfarbe, Geschlecht oder Alter reduziert werden.

  • Weiße sind nicht das Problem, sondern Rassisten.
  • Männer sind nicht das Problem, sondern Sexisten.
  • Alte Menschen sind nicht das Problem, sondern reaktionäre Menschen.

 

„Aber du musst dich doch nicht angesprochen fühlen“ und „Männer haben Frauen früher sehr schlecht behandelt“ hört man häufig als Rechtfertigungsgrund:
1. Wir müssen uns nicht angesprochen fühlen, dennoch WERDEN wir es faktisch. Das Problem liegt nicht beim Empfänger, sondern beim Sender der Nachricht. Sonst soll man auch von Verallgemeinerungen absehen und muss überall differenzieren (z.B. bei Flüchtlingen oder Muslimen). Nicht alle Muslime sind Terroristen. Nicht alle Männer sind Sexisten. Nicht alle Weißen sind Rassisten.

2. Leider wurden Frauen früher stark unterdrückt, aber das geschah vor meiner Geburt und ich bin nicht für die Taten meiner Vorfahren verantwortlich. Es gibt keine Erbschuld. Wenn man jetzt den Spieß umdreht und uns beleidigt und diskriminiert, ist man kein Deut besser. Man kann nicht Hass mit Hass bekämpfen.

 

Wenn man sich die politische Arbeit von „alten weißen Frauen“ anschaut, stechen die auch nicht unbedingt positiv hervor.

1. Angela Merkel – 14 Jahre Bundeskanzlerin (Danke für den Wirtschaftslobbyismus. Danke für die Kluft zwischen Arm und Reich. Danke, dass sie nichts gegen den NSA-Skandal unternommen haben)
2. Ursula Von der Leyen – Bundesministerin der Verteidigung (Danke für die millionenschwere Berateraffäre. Danke für die Waffenexporte in Kriegsgebiete. Danke für den aufrecht erhaltenen US-Stützpunkt Ramstein)

3. Julia Klöckner – Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft (Danke, dass weiterhin Ferkel ohne Betäubung kastriert werden. Danke, dass weiterhin stundenlange Tiertransporte zur Schlachtung unter grausamen Bedingungen erlaubt sind)

4. Marlene Mortler – Drogenbeauftragte (Danke, dass Cannabis weder legalisiert noch für Konsumenten entkriminalisiert wird)

5. Katarina Barley – Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz (Danke für Artikel 13. Sie hatte ein Vetorecht und hätte es verhindern können)

6. Annegrette Kramp Karrenbauer (Danke, dass sie die Meinungsfreiheit vor dem Wahlkampf regulieren/einschränken möchten)

 

In dem Zusammenhang liest man auch häufig, dass es keinen Rassismus gegen Weiße undkeinen Sexismus gegen Männer geben kann:
1) Die offizielle Definition von Rassismus: Jemand wird aufgrund seiner Hautfarbe/Herkunft beleidigt, ausgegrenzt oder benachteiligt. Rassismus kann grundsätzlich von jedem gegen jeden ausgehen. Jedes Volk kann sich als höherwertiger betrachten und davon ausgehend andere abwerten und diskriminieren. Rassismus muss sich nicht unbedingt gegen Minderheiten richten und setzt nicht notwendigerweise „Macht“ voraus, auch wenn das die sog. Critical-Whiteness-Bewegung gerne behauptet.

Rassismus ist keine Einbahnstraße. Es kommt nur nicht im gleichen Ausmaß vor. Wenn mich z.B. jemand als „White Trash“, „Cracker“ oder „Scheiß Weißbrot“ beleidigt oder mich nur wegen meiner weißen Hautfarbe zusammenschlägt, ist das eine rassistisch motivierte Straftat. Es gibt auch Anhänger der Black Supremacy, die das Gegenstück zur White Supremacy bildet. Beides sind menschenverachtende Ideologien. Natürlich stellt die White Supremacy eine viel größere Bedrohung dar, weil die Anzahl der Anhänger um ein Vielfaches größer ist.

In Problembezirken wie z.B. Neukölln werden einige „bio-deutsche“ Kinder aufgrund ihrer Herkunft an Schulen mit hohem Migrantenanteil ausgegrenzt und gemobbt. Dort bekommen sie „Kartoffel“, „Scheiß Deutscher“ und „Schweinefleischfresser“ zu hören.

2) Nur weil Männer mehr Macht- und Führungspositionen innehaben, heißt das noch lange nicht, dass es keinen Sexismus gegen Männer geben kann. Nur ein kleiner Bruchteil der Männer ist sehr erfolgreich. Sie repräsentieren aber nicht den Rest aller Männer, die davon gar nicht profitieren.

„Frauen gehören in die Küche“, „Du bist chronisch untervögelt“, „Frauen und Technik“, „Hast du deine Tage?“ und „Typisch Frau“ sind genauso sexistische Sprüche wie „Alle Männer sind schwanzgesteuert“, „Männer sind Schweine“, „Men are Trash“, „Ich bade in Männertränen“, „Ladies First“, „Frauen und Kinder zuerst“ und „Typisch Mann“. Männer können genau wie Frauen in der Werbung leicht bekleidet als Sexobjekt mit Adoniskörper dargestellt werden oder als tollpatschige Vollversager, denen nichts gelingt. In typischen Frauenberufen (z.B. in der Erziehung) kann ihnen nur aufgrund des Geschlechts die Kompetenz und das Einfühlungsvermögen abgesprochen werden. Oft stehen sie unter Generalverdacht und haben mit dem Pädophilieverdacht zu kämpfen.

 

Lustigerweise greift man beim Feminismus auf die offizielle Definition des Dudens zurück, wonach Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollen, wobei sie heutzutage gleichgestellt meinen, aber bei Rassismus und Sexismus ändern sie die Definition, um es ihrem Weltbild anzupassen, wodurch sie einen Freifahrtschein haben Weiße und Männer als Kollektiv zu beschuldigen und niederzumachen. Das ist aber nur die ausgedachte Definition von Sozial- und Geisteswissenschaftlern, die keine Allgemeingültigkeit hat!

Es gibt nicht „Die Weißen“ oder „Die Männer“. Wir Menschen sind Individuen mit eigenen Weltanschauungen. Keiner ist für das Verhalten von anderen verantwortlich. Das Schubladendenken muss aufhören.

Du würdest auch gerne einen Gastartikel schreiben?

„Privilegierte“ schlecht behandeln, damit sie merken, wie es ist, wenn man diskriminiert wird

Was ich schon verschiedentlich gelesen habe als Rechtfertigung für die aggressive Art im Umgang mit „Privilegierten“ ist die Aussage, dass es für diese gut ist, wenn sie mal merken, wie es ist, diskriminiert zu werden.

Das schlechte Verhalten Privilegierten gegenüber ist also dann quasi eine erzieherische Maßnahme und damit gerechtfertigt. Neulich lief es mir wieder über den Weg und ich wollte anhand des Beispiels einen Artikel darüber machen, ich finde es aber leider nicht mehr. Hat jemand vielleicht entsprechende Stellen?

Es ist ein weiterer wunderbarer Punkt, warum man sich selbst wie die Axt im Walde benehmen kann, warum man seine Wut und seinen Hass an anderen auslassen kann, und sich dabei sogar noch gut fühlen kann. Endlich erfahren diese als Gruppe privilegierten mal wie es für Nichtprivilegierte ständig ist!

Das ist natürlich schon Blödsinn, weil das gesamte binäre Schema von Privilegien und Nichtprivilegien nach Gruppe auf vollkommen heterogene Gruppen angewendet wird, bei der Unterschiede im Schnitt bestehen und der Nachweis, dass tatsächlich eine Diskriminierung vorliegt, oft gerade nicht erbracht ist und es  – wie bei Männern und Frauen – weitaus eher Unterschiede im Verhalten im Schnitt sind, die oft auf biologischen Grundlagen beruhen, die zu den Unterschieden führen.

Aber die befreiende Wirkung einer solchen Erklärung kann ich durchaus nachvollziehen. Feindbilder machen das Leben halt immer einfacher.

„Feminismus hat euch nicht diesen unsäglichen #Edeka Muttertagsspot eingebrockt“

Nils Pickert tweetete zu der Edeka Werbung:

Noch einmal als Text:

Hier, Männer: Feminismus hat euch nicht diesen unsäglichen Muttertagsspot eingebrockt. Auch keinen Wehrdienst, 5 Jahre früher sterben, nicht weinen dürfen und alpha sein müssen. Feminismus bietet euch vielmehr einen Ausweg aus dieser Scheiße.

Ich tweetete dazu:

Der Tweet von Nils ist dabei eine Abwandlung von „The Patriarchy hurts men too“, womit der Feminismus üblicherweise alle Umstände , die für Männer negativ sind, meint und damit anführen will, dass Männer Feministen sein sollten, damit sie die von dem Patriarchat geschaffenen Nachteile beseitigen könnne, denn einen anderen Machtfaktor, der so etwas hervorrufen würde,

Im Endeffekt ist es eine der vielen Immunisierungsstrategien des Feminismus, denn er kann damit die Verantwortung immer an die Männer (oder die weißen etc) zurückgeben.

Aus meiner Sicht bietet der moderne Feminismus auch keinen Ausweg aus den von Nils dargestellten Problemen. Denn als Männerprobleme sind sie ihm erst einmal vollkommen egal. Es sind Probleme, die Männer lösen müssen, sie können nicht erwarten, dass Frauen da die Arbeit für sie machen. Demzufolge gibt es auch keine Artikel auf feministischen Blogs, die sich tatsächlich dafür einsetzen, dass Männer da besser dastehen. Wenn dann wird weitaus eher auf Frauen abgestellt und gefordert, dass sie sich in bestimmten Bereichen, wo es für Frauen vorteilhaft wäre, anders verhalten.  Insofern werden die Männer allenfalls darauf verwiesen dagegen vorzugehen.

Allerdings kann man aus meiner Sicht durchaus gut vertreten, dass der gegenwärtige intersektionale Feminismus eine gewisse Mitschuld trägt. Den gerade das vom intersektionalen Feminismus geschaffene Klima erlaubt ja diese Abwertungen von Männern, die in dieser Form vor ein paar Jahren sicherlich noch deutlich schwerer gewesen wären. In einem Klima, wo es immer Artikel über die ´Schrecklichkeit von Männern gibt wird man so etwas eher machen können

Alice Schwarzer vs Margarete Stokowski (Teil 2)

Der Tagesspiegel hat eine Diskussion zwischen Margarete Stokowski und Alice Schwarzer in einem Artikel. Teil 1 der Besprechung findet sich hier

Sie beide bezeichnen sich als Feministinnen. Was bedeutet das für Sie?

Stokowski: Für mich bedeutet es, Teil einer Bewegung zu sein, die sich dafür einsetzt, dass alle Menschen gleiche Rechte und Freiheiten haben, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Aussehen und Körper.

Das ist die schön klingende Definition von Feminismus, die in der Praxis dann aber selten zum tragen kommt. Denn beispielsweise gesteht sie ja Männern nicht einmal das Recht zu überhaupt eine Diskriminerung anführen zu können, weil eine solche kategorisch ausgeschlossen isut.

Schwarzer: Ich sehe das ähnlich. Gleiche Chancen und Rechte und Pflichten unabhängig vom Geschlecht. Natürlich spielen da auch andere Machtverhältnisse hinein: Wir sind nie nur Frau, sondern auch Deutsche oder Nicht-Deutsche, privilegiert oder nicht privilegiert, weiß oder schwarz. Aber das Fundament, auf dem alle anderen Machtverhältnisse aufbauen, ist das zwischen den Geschlechtern.

Schwarzer lässt etwas Intersektionalismus einfließen, wäre interessant, was sie damit erreichen will. Stokowski etwas den Wind aus den Segeln nehmen?

Frau Schwarzer, Sie haben noch gegen den Abtreibungsparagraphen 218 gekämpft und für das Recht von Frauen zu arbeiten. In ‚Untenrum frei‘ stellt Margarete Stokowski fest, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern kleiner geworden sind, damit weniger sichtbar und vielleicht auch schwieriger zu bekämpfen. Welche Ziele hat der Feminismus in Deutschland heute, wenn es keine rechtlichen Ungleichheiten mehr gibt?

Schwarzer: In den ersten Jahren der Revolte hätte meine Generation sich nicht erträumen lassen, dass wir da ankommen, wo wir jetzt sind. Wir haben unvorstellbar viel erreicht. Das ist ein Fortschritt. Gleichzeitig ist aber die brachiale Unterdrückung sichtbarer. Bis 1976 konnte zum Beispiel der Ehemann zum Chef seiner Frau gehen und sagen, hiermit kündige ich ihre Stelle, die macht ihren Haushalt nicht ordentlich. Heute gibt es innere Fesseln, die schwerer zu erkennen sind als die äußeren.

Konnte er meines Wissen nach nicht. Aber spielt ja auch keine Rolle mehr. Die „inneren Fesseln“ sind auch ein klassisches feministisches Bild, man könnte auch von „internalisierten Sexismus“ sprechen, wenn man es etwas anders formulieren will. Es ist letztendlich nur die Feststellung, dass die Menschen gleiche Rechte haben, aber sich trotzdem relativ stereotyp verhalten, in freieren Gesellschaften stereotyper als in konservativen. Was mit einer evolutionären Herleitung der Unterschiede im Schnitt ja auch gut zu erklären ist. Aber das wäre ja keine Unterdrückung. Also muss doch irgendwas die Frauen dazu zwingen so zu handeln.

Früher durften Männer ihren Ehefrauen verbieten zu arbeiten. Heute gehen Frauen freiwillig in Teilzeit oder ziehen sich aus der Arbeitswelt zurück, wenn sie Kinder bekommen.

Stokowski: Wenn wir von Freiwilligkeit reden, lenken wir davon ab, dass es nach wie vor Machtstrukturen gibt. Wir alle möchten weiter an das Bild der selbstbewussten emanzipierten Frau glauben. Und dann merken wir, die Gesellschaft ist darauf ausgerichtet, Ungleichheit zu erhalten – Frauen treffen immer wieder dieselben Entscheidungen und stehen immer wieder vor denselben Hürden. Wenn wir diese Entscheidungen einfach nur als freiwillig ansehen, ist es schwieriger, über die politische Dimension zu reden. Stattdessen heißt es, das ist doch der freie Wille, und wir können Frauen nicht zwingen, sich die Hälfte der Macht zu nehmen.

Auch sehr schön:  „ich würde ja leider gerne an die selbstbewußte emanzipierte Frau glauben, aber es gibt sie leider nicht“. Wenn man mal eine richtig schlechte Meinung über Frauen hören möchte, dann fragt man nach wie vor am besten eine Feministin. Was auch vergessen wird zu fragen: Warum soll es so interessant sein die Hälfte der Macht zu nehmen? und natürlich: Können nur Angehörige einer Gruppe für diese Macht ausüben? Aber das sind im Feminismus nicht gern gesehene Fragen.

Schwarzer: Das mindestens 4000 Jahre währende Patriarchat lässt sich nicht in 40 Jahren aus den Angeln heben. Was man Frauen früher aufgezwungen hat, machen sie heute scheinbar freiwillig. Der gesellschaftliche Druck ist immer noch groß, ein bestimmtes Ideal zu erfüllen. Das läuft subtil ab, der Zwang ist weniger sichtbar. Die Schlacht spielt sich dabei wieder auf unserem Körper ab. Ich habe eine ähnliche Rückwärtsbewegung schon einmal Mitte der 70er Jahre erlebt. Da hat man auch innerhalb der Frauenbewegung von einer sogenannten „neuen Weiblichkeit“ oder der „neuen Mütterlichkeit“ geredet. Das war aber in Wahrheit die alte.

Wie kommen die nur auf „mindestens 4000 Jahre“. Weit eher sind es viele Millionen Jahre. Hier noch einmal ein Zeitstrahl:

  • vor ca. 4 Milliarden Jahren: Erste Lebewesen
  • vor ca. 2,5 Milliarden Jahren: Mehrzellige Lebewesen
  • vor ca. 600 Millionen Jahren: Erste geschlechtliche Fortpflanzung
  • vor ca. 545 Millionen Jahren: wirbellose Tiere
  • vor ca. 495 Millionen Jahren: Erste Wirbeltiere
  • vor ca. 440 Millionen Jahren: Erste Panzerfische
  • vor ca. 417 Millionen Jahren: Fische verbreiten sich, Erste Amphibien
  • vor ca. 350 Millionen Jahren: Reptilien und Dinosaurier, flugfähig Insekten
  • vor ca. 250 Millionen Jahren: primitive Säugetiere
  • vor ca. 140 Millionene Jahre: die großen Dinosaurier
  • vor ca. 120 Millionene Jahre:  kleinere Säugetiere
  • vor ca. 65 Millionen Jahren:  Aussterben der Dinosaurier
  • vor ca. 65 Millionen Jahren: erste Primaten
  • vor ca. 20 Millionen Jahren: Menschenartige
  • vor. ca. 10 Millionen JahrenTrennung Abtrennung der Gorillas
  • vor. ca. 6 Millionen JahrenTrennung Menschen – Schimpansen
  • vor ca. 3,9 Millionen Jahren: Erste Funde Australopithecus
  • vor ca. 2,8  Millionen Jahren: Erste Funde Homo habilis
  • vor ca. 2,5 Millionen Jahren: Erste Werkzeuge
  • vor ca. 1,9  Millionen Jahren: Erste Funde Homo rudolfensis
  • vor ca. 1,8  Millionen Jahren: Erste Funde Homo erectus
  •  vor ca. 600,000 Jahren: Erste Funde Homo heidelbergensis
  • vor ca. 300,000 Jahren: Erste Funde Homo sapiens
  • vor ca. 300,000 Jahren: Erster Neanderthaler
  • vor 12.000 Jahren: Sesshaftigkeit und Landwirtschaft
  • vor etwa 7000 Jahren: Kupferzeit
  • vor etwa 5000 Jahren: Bronzezeit
  • vor etwa 3000 Jahren: Eisenzeit
  • vor ca. 300 Jahren: Erste Dampfmaschine

Bereits die Primaten dürften häufig „patriarchal“ gelebt haben. Und es ist natürlich eine Unerhörtheit, dass Frauen so leben wollen, wie sie leben wollen. Merken die denn gar nicht, wie sie unterdrückt werden? Schrecklich diese Frauen.

Gesellschaftliche Bilder von Weiblichkeit oder Männlichkeit prägen schon von Kindheit an. Heute gibt es unterschiedliches Lego für Mädchen und für Jungs, es gibt pinke und „normale“ Überraschungseier. Drängt unsere Konsumwelt Kinder stärker als früher in bestimmte Rollen?

Schwarzer: Das ist längst eine eigene Millionen-Industrie, die es vor ein paar Jahrzehnten noch gar nicht gab.

Aber natürlich findet man die gleichen Geschlechterrollen auch in Völkern ohne pinke Überraschungseier. Schon Kinder im Kindergarten spielen häufig lieber mit dem eigenen Geschlecht, weil es gleicher ist und sich der Spielstil besser vereinbaren lässt. Mädchen mit einem erhöhten pränatalen Testosteronspiegel hingegen spielen lieber mit Jungs, pinke Überraschungseier hin oder her.

Stokowski: Bei Kinderspielzeug und Kinderkleidung ist es extrem. Aber das gibt es auch für Erwachsene. Der Drogeriemarkt DM hat jetzt ein Männerregal, damit Männer nicht aus Versehen Waschmittel kaufen, sondern nur Männercreme. Das macht im Kapitalismus natürlich Sinn, weil man Produkte in zwei Varianten herstellen kann.

Oder es erleichtert die Entscheidung beim Kaufen, weil Leute gerne in einer bestimmten Identität leben, in der sie das Gefühl haben, dass ein Produkt genau zu ihnen passt. Eigentlich erstaunlich, dass eine Ideologie, die so stark auf Identitäten setzt das nicht anerkennt.

Schwarzer: Und die für Frauen sind oft teurer, oder?

Stokowski: Häufig. Natürlich kann man sagen, dass Frauen freiwillig rosa Rasierklingen kaufen und selbst entscheiden, in Teilzeit zu gehen. Aber die Frage ist, was mit denen passiert, die von der aufgestellten Norm abweichen. Was ist, wenn eine Frau sofort nach der Geburt des Kindes wieder anfängt zu arbeiten? Sie wird beleidigt oder muss sich anhören, dass sie eine schlechte Mutter ist. Man kann schon von freiwilligen Entscheidungen sprechen, aber solange abweichendes Verhalten bestraft wird, ist es mit der Freiheit nicht weit her.

Ein großer Teil der Beleidigungen werden dabei von Frauen im Wege der intrasexuellen Konkurrenz kommen. Man kann das natürlich reduzieren, wenn man erhebliche Privilegien der Frauen abbaut: Wenn die Familienversicherung der Frau nur bis zu einem Jahr nach der Geburt eine Krankenversicherung geben würde, dann würde recht schnell viele Frauen wieder anfangen müssen zu arbeiten. Oder wenn wie in der DDR der Unterhalt stark eingeschränkt wird. Aber dann legt man sich natürlich auch mit Frauen an, die diese Privilegien gerne verteidigen.

Wie kann Feminismus gegen solche Marketing- und Erziehungsmechanismen ankommen?

Schwarzer: Aufklären und ermutigen abzuweichen. Meine Großmutter war Schneiderin, ich habe mich mein Leben lang für Mode interessiert. Aber ich habe mich nie einzwängen lassen. Ich muss mich nicht jeden Morgen schminken und auf Schuhen gehen, in denen ich nicht laufen kann.

Ein alter Fehler in der Geschlechterdebatte; „Weil mich bestimmte typischerweise für Frauen interessante Sachen nicht interessieren können und sollten auch alle anderen Frauen lernen, dass sie diese Sachen nicht interessieren“

Der Grund kann auch schlicht sein, dass Frau Schwarzer einen höheren pränatalen Testosteronspiegel hatte und deswegen Schminken und hohe Schuhe weit weniger interessant fand.

Andere Frauen würden dann gar kein Verständnis dafür haben, dass sie auf Schminke und hohe Schuhe verzichten sollen (wobei hohe Schuhe in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ja selten getragen werden).

Stokowski: Wir müssen die Leute ermutigen, nicht jeden Scheiß mitzumachen. Gleichzeitig ist es gerade bei den Kindersachen eine extreme Klassen- und Geldfrage. Die billigen Sachen sind häufig viel stärker gegendert als die teuren. In einem Bio-Öko-Fairtrade-Kinderladen ist alles bunt, bei Kik oder anderen Textil-Discountern sind Sachen für Mädchen und Jungen klar unterteilt. Manche Leute haben gar nicht die Wahl, genderneutrale, nicht rollenkonforme Sachen zu kaufen. Die, die es sich leisten können, das zu vermeiden, sagen dann auch noch, naja, die Leute, die das kaufen, sind ein bisschen dumm und unemanzipiert und stecken ihre Mädchen in rosa Sachen.

Oder auf der billigeren Einkommensseite verkaufen sich solche Sachen einfach nicht so gut, weil man realere Sorgen hat und Gender Ideologien ein Elitendiskurs sind.

Die AfD agitiert gegen „Gender-Wahn“, eine Gruppe von Schriftstellern und Prominenten hat gerade in einem offenen Brief das „Gender-Sprech“, also geschlechtergerechte Sprache, kritisiert. Ist das das letzte Aufbäumen des Patriarchats? Oder hat sich der moderne Feminismus verrannt und zur Sprachpolizei gemacht?

Stokowski: Ich fürchte, es ist nicht das letzte Aufbäumen. Ich kenne aber keine Feministin, die sagt, wir müssen uns auf eine Variante festlegen. Es gibt Binnen-I, Sternchen, Unterstrich, manche wechseln sich ab und sprechen mal von Lehrerinnen und mal von Lehrern, andere erfinden neue Formen wie die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch.

Natürlich ist es nicht das letzte Aufbäumen, denn wenn das Patriarchat tot wäre, dann wäre der Feminismus arbeitslos. Und auch die Gender Sprache interessiert außerhalb der Bubble keine Sau.

Schwarzer: Die Gegner stürzen sich natürlich auf Dinge, wo der Mann und die Frau von nebenan sagen: ‚Sind die denn verrückt geworden? Man kann es aber auch übertreiben.‘ In Wahrheit gibt es auch in feministischen Kreisen sehr unterschiedliche Weisen, mit Sprache umzugehen. Wir sollten uns davor hüten, eine bestimmte Sprache vorzuschreiben. Es stimmt zwar: Sprache ist der Stoff, in dem wir fühlen und denken. In den 70er Jahren mussten wir Feministinnen erstmal dafür sensibilisieren, dass es oft nur die männliche Form gibt und die Frau in der Sprache gar nicht vorkommt. Als Journalistin weiß ich aber auch, dass Sprache lebendig ist und man sie sprechen können muss. Einen Unterstrich oder ein Sternchen im Wort kann ich nicht sprechen. Das verhunzt die Sprache.

Schwarzer hier mit dem realistischeren Ansatz, aber das war ja auch zu erwarten.

Frau Stokowski, Sie verwenden das Sternchen in Ihren Texten.

Stokowski: Ich verwende unterschiedliche Varianten. In meinen Büchern gibt es ein Sternchen, das mitten im Wort steht, um es von den Fußnotenzeichen abzugrenzen. Meine Erfahrung ist, dass viele das überlesen. Es wäre mir aber auch egal, wenn ein Sternchen die Leute zunächst aus dem Text rauswirft. Wir haben uns schon an viele Sachen gewöhnt. Und es gibt auch die Möglichkeit, Sternchen oder Unterstrich als Pause auszusprechen.

Die Aussprache ist in der tat eine der unpraktischsten Seiten dieser „Sonderzeichen“. Niemand möchte Pausen in seinen Worten haben. Aber es geht ja auch gar nicht um Praktikabilität. Es soll gerade stören und „sichtbarmachen“.  Es ist eben auch eine Form des Virtue Signalling sich immer kompliziertere Varianten zu überlegen, die noch mehr Hingabe zeigen.

Kommen wir zu dem Thema, das Sie beide am meisten trennt: Frau Schwarzer, Sie haben den politischen Islam neulich als „Faschismus des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Was meinen Sie damit?

Schwarzer: Eines möchte ich zum hundertsten Mal klarstellen: Es geht mir nicht um den Islam, den Glauben, ich rede ausschließlich über den politisierten Islam, den Islamismus, der 1979 mit Khomeini im Iran begonnen hat. Das ist keine Religion, sondern eine Ideologie, die von Anfang an die Trennung der Geschlechter im Fokus hatte. Im Iran wurde gerade eine Anwältin zu 148 Peitschenhieben und 38 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie es gewagt hat, Frauen zu verteidigen, die gegen den Kopftuchzwang protestieren und für Rechte der Frauen. Es ist das offene Grauen.

Kann man eigentlich schwer etwas gegen sagen. Wie könnte man nicht dagegen sein?

Frau Stokowski, nicht nur Alice Schwarzer, auch Politikerinnen wie Julia Klöckner und Malu Dreyer haben die Einwanderung von Männern aus patriarchal geprägten Gesellschaften problematisiert. Ist der politische Islam eine Gefahr für die Emanzipation in Deutschland?

Stokowski: Wir sollten uns nicht nur darauf konzentrieren, patriarchale Strukturen bei denen zu sehen, die nicht urdeutsch und christlich sind. Natürlich sehe ich als Feministin vieles kritisch, Zwangsverschleierung, Zwangsverheiratung, fehlende Hilfe für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Ich glaube nur, dass der Feminismus nicht auch noch bei der Stimmungsmache gegen Musliminnen und Muslime mitmachen sollte. Die gibt es ohnehin schon genug. Wir sollten nicht so tun, als sei es das eigentliche Problem, dass durch geflüchtete Menschen frauenfeindliche Ideologien nach Deutschland kommen. Damit tut man den Nazis leider einen sehr großen Gefallen.

Das ist eine sehr vorsichtige Antwort, die nur etwas an dem kratzt, was da häufig gemeint ist: Die deutsche Kultur ist selbstverständlich schlimmer und Weiße sowie so Satan. Und weil man das nicht deutlich genug macht kann der Vorwurf gegen islamistische Praktiken nur Rassismus sein, weswegen man diese generell nicht bringen darf.

Schade, dass es kein wirklich kritisches Interview gibt, wo so etwas mal direkt nachgefragt wird. Es wäre ja interessant, wenn man Stokowski mal direkt zu einer Stellungnahme auffordert, wie sie nun zu dem von Schwarzer beschriebenen steht, ohne ausweichen auf das Verhalten weißer.

Frau Schwarzer, stellen Sie Flüchtlinge unter Pauschalverdacht?

Schwarzer: Ich? Das ist einfach lachhaft! Im Gegenteil: Ich schaue genau hin. So hatten wir in der Emma im Herbst 2015 einen Vater auf dem Titel, die fünfjährige Tochter auf den Schultern, zwei Menschen auf der Flucht. Im Blatt finden Sie einen Forderungskatalog, was für die Frauen und Kinder in den Flüchtlingsunterkünften getan werden muss. Um die hat sich zu dem Zeitpunkt noch kein Schwein gekümmert. Aber mit den Flüchtlingen hat das Problem ja auch gar nicht angefangen.

Schwarzer führt eine Trennung von „normalen Flüchtlingen“ und „politischen Islam“ an. Da wird Stokowski wahrscheinlich nicht mitziehen wollen.

Womit denn?

Schwarzer: In Westeuropa gibt es seit mindestens 25 Jahren eine Agitation des politischen Islam, der Islamisten. Manche Imame geben den Eltern Geld, wenn sie ihre Töchter verschleiern. Den jungen Männern sagen sie, ihr braucht nichts zu lernen, weil ihr mehr wert seid als eure Frauen und die Ungläubigen und mal heilige Krieger werdet. Dieser Verhetzung haben wir im Westen nichts entgegengestellt. Wir haben die Mehrheit der Muslime in Europa, die aufgeklärt sind und Demokratie wollen, im Stich gelassen und dem Druck der radikalen Minderheit ausgeliefert. Und wir haben uns nicht nur in Deutschland den ungeheuren Luxus erlaubt, nicht genau zu unterscheiden: zwischen normalen Muslimen und islamistischen Ideologen und Hetzern. Und jetzt wundern wir uns, wenn die Rechte da aufsattelt. Für diese neue Art von Rassismus sind die Kräfte verantwortlich, die immerzu diesen Kulturrelativismus gepredigt haben, die gesagt haben: Das ist eine andere Religion, das sind andere Sitten, die sind eben so. Du gehörst dazu, Margarete. Es gäbe keine AfD, wenn Liberale und Linke nicht so versagt hätten.

Das ist erst einmal ein harter Vorwurf: Fast schon Verständnis für die AfD, weil der „islamistische Ideologen und Hetzer“ nicht hinreichend ausgegrenzt werden sondern zuviel Freiraum hatte.

Frau Stokowski, sind Sie mitschuldig am Aufstieg der AfD?

Stokowski: Nee. Die Liste aus der Emma mit den Forderungen für geflüchtete Frauen ist doch ein gutes Beispiel. Es gibt sexualisierte Gewalt in Flüchtlingsunterkünften, aber in der Debatte hört man eben nicht die Forderung nach mehr Plätzen in Frauenhäusern oder speziellen Beratungsangebote für muslimische Mädchen und Frauen. Viele konzentrieren sich darauf, gegen die Männer zu sprechen und nicht für die Frauen. Man hört dann nur: Die haben eine komische Kultur, die wollen wir hier nicht haben. Für mich heißt das: Das Thema wird rassistisch instrumentalisiert

„Viele konzentrieren sich darauf gegen die Männer zu sprechen und nicht für die Frauen“. Von einer intersektionalen Feministin. Hätte ja schon fast was lustiges, wenn es nicht so bizarr wäre. Aber auch eine Nichtantwort. Sie schließt eben schlicht auf die rassistische Instrumentalisierung, sie gibt keine Wertung zum „politischen Islamismus“ ab

Schwarzer: Liebe Margarete, da wird leider überdeutlich, dass Du Emma nicht liest. Du weißt aber trotzdem genau, was drin steht. Realität ist, dass all die Forderungen, die du jetzt erhebst, bei uns schon sehr lange Thema sind. Du gehörst ja auch zu den Frauen, die Emma Anfang 2016 dafür angegriffen haben, dass wir nach der Silvesternacht in Köln die Wahrheit über die Übergriffe am Hauptbahnhof geschrieben haben. Von den 2000 Männern waren die meisten Algerier und Marokkaner, viele Illegale, 690 Frauen haben Anzeige erstattet wegen sexueller Gewalt. Das haben wir geschrieben – und es schallte uns der Ruf „Rassismus“ entgegen. Und da antworte ich Ihnen, nein Dir – siehst Du, kaum sind wir so kontrovers, falle ich ins Sie, wir sind eben zwischen Du und Sie – ich antworte: Ich finde es rassistisch, zweierlei Maß einzuführen und zu sagen, das sind Algerier, aber wir dürfen das nicht sagen, sonst wird es missbraucht. Damit nehmen wir diese jungen Männer nicht ernst. Denn die müssen die Tausende von Kilometern, die sie zu Fuß zurückgelegt haben, auch noch mal im Kopf zurücklegen, wie Kamel Daoud gesagt hat. Sie kommen schließlich aus Ländern, in denen Gewalt gegen Frauen und Kinder eine Selbstverständlichkeit ist und Frauen rechtlose Unmündige sind.

Also eine Prägung durch eine bestimmte Kultur, die Frauenrechte geringer schätzt als moderne Länder. Darüber kann man reden. Aber natürlich nicht mit intersektionalen Feministinnen. Denn dort darf das schlicht nicht sein. Dort ist die schlimmste denkbare Kultur der Weiße Mann. „PoC-Kulturen“ dürfen kein rückständigeres Bild haben ohne dass das jemals begründet werden muss.

Stokowski: An diesen Ausführungen kann man sehr gut sehen, wie Rassismus funktioniert: Man nimmt die Taten von einigen und sagt, die ganze Gruppe sei potenziell kriminell.

Intersektionale Feministinnen sehen echt nicht wie sehr ihre eigenen Theorien genau darauf aufbauen. „Not all Men“ wäre ja genau das, ebenso wie der Ansatz, dass Männer dafür verantwortlich sind, eine „toxische Männlichkeit“ abzubauen oder für eine Belästigungsrate von 0,0000 zu sorgen.

Linken Feministinnen wird sehr häufig vorgeworfen, sie würden muslimischen Männern alles durchgehen lassen und andere schon für ein Anlächeln verurteilen. Das ist der Versuch so zu tun, als gäbe es in Deutschland keine Probleme von weißen deutschen Männern, die übergriffig wären.

Auch hier noch einmal: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wenn weiße Männer übergriffig wären, dann müsste man dennoch erst einmal anführen, dass muslimische Männer es auch sind und es wäre zu untersuchen, welche Gruppe es mehr ist.

Schwarzer: Es geht nicht um Einzelne, es geht um Strukturen. Du hörst einfach nicht zu! Die Realität interessiert dich nicht.

In der Tat interessiert sie die Realität nicht. Aber schön, dass Schwarzer ihr Strukturen vorwirft. Schön substanzlos. Aber schlechte Strukturen bei PoCs gehen eben nicht.

Wir würden gerne noch einmal das Thema wechseln.

Gerade wenn es spannend wird. Warum eigentlich? Sie sind ja noch lange nicht zum Kernkonflikt vorgedrungen.

 

Auf die erste Kanzlerin der Bundesrepublik folgt wahrscheinlich die zweite Kanzlerin. Angela Merkel hat sich immer geweigert, sich als Feministin zu bezeichnen. Annegret Kramp-Karrenbauer hält das anders – ein Fortschritt?

Stokowski: Ich glaube, Annegret Kramp-Karrenbauer ist kein Fortschritt für den Feminismus. Also wirklich nicht. Ich habe im Moment das eigenartige Gefühl, dass ich traurig sein werde, wenn Angela Merkel weg ist. Frau Kramp-Karrenbauer ist homofeindlich und sehr polemisch gegen alles, was Zweigeschlechtlichkeit in Frage stellt. Es bringt dem Feminismus nichts, wenn eine Frau an eine obere Position kommt und dann weiter frauen- oder minderheitenfeindliche Positionen vertritt.

Auch ein großartiger Satz dem man mal in die Quotendebatte werfen sollte.

Schwarzer: In Relation zu Frau Merkel ist Frau Kramp-Karrenbauer allgemeinpolitisch eindeutig konservativer. Aber aus feministischer Perspektive gesehen ist sie eindeutig feministischer. Das hat was mit ihrem West-Lebenslauf zu tun.

Stokowski: Woran machen Sie das fest?

Schwarzer: An konkreten Aussagen in meinem Interview in der aktuellen Emma. Aber auch daran, wie sie selber lebt, zum Beispiel, dass ihr Mann Hausmann war. Aber ich finde grundsätzlich interessant, in welchem Maße der Begriff Feminismus in Deutschland im Verschiss ist. Deutschland, das Land der sogenannten Rabenmütter, ist innerhalb der westlichen Welt ja auch in Sachen Pay Gap Schlusslicht.

Wäre mal eine interessante Frage: Wer von den beiden ist feministischer? Und reicht dafür ihr Leben aus oder müsste sie auch feministische Ideen vertreten?

 

Ist es nicht ein bisschen cool geworden, sich zum Feminismus zu bekennen? Es gibt sogar entsprechende T-Shirts.

Schwarzer: Ja, das ist zurzeit Modetrend. Aber was steckt hinter dem Label? Ehrlich gesagt interessiert mich schon lange nicht mehr, ob eine Frau sich als Feministin bezeichnet. Entscheidend ist nicht, was sie sagt, sondern was sie tut. Und da sind eben manchmal Nicht-Feministinnen in Wahrheit feministischer als vorgebliche Feministinnen, die krass antifeministisch sind.

Der alte Krieg im Feminismus: Beide werfen sich gegenseitig vor, dass sie keine Feministinnen sind, weil es nur den einen richtigen Feminismus gibt.

Wäre interessant, wenn die Zeitung da mal mehr nachgefragt hätte: Welche vorgeblichen Feministinnen oder feministischen Positionen sind für sie antifeministisch?

Dann kommen wir zu den Taten. Wenn Sie am Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung mitschrieben könnten – was würden Sie reinschreiben?

Stokowski: Abtreibung raus aus dem Strafgesetzbuch, eine bessere Schulung von Menschen, die in Beratungsstellen, Gerichten oder bei der Polizei mit Opfern sexualisierter Gewalt arbeiten. Die Position von Alleinerziehenden stärken, die Möglichkeit zur Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit verbessern, das Ehegattensplitting abschaffen. Und ich würde einen besseren Umgang mit Hate Speech und anderen Formen von Gewalt im Internet durchsetzen. Die trifft häufig Frauen und die Strafverfolgungsbehörden tun sich immer noch sehr schwer damit.

Interessanterweise keine Forderung dabei, die Frauen irgendwie mehr in Führungspositionen bringt. Und etwas vage: Wie will sie die Position von Alleinerziehenden stärken? Und HateSpeechSchutz verbessern ist immer eine Sache, die Feministinnen sich überlegen sollten: Sie produzieren selbst eine Menge davon.

Schwarzer: Das ist doch schön, Margarete. Zu guter Letzt haben wir ein Happy End zu vermelden. Ich schließe mich uneingeschränkt diesen Forderungen an. Ich möchte nur eines hinzufügen: Wir brauchen dringend gesetzliche Maßnahmen zum Schutz vor Altersarmut. Auf die rasen gerade die Töchter der Frauenbewegung mit 180 Sachen zu, weil sie die Lüge geglaubt haben, sie hätten die Wahl und könnten alles: auch Teilzeit arbeiten oder aus dem Beruf aussteigen. Da kommt ein Drama auf Millionen Frauen zu.

Auch hier wenig aufregendes. Insgesamt eine Diskussion die an der Oberfläche kratzt und  nie wirklich in die Tiefe geht. Bei der viel ausgewichen wird und wenig gesagt wird.