Frauen haben nichts gegen Sexismus, solange er ihnen Nutzen bringt

Eine interessante Studie behandelt die Frage, wie Frauen mit für sie günstigen Sexismus umgehen:

Benevolent sexism functions to uphold gender inequality by expressing caring and reverent attitudes exclusively toward women. Do these subjective benefits lure women to endorse benevolent sexism? We tested this by examining whether women’s psychological entitlement was associated with concurrent levels of benevolent sexism and longitudinal changes in benevolent sexism over 1 year in a national panel sample (N = 4421 New Zealanders). As predicted, latent variable interaction analyses indicated that women higher in psychological entitlement more strongly endorsed benevolent sexism and increasingly endorsed benevolent sexism over the year. Men’s psychological entitlement was more weakly associated with benevolent sexism concurrently and unrelated to changes in benevolent sexism across time. These findings provide the first evidence that the benefits of benevolent sexism are central to women’s adoption and endorsement of sexist attitudes toward their own gender—attitudes which contribute more broadly to the maintenance of gender inequality.

Quelle: The Allure of Sexism Psychological Entitlement Fosters Women’s Endorsement of Benevolent Sexism Over Time

 

Ich finde die Konstruktion des „Wohlwollenden Sexismus“ reichlich pervers. Es geht dabei darum, dass eine Frau Vorzüge hat, die dann Sexismus gegen sie sind, weil sie sie in eine Rolle drängen. Und dieses in die Rolle drängen wird dann per se als Nachteil ausgewiesen.

Und das ungeachtet dessen, ob sie das als Nachteil ansehen oder die Vorteile für besser halten und es deswegen ganz bewußt machen.

Mit Benevolent Sexism werden Frauen mal wieder für unmündig erklärt. Das böse Patriarchat lockt sie wie die Maus mit dem Käse in die Falle.

Aus einer Besprechung der Studie:

For their study, Hammond and his colleagues had more than 2,700 women and 1,600 men from New Zealand complete psychological evaluations to measure their sense of entitlement and adherence to sexist beliefs about women. The beliefs included statements such as, “Women should be cherished and protected by men” and “Women, compared to men, tend to have a superior moral sensibility.”

Ja, ein ganz fieser Test. Ich hatte ihn hier schon mal besprochen. Wenn man mal übertrieben Sklavenhalter gefragt hätte, ob sie der Meinung sind, dass ihre Sklaven sie verehren und beschützen sollten und ob sie im Vergleich zu ihren Sklaven nicht eine höhere moralische Sensibilität haben, dann wäre das Ergebnis wahrscheinlich auch, dass diese nur durch diese Vorzüge in diese Rolle gezwungen worden sind.

This group of more than 4,400 individuals was tested again 1 year later.

The researchers found a sense of entitlement in women was associated with stronger endorsement of benevolent sexism. Women who believed they deserved more out of life were more likely to endorse benevolent sexist beliefs and adherence to these beliefs increased over time. The association between a sense of entitlement in men and endorsement of benevolent sexism was weak, in contrast, and did not increase over time.

Also: Die Frauen, die meinten, dass sie Anrechte auf etwas besseres hatten dachten auch, dass sie die tollsten und besten wären und alle ihnen zuarbeiten müssten. Die armen geplagten Opfer. Wenige beachten da auch die Leiden von Hollywooddiven, bei denen man auch starken Benevolent Sexism feststellt und die dadurch in ihre Rolle als alles verlangende Millionärin gedrückt worden sind. Grauenhaft!

Hammond told PsyPost that the findings supported Ambivalent Sexism Theory.

“It tells us that one factor underlying women’s endorsement of sexist attitudes toward women is the propensity to feel more deserving than others and wanting to feel special,” he explained. “This also gives us insight into showing how benevolent sexism is subjectively positive but is not actually a ‘pro-social’ set of attitudes.”

“Even though both men and women have these kind of ‘entitled’ tendencies to be reward-oriented and status-focused — the ‘cherish and protect’ attitudes of benevolent sexism seem to take advantage of these qualities in women only. This is an example of how benevolent sexism is an insidious set of ideas which appear to exploit ‘niceness’ to encourage women to hold more sexist beliefs.”

Also obwohl diese Gesellschaft Frauen natürlich nur als Objekt behandelt und wie der letzte Dreck meinen diese eher als Männer, dass sie aufs Podest gestellt werden sollten und verehrt und beschützt werden sollten. Schlimm, wirklich schlimm, wie Frauen da mit Nettigkeiten in sexistische Denkweisen gezwängt werden.

The research found a clear link between psychological entitlement and the endorsement of benevolent sexism. However, Hammond cautioned that the finding should not be extrapolated outside of its cultural context.

“One central and important limitation is that our research was conducted in a relatively egalitarian country in which hostile and aggressive forms of sexism, as well as overt forms of discrimination and violence toward women, are relatively less prevalent and relatively less tolerated,” Hammond told PsyPost. “Other research has shown that when these kinds of threats are salient, one reason women agree with benevolent sexism is a self-protection motivation, because it promotes the care and safeguarding of women against danger.”

“This means that future research may find that the underlying factors of women’s endorsement of sexism differs between countries according to the levels of egalitarianism/gender equality in those countries,” he added. “In relatively egalitarian countries, it may be the benefits promised by benevolent sexism, but in relatively less egalitarian countries, it may be the protection promised by benevolent sexism.”

Jedenfalls ist die Anspruchshaltung der Frauen nur ein böser Trick der Männer. Frauen sind Marionetten an deren Fäden. Sie haben keinen eigenen Willen, wir spielen sie wie ein Musikinstrument. Niemals würde sie eine Frau auf diese Weise verhalten, weil sie meint, dass sie es aus einer Machtposition verlangen kann und sie es so will.

Wir sprechen alle nach: Die Vorteile der Frauenrolle dienen nur dazu sie zu unterdrücken!

„Meine Gefühle sind immer richtig!“ – Gruppendenken und Individualisierung

Kommentator Pingpong schrieb:

Das perfide am momentan herrschenden institutionalisierten Feminismus ist aus meiner Sicht, dass er nicht nur am genannten Grupppendenken krankt, sondern in geradezu genialer Weise _gleichzeitig_ auch an seinem Gegenteil: An einer totalen und völlig perversen Individualisierung, die sich in folgendem Grundsatz zusammenfassen lässt: „Meine Gefühle sind immer richtig!“ Die Implikation „Und du hast sie ohne zu fragen zu akzeptieren/abzustellen/verstärken“ wird wohlweislich verschwiegen. Das Gegenüber hat in dieser Konstellation nur eine Aufgabe: Auf die Gefühle einzugehen und zu versichern wie schlimm alles ist, sich zu entschuldigen, und unhaltbare kindliche Versprechungen in vorauseilendem Gehorsam zu machen. Wer es wagt seine eigenen Ansichten ob dieser total enthermmten Gefühlsdiktatur kundzutun, ist Teil des Patriarchats, ein Unterdrücker, ein Schwein. Wenn Frau fühlt, muss Mann… ja was eigentlich? Mitfühlen? Nur solange das Mitgefühl konsistent mit den Gefühlen der Frau ist!

Auch bei Gefühlen ist eine gewisse Verhältnißmäßigkeit angebracht. Wenn das kleine Kind die neue Bluse mit Apfelmus beschmutzt, dann ist das ein bedauerliches Missgeschick. Das Kind zusammenzuschreien, aus Ärger über die Situation Teetassen an die Wand zu werfen hat mit „Gefühlen“ nichts, mit infantiler Unbeherrschtheit sehr viel zu tun. Ein solches Verhalten als fortschrittlich „im Einklang mit seinen Gefühlen sein“ oder „seine Gefühle ehrlich ausdrücken“ zu verkaufen ist nichts weiter als eine Ausrede.

Das ist eine schöne Zusammenfassung. Es ist zum einen ein Gruppenkonflikt, in dem sie aber als Opfer ihre Gefühle voll ausleben kann und jederzeit frei interpretieren kann, wie sich dieser Gruppenkonflikt auf ihre Lage auswirkt und das ohne das man dies hinterfragen darf.

Sie leidet unter der Gruppe und kann sich jede Form der Unterdrückung ausdenken und sich in jeder Form unterdrückt und benachteiligt fühlen. Seine Aufgabe ist, das zu akzeptieren und ihre Welt wieder besser zu machen oder zumindest den Bösewicht abzugeben.

Label, Gruppenzugehörigkeit, Schuldzuweisung und Lagerdenken

DMJ kommentierte zu „Das Patriarchat schadet auch Männern“

Die ganze Sache zeigt, wie viel wichtiger Label, Gruppenzugehörigkeit, Schuldzuweisung und Lagerdenken in der Diskussion sind, als ein Vorankommen.

Wie gesagt: Auch ich meine, dass Geschlechterrollenzwänge schädlich sind. Für Männer, wie Frauen. Wer diese Zwänge auflösen will, hat meinen Segen (wobei er aber nicht über das Ziel hinausschießen sollte – nicht die Rollen sind schlecht, nur ihr Zwang).
Aber ich sehe eben nicht, dass der Feminismus (zumindest in den Strömungen, die obigen Satz am lautesten sagen), das tut.
Im Gegenteil: Bedingung zur Mitgliedschaft ist ja das absolute und rückhaltlose Bekenntnis zu den festen Rollen von Mann und Frau als Unterdrücker und Unterdrückter, wobei das Individuum nichts und die Gruppe alles ist. Was immer gegen diese beiden klaren Schubladen spricht, wird ignoriert oder umgedeutet (als positiver oder internalisierter Sexismus) und darauf zu verweisen gilt als Blasphemie.

Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie mir eine Feministin, die weit mehr als ich verdiente erklärte, dass es mir als Mann besser ginge, da die Mehrheit der Aufsichtsratsvorsitzenden und Staatsoberhäupter Genitalien der gleichen Art wie ich hat.
Diese Denkweise ist ebenso bizarr, wie inhuman. Ich lehne alle Ideologien ab, die das Individuum missachten, da sie quasi eine Startrampe für Unmenschlichkeiten sind.

Es ist ja interessant, dass der Feminismus vorgibt, Rollen auflösen zu wollen, aber selbst feste Rollen als Grundlage seiner Ideologie hat, aus denen man kaum entkommen kann: Der Mann hat Privilegien per Geburt, deswegen ist er schuldig und muss Buße zu, in dem er seine Privilegien hinterfragt. Er ist insofern zumindest aus Sicht der radikalen Feministen immer Feind, allenfalls ein Unterstützter, ein Ally, der täglich seinen Wert beweisen muss.

Rauskommen kann der Feminismus oder eine Feministin, die eine menschlichere Betrachtung der Geschlechterverhältnisse will, in der Tat nur, wenn sie neben abstrakten Gruppen, von denen nur eine Macht haben darf, auf eine individuellere Sichtweise umgestellt wird, die berücksichtigt, dass gewisse Unterschiede nur im Schnitt bestehen.

 

„Dabei ist doch völlig klar, was Männer wollen: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten und die Chance, sich im fairen Wettbewerb zu behaupten“

Gerade noch einen Kommentar von Neuer Peter gefunden, den ich ganz interessant finde:

Bäuerlein sagt:

“Mir tun die Männer leid, weil sie bislang keine echte Männerbewegung hatten. Und offenbar glauben, das bräuchten sie nicht. Es gibt zwar ein paar Gruppen, die sich zu Wort melden, aber das ist ein wütender Protest, der nicht viel bewirkt. Es geht selten darum, was Männer wirklich wollen”

Das ist ja auch einer von Robins Gemeinplätzen.

Dabei ist doch völlig klar, was Männer wollen: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Ein Ende der geschlechtsbezogenen formalen Ungleichbehandlung zulasten von Männern und ein Ende der ewigen Dämonisierung männlicher Sexualität.

Es gibt keine männliche Sistahood, keine Kollektivinteressen der Gruppe der Männer, die über die Herstellung von Chancengleichheit hinaus gingen. Weil Männer human doings sind, sein müssen, und sich für ihre Identitätsbildung nicht lediglich auf ihr Mannsein berufen können.

Warum ist das so schwer zu verstehen?

Aber manch weiblicher Beobachter der Männerrechtsszene scheint zu glauben, dass Männerinteressen erst dann vernünftig artikuliert sind, wenn auch diese nun nach Extrawürsten und Alimenten aus den Fördertöpfchen schreien. Dass Männer lediglich die Chance wollen, sich im fairen Wettbewerb zu behaupten, das ist für solche Leute anscheinend undenkbar. Warum nicht einfach Männer mitfördern, denkt die männerfreundliche Frau von heute. Weil Geld für sie auf den Bäumen wächst.

Das finde ich einen interessanten Ansatz. Männer wollen so gesehen in Ruhe gelassen werden, was zum einen das Rekrutierungsproblem des Maskulismus erklären könnte und zum anderen eben keine Förderung, sondern nur keine Einschränkungen, was erklärt, warum vieles in der Männerrechtsbewegung eben ein Kampf gegen solche Einschränkungen ist, also eine Form des Antifeminismus ist.

Männer stehen in (intrasexueller) Konkurrenz und finden es okay, wenn man sich da durchsetzt. Sie wollen kein Extrawürstchen, sondern eben nicht, dass man in diesen Wettbewerb unfair eingreift, etwa durch Quoten oder den unberechtigten Vorwurf, dass man Frauen einfach nur aus Sexismus diskriminiert, weil man die Konkurrenz scheut oder kleinhalten will, während eigentlich Frauen sich in weit geringerer Zahl überhaupt dem Wettbewerb stellen. Viele Männer hätten denke ich kein Problem, die Frauen „in den Ring“ zu lassen, nur müssen sie dann eben dort auch nach den gleichen Regeln kämpfen und sich dort mit Arbeit durchsetzen. Das ist der Grund, warum wir vieles am Feminismus ungerecht finden.

Beschäftigt sich Anne Wizorek mit männerfeindlichen Sexismus?

Feministinnen, wohl Tugendfurie, wollten zusammenfassen, wie Schlecht und Böse und überhaupt Erzählmirnix ist, was aber grandios nach hinten losging, die Hetze wurde statt dessen von Fefe kritisch aufgegriffen, der anscheinend auch begeistert von Erzählmirnix war und dies erhöhte die Tageszugriffe bei Erzählmirnix auf Zugriffswerte, die bei mir in einem Monat auftreten. 

In die feministische Liste war als Beleg für die Schlechtigkeit und Feminismusfeindlichkeit von Erzählmirnix auch der Punkt „Behauptung von Sexismus gegen Männer“ aufgenommen worden, was eigentlich alles über zumindest diese Form des Feminismus sagt: Die Behauptung, dass es Sexismus auch gegen Männer geben könnte ist dort bereits Rechtfertigungsgrund für ein Sperren. Als (männlicher) Feminist würde ich darüber mal nachdenken.

In dem Artikel bei Erzählmirnix wurde dann in den Kommentaren gefragt, woher man denn die Auffassung nehme, dass es eine allgemeine Position im Feminismus sei, dass es keinen Sexismus geben Männer geben könne.

Leszek dazu:

In Anne Wizoreks Buch “Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von Heute” heißt es dazu z.B.:

“Ein weißer heterosexueller Mann zu sein, bedeutet nicht, dass du niemals Schwierigkeiten hattest oder haben wirst oder dass du niemals in eine Notlage geraten kannst. Wir müssen sicher nicht darüber reden, dass es auch weißen heterosexuellen Männern beschissen gehen kann. Aber: jetzt kommt das aber! Auch wenn du als weißer, heterosexueller Mann mit Schwierigkeiten zu kämpfen hast, so sind deine Hautfarbe, dein Geschlecht oder deine sexuelle Orientierung nicht der Auslöser dafür. (Nein, freier Eintritt für Frauen in der Disco zählt nicht als Diskriminierung.) Insofern bist du privilegiert.”

(aus: Anne Wizorek – Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von Heute, Fischer, 2014, S. 298)

Männer können in dieser Sichtweise eben nicht aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden.

Ein Unterkapitel trägt sogar den Titel “Setz dich mit deiner eigenen Schuld auseinander” (Anne Wizorek – Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von Heute, Fischer, 2014, S. 295 f.). Diese Aufforderung richtet sich natürlich an Männer. Anne Wizorek hat für diese folgenden Rat, wenn sie gute “Allies” werden wollen:

“Ja, Schuld klingt nicht schön und irgendwie schlimm. Aber verbündete Männer müssen – ebenso wie sie Sexismus als bestehendes Problem anerkennen – verstehen, dass sie davon profitieren, dass wir in einer sexistischen Gesellschaft leben. Männer sind keine schlechten Menschen, aber wir haben eine Kultur um sie herum geschaffen, in denen die Bedürfnisse von Frauen weniger berücksichtigt werden, gar keine Rolle spielen und ja, die Frauen auch schonmal richtig hasst.
Aber, aber, aber….Du hast doch gar nichts gemacht! Du hast dir das ja nicht ausgesucht! Und du bist auch immer nett zu allen Frauen um dich herum!
Das mag ja sein, aber Sexismus verschafft auch dir Vorteile.”

(Anne Wizorek – Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von Heute, Fischer, 2014, S. 295 f.)

Sexistische Diskriminierungen von denen Jungen und Männer betroffen sind

http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

können in der gender-feministischen Auffassung also nicht anerkannt werden, weil ihre theoretische Grundstruktur das nicht zulässt. Stattdessen wird von Männern erwartet sich kritiklos den gender-feministischen Vorgaben unterzuordnen, über ihre angeblichen Privilegien zu reflektieren und sich mit ihrer angeblichen Schuld auseinanderzusetzen.

Onyx erwidert darauf:

Ach Leszek, du lässt wiedermal die Hälfte der Wahrheit weg. Wie immer, wenn du gegen Wizorek wetterst und so tust, als sei sie der personifizierte Antichrist. Dabei schreibt sie noch so viel mehr. Schade, dass du das immer ignorierst.

ZB:

“Lasst uns also Fragen stellen. Zum Beispiel, warum Wut, Stärke, sexueller Notstand und vielleicht Fußballjubel die einzig legitimen Emotionen sind, die als männlich gelten? Wieso es deshalb so sein muß, dass Männern im wahrsten Sinne des Wortes ebenjene für ihre Gefühle fehlen und sie so oft unerkannt an Depressionen leiden? Wie wir den Teufelskreis aufheben können, in dem Jungen Gewalt vorgelebt bekommen und diese als Männer oft wiederum selbst als einzigen Ausdruck ihres Innersten weitergeben?” S.306

„Wir sind alle nicht fehlerfrei und werden deshalb auch alle immer mal wieder kleinen und großen Mist verzapfen. Der erste Schritt ist also einzusehen, dass das passieren wird. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern vorausichtlich sogar ziemlich oft. Das gilt übrigens für Feminist_Innen genauso wie für deren Verbündete. Wir sind halt alle nur Menschen.“ S.296/297

“Feminist_innen sind die optimistischsten Menschen, die ich kenne. Denn wir glauben daran, dass gesellschaftlicher Wandel möglich ist – weil er notwendig ist. Wir sehen Jungen und Männer als die intelligenten und gefühlvollen Wesen, die sie sind und glauben daran, dass diese erkennen können, dass Gleichberechtigung der gesamten Gesellschaft nützt Ganz im Gegensatz zum Patriarchat glauben wir daran, dass Männer keine ausschließlich von ihrem Sexualtrieb gesteuerten Wesen sind und das notwendige Mitgefühl besitzen, um alle Menschen mit Respekt zu behandeln. Schließlich gibt es auch schon verdammt viele, die genau das jeden Tag leben und wissen, dass eine Männlichkeit, die sich über die Herabsetzung von Frauen definiert, nichts wert ist”

“Die Journalistin und Bloggerin Antje Schrupp sieht das Problem an dieser Form des Gender-Marketings besonders darin, dass ‘es unter Männern noch keine Kultur dafür gibt, wie sie ihre Männlichkeit behalten können, ohne sich von allem als ‘weiblich’ Identifiziertem abgerenzen zu müssen’. Denn obwohl wir gesetzlich vielleicht schon die Gleichstellung erreicht haben, so ist in den Köpfen immer noch viel zu stark verankert, dass Mädchen und Frauen das schwache Geschlecht, und damit minderwertig sind. Jungs und Männer schlagen sich also auf die “schwache Seite”, wenn sie weiblich markierte Produkte, wie das Ü-Ei für Mädchen toll finden und haben wollen. Sie downgraden damit sich und ihre Männlichkeit, was natürlich in einer Gesellschaft, die Männlichkeit zur Norm macht, auf wenig bis gar kein Verständnis stößt. Allerdings zeigt sich daran auch sehr deutlich, was mit dem derzeitigen Männlichkeitsbild schief läuft: Wenn dieses nämlich schon durch ein bisschen Glitzer, Feen und Rosa bröckelt, kann es insgesamt nicht gerade sehr stabil sein. Mädchen können mittlerweile Hosen tragen und rumtoben, ohne sich Sprüche anhören zu müssen, Jungs kriegen fürs Röcke tragen und eine Vorliebe für Glitzereinhörner weiterhin sofort eins auf den Deckel. Dann lieber gleich wieder beide Rollen für Mädchen und Jungs in Beton gießen, damit niemand mehr auf komische Ideen kommt, nicht wahr?” S.75

“Da von Männern Stärke erwartet wird, und die Tatsache, dass sich ein Mann nicht gegen einen solchen Übergriff zur Wehr setzen konnte, als Schwäche gilt, macht es gerade für männliche Opfer sehr schwer, das Schweigen zu brechen, wenn ihnen sexualisierte Gewalt widerfahren ist.” S.114

“Zeitintensive Jobs, die sich kaum mit dem Privatleben vereinbaren lassen, sind allerdings für den Großteil der Menschen ein Problem, weshalb es beim Punkt Vereinbarkeit nun wahrhaftig nicht um ein “Frauenproblem” geht. Alles daran festzumachen, was Frauen angeblich nicht auf die Reihe kriegen, anstatt sich zu überlegen, warum das so ist, setzt einen falschen Schwerpunkt und vermittelt weiterhin, dass Männer sich damit nicht beschäftigen müssten. Dabei geht es auch hier wieder mal um ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das auch als ein solches wahrgenommen werden muß – denn es betrifft Mütter, Väter und einfach alle Arbeitenden, die neben dem Beruf auch ein Privatleben führen wollen” S.155

Sie beschäftigt sich also sehr wohl mit männerfeindlichem Sexismus und kritisiert die Umstände, unter denen er auftritt. Warum kannst du das nicht mal ein Stück weit anerkennen?

In einem weiteren Kommentar ergänzt Leszek noch:

Bei einem systematischen Vergleich ihrer Ansichten mit denen anderer Gender-Feministinnen finden sich keine signifikanten Unterschiede. Anne Wizorek ist ganz sicher keine liberale, marxistische oder anarchistische Feministin, sie ist auch keine esoterische Feministin, auch keine klassische Radikalfeministin, auch keine untheoretische Feministin usw. Es gibt nur eine feministische Strömung, mit der ihre Ansichten völlig übereinstimmen – den (vulgär-)postrukturalistischen Gender/Queer-Feminismus.

“unterstellst ihr gleichzeitig, alle Denkmuster der Gruppe zu teilen, in die Du sie eingeteilt hast”

In der Tat überrascht Anne Wizorek nicht gerade durch originelle und kreative Einfälle, sondern erzählt ziemlich genau das, was Gender-Feministinnen generell so erzählen und was man in der Szene hören will. Alles andere hätte natürlich auch einen Statusverlust für sie zur Folge.

“und nennst das dann wissenschaftliches Vorgehen?”

Ja.

“Wow, genau dasselbe Vorgehen wurde z. B. Hinrich Rosenbrock von eurer Seite bitter vorgeworfen.”

Rosenbrock hat linke und liberale Männerrechtler und ihre Unterströmungen mal eben komplett ignoriert (von Rechtsliberalen abgesehen) und hat die weltanschaulichen Grundlagen eines großen Teils der Männerrechtsbewegung sowie ihre Anliegen und Begründungen falsch dargestellt.

Ich gehe von den vorhandenen feministischen Strömungen und dem was sie wirklich vertreten aus, ihren Gemeinsamkeite und Unterschieden, wie sich diese in ihren Schriften und Verlautbarungen zeigen. Dabei interessieren mich insbesondere die theoretischen Grundstrukturen. Außerdem beurteile ich jede feministische Strömung und jedes feministischen Anliegen einzeln und aus einer ergebnisoffenen Haltung.

und DJadmoros führt zu Onyx Kommentar an:

Was bitteschön findest Du an dem folgenden von Dir zitierten Satz von Wizorek positiv?

»Wir sehen Jungen und Männer als die intelligenten und gefühlvollen Wesen, die sie sind und glauben daran, dass diese erkennen können, dass Gleichberechtigung der gesamten Gesellschaft nützt Ganz im Gegensatz zum Patriarchat glauben wir daran, dass Männer keine ausschließlich von ihrem Sexualtrieb gesteuerten Wesen sind und das notwendige Mitgefühl besitzen, um alle Menschen mit Respekt zu behandeln.«

Der erste Satzteil bis zum zweiten Komma ist noch nicht zu beanstanden – das Problem steckt in folgendem Stück: »… dass diese erkennen können, dass Gleichberechtigung der gesamten Gesellschaft nützt.« Warum sollten »Jungen und Männer« es denn *nicht* erkennen können? Warum bedarf das einer gesonderten Erwähnung? Warum schreibt sie nicht: »… dass Männer und Frauen erkennen können, dass …«? Das wäre nämlich eine humanistische Aussage, die sich optimistisch auf die Vernunftbegabung des *Menschen* bezieht.

Dass sie es so schreibt, wie sie es schreibt, impliziert ein Gefälle: dass Mädchen und Frauen den Nutzen von Gleichberechtigung erkennen, wird als gegeben vorausgesetzt. Implikation: sie *können* es nicht nur erkennen, sie *erkennen* es bereits. Männer dagegen verharren noch im Zustand der Potentialität: sie *können* es erkennen, aber werden es faktisch erst dann tun, wenn sie den Feminismus als ihren Heiland angenommen haben. Männer sind zwar heilsfähig, aber noch nicht erlöst. Für die Erlösung benötigen sie das Evangelium nach Wizorek.

Der nächste Satz bestätigt, dass es um ein solches Framing geht: »Ganz im Gegensatz zum Patriarchat glauben wir daran …« Welches Patriarchat? Ein Patriarchat existiert nur im Rahmen der feministischen Prämissen. Die moderne Gesellschaft ist keines und ist niemals eines gewesen. Wenn Wizorek damit die viktorianischen Geschlechterstereotypen meint, sollte sie einen besseren Begriff wählen, der zeigt, dass sie Geschichte über Klischees hinaus differenzieren kann. Aber darum geht es gar nicht: »Patriarchat« ist der Name, den der Feminismus dem menschlichen Sündenstand gibt, der im Gegensatz zur dem der Bibel im Wesen männlich ist, denn der Mann hat in der feministischen Geschichtstheologie den patriarchalen Sündenfall verschuldet.

Der nächste Satzteil: »… glauben wir daran, dass Männer keine ausschließlich von ihrem Sexualtrieb gesteuerten Wesen sind und das notwendige Mitgefühl besitzen, um alle Menschen mit Respekt zu behandeln« enthält genau dasselbe Gefälle wie der Satzteil über Gleichberechtigung. Es gibt nämlich »auch schon verdammt viele, die genau das jeden Tag leben«. Wieviele Frauen leben das eigentlich schon? Und leben es die Feministinnen? Ganz offensichtlich leben die Feministinnen es bereits *per definitionem*. So, wie Männer qua Männer nicht diskriminiert werden können, sind Feministinnen qua Feministinnen bereits im Zustand des Heils. Das sind die bereits Erlösten, zu denen diejenigen Männer, »die genau das jeden Tag leben« nun hinzustreben, während die anderen trotz ihrer prinzipiellen Menschlichkeit noch im Herzen verstockt sind.

Die erlösten Männer also »wissen, dass eine Männlichkeit, die sich über die Herabsetzung von Frauen definiert, nichts wert ist.« Aber wissen auch die Frauen und die Feministinnen, »dass eine Weiblichkeit, die sich über die Herabsetzung von Männern definiert, nichts wert ist«? Diese Frage stellt sich für Wizorek erst gar nicht. Es gehört zu ihren Prämissen, dass das der Fall ist, denn es ist mit dem besonderen Heilsstatus von Frau und Feministin bereits wesensmäßig verknüpft.

An solchen Sätzen von Wizorek kann man sehr schön sehen, wie sehr der Feminismus, den sie uns anpreist, eine religiöse Heilslehre ist. Wenn sie schreibt »Feminist_innen sind die optimistischsten Menschen, die ich kenne«, hätte sie auch schreiben können: »Feminist_innen sind die gläubigsten und frömmsten Menschen, die ich kenne.« Und mit dieser Heilslehre gehen Femimistinnen wie Wizorek blind durch die Welt – blind gegenüber der Täterschaft von Frauen, und doppelt blind gegenüber der ideologischen Täterschaft von Feministinnen.

Ich greife noch einen weiteren Satz auf: »Antje Schrupp sieht das Problem an dieser Form des Gender-Marketings besonders darin, dass ‘es unter Männern noch keine Kultur dafür gibt, wie sie ihre Männlichkeit behalten können, ohne sich von allem als ‘weiblich’ Identifiziertem abgerenzen zu müssen’.« Zunächst mal ist festzuhalten, dass es ein Alter gibt – die Pubertät – in dem für die Definition des eigenen Geschlechts die Abgrenzung vom anderen Geschlecht geradezu konstitutiv ist – für *beide* Geschlechter. *Beide* Geschlechter finden ihre Identität, indem sie das Nichtidentische ausgrenzen und abwerten. Mit wieviel bebendem »Igitt« in der Stimme viele Mädchen dieses Alters über Jungs reden, ist schon atemberaubend und steht der Inszenierung von männlicher Coolness und Abgebrühtheit der Jungs an Intensität in nichts nach. Dem Klischee, dass »Mädchen und Frauen das schwache Geschlecht, und damit minderwertig sind«, entspricht nämlich auf der anderen Seite das Klischee, dass Männer das rohe und vulgäre Geschlecht, und damit minderwertig sind. Dass Wizorek dieses Klischee zu einem »patriarchalen« Klischee erklärt, geht an der Realität vorbei: »Jungs kriegen fürs Röcke tragen und eine Vorliebe für Glitzereinhörner weiterhin sofort eins auf den Deckel.« In der Tat! Und zwar ebenso von den Jungs ihres Alters wie von den Mädchen ihres Alters.

Der »männerfeindliche Sexismus«, mit dem Wizorek sich also angeblich beschäftigt, ist somit stets nur ein solcher, der als Sexismus eines imaginären »Patriarchats«, aber niemals als Sexismus von Frauen oder Feministinnen auftritt, obwohl genau das heute seine typische institutionelle und publizistische Form ist. Mit dem Marsch der Frauenbewegung durch die Institutionen wurde zugleich der feministische Sexismus institutionalisiert, und genau dieser bleibt bei Wizorek axiomatisch ausgeblendet. Was daran positiv sein soll, erschließt sich mir nicht – auch Deine Zitate bieten im Wesentlichen denselben sexistischen Schrott wie die von Leszek zitierten Sätze.

Jazz Hands, Klatschen als Trigger und Schwule, die sich das Verhalten schwarzer Frauen aneignen

Ich hatte es seinerzeit gar nicht richtig verarbeitet, da es aber zum einen gerade noch mal erwähnt wurde und es im übrigen ja auch eine Anekdote ist, die den Irrsinn im Feminismus gut zeigt.

Die NUS ist die National Union of Students und diese hatte wie jedes Jahr auch 2015 eine Frauenkonferenz. Von dort gibt es zwei Meldungen, die ich interessant fand:

Zum einen zum Klatschen:

A U.K. student feminism conference is asking attendees to refrain from clapping and use “jazz hands” instead so as to not trigger anxiety in others.

The National Union of Students (NUS) Women’s Campaign announced the clapping “ban” at the West Midlands conference on Twitter Tuesday, shortly after receiving a request from the Oxford University Women’s Campaign.

“@nuswomcam please can we ask people to stop clapping but do feminist jazz hands? it’s triggering some peoples’ anxiety. thank you!” Oxford representatives wrote.

Ein Statement dazu war beispielsweise:

“Jazz hands are used throughout NUS in place of clapping as a way to show appreciation of someone’s point without interrupting or causing disturbance, as it can create anxiety,” said Nona Buckley-Irvine, general secretary at the London School of Economics Students’ Union. “I’m relatively new to this and it did feel odd at first, but once you’ve used jazz hands a couple of times it becomes a genuinely nice way to show solidarity with a point and it does add to creating a more inclusive atmosphere.”

Oder auch hier:

LSE SU women’s officer Gee Linford-Grayson added: ‚As someone who is new to the NUS conference culture it surprised me at first, but actually within a few rounds of jazz hands applause it began to make a lot of sense, as loud clapping and whooping can be intimidating and distracting when you’re speaking on stage.

‚Plus who doesn’t like jazz hands?!‘

The annual event decides the female issues for the NUS to campaign on, and elects the campaign’s representatives.

An NUS spokesperson said: ‚The request was made by some delegates attending the conference.

‚We strive to make NUS events accessible and enjoyable for all, so each request is considered.‘

„Whooping“ war auch nicht erwünscht, wohl auch, weil einige Menschen weder Whoopen nocht klatschen können und auch, weil es einigen Leuten Angst macht.

Wenn man ein schlechtes Bild von Frauen erzeugen will, dann muss man eigentlich nur in einem machohaften Tonfall solche Meldungen vortragen. „Ja, mal lieber nicht klatschen, wenn Frauen in der Nähe sind, das halten die nicht aus, da sind die zu zart für. Besser man richtet ihnen eine kleine Ecke ein, wo sie in Ruhe heulen können, vielleicht mit ein paar Katzenbabykindern und etwas Knete zum spielen, Tierbabybilder, da werden Frauen immer ruhig“

Die nächste Forderung dort betraf Intersektionalität und kulturelle Aneignung:

Weiße, Schwule Männer sollten aufhören, sich wie schwarze Frauen zu verhalten.

According to the NUS Women Conference document, Motion 512’s supporters believe that the “appropriation of Black women by white gay men is prevalent within the LGBT scene and community.” It states that this appropriation is found in the “emulation of the mannerisms, language (particularly AAVE- African American Vernacular English) and phrases that can be attributed to Black women.” Furthermore, the NUS Women’s Campaign motion supporters find it offensive when white gay men say they have an “inner black woman.” The motion claims that white gay men “benefit from both white privilege and male privilege.

Der Vorschlag lautete: 

Motion 512: Dear White Gay Men: Stop Appropriating Black Women
Submitted by: NUS LGBT Committee
Speech for: NUS LGBT Committee
Speech against: Free
Summation: NUS LGBT Committee
Conference Believes:
1. The appropriation of Black women by white gay men is prevalent within the LGBT scene and community.
2. This may be manifested in the emulation of the mannerisms, language (particularly AAVE- African American
Vernacular English) and phrases that can be attributed to Black women. White gay men may often assert that
they are “strong black women” or have an “inner black woman”.
3. White gay men are the dominant demographic within the LGBT community, and they benefit from both white
privilege and male privilege.
4. The appropriation of Black women by white gay men has been written about extensively. This quote is taken
from Sierra Mannie’s TIME piece entitled: “Dear white gays, stop stealing Black Female culture”:
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You are not a black woman, and you do not get to claim either blackness or womanhood. There is a clear line between appreciation and appropriation. I need some of you to cut it the hell out. Maybe, for some of you, it’s a presumed mutual appreciation for Beyoncé and weaves that has you thinking that I’m going to be amused by you approaching me in your best “Shanequa from around the way” voice. I don’t know. What I do know is that I don’t care how well you can quote Madea, who told you that your booty was getting bigger than hers, how cute you think it is to call yourself a strong black woman, who taught you to twerk, how funny you think it is to call yourself Quita or Keisha or for which black male you’ve been bottoming — you are not a black woman, and you do not get to claim either blackness or womanhood. It is not yours. It is not for you.”

Conference Further Believes:
1. This type of appropriation is unacceptable and must be addressed.
2. Low numbers of Black LGBT women delegates attend NUS LGBT conference. This can be attributed to many
factors, one of which may be the prevalent appropriation by white gay men, which may mean that delegates
do not feel comfortable or safe attending conference.
Conference Resolves:
1. To work to eradicate the appropriation of black women by white gay men.
2. To work in conjunction with NUS LGBT campaign to raise awareness of the issue, to call it out as unacceptable
behaviour and, where appropriate, to educate those who perpetuate this behaviour.

Schwarze schwule Männer dürfen also anscheinend immerhin „womanhood claimen“. Warum sie das dürfen ist mir ein Rätsel, aber schwarzen schwulen Männern ein entsprechendes Verhalten zu untersagen, das wäre vermutlich selbst dieser Konferenz zu offensichtlich falsch gewesen.

Immerhin dürfen sich ja auch weiße schwule Männer nach wie vor wie weiße Frauen verhalten.

 

Unterdrückungsolympiade

Nils Pickert zieht über indische Männerrechtler her. Er meint, sie würden sich mit den Frauen auf eine Unterdrückungsolympiade einlassen, die sie nicht gewinnen können:

„Wir können die Tatsache nicht verleugnen, dass Frauen mehr verwöhnt und geliebt werden, und zudem mehr Aufmerksamkeit bekommen“, heißt es da. Kein Wort davon, dass weibliche Föten in Indien statistisch häufiger abgetrieben werden oder Mädchen weniger zu essen bekommen als Jungen.

Kein Wort auch darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, als Frau oder Mädchen Opfer massiver sexualisierter Gewalt zu werden. Stattdessen Krokodilstränen darüber, dass zu einvernehmlichem Sex eben auch ihr Einvernehmen gehören muss und nicht nur seines. Ja genau! Bei dieser Form von Unterdrückungsolympiade sehen wir Männer ziemlich alt aus – schon allein deshalb, weil Frauen dabei in Gewichtsklassen antreten (müssen), in denen der durchschnittliche Heteromann gar nicht vorkommt.

Die Unterdrückungsolympiade macht dabei allerdings Pickert auf und das mit merkwürdigen Beispielen. Im indischen Text steht nichts davon, dass man dagegen ist, dass zu einvernehmlichen Sex auch ihr Einvernehmen gehört, es steht etwas darüber, dass Frauen häufig auf ein Podest gestellt werden und Männer als die schlechten dargestellt werden. Und es geht auch nicht um eine Unterdrückungsolympiade, sondern darum, dass man (auch) Männer nicht unterdrücken soll.

Der Gedanke der Unterdrückungsolympiade ist eigentlich nur ironisch zu gebrauchen, Pickert erkennt aber gar nicht, dass er hier in eine solche tatsächlich einsteigt und sie als Argument gebraucht. Selbst wenn Frauen mehr unterdrückt werden würden, warum sollte an dann nicht gleichzeitig die Diskriminierungen von Männern einstellen bzw überdenken, welche Punkte für diese ungerecht sein könnten?

Es macht wenig Sinn auf einer Unterdrückungsolympiade zu bestehen, selbst wenn Frauen sie gewinnen würden. Im Gegenteil, es würde nach wie vor zynisch bleiben. Und das gerade auch, weil die Rollen sich gegenseitig stützen.

Kritik an Intersektionalität

Dies ist ein Gastartikel von Maddes8cht. Der Artikel nimmt Bezug auf eine Diskussion mit einem anderen Kommentator, Lightyear2000, der feministische Positionen vertritt. 

Mein perönliches Problem und meine Hauptkritik am Konzept der Intersektionalität, so, wie sie überall beschrieben wird, liegt in der Annahme, dass Diskriminierungen hierarchisch angeordnet sind, und dass diese Hierarchie in einer bestimmten Gesellschaft gewissermaßen fest gegeben ist.

Mit pseudowissenschaftlichem Eifer arbeiten sich Leute daran ab, welche Kategorien in dieses Hierarchiesystem noch hineingehören, welche wichtiger und welche weniger wichtig sind, aber immer scheint dabei klar sein zu müssen, welche Seite die diskriminierte und welche die privilegierte ist.

Das Problem mit Dogmen ist meistens, dass das Dogma selbst gar nicht bewusst ist.

Es wird alles mögliche daraus abgeleitet, in Frage gestellt, umgeordnet. Allein das Dogma selbst nicht.
Es wird nicht deshalb nicht in Frage gestellt, weil das jemand verbietet, sondern weil man gar nicht mehr wahrnimmt, dass es in Frage gestellt werden könnte, dass es angreifbar ist.

Für Feministen scheint lediglich die Richtung angreifbar zu sein. Das sieht man übrigens wunderschön an LJ2k, er nimmt an, wir möchten Frauen die Position als Diskriminierte streitig machen und sie als die privilegierten betrachten. Dass man es auch so sehen könnte, dass es keine in allen Punkten eindeutig gültige Diskriminierungshierarchie gibt, und Frauen in bestimmten Dingen diskriminiert, in anderen aber privilegiert sein könnten, hat in der Intersektionalität keinen Platz.

Das Denken ist so stark von diesem Gedanken besetzt, dass es offenbar nur ein entweder – oder geben kann. Und damit ist der Gedanke unausweichlich, dass Männerrechtler an dieser Stelle die Polarität wohl umkehren wollen und sich selbst als die diskriminierteren sehen oder darstellen „wollen“.

LJ2k gibt zwar an, dass auch in seinem Weltbild Männer zu Opfern werden können – aber nur im Rahmen des intersektionalen Glaubensbildes:
Aufgrund der Diskriminierung durch andere Faktoren, wie Soziale Klasse, Hautfarbe, sexulelle Orientierung, Behinderung, etc.
Niemals aber ALS MANN.
Das erlaubt LJ2k, zu behaupten, dass er auch Männer als Opfer und Frauen als Täter sehen kann.
Es ändert nichts daran, dass in seinem Bild Männer IMMER das grundsätzliche Privileg als Mann haben und Frauen IMMER als Frau diskriminiert sind.

Der Gedanke, dass Männer ALS MÄNNER diskriminiert sein können wäre im Gedankengebäude der Intersektionalität gleichbedeutend damit, Frauen ihre originäre Diskriminierung ALS FRAU abzusprechen. In diesem System gibt es keinen Platz für die Vorstellung, dass in einer Kategorie von Diskriminierung die Diskriminierung Situationsabhängig mal in die eine, mal in die andere Richtungen wirken kann. Diskriminierung für die „privilegierte“ Position gibt es nur durch einen Anteil an einer anderen Diskriminierungskategorie.

Die ganze Vorstellung einer festen Hierarchie ist aber Quatsch.
Sie mag an gewissen Stellen halbwegs stimmen, aber nicht grundlegend.
Wer als Weißer in Harlem in einen Laden geht, kann dort durchaus als weißer diskriminiert werden. Wer als bekannter Hetero in eine Schwulenbar geht, kann erleben, dass er als Hetero diskriminiert wird.
Und wer als Mann unter Feminstinnen oder auch in einen Frauenzirkel gerät (z.B. als Vater unter Müttern auf dem Spielplatz) kann als Mann diskriminiert werden.
Dies alles sind keine Ausnahmen, denn auch die umgekehrte (in dem Fall also die „gewohnte“, vom Intersektionalismus als Norm behauptete ) Diskriminierung ist meist Situativ. Weil Diskriminierung an sich eine individuelle und situative Erfahrung ist.

Intersektionalität könnte ich erst akzeptieren, wenn dieses hierarchische Denken beendet wird.
Diskriminierungserfahrungen können immer in beide Richtungen wirken. Es mag Kategorien geben, in denen es eine deutliche Gewichtung gibt und eine Seite sehr deutlich diskriminiert wird, die andere dagegen nur in Ausnahmefällen.
Aber Möglich sind immer beide Richtungen. Selbst Schwerstbehinderte können sich zu einer Ingroup solidarisieren, innerhalb derer sie nichtbehinderte diskriminieren.
Es wäre wichtig, dass Intersektionalität diesen Umstand anerkennt, die eigentlich eine Binsenweisheit sein sollte.
Denn erst dann wäre sie auch offen für die Möglichkeit, dass in bestimmten Kategorien sogar recht gleichgewichtig in beide Richtungen Diskriminiert wird.
Oder sich das Gewicht in einer Diskriminierungskategorie langsam verschiebt.
Oder am erstaunlichsten: Zu erreichen, dass Diskriminierung langsam verschwinden und sich auflösen kann.
Denn bei aller emotionaler Kampfrethorik im angeblichen Kampf „gegen“ Diskriminierung scheint genau das innerhalb des Gedankengebäudes „Intersektionalität“ gar nicht möglich zu sein.

Ich kann mir vorstellen, dass vieles von der vehementen Abwehr und Aggressivität der Feministinnen von dieser absurden Hierarchisierungsfantasie des Intersektionalismus herrührt. Viele der Unterstellungen gegen alles aus der modernen Männerbewegung hat in diesem Denken ihre logische Wurzel.
Es gibt da keine Grautöne. Die Illusion von „Differenziertheit“ wird allein durch eine Vielzahl von Diskriminierungskategorien erzeugt. In sich ist die Hierarchie jedoch starr. Die Idee, dass jemand in einer Kategorie in der Position des angeblich „privilegierten“ Diskriminierungserfahrung geltend machen will ist immer gleichbedeutend mit einem Angriff auf die Hierarchie, denn die einzig mögliche Sichtweise im Intersektionalismus ist ja, dass die Hierarchie dann anders herum sein müsste.
Sehr schön zu beobachten ist das regelmäßig an den Unterstellungen gegen Männerrechtler, genau das zu betreiben. Es wird dann behauptet, für Männerrechtler seien „immer die Männer Opfer und die Frauen immer Täter“, also eine Umkehrung dessen, was Feministen behaupten.

Interessanterweise „fordert“ Intersektionalismus zwar für alle Kategorien Gleichberechtigung oder Gleichstellung ein, doch im Grunde ist das Konzept einer erreichten „Gleichberechtigung“ mit der hierarchischen Intersektionalität unvereinbar: Die Hierarchie selbst kann nicht angezweifelt werden, und innerhalb der Hierarche gibt es immer eine klare Zuordnung in privilegierte und diskriminierte.

Das ist praktisch, denn so kann „Gleichberechtigung“ immer nur gefordert, Theorieimmanent jedoch niemals erreicht werden. Ein perfekter Selbstläufer.

Ich finde es bedeutsam, darauf hinzuweisen, dass dabei eine Gleichberechtigung nicht einfach deshalb nie erreicht wird, weil Feminismus „nie genug“ bekommt. Eine Gleichberechtigung kann nicht erreicht werden, weil die Theorie es nicht erlaubt.
Gemäß der Theorie besteht eine 100% einseitige Diskriminierung, solange die Kategorie überhaupt besteht. Da möglicherweise die Auswirkungen der Diskriminierung subtil sind (und subtiler werden, je mehr dagegen angekämpft wird…), muss man eben danach suchen. Und wenn man nach „Diskrimnierungen“ sucht, kann man eigentlich immer was finden, was man so sehen möchte.
Intersektionalismus liefert also die Begründung dafür, immer neue Diskriminierungsformen suchen und finden (oder besser „erfinden“) zu müssen.

Intersektionalität errichtet dabei ein moralisches Kastensystem mit einer nur scheinbar umgekehrten hierarchischen Pyramide.
Angeblich soll der weiße heterosexuelle Mann an der privilegierten Spitze dieser Pyramide stehen.
Betrachtet man jedoch die Zahlenverhältnisse, so ist leicht zu sehen, dass jede weitere Diskriminierungsebene die Anzahl der Betroffenen einschränkt.
Die angebliche „Spitze“ der Hierarchie wird, weil unverdient privilegiert, als der Moralische Abschaum dargestellt.
Die moralische „Königsklasse“, die super-diskriminierte, ist die schwarze, lesbische, dicke, alte und (idealerweise mehrfach, mindestens physisch und psychisch) behinderte Frau.
Sie ist Zahlenmäßig deutlich kleiner als andere Klassen in diesem System, wie zum Beispiel Schwule Männer.
Wie in allen Kastensystemen ist der „Bodensatz“ die Zahlenmäßig größte Gruppe: Die WHM. Die moralische Überlegenheit erlaubt den höheren Kategorien, auf sie herabzusehen und sie zu beschimpfen. Die angemessene Reaktion der Pariahs ist die Demutsgeste, mit der die eigene moralische Unterordnung dokumentiert wird. Die Verneigung vor dem Feminismus und der Überlegenheit der Frau. Wer vom Bodensatz diese Demutssgeste nicht leistet, wird bestraft.

Intersektionalität ist keine „differenzierte“ Sichtweise, wie sie gerne für sich in Anspruch nimmt. Intersektionalität ist schwarz/weiß denken in Reinform. Die Kategorisierung von schwarz/weiß denken. Eine pseudowissenschaftliche Implementierung eines moralischen Kastensystems.

Das absolute Gegenteil von „differenzierter“ Denkweise.

Frauen wie Männer behandeln und das Wegfallen von Privilegien

Teardown verweist darauf, dass Frauen gleichzeitig alte Privilegien behalten wollen aber dennoch nicht wie Männer behandelt werden wollen:

Wir haben eigentlich eine ganze Menge an gesellschaftlicher Stammes-Codes bezüglich Frauen:

Nicht (zurück)schlagen.
Nicht anfassen.
Nicht anstarren.
Tür aufhalten, Mantel ect.
Auf Getränke/Speisen einladen
Von schwerer Arbeit fern halten.
Beschützen/zuerst retten in Gefahrensitutationen
u.v.m.

War für mein Dafürhalten immer ganz angenehm für die Damen. Jetzt aber, mit dieser Gleichberechtigungskampagne und dem “Männer und Frauen sind gleich” erodiert das natürlich, weil Männer anfangen Frauen wie Männer zu behandeln (also gleich!).

Und schon ists wieder nicht richtig für die Damen, denn SO war das natürlich nicht geplant. Die positiven Verhaltensweisen sollten die “Gentlemen” natürlich beibehalten, die negativen Verhaltensweisen zB. “Catcallen” sollten die Herren ablegen.

Viele unserer heutigen Probleme ergeben sich aus diesem Mismatch den Frauen gezogen haben. Sie haben einfach erwartet, dass sie die Spielregeln zu ihren Gunsten ändern können, und die trottligen Männer einfach so weiterspielen, sich einfach dem Neuen nicht anpassen. Was für eine Fehleinschätzung!

Und da Frauen (Zumindest aber die Frauenbewegten!) von ihrer geborenen Höherwertigkeit überzeugt sind, imaginieren sie die “Missachtung” ihrer als natürlich empfundenen Anspruchshaltung als Diskriminierung, als Benachteiligung.

“Was soll das heißen Chef, ich muss hier hart arbeiten? So war das in Schule/Uni nie!” “Wie du bezahlst nicht? Sonst wäre ich mit dir gar nicht hierher gegangen!”

Frau will halt mal wieder alles, sie hat es sich verdient. Und Männer diskutieren nicht nur in OnlineForen, sondern auf allen Ebenen unserer Gesellschaft, über eine “gerechtere Welt” in der man es doch irgendwie Frauen recht machen könnte, sie irgendwann endlich zufrieden ist.

Das wird jedoch nie so sein.

Ich glaube auch, dass die meisten Frauen nicht in allen Punkten gleich behandelt werden wollen, weil sie eben Frauen sind und sich auch als anders wahrnehmen. Üblicherweise fordern Frauen eher mehr Rücksichtsnahme und Anpassung von Männern, was Ton und Verhalten angeht, als umgekehrt Männer von Frauen.

„ich darf das ich bin eine Frau“ und „was nimmst du dir da heraus, ich bin eine Frau“ gibt es insofern durchaus. Andererseits ist das nicht per se ein Widerspruch: Bestimmtes Verhalten kann man einfordern, weil es gesellschaftlich akzeptiert ist, bei anderen Verhalten kann man ein Unterlassen verlangen, einfach weil man es nicht möchte, auch wenn andere nichts dagegen haben. Beides muss auch im Zusammenspiel nicht per se ein Widerspruch sein.

Es kann aber in der Tat als Rosinenpicken erscheinen, wenn man auf der einen Seite als gleichwertig und gleichbelastbar wahrgenommen werden möchte und auf der anderen Seite Rücksichtnahme einfordert. Oder wenn man etwas unberechtigt verlangt, was anderen nicht zu gewähren wäre.

Allerdings sollte man auch bedenken, dass ein Teil der unterschiedlichen Wahrnehmung daraus resultiert, dass die Frauen in verschiedenen Situationen verschiedenes wollen. Es kann auch vollkommen okay sein, wenn man von einem Geschäftspartner anders behandelt werden will als von einem romantischen Partner. Wenn man von dem einen als gleichberechtigt wahrgenommen werden will, während man von den anderen ein männlicheres, dominanteres, aktiveres Verhalten wünscht. Denn einmal geht es um sexuelle Aspekte und in dem anderen Fall um eine Geschäftsbeziehung.