Die Pille, Partnerwahl und Beziehungen

Die Pille simuliert im Endeffekt eine Schwangerschaft und nutzt die dabei bestehenden Mechanismen zur Verhütung aus. Das hat interessante Auswirkungen auf die Partnerwahl:

Hormonal variation over the menstrual cycle alters women’s preferences for phenotypic indicators of men’s genetic or parental quality. Hormonal contraceptives suppress these shifts, inducing different mate preference patterns among users and non-users. This raises the possibility that women using oral contraception (OC) choose different partners than they would do otherwise but, to date, we know neither whether these laboratory-measured effects are sufficient to exert real-world consequences, nor what these consequences would be. Here, we test for differences in relationship quality and survival between women who were using or not using OC when they chose the partner who fathered their first child. Women who used OC scored lower on measures of sexual satisfaction and partner attraction, experienced increasing sexual dissatisfaction during the relationship, and were more likely to be the one to initiate an eventual separation if it occurred.However, the same women were more satisfied with their partner’s paternal provision, and thus had longer relationships and were less likely to separate. These effects are congruent with evolutionary predictions based on cyclical preference shifts. Our results demonstrate that widespread use of hormonal contraception may contribute to relationship outcome, with implications for human reproductive behaviour, family cohesion and quality of life.

Quelle: Relationship satisfaction and outcome in women who meet their partner while using oral contraception

Die Idee ist, dass die Pille die Partnerwahl beeinflusst.

  • mit Pille erfolgte eine Auswahl des Partners insbesondere nach den Kriterien, die für eine Schwangere interessant sind, also im wesentlichen der liebe Versorger, der auf eine Langzeitbeziehung aus ist.
  • ohne Pille hingegen spielte sexuelle Attraktivität eine größere Rolle
Demnach hatten Frauen, die beim Kennenlernen bereits die Pille nahmen längere Beziehungen, aber weil die Auswahl weniger auf sexuelle Attraktivität ausgerichtet war, war der Sex schlechter.

„Frauen, die ihren Partner während der Pilleneinnahme aussuchten, hatten im Schnitt zwei Jahre längere Beziehungen und trennten sich weniger schnell“, sagte Forschungsleiter Craig Roberts. Das könnte nach seinen Erkenntnissen damit zusammenhängen, dass Frauen, die die Pille einnehmen, sich ähnlich verhalten, wie ihre Geschlechtsgenossinnen ohne Empfängnisverhütung an unfruchtbaren Tagen.

In dieser Zeit finden Frauen eher Männer sexy, die fürsorglich und vertrauenswürdig sind.

Oder noch einmal hier:

Women on the pill when they met their partner were significantly less sexually satisfied, but reported higher levels of general satisfaction in the relationship, such as financial support and partner loyalty. They were also more likely to stay together.

During fertile cycle phases, women seek out traits such as masculine faces, which are associated with good genes but also infidelity. Because women on the pill don’t have such hormone shifts they may be more sensitive to traits which lead to longer relationships, says Roberts.

Also kurz gefasst: Ohne Pille werden Machos interessanter (maskuline Gesichter heißen ja auch nichts anderes als hoher Testosteronspiegel), mit Pille werden Betas interessanter, mit denen macht aber der Sex nicht so viel Spass, weil sie nicht so anziehend sind.
Allerdings sind die Studien zur Pillennutzung und Sex auch recht unterschiedlich:

COCPs may increase natural vaginal lubrication.[91] Other women experience reductions in libido while on the pill, or decreased lubrication.[91][92] Some researchers question a causal link between COCP use and decreased libido;[93] a 2007 study of 1700 women found COCP users experienced no change in sexual satisfaction.[94] A 2005 laboratory study of genital arousal tested fourteen women before and after they began taking COCPs. The study found that women experienced a significantly wider range of arousal responses after beginning pill use; decreases and increases in measures of arousal were equally common.[95]

A 2006 study of 124 pre-menopausal women measured sex hormone binding globulin (SHBG), including before and after discontinuation of the oral contraceptive Pill. Women continuing use of oral contraceptives had SHBG levels four times higher than those who never used it, and levels remained elevated even in the group that had discontinued its use.[96] Theoretically, an increase in SHBG may be a physiologic response to increased hormone levels, but may decrease the free levels of other hormones, such as androgens, because of the unspecificity of its sex hormone binding.

Alles im allen also eine sehr ungenaue Lage. Auch nach meiner Erfahrung müssen die meisten Frauen erst die für sie passende Pille finden.

Die Effekte zur Partnerwahl allerdings sprechen dagegen, dass unser Begehren rein gesellschaftlich konstruiert ist. Sie sprechen vielmehr für eine biologische Grundlage.

Postmoderne Wissenschaft, Orgasmusfähigkeit oder „wie atmet man ohne eine Wort für Sauerstoff?“

Frans de Waal beschreibt in seinem Buch „Der Affe in uns“ ein Zusammentreffen mit Postmodernisten, einer Philosophie, die auch dem Genderfeminismus zugrungeliegt. Dabei ging es zuvor um die Orgasmusfähigkeit von Tieren, insbesondere Menschenaffen und dort insbesondere auch Bonobos, die ja Sex sehr sozial einsetzen und daran viel Spass zu haben scheinen.

Eine der merkwürdigsten akademischen Veranstaltungen, die ich je besuchte, drehte sich um das Thema Sex. Sie war von postmodernen Anthropologen organisiert, die glauben, die Realität bestünde aus Worten, und sei nicht von dem zu trennen, was wir einander erzählen. Ich gehörte zu der Handvoll Naturwissenschaftler bei der Konferenz, und per Definition vertrauen Naturwissenschaftler Fakten mehr als Worten. Es war abzusehen, dass dieses Treffen nicht gut verlaufen würde. Einen Höhepunkt erreichte die Versammlung, als einer der Postmodernen behauptete, wenn es einer menschlichen Sparache an einem Wort für „Ordgasmus“ mangele, könnten die Menschen, die diese Sprache sprächen, keinen sexuellen Höhepunkt erleben. Die Naturwissenschaftler waren sprachlos. Überall auf der Welt haben die Menschen dieselben Genitalien und dieselbe Physiologie, wie könnten also ihre Empfindungen radikal verschieden sein? Und was würde uns dies über andere Tiere lehren? Würde dies nicht implizieren, dass sie nichts empfinden? Die Vorstellung, dass sexuelle Lust eine linguistische Errungenschaft sei, regte uns so auf, dass wir uns kleine Zettel zuschoben mit gehässigen Fragen wie etwa: „Können Menschen ohne ein Wort für „Sauerstoff “ eigentlich atmen?

Und mit dieser Kritik hat er denke ich vollkommen recht. Der Gedanke, dass Sprache allein die Realtität ändert und Fakten schafft, dass die Biologie lediglich der Sprache folgt und Diskurse alles bestimmen, ist aus meiner Sicht so abstrus, dass es erstaunlich ist, dass diese Gedankenrichtungen so viele Anhänger um sich scharen können.

Es liegt denke ich daran, dass die Grundlagen zu wenig hinterfragt werdenund zu schnell bei den Gegenmeinungen auf eine Strohmannbiologie abgestellt wird, die man dann damit entkräften kann. Und natürlich sind im Geschlechterverhältnis die biologischen Unterschiede etwas schwerer zu erkennen als bei der Frage, ob ein Mensch, der kein Wort für Sauerstoff hat, atmen kann. Andererseits ist das Wissen in den Grundlagen auch nicht so kompliziert, dass man es, wenn man sich für das Thema „Geschlechtsunterschiede – wodurch entstehen sie?“ sich nicht kurz in den Grundlagen anlesen kann.

Dass der Diskurs keine Fakten hervorbringt oder ändert, sondern allenfalls die Wahrnehmung dieser verschiebt, hatte ich ja bereits in meiner Besprechung von „Making Sex revisited“ dargestellt. Der Poststrukturalismus wertet die Sprache hier zu sehr auf.

Die Menschenaffen sind auch ein Gegenargument, zu dem es bisher an postmoderner Erwiderung fehlt. Sie haben Geschlechterrollen je nach Art, sie haben Hierarchien und Strukturen, sie haben zB bei den Schimpansen Kriege, Machtspiele, Intrigen, Mord und Vergewaltigung ohne eine Sprache zu haben. Sie haben auch sehr eigene Rollen je nach ihrere Biologie, ein Schimpanse ist kein Gorilla und ein Bonobo verhält sich anders als ein Schimpanse. Aber das menschenähnliche ihres Verhaltens und der Umstand, dass sie zu einem komplexen Denken in der Lage sind zeigt auch ihre Nähe zu uns.

Haben Schimpansen eine hegemoniale Männlichkeit oder eine Phallokratie, die ihre Geschlechterrollen stützt? Wie bauen Tiere überhaupt ihre Geschlechterrollen aus und warum soll dieser Mechanismus bei Menschen nicht mehr wirken und keine Spuren hinterlassen haben? Wir befinden uns mit unseren Geschlechterrollen so ziemlich genau dort, wo ein Biologe uns aufgrund unser biologischen Begebenheiten erwarten würde und stellen insofern keine Überraschung da, wir fügen uns vielmehr sehr gut in die Gruppe der Primaten ein. Aber bei uns besteht keinerlei biologischer Hintergrund, auch wenn die Kultur ziemlich genau das imitiert, was man von eienr Biologie erwarten würde.

Wie schon bei den Attraktivitätsmerkmalen angemerkt kann eine Theorie, die auf die Kultur abstellt die folgenden zwei Fragen nicht beantworten:

  • Warum finden wir bestimmte Verhaltensweisen bei den Primaten, die stark den menschlichen ähneln ohne den gleichen Kulturüberbau zu haben?
  • Wie erklären sich, wenn man auf die Tiere biologische Prinzipien anwendet, auf den Menschen aber rein kulturelle, die evolutionären Übergänge, also wann und wie hörte die Biologie auf zu wirken?

Wille zur Macht, Diskurshoheit und Feminismus

Einen interessanten Kommentar dazu, warum im Genderfeminismus Diskussionen über die Grundlagen von feministischen Theorien und biologische Gegenthesen nicht gewünscht sind, hat Peter abgegeben:

Für den Radikalkonstruktivisten gibt es kein wahr oder falsch. Der „Wille zur Macht“ ist letztendlich entscheidend, die Diskurs- und Definitionsmacht zu erlangen ist alles. Wer dies erreicht hat, der bestimmt, was als wahr und was als falsch zu gelten hat, der konstituiert die Wirklichkeit und die Wahrheit

Folgerichtig ist für den RK die top down Implementierung von Wahrheit der Königsweg, nicht die argumentative Auseinandersetzung und Überzeugung des Individuums von der Legitimität der eigenen Interessen, denn alles ist Diskurs- und Definitionsmacht.

Die Erklärung erscheint mir innerhalb des Feminismus durchaus schlüssig. Wenn es darum geht, die Wirklichkeit zu konstruieren, dann hindern Gegenargumente nur daran. Zumal eine Diskussion auch müssig ist, wenn es – wie bei einer konstruierten Wirklichkeit – eh keine Fakten gibt. Die Biologie kann dann nur als konstruierte Gegenwirklichkeit wahrgenommen werden, die der eigenen gegenüber steht.

Dagegen spricht natürlich, dass es sehr wohl Faken gibt, und nicht nur einen Diskurs. Der Mond ist eben nicht der Hintern einer dicken Frau so oft man dies auch im Diskurs behauptet

Rechtsstaat und Vergewaltigung: Warum Udo Vetter und Nadine Lantzsch evtl an einander vorbeireden

Eine immer wieder aktuelle Debatte innehalb der Geschlechterdiskussion ist die Frage, wie man Vergewaltigungen verhindern kann. Für diese Diskussion scheint es zwei Ansätze zu geben.

1. Vergewaltigung als Einzeltat

Die eine Position sieht eine Vergewaltigung als Einzeltat eines Menschen an, der sich damit erkennbar gegen die sozialen Regeln stellt und in dem Wissen handelt, eine Unrechtstat zu begehen. Die Abschreckung erfolgt dadurch, dass die Vergewaltigung mit empfindlichen Strafen belegt ist. Es wird also der selbe Abschreckungsmechanismus verwendet, der auch ansonsten Menschen innerhalb der Gesellschaft von Unrechtstaten abhalten soll. Da die Tat ein Verstoß gegen die vorgegebenen gesellschaftlichen Normen darstellt muss lediglich dieser Verstoß geandet werden. Es finden dabei bei der Überprüfung dieses Verstoßes bestimmte Grundsätze Anwendung, die sowohl einem Mißbrauch der Staatsgewalt gegenüber dem Bürger vorbeugen als auch einem mittelbaren Mißbrauch der Staatsgewalt durch den Bürger über eine Falschanzeige. Aus dieser Betrachtungsweise heraus kann es sinnvoll sein, potentiellen Opfern zu einem Verhalten zu raten, dass sie vor Tätern, die die gesellschaftlichen Normen übertreten, schützt.

2. Vergewaltigung als Machtinstrument

Die zweite Auffassung folgt poststrukturalistischen Ansätzen und ordnet die Vergewaltigung in einen Machtkampf zwischen den Gruppen Mann und Frau ein. Dabei ist die Vergewaltigung ein Mittel der Gruppe Mann um Macht über die Gruppe Frau zu erlangen. Dazu errichtet sie eine Kultur, aus der heraus der Einsatz dieser Machtmittel wahrscheinlicher erfolgt, eben indem die Sexualität der Gruppe Frau eingeschränkt wird und die Frau innerhalb dieser Machtgruppe als ein Objekt der sexuellen Befriedigung dargestellt wird. Aus diesen Sichtweisen heraus begeht der Täter dann die Vergewaltigung und setzt damit gleichzeitig genau das um, was die Gruppe Mann (oder deren Anführer im Sinne einer hegemonialen Männlichkeit) benötigt um sein Machtmittel aufrechtzuerhalten.

Der effektivste Weg zur Reduzierung oder gar Beseitigung von Vergewaltigungen ist damit eine gesellschaftliche Beeinflussung, die sich gegen die damit verbundenen Machtstrukturen richtet, also gegen hegemoniale Männlichkeit bzw. das Patriarchat oder die Phallokratie. Dazu ist es erforderlich das Machtmittel zu erkennen und als solches unwirksam zu machen. Dazu gehört dann eben auch, dass eine Vergewaltigung stets geandet wird, aber auch eine Umerziehung der potentiellen Täter, nämlich der Männer, indem sie Lernen die Strukturen, die die Vergewaltigungskultur bilden, effektiv und gerade auch bei sich selbst zu bekämpfen. Da die Vergewaltigung ein Machtmittel ist erscheint auch zugleich jede Maßnahme, die eine Nichtbestraftung eines Täters zur Folge hat, als weiteres Machtmittel zur Absicherung des anderen Machtmittels. Wenn das Rechtsstaatsprinzip also die Verurteilung von Vergewaltigern erschwert, dann muss er Teil des Machtapparats, also der Vergewaltigungskultur sein. Die Aufhebung dieses Prinzips für die Vergewaltigung verhindert in diesem Kontext andere Vergewaltigungen, weil es die Vergewaltigungskultur selbst bekämpft, die auf den Säulen „Erleichterung der Vergewaltigung durch Schaffen eines entsprechenden Klimas“ und „Nichtbestrafung der Vergewaltigung“ besteht. Im Rahmen der Gruppeninteressen der Frau kann das eh zu unrecht eingesetzte Machtmittel „Vergewaltigung“ eben nur durch eine Lockerung des Rechtsstaats bekämpft werden und dass dabei einzelne Falschbeschuldigte auf der Strecke bleiben ist irrelevant, weil die andere Seite bei Einsatz des Machtmittels „Vergewaltigung“ auch keine Rücksicht auf die Opfer nimmt.

Hinweise gegenüber dem Opfer, doch bitte vorsichtig zu sein, sind vergleichbar damit, jemanden, dessen Kopf man regelmäßig unter Wasser drückt den guten Hinweis zu geben, doch bitte zu lernen länger die Luft anzuhalten.

3. Abgrenzungen

Das ist dann letztendlich auch der Grund, warum die Diskutanten in der Debatte um den Rechtstaat aneinander vorbeireden.

Die juristisch geprägten Diskutaten auf der einen Seite kommen von der ersten Position:

Die feministisch geprägten Diskutanten auf der anderen Seite argumentierten (wenn auch in abgeschwächter Form) von der zweiten Position aus.

Nur vor diesem Hintergrund, ist das feministische Argument, dass der Rechstaat von Männern geschaffen wurde, nachvollziehbar. Es verweist eben gerade darauf, dass es ein Machtinstrument der Männer ist, dass auf den Fall Vergewaltigung bezogen die Gruppeninteressen der Frau nicht hinreichend berücksichtigt.

Das setzt allerdings eben voraus, dass man davon ausgeht, dass die Männer zunächst das bereits unfaire Konzept des Machtmittels der Vergewaltigung eingesetzt haben und die geforderte Ausnahme vom Rechtsstaatsprinzip nur die Antwort hierauf ist, die dann zwangsläufig als Konter notwendig ist.

Etwas anderes noch Antje Schrupp, die den männlichen Rechtsstaat ganz differenzfeministisch auf Männer zugeschnitten sieht.