„Ich bin nicht davor gefeit, der Versuchung zu erliegen, mich übertrieben feiern zu lassen. Einfach weil ich ein Mann bin“

Nils von Pinkstinks hat mal wieder einen wunderbaren Artikel geschrieben:

Er stellt erst dar, was sie für ein gutes Paar sind und das alles wunderbar ist, aber dann wirft leider etwas einen Schatten auf die Beziehung:

Sie leben in verschiedenen Welten

Denn in meiner Welt ist es zumeist vollkommen ausreichend, mit dem Selbstbewusstsein eines mittelmäßigen weißen Mannes aufzutreten.

In der Welt des Feminismus mag das durchaus so sein, denn mit mehr Selbstbewußtsein aufzutreten würde ja auch gleich zu Tadel führen.

Aber ernsthaft, er fügt gleich noch einen sexistischen Tweet dazu um seinen Punkt zu unterstreichen:

Der Tweet ist in so viele Richtungen sexistisch, dass es erstaunlich ist. Männer, will er wohl sagen, sind so privilegiert, dass sie einfach nicht mehr brauchen. Frauen könnten froh sein, wenn sie alles mit nur dem Selbstvertrauen eines mittelmäßigen Mannes angehen könnten, aber sie werden ja immer niedergemacht. Würde natürlich auch bedeuten, dass Männer eben viel selbstbewußter sind und damit auch weitaus eher für Führungspositionen etc geeignet. Es ist also genauso eine Frauenabwertung: Sie sind noch nicht einmal so selbstbewußt, wie ein durchschnittlicher Mann.

In ihrer Welt ist es viel zu häufig nicht einmal ausreichend, die professionellste, klügste, anpackendste, witzigste oder mitfühlendste Person im Raum zu sein, um Gehör und Beachtung zu finden. Ich erlebe immer wieder Situationen, in denen ich mich einfach nur informiert, selbstsicher, dreist oder tatkräftig geben muss, um das zu erreichen, was ich will. Ich brauche bei Fragen und Problemstellungen nicht lange zu überlegen – zu fast allem habe ich eine Meinung parat. Sie hingegen zieht oft klügere, sinnvollere Schlüsse als ich – ohne dass davon wirklich jemand Notiz nehmen würde.

Das ist eben der Effekt, wenn man einer radikalen Ideologie angehört, in der man meint Schlaues zu sagen, es aber tatsächlich gar nicht sagt. Soweit ich weiß ist seine Lebensgefährtin irgendwo Gleichstellungsbeauftragte, was auch etwas ganz anderes ist als Artikel darüber zu schreiben, wie schlecht Männer sind. Bei dem einen ist man häufiger Leuten im Weg, die einen für vollkommen überzogen finden, bei dem anderen lebt man in einer Filterblase, bei dem einem ähnlich radikale gratulieren, dass man ihre Ideologie teilt.

Während ich vor ein paar Jahren mit unserem Söhnchen ein bisschen im Rock durch die Altstadt spaziert bin, und viele Leute darum viel Aufhebens gemacht haben, hat sie im Gleichstellungsbereich gearbeitet und tagtäglich sehr verbohrten Herrschaften erklärt, wieso Geschlechtergerechtigkeit eine gute und lohnende Sache ist.

Vielleicht sollte sie dann schlicht auch in eine Filterblase ziehen, in dem man ihre Theorien teilt. Dass ist glücklicherweise noch nicht überall so.

Nun könnte man einwenden, dass das einfach unser Ding ist. Wir sind eben verschieden, introvertiert versus extrovertiert, Rocktragen bringt mehr Aufmerksamkeit und was nicht alles. Stimmt aber nicht. Es ist eine Geschlechterkiste. Wenn eine Kollegin mir erzählt, dass sie ein Bewerbungsgespräch mit einem leitenden Redakteur hatte, der die Füße auf den Tisch gepackt und sich über ihren Lebenslauf lustig gemacht hat, dann denke ich nicht mit Schrecken daran, dass mir das auch passieren könnte. Ich überlege, dass ich womöglich meine Füße dazugepackt und den Job genau deshalb bekommen hätte.

Und das wäre auch die bessere Lösung, weil souveräner.

Denn egal wie sehr ich mich um Gleichberechtigung bemühe: Ich bin nicht davor gefeit, der Versuchung zu erliegen, mich übertrieben feiern zu lassen. Einfach weil ich ein Mann bin.

Geil! „Ich komme leider so häufig in die Gelegenheit mich feiern zu lassen, es tut mir leid, dass mich das freut. Hat jemand meine Büßerpeitsche gesehen? Seht ihr wie eifrig ich sie benutze? Ich bin wirklich ein echter Feminist, ich lasse mich noch nicht einmal gerne feiern.“

Der obige Satz sagt eigentlich alles, was man über den Feminismus und Männer in diesem wissen muss.

Mich in einer ziemlich ekligen und ausgesprochen schwachen Sekunde besser zu fühlen als die Frau, die mir vier Kinder geboren hat, jeden Job rockt, in vielem professioneller ist als ich und die ich so sehr liebe.

„Habe ich schon gesagt, dass ich als Mann ein elendiger Wurm bin? Ich vergesse das aber leider ab und zu in wirklich ekelhaften, schwachen Stunden und dann fühle ich mich einfach wohl, obwohl ich ein Mann(!) bin“

 

Die für alle ein freundliches Wort hat und sich schon so lange mit meinen Macken abgibt. Das Ringen um Gleichberechtigung muss viel früher ansetzen als beim zähneknirschenden Anerkennen, dass Frauen über Jahrhunderte und Jahrtausende bis in die Gegenwart benachteiligt wurden und dass es Zeit ist, diesen Missstand zu beheben.

„Ich mag mein Leben, obwohl es auf der jahrhundertelangen Unterdrückung aller Frauen beruht! Was sind wir Männer doch widerlich! Aber wirklich: Ich werde Buße tun! Ich weiß, dass ich schlecht bin!“

Es muss damit beginnen, dass Männer sich eingestehen, wie sehr sie diesen Zustand genießen und von ihm profitieren. Es muss anfangen beim reflexartigen Übertünchen männlicher Unsicherheiten durch Überlegenheitsgebaren auf Kosten des anderen Geschlechts. Es muss sich mit der Frage beschäftigen, wieso Männer ganz allgemein die Leistungen von Frauen eher geringschätzen.

„Ich hingegen schätze die Leistungen von Männern als gering ein, wenn ich nicht gerade eine dieser schwachen Stunden habe (Ekelhaft!)“

Heldinnen täten uns ganz gut. Gerade uns Männern. Je länger wir uns einreden, dass es an ihnen mangelt, desto mehr übersehen wir die so zahlreich vorhandenen: Sportlerinnen, Politikerinnen, Aktivistinnen, Künstlerinnen. Oder eben naheliegender: Meine Lebenskomplizin. Jeden Tag wacht sie in einer Gesellschaft auf, die

ihr Aussehen kritisiert,
ihr Alter moniert
ihre Bedürfnisse ignoriert,
ihren Körper objektifiziert und
ihren Anspruch auf Teilhabe negiert.

Ja, Männer hingegen werden so mit Privilegien vollgestopft, dass sie kaum gehen können. Sie werden nie für ihr Aussehen kritisiert, wer hätte je gehört, dass „alte (weiße) Männer“ abgewertet werden? Oder das ihre Bedürfnisse ignoriert werden? Männer gehen stets vollbefriedigt durchs Leben, während es für Frauen keinerlei Luxus gibt. Gar keinen. Und wo dürfen Frauen schon mitmachen? Dürfen die etwa Studieren, was sie wollen und sind frei in einem Wettbewerb einzutreten, der mit Überstunden etc hart geführt wird? Natürlich nicht!

Sie erhebt sich und ist einfach großartig. Sie lässt sich dort nicht entmutigen, wo mir kein bisschen Mut abverlangt wird. Sie erkämpft sich Räume, in denen ich nur stattzufinden brauche. Sie besteht auf Dinge, die mir einfach zuerkannt werden. Sie ist meine Heldin.

Das ist schön für ihn. Es ist wunderbar, wenn die Beiden so glücklich sind.

Aber ich brauche diese Männerabwertung nicht und ich muss auch nicht künstlich Frauen zu Heldinnen machen.

Das ist keine Gleichberechtigung. Das ist ein Kult, in der der Mann der Sündenbock und die Frau die erlösende Göttin ist.

Stevie Schmiedel von Pinkstinks über Frauen, die sich in Fantasiewelten flüchten und das schreckliche Patriarchat

Pinkstinks hat mal wieder einen wunderbaren Text dazu geschrieben, wie schwer es Frauen haben:

Ich habe neuerdings ganz viel Verständnis und Liebe für Frauen, die Feminismus „nicht brauchen“. Warum? Dafür muss ich etwas ausholen und von meiner Ärztin erzählen. Bei der heulte ich neulich rum, dass mich die rund-um-die-Uhr-und-Wochenend-Arbeit bei Pinkstinks nach sechs Jahren ganz schön schlaucht.

Auch ein Klassiker: Ich arbeite so hart für unsere Sache, dass ich darüber krank werde.

Aber auch in anderer Hinsicht interessant: Sie arbeitet rund um die Uhr, um erfolgreich zu sein. Guckt man sich die Statistiken von Männern und Frauen an, dann findet man das im Schnitt wesentlich häufiger bei Männern. Die deswegen auch mehr verdienen als die Frauen. Sie könnte insofern den Gender Pay Gap eigentlich am eigenen Beispiel gut nachvollziehen, denn sie sieht ja, wie viel Zeit ein solches Projekt in Anspruch nehmen kann-

Anstatt, wie ich gehofft hatte, mich auf Kur zu schicken, schaute sie mich einfach nur schräg an: „Wissen Sie, Sie müssen nur ihre Einstellung ändern.“ „Ach ja?“, erwiderte ich gespannt. „Ja, Sie müssen es mehr wie der Dalai Lama machen. Der arbeitet auch rund um die Uhr, schläft nur fünf Stunden und ist topfit. Sie müssen die Arbeit annehmen, bejahen! Der Lama kämpft auch gegen Feinde, aber er ist gutmütig und entspannt dabei!“

Da raubt ihr die Ärztin einfach ihre schöne Opferrolle und erkennt es gar nicht an, wie hart sie gegen das Patriarchat kämpft, sondern fordert noch, dass ihr das Spass macht. So etwas aber auch.

Als ich, noch immer unter Schock, später Ariane davon erzählte, machte sie ihr von mir so geliebtes „Die-hat-wohl-nicht-alle!“-Gesicht. „Aber der Dalai Lama ist doch nicht 24/7 auf Social Media. Er führt keine Protestkampagnen sondern sein Job ist es, Liebe zu versprühen und zu meditieren. Die Diskriminierung von Frauen im tibetischen Buddhismus und seine eigene Privilegierung darin ist auch nicht wirklich sein Hauptthema. Er hört auch nicht alle paar Minuten, dass er dringend mal vernünftig durchgevögelt werden sollte. Ist jetzt die Botschaft, dass du jedem „Du F*tze!“-Kommentator mit Liebe begegnest und erleuchtet lächelst?

Richtig, was ist ein Tibetaufstand, bei dem 80.000 Tibetaner und seine Leibwache hingerichtet wurde und er über den Himalaya fliehen musste und das Leben im Exil verbringt schon dagegen als Feministin 24/7 auf Social Media zu sein?  Zweifellos hatte Dr. Stevie Meriel Schmiedel das schwierigere Leben.

Das kann ich schon deshalb nicht, weil es mich noch immer sauwütend macht, dass eine Horde Männer auf Facebook sofort meine und anderer Frauen Sexualität angreifen, wenn sie sich über unsere Forderungen aufregen. Egal, ob wir gegen §219a agieren oder in der deutschen Sprache sichtbar sein wollen, immer heißt es, wir hätten nicht genug Sex, wären zu hässlich und bekämen eh keinen ab.

ja, das sind die einzigen Vorwürfe die dort kommen. Nicht etwa inhaltliche Kritik, dass sie eine neue Prüderie betreiben wollen oder Sprache künstlich umwandeln wollen, von oben herab.

(Anderswo heißt es dann wieder, wir wären zu hübsch um zu protestieren, aber das kennt ihr ja.) Jedes Mal der Hieb unter die Gürtellinie, die Gewaltandrohung statt der Diskussion auf Niveau.

Ja, es ist immer die andere Seite die Diskussionen vermeidet. Stevie selbst würde natürlich sofort sachliche Kommentare freischalten oder andersweitig sachlich zu allen Themen diskutieren.

Anders verhält es sich mit den Gegen-Argumenten von Frauen. „Ich will für meine Leistung gefördert werden, nicht, weil ich Frau bin!“ kommentieren sie bei uns auf Facebook zur Quotendebatte, oder „Ich fühle mich mitgemeint! Ich brauche keine Extra-Endung, die mich als Frau ausweist!“ zum generischen Maskulinum.

Frauen wird da immerhin zugestanden, das sie Gegenargumente bringen. Dabei sind sicherlich auch Frauen mitunter der Meinung, dass man bei Pinkstinks etwas verbittert ist und guter Sex da wichtig sein könnte.

Wie wird sie jetzt auf diese inhaltliche Kritik eingehen? Das sind ja tatsächliche Erwiderungen von Frauen, die die Sache anders sehen als sie. Da wird sie sicherlich mit sachlichen Argumenten erwidern:

Diesen Widerstand können wir sehr gut verstehen. Es ist verständlich, dass manche Frauen fest die Augen zudrücken und eine Make-Believe-Welt erbauen möchten, in der sie „Macher“ sind und in der es alle werden können. Vielleicht hat die eine oder andere auch tatsächlich nie Diskriminierung erlebt – das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ihre Tochter oder Nachbarin eher sexuelle Belästigung und Gewalt, Essstörungen, ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, Diskriminierung am Arbeitsplatz und Altersarmut (habe ich etwas vergessen?) erleben wird als ihr Sohn oder Nachbar.

Sehr schön. Gleich erst einmal den Frauen einfach ihre Erfahrungen absprechen und sie als Augen verschließen bewerten:Noch einmal ihr wesentliches Argument:

Es ist verständlich, dass manche Frauen fest die Augen zudrücken und eine Make-Believe-Welt erbauen möchten, in der sie „Macher“ sind und in der es alle werden können.

Frauen müssen eben unterdrückt sein. Und wenn sie das nicht eingestehen, dann kann das nur daran liegen, dass ihre Unterdrückung so schrecklich ist, dass sie sie nicht ertragen können und in eine Fantasiewelt flüchten. So wie der Dalai Lama geflüchtet ist, vor den Chinesen ins Exil. Oder um es mit einer noch schlimmeren Lage: So wie Frau Schmiedel in eine Kur fliehen wollte, vor der 24/7 Social Media Welt.

„Ich wünschte, ich müsste meinem Sohn nie den Holocaust erklären“, sagte eine jüdische Freundin einmal. Die konnte gut meine Angst verstehen, meine Töchter gegen historischen und aktuellen Sexismus stark machen zu wollen, ihnen aber damit gleichzeitig ein Stück Grundvertrauen in die Welt nehmen zu müssen.

Es passt, dass Frau Schmiedel nun noch einen Holocaust-Vergleich nachschiebt. Es muss ihr die einzige vergleichbare Welt sein, mit der das Schicksal der Frauen zu vergleichen ist.
Es wäre interessant, wann sie den unten am Text angeführten Zusatz hinzugefügt hat, ob nach Hinweis oder ob sie das selbst bemerkt hat. Ich kopiere ihn mal hierhin:

*Der Holocaust und die Gefühle einer jüdischen Mutter sind nicht vergleichbar. Ich ziehe hier keinen Vergleich sondern sage, dass diese Freundin – wahrscheinlich aus Gründen – die erste Jungsmutter in meinem Umfeld war, die meine Sorge um die Mädchen verstand.

Unter einen so schlechten Vergleich unten ein kleines PS zu schreiben macht es nicht wirklich besser. Schon gar nicht, wenn man dann anmerkt, dass nur jemand, dessen Volk so etwas schreckliches erlebt hat, die Sorge um ihre Mädchen nachvollziehen kann.

Tatsächlich machen es diese Ausführungen eher noch anmaßender: Warum sollte es dann nicht jede andere Frau nachvollziehen können oder erkennt nur Frau Schmiedel als einzige das Ausmaß dessen, was Mädchen gerade passiert? Leben alle außer Frau Schmiedel in einer Traumwelt?

Sie gehören zum zweiten Geschlecht, nicht zum ersten. Und das ist einfach ungerecht.*

Nein, gehören sie nicht. Und es ist schlimm, wenn ihre Mutter ihnen das einreden will.

Ich wollte es auch ganz lange fest glauben: Wenn ich mich nur als „Macher“ (maskuline Form!) definiere, werde ich auch „einer“. Dann muss man die deutsche Sprache nicht verändern und ich muss mich nicht überall als Frau ausweisen oder ausgewiesen fühlen, wo ich mit dem Frausein eh meine Probleme habe. Ich finde mich im gesellschaftlichen und medialen Frauenbild unserer Welt nicht wieder und es nervt, zu einer Gruppe zugeordnet zu sein, für deren Gleichberechtigung man immer wieder kämpfen muss.

Dass sie eine Frau ist, die mit dem Frausein Probleme hat, dass kann an vielen Punkten liegen, beispielsweise ihrer eigenen Biologie, aber auch daran, dass sie sich beständig einredet, damit zweite Klasse zu sein.

Wenn ich aber meinen Kindern erkläre, dass meine Mutter eine Unterschrift von meinem Vater brauchte, um arbeiten zu gehen, ist da eine ohnmächtige Wut. Genauso, wenn ich erzähle, dass sich vor hundert Jahren tausende von Frauen in Gefahr brachten, um ihr Wahlrecht zu erstreiten.

Das allgemeine Wahlrecht für Männer ist auch noch nicht so viel älter, und es gab da auch so einiges, was Männer damals machen mussten, aber Frauen nicht:

Alter Männer Frauen verteilung

Alter Männer Frauen verteilung

Die „Ausdünnungen“ auf der linken Seite lagen daran, dass  man Männer gar nicht gefragt hat, ob sie einen bestimmten Dienst antreten wollen, sondern sie Zwangseingezogen wurden und dort gestorben sind aber eben auch den Horror einer Front in einem modernen Krieg mit Schützengräben und Giftgas und Maschinengewehren und eisiger Kälte erlebt haben.

Dass noch heute männliche Führungsetagen Frauen fernhalten oder Frauen sehr viel mehr sexualisierte Gewalt erleben als Männer.

Dafür erleben Männer insgesamt wesentlich mehr Gewalt (aber vermutlich aus ihrer Sicht eben nur durch Männer, also uninteressant), erleiden mehr Verletzungen bei der Arbeit und bringen sich weitaus häufiger um:

altersverteilung suizid

altersverteilung suizid

Und tatsächlich halten sich viele Frauen selbst sehr viel mehr von Führungspositionen fern als Männer, schlicht weil sie andere Vorstellungen davon haben, wie schön es ist, so viel arbeiten zu müssen und ihnen der dadurch gewonnene Status weniger bedeutet. Eigentlich sollte es Frau Schmiedel nachvollziehen können, denn sie empfindet es ja ebenso als Tortur.

 

Hinter Wut steht aber immer Trauer: Warum ist das denn so? Warum macht das keiner weg? Warum müssen wir noch immer so hart kämpfen? Warum hat bei unserer Geburt keine gute Fee den Zauberstab über uns geschwungen und uns auf die Seite der Macht gehoben? Warum konnten nicht mal unsere Eltern das bewirken – und oft: Warum haben selbst die den Status Quo nicht hinterfragt? Warum müssen wir das jetzt selber machen?

Weil ihr gegen etwas ankämpft, was es so gar nicht gibt. Dazu gibt es sehr gute Studien und Forschung, aber die tut ihr eben leichtsinnig ab. Du kämpfst für etwas, was den meisten Frauen vollkommen egal ist.

Und wer kennt sie nicht: Die Trauer, nicht richtig zu sein und sich täglich gegen ein Bild stark zu machen, dass uns medial präsentiert wird. Haben wir im Haushalt alles im Griff? Sind wir hübsch genug? Sollten wir uns im Job mehr durchsetzen, haben wir alle Tipps aus der Cosmopolitan bedacht?

Ja, ein Leben ist nicht immer ganz einfach. Auch nicht für Männer. Siehe die Anzahl der Suizide. Das liegt aber nicht schlicht daran, dass einer den anderen unterdrückt, sondern an Mechanismen wie intrasexueller Konkurrenz etc. Frauen machen sich einen Teil des Drucks schlicht untereinander. Und der Tipp der Ärztin einfach mal etwas runter zu schalten und die Arbeit nicht so emotional zu sehen, war in der Hinsicht kein schlechter

Dazwischen immer wieder Wut, dass wir uns von der Erziehung zum folgsamen Mädchen in unserer Kultur und der intrinsischen Angst, die damit verbunden ist, immer nur stückweise lösen können und uns die früh eingeprägten Schuldgefühle immer wieder überrollen.

Was für ein Bild auf sich selbst und ihr Geschlecht. Sie muss Frauen wirklich hassen. Diese unterwürfigen auf den Haushalt bezogenen Mitstücke, die gar nicht erkennen, in welcher Fantasiewelt sie sind und wie sie unterdrückt werden. Und dann der Hass auf sich selbst: Wie sie selbst ab und so ist, obwohl sie doch gar nicht so sein will. So ungefähr stelle ich mir einen verdeckten Homosexuellen vor, der streng christlich erzogen wurde und sich ab und an dabei erwischt, wie er Männern hinterherschaut oder in einem Saunahaus mit Männern schläft und sich dann selbst widerlich findet.

Dahinter die Trauer der Erschöpfung, gegen dieses Bild und diese Matrix kämpfen zu müssen. Gestern war der WDR für eine Kindersendung bei uns. Wir schauten uns gemeinsam einen Berg von Kinderprodukten an: Auf jedem einzelnen (ob Kinderbuch, Badeschaum oder Puzzle) schaute das Mädchen (ob Cartoon, Legofigur oder echtes Kind) mit devotem Augenaufschlag den Betrachtenden an, während dem Jungen (meist Pirat) es schietegal war, ob ihn jemand anschaut (und bewertet): Mit Säbel oder Fernrohr bestückt schaute er in die Ferne und plante grinsend seinen nächsten Schritt, ganz für sich selbst.

Auf jedem einzelnen Sieht sie einen devoten Augenaufschlag des Kindes und einen planenden Jungen?

Ich habe mal etwas gesucht:

Mir stellt sich wirklich die Frage, wie eine Legofigur mit einem devoten Augenaufschlag aussieht, oder ein Kind. Ich habe nichts gefunden, was in die Richtung geht. Kennt jemand ein Beispiel?

Es kann ganz schön Angst machen, sich das Patriarchat genau anzuschauen. Das ist eine Riesenmacht, der wir mit ein paar größeren und kleineren Organisationen und Initiativen noch immer gegenüber stehen wie David gegen Goliath – von dem eigenen, täglichen Kampf ganz zu schweigen.

Es macht mir eher Angst, zu sehen, was sie da als Patriarchat so sieht. Sie scheint eher vollkommen besessen von der Idee zu sein, dass alle Frauen unterdrückt werden und wähnt sich in einem ewigen Kampf gegen Riesen, die aber eher Windmühlen sind. Kein Wunder, dass es nicht voran geht.

Da kann man schon mal erschöpft und traurig sein, sich einsam und verlassen fühlen und das alles nicht wahrhaben wollen. Wenn ich etwas von meiner Ärztin gelernt habe, dann mich von den „Ich brauche keinen Feminismus, und Pinkstinks schon gar nicht!“- Kommentaren nicht ärgern zu lassen, sondern Mitgefühl zu haben. Da man trotzdem in einer Affengeschwindigkeit Kommentare löschen, Kampagnen schieben und Gewaltandrohungen weg atmen muss, mache ich im März eine Woche Urlaub. Um danach wieder zu kehren und mit sehr viel „Ja, ich liebe diese Arbeit!“ und euch allen zusammen kleine und große Schritte weiterzugehen hin zu einer Welt, in der mir meine Ärztin nicht mehr einen Mann als Campaigner-Vorbild vorsetzt. Oder ich keine Wut (und Trauer) mehr haben muss, wenn sie es tut.

Schlimm, wenn man den Dalai Lama als Vorbild für Ausgelassenheit vorgesetzt ist, das ist doch ein Mann! Eine schwere Beleidigung. Unglaublich so etwas.

„Frauen fertig machen, Geld verdienen“

Bento hat aus meiner Sicht eine Vielzahl unglaublich schlechter, häufig feministischer Beiträge. In einem vermutlich von Pinkstinks inspirierten Artikel nimmt man sich der Sprache in Frauenmagazinen wie „Inside“ an.

Die „Inside“ titelt aktuell: „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“.

Wider Erwarten ist das Blatt auch mit Inhalt gefüllt, es steht drin: „Schrumpel-Schreck: Fast alle Frauen haben Cellulite, aber Tara hat sie eben leider fast überall.“ Weiter: „Lästige Löcher! ‚Booty Shorts‘ heißen, wie sie heißen, weil sie den Blick auf das Heck freigeben – auch auf die Beulen im Lack.“

Titel der aktuellen "Inside"

Titel der aktuellen „Inside“ (Bild: bento / Nike Laurenz)

Weiter: „Krater-Kummer! Die ‚Gossip‘-Sängerin hat sich von ihrer Band getrennt. Die Krater an Armen und Beinen sind ihr geblieben.“ Weiter, falls noch jemand diese abscheulichen Alliterationen erträgt: „Hügel-Horror! Schenkel-Schande! Furchen-Fiasko! Wabbel-Wellen!“

In der Redaktion, die diese Zeilen in Druck gegeben hat, arbeiten wahrscheinlich Menschen. Menschen, darunter Frauen, die sich für dieses Heft offenbar entschieden haben, andere Frauen zu erniedrigen.

Mit eingängigen Wortneuschöpfungen wird hier auf hässliche Weise definiert, wann Frauen hässlich sind: wenn sie „böse Beulen“ haben oder „zerbeulte Beine“ oder „hinten Verdruss“.

Eine Erklärung hat man nicht. Man regt sich mit entsprechenden Fragen auf:

Die „Inside“ aber macht Geld mit dem Bloßstellen angeblich unperfekter Frauenkörper. Hoffentlich frage nicht nur ich mich:

  • Wen und was wollt ihr erreichen mit diesen Körperkommentaren?
  • Wie können Frauen, oder überhaupt Wesen mit einem Gewissen, diese Demütigungen auf das Äußere anderer Frauen zulassen?
  • Sollte das ein Kind sehen: Wie erkläre ich ihm anschließend, dass es genau richtig ist, so wie es ist? Dass verdammt noch einmal jedes Mitglied dieser Gesellschaft selbst entscheiden darf, wie es aussieht? 
Aus meiner Sicht ist das recht einfach aufzulösen:

  • Der Artikel soll ein „die da oben sind auch nicht besser als wir“ Gefühl erzeugen, mittels dessen Frauen sich besser fühlen, weil andere heruntergezogen werden.
  • Er ist insoweit ein „Gutfühlartikel“ innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz, der eine Hierarchie einreißen soll: Da oben die Hollywoodstars etc unten die Normalos. Hier sind die Hollywoodstars aber auch nur Normalos, die eben nur Photoshop nutzen und sogar noch hässlicher sind als viele andere Frauen.
  • Weil das ganze ein Lästern ist, bei dem die Abwertung gerade dazu dient, dass die anderen sich besser fühlen, verwendet es eine entsprechende Sprache, wie Frauen sie wahrscheinlich auch sonst beim Lästern unter Freundinnen verwenden

Ob man das in einer Zeitung drucken sollte wäre eine andere Frage. Das es Leser eines Klatsch und Tratsch Magazins, dass üblicherweise „Stars sind auch nur Menschen“ zum Thema hat, aber ebenso mit dem Motiv „Das tolle Leben der Promis“ spielt, wenn das eben passt, anspricht halte ich aber für sehr wahrscheinlich.

Auf Pinkstinks wettert man dazu:

Ist ja krass: Ungeschminkt sehen die meisten Menschen eher durschnittlich aus. Und an  alternden Frauen lassen sich Alterserscheinungen feststellen. Teufel noch eins, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Apropos Teufel: Wer könnte wohl dafür (mit)verantwortlich sein, dass der weibliche Körper als Versuchs- und Schlachtfeld für eine milliardenschwere Industrie herhalten muss. Kommst du selber drauf, Inside Magazin, oder musst du schnell noch durch die letzten deiner Ausgaben blättern?

Auch das scheint mir leicht erklärbar zu sein: Die Frauen wollen ihren Marktwert steigern und brauchend dazu Schönheitstipps. Sie mögen es gleichzeitig zu lesen, dass die ganz oben es auch nicht einfach haben und gar nicht so toll sind, was nicht das Ideal in Frage stellt, sondern es nur erreichbarer macht.

Aber es könnte mir doch egal sein, nicht?! Ich bin ja ein Mann und somit zwar auch zunehmend Schönheitszwängen ausgesetzt aber im Grunde bislang davon ziemlich unbehelligt geblieben. Mein Bauch ist kein „Horror“ und meine Falten kein „Desaster“.

Bei Männern ist eben anderes attraktiv. Auch der Körper, etwa mit Muskeln und Sixpack, aber eben insbesondere Status. Und auch da gibt es genug Druck und Lästerei-

Es ist mir aber nicht egal. Mit 110.000 Exemplaren wanzt du monatlich an Frauen an und erzählst ihnen, dass sie hässliche, wertlose Geschöpfe sind, aber mit diesem und jenem Produkt hier daran womöglich noch was machen könnten. In deiner Herzensgüte hättest du ihnen da schon mal „die heißesten Sommertrends“ zusammengestellt.

Das kann, nein das darf mir nicht egal sein. Und als wäre das nicht genug, gibt dein Verlag auch noch die Zeitschrift Mädchen heraus. Die ist zwar deutlich besser als du, aber letztendlich geht es da auch nur darum, welcher Disney-Prinz zur Leserin passt und wie viel Stalker angeblich in ihr steckt. Was das mit mir zu tun hat? Meine älteste Tochter wird in ein paar Wochen 12 und ist damit Zielgruppenmaterial für die Mädchen. Einer Zeitschrift, die sich genau wie du mit dem Attribut frechschmückt. Was habt ihr nur aus diesem schönen Wort gemacht? Hatte ich erwähnt, dass ich dich hasse?!

Wer hätte es gedacht, Verlage bringen Zeitschriften nicht nach Überzeugung, sondern verteilt nach den Interessen der Leserinnen heraus. Also nach dem, was am Markt abgenommen wird.

Wenn eine Feministin ausdrücken will, dass sie Männer mag

Stevie Schmidel von Pinkstinks will etwas Positives über Männer schreiben, mal sehen ob ihr meint, dass es positiv ist:

Letzte Woche gab ich einen Vortrag vor einer Gruppe von Gleichstellungsbeauftragten, in der immer wieder ein männerfeindlicher Kommentar oder Witz fiel. Das ist nicht selten. Vielen fällt gar nicht auf, wie diskriminierend Sätze sein können, die mit „Männer sind…“ beginnen. Ich ertappte mich, wie ich freundlich und gekünstelt mit kicherte, bis ich mich nicht mehr leiden konnte und mich traute, meine Gesichtszüge neutral zu lassen. Ich liebe Männer nämlich. Nein, nicht alle, und Männer als Gruppe sind eh schwer zu definieren. Es gibt aber Männer in meinem Leben, die ich sehr gern habe und für die es mir besonders weh tut, wenn auf Männer im Allgemeinen eingehauen wird.

Das finde ich schon interessant formuliert. Es tut ihr für einige Männer in ihrem Leben weh, wenn auf Männer im Allgemeinen eingehauen wird. Also für Männer im Allgemeinen nicht, da scheint sie es durchaus okay zu finden.

Dabei habe auch ich Gewalt von Männern erfahren, bin von Männern verletzt worden und habe große Wut auf ein patriarchales System, das über Jahrhunderte Männer privilegiert hat. Ich glaube nur, dass nicht jeder Mann diese Privilegien feiert.

Das ist erst einmal das feministische Glaubensbekenntnis : Es gibt ein patriarchales System, welches Männer privilegiert, und deswegen sind alle Männer privilegiert. Sie gesteht aber immerhin einigen Männern zu, dass diese auch das System nicht gut finden. Und ich bin durch Männer verletzt worden.

Ergänzt darum, dass nicht jeder Mann ein Schurke sein muss.

Ich kenne Männer, die unter den Ansprüchen an ihre heteronormative Männlichkeit (das ist der Coupon, mit dem man sich die Privilegien abholen darf) gescheitert sind. Alkoholismus, psychische Krankheit, Drogen, Spielsucht, Depressionen und versuchte Suizide sind die häufigsten Dinge, an denen markiert wird, ob ein Mann im System mitspielen durfte.

Alles schlechte ist eben die heteronormative Männlichkeit. Wie sollte es auch anders sein. All diese Erkrankungen treten zwar auch bei Frauen auf, aber bei den Männern sind eben die selbst schuld. Und bein den Frauen natürlich auch.

Das es schlicht eine Folge sowohl einer anderen Biologie als auch einer stärker auf Status ausgerichteten intrasexuellen Konkurrenz ist, die Frauen durchaus mitgestalten und aufrechterhalten kann in diesem Denken gar nicht vorkommen. Und das Frauen das „Privileg“ haben, sich aus diesen Bereichen weitaus eher herauszuhalten und auf die Familie zu konzentrieren oder ihre Arbeitszeiten zu reduzieren, das ist auch nicht vorstellbar.

Ebenso wenig anscheinend wie der Umstand, dass mit Konkurrenz und beruflichen Stress eben auch der Fortschritt und der höhere Lohn verbunden ist, der wieder als Privileg der Männer angesehen wird, der aber einander bedingt.

Ein Alkoholiker mag als Mann trotzdem täglich Privilegien genießen (z.B. fallen saufende Männer weniger auf als saufende Frauen), und die dürfen Feminist*innen auch wütend machen. Ich behaupte jedoch, dass ihn dieser Bonus nicht glücklich macht.

Auch das ist dort eben eine nötige Erklärung: Es gibt keinen Mann ohne Privilegien, saufende Männer fallen eben weniger auf als saufende Frauen. Und deswegen darf man auch auf den Alkoholiker wütend sein, der gar nicht auffällt, nur weil er ein Mann ist. Man könnte natürlich auch andersrum argumentieren: Männer müssen eher funktionieren und verbergen Schwäche anders und gegenüber Frauen greifen Schutzmaßnahmen eher. Aber das passt eben nicht so gut in das sehr einfache Schema.

Gestern, beim Joggen im Park, traf ich einen Bekannten aus Schulzeiten. Ich habe ihn damals immer als Alphatier gesehen, als einen der coolen Jungs, vor deren Clique ich enorme Angst hatte. Man kassierte von ihnen regelmäßig einen Spruch über das eigene Aussehen, der einen an einem Tag als Schlampe, am nächsten Tag als prüde Sau deklarierte. Diese Unberechenbarkeit von Bewertungen von etwas älteren, sehr gut aussehenden und lauten Jungs hielt einen gerne konstant eingeschüchtert. Am besten versuchte man ihnen nicht zu begegnen, wenn sie in der Gruppe beisammen standen.

Auch interessant wie sie die erst einmal alle in eine Gruppe steckt. Ich vermute mal, dass auch die Alphamädchen entsprechende Aussagen machen können, vielleicht auf eine andere Weise, aber die Problematiken von Queen Bees oder anderen Konstellationen der intrasexuellen Konkurrenz gibt es ja in jedem zweiten amerikanischen College- oder Highschoolfilm: Die coolen Mädchen, die andere Ausgrenzen oder sie sozial ächten.

(Ob Jungen das kennen? Eine Angst vor älteren Mädchen, die mit sexuell aufgeladenen Sprüchen und niederschmetternden Urteilen die gesamte Existenz bedrohen können?)

Natürlich kennen Jungs Angst vor Frauen und deren Wertungen. Etwa von Abwertungen als Uncool, Versager, Feigling oder vollkommen uninteressant. Ansprechangst ist auch immer Angst vor sozialer Bloßstellung, ebenso wie die Angst als Orbiter oder in der Friendzone zu landen, weil sie sich nicht für einen interessieren. Männer erfahren wahrscheinlich wesentlich mehr direkte Ablehnung als Frauen, weil sie häufiger den aktiveren Part übernehmen müssen. Und Bezeichnungen wie Nerd oder Creep sind nicht umsonst für Männer entstanden. Vom coolen Mädchen der Klasse als Nerd oder gar Creep abgestempelt zu werden kann ebenso unangenehm sein, wie für alle Frauen trotz aller Bemühungen Luft zu sein.

Dieses Mitglied der ehemaligen Bedrohung arbeitet heute als Erzieher, begrüßte mich herzlich und erzählte, dass er mit Begeisterung unseren Newsletter lese. Ich war verwirrt und wie so oft purzelten Vorurteile und Realitäten durcheinander. Ich sendete Nachfragen an meine grauen Zellen, ob ich von ihm persönlich je einen Spruch oder dumme Anmache kassiert hatte. Mein System hatte keine Antwort außer, dass er Teil von denen war, die mir Angst gemacht hatten. Ist er damit auch schuldig? Und wenn ja, für immer?

Sie weiß also noch nicht einmal, ob er ihr oder jemanden anderen etwas getan hat, aber irgendwie schuldig ist er trotzdem, denn er ist ja ein Mann.

Menschen, auch Männer, verändern sich. In ein Geschlecht, eine Gruppe oder eine Sozialisierung hinein geboren zu werden macht einen nicht primär schuldig und ich empfinde eine große Notwendigkeit von Kulanz darin, diesen Menschen zuzugestehen, dass sie ihre Privilegien nicht sofort als solche empfinden sondern Zeit brauchen, sie zu erkennen.

Wie nett von ihr! Sie ist dafür, dass man Männer etwas Zeit zugesteht, bis sie erkennen, dass sie sich bessern müssen. Und erst dann sollte man sie verurteilen, vorher sollte man sie nur darauf hinweisen, dass sie besser sind.

Alle Männer, die ich Freunde nenne, haben Privilegien als Mann, die mich wütend machen.

Alle Männer, selbst ihre engsten feministischen Freunde, machen sie wütend.

Nehmen wir meinen Pinkstinks-Kollegen Nils: Wie oft wird er von Leser*innen bejubelt, nur weil er – als Mann! – über Feminismus schreibt. Oder meinen Lebensgefährten: Seine Empathie-Leitung ist dank konservativer Erziehung zum „echten Jungen“ länger als meine, was ihn für viele Dinge weniger sensibel macht. Gerade in geteilter Care-Arbeit gibt es dadurch eine unfreiwillige Arbeitsteilung: Manchmal würde ich auch lieber die Wäsche machen als für jedes emotionale Problem Ansprechperson zu sein. Aber ebenso, wie Nils um sein Privileg weiß und immer wieder hinterfragt, ob er sich als Mann zu bestimmten Themen im Feminismus überhaupt zu Wort melden sollte, kann mein Mann seine Baustelle benennen, sie aber nicht über Nacht verändern. Sie sind verhaftet im „Privilegiert-sein“ und können es nicht „einfach wegmachen“.

Die armen Typen. Schon so werden Frauen oft grundlos sauer auf Männer, hier wird es noch einmal potenziert: Selbst Anerkennung und Erfolg dürfen sie nicht einfach so genießen, sie müssen darauf abstellen, dass sie diesen nur als Mann haben und damit Frauen benachteiligen.

Sie können sich aber dazu verhalten, welche Zuschreibungen sie gar nicht wollen und welche Nebenwirkungen mit dem patriarchalen System einhergehen. Wo genau mangelnde Sensibilität ersehnte Nähe behindert oder ungewollte Privilegien zur Ausgrenzung aus einer Gruppe führen, zu der man gerne gehören würde. Deshalb gibt es ab jetzt bei uns den Schwerpunkt „Männer im Feminismus – Feminismus für Männer“, in dem neben Nils Pickert auch das Feministen-Duo „Herr und Speer“ aus Berlin und andere regelmäßig bloggen werden. Über Fragen wie die, die mich täglich bewegen:

Was werden das wohl für Fragen sein:

Wie können Frauen mit ihrer Wut auf Männer umgehen? Was können Männer tun, damit diese Wut weniger wird? Wie kommen wir alle zusammen, zu den gleichen Rechten und Chancen? Und: Welche Männer wollen das überhaupt, und warum?

Sie liebt Männer wirklich, aber sie ist eben auch Wütend auf alle Männer, selbst ihre nächsten, die sich alle Mühe geben. Und da muss nicht etwa sie sich hinterfragen, nein, die müssen dafür sorgen, dass Frauen nicht mehr wütend sind.

Ich freue mich darauf, mehr Feminismus von Männern zu hören und Feminismus für Männer sichtbar zu machen.

Aber nur, wenn sie Frauen damit nichts wegnehmen und das eher unter sich machen, sich brav umerziehen. Denn Männer sind eben doch (Privilegien-)Schweine. Ich habe mit Schmiedel etwas auf der Seite diskutiert. Wer mag kann es sich ja mal anschauen.

Stevie Schmiedel von Pinkstinks soll den Werberat kontrollieren

Pinkstinks ist eine Vereinigung, die sich gegen „Sexismus in der Werbung“ einsetzt. Dabei sind sie nach meiner Sicht im schlechten Sinne radikal, weil sie bereits jede Darstellung einer Geschlechterrolle als Sexismus sehen.

Ich hatte bereits einmal auf ihre Petition hingewiesen, mit der sie es erleichtern wollen nach ihrer Sicht sexistische Werbung zu senden:

Andererseits scheint Pinkstinks ihr Werbeverbot auch gar nicht neutral fassen zu wollen. Ihr momentaner Vorschlag für eine Gesetzesänderung sieht wie bereits auch schon einmal, aber nur sehr kurz, angesprochen wie folgt aus:

㤠7a UWG Diskriminierende Werbung
(1) Eine geschäftliche Handlung, durch die Marktteilnehmende in diskriminierender Weise angesprochen werden, ist unzulässig, wenn nicht gewichtige verfassungsrechtlich geschützte Interessen ausnahmsweise überwiegen. Die Diskriminierung kann sich aus der Aussage einer Werbung, ihrem Gesamteindruck oder der Gesamtheit der einzelnen Teile einer Werbekampagne ergeben.
(2) Werbung ist geschlechtsdiskriminierend, wenn sie Geschlechtsrollenstereotype in Form von Bildern oder Texten wiedergibt oder sich in sonstiger Weise ein geschlechtsbezogenes Über-/Unterordnungsverhältnis zwischen den Personen in der Werbung oder im Verhältnis zu den von der Werbung adressierten Personen ergibt. Werbung ist insbesondere geschlechtsdiskriminierend, wenn sie
1. Menschen aufgrund ihres Geschlechts Eigenschaften, Fähigkeiten und soziale Rollen in Familie und Beruf zuordnet oder
2. sexuelle Anziehung als ausschließlichen Wert von Frauen darstellt oder
3. Frauen auf einen Gegenstand zum sexuellen Gebrauch reduziert, insbesondere indem weibliche Körper oder Körperteile ohne Produktbezug als Blickfang eingesetzt werden oder der Eindruck vermittelt wird, die abgebildete Frau sei wie das Produkt käuflich.“

Es ist erstaunlich, dass sie noch nicht einmal versuchen, das Gesetz durchgehend geschlechtsneutral zu formulieren, was ja heute gang und gäbe ist. So hat die Norm aus meiner Sicht aber immerhin keine Chance umgesetzt zu werden:

Eine Werbung soll bereits dann geschlechtsdiskriminierend sein, wenn sie Geschlechtsstereotype wiedergibt? Also immer dann, wenn eine Frau mit Waschmittel oder Kochen in Verbindung gebracht wird oder ein Mann Versorger irgendwas mit Versorgung zu tun hat? Ich vermute, dass wohl 90% aller Werbung, die Menschen zeigt darunter fallen würde, weil Werbetreibende nun einmal ihre Hauptkäufergruppe ansprechen wollen.

Es ist geradezu bizarr: Bei Pinkstinks ist die Abbildung einer Frau, die die Wäsche wäscht und kocht oder Kinder betreut und eines Mannes, der arbeiten geht, etwas, was sie verbieten wollen. Das Kind soll also etwas nicht in der Werbung sehen dürfen, was es beständig um sich herum hat. Weil klassische Rollen sexistisch sind. Pinkstinks ist anscheinend kein Anhänger des „Choice-Feminism“ und empfindet den Anblick einer Frau, die beispielsweise beruflich aussetzt um Kinder zu betreuen als unerhörte Beeinträchtigung des Kindes.

Die Klausel unter Absatz 2, Nr 3 soll wohl in dem ersten Beispiel die Ausformulierung der obigen Kampagne sein, auch hier wird man aus meiner Sicht kaum begründen können, warum es auf weibliche Körper beschränkt ist. Das zweite Beispiel existiert wohl auch nur in der Phantasie von Pinkstinks: Welcher Werbungschauende nimmt denn an, dass eine Frau käuflich ist? Und warum wäre es okay einen mann zum sexuellen Gebrauch abzubilden aber nicht eine Frau?

Man beachte, dass es sich in dem Gesetzesentwurf um eine „Ist-Vorschrift“-handelt, wenn eines der dortigen Kriterien vorliegt, dann spricht das also nicht nur dafür, dass die Werbung geschlechtsdiskriminierend ist, es steht kein Ermessen zu, es ist keine weitere Abwägung möglich (dann müsste man Formulierungen wie: „liegt üblicherweise vor“ oder „kann insbesondere geschlechtsdiskriminierend sein“ verwenden), sie ist per Definition sexistisch. Das würde im übrigen bedeuten, dass alle Frauenzeitschriften ihre Titelbilder komplett umgestalten müssten und das „Titelbild-Mädchen“ auf so gut wie allen Zeitschriften irgendwie besonders gerechtfertigt werden muss. Die Werbung im Fernsehen zwischen einer Liebesschnulze oder einem Aktionfilm dürfte im Prinzip keine Szene zeigen, wie sie danach im Film unproblematisch gezeigt werden dürfte. Werbung für einen Film würde sogar den gleichen Regeln unterliegen und dürfte daher überwiegend nicht gezeigt werden.

Ich bitte darum, mir in den Kommentaren mal ein paar Werbungen zu verlinken, die Menschen beeinhalten und die nicht nach dieser Norm verboten wären. Man könnte sogar diskutieren, ob die obige BH-Werbung den Anforderungen genügen würde, denn der Produktbezug „BH“ erfordert wohl kaum, dass man eine Frau in dieser Weise einblendet, ihre Beine als Körperteile haben keinen Produktbezug und sind dennoch nackt. Sie schaut zudem schüchtern nach unten, als wäre sie devot, also haben wir ein Geschlechterstereotyp und ein potentielles Unterordnungsverhältnis. Zudem wird hier auch die sexuelle Anziehungskraft von lediglich Frauen betont. Aber das wären Feinheiten.

Ich bezweifele bereits, dass das Gesetz in dieser strikten Form überhaupt verfassungsgemäß wäre. Geschlechterrollen in Werbung absolut zu verbieten hat erkennbar keinen Sinn, wenn sie ansonsten bestehen bleiben. Das Gesetz ist daher bereits zur Umsetzung des beabsichtigen Zweckes nicht geeignet.

Im Vorstand des Vereins sitzt Frau Schmiedel:

Dr. Stevie Meriel Schmiedel, Deutsch-Britin, ist promovierte Dozentin für Genderforschung und lehrte zuletzt an der Universität Hamburg und der Hochschule für Soziale Arbeit (Rauhes Haus). Sie hat zwei Töchter und ist 1. Vorstandsvorsitzende, Geschäftsführerin und Pressesprecherin bei Pinkstinks. Sie finanziert ihre Vollzeitarbeit für den Verein über Publikationen und Vorträge.

Und just diese soll nunmehr den Werberat kontrollieren:

Die deutsche Werbewirtschaft wird sich künftig wohl auf deutlich mehr Widerstand einstellen müssen, wenn es um sexistische Werbung geht. Die deutsche Genderforscherin und Feministin Stevie Schmiedel wurde von der Regierung engagiert, um die Kontrollore – den Werberat – zu kontrollieren. Bis dahin stellt sie sexistische Kampagnen wie gehabt online an den Pranger – auch österreichische Delinquenten sind dabei.

In Interviews nennt Schmiedel gern Beispiele für ihre Arbeit. Wenn sie für ihre Töchter nach einem Geschenk suche und im Kaufhaus bei den Spielzeugküchen das Schild „Für Mutti“ hänge, sagt sie, sehe sie gleich einmal Rot. Auf der Homepage von Schmiedels NGO Pinkstinks finden sich weitere drastische Beispiele, etwa Plakatmotive von Speiseeisherstellern, die Oralverkehr nachstellen, und Waschanleitungen, die sich gezielt nur an Frauen richten. Die Zeiten von „Mad Men“ scheinen noch gar nicht so weit zurückzuliegen.

Jetzt hat Schmiedel von der deutschen Familienministerin Manuela Schwesig den Auftrag erhalten, ab August 2017 zwei Jahre lang ein gezieltes Monitoring des deutschen Werberates – des freiwilligen Kontrollorgans der deutschen Werbewirtschaft – durchzuführen. Schmiedel und Julia Busse, die Geschäftsführerin des Werberats, diskutierten in der Vergangenheit immer wieder auf Podien über Sexismus in der Werbung. Laut dem deutschen „Handelsblatt“ kam Schmiedel dabei die Rolle der nervigen Aktivistin zu, während Busse die „besonnene Kontrollinstanz“ gegeben habe. Der Auftrag der Ministerin wertet die Position der Feministin mit ihrer Entscheidung jetzt also gezielt auf.

Geplantes Verbot
Im Vorjahr hatte der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) sich für ein Verbot sexistischer Werbung ausgesprochen – und damit Lob, aber auch viel Kritik geerntet. Aus den Plänen ist bisher aber nichts geworden.

Unidozentin wird Aktivistin
Schmiedel war zuletzt Dozentin an der Universität Hamburg und der Hochschule für Soziale Arbeit. Sie arbeitete an einer Studie zu Heidi Klums Serie „Germanys Next Topmodel“ und deren Einfluss auf das Selbstbild junger Frauen, die sich laut einer „Bravo“-Studie durchwegs zu dick fanden. Als sie einen wütenden Leserbrief schrieb, wurde die „Zeit“ auf sie aufmerksam und interviewte sie. So geriet Schmiedel in die Medien und nutzte die Aufmerksamkeit.

2012 gründete Schmiedel Pinkstinks, eine NGO, die nach britischem Vorbild Genderklischees und Sexismus in den Medien anprangert. Gleich im ersten Jahr machte Pinkstinks mobil gegen eine allzu suggestive Bikini-Plakatserie, die C&A schließlich zurückzog. Pinkstinks sorgte mit seinen Protesten auch dafür, dass Ferrero die Bezeichnung „nur“ in „für Mädchen“ auf dem Überraschungsei strich.

Als Geschäftsführerin beschäftigt Schmiedel mittlerweile drei Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter. Mit diesem Team will sie während der kommenden zwei Jahre eine App entwickeln, mit der sich sexistische Werbung schnell und einfach melden lässt. Spaziergängerinnen und Spaziergänger können Fotos von Plakaten machen und online stellen. So könnte auch der Werberat nachprüfen, ob Firmen die gerügten Sujets wirklich aus dem öffentlichen Raum entfernen.

Shitstorm als feministischer Hebel
Es scheint, als habe Pinkstinks Hebel in der Hand, die dem 1972 gegründeten Werberat fehlen: Eine große Facebook-Community zum Beispiel, mit deren Hilfe die Organisation wirksam zu Shitstorms gegen sexistische Produkte aufrufen kann. Der deutsche Werberat hat als freiwillige Selbstkontrollinstanz dagegen keine offizielle Handhabe, um abgemahnte Kampagnen auch effektiv zu stoppen. Kritiker werfen ihm zudem vor, an praktischen Maßnahmen teils auch gar kein Interesse zu haben.

Schmiedel ist die vollkommen falsche für ein solches Monitoring, weil ihr dafür die notwendige Distanz fehlt. Sie wäre, wenn sie die Überzeugungen vertritt, mit denen Pinkstinks wirbt, eine Extremistin, die die Darstellung von Geschlechterrollen verbieten will, bei der man also keine Hausfrau Wäsche waschen sehen dürfte ohne einen Wettbewerbsverstoß (!) zu begehen. Ich habe jedenfalls nicht gesehen, dass sie sich von diesem Plänen des Vereins, dessen Vorstand sie ist, distanziert.

Jemand, in dessen Welt die Wäsche waschende Ehefrau bereits Sexismus ist, der einen Wettbewerbsverstoß darstellt (statt einem Ansprechen des typischen Kunden) ist nicht geeignet, eine solche Überwachung durchzuführen.

Es steht dem Staat nämlich gar nicht zu, sich auf diese Weise in die Lebensweise der Menschen einzumischen und die von ihnen durchgeführte Arbeitsteilung als sexistisch abzuwerten, unabhängig davon, ob sie einem passt oder nicht.

Dass Schwesig Personen mit solch radikalen Ansichten zu Wächtern macht ist bedenklich.

Werbung und Sexismus (Pinkstinks)

Pink Stinks würde gern mit diesem Bild eine Plakataktion machen, für die sie 5.000 € sammeln wollen.

Sexy oder sexistisch

Sexy oder sexistisch?

Ist das eine sinnvolle Abgrenzung oder nicht?

Bei Twitter wurden dann auch noch entsprechende Motive mit Männern von anderen verlinkt:

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Die würden nach dem „Dekorationsprinzip“ alle unter eine geschlechtsneutral gefasste Verbotsnorm nach Pinkstinks fallen. Andererseits scheint Pinkstinks ihr Werbeverbot auch gar nicht neutral fassen zu wollen. Ihr momentaner Vorschlag für eine Gesetzesänderung sieht wie bereits auch schon einmal, aber nur sehr kurz, angesprochen wie folgt aus:

㤠7a UWG Diskriminierende Werbung
(1) Eine geschäftliche Handlung, durch die Marktteilnehmende in diskriminierender Weise angesprochen werden, ist unzulässig, wenn nicht gewichtige verfassungsrechtlich geschützte Interessen ausnahmsweise überwiegen. Die Diskriminierung kann sich aus der Aussage einer Werbung, ihrem Gesamteindruck oder der Gesamtheit der einzelnen Teile einer Werbekampagne ergeben.
(2) Werbung ist geschlechtsdiskriminierend, wenn sie Geschlechtsrollenstereotype in Form von Bildern oder Texten wiedergibt oder sich in sonstiger Weise ein geschlechtsbezogenes Über-/Unterordnungsverhältnis zwischen den Personen in der Werbung oder im Verhältnis zu den von der Werbung adressierten Personen ergibt. Werbung ist insbesondere geschlechtsdiskriminierend, wenn sie
1. Menschen aufgrund ihres Geschlechts Eigenschaften, Fähigkeiten und soziale Rollen in Familie und Beruf zuordnet oder
2. sexuelle Anziehung als ausschließlichen Wert von Frauen darstellt oder
3. Frauen auf einen Gegenstand zum sexuellen Gebrauch reduziert, insbesondere indem weibliche Körper oder Körperteile ohne Produktbezug als Blickfang eingesetzt werden oder der Eindruck vermittelt wird, die abgebildete Frau sei wie das Produkt käuflich.“

Es ist erstaunlich, dass sie noch nicht einmal versuchen, das gesetz durchgehend geschlechtsneutral zu formulieren, was ja heute gang und gäbe ist. So hat die Norm aus meiner Sicht aber immerhin keine Chance umgesetzt zu werden:

Eine Werbung soll bereits dann geschlechtsdiskriminierend sein, wenn sie Geschlechtsstereotype wiedergibt? Also immer dann, wenn eine Frau mit Waschmittel oder Kochen in Verbindung gebracht wird oder ein Mann Versorger irgendwas mit Versorgung zu tun hat? Ich vermute, dass wohl 90% aller Werbung, die Menschen zeigt darunter fallen würde, weil Werbetreibende nun einmal ihre Hauptkäufergruppe ansprechen wollen.

Es ist geradezu bizarr: Bei Pinkstinks ist die Abbildung einer Frau, die die Wäsche wäscht und kocht oder Kinder betreut und eines Mannes, der arbeiten geht, etwas, was sie verbieten wollen. Das Kind soll also etwas nicht in der Werbung sehen dürfen, was es beständig um sich herum hat. Weil klassische Rollen sexistisch sind. Pinkstinks ist anscheinend kein Anhänger des „Choice-Feminism“ und empfindet den Anblick einer Frau, die beispielsweise beruflich aussetzt um Kinder zu betreuen als unerhörte Beeinträchtigung des Kindes.

Die Klausel unter Absatz 2, Nr 3 soll wohl in dem ersten Beispiel die Ausformulierung der obigen Kampagne sein, auch hier wird man aus meiner Sicht kaum begründen können, warum es auf weibliche Körper beschränkt ist. Das zweite Beispiel existiert wohl auch nur in der Phantasie von Pinkstinks: Welcher Werbungschauende nimmt denn an, dass eine Frau käuflich ist? Und warum wäre es okay einen mann zum sexuellen Gebrauch abzubilden aber nicht eine Frau?

Man beachte, dass es sich in dem Gesetzesentwurf um eine „Ist-Vorschrift“-handelt, wenn eines der dortigen Kriterien vorliegt, dann spricht das also nicht nur dafür, dass die Werbung geschlechtsdiskriminierend ist, es steht kein Ermessen zu, es ist keine weitere Abwägung möglich (dann müsste man Formulierungen wie: „liegt üblicherweise vor“ oder „kann insbesondere geschlechtsdiskriminierend sein“ verwenden), sie ist per Definition sexistisch. Das würde im übrigen bedeuten, dass alle Frauenzeitschriften ihre Titelbilder komplett umgestalten müssten und das „Titelbild-Mädchen“ auf so gut wie allen Zeitschriften irgendwie besonders gerechtfertigt werden muss. Die Werbung im Fernsehen zwischen einer Liebesschnulze oder einem Aktionfilm dürfte im Prinzip keine Szene zeigen, wie sie danach im Film unproblematisch gezeigt werden dürfte. Werbung für einen Film würde sogar den gleichen Regeln unterliegen und dürfte daher überwiegend nicht gezeigt werden.

Ich bitte darum, mir in den Kommentaren mal ein paar Werbungen zu verlinken, die Menschen beeinhalten und die nicht nach dieser Norm verboten wären. Man könnte sogar diskutieren, ob die obige BH-Werbung den Anforderungen genügen würde, denn der Produktbezug „BH“ erfordert wohl kaum, dass man eine Frau in dieser Weise einblendet, ihre Beine als Körperteile haben keinen Produktbezug und sind dennoch nackt. Sie schaut zudem schüchtern nach unten, als wäre sie devot, also haben wir ein Geschlechterstereotyp und ein potentielles Unterordnungsverhältnis. Zudem wird hier auch die sexuelle Anziehungskraft von lediglich Frauen betont. Aber das wären Feinheiten.

Ich bezweifele bereits, dass das Gesetz in dieser strikten Form überhaupt verfassungsgemäß wäre. Geschlechterrollen in Werbung absolut zu verbieten hat erkennbar keinen Sinn, wenn sie ansonsten bestehen bleiben. Das Gesetz ist daher bereits zur Umsetzung des beabsichtigen Zweckes nicht geeignet.

vgl. auch: