Fragen zu Pickup

Mir wurden in den Kommentaren von Rolf einige Fragen zu Pickup gestellt, die ich noch beantworten möchte:

* Wie lang hast du gebraucht vom ahnungslosen Mann, bis du die ersten Erfolge bei Frauen hattest?

Ich verweise zunächst erst einmal auf diese Schilderungen hier, in denen ich meinen Einstieg in Pickup bereits beschrieben hatte:

Ich hatte auch vor meinem Kontakt mit Pickup Freundinnen. Insofern wäre „ahnungslos“ vielleicht eine etwas falsche Vorstellung. Ich habe Pickup nicht als etwas gesehen, was einen kompletten Neubeginn darstellt, sondern eher als etwas, was ein System erkennbarer macht, Verbesserungen möglich macht und Fehler aufzeigt. Ich startete ja auch nicht bei Null, ich war eh schon dabei zu flirten und hatte einen entsprechenden Bekanntenkreis, aus denen sich Bekanntschaften ergeben haben. Aus meiner Sicht hat sich mein Flirten recht schnell verbessert, weil ich es recht einfach fand etwas frecher zu sein und Frauen etwas zu provozieren, insbesondere weil Frauen eben eine deutlich positive Reaktion zeigten. Was nicht bedeutet, dass ich nicht noch genug falsch machte oder eben auch Sachen vollkommen falsch angegangen bin.

Der wesentliche Vorteil war, dass ich jetzt weitaus eher wusste, was ich falsch machte und einen gewissen Weg sah, wie das ganze laufen konnte, der auch wesentlich produktiver war.

* Wie lang hast du gebraucht, bis du reproduzierbare Erfolge bei Frauen hattest? Also keine Anfängerfehler mehr, und mehr Erfolge durch Pickup als durch reines Glück.

Das hängt natürlich stark davon ab, was man als Erfolg sieht. Ich habe kein Hardcore-Pickup betrieben, bei dem ich massenhaft „cold approaches“ gemacht habe. Ich habe eher „Social Circle Game“ betrieben, bei dem man anders vorgeht, weil man die Leute eben im weiteren Umkreis hat. Es ist natürlich auch schwer abzugrenzen, wie der Anteil von Pickup und reinem Glück ist. Ich würde sagen, dass alle Erfolge mit Pickup zu tun hatten, weil ich die positive Resonanz darauf deutlich gemerkt habe. Aber vielleicht hätten auch Frauen, die mich nicht interessant fanden mich im früher interessant gefunden oder Frauen, die mich dann interessant fanden hätten mich auch anders interessant gefunden. Und natürlich fanden mich weiterhin Frauen doof oder Sachen nicht lustig. Ich hab auch immer wieder neues gelesen oder gehört, was mir Sachen klarer machte.

* Wie anstrengend (frustrierend) war es.

Es war überhaupt nicht frustrierend. Im Gegenteil, es war eine wesentliche Verbesserung und Motivation. Natürlich waren einige Erlebnisse frustrierend. Aber ich war mir immer sicher, dass sie besser gelaufen sind als zuvor oder ich konnte zumindest einordnen, was schief gelaufen war.

* Wie lang hat es gedauert, bis du Spaß am Flirten bekommen hat anstatt von Frust durch unerklärliche Körbe immer wieder demotiviert zu werden?

Ich hatte vorher Spass am Flirten, ich hatte noch mehr Spass am Flirten als es besser lief.

Und ich fand es vorher auch weit unerklärlicher, wenn ich einen Korb bekommen habe. Jetzt wusste ich zumindest, was ich falsch gemacht hatte. Pickup zwingt dich zu nichts. Es erklärt dir aber besser, was funktioniert. Natürlich wirst du bei Pickup auch sehr sehr viele Absagen bekommen, wenn du es nutzen willst, um einfach nur immer wieder mit sehr vielen verschiedenen Frauen zu schlafen, weil das Frauen abseits sehr hübscher Männer oder sehr berühmter Männer meist nicht interessiert und sie dafür meist ein gewisses Vertrauen etc brauchen, welches bei einer vollkommen Unbekannten schwer herzustellen ist. Pickup ist da keine Zauberstab, der einen plötzlich in einen überaus attraktiven Mann verwandelt, dem keine Frau widerstehen kann und bei dem sie willenlos wird. Wer diesen Weg gehen will, der wird sicherlich eine harte Lernzeit vor sich haben, in der es auch darum geht, sich soweit abzuhärten, bis einem solche Absagen nichts mehr ausmachen und man damit auf die Frauen lockerer und weniger creepy wirkt. Aber das muss man gar nicht. Wann immer man sonst „konventionell“ geflirtet hätte kann man einfach sein „Zusatzwissen“ aktivieren. Der Flirt wird dann in der Regel etwas besser laufen.

Natürlich ist das auch eine Frage der Sichtweise: Ich fand es interessant, dass man jetzt weitaus mehr Möglichkeiten hatte, Fehler zu analysieren und nach Lösungen zu suchen. Mir war auch häufig klar, was falsch gelaufen war und ich nahm mir vor, beim nächsten Mal dies oder das zu verändern oder gestand mir ein, dass bestimmte Sachen für mich nicht klappen. Andere haben vielleicht diesen Ansatz nicht und sind frustriert, wenn eine Sache, über die sie etwas gelesen haben, bei ihnen nicht passt und wollen sich dann gar nicht damit beschäftigen, warum es bei ihnen nicht passt oder verstehen nicht, was sie falsch gemacht haben, sondern nehmen schlicht an, dass es einfach nicht funktioniert.

Sicherlich ist es auch die Frage, mit welchen Voraussetzungen man startet und wo man landen will. Vom absoluten Beginner zum Casanova ist es sicherlich schwerer als von jemanden, der auch vorher Beziehungen hatte zum besseren Flirten.

Solange man den Prozess als interessante Reise sieht und als etwas, was man ja sonst auch machen würde, ist es denke ich nicht frustrierend. Man sieht dann, dass man jedesmal einen neuen Schritt gemacht hat.

Pickup: Warum eigentlich der ganze Aufwand

Leserin Vanilacarmelita fragt:

Ich weiss, der Beitrag ist Jahre her, aber habe deinen Blog erst vor kurzem entdeckt und beim rumstöbern auch die Pick-up Tipps entdeckt. Kein Hate, nur Neugier: Den ganzen Aufwand betreiben, um an Sex zu kommen, obwohl mann nicht weiss, wie gut der Sex sein wird, bzw. ob er überhaupt passieren wird? Als Mann würde ich da verzweifeln und nach einer Kosten-Nutzen-Analyse würde für schnellen Sex nur noch ein Bordellbesuch in Frage kommen. Da kann mann seine Wünsche offen kommunizieren, kennt den konkreten Preis und die Befriedigung ist sichergestellt. Die Tricks sind z.T. sehr raffiniert, schlussendlich hängt das Ganze doch trotzdem von der Laune der Frauen ab und je nach dem wie manipulierbar und naiv sie sind. Welchen Sinn hat slso das Ganze?

Und das ist durchaus eine gute Frage, der ich daher einen eigenen Beitrag widmen möchte:

Wie ich hier bereits geschrieben hatte habe ich Pickup recht zufällig entdeckt: Eine Beziehung war zu Ende gegangen und ich recht zufällig auf Pickup gestoßen.  Auch ohne Pickup wollte ich durchaus flirten, Sex haben und ggfs später wieder eine Beziehung haben. Nur ging es eben mit Pickup wesentlich leichter und lief einfach wesentlich besser. Es war aus meiner Sicht nicht eine Verschlechterung der Kosten-Nutzen-Analyse, sondern eine wesentliche Verbesserung. Etwa so als müßte oder wollte man einen Aufsatz schreiben und einen anderen Aufsatz finden, der das gleiche Thema behandelt. Oder als würde man auf eine sehr gute Fortbildung gehen und plötzlich sehen, dass hinter vielem ein System steckt, dass man noch gar nicht kannte. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt bei Pickup das Gefühl, dass ich mir _zusätzliche_ Mühe machte, im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass ich endlich _weniger_ Mühe hatte.

Sicherlich bringt ein Bordellbesuch einfacheren und sicheren Sex, aber darauf kam es mir ja gar nicht an. Mir macht flirten Spass, ich mag es auch, wenn Frauen positiv auf mich reagieren und natürlich wollte ich auch vieles von dem, was ich gehört oder gelesen hatte ausprobieren und mich selbst verbessern bzw schauen, was ich davon für mich verwenden konnte.

Ich will mich mal an einem Bild gerade für Frauen versuchen: Man stelle sich den typischen Hollywood-Aschenputtel-Film vor: Das hässliche Entlein der Schule wird entdeckt, neu eingekleidet, bekommt die bessere Frisur und wird geschminkt. Sie verwandelt sich von einer langweiligen 7 in eine 10 (in den Filmen legt sie nur den dicken Wollpullover ab, ebenso die dicke Hornbrille und man bemerkt ihre erstklassige Figur, meinetwegen kann man auch annehmen, dass sie ihre Ernährung umstellt und Sport macht und danach super aussieht). Meinetwegen auch eine „My Fair Lady“ Umwandelung, bei der sie danach statt „Unterschicht“ „Oberschicht“ spricht. Da kann man sicherlich Fragen: Ist das die Mühe wert gewesen? Sie hätten doch auch so ein schönes Leben gehabt, einen netten einfacheren Mann kennen lernen können und nicht den Schulcoolen oder den Mann aus der Oberschicht. Aber sobald sie den Erfolg mit der anderen Methode sehen und wissen, wie viel sie aus sich machen können und mit welchen Mitteln wollen und können sie auch nicht mehr zurück.

Aber ich denke ein Teil des Kommentars beruht vielleicht auch auf der Vorstellung, dass man im Pickup jede Nacht durch Clubs ziehen muss um Frauen reinlegen und das mit einer mageren Ausbeute. Für mich war das nicht der Fall. Ich habe mein Leben weitergelebt wie vorher auch, nur dass ich jetzt wenn ich flirtete ein wesentlich besseres Feedback bekam. Ich hätte sicherlich wieder eine neue Freundin gefunden, aber der Weg dahin wäre schwieriger, frustrierender und abhängiger von Glück gewesen (und sie wäre wahrscheinlich auch weniger schön gewesen).

Andere mögen das weitaus intensiver betreiben und es ist sicherlich so, dass man über ein „Training“ besser wird, Erfahrungen gewinnt und auch etwas abstumpft, was einem eine gewisse Ergebnisunbekümmertheit bringt, die einem durchaus helfen kann. Aber wenn das das Hobby eines Menschen ist, wenn er Spass daran hat, dann halte ich, wenn er damit nicht Leute reinlegt, für vollkommen zulässig. Es gibt uninteressantere Hobbys als das andere Geschlecht und Sex.

Zu der Frage, ob es von der Laune der Frauen abhängt und wie manipulativ es ist: Eine der interessantesten Erfahrungen, die ich bei Pickup gemacht habe, ist der Unterschied im Interesse der Frauen. Es war deutlich, dass Frauen sich angesprochen fühlten, dass sie Anziehung fühlten und das sie interessierter waren. Natürlich bleibt flirten dennoch zu einem gewissen Grad ein „Numbers Game“: Man ist eben nicht der Typ jeder Frau und nicht jede möchte insbesondere auch das, was man selbst möchte, gerade wenn es Causal Sex betrifft.

Gerade weil ich den Interessenanstieg beobachtet habe glaube ich auch nicht, dass es auf naiv und manipulierbar ankommt: Es geht weniger darum, Frauen reinzulegen, es geht eher darum, dass sie einen interessanter finden und eher was von einem wollen. Die Frauen sind nicht doof oder manipuliert, sie haben nur eher Lust auf einen und sind demnach auch eher bereit diesen Gefühlen nachzugeben. Es ist insofern aus meiner Sicht eher eine Angebotsverbesserung. Natürlich kann man auch die als Manipulation ansehen. Und natürlich sind auch bestimmte Techniken oder bestimmte Richtungen im Pickup manipulativ. Aber das ist eben eine Frage der Anwendung.

Ein anderer Aspekt ist schlicht: Man kann gar nicht mehr damit aufhören, wenn man es einmal gelernt hat. Natürlich kann man aufhören, intensiv zu flirten oder den Lebensstil den viele bei Pickup vor Augen haben (pausenlos mit Frauen flirten und versuchen, sie ins Bett zu bekommen) nicht leben. Aber genauso wenig, wie man sich nicht vornehmen kann, dass man ab jetzt kein Fahrrad mehr fahren kann, kann man auch nicht vergessen, was im Flirtbereich funktioniert. Man wird nach wie vor einen Shittest erkennen, man wird nach wie vor Wissen, was man sagen könnte und wie man reagieren könnte. Und man müsste sich sozusagen dumm stellen, um dann ohne Pickup zu flirten.

Zudem funktioniert Pickup eben nicht nur für das Aufreißen, es gibt einem aus meiner Sicht auch äußert wichtige Tipps für feste Beziehungen. Ich erlebe meine eigene Beziehung dadurch als entspannter und einfacher, einfach weil ich bestimmte Reaktionen besser einordnen kann und darauf entsprechend reagieren kann.

 

Erfahrungenberichte zu Pickup: Signale lesen und ihr die Entscheidung erleichtern

Gerhard hat in einem Kommentar dargestellt, was er aus Pickup ziehen konnte:

Ich habe irgendwann mal gemerkt, was ich für einen fürchterlichen Anfängerfehler gemacht habe. Irgendwie sowas, was alle tun. Die schönste Frau der Welt(tm) gesehen, stundenlang verstohlen hinterhergestarrt und nach genug konsumierten Bier sie angequatscht. Einfach gruselig. Furchtbar.

PU hat mir genau erklärt, warum das Kacke ist. Gewußt habe ich es eigentlich vorher schon. Ich bin zu alt für Quatsch wie Erdbeerfeld. PU hat mir halbwegs gangbare Wege aufgezeigt und Dinge die funktionieren. ZB KINO.

Es hat vor allem meinen Blick geschärft für Situationen, die einfach nicht funktionieren. Frauen, die keine Interaktion wünschen. Und für Situationen, die funktionieren. Früher mußten manchmal Frauen nackt vor mir stehen, bis ich es endlich kapiert habe. Jetzt weiß ich, wenn eine Frau beim zweiten Date zu mir nach Hause zum “gemeinsam kochen” kommt, wird — gekocht. Und sie wäre ziemlich sauer wenn ich nicht die Initiative ergreifen würde. Was keinesfalls heißt, daß es nicht einfach beim Kochen und einem netten Abend bleiben kann. Was daran liegen kann, daß sie keine Lust auf Nachtisch hat, oder ich oder beides oder ich es einfach vergeigt habe.

Die Initiative kann man übrigens sehr deutlich zeigen ohne auch nur im geringsten übergriffig, uncharmant oder sonstwie drängend zu sein. Genau genommen wäre dies der sicherste Weg zum Mißerfolg.

Schlußendlich läuft es aber auf Signale lesen aus. Es ist eigentlich immer die Frau,die die Entscheidung trifft. Ich versuche nur, ihr die Entscheidung für mich zu erleichtern oder zumindest nichts zu tun was dafür hinderlich wäre. Deshalb bin ich auch immer sehr amüsiert und belustigt wenn PU als Geheimwissen, Pseudowissenschaft oder gar fiese, unfaire Tricks dargestellt wird.

Also eigentlich viel gesunder Menschenverstand, genug Empathie aber auch Basiswissen in biologischer Richtung wie Frauen ticken. Und Ehrlichkeit. Ihr zu sagen, daß sie nicht die einzige ist, gehört dazu wenn es so ist. Ach ja, und eine gehörige Portion Selbstentwicklung. Eigentlich der Großteil, aber der war hier nicht gefragt.

Das habe ich auch bei mir festgestellt. Wo ich früher vollkommen verwirrt war, weil ich das Verhalten der Frau widersprüchlich fand oder nicht verstand, warum sie alles so kompliziert macht oder was sie nun wirklich will, kann ich jetzt Zeichen wesentlich schneller lesen und mir sind Situationen sehr viel klarer. Initiativeergreifen, dass „Spiel mit der Zurückhaltung“, all das ist mir viel deutlicher geworden. Routinen wie das Erdbeerfeld habe ich auch nie genutzt, sie kamen mir gekünstelt vor. Aber bestimmte Elemente nicht zu nutzen und die für sich richtigen rauszusuchen, dass ist auch ein sehr interessanter Prozessen.

Ich glaube, dass das Bild von Pickup, welches Gerald hier zeichnet, vielen Kritikern von Pickup kaum vermittelbar sein wird: Mit dem aus Pickup erworbenen Wissen soll man ehrlicher sein können? Man soll Frauen besser verstehen und ihre Zeichen besser lesen können? Es soll nur etwas um Entscheidungserleichterung gehen, wenn man doch eigentlich Psychotricks anwendet? Ich selbst finde sie sehr gut nachvollziebar. Denn ich habe die gleichen Erfahrungen gemacht: Ich fühle mich sicherer im Flirtbereich, ich ordne Verhalten eher ein und verstehe es und gerade deswegen kann ich mich geben, wie ich bin.

Pickup und Ich: Reproduzierbarkeit (Teil 4)

Langsam klappte es ganz gut und ich fühlte mich sicherer in der Auswahl des Materials, welches zu mir passte und der Vereinbarung diverser Techniken mit meiner Selbst. Ich gewann an Selbstvertrauen und Routine.

Mir fielen die Handlungsschemata, von denen ich beim Pickup las auch bei mir bekannten Naturals auf, die genauso abliefen, wie es die Theorie vorsah:

Das Auftreten, die Ergebnisunbekümmertheit, die Art zu necken, Cocky Comedy, dass alles verwendeten sie recht intuitiv. Einer erzählte mir einmal, dass er Frauen immer Fragen würde, welches Buch sie gerade lesen würden. Die meisten Frauen würden gerade keins lesen, sie würden aber annehmen, dass er eins liest, wenn er so fragt, und das würde helfen. Er selbst lese gar nicht so gerne, aber er habe ein passendes Buch parat, mit dem er glänzen könne. Ein klassische Routine, bei der es um das Qualifizieren der Frau ihm gegenüber geht.

Ein anderer tanzte erst einmal eine Frau auf der Tanzfläche an und lies sie dann stehen, nachdem sie eine Weile mit ihm getanzt hatte und interessiert schien. Er meinte, dass sie hübsch sei, aber nicht so sein Ding, er würde schauen, ob noch was besseres da ist, sonst würde er eben sie mitnehmen. Ich beobachtete wie die zuerst angetanzte Frau es nicht recht verstehen konnte, dass er sie einfach so stehen ließ, sich immer wieder um ihn bemühte und ihn so recht problemlos ein „Preapproved by other women“ bescherte, dass man durchaus an der Reaktion der anderen Frauen wahrnahm (er sah allerdings auch recht gut aus).

Ich bemerkte es auch in Filmen und Büchern, wie entsprechende Elemente geschickt eingesetzt worden sind.

Ich bemerkte, was Männer falsch machten und es waren teilweise Sachen, bei denen ich früher auch dachte, dass sie unproblematisch wären, jetzt rollten sich mir die Fussnägel hoch.

Auch viele meiner alten Beziehungen verstand ich wesentlich besser. Das Mädchen zB, dass ich im Zug kennengelernt hatte, als ich mit einem Freund einen anderen Freund besuchen fuhr.  Ich erzählte ihm, da ich ihn lange nicht gesehen hatte, da er in einer anderen Stadt studierte, meine inzwischen schon erprobten,  gesammelten und durch wiederholtes erzählen verbesserten Geschichten der letzten Monate (canned material würde man im Pickup sagen). Die Pointen saßen und die neben uns sitzende spätere Freundin musste einfach mitlachen, wodurch wir ins Gespräch kamen. Ich fand sie damals schon nett und hübsch, war aber bereits anderweitig vergeben  und versuchte daher, sie mit besagten Freund zu verkuppeln.  Bei einem gemeinsamen Umsteigen ließ ich sie am Bahnsteig stehen ließ, obwohl sie recht stark angedeutet hatte, dass sie meine Nummer gerne hätte. „Ich will den Jungen aus dem Zug“ soll sie damals wiederholt gesagt haben und hat ihn dann später auch bekommen.

Genauso verstand ich auch, was nicht geklappt hatte und – ein sehr schmerzhafter Erkenntnisprozess – wie viele Frauen ich übersehen hatte, die mir deutliche „Indikators of Interest“ gesendet hatten.

Es gab viele Ereignisse, die plötzlich Sinn machten. Demnach wurde ich auch langsam besser.

Auf einer Party entwickelte sich ein anfänglicher Neg und ein paar freche Scherze in einer Gruppe von Frauen dazu, dass ich plötzlich der Mittelpunkt einer Gruppe von fünf Frauen war, die ich vorher nicht kannte und die sich alle gute amüsierten und bei denen alles sehr gut ankam und von denen zwei Interesse zeigten, ein Abend bei dem ich das Gefühl hatte, dass es super lief, alles genau nach Schema aber trotzdem mit einer gewissen Freiheit. Ich erkannte die Grundstrukturen, die über dem Flirt lagen, aber die Sprüche und Themen waren entsprechend frei, es fühlte sich gut an, der Mittelpunkt der Runde zu sein und zu merken, dass sie einen als Mann interessant fanden. Es war ein Flow-Gefühl, bei dem irgendwie alles richtig lief, man erkannte, dass es richtig lief, man wusste, wie sie reagieren würden und man jeden Ball problemlos zurückspielte.

Auf einer anderen Party war der Gastgeber recht beschäftigt und ich kannte eigentlich nur ihn. Die dortigen Frauen waren alle nicht so unbedingt mein Ding, aber eine, die an sich hübsch, aber eben nicht so ganz mein Geschmack war, stand recht alleine dort. Ich dachte, dass es ja eine gute Gelegenheit zu üben war und habe einfach mal das Schema durchgezogen. Sie hatte wie sich mit seiner Ankunft eine Stunde später herausstellte einen Freund, hatte aber davon nichts erwähnt. Es machte mir auch nichts aus, wir amüsierten uns auch mit ihm gut. Am nächsten Tag rief mich der Gastgeber an und fragte mich, was ich denn mit ihr gemacht habe. Sie hätte seiner Freundin gesagt, dass sie mich ja richtig toll gefunden habe. Also so _richtig_.

Ein anderes Mal hatte sich eine Freundin einer Freundin kurz zu unser Gruppe dazugesellt, schließlich aber weiter gemußt. Eine weitere Freundin aus der Gruppe meinte „Scheint ja nett gewesen zu sein deine Freundin, ich hätte sie mich ja auch gern mit ihr unterhalten, aber Christian hat ja wieder sein Ding gemacht und sie hatte nur Augen für ihn“.

Eine weitere Freundin einer Freundin beschwerte sich einmal, dass die Männer an ihrer Fakultät (Mathematik) so schlecht flirten würden, ob ich denen nicht mal Nachhilfe geben könnte.

Kurzum ich habe es langsam rausbekommen. Nicht so, dass ich mich als PUA bezeichnen würde oder man mich auf jede Frau ansetzen könnte und sie will mich. Aber so, dass ich einen wesentlich besseren Eindruck auf Frauen mache und sie üblicherweise wesentlich positiver reagieren.

Es tat mir – auch wenn das vielleicht nichts Gutes über mich aussagt und etwas billig ist – gut, als ich bei einer Feier auf eine Frau stieß, mit der es am Anfang meiner Lernphase etwas Flirterei gab, was dann aber nicht klappte  und deren Gesicht zu sehen als ich ihr meine zwischenzeitige damalige Freundin vorstellte, die objektiv wesentlich hübscher war als sie. Ihr Gesicht verriet, dass sie nicht verstand, was da passiert war.

Pickup hat mir insofern einiges an Erfolgserlebnissen beschert und zudem eine gewisse Reproduzierbarkeit dieser Erfolgserlebnisse ohne das es zu sehr ein Abarbeiten eines bloßen Schemas ist. Das gibt einem eine gewisse Sicherheit. Ich habe auch ansonsten das Gefühl, dass ich Situationen besser verstehe und einschätzen kann.

Für mich hat sich Pickup also gelohnt. Es wird schwer sein, mich davon zu überzeugen, dass es nur Geldmacherei oder Betrug ist, weil es mir persönlich Einsichten gegeben hat, die ich nicht missen möchte und die ich für jeden Mann sehr nützlich halte. Ich will nicht sagen, dass nicht auch einiges dabei ist, was ich nicht gut finde oder niemals für mich verwenden würde, wobei das aber auch damit zusammenhängt, dass es eben zu mir nicht passen würde.

Pickup und Ich: Kalibrierung (Teil 3)

Mein erster Kontakt war also durchaus erfolgreich verlaufen.

Richtig verwerten konnte ich das aber bei ihr nicht. Sie wechselte immer noch, obwohl sie Single war, zwischen heiß und kalt, ich glaube ich war einfach noch zu nett für sie. Ich stürzte mich dafür in die Pickupliteratur und las und verhörbuchte alles, was sich auf den einschlägigen Torrentseiten unter Stichworten wie „Pickup“ „David DeAngelo“, „Mystery“ etc finden ließ.

Ich hörte es allerdings wild durcheinander, hier eine Interviewserie, dort ein Schnipsel, ich machte es mir insofern selbst schwer, die dahinter stehende Struktur zu verstehen, da ich teilweise mit Detailproblemen aus dem Fortgeschrittenenprogramm anfing. Eine kurze Zeit versuchte ich davon einiges an ihr, aber es war viel zu durcheinander. Ich las etwas über Shittests und erkannte immerhin, dass das gut auf sie zutraf, reagierte dann aber relativ trotzig und zu wenig spielerisch. Dann hörte ich etwas darüber, dass man, wenn es nicht klappt, einfach mal locker lassen soll: Ist sie interessiert, dann würde sie sich wieder melden. Wenn nicht, dann lohnte es sich auch nicht und man hat besser den Kopf frei.

Ich beschloss also, dass fortan sie die Sache vorantreiben sollte und meldete mich nicht mehr und konzentrierte mich auf andere Ereignisse.

Dabei ließ sich eine erste Wirkung schon feststellen. Ich merkte, dass ich immer wieder entweder bestimmte Elemente mit Erfolg einsetzen konnte oder aber, wenn etwas nicht geklappt hatte, eine Stelle in Pickup fand, die mir recht nachdrücklich erklärte, warum es nicht geklappt hatte

Ich erinnere mich an ein Treffen, bei der ich eine Frau, mit der ich flirtete und von der ich schon einige sehr positive Signale bekommen hatte, nach Hause fuhr und sie mich fragte, ob ich am nächsten Tag früh raus muss. Ich dachte mir, dass es ja positiver weise so war, dass ich am nächsten Morgen tatsächlich nicht raus musste und sie mich, wenn ich dies mitteilen würde, ja zumindest ohne Sorgen noch auf einen Kaffee zu sich einladen könnte. Sie stieg aus, bedankte sich für die Fahrt und lud mich nicht zu sich ein.

Etwas später hörte ich aus irgendeiner Reihe dazu die Theorie, dass eine Frau, die fragt, ob man am nächsten Tag früh raus muss, überlegt, ob sie einen mit reinnimmt, aber auch die Sorge hat, dass sie einen dann nicht mehr loswird, falls es doch nicht so gut läuft. Also fragt sie in der Hoffnung, dass man etwas vor hat um bewerten zu können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man lange bleibt. Der Rat war zu sagen, dass man leider früh raus müsse, aber wo sie schon fragt würde man gerne kurz ihre Wohnung sehen, einen Kaffee trinken, dann müsse man leider schon wieder aufbrechen. So kann sie einen gefahrlos einladen, wenn der Abend dann gut läuft ist es eh egal, was man vorher gesagt hat.  Ich erkannte also zB die Bedeutung einer Zeitbeschränkung oder eines Time Constraints.

Natürlich ging es auch genau anders herum: Ich hatte etwas gehört, was super klang und wollte es ausprobieren, vermasselte es aber grandios. Es war eine Qualifikationsroutine, bei der man seine Anforderungen an die Frau spasshafterweise immer weiter steigern sollte, damit diese sich einem gegenüber als „Gut genug“ qualifizieren konnte. Es ging ungefähr so, dass man zuerst so etwas sagte wie „Heutige Frauen können ja leider nicht mehr kochen, wir Männer kochen inzwischen besser“, wobei sie eine erste leichte Qualifiktation durchführen sollte, indem sie darauf hinweist, dass sie kochen kann. Dann ging es weiter, sie solle dies und jenes haben bis man dann schließlich etwas übertrieben bei der kochenden Millionärstochter, dessen Vater eine Brauerei hat mit eigenem guten Job, Stilbewußtsein, einem Sinn für Literatur und eine bisexuelle Ader mit Spaß an einem Dreier. In dem Hörbuch hat er es flüssig und mit der richtigen Mischung aus Unverschämtheit und Witz vorgebracht und ich bin sicher, dass er es auch tatsächlich so rüber bringen konnte – ich konnte es nicht. Was auch daran lag, dass ich inzwischen die genaue Eskalationsreihenfolge vergessen hatte und zudem die Lautstärke der Musik das ganze einfach zu kompliziert machte, so dass sie dachte, sie hätte sich verhört und ich es noch mal sagen musste, was ihm schlicht einiges an Witzigkeit nahm. Demnach war sie sich glaube ich danach auch einfach nicht so sicher, ob ich nicht einfach ein Psycho war und das eigentlich warme Set war tot.

Ein paar Mal habe ich gerade am Anfangs Sets übertrieben und war zu böse und nicht witzig genug dabei, so dass die Frau dann eher beleidigt war. Ich musste mich da erst rantasten und etwas ausprobieren, was man sagt und was man besser nicht sagt. Einmal ganz am Anfang sagte ich einer Frau, dass sie entschieden zu alt wäre, Frauen in ihrem Alter würden immer gleich heiraten und Kinder bekommen wollen, weil die Uhr tickt (sie war 33). Sie war sauer und hat kein Wort mehr mit mir gesprochen.

Bei vielen Sachen lag ich erst einmal zumindest leicht daneben, ich merkte insbesondere, dass zu komplizierte Routinen zu schnell hölzern wirken und man nicht die Routine lernen muss, sondern warum sie ein gutes Beispiel für eine bestimmte Situation ist und was dahinter steckt. Daneben arbeitet ich auch an dem Rest: Das Fitnessstudio wurde wieder regelmäßiger besucht, ich hinterfragte meinen Kleidungsstil und gestaltete ihn etwas moderner. Ich legte mir ein paar schickere Sachen zu, die zwar etwas teurer waren, aber sehr gut aussahen. Ich experimentierte etwas mit Haarschnitt und Styling, wenn es auch nicht zu abenteuerlustig wurde.

Irgendwann zwischendrin meldete sich dann auch tatsächlich, dass Mädel von damals wieder. Ich ließ ihre Nachricht unbeantwortet. Warum sollte ich zu ihren Spielchen zurückkehren?

(weiter bei Teil 4)

Pickup und Ich: Der erste Kontakt (Teil 2)

Nach dem „Erfolgserlebnis“ in der Disko blickte ich positiver in die Zukunft. Hatte ich mich nicht neulich noch mit einer Freundin einer Freundin unterhalten, bei der ich den Eindruck hatte, dass sie etwas mit mir flirtet? Die war eigentlich ganz süss gewesen.

Es fügte sich, dass ich sowieso aus anderen Gründen kurz in ihre ursprüngliche Heimatstadt musste, also fragte ich sie über Facebook was man denn da so machen könnte. Es entspann sich ein netter Dialog und wieder lag etwas flirtiges in der Luft. Sie lachte über meine Witze, ich fand alles lief eigentlich ganz gut.

Das sie einen Freund hatte erschien mir dabei kein großes Hindernis, denn ich hatte ihn kennengelernt und er war ein Arschloch der Extraklasse. Eine Befragung der gemeinsamen Freundin ergab auch, dass sie schon länger unzufrieden mit ihm war und ihn ihre meisten Freunde auch nicht mochten. Er war übergenau, pingelig, ein Prinzipienreiter und unglaublich autoritär. Ich hielt das für ein gutes Omen, sie hatte sich eben in ihm vertan und brauchte vielleicht einfach noch etwas, um aus der Beziehung raus zu kommen. Dieses etwas konnte ich sein!

Ich stellte sie etwas aufs Podest, ich machte ihr Komplimente, wir trafen uns auch zum Mittagessen. Am Ende des Mittagessens in einem Restaurant fragte sie „Und? Lädst du mich ein?“ Ich fand es etwas dreist, da es ganz unverbindlich gehalten war, aber ich hielt es auch für richtig und der Sache förderlich, ich wollte ihr ja auch zeigen, dass ich es ernst meinte. Also lud ich sie ein.

Es verging einige Zeit und ich konnte über die gemeinsame Freundin ein gemeinsames Kochen arrangieren, wir hielten etwas Händchen unter dem Tisch. Ich sah uns schon fast zusammen. Ich schlug dann vor, dass wir Abends mal was trinken gehen, sie sagte zu. 3 Stunden vorher sagte sie ab. Danach lief irgendwie alles auf Sparflamme. Ich versuchte sie wieder für mich zu gewinnen, es kam nicht viel von ihr, ich beschloss es sein zu lassen und meldete mich dann auch nicht mehr. Daraufhin zeigte sie wieder etwas Interesse, nur um sich dann wieder zurückzuziehen.

Es war frustrierend.

Just in diesem Moment lass ich in einer Zeitung einen Bericht über Pickup, der die Aussage einer Feministin enthielt, dass es unfair sei, diese Methoden einzusetzen, weil sie funktionieren würden und an die niederen Instinkte der Frauen appelieren würden, die sich deswegen nicht dagegen wehren könne. Ich würde den gleichen Bericht heute gerne noch einmal lesen, eine solche Aussage ist ja doch reichlich ungewöhnlich. Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon durch ein paar Beziehungsratgeber gelesen und war darüber auf die Biologie der Geschlechterunterschiede gekommen und auch schon in diversen Foren in Diskussionen dazu verstrickt. Es interessierte mich schon deswegen, was dort denn so raffiniertes gelehrt werden würde, dass es eine Feministin so unfair finden würde.

Da in dem Artikel von Neil Strauss und seinem Buch „The Game“ die Rede war, suchte ich nach Neil Strauss und fand sein „Annihilation Method- Video“, welches ich mir anschaute.

 

(Siehe Youtube für weitere Teile)

Ich fand viele der dort angesprochenen Theorien sehr interessant. Es erschien mir logisch, dass man ein Gliederung eines Ansprechens vornehmen konnte und der „Neg“ erinnerte mich an etwas, was ich selbst früher einmal gemacht hatte und was damals eigentlich auch ganz gut geklappt hatte, was ich dann aber aufgegeben hatte.

Es erschien mir eine faszinierende neue Welt zu sein, die einen Plan hatte und bei der man viel Gutes mitnehmen konnte. Ich erkannte bereits jetzt, dass einiges bei bisherigen Flirts falsch gelaufen war. Ich konnte einiges von dem, was gut gelaufen war, in die Theorien einordnen.

Kurzum: Es war ein Thema, mit dem ich mich mehr beschäftigen wollte

Nachdem ich also auf einige interessante Thesen gestoßen war wollte ich ausprobieren, ob auch etwas für meine konkrete Situation dabei war: Wie bekam man eine Frau von ihrem nervigen Freund los?

Es dauerte nicht lange, bis ich auf den Boyfriend Destroyer stieß. Ich lass einiges darüber und folgende Taktiken fand ich interessant:

  1. Rede niemals schlecht über ihn, denn das wird nur dazu führen, dass sie ihn verteidigen will und ihn sich selbst schön redet
  2. Reframe alles was er macht, so, dass er ein netter Kerl ist, der sich nur Unsicher ist
  3. Stelle ihn als den perfekten Freund dar, so dass sie ihn mit diesem perfekten Bild vergleichen muss und daher anfängt die Abweichungen wahrzunehmen und zu sagen, was sie stört.

Verdammt, ich hatte versucht schlecht über ihren Freund zu reden. Sie sollte ja einsehen, dass er ein Arschloch war. Ich lass unsere Emails und Facebooknachrichten noch mal und sie verteidigte ihn wirklich danach. Ich hatte ihr seine Schlechtigkeit vor Augen führen wollen, sie retten wollen. Es hatte nicht geklappt.

Also war es Zeit etwas neues zu probieren.

Fortan lobte ich ihren Freund in den Himmel. Es sei doch bestimmt angenehm, jemand zu haben, der in allem so direkt und ehrlich seine Meinung sagen würde. „Naja, mitunter sei das schon mal anstrengend“. Er meine das bestimmt gar nicht so, vielleicht verberge sich hinter seiner harten Maske einfach nur ein sehr unsicherer Kern“ Mhmm so habe sie es noch nicht gesehen. Er würde jedenfalls gut zu ihr passen, er würde doch bestimmt sich sofort um sie kümmern, wenn dies und das sei. „Nein, würde er leider nicht.

Was soll ich sagen, zwei Wochen später hatte sie tatsächlich mit ihm Schluss gemacht.

(weiter bei Teil 3)

Pickup und ich: Am Boden (Teil 1)

Als es mit meiner damaligen Freundin vorbei war, ging es mir dreckig. Ich habe es zwei Wochen lang anderen Freunden nicht erzählt, weil ich nicht darüber reden wollte. Ich wusste nicht, dass sie ihnen bereits eine kurze Mail geschrieben hatte um sich auch von ihnen zu verabschieden.

Ich hörte das beste Lied, dass es für solche Situationen gibt, auf Endlossschleife und suhlte etwas in Erinnerungen und allgemeinen Herzschmerz.

Irgendwie muss man alle seine Routinen neu erlernen, man erwischt sich noch relativ lange dabei, dass man bei neuen, spannenden oder lustigen Ereignissen gleich denkt, dass man SIE gleich anrufen sollte und ihr davon erzählen sollte, bis man merkt, dass es keine Option mehr ist.

Ich funktionierte etwas vor mich hin, bis ich mir bewusst machte, dass es so nicht weitergehen konnte und ich das Ganze nun ja wohl abhaken musste. Ich fühlte mich irgendwie etwas rostig, was das Flirten anging, also beschloss ich erst einmal alleine in eine Disko zu gehen und mich dort einfach einmal treiben zu lassen.

Ich tanzte wild vor mich hin, tanzte hier an und da an, aber es war Studentennacht und alle anwesenden Frauen waren zehn Jahre jünger als ich. Ich trank erstmal ein paar Bier, zum locker werden. Danach, so dachte ich mir, werde ich eine Frau ansprechen.

Ich schaute mich also um und sah auch tatsächlich ein sehr schönes Mädchen, vielleicht 22 am Rande der Tanzfläche stehen, diese lag tiefer als der Rest der Bar und die einmal um sie herum laufenden 3-4 Stufen bildeten quasi eine Art Zuschauertribüne auf deren obersten Ende sie stand. Sie war aus meiner damaligen Sicht und im Licht der Disko eine glatte 9. Aber ich erinnerte mich an einen Rat eines Mitbewohners im Studium: „Einfach zuerst die Schönste fragen, vielleicht sagt sie ja. Sagt sie nein, dann fragt man eben die zweitschönste“. Im flackernden Licht der Disko erschien sie mir wie der Start in eine herrliche neue Zukunft. „Vielleicht sagt sie ja Ja“. Ich machte mich todesmutig auf den Weg.

Dabei nährte ich mich ihr von unten, blieb eine Stufe unter ihr stehen, so dass sie mich sogar noch etwas überragte, und versuchte aus dieser Nähe Blickkontakt herzustellen. Sie übersah mich vollkommen, wahrscheinlich hoffend, dass ich mich davon machen würde, wenn sie mich ignoriert. Nachdem alle recht passiven Bemühungen nichts brachten tippte ich ihr tatsächlich auf die Schulter. Sie blickte mit leicht besorgten Blick zu mir runter. „Ich finde dich toll. Ich würde dich gerne kennenlernen. Wollen wir ein Bier zusammen trinken?“ rief ich ihr über den Diskolärm zu. Sie verstand es nicht, es war zu laut. Ich wiederholte die Sätze noch einmal in voller Länge, nur etwas lauter und auf Zehenspitzen stehend etwas näher zu ihr hin.

„Ich habe einen Freund“ erwiderte sie und wandte ihren Blick wieder der Tanzfläche zu, weg von mir.

Ich sagte so etwas wie „Okay, danke“ und ging.

Und war wahnsinnig stolz auf mich. Ich hatte sie angesprochen! Sie hatte halt einen Freund. So etwas passiert! Ich fand es gut, dass sie das direkt so gesagt hatte. Sie hatte einen Freund, aber sie hatte es in meinen damaligen Augen recht freundlich gesagt, es war kein großes Ding gewesen. Mir war nichts schlimmes passiert.

Ich hatte selbst gar nicht gemerkt, wie fürchterlich mein Ansprechen gewesen war, wie erkennbar erfolglos, und das es eine recht simple Art war mich loszuwerden.

Ich fühlte mich tatsächlich besser.

(weiter bei Teil 2)