Multiple Realisierbarkeit (Theorie des Geistes)

Ein Argument, welches in den philosophischen Theorie des Geistes häufiger auftaucht ist das Argument der „Multiplen Realisierbarkeit“. Ich verstehe nicht ganz, warum das überhaupt ein Argument sein soll, mit dem man etwas widerlegen kann, vielleicht kann es mir hier jemand erklären:

Aus der Wikipedia:

Der Verweis auf die multiple Realisierung verhilft zu einem klassischen Argument in der Philosophie des Geistes. Dieses Argument beschäftigt sich mit der Multirealisierbarkeit mentaler Zustände. Hier ist der entscheidende Auslöser für den Übergang von der Identitätstheorie zum Funktionalismus zu finden. Die klassische Formulierung des Arguments über die multiple Realisierung stammt von Hilary Putnam (Abschnitt 1). Jerry Fodor hat das Argument generalisiert und mit ihm gegen einen überzogenen Reduktionismus und für eine Eigenständigkeit der Einzelwissenschaften argumentiert (Abschnitt 2).

Die Identitätstheorie sagt, dass mentale Zustände mit neuronalen Zuständen identisch sind. Es ist insoweit eine reduktionistische Theorie, weil es eben die mentalen Zustände auf die neuronalen Zustände reduziert. Dagegen gehen „nicht-reduktionistische Zustände“ davon aus, dass es da irgendwie ein „Mehr“ gibt, welches aber natürlich kein Dualismus, also eine Unterscheidung von Körper und Geist sein darf, sondern üblicherweise doch wieder etwas materielles, aber eben irgendwie mehr.

Zum Funktionalismus nun das Folgende:

Lassen sie sich in ein materialistisches Weltbild integrieren oder nur durch einen immateriellen Geist erklären? Der Funktionalismus vertritt die These, dass es sich bei mentalen Zuständen um funktionale Zustände handelt. Da funktionale Zustände von materiellen Systemen realisiert werden können, wird der Funktionalismus allgemein als eine materialistische Position aufgefasst. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass der Funktionalismus zunächst eine ontologisch neutrale Position einnimmt: Es spricht prinzipiell nichts dagegen, dass auch immaterielle Systeme – wenn es denn solche gibt – funktional charakterisiert werden können.

Ein funktionaler Zustand ist dadurch definiert, dass er auf einen bestimmten Input mit einem bestimmten Output reagiert und in einen anderen funktionalen Zustand übergeht. Man kann das Konzept eines funktionalen Zustandes anhand von einfachen Beispielen erörtern. Von dem Philosophen Ned Block kommt etwa das Beispiel eines Colaautomaten: Gegeben sei ein Automat, der nach einem Einwurf von einem Euro eine Coladose ausgibt. Dabei akzeptiert er 1-Euro- und 50-Cent-Stücke. Um funktionsfähig zu sein, muss der Automat verschiedene interne Zustände besitzen. Es muss einen Zustand geben, in dem der Automat einen Euro fordert, um eine Dose auszugeben, es muss aber auch einen Zustand geben, in dem der Automat nur noch 50 Cent fordert.
Der Automat besitzt zwei verschiedene Zustände, die jeweils auf zwei verschiedene Inputs reagieren und entweder im gleichen Zustand verbleiben können, oder in den anderen Zustand wechseln. Durch diese Tabelle sind die funktionalen Zustände definiert. Das Entscheidende an einer solchen funktionalen Charakterisierung eines Systems ist nun, dass sie unabhängig von der konkreten physischen Realisierung des Systems ist: Es ist etwa vollkommen irrelevant, ob der Automat aus Kunststoff oder Stahl gebaut ist.

Die These des Funktionalismus ist nun, dass auch mentale Zustände in einer solchen Weise definierbar sind. Wer in einem mentalen Zustand ist (etwa Kopfschmerzen hat oder denkt, dass heute Montag ist), wird auf einen bestimmten Input in bestimmter Weise reagieren und in einen anderen mentalen (funktionalen) Zustand übergehen. Dabei ist allen Funktionalisten klar, dass die Beschreibung des mentalen Innenlebens ungleich komplexer sein muss als die Beschreibung eines Colaautomaten. Das Entscheidende an dieser These ist nun, dass mit ihr auch das Verfügen über mentale Zustände unabhängig von der physischen Realisierung ist. So könnte ein Computer oder Roboter mentale Zustände haben, wenn er nur die gleichen funktionalen Zustände realisiert wie ein Lebewesen mit Bewusstsein.

Das klingt für mich wie: Ignorieren wir einfach mal das Problem, wie etwas entstehe, konzentrieren wir uns auf die schlichte Funktion. Das ist nur eine Problemverlagerung in meinem Augen, aber ich bin ja auch kein Philosoph. Jedenfalls ist das die Konstellation in der die multiple Realisierbarkeit eine Rolle spielen soll. Weiter in der Wikipedia:

Die Identitätstheorie
Die Identitätstheorie steht an einer gut lokalisierbaren Stelle in der Geschichte der Philosophie des Geistes: Sie ist die unmittelbare Reaktion auf das Scheitern des Behaviorismus, wie er etwa von Carl Gustav Hempel oder Gilbert Ryle vertreten wurde. Die Lehre, die aus diesem Scheitern gezogen wurde, war: Mentalen Zuständen ist nicht allein durch Verhaltensbeschreibungen beizukommen. Doch was können mentale Zustände sein?

Die nahe liegende Antwort der Identitätstheoretiker lautet: „Mentale Zustände sind mit Gehirnzuständen identisch.“ Für jeden mentalen Zustand M (also etwa Kopfschmerz) soll es einen Gehirnzustand G geben, mit dem M identisch ist. Dabei sind M und G als Typen zu verstehen. Der Typ „Kopfschmerz“ meint Kopfschmerz als generelles Konzept und nicht einen einzelnen Kopfschmerz (das sind die Token). Die These ist also, dass M-Typen mit G-Typen identisch sind.

Der Einwand
Hilary Putnam (1967) entwickelte erstmals das Argument der multiplen Realisierbarkeit, das zeigen sollte, dass ein mentaler Zustand nicht mit einem Gehirnzustand identisch sein kann: Die einzelnen, konkreten mentalen Zustände (die Token) können nämlich in verschiedenen Wesen durch ganz verschiedene Gehirnzustände realisiert sein. Man denke etwa an die Schmerzen eines Lurches und eines Menschen. Es ist einfach unwahrscheinlich, dass in ihnen die gleichen Gehirnprozesse ablaufen, wenn sie Schmerzen spüren. Es könnte sein, dass Schmerzen bei Menschen durch das Feuern von C-Fasern realisiert werden, bei Lurchen jedoch durch etwas völlig anderes. Dennoch können Lurche und Menschen Schmerzen haben. Sie haben also die gleichen mentalen Zustände, aber verschiedene Gehirnzustände. Also können mentale Zustände (M-Typen) nicht mit Gehirnzuständen (G-Typen) identisch sein.

Mit diesem Argument galt die klassische Identitätstheorie bei vielen als widerlegt. (Vergleiche jedoch Jaegwon Kim 1993.) Natürlich konnte man immer noch annehmen, dass M-Token mit G-Token identisch sind. Eine solche Theorie wurde etwa von Donald Davidson formuliert. Es bleibt jedoch die Frage offen, was die einzelnen M-Token zusammenhält, was sie zu verschiedenen Instanzierungen des gleichen Typen macht. Die orthodoxe Antwort auf diese Frage war der Funktionalismus: Alle gleichartigen M-Token werden durch den gleichen funktionalen Zustand (Typ) F realisiert.

Also wenn ich das richtig verstehe, dann streiten sie sich da so ziemlich um nichts. Denn „mentale Zustände sind mit Gehirnzuständen identisch“ steht aus meiner Sicht noch nicht einmal im Widerspruch zu „Die Mentalen Zustände können auf verschiedene Arten realisiert werden, sind aber dann mit den dortigen jeweiligen Gehirnzuständen identisch“.  Die Schmerzen eines Lurches und eines Menschen können verschieden sein, aber jeweils mit den Gehirnzustand identisch sein.

Tatsächlich wissen wir aber, dass das Rad nicht für jedes Wesen neu erfunden worden ist. Denn die wahrscheinlichste Theorie ist eben die Evolutionstheorie, die besagt, dass alle Lebewesen gemeinsame Vorfahren haben von denen aus sie sich entwickelt haben. Die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzen hat sich natürlich auch in diesen Lebewesen dann unterschiedlich entwickelt und kann je nach Art bestimmte Eigenarten aufweisen, wird aber um so ähnlicher sein, um so näher die jeweiligen Tiere miteinander verwandt sind.

Dabei kann man in der Tat Schmerz nach seiner Funktion bestimmen. Es ist eben ein Signal, dass etwas nicht stimmt, ein Teil des Körpers beschädigt zu werden droht und man diesen nach Möglichkeit davor bewahren soll. Man kann dies auch in den verschiedenen Stationen nachweisen, indem man Sensoren, Leitungsbahnen und Signalverarbeitung im Gehirn näher betrachtet. Und das kann dann eben bei den verschiedenen Lebewesen auch vollkommen unterschiedlich ablaufen, aber jeweils mit dem mentalen Gehirnzuständen identisch sein.

Die Multirealisierbarkeit mentaler Zustände ist entscheidend für den Niedergang der Identitätstheorie, da sie dieser ihren empirischen Gehalt streitig macht. Es ist inzwischen bewiesen, dass nicht nur bei ungleichen Wesen sondern auch bei verschiedenen Personen ein bestimmter mentaler Zustand auch mit unterschiedlichen neuronalen Zuständen in Wechselbeziehung zueinander stehen kann. Dies lässt sich heutzutage mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) beobachten. Die PET wird u. a. verwendet, um die Funktionen des Gehirns zu untersuchen und zu erforschen. Eine Versuchsperson inhaliert hierzu einen radioaktiven Sauerstoff (oder auch Glukose). Danach wird die Konzentration des Stoffes in den unterschiedlichen Arealen des Gehirns gemessen. Ein größerer Verbrauch der Substanz lässt gleichzeitig auf eine höhere neuronale Aktivität schließen. In den aktiveren Teilen des Gehirns findet eine höhere Durchblutung statt. Aufgrund dieser Untersuchung konnte festgestellt werden, dass bei unterschiedlichen Personen, die dieselben Aufgaben lösen sollen, zwar häufig ähnliche, aber kaum identische Gehirnzustände beobachtet werden können. Auffällig ist hierbei auch der erhebliche Unterschied bei den Gehirnaktivitäten von Männern und Frauen.

Ich habe beim Suchen keine Studie dazu finden können. Weder in der deutschen noch in der englischen Wikipedia ist etwas dazu verlinkt. Aber auch das scheint mir schlicht die Vereinfachung zu stark zu sein und die Widerlegung nur nach dieser zu funktionieren.

Denn natürlich sind Menschen keine Massenware, die strikt aus einer Form kommt. Wir haben einen Genpool, der bereits Unterschiede ausweist. Wir werden nicht nach einem Bauplan gebaut, sondern wachsen nach einem Wachstumsplan, der von Ernährung und anderen Zuständen wie unterschiedlichen Hormonzuständen während des Aufwachsens betroffen wird. Und wir lernen und stellen interne Datenbanken auf, in der wir Erkenntnisse, Zusammenhänge, Vernetzungen aller Art festhalten. Und das machen wir auf der Basis ganz unterschiedlicher Lebenserfahrungen. Natürlich kann dann auch eine Erfahrung bei einem ansonsten recht gleichen Gehirnaufbau (den wir recht unstreitig haben) anders verarbeitet sein. Männer mögen beispielsweise in einer Situation jemanden als Konkurrenten wahrnehmen und Frauen als potentiellen Sexualpartner. Männer mögen vielleicht eher an sie gesprochene Sätze auf die sachliche Information analysieren, Frauen nebenher stärker auch auf andere Ebenen der Kommunikation, etwa was dies über das Verhältnis des Sprechers zu ihnen aussagt. Aber auch ansonsten können Informationen anders verarbeitet werden, etwa indem bei dem einen eine Assoziation zu X und bei dem anderen zu Y entsteht oder indem bestimmte Gedanken nach einem gleichen Muster an verschiedener Stelle verarbeitet werden.

Mal als vielleicht schlechtes Bild: Bei einem Mehrkernprozessor ist es auch egal, in welchem der Kerne eine konkrete Berechnung erfolgt, solange sie dann das Ergebnis an die richtige Stelle weitergeben können. Auch da wird man nicht „die Berechnungen können nicht mit Zuständen im Prozessor identisch sein, weil sie einmal im Kern 1 und einmal im Kern 4 verarbeitet worden sind.

Darüber hinaus kann man beobachten, dass sich die Korrelationen zwischen mentalen Zuständen und Gehirnzuständen sogar bei einzelnen Personen im Laufe ihres Lebens verändern. Dies kann z. B. die Folge einer Gehirnverletzung sein. Gesunde Teile des Gehirns übernehmen teilweise Funktionen, die der geschädigte Teil nicht mehr ausüben kann. Es klingt daher ziemlich unwahrscheinlich, dass jedem mentalen Zustand genau ein neurophysiologischer Zustand entsprechen soll. Es resultiert eine eher schwache empirische Grundlage für die Identitätstheorie, da die vorauszusetzende naturgesetzliche Korrelation fehlt.

Auch hier Frage ich mich immer, wie die sich das vorstellen. Ist das Magie oder ein Wunder? Oder eben einem genetisch festgelegten Reparaturprogramm geschuldet, welches darauf ausgerichtet ist, jemanden bestmöglich am Leben und funktionstüchtig zu halten?

Und selbst, wenn man davon ausgeht, dass andere Gehirnbereiche Berechnungen übernehmen können, für die sie eigentlich nicht vorgesehen waren: Warum soll das dann dazu führen, dass die dort vorgenommenen Denkvorgänge nicht auf die dortigen Neuronen zurückzuführen sind? Auch dann, wenn man auf einem Computer eine andere Software laufen lässt, sind es dennoch Einsen und Nullen, Strom an oder aus, und genau darauf ist alles, was dort passiert zu reduzieren. Natürlich ist auch dort das Ganze mehr als der Einzelvorgang. Aber die einzelne Berechnung setzt sich eben dennoch aus einzelnen Vorgängen von „Strom ein, Strom aus“ zusammen (sehr vereinfacht dargestellt).

Vielleicht hatte man hier das Bild, dass ein Denkvorgang fest eingeschrieben sein muss und daher dann eben nur an einer Stelle berechnet werden kann. Aber das scheint mir eben auch ein sehr einfaches Bild zu sein. Wir haben heute bereits Computer, die Daten überall auf der Welt verarbeiten können und an beliebiger Stelle speichern können. Wichtig ist nur, dass eine kompatible „Sprache“ vorhanden ist, worauf die Berechnungen dann durchgeführt werden ist nicht weiter wichtig. Die Verarbeitung der Daten könnte an verschiedenen Stellen stattfinden (je nach dem, wo in dem Rechenzentrum gerade Kapazitäten frei sind), aber das Ergebnis wäre gleich.

Oft wird angenommen, dass die multiple Realisierung nicht nur ein Argument gegen die Identitätstheorie bietet, sondern reduktionistische Positionen allgemein unbefriedigend macht. Es ist insbesondere Jerry Fodor (1974) gewesen, der das Argument der multiplen Realisierbarkeit generalisiert hat. Er ist der Meinung, dass das Argument zeigt, dass den Einzelwissenschaften (etwa Psychologie oder Ökonomie) ein autonomer Status gegenüber der Physik einzuräumen ist. Die Gesetze der Einzelwissenschaften seien nämlich prinzipiell nicht auf Gesetze der Physik zurückzuführen.

Dies begründet Fodor wie folgt:

Es lassen sich ohne weiteres Generalisierungen über Ereignisse formulieren, ohne dass deren physikalische Beschreibungen irgendwelche Gemeinsamkeiten dazu aufweisen müssen.
Die Frage nach den physikalischen Beschreibungen ist häufig sogar irrelevant für die Wahrheit und Interessantheit der Generalisierungen oder auch für ihre epistemologisch wichtigen Eigenschaften.
Größtenteils beschäftigen sich die Einzelwissenschaften dazu auch mit Generalisierungen der o.g. Art.
Denken wir an ein triviales psychologisches Gesetz: „Wenn X Y hasst, dann wird X Y nicht küssen – es sei denn X verspricht sich irgendwelche Vorteile davon.“ Wenn das Argument der multiplen Realisierbarkeit stimmt, so gibt es kein physikalisches Gesetz, auf den sich das psychologische Gesetz reduzieren ließe: Denn „hassen“ kann in verschiedenen Personen ganz verschieden realisiert sein, so dass die Fälle in physikalischer Sprache nicht mehr als zusammengehörig erkannt werden können.

Ein vielleicht noch offensichtlicheres Beispiel bietet die Ökonomie. Dies lässt sich anhand von Greshams Gesetz verdeutlichen. Wird das Wertverhältnis zwischen mehreren Währungen gesetzlich festgelegt, so verdrängt die stärkere Währung die schlechtere. Dieses Gesetz gilt unabhängig davon, woraus das Zahlungsmittel besteht bzw. gemacht ist (Gold, Nickel, Muscheln,…), es ist also unabhängig von den einzelnen physischen Realisierungen. Würden wir also nur das physische Geschehen beschreiben, so würden wir gar nicht erkennen, was all die verschiedenen Fälle zusammenhält. Fodor meint hierzu daher, dass jeder Austausch von Zahlungsmitteln zwar physikalisch beschrieben werden kann. Alle diese Ereignisse können jedoch kaum unter ein und denselben physikalischen Artbegriff fallen. Demnach können verschiedene Arten des Zahlungsverkehrs interessante Gemeinsamkeiten besitzen. Diese lassen sich jedoch sicherlich nicht auf eine einzige physikalische Beschreibung zurückführen.

Demnach folgt nach Fodor, dass vernünftigerweise nicht angenommen werden kann, dass jedem einzelwissenschaftlichen Artbegriff ‚F‘ genau ein physikalischer Artbegriff ‚P‘ derart zugeordnet werden kann, dass sich zu jedem einzelwissenschaftlichen Gesetz

(1) Für alle x: Wenn x F hat, hat x auch F‘

aus der Physik das Bildgesetz

(2) Für alle x: Wenn x P hat, hat x auch P‘

ableiten lässt. (→ siehe hierzu: Beckermann, S. 140)

Es ist somit weitaus wahrscheinlicher, dass verschiedene Ereignisse auf sehr unterschiedliche Weise physikalisch realisiert sind.

Auch da scheint mir das Modell sehr simpel. Denn auch hier gilt, dass nur weil eine bestimmte Informationsverarbeitung nicht nur auf einem ganz bestimmen „Neuronencluster“ stattfinden kann, die mentalen Zustände dennoch mit den Gehirnzuständen identisch sein können. Das gilt eben dann nicht, wenn man nicht die Informationsverarbeitung selbst sieht, die auf eine bestimmte Weise stattfindet, die komplett auf Gehirnzustände zurückgeführt werden kann, sondern als „identischen Gehirnzustand“ nur eine absolut gleiche Verarbeitung ansieht, als müssten Gedanken in einer nur einmal vorhandenen Form gegossen werden und nicht das Ergebnis einer fließenden Informationsverarbeitung sein.

Also mir erschließt sich nicht, warum die multiple Realisierbarkeit so ein bestechendes Argument gegen einen Reduktionismus sein muss, ebenso wenig wie sich mir erschließt, was letztendlich ein nichtreduktiver Ansatz als anderes Element haben soll, was nicht in einem Dualismus mündet.

Vielleicht kann es mir hier jemand erklären.

Erkenntnistheorie nach Willard Van Orman Quine

Dies ist ein Gastartikel von El_Mocho.

Traditionell gilt der Zweifel als Ausgangspunkt der Erkenntnistheorie. Wir stellen im Alltagsleben fest, dass wir häufig etwas für wahr halten, das sich dann später als unwahr herausstellt. Aus rein lebenspraktischer Sicht ist es wichtig, wahres und unwahres unterschieden zu können. Wie erreichen wir das?

Bekannt ist die Antwort von Descartes: Wenn ich alles wegnehme, was falsch sein könnte, bleibt zurück, was unbezweifelbar wahr ist: nämlich dass ich denke: „Ich denke, also bin ich“. Und ausgehend vom denkenden Ich können wir dann die Welt untersuchen und feststellen, was wahr und was falsch ist. Hier beginnt die idealistische Philosophie bis hin zu Kant und zu postmodernistischen Theorien.

Der amerikanische Philosoph Willard Van Orman Quine (1908 – 2000) ging jedoch einen ganz anderen Weg: Er hielt den Zweifel als Ausgangspunkt für irreführend. Er schreibt über Illusionen (z.B. Die Wahrnehmung eines Ruders im Wasser als gespalten, obwohl es ganz ist):

„Ich welchem Sinn sind es Illusionen? In dem Sinn, dass sie materielle Objekte zu sein scheinen, aber es in Wirklichkeit nicht sind. Illusionen sind Illusionen nur relativ zur vorhergehenden Annahme wirklich existierender Körper, denen sie kontrastiert werden.“

Das im Wasser gespaltene Ruder fällt nur als Täuschung auf, weil wir bereits wissen, dass es nicht gespalten ist: „In einer Welt die nur aus Sinneswahrnehmungen ohne die Annahme realer Körper bestehen würde, hätten Illusionen keinen Platz.“ Logisch, da die Illusionen genau solche Wahrnehmungen sind, wie wirklich existierende Dinge.

Demnach ist der Zweifel also nicht der richtige Ausgangspunkt für die Erkenntnistheorie:

„Erkenntnistheorie sollte als Teil der Naturwissenschaft betrachtet werden. Cartesianischer Zweifel ist nicht der richtige Anfang. Wir können unsere Überzeugungen über die Natur beibehalten, und trotzdem fragen, wie wir sie erlangt haben. Die Wissenschaft sagt und, das die einzige Quelle unserer Informationen über die Welt außer uns der Einfluss von Lichtstrahlen und Molekülen auf unsere Sinnesorgane ist. Von diesen Stimuli ausgehend gelangen wir schließlich zu einer ausgearbeiteten, brauchbaren Wissenschaft. Wie machen wir das, und warum funktioniert die daraus resultierende Wissenschaft so gut?“

Genau dies ist die Fragestellung der Erkenntnistheorie, so wie Quine sie versteht.

Es zeigt sich nun, dass am Anfang der Erkenntnis einfache Induktion steht, der Schluss vom besonderen auf das Allgemeine; die Erwartung, dass in der Vergangenheit stattgefundene Ereignisse auch in Zukunft so stattfinden werden. Quine: „Menschen neigen zu dieser Annahme, genau wie andere Tiere.“ Und an anderer Stelle: „Wir haben eine angeborene Disposition, zu erwarten, dass ähnliche Ereignisse auch ähnliche Folgen haben.“ Und da alle Menschen eine gemeinsame Abstammung teilen, teilen sie auch diese Erwartungen: „Diese Harmonie wird durch einen gemeinsamen Genpool stabilisiert.“

Beispiel: in der Wahrnehmung einer Katze folgt dem Geräusch der Kühlschranktür die Gabe von Futter. Also geht sie in Zukunft in die Küche, wenn sie das Geräusch hört. Dies setzt schon ein rudimentäres mentales Leben voraus; sie muss in der Lage sein, das Geräusch zu identifizieren, wenn es sich wiederholt, und hier kommt die Evolutionstheorie ins Spiel. Quine: „Individuen, deren Wiedererkennungsmöglichkeiten zu richtigen Erwartungen führen, haben eine gute Chance, Futter zu finden und so zu überleben und sich zu reproduzieren.“

Diese Wiedererkennungsstandards werden natürlich durch Lernen verbessert, aber sie beruhen auf der simplen, angeborenen Fähigkeit zur Induktion.

Der nächste Schritt ist dann die Fähigkeit, auch das umgekehrte Verfahren anzuwenden: aus der Erfahrung Thesen abzuleiten und diese Wiederum auf ihre Richtigkeit hin an der Realität zu überprüfen, die sogenannten hypothetisch-deduktive Methode. Diese können Katzen z.B. nicht anwenden, da ihnen die Fähigkeit zum Sprechen und abstrakten Denken fehlt.

Entscheidend ist hier die Fähigkeit, Erfahrungen sprachlich zu formulieren. Quine nennt die entsprechenden Formulierungen „Observation Sentences“, Beobachtungssätze. Ihr entscheidendes Kennzeichen ist ihre intersubjektive Überprüfbarkeit; Beobachtungssätze sind nicht einfach nur Wiedergabe von subjektiven Beobachtungen. Überprüfbarkeit setzt voraus, dass alle Sprecher eine gemeinsame Welt teilen. Der Satz: „Da geht Johns alter Lehrer“ ist ein einfacher Beobachtungssatz, aber um ihn zu verifizieren, muss man wissen, wer John ist und wer sein alter Lehrer ist.

Alle Wissenschaft beruht auf Beobachtungssätzen, aber dazu es ist notwendig, zu abstrakteren, nicht auf Beobachtung basierenden Sätzen zu gelangen. Im Prozess des Spracherwerbs lernt das Kind, die Bezeichnung „rot“ mit einer bestimmten Sinneswahrnehmung zu verbinden. Immer wenn die betreffende Wahrnehmung auftritt, nennen die Erwachsenen sie rot, und das Kind imitiert diese Bezeichnung schließlich. Genauso geht es auch mit abstrakten Begriffen, deren Gebrauch auch durch Imitation gelernt wird, aber verstanden werden sie nur, wenn Beziehung zu den Beobachtungssätzen besteht. Einen abstrakten Begriff, den ich nicht (wie entfernt auch immer) mit einer Beobachtung verbinden kann, habe ich nicht verstanden.

Aber wie gelangt man zu Sätzen, die sich nicht auf beobachtbares beziehen? Quine führt als Beispiel an „A dog is an animal.“ Quine: „Das Kind hat den Begriff „Hund“ durch Beobachtung in Gegenwart von Hunden gelernt, und ebenso den Begriff „Tier“ (auch in Gegenwart von Hunden, aber nicht nur Hunden). Die Assoziation des Wortes „Hund“ mit Hunden und „Tier“ mit Hunden disponiert dazu, auch auf das Wort „Tier“ entsprechend zu reagieren, als ob ein Hund anwesend wäre.“ Die Reaktion der Umwelt bringt also das Kind dazu, die beiden Begriffe Hund und Tier in Verbindung zu setzen. Somit hat es gelernt, Einzelbegriffe unter allgemeine Kategorien zu subsumieren.

Ich übergehe nun die Rekonstruktion der Entstehung weiterer Sprachfunktionen wie Prädikate usw. durch Quine. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass Quine eine Erklärung des menschlichen Erkenntnisvermögens bietet, die ohne transzendentale Vorannahmen und ohne metaphysische Begriffe auskommt. Das „Subjekt“ ist das biologische, materielle Wesen, das in der Evolution entstanden ist und in ihr zu überleben und sich zu reproduzieren versucht. Menschliches Erkennen beruht auf tierischem Erkennen, auf vorsprachlicher Basis: Die Annahme der idealistischen Philosophie, dass es kein Erkennen ohne Begriffe geben kann, ist damit zumindest relativiert; Begriffsbildung ist vielmehr eine Fortsetzung der genetisch fixierten Erwartung der Aufeinanderfolge gleicher Ereignisse. Und das es keinen nichtdiskursiven (=sprachlichen) Zugang zur Realität gibt, wie die Postmodernisten meinen, ist damit auch wiederlegt. Schließlich erkennen auch Tiere, die nicht sprechen können, die Realität gut genug, um zu überleben.

Alle Zitate aus Qines Aufsätzen „The Nature of natural Knowledge“ von 1975 und „Naturalism“ von 1990, die ich leider beide nicht im Netz gefunden habe. Meine Übersetzung ins Deutsche.

Ich freue mich immer über Gastartikel. Bitte an die hier genannte Emailadresse senden.

Macht und Wissen bei Foucault

In meinem Artikel zu den Theorien von Judith Butler hatte ich auch etwas zu Foucault und wie er von Butler verwertet worden ist geschrieben:

2. Foucault
Den Grundgedanken, dass Geschlecht ein Ausdruck der Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft ist und die zur Erhaltung der Macht errichtenen Geschlechternormen die Geschlechter hervorrufen, hat sie von Foucault.
Dieser geht ebenfalls davon aus, dass unsere Gesellschaft über den Umgang mit Wissen und Macht hervorgerufen wird. Foucault geht davon aus, dass die Mächtigen innerhalb einer Gesellschaft diese so umgestalten, dass sie ihre Macht sichert. Dazu nutzen sie die Möglichkeit Wissensvorsprünge auszubauen und Diskurse zu lenken, indem sie das Wissen kontrollieren. Aus diesem Wissen heraus wird zudem das Gerüst der Gesellschaft aufgebaut. Indem bestimmte Regeln für die Gesellschaft aus der Vergangenheit heraus legitimiert werden, wird den Leuten ein richtiges Verhalten vorgegeben, dass dann von ihnen einzuhalten ist. Dabei stabilisieren sich die Regeln selbst, wenn es gelingt, einen Verstoß gegen die Regeln mit einem gesellschaftlichen Malus zu versehen, eine Befolgung der Regeln aber mit einem Bonus. Sobald das System hinreichend eingerichtet ist, versucht jeder innerhalb dieser Regeln möglichst gut darzustehen und einen Malus nach Möglichkeit zu vermeiden. Dadurch will letztendlich jeder innerhalb der Regeln leben, erkennt dabei aber nicht, dass diese eben reine Kultur sind, keine Basis haben, weil die Zuweisung, was richtig und was falsch ist, beliebig nach den Vorstellungen der Mächtigen gestaltet werden kann. Hier wird der Diskurs wichtig, der bestimmt, was überhaupt vertreten werden darf. Foucault sieht Wissenschaft insofern nicht als objektiv, sondern eben als Teil des Diskurses an: Die Gesellschaft bestimmt, was vertretbar ist und was nicht und was als Meinung präsentiert werden darf und was nicht.
2. Judith Butlers Übertragung
Butler überträgt diesen Gedanken, wie Foucault bereits vor ihr auf das Geschlechterverhältnis, wo nach ihrer Auffassung ebenfalls bestimmte Geschlechternormen errichtet worden sind, die die Errichtung der Geschlechter und deren Verhalten bewirken. Diese knüpfen an die unterschiedlichen Körper von Mann und Frau an, die aber insoweit lediglich das Unterscheidungsmerkmal bilden, dass dann über verschiedene kulturell geschaffene Regeln zur Errichtung der Geschlechterrollen führt. Körper materialisieren sich nie unabhängig von ihrer kulturellen Form, sind also immer an ihre kulturspezifische Wahrnehmung gebunden.
Diese kulturspezifischen Merkmale der Geschlechterrollen werden dann durch beständige Wiederholung gleichsam eingeübt. (…)
Genau wie bei Foucault ist dabei Wissen über diese Normen, dass über Machtfaktoren zu einer Wahrheit erklärt wird (die es aber nicht gibt, sondern nur Diskurse) ein wesentlicher Faktor. Wenn also an bestimmten Merkmalen die Eigenschaft Frau festgemacht wird und das Wissen diskursiv hergestellt wird, dass Frauen schlechter in räumlichen Denken sind und dies noch durch eine entsprechende Geschichtsschreibung historisch abgesichert wird, dann konstituiert dieses Wissen gleichzeitig, was Frauen tatsächlich können. Ein Verstoß gegen dieses Wissen, etwa dadurch, dass eine Frau in einem Bereich tätig sein will, der mit räumlichen Denken zu tun hat, wird dann als Verstoß gegen eine Geschlechternorm verstanden.
Dabei scheint mir Butler die Macht, die die Geschlechternormen konstruiert, als denzentrales, System von Normen zu verstehen, das übersubjektiv aufgebaut wird.
Neulich wurde von Alex noch etwas Interessantes zu Foucault geschrieben:

Bei Sanczny gabs einen Kommentar zu einer aufschlussreichen Stelle:

“Macht ist bei Foucault nicht repressiv sondern produktiv. … ist nichts, das besessen werden kann. .. durchdringt Subjekte, Strukturen und ihre Beziehungen. Macht und Wissen sind bei Foucault eng miteinander verbundene Konzepte. Foucault hat z.B. die Wissenschaft als objektiven Ort der Wissensproduktion widerlegt.

Das Zitat von Foucault (“Überwachen und Strafen”) dazu:

“Man muß wohl auch einer Denktradition entsagen, die von der Vorstellung geleitet ist, daß es Wissen nur dort geben kann, wo die Machtverhältnisse suspendiert sind, daß das Wissen sich nur außerhalb der Befehle, Anforderungen, Interessen der Macht entfalten kann. […] Eher ist wohl anzunehmen, daß die Macht Wissen hervorbringt (und nicht bloß fördert, anwendet, ausnutzt); daß Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; daß es keine Machtbeziehung gibt, ohne daß sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert. Diese Macht/Wissen-Beziehungen sind darum nicht von einem Erkenntnissubjekt aus zu analysieren, das gegenüber dem Machtsystem frei oder unfrei ist. Vielmehr ist in Betracht zu ziehen, daß das erkennende Subjekt, das zu erkennende Objekt und die Erkenntnisweisen jeweils Effekte jener fundamentalen Macht/Wissen-Komplexe und ihrer historischen Transformationen bilden.”

Mit anderen Worten: Erkenntnis oder Wissen ist nicht möglich. Alle Erkenntnis ist quasi gleichzeitig und notgedrungen Machtpolitik.

Das ist natürlich als Freifahrtschein zu verstehen, wenn man denn will, die eigenen Behauptungen sonstiger Art als “Wahrheit” auszugeben.

Ist ja wirklich peinlich, wenn dieses wilde Rumspekulieren von Foucault die Begründung für Genderleute sein soll, alles sei “sozial konstruiert” …

Nein, es ist so: sie *wollen*, dass alles sozial konstruiert ist, denn sie wollen die Macht.

Das ist die Philosophie des reinen Faschismus, der unbedingte “Wille zur Macht”.

 Ich halte ja diese gesamte „Es geht nur um Macht“ Philosophie für viel zu simpel, eben „unterkomplex“. Menschen wollen nicht nur Macht, sie wollen Sicherheit, Anerkennung, Teil einer Gruppe sein, sie wollen Sex, gutes Essen, eine gewisse Position in der Gruppe. Macht für ihre Gruppe interessiert die meisten Menschen nur, wenn sie tatsächlich selbst davon profitieren und es bringt Männern eben nichts, wenn Männer Vorstandsvorsitzende sind. Es bringt viel eher ihren Frauen und Kindern etwas.
Das Macht zu einem gewissen Teil auch Wissen beeinflusst ist sicherlich richtig: Die katholische Kirche hat beispielsweise mit ihrer Macht sicherlich Wissen behindert, weil sie es im Widerspruch zur Religion sah. Und auch zB in China wurde einiges blockiert, einfach weil Kaiser meinten, dass es sich nicht gehört und nicht in die Gesellschaft gehört. Aber das bedeutet eben nicht, dass Wissen beliebig ist und nur durch Macht strukturiert ist.
Wissen schafft eben auch Möglichkeiten, die Vorteile bieten und Fortschritt erzeugen, der wirtschaftlich zu verwerten ist und gerade in der heutigen Zeit mit einer hohen Wissenschaftsfreiheit kann man die Lage nicht mit etwa dem düsteren Mittelalter oder anderen Zeiten vergleichen.
Viele Erkenntnisse der Geschlechterforschung sind schlicht der Medizin entsprungen, etwa zur Behandlung bestimmter Konstellationen wie CAH, cloacal exstrophy oder zum Umgang mit Transsexuellen und entsprechenden Operationen oder etwas zur Wirkung bestimmter Medikamente.
Die „Macht“ ist hier darauf ausgerichtet, funktionierende Produkte zu ermitteln und nicht Frauen zu unterdrücken.
Wer gleich dazu übergeht, dass Wissen immer nur Macht ist und es kein unabhängiges Wissen gibt, der erklärt damit jede Theorie zu einer beliebigen Theorie, auch seine eigene.

Theorie des Geistes: Identitätstheorie vs. Funktionalismus

Neuer Peter schrieb dazu, was Elmar wohl vertritt:

Wenn ich es richtig verstehe, geht es Elmar darum, dass bestimmte geistige Phänomene nicht auf der materiellen Ebene zerebraler Strukturen erklärbar sind, mithin der Geist nicht auf seine biologische Hardware reduzierbar ist. Er geht durchaus davon aus, dass wir bestimmte Verhaltensmuster an den Tag legen, die aus unserer evolotionsbiologischen Geschichte heraus verständlich sind, dass es darüber hinaus Dinge in unserer Wahrnehmungswelt gibt, die eben nur aus der Logik eines geistigen Wesens heraus verständlich sind.

Bestimmte narrative Stukturen, die als Handlungsmotivation fungieren, sind eben nur aus der Perspektive eines Wesens voll verständlich, das diese Narrative kennt und versteht. Auf der rein materiellen Ebene hingegen gibt es nichts zu verstehen und eine Erklärung der entsprechenden Handlungen muss deshalb unvollständig bleiben.

Die Biologie wäre demnach durchaus in der Lage, einigermaßen genaue Vorhersagen über Handlungstendenzen einer großen Zahl von Individuen zu machen, da die Handlungsgründe eines Individuums aber nur auf einer anderen Ebene verständlich sind, die sich nicht auf die Ebene der Biologie reduzieren lässt, muss sie bei der Erklärung von individuellem Verhalten an ihre Grenzen stoßen.

Elmar ergänzt:

“Wenn ich es richtig verstehe, geht es Elmar darum, dass bestimmte geistige Phänomene nicht auf der materiellen Ebene zerebraler Strukturen erklärbar sind, mithin der Geist nicht auf seine biologische Hardware reduzierbar ist.”

Ja. Bitte die systematischen Probleme der Identitätstheorie, des Funktionialismus und des Reduktionismus in der Philosphie des Geistes nachlesen: Hillary Putnam, Jerry  Fodor, die Churchlands, Daniel Denett, Jaegewon Kim, Richard Rorty und andere. Steht in jedem Lexikon.

Mal sehen, was sich da so ergibt:

1. Identitätstheorie

Aus der Wikipedia:

Die Identitätstheorie wurde in den 1950er Jahren von Ullin Place und John Smart formuliert. Die beiden Philosophen gingen von zwei Annahmen aus:

1) Der philosophische Behaviorismus, der mentale Begriffe vollständig durch (bedeutungsgleiche) physikalistische Begriffe zu ersetzen versuchte, ist unvollständig. Nicht alle mentalen Ausdrücke können in physikalistischer Sprache definiert werden: so können etwa Empfindungen (wie Farbwahrnehmungen oder Schmerzen) offenbar nicht vollständig als Verhaltensdispositionen analysiert werden.

2) Der Dualismus von Geistigem und Körperlichem ist falsch – aus der Unvollständigkeit des philosophischen Behaviorismus muss nicht auf das Scheitern des Materialismus geschlossen werden.

Place und Smart stellen dagegen die These auf, dass Bewusstsein bzw. mentale Zustände wie Empfindungen mit Gehirnzuständen identisch sind. Diese Identität sei mithin keine Frage der Bedeutung mentaler Ausdrücke, wie es im philosophischen Behaviorismus angenommen wurde, sondern einfach eine empirische Entdeckung.

Die systematische Entwicklung der Identitätstheorie ist eine Leistung des 20. Jahrhunderts. Schon vor Smart und Place wurde sie im Umfeld des Wiener Kreises diskutiert, sie wurde von Moritz Schlick erdacht und im Verlauf der 1950er Jahre vor allem von Feigl fortgeführt und präzisiert.

Nachdem sich der philosophische Behaviorismus im Laufe der 1950er und 1960er Jahre als praktisch und theoretisch undurchführbar erwiesen hatte, wurde die Identitätstheorie im Anschluss an Place und Smart über den engeren Bereich des Bewusstseins und der Empfindungen hinaus auch auf den Bereich propositionaler Einstellungen ausgedehnt. Heute wird die Identitätstheorie meistens mit der These verbunden, dass alle mentalen Zustände identisch mit Gehirnzuständen sind.

Die Identitätstheorie kann mit Hilfe einfacher Beispiele erläutert werden – etwa der Identität von Wasser und H2O. Wenn wir feststellen, dass Wasser mit H2O identisch ist, so haben wir das Phänomen „Wasser“ wissenschaftlich erklärt. Analog dazu: Wenn wir festgestellt haben, dass ein mentaler Zustand mit einem Gehirnzustand identisch ist, so haben wir das Phänomen „mentaler Zustand“ wissenschaftlich erklärt. Zu beachten ist, dass Wasser eine andere Bedeutung hat als H2O. Zur Bedeutung von H2O gehört etwa, ein Molekül zu sein. Zur Bedeutung von Wasser gehört das nicht. Trotzdem könnte man sagen, dass Wasser mit H2O identisch ist. Zwei Entitäten können identisch sein, ohne dass sie bedeutungsgleich sind. Analog dazu: Ausdrücke für mentale Zustände und Ausdrücke für Gehirnzustände haben unterschiedliche Bedeutungen, können aber dennoch auf dasselbe Phänomen verweisen und somit Identisches bezeichnen. Dies ermöglicht eine materialistische Position jenseits des philosophischen Behaviorismus.

Die Identitätstheorie wurde für kurze Zeit die wichtigste Position in der analytischen Philosophie des Geistes; sie hat diesen Teilbereich der Philosophie in seiner heutigen Form wesentlich geprägt. Schon Ende der 1960er Jahre wurde dieses Konzept von vielen Philosophen jedoch wieder abgelehnt.

2. Funktionalismus

Aus der Wikipedia:

Das Kernthema der Philosophie des Geistes ist das Leib-Seele-Problem. Es ergibt sich aus der Frage nach der Natur mentaler Zustände. Lassen sie sich in ein materialistisches Weltbild integrieren oder nur durch einen immateriellen Geist erklären? Der Funktionalismus vertritt die These, dass es sich bei mentalen Zuständen um funktionale Zustände handelt. Da funktionale Zustände von materiellen Systemen realisiert werden können, wird der Funktionalismus allgemein als eine materialistische Position aufgefasst. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass der Funktionalismus zunächst eine ontologisch neutrale Position einnimmt: Es spricht prinzipiell nichts dagegen, dass auch immaterielle Systeme – wenn es denn solche gibt – funktional charakterisiert werden können.

Ein funktionaler Zustand ist dadurch definiert, dass er auf einen bestimmten Input mit einem bestimmten Output reagiert und in einen anderen funktionalen Zustand übergeht. Man kann das Konzept eines funktionalen Zustandes anhand von einfachen Beispielen erörtern. Von dem Philosophen Ned Block kommt etwa das Beispiel eines Colaautomaten: Gegeben sei ein Automat, der nach einem Einwurf von einem Euro eine Coladose ausgibt. Dabei akzeptiert er 1-Euro- und 50-Cent-Stücke. Um funktionsfähig zu sein, muss der Automat verschiedene interne Zustände besitzen. Es muss einen Zustand geben, in dem der Automat einen Euro fordert, um eine Dose auszugeben, es muss aber auch einen Zustand geben, in dem der Automat nur noch 50 Cent fordert. Man kann die funktionale Architektur eines solchen Automaten durch folgende einfache Tabelle verdeutlichen:

Aktueller Zustand Input Output Neuer Zustand
Z1 1 Cola Z1
Z1 0.50 / Z2
Z2 1 Cola, 0.50 Z1
Z2 0.50 Cola Z1

Der Automat besitzt zwei verschiedene Zustände, die jeweils auf zwei verschiedene Inputs reagieren und entweder im gleichen Zustand verbleiben können, oder in den anderen Zustand wechseln. Durch diese Tabelle sind die funktionalen Zustände definiert. Das Entscheidende an einer solchen funktionalen Charakterisierung eines Systems ist nun, dass sie unabhängig von der konkreten physischen Realisierung des Systems ist: Es ist etwa vollkommen irrelevant, ob der Automat aus Kunststoff oder Stahl gebaut ist.

Die These des Funktionalismus ist nun, dass auch mentale Zustände in einer solchen Weise definierbar sind. Wer in einem mentalen Zustand ist (etwa Kopfschmerzen hat oder denkt, dass heute Montag ist), wird auf einen bestimmten Input in bestimmter Weise reagieren und in einen anderen mentalen (funktionalen) Zustand übergehen. Dabei ist allen Funktionalisten klar, dass die Beschreibung des mentalen Innenlebens ungleich komplexer sein muss als die Beschreibung eines Colaautomaten. Das Entscheidende an dieser These ist nun, dass mit ihr auch das Verfügen über mentale Zustände unabhängig von der physischen Realisierung ist. So könnte ein Computer oder Roboter mentale Zustände haben, wenn er nur die gleichen funktionalen Zustände realisiert wie ein Lebewesen mit Bewusstsein.

3. Hillary Putman

Aus der Wikipedia:

Putnam ist einer der zentralen Theoretiker in der Philosophie des Geistes. In den sechziger Jahren entwickelte er eine Position, die unter dem Namen Funktionalismus bekannt geworden ist. Sie basierte ursprünglich auf einer Analogie vom menschlichen Bewusstsein zur Funktionsweise von Computern. Die Automatentheorie und das Konzept der Turing-Maschine lieferten die Grundlagen des Modells. Automaten lassen sich funktional beschreiben, das heißt hinsichtlich der Ursachen-Wirkungs-Beziehungen bestimmter Zustände zu anderen Zuständen, Eingaben und Ausgaben. Genau das sollte auch beim Menschen möglich sein. Mentale Zustände sollten individuiert werden durch funktionale Rollen.

Mit dem Aufstieg des Funktionalismus war ein rasanter Popularitätsverlust der Identitätstheorie verbunden. Die Identitätstheorie hatte behauptet, dass mentale Zustände und neuronale Zustände identisch seien. Putnam argumentierte dagegen, dass dies aufgrund der multiplen Realisierbarkeit von mentalen Zuständen nicht möglich sei. Damit ist gemeint, dass Wesen den gleichen mentalen Zustand haben können, obwohl sie ganz verschiedene neuronale Zustände haben. Auch hier war eine Analogie zum Computer möglich: Auf Computern mit verschiedener Hardware kann die gleiche Software laufen. Die Programme sind also multipel realisierbar. Mentale Zustände sollten entsprechend die „Software des Gehirns“ sein.

Putnam hat sich in den achtziger Jahren vom Funktionalismus abgewandt. Er war der Meinung, dass mentale Zustände weder mit neuronalen noch mit funktionalen Zuständen identisch sind. Dennoch ist Putnam kein Dualist geworden. Der Dualist meint, dass es zwei Arten von Objekten gibt: mentale und physische. Putnam dagegen meinte, dass das Leib-Seele-Problem in seiner aktuellen Form auf einer falschen Sicht der Ontologie basiere. Wenn man sich von einem metaphysischen Realismus abwendet, so verschwindet auch die Frage, womit denn nun der Geist identisch sei. Der Geist ist nicht reduzierbar. Diese Auffassung steht in Verbindung mit der von Putnam begründeten antirealistischen Theorie des Internen Realismus.

In seinem Werk „The Threefold Cord“ vertritt Putnam eine an John Langshaw Austin angelehnte Version des Naiven Realismus. Dies korrelierte mit einer Wende in der Philosophie des Geistes: So vertritt Putnam nun die Ansicht, dass das Leib-Seele-Problem auf sprachlichen Problemen und Kategorienfehlern beruhe.

Scheint also eine sehr abstrakte Betrachtung der Probleme zu sein, die sich wenig damit beschäftigt, was man biologisch-medizinisch vorgefunden hat.

4. Jerry Fondo

Aus der Wikipedia:

Die repräsentationale Theorie des Geistes

In der Phrenologie sieht Fodor einen Vorläufer seiner These der Modularität des Geistes

Fodor hat – unter Zuhilfenahme verschiedener Elemente aus der Philosophie des Geistes und den Kognitionswissenschaften – eine komplexe Theorie des Geistes entwickelt, die er selbst „repräsentational“ nennt. Ausgangspunkt dieser Theorie ist eine Analogie zum Computer: Computer haben nicht nur eine Hardwareebene, sondern auch eine Softwareebene. Obwohl die Software ontologisch abhängig ist, ist sie doch in dem Sinne unabhängig, dass man sie genau beschreiben kann, ohne ihre Implementierung zu kennen. Fodors These ist nun, dass sich Geist und Gehirn zueinander verhalten, wie Software und Hardware. Der Geist lässt sich durch die Kognitionswissenschaften auf einer abstrakten Ebene beschreiben, ohne dass dabei eine Beschreibung des Gehirns nötig wäre.

Zu Fodors repräsentationaler Theorie des Geistes gehört auch die Annahme einer Sprache des Geistes (language of thought): Der Geist arbeite mit mentalen Repräsentationen, die nach einer mentalen Syntax zu Gedanken zusammengesetzt werden. Fodor nennt die hypothetische Sprache des Geistes auch „Mentalesisch“ (mentalese).

An Fodors repräsentationaler Theorie des Geistes ist in den letzten Jahrzehnten viel Kritik geäußert worden. So wird argumentiert, dass mit dem Konnektionismus ein realistischeres Modell des Geistes entwickelt worden sei, das auf eine Trennung zwischen Software- und Hardwareebene verzichte: Künstliche neuronale Netze können kognitive Fähigkeiten simulieren, ohne dass sie explizite Repräsentationen oder eine Syntax haben. Fodor meint hingegen, dass solche Systeme charakteristische Fähigkeiten des Menschen grundsätzlich nicht simulieren könnten.

Intentionalität

Gedanken haben eine Eigenschaft, die sie in naturwissenschaftlichen Ansätzen schwer erklärbar machen: Ein Gedanke bezieht sich auf einen Sachverhalt und ist daher wahrheitswertfähig. Der Gedanke, dass Herodot ein Historiker war, bezieht sich etwa auf den Sachverhalt, dass Herodot ein Historiker war und ist wahr. In der Philosophie wird diese Eigenschaft von Gedanken „Intentionalität“ genannt. Sie erscheint als problematisch, weil gar nicht klar ist, wie sich ein neuronaler Prozess auf einen Sachverhalt beziehen kann. Folglich ist auch nicht klar, wie ein neuronaler Prozess wahr oder falsch sein kann. Neuronale Prozesse scheinen doch einfach nur nach Naturgesetzen zu „geschehen“.

Fodor versucht nun die Intentionalität – und damit Bezugnahme und Wahrheitswertfähigkeit – durch eine kausale Beziehung zu erklären. Wird ein Zustand X immer von Ys verursacht, so repräsentiert X auch Y. Damit bezieht sich X auf Y. Wird X allerdings von einem Z verursacht, das kein Y ist, so haben wir es mit einer Fehlrepräsentation zu tun und X ist falsch.

Modularität

Mit der These der Modularität des Geistes (modularity of mind) hat Fodor einen Beitrag zur konkreten kognitionswissenschaftlichen Forschung geleistet. Fodor geht von einer modularen Struktur des Geistes aus, worunter er nicht nur die Zuordnung von geistigen Fähigkeiten zu abgrenzbaren neuronalen Strukturen versteht. Vielmehr geht er davon aus, dass sich auf einer abstrakten Ebene einzelne relativ unabhängige Systeme beschreiben lassen.

Diese Systeme – die Module – sind nach Fodor durch eine Reihe von Merkmalen gekennzeichnet. Sie sollen jeweils auf einen spezifischen Input zugeschnitten sein, untereinander nicht oder wenig interagieren und nicht der bewussten Kontrolle unterstehen. Dafür sollen die Module schnell und parallel arbeiten. Fodor geht zudem davon aus, dass die Module in abgrenzbaren Regionen des Gehirns lokalisiert sind.

Fodor sieht seine Modularitätsthese auch in der Tradition der Phrenologie. Während jedoch die Phrenologie sich nicht durchsetzen konnte und zunehmend eine Pseudowissenschaft wurde, wird heute sehr erfolgreich mit der Modularitätsthese gearbeitet. So wird etwa in der Neuro- und Patholinguistik nach einzelnen Modulen gesucht. Die Annahme ist, dass Module als autonome Systeme unabhängig voneinander gestört sein können. Findet man, dass zwei Fähigkeiten a und b unabhängig voneinander ausfallen können, so kann man davon ausgehen, dass diese Fähigkeiten zum Teil auf der Arbeit von verschiedenen Modulen basieren.

Evolution

2010 veröffentlichte Fodor zusammen mit Massimo Piattelli-Palmarini das Buch What Darwin Got Wrong, in dem das Prinzip der Natürlichen Selektion als Mechanismus der Evolution in Frage gestellt wird. Mit einer Weiterentwicklung des Spandrel-Konzeptes argumentierend, kommen die Autoren zum Schluss, dass Darwins Theorie der Natürlichen Selektion „leer“ ist.[1] In der folgenden öffentlichen Debatte wurden die kontroversen Thesen besonders von Evolutionsbiologen scharf kritisiert[2], es gab aber auch positive Reaktionen.[3]

Ah ja. Jemand, der das Prinzip der natürlichen Selektion in Frage stellt. Und dann liest man zum Spandrel-Konzept „Die Argumentation ist hier, dass der Umbilicus sich nicht ursprünglich zum Zweck der Nutzung als Brutkammer entwickelt habe, sondern ein geometrisch notwendiges Nebenprodukt des Gehäusewachstums ist“. Und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, weil diese Leute noch nicht einmal verstehen, dass evolutionäre Vorgänge kein Ziel haben und häufig sich aus Nebenprodukten etwas neues entwickelt.

5. Churchlands

Aus der Wikipedia:

Along with his wife, Churchland is a major proponent of eliminative materialism, the belief which claims that everyday mental concepts such as beliefs, feelings, and desires are part of a „folk psychology“ of theoretical constructs without coherent definition, destined to simply be obviated by a thoroughly scientific understanding of human nature.

Just as modern science has discarded such notions as legends or witchcraft, Churchland holds the belief that a future, fully matured neuroscience is likely to have no need for „beliefs“ or „feelings“ (see propositional attitudes). Such concepts will not merely be reduced to more finely grained explanation and retained as useful proximate levels of description, but will be strictly eliminated as wholly lacking in correspondence to precise objective phenomena, such as activation patterns across neural networks. He points out that the history of science has seen many posits once considered real entities, such as phlogiston, caloric, the luminiferous ether, and vital forces, thus eliminated. In The Engine of Reason, The Seat of the Soul Churchland hypothesizes that consciousness might be explained in terms of a recurrent neural network with its hub in the intralaminar nucleus of the thalamus and feedback connections to all parts of the cortex. He says his proposal is probably mistaken in the neurological details, but on the right track in its use of recurrent neural networks to account for consciousness. This is notably a reductionist rather than eliminativist account of consciousness.

Weiteres dazu auch hier

6. Daniel Denett

Aus der Wikipedia:

Der naturalistische Blick auf den Menschen

„Der Mensch ist ein natürliches Wesen, das im Prozess der Evolution aus der Tierwelt hervorgegangen ist.“ Dies ist nach Dennett „Darwins gefährliche Idee“ (1995), die uns zu einem naturalistischen Blick auf den Menschen zwinge. Das heißt, so Dennett, dass es in Bezug auf das Wesen des Menschen nichts grundsätzlich Rätselhaftes gebe, nichts, was die Naturwissenschaften nicht – im Prinzip – erklären könnten. Diese generelle Position hat laut Dennett zur Folge, dass die Evolutionstheorie auch in der Erklärung des menschlichen Verhaltens und Denkens eine zentrale Rolle spielt. Da sich die kulturelle Evolution jedoch nicht durch Genselektion erklären lässt, ist Dennett zu einem bekannten Vertreter des Memkonzepts geworden. Meme sind für Dennett die Analoga von Genen in der kulturellen Evolution.

Dennett beschreibt sich als Atheisten, allerdings sei er sich bei seiner Gottesablehnung nur genauso gewiss wie bei anderen unüberprüfbaren Aussagen auch (wie z. B. Russells Teekanne).[2] Dennett gehört den Brights an, welche sich als eine Gruppe von Menschen mit einem naturalistischen Weltbild verstehen. Als das Konzept der Brights 2003 aufkam, verfasste Dennett auch einen Artikel The Bright Stuff in der New York Times.[3] Den Artikel begann er mit folgenden Worten:

„Die Zeit ist reif für uns Brights, uns zu bekennen. Was ist ein Bright? Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild, frei von Übernatürlichem. Wir Brights glauben nicht an Geister, Elfen oder den Osterhasen – oder an Gott.“

Eine empirische Erklärung des Bewusstseins

Dennett wurde in seinem Studium von der Philosophie von Descartes stark beeindruckt. Er versucht aber nun zu zeigen, warum Descartes’ Annahmen über das Bewusstsein falsch sind. Dennett lehnt den cartesischen Dualismus ab und vertritt den Funktionalismus. Seine Annäherung an eine Erklärung des Bewusstseins lautet:[4]

„Der bewusste menschliche Geist ist so etwas wie eine sequentielle virtuelle Maschine, die – ineffizient – auf der parallelen Hardware implementiert ist, die uns die Evolution beschert hat.“

Unter dem Begriff Cartesisches Theater bekämpft er auch die Vorstellung, im Gehirn gebe es eine zentrale Stelle, an der neuronale Prozesse in Bewusstseinsinhalte umgesetzt werden. Nach Dennett ist Bewusstsein weniger wie Fernsehen, sondern eher wie Ruhm,[5] wobei ein weniger missverständlicher Begriff der englische Slangausdruck clout ist, der im Deutschen keine exakte Entsprechung hat.[6]

Qualia-Eliminativismus

Dennett argumentiert, dass das Bewusstsein sich durch die Neuro- und Kognitionswissenschaften in Zukunft restlos erklären ließe. Ein klassisches Problem ist der Erlebnisgehalt (die Qualia) von mentalen Zuständen. Wenn man sich mit einer Nadel in die Hand sticht, so führt das nicht nur zu bestimmten Aktivitäten im Gehirn und letztlich zu einem bestimmten Verhalten – es tut auch weh (es hat ein „Quale“, so der Singular zu Qualia). Die Tatsache, dass es weh tut und die Aktivitäten im Gehirn nicht ablaufen, ohne dass dabei ein Schmerzempfinden entsteht, lassen Dennett zu dem Schluss kommen, dass jedes Bewusstseinserlebnis an einen neurologischen Prozess gekoppelt ist. Dennett bezieht sich hier auf Formulierungen des Qualia-Problems, wie es etwa von Thomas Nagel, Joseph Levine und David Chalmers vorgebracht wurde.

Die meisten naturalistisch eingestellten Philosophen versuchen zu zeigen, warum Erleben aus bestimmten Gehirnprozessen, funktionalen Zuständen oder Ähnlichem entsteht. Dennett dagegen ist der Meinung, dass es sich bei dem Qualiaproblem um ein Scheinproblem handelt. Dennett zeigt anhand der Analyse eines empirischen Experimentes in Bezug auf Veränderungsblindheit, dass Behauptungen über Qualia entweder aus der „Heterophänomenologie“ zugänglich oder aber auch aus der Erste-Person-Perspektive unzugänglich sind.[7]

Intentionalität

Doch der Erlebnisgehalt ist nicht das einzige Phänomen, das das Bewusstsein rätselhaft erscheinen lässt: Menschen sind nicht nur erlebende, sondern auch denkende Wesen. Philosophen diskutieren diese Tatsache unter dem Begriff „Intentionalität“, welche durch ihre Gerichtetheit gekennzeichnet ist: Der Gedanke, dass p auf den Sachverhalt p gerichtet ist. Das macht ihn auch wahr oder falsch: Der Gedanke, dass Herodot ein Historiker war, ist offenbar wahr und zwar deshalb, weil der Gedanke auf einen realen Sachverhalt gerichtet ist.

Doch dies wirft die Frage auf, wie Menschen intentionale Zustände haben können, denn Gehirnaktivitäten können nicht wahr oder falsch sein, genauso wenig wie sich elektrische Impulse im Gehirn auf Herodot und die Tatsache, dass er Historiker war, richten können. Die meisten naturalistisch gesinnten Philosophen versuchen nun zu zeigen, dass dies doch in irgendeiner Weise möglich ist.

Dennett hingegen macht darauf aufmerksam, dass wir Systeme in verschiedener Weise beschreiben können. Zunächst gibt es eine physikalische Einstellung: Man kann ein System in seinen physischen Eigenschaften beschreiben und so sein Verhalten vorhersagen. Das Verhalten eines Systems in physikalischer Einstellung vorherzusagen wird jedoch oft aus Komplexitätsgründen nicht möglich sein. An dieser Stelle kann man zu einer funktionalen Einstellung greifen: Um eine Uhr zu verstehen und ihr Verhalten zu prognostizieren, muss man nur den Bauplan kennen, die konkrete physische Realisierung kann vernachlässigt werden. Doch manchmal sind Systeme sogar zu komplex, um ihnen in funktionaler Einstellung beizukommen. Dies gilt etwa für uns Menschen oder für Tiere. Hier greift die intentionale Einstellung: Das Verhalten eines Systems wird erklärt, indem man ihm Gedanken zuspricht. So sagt man etwa auch das Verhalten von Schachcomputern voraus: „Er denkt, dass ich den Turm opfern will.“

Dennetts Antwort auf das Intentionalitätsproblem lautet: Ein Wesen hat dann intentionale Zustände, wenn sein Verhalten mit einer intentionalen Einstellung vorausgesagt werden kann. Menschen sind in diesem Sinne intentionale Systeme – aber auch Schachcomputer haben diesen Status. Dennetts Position wird auch Instrumentalismus genannt, in dem das Konzept „Intentionalität“ eine nützliche Fiktion ist. In seinen neueren Arbeiten hat Dennett diese Position zum Teil revidiert. Er nennt sich nun einen „schwachen Realisten“ und meint, dass intentionale Zustände so real wie zum Beispiel Muster seien. Man denke an einen Teppich: Das Muster auf ihm ist nicht im gleichen Sinne real wie der Teppich selbst. Dennoch ist das Muster nicht einfach nur eine nützliche Fiktion.

Freiheit und Selbst

Das naturalistische Programm wird oft mit Unbehagen betrachtet, denn scheinbar greift es die klassischen Auffassungen von Freiheit und Selbstverständnis an. Auch wenn Dennett sich im Allgemeinen nicht scheut, weitgehende Konsequenzen aus dem naturalistischen Programm zu ziehen, so verteidigt er doch bis zu einem gewissen Grade die Begriffe Freiheit und Selbst.

Um die Frage zu beantworten, ob Menschen frei sind, muss zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff „Freiheit“ zu verstehen ist. Wenn unter Freiheit die (partielle) Unabhängigkeit von den Naturgesetzen verstanden wird, sind wir nach Dennett nicht frei. Wenn unter Freiheit jedoch das Wollen und Handeln nach bestem Wissen und Gewissen verstanden wird, könne man sich tatsächlich Freiheit zusprechen. Dennett favorisiert die zweite Lesart.

Eine ähnliche Situation sieht Dennett auch in Bezug auf das Selbst. Wenn unter „Selbst“ eine immaterielle Substanz oder ein allgemeines funktionelles Zentrum im Gehirn verstanden wird, so gibt es nach Dennett kein Selbst. Dennoch haben Menschen laut Dennett alle in einem anderen Sinne ein Selbst: In den Lebensgeschichten der Menschen bildeten sich Leitmotive, Wiederholungen, herausstechende Merkmale. So konstituiere sich ein Selbst, das Dennett auch als das „Zentrum der narrativen Gravitation“ (oder Erzählschwerpunkt; center of narrative gravity) bezeichnet. Es könne nur dadurch sein, dass der Mensch eine Sprache der Worte oder der Gebärden spreche.[8]

7. Jaegewon Kim

Aus der Wikipedia:

Ausgehend von Hilary Putnam und Jerry Fodor wurde in den 1960er und 1970er Jahren der nichtreduktive Materialismus populär gemacht, der eng mit dem Funktionalismus verbunden ist. Das zentrale Argument baut auf dem Phänomen der multiplen Realisierung auf: Es kann verschiedene Realisierungen des gleichen höherstufigen Zustandes geben, also ist dieser nicht auf einen niedrigerstufigen Zustand reduzierbar. Ein Beispiel: Der psychische Zustand Schmerz kann sowohl innerhalb eines einzigen, als auch in verschiedenen Wesen durch jeweils ganz verschiedene neurobiologische Zustände realisiert werden. Also kann Schmerz nicht mit einem dieser neurobiologischen Zustand identisch sein und er kann demnach auch nicht auf einen solchen reduziert werden.

Kim hält den nichtreduktiven Materialismus dennoch für einen Mythos und fragt: Wenn etwa ein mentaler Zustand M durch ganz verschiedene physische Zustände P1 oder P2 oder … realisiert werden kann, warum kann man dann nicht den mentalen Zustand auf die Disjunktion der physischen Zustände reduzieren (M = P1 oder P2 oder …)? Kim diskutiert verschiedene Antworten (z. B. dass die Disjunktion unendlich sein könnte oder keine natürliche Art darstelle), meint sie jedoch alle zurückweisen zu können.

Mentale Verursachung

Nach Kim ist die Mentale Verursachung ein weiteres schweres Problem für den Nichtreduktivisten. Folgendes scheint klar: Mentale Zustände sind handlungswirksam. Wenn ich mir etwa meine Hand verbrenne und sie zurückziehe, so tue ich dies, weil ich Schmerzen habe. Doch nun kommt das Problem: Es gibt auch eine biologische Geschichte über das Handzurückziehen, die ohne mentale Zustände auskommt: Ich führe die Hand zum Feuer, es werden Signale zum Gehirn gesendet, dort passieren komplexe Prozesse und schließlich wird ein Signal zu den Armmuskeln gesendet, das dazu führt, dass ich die Hand zurückziehe. Nun, was ist nun die wirkliche Ursache für das Zurückziehen der Hand: der Schmerz oder der beschriebene biologische Prozess? Kim ist der Meinung, dass sich das Problem nur in einer Weise lösen lässt: Wenn wir den Schmerz auf die Gehirnzustände reduzieren, so löst sich das Problem auf, denn der Schmerz ist ein Teil des biologischen Prozesses.

8. Richard Rorty

Aus der Wikipedia:

Rorty war einer der am meisten gelesenen und kontroversesten Philosophen der Gegenwart. Er äußerte sich außerdem zur politischen Theorie, Geschichtsschreibung, Literaturwissenschaft und weniger typisch akademischen Themen wie Terrorismus, Menschenrechte und evolutionäre Biologie. Sowohl seine politische als auch seine Moralphilosophie wurden von der politischen Rechten wie der Linken angegriffen. Die einen hielten ihn für einen akademischen Linken und die anderen für naiv.[7] Die Rechte warf ihm insbesondere Relativismus und Unverantwortlichkeit vor, die Linke sowohl eine mangelnde Fundierung für ein Konzept der sozialen Gerechtigkeit als auch in letzter Zeit eine zu starke Parteinahme für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten.[8] Ebenfalls weit verbreitet ist der Einwand, Rorty widerspreche sich.

Er gilt zusammen mit Hilary Putnam als Hauptvertreter des amerikanischen Neo-Pragmatismus. Rorty behauptete mit seinen Forschungsergebnissen gegen die Analytische Philosophie, sie sei geprägt von traditionellen empirischen und erkenntnistheoretisch-fundamentalistischen Konzepten, die ein Philosophieren im Zusammenhang mit Gegenwartsproblemen verhindere. Er plädierte dafür, sich vom Wahrheitsbegriff und von Objektivität zu verabschieden.[9] Diese Begriffe seien kontingent, hätten nicht zu den in Aussicht gestellten Ergebnissen geführt und seien daher verzichtbar. Er forderte „eine konsequente Historisierung epistemologischer Problemstellungen“.[10] Aus Sicht der Philosophie des Geistes vertrat Rorty einen Eliminativismus, der besagt, dass es keine mentalen Phänomene gibt.

Sein Vorschlag war, anstatt weitere philosophische Systeme zu entwerfen, Solidarität und Handeln zum Ausgangspunkt eines gesellschaftweiten, offenen, philosophischen Diskurses zu nehmen. Diese „edifying philosophy“ sollte es Menschen ermöglichen, neue Sichten zu entwickeln.[11] Solidarität zwischen Menschen, die durch die westliche Kultur geprägt sind, entstehe aus der gemeinsam geteilten Erfahrung von Grausamkeit. Sie ist in der Sphäre der Öffentlichkeit, der Gesellschaft angesiedelt, für die es gelte, Grausamkeit und Leiden zu minimieren bzw. zu vermeiden. Dieses gemeinsam geteilte Empfinden, das Einfühlungsvermögen, Empathie der Menschen, könne jeder Einzelne z.B. mit Hilfe der Literatur und Poesie weiter entwickeln. Rorty soll diese Idee auch mit der Anekdote erläutert haben, dass Abraham Lincoln in einem Gespräch mit Harriet Beecher-Stowe gesagt habe, die massenhafte Lektüre ihres Romans „Onkel Toms Hütte“ habe den Bürgerkrieg zwischen Süd- und Nordstaaten eigentlich erst möglich gemacht.[12] Ein moralischer Fortschritt bestand für Rorty in der Ausweitung des „Wir“, der Gemeinschaft, die diese Empathie füreinander aufbringt.

Seine umfassende Kritik der Analytischen Philosophie rief teilweise heftige kollegiale Kritik an ihm persönlich hervor. Rorty wurde wiederholt vorgeworfen, er könne nicht zugleich mit seiner Kritik die „Philosophie beerdigen“ und Philosophie lehren. 1982 verließ Rorty seinen Lehrstuhl für Philosophie an der Princeton University, der Hochburg analytischer Philosophie, und war bis zu seinem Tod Kenan-Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University. Ausführliche und zusammenhängende Darstellungen seiner Analyse der gegenwärtigen Philosophie und seiner Idee einer „bildenden Philosophie“ finden sich in Philosophy and the Mirror of Nature (1979), Consequences of Pragmatism(1982) und Contingency, Irony, and Solidarity. (1988)

9. Anmerkung

Mir ist bewußt, dass ich da etwas viel Text in einen Beitrag geworfen habe. Aber vielleicht ist es ja ein Diskussionsanfang.

Vieles davon ist aus meiner Sicht eine viel zu abstrakte Betrachtung, die daran krankt, dass dort ein sehr enges Bild von zerebralen Strukturen vertreten wird. Natürlich ist der Menschliche Geist kein einfacher Computer, in den man Reize einwirft und der diese dann schlicht verarbeitet. Er ist ein überaus komplizierter Computer mit einer Software, die nicht schlicht Probleme auf eine logische Art lösen soll, sondern dafür sorgen soll, dass Gene in die nächste Generation kommen. Dazu muss mit einer komplexen Welt interagiert werden und auch eine flexible Reaktion möglich sein.

Nur weil wir nicht vollständig verstehen, wie dies im Gehirn abläuft bedeutet das nicht, dass wir alle Vorgänge, die etwas komplexer sind, aus der Ebene der Biologie hinausheben müssen und zu einem reinen Geist erklären müssen.

Ich hatte hier schon einmal das Modell des „Führens durch Befehl“ vs. des „Führens durch Auftrag“ bemüht. Unser Gehirn gibt uns bestimmte Wünsche und Ziele vor, überlässt aber die Ausführung dieser der Großhirnrinde und ihrer freieren Art, flexibel auf Situationen zu reagieren. Wenn man jedoch die Biologischen Wünsche berücksichtigt, dann ergibt sich eben ein starker Einfluss auf den Menschen, der Ziele wie Essen, Sex, Sicherheit, soziale Eingebundenheit, die Verbesserung der Position in der Gruppe und vieles weiteres gleichzeitig betreffen. Diese tief eingebaute Software (Firmware?) kann eben ergänzt und ausgefüllt werden durch Lernen und Kultur. Daraus folgen dann wieder bestimmte Strategien, die eine Umsetzung betreffen und die eben auch nach den gewählten Strategien der anderen entstehen.

Der Grad zu welchem etwas Kultur oder Biologie ist läßt sich mit diesen abstrakten Betrachtungen schlicht nicht lösen. Sie scheinen mir schlicht um die Grundfrage zu streiten, inwieweit man bestimmte Vorgänge nun als Software oder Hardware sieht. Dabei wird ausgeblendet, dass beides stark verbunden sein kann oder nur eine teilweise Umsetzung eben über Wünsche sein kann.

Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass hier ein „Wir können es noch nicht verstehen, also kann es nicht biologisch funktionieren“ mit hineinspielt. Was schlicht ein Fehlschluss ist, da aus Nicht verstehen nicht folgt, dass etwas nicht zutrifft.

Es ist aus meiner Sicht ein Argument, das an das Nichtwissen appeliert

Das argumentum ad ignorantiam (lateinisch für „Argument, das an das Nichtwissen appelliert“) ist ein logischer Fehlschluss, bei dem eine These für falsch erklärt wird, allein weil sie bisher nicht bewiesen werden konnte, oder umgekehrt, eine These für richtig erklärt wird, allein weil sie bisher nicht widerlegt werden konnte. Der Fehlschluss wird ohne Sachargumente gezogen. Der so Argumentierende sieht seine mangelnde Vorstellungskraft oder seine Ignoranz als hinreichend für die Widerlegung bzw. Bestätigung einer These an.

Eine Abwandlung davon ist das „Argument aus persönlichem Unglauben“: Der Umstand, dass eine These subjektiv als unglaublich oder unwahrscheinlich erscheint, wird als hinreichende Bedingung für die Zurückweisung einer These angesehen, an deren Stelle eine andere, subjektiv bevorzugte als zutreffend gesetzt wird.

Beide Argumente haben gewöhnlich das folgende Schema gemeinsam: Eine Person betrachtet das Fehlen von Evidenz für eine Behauptung – oder, alternativ, betrachtet ihre persönliche Voreingenommenheit gegenüber dieser Sichtweise – als begründende Evidenz oder Beweis dafür, dass stattdessen eine andere Behauptung wahr ist. Dies ist keine gültige Schlussweise im Sinne der formalen Logik.[1]

Weil sie noch nicht erklären können, wie ein bestimmter biologischer Zustand funktioniert, soll auf der rein materiellen Ebene hingegen eine Erklärung der entsprechenden Handlungen unvollständig bleiben und daher „Geist“ sein. Eine andere Möglichkeit und eigentlich der logische Schluss: Wenn man nicht versteht, wie etwas funktioniert, dann kann es entweder ein bisher noch nicht erkannter Mechanismus sein oder Geist. Im Endeffekt sind alle Automatenvergleiche oder Nichtvergleiche schlicht unterkomplex, was die Funktionalisten ja auch anführen. Wie aber der Mensch funktioniert lässt sich anhand dieser Theorien schlicht nicht bestimmen. Es ist ein simples Glasperlenspiel, eine interne Diskussion die jederzeit durch andere Forschung überholt werden kann. Jedesmal, wenn Forschung etwas mehr vom Bild des Menschen und der Funktionsweise des Gehirns enthüllt bringt es nichts, sich mit Identitätstheorien oder Funktionalismus zu beschäftigen, man muss simpel zur Kenntnis nehmen, dass hier eine bestimmte Funktion entdeckt worden ist und sich die dazugehörige Forschung kritisch anschauen. Allenfalls kann einer der beiden Richtungen es als Beleg für ihre Theorie sehen. Wie aber aus den Theorien folgen soll, dass diese Mechanismen falsch sind, etwa das die Frage Heterosexualität oder Homosexualität nicht biologisch sein kann oder biologisch ist oder das daraus folgt, dass wir keine Hierarchietiere sein können oder das eine bestimmte Person Transsexuell ist oder nicht erschließt sich mir nicht. Der praktische Sinn dieser Theorien zu einem Verstehen ist damit sehr gering.

Aber vielleicht können andere ja noch einmal etwas zu dem Konzept schreiben, die davon mehr Ahnung haben