Multiple Realisierbarkeit (Theorie des Geistes)

Ein Argument, welches in den philosophischen Theorie des Geistes häufiger auftaucht ist das Argument der „Multiplen Realisierbarkeit“. Ich verstehe nicht ganz, warum das überhaupt ein Argument sein soll, mit dem man etwas widerlegen kann, vielleicht kann es mir hier jemand erklären:

Aus der Wikipedia:

Der Verweis auf die multiple Realisierung verhilft zu einem klassischen Argument in der Philosophie des Geistes. Dieses Argument beschäftigt sich mit der Multirealisierbarkeit mentaler Zustände. Hier ist der entscheidende Auslöser für den Übergang von der Identitätstheorie zum Funktionalismus zu finden. Die klassische Formulierung des Arguments über die multiple Realisierung stammt von Hilary Putnam (Abschnitt 1). Jerry Fodor hat das Argument generalisiert und mit ihm gegen einen überzogenen Reduktionismus und für eine Eigenständigkeit der Einzelwissenschaften argumentiert (Abschnitt 2).

Die Identitätstheorie sagt, dass mentale Zustände mit neuronalen Zuständen identisch sind. Es ist insoweit eine reduktionistische Theorie, weil es eben die mentalen Zustände auf die neuronalen Zustände reduziert. Dagegen gehen „nicht-reduktionistische Zustände“ davon aus, dass es da irgendwie ein „Mehr“ gibt, welches aber natürlich kein Dualismus, also eine Unterscheidung von Körper und Geist sein darf, sondern üblicherweise doch wieder etwas materielles, aber eben irgendwie mehr.

Zum Funktionalismus nun das Folgende:

Lassen sie sich in ein materialistisches Weltbild integrieren oder nur durch einen immateriellen Geist erklären? Der Funktionalismus vertritt die These, dass es sich bei mentalen Zuständen um funktionale Zustände handelt. Da funktionale Zustände von materiellen Systemen realisiert werden können, wird der Funktionalismus allgemein als eine materialistische Position aufgefasst. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass der Funktionalismus zunächst eine ontologisch neutrale Position einnimmt: Es spricht prinzipiell nichts dagegen, dass auch immaterielle Systeme – wenn es denn solche gibt – funktional charakterisiert werden können.

Ein funktionaler Zustand ist dadurch definiert, dass er auf einen bestimmten Input mit einem bestimmten Output reagiert und in einen anderen funktionalen Zustand übergeht. Man kann das Konzept eines funktionalen Zustandes anhand von einfachen Beispielen erörtern. Von dem Philosophen Ned Block kommt etwa das Beispiel eines Colaautomaten: Gegeben sei ein Automat, der nach einem Einwurf von einem Euro eine Coladose ausgibt. Dabei akzeptiert er 1-Euro- und 50-Cent-Stücke. Um funktionsfähig zu sein, muss der Automat verschiedene interne Zustände besitzen. Es muss einen Zustand geben, in dem der Automat einen Euro fordert, um eine Dose auszugeben, es muss aber auch einen Zustand geben, in dem der Automat nur noch 50 Cent fordert.
Der Automat besitzt zwei verschiedene Zustände, die jeweils auf zwei verschiedene Inputs reagieren und entweder im gleichen Zustand verbleiben können, oder in den anderen Zustand wechseln. Durch diese Tabelle sind die funktionalen Zustände definiert. Das Entscheidende an einer solchen funktionalen Charakterisierung eines Systems ist nun, dass sie unabhängig von der konkreten physischen Realisierung des Systems ist: Es ist etwa vollkommen irrelevant, ob der Automat aus Kunststoff oder Stahl gebaut ist.

Die These des Funktionalismus ist nun, dass auch mentale Zustände in einer solchen Weise definierbar sind. Wer in einem mentalen Zustand ist (etwa Kopfschmerzen hat oder denkt, dass heute Montag ist), wird auf einen bestimmten Input in bestimmter Weise reagieren und in einen anderen mentalen (funktionalen) Zustand übergehen. Dabei ist allen Funktionalisten klar, dass die Beschreibung des mentalen Innenlebens ungleich komplexer sein muss als die Beschreibung eines Colaautomaten. Das Entscheidende an dieser These ist nun, dass mit ihr auch das Verfügen über mentale Zustände unabhängig von der physischen Realisierung ist. So könnte ein Computer oder Roboter mentale Zustände haben, wenn er nur die gleichen funktionalen Zustände realisiert wie ein Lebewesen mit Bewusstsein.

Das klingt für mich wie: Ignorieren wir einfach mal das Problem, wie etwas entstehe, konzentrieren wir uns auf die schlichte Funktion. Das ist nur eine Problemverlagerung in meinem Augen, aber ich bin ja auch kein Philosoph. Jedenfalls ist das die Konstellation in der die multiple Realisierbarkeit eine Rolle spielen soll. Weiter in der Wikipedia:

Die Identitätstheorie
Die Identitätstheorie steht an einer gut lokalisierbaren Stelle in der Geschichte der Philosophie des Geistes: Sie ist die unmittelbare Reaktion auf das Scheitern des Behaviorismus, wie er etwa von Carl Gustav Hempel oder Gilbert Ryle vertreten wurde. Die Lehre, die aus diesem Scheitern gezogen wurde, war: Mentalen Zuständen ist nicht allein durch Verhaltensbeschreibungen beizukommen. Doch was können mentale Zustände sein?

Die nahe liegende Antwort der Identitätstheoretiker lautet: „Mentale Zustände sind mit Gehirnzuständen identisch.“ Für jeden mentalen Zustand M (also etwa Kopfschmerz) soll es einen Gehirnzustand G geben, mit dem M identisch ist. Dabei sind M und G als Typen zu verstehen. Der Typ „Kopfschmerz“ meint Kopfschmerz als generelles Konzept und nicht einen einzelnen Kopfschmerz (das sind die Token). Die These ist also, dass M-Typen mit G-Typen identisch sind.

Der Einwand
Hilary Putnam (1967) entwickelte erstmals das Argument der multiplen Realisierbarkeit, das zeigen sollte, dass ein mentaler Zustand nicht mit einem Gehirnzustand identisch sein kann: Die einzelnen, konkreten mentalen Zustände (die Token) können nämlich in verschiedenen Wesen durch ganz verschiedene Gehirnzustände realisiert sein. Man denke etwa an die Schmerzen eines Lurches und eines Menschen. Es ist einfach unwahrscheinlich, dass in ihnen die gleichen Gehirnprozesse ablaufen, wenn sie Schmerzen spüren. Es könnte sein, dass Schmerzen bei Menschen durch das Feuern von C-Fasern realisiert werden, bei Lurchen jedoch durch etwas völlig anderes. Dennoch können Lurche und Menschen Schmerzen haben. Sie haben also die gleichen mentalen Zustände, aber verschiedene Gehirnzustände. Also können mentale Zustände (M-Typen) nicht mit Gehirnzuständen (G-Typen) identisch sein.

Mit diesem Argument galt die klassische Identitätstheorie bei vielen als widerlegt. (Vergleiche jedoch Jaegwon Kim 1993.) Natürlich konnte man immer noch annehmen, dass M-Token mit G-Token identisch sind. Eine solche Theorie wurde etwa von Donald Davidson formuliert. Es bleibt jedoch die Frage offen, was die einzelnen M-Token zusammenhält, was sie zu verschiedenen Instanzierungen des gleichen Typen macht. Die orthodoxe Antwort auf diese Frage war der Funktionalismus: Alle gleichartigen M-Token werden durch den gleichen funktionalen Zustand (Typ) F realisiert.

Also wenn ich das richtig verstehe, dann streiten sie sich da so ziemlich um nichts. Denn „mentale Zustände sind mit Gehirnzuständen identisch“ steht aus meiner Sicht noch nicht einmal im Widerspruch zu „Die Mentalen Zustände können auf verschiedene Arten realisiert werden, sind aber dann mit den dortigen jeweiligen Gehirnzuständen identisch“.  Die Schmerzen eines Lurches und eines Menschen können verschieden sein, aber jeweils mit den Gehirnzustand identisch sein.

Tatsächlich wissen wir aber, dass das Rad nicht für jedes Wesen neu erfunden worden ist. Denn die wahrscheinlichste Theorie ist eben die Evolutionstheorie, die besagt, dass alle Lebewesen gemeinsame Vorfahren haben von denen aus sie sich entwickelt haben. Die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzen hat sich natürlich auch in diesen Lebewesen dann unterschiedlich entwickelt und kann je nach Art bestimmte Eigenarten aufweisen, wird aber um so ähnlicher sein, um so näher die jeweiligen Tiere miteinander verwandt sind.

Dabei kann man in der Tat Schmerz nach seiner Funktion bestimmen. Es ist eben ein Signal, dass etwas nicht stimmt, ein Teil des Körpers beschädigt zu werden droht und man diesen nach Möglichkeit davor bewahren soll. Man kann dies auch in den verschiedenen Stationen nachweisen, indem man Sensoren, Leitungsbahnen und Signalverarbeitung im Gehirn näher betrachtet. Und das kann dann eben bei den verschiedenen Lebewesen auch vollkommen unterschiedlich ablaufen, aber jeweils mit dem mentalen Gehirnzuständen identisch sein.

Die Multirealisierbarkeit mentaler Zustände ist entscheidend für den Niedergang der Identitätstheorie, da sie dieser ihren empirischen Gehalt streitig macht. Es ist inzwischen bewiesen, dass nicht nur bei ungleichen Wesen sondern auch bei verschiedenen Personen ein bestimmter mentaler Zustand auch mit unterschiedlichen neuronalen Zuständen in Wechselbeziehung zueinander stehen kann. Dies lässt sich heutzutage mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) beobachten. Die PET wird u. a. verwendet, um die Funktionen des Gehirns zu untersuchen und zu erforschen. Eine Versuchsperson inhaliert hierzu einen radioaktiven Sauerstoff (oder auch Glukose). Danach wird die Konzentration des Stoffes in den unterschiedlichen Arealen des Gehirns gemessen. Ein größerer Verbrauch der Substanz lässt gleichzeitig auf eine höhere neuronale Aktivität schließen. In den aktiveren Teilen des Gehirns findet eine höhere Durchblutung statt. Aufgrund dieser Untersuchung konnte festgestellt werden, dass bei unterschiedlichen Personen, die dieselben Aufgaben lösen sollen, zwar häufig ähnliche, aber kaum identische Gehirnzustände beobachtet werden können. Auffällig ist hierbei auch der erhebliche Unterschied bei den Gehirnaktivitäten von Männern und Frauen.

Ich habe beim Suchen keine Studie dazu finden können. Weder in der deutschen noch in der englischen Wikipedia ist etwas dazu verlinkt. Aber auch das scheint mir schlicht die Vereinfachung zu stark zu sein und die Widerlegung nur nach dieser zu funktionieren.

Denn natürlich sind Menschen keine Massenware, die strikt aus einer Form kommt. Wir haben einen Genpool, der bereits Unterschiede ausweist. Wir werden nicht nach einem Bauplan gebaut, sondern wachsen nach einem Wachstumsplan, der von Ernährung und anderen Zuständen wie unterschiedlichen Hormonzuständen während des Aufwachsens betroffen wird. Und wir lernen und stellen interne Datenbanken auf, in der wir Erkenntnisse, Zusammenhänge, Vernetzungen aller Art festhalten. Und das machen wir auf der Basis ganz unterschiedlicher Lebenserfahrungen. Natürlich kann dann auch eine Erfahrung bei einem ansonsten recht gleichen Gehirnaufbau (den wir recht unstreitig haben) anders verarbeitet sein. Männer mögen beispielsweise in einer Situation jemanden als Konkurrenten wahrnehmen und Frauen als potentiellen Sexualpartner. Männer mögen vielleicht eher an sie gesprochene Sätze auf die sachliche Information analysieren, Frauen nebenher stärker auch auf andere Ebenen der Kommunikation, etwa was dies über das Verhältnis des Sprechers zu ihnen aussagt. Aber auch ansonsten können Informationen anders verarbeitet werden, etwa indem bei dem einen eine Assoziation zu X und bei dem anderen zu Y entsteht oder indem bestimmte Gedanken nach einem gleichen Muster an verschiedener Stelle verarbeitet werden.

Mal als vielleicht schlechtes Bild: Bei einem Mehrkernprozessor ist es auch egal, in welchem der Kerne eine konkrete Berechnung erfolgt, solange sie dann das Ergebnis an die richtige Stelle weitergeben können. Auch da wird man nicht „die Berechnungen können nicht mit Zuständen im Prozessor identisch sein, weil sie einmal im Kern 1 und einmal im Kern 4 verarbeitet worden sind.

Darüber hinaus kann man beobachten, dass sich die Korrelationen zwischen mentalen Zuständen und Gehirnzuständen sogar bei einzelnen Personen im Laufe ihres Lebens verändern. Dies kann z. B. die Folge einer Gehirnverletzung sein. Gesunde Teile des Gehirns übernehmen teilweise Funktionen, die der geschädigte Teil nicht mehr ausüben kann. Es klingt daher ziemlich unwahrscheinlich, dass jedem mentalen Zustand genau ein neurophysiologischer Zustand entsprechen soll. Es resultiert eine eher schwache empirische Grundlage für die Identitätstheorie, da die vorauszusetzende naturgesetzliche Korrelation fehlt.

Auch hier Frage ich mich immer, wie die sich das vorstellen. Ist das Magie oder ein Wunder? Oder eben einem genetisch festgelegten Reparaturprogramm geschuldet, welches darauf ausgerichtet ist, jemanden bestmöglich am Leben und funktionstüchtig zu halten?

Und selbst, wenn man davon ausgeht, dass andere Gehirnbereiche Berechnungen übernehmen können, für die sie eigentlich nicht vorgesehen waren: Warum soll das dann dazu führen, dass die dort vorgenommenen Denkvorgänge nicht auf die dortigen Neuronen zurückzuführen sind? Auch dann, wenn man auf einem Computer eine andere Software laufen lässt, sind es dennoch Einsen und Nullen, Strom an oder aus, und genau darauf ist alles, was dort passiert zu reduzieren. Natürlich ist auch dort das Ganze mehr als der Einzelvorgang. Aber die einzelne Berechnung setzt sich eben dennoch aus einzelnen Vorgängen von „Strom ein, Strom aus“ zusammen (sehr vereinfacht dargestellt).

Vielleicht hatte man hier das Bild, dass ein Denkvorgang fest eingeschrieben sein muss und daher dann eben nur an einer Stelle berechnet werden kann. Aber das scheint mir eben auch ein sehr einfaches Bild zu sein. Wir haben heute bereits Computer, die Daten überall auf der Welt verarbeiten können und an beliebiger Stelle speichern können. Wichtig ist nur, dass eine kompatible „Sprache“ vorhanden ist, worauf die Berechnungen dann durchgeführt werden ist nicht weiter wichtig. Die Verarbeitung der Daten könnte an verschiedenen Stellen stattfinden (je nach dem, wo in dem Rechenzentrum gerade Kapazitäten frei sind), aber das Ergebnis wäre gleich.

Oft wird angenommen, dass die multiple Realisierung nicht nur ein Argument gegen die Identitätstheorie bietet, sondern reduktionistische Positionen allgemein unbefriedigend macht. Es ist insbesondere Jerry Fodor (1974) gewesen, der das Argument der multiplen Realisierbarkeit generalisiert hat. Er ist der Meinung, dass das Argument zeigt, dass den Einzelwissenschaften (etwa Psychologie oder Ökonomie) ein autonomer Status gegenüber der Physik einzuräumen ist. Die Gesetze der Einzelwissenschaften seien nämlich prinzipiell nicht auf Gesetze der Physik zurückzuführen.

Dies begründet Fodor wie folgt:

Es lassen sich ohne weiteres Generalisierungen über Ereignisse formulieren, ohne dass deren physikalische Beschreibungen irgendwelche Gemeinsamkeiten dazu aufweisen müssen.
Die Frage nach den physikalischen Beschreibungen ist häufig sogar irrelevant für die Wahrheit und Interessantheit der Generalisierungen oder auch für ihre epistemologisch wichtigen Eigenschaften.
Größtenteils beschäftigen sich die Einzelwissenschaften dazu auch mit Generalisierungen der o.g. Art.
Denken wir an ein triviales psychologisches Gesetz: „Wenn X Y hasst, dann wird X Y nicht küssen – es sei denn X verspricht sich irgendwelche Vorteile davon.“ Wenn das Argument der multiplen Realisierbarkeit stimmt, so gibt es kein physikalisches Gesetz, auf den sich das psychologische Gesetz reduzieren ließe: Denn „hassen“ kann in verschiedenen Personen ganz verschieden realisiert sein, so dass die Fälle in physikalischer Sprache nicht mehr als zusammengehörig erkannt werden können.

Ein vielleicht noch offensichtlicheres Beispiel bietet die Ökonomie. Dies lässt sich anhand von Greshams Gesetz verdeutlichen. Wird das Wertverhältnis zwischen mehreren Währungen gesetzlich festgelegt, so verdrängt die stärkere Währung die schlechtere. Dieses Gesetz gilt unabhängig davon, woraus das Zahlungsmittel besteht bzw. gemacht ist (Gold, Nickel, Muscheln,…), es ist also unabhängig von den einzelnen physischen Realisierungen. Würden wir also nur das physische Geschehen beschreiben, so würden wir gar nicht erkennen, was all die verschiedenen Fälle zusammenhält. Fodor meint hierzu daher, dass jeder Austausch von Zahlungsmitteln zwar physikalisch beschrieben werden kann. Alle diese Ereignisse können jedoch kaum unter ein und denselben physikalischen Artbegriff fallen. Demnach können verschiedene Arten des Zahlungsverkehrs interessante Gemeinsamkeiten besitzen. Diese lassen sich jedoch sicherlich nicht auf eine einzige physikalische Beschreibung zurückführen.

Demnach folgt nach Fodor, dass vernünftigerweise nicht angenommen werden kann, dass jedem einzelwissenschaftlichen Artbegriff ‚F‘ genau ein physikalischer Artbegriff ‚P‘ derart zugeordnet werden kann, dass sich zu jedem einzelwissenschaftlichen Gesetz

(1) Für alle x: Wenn x F hat, hat x auch F‘

aus der Physik das Bildgesetz

(2) Für alle x: Wenn x P hat, hat x auch P‘

ableiten lässt. (→ siehe hierzu: Beckermann, S. 140)

Es ist somit weitaus wahrscheinlicher, dass verschiedene Ereignisse auf sehr unterschiedliche Weise physikalisch realisiert sind.

Auch da scheint mir das Modell sehr simpel. Denn auch hier gilt, dass nur weil eine bestimmte Informationsverarbeitung nicht nur auf einem ganz bestimmen „Neuronencluster“ stattfinden kann, die mentalen Zustände dennoch mit den Gehirnzuständen identisch sein können. Das gilt eben dann nicht, wenn man nicht die Informationsverarbeitung selbst sieht, die auf eine bestimmte Weise stattfindet, die komplett auf Gehirnzustände zurückgeführt werden kann, sondern als „identischen Gehirnzustand“ nur eine absolut gleiche Verarbeitung ansieht, als müssten Gedanken in einer nur einmal vorhandenen Form gegossen werden und nicht das Ergebnis einer fließenden Informationsverarbeitung sein.

Also mir erschließt sich nicht, warum die multiple Realisierbarkeit so ein bestechendes Argument gegen einen Reduktionismus sein muss, ebenso wenig wie sich mir erschließt, was letztendlich ein nichtreduktiver Ansatz als anderes Element haben soll, was nicht in einem Dualismus mündet.

Vielleicht kann es mir hier jemand erklären.

Biologischer Naturalismus

John Searle, der hier schon mit dem chinesischen Zimmer Thema war, vertritt einen „biologischen Naturalismus“ zur Lösung des Mind-Body-Problems.

Aus der Wikipedia dazu:

Biological naturalism is a theory about, among other things, the relationship between consciousness and body (i.e. brain), and hence an approach to the mind-body problem. It was first proposed by the philosopher John Searle in 1980 and is defined by two main theses:

1) all mental phenomena from pains, tickles, and itches to the most abstruse thoughts are caused by lower-level neurobiological processes in the brain; and

2) mental phenomena are higher-level features of the brain.

This entails that the brain has the right causal powers to produce intentionality. However, Searle’s biological naturalism does not entail that brains and only brains can cause consciousness. Searle is careful to point out that while it appears to be the case that certain brain functions are sufficient for producing conscious states, our current state of neurobiological knowledge prevents us from concluding that they are necessary for producing consciousness. In his own words:

„The fact that brain processes cause consciousness does not imply that only brains can be conscious. The brain is a biological machine, and we might build an artificial machine that was conscious; just as the heart is a machine, and we have built artificial hearts. Because we do not know exactly how the brain does it we are not yet in a position to know how to do it artificially.“ (Biological Naturalism, 2004)

Eine biologische Maschine, die das Bewußtsein erzeugt und die man nachbauen könnte, dass finde ich aus der Philosophie ganz erfrischend.

Weiter heißt es zu seiner Ansicht:

Searle denies Cartesian dualism, the idea that the mind is a separate kind of substance to the body, as this contradicts our entire understanding of physics, and unlike Descartes, he does not bring God into the problem. Indeed, Searle denies any kind of dualism, the traditional alternative to monism, claiming the distinction is a mistake.

Dualismus dürfte abseits religiöser Kreise auch keine großen Anhänger mehr haben, wobei teilweise die Philosophie letztendlich auch abseits von Gott andere Punkte hinzunimmt, die für „Das was wir nicht erklären können und irgendwie nicht Materie ist“ stehen und bei denen man eben auch von einem Dualismus sprechen könnte („die Zustände supervenieren über dem materiellen“)

He rejects the idea that because the mind is not objectively viewable, it does not fall under the rubric of physics.

Searle believes that consciousness „is a real part of the real world and it cannot be eliminated in favor of, or reduced to, something else“ [1] whether that something else is a neurological state of the brain or a computer program. He contends, for example, that the software known as Deep Blue knows nothing about chess. He also believes that consciousness is both a cause of events in the body and a response to events in the body.

Es wäre interessant, da noch mehr Klarheit reinzubringen. Anscheinend hält er einen Vergleich mit einem Computerprogramm der üblichen Art für eine unzulässige Reduktion (was angesichts seines Beharrens auf das Chinesische Zimmer auch nicht verwunderlich ist), weil dieses eben nur über Routinen Daten verarbeitet, hält aber gleichzeitig das Gehirn für eine Form von „Bio-Maschine“. Aus meiner Sicht wäre es damit eben kein heutiger Computer, aber dennoch könnte Denken eine Form der Datenverarbeitung sein, die eben zusätzlich bestimmte Zusammenhänge erfasst und als solche abspeichert etc.

On the other hand, Searle doesn’t treat consciousness as a ghost in the machine. He treats it, rather, as a state of the brain. The causal interaction of mind and brain can be described thus in naturalistic terms: Events at the micro-level (perhaps at that of individual neurons) cause consciousness. Changes at the macro-level (the whole brain) constitute consciousness. Micro-changes cause and then are impacted by holistic changes, in much the same way that individual football players cause a team (as a whole) to win games, causing the individuals to gain confidence from the knowledge that they are part of a winning team.

Das scheint mir auch wieder eine Form von Kunstgriff zu sein, der im Endeffekt den Übergang zwischen Microlevel und bewußten Denken verschleiert. Genauso wenig, wie ein Schaltkreis in einem Computer ein heutige Programm ablaufen lassen kann, können einzelne Neuronen Bewußtsein erzeugen. Dass kann in gewisser Weise nur das Zusammenspiel aller, was er hier als das „ganze Gehirn“ bezeichnet.

He articulates this distinction by pointing out that the common philosophical term ‚reducible‘ is ambiguous. Searle contends that consciousness is „causally reducible“ to brain processes without being „ontologically reducible.“ He hopes that making this distinction will allow him to escape the traditional dilemma between reductive materialism and substance dualism; he affirms the essentially physical nature of the universe by asserting that consciousness is completely caused by and realized in the brain, but also doesn’t deny what he takes to be the obvious facts that humans really are conscious, and that conscious states have an essentially first-person nature.

Auch hier wieder ein Gegensatz, der aus meiner Sicht künstlich erzeugt wird. Das Gehirn kann etwas, was Computer nicht können. Aber bei dem es aus meiner Sicht auch nicht unmöglich ist, dass Computer dies irgendwann können werden. Es ist zum Teil ein Problem der Rechenleistung, zum anderen aber auch ein Problem einer sehr komplizierten Software. Die Evolution des Gehirns dauerte, wenn man bei recht einfachen Nervenverbindungen anfängt ca. 400 Millionen Jahre, ab 235 Millionen Jahren gab es immerhin schon Dinosaurier. Jeder Schritt ist eine kleine Mutation, die selektiert wird. Irgendwann wird ein Wesen eine gewisse Mutation erlebt haben, die den Übergang zu den Vorläufern des Bewußtseins darstellte oder einfache Formen davon, die dann immer mehr verfeinert worden sind.

It can be tempting to see the theory as a kind of property dualism, since, in Searle’s view, a person’s mental properties are categorically different from his or her micro-physical properties. The latter have „third-person ontology“ whereas the former have „first-person ontology.“ Micro-structure is accessible objectively by any number of people, as when several brain surgeons inspect a patient’s cerebral hemispheres. But pain or desire or belief are accessible subjectively by the person who has the pain or desire or belief, and no one else has that mode of access. However, Searle holds mental properties to be a species of physical property—ones with first-person ontology. So this sets his view apart from a dualism of physical and non-physical properties. His mental properties are putatively physical.

Er scheint mir letztendlich auch nicht mehr zu sagen als „Das Gehirn erzeugt alles und daraus ergibt sich dann im Ganzen unsere Art zu denken, zu fühlen und das Bewußtsein, wie wissen wir aber nicht“. Was etwas nichtssagend ist, aber mehr kann ein Absatz außerhalb der Biologie letztendlich auch nicht bringen.

Qualia (Philosophie des Geistes)

Ein in der Philosophie diskutiertes Problem sind die „Qualia“. Dazu aus der Wikipedia:

Unter „Qualia“ wird der subjektive Erlebnisgehalt mentaler Zustände verstanden. Doch gerade ein solches subjektives Element scheint sich jeder intersubjektiven Begriffsbestimmung zu widersetzen. Der Philosoph Thomas Nagel hat zur Bestimmung der Qualia die Redeweise geprägt, dass es sich „auf eine bestimmte Weise anfühlt“, in einem mentalen Zustand zu sein (what is it like). Wenn eine Person etwa friert, so hat dies in der Regel verschiedene Konsequenzen. In der Person laufen etwa verschiedene neuronale Prozesse ab und die Person wird ein bestimmtes Verhalten zeigen. Doch das ist nicht alles:

„Es fühlt sich für die Person auch auf eine bestimmte Weise an“, zu frieren. Allerdings kann Nagels Bestimmungsversuch nicht als allgemeine Definition gelten. Eine Bestimmung von Qualia durch die Phrase „sich auf bestimmte Weise anfühlen“ setzt voraus, dass diese Phrase schon verstanden ist. Wem jedoch die Rede von subjektiven Erlebnisgehalten nicht einleuchtet, der wird die Phrase auch nicht verstehen. Ned Block hat das Problem der Begriffsbestimmung daher wie folgt kommentiert:

„Sie fragen: Was ist das, was Philosophen ‚qualitative Zustände‘ genannt haben? Und ich antworte, nur halb im Scherz: Wie Louis Armstrong schon sagte, als man ihn fragte, was Jazz sei: Wenn du erst fragen musst, wirst du es nie verstehen.“
– Ned Block: Troubles with Functionalism[3]

Die Probleme, die bei der Bestimmung von Qualia auftreten, haben einige Philosophen wie Daniel Dennett, Patricia und Paul Churchland dazu veranlasst, Qualia als gänzlich unbrauchbare Begriffe abzulehnen und stattdessen einen Qualiaeliminativismus zu vertreten.

Ansgar Beckermann kommentiert hingegen:

„Und wenn jemand sagt, er wisse trotzdem nicht, worin der qualitative Charakter etwa eines Geschmacksurteils bestehe, können wir diesem Unverständnis so begegnen: Wir geben ihm einen Schluck Wein zu trinken, lassen ihn danach ein Pfefferminzbonbon lutschen und geben ihm dann noch einen Schluck desselben Weins mit der Bemerkung: Das, was sich jetzt geändert hat, das ist der qualitative Charakter deines Geschmacksurteils.“
– Ansgar Beckermann: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.[4]

Es ist bereits bezeichnet, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, dass niemand wirklich genau definieren kann. Der „subjektive Erlebnisgehalt mentaler Zustände“ dreht sich im wesentlichen darum, dass man nicht sagen kann, inwieweit bei Leute bestimmte innere Erlebnisse gleich ausfallen: Niemand weiß, ob das, was er selbst unter „rot“ versteht auch von dem anderen genau so wahrgenommen wird.

Das daraus resultierende „Rätsel“ wird wie folgt beschrieben_

Auch wenn die explizite Diskussion der Qualia erst im 20. Jahrhundert aufkam, ist das Problem der Sache nach schon weit länger bekannt: Schon bei René Descartes, John Locke und David Hume lassen sich ähnliche, wenn auch nicht weiter ausgeführte Gedankengänge dieser Art finden. Hume beispielsweise behauptete in seinem Treatise on Human Nature (1739):

“We cannot form to ourselves a just idea of the taste of a pineapple, without having actually tasted it.”
„Wir können uns keinen Begriff vom Geschmack einer Ananas bilden, ohne diese tatsächlich gekostet zu haben.“

Auch Gottfried Wilhelm Leibniz formulierte das Qualiaproblem in einem eindringlichen Gedankenexperiment. Leibniz lässt uns durch ein gigantisches Modell des Gehirns laufen. Ein solches Modell wird darüber informieren, wie im Gehirn Reize auf eine sehr komplexe Art und Weise verarbeitet werden und schließlich mittels Erregungsweiterleitung in verschiedenen Körperteilen zu einer Reaktion führen (vgl. Reiz-Reaktions-Modell). Aber, so Leibniz, nirgendwo werden wir in diesem Modell das Bewusstsein entdecken. Eine neurowissenschaftliche Beschreibung werde uns also über das Bewusstsein vollkommen im Dunkeln lassen. In Leibniz’ Gedankenexperiment kann man leicht das Qualiaproblem entdecken. Denn zu dem, was man in dem Gehirnmodell nicht entdecken kann, gehören ganz offensichtlich auch die Qualia. Das Modell mag uns etwa darüber aufklären, wie eine Lichtwelle auf die Netzhaut trifft, dadurch Signale ins Gehirn geleitet und dort schließlich verarbeitet werden. Es wird uns nach Leibniz’ Ansicht jedoch nicht darüber aufklären, warum die Person eine Rotwahrnehmung hat.

Eine weitere frühe Formulierung des Qualiaproblems geht auf den Physiologen Emil du Bois-Reymond und seine Ignorabimusrede zurück. In seinem 1872 auf der Naturforscherversammlung in Leipzig gehaltenen Vortrag Über die Grenzen des Naturerkennens erklärt du Bois-Reymond die Frage nach dem Bewusstsein zu einem Welträtsel:

„Welche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ursprünglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen ‚Ich fühle Schmerz, fühle Lust; ich schmecke Süßes, rieche Rosenduft, höre Orgelton, sehe Roth …‘“
– Emil du Bois-Reymond: Über die Grenzen des Naturerkennens.[5]

Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Mit dieser Frage läutete Thomas Nagel die gegenwärtige Qualiadebatte ein.

Die gegenwärtige Debatte um Qualia fußt vor allem auf dem Aufsatz What is it like to be a bat? („Wie fühlt es sich an, eine Fledermaus zu sein?“)[6] des Philosophen Thomas Nagel im Oktober 1974. Nagels Aufsatz fiel in eine Zeit, in der die Philosophie des Geistes durch die Entwicklungen der Neuro- und Kognitionswissenschaften überwiegend reduktionistisch geprägt war. Er argumentiert nun, dass die Naturwissenschaften das Phänomen des Erlebens gar nicht erklären könnten. Schließlich seien die Wissenschaften in ihrer Methode auf eine Außenperspektive festgelegt, in der sich die Innenperspektive des Erlebens gar nicht fassen lasse. Nagel versucht seine Position mit einem berühmt gewordenen Beispiel zu illustrieren. Er fordert dazu auf, sich eine Fledermaus vorzustellen. Nun können wir, so argumentiert Nagel, bei so fremden Lebewesen zwar viele neurowissenschaftliche und ethologische Experimente durchführen und dabei auch einiges über die kognitiven Fähigkeiten einer Fledermaus herausfinden. Wie es sich jedoch für die Fledermaus anfühlt, etwa ein Objekt mittels Echoortung zu lokalisieren, bleibe uns verschlossen. Nagel schließt aus diesem Beispiel, dass die subjektive Perspektive der Qualia nicht durch die objektive Perspektive der Naturwissenschaften zu erschließen sei.

Für mich ein absolutes Scheinproblem. Gemeint ist wohl, dass wir nie wissen können, wie etwas funktioniert, weil wir die inneren Vorgänge eben nicht vergleichen können. Insofern wissen wir nicht, ob diese bei Menschen ganz verschieden ausfallen und was andere genau empfinden. Schon gar nicht wissen wir, was andere nichtmenschliche Wesen empfinden.

Allerdings hindert uns das aus meiner Sicht nicht entsprechende Theorien auf der Grundlage dessen zu entwickeln, was wir wissen und über was wir uns austauschen können. Es ist tatsächlich vollkommen egal, ob das Rot, was jemand sieht, tatsächlich die gleiche Farbe hat, die ein anderer sieht. Denn Rot existiert nicht als rot, es existiert als eine bestimmte Wellenlänge von Licht, die in unserem Kopf nur als Farbe umgesetzt wird. Es ist eine Oberfläche, die Licht einer bestimmten Wellenlänge auf eine bestimmte Weise reflektiert. Die Farbe rot ist dabei lediglich eine Illusion unseres Gehirns, quasi die Aufarbeitung der Welt, die es uns einfacher macht unsere Welt wahrzunehmen. Ob die genau festgelegte Wellenlänge dabei in dieser Illusion genau gleich ausfällt oder aufgrund des unterschiedlichen Genpools etwas anders in der Aufarbeitung des jeweiligen Menschen dargestellt wird ist für die inneren Denkvorgänge vollkommen egal. Wir haben ansonsten über unsere Sprache durchaus eine gute Vorstellung wie das Innenleben von Menschen ausfällt und können beschreiben, wie sich bestimmte innere Zustände präsentieren.

Letztendlich scheint es mir auch eine Verkennung des Umstandes zu sein, dass die inneren Zustände eine gewisse Funktion haben und nicht losgelöst davon existieren. Wir haben Angst vor bestimmten Sachen, damit wir vorsichtiger vorgehen (und so länger Leben um unsere Gene in die nächste Generation zu bringen), wir empfinden Liebe, damit wir lange genug mit einem Partner zusammen bleiben, um unsere Kinder aufzuziehen (und unsere Gene so in die nächste Generation zu bringen), wir empfinden Eifersucht, damit wir aufmerksamer werden, wenn jemand unseren Partner wegschnappen will und mögliche Konkurrenten abwehren können (und so unsere Gene mit dem Partner in die nächste Generation bringen können) etc.

Es ist für viele Punkte relativ egal, ob sich Eifersucht genau gleich anführt, wenn es nur das Gleiche hervorruft (nämlich Mate Guarding).

Damit ist auch der Einwand, dass in einem Modell, welches das Gehirn als einen Datenverarbeiter beschreibt, in welchem bestimmte Probleme zumindest teilweise nach bestimmten „Programmen“ gelöst werden, die Qualia unnötig wären, zu lösen. Das Modell stellt darauf ab, dass beispielsweise das Erleben von Schmerz (Schmerzqualia) in einem solchen Modell, wo auf den Input durch die Anwendung einen Programmes ein Handlungsmodell folgt, unnötig ist. Das Argument wäre demnach so ungefähr, dass ein Computer, der über einen Sensor eine sehr hohe Temperatur erkennt, ja auch keine Schmerzen erleben muss, um das Ergebnis der Berechnung auszuwerfen. Das verkennt aber, dass man das vielleicht nicht müsste, aber hier die „Software“ eben auf eine bestimmte Weise aufgebaut ist: Ein Schmerzimpuls wird weiter geleitet und im Gehirn nach Herkunft, Intensität und über weitere Datenverarbeitung über die Augen gegebenenfalls der Quelle verarbeitet. Es wird dann als Endprodukt schlicht ein Auftrag an unser Gehirn überstellt, so schnell wie möglich die Einwirkung, die den Schmerz verursacht zu beenden. Unser Gehirn nimmt diese Motivation als vorrangig an und versucht eine Lösung dafür zu finden. Letzendlich ist das Schmerzerleben damit ein Handlungsauftrag, den wir – genau wie wir auf unsere Sehzellen fallende Lichter einer bestimmten Wellenlänge als eine bestimmte Farbe wahrnehmen – als Schmerz wahrnehmen. Wir müssten keinen Schmerz empfinden, aber unser Gehirn ist so aufgebaut, dass wir in empfinden. Er ist eben Teil des Modells.

Einer der größten Kritiker des Qualia Begriffs ist David Dennett. Er wird dazu wie folgt zitiert:

In Consciousness Explained (1991) and „Quining Qualia“ (1988),[14] Daniel Dennett offers an argument against qualia that attempts to show that the above definition breaks down when one tries to make a practical application of it. In a series of thought experiments, which he calls „intuition pumps“, he brings qualia into the world of neurosurgery, clinical psychology, and psychological experimentation. His argument attempts to show that, once the concept of qualia is so imported, it turns out that we can either make no use of it in the situation in question, or that the questions posed by the introduction of qualia are unanswerable precisely because of the special properties defined for qualia.

In Dennett’s updated version of the inverted spectrum thought experiment, „alternative neurosurgery“, you again awake to find that your qualia have been inverted—grass appears red, the sky appears orange, etc. According to the original account, you should be immediately aware that something has gone horribly wrong. Dennett argues, however, that it is impossible to know whether the diabolical neurosurgeons have indeed inverted your qualia (by tampering with your optic nerve, say), or have simply inverted your connection to memories of past qualia. Since both operations would produce the same result, you would have no means on your own to tell which operation has actually been conducted, and you are thus in the odd position of not knowing whether there has been a change in your „immediately apprehensible“ qualia.

Dennett’s argument revolves around the central objection that, for qualia to be taken seriously as a component of experience—for them to even make sense as a discrete concept—it must be possible to show that

a) it is possible to know that a change in qualia has occurred, as opposed to a change in something else; or that
b) there is a difference between having a change in qualia and not having one.

Dennett attempts to show that we cannot satisfy (a) either through introspection or through observation, and that qualia’s very definition undermines its chances of satisfying (b).

In der Tat ist der genau Gehalt von Qualia schlicht egal, wie ich oben auch schon anführte, solange sie die richtige Funktion erfüllen. Machen sie da aber nicht, dann würde man das auch entsprechend im Verhalten und in den Schilderungen des Innenlebens bei Menschen erfahren.

Das chinesische Zimmer (Philosophie des Geistes)

Bei dem „Chinesischen Zimmer“ geht es um ein Gedankenexperiment des Philosophen John Searle. Es spielt in der Philosophie des Geistes eine Rolle bei der Frage, ob es für ein Bewußtsein ausreichend ist, dass man ein bestimmtes Programm, also eine Reihe von Handlungsanweisungen durchführt.

Das Gedankenexperiment lautet wie folgt:

Searle beschrieb einen geschlossenen Raum, in dem sich ein Mensch befindet. Ihm werden durch einen Schlitz in der Tür Zettel mit Geschichten auf Chinesisch zugestellt. Er selbst ist der chinesischen Sprache nicht mächtig und versteht somit weder den Sinn der einzelnen Zeichen noch den Sinn der Geschichte. Danach erhält er noch einen Zettel mit Fragen zu der Geschichte (ebenfalls in chinesischer Notation). Der Mensch findet des Weiteren einen Stapel chinesischer Skripte und ein „Handbuch“ mit Regeln in seiner Muttersprache vor. Die Skripte enthalten Zusatz- und Hintergrundinformationen zu den Geschichten (eine Art „Wissensdatenbank“).[2] Das Handbuch ermöglicht es ihm, die Symbole mit der Geschichte in Verbindung zu bringen, allerdings ausschließlich auf der Ebene der Zeichenerkennung (über die Form der Zeichen). Auch entnimmt er dem Handbuch Anweisungen, welche Zeichen er (abhängig von den Zeichen der Geschichte, der Skripte und der Fragen) auf den Antwortzettel zu übertragen hat. Er folgt also rein mechanischen Anweisungen und schiebt das Ergebnis (die „Antworten“ auf die Fragen) durch den Türschlitz, ohne die Geschichte oder die Fragen verstanden zu haben.

Vor der Tür wartet ein chinesischer Muttersprachler, welcher die Antwortzettel liest. Er kommt aufgrund des Sinngehaltes der Antworten zu dem Ergebnis, im Raum befinde sich ebenfalls ein Chinesisch sprechender Mensch, der die Geschichte verstanden hat.

Damit kritisiert Searle Überlegungen wie den Turing Test, bei der es darum geht, dass ein Computer vorgaukelt, dass er ein Mensch wäre und ein Mensch davon in einer Unterhaltung aufgrund der (über einen Bildschirm gesendeten Antworten) davon ausgeht mit einem Menschen zu reden.

Denn in der Tat reicht das Vortäuschen eines Gespräches mit einer relativ großen Datenbank und Sätzen, die auf eine Vielzahl von Situationen passen wie „Kannst du das näher ausführen?“ nicht aus um tatsächlich an den Menschen oder auch nur ein Tier heranzukommen, dazu würden wir wohl verlangen, dass jemand Inhalte des Gespräches nachvollziehen kann.

Natürlich kann der Unterschied hier durchaus fließend sein: Beispielsweise reden wir mit Hunden, die sicherlich unsere Sprache auch nicht verstehen, aber teilweise aufgrund Tonfall etc wissen, was zumindest die „emotionale Botschaft“ der Nachricht ist oder bestimmte Tonfolgen erkennen und wissen, dass sie, wenn sie dann eine bestimmte Aktion durchführen, evtl eine Belohnung oder zumindest keine Strafe erhalten.

Das Experiment wird auch gerne gegen Theorien angeführt, die das Gehirn mit einer Art von Datenverarbeitungsmaschine vergleichen, die bestimmte Algorithmen abarbeitet. Searle sagte dazu:

Syntax is not sufficient for semantics, programs cannot produce minds.

  1. Programs are purely formal (syntactic).
  2. Human minds have mental contents (semantics).
  3. Syntax by itself is neither constitutive of, nor sufficient for, semantic content.
  4. Therefore, programs by themselves are not constitutive of nor sufficient for minds.

Mir scheint das Problem ein Scheinproblem zu sein, denn natürlich kann das Gehirn eines Menschen mentale Inhalte, und damit Semantik aufnehmen. Dazu haben wir ein Gedächtnis.

Ich frage mich bei so etwas immer, wie die Leute meinen, dass das Gehirn lernen soll. Die Regeln einer Sprache beispielsweise lassen sich natürlich in einem Buch darlegen und erklären. Es sind Regeln, deren Anwendungen man erlernen muss und dazu muss man zum einen die Regeln, aber auch die Datensätze wie Vokabeln und Bedeutungen „installieren“. Zugegebenermaßen ist unser „Installationsprogramm“ für Sprachen zumindest ab einem gewissen Alter sehr aufwändig, aber dennoch nimmt der Mensch eben Syntax und Semantic der entsprechenden Sprache auf und die Verarbeitung dieser, also die Verinnerlichung der Regeln ist eben durchaus auch für einen Computer vorstellbar.

Die große Frage, die aber eigentlich mit dem chinesischen Zimmer angesprochen wird, ist, wie aus verarbeiteten Daten ein mehr entstehen kann, etwas, was man als wirkliches Bewußtsein versteht.

Der Ansatz, dass der Mensch sowohl bestimmte Regeln anwenden als auch Daten aufnehmen kann, läuft unter dem Namen „Roboter Reply“. Dazu aus der Wikipedia:

Roboter-Ansatz
„Man erschaffe einen Roboter, der nicht nur formale Symbole entgegennimmt, sondern auch (von einem Computer-‚Gehirn‘ gesteuert) mit der Umwelt interagieren kann. Dieser Computer könnte Begriffe auf einer ganz anderen Ebene verstehen und mentale Zustände haben.“

Hier lässt sich kritisieren, dass der Roboter trotz andersgearteten Outputs noch immer keine intentionalen Zustände (Zustände, die sich auf etwas in der Welt beziehen) hat, er reagiert allein aufgrund seines Programmes. Dem liegt jedoch das Missverständnis zugrunde, dass biologische kognitive Systeme diesem Dilemma nicht unterworfen wären. Tatsächlich reagieren beispielsweise Kinder zunächst auch nur auf Reize, die ihnen angeboten werden. Biologische kognitive Systeme entwickeln eigenständige, komplexe Handlungen nur aufgrund ihrer genetisch bestimmten und sozial erworbenen Information.

In der Tat beruht die Kritik an dem Computeransatz auf einer Grundannahme, die zunächst zu widerlegen wäre: Nämlich eben der Frage, inwieweit das Verhalten und Denken Menschen oder Tiere eben auf mehr beruht als bestimmten Berechnungen.

Der größte Fehler scheint mir zu sein, dass das Modell zu stark vereinfacht und von zu einfach strukturierter Software ausgeht. Die Philosophie scheint mir von sehr einfachen „Input – Verarbeitungsschritt – fester Output“ auszugehen. Tatsächlich sind bereits heutige Computer zu weitaus differenzierteren Bewertungen in der Lage, die mehr als eine Variable verwerten und Fuzzylogik anwenden können.

Ein mögliches Modell dazu hatte ich hier zitiert:

The central concept of the memory-prediction framework is that bottom-up inputs are matched in a hierarchy of recognition, and evoke a series of top-down expectations encoded as potentiations. These expectations interact with the bottom-up signals to both analyse those inputs and generate predictions of subsequent expected inputs. Each hierarchy level remembers frequently observed temporal sequences of input patterns and generates labels or ’names‘ for these sequences. When an input sequence matches a memorized sequence at a given layer of the hierarchy, a label or ’name‘ is propagated up the hierarchy – thus eliminating details at higher levels and enabling them to learn higher-order sequences. This process produces increased invariance at higher levels. Higher levels predict future input by matching partial sequences and projecting their expectations to the lower levels. However, when a mismatch between input and memorized/predicted sequences occurs, a more complete representation propagates upwards. This causes alternative ‚interpretations‘ to be activated at higher levels, which in turn generates other predictions at lower levels.

Aber auch ansonsten wäre es zumindest möglich, dass bestimmte Berechnungen durchgeführt werden und deren Endprodukt unsere Art zu denken erheblich beeinflusst, beispielsweise in dem es unsere Motivationen und Gefühle vorgibt und uns damit in eine gewisse Richtung steuert, weil uns ein bestimmtes Verhalten richtig oder lohnenswert erscheint.

Im übrigen stellt sich die Frage, was logisches Denken oder Bewußtsein sonst sein soll als eine gewisse Form eines Denkprozesses im Sinne einer Berechnung. Magie wird man wohl kaum vertreten, ebenso wenig wie einen Geist im Sinne des spirituellen. Damit bleibt letztendlich kaum etwas anderes übrig als eine Form der Kalkulation oder die Ausgabe einer „Software“ im weiteren Sinne. Das Bewußtsein könnte letztendlich so etwas sein, wie das, was ein Programm auf dem Bildschirm ausgibt, das Endprodukt unserer Berechnungen, eine Benutzeroberfläche, die eine gewisse „Bedienung“ ermöglicht, also eine Verwertung der unterbewußt angestellten Kalkulationen ohne das man diese selbst zur Kenntnis nehmen muss. Weil für uns die unterbewußten Kalkulationen nicht als solche erkennbar sind erscheint uns das Bewußtsein gerade als selbstständiger Vorgang.

vgl.

Erkenntnistheorie nach Willard Van Orman Quine

Dies ist ein Gastartikel von El_Mocho.

Traditionell gilt der Zweifel als Ausgangspunkt der Erkenntnistheorie. Wir stellen im Alltagsleben fest, dass wir häufig etwas für wahr halten, das sich dann später als unwahr herausstellt. Aus rein lebenspraktischer Sicht ist es wichtig, wahres und unwahres unterschieden zu können. Wie erreichen wir das?

Bekannt ist die Antwort von Descartes: Wenn ich alles wegnehme, was falsch sein könnte, bleibt zurück, was unbezweifelbar wahr ist: nämlich dass ich denke: „Ich denke, also bin ich“. Und ausgehend vom denkenden Ich können wir dann die Welt untersuchen und feststellen, was wahr und was falsch ist. Hier beginnt die idealistische Philosophie bis hin zu Kant und zu postmodernistischen Theorien.

Der amerikanische Philosoph Willard Van Orman Quine (1908 – 2000) ging jedoch einen ganz anderen Weg: Er hielt den Zweifel als Ausgangspunkt für irreführend. Er schreibt über Illusionen (z.B. Die Wahrnehmung eines Ruders im Wasser als gespalten, obwohl es ganz ist):

„Ich welchem Sinn sind es Illusionen? In dem Sinn, dass sie materielle Objekte zu sein scheinen, aber es in Wirklichkeit nicht sind. Illusionen sind Illusionen nur relativ zur vorhergehenden Annahme wirklich existierender Körper, denen sie kontrastiert werden.“

Das im Wasser gespaltene Ruder fällt nur als Täuschung auf, weil wir bereits wissen, dass es nicht gespalten ist: „In einer Welt die nur aus Sinneswahrnehmungen ohne die Annahme realer Körper bestehen würde, hätten Illusionen keinen Platz.“ Logisch, da die Illusionen genau solche Wahrnehmungen sind, wie wirklich existierende Dinge.

Demnach ist der Zweifel also nicht der richtige Ausgangspunkt für die Erkenntnistheorie:

„Erkenntnistheorie sollte als Teil der Naturwissenschaft betrachtet werden. Cartesianischer Zweifel ist nicht der richtige Anfang. Wir können unsere Überzeugungen über die Natur beibehalten, und trotzdem fragen, wie wir sie erlangt haben. Die Wissenschaft sagt und, das die einzige Quelle unserer Informationen über die Welt außer uns der Einfluss von Lichtstrahlen und Molekülen auf unsere Sinnesorgane ist. Von diesen Stimuli ausgehend gelangen wir schließlich zu einer ausgearbeiteten, brauchbaren Wissenschaft. Wie machen wir das, und warum funktioniert die daraus resultierende Wissenschaft so gut?“

Genau dies ist die Fragestellung der Erkenntnistheorie, so wie Quine sie versteht.

Es zeigt sich nun, dass am Anfang der Erkenntnis einfache Induktion steht, der Schluss vom besonderen auf das Allgemeine; die Erwartung, dass in der Vergangenheit stattgefundene Ereignisse auch in Zukunft so stattfinden werden. Quine: „Menschen neigen zu dieser Annahme, genau wie andere Tiere.“ Und an anderer Stelle: „Wir haben eine angeborene Disposition, zu erwarten, dass ähnliche Ereignisse auch ähnliche Folgen haben.“ Und da alle Menschen eine gemeinsame Abstammung teilen, teilen sie auch diese Erwartungen: „Diese Harmonie wird durch einen gemeinsamen Genpool stabilisiert.“

Beispiel: in der Wahrnehmung einer Katze folgt dem Geräusch der Kühlschranktür die Gabe von Futter. Also geht sie in Zukunft in die Küche, wenn sie das Geräusch hört. Dies setzt schon ein rudimentäres mentales Leben voraus; sie muss in der Lage sein, das Geräusch zu identifizieren, wenn es sich wiederholt, und hier kommt die Evolutionstheorie ins Spiel. Quine: „Individuen, deren Wiedererkennungsmöglichkeiten zu richtigen Erwartungen führen, haben eine gute Chance, Futter zu finden und so zu überleben und sich zu reproduzieren.“

Diese Wiedererkennungsstandards werden natürlich durch Lernen verbessert, aber sie beruhen auf der simplen, angeborenen Fähigkeit zur Induktion.

Der nächste Schritt ist dann die Fähigkeit, auch das umgekehrte Verfahren anzuwenden: aus der Erfahrung Thesen abzuleiten und diese Wiederum auf ihre Richtigkeit hin an der Realität zu überprüfen, die sogenannten hypothetisch-deduktive Methode. Diese können Katzen z.B. nicht anwenden, da ihnen die Fähigkeit zum Sprechen und abstrakten Denken fehlt.

Entscheidend ist hier die Fähigkeit, Erfahrungen sprachlich zu formulieren. Quine nennt die entsprechenden Formulierungen „Observation Sentences“, Beobachtungssätze. Ihr entscheidendes Kennzeichen ist ihre intersubjektive Überprüfbarkeit; Beobachtungssätze sind nicht einfach nur Wiedergabe von subjektiven Beobachtungen. Überprüfbarkeit setzt voraus, dass alle Sprecher eine gemeinsame Welt teilen. Der Satz: „Da geht Johns alter Lehrer“ ist ein einfacher Beobachtungssatz, aber um ihn zu verifizieren, muss man wissen, wer John ist und wer sein alter Lehrer ist.

Alle Wissenschaft beruht auf Beobachtungssätzen, aber dazu es ist notwendig, zu abstrakteren, nicht auf Beobachtung basierenden Sätzen zu gelangen. Im Prozess des Spracherwerbs lernt das Kind, die Bezeichnung „rot“ mit einer bestimmten Sinneswahrnehmung zu verbinden. Immer wenn die betreffende Wahrnehmung auftritt, nennen die Erwachsenen sie rot, und das Kind imitiert diese Bezeichnung schließlich. Genauso geht es auch mit abstrakten Begriffen, deren Gebrauch auch durch Imitation gelernt wird, aber verstanden werden sie nur, wenn Beziehung zu den Beobachtungssätzen besteht. Einen abstrakten Begriff, den ich nicht (wie entfernt auch immer) mit einer Beobachtung verbinden kann, habe ich nicht verstanden.

Aber wie gelangt man zu Sätzen, die sich nicht auf beobachtbares beziehen? Quine führt als Beispiel an „A dog is an animal.“ Quine: „Das Kind hat den Begriff „Hund“ durch Beobachtung in Gegenwart von Hunden gelernt, und ebenso den Begriff „Tier“ (auch in Gegenwart von Hunden, aber nicht nur Hunden). Die Assoziation des Wortes „Hund“ mit Hunden und „Tier“ mit Hunden disponiert dazu, auch auf das Wort „Tier“ entsprechend zu reagieren, als ob ein Hund anwesend wäre.“ Die Reaktion der Umwelt bringt also das Kind dazu, die beiden Begriffe Hund und Tier in Verbindung zu setzen. Somit hat es gelernt, Einzelbegriffe unter allgemeine Kategorien zu subsumieren.

Ich übergehe nun die Rekonstruktion der Entstehung weiterer Sprachfunktionen wie Prädikate usw. durch Quine. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass Quine eine Erklärung des menschlichen Erkenntnisvermögens bietet, die ohne transzendentale Vorannahmen und ohne metaphysische Begriffe auskommt. Das „Subjekt“ ist das biologische, materielle Wesen, das in der Evolution entstanden ist und in ihr zu überleben und sich zu reproduzieren versucht. Menschliches Erkennen beruht auf tierischem Erkennen, auf vorsprachlicher Basis: Die Annahme der idealistischen Philosophie, dass es kein Erkennen ohne Begriffe geben kann, ist damit zumindest relativiert; Begriffsbildung ist vielmehr eine Fortsetzung der genetisch fixierten Erwartung der Aufeinanderfolge gleicher Ereignisse. Und das es keinen nichtdiskursiven (=sprachlichen) Zugang zur Realität gibt, wie die Postmodernisten meinen, ist damit auch wiederlegt. Schließlich erkennen auch Tiere, die nicht sprechen können, die Realität gut genug, um zu überleben.

Alle Zitate aus Qines Aufsätzen „The Nature of natural Knowledge“ von 1975 und „Naturalism“ von 1990, die ich leider beide nicht im Netz gefunden habe. Meine Übersetzung ins Deutsche.

Ich freue mich immer über Gastartikel. Bitte an die hier genannte Emailadresse senden.

Evolutionäre Theoriewoche: Das Gehirn und damit unser Denken als Ergebnis evolutionärer Vorgänge (2. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist:

Das Gehirn und damit unser Denken als Ergebnis evolutionärer Vorgänge

Während die Evolutionstheorie von vielen zumindest was die Entstehung des Menschen an sich angeht akzepiert wird, erwacht Widerstand, wenn es darum geht, das Gehirn und damit unser Denken ebenfalls als evolutionär entstanden anzusehen.

Dass das tierische Verhalten und deren „Natur“ ein Ergebnis evolutionärer Vorgänge ist erzeugt bis hin zu unseren nächsten Verwandten wenig Widerstand, das dies aber beim Menschen auch der Fall sein soll, entrüstet trotz unzähliger Forschung dazu immer noch.

Nach wie vor hat der Blank Slate erstaunlich viele Anhänger, immer wieder erstaunt es Leute, dass man überhaupt Auswirkungen evolutionärer Biologie im Verhalten finden soll.

Veränderungen in der Neuzeit werden als Beleg gesehen, dass wir frei von unserer Biologie sind und es wird auf abweichende kulturelle Praktiken verwiesen, die gerade mal ein paar (oder nur ein paar hundert) Generationen alt sind.

Lernen, Blank Slate und Einwirkungen der Biologie auf menschliches Verhalten

Hier ein paar Probleme, die bei Vorstellungen von einem „Blank Slate“ oder Theorien, die an diesen nahe dran sind bzw. bei Argumentationen gegen biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens gerne übersehen werden.

1.Was ist für „Lernen“ erforderlich und wie komplex ist eine „Lern-Software“

Was mich immer wieder erstaunt sind Aussagen wie „das ist für eine biologische Begründung viel zu kompliziert, dass muss erlernt sein“. Sicherlich ist das bei der Annahme eines „Geistes“ oder einer „Seele“, also eines übernatürlichen Konzeptes noch vertretbar, aber ansonsten scheinen sich die Leute nicht bewußt zu machen, dass „Erlernen“ ein überaus komplexer Vorgang ist.

Einfache biologische Regelungen wie „Auf Lichteinfall hin bestimmte Schwimmbewegungen durchführen“ wie bei einer Qualle sind relativ simpel im Vergleich zu dem gleichen Vorgang, wenn er erlernt werden soll.

Denn das Erlernen bedeutet zunächst, dass man bestimmte Signale auswerten muss, etwa Lichteinfall auswerten und zu einem Bild zusammensetzen, ebenso bei Schallwellen etc. Dann müssen daraus bestimmte Aussagen oder Regeln logisch hergeleitet werden und diese müssen in eine speicherbare Form gebracht werden, vergleichbar damit, dass ein geschriebener Text in einem Computer als Nullen und Einsen abgelegt wird. Diese einmal erkannte Regel muss dann bei einem Auftreten einer neuerlichen Situation als für diese Situation zutreffend erkannt werden, abgerufen werden und auf die konkrete Situation angewendet werden.

Wer einen heutigen Maschinenhersteller vor die Aufgabe stellt, entweder einen Roboter zu programmieren, der eine Tasse greift und an einen bestimmten Ort stellt oder aber einen Roboter zu programmieren, der sich ein Video anschaut, in dem ein Objekt gegriffen wird und dann an einem bestimmten Ort stellt, der kann sicher sein, und ihn fragt, was er eher umsetzen kann, der wird wenig erstaunt sein, wenn der Hersteller Option 1 wählt. Die Programmierung lernfähriger Roboter stellt uns immer noch vor sehr große Probleme.

Die Zerlegung des Lernprozesses kann dabei noch in viel kleinere Schritte erfolgen, etwa indem man die Einzelnen Stationen immer weiter unterteilt und die dortigen Schwierigkeiten behandelt, etwa die Umsetzung eines abstrakten Gedankens in die „Nullen und Einsen“ unseres Gehirns. Wenn man zB eine soziale Regel wie „wer eine besonders hohe soziale Position hat muss mit Respekt behandelt werden“ als erlernte Regel abspeichert muss dies eben in eine speicherbare Form bringen, die ein Ablegen im biologischen Gedächtnis erlaubt und diese Regel dann mit verschiedensten Positionen zum Thema „was ist eine soziale Position“ „wie erkennt man eine soziale Position“ und „was ist respektvolles Verhalten“ anreichern, die ihrerseits alle wieder biologisch abgespeichert und verknüpft werden müssen. Der dazu notwendige“Rechenschritt“ wird in diesen Betrachtungen schlicht mit „das hat er gelernt“ abgehandelt. Damit wird ein ungeheuer komplizierter Vorgang, den wir bis heute nicht hinbekommen, vorausgesetzt. Solche Vorgänge, die modernste Computer überfordern, gelingen allerdings Babys mit einer überaus hohen Rate: Sie können bereits nach der Geburt beispielsweise das Herausstrecken einer Zunge erkennen und die dabei eingehenden Signale als etwas verarbeiten, was sie ebenfalls können und spiegeln sollten. Sie können bereits die Stimme ihrer Mutter oder andere Bezugspersonen erkennen und zuordnen. Sie können sogar grundlegende physikalische Regeln voraussetzen (etwa bei der Bewegung von Bällen) oder ähnliches. Sie können auch später eine Sprache erlernen, ein Vorgang der unglaublich komplex ist und dennoch von Kindern in einem bestimmten Alter problemlos durchgeführt wird, während Erwachsene an der gleichen Aufgabe regelmäßig scheitern und weitaus mehr Unterstützung benötigen (etwa einen Grammatikunterricht etc).

Mitunter scheint die Gleichung da in ihrer Einfachheit dem gnomischen Geschäftmodell zu entsprechen:

1. Soziale Regeln wirken ein

2. ?

3. Erlernt

Auch Gegenargumente scheinen mir teilweise so zu laufen: „Das kann biologisch nicht gehen, weil so etwas biologisch nicht möglich ist, es muss also erlernt sein“. Eine Auseinandersetzung damit, was „erlernt“ dabei überhaupt bedeutet erfolgt dann aber nicht. Insbesondere wird nicht behandelt, warum die Regel zwar nachdem sie erlernt worden ist, abgespeichert und später einem Problem zugeordnet werden kann, das Abrufen einer aufgrund biologischer Selektion entstandenen Regel aber gleichzeitig nicht möglich sein soll. Selbst wenn man argumentieren würde, dass so etwas eben nicht durch Selektion entstehen kann, dann müsste man ja gleichzeitig erklären, wie dann die kompliziertere Lernsoftware durch Selektion entstehen konnte.

2. Ab wann haben wir von der Befolgung biologischer Regeln umgeschaltet auf reines Lernen und wie lief dies ab?

Was auch beständig ausgeblendet wird ist unsere evolutionäre Vergangenheit und der Aufbau unseres Gehirns. Unsere Vorfahren waren zweifellos Tiere im klassischen Sinne und bei diesen wird üblicherweise auch von sonstigen Hardcore-Biologiegegnern nicht bestritten, dass ihre Verhaltensweisen einen großen Rückhalt in der Biologie hatten. Wobei mich da eine Stellungnahme interessieren würde, wie sie dies bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten sehen, die ja schon eine ziemliche Intelligenz, aber auch recht eindeutige Verhaltensweisen und Geschlechterrollen besitzen. Der Aufbau der Gehirne ist dabei recht gleich, es gibt eigentlich keinen Bereich, den ein sonstiger Primat hat, wir aber nicht. Dennoch scheint man dort der Auffassung zu sein, dass diese kompletten Bereiche, die vorher das geschlechtliche Verhalten geprägt haben, nunmehr aufgrund der gesteigerten Intelligenz des Menschen keine Funktion mehr haben.

Dabei folgen natürlich auch die Primaten nicht einfach schlicht verkabelten biologischen Vorgaben. Schimpansen kämpfen beispielsweise genau wie Männer um Status und dies durchaus mit Intrigen, Bündnissen, sozialen Interaktionen, den Versuch, teile der Gruppe gegen sich einzunehmen und Unterstützer von anderen Konkurrenten abzuwerben. Menschliches Verhalten unterscheidet sich insoweit in bestimmten Taktiken nicht grundsätzlich, es ist lediglich komplexer aufgebaut und gerade heute auf größere Gruppen bezogen.

3. Welche Folgen hätte ein reines Erlernen?

Auch wird selten bedacht, dass ein reines Erlernen bestimmter Regeln und Verhaltensweisen zu einer weitaus stärkeren Zergliederung der Menschen führen würde. Zwar erscheinen uns die verschiedenen Kulturen schon sehr verschieden, wir finden allerdings in den meisten die gleichen Grundelemente und auch die gleichen Geschlechterrollen vor, zumindest entsprechen abweichende Geschlechterrollen den sonstigen biologischen Regeln, wie beispielsweise der, dass hohe Vaterunsicherheit eine geringe Investition in den eigenen Nachwuchs nach sich zieht (und man dann eher auf die Unterstützung der Kinder der Schwester ausweicht).

Auch wird nicht bedacht, dass stark verschiedene soziale Praktiken, die nicht über biologische Regeln eingeschränkt werden, auch eine stark unterschiedliche biologische Selektion zur Folge hätten, wenn sie lange genug andauern. Wenn ein Volk beispielsweise unbeeinflusst durch biologisch abgespeicherte Schönheitsideale alles schön finden würde, beispielsweise einen Damenbart, dann hat das eine Selektion in diesem Volk auf Frauen mit Damenbärten zur Folge (und damit wahrscheinlich auch in Richtung einer niedrigeren Fruchtbarkeit). Das an sich ist nichts schlimmes, allerdings würden sich solche Selektionen eben auch zeigen und wir müssten verschiedene Völker haben, die sich mehr in Richtung Unfruchtbarkeit orientiert haben.

4. Die Unvereinbarkeit von vielen grundsätzlichen Ausschlüssen mit bereits einfachen Zugeständnissen

Grundsätzliche Ausschlüsse von biologischen Einwirkungen auf das Verhalten kranken daran, dass deren Vertreter kaum konkret werden wollen, wenn man sie mit bestimmten Sachverhalten konfrontiert. Das verwundert nicht, denn die meisten Erklärungen dieser Art können kaum Ausnahmen ihres Modells zulassen ohne in sich unstimmig zu werden.

Bereits Punkte wie „ist Homosexualität/Heterosexualität biologisch bedingt und wenn nicht, warum kann man sie dann nicht „verlernen“ bzw. sich umentscheiden“ können innerhalb dieser Theorien nicht gelöst werden: Die meisten werden wohl heute davon ausgehen, dass hier ein starker biologischer Einfluss vorliegt, aber wenn ein biologisches Begehren dazu führt, dass man nur Sex mit Menschen eines bestimmten Geschlechts hat, wenn man es sich aussuchen kann, dann ist dies bereits schwer in das Modell einzubauen.

Andere Punkte wie die Wirkung von Hormonen oder auch Verhaltensveränderungen bei Gehirnverletzungen oder Erkrankungen sind ebenfalls bisher aus meiner Sicht nicht wirklich mit einem Modell, welches nicht auf Biologie zurückgreift erklärbar.

„Wenn dort die Biologie Einfluss auf das Verhalten hat, warum soll es dann in anderen Fällen ausgeschlossen sein“ ist ein Argument, dass bereits viele dieser Theorien nie in ihre Erwägungen einbezogen haben, sie bleiben bei einer rein abstrakten Betrachtung, die sich diese Fragen gar nicht stellt.