Mechanismen zur Bindung des Partners

Wie ich hier bereits erwähnt habe ich das Buch „The Chemistry between us“ gelesen in dem ich auch eine andere Idee ganz interessant fand:

Young geht davon aus, dass sich bei Menschen aufgrund der steigenden Kosten der Kindesversorgung immer mehr eine Liebeschemie entwickelt hat, die dazu führte, dass wir ein Mehr an Bindung benötigen.

Er vertritt dann die Idee, dass es eine Selektion daraufhin gab, möglichst hohe Oxytocinausschüttungen bei dem anderen zu bewirken, um dadurch eben genau diese Bindung erreichen zu können.

Interessanterweise bringt er dabei auch die weibliche Brust ins Spiel:

Bei dieser war bereits ein Mechanismus vorhanden, bei dem saugen an dieser Oxytocinausschüttungen bewirkte und so eine höhere Bindung an das stillende Kind bewirkte. Dieser konnte zweckentfremdet werden und so die männliche Faszination für den Busen begründen, der dann über eine Ausgestaltung als paarig angelegtes Costly Signal für Jugend etc noch im Wege der sexuellen Selektion verstärkt wurde.

Es wäre dann also kein Wunder, dass die meisten Männer gerne Brüste betrachten, anfassen, an diesen saugen etc und Frauen im Rahmen des Vorspiels und im Weiteren gerne an diesen angefasst werden.

Ein weiterer Umstand, der in dieser Hinsicht instrumentalisiert worden sein könnte, wäre Sex an sich und dessen Länge. Das Frauen länger brauchen um zum Orgasmus zu kommen und dazu insbesondere häufig erst ein Vorspiel brauchen, eine gewisse Bekanntschaft und Vertrautheit etc könnte eben auch daran liegen, dass auf diese Weise während guten Sex mehr Oxytocin ausgeschüttet wird, weil es sich mehr lohnt, den Partner zu verwöhnen, sich intensiv um ihn zu kümmern und dementsprechend auf diese langsamere Art beim gemeinsamen Sex nicht nur eine kurze Spermienübergabe oder ein allgemeines Wohlfühlen zu bewirken, sondern diese intensiv mit der jeweiligen Person zu verbinden.

Dabei sehr hilfreich wäre auch die Art und Weise des Sex, nämlich Gesicht zu Gesicht, mit der Möglichkeit sich dabei in die Augen zu schauen. Denn so wird die Lust, die man beim Sex erlebt, direkt mit der individuellen Person verbunden.

Zu der sexuellen Selektion auf das Gesicht hatte ich bereits etwas beschrieben:

  • Bei der Paarbindung wird die Anonymität des Sex aufgehoben (im Gegensatz zB zu einer Spermienkonkurrenz). Die Identität des Sexualpartners erhält damit eine besondere Bedeutung
  • Vielleicht haben wir deswegen auch eine besondere Vorliebe für ein “hübsches Gesicht” und auch dort im Wege der sexuellen Selektion viele besondere Attraktivitätsmerkmale angesammelt – bei Frauen etwa besonders volle Lippen (quasi vergleichbar mit den geschwollenen roten Hintern einer Affenarten), was dann eben heute dazu führt, dass sich Frauen die Lippen aufspritzen lassen und mit Lippenstift die Signalfarbe verstärken sowie den Mund optisch vergrößeren
  • Weitere Attraktivitätsmerkmale im Gesicht sind große Augen, weswegen mit Schminke auch hier nachgeholfen wird, zudem hohe Wangenknochen als Zeichen für Erwachsenheit oder Signale wie leicht gerötete Wangen (Signalfarbe für Erregung) die auch mit Schminke nachgeamt wird.
  • Auch beim Mann sind ein deutliches Kinn etc interessant.
  • Das erklärt vielleicht auch, warum Sexualpraktiken wie die Missionar Stellung als besonders vertraut gelten, weil man sich dabei eben in die Augen und in das Gesicht schaut und so die Mimik und die Gefühle des Partners besser lesen kann. Andere Stellungen wie Doggy Style gelten dagegen als “wilder” und insoweit sexueller und sind damit der Kurzzeitstrategie näher (in dem Sinne, dass sie eben die sexuellere Seite eher ansprechen als die Bindungsseite).
  • Es könnte sich insoweit sexuelles Interesse auf das Gesicht verlagert haben, weil dieses aufgrund der Paarbindung zur Erforschung der Gefühle und genauer Beobachtung eh mehr beobachtet werden muss und daher das Prüfen der dortigen Fruchtbarkeitsmerkmale /Attraktivitätsmerkmale und das Entwickeln besonderer Attraktivitätsmerkmale im Wege der sexuellen Evolution leicht selektiert werden konnte

Young beschreibt eine solche Bindung teilweise in der Art einer Prägung: Bestimmte Sachen bewirken eine Ausschüttung von Hormonen für Glücksgefühle, dies wird im Gedächtnis entsprechend abgespeichert. Bewirkt also ein Partner eine entsprechende Ausschüttung immer wieder, dann wird dieses Gefühl zunächst mit ihm verbunden, wir sind süchtig nach dem Partner, weil wir gelernt haben, dass wir über ihn die Hormonausschüttung erhalten. (Auf die gleiche Weise entstehen nach seiner Darlegung auch Fetische, wenn wir bestimmte Gegenstände mit sexueller Erregung in Verbindung bringen, auch wenn sie nicht per se etwas damit zu tun haben, aber damit abgespeichert werden).

Wenn Liebe auf diese Weise entsteht, dann ist es verständlich, wenn wir Wege entwickelt haben, zum einen bei uns selbst eine Bindung an einen Partner aufkommen zu lassen, aber auch eine solche bei dem Partner hervorzurufen.

Es macht im übrigen auch deutlich, dass Sex weitaus mehr ist als simple Fortpflanzung. Sex ist über die Fortpflanzung hinaus ein wichtiges Instrumentarium der Paarbindung und Liebe und das sind ebenfalls biologische Funktionen jeder sexuellen Aktivität, sei sie heterosexuell oder homosexuell. Die einfache Spermienübergabe würde diesen ganzen Aufwand nicht erfordern, sie ist, wie andere Arten zeigen, in Sekundenschnelle möglich. Wir machen einen solchen Aufwand um diese Übergabe, weil wir die dabei ausgeschütteten Hormone als Weg hin zu einer Paarbindung genutzt haben, die Vertrautheit und Bindung und Glücklichsein erzeugt. Auch deswegen können wir mit einem Partner ein Wochenende im Bett verbringen und  deswegen ist Sex für viele so gefährlich, bei zu häufiger Wiederholung und zuviel Zeit, die man miteinander verbringt, bewirkt dieser zu schnell eine Bindung.

Young vermutet auch, dass der für einen Primaten ungewöhnlich große Penis genau dafür entstanden ist. Zum einen musste er mit dem sich dank größeren Kopf potentiell größeren Geburtskanal mithalten, zum anderen wäre ein zu kleiner Penis zwar in der Lage, Sperma zu übergeben, aber eben nicht für die nötige Oxytocinauschüttung zu sorgen. Auch hier mag dann daneben eine Selektion stattgefunden haben, die auf andere Ziele gestützt war, etwa Verbesserung der Spermienübergabe, Herausholen „feindlichen Spermas“, dem Beeindrucken von Konkurrenten und dem Anzeigen von Gesundheit (weil es bei Stress und Krankheit schwieriger ist einen großen Penis steif zu behalten=costly signal).

Vielleicht kommt auch daher die Sorge, dass man die Frau nur als Sexobjekt sieht. Denn es macht eben deutlich, dass man eine Oxytocinausschüttung gar nicht mit ihr verbinden will, also den Sex nicht zur Bindung nutzen will.

Der Gedanke, dass vieles an uns entstanden ist, damit wir vereinfacht gesagt möglichst viel Oxytocin in den Partner pumpen können und dieser auch in uns (ungeachtet anderer Strategien insbesondere Kurzzeitstrategien) ist aus meiner Sicht jedenfalls interessant.

Veränderungen im weiblichen Gehirn durch und nach der Schwangerschaft

Ich lese gerade „The Chemistry between us“ und bisher ist es ein sehr interessantes Buch, auf das ich sicherlich noch häufiger zurückkommen werde.

Ein Kapitel behandelt den „Mutterinstinkt“, der nach den dortigen Angaben durch Hormone in der Schwangerschaft verstärkt aktiviert wird und bei dem bestimmte Teile des Gehirns so umgebaut werden, dass gewisse Denkweisen verändert/gefördert werden, also zb das Gehirn stärker auf klassische Reize, etwa ein Kinderlächeln anspricht.

Die ersten dort erwähnten Studien sind solche an Ratten:

This article reviews the current state of our knowledge about the hormonal basis of maternal behavior in the rat. Considered are the ovarian hormones estrogen and progesterone, the pituitary hormones β-endorphin and prolactin, and the hormone oxytocin, secreted by several hypothalamic nuclei and associated brain regions. The hormones of pregnancy, estrogen and progesterone, prime the female to respond to a terminal rise in estrogen that stimulates a high level of maternal responsiveness even before parturition begins. Studies on the role of prolactin, using hypophysectomy, prolactin release blockers and anterior pituitary and prolactin replacement, indicate that prolactin is required for the ovarian hormones to be effective in stimulating maternal behavior. During the latter half of pregnancy, placental lactogen may displace prolactin in this role. Although prolactin serves as a chronic stimulus for maternal behavior, it also may act over a short period. Oxytocin stimulates maternal behavior in a specific strain of rat, but not in other strains, and only when administered introcerebroventricularly (ICV) in estrogen-primed females. The decline in the high brain levels of β-endorphin around parturition has been proposed as a requirement for the onset of maternal behavior, morphine blocks the onset of maternal behavior and disrupts ongoing maternal behavior and maternal aggression in lactating females. However, blocking β-endorphin action at parturition interferes with pup cleaning and eating of the placenta as well.

Quelle: Hormonal basis during pregnancy for the onset of maternal behavior in the rat

Oder:

Intracerebroventricular administration of oxytocin to virgin female rats that had been ovariectomized and primed with estrogen 48 hours previously induced a rapid onset of full maternal behavior. The maternal behavior persisted and its incidence was dose-related. Tocinoic acid, the ring structure of oxytocin, also rapidly induced the onset of persistent, full maternal behavior. Arginine vasopressin induced persistent maternal behavior, but this behavior had a later onset. Prostaglandin F2 alpha induced strong partial maternal behavior, which showed early onset but did not persist. Many other peptides, ovarian steroids, and prostaglandin E2 were no more effective than saline. These findings suggest that the release of oxytocin and prostaglandin F2 alpha during labor may promote maternal behavior in rats.

Quelle: Oxytocin induces maternal behavior in virgin female rats

Oder:

ABSTRACT Oxytocin produces uterine contractions and milk ejection, functions related to parturition and nurturing. Studies were conducted to determine if this peptide, native to the brain and the posterior pituitary gland, plays a role in the induction of maternal behavior. Intact virgin female rats were given 0.4 ,g of oxytocin, 0.4 1&g of [Arg8Jvasopressin, or saline through lateral ventricular cannulae. Forty-two percent of intact
rats receiving oxytocin displayed full maternal behavior towards foster pups. None of the saline- or vasopressin-treated animals displayed full maternal behavior. Criteria in five behavioral categories had to be fulfilled by an animal within 2 hr of injection for its behavior to be considered fully maternal. When partial maternal responses were considered, oxytocin was significantly more effective than saline and marginally more effective than vasopressin. Five animals responding fully maternally after oxytocin injection were allowed to stay with pups for 10 days. All five continued to display full maternal behavior during this time. Nearly all animals that responded fully maternally to oxytocin injection were in the last day of diestrus or in proestrus or estrus. This suggested that elevated or recently elevated levels of estrogen may be necessary for the induction
of full maternal behavior by oxytocin. Twenty-seven virgin female rats were ovariectomized and given either 100 fig of estradiol benzoate per kg in oil subcutaneously or oil alone immediately after operation. Forty-eight hours later, all animals received 0.4 gtg of oxytocin intracerebroventricularly. Eleven of 13 estrogen-primed animals became fully maternal; none of 14 nonprimed animals became fully maternal.

Quelle: Induction of maternal behavior in virgin rats after intracerebroventricular administration of oxytocin (PDF)

Bei Menschen finden sich einige interessante Angaben zu den diesbezüglichen Veränderungen:

The amygadala, prefrontal cortex and hypothalamus begin to change during pregnancy due to the high levels of stress experienced by the mother during this time.[33]

In human mothers there was a correlation between increased gray matter volume in the substantia nigra and positive emotional feelings towards the infant.[34][35]

Other changes such as menstrual cycle,[36] hydration, weight and nutrition[37][38] may also be factors which trigger the maternal brain to change during pregnancy and postpartum.

Maternal experience alters behaviors which stem from the hippocampus such as enhancing spatial navigation learning and behaviors linked with anxiety.[27]

Recent research has begun to look at how maternal psychopathology affects the maternal brain in relation to parenting. Daniel Schechter and colleagues have studied specifically interpersonal violence-related Post-traumatic Stress Disorder (PTSD) and comorbiddissociation as associated with specific patterns of maternal neural activation in response to viewing silent video-stimuli of stressful parent-toddler interactions such as separation versus less-stressful ones such as play.[39][40] Importantly, less medial prefrontal cortexactivity and greater limbic system activity (i.e. entorhinal cortex and hippocampus) were found among these post-traumatically stressed mothers of toddlers compared to mothers of toddlers without PTSD in response to stressful parent-child interactions as well as, within a different sample, in response to menacing adult male-female interactions. In the latter study, this pattern of corticolimbic dysregulation was linked to less observed maternal sensitivity during mother-child play.[41] Decreased ventral-medial prefrontal cortex activity in violence-exposed mothers, in response to viewing their own and unfamiliar toddlers in video-clips of separation versus play, has also been associated with increased PTSD symptoms, parenting stress and decreased methylation of the glucocorticoid receptor gene.[42]

Dort findet sich auch ein interessanter, wenn auch kurzer Abschnitt zu Veränderungen im Gehirn des Vaters.

Und eine andere Studie wird hier besprochen:

New moms may feel their brain cells dying with every cumulative hour of sleep loss. But a new study offers hope.

In the first months after giving birth, the study found, parts of a mother’s brain may actually grow. Even better news, doting mamas who gushed the most about how special and perfect their babies were showed the most growth.

The parts of the brain that grew are involved in motivation, reward behavior and emotion regulation. That suggests that, by reshaping itself, the post-partum brain motivates a mother to take care of her baby, and then feel happy and rewarded when she does.

The findings may eventually help women who feel disconnected from their babies or even hostile toward them in the early months, said lead author Pilyoung Kim, a developmental psychologist, now at the National Institutes of Mental Health in Bethesda, Md.

„We could maybe compare brain changes in mothers who were depressed or had problems bonding with their infants to normal mothers,“ said Kim, who was at Yale University when she did the work. „And we might be able to develop some kind of intervention programs to help mothers feel more rewarded about their parenting and their baby.“

During pregnancy and the post-partum period, women often feel their brains turning to mush. New moms report that they have trouble remembering things that they used to remember easily. It’s such a common phenomenon that women often call it „Mommy Brain.“ Some research has even shown that women’s brains shrink slightly during pregnancy.

But studies in mice, rats, and other mammals have shown growth and other physical changes in the brains of new mothers. These changes appear to prepare the animals for their new roles. And the mothers‘ brains remain altered for the rest of their lives.

To see if the similar changes might happen in people, Kim and colleagues scanned the brains of 19 mothers a few weeks after giving birth and again three to four months later. Their results, published in the journal Behavioral Neuroscience, showed a small but significant amount of growth in a number of brain regions, including the hypothalamus, prefrontal cortex and amygdala.

These are the areas that motivate a mother to take care of her baby, feel rewarded when the baby smiles at her, and fill her with positive emotions from simple interactions with her infant. These brain areas are also involved in planning and foresight, which might help a mother anticipate her infant’s needs and be prepared to meet them.

In other words, basic changes in the brain might explain the unconditional love, constant worrying and snack-packing habits that many people call a „maternal instinct.“

The researchers speculate that pregnancy hormones prime the brain to be open to reshaping when a newborn arrives. And while it’s not yet clear whether changes in a mother’s brain stimulate her to care for her child, or whether caring for a child changes the brain, the study showed a clear relationship. What’s more, mothers who talked most positively about their babies underwent the biggest changes.

There are good genetic reasons why having a baby might re-sculpt a woman’s brain for the benefit of her baby, said Craig Kinsley, a neuroscientist at the University of Richmond in Virginia. A mother passes her genes to her children, after all, and she’ll do what it takes to keep them alive. (Some studies suggest that the brains of fathers might undergo similar changes, too).

In one of his own studies, Kinsley found that, compared to virgin rats, mother rats were much faster at learning where to find food in a maze. In nature, that might mean that moms are quicker to find food and return to their nests, allowing them to both feed their little ones and protect them from predators.

„From an evolutionary standpoint, a mother is faced with a really significant challenge,“ Kinsley said. „She had to do everything she did before, plus a whole new suite of behaviors to keep her offspring alive. How females evolved in nature is to have their brains adapt in pregnancy, so that their young enhance their behaviors.“

As for the complete loss of memories for names, trivia and other ordinary things that come with giving birth, the brains of new moms may simply have new priorities.

„We are clearly showing that mothers have better memories about things related to their infants,“ said Kim, who has a four-month old of her own. „There are a lot of things going on, and mothers might feel forgetful about things that are not related to their infants. It’s just dependent on what is really important for us to remember at the time.“

Die dort erwähnte Studie müsste diese hier sein:

Animal studies suggest that structural changes occur in the maternal brain during the early postpartum period in regions such as the hypothalamus, amygdala, parietal lobe, and prefrontal cortex and such changes are related to the expression of maternal behaviors. In an attempt to explore this in humans, we conducted a prospective longitudinal study to examine gray matter changes using voxel-based morphometry on high resolution magnetic resonance images of mothers’ brains at two time points: 2–4 weeks postpartum and 3–4 months postpartum. Comparing gray matter volumes across these two time points, we found increases in gray matter volume of the prefrontal cortex, parietal lobes, and midbrain areas. Increased gray matter volume in the midbrain including the hypothalamus, substantia nigra, and amygdala was associated with maternal positive perception of her baby. These results suggest that the first months of motherhood in humans are accompanied by structural changes in brain regions implicated in maternal motivation and behaviors.

Quelle: The Plasticity of Human Maternal Brain: Longitudinal Changes in Brain Anatomy During the Early Postpartum Period

Aus der Studie:

This study identified structural changes in similar brain regions among human mothers during the first few postpartum months. Increased gray matter volumes in large regions of the prefrontal cortex, parietal lobe, and midbrain were found. Furthermore, a mother’s positive thoughts on her baby at the first month postpartum predicted gray matter volume increase from the first month to 3–4 months post-partum. This postpartum period marks a critical time for the development of sensitive mothering and changes in these brain regions may be important to promote sensitive maternal behaviors.

Several key maternal motivation and behavior regions including bilateral hypothalamus, amygdala, substantia nigra, and globus pallidus showed increases in gray matter volume during the early postpartum period. The animal literature underlines the importance of these structures for parenting and lesions in the hypothalamus including MPOA impairs maternal motivation and in the MPOA regions increase the likelihood of infanticide (Flannelly, Kemble, Blanchard, & Blanchard, 1986; Novakova, Sterc, Kuchar, & Mozes, 1993). Structural reorganization in the MPOA was also found to be sensitive to postpartum experience; the increased amount of interactions with pups was associated with greater density in MPOA in rat mothers (Featherstone et al., 2000; Fleming & Korsmit, 1996; Lonstein et al., 1998). An increase in gray matter volumes was also found in the right substantia nigra, a key region of the mesolimbic dopaminergic system responsible for processing reward signals (Schultz, Dayan, & Montague, 1997). During the postpartum period, SN serves an important function in activating positive responses to pup stimuli through dopamine neurons. The ventral pallidum, a part of the globus pallidus, receives inputs from substantia nigra and regulates motor activities and behavioral reactivity (Nestler, 2001). Hypothalamus and globus pallidus have previously been implicated in maternal responses to infant stimuli in humans (Bartels & Zeki, 2004; Lorberbaum et al., 2002). Finally, amygdala activations has been found to be important for maternal behaviors in rodents and nonhuman primates (Kling & Steklis, 1976; Sheehan, Paul, Amaral, Numan, & Numan, 2001). Activations of the amygdala, particularly the medial amygdala, inhibit maternal responses to pup in virgin rats. However, animal studies suggest that once mothers are exposed to their offspring, such pathways involving the medial amygdala may be a key to consolidating maternal learning about the infant (Fleming, Gavarth, & Sarker, 1992; Mayes, 2006). Thus, interactions with the infant during the first postpartum months may be associated with the increased gray matter volumes in the hypothalamus, substantia nigra, globus pallidus, and amygdala may help the mothers activate their maternal motivation and respond to infant cues.

Furthermore, the structural changes in the midbrain region including the hypothalamus, substantia nigra, globus pallidus, and amygdala over time were predicted by a mother’s positive perception of her baby at the first month postpartum. Thus, the mother’s positive feelings on her baby may facilitate the increased levels of gray matter volume. fMRI studies with human mothers have similarly shown that greater substantia nigra responses to infant stimuli were correlated with the mother’s self-reported positive emotional reactions to infant stimuli (Bartels & Zeki, 2004; Noriuchi et al., 2007).

Several brain regions implicated in somatosensory information processing also showed an increase in gray matter over the first postpartum months. These findings may provide evidence that these changes in parent brain structure require exposure to infant-related stimuli. In rats, a rich amount of olfactory, auditory, somatosensorial, and visual information during physical interactions with pups and suckling stimuli during nursing were associated with the reorganization of the thalamus, parietal lobe, and someosensory cortex in lactating mothers (Kinsley et al., 2008; Lonstein et al., 1998; Xerri et al., 1994). Moreover, these changes in the parietal cortex only occurred when mothers interacted with their pups but not when they were only exposed to the pups’ smells or sounds (Fleming & Korsmit, 1996). It would be of interest to examine whether the increased gray matter volumes found here in the thalamus, precentral and postcentral gyrus, and superior parietal lobe from the first to fourth month postpartum are related to the frequency and quality of the mother’s interactions with her infant.

Another large area that showed an increase in gray matter volume was the prefrontal cortex (PFC), including the superior, middle and medial frontal cortices. Afonso and colleagues (2007) found that mother rats with medial prefrontal cortex lesions exhibited deficits in a certain maternal behaviors such as pup retrievals and licking behavior, but not in nest building or pup mouthing. Thus, it is possible that the increase in gray matter volumes in the PFC reported here is associated with the mothers’ adaptation to orchestrate a new and increased repertoire of complex interactive behaviors with infants during the early postpartum. Neuroimaging data highlights the importance of the PFC in parenting behaviors; greater activations in frontal regions including superior and middle frontal gyrus (BA 9, 10) and medial frontal guys (BA8) have been found in almost every fMRI study of human mothers’ responses to infant stimuli (reviewed in Swain et al., 2007).

In addition to parenting experience during the early postpartum period, several other factors may be associated with changes in gray matter volumes in mothers’ brain should be monitored in future studies. Animal studies demonstrate that hormones including estrogen, oxytocin, and prolactin act in several brain areas to activate maternal behaviors in response to infant-related stimuli (Pedersen, Caldwell, Peterson, Walker, & Mason, 1992; Wamboldt & Insel, 1987) and changes in these hormones during the early postpartum period affect anatomical changes (Rosenblatt, 2002). Experience during the pregnancy, for instance, increased amount of stress, may also be associated with structural changes in mothers’ brain regions susceptive to stress exposure including amygdala, hypothalamus, and PFC (McEwen, 2007). A future study may include gray matter volumes during the pregnancy as a baseline and compare them with the ones during the postpartum period. Other factors such as changes in menstrual cycles (Protopopescu et al., 2008) or in hydration, weight and nutritional status (Castro-Fornieles et al., 2009; Raji et al., 2010) may also produce alterations in the brain structure. Studies comparing the gray matter volumes between new mothers and age-matched women with no parenting experience would be helpful to control these factors to assess the apparent new learning that may be occurring (Draganski & May, 2008; Driemeyer, Boyke, Gaser, Büchel, & May, 2008).

Auch noch eine interessante Studie dazu:

Infant cues, such as smiling or crying facial expressions, are powerful motivators of human maternal behavior, activating dopamine-associated brain reward circuits. Oxytocin, a neurohormone of attachment, promotes maternal care in animals, although its role in human maternal behavior is unclear. We examined 30 first-time new mothers to test whether differences in attachment, based on the Adult Attachment Interview, were related to brain reward and peripheral oxytocin response to infant cues. On viewing their own infant’s smiling and crying faces during functional MRI scanning, mothers with secure attachment showed greater activation of brain reward regions, including the ventral striatum, and the oxytocin-associated hypothalamus/pituitary region. Peripheral oxytocin response to infant contact at 7 months was also significantly higher in secure mothers, and was positively correlated with brain activation in both regions. Insecure/dismissing mothers showed greater insular activation in response to their own infant’s sad faces. These results suggest that individual differences in maternal attachment may be linked with development of the dopaminergic and oxytocinergic neuroendocrine systems.

Quelle:  Adult Attachment Predicts Maternal Brain and Oxytocin Response to Infant Cues

Hier könnte man vermuten, dass die sicherere Bindung eben gerade die Folge davon ist, dass ihr Gehirn auf bestimmte Reize mit „Belohnung“ reagiert.Wie immer gibt es in der Natur Vielfalt.

Über den Punkt hinaus

„Ich glaube ich bin über den Punkt hinaus, wo ich einfach nur mit ihm schlafe“ sagt sie.

„Hattest du nicht gesagt“ frage ich nach „dass er geil ist, aber eine Beziehung in einer Katastrophe enden muss?“

„Ja, aber wenn wir uns einen Tag lang nicht sehen, dann sagen wir uns schon, wie sehr wir uns vermissen“

„Wie oft schlaft ihr miteinander?“

Sie wird rot. „Also jetzt pro Tag?“

„Nein, aber das beantwortet meine Frage auch“ Ich grinse  frech „Ihr könnt direkt euren Facebookstatus ändern“

„Oh man, dabei wollte ich das gar nicht, es sollte einfach nur Sex sein. Aber es ist total schön mit ihm. Warum hatte ich noch mal gesagt, dass es nichts werden kann?“

„Weil er eine Scheiß-Egal-Haltung hat und du meintest, dass du deswegen bei jedem Streit unterliegen wirst, weil du zu schnell nachgibst und das in anderen Beziehungen auch schon schief gegangen ist.“

„Richtig. Aber er ist jetzt ganz süß, es ist ihm gar nicht scheißegal. Er kümmert sich richtig gut um mich und ist kuschelig“

„Ach ja, die Hormone. Bindung, Oxytocin. Ich habe ja gesagt, dass zuviel Sex gefährlich ist und du nicht mehr als einmal die Woche mit ihm schlafen solltest, wenn du wirklich nichts festes willst“

„Du immer mit deinen Hormonen! Als ob du weniger Sex in einer solchen Situation gehabt hättest“

„Ich verliebe mich ja auch nicht so schnell wie du und plane dann gleich Kindernamen“

„Stimmt, aber ich glaube ich muss das mal mit ihm klären. Irgendwie ist es mehr als Sex“

„Ihr werdet heiraten und Kinderkriegen. Ich finde ja Hochzeiten mit Buffet nicht schlecht, da muss man nicht so lange auf die Gänge warten“

„Blödmann! Aber ich muss los, wir sind verabredet. Nächste Woche frage ich ihn, wo wir eigentlich stehen. Irgendwann muss man das ja mal klären“

Die Chemie der Liebe

Ein interessanter Bericht im Spiegel zur Chemie der Liebe:

Fangen wir mit der allergrößten an: Was ist die Liebe?

Um sie zu beantworten, sagt Walschburger, kommt man um eine andere Frage nicht herum: Was ist der Mensch? Für ihn sind wir Doppelwesen: Auf der einen Seite Kinder der Natur, auf der anderen Kinder der Gesellschaft. Die leidenschaftliche Liebe ist ein Spagat: Sie ist eine evolutionär begründete Fortpflanzungsstrategie und gleichzeitig „eine magische Veränderung des Alltags“

Doppelnatur ist da aus meiner Sicht das falsche Wort. Es ist eher ultimate Cause und proximate Cause. Die Liebe ist eine Strategie zur Fortpflanzung und funktioniert eben darüber, dass sie bestimmte Veränderungen bewirkt, die ein Hochgefühl bewirken um die gewünschten Ziele umzusetzen.

Dann wird eine interessante Dreiteilung vorgeschlagen:

Vor weit mehr als 10.000 Jahren hat der Mensch seine innere Betriebsorganisation und sein Sozialverhalten ausgebildet. Und auch die drei wesentlichen Teilsysteme der geschlechtlichen Liebe: den Sexualtrieb, die leidenschaftliche, romantische Liebe und die vertrauensvolle Partnerbindung.

Die Abgrenzung des Sexualtriebs finde ich recht klar, die Abgrenzung der romantischen Liebe von der vertrauensvollen Partnerbindung ist da schon etwas schwieriger. Das eine ist wohl etwas verklärter als das andere.

Dann zur Chemie:

Der Trieb dient der Fortpflanzung. In der Pubertät fangen Mädchen an, verstärkt Östrogene zu produzieren, und Jungen besonders Testosteron. Der Sexualtrieb setzt ein, man wird der Eltern überdrüssig, fremde Personen werden interessant. „Die Pubertät ist die Zeit, in der man ständig verliebt ist, aber noch nicht weiß, in wen“, sagt Walschburger.

Nach der Zeit der diffusen Schwärmereien kommt die erste, alles überstrahlende Verliebtheit. Damit die Menschen eine Beziehung eingehen, muss die Natur die Entscheidung für einen Partner versüßen: Adrenalin und Noradrenalin sorgen für ein leidenschaftliches Temperament und dafür, dass wir für Reize aus der Umwelt empfänglicher werden. Dopamin verändert ähnlich wie Drogen unsere Wahrnehmung und unsere gesamte Erkenntnisleistung: Wie durch Scheuklappen wird die Aufmerksamkeit auf die positiven Eigenschaften des Geliebten gelenkt – die schlechten werden ausgeblendet. Und außerdem – zumindest eine Zeit lang – auch alle anderen potentiellen Liebespartner.

Also das Hardcore-Liebesprogramm. Der evolutionäre Nutzen ist denke ich leicht zu erkennen: Bindung zur Nachwuchserzeugung.

Dann zur weiteren Phase:

Nach dem Happy End klingt die Verliebtheit schon nach wenigen Monaten ab. Läuft die Beziehung gut, wird die leidenschaftliche Liebe von der partnerschaftlichen Bindung abgelöst. Das Paar soll schließlich zusammenbleiben – etwa vier, fünf Jahre lang, bis der Nachwuchs auf eigenen Beinen steht.

Die Bindungshormone heißen Oxytocin und Vasopressin – bekannt als Kuschelhormone, die auch Eltern-Kindbeziehungen zusammenhalten. Die Überhöhung und die hormonelle Fokussierung auf den Partner ist aber vorbei: „Der Mensch ist ein Zwitterwesen – einerseits treu, andererseits untreu“, sagt Walschburger. Wir sehnen uns nach einem vertrauten „Individuum mit Heimcharakter“, bei dem wir uns aufgehoben fühlen – aber auch nach einem immer neuen, geheimnisvollen Partner. Die Verschmelzung kann sogar zum Verhängnis werden: Sind sich die beiden Ichs zu vertraut, sind sie zu sehr zu einem Wir geworden, fehlt das Fremde, sexuell Stimulierende.

Deswegen sollte man immer schauen, dass man die Chemie am Leben erhält. Etwas Push-Pull und andere Vorgehensweisen können hier das sexuelle  bedienen und so das „Feuer“ am laufen halten.

Dann zu seiner eigenen langen Beziehung:

Die Natur kann nicht auf alle Fragen eine Antwort geben: „Ich könnte mir meine eigene Partnerschaft nicht biologisch erklären“, sagt Walschburger. Seit 40 Jahren ist er mit seiner Frau verheiratet. „Es hat ja keinen biologischen Vorteil, so lange zusammenzubleiben.“ Die Natur sei nicht darauf vorbereitet, dass die Menschen so lange lebten, geschweige denn zusammenblieben.“ Wir müssen nach sozialverträglichen neuen Wegen suchen“, sagt Walschburger.

Hier irrt er meiner Meinung nach. Es gibt biologische Vorteile für ein langes zzusammenbleiben. Einmal ist lange Liebe ein Costly Signal, dass man eine ernste Bindung eingehen will und dann ist der menschliche Nachwuchs sehr lange unselbständig und benötigt Unterstützung/Förderung.

vgl. auch:

Stress und soziales Verhalten bei Männern

Eine Studie dazu, wie Stress und soziales Verhalten zusammenspielen macht gerade die Runde.

Das Hamburger Abendblatt beispielsweise verwendet die Überschrift „Stress macht Männer sozialer – und Frauen freundlicher„. Klingt interessant.

Die zugrundeliegende Studie:

Psychosocial stress precipitates a wide spectrum of diseases with major public-health significance. The fight-or-flight response is generally regarded as the prototypic human stress response, both physiologically and behaviorally. Given that having positive social interactions before being exposed to acute stress plays a preeminent role in helping individuals control their stress response, engaging in prosocial behavior in response to stress (tend-and-befriend) might also be a protective pattern. Little is known, however, about the immediate social responses following stress in humans. Here we show that participants who experienced acute social stress, induced by a standardized laboratory stressor, engaged in substantially more prosocial behavior (trust, trustworthiness, and sharing) compared with participants in a control condition, who did not experience socioevaluative threat. These effects were highly specific: Stress did not affect the readiness to exhibit antisocial behavior or to bear nonsocial risks. These results show that stress triggers social approach behavior, which operates as a potent stressbuffering strategy in humans, thereby providing evidence for the tend-and-befriend hypothesis.

Quelle: The Social Dimension of Stress Reactivity: Acute Stress Increases Prosocial Behavior in Humans (Volltext)

Ich zitierte zudem einmal aus der Pressemitteilung der Uni Freiburg:

Dieser zufolge sollen Menschen und die meisten Tierarten bei Stress die „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ („fight-or-flight“) zeigen. Erst seit den späten 1990er Jahren vertreten einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die These, dass Frauen unter Stress alternativ nach dem „Tend-and-befriend-Konzept“ handeln, also mit einem beschützenden („tend“) und Freundschaft anbietenden („befriend“) Verhalten reagieren. Männern hingegen wird nach wie vor unterstellt, bei Stress aggressiv zu werden. Zu Unrecht, sagt von Dawans: „Offenbar zeigen auch Männer soziales Annäherungsverhalten als unmittelbare Konsequenz von Stress.“

Mit dieser Studie hat das Forschungsteam erstmals das Sozialverhalten bei Männern unter Stress experimentell untersucht. (…) Die Folgen für das Sozialverhalten untersuchten die Forscherinnen und Forscher nun in ihrer Studie mit eigens konzipierten sozialen Interaktionsspielen. Diese ermöglichen es, positives Sozialverhalten, zum Beispiel Vertrauen oder Teilen, und sozial negatives Verhalten, etwa Bestrafen, zu messen.

Im Ergebnis zeigten Probanden, die unter Stress standen, deutlich mehr positives Sozialverhalten als Probanden der Kontrollgruppe, die sich nicht in einer Stresssituation befanden. Negatives Sozialverhalten jedoch wurde durch Stress nicht beeinflusst. Für Markus Heinrichs hat dies weit reichende Konsequenzen für ein besseres Verständnis der sozialen Bedeutung von Stress: „Aus vorherigen Studien unseres Labors wussten wir bereits, dass positiver sozialer Kontakt mit einem vertrauten Menschen vor einer Stresssituation die Stressreaktion reduziert. Offenbar ist diese Bewältigungsstrategie so stabil verankert, dass Menschen auch unmittelbar im oder nach dem Stress durch positives soziales Verhalten Stressreaktionen verändern können.“

Interessant ist dabei natürlich das verwendete Spiel:

The trust game and trustworthiness game were sequential two-player games. The player with the first move could choose to trust or not trust. If he did not trust, both players received 14 monetary units (MU). If he trusted, a higher total amount could be gained, but the resulting payoffs depended on whether the second player was trustworthy or not. If he was not trustworthy, he received a payoff of 60 MU, and the player with the first move received nothing. If the player with the second move was trustworthy, the two players received the same payoff;

(…)

The punishment game was also a sequential two-player game. In this case, the interaction partner always had the first move, and he could decide how to distribute 50 MU. He could either make a fair split (25 MU and 25 MU) or choose a given unfair distribution. If he chose the fair offer, there was no further choice. But if he chose the unfair offer, the target participant could either accept the offer (Fig. 1 displays the variant in which he received 48 MU for himself and the target participant received 2 MU) or punish the interaction partner by refusing the offer.

(…)

In the sharing game, the target participant could either receive 30 MU for himself (leaving 0 MU for the interaction partner) or share the reward (e.g., 15 MU for himself and 15 MU for the interaction partner, as illustrated in Fig. 1). There was no opportunity for the interaction partner to influence the outcome.

In the nonsocial risk game, the target participant played alone. In each of eight rounds, he could choose between a lowrisk gamble (e.g., having a 50% chance of receiving 27 MU and a 50% chance of receiving 23 MU) or a risky gamble (e.g., having a 50% chance of receiving 52 MU and a 50% chance of receiving 4 MU). Next, the participant rolled a die to determine the outcome of the chosen gamble: Rolling a 1, 2, or 3 resulted in the higher outcome, whereas rolling a 4, 5, or 6 resulted in the lower outcome. Each participant played each variant once.

Das sind natürlich alles Kooperationsspiele, mit Ausnahme des letzten Spiels. In diesen Situationen kann ich mir gut vorstellen, dass die Spieler gerade bei Stress auf Kooperation umschalten, weil es die Lösung ist, die den höchsten Gewinn verspricht und damit erst einmal als optimale Lösung erscheint. Das letzte Spiel hingegen fragt nur Risiko, nicht Wettbewerb ab.

Es sagt allerdings wenig darüber aus, wie sich Menschen verhalten, wenn Kooperation keine Lösung ist, also in einem Zero-Sum-Game, bei dem der Gewinn des einen der Verlust des anderen ist. Das wäre ja eine klassische Konfliktsituation, in der man sich eher zurückziehen kann oder angreifen kann, also eine Fight or flight Situation austragen kann.

Dazu aus der Studie:

These findings support the idea that humans have a tendency to provide and receive joint protection within groups during threatening times (Baumeister & Leary, 1995). Although previous studies have implicated tend-and-befriend behavior as a sex-specific stress response in women (Taylor, 2006), this is the first study to demonstrate this coping behavior in men. As one of the strongest positive reinforcers, social contact could foster further prosocial behavior. This interpretation is consistent with the results of a recent study showing an improvement in social cognition after stress among individuals who responded to acute psychosocial stress with high cortisol levels (Smeets, Dziobek, & Wolf, 2009).

Da menschliche Gruppenbildung gerade gegenseitige Unterstützung erreichen soll, die In-Group ja ein Instrument ist, um Vorteile in der Zusammenarbeit zu erreichen, wäre es auch merkwürdig, wenn diese unter Druck, der gerade durch Zusammenarbeit gelöst werden kann, nicht zusammenarbeiten. Zu den Gruppenfunktionen gerade bei Männern hatte ich hier schon die Darstellung bei David Geary aufgegriffen: „Männerfreundschaften und Koalitionsbildung

Das Männer in Gruppen sozial zusammenarbeiten können, gerade auch unter Stress, ist insoweit eine Erkenntnis, die zu erwarten war.

Interessant auch die hormonelle Seite:

What are the putative mediators between stress exposure, prosocial behavior, and coping? In nonhuman mammals, the stress-buffering effect of proximity and affiliation has been shown to be primarily mediated by the activation of specific endocrine systems within the central nervous system (Insel & Young, 2001). In particular, the oxytocin system is postulated as the biological basis of both social approach behavior and social buffering of stress reactivity (Heinrichs & Domes, 2008). Because animal research shows that oxytocin is secreted during stressful situations (Neumann, Krömer, Toschi, & Ebner, 2000) and that oxytocin increases social approach behavior (Donaldson & Young, 2008), acute stress might also lead to higher availability of brain oxytocin, thereby increasing the willingness to respond with social approach behavior. We previously showed that social support and intranasal oxytocin administration interact to reduce cortisol levels and subjective responses to psychosocial stress in men (Heinrichs et al., 2003). In addition, we found that intranasally administered oxytocin increases trusting behavior (Kosfeld, Heinrichs, Zak, Fischbacher, & Fehr, 2005), thereby attenuating the activity in brain areas mediating emotional processing (amygdala, midbrain regions) and the behavioral adaptation to feedback (dorsal striatum; Baumgartner, Heinrichs, Vonlanthen, Fischbacher, & Fehr, 2008). Also, recent evidence from a genetic study indicates that a common single-nucleotide polymorphism (rs53576) in the oxytocin receptor gene interacts with stress-protective effects of social support, such that only carriers of the G allele show reduced cortisol responses to stress following social support (Chen et al., 2011). These results suggest that genetic variation in the oxytocin system modulates the effectiveness of positive social interaction as a protective buffer against a stressful experience. Further studies using a combination of pharmacological approaches and genotyping for oxytocin receptor polymorphisms are needed to clarify the role of the oxytocin system in influencing prosocial behavior following stress exposure (Meyer-Lindenberg, Domes, Kirsch, & Heinrichs, 2011).

Hier wäre es interessant noch einmal die Reaktionen bei einer konfrontativen Wettbewerbssituation zu vergleichen. Zu der diesbezüglichen Situation und den Geschlechtsunterschieden bei Männern und Frauen hatte ich in dem Artikel „Stressreaktionen bei Mann und Frau“ bereits etwas geschrieben. Interessant ist auch das dort erwähnte Zusammenspiel von Testosteron und Oxytocin, wobei Testosteron die Wirkung von Oxytocin einschränkt. Gerade bei Stress in einer Wettbewerbssituation wird mehr Adrenalin ausgeschüttet und dadurch auch mehr Vasopressin ausgeschüttet, welches durch Testosteron verstärkt wird und dann wieder eine gewisse Bissigkeit in die Auseinandersetzung bringen kann, im Gegensatz zu einer Tend and Befriend Situation.

Feste Partnerschaft und der Wunsch nach vielen Sexualpartnern

Bei Hooking up Smart wird in dem Beitrag „The Truth about Male Sexuality“ ein Kommentar zu dem Thema „feste Partnerschaft bringt den meisten Sex, warum suchen sich Männer nicht eine solche statt On-Night-Stands?“ wiedergegeben:

This simply does not compute to the male mind. But that’s very hard to explain to the female mind. Sexual variety, if we can get it, is an end in itself, its own reward. We’re born that way. (…)

In men, the drive to settle down & be deeply in love with someone you want to share your life with, AND the daily desire to still fuck everything that moves if you possibly can, coexist perfectly naturally, without dissonance. They are compartmentalized. They are both true. (…)

I love being in love & in a committed relationship but every time there is the chance of easy sex with someone I find attractive, my body cries out plaintively in a way that is directly comparable to a childless 38 year old woman looking at other peoples babies & weeping with desperation to fill her womb with one of her own. (…)

Regular sex with only one woman is not the male goal. Falling in love might be, but monogamy is more of a price men pay than the happy ending it is for women. It’s really giving up his natural destiny to fulfill hers. Again, there is simply no way to translate this for women, just how much a man gives up to be with only them.

Nein, dass ist keine Entschuldigung für das Fremdgehen. Denn natürlich muss es ein Mann nicht machen und natürlich bedeutet ein höheres biologisches Verlangen etwas zu tun nicht, dass es gut ist, so zu handeln. 

Aber das bedeutet nicht, dass dieses Verlangen nicht da ist und auch nicht, dass es nicht höher ist als bei Frauen. Natürlich gibt es wie immer auch kein „Alle Männer sind so und alle Frauen sind so“. Es ist eben mal wieder ein fließender Übergang.

Aber dennoch scheint mir der Wunsch – aus dem nicht unbedingt ein Handeln folgen muss – bei Männern durchaus verbreiteter zu sein. Die meisten Männer werden nach wie vor mit einer hübschen Frau schlafen wollen, Frauen scheinen dies weniger zu wollen. Männer können in der Tat beides gut nebeneinander leben. Was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum man von diversen Promis Fremdgehgeschichten hört und warum Tiger Woods trotz sehr hübscher Frau fremd gehen wollte.

Ich denke, dass für Männer Abwechselung interessanter ist als für Frauen. Was auch leicht durch die verschiedenen Fortpflanzungszeiten zu erklären ist. Für eine Frau bringt es mehr immer mit dem selben hochwertigen Partner zu schlafen als immer mit abwechselnden als für den Mann. Denn sie kann auch wenn sie mit 50 Männern schläft nur einmal schwanger werden, während er, wenn er mit 50 Frauen schläft theoretisch 50facher Vater werden könnte. Was ihn heute ruinieren würde, in der Steinzeit aber mangels Unterhaltsvorschriften zu einer effektiven Verbreitung entsprechender Gene führen konnte.

„Extra Pair Copulation“ oder „Mit einer anderen schlafen wollen“

Gerade gibt es wieder eine kleines Drama im Freundeskreis.

Eine Freundin wollte erst nichts von einem Bekannten (kein Pickuphintergrund) von ihr. Er hat eifrig gebaggert, sie haben auch mal rumgeknutscht, aber es ging nicht recht voran. Sie konnte sich niemals vorstellen, was mit ihm anzufangen.

Irgendwann meinte er dann, dass er sie auch nicht mehr wollte, jedenfalls nicht für eine Beziehung, und wandte sich anderen Prokekten zu. Nun wollte sie ihn plötzlich doch (die Neediness fiel eben weg). Aus einem Absturz wurde eine Freundschaft mit Vorzügen und bei ihr entstand der Wunsch nach etwas Festerem. Die nächste Zeit war dann beziehungsähnlich, man verbrachte die meisten Nächte miteinander, kuschelte und hielt Händchen. Es wurde immer fester, was dazu führte, dass er immer mehr blockte. Er traf sie nur noch jede zweite oder dritte Nacht, war wenn er dort war wie ein Freund, aber eben ansonsten darauf bedacht, die Sache nicht zu stark werden zu lassen.

Irgendwann fragt sie nach, wo sie nun eigentlich stehen. Er sagt, dass er ja gesagt habe, dass er keine Beziehung mit ihr wollte. Sie versucht es noch eine Zeit zu erforschen, dann trifft sie die Entscheidung, dass sie nichts einfach nur so will, sondern ganz oder gar nicht, und macht sich rar. Sie blockt alle weiteren sexuellen Versuche ab und macht deutlich, dass sie entweder mehr oder nur eine normale Freundschaft haben will. Im Gegenzug fährt er seine Flirtbemühungen wieder hoch, sagt aber auch nicht, was er wollte. Sie blieb hart.

Es folgte ein Urlaub seinerseits aus dem beständig gechattet und gesmst wird. Er schreibt ihr, dass er sie vermisst und das die zeit zusammen so schön war. Aber er sagt immer noch nichts von Beziehung, auch wenn es sehr danach klingt. Sie nimmt sich daher für das Wochenende, an dem er wiederkommt, etwas mit einer Gruppe von Freunden vor, sie will nicht zu verfügbar erscheinen, nicht so als würde sie auf ihn warten, es ist aber eine Gruppe mit teilweisen gemeinsamen Freunden, er kann also – als Freund – sich auch einfach der Gruppe anschließen. Das macht er natürlich auch, schließlich hat er sie ja vermisst.

Sie bleibt recht neutral den Abend über, läßt ihn abblitzen, er soll ja merken, dass sie nur zu ihren Bedingungen wieder etwas mit ihr haben kann. Dementsprechend geht sie auch recht früh nach Hause – allein. Er macht noch etwas weiter Party. Eine Bekannte einer anderen Freundin – nach späterer Aussage von ihr „hässlich, dumm und eine Schlampe“ – findet ihn auch ganz gut, nimmt ihn mit nach Hause, es folgt heavy Petting, er will mehr, aber sie hat wohl Last-Minute-Resistance und es kommt trotz seiner Bemühungen nicht zum Sex. Ihr erzählt er, dass sie noch weiter Party gemacht haben, aber nichts passiert ist.

Der Flirt geht weiter und ihr rarmachen zahlt sich aus. Sie wird – wenn auch nichts weiter läuft – den Eltern vorgestellt und er gibt alle Andeutungen, dass er mehr will, ohne aber von Beziehung zu sprechen. Sie meint es läuft gut. Sie treffen sich, aber alles bleibt anständig, schließlich hat sie ja deutlich gemacht was sie will. Sie sieht sich als zu 90% vergeben an.

Aber natürlich hat die Nacht folgen. „Dumm und Hässlich“ versteht nicht, warum er nach dem Abend immer abweisender wurde, immer weniger auf SMS geantwortet hat. Sie fragt Bekannte was da nun eigentlich los ist.“Dumm und Hässlich““ erfährt davon, dass er jetzt mit ihr flirtet, aber bisher wohl nur flirtet. Sie geht zum Gegenangriff über und schreibt sie über Facebook an, die beiden chatten, „Dumm und Hässlich“ redet sich alles von der Seele, beschreibt im Detail was sie gemacht haben, wie er sie geküsst hat, wie nett er war, welch eifühlsame Berührungen er gemacht hat, wie er sie im Arm gehalten hat. All diese Berühungen, Gesten, Worte kommen ihr sehr bekannt vor. So ist er auch bei ihr. Und genau das fand sie so schön, dachte sie ist die kleine besondere Schneeflocke, bei der er solche Gefühle entwickeln kann. Jetzt sind es alles hohle Gesten in ihrer Wahrnehmung.

Sie fühlt sich betrogen, obwohl sie gar nicht zusammen waren. Sie glaubt ihm nicht mehr, dass seine Gefühle echt und tief waren, denn wie hätte er sonst mit einer anderen schlafen können? Will man, wenn man verliebt ist, nicht nur mit einer einzigen Person schlafen, nämlich der, die man liebt? Mein Einwand, dass sie ja noch gar nicht zusammen waren und er eben nur Penisgefühle für „Dumm und hässlich“ hatte für sie hatte geht in allgemeinen „Männer sind Schweine“ Rufen unter. Es ist richtig, dass Liebe eine Fokussierung auf eine Person bewirkt. Insbesondere die Stoffe Vasopressin, Serotonin und Oxytocin sind daran schuld. Dem entgegen steht allerdings der Sexualtrieb, der bei Männern deutlich stärker ausgeprägt ist, deutlich stärker auf optische Reize reagiert und Sex eher auf einer sachlichen Ebene sehen kann, bei der es um reine Lustbefriedigung geht.

Das Männer von Sex mit mehreren Frauen mehr Vorteile bei einer Anreicherung ihrer Gene im Genpool haben als Frauen ist eine der Hauptunterschiede zwischen den Geschlechtern, die allein schon erheblich verschiedene Selektionsdrücke bewirkt. Ich glaube daher, dass Männer im Schnitt eher in der Lage sind mehrere Frauen zu lieben und eine Frau zu lieben und mit einer anderen, selbst weniger attraktiven Frau schlafen zu wollen.

Das bedeutet nicht, dass Frauen nicht auch fremdgehen, aber meiner Erfahrung nach ist es bei ihnen eher (nicht immer) ein Zeichen, dass die Beziehung sehr schlecht läuft und sie sich bereits innerlich getrennt haben oder aber der Mann als sehr attraktiv bewertet wird. Jedenfalls ist selbst treuen Männern das Gefühl nicht fremd Lust auf eine andere Frau zu haben. Sie sehen es dann eher so, dass sie die Beziehung nicht gefährden wollen, aber sie fühlen durchaus den sexuellen Reiz einer anderen Frau.

Es scheinen sowohl bei Serotonin als auch Vasopressin und auch bei Oxytocin, dessen Wirkung bei Fruaen durch Östrogen verstärkt wird Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu existieren. Testosteron scheint die Wirkung von Oxytocin negativ beeinflussen zu können.

Aber noch ein paar Soundschnipsel aus der folgenden Diskussion:

  • „Ich glaube nicht, dass es überhaupt treue Männer gibt. Ich kenne so nette , die so wunderbare Beziehungen haben und dennoch fremd gehen. Vielleicht sollte einem schon ein Mann reichen, der es wenig macht, es gut verbirgt und genug Respekt hat, dass es keiner, den du kennst weiß“
  • „Ich glaube, dass es Treue Männer gibt. Meine Freundin X und ihr Freund sind so niedlich zusammen, die können keine Minute getrennt sein, und meine Eltern lieben sich auch wirklich“
  • „Ich glaube es hilft, wenn man sich als Mann in seiner Jugend ausgelebt hat. Aber mitunter siehst du eine Frau und denkst „wie geil wäre es noch mal Single zu sein und die einfach so mal zu knallen“. Aber es geht ja nicht, man ist ja vergeben.“
  • „Ich würde für keinen Mann die Hand ins Feuer legen“
  • „Man will ja auch seinen Freund nicht bevormunden. Er soll ja ruhig einfach so mit anderen weggehen und man will das Gefühl haben, dass er von sich aus jedes Angebot ablehnt, weil er gar keine andere Frau will“
  • „Ich hatte mal einen Freund, der war auf alle Fälle treu. Der war so lieb und hat alles für mich gemacht. Aber es war zu langweilig mit ihm“