Der Gender-Ansatz verdient Glauben nicht weil er wahrer ist als andere, sondern weil er so viele Vorteile bietet

El Mocho weist auf ein interessantes Interviews in der Print-Zeit hin (wenn es das irgendwo online gibt, dann freue ich mich über einen Hinweis)

In der “Zeit” vom 27.02. findet sich ein Interview mit dem Geschichtsdidaktiker Martin Lücke, der “an Berliner Schulen den Queer History Month organisierte”, scheint nicht online zu sein. Da heißt es:

“Zeit: Glauben Sie an diese (Gender)Theorie?

Lücke: Ja, ich glaube daran. Und das ist auch wirklich eine Glaubensfrage.Wissenschaft setzt immer Prämissen, und die Prämisse der Genderwissenschaft, dass Geschlecht immer etwas sozial kosntruiertes ist, hat den großen Vorteil, sehr viel erklären zu können, vor allem den Umstand, dass sexuelle Orientierung auch außerhalb der Fortpflanzung so wirksam und erfolgreich ist. Und dass wir die Biologie dazu benutzen, Sexualität zu definieren, aber diese biologie ihrerseits sozial kosntruiert ist – just zu diesem Zweck.

Zeit: Ist nicht ein Hauch von Irrsinn dabei? ….Taugt die Gendertheorie zur Kritik einer naturwissenschaft?

Lücke: Ja .- denn die Biologie hat auch ihre vorwissenschaftliche Arbeitshypothese: nämlich immer etwas eibndeutig bestimmen zu wollen.

Zeit: Es gibt aber eine Gefahr dieser Art Wissenschaftskritik: dass am Ende keine Wissenschaft mehr bleibt. Wenn jeder Standpunkt als parteilich gilt, … gibt es keinen Austausch von unverdächtigen Argumenten mehr. …

Lücke: Aber der Gender-Ansatz hat den großen Vorzug, überhaupt erst zu der Erkenntnis zu verhelfen,von welchem Standpunkt aus man spricht.”

Also der Gender-Ansatz verdinet Glauben nicht weil er wahrer ist als andere, sondern weil er so viele Vorteile bietet (für Herrn Lücke zumindest).

Genau das hatte ich vermutet..

Das ist aus wissenschaftlicher Sicht schlicht gruselig. Leider ist es ja eine Auffassung, die die gesamten Genderwissenschaften oder Gender Studies durchzieht und dort als wesentliche Erkenntnis gefeiert wird:

Wissen soll subjektiv sein, jede Wissenschaft ist nur Diskurs und nicht Fakt, ist eine subjektive Meinung, die der Absicherung eigener Macht dient.

In diesem System stellt sich daher gar nicht die Frage, ob etwas wahr ist, sondern nur, welche Folgen es hat, wenn es als wahr angenommen wird und wer davon profitiert.

Diese Unwissenschaftlichkeit im Feminismus war schon häufiger Thema hier:

Natürlich KANN eine Machtfrage dazu führen, dass Wissen verborgen bleibt. Beispielsweise hat Religion sicherlich in bestimmten Zeiten und auch heute noch dazu beigetragen, dass bestimmte Theorien sich schwer durchsetzen oder falsche Theorien sich länger hielten, von der Erde als Mittelpunkt des Universums bis hin zu Schöpfungstheorien.

Und natürlich kann es auch extreme Geschichtsverfälschungen dadurch gegeben haben, dass die Sieger oder Mächtigen die Geschichte geschrieben haben. Aber das alles führt nicht dazu, dass man aufhören darf, Fakten für seine Thesen zu ermitteln und diese kritisch zu werten. Ein Abstellen auf reine Subjektivität, wie sie hier propagiert wird, kann schlicht nicht mit einer wie auch immer gearteten Wissenschaft in Einklang gebracht werden. Der Mond ist eben nach allen bekannten Fakten nicht der Hintern einer dicken Frau, es ist ein größer Felsbrocken, der um die Erde kreist. Hier eine Gegenposition aufzubauen, die mit den gegenwärtigen Fakten nicht in Einklang zu bringen ist, bringt keine neuen Erkenntnisse, sondern schlicht falsche Ergebnisse.

Das ist im Geschlechterthema nicht anders. Im Gegenteil: Die starken Vereinfachungen im Genderfeminismus in Gruppen, die allgemeine abstrakte Vorteile oder Nachteile haben und stets in einem Nullsummenspiel um die Macht sind verbessert die Lage nicht, sondern schafft Lager, wo gar keine sein müssten.

Schrödingers Feminist

Passen zu dem im Feminismus bekannten Schrödingers Vergewaltiger wird bei „A voice for men“ Schrödingers Feminist diskutiert:

If one views feminism as the box, men and women as the cat, and feminists as the physicists standing outside looking at the box, but refusing to open it to look inside, then one gets an idea of feminist discourse. It is a system of ethics based on utilitarianism and a pragmatist approach to science.[2] Ethics and truth are subjectively based on happiness and utility. Utilitarian morality is based upon outcome of actions, not the actions themselves; creating a subjective ethical system where the end justifies the means. The subjective nature of utilitarian ethics permits the feminist to characterize men as either good or evil as it suits the purpose. For instance, if there is no difference between men and women, men must be good by nature (because women are). Therefore the evil of masculinity can be eliminated by re-socializing men to make them act more like women.

The utility in this feminist belief is that it can be used to sell feminism to men and create male feminists. At the same time, feminists can argue that men are inherently evil (all men are rapists) and call for their elimination. The utility here is that the elimination of men would create the greatest amount of happiness for the greatest number of women. The end (happiness) justifies the means (gendercide). It is why an entire audience of otherwise “good” women can laugh and scream in joy when Sharon Osborne said it was fabulous that a man had his penis severed by his wife for wanting a divorce. It eliminates cognitive dissonance.

Wenn Männer und Frauen die Katze sind, deren Zustand immer in ungewissen bleibt, dann müsste es natürlich eigentlich „Schrödingers Mann und Frau“ heißen. Aber es wird ja deutlich, was gemeint ist. Es geht darum, dass erst der feministische Blick auf die Situation bestimmt, ob man jeweils von einem guten oder einem schlechten Mann ausgeht.

Wobei der Vergleich dadurch hinkt, dass es ja um den jeweiligen Mann geht und darum, wie er sich verhält: Männlich sozialisiert = schlecht, weiblich sozialisiert = gut.  Das wird zwar in dem Artikel angeführt, aber eben darauf abgestellt, dass es letztendlich doch der Mann ist, der schlecht ist, weil er die Konsequenzen der jeweiligen Aktion tragen muss.

Allerdings scheint Mann=schlecht schon ein recht anhaltendes Bild zu sein, dass beliebig gegen „wir haben nichts gegen Männer“ und „es ist nur das Patriarchat/die hegemoniale Männlichkeit die wir hassen“ getauscht werden kann. Zudem kann eben „wir haben nichts gegen Männer“ auch schnell mit „solange sie ihre Privilegien checken / sich nicht männlich verhalten / kein Mansplaining betreiben / keinerlei Begehren zeigen“ ergänzt werden. Ganz zu schweigen davon, dass der weiße heterosexuelle Mann eh an allem schuld ist. Insofern könnte man schon von einer gewissen Doppelnatur sprechen, die den Situationen angepasst werden kann.

Den Verweis auf einen Gendercide halte ich aber für zu weitgehend. Es ist ein radikaler Feminismus der besonderen Art, der so weit geht, und der wohl eher bei Mary Daly oder Solanas zu finden ist, aber nicht im Mainstreamfeminismus. Dort will man eben wie gesagt eher die sozial bestehende Männlichkeit ausrotten als tatsächliche Männer.

Die Unterscheidung zwischen Mann und Männlichkeit ist allerdings schon dazu geeignet ein Feindbild gegen Männer zu errichten, die eben die Träger dieses Verhaltens sind. Insofern wäre Mänlichkeit tatsächlich nur vorgeschoben, die nur vornehmliche Trennung wird am deutlichsten, wenn über den den „weißen heterosexuellen Mann“ geredet wird. Dieser wird zwar nur als Inbegriff einer bestimmten Männlichkeit gesehen, ist aber gleichzeitig auch direktes Hassobjekt.

Im Artikel wird auch ein Zusammenhang zur übrigen Subjektivität im Feminismius gesehen:

It can also be seen in feminist science. Mary Koss gets away with her 1 in 4 rape statistic by dismissing the views of those women who answered “yes” to her rape questionnaire but indicated that they had not been sexually assaulted in personal interviews because the result of the interview was not useful. Qualitative research methods have become increasingly popular in social science research because of the subjective nature of the data analysis used in those methods. Pragmatist philosophy considers the purpose of science to be one of determining action and problem solving rather than one of describing reality or seeking truth.

The position is that science should be evaluated in terms of its usefulness, not its accuracy. It allows the use of an interpretive lens to analyze data, thereby biasing the results according to the bias inherent in the lens. Confirmation bias enters into the research through the interpretive lens. In feminist research, the lens confirms that any discovered disadvantage of women relative to men must be the result of discrimination that can be attributed to Patriarchy or hegemonic masculinity. Research can then be conducted in order to “give voice to” underrepresented groups or to drive a political agenda, using subjective realities in place of objective fact.

Hier würde die Doppelnatur darin bestehen, dass der Feminismus zum einen davon ausgeht, dass es keine objektive Forschung gibt, gleichzeitig aber seine eigene Forschung als absolut setzt. Erst der feministische Blick auf die Forschung entscheidet, ob sie objektiv ist oder nicht. Man kann das auch einfach als ergebnisabhängige Forschung bezeichnen, die Willkürlichkeit zwischen „wir betreiben tatsächliche Forschung, die Ergebnisse sind zu verwenden“ und „Die Forschung ist auszublenden, sie ist patriarchisch“ ist aber schon bezeichnend.

Auch wenn das Bild von  Schrödingers Feminist etwas schief ist, bleibt immerhin der Gedanke der Nützlichkeit, eines Utilitarismus: Solange die jeweils dem Mann/einer Forschungsrichtung zugewiesene Art/Wertung anders  vorteilhafter ist für den Feminismus kann dessen Zustand angepasst werden.

Evolution, Evolutionäre Psychologie und das Fehlverständnis dieser im Feminismus

Ein interessanter Artikel betrachtet das Verhältnis von Feminismus und Evolution:

I comment on Eagly and Wood’s biosocial constructionist evolutionary theory (2011; DOI: 10.1007/s11199-011-9949-9). Although this gender feminist theory allows for evolved physical differences between men and women and evolved psychological similarities for men and women, it fails to consider evolutionary accounts of psychological sex differences. I hypothesize that gender feminists’ reluctance to acknowledge that evolution has left different fingerprints on men’s and women’s bodies and brains stems from two common misunderstandings of evolutionary psychology: the myth of immutability and the naturalistic fallacy. I conclude that although evolutionary psychology is eminently compatible with equity feminism, evolutionary psychology and feminist psychology will conflict as long as the latter adheres to gender feminism and its unwillingness to acknowledge the evidence for evolved psychological sex differences. Gender feminism’s dualistic view of evolution hinders the search for and understanding of the proximate and ultimate causes of inequality. Feminist psychology needs to evolve by embracing equity feminism, which has no a priori stance on the origin or existence of differences between the sexes.

Quelle: Evolutionary Psychology is Compatible with Equity Feminism, but Not with Gender Feminism: A Reply to Eagly and Wood (2011)

Der Artikel ist unter dem Link im Volltext vorhanden und insgesamt interessant:

By limiting the realms within which evolution has shaped humans, biosocial constructionist evolutionary theory invokes a variant of Cartesian dualism. Whereas Descartes (1641/1993) advocated a mind/body dualism in which the mind is a non-physical substance, biosocial constructionist evolutionary theory advocates a “minddifferences/ everything-else” dualism (Friedman, Bleske, and Scheyd, 2000).

According to gender feminism and its unwarranted claims about human nature, psychological sex differences are uniquely immune to natural selection. This convoluted conceptualization of evolution misunderstands how adaptations are fashioned and function. An adaptation is an “inherited and reliably developing characteristic that came into existence as a feature of a species through natural selection because it helped to directly or indirectly facilitate reproduction during the period of its evolution” (Buss, Haselton, Shackelford, Bleske, and Wakefield, 1999, p. 535). In domains in which the sexes recurrently faced different adaptive problems, evolution is likely to have fashioned different adaptive solutions. These adaptations often involve the intertwining of physical and psychological traits.

Und das ist in der Tat ein Vorwurf, den sich der Genderfeminismus bzw. der Gleichheitsfeminismus insgesamt machen muss: Warum sollen sich überall am Körper Zeichen einer Differenzierung zwischen Männern und Frauen finden, das Gehirn, das aber auch nur durch Evolution entstanden ist, davon aber ausgenommen sein? Wenn verschiedene Tätigkeiten und Interessen verschiedene Selektionsdrücke auf den Körper ausüben, dann ist zu erwarten, dass auch das Gehirn nach diesen Drücken selektiert wird und sich auch in diesem Bereich jeweils für das betreffende Geschlecht vorteilhafte Mutationen oder Kombinationen von Genen durchsetzen und weitergegeben werden.

Kurth geht dann über zu den Gründen, aus denen heraus der Genderfeminismus so ablehnend ist:

An important question for future research is why gender feminists unnecessarily wed themselves to a dualistic conceptualization of evolution and human nature that is theoretically untenable and empirically unsupported.

Da spricht es jemand mal deutlich aus. Der Blank Slate, also das unbeschriebene Blatt, dass allein durch Kultur befüllt wird, ist heute nicht mehr vertretbar und wird auch nicht durch wissenschaftliche Beweise unterstützt.

I suspect that gender feminists’ reluctance to acknowledge that evolution has left different fingerprints on men’s and women’s bodies and brains stems from two common misunderstandings of evolutionary psychology (Buss, 2012; Confer et al., 2010).

Jetzt also zu den Gründen, aus denen sich dies ergibt. Was natürlich erst einmal voraussetzt, dass man sich überhaupt damit auseinandersetzt, was meist nicht der Fall ist.

The first misunderstanding, the myth of immutability, is evidenced when one erroneously concludes that “if it’s evolutionary, then we can’t change it.” As has been discussed at length elsewhere (Buss, 1996; Buss, 2012; Confer et al., 2010; Geher, 2006), evolutionary psychology does not view human behavior as impervious to change. In fact, evolutionary psychologists have cogently argued that knowledge of the informational inputs to evolved psychological mechanisms is a crucial first step toward changing the behavioral output of these mechanisms (Buss, 1996; Buss, 2012; Confer et al., 2010; DeKay and Buss, 1992; Geher, 2006).

In der Tat ein häufig gehörtes Argument. Ich habe es anlässlich eines Kommentars bereits im ersten Monat dieses Blogs einmal aufgegriffen: „Wahrheit vs. Wollen: Feministische Theorie und die eigene Suppe“, damals in der schönen Form:

Als Historikerin und Feministin bin ich davon einfach nicht zu überzeugen. Und zwar nicht nur wegen meiner intellektuellen Verortung, sondern auch aus strategischen Gründen:

Wenn die ‘Natur’ oder ‘Evolution’ für die Geschlechterdifferenz verantwortlich gemacht wird, bleibt für gesellschaftliche Veränderungen kein Raum. Den braucht es aber dringend, denn so wie es ist, ist nichts gut.

Was genau das oben angeführte Argument ist, dass es nicht so sein darf, weil man es dann nicht ändern kann. Meiner Meinung nach muss der Haupteinwand gegen das Argument sein, dass man sich die Welt nicht schön denken darf, sondern Fakten hinnehmen muss, wenn sie nun einmal so sind. Allerdings ist es durchaus richtig, dass uns das Wissen um bestimmte biologische Unterschiede auch Handlungsmöglichkeiten geben kann. Wenn wir wissen, wie Menschen auf etwas reagieren, dann kann man Möglichkeiten schaffen, diese Reaktion zu vermeiden oder abzufangen. Es bringt nichts, einfach davon auszugehen, dass man ein bestimmtes Verhalten durch gesellschaftliche Maßnahmen ändern kann. Das wird dann nur dazu führen, dass man sich ärgert, dass es nicht klappt. Wenn Jungen im Schnitt Raufen und Toben („Rough and Tumble Play“) bevorzugen, dann bringt es mehr dieses in vernünftige Bahnen zu lenken als ihnen eine Puppe in die Hand zu drücken und sie auszuschimpfen, wenn sie Toben wollen.

The second pervasive misunderstanding is the naturalistic fallacy, which rears its illogical head when one concludes that “if it’s evolutionary and hence natural, then it’s okay and hence good.” Numerous evolutionary psychologists have unpacked the mistaken inference that if something is the case then it ought to be the case (Buss, 2003; Geher, 2006; Pinker, 2002). Evolutionary psychology does not excuse, justify, or rationalize any human’s thoughts, feelings, or actions (Buss, 1996; Geher, 2006). It merely seeks to discover and detail the design of the information-processing mechanisms that underlie our psychology. If some women have been subjugated because they were regarded as different than (and inferior to) men and some men have excused their misogynistic behavior as being an inevitable consequence of their genes, then a reluctance to embrace a discipline which viewed such pernicious behavior as immutable and excusable would be understandable. But evolutionary psychology is not that discipline (Buss, 1996).

Ich denke, dass diese Unterscheidung vielen schwer fällt. Die Reaktion „Wie kannst du so etwas unmoralisches/nüchternes schreiben“ kommt ja auch hier häufig, wenn man Selektionsdrücke und abstrakte Vorteile bestimmter Verhalten oder Auswahlkriterien anführt. „Es ist nicht gut, also darf es nicht sein“ ist aber ebenfalls kein tragendes Argument, es verkennt eben, dass die Evolution durch Mutation und Selektion arbeitet und das einzig wesentlich ist, welche Gene für langfristig mehr Nachkommen sorgen. Ein unmoralisches Verhalten, dass dauerhaft zu 50 Kindern führt, wird sich gegen ein moralisches Verhalten, das dauerhaft 1 Kind zur Folge hat, durchsetzen, wenn es auf genetischen Grundlagen beruht, einfach, weil die Gene von dauerhaft 50 Kindern sich dann schneller verbreiten. Das bedeutet nicht, dass unmoralisches Verhalten sich immer durchsetzt: Gerade die Spieltheorie hat gezeigt, dass moralisches Verhalten und Kooperation in einer Gemeinschaft Vorteile für den Einzelnen bringen können,  wenn man sie gegen ein Ausnutzen absichert. Zu Bedenken ist dabei auch, dass unsere Moral ebenfalls teilweise Ergebnis unserer Biologie ist: Weil wir aufgrund biologisch-hormoneller Vorgänge Liebe zu unseren Kindern empfinden, gilt es nicht als moralisch unanständig sie gegenüber unbekannten Dritten zu bevorzugen etc. In der Tat ist aber der Vorwurf, dass man etwas als gerecht bewertet, weil es so ist, ein beständiger Vorwurf. Ein Beispiel wäre „Wer meint, dass sich Frauen an die Kindererziehung angepasst haben und Männer an die Jagd, der meint, dass Frauen in die Küche und ins Kinderzimmer gehören, und Männer das Geld verdienen müssen“. Was natürlich nicht der Fall ist, denn zum einen ist es eh nur eine Betrachtung über den Schnitt und zum anderen geht der Mann eben nicht mehr jagen und ist sicherlich nicht für einen Bürojob evolutionär angepasst. Auch die Kinderbetreuungssituation ist eine andere als die in der Steinzeit. Es ist auch keine Wertung dieser Art, wenn man dennoch vertritt, dass viele Frauen eher als die Männer die Kinderbetreuung übernehmen wollen. Denn daraus kann nicht folgen, dass Frauen das immer wollen müssen.

However, evolutionary psychology and feminist psychology will conflict as long as the latter adheres to gender feminism and its unwillingness to acknowledge the evidence (Buss, 2003; Geary, 2010; Mealey, 2000; Pinker, 2002) for evolved psychological sex differences. It is tragically ironic that feminist psychology—a discipline in part dedicated to shedding light on women’s struggles with inequity—struggles to consider any and all insights into the origin of the inequities faced by women. Gender feminism’s dualistic view of evolution hinders the search for and understanding of the proximate and ultimate causes of inequality. Feminist psychology needs to evolve.

Future research might explore whether those who fallaciously believe that evolutionary psychologists view nature as immutable and suitable for justifying the status quo are more likely to endorse gender feminism and its untenable conception of sex differences than to self-identify as equity feminists.

In der Tat macht der Genderfeminismus eher vieles unklarer. Er sieht falsche Gründe für Ungleichheiten und verschenkt damit Energien in Lösungen, die nicht funktionieren können. Es wäre eine Öffnung des Genderfeminismus hin zu moderner Wissenschaft dringend notwendig.

Dazu müssen aber viele ideologische Barrieren im Feminismus abgebaut werden.

Machtmittel im Diskurs: Themenbegrenzung

Die Themenbegrenzung ist ein gutes Mittel zur Machtsicherung im Diskurs.

Nehmen wir an, dass es einen Diskurs um das Wesen des Mondes gibt. Ein Teil vertritt hier die Auffassung, dass der Mond der Hintern einer dicken Frau ist. In dem Blog Mondmannschaft, ein Blog von Befürwortern dieser Eigenschaft betrieben wird, erscheint nun ein Artikel der sich mit der Frage beschäftigt, ob früher das Gesicht der Frau der Erde zugewandt war und diese nur das patriarische Treiben und die Objektifizierung durch männliche Teleskope nicht mehr ertragen konnte und der (patriarischen) Erde deswegen ihren Hintern zeigt oder ob sie der Erde schon immer den Hintern zeigte und was der Grund dafür sein könnte (ein galaktisches Schuhgeschäft in der Ferne?).

In den Kommentaren führt nunmehr ein Vertreter der Mond-als-Fels-These an, dass beides falsch ist, da der Mond eben ein Fels ist. Der Kommentar enthält Details zum Apolloprojekt und zu Gesteinsanalysen des Mondgesteins.

Sein Kommentar wird unter Hinweis darauf, dass man über die Objektifizierung von Frauen und Schuhe und nicht über Raketen und Gesteinsproben redet als nicht zum Thema gehörend abgelehnt.

Ein einfacheres Mittel wäre es dann, wenn man am Thema „Was ist der Mond?“ tatsächlich interessiert ist, einen Extra-Beitrag zu dem Thema zu machen, ggfs gelegentlich, und alle Kommentare in dieser Richtung darauf zu verweisen („Das ist eine Themeninterne Diskussion, diskutiere bitte in diesem Artikel weiter“).

Ganz bedenklich finde ich aber, wenn man den Extraartikel macht und dann dort die Gegenmeinung nicht zulässt.

Genderdiskurse sind nicht objektiv. Sollten sie aber sein.

Antje Schrupp spricht sich gegen eine Objektivität der Genderdiskurse aus.

Das sie damit gegen biologische Studien ist ergibt sich fast von selbst:

Besonders schlimm ist das natürlich im biologistischen Umfeld, wo Hirn- oder GenforscherInnen irgendwelche Versuchsreihen veranstalten und am Ende kommt heraus, dass Frauen so und Männer so sind und dass Gene, Hormone, Gehirnströme oder was auch immer dafür verantwortlich wären, aber jedenfalls nicht die Frauen und Männer selber.

Das gibt meiner Meinung nach die biologischen (nicht: biologistischen) Theorien nicht richtig wieder, die natürlich die Verantwortung für bestimmte Verhalten immer noch bei den einzelnen Menschen sehen, aber gleichzeitig Erklärungen dafür bieten, warum die Geschlechter andere Interessen und Fähigkeiten haben und daher auch andere Prioritäten im Leben setzen. Es geht eben nicht um einen Determinismus, sondern nur ein disponieren.

Aber auch in den Sozialwissenschaften sieht sie das Prinzip am Werk:

Zwar sehen sie immerhin, dass Frausein und Mannsein gesellschaftliche Konstruktionen sind, allerdings verzetteln sich dann leicht in dem Bemühen, die Art und Weise dieser Konstruktionen zu beschreiben. Am Ende führt das zu dem Ergebnis, dass sich eigentlich überhaupt keine sinnvollen Aussagen zur Geschlechterdifferenz treffen lassen und man die Worte „Frau“ und „Mann“ eigentlich nur noch in Anführungszeichen benutzen kann.

Insoweit sicherlich nicht überraschend von einer Differenzfeministin.

Das weitere Argument ist, dass es keine neutrale Diskussion geben kann, weil wir alle als Mann oder Frau betroffen sind. Das halte ich für falsch, gerade aus der biologisch/medizinischen Forschung gibt es einiges an Experimenten, die man sehr objektiv durchführen kann und die zumindest die Grundfragen klären. Wenn Transsexualität eine genetische und vererbbare Ursache hat, dann kann man das schlecht subjektiv sehen. Es ist ein objektiver Fakt.

Antje Schrupp verkennt hier meiner Meinung nach, dass man Aussagen über Männer und Frauen im Schnitt treffen kann, ohne dass sie einen direkt entsprechen müssen. Weil Mann und Frau eben nicht bereits durch ihren Phänotyp bestimmt sind und lediglich die Ausprägung bestimmter Fähigkeiten bei Mann und Frau verschieden ist, es handelt sich um zwei Normalverteilungen mit unterschiedlichen Mittelwert, deren Träger überlappen.

Wenn man bereit ist zu akzeptieren, dass Mann und Frau nicht das sein müssen, was man selbst ist und man nicht selbst wie alle Frauen und Männer sein muss, sondern auch zB an deren Extrembereichen liegen kann, dann kann man das Thema auch objektiv sehen. Und eine Diskussion so weit von sich selbst zu lösen, sollte einem verständigen Diskutanten eigentlich möglich sein.

Die Feststellung, wie Frauen und Männer im Schnitt sind muss eben keinen Einfluss auf einen selbst haben.