Wichtige Figuren in der Game Theory

Es wurden in einem Tweet die folgenden Punkte als mit die wichtigsten  Punkte aus der Spieltheorie aufgeführt, die immer wieder auftauchen. Ich bespreche sie daher hier einfach mal (auch wenn ich einige gar nicht so direkt der Spieltheorie zuordnen würde, aber es kann trotzdem interessant sein, sie zu besprechen)kooper

 1. Prisoner’s Dilemma

Wurde hier schon häufiger diskutiert:

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Beide Gefangene werden in getrennten Räumen verhört und haben keine Möglichkeit, sich zu beraten und ihr Verhalten abzustimmen. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt sechs Jahre. Wenn die Gefangenen sich entscheiden zu schweigen (Kooperation), werden beide wegen kleinerer Delikte zu je zwei Jahren Haft verurteilt. Gestehen jedoch beide die Tat (Defektion), erwartet beide eine Gefängnisstrafe, wegen der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden jedoch nicht die Höchststrafe, sondern lediglich vier Jahre Haft. Gesteht nur einer (Defektion) und der andere schweigt (Kooperation), bekommt der Geständige als Kronzeuge eine symbolische einjährige Bewährungsstrafe, der andere bekommt die Höchststrafe von sechs Jahren Haft.

Am günstigsten ist es also, wenn keiner gesteht. Da beide aber nicht wissen, was der andere macht, riskieren sie damit auch die ungünstigste Variante. Der andere gesteht, sie nicht, dann erhalten sie die Höchststrafe und der andere ist fein raus. Sie können das Risiko vermindern, wenn sie auch gestehen, dann bekommen sie entweder die mittlere oder die geringste Strafe.

Die Mafia versucht das Problem zu lösen, indem sie einen Ehrenkodex ausgibt und diesen damit unterstützt, dass Verräter umgebracht werden (was die Polízei mit Zeugenschutzprogrammen kontert)

Das Prisonersdilemma ist bei jeder Form der Zusammenarbeit wichtig und insbesondere auch dann, wenn man die Entstehung der Kooperation verstehen will, bei der das Spiel häufig nicht einmal gespielt wird, sondern mehrmals.

2. Race to the Bottom

In der Spieltheorie lässt sich ein race to the bottom als Version des Gefangenendilemmas beschreiben. Es stellt alle Handelnden insofern vor ein Dilemma, als dass es sich für den einzelnen Akteur nur dann lohnt zu kooperieren, wenn er sicher sein kann, dass alle anderen auch kooperieren; sobald ein Einzelner davon ausgeht, dass die anderen nicht kooperieren – etwa weil es keinen institutionalisierten Kooperationsdruck gibt –, ist es für ihn lohnender, ebenfalls nicht zu kooperieren und stattdessen den Abwärtswettlauf zu beschleunigen, indem er seinerseits Standards unterbietet. Anders formuliert stellt sich das Dilemma so dar: Die individuell vorteilhafter erscheinende Handlungsoption – nicht kooperieren – erzeugt am Ende ein für alle Handelnden unvorteilhafteres Ergebnis: Man trifft sich am Ende am „bottom“, beim kollektiv schlechtestmöglichen Ergebnis.

Auch Aufrüstungswettläufe zwischen Staaten oder die Ausbreitung von privatem Waffenbesitz in einer Gesellschaft lassen sich als race to the bottom beschreiben. Institutionalisierte Kooperation würde das bestmögliche Ergebnis erzielen: Ein Rüstungskontrollabkommen verhindert auf beiden Seiten ruinöse Ausgaben für Waffenarsenale, strenge Waffengesetze erzeugen eine niedrigstmögliche Zahl von Toten durch Schußwaffen. Wenn aber die einzelnen Akteure unsicher sind, ob die anderen Akteure auch kooperieren, weil es keinen institutionalisierten Druck zur Kooperation gibt, werden sie ebenfalls nicht kooperieren mit dem schlechtestmöglichen Ergebnis für alle: Die Gefahr eines nuklearen Holocaust, der Ruin ganzer Wirtschaftssysteme durch exzessive Rüstungsausgaben oder ein maximales individuelles Sicherheitsrisiko durch eine epidemische Verbreitung von Feuerwaffen

Das Race to the Bottom entsteht dabei immer, wenn sich zwei in einer Sache überbieten wollen, damit aber insgesamt die Lage immer schlechter wird. Meiner Meinung nach passt das auch gut zum intersektionalen Feminismus, der immer noch auf der Suche nach einer weiteren tieferen Ebene der Benachteiligung und des korrekteren Verhaltens ist um den anderen in politischer Korrektheit oder schlicht im Virtue Signalling überbieten zu können, damit aber gleichzeitig einen lächerlich hohen Standard des „Richtigen“ ermittelt, der so alles sexistisch, rassistisch, falsch sein lässt.

3. Free Rider Problem / Tragedy of the Commons / Collective Action

Tragik der Allmende (engl. tragedy of the commons), Tragödie des Allgemeinguts, Allmendeklemme oder Allmendeproblematik bezeichnet ein sozialwissenschaftliches und evolutionstheoretisches Modell, nach dem frei verfügbare, aber begrenzte Ressourcen nicht effizient genutzt werden und durch Übernutzung bedroht sind, was auch die Nutzer selbst bedrohen.

Das Beispiel ist eine Wiese, auf der Hirten ihre Tiere weiden lassen. Würden dies alle im vernünftigen Rahmen machen bliebe genug Zeit, das Gras nachwachsen zu lassen. Gleichzeitig hat aber jede einzelne einen Vorteil davon, dass er seine Tiere mehr Gras fressen lässt und sich die anderen zurücknehmen.

Auf eine andere Ebene übertragen geht es darum, dass Leute eine bestimmtes Ziel für die Allgemeinheit erreichen wollen (die Allmende soll von allen genutzt werden können), aber keiner die Kosten tragen möchte (jeder möchte nicht derjenige sein müssen, der sich zurückhält, sondern der, der möglichst viel mitnimmt).

Es kann beispielsweise auf das Problem übertragen werden, dass viele Frauen gerne mehr Frauen in den Spitzenpositionen sehen würden, weil sie sich davon eine Verbesserung der Stellung der Frau erhoffen, aber nur sehr wenige bereit sind, die Frau zu sein, die dafür eine 70 Stunden Woche auf sich nimmt, Kinder zurückstellt etc.

Das Trittbrettfahrerproblem oder die Free Rider Problematik geht in die gleiche Richtung: Wann immer etwas erreicht werden soll, was allen nutzt, muss es letztendlich durch bestimmte Personen umgesetzt werden. Wenn es aber umgesetzt ist, dann können es auch die Nutzen, die es nicht umgesetzt haben. Auch hier geht es also um Kostenvermeidung.

Das Problem hat natürlich jede große Gesellschaft. Die Frage, wer Trittbrettfahrer ist oder nicht wird von vielen anders interpretiert. So blicken die Armen auf die Reichen und werfen ihnen vor angesichts ihrer Leistungsfähigkeit zu wenig zu tun. Und die Reichen verweisen darauf, dass sie dank Progression der Steuer wesentlich mehr abgeben als die Armen. HartzIV Empfänger sind diesem Vorwurf ausgesetzt und die Flüchtlingsdebatte ließe sich auch wunderbar unter diesem Stichwort besprechen: Ein Wirtschaftsflüchtling, der selbst nicht arbeitet (nicht arbeiten darf), dafür aber staatliche Leistungen kassiert, ist im Verständnis vieler ein Trittbrettfahrer und Leute die zulassen, dass jemand ein Trittbrettfahrer ist, der noch nicht einmal zur eigentlichen Gruppe gehört und sich dann noch nicht einmal an die Regeln der Gruppe hält, verstoßen gegen die Gruppeninteressen.

Die Trittbrettfahrerproblematik und die Tradegy of the commons ist auch ein Grund, aus dem Heraus der Kommunismus nicht klappen wird, sowohl in der Form des Staatskommunismus als auch (oder sogar erst recht) in der Form des anarchischen Rätekommunismus:  Die Staatsform lädt dazu ein, Trittbrettfahrer zu haben und muss diese daher kontrollieren und bestrafen, sie lädt aber auch dazu ein, dass Leute sich mehr vom öffentlichen Gut nehmen als gut wäre, gerade weil alles öffentliches Gut ist und ein anderer Weg dazu nicht bereit steht.

4. Zero Sum vs. Non-Zero Sum

Ein wichtiger Unterschied gerade in der Geschlechterdebatte.

In Zero-Sum-Spielen gibt es einen festen Gewinn und es geht darum, welche Gruppe wieviel davon bekommt. Was die eine Gruppe gewinnt  muss die andere Gruppe verlieren, das Produkt ist immer Null.

Der Feminismus sieht üblicherweise das Verhältnis der Geschlechter als Nullsummenspiel an, in dem um Macht gekämpft wird. Gegenwärtig haben sie die Männer und die Frauen müssen sie ihnen wegnehmen, wenn sie selbst welche haben wollen

Ein Non-Zero-Sum Spiel ist hingegen ein Spiel, bei dem das Produkt der Zusammenarbeit größer ist als das, was ein Einzelner Gewinnen könnte.

Das ist das Modell der klassischen modernen Industriegesellschaft: Wenn ein Produkt aus den Komponetnen A und B besteht, dann kann es besser sein, wenn Gesellschaft 1 nur die Komponente A baut und Gesellschaft 2 nur die Komponente B, dafür aber beides sehr gut und mit niedrigen Kosten als das beide beide Komponeten herstellen.

Eine funktionierende Partnerschaft zwischen Mann und Frau kann für beide ein Non-Zero-Sum-Spiel sein, weil sie Arbeitsteilung betreiben.

5. Externalities / Principal Agent

Dabei geht es darum, dass in einem Spiel zum einen bestimmte Punkte der anderen Seite nicht bekannt sind, zum anderen aber auch darum, dass verschiedene Akteure eigene Interessen haben, die nicht mit den Interessen anderer übereinstimmen müssen.

Als externen Effekt (auch Externalität) bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre die unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf Unbeteiligte, also Auswirkungen, für die niemand bezahlt oder einen Ausgleich erhält.[1] Sie werden nicht in das Entscheidungskalkül des Verursachers einbezogen. Volkswirtschaftlich gesehen begründen sie eine Form von Marktversagen und können staatliche Interventionen notwendig werden lassen. Negative externe Effekte werden auch als externe oder soziale Kosten, positive als externer Nutzen oder sozialer Ertrag bezeichnet. Extern heißt dabei, dass die Effekte (Nebenwirkungen) eines Verhaltens nicht (ausreichend) im Markt berücksichtigt werden

Ein Beispiel ist Müll, der bei einem Industrieprozess anfällt und an die Umwelt abgegeben wird als negative Kosten. Diese erscheinen dem Produzenten vielleicht unvermeidbar, er muss  sie in Kauf nehmen, um den Prozess durchzuführen, während die Kosten alle tragen.

Vielleicht könnte man als Beispiel auch anführen, dass die linke Politik als negativen externen Effekt eben auch zu einem Entstehen neuer rechter Parteien und besserer Wahlergebnisse für diese geführt hat.

Die Prinzipal-Agent-Theorie geht von Wirtschaftssubjekten aus, die in ihrer Entscheidungsfindung eingeschränkt sind, etwa durch asymmetrische Informationsverteilung. Sie verfügen nur über unvollständige Informationen, wenn sie das Handeln anderer beurteilen sollen.

Ferner wird den Beteiligten Opportunismus unterstellt. In einer weiten Definition liegt eine Prinzipal-Agent-Beziehung vor, sobald das Wohlergehen einer Partei (Prinzipal) von den Handlungen einer anderen Partei (Agent) abhängig ist.[1] Nach enger Definition gibt es einen Auftraggeber (Prinzipal), der einen Auftragnehmer (Agent) im gegenseitigen Einvernehmen gegen Entlohnung mit einer Aufgabe betraut. Da die beiden unterschiedliche Ziele verfolgen können, kann es zu Konflikten kommen.

Zudem werden Risikoneigungen berücksichtigt: Prinzipiell ist auf beiden Seiten Risikoneutralität, Risikoaversion oder Risikofreude möglich. Dies hängt von den Charaktereigenschaften und der jeweiligen Situation der Akteure ab.

Der Prinzipal beauftragt den Agenten in der Hoffnung, dass dieser seine Aufgabe im Sinne des Prinzipals erledigt. Er kann jedoch das Engagement und/oder die Qualitäten seines Agenten nur mit Einschränkungen erkennen und sieht – wenn überhaupt – nur das Ergebnis von dessen Bemühungen. Demgegenüber hat der Agent einen Informationsvorsprung, da er die eigene Qualität besser kennt und das eigene Verhalten selbst festlegen und entsprechend gut beurteilen kann. Er wird diese Informationsasymmetrie zu Ungunsten des Prinzipals ausnutzen, wenn dies seinen eigenen Zwecken dienlich ist (Moral Hazard und Drückebergerei).

Wissensunterschiede spielen ohnehin eine große Rolle in der Spieletheorie.

Weiß er, dass ich weiß, dass er weiß, dass ich weiß etc. kann zu einer Vielzahl von verschiedenen Handlungsoptionen einladen.

Dieses verschiedene Wissen kann sich natürlich auch aus den jeweiligen Rollen ergeben.

Das obige Problem ist ein Problem jeder Arbeitsteilung und kann damit auch bei den Geschlechtern zutreffen. Der Handelnde kann gegenüber dem, für den er handelt einen Vorteil haben, einfach weil er eher weiß, wie er handelt.

6. Diminishing Returns

Das Ertragsgesetz (auch Gesetz des sinkenden Grenzertrags) ist ein wirtschaftswissenschaftliches Modell, das die Relation von Einsatz (Input) und Ertrag (Output) beschreibt, wenn ein Faktor verändert wird und alle anderen gleich bleiben (partielle Faktorvariation). Es wurde ursprünglich von Anne Robert Jacques Turgot für die Landwirtschaft als Bodenertragsgesetz definiert: Erhöht man auf dem gleichen Stück Boden stetig den Arbeitseinsatz, so nimmt der Ertrag zunächst schnell zu, dann nur noch langsam, dann bleibt er gleich, und schließlich nimmt er sogar wieder ab.[1] Dieses Gesetz gilt nicht nur in der landwirtschaftlichen, sondern auch in der industriellen Produktion und in anderen Bereichen.[2]

Beispiel: Wird für das Produkt X oder die Partei Y bisher kaum oder wenig geworben und nun der Werbeaufwand stark erhöht, dann wachsen die Umsätze bzw. die Stimmanteile zunächst progressiv an. Ab einem bestimmten Punkt wachsen sie nur noch degressiv, bis sie schließlich asymptotisch gegen Null tendieren. Dieser Trend lässt sich bei gleichbleibender Qualität auch durch noch so große Aufwendungen nicht mehr umkehren.

Das ist mitunter auch auf zwischenmenschlichen Beziehungen anwendbar. Um so mehr man sich kennt, um so selbstverständlicher kann etwas an der anderen Person werden, was einen vorher begeistert hat. Es tritt eine gewisse „Abstumpfung“ ein.

7. Evolutionarily Stable Strategy / Nash Equilibrium

Das Lehrbuch-Beispiel der ESS – das Habicht-Taube-Spiel:

Individuen der gleichen Population werden als ‚Habichte‘ (aggressiv, stark) und ‚Tauben‘ (friedlich, ausweichend) eingeteilt. Stößt eine Taube zu einer reinen Tauben-Population, verändert sich nichts. Das Gleiche gilt, wenn sich ein Habicht zu anderen Habichten gesellt. Es gibt aber vier besondere Fälle:

  • Eine Taube stößt zu Habichten: Da die Taube den Konflikten – zum Beispiel ums Futter – ausweicht und so Kraft und Körperverletzungen einspart, fährt sie eine erfolgreiche Strategie. Dazu kann sie mittels Drohgebärden Aggressivität vortäuschen und kräftesparend Habichten Ressourcen abluchsen.
  • Ein Habicht stößt zu Tauben: Die Tauben machen dem Neuankömmling Platz und überlassen ihm kampflos alle Ressourcen. Der Habicht ist erfolgreich.
  • Eine Taube oder ein Habicht stößt zu einer gemischten Population, in der Tauben und Habichte im korrekten Zahlenverhältnis (entspricht der ESS!) vorkommen. Für den Neuankömmling spielt es nun eine Rolle, ob er häufiger auf eine Taube oder auf einen Habicht treffen wird. Hat sich die Population auf die geeignete Mischung eingependelt, kann es ihr egal sein, ob sich der Eindringling als Taube oder als Habicht verhält.
  • Die so genannte „Bürger“-Strategie (engl./franz. bourgeois) entwickelt sich zur ESS und sie ist weitgehend immun gegenüber einer unausgewogenen Habicht-Taube-Zusammensetzung der Population. Als „Bürger“ gilt: Wenn man sich verteidigt, ist man ein Habicht; greift man jemanden an, verhält man sich wie eine Taube.

Evolutionär stabile Strategien unterstreichen noch einmal, dass es nicht einen idealen Zustand geben muss, sondern gerade dadurch dass ein bestimmter Zustand im ganzen Günstig ist, auch andere Strategien interessant werden können (Ein Habicht kann leicht in eine Taubenkolonie eindringen) und auch ein Verhältnis bestimmter Unterarten (also im Beispiel Tauben und Habichte) stabil sein kann.

Appelle an das Wohl der Gruppe und Appelle an das Wohl des Einzelnen

Ich hatte bereits in einem Artikel etwas zu den Versuchen der SPD gesagt, sich über Gender Pay Gap etc zu profilieren:

Und selbst Bilder, die Frauen in technischen Bereichen zeigten und Lohngerechtigkeit herstellen wollten, also zeigten, dass die SPD da ganz modern denkt, halfen nicht:

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

Ich finde das Motiv eh interessant: Es ist in gewisser Weise ein Bekenntnis dazu, dass man Frauen natürlich auch technische Berufe zutraut. Nur arbeiten eben die wenigsten Frauen im Blaumann an Großmaschinen. Theoretisch schwächt es damit die Botschaft eher bei der typischen Wählerin ab: Sie arbeitet gerade nicht in einem technischen Bereich, sie arbeitet mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit in einem Büro mit sehr vielen weiblichen Kolleginnen, und das häufig eher Halbzeit. Sie ist sich wahrscheinlich sehr bewußt, dass männliche Kollegen auf einer 100% Stelle eben auch eher befördert werden als Frauen auf einer 50% Stelle. Sie nehmen für sich selbst auch keine Lohnungerechtigkeit in ihrem konkreten Job wahr, allenfalls für Frauen allgemein, aber das bringt ihnen selbst ja wenig. Es ist ein Wahlversprechen, welches der einzelnen Frau in ihrer konkreten Situation nichts bringt.

Man könnte das auch so formulieren:

  • Botschaften, die auf abstrakte Verbesserungen für die Gruppe ausgerichtet sind, können für viele Frauen, die von diesen Verbesserungen nicht profitieren, ein sehr geringes Gewicht haben
  • Botschaften, die nicht an die Gruppe gerichtet sind, aber dringende Probleme für viele lösen, können weitaus relevanter sein auch für die Angehörigen dieser Gruppe.

Das ist eigentlich banal. Aber es ist weniger banal, wenn man die Probleme falsch einordnet.

Wenn Leute tatsächlich glauben, dass alle Frauen 21% weniger verdienen, dann wäre es ein Problem für eine große Gruppe mit großer Bedeutung für das einzelne Mitglied.

Wenn aber tätsächlich die Gehaltsunterschiede in den gleichen Jobs marginal sind, dann verbessert ein weiteres Vorgehen quasi nichts für die jeweilige einzelne Frau. Die Sozialarbeiterin wird nicht plötzlich Ingenieur und verdient mehr. Sie erhält nach wie vor das gleiche wie der männliche Sozialarbeiter. Ein Anreiz die entsprechende Partei zu wählen besteht nicht.

Hingegen kann ein allgemeines Gefühl, dass die Flüchtlingskrise so nicht weitergehen kann und gelöst werden muss, weitaus mehr Leute bewegen oder auch abhalten, bestimmte Parteien zu wählen.

Solange man keine tatsächlichen Probleme hat, die ein Thema besonders brisant machen, kann man seine Wahl leicht an größeren Themen für die Gruppe ausrichten.

Nimmt man jedoch dringendere Probleme im eigenen Leben war, dann bringt ein Appell für allgemeine Ziele wenig.

Das gilt auch, wenn man sich persönlich für ein Modell entschieden hat, dass etwa mit den (vermeintlichen) Zielen für eine Verbesserung der Gruppe im Konflikt liegt:

Eine Frau, die sich bewußt für Teilzeit entschieden hat, weil sie Kinder betreut, hat kein Interesse daran, dass ihr Mann mit geringerer Wahrscheinlichkeit befördert wird. Denn ihr Lebensstandard leitet sich von ihrem Mann her und nur mit einem guten Verdienst von diesem kann sie ihre Planung umsetzen.

Die SPD betreibt insofern Virtue Signalling, dass sicherlich bei einigen verfängt. Es kann aber durchaus auch schlicht mit Interessen vieler Mitglieder der Gruppe, an die sie zu appellieren glaubt und die sie eigentlich umwirbt in Konflikt liegen, so dass diese lieber eine konservative Partei wählt, die keine Quoten will und immerhin Sicherheit etc ehe auf dem Programm hat.

Bei Arbeitsteilung wird es eben uninteressant das andere Geschlecht als Gegner zu sehen. Die Interessen mischen sich, eine Zuordnung ist wesentlich schwieriger. Sie verläuft nicht mehr bei den Geschlechtern, die in einem Nullsummenspiel um Macht kämpfen, sondern die Frage ist, wie die Einheit am ehesten profitiert und die eigene Position in dieser Arbeitsteilung abgesichert werden kann.

„Wann immer neue Nichtnullsummenspiele entstehen, entsteht Fortschritt“

In dem Buch „Nonzero“ wird die Theorie vertreten, dass Menschen immer wieder auf der Suche nach Spielen sind, die ihnen nicht nur erlauben, anderen etwas wegzunehmen, sondern mit anderen gemeinsam einen Mehrwert zu schaffen (was nicht ausschließt, dass man damit anderen damit etwas wegnimmt, weil man dadurch Vorteile hat)

Dazu noch einmal aus der Wikipedia:

Nullsummenspiele beschreiben in der Spieltheorie Situationen, also Spiele im verallgemeinerten Sinne, bei denen die Summe der Gewinne und Verluste aller Spieler zusammengenommen gleich null ist.[1]

Nullsummenspiele sind spieltheoretisch äquivalent zu den Spielen mit konstanter Summe (Konstantsummenspielen). Bei diesen Spielen ist die gemeinsame Auszahlungssumme nicht gleich null, sondern gleich einer Konstanten, betrachtet man jedoch die Auszahlung als im Voraus an die Spieler verteilt, so spielen diese um eine Umverteilung mit Summe null. Beispiele für Nullsummenspiele sind alle Gesellschaftsspiele und Sportarten, bei denen gegeneinander um den Sieg gespielt wird, beispielsweise Poker oder Schach. Es ist dabei zu beachten, dass die betrachteten Gewinne und Verluste außerhalb des Spieles verstanden werden – in einer Schachpartie verlieren beide Spieler gegenüber dem Partiebeginn in der Regel an Spielmaterial, es geht aber nur um die Auszahlung des Spieles „nach außen“, hier zum Beispiel als „ein Punkt in einem Turnier“.

Ein Nullsummenspiel im ökonomischen Sinne ist eine Konkurrenzsituation, bei der der wirtschaftliche Erfolg oder Gewinn eines Beteiligten einem Misserfolg oder Verlust eines anderen in gleicher Höhe gegenübersteht.

Der allgemeine Fall des Nicht-Nullsummenspiels wird oft als Coopetition bezeichnet. Man kann dabei noch unterscheiden, ob die Summe zu jedem Zeitpunkt null ist oder ob es bestimmte Zeiten während der Spielzüge gibt, in denen sie ungleich null oder unbestimmt ist. Ein besonderer Fall des Nicht-Nullsummenspiels ist das sogenannte Win-Win-Spiel, bei dem alle Beteiligten gleichzeitig gewinnen können, dieser Spielausgang aber dennoch nicht automatisch erreicht werden kann.

Ich habe das Buch erst angefangen, es klingt aber bisher interessant. Es versucht eine Schnittstelle zwischen Kultur und Biologie darzustellen.

Dazu aus der Wikipedia:

The principal argument of Nonzero is to demonstrate that natural selection results in increasing complexity within the world and greater rewards for cooperation. Since, as Wright puts it, the realization of such prospects is dependent upon increased levels of globalization, communication, cooperation, and trust, what is thought of as human intelligence is really just a long step in an evolutionary process of organisms (as well as their networks and individual parts) getting better at processing information.[1]

Through this lens, and an overview of human and global history, Wright typifies the argument against the views of noted paleontologist Stephen Jay Gould. Gould wrote that „Humans are here by the luck of the draw.“ Wright acknowledges one aspect of Gould’s argument—that the evolutionary process was not such that it would inevitably create humans as we know them today („five fingers, five toes, and so on“) but that evolution would almost certainly result in the creation of highly intelligent, communicating organisms, who would in turn develop tools and advanced technologies.

Evidence for natural selection driving improvements in information processing is given throughout, including the case of the bombardier beetle, an insect that developed the ability to spray its attackers with harsh chemicals. This, in turn, favored predators via natural selection who had techniques to avoid the spray. As Wright puts it, „complexity breeds complexity.“ This is the often referred to evolutionary phenomenon of the „arms race,“ wherein competing organisms stack up their developments in competition with one another.

Via this increasing complexity, according to Nonzero, higher intelligence was thus destined to happen, perhaps even „inevitable“ (see discussion of inevitability below). Though the stated thesis is that evolution is headed in the direction of „non-zero-sumness,“ Wright argues that the realization of such prospects is dependent upon improvements in information processing, thus neatly carving out a reason for the creation and cultural evolution of the human species.

Evolution hat natürlich kein Ziel, weil es ein Prozess ist, der nicht gesteuert ist. Aber häufig ist es natürlich ein Ergebnis dieses Prozess, dass neue Möglichkeiten entstehen müssen, damit man mit der „anderen Seite“ mithalten kann. Gesteigerte Intelligenz ist dazu ein sehr gutes Mittel, insofern ist ein Selektion auf Intelligenz durchaus wahrscheinlich, wenn bei einer Spezies eine Konkurrenz in dem Bereich eintritt. Beim Menschen spricht einiges dafür, dass diese Konkurrenz auch über intrasexuelle und intersexuelle Konkurrenz geführt worden ist.

Im Buch heißt es dazu:

Wright argues that as complexity in human society increases, the ability to reap „non-zero-sum gains“ increases. For example, electronic communications enable trade at a global level, and allow various societies to trade in items they could not produce or obtain otherwise, resulting in benefits for everyone: new goods. Similarly, global governments allow global solutions to common problems. Were aliens to attack, or the Arctic glaciers to melt, the world would be able to use its communicative technologies to band societies together and defend itself at large. In fact, this view of the world as an organic entity itself is touched upon in the penultimate chapter of the book, and is similar to that of Gaia theory.

Of course, when societies band together to fight a common enemy, that enemy is not always an Arctic glacier, but rather, other human societies. Wright discusses this as well, arguing that war between nations often resulted in technological and cultural evolution. For example, World War II spurred the development of the Manhattan Project and, in turn, nuclear power and related research—a technology that may ultimately benefit the world at large. Further, societies with advanced governments were more likely to succeed in war, spreading government systems as a technology in and of itself.

Hohe Intelligenz erlaubt eine ganz andere Form von Wettkampf und natürlich auch eine höhere Form von Kooperaton. Gerade die Fähigkeit zur Kooperation, zur Zusammenarbeit, gibt die Möglichkeit kooperative Spiele statt Nullsummenspiele zu entwickeln. Wer es schafft mit anderen zusammen etwas zu entwickeln, was beiden Vorteile bietet, der wird zum einen als Bündnispartner interessanter und kann dieses „Mehr“ auch zu seinem Vorteil und gegen andere einsetzen.

 Das Buch scheint dabei etwas esoterisch zu werden, wenn es auf eine Gaia-Theorie abstellt, die aus meiner Sicht keinen Sinn macht, aber man wird sehen müssen, was tatsächlich dort dazu gesagt wird.

Die Grundtheorie finde ich aber sehr interessant: In der Tat bietet beispielsweise die schnellere Kommunikation über neue Technologie und der Umstand, dass Waren heute leicht und relativ billig um die ganze Welt transportiert werden können, ganz neue Möglichkeiten zu kooperativen Spielen: Ein Beispiel scheint mir dabei die Möglichkeit zu sein, in China billig Sachen herstellen zu lassen und sie dann in der ganzen Welt zu verkaufen.

Ironischerweise ist es ein ehemalig kommunistisches Land, welches den Zugang zu Produktionsmittel für alle möglich macht und damit die Theorien von Marx, dass diese die eigentliche Macht darstellen, auf den Kopf stellt: Heute kann jeder, der ein Produkt hat, Produktionsmittel in China oder in anderen Ländern nutzen und sein Produkt herstellen, dabei fallen Vorteile für beide Seiten an, die chinesischen Firmen die produzieren und die Unternehmer, die ihr Produkt herstellen und verkaufen können. Natürlich ist das nicht automatisch eine Win-Win-Sitution für alle: In bestimmten Ländern gehen im Gegenzug Arbeitsplätze verloren etc. Aber dennoch ist es ein klassisches kooperatives Spiel für die Beteiligten, welches ihnen einen Vorteil gibt.

Konfliktsoziologie

Ich finde den Begriff der Konfliktsoziologie interessant:

Konfliktsoziologie oder Soziologie des sozialen Konflikts wird einerseits als eine theoretische Perspektive auf die Gesellschaft,[1] andererseits als eine Teildisziplin der Soziologie[2] verstanden. Unabhängig von dieser Zuordnung wird der soziale Konflikt als ein zentrales Element des gesellschaftlichen Zusammenlebens und als eine Triebkraft des sozialen Wandels begriffen.

Als multidisziplinärer und theorieübergreifender Begriff bezeichnet der soziale Konflikt einen Grundtatbestand des Sozialen und findet sich folglich in den meisten sozialwissenschaftlichen Theorieansätzen[3] und Disziplinen wieder, auch wenn manche soziologische Schulen ihn als weniger zentral für die soziale Gesellung bewerten. Seine Erforschung steht unter der Fragestellung nach seinen gesellschaftlichen Ursachen und Folgen.

Soziale Konflikte können unterschiedliche Gegenstände haben; häufig treten sie als Verteilungs-, Macht- und Anerkennungskonflikte auf. Manifestationen des sozialen Konflikts sind Kampf, Streit, Klassismus, Agon und Konkurrenz, Streik und industrieller Konflikt, Klassenkampf und Rebellion, schließlich Krieg und Bürgerkrieg.

Im übertragenen Sinn wird sozialer Konflikt auch als Synonym für Gegensatz schlechthin, für Widerspruch oder Antagonismus verwendet.

Darunter dürften alle feministischen Theorien fallen, weil sie eben einen Verteilungskampf zwischen Männern und Frauen propagieren, oder eben im intersektionalen Feminismus zwischen einer Vielzahl weiterer Gruppen. (Kommunismus wäre auch eine Konflikttheorie, da eben zwischen den gesellschaftlichen Klassen).

Konflikttheorien haben aus meiner Sicht den entscheidenden Nachteil:

Sie wählen einen sehr engen Frame unter dem alle Interaktionen bewertet werden. Sie scheinen häufig von einem Nullsummespiel auszugehen, also einem Spiel im Sinne der Spieltheorie, bei dem ein Gewinn für die eine Seite immer auch ein Verlust für die andere Seite ist. Nimmt man diesen sehr engen Frame, dann stellt sich alles als Machtkampf dar, was vielleicht unter dem Frame einer Zusammenarbeit oder einer kooperativen Theorie ein Gewinn für beide sein kann.

Beispielsweise geht der Kommunismus davon aus, dass es eine Verteilung von Ressourcen gibt und derjenige der mehr hat, sie quasi dem anderen Weg genommen hat. Dabei kann es sein, dass es in einem System, welches besonderen Reichtum einzelner Personen erlaubt für beide bessere Bedingungen gibt, die sie ohne das System nicht hätten. Einfach weil ein derartiges System eine bessere Wirtschaft erlaubt, die dann eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber darstellen kann.

Ebenso ist es beim Feminismus. Dort ist man anscheinend nach dem einfachem Prinzip vorgegangen, dass man

  1. Gebiete heraussucht, mit denen man „Macht“ verbindet
  2. schaut, welches Geschlecht in diesen Bereichen häufiger vertreten ist

Im ersten Punkt ist dann eben „Politik“ und „Positionen, die viel Geld bringen und bei denen man Leuten etwas zu sagen hat“ herausgekommen. Eine Gegenkontrolle, etwa darauf, dass in der Politik Frauen als Wählerinnen macht haben oder das solche Positionen eben nicht nur viel Geld bringen, sondern auch viel Stress und hohe Arbeitszeiten und erhebliche Bereitschaft Risiken in einer Konkurrenz einzugehen und den Beruf zum absoluten Mittelpunkt der Karriere zu machen, wurden hingegen nicht überprüft.

Ebenso wenig wurde bei der Frage, wer welche Ressourcen eher erhält, nicht daran gedacht, dass in einer (zumindest sehr reichen) Gesellschaft Freizeit und Zeit mit den eigenen Kindern oder die Möglichkeit am Erwerbseinkommen eines Partners zu partizipieren, ebenfalls eine gewisse Form von Wert darstellen kann, der verteilt wird.

Die Konflikttheorien machen aus meiner Sicht wenig Sinn, weil sie etwas herausgreifen, nämlich den Konflikt, gleichzeitig aber potentielle Vorteile und Kooperationsgewinne ausblenden. Sie sind insoweit nicht in der Lage ein vollständiges Bild der Lage zu bilden und können daher auch nur auf unzureichende Modelle zurückgreifen.

 

Kooperationsgleichgewichte und Konfrontation zwischen Mann und Frau

Elmar schreibt in einem Kommentar zu dem Artikel Appell an Männerrechtler etwas, was ich durchaus interessant finde:

Mit Neid hat das nichts zu tun. Worum es uns geht, ist die Tatsache, daß im Grunde jeder Feminismus eine Metaphysik des Sozialen betreibt. Dies geschieht, indem er implizit auf die Fragen “Worin besteht die wahre Realität?” und “Was sind die ersten Ursachen und Gestaltungsprinzipien der wahren Realität?” antwortet:

1. Die wahre Natur der sozialen Realität besteht in einem Konflikt derjenigen sozialen Klassen, die durch Geschlechter gebildet werden. (Durch den Ansatz der Intersektionalität wird die Sache später verfeinert.)

2. Die ersten Ursachen der sozialen Realität sind alle auf ein Machtgefälle zwischen den Geschlechtern zu Gunsten der Männer zurückzuführen (deren Ursache von den verschiedenen Wellen des Feminismus mal in der Rolle der Mütter und mal im hetereosexuellen Begehren gesehen wird) und ihre Gestaltungsprinzipien sind Beeinflussungen der persönalen Autonomie durch Geschlechterrollen sowie ökonomische oder rechtliche Strukturen.

Das beef, daß der Maskulismus mit dem Feminismus hat, dreht sich gerade um diese Frage “Wie kann man die soziale Realität charakterisieren?” und viele Maskulisten sind der Meinung, daß statt der vom Feminismus behaupteten Konkurrenz in Wahrheit Kooperationsgleichgewichte die zentrale Rolle bei der Analyse der sozialen Realität spielen. Das bedeutet: Was der Feminismus kritisiert, sind Eigenschaften von Kooperationsgleichgewichten, er möchte andere Kooperationsgleichgewichte, doch die Mittel des Feminismus sind auf Konfrontation hin designed – was die Gesellschaft nach Meinung vieler Maskulisten auf Dauer zerstören wird. (Und der Streik der der Männer liefert erste Hinweise darauf, daß es genauso kommt.)

Ich würde das etwas anders ausdrücken, wie ich auch dort in einem Kommentar bereits geschrieben hatte:

Feministinnen sehen die Beziehung der Geschlechter als Nullsummenspiel um Macht, während es aus meiner Sicht in der Tat eher ein kooperatives Spiel ist, indem bestimmte Konstellationen aufgrund evolutionärer Selektionsprozesse besonders beliebt sind und kulturelle zu Geschlechterrollen ausgeformt worden sind, die aber durchaus mit gewissen im Schnitt der Geschlechter bestehenden Unterschieden übereinstimmen.

Die Ausgestaltung als Nullsummenspiel wird dabei in den Theorien sogar binär ausgestaltet. Entweder eine Gruppe hat Macht oder sie hat keine Macht. Da bleibt nicht viel Spielraum für differenzierte Betrachtungen.

Die Geschlechterrollen sind deswegen weltweit vorhanden, weil die Biologie bestimmte Prozesse geschaffen hat, die zu bestimmten Strategien passen, die sich nach der Sexual Strategies Theorie betrachten lassen. Beide Geschlechter können ihre evolutionär erfolgreiche Fortpflanzungsstrategie durchaus zu Lasten des anderen Partners optimieren, zB Männer in dem sie möglichst viele Frauen schwängern, Frauen indem sie sich Versorgung sichern, aber dennoch optimales Genmaterial mitnehmen. Diese Strategien verhindern eine kooperative Strategie und damit diese dennoch attraktiv ist verlieben wir uns und können so überhaupt erst eine Langzeitstrategie mit Arbeitsteilung und hohen Kosten der Fortpflanzung tragen, die unser großes Gehirn erforderte und damit die Arbeitsteilung klappt haben sich auch unsere Gehirne und Körper spezialisiert und sind mit Vorlieben ausgestattet.

Viele der „Kooperationsgleichgewichte“ werden deswegen von vielen Männern und Frauen als durchaus passend empfunden. Andere, gerade Leute mit einer vom Schnitt in die Richtung des anderen Geschlechts abweichenden Gehirnausrichtung sehen das nicht so. Darunter sind eben zB auch viele Feministinnen. Sie erleben dann zB eben diese Strategien nicht als kooperativ, sondern als etwas, was ihnen aufgezwungen wird und meinen, dass es deswegen allen Frauen aufgezwungen wird.

Die feministische Theorie kann kooperative Strategien aufgrund der Betonung des Gruppenfaktors und des Kriteriums Macht gar nicht erkennen, weil die feministische Theorie so etwas gar nicht vorsieht. Bei ihr kann es dieses alles gar nicht geben, weil sie alles als soziale Konstruktion sehen, die durch Macht aufrecht erhalten wird, wo es tatsächlich gesellschaftliche Normen sind, die beiden Geschlechtern nutzen.

Der „Beef“ beginnt bereits früher, Feministinnen sehen eben eine soziale Konstruktion der Realität (was Elmar sieht bleibt aus meiner Sicht unklar), die ohne Mann und Frau auskommen könnte und bei der jede Konstruktion, die auf Kooperation zwischen den Geschlechtern aufbaut, bereits weil sie häufig an dem Geschlecht festmacht, falsch sein muss, da sie die angeblich überflüssige Konstruktion erhält.

Der Familienvater und die Frau, die für die Kinderbetreuung aussetzt sind dann erst einmal Ausdruck von Geschlechterrollen und Macht, eben der Macht der Männer, die Frauen von der Erwerbsarbeit und der damit verbundenen finanziellen Unabhängigkeit und höheren gesellschaftlichen Position abzuschneiden. In dem Denkmodell kann das als bewußte freie Entscheidung, die beiden gefällt, gar nicht wahrgenommen werden. Auch der Gedanke, dass Erwerbstätigkeit nicht per se Freiheit bedeutet, sondern auch Einschränkung sein kann, oder der Gedanke, dass Unterhalt, Zugwinnausgleich und Versorgungsausgleich diese Freiheit wieder einschränken und Erfolge an die Frau übertragen, wenn beide verheiratet sind, kommt in dieser Betrachtung nicht vor.

„Warum ich über Männerprobleme schreibe“

Ein interessanter Artikel dazu, warum auch Männerrechte relevant sind:

Having done my M.A. in Literature I encountered the phrase ‘writing women back into history’ more than once. In the same vein people claim that Men’s Studies is not needed as every history class is men’s studies as it recounts men’s lives in the past. But that is not true. It only recounts the lives of men in certain glorious roles and says nothing about the hardship they suffered under strenuous conditions.

Das wäre in Prinzip der „Gipfeltrugschluß„: Man achtet nur auf die Männer an der Spitze, aber man sieht nicht, dass die übrigen Männer ebenso unbeachtet bleiben wie die Frauen. Dagegen wird man im Feminismus sagen, dass man ja auch nur „Gipfelfrauen“ sichtbar machen will, aber da sind eben schlicht weniger in der Vergangenheit vorhanden, weil da die Geschlechterrollen noch stärker waren. Man würde also in dem Fall doch „unwichtigere“ Frauen sichtbarer machen.

Yes, we need to write some of women’s achievements back into history books, as they were not always appreciated. But at the same time we need to write men’s suffering back into history books.

Das finde ich grundsätzlich einen interessanten Ansatz, der mehr Verständnis für das damalige Leben begründen könnte. Wobei Geschichte eh schon ein großes Feld ist. Es wäre die Frage, ob es da nicht irgendwann zuviel wird.

And if someone now thinks that this is a big whining contest in the run up for the oppression Olympics they are still not aware of the real world implications of ignoring men’s suffering.

Es wäre, soviel würde ich jedenfalls sagen, aus meiner Sicht für eine feministische Betrachtung der Geschichte sehr wichtig, sich bewußt zu machen, dass auch für Männer das Leben kein Honigschlecken war.

As shown above they are deadly. While men always lived slightly shorter lives than women the life expectancy gap has widened globally in the past 100 years from one year to seven years in the worst affected countries. The male suicide rate is 4 times as high as the female suicide rate in most western countries. In India a married man takes his life every 8 minutes. And while suicide is a sin and considered a crime in many Muslim countries (and thus difficult to get numbers) evidence points to men outnumbering women in Pakistan as well. In western countries it is quite clear that these high numbers are not due to ‘male egos’ as Feminists like to claim. Men are certainly not exactly encouraged to come forward with their problems in a society where if they do so they are called cry babies, laughed at for their ‘male tears’ by journalist Jessica Valenti and told to go to a psychiatric ward instead when calling a domestic violence shelter hotline. Our natural inclination to focus on women and black out men has furthermore led us to make gender specific laws in the name of equality, that clearly have put men under severe hardship. 

Der „Focus auf Frauen“ ist etwas, was im Feminismus ausgeblendet wird: Frauen als Opfer erhalten mehr Unterstützung als Männer, eben weil die Gesellschaft viele Regeln für den Schutz von Frauen enthält. Ein anschauliches Beispiel hat Arne gerade zitiert: Ein Mann wirft sich vor eine Frau, um sie vor Messerstichen zu schützen und bleibt dann am Tatort liegen ohne das ihm jemand hilft. Man könnte das bei Einordnung in die feministische Theorie als „Privileg“ bezeichnen, dort wird man es aber wohl eher unter „benevolent Sexism“, also wohlwollender Sexismus. einordnen, ein Konzept welches eine klare Einteilung der Welt in Opfer und Bevorzugte mittels einer Form von Doppelsprech erlaubt, denn auch hier wird eine Bevorzugung in eine Benachteiligung umgewandelt.

Globally we now have the UN’s HeforShe campaign that once again asks men to don the armor to be the shining knight and enter the service of women’s protection. Knowing that western NGOs operating in developing countries already heavily favour women even when something affects mainly men I was rather shocked by this campaign that asks men once again to shut up about themselves and help women.

#Heforshe ist scher in den poststrukturalistischen Feminismus einzuordnen, der diese Form ja auch kritisiert hat. Denn es fehlt dort eben das Element der Unterordnung und der Reue und des Aufgebens der Geschlechterrollen, welches diese Form des Feminismus verlangt. Auch eine der „Botschaftlerinnen“, Emma Watson, hat entsprechende Kritik erhalten, dass sie da die Geschlechterrollen nur scheinbar hinterfragt, eigentlich in ihrem eigenen Leben aber anders handelt. Aber dennoch wird auch in dieser Form des Feminismus mühelos damit gespielt, dass der Mann der gute Beschützer sein soll und seine Schlechtigkeit ablegen soll.

Feminists and some anti-feminists alike like to claim that women in the ‘third world’ need Feminism. No one would deny that women in developing countries, such as Pakistan, are suffering. But Feminism will certainly not help them bring food on their table or protect their sons and husbands from being wrongfully incarcerated or killed in a fake police encounter.

Auch ein interessanter Gedanke. Geschlechterrollen einfach so aufzulösen ist auch in solchen Ländern nicht ganz einfach, man muss erst Frauen mit der passenden Ausbildung haben und diese müssen ein Umfeld haben, in denen sie arbeiten, Geld verdienen können und sicher sind. Wenn die Umstände dafür nicht bestehen,dann bringt es wenig

It is men and women who are struggling in these countries and focusing on improving the lives of only one group and claiming that the other is responsible for their hardship is the last thing the people in these countries need.

Auch das halte ich für einen zutreffenden Gedanken: Es ist der große Nachteil des Feminismus, dass er so einseitige Schuldzuweisungen vornimmt, die alle auf ein Nullsummenspiel und nicht auf ein kooperatives Spiel ausgerichtet sind, in denen Mann und Frau zusammenarbeiten.

With a lot of sectarian and communal strife that is already taking so many lives and putting psychological strain on people what is needed are strong communities and a rebuilding of trust in one’s neighbour! The very opposite of what feminist ideology aims for. What we need across the globe is respect for human lives, which grows out of empathy for each other. Claiming that a group of people somehow has privilege makes it impossible for us to have empathy towards them and consequently makes us blind to the fact that they are spending considerable less time in this world than the so called oppressed group.

Also ein Appell dahingegend, dass man die Gemeinsamkeiten und die Zusammenarbeit betonen muss, das Gemeinschaftsgefühl stärken muss, statt Schuldzuweisungen vorzunehmen. Und das man eben für das Leiden beider Geschlechter sensibilisiert sein muss.

 PS: Feminists like to claim that speaking about men’s issues as long as women’s suffering has not been eliminated is ‘derailing’. As someone from a rail family I do not find this metaphor apt. I would rather say that people working on men’s issues are ‘expanding the network’ and bringing the rail system from 1848 into the 21st century: more lines, affordable fares and more frequent trains, so that anyone can go anywhere at any time they wish

Auch das ist ein interessantes Bild: in einem Nullsummenspiel, indem man nur bei der jeweiligen Gruppe die Plus und die Minus zählen darf, ist eben automatisch jedes Minus bei einem Mann, dass man zu einem Plus macht ein Ausbauen des Vorsprungs. Sieht man das ganze als verschiedene „Strecken“ oder jedenfalls als verschiedene Bereiche, dann ist jedes beheben von Störungen gut für den allgemeinen Ausbau des Netzes, selbst wenn diese Strecke nur von bestimmten Passagieren oder bestimmten Wagen befahren wird: Wenn das Netzt insgesamt schneller ist, dann kann eben in einem kooperativen Spiel ein Vorteil für beide entstehen.

 

„Feminismus und Maskulismus haben dasselbe Ziel“

Via Genderama wurde ich auf diesen Artikel von Yonni Meyer aufmerksam, indem ich einige Passagen durchaus interessant finde:

Feminismus ist eine durchwegs gute Sache. Wenn er denn dem dient, was er soll: Den Frauenrechten und zwar soweit, bis sie mit denen des Mannes überein stimmen. Also keine Bevorzugung der Frau, sondern eine Gleichstellung beider Geschlechter.

Der Kampf für Männerrechte – Maskulinismus – soll genau dasselbe bewirken: Dass Männer da, wo sie heute benachteiligt sind, mit den Frauen gleichgestellt werden. Zum Beispiel bei Sorgerechtsfragen oder bezüglich Militärdienst.

Wenn sie hier „rechtliche Gleichstellung“ oder „Gleichberechtigung“ meint, und Benachteiligung nicht nur nach den reinen Zahlen („Mehr Frauen sind im Vorstand, weniger Männer bekommen Unterhalt“) bemisst, dann wäre das ja durchaus eine vernünftige Position. Ein klassischer Humanismus muss beiden Geschlechtern gleiche Möglichkeiten geben und ungerechtfertigte Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts verhindern. Da werden wohl die meisten zustimmen.

Feminismus und Maskulinismus haben, auch wenn viele Leute sie für grundverschieden, wenn nicht gar gegensätzlich halten, dasselbe Ziel: Gleichstellung.

Dass uns der Ausdruck Feminismus geläufiger ist als Maskulinismus, liegt wohl hauptsächlich daran, dass in der Vergangenheit und zum Teil auch noch heute leider bei den Frauen mehr Nachholbedarf betreffend Gleichstellung bestand und besteht als bei den Männern, das ist geschichtlicher Fakt. Dafür kann aber der moderne Mann (oder die meisten von ihnen) nichts und er verdient es deshalb nicht, heute noch grundsätzlich in die Rolle des Unterdrückenden gesteckt zu werden. Wir Frauen sind nicht mehr dieselben wie früher, die Männer aber auch nicht. Darf man nicht vergessen.

Wer nun mehr benachteiligt ist, dass ist in der Tat Ansichtssache und ich vermute, dass Yonni da recht unbefangen in die Diskussion hereinkommt. Sie wird viele der hier gängigen Studien etwa zum Gender Pay Gap oder zu anderen Punkten wie der unterschiedlichen Berufswahl nach Interessen nicht kennen und andere Sorgen von Männern vielleicht auch anders einordnen. Das macht aus meiner Sicht nichts, solange man gesprächsbereit ist und bereit sich Argumente anzuhören. Das scheint mir bei ihr durchaus der Fall zu sein.

Trotzdem erlebe ich mich und meine Freundinnen immer wieder im Kampf mit Rollenmodellen – und dies hauptsächlich, wenn’s um Liebesbeziehungen geht. Wenn man sich, wie ich zum Beispiel, in eher männerdominierten Domänen bewegt und dort kein Problem hat, mit den Jungs mitzuhalten und auch mal offen seine Meinung sagt, traut man sich manchmal fast nicht mehr, in den Armen eines Mannes auch einmal schwach zu sein, auch wenn man das gerne wäre. Man traut sich kaum noch zu sagen, dass man es schön findet, wenn einem die Tür aufgehalten wird – zu oft kamen Sprüche wie «Du wolltest doch gleichberechtigt sein, halt’ deine Tür selber auf!»

Da spricht sie ein Problem einiger moderner Frauen an: Das Gefühl, dass sie immer emanzipiert sein muss und sich insofern keine Schwäche erlauben kann, während in anderen Bereichen, gerade im Bereich der Beziehung und des Sexuellen, der starke Mann und das Werben um die Frau nach wie vor attraktive Rollen sind. Das alte Beispiel beider Seiten dafür ist das Aufhalten der Tür. Es ist ja in der Tat schön und auch eine Form der Wertschätzung, die man gerne hat und insofern ungern aufgibt. Sie ist auch Symbol dafür, dass man als Frau wahrgenommen und abseits der Arbeitsbeziehung auf ein kleines Podest der Höflichkeit gestellt wird. Es ist insofern Anerkennung der Person als Frau. Im Gegenzug wird ein Mann denken, dass es keinen Grund für eine Vorzugsbehandlung gibt, wenn sie auch ansonsten die Rollen ablehnt und ihm ihrerseits nicht als Gentlemann behandelt, dem man in diesem Spiel auch einen gewissen Status als Mann zugestehen muss, damit das Spiel Spass macht.

Dazu heißt es in dem Artikel:

Doch solche Gesten haben mit der Emanzipation wenig zu tun, sondern mit der Freude am Gegenüber und mit dessen Wertschätzung. Oder haben Sie von einer Frau schon einmal den Spruch gehört: «Wir sind jetzt gleichberechtigt, ich schminke mich nur noch, wenn du dich auch schminkst und High Heels gibt’s übrigens auch in 44, kein Problem»? Also ich nicht.

Mit ihrer ersten Einschätzung hat sie Recht: Es ist eine Freunde am Gegenüber und eine Wertschätzung. Sie beschäftigt sich aber aus meiner Sicht nicht damit, warum es dem Gentlemann gefällt, die Tür aufzuhalten. Das ist eine Frage beiderseitigen Respekts und der Wertschätzung und man darf dabei eine Seite nicht zum Diener degradieren, der die Tür aufhält.

Interessant ist aber der Vergleich mit der Schminke. Der Fehler liegt aus meiner Sicht darin, dass sie ja durchaus verlangt, dass der Mann gut aussieht oder auf andere Weise attraktiv ist. Schminke gehört da aber für einen Mann nicht dazu.

Das (emanzipierte) Grundverständnis von Mann und Frau als gleichwertige Menschen muss nicht bedeuten, dass man in einer Beziehung nicht traditionelle Rollen einnehmen möchte/darf. Im Gegenteil: Ich finde es super, mich für ein Date hübsch zu machen, ich freue mich, wenn ich meine Weiblichkeit bewusst leben kann und sie beim Gegenüber auf Freude stösst. Und es gibt Männer, die finden es toll, einer Frau die Tür aufzuhalten oder sie zum Essen einzuladen. Nur weil er mir die Tür aufhält, entmündigt er mich nicht – und nur, weil ich mich für ihn schön mache, unterwerfe ich mich ihm nicht.

Auch hier ist durchaus vernünftiges drin: Die traditionellen Geschlechterrollen funktionieren, weil sie halt bieten und bestimmte, einfache Botschaften transportieren. Und sie sind in diesem Fall eben teilweise auch einfach angenehmer für sie: Es machen sich ja beide hübsch für das Date (wobei sie meist mehr Arbeit hat). Ich würde aus Pickupsicht nicht empfehlen eine Frau beim ersten Date zum Essen einzuladen. Es ist ein viel zu formelles Setting. Besser ist es etwas trinken zu gehen, es ungezwungen zu halte und zB dabei abwechselnd zu zahlen. Aber auch das ist Geschmackssache. Es ist aus einer „Return of investment“-Sicht eher dann geeignet, wenn man schon ziemlich sicher ist, dass sie interessiert ist. Allerdings kann man alles, was man beim Essen besprechen kann, auch bei einem Bier besprechen und es entsteht dann ein wesentlich geringerer sozialer Druck zur Abwehr des Eindrucks der Geizigkeit die Rechnung zu übernehmen.

Wir sollten aufhören, Zuneigung zwischen Mann und Frau als Kampf anzusehen.

Das finde ich einen wichtigen Punkt. Die meisten Männer und Frauen spielen zumindest mit ihren Partnern und Freunden des anderen Geschlechts ein kooperatives Spiel oder planen das am Anfang, auch wenn es am Ende nicht gelingt. Wichtiger noch ist vielleicht auch der Umstand, dass man erkennt, dass Gleichheit nach Köpfen in vielen Bereichen nicht wegen entgegenstehender Diskriminierung scheitert, sondern weil Männer und Frauen verschiedene Ziele, Vorlieben und Lebensplanungen haben und insofern bewußt ihr Leben in die eine oder andere Richtung gestalten.

Gleichberechtigung dreht sich, wie das Wort schon sagt, um die Rechte von Mann und Frau. Für diese lohnt es sich wirklich, Kämpfe auszutragen! Es ist jedoch nicht das Ziel der Gleichberechtigung, uns in Neutren zu verwandeln, die bloss keinem Geschlechterstereotypen mehr entsprechen dürfen, weil uns das sofort wieder in die Steinzeit zurück katapultieren würde – weder Männer noch Frauen. Stellen Sie sich mal vor, wie seltsam die Welt wäre, wenn Männer und Frauen sich auf einmal geschlechtsneutral verhalten würden.

Das ist in der Tat eine interessante Frage: Wie wäre die Welt, wenn wir uns alle geschlechtsneutral verhalten würden? Vermutlich würden beide Geschlechter das erst einmal sehr merkwürdig finden. Was wäre überhaupt geschlechtsneutrales Verhalten? Hätten Frauen und Männer die gleiche Einstellung zu Sex? Was wäre in dieser Hinsicht dann neutral? Ein mittlerer Weg? Neutrale Menschen sind glaube ich wirklich schwer vorstellbar. Und „männlich“ und „weiblich“ können ja auch durchaus ihre gegenseitige Anziehungskraft haben, auch wenn sich jedes Geschlecht Punkte vorstellen kann, die es an dem anderen nerven. Also die Zusatzfrage: Was wäre geschlechterneutrales Verhalten? Würden Frauen genervt sein, wenn Männer „unmännlicher “ werden? Würde sich die Rollenverteilung ändern, wenn beide ein mittelmäßiges Interesse an beruflichen Status und ein mittelmäßiges Interesse an Zeit mit den Kindern hätten? Würden Männer es vermissen, dass Frauen sie in bestimmten Bereichen für Helden und starke Männer halten? Wobei dieser Wunsch nach Anerkennung ja auch nicht geschlechtsneutral ist.

Mein persönliches Fazit: Emanzipation ist nicht gleich Dominanz der Frau, sie bedeutet nicht, dass wir nun immer und überall «die Hosen anhaben» müssen – Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass alle Männer nun zu Softies werden und uns die Füsse küssen müssen.

Emanzipation und Gleichberechtigung bedeuten Freiheit – die Freiheit, dass wir, Männlein und Weiblein, gemeinsam das Beziehungsmodell leben dürfen, das für uns stimmt.

Freiheit – das ist ja in der Tat ein hübsches Fazit. Natürlich wird man sich darüber streiten, was Freiheit eigentlich ist und was man braucht, um sein Beziehungsmodell frei wählen zu können. Da sind nach wie vor spannende Fragen zu klären.