Nochmal zu typischen Fehlvorstellungen über Geschlechterunterschiede und Normalverteilungen

Ich hatte hier eine kurze Sammlung verschiedener Fehlvorstellungen als Artikel eingestellt, die auch gerade einen Anfang darstellen sollte, von dem man aus weitere Abweichungen diskutieren kann.
In den Kommentaren wurde geliefert, so dass ich die dortigen Anmerkungen kurz noch mal in einem Artikel übernehmen will (vielen Dank für die guten Kommentare)

RW führte an:

Dann noch der Fall, wo die Verteilungskurven den gleichen Mittelwert, und nur unterschiedliche Breiten haben. Da ist die Apex Fallacy sehr beliebt.
Beispiel: IQ Verteilung, die bei Männern breiter gestreut ist als bei Frauen, aber den gleichen Peak haben. Erklärt warum es erheblich mehr männliche wissenschaftliche Genies gibt als weibliche. Feministische Interpretation: „Wenn Männer und Frauen gleichen IQ haben dann kann das nur Unterdrückung sein“. Dabei kehren sie komplett unter den Teppich, daß es auf der anderen Seite der Kurve viel mehr dümmere Männer gibt.

Es gibt ja sogar die Variante, wo derjenige sowohl der These zustimmt, dass es Frauen und Männer im Schnitt gleich intelligent sind und auch der These, dass es mehr dumme Männer gibt, die These, dass es dann aber auch mehr intelligentere Männer geben muss aber ablehnt.

Anne führte an:

zur Graphik 1:
Bei beiden Kurven wurde die gleiche Standardabweichung benutzt. Das trifft normalerweise so nicht zu.
I.A. streuen die Werte bei Männern stärker als bei Frauen.
In statistischen Themen unbedarfte Leser könnten auf die Idee kommen, dass alle Werte exakt auf den Kurven liegen. Tatsächlich gibt es auch davon Abweichungen und Ausreißer, die sich jedoch für große Anzahlen wieder herausmitteln.

Die Darstellung mit den beiden diskreten Werten könnte missverständlich wirken.
Wenn man die Standardabweichung gegen 0 gehen lässt, werden die „Glocken“ immer schmaler, aber gleichzeitig höher, da die Fläche unter der Kurve normiert ist und gleich bleiben muss. Man erhält schließlich Dirac-Delta-Peaks.

Selbst wenn die Mittelwerte μ gleich sind, so folgt bereits aus unterschiedlichen Standardabweichungen σ dass die Verteilungen weit voneinander abweichen können.
Ich habe das mal quick’n’dirty (evtuelle Unstimmigkeiten bitte ich zu entschuldigen) dargestellt im Bereich von ±3σ um den Mittelwert. Dabei unterscheiden sich die Standardabweichungen um ca. 20% voneinander.

Das ist in der Tat richtig, nicht alles sind vollkommen gleichartige Normalverteilungen, die nur verschobene Mittelwerte haben, es können auch sonst Unterschiede in der „Breite“ oder in anderen Bereichen auftreten.

Pingpong ergänzte:

Zum Thema: Bei der Gaussverteilung hängt der Maximalwert der Kurve auch von der Standardabweichung ab. Man sieht das oben in der Grafik von Anne, die Kurven haben den gleichen Mittelwert, aber die Kurve mit der größeren Standardabweichung ist kleiner. D.h. man kann keine zwei Gaussverteilungen erzeugen, die unterschiedliche Standardabweichungen aber trotzdem den gleichen Maximalwert haben – dazu muss man mindestens einmal den Maßstab anpassen.
Dass die Verteilungen von Merkmalen (z.b. Intelligenz, Mut, Risikobereitschaft, Affinität zu MINT etc) immer einer Gaussverteilung entspricht ist allerdings nicht von vornherein klar. Es könnte z.b. sein dass die Verteilung von Frauen annähernd eine Gaussverteilung ist, die von Männern aber schwerere Ränder (engl: heavy-tail distribution) hat. Damit kann man durchaus zwei Kurven bekommen, welche den gleichen Maximalwert haben, sich aber eben an den Rändern deutlich unterscheiden.

Also insoweit noch weitere Ausgestaltungen, die zu erheblichen Unterschieden führen können und die Differenzierung zwischen „Standardabweichung“ und „Mittelwert“. Ich führe ja häufig an, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht absolut sind, sondern häufig Normalverteilungen mit sich überlappenden Trägern aber abweichenden Mittelwert. Sollte ich dann wohl um die evtl Standardabweichung ergänzen.

Kibo schrieb:

Genauso ist es und nach meiner Meinung ist die unterschiedliche Standardabweichung die bessere Erklärung für einige (statistische) Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ich gehe sogar davon aus, dass vielen, die sich mit Statisktik gut auskennen, dieser Effekt nicht wirklich bewusst ist. Im Qualitätsmanagement (z.B. Six Sigma) möchte man im Allgemeinen möglichst geringe Streuungen haben, was dazu führt, dass eine kleine Standardabweichung besser ist als eine größere. D.h. die Gaußkurve sollte möglichst schmal sein. Bei Betrachtung des Geschlechterverhältnis ist es aber häufig anders. Die geringere Standardabweichung bei den Frauen führt zum geringeren Anteil an wichtigen Positionen.

Ich habe hier ein Beispiel konstruiert, wo die rote Kurve die Verteilung einer Eigenschaft innerhalb der W-Gruppe (z.B. weibliche Personen) zeigt und die blaue Kurve die Verteilung einer Eigenschaft innerhalb der M-Gruppe (z.B. männliche Personen). Auf der X-Achse soll ein größerer Wert besser sein als ein kleiner, d.h. 0 ist richtig schlecht und 100 ist nahezu perfekt. Auf dem ersten Blick sieht es so aus, dass die W-Gruppe (rot) besser als die M-Gruppe (blau) abschneidet. Der Mittelwert der W-Gruppe ist z.B. deutlich besser als die der Mittelwert der M-Gruppe. Wenn man sich aber die Extreme anschaut, dann sieht man den Unterschied. Ich habe jetzt im nächsten Bild die gleichen Kurven nur im Bereich 90 bis 100 dargestellt.

Das bedeutet, dass es deutlich mehr Personen der M-Gruppe gibt, die zu den allerbesten gehören (besser als 90), obwohl die W-Gruppe soviel besser im Mittelwert ist. In der Praxis interessieren die Mittelwerte nicht wirklich. Wer erfolgreich sein will muss besser als der Durschnitt sein. Unternehmen bezahlen für die besten Spezialisten die besten Gehälter, wer nur durschnittliche Eigenschaften der gesuchten Spezialrichtung vorweisen kann, wird möglicherweise nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen oder muss sich mit weniger Gehalt zufrieden geben.

Männer sind tatsächlich das diversere Geschlecht, dh. die Streuung ist viel stärker unter Männer als unter Frauen. Das führt dazu, das sie bei den Spitzenjobs viel stärker vertreten sind. Aber das ist halt nur die eine Seite der Medaille. Sie sind halt auch viel stärker unter den Verlierern (z.B. Obdachlose) unserere Gesellschaft vertreten.

Das zeigt noch einmal, dass Unterschiede im Spitzenbereich ganz besonders groß ausfallen können, selbst wenn der sonstige Unterschied nicht so groß ist und das für viele Bereiche gerade dieser Spitzenbereich der wichtigste ist, weil aus diesem besonders wichtige Positionen besetzt werden.

Auch dieser Beitrag kann gerne über weitere Kommentare ergänzt werden, damit da noch mehr Informationen zusammen kommen.

Bem Sex-Role-Inventory (BSRI)

Das BEM Sex Role Inventory ist eine Zusammenstellung bestimmter Eigenschaften, die als männlich oder weiblich angesehen werden. Es wird beispielsweise zur Begutachtung von Transsexuellen eingesetzt, aber auch sonst zur Bewertung von Männlichkeit und Weiblichkeit. Es baut darauf auf, dass bestimmte Eigenschaften eher männlich oder weiblich sind, aber auch darauf, dass die Mischung in einer Person ganz unterschiedlich ausfallen kann und beide Geschlechter bestimmte Eigenschaften verschieden ausgeprägt haben. Dabei wurden die dort behandelten Eigenschaften ermittelt, indem Personen befragt worden sind, was sie für Eigenschaften bei dem anderen Geschlecht als besonders erstrebenswert empfinden.

Getestet wird, indem sich Befragte  auf einer Skala von 1-7 einordnen:

  1. die Eigenschaft trifft nie zu
  2. die Eigenschaft trifft gewöhnlich nicht zu
  3. die Eigenschaft trifft manchmal aber selten zu
  4. die Eigenschaft trifft gelegentlich zu
  5. die Eigenschaft trifft oft zu
  6. die Eigenschaft trifft meistens zu
  7. die Eigenschaft trifft immer zu

Die Liste selbst würde wohl jede Genderfeministin zur Weißglut bringen:

Maskulinität

  • hat Führungseigenschaften
  • tritt bestimmt auf
  • ehrgeizig
  • respekteinflößend
  • kann andere kritisieren, ohne sich dabei unbehaglich zu fühlen
  • verteidigt die eigene Meinung
  • entschlossen
  • sachlich
  • nicht leicht beeinflußbar
  • unerschrocken
  • intelligent
  • hartnäckig
  • ist bereit, etwas zu riskieren
  • kraftvoll
  • furchtlos
  • scharfsinnig
  • wetteifernd
  • sicher
  • zeigt geschäftsmäßiges Verhalten
  • konsequent

Femininität

  • romantisch
  • abhängig
  • weichherzig
  • glücklich
  • bemüht sich, verletzte Gefühle zu besäftigen
  • feinfühlig
  • sinnlich
  • fröhlich
  • nachgiebig
  • bescheiden
  •  empfänglich für Schmeicheleien
  •  empfindsam
  • selbstaufopfernd
  •  benutzt keine barschen Worte
  •  verspielt
  •  verführerisch
  •  achtet auf die eigene äußere Erscheinung
  •  leidenschaftlich
  •  herzlich
  •  liebt Sicherheit

Soziale Erwünschtheit

  • gesellig
  • nervös
  • gesund
  • steif
  • gründlich
  • teilnahmslos
  •  vertrauenswürdig
  •  überspannt
  •   zuverlässig
  •  unpraktisch
  •  fleißig
  •  niedergeschlagen
  • geschickt
  •  eingebildet
  •  gesetzestreu
  •  stumpf
  •  gewissenhaft
  •  unhöflich
  •  aufmerksam
  •  vergeßlich

Die „Soziale Erwünschtheit“ gilt dabei als Geschlechtsneutral.

Eine  Studie (aus 1997) hat geprüft, inwieweit diese Eigenschaften nach wie vor für ein bestimmtes Geschlecht als erstrebenswert angesehen werden:

Für „Männlichkeit“

assessing-the-current-validity-of-the-bem-sex-role-inventory

Für Weiblichkeit

assessing-the-current-validity-of-the-bem-sex-role-inventory-frauen

Man sieht, dass die Geschlechtsunterschiede bei den Männern im wesentlichen nach wie vor vorhanden sind, wenn auch abgeschwächter,  bei den Frauen haben sie sich auch im wesentlichen gehalten, einige sind sogar etwas ausgeprägter.

Bei den Männern hat sich beispielsweise „Dominant“ erheblich verändert, wobei es von einem sehr hohen Unterschiedsniveau auf ein hohes gesunken ist. Bei den Frauen ist „childlike (im deutschen wohl verspielt?) stark abgestürzt.

Bei beiden Geschlechtern ist aber „Männlich“ und „Weiblich“ jeweils noch sehr stark als „erstrebenswert“ besetzt.

Auch diese Auflistung aus einer Studie aus dem Jahr 2001 finde ich interessant:

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Man sieht, dass viele Eigenschaften auch als neutral angesehen werden, aber gleichzeitig auch in vielen das Pendel dann durch die Stimmen, die es entweder als Männlich oder weiblich ansehen, doch wieder eher zu einer Seite ausschlägt. „competitive“ beispielsweise ordnet eine Person den Frauen zu, 133 den Männern und 235 sehen es als neutral.

Finde ich für eine Betrachtung der Geschlechterunterschiede jedenfalls interessant. Kennt jemand weitere Studien, die da die Unterschiede und Veränderungen betreffen?

Partnerwahl: Männer bevorzugen bei guter Gesundheitsversorgung weiblichere Gesichter

Ein Artikel im Spiegel verweist auf interessante Aspekte der Partnerwahl in Hinblick auf die Bevorzugung männlicherer oder weiblicherer Gesichter:

Wer ist attraktiv – und wer nicht? Auf diese Frage gibt es viele individuelle Antworten. Sie haben mit der Kultur zu tun und selbstverständlich mit persönlichen Vorlieben. Und doch zeigen sich auch allgemeinere Zusammenhänge: Männer aus Ländern mit einer guten Gesundheitsversorgung haben eine besonders große Vorliebe für feminine Frauengesichter.  (…) In allen Nationen bevorzugten Männer im Durchschnitt jeweils die weiblicheren Gesichter. In Ländern, die einen hohen National Health Index (NHI) haben, in denen die Bevölkerung also einen sehr guten Gesundheitsstatus hat, war dieser Trend besonders stark ausgeprägt. (Umgekehrt schwärmen Frauen in Gesellschaften mit schlechter öffentlicher Gesundheit übrigens eher für männlich aussehende Partner.)

Also:

  • Männer wollen in Gesellschaften mit guter Gesundheitsversorgung Frauen mit feminineren Gesichtern, in Ländern mit weniger guter Gesundheitsvorsorge bevorzugen sie auch weibliche Gesichter, aber nicht so ausgeprägt
  • Frauen wollen in Gesellschaften mit schlechter Gesundheitsversorgung Männer, die männlicher aussehen

Meine Vermutung wäre, dass Testosteron zwar männlichere Gesichter gibt, aber dafür eben insgesamt eine höhere Robustheit, die im Überlebenskampf gegen schlechte Bedingungen hilfreich sein kann. Bei Männern kann man demnach auf besonders männlich aussehende Männer abstellen, bei Frauen eben auf weniger weibliche.

Zugrunde liegt dem Ergebnis bezüglich der Wahl der Männer diese Studie:

Both attractiveness judgements and mate preferences vary considerably cross-culturally. We investigated whether men’s preference for femininity in women’s faces varies between 28 countries with diverse health conditions by analysing responses of 1972 heterosexual participants. Although men in all countries preferred feminized over masculinized female faces, we found substantial differences between countries in the magnitude of men’s preferences. Using an average femininity preference for each country, we found men’s facial femininity preferences correlated positively with the health of the nation, which explained 50.4% of the variation among countries. The weakest preferences for femininity were found in Nepal and strongest in Japan. As high femininity in women is associated with lower success in competition for resources and lower dominance, it is possible that in harsher environments, men prefer cues to resource holding potential over high fecundity.

Quelle: Cross-cultural variation in men’s preference for sexual dimorphism in women’s faces

Die zweite Studie, die kurz angesprochen wird, ist dann wohl diese:

Recent formulations of sexual selection theory emphasize how mate choice can be affected by environmental factors, such as predation risk and resource quality. Women vary greatly in the extent to which they prefer male masculinity and this variation is hypothesized to reflect differences in how women resolve the trade-off between the costs (e.g. low investment) and benefits (e.g. healthy offspring) associated with choosing a masculine partner. A strong prediction of this trade-off theory is that women’s masculinity preferences will be stronger in cultures where poor health is particularly harmful to survival. We investigated the relationship between women’s preferences for male facial masculinity and a health index derived from World Health Organization statistics for mortality rates, life expectancies and the impact of communicable disease. Across 30 countries, masculinity preference increased as health decreased. This relationship was independent of cross-cultural differences in wealth or women’s mating strategies. These findings show non-arbitrary cross-cultural differences in facial attractiveness judgements and demonstrate the use of trade-off theory for investigating cross-cultural variation in women’s mate preferences.

Quelle: The health of a nation predicts their mate preferences: cross-cultural variation in women’s preferences for masculinized male faces

Die Studien, von denen ich leider nur den Abstract lesen konnte, klingen interessant, weil sie zwei Bereiche betreffen:

  • Sie könnten deutlich machen, wie biologische Auswahlkriterien mit der Umwelt in Verbindung stehen können und welche „Trade offs“ jeweils gemacht werden. Hier anscheinend der zwischen Fruchtbarkeit und der Widerstandsfähigkeit /Konkurrenzfähigkeit. Dadurch ergibt sich eine gewisse Vielfalt, eben beispielsweise männlichere Frauen und weiblichere Männer
  • sie könnten auch andere Bereiche betreffen: Das Gesicht ist lediglich ein Zeichen für geringes / vermehrtes postnatales Testosteron. Es wäre interessant, ob sich dieser Trend auch in anderen Bereichen, die ähnliche Indikatoren sind, finden lassen. beispielsweise beim Verhalten oder sonstigen Körperbau etc.

Zu dem Komplex „weiblichere Männer und männlichere Frauen“ hatte ich bereits einmal einen Artikel. Dort schrieb ich:

Das gilt eben auch für bestimmte Eigenschaften von Mann und Frau. Ein ultraharter Mann war vielleicht in Kriegszeiten im Vorteil, demnach haben solche Männer Kriegssituationen besser überstanden, waren aber in Friedenszeiten nicht sanft genug für ein soziales Leben. Ein zu sehr auf bestimmte Sachen bezogener Mann konnte in großen Gruppen mit hoher Spezialisierung vielleicht gute Geschäfte durch seine Spezialisierung machen und damit seine mangelnde Sozialkompetenz ausgleichen. Gingen die Geschäfte aber nicht so gut oder waren Allounder mehr gefragt, dann schnitt er schlechter ab. Eine harte Frau konnte vielleicht schlechter mit Kindern umgehen und war weniger fruchtbar. Sie schnitt aber im Krieg oder anderen Krisenzeiten besser ab und konnte so ihre Gene erhalten. Eine weiche Frau war vielleicht fruchbarer und sehr auf ihre Kinder bezogen, aber sie überstand Notzeiten und Kriege vielleicht schlechter.

Die Normalverteilung innerhalb der Geschlechter würde insofern Risikoverteilungen wiedergeben und in der Mitte die Allrounder für die typischerweise Frauen treffenden Risiken und die typischerweise von Frauen benötigten Fähigkeiten in einer den Risiken entsprechenden Verteilung aufweisen, während die Enden der Normalverteilungen speziellere Anpassungen an bestimmte Situationen zu Lasten anderer darstellen.

Das passt eigentlich recht gut zu den Ergebnissen der Studie.

Männliche Frauen und weibliche Männer: Warum Normalverteilung?

Männer und Frauen sind auch nach biologischen Theorien nicht alle gleich, vielmehr bilden ihre Fähigkeiten und Eigenschaften sch überschneidende Normalverteilungen mit verschiedenen Mittelwerten. Es gibt demnach „Männliche Frauen“ und „weibliche Männer“.

Die Frage ist, warum die Natur solche Normalverteilungen wählt. Müßte sich nicht eine Eigenschaft in der Natur durchsetzen?

Dazu muss man verschiedene Sachen bewußt machen:

  • was bedeutet es biologisch, wenn sich eine Eigenschaft durchsetzt?
  • wie funktioniert die Eigenschaftsverteilung in der Gametheorie?

Zunächst zum ersten Punkt:

Damit sich eine Eigenschaft durchsetzt muss diese nicht einfach nur besser sein und wird dann auf die anderen Menschen übertragen. Genetische Vererbung einer Eigenschaft erfordert, dass diese an Nachkommen weitergegeben wird. Die Gene eines Menschen sind nicht variabel, sie können zwar in einem geringen Umfang mutieren, aber grundsätzlich haben sie keine Anpassungsmöglichkeit an „bessere Eigenschaften“, die neu in anderen Menschen mutiert sind.

Eine Veränderung des Genpool und damit eine Durchsetzung der Eigenschaften ist damit nur linear möglich. Damit sich eine Eigenschaft vollständig durchsetzt muss also über kurz oder lang jeder Träger dieses Gens aussterben. Natürlich kann das Gen dabei auch dadurch aussterben, dass die Kinder, die das entgegenstehende Gen erhalten haben kinderloser bleiben als die, die es nicht erhalten haben. Über kurz oder lang sind dann immer mehr Personen vorhanden, die das günstige Gen haben und diese treffen immer mehr auf Leute, die das günstige Gen haben und pflanzen sich mit ihnen fort. Aber dies macht deutlich, dass es nicht so einfach ist, ein Gen aus dem Genpool zu schmeißen, wenn es ansonsten dort verbreitet war. Gibt es Nischen, in denen die Träger des eigentlichen ungünstigeren Gens besser abschneiden, dann können sie schon deswegen im Genpool verbleiben.

Aus diesen Nischen ergibt sich auch, dass es häufig nicht „die günstigste Ausrichtung“ gibt. Nahezu alles kann in bestimmten Situationen nachteilig sein: Muskeln kosten Unterhalt und verbrauchen Energie. Eine Person, die weniger Muskeln hat mag daher in Hungersnöten besser abschneiden. Intelligenz verbraucht viel Energie, Wesen mit einem kleineren Gehirn können in bestimmten Situationen besser abschneiden. Gebärfähigkeit kostet Energie, verhungert der Nachwuchs kann es günstiger sein, weniger Nachwuchs zu bekommen, der dann besser versorgt werden kann.

Das gilt eben auch für bestimmte Eigenschaften von Mann und Frau. Ein ultraharter Mann war vielleicht in Kriegszeiten im Vorteil, demnach haben solche Männer Kriegssituationen besser überstanden, waren aber in Friedenszeiten nicht sanft genug für ein soziales Leben. Ein zu sehr auf bestimmte Sachen bezogener Mann konnte in großen Gruppen mit hoher Spezialisierung vielleicht gute Geschäfte durch seine Spezialisierung machen und damit seine mangelnde Sozialkompetenz ausgleichen. Gingen die Geschäfte aber nicht so gut oder waren Allounder mehr gefragt, dann schnitt er schlechter ab. Eine harte Frau konnte vielleicht schlechter mit Kindern umgehen und war weniger fruchtbar. Sie schnitt aber im Krieg oder anderen Krisenzeiten besser ab und konnte so ihre Gene erhalten. Eine weiche Frau war vielleicht fruchbarer und sehr auf ihre Kinder bezogen, aber sie überstand Notzeiten und Kriege vielleicht schlechter.

Die Normalverteilung innerhalb der Geschlechter würde insofern Risikoverteilungen wiedergeben und in der Mitte die Allrounder für die typischerweise Frauen treffenden Risiken und die typischerweise von Frauen benötigten Fähigkeiten in einer den Risiken entsprechenden Verteilung aufweisen, während die Enden der Normalverteilungen speziellere Anpassungen an bestimmte Situationen zu Lasten anderer darstellen.

Dabei ist auch zu bedenken, dass Gene sich dann im Genpool anreichern, wenn sie insgesamt zahlreich bleiben. Das einzelne Individuum, das Genvehikel, in dem das Gen steckt, ist dabei unwesentlich, wenn nur insgesamt die Anzahl der Gene im Genpool hoch bleibt.

Ein Gen für ein deutliches Kinn kann demnach, wenn es die Söhne sexy macht, die Töchter aber hässlich, dennoch erfolgreich im Genpool sein, wenn die Söhne genug Nachwuchs haben um einen eventuellen geringeren Nachwuchs bei den Töchtern auszugleichen. Dabei ist dann wieder zu berücksichtigen, dass die Töchter wiederum schöne Söhne produzieren, war über Enkelkinder und Enkelsenkelkinder dann den Verlust bei der Tochter kleiner machen kann. Ebenso kann ein Gen, dass die Töchter hübscher (–> weiblicher) macht, den Sohn unattraktiver machen, dies aber dann durch die Kinder der Tochter wieder ausgleichen. Gene, die die Fortpflanzungschancen unterschiedlich zwischen Söhnen und Töchtern verteilen, können sich im Genpool durchaus durchsetzen.

Hinzu kommt das zuvor angesprochene: Wenn die Töchter zwar unattraktiver sind, aber dafür härter und daher Kriege etc besser überstehen, dann muss dies kein Nachteil sein, wenn man in einer Gegend mit vielen Kriegen oder Hungersnöten lebt, insbesondere, wenn die Söhne im Gegenzug männlicher sind und damit evtl auch besser mit Kriegen und Hungersnöten zurechtkommen. Vergleichbare Fälle kann man natürlich auch andersherum bilden.

Dazu als kleiner Einschub: Wer hier einwendet, dass sich dann ja anbieten würde, die Gene nach Mann und Frau aufzuspalten, damit man sowohl schöne Söhne und Töchter hat, der hat erkannt, warum eine biologische Differenzierung nach Mann und Frau so effizient ist. Es wird auch deutlich, warum dabei immer wieder, seien es Muskeln, Haare, Gehirn etc das selbe Prinzip, nämlich eine Abhängigkeit von Testosteron verwendet wird: Weil es bereits vorhanden ist und nur an diese Stelle übertragen werden muss. Es läßt sich einfacher entwickeln als ein neues System, weil die Differnzierungen und Rezeptoren als genetischer Bauplan bereits vorliegen und nur die Wahlsequenz und die neue Option eingefügt werden muss.

Und natürlich stehen die Gene in einem Konkurrenzkampf untereinander. Ein Verhalten, welches eigentlich für alle günstig ist, kann anfällig für Parasiten sein. Es ist ein klassisches Problem aus der Gametheorie, die man am Prisoner Dilema verdeutlichen kann:

Zwei Gefangene werden wegen einer Tat getrennt voneinander vernommen, die sie begangen haben. Die einzige Möglichkeit ihnen die Tat nachzuweisen, ist eine Aussage eines der Gefangenen gegen den anderen. Wenn man ihnen die Tat nachweisen kann, bekommen sie eine hohe Strafe. Sagen sie gegen den anderen aus, bekommen sie eine geringe Strafe.

Jeder von beiden steht nun vor dem Dilema, wie er sich Verhalten soll, weil eine unbekannte Variabel, nämlich das Verhalten des anderen zu berücksichtigen ist:

Die Möglichkeiten der Gefangenen:

  • Sagt er gegen den anderen aus, und der andere schweigt, dann bekommt er eine geringe Strafe
  • Sagt er gegen den anderen aus, und dieser auch gegen ihn, dann bekommen beide eine geringe Strafe
  • Sagt er nicht gegen den anderen aus, dieser aber gegen ihn, dann bekommt er eine hohe Strafe
  • Sagt er nicht gegen den anderen aus, dieser auch nicht gegen ihn, dann bekommen sie keine Strafe

Hieraus folgt, dass die Risiken bei einem Geständnis geringer sind. Denn bei einem Geständnis droht immer nur eine geringe Strafe, bei einem Schweigen entweder eine sehr hohe Strafe oder keine Strafe.

Es ist also auch kein Wunder, dass die Spielbedingungen durch das organisierte Verbrechen geändert werden, indem der Preis für ein „Singen“ bei der Polizei deutlich erhöht wird, etwa um das eigene Leben. Das erleichtert es beiden, nicht zu singen und das Spiel ist aus Sicht der Verbrecher einfacher geworden. Für ein organisiertes Verbrechen lohnen sich demnach andere Optionen als für nicht organisierte Verbrecher.

Eine weitere Änderung ergibt sich, wenn man das Spiel wiederholt spielt. Dann kann man nämlich zurückliegendes Verhalten ebenfalls berücksichtigen und sich nach diesem Verhalten. Biologisch kann hieraus recht einfach unser Gerechtigkeitsgefühl entstehen. Dabei zeigen Simulationen, dass ein Modell mit einer leichten Nachsichtigkeit, dass auch mal ein Fahlverhalten durchgehen läßt, dass erfolgreichste ist und dazu führt, dass sich solche „Gene“ in dem Genpool anreichern würden. Ist ein solches Modell aber ersteinmal vorhanden und durchgesetzt, dann können in ihm auch andere Modell existieren:

Ein immer kooperierendes Gen hätte in einer Gesellschaft von Genen, die mit kooperieren starten und einen Fehltritt verzeihen gute Karten, da auch die anderen Gene mit ihm immer kooperieren würden. Auch dieses Gen kann sich daher in einer solchen Gesellschaft anreichern. Dies macht die Gesellschaft dann wieder anfällig für Gene, die weniger kooperativ sind und Vorteile zu Lasten der Gemeinschaft ausnutzen, denn bei den ganz kooperativen Genen haben sie keinen Nachteil, bei den anderen können sie zumindest den Startbonus aufzerren. Sprich: Das Verhalten der anderen selbst schafft gewisse Nischen für andere Ausgestaltungen.

Bezogen auf Mann und Frau bedeutet dies eben, dass etwas „weichere“ Männer vielleicht bestimmte Talente hatten, die für sie einen höheren Status bedeuten konnten, oder sie konnten die Arbeitsteilung aufgrund der Unterschiede ausnutzen um durch den höheren Kontakt mit den Frauen ein paar Kuckuckskinder zu produzieren, auch wenn insgesamt härtere Männer im Vorteil waren. Und vielleicht konnte sich auch in einer Arbeitsteilung „zarterer“ Frauen eine härtere Frau innerhalb der Frauengruppe besser behaupten bzw. eine noch weichere Frau innerhalb der Gruppe anderer Frauen den passenden Schutz erfahren.