Welche evolutionäre Auswirkung hat die hauptsächliche Betreuung eines Säuglings durch ein Geschlecht?

Ein Kommentar von Syzygy hat mich über Folgendes nachdenken lassen:

 Wenn Frauen während der Entwicklungsgeschichte die Kindererziehung hauptsächlich übernommen haben (wofür neben dem Umstand, dass wir Säugetiere sind auch alle Befunde aus ethnologischen Untersuchungen sprechen), dann werden alle Selektionen begünstigt, die für jemanden, der einen Säugling/ein Kleinkind versorgt vorteilhaft sind.

Dies sind insbesondere all solche Selektionen, die berücksichtigen, dass Säuglinge und Kleinkinder empfindlicher sind, langsamer sind, schwächer sind, verletzlicher sind etc.

Dies könnten beispielsweise sein:

  •  bessere Erkennbarkeit von verdorbenen/reifen Nahrungsmitteln über einen besseren Geschmackssinn (beim Vorkosten) oder bessere optische Mustererkennung
  • geringere Toleranz gegen Verschmutzungen, die Nährboden für Keime und Parasiten sind
  • geringere Risikotoleranz, die auch die Reaktionen des Kindes mit einplant
  • Angst vor Gefahren, die gerade Kinder in diesem Alter betreffen, etwa giftige Tiere, deren Biss einen Säugling gefährden kann (in Afrika insbesondere Schlangen und Spinnen)
  • Meidung von Krankheitsübertragern, zB Ratten
  • Vermeidung körperlicher Auseinandersetzungen
  • Bessere Erkennung eines Gemütszustandes zur früheren Erkennung von Krankheiten und Bedürfnissen (=höhere Empathie)

Klingt wie eine Ansammlung weiblicher Klischees? Vielleicht aus gutem Grund.

Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass keine Selektion stattfindet, wenn ein Geschlecht eine Arbeit häufiger übernimmt als das andere Geschlecht. Welche hier stattgefunden hat wäre interessant.

Was meint ihr?

Muttermilch

Ein interessanter Artikel über die Muttermilch findet sich in der Südeutschen Zeitung.

Interessant ist zu einen, dass die Muttermilch sich wohl nach dem Geschlecht des Säuglings unterscheiden soll:

Männliche Babys genießen an Mutters Brust einen luxuriösen Cocktail erlesener Nährstoffe mit nahrhaften Fettsäuren und wertvollen Proteinen; in der Stillmilch der Babymädchen fehlt es hingegen am besonders wertvollen Milchzucker. Evolutionsbiologen begründen diese Zweiklassenfütterung mit der üblichen, einfachen Erklärung: Weil Männer theoretisch zahllose Kinder zeugen können, die Schwangerschaft der Frauen aber Monate dauert, versprechen Söhne das bessere Enkelsaldo. Aus der Sicht der mütterlichen Biologie sind die wertvolleren Nährstoffe demnach bei Söhnen besser angelegt – investiert wird in die Zukunft der eigenen Gene, bei Männern lockt die höhere Rendite.

Aber auch sonstige Faktoren sollen sich auf die Muttermilch auswirken:

Die Menschenmilch schlechthin gibt es nicht. Je nach Geschlecht des Babys, seinem Alter, den Lebensumständen der Mutter und vielen anderen bisher unbekannten Faktoren ändert sich die Zusammensetzung der Milch. Und mit ihr verändert sich die Zukunft des Kindes.

Daneben werden Vorteile wie eine Unterstützung der Immunabwehr, Entwicklung der Darmflora und (mögliche) Auswirkungen auf die Intelligenz genannt.

Das die Muttermilch mehr ist als ein reiner Energielieferant bietet klare evolutionäre Vorteile. Wer zB die Immunabwehr des Kindes unterstützt oder dem Kind die nötigen Baustoffe zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellt, dessen Gene entwickeln sich besser und setzen sich damit durch.

Das die Muttermilch sich von Geschlecht zu Geschlecht unterscheidet überrascht mich hingegen. Zwar kann ein Sohn in der Tat mehr Nachkommen haben als eine Tochter, allerdings ist der Nachwuchs bei einer Tochter sicherer, was man schon daran sieht, dass sich wesentlich mehr Frauen fortgepflanzt haben als Männer. Vielleicht spielt hier herein, dass schwache Männer wesentlich geringere Chancen auf Fortpflanzung hatten als schwache Mädchen (da Männer die gefährlicheren Arbeiten ausführten und untereinander in einem stärkeren Konkurrenzkampf standen). Ein Artikel vermutet, dass es an einem anderen Saugverhalten der Jungen liegen könnte, dass sich dann dementsprechend entwickelt haben könnte, weil Jungen, die schwächer saugten, ihre Gene mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit weitergegeben haben. Im ganzen scheint aber hier noch weiterer Forschungsbedarf zu bestehen.