Ich brauche den Feminismus, weil es sexuelle Belästigungen gibt

Sternenleben schreibt in einem Blogbeitrag:

Eine kleine Ankündigung vorweg: Ich als Feministin setze mich für beide Geschlechter ein. Nachdem ich in den letzten Tagen aber sehr oft zu Ohren bekommen habe, Feminismus sei unnötig, weil Frauen überhaupt nicht mehr diskriminiert werden (bzw Sexismus erfahren) würden, hoffe ich das nun zumindest ein Stück weit widerlegen zu können.

Die am 5. März veröffentlichte Studie befragte EU-weit 42.000 Frauen, darunter 1.500 in Deutschland. 33 Prozent der Frauen auf EU-Ebene gaben demnach an, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. 55 Prozent haben seitdem sexuelle Belästigung erlebt, in Deutschland sind es sogar 60 Prozent. Dazu zählen zum Beispiel unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder Küsse. 33 Prozent der betroffenen Frauen in Deutschland gaben an, die sexuelle Belästigung im Arbeitsumfeld erlebt zu haben.

Ich bin ja, wie an anderer Stelle schon geäußert, sehr dafür, dass man Zahlen zu der Lage eines Geschlechts nicht mehr veröffentlichen können sollte, wenn man nicht die Zahlen auch für das andere Geschlecht ermittelt.

Denn was sagt der Wert „33% der Frauen“ aus, wenn darunter jede körperliche oder sexuelle Gewalt zu verstehen ist, man aber nicht weiß, ob das nun besonders viel oder wenig ist.

Ich finde die Zahl sogar erstaunlich niedrig, denn ich behaupte einmal je nach Betrachtung hat wahrscheinlich jeder Mann schon einmal körperliche Gewalt erfahren. Und das müssen noch nicht einmal nur die Raufereien oder ähnliches sein. Genug Frauen finden zB nichts dabei einem bei einem frechen Spruch unter Freunden, also nichts anzügliches, sondern etwas Frotzelei, auf den Arm zu schlagen.  Und „unerwünschte Umarmungen“ hatte ich natürlich auch schon, wer eigentlich nicht?

Es ist das ewige Problem aller Gewaltstudien: Um so weicher man den Gewaltbegriff macht, um so höher sind die Zahlen.

Hier mal ein Gegenbeispiel:

Sexual coercion is a pervasive problem but rarely examined in men. This study examined sexual coercion and psychosocial correlates among 284 diverse adolescent and emerging adult males in high school and college. Over 4 in 10 participants (43%) experienced sexual coercion: more specifically, the participants reported: verbal coercion (31%, n = 86), seduction coercion (26%, n = 73), physical coercion (18% n = 52), and substance coercion (7%, n = 19).

Also 43% aller Männer haben schon sexuellen Zwang erfahren! Wir brauchen Maskulismus!

Viel wichtiger wäre es, die frage zu stellen, ob sie es als größeres Problem angesehen haben und da ist diese Studie ganz interessant:

When a University of Michigan researcher surveyed 3,000 students about sexual assault, he found only 3.6 percent of sexual assault victims told an official resource. When he asked why, he was unprepared for the most common write-in response.

„The most common set of words written in by our students was ‚it was no big deal,’“ said U-M’s William Axinn, professor of sociology and former director of the Survey Research Center at the U-M Institute for Social Research.

Und das kann eben durchaus der Fall sein, weil bei einem Flirtversuch der etwas zu schnelle Kussversuch zwar nicht gewollt sein kann, aber als legitimer Versuch oder Fehlereinschätzung, die passieren kann, eingestuft werden kann. Weil ein Schubsen bei einem Beziehungsstreit oder eine Beleidigung oder sogar eine leichte Drohung in dem Bereich etwas ist, was eben in der Hitze eines Streites rausrutscht, es den Frauen auch passiert und es dann eben auch nach der Versöhnung schnell wieder vergessen ist.

Aber das ist noch nicht einmal das, auf das ich hinaus wollte:

Was eigentlich fehlt ist die Frage, ob der gegenwärtige Feminismus überhaupt ein Mittel bereit stellt, dass wirksam sein kann.

Aus meiner Sicht ist das gegenwärtig nicht der Fall. Es ist eine naive Vorstellung, dass man Leute dazu erziehen kann, dass sie nicht mehr belästigen, keine Gewalt ausüben oder sonst plötzlich gute Leute werden. Es ist um so naiver, wenn man meint, dass die feministischen Theorien dies bewirken würden, die vollkommen lebensfremde Vorstellungen davon haben, wie die Geschlechter miteinander umgehen sollen.

Eher macht der gegenwärtige Feminismus alles schlimmer. Denn er führt an, dass man sich nicht selbst schützen soll, dass die Männer sich ändern sollen oder das alles eine Belästigung ist, so dass letztendlich kein vernünftiger Weg zum flirten übrig bleibt.

In dem Artikel werden die folgenden Beispiele angeführt:

Ich bin 16 und habe sie schon am eigenen Leib erlebt. Bis jetzt gibt es nur wenige Menschen, mit denen ich offen darüber gesprochen habe, selbst meine Eltern wissen bis jetzt nichts davon. Warum? Aus Scham. Was küsse ich auch einen Menschen, den ich bis jetzt gerade nicht kannte? Ja, ich habe nein gesagt, aber er hat mich weiter angefasst, auch nachdem ich ihn versucht habe, wegzuschieben. Ich konnte nichts tun und war mit der Situation heillos überfordert. Als ich es dann irgendwann geschafft habe, zu gehen bin ich zu meiner Familie zurückgekehrt und habe mich verhalten, als wäre nichts gewesen. Nichtsdestotrotz ist es „meine Schuld“ – denn ich habe ihm ja Hoffnungen gemacht. Bin mit ihm mit, in die dunklere Ecke gegangen. Trotzdem war es nicht ok, dass er das gemacht hat.

Wie soll ihr Feminismus jetzt in der Situation helfen? Meint sie wirklich, dass dieser Mensch umzuerziehen gewesen wäre? Der einzige Weg dies zu vermeiden scheint eine sehr vorsichtige Auswahl er Männer zu sein, mit denen man sich einlässt. Das muss noch nicht einmal etwas mit Schuld zu tun haben.Aber da hilft einem der Feminismus nicht weiter. Sie kann natürlich eine Verschärfung des Sexualstrafrechts fordern. Aber bereits jetzt haben sie ja ganz andere Sachen abgehalten, ihn anzuzeigen, eben ihre Scham.

Als eine Freundin von mir neulich feiern war, wurde sie von einem Typen angegrapscht. Eine andere Freundin wurde beim Tanzen von hinten angemacht und aus ihrer Erzählung wörtlich hat er ihr „seinen Schwanz zwischen die Beine gepresst“ – Ungefragt, auch nach Zurückweisung hörte er nicht auf.

Auch hier die Frage: Was soll der Feminismus da eigentlich erreichen? Eher verschleiert er doch mit seinem Gerede von der Rape Culture die Dynamiken, die sich dort abspielen.

Es wäre weitaus effektiver, wenn sie nicht einfach Feminismus fordert, sondern entweder konkrete Maßnahmen (etwa eine verschärftes Sexualstrafrecht oder eine Aufhebung der Unschuldsvermutung wenn sie so weit gehen will).

Ihre Aufforderung:

Was man dagegen tun kann? Bringt euren Kindern, euren Mitmenschen Respekt bei. Hört auf Mädchen, die sich freizügig kleiden, als Schlampe zu bezeichnen. Hört auf über Jungs zu sagen „es sind halt Jungen“ wenn sie sexistische Kommentare machen. Seid respektvoll im Umgang miteinander und erklärt Opfern, dass es niemals ihre eigene Schuld ist. Bringt solche Delikte zur Anklage. Diese Menschen haben es verdient, bestraft zu werden.

Wie soll man mit Feminismus Leuten Respekt beibringen? Gerade im Feminismus scheint es trotz aller Kenntnis von feministischen Theorien immer wieder zu Übergriffen zu kommen.

Feminismus ist schon für viele Frauen nicht attraktiv, weil sie zum einen männliche Männer mögen, die aktiv sind und nicht super vorsichtig, und die eher etwas versuchen als zu passiv zu sein. Aber auch, weil sie gerne über andere Frauen lästern und sie als Schlampen bezeichnen. Es ist eben intrasexuelle Konkurrenz und die ist schwer auszuschalten.

Tatsächlich dürfte der Slogan, „Ich brauche (gemäßigtes) Pickup, weil es zuviele sexuelle Belästigungen gibt“ weitaus mehr Kausalität haben. Denn dann hätte der Handelnde sie nicht einfach begrabschen müssen, sondern eine vernünftige Eskalationsreihenfolge eingehalten bei der er dann eben andere Handlungsoptionen gehabt hätte und sich hätte bewußt machen können, dass Verführung Vertrauen braucht.

Taschenspielertricks im Feminismus zur Abwehr von Kritik

Auf Geschlechterallerlei fand ich einen interessanten Kommentar von Neuer Peter

Nein, du gehst da einem Taschenspielertrick der Feministen auf den Leim. Der Feminismus soll weiterhin mit Gleichberechtigung assoziiert werden, auch wenn alle wirkmächtigen Akteure des derzeit vorherrschenden Feminismus der Gleichberechtigung aktiv entgegenwirken.

Dadurch fällt es dann leicht, Menschen, die zumindest kein Lippenbekenntnis zum Feminismus ablegen, moralisch zu diskreditieren und Kritik an den totalitären Auswüchsen des Feminismus zu diffamieren.

Ist eine feministische Position dann tatsächlich einmal als das entlarvt, als was sich heutige feministische Positionen häufig herausstellen, nämlich als autoritär, freiheitsfeindlich und dem Prinzip der Rechtsgleichheit feindlich gesinnt, kann man sich dann über den wahren Schotten herausreden: Nun gut, das waren dann eben KEINE WAHREN FEMINISTEN.

Der vorherrschende Feminismus ist ein Wolf im Schafspelz. Seine Wolfstaten rechtfertigt er, indem er jegliche Kritik daran als Schafsfeindlich diffamiert. Und du hilfst ihm dabei, indem du den Wolf und den Pelz als zwei verschiedene Entitäten darstellst.

Es gibt kein Schaf. Das Schaf ist vollkommen machtlos, hat politisch nicht das geringste zu sagen.

Das finde ich einen interessanten Mechanismus:

  1. Wir sind die Guten, weil wir für Gleichberechtigung sind
  2. Wenn man nicht mehr leugnen kann, dass im Feminismus vieles nicht auf Gleichberechtigung hinausläuft, sondern auf totalitäre Ansätze, dann wird darauf abgestellt, dass dieser Teil des Feminismus eben nicht der wahre Feminismus ist

Das ist mir in der Tat schon häufig untergekommen. Gerne auch in der Form:

A: Das vertritt der Feminismus doch gar nicht! Keiner ist so extrem!

B. Doch, schau hier schreiben es Feministen selbst in diversen Quellen

A. Das ist dann jedenfalls nicht _mein_ Feminismus!

Das ist dann teilweise einfach Unwissen darüber, was der Feminismus eigentlich vertritt, weil sich die wenigsten Feministinnen tiefer mit der dortigen Theorie beschäftigen

Feminismus-Varianten

Bombe 20 schreibt in einem Kommentar:

Da die Analyse verschiedener Feminismus-Varianten gerade so in Mode ist, hätte ich gern mal ein paar Meinungen zu einer Differenzierung, die mir schon eine Weile im Kopf rumspukt, von der ich aber unsicher bin, ob sie sinnvoll und wenn ja, abschließend ist. (“Feministin” ist im Weiteren ein generisches Femininum.)

Die Aufteilung:

1. Politischer Feminismus
2. Theoretischer Feminismus
3. “Rebellische Mädchen”-Feminismus
4. “Coffee Shop”-Feminismus
5. kritischer Feminismus

Im Detail:

1. Der politische Feminismus ist im Wesentlichen das Ergebnis der Tatsache, daß Politiker und Parteien Alleinstellungsmerkmale brauchen, und diese sinnvollerweise so wählen, daß sie -ihrer Meinung nach- von möglichst vielen Wählern als stimmentscheidend beurteilt werden. Außerdem müssen Politiker für die Zeit nach ihrem Ausscheiden aus der Politik planen. Die eigentlichen Inhalte oder gar die Theorien dahinter sind dabei überhaupt nicht so wichtig, wichtig ist, daß den Wählern leicht deutlich gemacht werden kann, daß man sich für “die Frauen” einsetzt.

2. Der theoretische Feminismus produziert (oder klaut) Theorien (im weitesten Sinne) und Konzepte wie “Patriarchat”, “Rape Culture”, “hegemoniale/toxische Männlichkeit” etc. Motivation kann (ursprünglich) eigene Betroffenheit sein, Männerhaß, oder schlicht die Erkenntnis, daß hier sichere Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst -mit Glück sogar eine verbeamtete Professur- oder zumindest ein brauchbarer Lebensunterhalt aus Buchverkäufen, Vorträgen oder Schulungen winken können.

3. Rebellische Mädchen sind im Wesentlichen genau das. Irgendwann in ihrer (möglicherweise grotesk verlängerten) Pubertät haben sie einen Weg gesucht, sich möglichst laut von der Mehrheitsgesellschaft abzusetzen. Bei einem Teil werden eigene Betroffenheit und Männerhaß eine Rolle spielen, aber im Prinzip hätten sie je nach sozialem Umfeld in dieser Phase auch Punks, Linksalternative (wobei es da natürlich deutliche Einflüsse und Überschneidungen gibt), Goths, Antifas, Mode-Nerds oder Mitglieder der Jungen Alternative werden können.
Sofern ein rebellisches Mädchen keinen Anschluß an den politischen oder theoretischen Feminismus findet, dürfte diese Phase mit dem Eintritt ins Berufsleben meist beendet sein.

4. Coffee-Shop-Feministinnen definieren Feminismus als den Einsatz für Gleichberechtigung, oder auch nur als die Ansicht, daß Männer und Frauen gleichberechtigt sein sollten. Ihr Bild vom Feminismus haben sie aus den Medien, oft dürfte auch die Sozialisation einen wichtigen Einfluß gehabt haben. Über den radikalen oder männerfeindlichen Feminismus wissen sie nichts, über Benachteiligungen von Männern haben sie sich nie Gedanken gemacht oder sie als Einzelfälle abgetan.
Das Engagement von Coffee-Shop-Feministinnen kann sich auf die Selbstbezeichnung als Feministin beschränken, aber auch im Betreiben eines Blogs oder der aktiven Mitarbeit in einer für Frauenprobleme relevanten Organisation bestehen.

5. Kritische Feministinnen würden vermutlich von niemandem als sich selbst als Feministinnen bezeichnet. Sie waren mal Coffee-Shop-Feministinnen, aber die Konfrontation mit den radikalen und misandrischen Auswüchsen der anderen Feminismus-Varianten hat sie zu einer Einstellung kommen lassen, die Vertreterinnen dieser nur als antifeministisch erscheinen kann.

Überschneidungen und Wanderungen zwischen diesen Kategorien sind selbstverständlich möglich.

Wechselwirkungen:

1. Politische Feministinnen müssen wie erwähnt darauf achten, im gesellschaftlichen Mainstream anschlußfähig zu bleiben. Konzepte des theoretischen Feminismus können sie also nur aufgreifen, wenn sie von den Wählern auch verstanden werden. In Deutschland wären das z.B. das gut eingeführte “Patriarchat” oder die “gläserne Decke”, aber (noch) nicht etwa “Rape Culture”. Die rebellischen Mädchen und kritischen Feministinnen ignorieren sie sicherheitshalber, während die Coffee-Shop-Feministinnen ein wertvolles Wählerpotential darstellen, das aber allein mit feministischen Themen meist nicht zu heben ist.

2. Der theoretische Feminismus existiert weitgehend im Elfenbeinturm. Anknüpfungspunkte an den politischen Feminismus sind ihm allerdings wertvoll, weil hier zum einen gesellschaftlicher Einfluß zu erlangen ist, aber auch weitere Arbeitsplätze winken, etwa als “Berater”, “Gender-Coaches” oder in den Stiftungen der Parteien. Kritische Feministinnen können eine Bedrohung darstellen, wenn sie selbst einen akademischen Hintergrund haben, werden aber nur dann bekämpft, wenn sie absolut nicht mehr totgeschwiegen werden können, was wegen der guten Verbindungen zum politischen Feminismus eher selten der Fall ist.

3. Die Rebellen sind prinzipbedingt für alles offen, das ihnen erlaubt, sich noch lauter und radikaler zu gebärden. Dies betrifft insbesondere natürlich Konzepte aus dem theoretischen Feminismus, die Männer als Unterdrücker und Frauen als unschuldige, (bisher) hilflose Opfer zeichnen.

4. Da Coffee-Shop-Feministinnen den Feminismus widerspruchsfrei als “das Gute” einsortiert haben, sind sie oft anfällig für Einflüsse aus dem politischen und theoretischen Feminismus. Wenn sie etwa erfahren, daß die “Rape Culture” ein Konzept aus der feministischen “Wissenschaft” ist, werden sie es oft selbst dann als wahr übernehmen, wenn seine Inhalte ihrer Lebenswirklichkeit vollkommen widersprechen. (Hier wird dann im Zweifel der Confirmation Bias wirksam.)
Die misandrischen Anteile der Theorien (iwS, natürlich) nehmen sie anfangs nicht wahr, bei Konfrontation werden sie entweder geleugnet (“Es geht doch nicht um alle Männer.”) oder schlimmstenfalls übernommen (“Naja, mein Peter ist natürlich nicht so, aber Männer im Allgemeinen…”). Gelegentlich kann es aber auch zur kritischen Hinterfragung der eigenen Position kommen.

Werden sie mit den radikaleren Auswüchsen des Feminismus konfrontiert, ist dies erst einmal ein Fall für den Rationalisation Hamster (“Das ist bestimmt nicht so gemeint/aus dem Zusammenhang gerissen/Ergebnis einer schlimmen Kindheit/nur Satire.”), schlimmere Beispiele führen zur Entdeckung des “Mein-Feminismus-Feminimus”. (“Das ist nicht mein Feminismus” wird man nur -dafür aber häufig- von dieser Gruppe hören. Für 1-3 wäre eine solche Unterscheidung nicht zweckdienlich oder gar gefährlich, und für kritische Feministinnen ist die Ablehnung männerfeindlicher und Frauen infantilisierender Feminismusströmungen sowieso Programm.)

Coffee-Shop-Feministinnen, für die der Feminismus (noch) nicht identitätsstiftend geworden ist, dürften im Allgemeinen empfänglich für Feminismuskritik sein, sofern sie nicht pauschalisierend und brachial daherkommt, was durchaus auch zur Ablehnung des Labels “Feministin” führen kann. Radikaler Antifeminismus könnte dagegen eher auch umgekehrt zu einer Radikalisierung führen (“Das ist der Beweis, daß der Feminismus auch heute noch wichtig ist.”).

Ich bin der Überzeugung, daß ein erheblicher Anteil der Maskulisten und Antifeministen ursprünglich aus dieser Gruppe stammt.

5. Die radikalen Auswüchse des politischen und theoretischen Feminismus stellen ja gerade den Existenzgrund für kritische Feministinnen dar, entsprechend auch ihre Hauptmotivation.

Soweit meine Überlegungen, zu denen ich gern Meinungen und Ergänzungen gehört hätte. Findet Ihr sie richtig, falsch, zielführend, zeitverschwendend, vollständig, unvollständig?

Ich überlege zum Beispiel, ob journalistischer Feminismus (vom unreflektieren Übernehmen der Pressemeldungen feministischer Organisationen über die taz bis zum #Aufschrei-Astroturfing gewisser “Medienberaterinnen”) eine eigene Kategorie darstellt oder je nach Opportunismus oder Überzeugung Teil (einer Schnittmenge) von 1, 2 und 4 ist. Ebenso für feministische NGOs, insbesondere solche mit signifikanter Öffentlichkeitswirkung.
“Lebensunterhalt-Feminismus” als Hauptmotivation gibt es klar in 1 und 2 (und wenn man den Femen-Hintermann mitzählt, auch in 3), ist da die Motivation nicht vielleicht wichtiger als die Ausdrucksform?

Finde ich eine gelungene Einteilung, Die „Coffeshop-Feministinnen“ haben denke ich einige mit dem, was hier unter „Mein Feminismus-Feminismus“ aufgeführt wurde gemein.

Der „Mein Feminismus“-Feminismus

Bei Onyx hatte Neuer Peter wie folgt kommentiert

Es hat nichts mit Kaffeesatzleserei zu tun, wenn man weiß, dass das Gedankengut von Schwarzer (die ich hier pars pro toto für ihre doch recht einflussreiche Fraktion verstanden wissen will) massiv von den misandrinen Werken von Dworkin, MacKinnon und Brownmiller beeinflusst wurde. Ebenso klar ist auch, dass die Mädchenmannschaft die amerikanischen Konzepte der Standpunkttheorie und der Identitätspolitik nach Deutschland importiert. Und auch die Initiatorin des Aufschreis, Anne Wizorek, hängt dem menschenfeindlichen Konzept der Rape Culture an:

https://personaldemocracy.com/anne-wizorek

Welche einflussreichen Feministen haben wir denn nun in Deutschland?

– Schwarzer (die deutsche Dworkin) und Co.
– die neuen Netzfeministen um die Mädchenmannschaft (die Identitätspolitik-Import-AG)
– Die Truppe um Anne Wizorek (Rape Culture)
– Femen (“Das Blut der Männer wird fließen”)
– Die Feministen der Piraten (Creeper Cards, “Awareness”-Teams, Rape Culture, Standpunkttheorie)
– die Feministen light der SPD (“männliche Gesellschaft überwinden”)
– und die Grünen (“Mädchen sind das talentiertere Geschlecht”, Männerdiskriminierung bereits in der Satzung angelegt)

Das sind die Leute, die das Bild des Feminismus in Deutschland prägen. Und wen haben wir auf der anderen Seite?

– Esther Vilar (wurde vor Jahrzehnten aus dem Land gejagt)
– Robin, Maren und dich. Nichts für ungut, aber wieviele Leser habt ihr zusammen? Ein paar Hundert?

Ich finde es ja großartig, dass ihr einen menschenfreundlichen Feminismus vertretet, der Gewaltaufrufe ablehnt. Nur stellt ihr innerhalb der Bewegung leider eine leise Minderheit dar.

Da hat er aus meiner Sicht durchaus recht: Gemäßigte Feministinnen kommen kaum in der öffentlichen Wahrnehmung vor. Jedenfalls fällt ein kein Name dazu ein. Die radikaleren Theorien sind vorherrschend bei denen, die man im Diskurs wahrnimmt.

Ein Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass der „untheoretische Feminismus“ gar keine tatsächliche Abgrenzung zur feministischen Theorie vornehmen möchte und indem Moment, in dem er das tut eigentlich schon fast außerhalb des Feminismus steht. Ich schrieb dort als Kommentar:

@neuer Peter

„Und wen haben wir auf der anderen Seite? – Robin, Maren und dich. Nichts für ungut, aber wieviele Leser habt ihr zusammen? Ein paar Hundert“

Ein weiteres Problem des „mein Feminismus ist anders, hör auf den Feminismus zu kritisieren“-Ansatzes ist ja, dass mit dessen Vertreterinnen eine tiefere Diskussion über die feministischen Theorien kaum möglich ist, weil sie sich eben nur sehr eingeschränkt in Opposition zu diesem stellen wollen. Es werden üblicherweise bestimmte Aktionen und bestimmte Leute moralisch kritisiert, aber es kommt selten ein „diese Aktion beruht auf der Theorie X und diese zugrunde liegende Theorie ist falsch, weil…“, verbunden mit einer Ortbestimmung, in welchen Teilen des Feminismus diese Theorie vertreten wird und zu was das führt.

Die Tweets oben haben ja einen direkten Bezug zu einer der populärsten feministischen Theorien, der Privilegientheorie in ihrer Ausprägung, dass immer eine Gruppe gegenüber einer anderen privilegiert ist und die benachteiligte Gruppe damit die andere nicht unterdrücken, sondern sich allenfalls gerechtfertigt wehren kann.

Das ist ja der Grund, warum die obigen Feministinnen davon ausgehen, gerechtfertigt zu sein und sich auf diese Weise verhalten zu können.

„Bitte seid nicht so misandrisch, mein Feminismus ist da ganz anders“ bringt da einfach nichts und klärt schlicht nicht auf, wo die Unterschiede liegen.

Aber dann müsste man sich natürlich mit der tatsächlichen Theorie beschäftigen, Gegentheorien entwickeln, die Konsequenzen davon tragen (zB Männer als potentiell benachteiligte Gruppe), mehr Anti(-gender-)feminismus betreiben, als einem lieb ist. Das erfordert ein nachhaltiges und unangenehmes Aufdecken von Fehlern innerhalb der feministischen Theorie, die man mit „Mein Feminismus ist anders, wir müssen gar nichts ändern, die sollen halt nur nichts Männerfeindliches sagen“ leicht unter den Teppich kehren kann.

Ohne Kritik an bestehenden feministischen Theorien und ohne entwicklung eigener wird sich der bisherige untheoretische „Mein Feminismus“ schlicht nicht durchsetzen können.

Dafür ist er recht bequem.

 

Sprich: Eine wirklich gemäßigte Position erfordert, dass man sich von den radikalen Kräften abgrenzt, was wiederum viel Arbeit ist und wenn man sie erst einmal anfängt, dann macht man sich schnell angreifbar.

Neuer Peter ergänzte dazu:

 

Damit hast du dem Phänomen einen guten Namen verpasst. Der “Mein-Feminismus-Feminismus”.

Wobei wir absolut nicht klar ist, was der Mein-Feminismus-Feminismus eigentlich will, was seine gesellschaftspolitische Vision ist und welche Maßstäbe der Weltordnung er an die Wirklichkeit anlegen will.

Der Mein-Feminismus-Feminismus ist irgendwie für Gleichberechtigung, klar. Und er ist ein Feminismus, weil der Feminismus für Gleichberechtigung ist. Wenn er das nicht ist, ist er eben kein Feminismus, oder zumindest nicht “Mein Feminismus”. Deswegen sind alle feministischen Forderungen für Gleichberechtigung auch Forderungen des Mein-Feminismus-Feminismus. Es sei denn, jemand arbeitet heraus, dass diese mit Gleichberechtigung nichts zu tun haben. Dann haben sie auch nichts mit dem Mein-Feminismus-Feminismus zu tun. Mein-Feminismus-Feministen finden es ganz schrecklich, wenn man den Feminismus kritisiert. Weil es den ja nicht gibt und er außerdem nicht ihrer ist. Und da der Mein-Feminismus-Feminismus eben für Gleichberechtigung ist, muss das auch für den Feminismus an sich gelten. Also, den wahren. Auch wenn allesamt alle wirkungsmächtigen feministischen Strömungen der letzten Jahrzehnte das Gegenteil bewiesen haben und alle einflussreichen Feministen aus der Politik, den Medien und der Landschaft des öffentlichen Diskurses nachweislich anderes taten. Das ist eben nicht Mein-Feminismus. Und damit auch kein wahrer.

Der Mein-Feminismus-Feminismus ist eine vollkommen schwammige, unausgegorene Nicht-Positionierung, die allein auf wohlklingenden Assoziation mit dem Wort Feminismus beruht, ansonsten aber schlicht keine Substanz aufweist.

In der Tat bleibt diese Form des Feminismus, also die Form, die eine sehr vage Zuordnung zum Feminismus vornimmt und bei allem, was dort zu kritisieren ist, darauf abstellt, dass das eben in „ihrem Feminismus“ gar nicht vorkommt, ohne sich mit der Theorie dahinter zu beschäftigen, sehr vage.

Es werden eben kaum übergeordnete Theorien entwickelt, es wird eher Einzelfall bezogen entschieden. Es wird sich eher von Leuten und konkreten Vorfällen distanziert als eine Einordnung in das große Ganze vorgenommen. Es bleibt irgendwie eine Feminismus nach dem Bauchgefühl, der sich gegen Kritik immunisiert, indem er keine tatsächliche Position hat und insofern nur negativ abgrenzt, was NICHT sein Feminismus ist. In dieser Form des Feminismus ist nicht wichtig, wie man eine Position begründet, sondern eher, wie man sie normativ wertet.

In einem weiteren Kommentar hier im Blog sagte Neuer Peter dann zu dem Thema der normativen Wertung:

Ja, daher kommt wohl auch die stete feministische Forderungen, immer sofort eine normative Positionen einzunehmen, wenn man eigentlich nur ein Phänomen beschreiben will. Wenn wir beispielsweise über Rollenzwänge vergangener Zeiten reden, wird sofort gefragt, ob ich dazu eine ablehnende oder zustimmende Haltung einnehme.

Mich nervt das extrem. Es kommt mir zum einen wie eine Ablenkung vor und zum anderen als Vorbereitung für den Versuch, meinen Standpunkt moralisch zu diskreditieren. Für viele Feministen, so scheint mir, ist alles, was ich auf der deskriptiv-analytischen Ebene aussage, aber nur Vorgeplänkel. Erst die normative Positionierung dringt zum Kern der Sache vor.

So muss sich wohl auch eine Feministin fühlen, wenn von ihr ständig eine abstrakte Einordnung einer Alltagserfahrung verlangt wird.

Hier zu fällt einem schnell die Abgrenzung zwischen dem systematischen und dem empathischen Gehirn ein. Aus einem jüngeren Artikel dazu:

“If you look at functional studies, the left of the brain is more for logical thinking, the right of the brain is for more intuitive thinking. So if there’s a task that involves doing both of those things, it would seem that women are hardwired to do those better,” Verma said. “Women are better at intuitive thinking. Women are better at remembering things. When you talk, women are more emotionally involved – they will listen more.”

She added: “I was surprised that it matched a lot of the stereotypes that we think we have in our heads.

Anscheinend spielen auch in der Art, wie wir über die Geschlechter diskutieren, die im Schnitt bestehenden Geschlechterunterschiede eine gewisse Rolle.