„Männer sind halt unfähig“

Sibylle Berg schreibt im Spiegel in einem Artikel mit dem Titel: „Männer sind halt unfähig„:

Wir müssen nicht die Männer fördern, sondern sehr schnell den Frauen 50 Prozent Macht und Einfluss geben – und das mit Gesetzen, Kindergartenplätzen und männlicher Kameradschaft. Und wir müssen es jetzt tun. Denn es scheint nicht mehr soviel Zeit zu bleiben, wenn man den Untergang des Systems Erde beobachtet. Es wird uns, der Bevölkerung, nicht gelingen, gemeinsam etwas Vernünftiges zu erreichen. Die Umwelt zu retten oder das Leben für alle angenehm zu machen, das steht ja auch in keinem Vertrag, dieses Recht auf ein angenehmes Leben. Ich habe keine Ahnung welche von der Macht ausgeschlossenen Gruppen es noch gibt – außer Frauen, Transgender, Homosexuelle und Behinderte -, die es besser machen könnten, als die bisher fast ausschließlich alleinbestimmenden Männer. Aber man sollte es versuchen. Und sei es nur, damit wir uns alle stolz die Hände geben können, wenn der Planet langsam im Wasser versinkt.

Klingt nach Standpunkttheorie:  Die Frauen oder andere Gruppen würden dann eben ihren ganz besonderen Standpunkt einbringen und dann alles besser machen. Das sich mit dem Geschlecht der Politiker nicht so viel ändert zeigt hingegen Merkel.

Es ist zudem ein ziemlicher Essentialismus: Frauen als Gruppe sollen die Menschheit retten, weil sie eben die negativen Aspekte, die Männer möglicherweise als Gruppe anhaften, hoffentlich nicht besitzen, sondern alles ganz anders machen.

Dass das bisherige System erstaunliche Fortschritte bewirkt hat und weder Männer noch Frauen bereit sind auf Luxus zu verzichten – geschenkt.  Es bleibt die Hoffnung, dass Frauen die besseren Menschen sind.

Matriarchat: Als Gesellschaftsform unbeliebt

Hier die Auswertung der Umfrage „Willst du in einem Matriarchat leben?“ (nach den Regeln von Heide Göttner-Abendroth).

Die Auswertung ergibt:

  • von den Männern wollen ca. 97% nicht in einem Matriarchat leben, einer von 35 will
  • von den Frauen wollen 80% nicht in einem Matriarchat leben, 2 von 10 wollen.
Kein Vertrauensbeweis für das Matriarchat. Auch die in den Kommentaren genannten Gründe wie „Ich mag moderne Technik und Individualität“ finde ich recht nachvollziehbar, dass Gegenargument „Damit willst du auch die Vergewaltigungen der patriarchalischen Gesellschaft“ finde ich im Gegenzug etwas schwach. (Zumal wir ja auch wenig über die Dunkelziffer in Matriarchaten wissen, schließlich sind sie so gesehen ein feministischer Alptraum: Keine anonyme Anzeige möglich, keine Spurensicherung, keine feste Instanz, willkürliche Prozesse vor einer großen Gruppe ohne Anonymität und Verurteilungen des Täters erfordern einen Konsens des Dorfes einschließlich der Verwandten und Freunde des Täters (oder wie kann man sich einen solchen Prozess dort vorstellen?)
Nun ist mir aber natürlich bewusst, dass die Aussagekraft der Umfrage gering ist, vielen Lesern dieses Blogs wird man wohl eine gewisse Abneigung gegen Matriarchate unterstellen können und der Frauenanteil ist auch recht gering.
Vielleicht mag ja ein anderer Blog die Umfrage aufnehmen, evtl Khaos.Kind oder Onyx oder gar der Mädchenblog oder die Mädchenmannschaft. Mich würde mal interessieren, wie hoch die Zustimmung in diesen Bereichen wäre. Ich vermute ebenfalls relativ gering, da die Kriterien der Frau Göttner-Abendroth nach meiner Vorstellung die meisten modernen Frauen eher abschrecken.

Kriterien für ein Matriarchat

Das Matriarchat ist nach ursprünglicher Definition  ist eine gynozentrische Gesellschaftsstruktur, in der entweder Frauen die Macht innehaben oder die frauenzentriert ist, die Gesellschaftsordnung also um die Frauen herum organisiert ist.

Ähnlich wie beim Patriarchat, bei dem es ebenso ursprünglich darum ging, dass Männer die Macht haben, ist diese Definition aber politisch umgedeutet worden, so dass ein Matriarchat nunmehr keine Machtfrage ist, sondern für davon unabhängige Strukturen steht.

Nach Heide Göttner-Abendroth gelten gegenwärtig die folgenden Kriterien für Matriarchate:

Soziale Merkmale: Die Sippen sind matrilinear strukturiert (Abstammung von der Mutterlinie) und werden durch Matrilokalität und Uxorilokalität zusammengehalten (Wohnsitz bei der Mutterlinie). Ein Matri-Clan lebt im großen Clanhaus zusammen. Biologische Vaterschaft ist neben der sozialen Vaterschaft zweitrangig.

Das die Abstammung von der Mutterlinie genau so unmodern und nicht besser ist als eine Abstammung von der Vaterlinie geht dabei gerne unter. Eine moderne Gesellschaft sollte wohl einfach beide Abstammungen, die von der Mutter und dem Vater berücksichtigen. Und das solche Gesellschaften relativ starre Regeln haben, bei denen man eben in einem Clanhaus zusammenleben muss, was ich zB nicht wollte, erscheint mir auch nicht häufig thematisiert zu werden.

Politische Merkmale: Das politische System basiert auf Konsensdemokratie auf verschiedenen Ebenen (Sippenhaus, Dorf, Regional). Delegierte agieren als Kommunikationsträger zwischen den verschiedenen Ebenen. Es handelt sich um so genannte segmentäre Gesellschaften, die sich durch das Fehlen einer Zentralinstanz auszeichnen (regulierte Anarchie).

Das erklärt immerhin, warum Matriarchate nicht groß werden können. Ihnen fehlt eine größere planende Instanz, die man für eine Infrastruktur und ähnliche Errungenschaften der modernen Welt braucht. Eine Autobahn zu planen ohne eine Zentralinstanz wird beispielsweise kaum möglich sein. Was das ganze allerdings mit einem Matriarchat zu tun hat erschließt sich mir nicht. Ich denke es gibt genug Frauen, die gerne mit einer zentralen Verwaltung leben und ein Repräsentationsprinzip für gut befinden. Die Behauptung, dass Anarchie gerade sehr weiblich ist, setzt eigentlich fast zwangsläufig einen Differenzfeminismus voraus und würde sicherlich in gleichheitsfeministischen theoretischen Abhandlungen abgelehnt werden müssen. Schließlich kommt es in der konstruierten Gesellschaft nur auf die Erziehung an, so dass die Vorstellung, dass Frauenstaaten anders organisiert sein müssen als Männerstaaten eigentlich inkonsequent wäre.

Ökonomische Merkmale: Es handelt sich meistens um Garten- oder Ackerbaugesellschaften. Es wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Land und Haus sind im Besitz der Sippe und kein Privateigentum. Die Frauen haben die Kontrolle über die wesentlichen Lebensgüter. Das Ideal ist Verteilung und Ausgleich und nicht Akkumulation. Dieser Ausgleich wird durch gemeinschaftliche Feste erreicht. Es handelt sich um so genannte Ausgleichsgesellschaften.

Eine Gesellschaft, die über eine Garten- und Ackerbaugesellschaft hinauskommt, bekommt damit schon einmal einen Abzugspunkt auf der Matriarchatsskala. Vielleicht ein Grund, warum „Patriarchate“ so beliebt auf der Welt sind, auch wenn Frauen mehr als die Hälfte der Wähler in freien, unabhängigen und geheimen Wahlen stellen. Denn welche Frau würde schon gerne ihre Konsumgesellschaft für eine Garten- und Ackerbaugesellschaft aufgeben? Immerhin hätte man da auch den Beleg, dass Matriarchate sexistisch sind, denn Frauen die Kontrolle über die wesentlichen Lebengüter zu geben ist zunächst einmal genau das: Sexismus. Und umgekehrt einer der beliebtesten Vorwürfe des Feminismus gegenüber dem Patriarchat. Das es dann gerecht sein soll, wenn es umgekehrt ist, dass lässt sich wohl eben auch nur mit einem Differenzfeminismus erklären, indem die Frauen besser sind als die Männer. Auch hier sollte eine Gleichheitsfeministin angewidert den Kopf schütteln, wenn sie ihre Theorie ernst nimmt und für eine Gleichberechtigung eintritt.

Weltanschauliche Merkmale: Der Glaube, in der eigenen Sippe wiedergeboren zu werden, und der Ahnenkult bilden die Grundlage der religiösen Vorstellungen. Die Welt gilt als heilig. Die Erde als die Große Mutter garantiert die Wiedergeburt und Ernährung allen Lebens. Sie ist die eine Urgöttin, die andere Urgöttin ist die kosmische Göttin als Schöpferin des Universums. Es handelt sich um sakrale Gesellschaften.

Widerliche Mutterverklärung. Das eine atheistische Gesellschaft anscheinend kein Matriarchat sein kann ist insoweit auch interessant. Auch hier scheint mir die Sichtweise nur bei einem Differenzfeminismus aufrecht zu halten zu sein. Denn ansonsten macht der hier vertreten Mutter Mythos schlicht keinen Sinn.

Die Matriarchatsforschung legt damit mit ihren Kriterien einen Unterschied zwischen Mann und Frau zugrunde. Das Antje Schrupp sich damit anfreunden kann, verwundert im Prinzip nicht. Oder er ordnet positive Kriterien ohne weitere Begründung Männern und Frauen zu, was aber den Begriff Matriarchat beliebig macht.

Interessant finde ich auch, dass auf den größeren feministischen Blogs, die ja allesamt keinen Differenzfeminismus vertreten, keine Kritik hierzu kommt. Interne Kritik im Feminismus ist eben unerwünscht.

Eine weitergehende Liste der Anforderungen hat Inge Jahn auf ihrer Seite:

  • Matrilokalität
  • Matrilinearität
  • volle Verfügungsgewalt der Frauen über den eigenen und den Gemeinschaftsbesitz
  • Sippe/Clan statt Kleinfamilie
  • sexuelle Unabhängigkeit und Freiheit beider Geschlechter (Anmerkung von mir: es gibt keine Prostitution und keine Vergewaltigungen)
  • Besuchs- und Gruppenehe statt Monogamie
  • Gewaltfreiheit, konstruktiver Umgang mit Aggression
  • Macht bedeutet Kompetenz und Verantwortung
  • keine schriftlichen, stehts bindenden Gesetze, sondern Konsensgesellschaften
  • Freigebigkeit, Gegenseitigkeit, Verhinderung von Hierarchien (Anmerkung von mir: Besitz wird zum Wohle aller verwaltet, er dient nicht zur Bereicherung einzelner)
  • Individualität, Autonomie, Respekt, Einbringen in die Gemeinschaft
  • Ritual, Alltag und Freizeit gehen ineinander über
  • Gemeinschaften in überschaubaren Größen
  • keine Exekutive, auch in zentralistischen Gesellschaften
  • Egalität mit Überwiegen der weiblichen Werte und damit der weiblichen Personen
  • Göttin als Personifizierung der Schöpfung
  • aktiv gesehene Weiblichkeit
  • Fruchtbarkeit bedeutet „Fülle des Lebens“ nicht „Wachstum“
  • Mutterschaft wird gemeinschaftlich aufgefasst
  • zyklisches Denken und Feiern (im Rhthmus der Jahreszeiten, der Sonne und des Mondes, manchmal bestimmter Sterne)

Einen Großteil der Punkte hatten wir bereits oben. Meiner Meinung nach sind viele der Kriterien eher Anzeichen für eine kleine Gemeinschaft mit hohem Bekanntheitsgrad untereinander, was allein Vergewaltigung und Prostitution reduzieren wird, weil eine höhere soziale Verantwortung entsteht. Das beides verschwindet glaube ich allerdings nicht. Wahrscheinlich findet es nur weniger offensichtlich statt. Das Macht Kompetenz bedeutet dürfte auch ein frommer Wunsch sein. All dies erscheint eher eine Verklärung zu sein, als eine real existierende Gesellschaft. Gegen das Argument, dass es diesen oder jenen Punkt in matriarchalischen Gesellschaften nicht oder doch gibt, lässt sich dann zumindest das alte „No true Scotsman“-Argument anführen.

Es wäre einmal interessant, eine Umfrage zu machen, wie viele Frauen so leben wollen. Mal sehen was zumindest die Leser des Blogs denken, ich füge daher eine Umfrage bei. Dabei sind Männer und Frauen der besseren Übersicht halber getrennt.

Die Umfrage für Männer:

 

Die Umfrage für Frauen:

Begründungen zur Abstimmung natürlich gerne in den Kommentaren. Kleine Anregung: Wenn ja: Was überzeugt euch besonders? Wenn nein: welches Merkmal schreckt euch am meisten ab?

Gesellschaften ohne Macht

Martin Bartonitz schreibt in einem Kommentar

man kann ein Matriarchat Niemanden anvertrauen, da Matriarchat keine Macht über einen anderen kennt.

Roslin erwidert:

Es gibt keine menschlichen Beziehungen ohne Dominanzverhältnisse, Machtspiele, Machtbeziehungen.

Ich sehe es hier ähnlich wie Roslin. Eine Gesellschaft ohne Machtstrukturen kann es so gut wie nicht geben. Einige kleine Inselgemeinschaften mit geringem Konkurrenzdruck und hoher interner Verwandschaft können möglicherweise (unter Aufgabe ihrer Wettbewerbsfähigkeit) nahezu machtfrei leben, auf größere Menschen  in einem direkten Konkurrenzverhältnis mit anderen und in einer modernen Zivilisation erscheint mir allerdings ein solches machtfreies Gemeinschaftsleben nicht umsetzbar. Die Organisation gewisser Abläufe ist nur innerhalb bestimmter Machthierarchien möglich und um so anonymer die Leute werden, um so weniger sie miteinander zu tun haben, um so eher werden auch Eigeninteressen umgesetzt, die einen Machtgewinn bewirken oder aber zur Eindämmung Gegenmachtstrukturen erfordern.

Eine Gesellschaft, in der alle gleich sind, in dem jeder nach seinen Möglichkeiten leistet und nach seinen Bedürfnissen erhält,  ist eine nicht umsetzbare Utopie, die entweder an den Eigeninteressen scheitert oder daran, dass umliegende Kulturen sich schneller entwickeln, eben weil die Möglichkeit eigene Interessen zu fördern den Fortschritt fördert.

Hinzu kommt, dass Status gerade Männer attraktiv macht, was ihnen auch immer ein Interesse daran bietet.

„Mutter Mythos“-Feminismus

Eine Spielart des Feminismus ist der „Mütterverherrlichungsfeminismus“. Er wird meiner Meinung nach eher von sehr weibliche denkenden Personen, häufig eben Müttern, vertreten.

Kennzeichen sind eine verherrlichung der Mutter und Frau als Quelle alles Guten und Schöpferin des Lebens, die auch gerne in eine spirituelle Sichtweise abdriftet und einen Göttinenkult begründet.

Ein Beispiel zeigt sich meiner Meinung nach gerade in einem Gastartikel bei der Mädchenmannschaft von Kirsten Armbruster

Ich zitiere einfach mal:

Wenn du als Mutter, dein Maul aufmachst, um bittere Wahrheiten auszusprechen, die aber im Patriarchat niemand hören will, kriegst du eine auf´s Maul.
Mütter, die unsichtbare Macht hinter allem Leben! Denn kommt durch unsere Fotze nicht das neue Leben in die Welt und nähren wir mit unseren Titten nicht eben dieses neue Leben? Diese Diskrepanz zwischen der wahren Lebensmacht von Müttern und ihrer gleichzeitigen Machtlosigkeit im Patriarchat, das ist das, was uns zu Recht bitter macht!

Oder auch:

Mütter und Macht, scheint das nicht ein Widerspruch an sich? Ach wie gut, dass keine weiß, dass Macht ursprünglich ein altes Wort für Scheide, also Fotze ist. Wir kennen diese alte Bedeutung kaum mehr, und nur noch indirekt begegnen wir sprachlich dieser uralten Müttermacht, nämlich in dem Wort Gemächte für das männliche Glied.

Oder eben:

Schon der Begriff work-life-balance in Verbindung mit Müttern ist eine patriarchale Lüge, tatsächlich müsste es heißen: work-work-imbalance, denn Mütter arbeiten doppelt und bekommen besonders wenig Geld: als Teilzeitkräfte, aus geschlechtlicher Benachteiligung bei den Löhnen und weil ihre Familienarbeit als nicht geldwert erachtet wird. Würde es sich wirklich um work-life-balance handeln, würden Männer Schlange stehen beim Putzen, Bügeln, Kochen, Einkaufen, Kinder und ältere Menschen Versorgen! Doch da hilft nur eins, liebe Mütter: Werdet euch endlich wieder eurer Lebensmacht bewusst, der Macht neues Leben zu gebären. Streikt und weigert euch unter diesen Bedingungen Kinder zu bekommen und die, die bereits Kinder haben, nutzt euren weiteren Machtbereich, die Arbeitsmacht.

Und im spirituellen Bereich:

Boykottiert patriarchale Strukturen, tretet endlich aus den Kirchen aus, holt euch unsere uralte mütterliche Geschichte zurück, denn die erste Kulturstufe des Menschen war eine mütterliche Kulturstufe und dort finden wir auch die Wurzeln einer richtigen Religion, die sich mit der Erde und der Landschaft zurückbindet, denn von religio kommt das Wort Religion. Tretet in den Gebärstreik und fangt mit einem Arbeitsstreiktag pro Woche an. Diese neu gewonnene Zeit verwendet darauf euch wieder mit unseren menschlichen Wurzeln zu beschäftigen. Dann werdet ihr wieder starke,lebensmachterfüllte Mütter sein, und die Ohnmacht hinter euch lassen.

Mir persönlich wird dabei erst einmal schlecht, wenn ich diesen Lobgesang auf die selbstlose Mutter lese. Die Übertragungsleistungen der Männer, die gerade in der Ehe enorm sind (Unterhalt, Zugewinn, Versorgungsausgleich) bleiben ausgeblendet, ebenso der Anteil der Arbeit, den Männer kostenlos erledigen. Ich hatte dazu schon mal etwas in „Unbezahlte Arbeit in der Familie“ geschrieben. Aber nicht nur das, auch „die Macht der Fotze“ und die Rückbesinnung auf den idyllischen Urzustand des Matriarachats tragen dazu bei. Als Atheist habe ich eh nicht viel für Religionen übrig, insofern macht  eine neue Frauenreligion, in der „das Weibliche“ bzw. „die Mutter“ angebetet wird, da auch keinen Unterschied.

Immerhin regt sich auch in den Kommentaren bei der Mädchenmannschaft einiges an Widerstand.

Maskuline Instinkte und Matriarchate

Bad Hair Day hat einen Kommentar abgegeben, in dem viele diskussionswürdige Punkte enthalten sind:

„Wir haben derzeit eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform, die sich an den maskulinen Instinkten nicht nur Orientiert, sondern sie regelrecht zelebriert. Allerdings bemerken auch männer zunehmend, dass es auf dauer Pervertiert („The winner takes it all“).“

Inwiefern sind das Instinkte und inwiefern sind diese männlich?Ich denke, dass Kapitalismus auch das System ist, dass von Frauen unterstützt wird. Vielleicht wollen sie weniger mit den Praktiken zu tun haben, aber sie wollen in dem Land mit dem meisten Fortschritt leben und das ist eben ein kapitalistisches System.  Ich hatte das schon einmal in dem Artikel „Zuweisung von Eigenschaften nach Geschlecht bei Feministinnen“ angeführt.

Hier geht aber die Fragestellung noch weiter: Werden tatsächlich „männliche Instinkte“ gefeiert oder wird einfach ein effektives System, hier eben der Kapitalismus, angewendet?

Ich finde es unheimlich spannend, Matriarchate (die ja eben gerade nicht durch Patriarchinnen gekennzeichnet sind) mit Patriarchaten zu vergleichen. Und zu schauen was Matriarchate und eher ausgeglichene Formen (da sind wir schon eher ein wenig mit unserer) zu extremen Patriarchaten werden lässt. Afganistan ist dafür ein Musterland.

Matriarchate sind ein weites Feld. Bei den prähistorischen Matriarchaten dürfte es sich im wesentlichen um Gründungsmythen handeln (via). Aber auch die modernen Matriarchate sind eher rar und weit weg von Idealgesellschaften. Die Strukturen dort sind keineswegs gerechter und es scheint bisher auch nicht möglich zu sein, solche Strukturen in eine moderne Gesellschaft zu übertragen. Insofern handelt es sich für Gesellschaften auf heutigen technischen Stand im wesentlichen um Utopien, meist zudem in idealisierter Form.

Der Patriarchatsbegriff an sich macht in der Geschlechterdebatte mehr kaputt als er an Nutzen bringt. Er verhärtet Fronten und baut einen Feind auf, der so nicht besteht (siehe auch Butler). Zumal wir in einer Demokratie leben.

Was Matriarchien zu Patriarchien werden lässt, ist, dass sich eine friedliche Gesellschaft ohne großen Wettbewerbsdruck die Strukturen einer Matriarchie leisten kann. Steht sie unter Druck kann sie dies nicht mehr, weil sie zuwenig Wettbewerb zulässt.