Warum es sexistisch ist, dass Männer weibliche Orgasmen mögen

Cosmopolitan bespricht eine Studie (zu etwas sehr ähnlichen vergleiche auch diesen Artikel zu einem Artikel in Everyday Feminism:

The study gathered 810 men to read a story where they had to imagine an „attractive woman“ either did or did not orgasm during sex with them. Each man was then asked to rate their sexual esteem and the extent to which they’d feel „masculine“ after experiencing the scenario. The results are what you’d expect: Men felt more masculine and felt high self esteem when they imagined a woman orgasmed during sex with them. „These results suggest that women’s orgasms do function — at least in part — as a masculinity achievement for men,“ researchers wrote.

Let’s be clear — there’s nothing wrong with feeling good about making your partner feel good (in this case, orgasming). It’s nice to bring pleasure to your partner! But the researchers point out a sexist flaw in the masculinity boost thing.

„Despite increasing focus on women’s orgasms, research indicated that the increased attention to women’s orgasms may also serve men’s sexuality, complicating conceptualizations of women’s orgasms as women-centric,“ researchers wrote.

In a separate statement from Chadwick and van Anders, they explained why it’s a bad thing for men to gain masculinity points for bringing female partners to orgasm. „One reason is that it might pressure some heterosexual men to feel like they have to ‚give‘ women orgasms, as if orgasm is something men pulled out of a hat and presented to women,“ they wrote. „This ties into cultural ideas of women as passive recipients of whatever men give them.“

Es ist schon faszinierend, dass man aus allem etwas negatives machen muss. Männer, die schon Sex mit einer gewissen Anzahl von Frauen hatten, dürfte recht schnell bekannt sein, dass einige Frauen sehr schwer zum Orgasmus zu bringen sind und andere sehr leicht und das es jeweils von der Situation abhängt. Ihre Fähigkeit sich auf den Sex einzulassen, sich zu entspannen und sich zB auch mit jemanden, den sie noch nicht so lange kennt, wohlzufühlen, trägt dazu bei, wie viel Arbeit der Mann hat und ob es überhaupt klappt. Aber natürlich spielen auch die Fähigkeiten des Mannes eines Rolle, weswegen beispielsweise viele Frauen die Idee, mit einem „Jungmann“ zu schlafen uninteressanter finden als viele Männer. „Gut im Bett sein“ ist eine Eigenschaft, die beide Geschlechter haben können, allerdings ist es eben zumindest einfacher einen Mann zum Orgasmus zu bringen als eine Frau (was es allerdings nicht weniger wertvoll macht, wenn eine Frau ihn zu einem großartigen Orgasmus bringen kann oder der Sex an sich großartig ist).

Im übrigen tritt dieser Effekt natürlich auch umgekehrt auf: Ein Mann, der aus irgendwelchen Gründen keinen hoch bekommt, wird einige Frauen auch verunsichern, es kann sie in eine Krise stürzen, bei der es darum geht, dass er sie nicht attraktiv findet. Und einen Mann nicht zum Orgasmus bringen zu können wird auch viele Frauen verunsichern, wenn es nicht einen Grund dafür gibt.

Allerdings ist weibliche Lust und ein einfacher und häufiger weiblicher Orgasmus in der Tat etwas, was den Sex sehr gut machen kann. Ich hatte dazu schon mal etwas geschrieben:

  • Die anstrengendste Variante Frau in Hinsicht Orgasmus ist die Frau, die nur auf eine ganz bestimmte recht komplizierte Art und Weise zum Orgasmus kommen kann und davon ausgeht, dass Männer, die das nicht hinbekommen können, keine Ahnung von Frauen haben und man sie herumkommandieren muss. Ich kann mir vorstellen, dass es für diese Frauen durchaus frustrierend ist, dass sie wissen, wie sie kommen und das natürlich auch erreichen wollen, aber wenn Sex erfordert, dass man detailierte Anweisungen im Befehlston umsetzen muss, dann macht er eben wenig Spaß. Nichts gegen helfende Anweisungen, jeder Mensch ist da anders und kennt sich selbst am besten, aber auch die sollten eben dem Anlass entsprechend sein (also nichts gegen ein „schneller, tiefer, nicht so tief“ aber eben kein „du musst in einer Violinschlüsselform lecken und das für X Minuten, aber nicht so, und dann in einem genauen X Takt stoßen, X takt habe ich gesagt, nun mach schon, nein genau der Takt, warum bekommen Männer das eigentlich nicht hin“). Wenn eine Frau sagt, dass Männer von Sex keine Ahnung haben, und alle schlecht ist, dann gehe ich inzwischen davon aus, dass es genau dieser Typ ist (und auch wenn es ein Shittest ist ist es eine gute Reaktion es umzudrehen „Ah, du bist eine von diesen komplizierten Frauen, die nur auf eine Weise kommen können und meinen alle Frauen sind so? Oh weh, wie anstrengend“)
  • Die am wenigsten anstrengende Variante ist aus meiner Sicht die hypersensitive, überaus leicht erregbare Frau. Bei ihr ist der Vorteil, dass sie eine dünnere Haut oder/und feinere Nerven oder was auch immer hat und sie durch normale Berührungen wesentlich schneller, leichter und stärker erregt wird als andere Frauen. Sie ist schlicht ein Genuss, weil sie aufgrund der leichten Erregbarkeit schnell zu Sex zu überreden ist und sie fast alles zum Orgasmus bringt. Stimmulieren der Brüste kann sie kurz davor bringen, bei vaginalen Sex kommt sie ohne Probleme mehrmals, Analsex ist ebenfalls sehr einfach etc. Es ist mit einer solchen Frau einfach, sich als Sexgott zu fühlen.

Aber zurück zum Artikel:

They also mention another sexist orgasm trope: women feeling pressured to fake orgasms in order to appease a male partner, or in their words, „to protect men’s feelings.“ For women who have sex with male partners, the pressure to orgasm is a relatable feeling. Hence all the faking that we know is going down in hetero bedrooms all over the country.

Interessant, dass sie meint, dass es nur in heterosexuellen Schlafzimmern passiert. Ich vermute auch bei lesbischen Beziehungen wird schon mal was vorgetäuscht werden.

Aber in der Tat täuschen Frauen häufig vor, damit sie den Partner nicht enttäuschen:

Women sometimes engage in such behaviors to emphasize love and care. Because men are attentive and interested in a female partner’s orgasm, women may pretend orgasm to keep their partner happy. Darling and Davidson (1986) asked participants open-ended questions regarding pretending orgasm; the primary response by 51% of women who pretended orgasm was “feel guilty, but it is important to satisfy my partner”

Ich schrieb unter dem gleichen Link dazu:

Der Umstand, dass der Partner kommt, ist eben häufig für beide wichtig. Der Mann möchte, dass die Frau kommt und es macht ihn glücklich, wenn das der Fall ist (was biologisch sowohl für Befruchtung und aufgrund der ausgeschütteten Hormone auch für die Partnerbindung (und damit auch wiederum für die Fortpflanzung, da das wiederum mehr Sex und geringere Fremdgehwahrscheinlichkeit bedeutet) interessant ist). Die Frau möchte auch, dass der Mann kommt, einmal weil es ebenfalls Partnerbindungsaspekte hat, aber mitunter eben auch, weil sie weiß, dass er versuchen wird seinen Orgasmus zu verzögern bis sie kommt, aber auch weiß, dass sie nicht kommen kann und es im Sinne der Partnerschaft besser ist, einen Orgasmus vorzuspielen, damit er dann kommen kann.

Beim Mann dürfte es ähnlich sein. Er weiß, dass die Frau ihn zum Orgasmus bringen will, aber er nicht kommen kann (Alkohol, schon zuviel Sex, zuviel Stress, was auch immer). Sie wird sich schlecht fühlen, wenn sie ihn nicht zum Orgasmus bringen kann, er hat aber einfach keine Lust mehr, es weiter zu versuchen. Der Mann hat allerdings das Problem des Ergusses, der mit dem Orgasmus verbunden wird und schwerer vorzutäuschen ist.

Sicher haben Frauen das Problem einen Orgasmus vorzutäuschen häufiger, aber Männer haben häufig das Problem, dass sie, damit die Frau nicht zu kurz kommt, nicht zu früh kommen dürfen, weswegen sie mitunter an allerlei unerotisches Denken, während sie gleichzeitig versuchen, sich nichts davon anmerken zu lassen oder dann, wenn sie sich dem Orgasmus nährt, auch zu kommen, und das eben tatsächlich.

Und beide Verhaltensweisen können sich gegenseitig bedingen. Er hält sich zurück und genießt des Sex nicht, weil er nicht zu früh kommen will, damit sie auch was davon hat. Sie spielt ihm Lust vor, damit er wenigstens Spass hat und sich gut fühlt.

Der Blick auf dass sexuelle ist hier in Studie und Besprechung also eher einfach ausgestaltet.

The researchers draw a fairly frightening conclusion from the research findings. When women’s orgasms begin to serve as a masculinity achievement for male partners, the orgasms cease to be about women’s liberation or sexual pleasure. They just become another opportunity for men to flex, or „shore up their sense of masculinity.“

„These men, therefore, were more likely to view women’s orgasms as a notch on the bedpost of their manliness,“ Chadwick and van Anders wrote in the statement. They end their note with an encouragement for men to think of orgasms less as achievements to be unlocked, and truly view them for what they are: tiny little pleasure explosions that should be enjoyed — frequently — by female partners.

Ein sehr negativer Ausblick. Natürlich kann alles schlecht sein. Aber wenn beide Lust auf Sex haben, dann ist „ich will meinem Partner so viel Lust bereiten wie möglich“ ein hervorragender Ansatz. Auch dann wenn er die Nebenfunktion hat, dass der andere einen für unglaublich gut im Bett halten soll oder man das gute Gefühl, den anderen befriedigt zu haben, auch für sich selbst braucht.

„Vier starke Jungs über das Mannsein“

Der Blog „Männerheldinnen“ (eine Abwandlung von Frauenheld) hat vier Jungs interviewt:

Alexandros

Das Schlimmste am Mann-Sein finde ich, dass jeder Junge oder Mann schnell als ‚Arschloch‘ abgestempelt wird. Wenn man an einem Mädchen interessiert ist und etwas mit ihr hat, heißt es „Der macht das bloß, weil er sich cool findet und ein Gangster ist.“ Jeder denkt, dass Jungen immer nur das Eine wollen und nicht so viel Gefühle haben.

„Männer wollen Sex“ ist eben etwas anderes als „Männer wollen nur Sex“.

Wobei, wenn ein Mädchen sich für einen Jungen interessiert und mit Jungs Spaß hat, wird sie als ‚Schlampe‘ bezeichnet. Das finde ich nicht in Ordnung. Man sollte die Person selber kennenlernen bevor man über sie urteilt und sich sein eigenes Bild machen.

Aus meiner Sicht ja eher eine Frage des „Wie“. Heutzutage erwartet man zumindest ab einem gewissen Alter auch gewisse sexuelle Erfahrungen. „Leicht zu haben“ zu sein dürfte eher der gefährlichere Ruf für eine Frau sein als der Ruf, dass sie mal mit einem guten Freund abgestürzt ist.

Als Junge und Mann wird man oft vorverurteilt und es besteht ein Misstrauen
Schon in der Schule und im Kindergarten war es so, dass man als Junge Ärger bekommen hat, wenn man einen Streit mit einem Mädchen hatten. Einfach weil man der Junge ist.

In der Beziehung ist es so, dass die Mädchen eifersüchtig und sauer sind, wenn der Junge nur mit einem anderen Mädchen redet. Wenn die Mädchen dasselbe machen und der Junge eifersüchtig ist, sagen die Mädchen: „Warum bist du so eifersüchtig? Das ist doch nicht so schlimm.“

B ei meinen Freunden und Bekannten habe ich schon oft erlebt, dass die Jungen den Mädchen eher verzeihen, wenn sie betrogen werden. Sie denken dann, das passiert in Zukunft nicht mehr und verzeihen ihr. Die Mädchen reagieren ganz anders und machen sofort Schluss.

Auch eine Folge des im Schnitt deutlich stärkeren Interesses der Männer an Sex einfach so vermute ich. Wenn auch der Vorwurf in der Regel unbegründet sein wird.

Die Mädchen lästern übereinander – immer über diejenige, die nicht dabei ist. Von außen sind sie voll gut befreundet, aber mit anderen reden sie schlecht übereinander. Die Mädchen fangen auch wegen jeder Kleinigkeit einen Streit miteinander an und tragen sich die Dinge lange nach. Wir Jungs sprechen das an und diskutieren das aus und dann ist das geklärt, oder wir machen eben weniger miteinander.

Auch das sind Klischees, die sich häufig bewahrheiten. Vielleicht weil Frauenfreundschaften eher auf kleine Gruppen und Zweierbeziehungen ausgelegt sind und Männerfreundschaften eher auf größere Gruppen und gewisse Hierarchien, die so etwas eher regeln. Frauen sind häufig in der Hinsicht auch schlicht schwieriger untereinander, gerade wenn die Gruppenzusammensetzung eher heterogen ist.

Amil

Eine Freundin von mir hat sich kürzlich furchtbar aufgeregt, weil eine gute Freundin von ihr die Bahn verpasst hat und zu spät kam. Sie hat sich bei allen anderen über sie beschwert. Das kann ich mir für mich und meine Freunde nicht so vorstellen, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollten – auch wenn ich eine Stunde zu spät kommen würde.

In der Tat kann ich mir das unter Männern auch weniger vorstellen, es dürfte aber auch bei Frauen eher ungewöhnlich sein.

Alexandros

Was ich schön finde ist auch, dass meine Mutter mich bittet meine Schwester abzuholen, wenn es Abends spät ist. Ich bin 18 und meine Schwester ist 21. Ich mach das gerne und es fühlt sich gut an, dass ich sie beschütze und sie das Vertrauen in mich haben, auch weil die Mädchen nicht so viel Kraft haben und sich nicht so wehren können.

Gut, da spielt sicherlich auch ein anderer kultureller Hintergrund mit hinein, wobei das ja auch sonst durchaus verbreitet ist. Meine Schwester wurde auch häufiger abgeholt wenn es spät war, weil meine Mutter nicht wollte „dass sie abends allein im Dunkeln unterwegs ist“. Lag aber sicherlich auch daran, dass ich das eher als unnötig abgelehnt habe, wenn es abgelehnt wurde oder das bei mir auch eher akzeptiert wurde. Aber in der Tat wurde ich auch schon häufiger gefragt, ob ich nicht eine Frau begleiten könne oder abholen könne, weil es spät ist.

Schwierig am Mann sein finde ich auch eine Freundin zu bekommen. Mädchen haben es viel einfacher, wenn sie einen Jungen haben wollen. Sie schreiben einfach und schon klappt das. Wir Jungen müssen da viel mehr investieren – richtig mit Herzblut kämpfen und am Ende wird es dann vielleicht doch nichts. Mädchen kann man echt schwer durchschauen.

Eggs are expensive, sperm is cheap. Und das hat eben unser Verhalten auch geformt. Frauen/Mädchen sind deswegen häufig wählerischer, während Männer sich vielleicht auch eher auf etwas einlassen, was nicht optimal ist, man kann es ja noch beenden. Was Frauen dann wieder noch wählerischer werden lässt etc.

Andy

Mir ist aufgefallen, dass unter Mädchen ein großer Konkurrenzkampf herrscht
Sie machen sich auch viel mehr Gedanken, wenn ein Junge den sie gut finden, auf ein anderes Mädchen steht. Die Jungs nehmen es viel gelassener. Sie chillen dann halt mit ihren Freunden und leben in den Tag.

Ich hab selber noch keinen Liebeskummer gehabt. Wie Mädchen das spüren, weiß ich nicht …

Männer sind in der Hinsicht vielleicht schlicht planloser oder weniger auf eine Frau fixiert? Interessanter Gedanke jedenfalls. Vielleicht ist es für Männer einfacher sich damit abzufinden, weil sie den anderen eher in einer Hierarchie bewerten? Und wenn er eben besser ist, dann kann man da wenig machen. Frauen gehen vielleicht auch zurecht davon aus, dass sie ihn eher nur auf sich aufmerksam machen müssen und er dann möglicherweise umschwenkt?

Oder ist es schlicht eine Frage, wie man es zeigt:

Alexandros

Das Besondere ist, dass die Jungen  ihren Liebeskummer nicht zeigen. Die Mädchen möchten das vielleicht auch verbergen, aber man sieht es ihrem Gesichtsausdruck  an und bemerkt es an ihrem Verhalten. Die Jungs können es wegstecken oder so tun, als wäre nichts.

Vielleicht ist auch der Punkt, dass Mädchen so etwas dann eher untereinander besprechen, den anderen etwas vorschwärmen, während Männer das weitaus weniger machen. Sie behalten so etwas dann eher für sich oder reden nur in sehr vertraulichen Gesprächen darüber.

Kadir

Andy

In der Schule zeigen wir unsere Gefühle nicht – unseren Freunden schon und wir reden auch darüber.

Kadir

Ja, untereinander geht das

Amil – Ja

Wäre interessant da mal die Form der Gespräche zu vergleichen. Dazu noch mal diese Szene von Friends:

Ich vermute, dass die Gespräche untereinander über Love interests auch anders verlaufen.

Kadir

Mir ist dazu aufgefallen, dass Mädchen nicht loslassen können. Wenn eine Beziehung auseinander geht oder sie sich übereinander geärgert haben, bleibt das lange bestehen und wird immer wieder hervorgeholt.

Bei Männern ist das intensiver würde ich sagen. Wenn es nicht mehr passt, trifft man sich eben mit anderen, aber man lästert nicht ständig übereinander.

Alexandros

Ich sehe das so:  wenn ich Streit mit einem sehr guten Freund habe, mit Kadir zum Beispiel – wir haben eine sehr gute Bindung – dann diskutieren wir das aus und es ist gut. Es kommt sehr auf die Beziehung an, die man hat. Die Mädchen bleiben wie schon gesagt – in ihren Streitereien stecken.

Dass Frauen anders streiten und eher Sachen rausholen, die aus Sicht von Männern längst verjährt sind ist auch etwas, was häufig als Geschlechterunterschied besprochen wird.

Kadir

Für mich ist das Schöne am Mann-Sein, dass wir viel Vertrauen bekommen und Verantwortung übernehmen
Wie bei Alexandro, der seine Schwester abholt. Das zeigt dann, dass die Eltern Sicherheit wollen und uns einsetzen. Das ist etwas Schönes finde ich.

Und auch die Freiheiten, die man als Mann hat.

Kadir klingt nach einem türkischen Vornamen, da haben Männer natürlich gerade in konservativen Elternhäusern in der Tat mehr Freiheiten.

Andy

Als Frau würde ich es bedrückend finden, dass die Männer dominanter sind. Würde ein Mädchen etwas zu mir sagen, würde ich antworten: „Ja, ist halt so.“ aber sie könnte mir nichts anhaben.

So eine Unverwundbarkeit als Mann

In der Regel kann auch der Mann der Frau nichts anhaben. Und auf einer weniger körperlichen Ebene kann eine Frau, etwa über Beschuldigungen, natürlich auch sehr viel gegen einen Mann machen.

Alexandros

Was ich noch gut finde: öffentlich können die Jungs viel mehr so sein, wie sie sind. Ich kann mich so zeigen wie ich bin, ich kann verrückt sein, wenn ich die Laune dazu hab. Mädchen sind da nicht so verspielt und eher zurückhaltend. Das kommt erst, wenn man die Mädchen gut kennt. Ich habe auch eine beste Freundin und finde es schön, so wie sie ist. Wenn ich weiß, da ist keine Maske aufgesetzt.

Das ist auch eine interessante Frage: Kann man als Mann eher so sei, wie man ist? Müssen sich Frauen eher zurückhalten? Vielleicht ist in Frauengruppen ein höherer Druck zur Einheitlichkeit und in Männergruppen passt auch eher ein Clown rein. Auch da können sicherlich konservative Vorstellungen vom „anständigen Mädchen“ eher eine Zurückhaltung auferlegen.

Es ist doch so: Sobald wir in die Schule gehen, sind wir eine andere Person
Wir verstellen uns einfach, damit wir in der Gesellschaft gut ankommen
Man will ja dazugehören und dafür muss man in ein bestimmtes Raster passen und auch Markenklamotten tragen. Das fängt Ende der Grundschule an. Es gibt auch die Angst, dass man ein Außenseiter ist oder gemobbt wird, wenn man nicht in die Gesellschaft passt.

„Dazugehören“ ist glaube ich gerade für Kinder und Jugendliche wichtig. Auf der Seite ist übrigens auch ein Bild der Jungs. Markenklamotten und andere Statussymbole aber auch schlichte Signale für Gleichheit oder Zugehörigkeit geben eben halt und machen eine Ausgrenzen schwieriger

Die perversen Männer mal wieder, die Frauen zu Objekten reduzieren

Katrin Rönicke, die ich eigentlich immer für eine ganz vernünftige gehalten habe, zieht in einem Artikel in der Taz über männliche Sexualität her:

Pornosüchtig, objektophil, aufdringlich – männliche Sexualität weist eine obskure Originalität auf. Warum wir empathisch darüber sprechen sollten.

Empathisch. So so. Empathie bezeichnet „die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie wird gemeinhin auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen, wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl gezählt.“ Mal sehen, wie sehr sie das umsetzt.

Was geht in den Köpfen von Männern vor, wenn sie an Frauen denken?
Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was in Männern vorgeht, die süchtig nach Internetpornos sind, was Männer antreibt, die sich für Telefon- oder Cybersex verschulden, die Geld an andere Männer zahlen, damit die ihnen beibringen, wie man eine flachlegt.

Was soll darin schon vorgehen? Sexualität über Pornos zu befriedigen ist halt recht einfach und Sex kann natürlich eine Sucht werden. Und besser darin zu werden, dass einen Frauen attraktiv finden hat nicht nur etwas mit „eine flachlegen“ zu tun, es ist eben in integraler Bestandteil unseres Lebens beim anderen Geschlecht gut anzukommen. Es ist ja auch nicht so, dass Frauen dafür wenig ausgeben oder sich darüber nicht informieren: Frauenzeitschriften haben genug Artikel dazu, wie man „Mister Right“ findet oder wie man den Kollegen im Büro erobert oder wie man seine Beziehung aufpeppt. Und mit Mode, Fitnessstudio und Friseur geben Frauen auch gerne Geld für etwas aus, was sie beim anderen Geschlecht interessanter macht.

Wie wenig Empathie muss man eigentlich haben, wenn man nicht verstehen kann, warum Leute gerne besser beim anderen Geschlecht ankommen wollen, und sei es nur für Sex? Ich hätte gedacht, dass das jedem unmittelbar einleuchtet.

Was steckt hinter einer verqueren Sicht auf Sex, in der Frauen bloß Mittel zum Zweck sind, wie in neunzig Prozent aller Onlinepornos, in denen Frauen keine Seele zu haben scheinen?

Da wäre die interessante Frage aus meiner Sicht eher, ab wann sie Frauen eine Seele zuspricht? Warum dürfen Frauen nicht einfach als jemand dargestellt werden, der einfach gerade nur Sex hat? Und warum sollten sie dadurch ihre „Seele“ verlieren? „Mittel zum Zweck“ ist da auch ein sehr merkwürdiger Vorwurf. Wer eine Komödie schaut, der macht das um zu lachen und nicht um die Seele der Schauspieler kennen zu lernen. Und Pornos schaut man eben, damit man eine sexuelle Stimulation statt einer humoristischen Stimulation erfährt.

Da ist auch jemand wie Erika Lust, selbst Porno­regisseurin, ratlos: „Die Sexindustrie akzeptiert Sex mit Hunden und Pferden, Pornos mit Omas, Fäkalsex. Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Doch Frauen wird nur sehr selten Raum gegeben.“

In der Tat gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Aber das extrem Perverse ist eben selten. Der Durchschnittsporno hat damit nichts zu tun. Und welchen Raum soll man Frauen da auch geben? Es ist eben eine bestimme Zielgruppe und man erwartet auch in „Sex and the City 2“ nicht, dass dort „Männern Raum gegeben wird“, indem etwa ein paar Aktionszenen eingebaut werden oder Sexszenen mit nackten jungen Frauen eingebaut werden. Das zu verstehen erfordert aus meiner Sicht auch sehr wenig Empathie.

Bedürfnisse und Fantasien von Frauen sind schwierig und machen die Sache kompliziert. Es ist auch kein Zufall, dass Pornos, wie Erika Lust sie dreht, in denen Frauen ein eigenes Begehren, ein Gefühlsleben, Spaß und auch optische Diversität zugestanden bekommen, Femporn genannt werden – feministischer Porno.

Und es ist auch kein Zufall, dass „Femporn“ niemanden interessiert, auch Frauen nicht.

Dazu aus einem anderen Artikel:

Der ganzen Diskussion um feministische Pornos liegt ein Missverständnis zugrunde. Wir alle wissen, dass Männer stärker über visuelle Reize funktionieren und Frauen eher auf erotische Geschichten reagieren. Das bestätigen psychologische wie neurologische Studien. Aber heisst das, dass nur ein Pornofilm mit einer Handlung ein guter Porno ist? Natürlich wird Pornografie vornehmlich für Männer gemacht, und manches ist für Frauen schwer erträglich. Aber es sei hier etwas verraten: Auch Männer können nicht mit jedem Angebot etwas anfangen. Und es gibt nicht wenige Frauen, die auch herkömmliche Porno­grafie ziemlich scharf finden.

Wenn feministische Pornografinnen betonen, Frauen brauchten vor allem schöne Kleider und eine tolle Geschichte, um in die Gänge zu kommen, dann tönt das so, als müsse man ihnen die expliziten Szenen fast heimlich andrehen. Als ob sie das nötig hätten. Viele Frauen können mit den verquasten feministischen Pornofilmen einfach nichts anfangen und stehen eher auf Herkömmliches. Denn Frauen und Männer mögen unterschiedlich begehren, aber eines haben sie gemeinsam: Der Lust sind die Erfordernisse des politisch Korrekten egal. Frauen, die schon die Kompatibilität von Feminismus und Stöckelschuhen fragwürdig finden, stossen in Tiefen des weiblichen Begehrens auf noch viel grössere Widersprüche. Kann man im normalen Leben Stärke und Unabhängigkeit propagieren und sich im Bett dennoch gern dominieren, vielleicht sogar schlagen lassen? Wie kann eine Frau die Darstellung einer Vergewaltigung erregend finden, wenn die reale Vorstellung zu den tiefsten Ängsten gehört? Darüber sprechen Frauen ungern, weil sie glauben, es könne etwas nicht stimmen mit ihnen. Sie fürchten, missverstanden zu werden – und das wohl zu Recht.

Frau Binswanger hat anscheinend weit weniger Probleme damit Männer zu verstehen und versteht aus meiner Sicht auch die meisten Frauen wesentlich besser.

Und auch die Pornhubauswertung spricht eher für die Sicht von Frau Binswanger:

Porno Männer Frauen Kategorien

Porno Männer Frauen Kategorien

Da suchen Frauen nach Analsex, großen Schwänzen, Fisting und Bondage und Dreiern.

Männer dagegen stehen in großer Zahl darauf, Frauen entlang von Stereotypen nach „Fickbarkeit“ einzusortieren. Schublade auf: Asiatin rein. Schublade auf: Teenporn rein. Wer sich mal durch die Selbstverständlichkeiten der 08/15-Pornoindustrie gewühlt hat, ist hinterher desillusioniert und als Frau auch ein bisschen angewidert vom Gedanken, dass richtig viele Männer so etwas geil finden.

Was nun daran schlimm sein soll, wenn man sich das aussucht, was einen anspricht, würde mich ja schon interessieren. Wer eben gerade den Gedanken anregend findet, einer jungen Asiatin beim Sex zuzuschauen, der ist sicherlich auch nicht schlimmer als eine Frau, welche sehen will, wie es sich zwei Schwule mit großen Schwänzen besorgen. Geschmackliche Vorlieben dürften dabei Frauen genauso haben und die von ihnen am meisten gesuchten männlichen Pornodarsteller sind auch nicht etwa fatpositiv, sondern eher „Normschön“.

Orte zum Abspritzen
Dem setzt ein Bordell, das jetzt in Barcelona eröffnet wird, noch etwas drauf: Es ist das erste, in dem nicht Menschen, sondern Silikonpuppen zum Sex bereitstehen. Wieder sind es nur Männer, die mit einer verhaltensoriginellen Sexualität von sich reden machen.

Zumindest sind sie die Zielgruppe, die angebotenen Frauen entsprechen dem schon bekannten Prinzip des Mainstream-Porn: Asiatin, Schwarze, Teen, vollbusige Blondine. Im Gegensatz zu einer menschlichen Prostituierten bieten sie nicht viel mehr als einen Ort zum Abspritzen. Sie sind eine stille Hülle, die schnell vergisst. Aber es gibt offenbar ausreichend viele Männer, denen es nicht wichtig ist, dass jemand einen sexuellen Akt in schöner Erinnerung behält.

Sexpuppen sind „stille Hüllen, die schnell vergessen“ und es ist schlimm, dass Männer, die mit einer Puppe Sex haben es nicht wichtig finden, dass die PUPPE diesen sexuellen Akt nicht in schöner Erinnerung behält? Bizarr.

Es mag auch bizarr sein, Sex mit einer Silikonpuppe zu haben, aber auch hier handelt es sich um einen ziemlichen Einzelfall und der Markt für männliches Sexspielzeug dürfte nach wie vor kleiner sein als der Markt für weibliches Sexspielzeug. Ich vermute mal mehr Frauen haben einen Vibrator als Männer eine Sexpuppe. Und da reduzieren die Frauen den Mann gar nur auf sein Geschlechtsorgan! Welches auch den Akt nicht in schöner Erinnerung behalten wird und danach in dunkle Schubladen verbannt wird. Schweinerei.

„Männer sind Schweine“, sangen die Ärzte in den Neunzigern; ein Song, der mich deswegen so tief verstörte, weil ich die darin beschriebenen Verhaltensweisen ja direkt vor meinen Augen hatte: Jungs in meinem Alter, die mit vollejakulierten Socken rumprahlten, Männer im Fernsehen, die fremdgingen, betrogen, und Männer in den ersten Pornos, die man so sah, die sich benahmen, als seien sie testosterongesteuerte Affen – wobei ich mich bei diesem Vergleich sogleich fragte, ob ich den Affen unrecht tat.

Dieser Satz erschreckt mich, weil ich Katrin wirklich für relativ normal und nicht für eine Männerhasserin gehalten habe. Aber es hier so darzustellen als wären alle Männer wilde Tiere, dass ist schon recht harter Tobak. Und da geht sie noch ganz empathisch vor. Gut, dass sie sich diese Beschränkung auferlegt hat. Wann prahlen Männer (sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste) den mit „vollejakulierten Socken“ herum? Und seit wann gehen im Fernsehen nur Männer fremd und betrügen? Und was hätte es überhaupt für eine Relevanz, dass Männer im Fernsehen fremd gehen?

Die Männer in den ersten Pornos, die man so sah, benahmen sich, als seien sie testosterongesteuerte Affen
Ich habe im Laufe meines Lebens Männer kennengelernt, die mit ihren über 30 Jahren 14-Jährigen Avancen machten und versuchten, sie ins Bett zu kriegen. Ich lernte, was Hebephilie ist: eine Sexualpräferenz für pubertierende Jungen und Mädchen. Ich las das Blog eines jungen Mannes, der zu seiner Pädophilie stand. Sehr berührend, unter schicksal-und-herausforderung.de kann man es immer noch lesen.

Und so geht es auch weiter: Auch der Anteil der Männer, die als 30jährige Männer 14-jährigen Mädchen Avancen machen dürfte gering sein. Und natürlich gibt es auch Frauen, die 14jährigen Jungs Avancen machen. (zB diese, diese, diese, diese oder diese)  Nur ist es da eben eher so, dass sie auf Bereitschaft zum Sex stoßen, wenn sie passabel aussehen.

Ich traf pornosüchtige Männer und solche, die als eines ihrer Lebensziele hatten, wenigstens ein Mal in einem Porno mitgespielt zu haben – und das auch taten. Ich traf Männer, die Frauen wechselten wie andere ihre Unterwäsche, und solche, die Frauen ihre Wünsche aufdrängten, ohne nach deren Wünschen zu fragen: Rasier dich zwischen den Beinen, hab Sex mit mir, von hinten bitte, ach, komm schon, du bist doch keine frigide Kuh. Ich kenne Männer, die bei Prostituierten waren – ich kenne keine einzige Frau.

Ja, Männer haben ein anderes Verhältnis zu Casual Sex. Was sehr viel mit Testosteron und dessen Wirkung auf den Sexualtrieb zu tun hat:

Was, liebe Katrin geht es dich an, wenn Männer das Spass macht? Und natürlich müssen sich Frauen auch nicht mit Männern einlassen, die nicht auf ihre Wünsche eingehen. Genauso wenig wie Männer sich auf Frauen einlassen müssen, die nicht auf ihre Wünsche eingehen.

Ich habe mich damit abgefunden, dass männliche Sexualität Auswüchse annimmt, wie ich sie von Frauen nicht kenne. Ich habe gelernt, damit zu leben, und vor allem: Ich habe keine Angst mehr davor. Übergriffige Typen kriegen Ansagen. Die anderen ein offenes Ohr. Meistens hoffe ich, dass sie nicht der Pickup-Artist-Bewegung anheimfallen, eine Truppe von Typen, die anderen Typen erklärt, wie man Frauen „klarmacht“, also ins Bett kriegt.

Ja, schlimm, diese Pickupbewegung. Nicht das es noch Männer gibt, die wissen, wie man anziehend auf eine Frau wirkt. Wie sie mit einem schlafen will, und das nicht nur zum „Klarmachen“, sondern für was auch immer, eine Nacht, eine Beziehung, ein Leben. Dabei ist es eigentlich sogar einfacher einen Pickuper loszuwerden.

Wie fürchterlich so etwas sein kann habe ich hier auch mal an meinem eigenen Fall geschildert:

Und wie soll sie als Hetero auch Auswüchse weiblicher Sexualität selbst kennenlernen? Von Shittests bis zur Vorliebe für „Bad Boys“, von Sado Masochismus bis zum Hinhalten als Machtspiel und zum Orbitersammeln? Frauen, die sich an alte reiche Männer binden, damit sie von deren Geld leben können, Frauen, die ihre Sexualität freiwillig verkaufen, Frauen, die nach dem einem Schläger gleich wieder den nächsten haben, weil das auch irgendwie ihr Typ ist und sie einen dominanten Mann wollen etc Es gibt zu so ziemlich alles im Bereich der Sexualität ein Gegenstück, welches man genau so anprangern könnte.

Ziemlich frauenverachtende Scheiße, die da läuft, aber auch hier: Ziemlich viele Männer bieten sich als Zielgruppe bereitwillig an. Sie leiden darunter, dass sie Probleme dabei haben, Mädchen anzusprechen, und sie wollen bitte dringend Sex. Die Silikonpuppen im Bordell sind, so gesehen, nur eine weitere logische Evolutionsstufe der verkorksten männlichen Sexualität.

Wieder eine sehr empathische Wertung. Und wenig Ahnung von Pickup. Im übrigen gilt der alte Satz: Wenn die männliche Sexualität verkorkst ist, dann ist weibliches Selektionsverhalten bzw deren Reaktion auf Männer evolutionär der wesentliche Grund. Eine friedliche Bonobo-Welt scheitert insofern eher an den Frauen.

Ich höre schon alle aufschreien: Ich bin ein Mann und ich bin gar nicht so! Sex ist für mich viel mehr als nur rein, raus, Ejakulation! Da gratuliere ich aber. Nur: Schauen Sie mal in Onlineforen, in denen Männer sich über ihre Silikonpuppen austauschen. Die „Dolls“, wie die Puppen unter den Eingeweihten genannt werden, sind für viele längst Ersatzmenschen geworden. Einer, der sich „Halvar“ nennt, bezeichnet in einem dieser Foren seine Puppe als „Teil meines Lebens, ich freue mich abends nach Hause zu kommen und nicht allein zu sein. Ich genieße die Zweisamkeit vor dem Fernseher auf der Couch oder die Nächte in denen man sich an die Doll ankuschelt. Sie sind einfach ein Teil von mir.“

Auch hier wieder: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Warum muss sich ein Mann überhaupt für seine Sexualität entschuldigen aber auch: Was gehen ihn die Leute an, die sich über Silikonpuppen austauschen? Er kann für sie nichts und hat mit ihnen nichts zu tun. Genauso wenig wie Frauen sich ein „Zofenforum“ vorhalten müssten, in denen Frauen sich darüber austauschen, wie geil es ist, wenn einen der Meister benutzt.

Das Erstaunliche ist, dass diese Männer eine Form von Nähe gefunden haben. Menschenersatznähe. Und sie alle sagen sehr deutlich: Weder haben sie Bock auf die Mitleidstour noch auf Psychoanalyse durch Tantra-Yogis, Klemmschwestern und andere Spielverderber. Viele Puppen-Fans scheinen eher objektophil veranlagt zu sein, also auf Dinge zu stehen statt auf Menschen. Andere haben „jemanden“ gefunden, der mit ihrer Sozialphobie bestens kompatibel ist. Alles harmlos, klar.

Was wäre denn daran nicht harmlos? Sie belästigen keine Frauen, wenn sie ihre Silikonpuppen mögen. Genauso wenig wie Frauen jemanden etwas tun, wenn sie als Menschenersatznähe auf Katzen oder Pferde zurück greifen.

Jahrhunderte im Patriarchat
Aber auffällig ist es eben schon, so wie es auffällig ist, dass mehr männliche Babys Koliken bekommen und häufiger schreien als weibliche. Die männliche Sexualität scheint labiler, anfälliger zu sein und ich glaube, es wird Zeit, darüber zu sprechen. Nicht psychologisierend, nicht verurteilend oder stigmatisierend, sondern so, wie moderne Menschen das tun: offen, empathisch und wissenschaftlich begleitet.

„Nicht psychologisierend, nicht verurteilend oder stigmatisierend, sondern so, wie moderne Menschen das tun: offen, empathisch und wissenschaftlich begleitet“. Ich musste den Satz gerade noch einmal zitieren. Ist das ihre Selbstwahrnehmung? Das sie nicht verurteilt und stigmatisiert, wenn sie im gleichen Test Männer mit Tieren vergleicht? Fühlt sie sich wirklich modern, wenn sie Leuten vorhält, dass sie Sex mit wechselnden Partnern haben? Oder findet sie es „wissenschaftlich“ extreme Einzelfälle repräsentativ für die Gesamtheit der Männer und deren verkorkste Sexualität darzustellen? Von der Empathie möchte ich gar nicht erst wieder anfangen.

Durch die Jahrhunderte im Patriarchat haben wir gelernt, alles „Männliche“ hinzunehmen und nicht zu hinterfragen, die Folgen sind für Männer und für Frauen gleichermaßen kacke: toxische Maskulinität, sexuelle Ausbeutung von Frauen und Gewalt.

„Kacke“. In einem Zeitungsartikel. Wohl eine Anlehnung an die alte „sexistische Kackscheiße“, diesem Kleinkinderjargon des Feminismus? Und toxische Maskulinität und sexuelle Ausbeutung wird auch gleich noch mit rein gemixt.

Feministinnen bringen all das auf den Tisch und natürlich wehren sich viele dagegen und wittern Männerfeindlichkeit.

Weil sie da ist. Also die Männerfeindlichkeit. Nicht das, was Feministinnen meinen an „kackscheiße“ auf den Tisch zu bringen.

Doch genauso, wie es wichtig ist zu fragen: Warum geht ein Großteil der weltweiten Gewalt von Männern aus

Wegen Testosteron.

ist es an der Zeit sich zu trauen, den verhaltensoriginellen „männlichen“ Sexualitäten auf den Grund zu gehen. Und der erste Schritt ist laut zu sagen: Sorry, Jungs, aber das ist mir echt suspekt, was ihr da macht.

Dann schau halt nicht hin. Eigentlich eine sehr einfache Lösung. Das allermeiste betrifft dich schlicht nicht und wenn ein Mann jeden Tag zu Pornos Selbstbefriedigung betreiben will oder eine Silikonpuppe als Freundin hat, was hat es dich dann zu scheren?

Maskulistische Theoriewoche: „Abwertung der männlichen Sexualität und Falschbeschuldigung“ (Tag 4)

Dieser Beitrag ist Teil der maskulistischen Theoriewoche

Das heutige Thema ist

“ Abwertung der männlichen Sexualität und Falschbeschuldigung“

Ein wesentlicher Punkt im Maskulismus ist auch die Abwehr von Männerfeindlichkeit. Und diese hängt sich gerne an der männlichen Sexualität. Damit zusammen hängen die Rape Culture und damit auch der Kampf darum, welche Rechte man bei entsprechenden Beschuldigungen hat

1. Wie erfolgt eurer Meinung nach die Abwertung der männlichen Sexualität

2. Inwiefern spielt diese Theorie eine Rolle im Maskulismus?

3. Welche Argumente/Studien sprechen dafür oder dagegen?

„Mach uns nicht zum Sexobjekt“ vs. „Wer gegen uns ist, der bekommt keinen Sex“

Ich las neulich einen Tweet, den ich interessant fand:

 

„One minute the feminist message is „don’t treat us as sex objects“ and the next it’s „go against us and you get no pussy“

Der erste Teil, die Aufforderung Frauen nicht wie Sexobjekte zu behandeln, ist insoweit klar und eine häufige feministische Forderung. Der zweite Teil, also „Wenn du etwas gegen uns machst, dann bekommst du keinen Sex“ ist weniger tatsächlich ausgesprochener Teil feministischer Drohungen, wohl aber schwingt es als Forderung von Frauen mit, denn das ist letztendlich das große Druckmittel: „Wir ächten dich als Frauenfeind und dann will keine Frau mehr was von dir und du bekommst keinen Sex“

So richtig festmachen kann ich diesen Teil gerade nicht, er klingt aber denke ich häufig mit an, sei es in der Art, wie man Gegner beleidigt oder wie man Kritik in Ablehnung von Frauen allgemein ummünzt.

Es wäre interessant, ob sich dieser Gedanke tatsächlich im Feminismus finden läßt bzw. inwieweit Frauen ihn sonst verwenden.

Der angedrohte „Sexboycott“ und sei es in Form der Ablehnung des jeweiligen Mannes ist sicherlich ein klassisches Druckmittel im Geschlechterkampf

Auch einen anderen Tweet als Antwort darauf fand ich interessant:

„. don’t forget the whole „don’t judge my appearance but u have 2 find me attractive or u r sexist but if u do u r a rapist“ logic“

Das Bewerten einer Frau oder die Wahrnehmung einer Frau als schön und sexy ist falsch, jede Frau muss aber wiederum sexy gefunden werden, weil man sonst ein Fatshamer oder was auch sonst noch immer ist, was einen dann wieder aufgrund der Objektifizierung zu einem Förderer der Rape Culture machen kann.

Ein teilweise passendes Bild dazu könnte dies hier sein:

Dritte Welle Feminismus und Frauen zum Objekt machen

Dritte Welle Feminismus und Frauen zum Objekt machen

 

 

Sind Frauen / Männer schlecht im Bett?

In den Kommentaren fand eine Diskussion dazu statt, welches Geschlecht sich im Bett weniger anstrengt bzw. schlechter im Bett ist.

Elmar führte an, dass nach seiner Auffassung Frauen eine gewisse Prinzessinneneinstellung haben, bei der sie im wesentlichen das ein müssen, während die meisten Männer sich abrackern würden, um die Frau zu einem Orgasmus zu bringen. Er sieht Gleichgültigkeit und Kälte bei den Frauen, denen die sexuellen Bedürfnisse oder das sexuelle Glück der Männer vollkommen egal ist.

Adrian merkt dazu unter anderem an:

Männer investieren im Schnitt mehr Mühe und Zeit in die Sexualität ihrer Partnerin als umgekehrt.

Nehmen wir z.B. an, die Orgasmusproblematik wäre umgekehrt. Kann sich irgendjemand vorstellen, dass Frau stundenlang an einem Mann rumdoktort, nur um ihn abschließend zu befriedigen?

Atacama führt für die Frauenseite an:

Und ich muss nicht die Englei singen hören, ich habe nur die Erfahrung gemacht und die kannst du mir nicht wegreden, dass ich meistens sehr viel mehr “gearbeitet” habe und an seinem Wohlergehen interessiert war als umgekehrt.

Diese Kritik an angeblicher übersteigerter sexueller Erwartungshaltung kann ich deshalb nicht so ganz nachvollziehen. Für mich wirkt das auch ein bisschen wie Jammern auf Hohem Niveau, der Orgasmus ist nicht “doll” genug, er muss betteln sonst taugt es nicht.
Ich wäre derweil schon froh, wenn mann sich die Zeit nähme, dass ich so ungefähr wenigstens jedes 10.Mal überhaupt einen habe.
Doch eigentlich ganz bescheiden und realistisch, oder?
Und dann sogar noch nach Tipps für bessere Performance gefragt und dafür wird einem auch noch halb an die Gurgel gesprungen, man würde Männer irgendwie “missbrauchen” für egoistische persönliche Befrieidigung während “die” männer sich längst zu eifrigen Lustsklaven weitergebildet haben, die nichts anderes im Sinn haben als die Frau ins Nirvana zu bringen.
Ich merk davon halt nicht so viel. Oder erwische immer die, die diese Ausbildung geschwänzt haben.

Und aus einer Diskussion aus einem anderen Artikel möchte ich auch noch Roslin zitieren:

Für mich muss eine Frau überhaupt keine besonderen Fähigkeiten/Techniken etc. anbieten.

Sie muss ganz einfach MICH begehren, mich wollen, Spass am Sex mit MIR haben.

Ich kann befriedigenden Sex auch nur haben mit einer Frau die ICH WILL, als Person will, die ich riechen mag, die mich lachen macht usw., vor der ich schamlos ICH sein kann, ohne fürchten zu müssen, abgelehnt zu werden, die schamlos vor mir SIE sein kann, ohne fürchten zu müssen, abgelehnt zu werden.

Wenn diese Möglichkeit gegeben ist, voreinander schamlos sein zu dürfen, im tiefsten Sinne voreinander und das geht weit über’s körperliche Nacktsein hinaus, das ist da nur Symbol, Oberfläche einer viel tiefer gehenden Realität, nackt sein zu wollen, weil das Vertrauen in den anderen da ist, weil man weiß, er wird mich auffangen, umfangen, umarmen, dann ergibt sich eigentlich alles von allein und wie von selbst.

Dann wird Sex zum Spiel und man tut, was Spass macht, weil es Spass macht, weil es kein Problem ist, auf der Basis dieses grundsätzlichen Vertrauens, dieses Angenommenseins, Wünsche zu äußern oder auch zu versagen.

Ich finde die Aussage erstaunlich, dass alle Frauen schlecht im Bett sein sollen und sich nicht genug bemühen und würde sie eher als eine Bestätigung von Elmars vollkommen verkorksten Verhältnis zu Frauen an sich sehen als als tatsächliche Wiedergabe der Realität.

Ich denke, dass man das etwas aufspalten muss:

1. Frauen zum Orgasmus bringen ist schwieriger als Männer zum Orgasmus zu bringen

Eine Frau braucht in der Regel wesentlich länger für einen Orgasmus, vom Vorspiel über dann schließlich eine gewisse Stimulation bis zu dem Problem einiger Frauen überhaupt beim Sex zu kommen. Noch schwieriger ist es für sie häufig bei einem One-Night-Stand, zumindest, wenn eine gewisse Unsicherheit und Nervösität vorhanden ist.

Wo Frauen langsam anspringen sind Männer häufig direkt bereit und es kann auch wesentlich schneller vorbei sein. Wenn beide einen Orgasmus haben wollen kann bereits daraus folgen, dass der Mann sich intensiver mit der Frau beschäftigen muss als umgekehrt um das Ergebnis Orgasmus zu erhalten. Ist es dann per se ungerecht, wenn er „mehr“ macht und muss das ein Opfer sein? Ich meine nicht. Es ist eher eine „Systemlogik“.

Natürlich kommt es dann auch darauf an, wie man den Sex will. Will man „gemeinsam kommen“, also relativ zeitgleich, dann muss der üblicherweise schnellere zwangsweise den langsamen mehr stimulieren und es kann sogar kontraproduktiv sein, den schnelleren im Vorfeld zu stark zu stimulieren. Ist einem das relativ egal, dann ergibt sich, wenn der schnellere meist der Mann ist auch entsprechender Mehraufwand.

2. Qualität 

Natürlich könnte man dann noch anführen, dass man ja mit diversen Techniken eine Verzögerung erreichen kann, etwa abwechselndes stimulieren mit „Abkühlungsphasen“ oder das sie eben besondere Techniken verwenden kann, hier wurde anale Stimulation der Prostata angesprochen oder andere Techniken. Allerdings dürfte es genug Männer geben, die das nicht wollen und genug Frauen, die das zu dreckig finden (was beides schade ist). Es müssen also nicht unbedingt die Frauen schuld sein.

Ansonsten würde es mich aber wundern, wenn da Männer sonstwas an Technik haben. Die meisten werden über Lecken und ficken auch nicht so wahnsinnig hinauskommen, nur weil sie länger lecken müssen sie da keine besondere Technik haben. Aus der reinen Zeitverteilung folgt insofern aus meiner Sicht nicht, dass Männer besser im Bett sind, daraus folgt nur, dass Frauen schwerer zum Orgasmus zu bringen sind.

3. Einsatz

Ich würde zustimmen, dass viele Frauen relativ passiver sind. Wirklich gute Reiterinnen gibt es selten. Allerdings muss das ja auch nicht per se etwas schlechtes sein, auch unten liegend kann man die Bewegungen unterstützen oder anderweitig mitmachen und auch in Passivität kann – etwa beim Analsex – ein gewisser Einsatz für den anderen zu sehen sein.

Zur Adrians Frage: Ja, ich kenne genug Freundinnen, die, wenn man mal selbst länger brauchte, aufopferungsvoll lange geblasen und sich sonst bemüht haben, einen zum Orgasmus zu bringen. Nicht-kommen-können beim Mann ist denke ich auch bei vielen Frauen ein Umstand, bei dem sie so einiges versuchen, um es für ihn schön zu machen. Ein weiterer Punkt wäre vielleicht der Mehranfall aufgrund des stärkeren männlichen Sexualtriebs, also der Blowjob zwischendurch.

Auch ansonsten würde ich sagen, dass es nicht so ungleich verteilt ist. Wer geleckt werden will, der muss eben auch blasen und umgekehrt. Finde ich jetzt auch heutzutage nicht so ungewöhnlich.

Vielleicht erregt uns Männer auch sexuelle Lust der Frau selbst mehr als umgekehrt. Frauen, die auf eine sehr aktive Art ihr Lust erleben, mit Stöhnen und erkennbarer Steigerung der Lust, mit extremer Geilheit, das ist aus meiner Sicht etwas sehr erregendes und üblicherweise werden Frauen auch ihre Lust lauter zeigen als viele Männer. Dann aber wäre ihre extrem Lust auch Lust für ihn und das muss nichts falsches, kein Ausbeuten sein. Eine Frau, die sich ihrer Lust hingibt und stark erregt ist, ist mir lieber als eine Frau, die etwas sagen würde wie „mir ist nicht so nach Sex, aber ich kann dich verwöhnen“. Das in Pornos Lust stark übertrieben wird ist ja insoweit auch kein Zufall.

Festen Freundin ist es denke ich nicht egal, ob der Sex gut ist. Sie wollen, dass ihr Freund Spass am Sex hat und geben sich entsprechende Mühe. Wie ihre Freunde hoffentlich auch.

Es gibt keinen Grund, die Lage in den Betten so schwarz zu malen. Wer sich nicht hinreichend versorgt fühlt, der sollte es aus meiner Sicht schlicht ansprechen, einfach mal mitteilen, was er will, einen Vorschlag machen, was man mal ausprobieren kann. Oder ein Sextippsbuch kaufen und einfach mal anregen, dass man es gemeinsam mal ausprobiert. Generell ein Geschlecht zu verurteilen, dass es nicht an der Lust des anderen interessiert sei oder dem anderen Geschlecht zu bescheinigen, dass es sich nur aufopfert, vergiftet aus meiner Sicht eher das Klima.

4. Eure Tipps?

Wo wir aber schon bei schlechten Sex sind und Adrian und Elmar angekündigt haben, dass man da einiges an guten Tipps geben könnte, würden mich eure Tipps für guten Sex und eure Ratschläge an das andere Geschlecht interessieren.

Der Versuch der Umformung männlichen Begehrens durch Beschämung

Neuer Peter schreibt in einem Kommentar

„Von daher präsentiert sie sich als unabhängig und mutig, und das ist nunmal etwas, was viele Männer (und nicht die besten unter ihnen) unsexy finden“

Schön übrigens auch die Beschämungsstrategie, die hier durchscheint. (…) Hier haben wir einen Fussel des Fadens, der sich durch die feministischen Anstrengungen der neuesten Zeit zieht: Die Umformung männlichen Begehrens durch Beschämung. Das läuft unter den Labels fat-acceptance, anti-ageism, lookism etc.

Der Tenor: Wagen es Männer Standards zu haben und wollen sie lieber junge, hübsche, athletische, und angenehme Frauen vögeln, ist das eine fiese Unterdrückung der fetten, häßlichen und alten Zicken, die abgeschafft gehört. Man up, ihr Memmen, und begehrt mich!!!

Und auch diese Tendenz ist ja wieder nur ein Puzzlestück des großen feministischen Ganzen: Die Preise auf dem Partnermarkt zugunsten von Frauen zu manipulieren, damit diese sich über Wert verkaufen können und Männer sich unter Wert verkaufen müssen

Man könnte auch sagen, dass es diesen Bewegungen darum geht, allgemeine Gleichheit durchzusetzen, alle Körper, alle Charaktere, alle Alterstufen müssen gleich viel wert sein. Was natürlich für alle Frauen, die sonst nicht als schön gelten, eine Preissteigerung ist. Es ist ein Appell an die Gleichheit und der zudem nach außen auf die Männer verlagert wird, die nach dieser Vorstellung den Konkurrenzdruck bewirken.