Safespace, profeministische Männer und Transsexuelle

Bei den Feemgeeks wird das Prinzip von Schutzräumen für Frauen auch bezüglich eigentlich geläuterter profeministischer Männer noch einmal erläutert:

2. Lasst mich rein, ich bin doch ganz anders!

Sicher? Ich würde dir glauben, dass du es gerne wärst. Dass du es vielleicht auch probierst.

Dass du glaubst, dass du es bist, deutet eher daraufhin, dass du dir keine Gedanken über deine Position gemacht hast. Und in diesem Fall beginne hier. Dies ist natürlich nicht alles zum Thema, aber ein guter Einstieg mehr davon hier. Ok, die Sprechposition ist geklärt: dein Startsetting ist einfacher als das von anderen. Und jetzt? Fragst du dich jetzt, warum du trotzdem nicht rein kommst, obwohl du doch immerhin ein netter Typ sein möchtest?

Finde ich immer wieder schön: Du glaubst, dass du die Privilegien hinreichend hinterfragst? Dann kannst du sie nicht hinreichend hinterfragt haben. Als Mann hat man es eh immer einfacher, auch bereits in einem Raum voller feministischer Frauen und auch mit der Bereitschaft, dass man sich eifrig hinterfragt. Man startet einfach von einer einfacheren Position und diesen Vorsprung hält man.

Und dagegen kommen die Frauen nicht an:

Deshalb: Deine bloße Anwesenheit führt dazu, dass Menschen sich nicht mehr frei entfalten können und sich nicht trauen. Und das auch dann, wenn du dir deiner privilegierten Position bewusst bist und dies entsprechend einbeziehst.

Genug Frauen* wurde ihr halbes Leben erklärt, dass ihnen, geschlecht*sbedingt irgendwas fehlt, um technische und/ oder naturwissenschaftliche Dinge zu verstehen. Wundert es dich da noch, dass sich Wenige trauen, es überhaupt zu probieren? Und die, die sich davon nicht einschüchtern ließen, haben in den meisten Fällen mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfen (siehe die beschriebene Beobachtung oben). Wenigstens manchmal möchte mensch einfach nur das tun, wofür er_sie gekommen ist und sich nicht hauptsächlich mit gesellschaftlichen Missständen herumschlagen.

Hier sollten sich Frauen mal bewußt machen, wie rollenverstärkend ein solches Frauenbild ist: Frauen erstarren in Konkurrenz mit Männern, sie können sich  nicht durchsetzen, sie trauen sich nicht irgendwas zu probieren. Sie können ihr Geschlecht anscheinend nie ausblenden, sie kämpfen immer nur gegen gesellschaftliche Missstände.

Könnte nicht einfach mal irgend ein Talkshowgast das in einer Diskussion um die Frauenquote laut vorlesen und anwesende Feministinnen fragen, ob das auch in dem Bereich zutrifft?

Eigentlich muss ja die logische Folge dieser Denkweise sein, dass die gegenwärtigen Frauen schlicht nicht konkurrenzfähig sind: Sie erstarren bei jedem Mann, der in dem Bereich auftritt und trauen sich dann nichts mehr. Alles einfach, weil jeder Mann, sei er noch so feministisch, ein Mann ist und damit diese Bilder der Überlegenheit erzeugt.

Würde die gleichen Thesen sagen wir mal ein Harvard-Präsident in einer Rede sagen und damit schlechtere Leistungen begründen, er würde abgesägt werden.

Interessant fand ich noch einen der Kommentare dort:

Was mich in dieser Richtung aber eher beschaeftigt, ist, dass ich Frauen kenne, die dann ihren auserwaehlten Partner als total anders einstufen. Der zaehlt dann nicht zu den Gesellschaftskonformen Cis-Maennern dazu. Selbst wenn der objektive Eindruck diesen Mann betreffend fuer viele andere ein anderer ist. Ich habe es dann schon erleben muessen, dass damit Distanz geschaffen wird, falls andere Frauen das unterschiedlich sehen und doch wollen, dass niemand ausgegrenzt wird.

Auch klassisch: Das Outgrouping „Alle Männer sind Privilegiert und hindern Frauen bereits durch ihre Anwesenheit am entfalten“ bricht in sich zusammen, wenn man den Mann persönlich kennt. Dann ist er gar nicht so privilegiert, jedenfalls nicht für einen selbst.

Einen weiteren Kommentar fand ich ebenfalls interessant:

huhu! Ich habe gerade direkt nach deinem Post einen Artikel auf Sex Geek gelesen, der u.A. eine für mich gut nachvollziehbare Kritik am Konzept eines safe spaces enthält:http://sexgeek.wordpress.com/2013/09/20/if-trans-women-arent-welcome-neither-am-i/

Im Wesentlichen: nicht die Anwesenheit von cis-Männern an sich ist doch das Problem, sondern wenn diese wirklich die Diskussionen an sich reißen usw. – wenn sie also falsches *Verhalten* zeigen. Natürlich sind cis-Männer sozialisationsbedingt more likely, sowas zu tun. Aber warum legt man nicht lieber Verhaltensregeln fest, anstatt Geschlechtergrenzen

Eigentlich ja eine vernünftige Idee: Man schließt Männer oder Frauen aus, die „mansplaining“ verwenden oder sonst zu dominant auftreten und hat gleich eine Geschlechtergrenze mehr durchbrochen. Allerdings eben nicht so gut für den Feindbildaufbau.

Auch interessant die Passage über Transsexuelle: Da bekommt der Genderfeminismus ein Problem, denn er muss abwägen zwischen „Alle Männer sind per se privilegiert, dagegen können sie nichts machen, es ist Erziehung und das Vorhandensein von Männern schränkt Frauen bereits ein“ und dem durch den Intersektionalismus geforderten Umstand, dass Transsexuelle nicht ausgegrenzt werden dürfen, sondern als solche zu akzeptieren sind. Da in dieser Betrachtung Transsexualität nichts biologisches sein kann, sondern nur etwas soziales wäre es eigentlich interessant, wie sie das dann näher begründen, denn die müssten ja auch im Grundsatz „male Privilege“ erfahren haben oder eine entsprechende Sozialisierung durchlaufen haben.

Die Unterschiede zwischen Transsexuell und profeministischen Mann wären dann letztendlich nur, dass die Transsexuellen radikaler in ihrer Abkehr von der sozialen Rolle wären und über ihre Transsexualität quasi ein „costly Signal“ in diese Richtung setzen würden.

Kritische Männerforschung

Gestern kam kurz das Thema kritische Männerforschung auf. Dazu aus der Wikipedia zunächst zur Männerforschung:

Männerforschung ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit dem Thema Mann und Männlichkeiten befasst. Dazu gehören sozialwissenschaftliche, erziehungswissenschaftliche, psychologische und historische Untersuchungen. Die Forschung findet analog zur Frauenforschung vor allem im Rahmen der Geschlechterforschung statt. Als eigenständige Disziplin konnte sie sich jedoch im deutschsprachigen Raum bislang nicht etablieren.

Männerforschung an sich ist natürlich eine gute Idee, ebenso wie Frauenforschung. Alllerdings sollte aus meiner Sicht natürlich auch eine medizinisch-biologische Forschung dazu kommen.

Kritische Männerforschung

Forschung ist aufgrund des systematischen Ausschlusses von Frauen aus den Universitäten bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein zumeist Forschung von Männern (Androzentrismus) gewesen, da eben nur Männer an ihr teilnehmen durften. In Abgrenzung zur männerdominierten Wissenschaft gab sich die in den 1980er Jahren entstehende Forschung über Männer und Männlichkeiten den Namen Kritische Männerforschung.

Da sieht man bereits, dass die kritische Männerforschung nahe an der feministischen Theorie ist. Die Forschung mag eine ganze Zeit männerdominiert gewesen sein, aber rein aus diesem Umstand heraus muss sie nicht falsch gewesen sein. Und wenn sie dies war, dann ist das beste Mittel zur weiteren Forschung nicht eine Art Standpunkttheorie, sondern die Anwendung empirischer Wissenschaft.

Die Kritische Männerforschung geht weitgehend von einem emanzipatorischen, teilweise auch von einem feministischen Ansatz aus. Das heißt sie hinterfragt bestehende Rollenbilder und teilt zentrale Konzepte, welche in feministischen Ansätzen der Geschlechterforschung begründet sind und entwickelt diese für ihre Zwecke weiter.

Damit ist sie eben nur in eine Richtung kritisch, wobei aus meiner Sicht diese Kritik bereits den falschen Ansatzpunkt hat, wenn sie einfach nur auf das Geschlecht der bisherigen Forscher abstellt. Sie ist insoweit – jedenfalls wohl teilweise – unkritisch gegenüber der anderen Richtung, eben den feministischen Ansätzen.

Das hinterfragen von Rollenbildern kann dabei natürlich sinnvoll sein, dagegen möchte ich gar nichts sagen. Es sollte allerdings mit einer gewissen Neutralität erfolgen und nicht zu einer Verdammung von Männlichkeit führen.

 Innerhalb der Kritischen Männerforschung ist allerdings umstritten, in welchem Verhältnis sie zur feministischen Frauen- und Geschlechterforschung steht. In den Anfängen gab es prominente Stellungnahmen von profeministischen Männerforschern, welche eine Unter- oder Nachordnung von Männerforschung postulierten. Andere sahen und sehen Kritische Männerforschung als wichtige Ergänzung zur feministischen Frauenforschung, welche sich ggf. auch kritisch mit den Blinden Flecken auseinandersetzen müsse.

Das ist ja immerhin etwas. Die Unter- und Nachordnung kennt man ja schon aus anderen profeministischen Männerbewegungen. Im wesentlichen ein Unterstützen und nicht zuviel Raum einnehmen und immer schon die eigenen Privilegien reflektieren. Denn da eine Frau nie privilegiert sein kann muss letztendlich alles auf Befreiung der Frau aus dem Patriarchat ausgerichtet sein, die Befreiung des Mannes folgt dann quasi als Lösung des Nebenwiderspruchs, wenn man den Hauptwiderspruch gelöst hat.

Meiner Meinung nach muss eine Männerforschung jederzeit eigene Theorien entwickeln können und muss nicht bei der Kritik blinder Flecken stehenbleiben, sondern kann natürlich umfassend kritisieren (oder auch zustimmen, je nach dem).

Prinzipien der Kritischen Männerforschung nach Jeff Hearn

Jeff Hearn entwickelte 1987 im Magazin der englischen Männerbewegung „Achilles Heel“ fünf Prinzipien, die für eine zukünftige kritische Männerforschung Anwendung finden sollten:

  •  Männer sollten die Autonomie der Frauenforschung respektieren, was nicht heißen soll, umgekehrt eine Autonomie der Männerforschung einzufordern.
  • Männerforschung soll Frauen und Männern offen stehen.
  • Das vorrangige Ziel der Männerforschung ist die Entwicklung einer Kritik an männlicher Praxis, zumindest teilweise aus feministischer Sichtweise.
  • Männerforschung ist interdisziplinär anzulegen.
  • Männer, die Männerforschung betreiben, müssen ihre Praxis des Forschens, Lernens, Lehrens und Theoretisierens hinterfragen, um nicht die patriarchale Form eines desinteressierten Positivismus zu reproduzieren. Ziel sei eine Bewusstseinserweiterung der Männer.

1990 ergänzte Jeff Hearn zusammen mit David Morgan in „The critique of men“ diese Prinzipien noch um die Punkte, dass (heterosexuelle) Männer sich nicht um Forschungsgelder und Universitätsposten bewerben sollen, die für Geschlechterforschung ausgeschrieben wurden, und dass feministische Wissenschaft und Frauenforschung in der eigenen Forschung und in den Institutionen zu unterstützen sei.

Da wäre natürlich die Frage, was überhaupt mit Autonomie der Frauenforschung gemeint ist. Natürlich sollte auch die Frauenforschung Theorien aufstellen können und Forschung jeder Art betreiben können. Aber natürlich kann es dabei keine Immunität geben. Jede Forschung muss immer hinterfragbar sein, und das natürlich aus jeder Ecke. Das Hinterfragen von Theorien und Forschung anderer ist aus meiner Sicht das Kernstück jeder Wissenschaft.

Und natürlich muss diese Freiheit auch für eine Männerforschung gelten. Gründe dafür, dass diese sich nur an die Frauenforschung anhängen dürfen sind aus meiner Sicht nicht ersichtlich. Es setzt sich dann eben die bessere Theorie durch.

Als Hauptpunkt einer Männerforschung Kritik an männlichen Praktiken zu fordern scheint mir auch eine sehr einseitige Ausrichtung zu sein. Zumal aus meiner Sicht dabei ein wesentlicher Aspekt verloren geht, nämlich die gegenseitige Beeinflussung der Geschlechter. Aus meiner Sicht lassen sich Geschlechterpraktiken nicht als reine Praktiken einer Gruppe erklären, die Unbeeinflusst von den Handlungen des anderen Geschlechts und der Biologie sind. Hier scheint mir der Gedanke vorzuherrschen, dass männliche Praktiken einfach Machtmittel sind, die die Gruppe der Männer anwendet. Wenn es sich lediglich um Praktiken handelt, die dazu dienen Frauen einzuschränken und Männern die Macht zu sichern, dann ist verständlich, wenn man diese Praktiken kritisieren und dann gegebenenfalls abschaffen möchte. Das ist aber eine sehr einfache Betrachtung: Einem Geschlecht einfach alle Unterschiede als Unterdrückung anzulasten geht aus meiner Sicht an der Realität vorbei.

„Die patriarchale Form eines desinteressierten Positivismus zu reproduzieren“ bedeutet wohl, dass man schnell in den alten Mustern hängen bleibt und diese dann durch nicht hinreichend mutiges Infragestellen beibehält, also die Forschung oder seinen Unterricht so anlegt, dass letztendlich etwas patriarchales dabei rauskommt. Auch hier ist natürlich hinterfragen gut. Aber der Aufbau eines Feindbildes, welches überall patriarchale Praktiken sieht schlecht. 

Das die Zurückhaltung bei den Fördergeldern aus meiner Sicht unsinnig ist, folgt bereits daraus, dass ich die wohl dahinterstehende Erbschuld nicht teile.

„Männer, die Sexismus schlimm finden, legitimisieren diesen und sind damit sexistisch“

Auf dem Blog „High on Clichés“ ist ein Artikel zur Twitter-#Aufschrei-Kampagne, die Zweisatz zum Anlass nimmt etwas zu Männern zu sagen, die diese Kampagne unterstützen.

Wie von einer echten radikalen Feministin zu erwarten ist sie davon nicht begeistert:

Wenn die Kampagne dahin strebt, Männern* klar zu machen, welcher Gewalt sie jeden Tag qua Privileg entgehen, macht es Sinn.

Sie hat auf jeden Fall dazu geführt, dass ich von Typen gelesen habe, die “Scham” empfinden, weil sie damals nicht eingegriffen haben, die bis jetzt nicht wussten, wie schlimm das alles ist und so fort.

Schon beim ersten Lesen eines solchen Statements fragte ich mich: Was hat deine Manpain in diesem Hashtag verloren? Frauen* geht es scheiße und du legst gleich mal deine Betroffenheit dar, dafuq?

Igitt, Männer, die bei einer Auflistung von Belästigungen durch andere Männer Scham äußern. Ekelhafter Manpain. Was hat der Mann wohl falsch gemacht?:

Warum das falsch ist? Weil es die Aufmerksamkeit verschiebt. Es geht nicht mehr um grausames sexistisches Ereignis X, es geht darum, wie grausames Ereignis X einen Mann* emotional mitnimmt. Dadurch wird es legitimer. Ja, auch das ist Sexismus. Nein, das ist KEINE HILFE.

Also: Durch seine Bekenntnis seiner Scham entwertet der Mann den Seximus, also wohl auch das schöne Feindbild Mann und zeigt sozusagen aus der begrenzten Menge Leid etwas für sich selbst ab. Der Sexismus scheint nicht mehr so schlimm, denn jetzt leiden auch Männer darunter. Und wenn Frauen noch nicht einmal der Sexismus gelassen wird, dann ist das natürlich Sexismus.

Zweisatz noch einmal:

Versteht ihr nicht, was passiert? Die Debatte wird legitimisiert dadurch, dass auch Männer* Sexismus schlimm finden. Das. Ist. Sexismus.

Es zeugt eigentlich entweder von einem sehr frauenfeindlichen Frauenbild oder von einem ziemlichen Verfolgungswahn: Ich vermute, dass in ihrem Weltbild ein Unterstützen von Männern irgendwie immer in ein Bevormunden umzudeuten ist: Was immer Männer unterstützen wird in ihrer Vorstellung zu deren Projekt, in dem sie die Regeln bestimmen. Dass die Männer nicht legitimieren, sondern sich die unterstützenden Männer an den Frauen orientieren und diese den Weg vorgeben scheint in ihrer Welt nicht vorkommen zu können.

Sie rantet dann etwas darüber, dass Männer eh immer mehr Aufmerksamkeit bekommen und deswegen immer mehr im Rampenlicht stehen.

Es gibt einen Tumblr-Post von einem Typen, der ein soziales Experiment gemacht hat. (Ob bezüglich Sexismus oder Cis-Sexismus weiß ich nicht mehr). Er trug “weibliche” Klamotten (Bluse, Rock, …) und beobachtete die Reaktionen. Als er einen Tag lang den Rock trug, machten ihn die Reaktionen richtig fertig. Text über das Experiment? Rauf und runter verlinkt.

Wisst ihr wie viele (englischsprachige) Artikel es zu Cis-Sexismus und Sexismus im Netz gibt, die aus einer Betroffenen-Perspektive geschrieben sind? Ihr könnt sie in eurer Lebzeit nicht einmal lesen. Und dieser weiße Cis-Dude kommt daher und bringt alle zum Weinen. SO fühlt sich das also an. Das ist ja echt schmerzhaft. Da sollten wir Mitleid mit den anderen haben.

Es muss schon hart sein, wenn man sieht, dass die Männerartikel besser ankommen und das nur und ausschließlich weil diese Männer Privilegien haben. Erstaunlich eigentlich, dass die anderen Feministinnen sich auch nicht von den Privilegien lösen können und dennoch die Männertexte verlinken. So mächtig ist das Patriarchat!

Ich weiß, wie gut es sich anfühlt, wenn eine Person, von der man es nicht erwartet hat Es Versteht(tm). Dennoch ist das kein Grund für Belohnung, wenn ein Mann* endlich akzeptiert, dass es Sexismus und sexuelle Belästigung gibt. Die Belohnung für ein privilegierten Person die diskriminierende Struktur anzuerkennen, von der sie profitiert, ist Kein-Arschloch-sein. Hier ist deine “Herzlichen Glückwunsch, Du bist kein Arschloch”-Marke. Ich hoffe, das reicht.

Das ist ja eine alte feministische Einstellung (Lantzschi hatte schon mal ähnliches geschrieben): Unterstützendes Verhalten wird nur als Wiedergutmachung bzw. Abschaltung von sexistischen Verhalten dargestellt und ist daher der Null-Zustand. Aus meiner Sicht etwas kurz gedacht: Ich erwarte von meinen Mitmenschen auch einen freundlichen Umgang, wenn nichts negatives vorgefallen ist. Verhalten sie sich so, dann bin ich meinerseits freundlich. Klassische Reziprozität bzw. Tit for Tat.

Ein normales menschliches Verhalten, dass hier eher aufgekündigt wird.

„Die meisten männlichen Feministen sind entweder Vergewaltiger oder Flaschen und verpesten die Frauenbewegung“

Die Seite „Feminismus 101“ will eine erste Einführung in den Feminismus geben:

Ein “101″ ist im Englischen der Begriff für eine “einführende Erklärung”. Die hier veröffentlichten Texte sind Übersetzungen der Grundlagentexte aus dem Blog “Finally a Feminism 101 Blog“. Es handelt sich dabei beispielsweise um Erklärungen von feministischen Fachbegriffen wie “Consens Culture” oder “Male Privilege”, aber auch um praktische Verhaltensratschläge und eindringliche Beispiele.

Zum Vorwurf „Feministinnen hassen Männer“ schreibt man da:

Anders als beim “alle Feministinnen sind lesbisch”-Mythos, wäre es eine schlechte Sache, wenn der “alle Feministinnen sind Männerhasser”-Mythos wahr wäre.

Dann erläutert man in einem weiteren Artikel, warum einige Feministinnen mißtrauisch gegenüber Männern sind, die sich als Feministen bezeichnen oder dort mitarbeiten:

Vor kurzem gab es eine Welle an “männlichen Feministen” die in den Foren wo ich reinschaue posten. Zuerst sah ich sie und dachte mir, großartig! Ich meine, ich mag Feminist*innen, und ich mag Männer, also könnte ein meinen, eins mag diesen angeblichen Hybrid aus beidem ebenfalls. Und tut es dann am Ende doch nicht so sehr. Es stellte sich heraus, dass die meisten der Männer, die ich persönlich kenne und ein großes Ding daraus machten, sich als Feminist zu identifizieren, entweder Date Rapists waren, Mütterfetishisten, süchtig nach Pornographie, oder als “Papa Bär” ihre frustrierten, pseudoväterlichen Neigungen Frauen aufdrängten. Sie sind einige der passiv-aggressivsten, bevormundendsten, “Austeilen aber nicht einstecken können”-Flaschen auf diesem Planeten, und verpesten die Frauenbewegung aus dem Inneren heraus indem sie jedem die gottverdammte Energie verzehren.

Das ist also die dann ja wohl aus dieser Sicht berechtigte Kritik an männlichen Feministen, die in einem Einführungsartikel unkritisch wiedergegeben wird. Kein Hinweis darauf, dass es eine extreme Einzelmeinung ist oder irgendeine Einschränkung. Die meisten feministischen Männer sind halt einfach Schweine und Vergewaltiger.

Wie soll man da nur darauf kommen, dass es Männerhass im (extremen) Feminismus gibt?

vgl. auch:

„Feminismus für Kerle (von einem Kerl)“

Gerade macht bei Twitter der Text „Feminism for Dudes (from a Dude)“ die Runde. Es ist der übliche Text, doch einfach mal zu akzeptieren und nicht zu hinterfragen. Aber gerade, weil er so typisch ist, hier meine Anmerkungen dazu:

Die Einleitung lässt einen bereits erkennen, aus welcher Richtung der Text kommt.

„So this was spurred by talking to a friend who is a lady and a feminist, about how annoying it is for feminists to answer all the questions guys coming to grips with being a feminist ally inevitably have.“

„Feminst ally“ ist der Kampfbegriff, der anzeigt, dass man der Meinung ist, dass man als Mann noch nicht einmal Feminist sein kann. Er erklärt ihn dann auch gleich selbst:

(A side note: I call myself a feminist, and consider myself a feminist. I am a dude, and some feminists feel that men can’t really be feminists because they have never experienced all the shit that comes with being a woman, and get to go around experiencing all the advantages of being a man on a day to day basis, i.e. male privilege. Most of these feminists would call me a “feminist ally,” since I’m on the same side politically but can’t really “get it.” Moving on.)

Hier sieht man auch schön das Gruppendenken des Feminismus: AlleFrauen haben all die schrecklichen Erfahrungen gemacht, die das Patriarchat für sie nun einmal bereit hält und können sich daher Feministin nennen. Den Männern hingegen ist unabhängig von ihrem persönlichen Leben dieser Einblick verwehrt. Sie sollen sich bloß nicht anmaßen, sich Feminist zu nennen, weil sie dann ja die Gruppenidentität aufweichen und das Feindbild zerstörren. Letztendlich ist auch dies ein Out-Grouping-Verfahren, dass insbesondere aus IDPOL herzuleiten ist: Wer zulässt, dass auch Männer sich Feministen nennen können, ihnen gar Mitspracherechte zugesteht, der ist ja schon wieder dabei, den absoluten Sonderstatus von Frauen als Opfer einzuschränken.

Es folgt eine Metapher dazu, warum Feministinnen so genervt davon sind, dass Männer, die beim Feminismus alle durch die gleichen Phasen gehen, immer die gleichen Fragen stellen.

Like, imagine you think sunsets are pretty. Now imagine that half of all people on the face of the earth are taught that sunsets are ugly. Every friend you have from this half of humanity has to learn, over time, that sunsets are pretty. And they all come to you asking things like “But don’t sunsets signal the end of the day and make you sad?” and making arguments like “If sunsets were pretty, the word sunset wouldn’t be synonymous with the end of something good” and the first friend you answer those questions for doesn’t annoy you very much. The fiftieth annoys you a lot. And then on the INTERNET, there are like a thousand people making these arguments and they all think they’re so clever for thinking them up. That might make you fucking mad, actually, to put up with over and over. NOW imagine that you run a pro-sunset blog, have a pro-sunset twitter feed, or whatever. There are even anti-sunset trolls that just like fucking with people who like sunsets, and end up making arguments similar to your well-intentioned questions. You’d probably go apeshit, even more-so than a friend asking about this stuff.

In der Tat durchaus verständlich. Allerdings auch ein interessantes Beispiel: Es ist ja letztendlich eine kulturelle Frage, wie man den Sonnenuntergang wertet. Also so gesehen eine Ansichtssache. Hier kann es einen natürlich nerven, wenn Leute fragen stellen, aber man hat jedenfalls nicht die Wahrheit gepachtet. Im Geschlechterbereich hingegen ist es ja nicht nur eine Ansichtssache. Es gibt zahlreiche Fakten. Aber man soll so ein Beispiel ja auch nicht überstrapazieren.

So here you are, and you have questions about feminism, and if my analogy wasn’t fucking terrible, you understand that asking feminists basic questions about feminism can be tiresome or even infuriating for them, based on context. What do?

Hier hat er eigentlich den heiligen Zorn gut vorbereitet. „Ermüdend oder wütend machend“ kann also das beantworten von Fragen sein. Man muss also vorsichtig sein, wenn man schon Fragen hat. Zu welchem Verhalten rät er demnach:

First, be aware that context is pretty important. If you have a feminist best friend/partner, it will be less annoying for them to go through this stuff with you than a stranger on the Internet.

Verständlich. Hier hat er allerdings auch schon wieder langsam eingebaut, dass alle deine Fragen einfach nervig sind. Sie stören, sie machen wütend, sie sind nervig.

Second, be ready to suck it up and admit that you’re not special or clever for agreeing with feminist ideas. By and large they’re pretty basic, and we as men are just overcoming years of social programming to understand what amounts to “women shouldn’t be mistreated because of their gender, and massive cultural bias results in that very thing happening even unintentionally.”

Das ist dann ja mal ein sehr schneller Schritt. Es ist aus dieser Sicht zu erwarten, dass man mit den Feministischen Ideen übereinstimmt, was ich ja durchaus unterschreiben würde, wenn es darum gehen würde, das Frauen gleichberechtigt und gleichwertig sind, also einen Equityfeminismus. Er haut allerdings gleich einmal ein wenig mehr rein: Natürlich muss man erkennen, dass wir Männer sozial dazu programmiert sind, dass Frauen schlecht behandelt werden dürfen und das so verinnerlicht haben, dass es unterbewusst passiert. Das muss man überwinden. Wer es nicht überwindet, wird von der Gesellschaft also quasi zu Frauenhass getrieben. Schon kein ganz kleiner Punkt, über den man nicht diskutieren soll, sondern der selbstverständlich zu akzeptieren ist.

Third, be aware that feminism has a lot of its own terminology and that terminology exists for good reasons. You might think that, for example, “queer” means one thing (an insult) while it’s used in feminist academia differently (i.e. queer studies) and among members of the LGBT community as an identifier (i.e. “I’m a queer woman”). Arguing about these definitions is pointless, since they exist for a much broader community and derive their usefulness from the commonality of the definition.

Das finde ich nachvollziehbar. Jede Bewegung hat ihre Sprache. Es darf eben nur nicht dazu führen, dass über die Begriffe bereits Konzepte der Diskussion entzogen werden.

Finally, finish reading this and then go see if any questions you still have (or that you think I answered terribly) are on http://finallyfeminism101.wordpress.com/. That there is just FULL of questions you have, and it’s a really good resource and you should search it for your questions.

Finallyfeminism101 wird übrigens auch gerade von Antiprodukt übersetzt, wer es lieber auf deutsch lesen möchte. Was ich auch durchaus empfehlen würde, es gibt einen Eindruck in viele Punkte des radikalen Feminismus. Wer ein „Feminist Ally“ sein will, der sollte sich schlau machen, so wie eben auch jemand, der Christ werden will, etwas über das Christentum lesen sollte.

Soviel zum Vorgeplänkel.

Now, for your actual edification, here is the basic path every guy coming to feminism goes through.

Also hinein in die erbauenden Ratschläge:

First, they learn what privilege is and think it’s not really a thing. ”But women have advantages too!” ”What about the draft? Women will never have to get shot at involuntarily!” And so on. Privilege is a thing. You just have to accept it, even though it makes you feel kind of icky. And it seriously does make you feel icky, thinking that you get stuff just for being a guy. I get treated differently (i.e. better) by car dealers because I’m a guy, I have a much lower chance of being raped because I’m a guy, I get paid more (on average) just by default because I’m a guy. I got preferential treatment in school because I was male, giving me more confidence and assertiveness (immensely advantageous psychological traits) as an adult man. Male privilege is an enormous and completely undeserved advantage, and not having it would suck. It would be being a woman.

Was für ein herrlicher Absatz! Akzeptiere! Hinterfrage nicht! Garniert mit allerlei Behauptungen von angeblichen Privilegien, die keineswegs unstreitig sind. Allgemein zu den Privilegien hatte ich ja schon einiges an Kritik gebracht:

Allein der Gender Gap ist ja leicht zu hinterfragen.

Und die schulischen Vorteile ebenfalls. Ganz zu schweigen davon, dass die psychologischen Eigenschaften, die er aufführt, in einen gewissen Zusammenhang mit Hormonen, insbesondere Testosteron stehen. (Exkurs: Man bringe diesen Abschnitt mal in einer Diskussion um Führungskräfte: Frauen sind eben nicht selbstbewußt genug, es ist ihre Rolle, sie sind so erzogen, wie sollen sie dann gegenwärtig mehr Führungskräft stellen. Aber das hatten wir hier ja schon mal.

Auch interessant finde ich, dass seine Argumente die eigentlich vorgebrachten Argumente gar nicht betreffen. Die Gegenposition war: Auch Frauen haben Privilegien, nicht nur Männer. Dann Privilegien der Männer aufzuführen entwertet dieses Argument nicht. Wenn Männer und Frauen verschieden behandelt werden, dann wird es eben Vorteile und Nachteile in bestimmten Bereichen geben. Seinen Blick dabei auf die weiblichen Nachteile zu richten und die weiblichen Vorteile auszublenden, macht dann wenig Sinn. Man nehme beispielsweise die höhere Selbstmordrate bei Männern oder andere Nachteile, wie eben die angesprochene Gewalt.

Das Gegenargument ist hier letztendlich: Nein, immer schön nur frauenzentriert auf die Nachteile schauen, alles andere ist egal, es ist zu akzeptieren, ihnen geht es schlechter, Punkt.

Next, guys coming to feminism accept that privilege exists, but try to minimize its impact. ”There are laws requiring equal hiring practices, so women can’t really make less.” ”But women have advantages too. They have all the power in dating!” There are some things that have been done to mitigate male privilege and structural sexism. Just because those things have been done, however, doesn’t mean that there isn’t more to do. As for advantages women have, they tend to be the result of sexist culture (which feminists want to eliminate), and frequently aren’t really advantages for women who don’t want to be treated differently. Feminists would like custody decisions after a divorce, for example, to be decided entirely based on the welfare of the child, rather than leaning toward giving custody to the mother by default (which is, on a tangential note, a recent development in custody law). They don’t like that women are treated differently based on their gender alone, and furthermore don’t like that women getting custody by default limits them to the domestic sphere to some extent. So just accept that privilege is a serious problem, and even if steps have been taken to correct it, the work isn’t done yet.

„Accept“, Akzeptiere, scheint mir sein Lieblingswort zu sein. Nicht „vollziehe meine Argumente nach“, sondern einfaches akzeptieren. Der klassische Fehler des jungen feministischen Verbündeten ist natürlich, dass er IDPOL nicht folgt: Frauen sind immer die benachteiligste Gruppe und jeder Versuch eine Verbesserung der Lage zu zeigen, ist ein Angriff auf die Opferidentität und damit böse. Wer auf Fortschritte hinweist, der verharmlost das Problem

Auch sehr schön sieht man bei ihm die Verbiegung des „Wohlwollenden Sexismus“. Frauen wollen die Vorzugsbehandelung ja gar nicht, deswegen können sie auch nichts dafür. Sie bekämpfen den männlichen Sexismus und dann fallen auch die Vorzüge weg. Die Hände sind rein, die Unschuld vorhanden. Bei Frauen sind Privilegien nicht vorwerfbares, sie sind durch das Patriarchat und damit die Männer aufgezwungen. Die Privilegientheorie stellt ja bekanntlich darauf ab, dass derjenige, der Privilegien hat, sie nicht erkennen kann. Der Feminismus will sie nicht nur nicht erkennne, er deutet sie zu einem Nachteil um. Das könnte man natürlich auch bei allen männlichen Privilegien machen (statt „er macht Karriere“ –> „er muss das Geld verdienen“), aber das wird eben nicht thematisiert.

After that, men argue something that boils down to “but what about men and how feminism affects them.” For example, they might say that all this talk about rape culture makes it sound like all men are rapists, and I’m not a rapist so you shouldn’t paint all men with such a broad brush. (This is the biggie out of these arguments, actually.) The frequent response, and the one that you really need to take to heart, is this: IT’S NOT ABOUT YOU. If someone talks about rapists, and you’re not a rapist, THEY ARE NOT TALKING ABOUT YOU. If someone talks about companies that never promotes women to the highest positions, but your employer has a female CEO and half its board are women, THEY ARE NOT TALKING ABOUT YOUR COMPANY.

Es ist erstaunlich, dass er das selbst glaubt. „wenn jemand über Vergewaltiger redet und du bist kein Vergewaltiger, dann reden sie nicht über dich?“ Im Feminismus? In dem AlleMänner von Vergewaltigungen profitieren, in dem durch Männer gerade eine Vergewaltigungskultur geschaffen wird um die Frauen klein zu halten? Wie kann man Rape Culture vertreten und gleichzeitig diesem Satz zustimmen?

Ein paar andere Zitate noch dazu:

  • In our culture, where rape and harassment and abuse are so common, men have lost the right (if it ever existed) to insist that women should be able to differentiate (in a matter of seconds) between the harmless and the threatening (…) Silence is, in practical terms, tacit consent and approval. (Hugo Schwyzer)
  • All men benefit from some men’s violence against women because that violence – and the threat of it – is a key tool in men’s continued subordination of women, from which all men benefit. (STFU Rape Culture)
  • So when you, a stranger, approach me, I have to ask myself: Will this man rape me? (…) How do I know that you, the nice guy who wants nothing more than companionship and True Love, are not this rapist? I don’t. When you approach me in public, you are Schrödinger’s Rapist. (Schrödingers Rapist)
  • A man is a rape-supporter if…He has gone to a strip club…He watches any pornography in which sexual acts are depicted as a struggle for power or domination, regardless of whether women are present…..He tells or laughs at jokes involving women being attacked, sexually “hoodwinked,” or sexually harassed…He argues that people (or just “men”) have sexual “needs.” (Eve bit first)
  • Rapeculture macht Vergewaltigung zu einem allgegenwärtigen Teil männlicher Verbindungen. (…) Rapeculture ist die allgemeine Annahme, es gäbe unterschiedliche Arten von Vergewaltigern: Der “normale” Vergewaltiger (dessen Verbrechen sehr wahrscheinlich mit einem “Jungs sind halt Jungs” fallengelassen werden) ist der Mann, der sich attraktiven Frauen aufzwingt, Frauen seines Alters bei guter Gesundheit, dessen Verbrechen auf verstörende Art von seinen männlichen Verteidigern als verständlich angesehen werden. (…) Rapeculture sind die unzähligen Arten auf die Vergewaltigung stillschweigend und offenkundig begünstigt und angespornt wird, dass sie unsere Kultur bis in die hinterste Ecke so durchdrungen hat, dass die Menschen nicht einmal ohne Weiteres erfassen können, was Vergewaltigungskultur wirklich ist. (Antiprodukts Übersetzung von Feminism 101)

An diesem Beispielen sieht man meiner Meinung nach, dass nicht nur der Vergewaltiger schuld ist. Sondern alle Männer, die – nach feministischer Theorie – davon profitieren. Wer sich einen Porno anschaut ist schon mitschuld an der Kultur, die zu Vergewaltigungen führt. Jeder Mann ist erst einmal der Vergewaltigung verdächtig und das ist auch okay, weil er eben ein Mann ist. Und das ist bei der Betrachtung von beruflichen Vorteilen doch nicht anders. Das Schaffen eines männlichen Geschäftsklimas kann bereits ein passender Beitrag sein, den auch der unbeteiligte leisten kann.

It’s nice that you personally are not directly contributing to the particular problem being discussed, but it’s extremely disruptive to respond to a discussion of that problem by saying you’re not part of the problem. It comes across as 1) diminishing the problem, more or less saying that since you aren’t part of it, it must not be that commonplace and 2) complaining that your feelings are hurt by this discussion and you deserve compensatory praise for not being an awful sexist.

Eigentlich macht er es selbst in dem nachfolgenden Absatz deutlich: “ not directly contributing“. Aber indirekt eben schon. Und er führt auch gleich aus, dass man sich nicht damit entschuldigen soll, dass man nicht Teil des Problems ist. Und man redet zwar nur über den einen Vergewaltiger, aber der Einwand, dass es dann eben nur der eine Vergewaltiger ist, ist ebenfalls ausgeschlossen. Es sind eben viele Vergewaltiger und ein System dahinter, die Rape Culture. Und schon sind wir wieder in der Kollektivhaftung.

Feminism is not aiming to make men feel comfortable while also eliminating sexism. It’s just aiming to eliminate sexism.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne und das hohe Ziel rechtfertigt alle Mittel. Es ist interessant, dass so direkt erklärt wird, dass man auf Männer keine Rücksicht nehmen muss. Warum auch, sie sind ja an allem Schuld, im Gegensatz zu den armen unschuldigen Frauen, die an gesellschaftlichen Vorgängen und Traditionen gänzlich unbeteiligt sind.

You will probably be made uncomfortable by some things feminists say, because they’re horrifying. That one in four women is raped is awful, and that men are doing virtually all of that raping is proof of a systemic problem in our culture. That you personally have not raped anyone is nice, but beside the point.

Ja, es macht mich in der Tat unkonfortabel, wenn solche falschen Fakten verbreitet werden. Eine von 4 Frauen? In Deutschland kommen auf 100.000 Einwohner ca. 10 Vergewaltigungen. Also nicht vergewaltigte Frauen, sondern Vergewaltigungen. Ein Vater, der sein Kind 10 in zehn Fällen vergewaltigt erfüllt insoweit bereits die Statistik. Natürlich wird es hier eine Dunkelziffer geben, aber auch die deckt die Zahlen nicht. Selbst Schweden mit seiner sehr hohen Anzeigerate kommt auf lediglich 46 Fälle pro 100.000 Einwohner. Dazu, wie der „1 von 4“ Mythos entstanden ist, hat Christina Hoff Sommers bereits das wesentliche geschrieben, hier noch mal ein kurzer Auszug:

There is, however, one flaw that affects the significance of Kilpatrick’s findings. An affirmative answer to any one of the first three questions does reasonably put one in the category of rape victim. The fourth is problematic, for it includes cases in which a boy penetrated a girl with his finger, against her will, in a heavy petting situation. Certainly the boy behaved badly. But is he a rapist? Probably neither he nor his date would say so. Yet, the survey classifies him as a rapist and her as a rape victim. 

Es ist eben das alte Spiel damit, Fälle in einer Gruppe zu bündeln, die dort nur teilweise hinein gehören und so die Fallzahlen zu erhöhen. In der Tat schockierend. Aber eher in einer Weise, die gegen den Feminismus Guide spricht. Immerhin ist es interessant, dass er den anderen Männern jetzt ein Unwohlsein zugesteht, nach dem er zuvor verkündet hat, dass sie ja gar nicht schuld sind und eigentlich gar nicht gemeint sind, wenn nicht direkt über sie geredet wird.

It’s okay to feel uncomfortable about the problems our sexist culture creates for women. Women feel considerably more uncomfortable about it because it hurts them. Accept that feeling and move on, and hopefully be comforted by the fact that if sexism is completely eliminated, nobody will have to feel uncomfortable about male privilege or rape or discrimination EVER AGAIN! YAY!

Das ist so herrlich naiv und gleichzeitig so klassisch Radikalfeministisch, dass es schon fast lustig ist. Wenn der Sexismus komplett beseitigt wurde (dank der heldenhaften Feministinnen) braucht sich auch kein Mann mehr wegen seiner Privilegien unwohl zu fühlen und es gibt keine Vergewaltigungen und keine Diskriminierung mehr. Juhuuu! Allein schon die Vorstellung Vergewaltigungen ausrotten zu können ist reichlich unrealistisch, weil es eben genug Verrückte gibt, denen das männliche Privileg vollkommen egal ist.

Finally, the big argument that men coming around to feminism make that is trickiest is what’s called “tone argument.” In short, it boils down to something like this: “I agree that sexism is awful, and I look forward to the day when it’s eliminated. But whenever you talk about sexism, you sound really angry about it, and that’s alienating for guys like me, who want to help! You should adopt a more friendly tone, that would draw more people in.” This is a surefire way to make a feminist on the Internet annoyed with you. They hear this constantly, in a variety of forms, and it’s not helpful.

Aber bitte, wir wollen doch Feministinnen nicht von uns genervt sein lassen! Sie haben natürlich ein Anrecht auf einen ärgerlichen Ton, der wie wir noch lernen werden, ja eh nicht wegen uns vorhanden ist. Warum soll man auch Freundlichkeit erwarten können, wenn man – wie er oben dargelegt hat – nichts falsch gemacht hat?

There are feminists out there making arguments with friendly, inclusive overtures to non-feminists. It takes multiple approaches to reach everyone, and the assertive brand of feminism you’re taking issue with IS NOT AIMED AT YOU. It’s aimed, in all likelihood, at other women who are also upset with the effects of sexism in society. Just like any political movement rallies its base, feminists talk to each other about what bothers them to raise awareness, to practice articulating particular ideas, and just to fucking vent. If you are bothered by the tone, repeat to yourself: It’s Not About You. If a woman is angry about pick up artists, and you’re not a pick up artist, she’s not mad at you! If a woman is pissed she lost a job to a less qualified male candidate, and you aren’t the person who made the hiring decision, she’s not pissed at you! And her anger is helpful in reaching out to other people who are angry about the same issues.

Einmal dürfte es bereits falsch sein, dass Feministinnen nie sauer auf Männer an sich sind. Das sie immer nur sauer auf die konkret handelnde Person und nicht auf „das Patriarchat, seine Unterstützer und alle die es am Leben halten“ (= so gut wie alle Männer) ist eine sehr mutige Aussage. Und selbst wenn sie nur der anderen wegen wütend ist, dann kann sie mich dennoch normal behandeln. Das erwartet man von so ziemlich allen Menschen in den allermeisten Situationen und warum man gerade für Feministinnen eine Ausnahme machen sollte, erschließt sich mir nicht.

There’s a time for diplomatic tone, but it’s really not your place to suggest when that time is. Doing so comes across as condescending, and you can bet that the feminist making the angry post/tweet/comment/whatever has thought about this more than you.

Ja, weil es irrationales Handeln bei Feministinnen nicht gibt und sie immer alles wohl durchdacht einsetzen. Natürlich ist es mein Recht eine höfliche Behandlung einzufordern, wenn man sich mit mir unterhält. Wer ist sie, das sie denkt, sie könne andere wie ein Untermensch behandeln und für sie würden die Regeln eines zivilisierten Umgangs nicht gelten? Als ob Frauen oder Feministinnen umgekehrt das gleiche Argument gelten lassen würden

Furthermore, even if you’re completely well-meaning and just think you’re offering helpful advice, your suggestion is used by a lot of trolls to try to shut down feminist arguments.

„Die sagen, dass ich nicht unhöflich sein darf, dabei sind die selbst blöd und deswegen darfst du mir auch nichts sagen“ ist in der Tat ein gutes Argument (wenn man in einem Kindergarten ist). Ansonsten darf man wohl erwarten, dass es so aus dem Wald herausschallt, wie man in ihn hineinruft. Natürlich kann jemand mal gestresst sein. Aber das gibt ihm dennoch nicht eine Freikarte immer und überall das Schreiprivileg zu nutzen, ohne das man ihn dafür kritisieren darf.

Because of that, telling a feminist to consider a different tone frequently provokes an angry response, one you may be surprised by given your good intentions, but one that is reasonable nonetheless. If her anger at sexist behavior/attitudes makes you uncomfortable, ask yourself if you’re uncomfortable because you think the thing she’s talking about doesn’t exist, or if it’s because you feel like she’s mad at you and that makes you feel bad.

Wir halten fest: Wenn man wegen etwas sauer ist, dann darf man jeden diesbezüglich anmotzen. Auch den, der nichts dafür kann. Die Heizung ist kaputt? Schrei den Reparaturdienst an. Dein letzter Sex war schlecht? Schrei den Kassier an, der dir die Kondome verkauft hat. Ich sehe, der Feminismus ist hier einem Erfolgsrezept auf der Spur.

If it’s the former, you’re probably wrong, should check the issue out on feminism 101, and think long and hard before getting into it with her over that issue. If it’s the latter, suck it up. If she’s mad about something you have yourself done, STOP DOING THAT THING. If she’s mad about something you’re not part of, it’s not about you!

Also: Wenn es dich stört, dass sie sich über etwas aufregt, was du nicht glaubst, dann glaub es eben einfach. Es stimmt, denn Feministinnen irren sich nie! Können sie gar nicht. Wenn du denkst, dass sie sich über dich aufregt und dir das nicht gefällt, dann stell dich halt nicht so an und nimm es hin (es ist ganz rational von ihr). Wenn ihr etwas nicht gefällt, dann lass es sofort. Weil sie die allerwichtigste Person ist und du eben nichts zu sagen hast.

If you take all of this to heart, you can probably avoid annoying a huge swathe of women on the internet! And that will be nice for you and also really nice for them.

Es ist nett für dich, wenn du verhindern kannst, dass sich Frauen aufregen und für sie auch. Win-Win! Wen interessiert es, dass du da buckeln und akzeptieren musst? Akzeptiere einfach! Das Leben ist soviel einfacher, wenn man einfach dem Feminismus folgt, ohne darüber nachzudenken!

Ein Nachtrag noch:

Es besagt schon viel, dass dieser Text, der im wesentlichen sagt, dass Feministinnen in allem recht haben und man sie wie rohe Eier behandeln muss, noch kritisiert wurde: Es wurde als Ausdruck ihrer männlichen Privilegien gesehen, dass sie so einen Text schreiben, weil sie damit Frauen natürlich wieder den Rang ablaufen und dann mehr zitiert werden.

Stein des Anstoßes war Katrins Artikel zu dem Beitrag, die sogar teilweise kritisch ist:

Potentiell wird damit Kritik unmöglich. Außerdem ist es so verallgemeinernd formuliert, dass es FeminstInnen wirklich auf ein Podest der Weisheit stellt, das kaum zulässt, kritisiert oder hinterfragt zu werden. Das kann schlimmstenfalls eher abschreckend als einladend wirken. Schade eigentlich, denn die Idee ist ja prima. Kaufman und Kimmel sind mit ihrem Respekt konsequenter, das ist der große Gewinn am Guy’s Guide. Als Einstieg oder Weiterbildung für Männer daher ohne Abstriche zu empfehlen.

Das Fazit finde ich zwar nach den davor stehenden Sätzen etwas merkwürdig, aber sei es drum.

Radikalfeministinnen verurteilten die Verlinkung auf den Text, zB hier:

 

 

Die miesen Schweine, hier einfach mal so feministisches Wissen wiederzugeben!

Aus einigen feministischen Blogs:

Bei Khaos.Kind:

Was mich an dem Ganzen so stört, am Artikel wie auch am Tweet:

Es geht nicht um Einfachheit oder Verständlichkeit. Das ist soweit ich es verstanden habe auch nicht der Fokus des Blogbeitrags, der für Grundwissen selbst auf feminism101 (englisch) verlinkt. Es geht um Geschlecht. Darum, dass Männer* andere Männer* direkt ansprechen. Weil diese ihnen eher zuhören. Ihnen automatisch mehr Kompetenz zuschreiben. Sich eher angesprochen fühlen und auch reagieren. Und weil Männer* vielleicht einen anderen Blick auf das Ganze haben. (…) Das ist eben der Wert des Kontextes. Darum finde ich den Blogpost und das Buch wichtig und richtig. Darum finde ich es gut, dass Männer* mit Männern* über Feminismus sprechen und darüber schreiben. Doch genau darum bin ich von dem Artikel mittelschwer enttäuscht. Weil er den Fokus verfehlt. Weil es nicht darum geht, etwas einfach zu sagen. Weil es darum geht, wer es sagt. Gender matters. That’s the point.

Dabei geht es hier meiner Meinung nicht darum, dass Männern eine allgemein höhere Kompetenz zugesprochen wird. Allenfalls wird jemanden, von dem man im Kampf der Geschlechter eher annehmen kann auf der eigenen Seite zu stehen, der also vermeintlich zur In-Group zählt, eine für diesen Fall höhere Kompetenz zugesprochen, zumal es hier aus einer männlichen Perspektive erzählt wird, die dann evtl für Männer eher nachzuvollziehen ist.

Sanczny sieht es im Grunde wohl ähnlich, wenn sie allerdings ebenfalls noch auf die Privilegien abstellt:

Männer nutzen ihr Male Privilege jeden Tag. Ob sie wollen oder nicht. Es gibt kein einfaches Opt-Out für Male Privilege. Dann ausgerechnet, wenn es darum geht, es für Feminismus zu nutzen, zu sagen, ihnen wird nur wegen ihres Privilegs zugehört und das ist nicht gut, ist – nur meine Meinung – nicht so richtig zielführend. Wer soweit geht, müsste auch folgerichtig die Meinung vertreten, dass Männer gar keine Feministen sein können. (…) Es gibt Männer, die erst Zugang zu Feminismus finden, wenn er ihnen von Männern erklärt wird. Die da abzuholen, wo sie sind, kann erstmal genau die Dominanz reproduzieren, gegen die sich Feminismus einsetzt. Aber die Zielgruppe des Guy’s Guide und ähnlicher Angebote sind Einsteiger. Wenn die bereits perfekte Antisexisten wären, bräuchten sie das Buch nicht. Denen jetzt zu sagen “Du kapierst es zwar nicht, aber das von einem Mann erklärt haben zu wollen ist sexistisch”, gibt im Zweifel eine schöne lose/lose-Situation.

Hier zeigen sich zwei interessante Prinzipien, die beide ihren Ursprung in IDPOL haben:

Einmal:

Wer etwas gut findet, was Männer gemacht haben, der würdigt damit automatisch Frauen herab, die das auch schon gemacht haben und verkennt, dass man Frauen stärken und hervorheben muss

Und:

Im Kampf für den Feminismus ist jedes Mittel recht, selbst ein kurzfristiges Verbünden mit dem Feind, solange man sicherstellt, dass er auch wirklich auf unserer Seite kennt und ganz auf unserer Linie ist

Wenn etwas ehrlich angesprochen werden sollte, dann nicht die Privilegierung der Autoren, sondern der Grund für den intrafeministischen Streit.

Wie man sich als profeministischer Mann im Genderfeminismus verbiegen muss

Ein weiterer Bericht vom Gendercamp kommt von Simon Kowalewski und ich finde er zeigt noch einmal schön auf, dass man in diesem Teil des Feminismus als Mann nicht gut aufgehoben ist, wenn man nicht Spass daran hat, der Sündenbock für alles zu sein, keinerlei Mitspracherechte zu haben und auf dem Boden zu kriechen:

Die profeministische Reflexion seiner Sünden äh  Privilegien macht den Anfang:

Zunächst muss ich darauf anerkennen, dass ich ein absolut privilegiertes Leben führe. Ich bin ein weißer heterosexueller Cis-Mann aus einem guten Elternhaus, habe mein Abitur als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen und mit 21 ein Diplom als Ingenieur erworben. Ich lebe in einem reichen westlichen Land, in dem ich auch geboren wurde und aufgewachsen bin und dessen Mehrheitssprache ich fließend spreche. Mir wurde auch der Luxus zuteil, weitere Sprachen lernen zu können. Mir stehen also in unserer Gesellschaft alle Türen offen. Ich habe die Freiheit, nicht Teil einer bestimmten Religion oder Weltanschauung zu sein, und brauche mich dafür nicht zu rechtfertigen. Ich habe keine feste Beziehung und keine Kinder, kann also über meine Zeit beliebig selbst verfügen, und meine Entschädigung als Mitglied des Abgeordnetenhauses macht mich finanziell unabhängig. Ich war nie Opfer sexualisierter Gewalt und konnte mich bislang immer, wenn ich wegen meiner Ansichten und Überzeugungen angegriffen wurde, sehr gut selbst verteidigen.

Bravo sage ich. Das klingt doch alles gut. Kein Grund sich zu entschuldigen, kein Grund ein schlechtes Gewissen zu haben. Du hast deine Fähigkeiten und du hast für deinen Erfolg gearbeitet.

Er scheint auch ansonsten aus seiner Sicht der „guten Sache“ gedient zu haben:

Eigentlich dachte ich trotzdem, als ich zum #gendercamp fuhr, dass ich ein ziemlich guter Feminist bin. Ich habe das ja auch mal irgendwann irgendwo behauptet, und in der Folge haben eigentlich alle Presseerzeugnisse, die über die #15piraten berichteten, bei mir statt einer Berufsbezeichnung nur “Feminist” geschrieben. Immerhin, ich lese Antje Schrupp und die Mädchenmannschaft, schaue jede neue Folge der Feminist Frequency (die man hier übrigens unterstützen kann) und höre den nrrrdz-Podcast und habe seit meinem Eintritt in die Piratenpartei 2009 eine Menge genderpolitischer Diskurse innerhalb der Partei und nach außen mit bearbeitet, bin lose mit dem #kegelklub assoziiert, habe den Gender-Squad mitgegründet und als unsere Fraktion im Abgeordnetenhaus Sprecher benannt hat, wurde mir die des frauenpolitischen völlig ohne Widerworte zugestanden. Ich habe allerdings keine Sozialwissenschaft studiert und in sofern bin ich eher Dilettant, was feministische Theorie angeht. Ich dachte, ich könnte auf dem Gendercamp etwas mehr darüber lernen.

Anderer Organsiationen würden jemanden, der so hart an ihrer Sache arbeitet. Was er auch im folgenden selbst als Erfahrung darstellt, die er in anderen Gruppen gemacht hat.

In diesen Teilen des radikalen Feminismus aber ist er der mit Erbsünde ausgestattete Feind:

Dieser Zusammenhang wurde mir auf dem #gendercamp schmerzlich bewusst, beispielsweise als im Plenum die Kinderbetreuung eingeteilt wurde. Ich wollte helfen, habe mir aber aus mangelnder Erfahrung mir nicht zugetraut, eine Schicht verantwortlich zu übernehmen. Also fragte ich die zwei (Frauen), die sich für eine Schicht haben einteilen lassen, ob ich bei ihnen ein “Praktikum” machen könne. Ich dachte, dass ich damit im Rahmen meiner (selbst empfundenen) Möglichkeit mein Möglichstes täte. Per Twitter wurde mir dann aber mitgeteilt, dass ich statt dessen auch einfach aufstehen und herausgehen hätte können, schließlich würde ich so auch wieder nur unterstreichen, dass die Reproduktionsarbeit in erster Linie Frauensache sei und ich mich als Mann nicht verantwortlich daran beteiligen wolle, evtl. denen, die sie übernommen haben, noch zur Last fallen würde.

Da verhält er sich schon so undominant wie möglich und fällt trotzdem hin. Eine typische Zwickmühle:

Handelt er selbst, dann ist er ein Patriarch. Handelt er nicht selbst, dann ist er auch einer, weil die anderen die Arbeit machen.

Gewinnen kann man dabei nicht. Es gilt nach wie vor, dass man doch bitte nicht stören soll, sondern einfach die Schuld für alles übernehmen soll.

Aus meiner Sicht keine attraktive Perspektive. Dabei kann man meiner Meinung nach auch konstruktiv und selbstbestimmt an einer Gleichberechtigung der Geschlechter arbeiten. Eine Gleichberechtigungsbewegung, die nicht auch die andere Seite zu Wort kommen lässt, sollte man – sei sie maskulistisch oder feministisch – ablehnen und sich eine andere Gruppe suchen, die bereit ist tatsächlich zwischen den Geschlechtern und ihren Interessen zu vermitteln, dort eine für beide Seiten gerechte Lösung zu finden und diese umzusetzen.

Mir würde als Mann diese Spielart des gynozentrischen Feminismus auf die Nerven gehen, weil ich mich nicht selbst abwerten will, nur weil ich einen Penis habe.

Das aber ist mit der Privilegientheorie nicht möglich. Mit ihr muss es einem Spass machen, sich unter Anrufung der Schlechtigkeit der Männer an sich die Büßerrute über den Rücken zu ziehen.

Aber auch hier bleibt wohl des Menschen Wille sein Himmelreich.

Macht durch Anfordern des perfekten Verhaltens, Selbstüberwachung und Profeminismus

Ich habe noch einmal darüber nachgedacht, was mich eigentlich so an den Haltung von Franziska bei Anarchie & Lihbe stört und fand dabei einen Kommentar unter dem Artikel von Philippe Wampfler hilfreich, der die Prinzipien, die er dort erkennt, noch einmal zusammenfasst:
  1. Männer können nicht mit Anerkennung rechnen, wenn sie sich antisexistisch verhalten – und wenn sie nur erste Schritte in diese Richtung machen, müssen sie weiterhin kritisiert werden für ihr Verhalten.
  2. Wer sich unfrei oder unsicher fühlt, weil er/sie Grenzverletzungen begehen könnte, muss diese Möglichkeit ausräumen und sich nicht über das Gefühl der Unfreiheit und Unsicherheit beklagen.
  3. Männer sollten ihre Erfahrungen mit antisexistischem Verhalten unter Gleichgesinnten produktiv nutzen, anstatt sich darüber zu beklagen.
Dagegen verweißt Franziska darauf, dass es kein Imperativ sei, aber wie sie den da angesichts ihres Textes rausbekommen will, erläutert sie leider nicht. Sie stellt ja konkrete Anforderungen, die einem Imperativ gleichkommen.
Diese Prinzipien haben aus meiner Sicht erhebliche Schwachstellen:
  1. Über weiche Begriffe wie Mackertum oder patriarchalisches Verhalten wird gerade in Verbindung mit der Definitionsmacht eine unerfüllbare Hürde aufgebaut. Wer versucht, sie zu erfüllen, der wird allenfalls erleben, dass der Begriff immer weiter nach unten schraubbar ist. Es wird dann eben so etwas darunter fallen wie die Auffassung aufgrund seines Geschlechts Geschirr nicht abräumen zu müssen (was ich durchaus kritikwürdig finde), aber auch eine breitbeinige Sitzhaltung, wie der Artikel zeigt. Wenn er dann endlich geschlossen sitzt dann kann man ihm vorwerfen, dass er nicht genug lächelt und damit eine innere Abwehrhaltung gegen die Befreiung der Frau und die Abschaffung des Mackertums demonstriert und damit den Frauen Angst vor der Kontrarevolution macht. Lächelt er genug, dann vielleicht nicht ungezwungen genug etc. Es fehlt also ein limitierender Faktor.
  2. Diesen könnte man dadurch hereinbringen, dass man ein Feedbacksystem einführt, nachdem aus dieser Sicht gutes Verhalten angesprochen wird. Das ist aber gerade nicht erwünscht. Vielmehr soll man ihn nicht loben oder positives Feedback geben, denn seine Verbesserungsbemühungen sind selbstverständlich. Hingegen darf weiterhin vollständig kritisiert werden, eben bis hin zur Sitzhaltung oder seiner Art zu sprechen einschließlich der Stimmlage. Er wird also beständig weitere Anforderungen an sein Verhalten gestellt bekommen, dass es immer weiter vom „Mackertum“ entfernen. Es ist im auch nicht möglich, selbst ein Feedback einzufordern oder seine Sicht der Dinge darzustellen, denn damit würde er ja den Feminismus in seiner Arbeit behindern. Er muss sich also andere Männer suchen und mit diesen die „Mackertumbekämpfungsspirale“ weiter nach unten schrauben. Auf das beste, was er hoffen kann, ist dann das Fehlen der Kritik. Gleichzeitig wird eine sehr harte Eigenkritik verlangt: Wenn Zweifel vorhanden sind, ob etwas nicht doch mackerhaft ist, dann muss er es im Zweifelsfall lassen bzw. ändern. Und was bitte ist nicht mackerhaft in irgendeiner Form, wenn man es nur genug hinterfragt?
  3. Er ist also Sisyphos, der den Stein immer wieder den Berg hinauf rollt um ihn dann oben durch die Kritik seines Verhaltens wieder nach unten gestoßen zu bekommen. Aber wie uns Camus lehrt ist Sisyphos ja ein glücklicher Mann. So mag auch der männliche Profeminist durch die Kritik gestärkt den Berg hinunter wandern um auf neue die Kugel des unmackerhaften Verhaltens nach oben zu schieben, sich freuend, dass sie bald wieder heruntergestoßen wird und er sein Werk von neuen beginnen kann. In dem er die Absurdität seines Handelns anerkennt gibt er seinen Leben Sinn, das Universum ist, wie Camus schreibt, nicht mehr unfruchtbar und wertlos, der Kampf gegen das eigene Mackertum ist eine Welt für sich. Er vermag ein menschliches Herz auszufüllen. Wir müssen uns daher nach dieser Ansicht auch den Profeministen als einen glücklichen Menschen vorstellen.
  4. Im Idealfall ist es sogar er, der, wenn er den Fels hinaufgerollt hat die Strecke kritisch zurückblicken muss um den Fels dann wieder gen Tal sausen zu lassen. Den er ist ja selbst dafür verantwortlich weniger mackerhaft zu werden. Dieses Ideal der Selbstverpflichtung ohne erkennbares Ende im Kampf gegen das männliche Privileg macht die Situation dann noch brisanter. Er muss sich nicht nur den Vorwurf machen lassen, dass er ein Macker ist ohne den Vorwurf hinterfragen zu können, er muss auch noch schauen, was er genau falsch macht und darf nie zufrieden sein (das wäre nämlich auch mackerhaftes Mansplaining und ein Verstoß gegen die nicht ausgesprochene Definition, also eine Aberkennung der Definitionsmacht. 
  5. Also: Was der profeministsche Mann auch macht, er wird immer weiter im Hamsterrad laufen. Und sich selbst noch dabei antreiben, obwohl er niemals ins Ziel kommen kann.

    Würde mich persönlich nicht so begeistern. Aber jedem das Seine.
 Mich würden an dieser Stelle aber Geschichten von Männern interessieren, die diesen Weg gegangen sind. Eine hatte ich ja schon verlinkt, aber sie enthält auch wenig konkretes. Hugo Schwyzer scheint gerade einmal der Auffassung gewesen zu sein, dass er das Hamsterrad unter Kontrolle hat und in seinem Tempo weiterlaufen kann, musste aber die Erfahrung machen, dass das bereits Mackerhaft ist und eine fehlende Selbstgeißelung für alle Verfehlungen, sofortige Rückversetzung in den Feindesstatus bewirkt. Kennt jemand noch andere Geschichten?

Die „profeministische Männerorganisierung“ bzw. Männer als Feministen

Die Position von Männern im Feminismus war hier schon häufiger Thema:

Hier noch weitere Gedanken dazu:

Adrian Lang macht sich auf seinem Blog Gedanken darüber, wie eine profeministische Männerorganisierung aussehen könnte

Er startet gleich mit einer interessanten Definition von „Mann“:

Als „Mann“ würde ich in dem Fall Personen definieren, die zeitweise oder immer vom Patriarchat bevorteilt werden. Das können neben cis-Männern auch unter anderem trans* sein.

Die Definition allein ist recht typisch für eine feministische Definition aus dem Privilegienbereich. Auch wenn sie etwas cirulär ist.

Zum einen geht es darum „männlich“ zu definieren, ohne das man damit Geschlechter festlegt. Denn eigentlich gibt es ja Mann und Frau gar nicht, sie sind nur gesellschaftliche Konstrukte. Da aber das männliche in der Gesellschaft die Privilegien hat, ist männlich, was Privilegien hat.

Eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die alle Möglichkeiten die Menschen seitens der patriarchischen Gesellschaft nutzt, könnte danach ja schon fast wieder ein Mann sein. Ein passendere Definition für das gemeinte wäre ja eigentlich:

Alle mit einem männlichen Phänotyp

Den an dem scheinen ja die männlichen Privilegien zu hängen, da die Gesellschaft danach die Privilegien zuweist.

Dann zum Problem von Männern in gemischten Feministengruppen mit Frauen arbeiten wollen:

Bei gemischten Gruppen und Veranstaltungen sehe ich häufig das Problem, dass die (wenigen) Männer ohnehin schon dominieren.

Es ist interessant, wie schnell Männern unzweifelhaft das dominante als Eigenschaft zugewiesen wird, wenn es negativ ist. Da können Männer nicht in Frauengruppen mitarbeiten, weil sie sie dann dominieren.

Interessant wäre es, ob man im gleichen Atemzug auch bestätigen würde, dass Männer in der Arbeitswelt dominieren. Und sich die daraus folgenden Probleme bewusst macht. Warum soll ich eine Frau in leitender Position einstellen, wenn sie in Besprechungen so schnell von Männern dominiert wird? Wie soll sie sich durchsetzen? Kann ich in Verhandlungen um einen Vertrag etc erwartet werden, dass für sie ein Schutzraum errichtet wird oder wird man annehmen können, dass die Gegenseite darauf keine Rücksicht nimmt und sich zB bei einem Kunden besser darstellt?

Klar, in einer perfekten Welt, die nicht patriarchisch wäre, würde es gerecht zugehen und jeder würde seine Entscheidungen nach Leistung, objektiven Angebot und unter beständigen Austausch von Nettigkeiten treffen. Aber in einer perfekten Welt fliegen einem auch gebratene Hühnchen in den Mund.

Zum Vorteil männlicher Mitarbeit:

Andererseits können Männergruppen die Position unterstützen, dass das Bekämpfen des Patriarchats keine Frauenaufgabe ist, sondern Männer als Täter und Profiteure verantwortlich sind.  (…)

Allerdings frage ich mich dann, inwiefern Männer nennenswert feministisch arbeiten können – einerseits haben sie ja kein eigentliches Eigeninteresse daran, nein, es widerspricht sogar eher ihrem Eigeninteresse, andererseits fehlt ihnen auch die Betroffenen-Perspektive. Jesse Lawson schreibt:

feminism is not something that I will ever feel. I can know about it, I can practice it, and I can live it every single day, but the fact of the matter is that feminism is going to be different for men and women, and men will never understand how important feminism is in the same way a woman would.

Auch eine feministische Praxis können Männer nur in eingeschränktem Rahmen umsetzen, da sie auf ihre Privilegien nicht einfach verzichten können. Selbst der Verzicht – so er denn überhaupt nennenswert gelingt – beinhaltet ja einerseits das Privileg, Verzicht geübt, quasi feministische Leistung erbracht zu haben, und andererseits die Sicherheit, dennoch jederzeit wieder darauf zurückgreifen zu können.

Interessant finde ich dabei, dass es in solchen Texten immer nur noch „die Privilegien“ heißt. Genauere Angaben erfolgen selten. Irgendwie ist ja auch alles an einem Mann privilegiert. Interessant dann auch, dass Privileg und Patriarchat nicht nur eine Erbschuld der Männer ist, sondern anscheinend jeder einzelne Mann gleichzeitig Täter (per Geburt anscheinend) ist, der sich durch aktive Gegenarbeit von dieser Täterschaft UND Erbsünde befreien muss.

Mir ist das etwas viel Opfertum und etwas viel Schuldzuweisung.

Wo wir gerade bei Schuldzuweisung sind:

Hier noch eine Betrachtung eines männlichen Feministen zum Alltagssexismus und wie er sich diesen bewusst macht (beim Kegelclub, einem feministischen Piratenblog / auf seinem eigenen Blog):

Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue Frauen auf den Hintern und auf ihre Brüste. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Werbung mit leichtbekleideten Frauen darin finde ich gut.

Und warum auch nicht? Warum sollte man sich dafür schämen. Es ist kein Sexismus, sondern vollkommen normal. Ich weigere mich, mich für meine Sexualität zu entschuldigen. Natürlich: Diese findet ihre Grenzen an den Rechten der anderen. Eine normal angezogene Frau penetrant anstarren muss nicht sein. Aber sich einen Blick auf den Hintern oder die Brüste einer Frau zu gönnen, gerade wenn diese sie entsprechend verpackt und betont, dass ist kein Sexismus. Es ist normale Sexualität

An beiden Texten wird deutlich:

Männliche Feministen müssen bereit sein, Schuld auf sich zu nehmen und sich schlecht zu fühlen, weil sie ein Mann sind

Erscheint mir nicht gesund.