„Das Patriarchat schadet auch Männern“ (Patriarchy hurts men too)

„Das Patriarchat schadet auch Männer“ oder im englischen „Patriarchy huts men too“ hört man recht häufig in Diskussionen mit Feministen und das in verschiedenen Bedeutungen:

1. Feminismus ist gut für alle, auch für Männer, weil es gegen das jeden schädigende Patriarchat ist

In dieser Verwendung geht es darum, dass Feminismus eigentlich gut für Männer ist, weil es Rollen hinterfragt, die auch Männern das Leben erschweren. Nur im Feminismus gebe es dieses Hinterfragen von Rollen und die Beseitigung der festen Rollen erforder eben die Beseitigung des Patriarchats. Diese Rollen würden eh nur einem bestimmten Teil der Männer dienen, der hegemonialen Männlichkeit, die dann zwar Vorteile auch an andere Männer verteilt, aber irgendwie würde es dennoch allen Männern besser gehen, wenn das Patriarchat weg wäre. Jedenfalls wäre man dann eben kein Unterdrücker mehr und insofern ein besserer Mensch, was ja auch schon ein Vorteil wäre.

In dieser Funktion wird es auch gerne zur Entkräftung von Gegenargumenten gebraucht: In einer Diskussion um Geschlechtergerechtigkeit wird von der Gegenseite angeführt, dass auch Männern erhebliche Nachteile in der Gesellschaft haben und der Feminismus einseitig auf Nachteile von Frauen abstellt. Dann wird eben darauf verwiesen, dass dies kein Argument gegen den Feminismus wäre, sondern eins dafür, denn all diese Nachteile sind eben nur Nebenfolgen des Patriarchats, so dass diese alle wegfallen, wenn das Patriarchats wegfällt.

Das Problem an dieser Begründung ist:

Es geht von Prämissen aus, die so nicht zutreffen:

  • Rollen hinterfragen kann man auch dann, wenn man nicht davon ausgeht, dass es ein Patriarchat gibt, in dem alleine Männer oder einige Männer die Regeln vorgeben und in dem Frauen unterdrückt werden.
  • Man kann beispielsweise davon ausgehen, dass Rollen den biologischen Unterschieden zwischen Mann und Frau und den jeweiligen Ergebnissen sexueller Selektion und intrasexueller Konkurrenz folgen und Ausgestaltungen davon sind, die aber im Sinne eines Essentialismus absolut gesetzt worden sind, was so nicht der Fall ist.
  • Auch muss man die Lösungen, die der Feminismus bietet nicht für die maßgeblichen halten. Man kann auch wesentlich humanistischere Ansätze verfolgen, die nicht auf dem Prinzip „Frau – Opfer, Mann=Täter“ bzw einer Umformung davon aufbauen und kann den Anteil, den Frauen daran ganz aus eigene Interesse und nicht aus internalisierten Sexismus haben, anerkennen.
  • Dann aber ist der radikale Feminismus keineswegs die Lösung der Probleme und der Hinweis auf den Feminismus auch kein Gegenargument, weil dort eben keine geeigneten Lösungen bestehen.

2. „Das Patriarchat verletzt auch Männer“ ist eine Taktik um Frauen zum Schweigen zu bringen und Männerproblemen Raum zu´geben

Das der feministische Ansatz eben gerade Männern häufig nicht hilft wird auch gleich an der nächsten Verwendung deutlich. Dazu ein Text:

The patriarchy hurts men too“ is a set of silencing or derailing tactics whose basic motif is to draw attention from the original topic to men’s issues in feminist discussion.

This is usually done by bringing up certain points in a discussion about women’s experiences or oppression that women face:

  • that not all men benefit equally from the patriarchy
  • that performing masculinity can be difficult (being expected to take the romantic or sexual initiative) or dangerous (being expected to be able to physically fight, being physically bullied)
  • that sexual violence happens to men too
  • that due to ideas involving masculinity and femininity, men are categorically considered inferior to women in some specific areas of life (such as being a better parent when a choice must be made in a divorce custody case).

All of these things are true, and they should be discussed, but insisting that men’s problems be constantly acknowledged and included in feminist discussions is a derailing tactic. Men are, as a class, the group advantaged by the patriarchy, and thus spaces discussing the experiences of women and gender diverse peoples are comparatively rare.

Rather than derailing conversations about and between women, men who want to discuss male identity, masculinity and the patriarchy need to create new discussions in spaces that aren’t marked as women-centred.

Hier wird wieder das janusgesichtige oder eher schizophrene des Feminismus deutlich: Wenn es passt, dann heißt es, dass es für Männer natürlich vorteilhaft ist, sich für Feminismus einzusetzen, weil der Feminismus ja gut für sie ist. Innerhalb des Feminismus sollen sie aber bitte die Klappe halten und nicht dadurch ablenken, dass sie ihr Probleme in die Sache einbringen, sie sind schließlich die Unterdrücker

„Typenfeminismus: Nichts können aber in die erste Reihe stellen für Kekse“

Wir müssen uns den männlichen Feministen als glücklichen Menschen vorstellen. Er hat ein hohes Ideal, welches er erreichen will und rollt beständig den Stein der Anständigkeit den Hügel hinauf. Beständig kommt auch eine Feministin und stößt ihn wieder hinunter, so dass er sich weiter verbessern kann. Beschwingt kann er den Hügel hinuntergehen und sich sagen, dass er wieder etwas klüger geworden ist, etwas weniger sexistisch. Und beim nächsten Versuch klappt es bestimmt.

Ein solcher Feminist ist Robin Detje, der über den anschwellenden Ekelfaktor berichtet, der sich angesichts antifeministischer Kritik regt. Dabei bringt er zwar keine Argumente, aber viel wichtiger Stimmungen:

Ulf und Harald, Jan und Matthias wollen wir die Dorfhelden nennen, weil sie das auch gerne so halten: Wenn irgendwo Frauen aufmucken, werden diese in ihren Glossen oder auf ihren Facebook-Seiten öffentlich zur Minna gemacht, mit Vornamen angekumpelt und hochschnöslig abgemeiert. Nach dem Motto: Wie können diese Mädchen es wagen? Haben sie denn in der Schule nichts gelernt? Ja, die Herren treten gerne nach unten. Und zwar von ganz oben.

(…)

Mit dem Schmähbegriff der Political Correctness wird Anstand dann belegt, wenn Menschen sich über ihn stellen wollen – einfach deshalb, weil sie Männer sind, weiß oder alt oder alles zusammen

Wenn sie das Recht für sich in Anspruch nehmen wollen, alles, was Minderheiten vorbringen, als nerviges Gezeter abzutun, das ihre Freiheit bedroht. Anstatt zuzuhören, wie es sich unter zivilisierten Menschen gehört. Nein, es ist nicht okay, ein Spaß-Terrorregime aus Kolumnen zu errichten, die Schwächeren den Mund verbieten wollen. Nein, Frauen, die in den Geschlechterbeziehungen ein Machtgefälle erkennen, wollen euch weißen Männern nicht die Schwänze abschneiden. Und nein, Randgruppen, die ihre Verletzlichkeit offenbaren und mehr Schutz möchten, wollen euch nicht die Weltherrschaft wegnehmen. Obwohl – schöner Gedanke eigentlich …

Nein, es gibt in Deutschland niemanden, der diktatorisch-gouvernantenhaft politische Korrektheit durchsetzen möchte. S

Der WHM hat die Weltherrschaft und bangt um sie, die Frauen sind Opfer und wollen nicht „die Schwänze abschneiden“. Sie wollen nur etwas Freiheit – weitergehen, hier gibt es nichts zu kritisieren. Wer Freiheit will, der darf eben ruhig ein Geschlecht pauschal zum Täter abstempeln, ihm die Errichtung einer Rape Culture vorhalten, alle Schlechtigkeiten der Welt auf ihn übertragen und in seinen Tränen baden. Gut, dass Feministinnen niemanden den Mund verbieten wollen, nicht im #Gamergate oder auf Twitter, nicht in sonstigen Debatten, nicht generell in der Geschlechterdebatte, auf so etwas können ja nur AntiFeministen kommen. Es gab keine Aufschreie wegen T-Shirts oder heterosexuellem Küssen oder Babies oder heterosexuellem Sex. Der Feminismus möchte da gar nichts durchsetzen.

Soweit alles richtig gemacht. Aber der Stoß den Hügel hinab kommt gewiss, hier in Gestalt von Sanczny:

Robin Detje möchte nun also Stellung beziehen gegen diesen antifeministischen Backlash. Soweit sehr nett. Von da an geht’s bergab. Er schreibt:

[…] Professx Lann Hornscheidt, die keine Frau mehr, sondern nur noch X sein möchte. Die einen Weg öffnen möchte, aus dem Geschlechterrollenspiel auszusteigen, auch in der Anrede, um zu sehen, ob die damit verbundenen Machtgefüge dadurch sichtbarer werden. [Hervorhebung von mir.]

Äh? Detje hat offenbar seinen eigenen Satz nicht gelesen und gendert mal eben – ganz in guter Absicht natürlich – Profx Hornscheidt AUCH falsch. In einem Satz, in dem es genau darum geht. (Das nach eigenem Belieben mit einem falschen Geschlecht adressieren ist cis-sexistisch. Das ist so ziemlich der Punkt bei der ganzen Sache.)

Nicht. Gut. Genug!  Und damit falsch. Aber es folgen schlimmere Verstöße

Detje zieht dann weiter gegen Ulf Poschardt, Harald Martenstein, Jan Fleischhauer und Matthias Matussek ab:

Wir können uns doch von den N****n das “N***r”-Sagen nicht verbieten lassen [im Original ist das N-Wort beide Male ausgeschrieben]! Das ist doch ein freies Land! Minderheitenphobiker sind diese vier, vom eigenen späten Übermut besoffen. Unangreifbar, weil sie ja die eigentlichen Verfolgten sind, weil immer noch irgendwo an einer Ecke ein Mädchen aufmuckt, eine T****e [diskriminierende Bezeichnung für transgeschlechtliche Menschen ist auch im Original ausgeschrieben], eine Lesbenzicke [?]. Da muss man dann einfach mit dem Porsche drüber.

Legt diesen anderen Typen diskriminierende Sprache in den Mund und lässt sich nicht nehmen, das alles auszuschreiben. Zwei mal das N-Wort unnötigerweise ausgeschrieben, zwei Mal eine diskriminierende Bezeichnung für transsexuelle Menschen unnötigerweise ausgeschrieben. Und dazu dann lauter tolle Distanzierungen von “alternden” WHM, Matussek “gaga” nennen, und die Abwertung dieser nach meinem Kenntnisstand alle in Großstädten lebenden älteren Herren als “Dorfhelden” (diese “es reicht nur fürs Dorf”-Attitüde ist klassistisch).

Lustigerweis hätte Robin hier von den WHMs lernen können. Martenstein hat die entsprechenden Vorwürfe ja bereits hinter sich. Es ist schon fast lustig, dass er hier in eine ähnliche Falle tappt, bei der er der Gegenseite bestimmte Worte in den Mund legt, die dann als unsagbare Äußerung ihm selbst angerechnet werden.

Sanczny weiter:

Was Robin Detje hier leistet ist symptomatisch für Typenfeminismus: Nichts können aber in die erste Reihe stellen für Kekse. Sich von anderen Typen distanzieren um das eigene Typ-Sein zu relativieren. Groß rauströten, was man für ein toll emanzipatorischer Dude ist, und dann mit einer Sparversion von Feminismus auflaufen, die den Namen nicht verdient hat. Und sich gerade deswegen für den sogenannten Mainstream so gut anfühlt: Man muss nur sagen, dass man dafür ist. Ansonsten muss man gar nichts ändern.

Robin Detje hat eben auch nur übersehen, dass er ein Typ ist. Er versteht nicht, dass er selbst Weltherrschaft hat, denn er ist ein Mann und nimmt Raum ein. Er hat als Mann Macht und ist kein Guter, weil er Feminist ist. Er soll lieber den Mund halten, denn er nimmt Frauen Raum weg. Und das auch noch schlecht. Er hat hat nicht bedacht, dass auch er nur die Luft verpestet.

Immerhin wird er nicht als Vergewaltiger bezeichnet. 

Das ist doch immerhin ein Fortschritt

„Der Feminismus will doch gerade die negativen Geschlechterrollen auch für Männer aufheben“

In einer Diskussion zu der Frage, wann ein Feminist / Maskulist als vernünftig angesehen wird, bringt Onyx ein bereits häufiger im Feminismus verwendetes Argument:

In seiner Rezension listet Hoffmann einige Dinge auf, wo Männer benachteiligt werden (fehlende Hilfsangebote für Männer, höhere Suizidrate, Sorgerechtsstreitigkeiten, etc). Was er nicht sagt, ist, dass die meisten Punkte davon Ursachen haben, die Anne selbst kritisiert. Nämlich die Tatsache, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es für Männer verpönt ist, schwach zu sein. In einer Gesellschaft, in deren Justiz selbst noch Gedankenkonstrukte herrschen, in denen “Frau und Muttersein” untrennbar miteinander verwoben ist, aber “Mann und Vatersein” immer optional, und mit vielen Diskussionen verbunden ist

Ich hatte es kürzlich auch schon hier etwas ausführlicher dargestellt, es ist – wie Leszek in der Diskussion bei Onyx auch richtig anführt – das „Patriarchy hurts men too“-Argument.

Meiner Meinung nach geht es an der Sache vorbei. Denn tatsächlich ist das, was der radikale Genderfeminismus dort anbietet, sehr wohl gegen Männer oder zumindest Männlichkeit gerichtet. Denn es wird ja nicht einfach darauf abgestellt, dass sich jeder verhalten soll, wie er will, sondern das ganze wird in eine Opferrolle der Frauen und eine Täterrolle der Männer eingeordnet.

Ein Vergleich macht vielleicht deutlich, warum der Genderfeminismus sich hier zwar formell das Helfen für Männer auf die Fahnen schreiben kann, tatsächlich aber eine Hilfe nicht erfolgt:

Wenn religiöse mittelalterliche Fanatiker anführen, dass sie doch die Probleme der Bauern genau benennen, nämlich schlechte Ernten und zuviel Hagel, und diese Beheben wollen, also eigentlich gut für die Bauern sind, ihre Hilfe aber darin bestehen würde, die Bauern ganz überwiegend für Sünder zu halten und diese Sünden durch das Feuer reinigen wollen, dann können sie sich natürlich in ihrer Gedankenwelt durchaus darauf beruhen, dass ein durch Verbrennen erlöster Sünder sowohl von seinen Sünden reingewaschen ist, was seiner unsterblichen Seele zugute kommt als auch das Dorf durch seine nun nicht mehr vorhandene Sündhaftigkeit auch vor einer Hungersnot bewahrt. Aber wir würden diese Maßnahme trotz dieses scheinbar „guten“ Ansatzes nicht für die heutige Zeit empfehlen, in der wir wissen, dass Dürre und Hagel unabhängig von Sünde existieren.

Der Fehler liegt hier darin, dass ein gutes Ziel  benannt werden kann, welches die anderen auch erreichen wollen, dass aber aufgrund einer falschen Theorie zu den Ursachen mit vollkommen falschen Mitteln angegangen wird, die überaus schädlich für die Bauern sind.

Auf den radikalen Genderfeminismus übertragen mag das gute Ziel sein, dass der Theorie nach auch stereotypes Verhalten von Männern aufgebrochen werden soll. Als Ursache wird aber „das Patriarchat“ angesehen, welches nicht existiert. Und das Mittel ist, dass man Männlichkeit an sich dämonisiert und in eine Privilegientheorie einordnet, innerhalb der Männer eine Art Erbschuld zugwiesen wird, die sie quasi zu Menschen zweiter Klasse macht, die sich beständig für alles exculpieren müssen, beständig ihre Privilegien hinterfragen müssen und selbst nicht diskriminiert werden können.

Verständlicherweise ist diese Position der beständigen Schuld für Männer nicht attraktiv, so dass sie der radikale Genderfeminismus hier eher vom Regen in die Traufe bringt.

Die feministischen Theorien unterschlagen dabei eben auch den Anteil der Frauen und deren Interesse an der Aufrechterhaltung der Geschlechterrollen. So etwas kommt im Feminismus allenfalls unter dem Stichwort vor, dass Frauen bestimmte patriarchische Regeln verinnerlicht haben und sie nur deswegen vertreten. Auch hier ist also die Frau allenfalls Opfer der Umstände oder Verbündete eines System, welches Männern nutzt, aber sie handelt nicht aus eigenem Interesse oder eigener Motivation

Eine Theorie, die darauf abstellt, dass auch Frauen Rollenbilder stützen, indem sie weinende Frauen lächerlich oder erbärmlich finden, weil sie eine Vorliebe für starke, selbstbewußte, Herausforderungen annehmende Männer haben, wird der Realität dabei viel eher gerecht. Und sie erlaubt beiden Geschlechtern eine Verantwortung an den Rollenbildern zuzuweisen, da eben auch die Männer innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz entsprechendes Verhalten abwerten. Zudem zeigt es auch die Schwierigkeiten auf, ein solches Bild zu überwinden, die realistischer sind als „eine unsichtbare Verschwörung der hegemonialen Männer hält die Geschlechternormen am Leben, auch wenn sie sonst keiner will“.

Die feministische Theorie ist insoweit nur scheinbar eine Hilfe. In ihrer radikalen Ausprägung fördert sie nicht die Freiheit der Männer, sondern eher deren bedingungslose Selbstkasteiung in der Hoffnung auf Gnade.

Die Nichtexistenz der „Feministischen Feuerwehr“

Nachdem die Mädchenmannschaft aus der Sommerpause zurück ist stellt die dortige Autorin Accalmie gleich klar, dass man dort nicht die „feministische Feuerwehr“ ist. Der Artikel ist zwar eigentlich recht inhaltsleer, gibt aber auch mal wieder einen interessanten Blick auf das feministische Selbstverständnis und den Umgang mit den „Allies“.

Fast jede Woche ist es wieder soweit: Ein Artikel, ein Buch, ein Video erscheint, in dem betont wird, wie schrecklich Feminist_innen seien und wie sehr der Mann von Heute (TM), nein, die Menschheit unter ihnen leide. Der eiserne Vorhang der Sexismuskritik drohe den Spass zu bremsen, und irgendjemand muss sich wieder sehr darüber empören, dass andere Menschen Misogynie anprangern, und mahnt daher gleich mal schreiend zu postfeministischer Gelassenheit, bis die femifaschistische Diskurspolizei der Gender-Weltverschwörung brutale Konsequenzen zieht durch ein erstes side eye.

Da finde ich es ja erst einmal schön, dass man im Feminismus anscheinend den Gegenwind bemerkt, der gegen ihn herrscht. Die Kritik wird natürlich zurückgewiesen und übertrieben dargestellt, es ist eben aus deren Sicht nur die Aufregung darüber, dass die Feministen zurecht Misogynie, also Frauenfeindlichkeit anprangern. Dann wird die feministische Kritikunfähigkeit und Humorlosigkeit noch heruntergespielt, indem als schärfste Reaktion nur ein kritischer seitlicher Blick dargestellt wird, statt dem eher zu erwartenden Versuch, den anderen mit einem Shitstorm und dem Versuch ihn sozial zu diskreditieren zu überziehen.

Menschen verdienen ihr Geld mit solchen Publikationen, während auf viele jener, …nun ja…, Ergüsse dann feministische Aktivist_innen in ihrer Freizeit mit lakonischen Kommentaren bis detaillierten Widerlegungen reagieren – zum Beispiel auf Blogs oder bei Twitter. Da hier selten neue Argumente ausgetauscht werden, sind die Debatten zunehmend müßig: was gegen Machtgefälle (und damit einhergehend eben nicht “herrschaftsfreie” Kommunikation) eher selten hilft, ist der zwanglose Zwang des besseren Arguments (…und dafür sind Betroffene ja auch viel zu subjektiv, nech…).

Das Patriarchat bezahlt eben auch in dieser Hinsicht seine Anhänger besser. Nicht, dass diverse feministische Aktivistinnen in zahlreichen Zeitschriften veröffentlichen würden….

Aber auch hier eine sehr entschuldigende Darstellung: Es ist nicht, dass wir uns nicht wehren könnten, aber wir sind eben nur Freizeitaktivistinnen, der Debatte müde, weil wir uns immer nur wiederholen würden und eh gegen ein Machtgefälle ankämpfen in dem wir unsere Argumente gar nicht auf die Weise vorbringen können, wie wir es wollen nämlich – und das schreibt sie tatsächlich – mit den besseren Argumenten überzeugend. Das ist doch mal wirklich eine interessante Wahrnehmung: Die Feministin, die anscheinend einer Diskussion, in der der zwangslose Zwang des besseren Arguments gilt, die würde ich ja gerne mal zur Diskussion einladen. Können wir auch ganz ohne Machtgefälle haben, einfach nur die besseren Argumente. Natürlich: Wahrscheinlich ist es in diesem Verständnis schon ein Machtgefälle, wenn man die feministischen Argumente tatsächlich hinterfragt und nicht einfach anerkennt. Es zeugt aus meiner Sicht schon von einer sehr starken Fähigkeit mit kognitiven Dissonanzen umzugehen, wenn man als Autorin bei der Mädchenmannschaft, einem Blog der noch nicht einmal eine innerfeministische Diskussion in seinen Kommentaren zulässt, wirklich meint, dass man jemand ist, der sonst auf den zwanglosen Zwang des besseren Arguments setzt.

Das hindert viele jedoch nicht daran, Aktivist_innen konstant dazu aufzufordern, sich zum Beispiel der Widerlegung sexistischer oder rassistischer Texte zu widmen, während andere erst einmal abwarten möchten (wenngleich vielleicht wohlwollend nickend). Seien es obsessiv gesetzte Pingbacks oder konstante Lektüre-“Tipps” von allies (Verbündeten): offenbar herrscht die kuriose Annahme vor, dass es so etwas wie eine Freiwillige Feministische Feuerwehr gäbe. Jene wird gerufen, wenn erneut die antifeministische Argumentationsschablone zum Einsatz kam und die Feministische Feuerwehr nun das Sexismusinferno löschen soll

Merkwürdig, da hat man einen der größten Blogs zum Feminismus und die Leute meinen, dass man vielleicht etwas zu dem Thema schreiben möchte, gerade wenn man massig Autoren hat. Wie kommen die da nur drauf und was für eine merkwürdige Vorstellung?

Ich persönlich freue mich über Hinweise auf sexistische Texte, auch wenn ich nicht dazu komme, alle zu besprechen. Von mir aus kann man ruhig obsessive Pingbacks oder konstante Lektüretipps geben. Erstens sind Links auf die eigene Seite immer gut, schon wegen Google, zum anderen will man ja mit so einem Blog üblicherweise auch angesprochen und um seine Meinung gefragt werden. Natürlich komm ich auch nicht dazu alles zu besprechen, was Leute mir zuschicken und manche finde ich natürlich auch nicht so interessant oder besprechenswert wie der Versender, aber ich muss es ja eben auch nicht besprechen, wenn ich das nicht will. Es ist eben eine Anregung. Auch nett: Die antifeminstische Argumentationsschablome: Eben keine wirklichen Argumente, nur Versatzstücke. Es kann ja keine berechtigte antifeministische Kritik geben.

Das Problem dabei ist jedoch, dass viele denken, dass zum Beispiel Antisexismus grundsätzlich die exklusive oder zumindest primäre Aufgabe von Frauen sei, und das rund um die Uhr. Dazu kommt noch, dass manche vielleicht meinen, Feminist_innen hätten täglich nichts Besseres zu tun, als auf akribische Sexismus-Spurensuche zu gehen, und man sie mit dem neuesten Beispiel überraschen und darin unterstützen könnte, endlich wieder etwas gefunden zu haben, anhand dessen man Sexismus aufzeigen kann. Aber hier kommt der Knaller: Aktivist_innen gehen nicht auf die Suche nach Diskriminierung. Diskriminierung holt Menschen ein, täglich; sie strukturiert diese Gesellschaft. Die neuesten -istischen Spitzen bekommt man durchaus mit, ob man möchte oder nicht – und sollte das mal nicht der Fall sein, ist es zumeist sowieso besser so. Wie gesagt: Neu ist an Sexismus oder Rassismus nichts.

Da ist auch wieder ein feministischer Catch22 gegenüber dem Ally versteckt: Schick es an die Feministin und man wird dir vorwerfen, dass du eine Anspruchhaltung hast und Aufgaben auf Frauen abwälzt, wenn es doch deine Aufgabe als Ally ist, gegen solche sexistischen Texte selbst vorzugehen. Geh selbst dagegen vor als Ally und man wird dir vorhalten, dass du dich zu sehr in den Vordergrund spielst, Raum einnimmst, Frauen, die ähnliches bereits kritisiert haben, die Aufmerksamkeit nimmst etc.

Und natürlich auch wieder der weitere Hinweis: Wir brauchen nicht auf Diskriminierung hingewiesen zu werden, wir als Frauen oder andere diskriminierte Gruppe sind immer und überall von jeder Form der Diskriminierung betroffen, wir bekommen also soviel Diskriminierung ab, dass wir alles schon kenne, du musst uns auf  nichts mehr hinweisen.

Manchmal treffe ich die persönliche Entscheidung mich nicht zum Beispiel X zu äussern, da ich entweder keine Zeit, Lust oder Nerven dazu habe, immer wieder die deckungsgleiche Debatte zu führen und mich dabei zwangsweise geballter Ladungen hocherfreuten Sexismus’ und Rassismus’ aussetzen zu sollen. Dann ungefragt dazu aufgefordert zu werden, sich doch Texte, Plakate oder Serien anzugucken, um diese dann auseinanderzunehmen (oder, noch besser, gleich Zitate geschickt zu bekommen), ist daher nicht nur unsolidarisch, sondern macht einer_einem das Leben nicht leichter – ganz im Gegenteil. Für “Haste nich’ gesehen?” / “Kannste das glauben?” / “Schreib doch mal was dazu, der_die hat X gesagt!”-Spam gibt es von mir meist keine Kekse, sondern ein genervtes Augenrollen. Das ist besonders dann der Fall, wenn “allies” sich selbst nicht äussern wollen, um es sich entweder nicht mit bestimmten Cliquen zu verscherzen oder dem grundsätzlich anstehenden Backlash zu jeder (zum Beispiel) antisexistischen oder antirassistischen Äußerung selbst zu entgehen.

Da hat Accalmie gleich noch als Profi-Feministin einen klassischen Bonuspunkt im Opfersein ergattert: Formvollendet verwandelt, denn hier ist sie Opfer weil sie 1) deutlich macht, dass sie eh schon soviel Sexismus abbekommt, dass jede weitere Mitteilung eine Zumutung ist 2) von ihr Arbeit gefordert wird, obwohl es eigentlich nicht ihre Arbeit ist, den Dreck anderer Weg zu machen 3) die das eigentlich nur machen, damit sie sich selbst nicht in die Schußlinie stellen, der sie dann ausgesetzt ist.

Ich glaube mehr Sexismus und Opfersein kann man aus dem Zuschicken eines Artikels an Mitglieder eines großen feministischen Blogs nicht herausholen.

„Ich werde über meinen besten Freund nie sagen, dass er kein Vergewaltiger sein kann“

Joshua, ein männlicher „feministischer Ally“, macht in einem Text deutlich, was es bedeutet, sich als Mann ganz der Rape Culture Theory zu verschreiben: Es bedeutet, dass man zu allererst davon ausgehen muss, dass auch jeder der eigenen Freunde ein Vergewaltiger sein kann und man daher niemals als deren Verteidiger auftreten darf:

Er beschreibt seinen Freund so:

My best friend, Richie (not his real name), is one of the sweetest guys you’ll ever meet. He’s kind, caring, and as insistent upon consent as anyone I know. I would drop everything to help him at a moment’s notice and I’ve never known him to be anything but entirely honest. To my knowledge, Richie has never been accused of sexual assault. Were he to be accused, I would be shocked and I would find it very difficult to believe.

Also eine Seele von Mensch und er würde es schwer finden, es zu glauben, dass er ein Vergewaltiger wäre.

Aber das wäre natürlich keine feministische Position, daher folgt:

None of that matters. Richie most certainly is capable of rape. All my other friends are capable of rape. All your friends, fathers, brothers, are capable of rape. I’m capable of rape. I feel like my knowledge of consent is strong and I’m insistent on an emphatic yes rather than „not no,“ but from an objective viewpoint no man that is physically capable of rape should be considered incapable of it.

In einer Rape Culture ist jeder in der Lage zu vergewaltigen. Und natürlich sind die meisten einigermaßen gesunden Männer rein körperlich in der Lage zu vergewaltigen. Ich hatte selbst einmal geschrieben, dass es wohl niemand völlig ausschließen kann, dass er eine solche Tat unter extremen Umständen vielleicht begehen könnte.

Dennoch kann man der Meinung sein, dass eine solche Tat sehr unwahrscheinlich ist und einen Freund, dem man so etwas nicht zutraut verteidigen. ich halte das sogar wenn die Umstände entsprechend sind, für eine sehr nachvollziehbare Haltung: Natürlich verteidige ich erst einmal einen Freund, dem ich eine solche Tat nicht zutraue. Und das natürlich auch um so eher, um so mehr ich die Tat für mich mit seinem Charakter nicht in Einklang bringen kann und um so eher sie davon abweicht. Das wäre natürlich gerade bei schweren Taten der Fall, denn wenn ich ihm einen Mord oder eine Vergewaltigung zutrauen würde, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mit ihm befreundet.

But every rapist has their defenders. It’s quite common that the defenders of the rapist vastly outnumber the defenders of the survivor, whether they actively discredit and attack the survivor or just choose „not to get involved.“ Rape survivors are forced to encounter their rapists over and over, in class, at work, at parties. Rapists are often popular, or „nice,“ or „mean well,“ and people „don’t want to take sides,“ content with ignoring the fact that refusing to disassociate with someone you have been told is a rapist is to very clearly choose a side.

Not only is it completely inaccurate to state that you know someone not to be a rapist, it’s damaging to the survivor of not only the rape in question, but to rape victims everywhere. The idea that anyone can just know that a person is not a rapist is preposterous, but completely ingrained in our collective mindset that no one bats an eye when the claim is made, either on the news or face-to-face with a person that is literally, at that moment, saying that she’s been raped. It reinforces the dangerous idea that rapists are other people, criminals, not our friends and family and neighbors.

Da spielt natürlich die Deutungshoheit mit herein: Wer eine Vergewaltigung nicht glaubt schneidet diese dem Opfer ab. Auf eine Prüfung des Einzelfalls kommt es nicht an. Jedes Nichtglauben ist bereits falsch. Es stärkt Vergewaltigungsmythen etc.

So rapists are allowed to continue on with their lives, spending time with their friends, confident in the knowledge that we live in a culture that’s begging to believe them and they’re surrounded by people that will attest to their incapability to commit such a reprehensible act. Meanwhile, survivors are shunned, ostracized and told that they’re wrong, that what happened to them was „a mistake,“ that the person that raped them may have been an asshole, but let’s not overreact and call this something it’s not. The price for a rape survivor to maintain friendships and resume something resembling a normal life is too often to ignore and excuse and rationalize something that should never be ignored, excused or rationalized by anyone, much less the person who has been violated.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es für eine vergewaltigte Person schlimm sein muss, wenn die Tat totgeschwiegen wird und sie sich entscheiden muss, ob sie es ignoriert oder den Freundeskreis wechselt. Genauso schlimm ist es sicherlich aber auch für jemanden, der zu unrecht einer Vergewaltigung beschuldigt wird und nun das Misstrauen aller erleben muss, die ihn zu Unrecht für einen Vergewaltiger halten, zusammen mit der Furcht vor einer erheblichen Strafe und in Amerika einem Eintrag als Sexualverbrecher, die ihn den Rest seines Lebens begleitet (in Deutschland macht es sich auch nicht gut im Führungszeugnis).

I don’t think Richie has ever raped anyone. I like to think he’s not going to rape anyone. I certainly hope he never rapes anyone. But I don’t know he’s not a rapist. I’ll never know he’s not a rapist. And sorry buddy, but I’ll never tell anyone that you can’t be a rapist.

Der Loyalitätskonflikt wird hier also zugunsten der Definitonsmacht entschieden. Etwas anderes wäre letztendlich für einen Ally auch nicht möglich. Das Thema ist zu heikel für alles andere als ein Glaubensbekenntnis. Es läßt noch nicht einmal die Äußerung des Zweifels zu, dass der Vorwurf unberechtigt sein könnte.

Interessen von Männern und Frauen an feministischen Forderungen

Kommentator Toxicvanguard schreibt zu den Interessen von Männern und Frauen an feministischen Forderungen das Folgende

Frauen werden den Forderungen vom Feministinnen kaum etwas entgegen setzen, ausser diese Forderungen beschädigen die Leben/Arbeit ihrer zugehörigen Männer (Väter, Ehemänner und Söhne) und selbst dann nur wenn es sich bei der Frau um jemanden hält, der die konservative Kernfamilie mit Beschützer gewählt hat und Angst hat, dass dieses Arrangement dadurch gefährdet wird. Ansonsten werden Frauen für ihren eigenen Vorteil stimmen, auch wenn dieser Vorteil den meisten Männern schadet. Ohne diesen Mechanismus hätte der Feminismus gar nie gewinnen können. (Witziges Beispiel: https://nationalparentsorganization.org/blog/20403-what-happens-when-a-feminist-s-son-is-accused-of-rape). Demographisch gesehen werden alleinerziehende Mütter mittlerweile sowieso den Rest beisteuern, sodass bald gar kein Widerstand mehr zu erwarten ist. Klar, die Geschwindigkeit der Gesetze mag je nach Land variieren und nicht deterministisch verlaufen, aber der Konsens über Quoten und Ressourcenverteilung ist parteiübergreifend. Die CDU mag vielleicht erst mit nur 35% oder 40 % kommen, aber die Frage ist nur noch, wie schnell das ganze umgesetzt werden kann. Das ist schon lange keine Richtungsfrage mehr.

Das wäre demnach die simple Theorie, dass sich selbst jeder der nächste ist und man nicht gegen eine auch überbordende Interessenvertretung hat, solange man deren Folgen nicht an anderer Stelle als negativ erlebt, also zB bei männlichen Freunden, Vätern, Ehemännern. So gesehen sind Frauen durch übertriebenen Regelungen zu Vergewaltigungen zB an Unis nicht betroffen, da sie ja diese jederzeit nicht anwenden können, also entscheiden, ob sie eine Anzeige nach einem darunter fallenden Vorfall machen. Sie behalten insoweit ein Ass im Ärmel. Selbst wenn sie nicht betroffen sind erleben sie es allerdings nicht als ihren Kampf, für den sie sich einsetzen müssen. Was ja durchaus verständlich wäre.

Bei den Männern greifen andere Mechanismen und es ist sehr einfach zu erklären, warum Männer für viele feministische Forderungen so anfällig sind. Einerseits ist es natürlich einfach dadurch zu sagen : “Seht her, wir sind die “Guten” und das dort drüben die “Schlechten” (siehe “Allies”, Hugo Schweizer, Kimmel etc.) und dies erlaubt auch die weitere Ausnutzung und Dämonisierung der als schlecht empfunden Gruppe. Wie jeder weiss werden Männer andere Männer ohne grössere Gewissenbisse Schaden zufügen, wenn das ihre Chancen im intrasexuellen Wettbewerb steigert. Zudem werden Männer weiterhin blind die meisten Forderungen erfüllen, die an sie gestellt werden. Dies ist natürlich eine ungesunde Spirale, da die Forderungen des Feminismus, einer Ideologie, die moralisierende Argumente als Triebfeder braucht, niemals aufhören werden. Dies hat ihren absurden Höhepunkt in Deutschland natürlich in der SPD/Grünen Partei, deren Männer ihre Selbstauslöschung bereits mitunterschreiben mussten (Stichwort Überwindung der männlichen Gesellschaft). Was sie danach noch anbieten sollen, entzieht sich meinem Horizont. Wahrscheinlich müssen sie danach einen agnostischen Standpunkt einnehmen müssen, damit sie ihre hypothetischen männlichen Seelen auch noch dem Staatsfeminismus opfern dürfen.

Also:

  • Eine einfache Möglichkeit „die Guten“ zu sein und quasi eine Erlösung von der männlichen Erbschuld, die man gleich verstärkt, indem man an der Dämonisierung sonstiger Männer mitmacht (was aber nur sehr eingeschränkt gelingt, je danach, wie radikal die jeweiligen Feministinnen sind und wie sie zu Männern als Verbündeten stehen
  • Das gleichzeitig als Teil intrasexueller Konkurrenz unter Männern: Man besiegt quasi durch die direkte Zuordnung zu den Fraueninteressen die anderen Männer (allerdings auch ein zweifelhafter Sieg, da solche Schleimerei durchaus negativ auffällt und man damit nicht unbedingt Punkte sammelt. Bis zu einem gewissen Grad kann es aber aufgehen, wie zB Hugo Schweizer zeigt, der vor seinem Absturz soweit ich weiß mit einigen Studentinnen geschlafen hatte).

Finde ich interessante Gedanken.

Aus meiner Sicht kommt noch hinzu, dass gerade solche Personen, die aus biologischen Gründen (zB pränatales Testosteron) als Männer eher nahe am weiblichen Bereich und als Frauen eher nahe am männlichen Bereich sind hier eine Umkehr der sonstigen Verhältnisse vornehmen können: Sie sind diejenigen, die isch befreit haben, die anderen sind noch in ihren Geschlechterrollen gefangen. Eine wesentlich positivere Story als zu akzeptieren, dass man selbst die Ausnahme ist.

„Nicht alle Männer sind so“ Haftung für die Gruppe im Feminismus

Lucas Schoppe hat bereits einen sehr schönen Artikel zum „Not all Men„-Meme aus dem Feminismus geschrieben. Dort geht es um dieses Comic:

Nicht alle Männer sind so

Nicht alle Männer sind so

 

Bei Jezebel bespricht man dies so:

 Not All Men! has gone from an irritating trope to a funny, giddy skewering of point-missing folks whose knee jerk reaction as part of a privileged group is to defend themselves against implications that they, as members of the complained-about privileged group, might be complicit in the status quo. It’s defensive bullshit that doesn’t really do anything but prove the bearer of Not All Men is more concerned with saving face for themselves than, you know, actually acknowledging the concern that another person is expressing. In the Not All Men mind, it’s worse to be called sexist than to actually be a victim of sexism. Here are some typical places to find Not All Men in the wild:

  • College women getting raped, like, all the time? Not all men!
  • Street harassment? Not all men!
  • Domestic violence? Not all men!
  • Bosses who talk over you in meetings? Not all men!
  • Women still do most of the housework even though they work jobs with the same hours as men? Not all men!
  • Etc. Forever.

The exact phrase Not All Men needn’t be used in order for the basic idea to be deployed as a derailing tactic.

Wie die in die feministische Linie passt legt beispielsweise einer der Kommentar dort da, dieser hier:

Yes! This is exactly what I thought of, because his argument is spot on. Either you’re speaking out against it or you’re complicit. If you are one of the ones speaking up then obviously this isn’t about you. Be an ally in words and actions and you will assuredly be seen as such. Then you’ll never have to worry about being accidentally lumped in.

It doesn’t even require activism. It really just requires not being a misogynistic asshole or tolerating other misogynistic assholes.

Sei ein Ally und dir wird schon gerechtigkeit widerfahren, aber dazu musst du dich eben trotzdem unter die Gruppe der Täter einordnen, wenn du nicht mitgemeint bist, dann wird man dir das schon sagen. Ähnliches gab es schon einmal in „Feminism for dudes (from a dude) zu lesen.

After that, men argue something that boils down to “but what about men and how feminism affects them.” For example, they might say that all this talk about rape culture makes it sound like all men are rapists, and I’m not a rapist so you shouldn’t paint all men with such a broad brush. (This is the biggie out of these arguments, actually.) The frequent response, and the one that you really need to take to heart, is this: IT’S NOT ABOUT YOU. If someone talks about rapists, and you’re not a rapist, THEY ARE NOT TALKING ABOUT YOU. If someone talks about companies that never promotes women to the highest positions, but your employer has a female CEO and half its board are women, THEY ARE NOT TALKING ABOUT YOUR COMPANY.

Das Comic ist insofern noch eine Erweiterung, weil man diesmal sogar ignorieren soll, dass man unter seiner Gruppenbezeichnung genannt wird. Also quasi „wenn sie über Männer reden und sagen, dass diese es nicht tun und du tust es nicht, dann bist du nicht mitgemeint“

Immerhin ist der amerikanische Feminismus eher bereit sich einer gewissen Kritik zu stellen als der deutsche Feminismus, so dass man dort in den Kommentaren bereits einige schöne Stellungnahmen findet:

Any time somebody makes a broad generalized statement of ANY group, without qualifiers, expect someone who doesn’t wish to partake in thoughtless binaries to answer with „Not all…“ That’s life on Planet Earth.

Yes, the Protective Knights of Male Whitedom are annoying, but most people who are intelligent would rather be thought of as individuals than mindless entities in a group. Not really a shocker. Let go of your hate.

 Also der vollkommen richtige Einwand, dass man wenn man pauschal von einer Gruppe redet damit rechnen muss, dass jemand darauf hinweist, dass nicht alle Mitglieder dieser Gruppe so sind

Oder dieser hier:

Feminism is about empowering women, not ridiculing the entire male gender in a combative manner. The later does nothing but reinforce and justify negative stereotypes.

If a number of men are upset by overgeneralized writing that seem to them to imply the negative commentary applies to all males (regardless of how you mean it, because ‚I didn’t mean it that way‘ is not how intelligent people determine whether something is offensive to a group of people), you have two options:

You can slightly modify how you say it, without changing what you’re saying, so it comes out as less hostile towards men thus making it more likely to encourage real dialogue. Or you can make fun of them, say because there is misogyny men being offended by things that sound anti male are stupid cry babies and should get over it and you feel really cool for putting the stupid men in their place.

You get to the take either approach, it’s a free country and retaliation for men being dismissive of women’s struggle is certainly warranted. But please have the self awareness to get two things: its not feminism and won’t promote any real dialogue.

If you’re cool with those things, carry on.

Da werden viele finden, dass sie doch eine etwas optimistische Ansicht davon hat, was Feminismus eigentlich ist. Anscheinend sind aber auch einige Feministinnen solche generellen Aussagen leid und scheinen eher Gesprächsbereitschaft zu wollen

Einige andere interessante Kommentare waren unter einem Artikel in der Time:

The „not all men“ argument is a simple logical argument: for someone to state that „all men“ would be to use the logical fallacy of gross generalization. Ask any philosopher.

Have you personally interviewed all living men? That would be a theoretically impossible task given the current global birthrate…beyond a genetic level is is very difficult to make the statement „men do…“ maybe they all do, but perhaps only some do…

It only takes one exception to render your statement invalid…

When making a statement, please don’t fall into the logical fallacy of gross generalization, it hurts and renders your argument as invalid.

Also ein simpler Hinweis, dass die Aussage schlicht falsch ist und deswegen auch die Kritik berechtigt.

Auch ein interessanter Kommentar:

 I totally agree with this article. Promoting some stereotypes is OK, as long as it gets us what we want.

Das zeigt schön die Doppelmoral, wenn man einerseits gegen Sterotype angeht, diese aber, wo sie einem genehm sind gerne selbst nutzt, um die andere Seite schlecht dastehen zu lassen. Wenn es um Männer geht, dann ist ein negative Stereotyp vollkommen okay. Die Aussage „ich hasse es, wenn Frauen..:“ würde als unzumutbare Aussage angegriffen werden, der Einwand wäre nicht, dass es Ausnahmen gibt, sondern wohl eher, dass überhaupt der Begriff Frau schon falsch ist, man aber solche generellen Aussagen eh nicht treffen könne.

In die gleiche Kerbe haut auch der nachfolgende Kommentar:

Ironically, the comic itself is a bad-faith argument that assumes that anytime someone says „not all men are like that“ they are arguing in bad faith. Most instances of people using that phrase happen when the group discussing men use broad generalizations that imply all men do some bad thing. The proper rebuttal is „not all men are like that.“ That is precisely why when people generalize about feminists the second thing out feminists‘ mouths is „not all feminists are like that.“ (The first is typically „that’s not my feminism,“ which is the feminist version of the common white argument of „I don’t know any racists.“)

In der Tat ist die Aussage „Nicht alle Feministinnen sind so“ oder in der erweiterten Version „mein Feminismus ist nicht so“ ja ein beliebter Einwand, der dem Schema nach in die gleiche Richtung geht. In beiden Fällen soll eine Generalisierung vermieden werden, in beiden Fällen verweist die Gegenseite darauf, dass es (zumindest) Ausnahmen gibt.

Dabei ist der Einwand, dass nicht alle Männer so sind, ja bereits ein sehr eingeschränkter Einwand: Er beruft sich auf die Ausnahme, wo mitunter bereits die Regel falsch ist. Das sieht man gut an einem Spiegelartikel zu dem Thema:

Männer vergewaltigen Frauen? „Aber nicht alle Männer!“ Männer verdienen mehr als Frauen und sind auch in sonstiger Hinsicht oft privilegiert? „Nicht alle Männer!“ Männer hacken sich eher ein Ohr ab, als ihre Karriere für Kinder leiden zu lassen? „Aber nicht alle Männer!“ Männer belehren Frauen, als hätten diese ihren Uni-Abschluss im Supermarkt erstanden? „Aber nicht alle Männer!“, brüllt Not-All-Man. „Ich bin zum Beispiel gar nicht so.“

„Männer vergewaltigen Frauen – Aber nicht alle Männer“. Und das soll auch noch ein unzulässiger Einwand sein, weil man damit Sexismus nicht anerkennt. Richtig wäre ja: Einige sehr wenige Männer vergewaltigen Frauen. Es ist nicht die Ausnahme, dass ein Mann nicht vergewaltigt, es ist der Regelfall. Und auch ansonsten kann man die Auflistung auf diese Weise durchgehen. Schoppe schreibt dazu:

Wer so argumentiert, erkennt schließlich feministische Meinungen über Männer grundsätzlich an und wehrt sich lediglich gegen deren Generalisierung. Zimmerman entwirft in ihrem Text eine Skala der Entwicklung eines Mannes zum Feministen, auf der Not-all-men-Männer sich immerhin schon zwischen der zweiten und dritten Stufe – von fünf – bewegen würden.

Zimmerman und Lubchansky aber entwerten die Gültigkeit des eigentlich selbstverständlichen Widerspruchs gegen abwertende Pauschalaussagen, wenn sie ihrerseits pauschal unterstellen, es ginge einem Mann dabei lediglich egoistisch darum, sich persönlich von aller Schuld freizusprechen.

Dabei entgeht Lubchansky, dass er im Not-All-Men eigentlich ein Selbstportrait zeichnet: Er präsentiert einen Mann in dem Widerspruch, misandrische Klischees grundsätzlich anzuerkennen, aber gleichwohl noch etwas dazu sagen und eine eigenen Position bewahren zu wollen. Das Manöver, dass Lubchansky seinem Helden unterstellt, vollführt er dabei selbst: Er wertet gegenüber Frauen andere Männer ab und präsentiert sich selbst als den besseren Mann.

Der Nicht alle Männer – Man ist insoweit in gewisser Weise ein Feminist. Er will nach Möglichkeit nur selbst aus der Schuld entlassen sein oder zumindest das Zugeständnis, dass es Ausnahmen gibt, wo es eigentlich darum geht, dass die allen Männern unterstellte Handlung nur von der Ausnahme selbst begangen wird.

Der Not all Men-Man spiegelt insofern die feministische Szene wieder, in der der Einwand, dass es ja nicht alle Männer sind, schon der schlimmste anzunehmende Einwand zu sein scheint, weil man Kritik nicht mehr gewohnt ist. Der Zeichner Matt ist insofern konsequent innerhalb der feministischen Theorie: Er akzeptiert seine Schuld und macht sich noch über Männer, die das nicht machen lustig. Akzeptieren ist das wichtigste für einen Mann im Feminismus.

Immerhin passt diese Generalisierung gut zu den drei gender-feministischen Grundannahmen zur menschlichen Natur:

Gender feminism is an empirical doctrine committed to three claims about human nature.

The first is that the differences between men and women have nothing to do with biology but are socially constructed in their entirety.

The second is that humans possess a single social motive — power — and that social life can be understood only in terms of how it is exercised.

The third is that human interactions arise not from the motives of people dealing with each other as individuals but from the motives of groups dealing with other groups — in this case, the male gender dominating the female gender.

Wie man bei der dritten Regel sieht geht es in dieser Art des Feminismus nicht um einzelne Menschen, sondern um die Motive der Gruppe. Innerhalb der Rape Culture beispielsweise kann ein Mann nicht aus der Schuld für Vergewaltigungen entlassen werden, weil Vergewaltigung auch nur ein Machtmittel der Männer – AllerMänner – ist, um die Gruppe der Frauen kleinzuhalten. Weswegen innerhalb dieser Betrachtung die Aussage „Männer vergewaltigen Frauen“ oder „Männer verdienen mehr als Frauen“ vollkommen zutreffend ist und das Verlangen da doch Einschränkungen zu machen, zumindest anzuerkennen, dass nicht alle Männer so sind, bedeutet, dass man verdecken will, dass Männer Frauen unterdrücken will.

Bell Hooks „Feminism is for everbody“

Auf der Seite „Return of Kings“ werden einige Aussagen aus dem Buch „Feminism is for everbody“ besprochen, die ich auch interessant finde:

Males as a group have and do benefit the most from patriarchy, from the assumption that they are superior to females and should rule over us. But those benefits have come with a price. In return for all the goodies men receive from patriarchy, they are required to dominate women, to exploit and oppress us, using violence if they must to keep patriarchy intact.

Das ist so ziemlich der Grundgedanke, der vielen feministischen Theorien zugrunde liegt: Männer haben eine Herrschaft errichtet und profitieren davon, im Gegenzug müssen sie eben Frauen unterdrücken um das ganze am Laufen zu halten: Frauen müssen domiert, ausgebeutet, unterdrückt werden, es muss Gewalt gegen sie ausgeübt werden.

Anti-male factions within the feminist movement resented the presence of anti-sexist men because their presence served to counter any insistence that all men are oppressors, or that all men hate women… They portrayed all men as the enemy in order to represent all women as victims.

In der Tat scheint mir das der Grund zu sein. Männer allenfalls als untergeordnete Allies im Feminismus zuzulassen vereinfacht es erheblich sie als Outgroup zu definieren und seinem Hass freien Lauf zu lassen. Man muss sie dann auch nicht beachten oder ihnen zuhören oder sich sogar von ihnen auf Fehler hinweisen lassen, man kann einfach darauf verweisen, dass sie leider in ihr Unterdrückerdenken zurückfallen, wenn sie etwas falsches sagen bzw. sie auf ihre Privilegien hinweisen, die schon wieder zum Vorschein kommen.

When feminist movement was “hot,” radical lesbian activists constantly demanded that straight women reconsider their bonds with men, raising the question of whether or not it was possible for women to ever have a liberated heterosexual experience within a patriarchal context…

Teaching one of my first women’s studies courses in San Francisco I was confronted by a group of radical lesbian students who wanted to know why I was still “into” men. After class one day in the parking lot there was a showdown.

In der Tat eines der Grundprobleme des Geschlechterkampfes: Der Feind ist bereits im eigenen Bett. Ein radikales Outgrouping ist dadurch gar nicht so einfach, wenn man heterosexuell ist. Man kann dann nur noch die „Meiner ist ja ganz anders“-Taktik fahren oder muss seine Radikalität zurückschrauben. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass der Anteil lesbischer Frauen im radikalen Feminismus relativ hoch zu sein scheint.

Umgekehrt wäre der Fall, worauf Return of Kings zurecht hinweist, ein recht klarer Fall von Homophobie. Über die insoweit in der gesamten Ally-Diskussion vorhandenen Männerfeindlichkeit sollte sich der Feminismus jedenfalls Gedanken machen.

“In a zealous effort to call attention to male violence against women reformist feminist thinkers still choose often to portray females as always and only victims. The fact that many violent attacks on children are perpetrated by women is not equally highlighted. (…) Women are often the primary culprits in everyday violence against children… Maternal sadism often leads coercion of children must be seen as just as horrendous as male abuse… A serious gap in feminist thinking and practice has been the refusal of the movement to confront head-on adult female violence against children. (…) Often I tell the story of being at a fancy dinner party where a woman is describing the way she disciplines her young son by pinching him hard, clamping down on his little flesh for as long as it takes to control him. And how everyone applauded her willingness to be a disciplinarian. I shared the awareness that her behavior was abusive, that she was potentially planting the seeds for this male child to grow up and be abusive to women. Significantly, I told the audience of listeners that if we had heard a man telling us how he just clamps down on a woman’s flesh, pinching her hard to control her behavior it would have been immediately acknowledged as abusive. Yet when a child is being hurt this form of negative domination is condoned. This is not an isolated incident – much more severe violence against children is enacted daily by mothers and fathers.

Das ist ja immerhin einmal eine erfrischende Kritik, die sich mit Frauen als Täter beschäftigt, was im Feminismus selten genug ist. Allerdings ist sie so eben mit der feministischen Lehre kaum in Einklang zu bringen und daher auch nur schwer zu diskutieren – wohl allenfalls unter dem Gesichtspunkt, dass Frauen das eben nur im Patriarchat machen müssen. Frauen einfach einmal als handelnde Subjekte und nicht nur Objekte des Patriarchats zu sehen wäre eine dringend notwendige neue Perspektive

Ein anderes Zitat von Bell Hooks fand ich noch ganz interessant:

Visionary feminism is a wise and loving politics. It is rooted in the love of male and female being, refusing to privilege one over the other. The soul of feminist politics is the commitment to ending patriarchal domination of women and men, girls and boys. Love cannot exist in any relationship that is based on domination and coercion. Males cannot love themselves in patriarchal culture if their very self-definition relies on submission to patriarchal rules. When men embrace feminist thinking and preactice, which emphasizes the value of mutual growth and self-actualization in all relationships, their emotional well-being will be enhanced. A genuine feminist politics always brings us from bondage to freedom, from lovelessness to loving.”

Klingt ja in der Theorie gut, hat aber eben die falsche Grundlage, dass alles Unterdrückung ist und das Patriarchat dazu führt, dass Frauen von Männer unterdrückt werden. Und das aufgrund dieses Fehlschlusses bereits einiges an Hass von Frauen auf Männer, aber auch von Männern auf sich selbst entsteht. Wenn man Schilderungen von männlichen Feministen liest, dann sind das aus meiner Sicht keine Schilderungen selbstbewußter Männer, die ihren Platz gefunden haben, sondern Schilderungen von Männern, die nach Anerkennung suchen, die sie dadurch niemals erreichen können.

Es scheint sich mir gerade nicht vorteilhaft auf das Selbstbild und emotionale Gesundheit abzuzielen, sondern eher darauf, dass man in einer Spirale gefangen ist, alles immer richtiger zu machen. Das gilt um so mehr, um so radikaler die Feminstinnen sind, mit denen man zu tun hat. Es geht also gerade nicht um Männer, die für Emanzipation sind, sondern solche, die tatsächlich mit genderfeministisch denkenden Frauen in Kontakt kommen.

Safespace, profeministische Männer und Transsexuelle

Bei den Feemgeeks wird das Prinzip von Schutzräumen für Frauen auch bezüglich eigentlich geläuterter profeministischer Männer noch einmal erläutert:

2. Lasst mich rein, ich bin doch ganz anders!

Sicher? Ich würde dir glauben, dass du es gerne wärst. Dass du es vielleicht auch probierst.

Dass du glaubst, dass du es bist, deutet eher daraufhin, dass du dir keine Gedanken über deine Position gemacht hast. Und in diesem Fall beginne hier. Dies ist natürlich nicht alles zum Thema, aber ein guter Einstieg mehr davon hier. Ok, die Sprechposition ist geklärt: dein Startsetting ist einfacher als das von anderen. Und jetzt? Fragst du dich jetzt, warum du trotzdem nicht rein kommst, obwohl du doch immerhin ein netter Typ sein möchtest?

Finde ich immer wieder schön: Du glaubst, dass du die Privilegien hinreichend hinterfragst? Dann kannst du sie nicht hinreichend hinterfragt haben. Als Mann hat man es eh immer einfacher, auch bereits in einem Raum voller feministischer Frauen und auch mit der Bereitschaft, dass man sich eifrig hinterfragt. Man startet einfach von einer einfacheren Position und diesen Vorsprung hält man.

Und dagegen kommen die Frauen nicht an:

Deshalb: Deine bloße Anwesenheit führt dazu, dass Menschen sich nicht mehr frei entfalten können und sich nicht trauen. Und das auch dann, wenn du dir deiner privilegierten Position bewusst bist und dies entsprechend einbeziehst.

Genug Frauen* wurde ihr halbes Leben erklärt, dass ihnen, geschlecht*sbedingt irgendwas fehlt, um technische und/ oder naturwissenschaftliche Dinge zu verstehen. Wundert es dich da noch, dass sich Wenige trauen, es überhaupt zu probieren? Und die, die sich davon nicht einschüchtern ließen, haben in den meisten Fällen mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfen (siehe die beschriebene Beobachtung oben). Wenigstens manchmal möchte mensch einfach nur das tun, wofür er_sie gekommen ist und sich nicht hauptsächlich mit gesellschaftlichen Missständen herumschlagen.

Hier sollten sich Frauen mal bewußt machen, wie rollenverstärkend ein solches Frauenbild ist: Frauen erstarren in Konkurrenz mit Männern, sie können sich  nicht durchsetzen, sie trauen sich nicht irgendwas zu probieren. Sie können ihr Geschlecht anscheinend nie ausblenden, sie kämpfen immer nur gegen gesellschaftliche Missstände.

Könnte nicht einfach mal irgend ein Talkshowgast das in einer Diskussion um die Frauenquote laut vorlesen und anwesende Feministinnen fragen, ob das auch in dem Bereich zutrifft?

Eigentlich muss ja die logische Folge dieser Denkweise sein, dass die gegenwärtigen Frauen schlicht nicht konkurrenzfähig sind: Sie erstarren bei jedem Mann, der in dem Bereich auftritt und trauen sich dann nichts mehr. Alles einfach, weil jeder Mann, sei er noch so feministisch, ein Mann ist und damit diese Bilder der Überlegenheit erzeugt.

Würde die gleichen Thesen sagen wir mal ein Harvard-Präsident in einer Rede sagen und damit schlechtere Leistungen begründen, er würde abgesägt werden.

Interessant fand ich noch einen der Kommentare dort:

Was mich in dieser Richtung aber eher beschaeftigt, ist, dass ich Frauen kenne, die dann ihren auserwaehlten Partner als total anders einstufen. Der zaehlt dann nicht zu den Gesellschaftskonformen Cis-Maennern dazu. Selbst wenn der objektive Eindruck diesen Mann betreffend fuer viele andere ein anderer ist. Ich habe es dann schon erleben muessen, dass damit Distanz geschaffen wird, falls andere Frauen das unterschiedlich sehen und doch wollen, dass niemand ausgegrenzt wird.

Auch klassisch: Das Outgrouping „Alle Männer sind Privilegiert und hindern Frauen bereits durch ihre Anwesenheit am entfalten“ bricht in sich zusammen, wenn man den Mann persönlich kennt. Dann ist er gar nicht so privilegiert, jedenfalls nicht für einen selbst.

Einen weiteren Kommentar fand ich ebenfalls interessant:

huhu! Ich habe gerade direkt nach deinem Post einen Artikel auf Sex Geek gelesen, der u.A. eine für mich gut nachvollziehbare Kritik am Konzept eines safe spaces enthält:http://sexgeek.wordpress.com/2013/09/20/if-trans-women-arent-welcome-neither-am-i/

Im Wesentlichen: nicht die Anwesenheit von cis-Männern an sich ist doch das Problem, sondern wenn diese wirklich die Diskussionen an sich reißen usw. – wenn sie also falsches *Verhalten* zeigen. Natürlich sind cis-Männer sozialisationsbedingt more likely, sowas zu tun. Aber warum legt man nicht lieber Verhaltensregeln fest, anstatt Geschlechtergrenzen

Eigentlich ja eine vernünftige Idee: Man schließt Männer oder Frauen aus, die „mansplaining“ verwenden oder sonst zu dominant auftreten und hat gleich eine Geschlechtergrenze mehr durchbrochen. Allerdings eben nicht so gut für den Feindbildaufbau.

Auch interessant die Passage über Transsexuelle: Da bekommt der Genderfeminismus ein Problem, denn er muss abwägen zwischen „Alle Männer sind per se privilegiert, dagegen können sie nichts machen, es ist Erziehung und das Vorhandensein von Männern schränkt Frauen bereits ein“ und dem durch den Intersektionalismus geforderten Umstand, dass Transsexuelle nicht ausgegrenzt werden dürfen, sondern als solche zu akzeptieren sind. Da in dieser Betrachtung Transsexualität nichts biologisches sein kann, sondern nur etwas soziales wäre es eigentlich interessant, wie sie das dann näher begründen, denn die müssten ja auch im Grundsatz „male Privilege“ erfahren haben oder eine entsprechende Sozialisierung durchlaufen haben.

Die Unterschiede zwischen Transsexuell und profeministischen Mann wären dann letztendlich nur, dass die Transsexuellen radikaler in ihrer Abkehr von der sozialen Rolle wären und über ihre Transsexualität quasi ein „costly Signal“ in diese Richtung setzen würden.