Raushalten ist als feministischer Ally keine Option (Aktiv sein ist aber wahrscheinlich auch schnell falsch)

Beim Missy Magazin gibt es nach diesem dieses Artikels  einen weiteren interessanten Artikel, der mal wieder deutlich macht, dass es kein richtiges Verhalten gibt:

Vor Kurzem diskutierte ich mit mehreren Menschen – weiß, nicht-weiß, Frauen, Männer und solche, die sich als weder noch definieren – darüber, was „Linkssein“ heute bedeutet. Gemeinsam sprachen wir über feministische Themen und ob und wie es möglich ist, Allianzen zu bilden. Eine Aussage, die im Gespräch fiel, hatte mich stutzig gemacht, weil ich sie in abgewandelter Form schon öfters gehört oder erlebt habe. Als wir über nicht-weiße feministische Allianzen sprachen, antwortete ein weißer Mann, dass er dazu nichts sagen könne, weil es ihn ja nicht betreffe und er keinen Sprechraum einnehmen wolle.

Das ist eigentlich eine Antwort aus dem Lehrbuch: Er ist weiß und ein Mann, er läuft also Gefahr, dass er mansplaint oder meint, dass er mehr weiß als die eigentlich Betroffenen und diese nicht zu Wort kommen lässt, sondern wieder mal als weißer Mann meint, in einer solchen Debatte Raum einnehmen zu müssen.

Natürlich war es auch hier – obwohl so genau häufig gefordert im Feminismus – nicht gut genug:

Das klingt auf den ersten Blick respektvoll und auch ein bisschen reflektiert. Doch auf den zweiten Blick ist es der falsche Ansatz. Denn mein Kampf für ein besseres Leben und Gerechtigkeit betrifft ihn genauso sehr wie mich, egal ob Mann, Frau, weiß oder nicht-weiß. Nur weil er ein weißer Mann ist, heißt es nicht, dass er mit den Problemen, die ich aufgrund des mir von der Gesellschaft zugeschriebenen Geschlechts und meines nicht-weißen Daseins einnehme, nichts zu tun hat. Alle Diskriminierungserfahrungen, die ich aufgrund meiner Position in der Gesellschaft mache, erfahre ich ja erst in Abgrenzung zu seinen Privilegien, die dieser Position gegenüberstehen.

Sich aus solchen Themen wie dem Bilden von nicht-weißen Allianzen rauszuhalten, weil „Mann“ – im wahrsten Sinne des Wortes – nichts damit zu tun habe, ist ignorant, unsolidarisch und ziemlich bequem für ihn. Wenn man schon nichts dazu sagen möchte, um nicht-weißen Menschen in einer Diskussion den Raum zu lassen, dann kann man wenigstens erkennen, dass das Problem einer Woman of Color das Problem eines jeden Menschen in unserer globalisierten Gesellschaft ist.

Das hat er ja auch gar nicht bestritten, dass Thema sollte „nicht-weiße Allianzen“ sein. Sein Fehler war wahrscheinlich, dass er nicht hintenan ein Schuldbekenntnis und bedingungslose Unterstützung bekundet hat.

Er hat wahrscheinlich sein Mantra nicht hinreichend auswendig gelernt:

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Aber wahrscheinlich ist auch das zu passiv. Oder zu leer. Er darf nichts wirkliches sagen, dass könnte ihm als Einnehmen von Sprechraum ausgelegt werden. Er darf auch nicht schweigen, dann ist er zu passiv.  „Damned if you do, damned if you don’t“ würde man im englischen sagen.

Leider habe ich diese Verhaltensweisen schon oft in der linken Szene erlebt. Wenn man selbst nicht betroffen ist, meidet man die Diskussion.

Eine andere  Autorin in einem anderen Artikel im Missy Magazin:

Es reicht nicht, sich „korrekt“ verhalten zu wollen, es geht auch darum zu sehen, was „inkorrektes“ Verhalten mit denen macht, die sich das jeden Tag geben müssen, die sich nicht aussuchen können, ob sie es jetzt unangebracht finden (zum Beispiel als Scheiß-Ausländer bezeichnet zu werden) oder nicht. Sprich: Einfach mal zuhören und Deutungshoheit an der Garderobe abgeben. Sich einzugestehen, dass man bestimmte Dinge im Leben nie erfahren wird, weil man schlicht und ergreifend anders aussieht und sozialisiert wurde, heißt manchmal auch einfach: Deine Realität ist nicht meine und wird nie meine sein. Oft passiert es aber leider doch, dass man sich, wenn man von seinen Erlebnissen und Erfahrungen erzählt, anhören muss: Das ist nicht so. Das hast du dir bestimmt nur eingebildet. Du übertreibst.

Natürlich: Verschiedene Leute innerhalb der feministischen Szene können verschiedene Ansichten dazu haben, wie Leute sich korrekt verhalten. Das an sich ist erst einmal nicht zu beanstanden. Aber es ist doch interessant die beiden Ansichten einmal so direkt nebeneinander zu stellen. Es ist schade, dass das im Missy Magazin nicht thematisiert wird. Aber ich vermute ein Artikel mit dem Inhalt „Stimmt, wir sollten mal ausdiskutieren, was wir eigentlich genau von „Allies“ fairerweise erwarten können“ wird es nicht geben.

 

Eine Frau mit bildungsbürgerlichem Hintergrund beispielsweise – unabhängig davon ob sie weiß oder nicht-weiß ist – redet gerne über Sexismus, aber wenn es um Klasse geht, wird geschwiegen, weil man dann auf einmal die privilegierte Buhfrau ist. „I see you nice white ladies at the next #Black Lives Matter march, right?“ stand auf dem Schild des Schauspielers Amir Talai, das er bei einem Women’s March im Januar vergangenen Jahr hochhielt und das das Problem des Kreisens um die eigenen Betroffenheit thematisiert.

Es ist eben immer Nicht gut genug. Das ist wirklich der große Vorteil des intersektionalen Feminismus: Man kann immer noch etwas mehr Virtue Signalling betreiben. Kommen sie alle auf den Black Lives Matter March, dann muss man eben ein Schild hoch halten „Ich hoffe euren nächsten Protest gestaltet ihr so, dass auch stark behinderte Personen einfach daran teilnehmen können oder?“ oder eben eine andere Form der Steigerung.

Statt des Rückzugs fordere ich aber Einmischung und Solidarität. Es ist ja nicht ein bestimmtes identitäres Merkmal, das einen dazu legitimiert, sich einzumischen oder nicht. Was ist das denn auch für ein Ausgangspunkt? Schauen dann alle auf ihre Hautfarbe, bevor sie sich für eine bestimmte Sache einsetzen? Ich muss nicht erst Schwarz sein, um mich gegen Rassismus und für die Rechte von Schwarzen Menschen starkzumachen. Und ich muss mich auch nicht vor einem Gespräch über Rassismus oder Sexismus drücken, weil ich Angst habe, meine Privilegien sehen dabei nicht gut aus. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass ich als privilegierte Person weniger privilegierten Menschen den Raum wegnehmen sollte, sondern überlegen kann, wie ich mich dafür einsetze, dass Menschen, denen sonst wenig Gehör gegeben wird, welches geschaffen wird. Wer sich aber einfach raushält, nimmt zwar keinen Raum ein, hilft aber auch nicht anderen dabei, Raum zu verteidigen.

Passivität ist natürlich Stärkung des Gegners und kann niemals gut genug sein. Aber keinen Raum einnehmen dabei.

Während ich mir als Women of Color beispielsweise die Frage stelle, wie ich meine Überlebenschancen in einer Welt vergrößern kann

Auch wunderbar: Ihre Überlebenschancen. Weniger Dramatik wäre natürlich auch nicht gegangen.

…, die strukturell Frauen diskriminiert, kann sich eine männliche Person fragen, wie er mich dabei unterstützen kann, beispielsweise indem er sich auch die Füße am Internationalen Frauenkampftag im langen Demozug abfriert. Ich gehe auch nicht ständig auf feministische Demos, weil es nicht nur jene Themen sind, die mich als Person ausmachen oder mit denen ich mich 24/7 beschäftige. Beispielsweise finde ich genmanipuliertes Essen ziemlich ekelig, gegen TTIP zu protestieren kommt für mich daher genauso infrage.

Auch interessant: Er erklärt zu dem Thema „Nichtweiße Allianzen“, dass er dazu nichts sagen kann. Sie kritisiert das und schlägt vor, er solle dann wenigsten auf Demos für den „Frauenkampftag“ gehen. Hätte er also dann in die Runde werfen sollen: „Ich kann leider nichts dazu beitragen, möchte aber meine Unterstützung zeigen, indem ich demnächst auf eine Demo für Frauen gehe“? Wäre ja auch interessant, wenn dann jeder „Ally“ erst einmal der Reihe nach erklärt, welche „Ersatzprojekt“ er gerade fördert-

Mir ist klar, dass man nicht alles im Blick haben kann. Mir geht es auch nicht darum, dass alle über alles Bescheid wissen müssen, sondern für mich ist es eine Frage der Haltung, die ich gegenüber Themen und Dingen habe. Wenn es einen Satz aus meiner Kindheit gibt, an den ich mich ziemlich gut erinnere, dann ist es derjenige, den ich auf den Schultern meiner Großmutter auf Demos mitschrie: „Hoch die internationale Solidarität.“ Ich wusste früher zwar gar nicht, was das bedeutet, aber mir wird immer bewusster, wie wichtig diese vier Wörter sind. Sie können aber auch genauso problematisch sein, beispielsweise wenn der schwarze Block der Autonomen bei einer Kurd*innen-Demo aus Solidarität ganz vorne mit marschiert, jedoch mit ihrer kompletten körperlichen Vermummung und antistaatlichen Attitüde die Kriminalisierung der Kurd*innen nur noch weiter vorantreibt. Aber diesem Thema gebührt ein eigenes Kapitel.

„Seid wir Kinder und brüllt einfach Formeln, die euch andere Vorgeben und die ihr nicht versteht“?

Aber natürlich gleich der Zusatz, dass auch das wieder falsch sein kann, wie dann das Antifa-Beispiel zeigt.

Feministischer Ally sein ist eben ein Minenfeld. Alles ist gleichzeitig falsch und richtig.

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Schämt euch ihr weißen körperlich und geistig gesunden heterosexuellen Männer der Spezies Homo Sapiens!

Ein bewegender Text, indem endlich jemand einen kleinen Teil seiner Privilegien gesteht:

Ich, Michael Jon Sliwa, möchte mich aufrichtig dafür entschuldigen, dass ich nicht genug getan habe, um die Ungerechtigkeiten anzugehen, die meine inhärenten Privilegien anderen zugefügt haben. Ich fühle mich überhaupt nicht schuldig für meine angeborenen, persönlichen Umstände, aber ich fühle mich verantwortlich für die Ungerechtigkeit gegenüber dem anderen Leben, die mit einem solchen Privileg einhergeht. Ich bin dieser Verantwortung nicht gerecht geworden.

Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde als Humanoid des Homo sapiens geboren. Ich habe meine suprematistischen Schöpfungsgeschichten als Vorwand benutzt, um mit anderen Erdlingen zu tun, was ich will. Durch meinen Anspruch habe ich immenses Leid verursacht. Ich habe eine Art zu leben verfestigt, die nicht nur das Klima, sondern fast alle physischen Merkmale des Planeten verändert hat.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich bin deutscher und polnischer Abstammung. Diese Identitäten wurden im Laufe der Zeit kollektiv als Weiß bekannt. Mit der Weiße kommt die weiße Vorherrschaft. Nicht nur die Art von weißer Überlegenheit, die weiße Laken trägt oder ihre Köpfe rasiert. Die systemische oder institutionelle weiße Vorherrschaft ist viel kodifizierter und heimtückischer. Es ist schwer in den Griff zu bekommen, weil es nicht so krass ist wie brennende Dörfer oder Angriffe mit Deutschen Schäferhunden und der Polizei mit Feuerwehrschläuchen. Stattdessen geht es um Wohnraum, Beschäftigungsmöglichkeiten, das Rechtssystem und das, was als normal angesehen wird. Mit anderen Worten, es geht um die Durchsetzung des Status quo. Heute nennen wir es „Making America Great Again“. Wenn wir das dritte Wort in diesem Slogan in „Weiß“ ändern, scheint es etwas genauer zu sein.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde körperlich leistungsfähig geboren. Ich musste nie über den Zugang zu etwas nachdenken. Ich musste nie an diejenigen denken, die wegen ihrer Behinderung über ihren Zugang nachdenken mussten. Ich habe meinen Körper für selbstverständlich gehalten.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde als fähiger Mensch geboren. Auch hier musste ich nie über den Zugang nachdenken. Ich habe die Bedürfnisse derjenigen, die Dienstleistungen benötigen, die ich nicht benötige, ignoriert.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde heterosexuell geboren. Ich habe Familie, Freunde, ehemalige Kollegen und Studenten, die sich als  LGBTQ identifizieren. Ich war nicht nur kein konsequenter Verbündeter. Ich habe mir nicht genug Zeit genommen, um die Auswirkungen meines Privilegs auf diese Gemeinschaft zu erfahren.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde männlich geboren. Das ist vielleicht der Umstand, in dem ich meiner Verantwortung am wenigsten gerecht geworden bin. Ich habe meine Frau, Großmütter, Mutter, Schwester, Tanten, Nichten, Cousins, Freunde, ehemalige Freundinnen, ehemalige Kollegen und Studenten unzählige Male im Stich gelassen. Noch heute werden Frauen ermordet, vergewaltigt, angegriffen, verstümmelt, bedroht, eingeschüchtert und von Männern unterdrückt.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in die Mittelschicht hineingeboren. Damit es eine Mitte gibt, muss es einen Boden und einen Deckel geben. Ich war auf sozioökonomischer Ebene nicht für diejenigen unter mir da. Ich habe zu oft nur über mich geschaut, wenn ich kritisierte, ohne meine eigenen Umstände in Frage zu stellen.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in einem gebildeten Haushalt geboren. Ich nahm meine formale Ausbildung als selbstverständlich an. Ich nutzte die Möglichkeiten, die es mir bot, als selbstverständlich. Als Lehrer habe ich nicht hart genug für diejenigen gekämpft, die ohne mein Privileg geboren wurden.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde im Christentum geboren. Der größte Glaube in der Welt und derjenige, den das mächtigste Land der Welt als seine Religion hat, war die Grundlage meiner religiösen Erziehung. Ein Christ in einem Land zu sein, in dem der Glaube oft benutzt wurde, um Völkermord und Sklaverei zu rechtfertigen, ist manchmal eine schwierige Hürde. Wenn man bei der Geburt eine bestimmte Geschichte erhält – eine Geschichte, die einen direkt darüber informiert, wie man zur Erlösung kommt – macht diese Geschichte die persönliche Verantwortung zu einer großen Herausforderung. Ich identifiziere mich nicht mehr als Christ, aber das negiert nicht meine Verantwortung, eine Erzählung in Frage zu stellen, die immer noch Menschen im Namen Gottes schadet.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsbewußt bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in den Vereinigten Staaten geboren. In das reichste und mächtigste Land der Weltgeschichte hineingeboren zu werden, hat zu viele Vorteile, um sie hier aufzulisten. Ich habe meine Regierung und mein Militär nicht annähernd genug für ihre schrecklichen Taten in meinem Namen verantwortlich gemacht. Ich habe mein ganzes Leben auf einem Land gelebt, das durch Völkermord und eine Wirtschaft, die durch Sklaverei entstanden ist, gestohlen wurde.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde im technologischen Zeitalter geboren. Dieser besondere Umstand hat es ermöglicht, alle Bereiche meines suprematistischen Glaubenssystems zu verbessern. Der unsichtbare Schaden im Namen des technischen Fortschritts wurde von mir nicht genug in Frage gestellt.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortundsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in die industrielle Zivilisation hineingeboren. Das ist die verheerendste Lebensform in der Geschichte der Menschheit. Ich habe erst begonnen, seine lebensbedrohlichen Auswirkungen zu sehen. Meine fortgesetzte Teilnahme daran ist eine Verantwortung, der ich mich derzeit zuwende. Ich bin weiterhin ein Heuchler, da das Leben auf diesem Planeten verschwindet, um mein eigenes Leben zu unterstützen.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortlich bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Entschuldigungen gehen nur so weit. Es gibt Arbeit zu tun. Meine Fehler und Fehltritte einzugestehen, reicht nicht aus. Ich muss in meiner kurzen Zeit hier noch mehr tun. Ich muss mein Privileg und mein Ego überprüfen und die Demut annehmen, während ich voranschreite. Ich werde aufmerksam sein. Ich werde um Hilfe bitten. Ich werde diejenigen verteidigen, unterstützen und ihnen zuhören, die aufgrund meines Privilegs verwundbar bleiben. Am wichtigsten ist, dass ich diese Dinge aus Respekt und Liebe anstelle von Schuld oder Scham tun werde. Schließlich habe ich mich nicht für meine inhärenten Umstände entschieden, sondern bin für deren Auswirkungen verantwortlich

Liebe Mitleser dieses Textes, sofern ihr auch die obigen Sünden begangen habt oder auch nur Teile davon: Bitte den Text ausdrucken, Namen und kleinere Details wie etwa die USA als Land anpassen und jeden Abend vor dem Schlafengehen laut vorlesen. Unterstützend bitte dieses Hilfsmittel anwenden.

Schämt euch ihr weißen, körperlich und geistig gesunden heterosexuellen Männer der Spezies Homo Sapiens!

Aber noch kurzer Hinweis:

  • Männlicher Feminist bzw Ally sein ist toll
  • Feminismus hasst Männer nicht

 

Wie können sich Männer überhaupt von „toxischer Männlichkeit“ distanzieren?

Schoppe kommentierte zum Fall Weinstein:

Tatsächlich könnten solche Typen wie Weinstein – einmal vorausgesetzt, die Vorwürfe bewahrheiten sich, was ja kaum jemand bezweifelt – nur dann wirkungsvoll eingehegt werden, wenn Menschen rundweg bei der Aufrechterhaltung ziviler Standards zusammenhalten würden. Frauen sind dabei auf die Kooperation von Männern angewiesen, aber Männer auch auf die Kooperation von Frauen: Wie sollten sich Männer denn wirkungsvoll von einem Typen wie Weinstein distanzieren können, wenn gleichzeitig von feministisch inspirierten Frauen beständig verkündet wird, in Weinsteins Verhalten würde sich lediglich die ganz allgemeine „toxische Männlichkeit“ ausdrücken.

Denn tatsächlich glaube ich, dass der Großteil der Männer ein Verhalten wie das von Weinstein scharf ablehnt. Feministinnen hingegen unterlaufen und negieren diese Ablehnung, wenn sie Weinstein lediglich als besondere Ausprägung eines typischen männlichen Verhaltens hinstellen.

In der Tat ist „Toxische Männlichkeit“ eher daraus ausgerichtet, dass man einen Sündenbock hat. Alles ist sexistisch und alles kann ein Ausdruck toxischer Männlichkeit sein, sogar das man sich gegen eine solche ausspricht, denn damit sahnt man nur Aufmerksamkeit ab, die eigentlich Frauen zusteht, die das schon immer gesagt haben.

In der feministischen Theorie gibt es kein „Genug“, kein „Jetzt wollen wir es mal nicht übertreiben“. Alles männliche Verhalten ist schlecht und führt zu Weinstein. Wer das Binnen-I nicht würdigt hat quasi selbst Frauen belästigt.

Wer tatsächlich Verbündete haben wollte, der müsste anders auftreten. Wer nur einen Sündenbock will, ein Feindbild, auf das er seine Sorgen und seine Wut projizieren kann, der macht hingegen alles richtig. Da ist es gut, wenn das Ideal nicht zu erreichen ist. Da ist es gut, wenn man immer mehr fordern kann.

Der moderne Feminismus braucht sein Feindbild dringender als Verbündete.

„Virtue Signalling, männliche Feministen und sexuelle Belästigung“

Eine interessante These:

Wenn es stimmt, dann wären potentielle Erklärungen:

  • Übertriebenes Virtue Signalling könnte das Gefühl bewirken, dass die andere Seite einen doch nun anerkennen muss und einem etwas schuldet
  • könnte so übertrieben sein, weil man seine eigenen Ansichten so besser verstecken kann
  • übertriebenes Virtue Signalling ist ein Zeichen der Unterwürfigkeit  und jedenfalls nicht von Status, wenn man zu „Unterdrückerklasse“ gehört.  Leute, die es verwenden, werden nicht als attraktiv wahrgenommen, so dass sie zu anderen Strategien greifen müssen.

„Liebe beleidigte Männerrechtler: Hört auf mit eurem Mimimimimi“

In einem Gastbeitrag stellt Herr Stemme dar, was er als Feminist von dem Maskul(in)ismus hält:

Wie selbstverständlich stehen die häufig aus der Mittelschicht kommenden, meist männlich sozialisierten Menschen für die Rechte der Männer* ein.

Warum sollte das auch nicht selbstverständlich sein, wenn die Männer* in bestimmten Bereichen Nachteile haben?

Die gängigen Meinungen: Wenn eine Frau* einen Manager-Job hat, wird ein Mann* arbeitslos. Wenn eine Frau* mehr verdient als ihr männlicher* Kollege, dann hat sie sich hochgeschlafen. Wenn heterosexuelle Männer* wechselnde Partner*innen haben, sind sie Helden. Frauen* sind Schlampen*. Wenn Frauen* alleinerziehend sind, dann sind sie selbst schuld. Männer nicht. Sie werden heimtückisch verlassen. Seitdem es Gender Mainstreaming, Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragte gibt, wird mann nämlich unterdrückt, wo frau nur kann.

Habt ihr das schon mal so auf einen männerrechtlichen Blog gelesen? ich jedenfalls nicht. Es sind aber klassische Klischees, die der Feminismus als Schreckgespenst und Strohmann in den Raum stellt.

Dass diese Argumente an den Haaren herbeigezogen sind und die tatsächlichen Probleme umkehren, erkennt man schnell.

Weswegen es sogar schlechte Strohmänner sind.

Eine simple Logik. Probleme erschaffen, die nicht existieren.

Und das von einem Feministen. Nirgendwo werden wohl mehr Probleme geschaffen, die nicht existieren. Der Satz „Frauen können schwanger werden, Männer nicht“ beispielsweise ist wohl nur bei modernen Feministen etwas, was Schnappatmung hervorruft, jeder sonst würde ihn für eine Selbstverständlichkeit halten.

Feministische Argumente umkehren.

Wenn da mal welche wären. Meist sind da schlicht Dogmen und Behauptungen. Wirkliche Argumente bringt der Feminismus kaum.

Aus den Unterdrückern werden die Unterdrückten.

Oder man kommt schlicht dazu, dass „Unterdrücker und Unterdrückte“ bereits der falsche Ansatz ist, weil diese Sichtweise zum einen viel zu binär ist, denn Männer und Frauen haben Vor- und Nachteile in ganz unterschiedlichen Bereichen und auch teilweise eben nur aus der Sicht bestimmter Leute: Eine Frau, die Teilzeit arbeitet in einem relativ nah zur Wohnung gelegenen Job, der wenig Überstunden erfordert, sicher ist, vielleicht im öffentlichen Dienst, dafür aber vielleicht mit einem geringeren Gehalt in der Privatwirtschaft, und die deswegen auch mehr Zeit mit den Kindern verbringen kann, während der Mann Vollzeit arbeitet muss sich beispielsweise nicht unbedingt unterdrückt fühlen, sondern kann auch der Meinung sein, dass sie ihre Lebensplanung perfekt umgesetzt hat.

Und ein geschiedener Vater, der trotz hoher Beteiligung an der Kinderbetreuung dennoch allein den vollen Unterhalt zahlen muss und der für den Selbstbehalt von 1080 € Vollzeit arbeitet, der ist vielleicht der Auffassung, dass die Gesetze dort nicht fair ausgestaltet sind und beispielsweise eine Wechselmodell oder ein leichterer Zugang zum Sorgerecht oder andere Gestaltungen wesentlich gerechter wären.

Reden von sozialer Ungerechtigkeit, die einem widerfährt, wenn anderen Menschen die gleichen Rechte zukommen.

Wo wird denn das gemacht?

Nach diesem Prinzip funktioniert Maskulinismus.

Schade, dass er gar keine Quellen liefert. Denn die meisten Männerrechtler, die ich kenne, sind natürlich für Gleichberechtigung. Allerdings ist Gleichberechtigung auch Ansichtssache: Eine Frauenquote beispielsweise muss eben nicht Gleichberechtigung sein. Denn es gibt es viele Gründe dafür, dass es sehr wenig Frauen gibt, die in Spitzenpositionen kommen, einer beispielsweise, dass die allermeisten Frauen das gar nicht wollen. Und natürlich kann es als ungerecht empfunden werden, wenn zwei Posten vergeben werden und für den einen muss die weibliche Kandidatin mühsam überredet werden und für den anderen kämpfen 5 Männer um den gleichen Platz.

Denn: Die Opferrolle ist schnell eingenommen.

Und das von jemanden, der sich einer Ideologie zugehörig fühlt, die so versessen auf die Opferrolle ist, dass sie sie per Dogma für spezielle Gruppen festlegt, binär in Unterdrücker und Unterdrückte einteilt und jedem, der nicht in diese Gruppe fällt per se verbieten will, sich auch nur in bestimmten Punkten als Benachteiligter zu sehen. Deren ganze Ideologie darauf ausgerichtet ist, die Opfergruppen so weitgehend wie nur irgend möglich zu reinen Opfern zu machen, in dem jedes Anzeichen dafür, dass sie selbst Verantwortung für bestimmte Unterschiede tragen als „internalisierte Frauenfeindlichkeit“ oder „Folgen der Kolonalisierung“ etc abgetan werden.

Und leider finden die Männerrechtler*innen zur Zeit der Wutbürger*innen und der sogenannten Flüchtlingskrise im öffentlichen Diskurs Gehör.

Das wäre ja schön.

Wie einfach es sein muss, in dieser bequemen sozialen Machtstellung zu argumentieren.

Auch das ist angesichts seiner ultraflachen abwertenden Darstellung fast schon lustig: Man nimmt einfache Zuweisungen wie „Die wollen nur Unterdrücken“ oder „die sind alle Nazis und wie Wutbürger“, denkt keine Sekunde darüber nach, ob vielleicht ein differenzierterer Blick notwendig ist, hat sich nie mal umgeschaut, ob diese Angaben überhaupt stimmen, plappert einfach das aus, was man in seiner Filterblase so hört. Bewegt sich da mutig in dem linken Mainstream, der mit staatlicher und medialer Unterstützung diese Seite immer wieder so darstellt und beklagt sich dann, dass diese aus einer „bequemen sozialen Machtstellung“ heraus argumentieren. Wie heißt es im Feminismus so schön „Privilegierte Stellungen sind für den, der sie hat unsichtbar“. Wobei eben auch die Geschichte, dass der Feminismus der Underdog ist, der gegen den großen Unterdrücker mit Macht ankämpft, zum Wohle aller mutig vorgeht, eine der Lieblingsgeschichten im Feminismus ist.

Zur Farce wird die Position der Männerrechtler*innen erst recht vor dem Hintergrund, dass im Weißen Haus ein Raum voller Männer die Abtreibungsrechte beschneidet. Oder in Saudi Arabien über Frauenrechte entschieden wird, aber keine einzige Frau* anwesend ist. Oder wenn in Russland das Gesetz gegen häusliche Gewalt gelockert wird.

Der gute Herr Klemme scheint ein schlechter theoretischer Feminist zu sein, denn die vorherrschende feministische Theorie gibt ja vor, dass man Saudi Arabien deswegen gar nicht kritisieren darf. Kulturrelativismus und die Privilegierung weißer, christlicher, kolonisierender Länder macht das zu einer Anmaßung.

Wäre die Energie, die Maskulinisten aufwenden, um scheinbare Missstände zu bemängeln, in der Gleichstellungsdebatte nicht viel besser aufgehoben? In einem positiven und zielführenden Diskurs, in dem es nicht um Schwarz und Weiß geht. Sondern um Gleichberechtigung.

Immer wieder erstaunlich: Da predigt er, dass Frauen die Unterdrückten sind und Männer die Unterdrücker und will dann einen „positiven und zielführenden Diskurs, in dem es nicht um Schwarz und Weiß geht“. Die gesamte Theorie des modernen Feminismus baut auf Schwarz und Weiß, auf guten Gruppen und bösen Gruppen auf. Und dem Feminismus geht es auch nicht um Gleichberechtigung. Der intersektionale Feminismus möchte Verhaltensverbote, Gruppenschuld, Bekenntnisse zu Sünden, Verachtung und Hass für Menschen nach Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung (in dem Fall dann weiß, männlich und hetero). Er möchte eine strikte Hierarchie nach Gruppenzugehörigkeit in der Gesellschaft, bei der die eine Gruppe stets akzeptieren muss, was die andere vorgibt, weil sie angeblich die andere unterdrückt.

Denn, liebe Maskulinisten, damit auch ihr es versteht: Der Feminismus will die hegemonialen Verhältnisse keinesfalls umkehren. Vielmehr geht es um gleiche Rechte, gleiches Gehalt, Selbstbestimmung auf allen Ebenen.

Der Inquisition ging es auch nur darum, dass der Teufel keine Macht mehr hat, dem Kommunismus nach Mao und Co nur darum, dass alle gleich sind und überhaupt gab es noch nie eine Ideologie, die mit guten Zielen gestartet ist und dann radikal geworden ist und letztendlich Ungerechtigkeit gebracht hat. Nie hat eine Revolution ihre Kinder gefressen.

Frauen haben bereits das gleiche Gehalt für gleiche Arbeit, sie können sich auf allen Ebenen selbst bestimmen und wenn mir der Herr Stemme ein Recht nennen könnte, welches Frauen nicht haben, Männer aber schon, dann wäre ich sehr überrascht. Noch überraschter wäre ich, wenn Feministinnen dieses Recht thematisieren würden.

Die Wirkweise patriarchaler Strukturen ist nach wie vor ein Thema

Im radikalen Feminismus. Auch dort bleibt das Konzept aber vollkommen nebelhaft und es werden keine Kriterien für Machtstrukturen genannt, nach denen nicht auch Frauen Macht haben.

besonders in Zeiten eines weltweiten Rechtsrucks. Vor dem Hintergrund der weltweiten politischen Entwicklungen und dem sozialen Ist-Stand ist der Feminismus noch lange nicht da, wo er hinwill

Nur leider will außer radikalen Feministinnen niemand dort hin, wo diese hinwollen. Eine Welt unter der Herrschaft intersektionaler Genderfeministinnen wäre nicht das Paradies, sondern ein beständiger Kampf, beständige Anschuldigungen, Privilegien zu besitzen.

Deshalb, liebe beleidigte Männerrechtler: Hört auf mit eurem Mimimimimi

Tatsächlich wäre zumindest ich gerne zu einer sachlichen Diskussion ganz ohne Mimimi bereit. Ob es Herr Stemme auch ist?

Devin Faraci: Listen and believe TO THE MAX!

Dies ist ein Gastartikel von Dirk M Jürgens

Das Dogma „Listen and believe!“, das in manchen Kreisen der unangenehmeren Sorte Feministinnen gefordert wird, dürfte allgemein bekannt sein. Es soll Opfern von Sexualstraftaten helfen, Gehör zu finden, bringt aber das schlichte Problem mit sich, dem hohen rechtsstaatlichen Gut der Unschuldsvermutung zu widersprechen.

Wer sagt „Wir müssen den Opfern glauben!“, ignoriert, dass man erst einmal die Wahrheit kennen muss, um überhaupt zu wissen, wer das Opfer ist.

Soweit der allgemeine Fall. – Heute geht es aber um einen speziellen.

In der #trumptapes-Debatte um die Wanderschaften von Donald Trumps Händen (deren Größe ja schon einmal Wahlkampfthema war), äußerte auch Journalist Devin Faraci von der Website Birth.Movies.Death seinen Abscheu darüber.

https://twitter.com/devincf/status/784927561591566336

https://twitter.com/devincf/status/784985670359973889

https://twitter.com/devincf/status/784553150925664256

Wenig verwunderlich, ist er doch als lautstarker Feminist bekannt und dafür, den Islamischen Staat eher zu achten, als GamerGate. Und man muss darüber hinaus ja nun wahrlich kein Feminist sein, um Trump zu verabscheuen.

Doch dann tauchte die Twitter-Userin spacecrone auf und sprach ihn darauf an, ob er sich noch daran erinnere, sie in ganz ähnlicher Art sexuell belästigt zu haben, wie man es Trump aktuell nachsagt:

„quick question: do you remember grabbing me by the pussy and bragging to our friends about it, telling them to smell your fingers?“

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Seine verblüffende Antwort:

„I do not remember this. I can only believe you and beg forgiveness for having been so vile.“

Ob er getan hat, was sie ihm vorwirft, wissen wir nicht. – Er weiß es ja selbst nicht.

Der schräge Punkt ist, dass er ihr aber mehr glaubt, als sich selbst.

Die Antwort „Oja, ich erinnere mich! War ich besoffen! Ich kann gar nicht sagen, wie leid es mir tut!“ hätte einen Flecken auf sein feministisches Image geworfen, aber Sinn gemacht. Die Antwort: „Davon weiß ich nichts!“, hätte zwar für Gerüchte gesorgt, aber Sinn gemacht.

Aber „Ich weiß nichts davon, aber es wird schon stimmen“? Das ist wahrlich bizarr!

Man muss ihm lassen, dass er zumindest konsequent ist und die Maßstäbe, die er vom hohen moralischen Ross propagiert, auch an sich selbst anwenden lässt. Er befolgt „Listen and believe!“ so blindlings und vollständig, dass er sich für Vergehen entschuldigt, von denen er nichts weiß. Man wünscht sich fast, als Experiment würden ihn jetzt weitere Frauen möglichst absurd und offensichtlich falsch beschuldigen (etwa, sein Übergriff habe gerade eben stattgefunden, obwohl sie am anderen Ende der Welt sind) um zu sehen, ob es auch bei ihm eine Grenze des Dogmas gibt, oder ob er es so verinnerlicht hat, dass er auch den Vorwurf, er habe den Raub der Sabinerinnen vor mehr als 2000 Jahren begangen, annimmt.