„Ich habe nichts gegen X, sie sollen sich nur nicht wie Xse verhalten“

Männerhass im Feminismus wird gerne damit relativiert, dass man ja gar nichts gegen Männer habe, sondern nur gegen Männlichkeit und männliches Verhalten. Das sei eben Frauenfeindlich und bestärke entsprechende Strukturen

Es ist eigentlich eine klassische Form der sonst dort gar nicht gern gesehenen Form von „Ich habe nichts gegen Gruppe X, aber…“. Mit Schwarzen oder Homosexuellen ist man sich in dem Lager recht einig, dass danach eigentlich immer Rassismus und Homophobie kommen muss. Bei Männern soll das anders sein, Dabei ist es die gleiche Zuweisung von Eigenschaften nach Gruppenzugehörigkeit.

  • „Ich habe nichts gegen Schwarze, ich mag nur ihr Verhalten nicht“ wäre rassistisch
  • „Ich habe nichts gegen Schwule, ich mag nur nicht, wie sie sich verhalten“ wäre homophob
  • „Ich habe nichts gegen Feministinnen, ich mag nur nicht, wie sie sich verhalten“ wäre wohl auch unter Feministinnen eher so ausgelegt worden, dass man etwas gegen sie hat

Ich vermute mal, dass man im Feminismus anführen wird: „Männer können sich ja ändern und müssen sich nicht so verhalten, das führt zu sexistischen Strukturen und unterdrückt Frauen. Wenn sich Männer nicht so verhalten, dann haben wir auch nichts gegen sie.“

Aber das ist eben dennoch eine Verknüpfung einer negativen Eigenschaft mit einer Gruppe. Und viele Tätigkeiten stören Feministinnen eben dann gerade, wenn Männer sie durchführen, bei Frauen ist es ihnen egal.

Dominantes Auftreten ist eben bei Frauen empowerment, bei Männern Patriarchat. Etwas von oben herab erklären ist bei Männern Mansplaining, bei Feministinnen aber nervigerweise den Erklärbär für Leute, die es noch nicht begriffen haben spielen müssen.

Und es wäre eben auch nicht weniger rassistisch, wenn man sagt, dass man „nichts gegen Schwarze hat, wenn sie eben nicht stehlen und vergewaltigen, sie könnten sich ja ändern“. Weil man eben eine Gruppe verurteilt und ihr bestimmte negative Eigenschaften unterstellt und nur den Einzelnen davon ausnimmt, wenn er sich exkulpiert.

Die Gruppenmitglieder, gegen die man nichts hat, sind dann eben persönlich bekannt und werden deswegen ausgenommen, weil man bei ihnen die negative Sicht nicht aufrechterhalten kann, die man sonst gegenüber der Gruppe hat. Und damit ist es eigentlich recht deutlich, dass man eigentlich ein negatives Verhältnis zu der Gruppe hat, das auf Vorurteilen beruht.

Solidarität unter Frauen und die Abgrenzung zu Männerhass

Naekubi hatte ich hier schon einmal, mit ihrer Ansicht, dass Komplimente der Verdinglichung und Abwertung von Frauen dienen.

Jetzt hat sie bei der Mädchenmannschaft einen Artikel zum „Schwesterncode“ eingestellt, den ich auch interessant finde:

Sie hat sich auf einer Firmenfeier betrunken und eine Kollegin kümmert sich um sie:

“Wie ist deine Adresse nochmal, Naekubi?” Ich hing an der Schulter meiner neuen Kollegin und konnte kaum verbergen, dass ich mich nur mit Mühe auf den Beinen hielt. Es war kurz nach Mitternacht an einem Donnerstagabend auf einer Promotion-Party und mir war schlecht. Sehr schlecht.(…)

Die Kollegin hatte ein Taxi hergewinkt und öffnete die Beifahrertür, um mit dem Fahrer zu sprechen. Ich schaffte es noch, halbwegs verständlich meine Straße zu nennen, während sie mich vorsichtig auf den Rücksitz des Wagens bugsierte und die Daten durchgab. “Komm gut nach Hause!” Die Kollegin schlug die Tür des Fahrzeugs zu, winkte mir noch aufmunternd und ich war auf dem Weg durch die Nacht, nach Hause. 15 Minuten und 15 Euro später lag ich in meinem Bett.

Soweit nichts ungewöhnliches. Sie betrinkt sich auf einer Party, eine Freundin setzt sie in ein Taxi und dieses bringt sie nach Hause. Die Gedanken der Autorin dazu finde ich interessant:

Kurz bevor ich in rauschhaften Schlaf verfiel, kam mir ein kurzer Gedanke: Ein geheimer Schwesterncode. Die Sache ist die: Viele Frauen würden nach wie vor das Label “Feministin” von sich weisen, wenn man sie danach fragen würde. “Nein, ich rasiere mir die Achseln und ich mag Männer!” heißt es da immer wieder entrüstet. Das Klischee der achselhaarbewehrten, latzhosentragenden Feministin – es ist nach wie vor lebendig, und zu selten stellt sich die Frage, warum man überhaupt meint, sich von diesen Attributen unbedingt abgrenzen zu müssen. Und auch der Netzfeminismus kriegt praktisch jeden Tag sein Fett weg, nicht nur von Männern. Solidarität zwischen Frauen? Klingt abgehoben, zu theoretisch, zu links. Warum sollte man sich mit jemandem verbünden, nur weil man das selbe Geschlecht hat? Viele Frauen halten solch feministische Proklamationen im Alltag nicht für notwendig. Sich als Feministin identifizieren erst recht nicht.

Da sieht sie also eine Solidarität unter Frauen, die sie in Bezug auf den Feminismus vermisst. Dazu würde  mir zuerst einfallen, dass eben in vielen Fällen der moderne Gender-Feminismus gar keine Frauensolidarität ist, sondern vielen eben als zu weitgehend erscheint, zu sehr auf ein Nullsummenspiel der Geschlechter ausgerichtet und zu weit weg von der Wirklichkeit. Wer sich wirklich darauf einlässt, in die feministische Theorie einzusteigen, der bekommt eben erst einmal Verhaltensregeln auferlegt, darf nicht zu geschlechterrollenkonform sein, muss gleichzeitig aufpassen, dass er andere Diskriminierungsformen nicht beachtet und wird auch bei Männern schlechter ankommen, weil diese die Feindseligkeit, die in dieser Ideologie herrscht, ja durchaus mitbekommen.

Weiter bei der Autorin:

Gedankenfetzen wirbelten mir durch den Kopf, als ich im Bett lag, was nicht nur auf den Alkohol zurückzuführen war. Kolleginnen und Kollegen hatten im Club immer wieder gefragt, ob alles in Ordnung war. Den Männern sagte ich: Klar, alles bestens. Hauptsache sich nicht angreifbar machen. Ich kannte sie nicht gut, Misstrauen war aus meiner Sicht als Frau deshalb  angeraten. Den Frauen sagte ich schließlich: Mir geht es nicht gut. Ich traute mich, meine Verwundbarkeit zu zeigen. Sie verstanden – meine Aussage deuteten sie sofort richtig: Bring mich bitte hier weg. Genau das taten sie: Sie stützten mich, saßen mit mir auf der Couch, gaben mir Wasser. Kurz: Sie kümmerten sich um mich und halfen mir. “Mir ist das auch schon mal passiert – ich weiß, wie das ist,” sagte die Kollegin, die mir das Glas Wasser besorgt hatte.

Da wird es eigentlich schön deutlich: Sie hat ihre Männerfeindlichkeit so weit verinnerlicht, dass sie es nicht mehr schafft, sich einem Mann anzuvertrauen, auf das er ihr ein Taxi ruft. Die Rape Culture macht eben auch in dieser Hinsicht paranoid: Männer würden ihre Schwäche nach ihrer Vorstellung anscheinend direkt ausnutzen. Mich verwundert etwas, dass anscheinend einfach ein Taxi gerufen worden ist: Die meisten Taxifahrer sind ja männlich. Das wiederum scheint aber okay gewesen zu sein, diesen Mann nimmt sie als Dienstleister anscheinend überhaupt nicht wahr.

Einschränkend kann ich verstehen, wenn einem bei bestimmten Personen unwohl ist, wenn sie jemanden nach Hause bringen, der betrunken ist. Und ich kann auch verstehen, wenn dieses Gefühl bei Männern in Bezug auf Frauen eher auftritt, denn entsprechendes sexuelles Interesse wird eben eher der Mann haben. Das in einen Generalverdacht umzuwandeln, der sich gegen all ihre Kollegen richtet, das hingegen halte ich dann doch für etwas ungewöhnlich, insbesondere wenn es um das Rufen eines Taxis geht. Irgendwie kommt da dann doch durch:

Sicherlich wäre es besser, wenn gerade Frauen sich offen zum Feminismus bekennen würden (wenn sie schon von seinen Errungenschaften profitieren). Es wäre schön, wenn sich alle offen dazu bekennen könnten. Doch bevor es so weit ist, begnüge ich mich mit dem Schwesterncode.

In einer Welt, in der Mann Männer im wesentlichen als Bedrohung ansieht, ist das ja auch durchaus verständlich, da hat man ja sonst keine Verbündeten.

Interessanterweise findet sich darunter ein ungewohnt kritischer Kommentar:

Ich kann nachvollziehen, dass Kontrollverlust bedrohlich wirkt – aber in einer solchen Situation nur Frauen als vertrauenswürdig einzustufen, stellt für mein Verständnis Männer unter einen Generalverdacht. Ich war weiß Gott schon oft besoffen in Clubs und auf Partys, bin nach dem Kotzen auf der Toilette eingeschlafen, hab auch schon mehr unter dem Tisch gehangen als daran gesessen – trotzdem habe ich mich nie als gefährdet betrachtet. Sicher: Nur weil mir nie etwas passiert ist und weil ich nie Angst vor sexueller Gewalt hatte, heißt das nicht, dass das kein reelles Risiko ist. Aber wenn ich mich um eine betrunkene Frau kümmere und die mir im Nachhinein zuschreiben würde, ich hätte unausgesprochen auch die Bedrohung der sexuellen Gewalt gewusst, wäre ich damit mega uneinverstanden. Wenn ich mich um eine betrunkene Frau kümmere, dann nicht, weil ich sie vor Männern schützen will, sondern weil ich sehe, dass es ihr schlecht geht und sie Wasser braucht und ein Taxi. Und wenn ich ihr sage, dass mir das auch schon passiert sei, dann deshalb, weil ich auch schon Wasser und ein Taxi brauchte.

Ich bin Feministin und ich kann mich mit diesem Text überhaupt nicht identifizieren. Schade, dass gerade ein Text, der sich über die männerhassende Zuschreibung von Feminismus beschwert, auf derart generalisierende Weise Frauen in Verbündete und Männer als potenzielle Gefährder aufteilt. 

Der letzte Satz ist in der Tat etwas, was dem ganzen eine gewisse Ironie gibt: Sie beschwert sich, dass Feministinnen als männerfeindlich angesehen werden, und lässt dann im folgenden ein Weltbild erkennen, dass eben genau Männerfeindlichkeit ausdrückt.

„In Männer-Tränen baden“, ironische Männerfeindlichkeit und „Agree and Amplify“ – Male Tears

In den Kommentaren entspannte sich zwischen Schoppe, Mitm, mir und anderen eine Debatte über „Male Tears“ und Aussagen von Feministinnen, dass sie in diesen Baden.

Das klassische Bild dazu ist inzwischen Jessica Valenti:

Jessica Valenti badet gerne in Männer-Tränen

Jessica Valenti badet gerne in Männer-Tränen

Aber auch andere Motive finden sich reichlich:

male tears 2

male tears

male tears

Oder eben auch Bilder mit in lächerlich gezogenen weinenden Männern:

white male tears

white male tears

Was hinter der Verwendung der  „Männertränen“ aus feministischer Sicht steckt wird beispielsweise hier erklärt:

“Misandry”—literally, the hatred of men—is an accusation that’s been flung at feminists since the dawn of the women’s movement: By empowering women, critics argue, feminists arereally oppressing men. Now, feminists are ironically embracing the man-hating label: The ironic misandrist sips from a mug marked “MALE TEARS,” frosts her cakes with the phrase “KILL ALL MEN,” and affixes “MISANDRY” heart pins to her lapel. Ironic misandry is “a reductio ad absurdum,” explains Jess Zimmerman, an editor at Medium and the proud owner of a “MALE TEARS” mug. (“I drink them to increase my strength,” she notes.) “It’s inhabiting the most exaggerated, implausible distortion of your position, in order to show that it’s ridiculous.”
On its most basic level, ironic misandry functions like a stuck-out tongue pointed at a playground bully: When men’s rights activists hurled insults at feminist writer Jessica Valenti on Twitter last month, she posted a picture of herself grinning in an “I BATHE IN MALE TEARS” T-shirt, and dedicated the message to the “misogynist whiners.”

„Reducito ad absurdum“ ist eigentlich eine Argumentationsweise, die wie folgt verläuft:

Die Reductio ad absurdum (von lat. für Zurückführung auf das widrig Klingende, Ungereimte, Unpassende, Sinnlose) ist eine Schlussfigur und Beweistechnik in der Logik. Bei der Reductio ad absurdum wird eine Aussage widerlegt, indem gezeigt wird, dass aus ihr ein logischer Widerspruch oder ein Widerspruch zu einer bereits anerkannten These folgt. (…)

Ein einfaches Beispiel: Um zu zeigen, dass nicht alle Menschen Griechen sind, wird zunächst das genaue Gegenteil angenommen, nämlich dass alle Menschen Griechen sind. Aus dieser Annahme folgt zum Beispiel, dass Cicero ein Grieche war. Es ist aber bekannt, dass Cicero kein Grieche war (sondern Römer). Dass Cicero aber zugleich sowohl ein Grieche als auch kein Grieche war, ist ein Widerspruch. Damit wurde die Aussage, dass alle Menschen Griechen sind, auf einen Widerspruch zurückgeführt (reductio ad absurdum) und so gezeigt, dass nicht alle Menschen Griechen sind.

Das macht eigentlich recht deutlich, dass es sich hier nicht um eine Reducitio ad absurdum handelt. Eher dürfte es schlicht eine Form des Scheinarguments in der Form der Übertreibung sein, wozu die Wikipedia vermerkt:

Mit dem Argumentum ad consequentiam wird aus einer richtigen Schlussfolgerung, aus deren Wahrheit der Aussage unangenehme oder scheinbar unerträgliche Konsequenzen folgen würden, die Falschheit, Unwichtigkeit oder Belanglosigkeit der Aussage durch Übertreibung unterstellt, um den Gegner lächerlich zu machen. Beispiel: „Wenn die Erde sich tatsächlich durch den von uns verursachten Kohlendioxid-Ausstoß erwärmen würde und dies unabsehbare Folgen hätte, dann müssten wir den Energieverbrauch durch fossile Brennstoffe in der Tat drastisch einschränken. Da dies aber unsere Industrie, unsere Autos und Haushalte sowie das ganze wirtschaftliche Leben aller hier Anwesenden vollkommen ruinieren würde, brauchen wir nicht weiter darüber zu diskutieren.“

Hier wäre der Vorwurf der Misandry etwas, was der Feminismus nicht gerne sehen würde, da man sich ja zu den Guten zählt. Also macht man diese Position durch Übertreibung lächerlich, wobei man hieraus kein Argument aufbaut, sondern einfach nur die Position ins lächerliche Überzieht.

Diese Figur ist ansonsten auch unter dem Stichwort „Agree and Amplify“ bekannt:

Auf einen Vorwurf hin stimmt man diesem zu und übertreibt ihn gleichzeitig ins lächerliche.

Beispiele aus dem Pickupbereich, wo diese Technik gerne gegen „Shit-Tests“ empfohlen wird, findet man zB bei Heartiste:

If you aren’t a natural at deflecting shit tests of all varieties, then you must teach yourself. For those men not blessed with the quickness of mind and aloofness of temperament to handle shit tests like a champ, a system must be devised. I’ve found one. I call it the Agree & Amplify anti-shit test counterinsurgency.

The concept is simple. When you are hit with a shit test, agree with your girl, and then amplify your agreement. Here are some examples:

GIRL: “Why didn’t you call last night? Are you dating someone else?”

YOU: “Yep, I’ve got a harem to service. Be happy you’re in the top tier.”

***

GIRL: “Are you just going to sit around all day playing video games?”

YOU: “Damn straight. With enough hard work I should be able to push this to a full month.”

***

GIRL: “We’re going to that restaurant again?”

YOU: “Yeah, and because you’ve bitched, we’re going there for the next ten years.”

***

GIRL: “Sometimes you can be such an asshole. My ex knew how to treat a lady.”

YOU: “I bet he did. You should beg him to take you back. I could use the peace and quiet.”

In der Tat ist „Agree and Amplify“ ein hoch wirksames Mittel gegen solche Shittests und auch sonstige Vorhalte in vielen Bereichen.

Die Wirkung beruht darauf, dass man durch die Zustimmung eine gewisse Angriffsfläche nimmt und durch die Übertreibung gleichzeitig die Gegenseite in die Lage bringt, dass sie die Übertreibung abbauen muss. Wenn er die Übertreibung angeht, dann wirkt derjenige gleichzeitig aber etwas hilflos.

Der Dialog wäre also etwa der Folgende:

M: „Feministinnen sind männerfeindlich, weil…“

F: „Stimmt, wir brauchen die Männertränen für unserer tägliches Bad, deswegen quälen wir Männer bis aufs Blut“

M: „Das habe ich nicht behauptet. Ich habe darauf abgestellt, dass konkrete Theorien im Feminismus aus diesen und jenen Gründen männerfeindlich sind“

F: „Männerfeindlich ist noch zu wenig gesagt, wir unterdrücken Männer aus reinem Spass an der Sache, und außerdem, weil ihre Tränen einfach köstlich sind“

M: „…“

Man präsentiert also schlicht keine Gegenargumente, sondern bleibt dabei, dass die Position lächerlich ist, ohne inhaltlich etwas dazu zu sagen. Die Gegenseite muss dann irgendwann erkennen, dass sie hier nicht rational argumentieren kann. Insofern scheint der Feminismus hier „unlauterer und menschenverachtende Pickuptechniken“ zu verwenden.

In dem Artikel geht es wie folgt weiter:

But ironic misandry is more than just a sarcastic retort to the haters; it’s an in-joke that like-minded feminists tell even when their critics aren’t looking, as a way to build solidarity within the group. “A lot of young feminists who I follow on Instagram and love this shit are teenagers,” Valenti says. (Search the tag #maletears and you’ll find dozens of young women—and a few young men—posed with a novelty mug.) “The feminism they grew up with was the feminism of snarky blog posts, and this is a natural extension of that.”

Also dazu noch über das Lustig machen über die Kritik ein gruppenbildender Effekt. Das kann ich mir vorstellen, denn Agree and Amplify läßt einen herrlich über den Dingen schweben und baut in gewisser Weise Status auf: Man steht über der Position des anderen, es ist eine Form der „amused Mastery“.

Im Artikel heißt es weiter:

But man-hating is not just for fun: It’s also a clever tactic for furthering the feminist agenda. As Jillian Horowitz notes in a recent essay at Digital America, ironic misandry is typically paired with expressions of “overt femininity, bordering on the exaggerated”: Think of the mild-mannered ladies’ book club, the domesticmisandrist cross-stitch, or this “misandry makeup tutorial.” The exaggerated femininity works in two directions: On one level, pairing misandry with the trappings of girlish innocence helps puncture the image of feminists as man-hating monsters. But at the same time, lining feminine spaces with images of weaponry is a sly recognition that female solidarity can still pose a powerful threat to the status quo. Advocating for women’s rights won’t lead to the castration and extermination of all men, of course, but it will require the deflation of male power: Putting more women in the Senate will mean fewer male senators; elevating more women’s voices to the op-ed page will require silencing some men. Ironic misandry, then, allows feminists to contest the idea that they are radical man-haters, while simultaneously owning the fact that full equality between men and women remains a radical notion.

Das „ironische  Männerfeindlichkeit“ mit besonderer Weiblichkeit einhergeht wäre mir noch nicht aufgefallen. Vielleicht sind Bilder wie dieses gemeint:

Fuck the Patriarchy

Fuck the Patriarchy

Das wäre immerhin ein bizarres Spiel mit den Geschlechterrollen, die man ja eigentlich aufheben möchte, ein verstecken hinter der „weiblichen Unschuld“, mit der man eben auch solche Vorwürfe gut ins lächerliche ziehen kann. Die versteckte Aussage wäre dann „meinst du wirklich, dass wir Frauen irgendwas schlimmes gegen Männer machen? Wir sind dafür ja viel zu harmlos, wir sind keine Männer, deren Frauenhass sich tatsächlich in Toten und Vergewaltigten auswirkt“. Was eben dann noch zusätzlich dazu dient, den Vorwurf ins lächerliche zu ziehen und auch etwas mit „Hast du etwa Angst, dass dir Frauen Gewalt antun? Bist du nicht stark genug, dich da zu wehren?“ spielt.

Das dann nach deren Vorstellung gleich doch wieder die Vorstellung hängen bleiben soll, dass Frauen vielleicht doch gefährlich sein können, ist da etwas widersprüchlich.

In dem Artikel heißt es dann:

There’s another reason that the once ubiquitous “This Is What a Feminist Looks Like” T-shirt has officially been usurped by a cheeky “Ban Men.” Sincere feminist identification can sometimes feel like more trouble than it’s worth. When women don’t identify as feminists, they’re scolded that feminism simply means equality between men and women, and they’d have to be ignorant to reject the label. But women who do embrace the term find that feminist identification is not so simple: They stand to see every little personal choice dissected and critiqued from a feminist perspective, from the color of their wedding dresses to the filters on their selfies. It can be freeing, then, to instead adopt an ironic stance that allows women to identify against what they clearly are not: A cartoonish man-hater bent on total male destruction. And by squarely targeting anti-feminists, ironic misandry avoids dwelling on what feminists themselves are doing right or wrong. As Zimmerman puts it, it allows women to criticize “patriarchal ideals without also shitting on your fellow gal-identified types.”

Das ist noch einmal eine interessante Funktion: In dem man den Angriff gegen sich übertreibt und darauf abstellt, dass alle einen für Männerhasser halten, schafft man eine „Wir werden angegriffen“-Zustand. Das ist ein Zustand, der im Feminismus ganz gerne beschworen wird: Man greift eine bestimmte Gruppe an, indem man ihnen Sexismus vorwirft, wenn diese sich dann wehren, dann sieht man das als haltlosen Angriff gegen sich selbst, übertreibt das noch etwas und schon kann man die Reihen gegen den Angriff schließen.

Insofern keine dumme Strategie.